nt. 132 Der Eirtzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SietzenerZamilieilbiätter; zweimal wöchentl.tlreis- blatt für den Kreis Eichen (Tienstag und Freitag); zweimal monatl. kand- wirtfchoftliche scitfragcn Feknsvrech»Anschlüsse: inr die Redaktion I1L, Verlag ». Expedition 51 Adresse sür' Depeschen: Anzeiger «Sieben. Annahme non Anzeigen «ür die Tagesnummer bis vornnttags 9 Uhr. Erstes Blatt * 164 Jahrgang Dienstag. 9. Juni 19X4 General-Anzeiger für Oberhessen Rotatioitsörntf und Verlag der Srühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei R. Lange. Bezugspreis: monatlich75Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole« u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch diePost MI. 2.— viertel« jährl. ausschl. Bestell^. Zeileiwreis: lokallöPf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goek;. Verantwortlich für de» volit. Teil: Aug. Goetz; für „Feuilleton", „Ver- nnfchtes" und„Gerichts» faal": Karl Neurath; für „Stadt und Land": _ . , .... .. . Kurl Bendt; für den Redaktion, Erpedltion und Druckerei: Zchulstrahe 7. Anzeigenteil: H. Beck. Nicht Kabinetts- sondern Ztaatzkrisjz. Aus Paris wird uns geschrieben: Daß Frankreich jedes Fahr seine Ka b i n c t tskr i fi3 l>at. Damit rechnet man allgemlach wie mit der regelmäßigen Wiederkehr der Jahreszeiten. So hartnäckige Schwierigkeiten wie diesmal aber hat noch keine ihrer Lösung entgegen- gesetzt, und die im Laufe einer Woche nntcrnonnnrnen Persuche sind sämtlich gescheitert. Die Schwierigkeiten sind doppelter. Art. Wenn in parlamentarisch regierten Ländern eilt Ministerium gestürzt wird, so irkuß dies doch durch eine parlamentarische Mehrheit geschehen, und cs liegt in der Ratnr der Sach«, daß die siegreiche Mehrheit aus sich heraus die Kabinettsbildung in die Wege leitet. Der nor- tnaie Fall war jedoch diesmal nicht gegeben, da Do umer- g ue cs vorgezogen hatte, zu gehen, bevor er gegangen wurde. Tic zweite Schwierigkeit liegt darin, daß Frankreich durch die Frage der M i l i t ä r d i c n st z c i t in zwei Heerlager gespalten ist, die beide in,allen anderen politischchi Fragen nichts weniger als homogen sind. Für die Parteien der Rechten und die gemäßigten Republikaner ist die dreijährige Dienstzeit, ein Bliimlcin „Rührmichnichtan". Die Radikalen wären im Grunde zu Kompromissen bereit: sie wagen cs nicht, die dreijährige Dienstzeit jetzt abzuschaffen, nachdem sic soeben erst wieder eingeführt wurde, aber sie möchten doch einen Wechsel auf die Zukunft haben, der für später den Abbau des Treijahrsgesctzes in Aussicht stellt. Tic Radikalsozialistcn verlangen wenigstens eine stufenweise Herabsetzung, und die Sozialisten fordern die sofortige Rückkehr zur zweijährigen Ticnstzeit. Aber schon in der nicht minder aktuellen Frage der Einkommensteuer mit Selbsteinschätznng --ändert sieb das -Bild, da hier, die Linke von den Radikalen bis zu den Sozialisten wenigstens im Grundsatz einig ist, während die Rechte jene Reform leidenschaftlich bekämpft. So ergibt sich in Frankreich eine vollkommen zerfahrene politische Lage, die dadurch noch weiter erschwert wird, daß der Präsident Poincars, der seinerzeit mit Hilfe der Rechten und der gemäßigten Republikaner gegen den überwiegenden Teil der Linken gewählt wurde, sich erst unlängst init einer bei ihm ungewöhnlichen «Entschiedenheit für das Treijahrsgesetz erklärt hat und wohl oder übel an diesem Standpunkt festhalten muß, schon weil er den Parteien der Rechten gegenüber wenigstens moralisch gebunden ist. Aus dieser verfahrenen Lage erklärt cs sich, daß- die Mission Vivianis, der mit seinen Kompromissen eine Art -Quadratur des Zirkels anstrebte, scheiterte, und daß Deschancl, Peytral und Dupuys ablehntcn, während der seit einiger Zeit immer auffälliger präsentiert-! Telcasse sich ans sein Karbunkel berief. Wie groß Poin- cares Verlegenheit ist, geht am deutlichsten daraus hervor, daß er sich zum Schluß sogar des 72jährigen Ri bot, des Mitbegründers der französisch-russischen Allianz, erinnerte, dem die Parteien der Linken längst nicht mehr trauen, und dem sic seit Jahren starkes Liebäugeln init der Rechten vorwerfen. Es ist kennzeichnend, daß die Blätter der Rechten von Ribot die Bildung eines starren, d. h. aus dem Treijahrs- gcsetz ansgcbantcn Kabinetts erwarten, nachdem Vivianis halbstarres Kompromißministerium ausgeflogen ist, während die Organe der Linken nur von eineni — um im Bilde zu bleiben — unstarren Kabinett das Heil crhosscn, d. h. von einem Block der Linken, dessen Tendenz notwendigerweise gegen das Treijahrsgesetz gerichtet sein müßte. Die Gozzoli-Zresken im Lampo Santo von Pisa. Die Tausende von deutschen Kunstfreunden, die alljährlich nach Pisa pilgern, um im Campo Santo die berühmten altitalienischeu Wandgemälde zu schauen, werden sich der großartigen Freskcn- Serie entsinnen. die an der Nordwand die Geschichten der Genesis erzählen und in denen Benozzo-Gozzoli mit Meisterhand in aem» pera 2.2 Tarstcilunge» aus dem Alien Testament verkörpert bat. Es sind Noahs Weinlese und Trunkenheit, dabei die verschämte Zuschauerin, ,,la vergognosa di Pisa", Hains Verfluchung, die Geschichten Abrahams, Isaak-, Jakobs, Elans, Josephs,.Mojes und Arons, der Sturz-der Mauern von^Jcricho, die Geschichten Tavidet, Salotnos und der Königin von zpaba und der Turmbau zu Babel, au, dem Benozzo eine Reihe berühmter Zeitgenossen, Cosimo de Medici, dessen Sohn Piero und seine Enkel Lorenzo und Ginliano, verkörpert bat Schon seit langem ,var der fortschreitende Verfall dieser be- rühmten Wandgemälde der toskanischen der Renamance nrmt mehr -u verrennen: sie bedroht das gleiche Schicksal wie die prächtigen Fresken Paolo Ucecllos inr grünen Chor von Santa Maria Novella in Florenz. Tic mächtige Gestalt, die ,m Turmbau von Babel den Mittelpunkt der Familicngrupvc der Medicäer bildet, ist zuni großen Teil bereits- zerstört, Schultern und Kopf sind verschwunden, und die übrigen Wandgemälde erscheinen vor dem JA schaucr beinahe als- ein Chaos sich zersetzender Farbcnparticn. ^cit säst einem halben Jahrhundert tat man immer wieder die Restauratoren zu Hilsc gerufen, um diese langsam dahinsterbcndcir Meisterwerke zu retten. Man versuchte es mit Swckeinspritzungen, mit Mctallnctzcn, mit allen bisher üblichen Wiedcrliersteilnngs- vcrsahreii, aber der Periall der Bilder blieb unoushaltian,. Por kurzem unternahm Ezio Giovaiw'.zi noch einen .Versuch, ans den große Hoffnungen gesetzt wurden, aber die Ergebnisse waren un befriedigend und haben dem Restaurator ivegen der starken Ein- arisse, die er sich erlaubte, mannigfachen Tadel eingetragen. Nun hat sich die italienische Regierung entschlossen, einen letzten Versuch zu machen, die Fresken der Zukunft