vr. m Äoetter BM M. Zahrgang Effcheinl täglich mit Aufnahme d«S Sonntag;. Die „Kietzrner Zaimlitichlätter" werden dem »Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da; ..Kreisblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Seitfragen" erscheinen monatlich zweimal. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhejfen Montag. 8. ZumJW Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Universität; - Buch- und Eleindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Echul» straße 7. Expedition und Verlag: ^^LI. Redaktion:^^I12. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen. Italienischer verrat in vurazzo. Ein neuer Zwischenfall in Durazzo hat dem Fürsten seine Mission noch mehr als bisher erschwert: einige Italiener wurden dabei ertappt, als sic sich mit den Aufständischen in Verbindung setzen wollten. In jedem anderen cptaatswesen würden die Verräter sofort abgeurteilt und in Haft behalten werden, aber Fürst Wilhelm ist von dem Wohlwollen Italiens abhängig und so hat er die beiden Missetäter wieder sreigelassen, und sein Ministerpräsident hat dem italienischen Gesandten sogar sein Bedauern über das Vorgehen.gegen die beiden Italiener ausgesprochen. Es ist für den Fürsten nur ein schwacher Trost, daß die Großmächte jetzt grundsätzlich bereit sind, Kriegsschiffe in die albanischen Gewässer zu entsenden. Wir erhielten folgende Meldungen: R o m, 6. Juni. Die „Agencia Stefani" meldet aus D u - ra zzo: Am 5. Juni um 7.45 Uhr abends wurden in dem! Hurse des Direktors der italienischen Post, der italienische Oberst Muricchio und der italienische P ro sc s s o r C h in i g o unter der Anschuldigung verhaftet, dabei überrascht worden zu sein, wie sie mit den Aufständischen Lichtsignale austau.schten. Das italienische Konsulat wurde um 8.30 Uhr von der Verhaftung benachrichtigt. Marquis Dnrazlo, der Vertreter des Konsuls, protestierte wegen der Verzögerung, mit der er von der Verhaftung zweier italienischer Untertanen, die unter dem Schutze der Kapitulationen standen, in Keirntnis gesetzt sei. Er protestierte ferner gegen die Verletzung des Hausrechts und ließ schließlich die beschlagnahmten Papiere prüfen und versiegeln, looruntcr Oberst Muricchio ein Notizbuch fand, das ihm nicht gehörte. Um Mitternacht wurden die beiden Verhafteten frcigelafsen. Uebcr die Vcrhastungen meldet auch das „Wiener Korr.- Bureau": Wegen der seit längerer Zeit abends beobachteten L i ch t s i g n a l c, die von dem von den Italienern bewohnten Gebäude mit einem am Rastbul im Gebiete der Aufständischen gelegenen Hause gewechselt wurden, sowie anderer sich häufender Verdachtsmomente gegen die in jenem italienischen Gebäude verkehrenden Italiener wurde Freitag abend, als abermals Signale gewechselt wurden, von einem holländischen Offizier auf Grund des Belagerungszustandes eine 5z au s- suchung vor genommen. Hierbei wurde der italienische Oberst Muricchio und der italienische Professor Ehinigo verhaftet. Ferner wurden viele kompromittieren de Schriftstücke beschlagnahmt. Bei dem von dem Platzkommaichanten Thomson vorgcnomme- nen Verbör haben sich die Verdachtsmomente bestätigt. Da uaa, Aussage der holländischen Offiziere gegen die beiden Verhafteten belastendes Material vorliegt, verweigerte Ober st Thomson die von demitalienischcn Gesandten Aliotti geforderte Freilassung der beiden Gefangenen. Diese wurden erst auf das von dem italienischen Gesandten nachgesuchte Machtwortdes Fürsten, sie gegen Ehrenwort vorläufig freizugcbcn und zur Disposition zu belassen, auf fteien Fuß gesetzt. Tie Nachforschungen werden fortgesetzt. Strenge Untersuchung ist entbleitet. ' Der Vorfall erregt in der Stadt großes Aufsehen. Dre Verhaftung italienischer Untertanen in Durazzo kann, wenn man das Benehmen in Betracht zieht, das von mernären Ausländern in Albanien an den Tag gelegt wurde, nicht überraschen, 'um so weniger, da Oberstleutnant Thomson , der jetzige Platz komm andant, im Gegensatz zu seinen anderen holländischen'Offizierkollegen eigentlich viel weniger Offizier als Diplomat ist und sicherlich lange beobachtete, bevor er zugriff. Es halten sich seit Monaten bereits in der albanischen Residenz Italiener auf, v o n de n e n manbeimbcsteuWilleunichtwissenkann,was sie eigentlich dahin geführt hat. Sic kamen als Agenten. Ingenieure, Advokaten und ähnliches. Freilich mußten sic sich vorher schon sagen, daß sie in dieser Eigenschaft vorläufig gar nichts zu tun haben würden. Merkwürdigerweise waren sie aber alle ausgezcichuetc Kenner des Landes, ja einige von ihnen beherrschen sogar die Landessprache. Das Haus des Postdirektors, in dem Oberst Muricchio, ein italienischer Artillcricoffizicr albanischer Ab- stamnrung, der seit Monaten dort bereits weilte, verhaftet ivurde, befindet sich ebenso wie das benachbarte Haus des italienischen Schuldirektors Pros. Ehinigo, aus einer Anhöhe, wenige Schritte von den: Hause Essad Paschas entfernt. Es beherrscht wohl die Stadt, aber es können, wie ein Kundiger im „Lok.