zu erhalten. Tic Mitglieder des Rates der 'Altertümer und der schönen Künste besichtigten dieser Tage in Visa die Wandgemälde und haben daraufhin beschlossen, Lingi Eavenaghi, dem die Restaurierung"oes Lu>- nardosche'n Abendmahles io glücklich gelungen ist, die Wiedcrbcr- Ilellung der Solozn'-Frcsken zu übertragen. Eavenaghi beginnst bereits in den nächste» Tagen mit Versuchen, bei denen er, zunächst nui einer Fläche von wenigen Qiiadratzcntimctcrn, ein neues Wicdcrhcrstcllungssyste erproben will. Es handelt sich da- ba ünr eine Einspritzung : mit Terpentin getränktem gelösten Harz das bestimmt ist, sie ttior die Farben zu legen und die losbröckelnden Farbenteilchcn wieder zu befestigen. Von dem Er- Aber welche Kombination auch zum Schluß nach der kabincttslosen, der schrecklichen Zeit verwirklicht werden sollte, sie wird nicht von Bestand sein, sie kairn nur ein Provisorium darstellen, da die Grundlage für ein parlamentarisch gesichertes Kabinett fehlt, so lange- nicht in der Depnticrtenkammcr der erneute Kamps ansgcfochtcn worden ist, der mit dem Feldgcschrei geführt werden wird: .Hie Treijahrsgesetz, hie allmähliche Rückkehr zur zweijährigen Dienstzeit! Tic außerordentliche Gefahr der Krisis liegt, wie schon gezeigt, darin, daß die Parteien, welche in dieser Frage übereenstimmcn, in fast allen anderen von cntschci- dender. Bedeutung uneinig sind. Die Gefahr liegt weiter darin, daß sich hier ein scharfer Gegensatz zwischen der derzeitigen Kamnicrmehrheit, wie sic aus den Wahlen hcr- vorging, und dem Präsidenten der Republik herausgebildet hat. Eben deshalb kann man nicht mehr von einer Kabinettskrisis, sondern man muß von einer Staatskrisis sprechen, deren Fäden sich von der Seine bis zur Newa ziehen. Zwar dementiert die RcgicrnngSpresse die Meldung von der russischen Einmischung, aber trotzdem scheint es sicher zu sein, daß von Petersburg aus ein starker Truck aus die Beibehaltung der dreijährigen Dienstzeit ausgcübt worden ist. Dies ist der bedeutsame internationale Hintergrund der Kabinettskrisis, die, selbst'wenn ihre provisorische Lösung gelingen sollte, sich leicht urplötzlich in eine PräsidentschaftS- krisis verwandeln könnte. Da aber die Frage „dreijährige oder zweijährige Dienstzeit" in letzter Linie trotz aller Ab- leugnngen mit der Stellung der Parteien zur Revanchehoff- nnng zusammenhängt, so erhellt hieraus, daß die gegenwärtige Krisis, ebenso wie ihre Lösungsversuche, eine weit mehr als innerpolitische, eine weltpolitische Bedeutung aufweisen und daß man besonders in Dcnischland sehr ernsthafte Gründe hat, diesem Jntriguen- und Ränkespiel mit angespannter Aufmerksamkeit zu folgen. PariS, 8. Juni. Ribot beabsichtigt, ein Kabinett der Linken zu bilden, in dem mehrere Minister aus dem früheren Kabinett, vor allem N v ul e n s und Bi v e a nt sich befinden wcr- iden. Ribot ist der Ansicht, eine militärische Frage sei nicht gestellt. Das Kabinett müsse das Gesetz ebenso loyal anwenden, wie das Kabinett Doumergne. De l c a s s e , der an einem Karbunkel leidet, ist gestern operiert worden. Er hat leichtes Fieber und hustet stark, da er erkältet ist. Sein Zustand gibt zu Besorgnissen keinen Anlaß. Ribot erklärte einem Berichterstatter: ,^hch habe niemand ein Portcsenille angeboten und kami cs auch noch nicht. Tenn bevor ich annehme, muß ich die Lage prüfen imd mit mir ernstlich zu Rate gehen." Wie cs heißt, bat Viviani cs abgelehnt, in das Kabinett Ribot einzutrctcn. Nonlens machte d:e Ilcbcrnahmc des Porrc- ienillcs von der Zustimmung seiner politischen Freunde abhängig, Leon Bourgeois versprach seine Mitarbeit. Die Haltung der Russen. Paris, 8. Juni. Hiesige Blätter heben hervor, daß die r u s st s ch e 'P re j j e einstimmig bedauere, daß Telcasse infolge seiner Erkrankung nicht in der Lage gewesen sei, ein Kabinett zu bilden. Insbesondere wird ein Artikel der „Gazette de St. Petcrsbourg" zittert, in welchem erklärt wird, daß ein Ministerium De leas so in ganz Rußland mit lebhafter Freude ausgenommen worden wäre, denn dami würden an der stelle Frankreichs zivri kraftvolle und aufrichtige Patrioten und wahre Freunde Rußlands stehen. Die Untersuchung über den verrat der beiden Italiener in Albanien. Durazzo, 8. Juni, (Agenzia Stesani.) Gestern hatte der italienische Gesandte eine Besprechung mit dem gebnis dieser Versuche wird cs nunmehr abbängc», ob eine Mög lichkeit besteht, die berühmten Meistcrwerke'dcr Nachwelt zik retten. — Eine neue Komödie von G u st a v Wied. Aus Wiesbaden wird uns geschrieben: Im König!. Theater fand die Uraufführung der Komödie „T i c E n I e" statt. Ter Bcr sasscr ist der Däne Gustav Wied, der erfolgreiche Autor von „2x2 --- 5". Diese neueste Komödie des geistreichen Dänen, in der ilebersctzung von Earl Morbnrgcr weist starke literarische Qualitäten auf. Bier Ausschnitte aus dem Leben, die sich ancinander- reihen. Anton Peter van Borgen ist wie ein harmloses Kind, das mit naivem Egoismus seine Tochter in die Hände eines gewissenlosen Impresarios liefert, sein fünfzehnjähriges Mädel, das so schön singd und nun als knapp dreizehnjähriges Wunderkind auftrctcn muß. Wahl sträubt sich die Mutter dagegen, aber Line, die Kleine, tut alles, was der Vater will, dieser Vater, der sic liebt und sic abgöttisch liebt, — Und der gar nicht ihr Vater ist. Line, jetzt Lilli Sonntag von Borg, wird auf der Tournee so krank, daß ihr Kontrakt gelöst werden muß. Es geht wieder nach Hause in das einfache Heim. Der Traum, von eer fabelhaften Gage der Kleinen, das aroßc Gut der Elter» znrückkaufcn zu können, acht nicht in Erfüllung. Ter Vater mit seinem goldenen Leichtsinn hat das kleine Vermögen in Monte Carlo mit einem „System" ausgerüstet verspielt. Aber bald wollen sie wieder hinaus in die Well, neues Gold erraffen, neue Lorbeeren ernten. Das kaum genesene Kind ver- spricht dem Vater mit leuchtenden Angen, wieder singen, verdienen zu wollen. Ter richtige Vltztcr des Kindes Imll sprechen, will dem Ahnungslosen sagen, daß er der Vater des Kindes ist, da tritt Frag Mägde, die den Verführer noch immer liebt, aber auch den Gatten nicht kränken will, die schwer an ihrer Schuld trägt, dazwischen, schließt dem einstigen Gettebten durch ein energisches Wort den Mu:rd und erklärt mit fester stimme: „Kein Wr,rt weiter. Wir reisen ich weiche-dir treu zur Seite stehen." So will Fra» Magde sühnen, indem sie ihr Liebstes ovf'ert, indem sic weiter mit dem leichtsinnigen, gutherzigen Menschen durch das Leben geht, ihr Schicksal an sein unsicheres Schicksal kettet und immer voller Angst ist, welche geniale Idee ihm wohl nächstens durch den Kops gehen wird. Gesvielt wurde durchweg gut. Bis ans wenige Kleinigkeiten war die Regie vorzüglich. Tas zahlreiche Pnbliknm