-Anz." mitteilt, von da aus keine gewöhnlichen Lichtsignale an die Ausständischen gegeben worden sein, einfach aus dem Grunde, weil dicht dahinter im Bereiche der Stadt sich noch starkes Erhebungen befinden, die jede Aussicht.nach den Plätzen der Rebellen versperren. Die Freilassung der Verhafteten. Rom, 7. Juni. Die „Agcnzia Stefani" meldet aus Durazzo vom 6. Juni: Der Ministerpräsident T urkhan Pascha begab sich im Laufe des L.ages auf die italienische Gesandtschaft, um sein lebhaftes Bedauern über die Verhaftung des Obersten Muricchio und des Pros. Ehinigo auszu drücken. Gleichzeitig hatte der Ministerpräsident eine Besprechung mit Baron Aliotti über die Regelung des Zwischenfalles. Abends richtete Turkhan Pascha infolge der Entscheidung des Ministerrats an den italienischen Ge sandten einen Brief, i» dem die albanische Regierung ihr lebhaftes Bedauern über das ungesetzliche Vorgehen am gestrigen Abend gegen Muricchio ausspricht und erklärt, daß sie endgültig jedes Verfahren gegen ihn cinstellt. Außerdem erklärte sich die albanische Regierung bereit, der italienischen Regierung jede Genugtuung zu leisten. Auf den ausdrücklichen Wunsch Aliottis werden die bei Muricchio b eschlp g n a h in t e u Papiere einer Prüfung unterzogen. Die Stadt ist ruhig. Ter Belagerungszustand ist noch in Kraft. Tic Entsendung von Kriegsschiffen. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt in ihrer Wochen- rundschau: Tie Regierungen her Großmächte ließen, soweit bekannt ist, die Bereitwilligkeit er-, kennen, nach den albanischen Gewässern Kriegsschiffe zu entsenden. Durch die Ausführung der Maßregel würde bekundet werden, daß Europa sein Interesse an der Entwicklung des durch Beschluß der Großmächte begründeten Staates Albanien äls fortbestehcnd ansicht. Tie Arbeiten des internationalen Kontrollausschusses und die Bemühungen des Fürsten Wilhelm, die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage zu überwinden, kchmtcn unter dem von einer solchen Kundgebung zü erwartenden Eindruck erleichtert werden. Rom, 7. Juni. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Petersburg: In politischen Kreisen Petersburgs wird versichert, daß die russische Regierung, die sich zuerst immer weigerte, jetzt einwilligc, ein KriegSschisf nach Durazzo zu enffendcn, wenn die anderen Mächte es auch täten. Die Serben. Belgrad, 7. Juni Die Nachricht der „Albanischen Korrespondenz", daß 2000-Mamn serbischer Truppen fich in der.Richtung auf Elb assan versammelt hätten, wird von zuständiger Seite für unrichtig erklärt, weil schon seit Monaten keinerlei Trnppcnvcrschiebungen in dem fraglichen Gebiete ftattgesündcn hätten. riirÄie und Schule. Wacker aus dem Index. Ein Beschluß der Jndexkongregation verbot nach einer Meldung aus Rom mehrere Bücher, darunter die Bro- schüredesbadischcnZcntrumssührersWackcr gegen die „Q u c r t r ei b c r ei": „Zentrum und kirchliche Autorität", Essen 1914. Wie verlautet, hat sich die Kurie besonders an der „Unabhängigkeit von der christlichen Autorität" gestoßen, sowie an der „Aconfesfionalität", wie sie Wacker haben will. Das ist der Gegenhicb der Integralen, die Wacker bereits vernichtet zu haben glaubte. Ein schwerer Schlag fürwahr, süt Wacker nicht nur, auch für die Geistlichkeit Badens, die ihn schützte, und für das badische Zentrum, das seinem Führer blindlings folgt. In Baden, so rühmte sich Wacker, haben die Integralen kerne Bedeutung. Er setzte es durch, daß die paar führenden Integralen ihre Ehrenämter in der Partei nicderlegten. Er erreichte, daß sich die badische Geistlichkeit mit ihrem Erzbischof Wrber an der Spitze gegen die Intransigenten und sür ihn aussprach, ganz zu geschweigen von der Zenirumspartei, die er ganz in der Gewalt hat. In Essen hält er eine Rede im Sinne der Kölner Richtung, weitert gegen die ,>Quer- treiber" und läßt die Rede als Broschüre drucken. Aber jetzt dreht sich das Blatt, der Papst selber wendet sich gegen ihn: seine Broschüre wird ans den Index gesetzt Zwar wird jetzt in einem wohl ans römischen Kreisen inspirierten Artikel des „Badischen Beobachters", des Hauptorgans der badischen Zentrumspartei, darauf hingewiesen, daß der auf den Index gesetzte Aufsatz Wackers keine Schrift für sich bildet, sondern sich in der Broschüre gegen die „Qucr- treiber"-Kundgebung der deutschen Zentrumspartei im städtischen Saalban zu Essen am 15. Februar 1914 befinde. Daraus, daß nicht diese Broschüre, die sich ausschließlich gegen die Quertreiber richtet, sondern nur ein Aufsatz derselben verboten wird, ergebe sich von vornherein, daß sich die Aktion der Jndexkongregation in keiner Weise gegen die für die deutschen Katholiken notwendige Abwehr der Quertreiber richte. Aber das sind Beschönigungen, die nicht überzeugen, denn das Blatt fährt fort: Es sei aber zugegeben, daß sich in den nicht von wlssen- ichastlich theologischen Standpunlt, sondern von dem der politischen Praxis