brachte dem Stücke erst lcbhaites Interesse und viel Beifall entgegen, blieb aber zum Schluß kühl, fast feindlich. B. v. N. — Eine neue Operette in den D a r m st ä d t e r F r ü h l i n g s f c st s p i e l e». Aus T a r m st a d t, i>. Juni, wird uns geschrieben: Tic Frühlingsiestspielc fanden mit der Uraufführung von „Hans im Glück", einer dreiaktigen Ovcrettc von O t t c n h ei m c r , ihren Abschluß. Das Libretto erzählt die Geschichte von einem armen Kapellmeister, der eine Grascntochicr liebt. Das Schiilsal zivingt ihn, zu ihrem Verlobungsfest aufznspiclenZ Fürsten Wilhelm und den Ministern, welche anerkannten, daß der holländische Oberst schsch gelfmidclt habe, und versprachen, volle Genugtuung zu geben. Ter italienische Gesandte bestand auch auf der Prüfung der Papiere, die von einer geniischten Kommission vorgenommen wurde, weil der Gesandte die Haltlosigkeit der Anklage bcweffen will, ungeachtet der Genugtuung, die für die Verletzung der Kapitulationen geschuldet wird. Es heißt, die holländischen Osfiziere, besonders Oberst Thomson, verweigern der albanischen Regierung den Gehorsam, weil sie ihr Amt aus dem Mandat der Machte herlciten. nne es ans der Londoner Konferenz beschlossen wurde. Tie albanisch^ Regierung richtete an den italienischen Gesandten ein offizielles Schreiben, in welchem sie die bereits abgegebenen Versprechungen wiederholt, daß sie Italien für die Vcrhaftemg des Obersten Muricchio Genugtuung geben loolic. Sobald der Ausschuß, welcher 'die Papiere prüft, die Schuldlosigkeit Muricchios scstgestellt hat, ivird die albanische Regierung die holländische Regierung um die Ersetzung der für den Vorfall verantwortlichen Offiziere ersuchen. Durazzo, 8. Juni, löestcrn abend wurde vom Untersuchungsausschuß in Sachen Muricchio und Chintgo, der aus drei italienischen Mitgliedern sowie ans vier albanischen Mitgliedern besteht, ein Protokoll anfgcnommcn, das die Prüfung der bei dem Obersten Muricchio gesniidenen Papiere betrifft. In dem Protokoll heißt es: Bei der Nachprüfung der beschlagnahmten Papiere kamen die vier albanesischen Mitglieder zu dem Ergebnis, daß der Inhalt eines Briefes fiir MUricchio konipromittierend sei. Tic drei italienischen Mitglieder kamen dagegen zu dem «Ergebnis, daß die nachgeprüftcn Briefe weder im allgemeinen noch inbezug auf die Anklage, deren Gegenstand der Oberst ist, irgend etwas konipromittierendes enthalten. Sie versichern, daß es sich bei dem oben erwähnten Briefe um einen Privatbricf bandelt, in denen Oberst Muricchio nur seine persönlichen Ansichten und Eindrücke ansspricht, die in keiner Weise mit der Anklage zusaimnenhängen. Was Chintgo betrifft, so stimmen alle Mitglieder darin überein, daß die Papiere nichA ihn Belastendes enthalten. Die Abwehr des Ansstandes. Wien, 8. Juni. Die „Alban Korrespondenz" meldet aus Durazzo: Infolge der Verhängung des Belage- run gszust nndes ist die Einsetzung eines Kriegsgerichtes verfügt worden. Im Lager der Aufständischen sind ernste Zwistigkeiten ausgebrochcn, infolge deren eine größere Neigung zur Unterwerfung vorhanden sein soll. Tie Lage Ivird' hier als gebessert angesch?n. Wie auS E l b a f f a n gemeldet wird, lfat eine issendarmcric- abtcilung die Aufständischen nach einem heftigen Kampf aus dem Torfe Bradaschesch vertrieben. Eine 'große Anzahl Freiwilliger hat sich der Gendarmerie angeschlosscn, welche gegen Tirana vorgcht. B a l o n a, 8. Juni. Oberstleutnant Th o m s o n ist zur Teilnahme an der Versammlung der Notabeln hier cin- getrossen. Seine Aufforderung zur Bildung eines Frei-willigeknkorps gegen die Rebellen wurde mit großer Begeisterung und Ovationen für den Fürsten und die Regierung ausgenommen. Thomson kehrte nach Turazzo zurück. Deutsche» Reich. Das preußische Abgeordnetenhaus wird zu einer kurzen Nachsaison am heutigen Dienstag zu- dabei kommt es natürlich! zu einer Aussprache und zur Flucht der Liebenden. Im dritten Mt kriegen sic in einem kleinen Tiroler Bahnhof den Segen des Vaters: der im Automobil gefolgte fürstliche Bräutigam bekommt seine Sängerin. Die Komposition kann kaum den Anspruch erheben, die Operettenmnsik mit Ncuschövsnngen bereichert zu haben, da sie zu viel bekannte Melodien enthält, so einen Walzer, der seine Zugkraft längst erwiesen hat. In zwei bis drei Liedkompositioncn sindet sich der sshisatz zu seriöse»! Tonlatz, aber er ist kraftlos bis ans ein Duett voni Scheiden und Meiden. Ten starken äußeren Eriola brachte einzig die glänzende Besetzung durch erste Kräfte, Max Pallenbcrg-Berliii, Mizzi Günther, Mimt Marlow« Hubert Marischka-Wicn und Bruno Harprecht-Tarmstadt. — EinFranksurtcrRichard-Ttrauß-Muscnm. AM Frankfurt a. M., 8. Juni, wird uns geschrieben: Ter LMngroßhänhler Nicolas Manskovs hat ans Anlaß des am 1l. Juni stattiindcndcn 50. Geburtstages von Rickiard Strauß die Anregung zur Gründung eines Richard-Stranß-Mn- s e n ü! s gegeben. Tas Museum Ivird spätestens im Frübjahr 1915 eröffnet. Als Grundstock hat, ihm Manskopf eine bedeutende flnzahi von Tokninenten, Porträts, ^iomposittonen und Bildern von Tarstellcrii bei Uraufführungen Ltraußscher Schöpfungen zur Verfügung gestellt. Schlangengift gegen Epilepsie. Vor einigen Jahren mußte ein anierikanischer Arzt in Texas die merkwürdige Beobachtung machen, daß bei einer an schwerer Epilepsie leidenden Patientin infolge des Bisses einer Klavpcrichlanae die Anfälle aushörtcn. Tr. Spangler machte daraurhi» in Philadelphia eine Reihe von Versuchen, bei denen er Evilevtikcrn präpariertes Klavperschlangcngist, das er Crotalin nannte, in Mininialen Quantitäten in die Haut einspritzte. Tie Folgewirkunacn waren sehr günstig, und io begannen 1!H1 zwei iranzösiichc Acrzic, die Tok- ioren Ealmclte und Mözie, ähnliche Versuche, die nun zum Ausbau einer neuen Heilmethode gegen Evilcviie geführt haben. Tic Experiniente wurden an geistesschwachen und geistesgestörten Evi- leptikcrinncn unternommen, und in lämtliche» Fällen zeigte die Anwendung von Klapverichlangengift günstige Ergebnisse. Tie Zahl der Aniällc nahm ab und verminderte sich in den verschiedenen Fällen um von 29 bis zu 73 Prozent. Tie Wirkung der («iifl- einsvritzung war um so günstiger, je jünger und robuster die Patientinnen waren. — Kurze Nachrichten an s Kunst u n b_ Wissenschaft. Bei Gelegenheit des II. Livvilchen Muiikiestes, welches voni 22.