gemachten Aussührungen daS eine oder andere befinden könne, was mißverständlich oder zweideutig sei, und daher exakter und klarer ansgedrückt werden müßte, so daß ein Mißverständnis ausgeschlossen sei. Wenn die Kongregation zu dem Urteil kam, daß tatsächlich einzelne Stellen in dieser Hinsicht zu beanstanden seien, so mußte sic konsequenter Weise den Aussatz Wackers aus Acn Inder setzen. — ES fei, io heißt es in dem Artikel znm Schluß, nicht ausgeschlossen, daß unter Umständen die diesen Aussatz enthaltende Broschüre mit den kirchlich erwünschten Korrekturen bezüglich der theologischen Partien des Aufsatzes wieder berans- gegeben werde. Ter badische Zentrumssührer sei und bleibe der Mann, der seit über einem Menschenalter zu den enlichiedcnstcn und geschicktesten, aber auch verdientesten Dorkämpsern der Freiheit der katholischen Kirche gehöre. Man will Wacker also eine goldene Brücke bauen und unliebsames Aussehen vermeiden. Wacker soll sich bekehren, dann will man seine Broschüre wieder freigeben. Zweideutig, freilich nicht mißverständlich, erscheinen uns lediglich diese Aeußerungen aus Rom, und das wenig offene und gerade Vorgehen der vakikanischen Politik wird allmählich auch im ganzen Zentrumslager Unwillen finden. Der Einzug des Kardinals Bettinger in München. München, 6. Juni. Heute nachmittag 5 Uhr erfolgte unter überaus zahlreicher Anteilnahme der Bevölkerung der feierliche Einzug des ncucrnaiiiitcn Kardinals, Erz- bischofs v. Bettinger, der von seiner Romreisc zurückgekehrt war. Bet dem Eintreffen des Sonderzugcs auf dem Hauptbahnhose begrüßte im Auftrag des Königs der Oberzeremonienmeister Graf M o y den Kardinal. Kultusminister o. Knil ling überbrachte im Namen des gesamten St.iats- ministcriums dessen Willkomm und Glückwünsche. Ober- büigcrmeister Bor sch t feierte im Fürftensalon in herzlichen Worten den Kardinal. Vom Bahnhöfe ging die Fahrt im Hosgalawagcn mit Spitzlnreitern nach dem Tom, wo ein Tedeum stattsand, daraus nach der Residenz, wo König Ludwig im lleinen Thronsaal, umgeben von den.Herren des großen Dienstes, darunter Ministerpräsident v. Hert- fing, den Kardinal in feierlicher Audienz empfing. Von der Residenz erfolgte die Fahrt nach dem erzbischöflichen Palais, wo abends das katholische Sänger- kartcll dem Kardinal seine Huldigung darbrachte. Das herzogspaar von Braunschweig in München. München , 6. Juni. Der Herzog und die 5zerzogt n von Braun schweig sind mit dem Erbprinzen und großem Gefolge vormittags l 1.40 Uhr im -onder- zuge hier eingetriiffen und wurden am Bahnhof vom König mit der 'Prinzessin Franz ip Vertretung der Könrgin empfangen. Anwesend waren auch die königlichen Prinzen, ferner Staatsminister Freiherr v. Hcrtling, Vertreter der Behörden und des gesamten Ofsizicrkorps des l. Schweren Reiterregiments, sowie die Vereinigung ehemaliger Angehöriger desselben Regiments. Unter lebhaften Begrüßungen "des Publikums erfolgte die Fahrt nach dem Schlosse. München, 7. Juni. Bei der Galatasel, die heute abend zu Ehren des Herzogs und der Herzogin von Brannschwciq stattsand, hielt der König eine Ansprache, in der er sagte: ES ist der Königin und Mir eine ticj empfundene Freude, Eure K. Hoheiten bei uns begrüßen zu dürfen. Gerne ergreife Ich die willkommene Gelegenheit, Euren St. Hoheiten nochmals persönlich Meine besten Glückwünsche zu der Geburt eines ThrvnislgerS zum Ausdruck zu bringen uird damit Meinen herzlichsten Tank sür die liebenswürdige Ucbcrtragung der Patenschaft zu verbinden. Wir wissen die Ehre zu schätzen, die Eure Sf. Hoheiten Uns damit erweisen, daß Ihre erste Reise nach diesem frohen Ereignis sich nach München richtet. Eure St. Hoheit sind in Bahcrn nicht fremd. Noch unter Meinem Höchstscligen Herrn Vater jind Eure St. Hoheit in eines der bayerischen Regimenter cingctrctcn, die auf hundert Jahre einer ehrenvollen Geschichte zurückichanen können. Als Offizier Meines Ersten schweren Reiter-Regiments haben Eure Königliche Hoheit mit vorbildlichem Pflichteifer gedient. Hierauf erwiderte der Herzog von Braun- schw ei g: ' Eurer Majestät sagen die Herzogin und ich unfern innigsten Dank sür den uns gnädigst bereiteten hockMjreulichcn Emvtang und sür das zu Herzen gehende. Willkommen, das Euere Maiestät soeben geruht haben, an UNS zu richten. Eure Maiestät haben dabei die Güte gehabt, auch auf unser junges Familienglück hin- Auweiscn. In Bezug aus dieses möchten wir auch an dieser Stätte Euerer Majestät sür die gnädige Uebernahmc der Patenschaft bet unserem Sohne von Herzen danken. Es drängt mich des weüercn, der trejen Dankbarkeit Ansdrua zu geben, von der ich gegenüber Euerer - Maiestät uird Euerer Majestät unvergeßlichen Hochscligcn Herrn Vater in Würdigung dessen cffüllt bin, daß ich Bor sechs Jahren in das mir so teuer gewordene Königliche Regiment eintrcten dnffte, dem noch heute verbunden zu fern mrr zur größten Freude und Ehre gereicht. Die glücklichen Jahre des Dienstes bet den 'Schweren Reitern, alle Gnaöc und "llüike, die "ich während di'escr Feit an dem Kömglicksen Hole gcrunöcn habe und das herzliche Entgegenlvmmen, das kch an so vielen anderen Heimstätten des schonen bayerilcyen Laiidcs cffahren durste — alles dieses ist meinem Herzen unauslöichlich eingeprägt. Ich werde insbesondere nie vergessen, welche Bedeutung meinem Eintrütc in die bayerische Armee sür die Gestaltung meines Lebensweges beizumessen ist. Deutsche Kolonien. D er neuges ch as f e ne Eis en bah n ta t für Deutsche» st afrika. bestehend aus neun von dem Gouvernementsrat ans verschiedenen Bcrnsskreisen gewähren Mitgliedern, hielt am Ääittwoch und. Donnerstag unter dem Vorsitz des stellvertretenden Erscnbähnrefcrenten seine erste Tagung ab. Die Beratungen, zu deren Beginn auch der Gouverneur anivesend war, und die Begrüßungsansprache hielt, betrafen vorwiegend Aariffragrn. wobei verschiedene Aenderungen vorgeschlagen wurden. Mit allen gegen eine Stimme wurden Sonderlarife für die Usambavabahn und die Tanganhikabahn gefordert, da beide Bahnen völlig verschiedene wirtschaftliche Grundlagen hätten. Die Cauffahrt des Ballons Gietzen. Gießen, 7. Juni. Ter Verein für Luftfahrt in Gießen, der vor drei Jahren als Ortsgruppe des Kurhessischen Vereins iür Luftfahrt in Marburg gegründet wurde, und sich auf Wunsch der Großherzogs bald darnach unter seinem Protektorat mit Mainz und Tarmstadt zur Großh. Hess. Vereinigung sür Luitiahrt zusammenschloß, beging heule vormittag bei herrlichem Wetter die Taust eines eigenen Freiballons. Schon in irüher Morgenstunde hatten sich die Bcreins- mitglieder mit ihren Familienangehörigen zur Füllung eingcsun- dcn, denen bald die Vertreter vieler anderer Vereine, der Stadt, zahlreiche Stadtverordnete und sonstige Gäste folgten. Noch während der Füllung erschien die fürstliche Familie von Lich in Begleitung des Provinzialdirektors Gcheimerat Dr. Uiinger auf dem Platze, wo sie von dem Vorsitzenden Prof. Tr. König emv- fangcn wurden. Nachdem der bekränzte Korb an dem Tanwerk befestigt war, bestiegen ihn außer dem Führer, Privatdozcnt Tr. L> t u ch t c y aus Marburg, der zugleich seine 33. Fahrt machte, noch vier Fahrgäste. Als Vertreter der Stadt fuhr Stadtverordneter L ö b c r , als Vertreter des Vereins Lehranttsassesior Walther und ferner Frl. Liddy S i c v c r S »nd Frl. Eli'e Walther, mit, so daß der Verein das seltene Vergnügen hatte, bei seiner ersten Fahrt gleich zwei Damen an Bord seines Ballons begrüßen zu können. Nachdem die Vorbereitungen bis aus das Abwiegen erledigt waren, hielt Prof. Tr. König folgende Ansprache: Durchlaucht! Sehr geehrte Damen und Herren! Sie sehen den Verein für Lustsahrt heute in der schönen Rolle beglückter Eltern, die ihr erstes Baby taufen. In Parenthese glaube ich versichern zu können, daß cs vorläufig das einzige bleiben wird. Daß wir aber alle Ursache haben, uns als bc- glückte filtern zu bezeichnen, darüber wird der Anblick, den Sic vor sich haben. Sic nicht im Zweitel lassen. Unser Babn ist drall' und rund und von einer beneidenswerten Frische seiner tyvischen Ballonfarbc. Es hat eine gesunde Lunge mit einem Fassungsvermögen mit 1680 Kbm. Tic Klavvenventilc feines Heizens' funktionieren tadellos und es ist mit den feinsten Sinnes- oraancn ausgerüstet, die ihm gestatten, auch die kleinste Aen- derung seiner Höhenlage sofort wahrzunshmcn. To haben wir die Uebcrzcugung, daß wir e§ mit der sicheren Hoffnung guter Fahrten den Lüsten anvcrtraucn können, und in dem Augenblick, da wir dies zum ersten Male tun wollen, lind unsere Herzen erfüllt, von Freude und Dank. Diesen Gefühlen wünsche ich im Namen des Vereins Ausdruck zu geben. In erster Linie danken wir allen, die am heutigen Moracn erschiene» find, um dieseü ersten Aufiticg mit uns zu feiern. Wir danken vor allem, daß wir die Ehre haben. Eure Durchlaucht als hochgeschätztes Mitglied unseres Vereines hier begrüßen zu können. Wir begrüßen die Vertreter der staatlichen Behörden, der Stadt, des Regiments, der Universität und alle werten Gäste des Vereins, unter ihnen besonders diejenigen, die von auswärts zu dieser Feier herüber gekommen sind, die Vertreter unseres Schwester- oder richfigcr unseres Muttcrvercins in Marburg. Zu ihnen gehört auch unser vortresslicher Ballonführer. Herr Tr. Slnchtey, dem wir Tank wissen, daß wir unser Kleinod seinen bewährten Händen anvcrtrauen dürfen Und besonders möchte ich unter unseren Gästen noch Herrn Gchcimcrat Aßmann begrüßen, den Begründer unserer modernen aerologischen Wissenschaft. Möge ieinc Anwesenheit bei dieser Feier ein gutes Omen für die weitere kräftige Entwicklung des Interesses an der Luft- chifsnbrt in unserer Stadt bedeuten. Dann aber bade ich allen denen zu danken, die dazu beigctrageu haben, um- in den Besitz dieses Ballons zu setzen. Zwei Gruv- >>en von Fnkloren koinmon dabei in Betracht. Sie wissen, daß der Verein zwei grafte Unternehmungen veranstaltet hat, die Zeppelin! andum, und die Zwischenetappe des