—24. Mai in Tetmold stattfand, wurde der Kölner B a r i t o n i st Ernst E v e r t s voni Fürsten Leopold zur Lippe zum „Kammersänger" ernannt. sammentreten, hauptsächlich um die Kesoldungs- 110 Delle ju verabschieden. Daneben sollen noch einige kleine Borlagen und das Fideilömmißgesetz in erster Lesung beraten werde». Das Abgeordnetenhaus will diese Aus- ' gaben in der lausenden Woche losen, das Herrenhaus wird voraussichtlich erst *u Beginn der nächsten Woche die Besoldungsvorlage verabschiede». Tie Fraktionen des Ab- g e o r d n e t e n h a u s e o werden sich heute (Dienstag) mit der Besoldungsnovelle beschäftigen, da der Budgetausschutz die begonnene Beratung der Novelle am Monlag abend beendet hat. Tie Novelle wird in der Regierungssassnng Annahme finden. Für den Fall, daß sich die Berhand- Inugeu des Landtags bis in die Mitte der nächsten Woche Hirniehen, soll ini Abgevrdueteuhause vorgeschlagen werden, nach Erledigung des vorgenommenen Pensums noch die Denkschrift über den Bauschwindel in Groß- Berlin zu beraten, da verschiedene Jnteressentengruppen mit den Schlußfolgerungen der Denkschrift nicht überein- stimmen und gesetzliche Maßnahmen zum Schutze der Bauhandwerker fordern. Das Reichstheatergesetz wird, wie wir hören, dem Bundesrate in den nächsten Tagen zugehen und im Laufe des Juni verösfentlicht werden. Aus der badischen Zweiten K a NI m e r. In der Nachmittagssitzung der badisch.',! Zweiten Kammer vom Montag brachte der Finanzminister einen zweiten Nachtrag zum Voranschlag der allgemeinen Staatsverwaltung ein mit einer Gesamt- sorderung von 1914 580 Mark. Unter den verschiedenen Anlegungen ist hervorzubeben ein Betrag von 40 000 Mark für die Bearbeitung des Entwurfs zur Verwirklichung der Kanal i sie- rnng des Rheins von Straßburg bis Basel. 2luilatt6. Internationaler KIngreß der Handelskam- m e r n Zn P a ri S wurde am Montag vormittag unter dem Vorsitz des Handelsministers Peret der internationale Kongreß der Handelskammern und der kausmännchchen UN) industriellen Vereinigungen mit einer feierlichen Sitzung in der Sorbonne erösi- net. lieber 80 deutsche Handelskammern und kaus- inannische Vereinigungen haben zu dem Kongreß ihre Telegierten entsandt, darunter den Präsidenten und Vizevräiidenten des deutschen Reichstages Tr. Kämpf und Tone, serner Achelis, Andreae, Richard Schmidt, Sötbeer, Ravens, Münsterberg, Richter, Professor Avt usw. Aus Oesterreich sind die Delegierten von 43 Handelskammern erschienen. Zwischen Bulgarien und Oe st erreich-Ungarn ist eine P o st k o n v e n t i v n abgeschlossen worden, durch welche die Briestapen in dem Verkehr mit den beiden Ländern weienilich herabgesetzt und den Jnlondtariseu gleichgestellt und auch die Herabsetzung der Telegrammtaxe und die Herstellung einer direkten Telegraphenlinie Wien—Sofia in Aussicht genommen worden iit. Schisfsbe st eil ungen der Türkei. Gerüchtweise verlautet, baß die Pforte in England 10 Unterseeboote b e ft e 111 habe. 2a,ks derart cs, um au den Zarin, der heute die Qtäd'to so grell t:;r fl, auf ein erträgliches 'Maß herabzuietzen, in erster Lime eines ipoekkS an Sie besseren JÄstukkte uno dis feineren menschcnsreunolichen Sitten, denen man ja nachrühmt, da« sie angeblich immer mehr Eingang auch bei den breiteren Massen finben. Und dieser Avvell scheint nicht wirkungslos verhallt zu sein Der Kampf gegen den Straßenlärm, der bereits vor Jahrzehnten vorwiegend durch die mit geistiger Arbeit Beschäftigten ausge- riommen wurde, wird Izeute schon von ganz anderen und Diel weiteren Kreisen geführt, von Kreisen, die den verschiedensten Berufen in Gewerbe, Industrie und Handel angehören und die an sich und ihren Nerven mehr und mehr die Gefahren verspüren, die mit dem Lärm — ganz besonders aber mit dem unnützen ^ terbunben sind. Es mag da nur daran erinnert werden, datz bei den Eisenbahnen seit einer ganzen Reihe von Jahren die viele an- iKtltcnbc Pseiserei als ganz unnütz eingestellt wurde und daß der Betrieb dadurch keineswegs an Sicherheit eingebüßt hat Leider .schleppe» sich die FabrikSpseisen aber init ihrem sirenenhasten Lärm noch immer wie eine ewige Krankhei! soll. Auch seitens der Gemeindeverwaltung wird im Interesse der Allgemeinheit heute dieser Kamps wider den Lärm entschiedener geführt Zu den wesentlichen Taten aus diesem Gebiete gehören die zunehmenden Verbesserungen des Ttraßenpilasters. Seit man die alten holprigen Katzenkövse durch ein aus ebenmäßig behauenen Reibensteinen aus sicherer Packung bestehendes glattes Pilaster ersetzte, hat sich zumal der erschütternde Wagenlärm bedeutend vermindert, noch mehr geschah das, als man >n den Großstädten in einzelnen Straßen zum Asphalt oder Holzpflaster tüberging, dessen beruhigende Wirkungen überhaupt gar nicht hoch genug angeschlagen werden können. Aber es gibt iwch ganz andere Quellen des Straßenlärms, die gleichfalls zu verstopfen wären, zumal es sich dabei ieilweise um Erscheimingen handelt, die die oben erwähnten Beruhtgungj- lmöglichkeiten wieder zuni großen Teil zunichte machen. Dazu gehören vor allem die meist stark übertriebenen Huppeniignale der h e,tos, zumal solcher, die sich einer übermäßigen und direkt gesähr- lichen Schnelligkeit im Straßensahren befleißigen, die schrille Glocke der Milchwagen, die sich ichlietzlich durch Benutzung der Hausklingeln von der Straße aus leicht ersetzen ließe, das Leierkastengedudel, das zwar nur aus den Hosen gestaltet sein soll, tatsächlich aber von da aus oft genug sogar den anderen Straßenlärm weit übertünt. Kommen dazu noch die unreinen Töne kreischender Grammophone, — auch die stümperhasten oder gefühlvollen Klimpereien vieler Klavieransänger oder vermeintlicher Virtuosen, die eine besondere Vorliebe sür das Spielen bei offenen Fenstern besitzm, gehn--"' in dieses Kiipilel, — so ergibt das alles zusammen manchmal eine ganz ne '"h'sterkarle von Beiträgen sür den verschiedenartigsten uniiützen Straßenlärm, und eine reichhaltige Anweisung, an welcher Stelle zuerst die Erziehung einzusetzen hätte, "Die Landesuniversität Hai i»> lausenden Sommerhalbjahr einen Besuch von 1552 Hörern, darunter 1432 Studierende, oufznweisen. Unter den Studierenden befinden sich 32 Studentinnen, ** Auszeichnung. Ter Großherzog Hai Frau Lu- eile von Weingartner-Marcel und der Hofopernsängerin Gertrud Gehersbach die Silberne Verdien st- medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. ** I n den Ruhe st and versetzt wurde der Lehrer an der Volksschule zu L a n g e n, im Kreise Ofsenbach, Heinrich Gunschmann, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner 50jährigen treuen Dienste und unter Verleihung des Ritterkreuzes 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. — Ebenfalls in den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der katholischen Volksschule zu Linden- sels, Heinrich Sa inesreut her, aus sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und ihm das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. "liebertragen wurde dem Lehrer Wilhelm Ranft zu Holzheim eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Hausen, dem Lehrer Heinrich Weidenhaus zu Burg-Gemünden eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Friedberg (Stadtteil Fauerbach). ** Gerichts Person alten. In den Ruhestand versetzt wurde der Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Bad-Nauheim Julius Gbittner aus sein Nachsuchen mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste. ** Finanzwesen. Ter Großherzog hot den Regierung?