Prinz-beinrich-Fluges im vorigen Jahre. Aus den Ueberschüssen dieser Beraustaltungen hat unser Sehatztneister den Ballonfonds begründen und mit beträchtlichen Mitteln ausstatten können. Aber jene Beraustaltungen haben wir nicht durchführen können ohne die werktätige Mithilse der staatliäten und städtischen Behörden, des Regiments, »ahl- reillter Vereine und Privatpersonen. Sie alle haben einen getvissen Anteil an der Erwerbunta dieses Ballons und wir haben sic alle zur heutigen Feier eingeladen, um ihnen in dreier Stunde noch einmal zu danken: Tann, aber haben sich eine Reihe von Gönnern und Freunden'des Vereins zusaimneiigetaii und haben den noch fehlenden Rest zur Kaussuinme des Ballons in Form von Anteilscheinen gezeichnet. Auch ihnen sei rn dieser Stunde von Herzen gedankt. Sie haben uns in den Stand gesetzt, diesen Ballon zu erwerben, ohne daft wlir es nötig hatten, wie es wohl sonst geschieht noch an die Stadt mit der Bitte um einen Zuschuft heranzutreteu. Sie tvcrden es verstehen, daft wir etwas stolz darauf sind daß wir den Ballon sos aus der eigenen Arbeit und dem privaten Interesse heraus haben anschafien können. Darüber aber hat Niemalis ein Zweifel bestandein daß dieser Ballon der Stadt Gießen gewidmet sein und ihren Namen tragen muß. Tentr unsere ganze Bereinsarbeit ist doch schließlich eine Arbeit im Dienste unserer Stadt. Ich muß das hervorheüen gegenüber mancherlei Mißdeutungen, die entstanden sind. Unser Verein ist wahrlich kein Vergnügiingsverein, Zeppelin- oder Fliegerlandungen aus dem Trieb zu veranstaltew, das ist kein Vergnügen gewesen, sondern eine recht harte Arbeit — kann doch selbst die Veranstaltung einer harmlosen Taussestlichkeit unter Umständen zu einer schwierigen Arbeft iverde». Aber diese Arbeit ist geleistet und wird geleistet in dmr Bewußtsein, daß wir damit im Dienste einer großen und wichtigen Aufgabe stehen, der Ausgabe, unsere Stadt in steter enger Fühlung mit jener gewaltigen Entwicklung zu halten, die sich in unteren Tagen in der Eroberung der Lust vollzieht. Wie groß das Interesse für diese Entwicklung ist, das haben die Tausende unserer Mitbürger gezeigt, die aus dem Trieb den Zeppelin erwarteten oder das großartige Fliegenchauspiel genossen. Ihnen allen ist auch dieser Ballon gewidmet und in diesem Sinne trüg, er den Ncuov« „Gießen". Aber zugleich denken wir mit Freude und Dank daran, daft der Verein in seinen Bestrebungen bei der Stadtverwaltung Verständnis und weitgehende Unterstützung gesunden hat. Auch jetzt, bei der Anschasfung des Ballons, ist uns die Stadtverwaltung hilfreich entgegengekommen durch Ermäßigung des Gaspreises und kostenlose Ueberlassung eines Raumes für die Ausbewahrung des Ballons. Dabei möchte ich nickst versäumen, der großen Verdienste zu gedenken, die sich Serr Gas- werksdirellvr Steding bei der Beschattung und zweckmäßigen Unterbringung des Ballons um den Verein erworben hat. Die .Herren Vertreter unserer Stadtverwaltung aber, die uns heute mit ihrer Anwesenheit beehren, begrüßen wir auf das herzlichste und bitten sie, in der Taufe des Ballons aus den Namen unserer Stadt den Andruck unseres lebhaften Wunsches zu erblicken, auch von unserer Seite mitzuarbeiten an der kräftigen Entwicklung unserer Stadt und ein Scherslein beizutragen zu ihrem Ruhm und Ansehen. Wir freuen uns besonders, daft einer der Herren Stadtverordneten unserer Einladung gefolgt ist und im Korbe Platz genommen hat, um dieser ersten Ausfahrt die Weihe im Namen der Stadt zu geben. Wir wünsche» Ihnen, Herr Löber, von Herzen „Glück ab" und hoffen, das; diese erste nicht die letzte Fahrt ist, die Sie mit uns wachen werden. Und nun schließlich ein Wort über die Taute. An die Stelle der ritterlichen Spiele einer alten Zeit ist in unseren Tagen der Sport getreten. Aber er soll doch etwas mehr als bloße Leibest- übnng sein. Etwas vom alten ritterlichen Minnedienste soll in ihm beivahrt warben. Tawimj ist bei uns ebenfalls von vorn herein kein Zweifel darüber gewesen, daß unser Ballon nur von einer Dame getauft werden könnte. Wir sind Eurer Durchlaucht zu tiefstem Tanke verpflicktei, für die Bereitwilligkeit, biete« Amt zu übernehmen. Und ebenso haben wir es eigentlich für eine Notwendigkeit erackftet, daß bei der ersten Aufsalirt eine Dame im Korbe Platz nimmt, und mir sind unserer jungen Miisahrerin von Herzen dankbar für den Schneid, mit dem sie als erste Dame in Gießen die Musahrt unternimmt. Ihr und allen Mitfahrern ein herzliches „Glück ab!". Nunmehr darf ich Sie, Herr Eichenauer, als den Sprecher der Stadt bitten, den Ballon, weirn er vvn seiner Fahrt zupück- kommt. in die Obhut der Stadt zu übernehmen. Im Namen der Stadt übernahm Herr Stadtverordneter Eichenauer die Obhut des-Ballons mit folgenden Worten: Die Stadtverordnetenversammlung hat mich beauftragt, dem Verein für Lustsahrt für die bevorstehende Feier die herzlichsten Glückwünsche der Stadt Gießen zu übermitteln. Wenn der Herr Vorredner soeben von