- und Baurat Ludwig Hummel, Mitglied der Eisen- bahndirettion in Köln, zum Vortragende» Rat bei der Abteilung sür Finanzwirtschaft und Eilenbahnwesen des Ministeriums der Finanzen mit dem Amtstitel „Oberbaurat" ernannt, den Hilfskassierer bei der Hauptstaatskasse, Rechnungsrat Adolf Kalbfleisch, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste vom 1. Juli d. I, an in den Ruhestand versetzt, den Hruptsteueramts-- assistenten bet dem Hauptsteueramt Darmstadt, Anton Spilger zu Tarmstadt, vom 1. Juni d. I. ab zum Revi- siouskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Worms ernannt, den Hauptsteueramtsajsistenten bei dem Hauptsteueramt Ofsenbach, Friedrich Schmitt, und den Hauptsteueramts- assistenten bei dem Hauptsteueramt Bingen, Wilhelm R ö h- l e r, in gleicher Diensteigenjchafl an das Hauptsteuramt Tarmstadt versetzt und den Finauzaspiranten Wilhelm Eckhardt aus Ulfa zum Hauptsteueramtsassistenlen bei dem Hauptsteueramt Worms ernannt. ** Die zweite diesjährige Schlußvrüsung der Kandidaten der evangelischen Theologie wird zurzeit im Laudessnnodalgebäude zu Tarmstadt ab- gehalteu. Es beteiligen sich daran sieben Prüflinge, von denen zwei aus Starkenburg, einer aus Oberhesseu, drei aus Rheinhessen und einer aus Braunschweig sind. ** Die „Freie Vereinigung hessischer Künstler" hat gestern vormittag in Anwesenheit des Großherzoglichen Paares, des Ministers v. Hombergk, Vertretern der Stadt, sowie sonstiger Militär- und Zivilbehörden und anderer Gäste in der Halle des Kunstvereins zu T a r m st a d t ihre Ausstellung eröffnet. Es haben etwa 50 Maler und Bildhauer ausgestellt, darunter 40 Hessen, die allerdings teilweise außerhalb Hessens wohnen. " Fleischpreise. Bei den jetzt slaItsindenden Fleisch. Verdingungen für die verschiedenen Garnisonen Hessens und Nassaus tritt ein ganz auffälliger Unterschied in den ge. forderten Preisen mit denen zutage, die von der Zivilbevölkerung gefordert werden. In Butzbach z. B. bieten die Metzger der Garnisonverwallung das Ochsenfleisch sür 73 Pfg., das Kuhfleisch sür 63 Pfg., das Schweinefleisch sür 88 Psg. an, alles sür ein Pfund. In Diez fordert man sür ein Pfund Ochsenfleisch 64 Pfg., Kuhfleisch 56 Psg-, Kalbfleisch 85 Pfg., Schweinefleisch 60 Psg., Hammelfleisch 85 Pjg, und Leber- und Blutwurst gar nur 45 Pfennig. ** Die Maul- und Klauenseuche ist erloschen in Essen a. R. — Festgestellt ist die Seuche im badischen Bezirk Brette», im Bezirk Traunstein (Oberbayern) und im Bezirk Weißenburg (Baherisch-Mittelfrauken). ** D i e studentischen Bvlksunterrichtskurse bieten dem strebsamen Arbeiter und Unterbeamten eine hervorragende Gelegenheit, sein Wissen zu erweitern und zu festigen. Tie einzelnen Kutte sind Deutsch, Englisch, Französisch und Geogravhie. Deutsch umfaßt Rechtschreibung und einfache Satzlehre. Die Lehrmethode ist derartig volkstümlich und ausführlich, daß jedermann auch ohne Vorkenntnisse sich leicht einarbeiten und gründsiche Kenntnisse des gewählten Fachs erworben kann. In allen Städten, woj diese wertvollen Kurse eingerichtet sind, erfreuen sie sich einer regen Beteiligung. In Frankfurt a. M. besuchten z. B. Deutsch durchschnittlich 80 Personen, darunter beinahe die Hälfte weibliche. Das Schulgeld zur Deckung der Unkosten beträgt 50 Psg. vro Kurs. Alle Lehrmittel werden gestellt. Zu Auskünften sind die Kursleiter stets gern bereit. Allez nähere ist zu erfahren aus den Anschlägen ui den Lesehallen und im Kollegiengebäude der Universität. Tie Stunden beginnen pünktlich */*9 Uhr und schließen um 10 Uhr Heule Dienstag, abend, im Hörsaal 13 der Universität : Deuts di. Kurze Wiederholung für Neueintretcnde. Lautlehre (Schluß). Der einfache Satz. " Das „Uniontheater" Seltersweg bringt, wie es uns mitteilt, in seinem heutigen Programm zwei aroße Kunstsilms, betitelt: „Sträfling 113" und „Neues Glück". Wie aus dem Anzeigenteil hervorgeht, findet heute abend von 8—11 Uhr großes Künstler-Konzert statt. ** Mahnung zur Vorsicht. Die „Nordd. Mgem. Ztg." schreibt: Aus Belgien wird in letzter Zeit von Vermittlern die Besch asfung von Kapitalien gegen hypothekarische Sicherheit «»geboten. ES ist dringeitd zu raten, vor Geschäftsanknüpfung mit solchen Vermittlern sich zunächst bei den zuständigen deutschen Konsulaten über sie zu erkundigen, da die sogenannten Vermittler es vielfach nur aus Erlangung von Vorschüssen abgesehen haben. Landkreis Gießen. el. L i ch, 8. Juni. Heute nachmittag trafen hier auf etliche Tage etwa 30 Generalstabsoffiziere vom 18. Armeekorps unter Führung eines Oberstleutnants ein, um das Gelände für das Kaisermanöver zu besichtigen. Fast sämtliche Offiziere sind in Bürgerquartieren untergebracht. — Tie Untermühle ging für 60 000 Mt. tu den Besitz des: Fürsten über, Kreis Büdingen — Solbad), 7. Juni. Bei der gestrigen Bürgermeisterwahl wurde der Beigeordnete Ludwig Faust mit 44 Stinimen gewählt. Sein Gegenkandidat Ludw. Nagel erhielt 40 Stimmen. z. Schwickartshausen, 8. Juni. Das Gustav-Adolsseu des Zweigvereins Nidda wurde gestern in unserer Gemeinde gefeiert. Tre Kollekte ergab den ansehnlichen Betrag von 52,50 Ml., die der Gemeinde Affolterbach zugewresen wurde. Kreis Schotten. , z. Herchenhain, 8. Juni. Am nächsten Sonntag wird hier Missionar Groh predige», der seit Jahren an der Goldküste tätig ist. Missionar Groh stammt aus Lermuts- hain. Kreis Friedbcrg. L. Friedberg, 8. Juni. Gestern machte der Eisenbahnverein Friedberg einen Ausflug nach Marburg. r. Bad-Nauherm, 8. Jum. Mit dem gestrigen Festkonzert im Könzerthaus erreichte die Bpd-Nauheimer Woche ihr Ende. In dem Konzert kamen zwei Tonwerke, Psalm 137 und „Paria" von Arnold Mendelssohn, zur Ausführung. Geradezu begeistert war das Publikum von der Wiedergabe der „Neunten" mit dem Schlußchor „An die Freude" von Beethoven. Chor, der Musikverein Darmstadt, und Orchester leisteten unter der Leitung Pros. W i n d e r st e i n § außerordentliches. Hosrat de Haan, Prot. Mendelssohn und die mitwirkenden Solisten Frau Schmidt-Jlling, Fräulein Jacobs und die Herren Stephanie und G l o b e r g e r mußten unzähligen Hervorrufen Folge leisten. — An das Konzert schloß sich ein von der Kurverwlcktung gegebenes Essen. Starkeuburg und Rheinhessen, d. Mainz, 9. Juni. Der Verband deutscher Schlosser- Jnnungen hält seit gestern hier seine 2g. Berbandstagung unter