einem Entgegenkommen der Stadt gesvrochen hat, so kann ich erllären, daß die Stadt Gießen freudig die sportlichen und wissenschaftlichen Interessen des Vereins zu sördern bereit war, Utch darum auch herzlichen Anteil nimmt an dem Tage, an welchem es dem Verein vergönnt ist, durch die Inbetriebnahme eines eigenen Ballons einen lang gehegten Wunsch erfüllt zu sehen. i Wie dieser Tag einen Markstein bildet aut dem Wege einer zukunftsreichen Entwickelung des Vereins, so hoffe ich, und mit mir die gelamte Ttadtvertretung, daft seine Tätigkeit auch fernerhin segensreich lich gestatten möge und dazu beitragen wird, Ausgaben zu läsen, und Zielen immer näher zu kommen, die den Luftsport, wie der Wissenschaft, und damit dem Vaterlande in gleicher Weise dienlich sind. Seine Königliche Hoheit, unser allergnädigster Landesherr, haben bereitwilligst auch die Bestrebimgen des Vereins für Lutt- kahrt unter leinen hohen Schutz gestellt, und damit auch die heutige Zaer, zu welcher wir uns liier vereinigt haben — Wbnn der Ballon Gießen sich IN kurzer Zeü in die Lüste erhebt, dann werden wir ivinnckstii, er möge seine erste Fahrt über die Residenz unseres Grchchcrzogs nehmen, und ihm die herzlichen Grüfte seiner Stadt Gießen und aller versammelten Fcstteilnehmer bringen Diese unsere ebrerbietigen Grüfte bitte ich Sie mit mir zu verermgen rn dem Ruf: S. Kgl. Hoheit, der Groftl,erzog Ernst Ludwig, der hohe Protektor unserer Veranstaltung, er lebe hoch, hoch, hoch! , Darnach vollzog die Frau FürstinvonSolms-hohe tolms-Lich die eigentliche Tause, indem sie mit einem her n-?-^--^?-wunsche dem Ballon den Name» Gießen gab „ud „e LuMchisferbrauch eine Tewarsche Flasche mit flüssiger Lust an de Korb zerschellte. .. dhrei» der nun folgenden Abwiegung des Ballons, bei d .die notige Balla,,menge ausgevrobt wird, schien ein großer Tl der Ziitchauer zu dem Glauben zu neigen, daft der Ballon „ich,- die hohe gehen wollte: in Wirklichkeit sollte er aber nach gar nü WW, weil Austrieb und Ballast noch nicht ausgeglichen wc Als das geschehen war, stieg der Ballon Gießen kurz »ach !)i, U glatt empor und ging unter herzlichen hoch und Glücknb Ruie'n d Zusckmuer auf die eine Menge Sträußchen herniederregnete, nordöstlicher Richtung davon. An den Ausstieg schloß sich in der Festhalle der Gewerbeau jtellung ein Gabelfrühstück, das Pros. Tr. K ö n i g mit einem t geistert aufgenommenen hoch aus den Landessürsteu erössnete i gleichzeitig in einer längeren Depesche von dem glücklichen Autsti unterrichtet wurde. In längerer Rede, die voller Humor ivar < dachte Prof, Tr. Sievers aller, die sich um den Luftiahrm-ri verdieut gemacht batten, des Führers Tr. Stuckte» und t Stadtverordneten Löber, der trotz seines Alters mit jugendlick Elastizität den Ausstieg unternommen bade, insbesondere aber > Stadt Gieße», die dem Verein in jeder Beziehung entgegeiigek»! men sei. Sein hoch galt der Stadt Gießen und ihrer Verwaltui Als Vertreter des Kurhessischen Vereins für Luftfahrt in Marburg icherbrachte Fabrikant Hering herzliche Glückwünsche und leerte sein Glas auf das Wohl des Vereins. Stadtverordneter Eichenauer sprach ebcnsalls aus den Verein, oem auch sein Hoch -alt. Eine Reihe von Glückwünschen verlas darnach der Sairift» sichrer des Vereins, Dr. Lejeune, darnnker einen des ehemaligen Oberbürgermeisters M e c u m und verschiedener befreundeter Vereine. D i e L a n d u n g. Nach einer gegen 8 Uhr abends eingetrossenen Drahtnachricht ist der Ballon nach 7 ftündiger Fahrt um 4,20 Uhr bei Volpriehausen (Strecke Northeim—Karlshasen), Hannover, glatt gelandet. Von einem der Mitfahrer, die um 2.37 Uhr heute früh wieder hier eingetroffen sind, erhalten wir folgenden Fahrtbericht. Der Ballon erhob sich Punkt >-10 zum ErstlingSsluge. Für daS nicht erlaubte Konzert aus dem Füllvlatz entschädigte uns reichlich das barmoniiche Ktrchcngeläute, das in wundervoller Schönheit in unsere erhabene Stille drang, denn schon bald nach dem Aussticq waren wir in 500 Mir. höhe fast jeglichem Geräusch entrückt, (sin Auto, in dem sich ein vaar Freunde befanden, tutete uns zum Abschied Grüße zu, die begeistert. beantwortet ivurden. Wir wandten uns langsam nack; der Lahn zu, konnten sie jedoch nicht überstiegen und schlugen, ihr entlang, mehr nördliche Richtung ein. Schon verschwand Gießen und die Heimatlickzen Berge im Dunstschleier. Aber bereits in etwa 1300 Mtr. höhe befanden wir uns über dieser Schicht und konnten uns des schönsten Sonnenscheins erfreuen, der unsere Gesichter bald rötete. Tie Fahrt ging nach Wildungen, und gleichsam, um es zu begrüßen. senkte er sich wieder aut 700 Mtr. und ließ uns die Genüsse eines wogenden Nebelmcers zuteil werden. Tann er- erhoben wir uns in etwa 2000 Mtr., in die höhe der oberen' Wolkengrenze, und kreuzten bei Fritzlar die Eder. Um uns hatte sich ein dichter Wolkenring gebildet, der, von der Sonne bestrahlt, einen wunderbaren Eindruck machte. Unter uns befand- sich eine Lücke, die uns immer etwas Ausblick auf die Erde ließ. Bei Kassel wurde ein „Kollege" gesichtet, der sich vergeblich bemühte, über die Wolken zu halten. Aber ^iuch er hatte uns wahrgenommen und uns, wie wir später erfuhren, in Gießen telegraphisch gemeldet. Da der Ballon jetzt aus seiner majestätischen höhe zu fallen schien, wurde alles zur Landung vorbereitet. Aber nochmals kämvfte er glücklich gegen Wolken und Dunst an und hob sich sogar um 3 Uhr bei hannoverisch Münden erst zu seiner höchsten höbe von 2750 Mtr., in der er ungeiähr eine Stunde blieb, um sich dann aber sehr schnell dem Boden zu nähern. 