dem Vorsitz von Th alh e i m-Leipzig ab. Hessen-Nassau, h. R o s b a ch v. d. H., 8. Juni. Am Sonntag abend wurden aus dem Bahnhöfe mehrere auswärtige Touristen durch junge Leute schwer mißhandelt und mit Messern arg zugerichtet, so daß sie in ärztliche Behandlung gegeben werden mußten. Einer der Messerstecher konnte bereits sestgestellt werden, h. Frankfurt a. M., 8. Juni. Vor zwei Wochen wurden einer Dame in Ofsenbach aus dem Toilettenraum des hiesigen Eases Bueroje mehrere ivertvolle Brrllantringe gestohlen. Dem Dieb, oder besser die Diebin, hat die Rene gepackt, denn gestern erhielt die Wartefrau des Kaffeehauses die Ringe durch die Post wieder zugestellt und zwar aus Ofsenbach selbst. X. Hanau, 9. Juni. Der Schäfer Leo Hermann aus Torn-Assenheim bei Friedberg, der Schafe auf den Frankfurter Markt treiben wollte, wurde zwischen Dörnigheim und Frankfurt a. Main von einem Automobil erfaßt und etwa 10 Meter weit mitgeschleift. Er erlitt schwere Verletzungen und wurde von einer des Weges kommenden Autodroschs'e in das .Hanauer Landkrankenhaus gebracht. Das Automobil war unerkannt davvngefahren. — Entwichen ist aus dem hiesigen Landgerichtsgefäirgnis in der verflossenen Nacht der Arbeiter Otto Kreß aus Fulda, der kürzlich zu 21/2 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. X. Fulda) 9. Juni. In dem Basaltwerke zu Wächtersbach geriet bei Vornahme von Reinignngsarbeiten der Arbeiter Karl Höhn in die Transmission, wurde von der Welle erfaßt und mehrmals herumgeschleudert. An den schweren Verletzungen ist ec verstorben. Vereinsnachrichten. z. Ä a ul stoß, 8. Jum. Gestern und vorgestern feierte der hiesige Kriegervereiu sein Fahuenweihsest, das einen recht schönen ,Bettau> nahm. Mit diesem Fest ivar gleichzeitig das Bezirks- kriegeriest des Bezirkes Schotten verbunden. EingeleNet wurde das Fest am Samstag Abend durch eine Feier aus dem Festptatz. Am Sonntag bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die festlich geschmückten Straßen nach dem Festplatz. Die Begrüßungsansprache hiell Lehrer R 0 t t m a 11 n (Kaulstoß), die Festrede Pfarrer Land- an a n n (Burkartsi. Weitere Ansprachen wurden gehalten von dem Vertreter de? Bezirks Schotten, Förster Schott, dem Kreisrat des Kreises Schotten, Kreisrat Dr. M erd, dem früheren langjährigen Äreisrat, Geh. Regierungsrat Schönseid, sonne der Festjungsrau Emma D a h m e r. Die Frankfurter Impfungen vor Gericht. 4 Frankfurt a. M., 8. Juni. Unter lebhaltester Anteünahine weiter wissenschaftlicher Kreise und der gesamten Oesjentlichkest nicht nur Deutschlands, sondern auch des Auslandes beging heute vor der hiesigen dritten Strafkammer cm umiangreicher Prozeß, der bestimmt sein soll, wenigstens teilweise eine Klärung über die vielumstrittene Frage des Wertes oder der Schädlichkeit von Geheim rat Ehrlichs Salvarsan zu erbringen. — Angeklagt ist der Herausgeber des „Freigeist", Schriftsteller Karl Waßmann, gegen den die Staatsanwaltschaft aus den §§ 186, 200 und 74 des Str. G. B. Anllage erhoben hat. Im einzelnen werden dem Angeklagten folgende Vergehen zur Last gelegt: den Magistrat der Stadt Franksurt, der in Verbindung mit der Verwaltung des städtischen Krankenhewses und den beiden Krankenhausärzten Professor Tr. Herrhermer und Oberarzt Tr. Altmann Strafantrag gestellt hat, soll der Ange- llagte durch solgende Behauptungen beleidigt haben: der Magistrat führe hinsichtlich der Salvarsanbehandtung das mit Recht besorgte Publikum irre und er beobachtete ein leichtfertiges Verhalten in der Satvarsan-Asfäre. Die Beleidigung des städtischen Krankenhauses und der genannten beiden Aerzte wird in solgen- den Aussührungen erblickt: Es werde im Frankfurter Krankeu- hause mit nachgewiesenermaßen lebensgesährlichen Salvarsan be> handelt, diese Behandlung bestehe als Gewallbehandlung hill- loscn Proiistmerten gegenüber, die Frank,urter Protistuirrten würden in irivvler Weise als Versuchskaninchen für Salvarsan benützt. die Aerzte seien mit Titel und Geld gewonnene Agenten gewisser profitsüchtiger Unternehmer, denen nichts mehr heilig I«, und die Gewinnsucht dieser Leute schreite ,ogar zum vorsätzlichen Mord. — Die infrirainirrten Artikel sind am 20. Dezember 1913 und 7. Februar 1914 im „Freigeist" erschienen. Den ersten Artikel hat der Angeklagte selbst verlaßt, loährend der zweite den bekannten Vivisektionsgegner Tr. Fischer-Hohenhausen ,n Wiesbaden zum Verfasser hat, der aber nicht mit angeklagt ist. Von der Staatsanwaltschaft, die der Erste Staatsanwalt Blume vertritt, sowohl als auch von der Verteidigung sind eine große Anzahl Sachverständiger und Zeugen geladen. Aus der Vernehmung der Zeugen und Sachverständigen ßr dem Beleidigungsprozeß gegen Karl Waßmann ist die Aussage von Geheimrat Grzlettenz Ehrlich hervorzuheben, der betonte, daß die Höchster Farbwerke in einem Rundschreiben an die Aerzte es abgelehnt hätten, irgendwelche Honorare sür Artikel über Salvarsan zu zahlen. Weiter wird durch Zeugenvernehmung der Aerzte im Städtischen Krankenhaus sestgestellt, daß eine Prostituierte zwangsweise eine Salvarsaninjektion erhallen habe. Bei drei Fälien von Salvarsanbehandlung im Krankenhaus hätten sich Lähmungserscheinungen gezeigt. Erblindungssälle seien nicht vorgekommen. Weiter erllären Professor Dr. Herz heim er und Oberarzt Tr. Alt- mann daß >m Städtischen Krankenhaus im ganzen 11000 Personen, darunter 1200 Prostituierte mit Salvarsan behandelt worden seien: aber nie sei eine Injektion zu Versuchszwecke» gemacht worden. Verschiedene Prostituierte, die als Zeugen vernommen werden, beklagen fiel, über die überaus Harle Behandlung UN Kraukenhause. Einige behaupten auch, gesundheitliche Schädigungen als Folgen der Lai Variante Handlung davongciragen zu haben, die in Ge- börsstörungcn und Abnahme der Sehstärke bestehen sollen. Eine sagte au«, daß sie völlig gelähmt und als hülsloser Krüppel aus dem drankenhausc entlassen worden sei. Tic Lähmung un Gesicht in bis beute noch nicht völlig gewichen. Nachts > »12 Uhr wurde das Urteil verkündet. Waßmannwurdc zuernem JahrGesäng- nis verurteilt. Das Gericht ordnete die sosorti.gc Bcr- t'aitung Aaßmanns an, weil bei der Höhe der Strafe Flncht- verdacht vorliegt. Der Staatsanwalt hatte sechs Monat« Ge- s ä n g n i s beantragt. Gcricfct»|a<*I* B erlin, 8. Juni. Im Prozeß gegen die Charlotten- our ger Denkmalsschänder beantragte der Staatsanwalt siegen die vier Angeklagten eine Gefängnisstrafe von je zwri Jahren. Die 5. Strafkammer des Landgerichts Berlin III verurteilte den Fabrikarbeiter Rudolf Linke und den Schlosser .Hugo Göpser sowie den Maschinisten Kuhls wegen Sachbeschädigung auf Grund des § 304 des Strafgesetzbuches zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis und den Schankwirt Paul Rauh wegen Beihilfe zur Sachbeschädigung zu c } u e m Jahr Gefängnis. Allen vier Angeklagter! wurde ein Monat der Untersuchungshaft angerechnet. Der Staatsanwalt hatte auch noch Ehrverlust beantragt. In der Urteilsbegründung wird gesagt, die Tat sei kein Dummerjungenstreich, sondern eine wohlüberlegte Handlung und die Folge der un- a u f h o r l t ch e n A u f h e tz u n g s e i t e n s d c r S o z i a l d e m o- k rat re. Man habe für die Ausführung den Angeklagten Linke auserrehen, weil dieser ein unorganisierter Arbeiter ser und nicht zur sozialdemokratischen Partei gehöre. Die Strafe müsse um so ichärfer ausfallen, weil die Tat in ganz Deutschland bei jedem national Gesinnten die größte Entrüstung heroorgerusen und sich gegen das Denkmal eines Fürsten gerichtet habe. Wenn die ^ozialdcmokratieöffentliche Einrichtungen ver- vöhnen wolle, so solle sie wenig st ens nicht öffentliche Denkmäler von Fürsten aus suchen, die zur allgemeinen Zierde gereichen. Bt i't nchen, 8. Juni. In der Beleidigungsklage des lässigen T h e a t e r d i r e k t o r § Schrumpf aegen den Vorsteher desRectztoschuhbureaus der deutschenBübnengenossenschaft, Körner, rvnrde der Ülnaeklagte s r e i g e f p r o ch e u und die gesäurten Kosten denr Kläger aurgebürdet. — S ch l u ß v e r h a n d l n n q im Prozeß Wagner. Zu dem Rechtsstreit der Iran Isolde Beidler gegen Frau Cosinra Wagner ist der Schlußverbandlungsternrin vor dein Landgericht - anreutlr a»t Freitaa, den 12. Juni, festgesetzt rvorden. Sport. --- Zu der am Sonntag, den 14. Juni, zu Ossenbock a. M. skattftndenden 25. Regatta lZubüäumsregattai des Jüdd. Ruder-Verbandes hat sich der Giehener Ruderklub „Hassia" jum Begrüßungs-Vierer (Ofienbacher „Germania", ^„Undine"«Frankfurt, „Gcrmania"-Kastel, „Hassia"- Gießcn, Senior-Tiner i Borussia Frankfurt, Hassia Gießen. Ami- litia Frankiurt, Wassersport Mainz) und Senior-Vierer lMannheimer Vorwärts, Hassia Gießen, Fortuna Mainz, Allcmania Frankiurt, Germania Ltsenbach gemeldet. — Straßburg i. Elf., 8. Juni. Für die am 28. Juni hier im Kehler Rheinhasen stattiindcnde internationale Regatta des oberrheinischen Regaltavereins (eingetragener Verein Straßburg) ist kommenden Freitag, den 12. d. M. abends Melde- und Nennungsschluß. Ter Regatta wird in Svort- kreisen dieses Mal besonderes Interesse cntgegengcbracht, iveit dabet der Kaiserpreis tBierer), der bekanntlich dreimal gewonnen werden muß, und den Ludwigshascn und Mainz bisher je zweimal errungen haben, eventuell endgültig zur Entscheidung kommt. Jcdenialss ist eine große Beteiligung sicher. Bemerkenswert ist auch das Rennen mit dem akademischen Vierer, das l» diesen, Jahre zum erstenmal gesahren wird und zu dessen Dotierung fetten-.» der Universität die Stistung eines namhaften Ehrenpreises in Aussicht steht. CiiHidiijtiihrt. Explosion eines Ballons in Frankreich. Epernav, 8. Juni. Bei einer sportlichen Veranstaltung in Sczannc cn Brie explodierte gestern nachmfttag ein Ballon. Das Unglüa ereignete sich kurz nach der Füllung des Ballons. Trotz, dem das Sportkomitee wegen des schlechte.» Wetters von einem Ausstieg abgeratcn hatte, stieg der Führer Le- v r l n c c in die Gondel ein. Er war im Begrisfe, das Zeichen zur Lösung der Taue zu geben, als ein heiliger Wirbelwind den Ballon mehrmals zur Seite warf. Tabei erlitt die düllc einen tzroßen Riß. Mehrere Sekunden später explodiertedcr Bal- l o n init einem furchtbaren Knall, der mehrere Kilometer weit vernommen tourde. Tic vorder st c Reihe der Zuschauer wurde buchstäblich nieder gemäht. Ter Ballon svrang in die Löhe und siel in geringer Enlsernung von dem Aufstregplatz »rennend zu Boden. Tie Menge wurde von einer schrecklichen Panik ergrissen. Ucber tzOPcrsoncn wurden verletzt. Nachdem der erste Schrecken vorüber war, wurde ein Hilfsdienst organisiert. (Gendarmen eilten herbei und bcsreiten unter großen Schwierigkeiten den schwerverletzten Leprince, der unter dem brennenden Ballon begraben lag. vermischte». * Wettersturz im Süden. Ein kmvkindlicher Wettersturz ifft in den hohen Lagen des Schwarzwilds und der Vogesen cingetretcn. Bei einer Temperatur von minus ein bis zwei Grad fällt seit Sonntag abend Schnee, der sich aus den Kämmen behauptet und mehrere lZentimeter hoch liegt In dem Fcldberg gebiet reicht die Schneegrenze bis aus 1250 Meter herab. Aus Rom wird gemeldet, Hier ist ein heftiger Wettersturz eingetrcten. Aus ganz Norditalien werden Schnee- und .Hagel- fälle gemeldet. — An selm Fcucrbachs erste Skizzcnbüchcr. Ter Universitätsproscssor Anselm Feucrbach, der Vater des großen Malers, bewahrte in seinem Schreibtisch zusammen mit leinen kunstgeschichllichen Abhandlungen, die er für eine Veröffentlichung zurückhielt, die ersten Skizzcnbllcher seines Anselm, lieber diese interessanten Blätter, die sich noch heule teilweise >m Besitz der Familie bcsinden, macht Hermann Uhde Bcrnans IN seinem soeben int Insel Verlag erschienenen Buch über Feuerbach nähere Mit teilungcn. Der Vater, der Verfasser des bekannten archäologisch-» Werkes über den vatikanischen )>lpoll, führte den Knaben selbst in das geweihte Reich der Kunst ein, als der Sohn an Typhus er krankt war, kam er zu ihm an das Krankenlager, las dem Genesenden die Odyssee vor und sah mil ihm nach jedem Gesang die Flaxmanschen Zeichnungen an. Diese ersten Eindrücke Hot der Ivätere Meister der Iphigenien und Mcdäcn.niemals vergessen. Ter Vater ließ dem Knabe» auch den ersten systematischen Zeichen- und Modcllier-Unlerricht geben, und die erste Arbeit, die der junge Künstler formte, war die Büste des geliebten Vaters, die dieser, obwohl er über die unbehilslichen Ansänge lächelte, doch in Givs für sich ausführen ließ. Bei einem so hohen Streben des Knaben Feuerbach und den klassischen Bilder», mit denen ihn das Vaterhaus umgab, ist cs nun dovpell verwunderlich, daß die kindlichen Entwürfe seiner erste» Skizzeichüchcr sich aut ein Abschildern der Wirklichkeit beschränken. Feuerbach hat selbst in den auto- biogravhischen Erinnerungen seines „Vermächtnisses" Vorstellungen von seinen Anfängen erweckt, die aus ganz andere Tinge schließen ließen. Danach mußte man in seinen ersten Studien gerade Gestalten der PIxintaftc erwarten, wir sie wohl sonst in unbeholiener Schrecklichkeit hinschmieren und wie sie gerade diesen auigeweckten, leicht erregbaren Knabe» hätten anziehen können. Nichts davon findet sich in den erhalten Büchern. Sie bringen nur Tiere, Laubwerk, Häuser zur Darstellung, lauter Sachen, die aus einen sorgsamen Realismus Hinmeilen. Vielleicht hat die weise Vorsicht der Eltern dabei eine Ralle gespielt, die von dem Knaben jede Lektüre und jede Anregung fernhielten, die ihm bei seiner Frühreife hätten