4 Uhr 20 endete die erste Fahrt des Ballons Gießen in einem Getreidefeld westlich Northeim im Solling. Von dem bekannten Frankiurter Führer. Direktor N e u m a n lt, der den Ballon unterwegs sichtete, traf folgende Depesche ein: An Prof. König. 1,14 Uhr 2600 Meter höhe Täufling gesichtet. Nochmals herzliches Glückab für alle Zeiten. Otto Neumann mit einer Dame und vier Herren des studentischen Lustflottenvereins Frankfurt a. M. Ureisausschuhsitzung für den Kreis Schotten. Schotten, 6, Juni. In der letzten unter dem Vorsitz des Großh. Kreisrats sDr. Merck stattgefundenen ösfentltchen Sitzung des KreisausschnsseL kamen folgende Gegenstände zur Verhandlung : 1. Einsprache des Beigeordneten Linker und des Gemeinderatsmitglieds Grüning von Kreungesharn gegen den Gemeindevoranschlag wegen Nichtein Heilung eines B e t r ag 3 für da-s halten eines Gemein de schäfers. Die Sache fand ihre Erledigung durch Zurücknahme der Einsprache in der heutigen Mündlichen Verhandlung. Die Kosten des Veriahrens wurden den Einsprechern ouserlegt. 2. TreGehaltsverhältnissedes Gemeinderechners von Sellnrod. Der Gemeinderat von Sellnrod hatte es abgelehnt, ^ie von dem Großh. Kreisamt für erforderlich erachtete Auibesiernng des Gehaltes des Gemeinderechners von 350 Mark aus 480 . Mark zu bewilligen. Deshalb wurde das Ver- waltungsstreitversahren eingeleitet. Der Kreisausschuß beschloß, den Gehalt des Rechners mit Wirkung vom 1. April 1913 aut jährlich 460 Mark festzusetzen und der Gemeinde die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. 3. Die GehaltsverhältnissedesGemelnderech- ners von Sichenhausen. Der ^Vorsitzende gab bekannt.'batz -Äs eingeleitete Berwaltungsstreikversahren in der Hauptsache durch den Tags vorder eingelaufenen Gemeinderatsb-kchlnß, wonach der vom Großh. Kreisamt berechnete lökehalt bewilligt worden sek, erledigt sei. Tie Kosten des Veriahrens wurden hiernach der Gemeinde Sichenhausen auferlegt. 4. Die Geh altsverhält nissedes Gemeinderech- n e r s von W e f t c r f e I b. Auch der Gem ei liberal von Wetter - seld hatte es abgelehnt, die vom Großh. Kreisamt erforderlich erachtete Gehaltsausbesserung des Gemeinderechners zu bewilligen. In der heutigen mündlichen Verhandlung ga'o der Bürgermeister als Grund hierfür die finanziolle Lage der Gemeinde an. Auch wurde geltend gemacht, die Gemeinde habe in den letzten Jahren hohe Einnahmen aus Exiraholzsällungen gehabt und stelle sich deshalb der Rechnergehalt so hoch. Ter Vorsitzende stellte lest, daß die Einnahmen aus außerordentlichen Holziällungen bei Ermittelung der durchschnittlichen ordentliche» Einnahmen nicht mit in Ansatz gebracht worden sind. Der Kreisausschun beschloß bier- pach, den Geizalt des Gemeinderechners, wie von dem Großh. Kreisamt berechnet, mit Wirkung vom 1. April 1913 seftzusetzen bind der Gemeinde die Kosten des Veriahrens aufzuerlegen. 5. Tie Faselhaltung in der Gemeinde Betzenrod In der Gemeinde Betzenrod versuchte man im »origen Jahre von der Züchtung des Vogelsbergcr Viehes zur Züchtung von Simmentaler überzugehen. Tie Gemeinde kaufte zu diesem Zweck einen Simmentaler Bullen. Ta das Kreisamt dies bean standete, wurde der Bulle von einer neugegründeten Zuchtgenossen- schast sür Simmentaler Vieh übernommen. Der damals zu gleicher Zeit gestellte Antrag der Gemeinde ans Genehmigung zur Ein- sührung dovvelter Zuchtrichtting wurde, bevor es zu einer Entscheidung des Kreisausschusses kam, zurückgezogen. Es bestand also die Vogelsberger Zuchtrichtung als die gesetzlich sür die Gemeinde allein maßgebende weiter fort. Tie hiernach ang'stellte Ermittlung des Kreisamts, ob sür das vorhandene Mnttervieh der Vogelsberger Rasse in genügender Weise durch nur einen Bulleit gesorgt sei, ergab, daß in Betzenrod 205 Muttertiere der Dogelsberger und 50 Stück der Simmentaler Rasse vorhanden sind. Das Kreisamt erachtete hiernach nur einen Vogelsberger Bullen Nicht für ausreichend und sann der Gemeinde Betzenrod im üsient- lichen Interesse an, einen weiteren Vogelsberger Bullen anzusckat- sen und dafür den Betrag von 600 Mark bereit zu stellen. Ter Gemeinderat widerlvrach jedoch dieser Ausgabe. In der heu- tigen mündlichen Verhandlung vor dem Kreisausschuß machte der Vertreter der Gemeinde, Bürgermeister Blei, geltend, es seien in Betzenrod immer nur 2 Bullen gehalten worden und es genügten die zwer vorhandenen