schaden können. — Tic Aufgaben der rechten und der linken Hand Von Pädagoge» und Physiologen ist mehrfach gcsordert worden, die Kinder von klein aus dazu z» erziehen, beide Hände in gleicher Art zu benutzen, um aus diese Weise den Unterschied zwischen rechter und linker Hand aufzuheben; die beiden Glieder würden dabei mit der Zeit gleiche Krast, gleiche Beweglichkeit und gleiche Geschicklichkeit erlangen, worin man bisher einen Vorzug zu erblicken wähnte. Aus Grutid neuer Beobachtungen hat nun der sranzösische Forscher Felix Regnault der Biologischen Gesellschaft einen Bericht vorgelegt, der diese Bestrebungen mit interessanten Gründen bekämpft. Wir bedienen uns im allgemeine» der linken Hand, um kleine Pakete oder Schirme zu tragen, um Kinder zu führen, kurz, um Verrichtungen auszuiühren, die eine mehr oder minder stetig sich gleichblcibende Muskelanstrengung erfordern. Die rechte Hand dagegen dient für alle zarteren und komplizierteren Bewegungen, zu allen Verrichtungen, die dynamische Muskelzusammenziehungen erfordern. Während wir im Tierreich fast überall ciye völlig gleichwertige Verwendung der Bardersüßc beobachten, ist der Menich Rechtshänder. Hierin äußert sich ein intzinlrw zur Gewohnt»'» gewordenes «System der Arbeitsteilung, iedc Hand gewöhnt sich besser an die ibr zukommenden Verrichtungen und kann sie daher leichter und geschickter aussühren. Tie Bestrebungen, die Rechtshändigkeit aujzuheben, wären also nur ein unzweckmäßiger Kamps gegen eine sehr weise natürliche Ver anlagung. * Das Neueste von W o l s W e r 11) c i m. Tie Rationalzeitung meldete Wols Wertheim^ der frühere Warenhausbesitzer, hat sich von London aus mit einem Telegramm in den deutschen Kaiser gewandt, in dem er gegen den F ü r st e n von Fürstenberg ungeheuerliche Anklagen erhebt. Außerdem gedenkt Wolf Werlheim eine Broschüre über den Fürstenkonzern und den Metternich-Prozeß, soweit'er daran beteiligt war, zu veröfsent- lichen. Kleine Tagezcheonik. In der B a n k b e t r u g s s a ch e des Bankiers Blum in Köln, durch welche ein Berliner Bankhaus um 90 000 Mk geschädigt wurde, hat Blun, gleich nach der Tat eine respektable Summe zurückgeschickt. Jetzt bat er abcrinals einen größeren Be> trag gesandt und somit den dritten Teil des erschwindelten Geldes zurückgegeben. Blum gibt in einem Briese an, von Irrsinn befallen zu sein. Unter dem Verdacht des gewerbsmäßigen Glücksspiels wurde in H a m b u r g der ehemalige Reserendar Tr. Schröder Berlin verhaitet. Schröder war seinerzeit im Tlüsseldorser Spieler» Prozeß zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. In die Angelegenheit sind etwa 40 Personen verwickelt. Ter Kommerzienrat Tr. hon. eaus. Henning-Karlsruhe hat der „Badischen Landeszeitung" zufolge der Technischen Hochschule zur Förderung des Unterrichts und der wisfenfchaftlickum Forschung aus - dem Gebiete des Eisenbohnbausichcrungswesens 2 0 0 00 Mark g c s ch e n k ti Amtlicher Wetterbericht. Oessentlicher Wetterdien st, Gießen. Wctteraussichten in Hessen am Mittwoch, de» 10. Juni IS14: Vorwiegend wolkig, noch einzelne Regensälle, etwas wärmer, Nord» MS Letzte Nnctzrichtcu. ,Wicderzusammcntritt der Hess. Zweiten K a in m c r. rb. Tarmstadt, 9 .Juni. Die Zweite Kammer ist heute vormittag wieder zu mehrwöchigen Verhandlungen zusammengetreten, um noch vor Schluß der 35. Kammcrtagung alles rückständige Beratungsmaterial zu erledigen Nach Erössnung der Sitzung wurde die Beratung der Rücknußerung der Ersten Kammer betreffend die Staatseinnahmen und Ausgaben für 1907 aus Wunsch des Staatsministers von der Tagesordnung «b- gesctzt, tveil die Regierung sich mit der Ersten Kammer aber Art. 13 der Beso^dungsordnung, die Versetzung von Beamten betreffend, nicht einverstanden erklären kann. Weiter wurde die Regierungsvorlage detr. Verkauf eines G e l ä » d c st r c i s e n s von Landcseigcntum an die Stadt Gießen genehmigt. Die Bestrafung der Den km als schände r. Berlin, 9. Juni. Während der „Vorwärts" über das gestern gefällte Urteil in dem Prozeß gegen hie Denkmalsschänder von Eharlollenbueg schreibt, das Urteil sollte abschreckend wirken, es wirke aber als T c n d e n z u r t e i 1 enivörend, äußert die „Post": „Tas strenge Urteil Ivird lioftenllich seine abschreckende Wirkung nicht verfehlen und auch rabiate Menschen darüber belehren, daß Kunstlverke nicht dazu da sind, um der Propaganda für die rote Woche, zu dienen. Wie die „Bolssischh Zciluwtz" schreibt, scheuten die Sozialdemokraten einen Riescn- prozeß über Soldaten mißhandln »gen vorzuberciten. An alle ehemaligen Solhaten, deren Misjyandluirgen Gegenstand einer Militärgerichts-Verhandlung waren, erläßt die sozialdemokratische Presse die Llufsordcrung, ihre Adressen mittzuteileor. D e r „R ü st u n g s a u s s ch u ß". B e r l i n , 9. Juni. Der „Rüstiingsansschuß", der gestern im Reichstagsgebände seine Berltzindlungen wieder aufnahm, besprach Fragen der Fabrikation: der Auftragserteilung und der Ablieferung von den versehiedenesdi Gesichtspunkten aus. Heule mittag lverden die Staatswerkstätten in Spandau besucht werden. Vom Reichsverband deutscher Städte« Berlin, 9. Juni. Zur gestrigen Verhandlung des Reichsverbandes deutscher Städte (unter 25 000 Einwohner) hatten die Ministerien, der deutsche und der preußische Städtetag und der preußische Bürgernleisterverein Vertreter entsandt. Es wurde über das Recht der tstemeinden! aus ihre Sparka ss enii b er sch ü sse, über die Förderung der Bodenpolitik der kleinen Städte und über den Bau von A r b e i t e r w o h n n n g e n durch die Städte debattiert. Zum Ort der nächsten Tagung lvurde Leipzig gewählt. Ein Z>vische ns all in Albanien. Valona, 9. Juni. Als gestern 17 Einwohner von Fieri, dessen Bevölkerung dem nach den Ereignissen von Turazzo ergangenen Mobilisiernngsbefehl Widerstand entgegengesetzt hat, verhaftet und »ach Berat transportiert werden sollten, nahmen die Einwohner gegen die Gendarmen Partei und suchten die Gefangenen zu befreien. In dem sich entspinnenden Handgemenge wurden vier Personen getötet. reinigt, Kräftigt und erfrilcKt das Haar und die Kopfhaut. Flafdie zu 2 M. für mehrere Wochen aiureichend. .. Eine ungeahnte Ueberraschung. Es ist mir eine Ehrenpflicht, Ihnen über die geradezu über- raschend günstige Wirkung Ihres Bioion. das meinem dreirädrigen rhachitischen urrd dadurch stark entkräfteten Sohn wieder zu gutem Appetit- Gewichtszunahme, frischem Aussehen und linaeahnter Behendigkeit verholsen bat, „reine vollste Zufriedenheit aussprechen zu dürfen. Ohne Nebertrcibung darf ich sagen, das; ich die Freude an der Irische meines Sohnes Ihrem vortrefflichen Biofon verdanke und es gerne weiterempfehle. 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