Bullen ibcr Simmentaler der Zllchtgenosscnschast und der Vogelsberger der Gemeinde auch setzt noch. Ein tveiterer PogelÄerger Bulle sei insbesondere auch deshalb Nicht erforderlich, weil dem vorhandenen nur sehr wenig Muttertiere zugesllhrt würden. Ter Großh. Kreisvetärinär- arzt Tr. Schtveickert erllärte die Ausstellung eines zweiten Bogels- berger Butten für durchaus notwendig, da nach den allgemeine» Zuüngrundsätzen die Zuführung der Muttertiere nur zu dem Bullen ihrer Rasse geschehen dürfe. Ter Kreisausschuß gab hiernach dem Ansinnen des Großh. Kreisamts statt und belastete die Gemeinde mit den Kosten des Veriahrens. Der Mörder auf dem Geöcnburaer Kirchturm. lieber den am Samstag gemeldeten Vorfall wird weiter berichtet: Bis heute mittag .ist es der Gendarmerie itod> niefjt gelungen, den Bauernburscheu Tomsicck festzunehinen. der von dein Kirchturme der Gemeinde Höslany herab schießt. Gendarmen haben in gedeckter Stellung den Turm umzingelt, doch können sie nicht in den Turm selbst gelangen, toeil eine sehr hohe schmale Treppe aus den Turm hiilaussührt und jeder, der hiuauszusteigen versuchen würde, von Tomsieek unbedingt erschossen werden würde. Tomsieck hat insgesamt etwa 200 Schüsse abgefeuert. Zwei Personen sind getötet und 14 verwundet worden. Heule früh rief Tomsieck vom Turm herab: „Gut, daß Ihr mich hobt schlafen lassen. Jetzt habe ich wieder neue Kraft. Heute wird es ein neues Blutbad geben. Wenn meine letzte Patrone verschossen sein wird, dann werde ich mich selbst töten," — Die Vcrmntung, daß der Mörder g e i st e S t r a n £ sei, ist unhaltbar, dem ividerspricht die Art und Weise, ivie er den Plan wohl vorbereitet hat. Er hatte über 300 Patronen cingekaust und, wie es scheint, auch Lebensmittel aus den Turm hinaufgeschafst. — Die Gendarmerie erössnete am Samstag mittag ein heftiges Feuer auf den Kirchturm. Daun trat der Pfarrer des Ortes vor und forderte Tomsieck aus, sich zu ergeben. Tomsieck erschien daraus in der Kirchentür und man rief ihm zu: Hönde hoch! woraus er sich ohne Widerstand ergab. Man fand bei ihm eine geladene Browningpiftole mit sieben Patronen und in den Taschen noch weitere dreißig Patronen. Jin ganzen siild drei Personen getötet und 19 verwundet worden. vermischter. * Durch Blitzstrahl getötet. Aus Konstanz vom 6. Juni wird gemeldet: Oiestern mittag schlug während eines Gewitters ein Blitzstrahl aus dem Untersee in ein Fischerboot und tötete den Fischer Jakob Bügler aus Ermatingen. Nach dem Gewitter wurde das Boot tteibend bei Reichenau auf- geiuiiden und von einem Motorboot mit dem toten Insassen nach Ermatingen geschlevvt. " Zwei A u t o m o b ilu ns ä l l e. Am Samstag vormittag ist ein Kraitwagen der Berliner Hochbahngesell- schalt an der Ecke ReichstagSufer und --ommerstraße gegen das eiserne Gitter am Spreeuser gestoßen. Tie eisernen Ständer wurden zerbrochen und der Autoomnibns hing mit dem linken Borderrade frei über dem Wasser. Der Un- satl hätte leicht schrecklich: Folgen haben können, wenn der Kraftwagen nicht mit dem Kühler und dem rechten Borderrade an einem eisernen abgebrochenen Pfosten des Gitters Halt gefunden hätte und hängen geblieben wäre. Der Omnibus war mit neun Personen besetzt. — Ter andere Fall wirb aus Köln am Rhein gemeldet: Zwei Tüsseldorier Ehausseure sollten am Samstag vormittag ein neues Automobil abliesern. Bei dem eingeschtagenen rasenden Tempo versagten die Bremsen, und das Fahrzeug wurde bei Merheim gegen einen Baum geschleudert, wobei es zertrümmert wurde. Einer der Ehausseure war aus der Stelle tot, der andere wurse tödlich verletzt. * Das W a r D c t ü r a (j i c r - 9t c g t tu e n t i» Berlin wird seinen hundertjährigen StislungSIag am 21. Februar 1915 leiern. Das Regiment Hot cm JubilcininSbüro eingerichtet, das sich Berlin 81V, 29, befindet. * Ter M ä e e n. Eine tragikomische Geschichte auS dem Salon der Artistes Frangais erzählt ein Pariser Blatt. Ein Herr besuchte die Ausstellung, der niit Kennermiene alle Bilder musterte, seinen Katalog eifrig mit Notizen versah und schließlich in das Berkaussbureau ging und dort über zwei Stunden verweilte. „Was ist der Preis von Nummer X'?" „3000 Frs." „Ich kaufe es. WaS ist der Preis von Nummer Y?" „6000 Frs." „Ich kaufe es." Und so weiter. Der reiche Mäeen kaufte für über 100 000 Frs. Bilder. Seit langem hatte man im Salon einen so interessanten und großzügigen Besucher nicht gesehen. Ein wahrhafter Kunstfreund. Kein Wunder, daß die Saaldiener, die Billelteure. die Ka- talogverkäuser und auch die Herren vom Komitee sich besonders tief verbeugten, als der Herr ging. Er reifte nach Holland. Aber als man ihm fetzt schrieb und seine genaueren Tisvositionen über den Versand der Bilder erbat, erhielt man die unerwartete Antwort. „Herr X. ist soeben in ein Irrenhaus überführt worden. Damit erledigen sich auch alle seine Ankäufe." Traurigen Herzens entfernte nian die schönen «childer mit dem Vermerk „Verkauft" von den Bildern — und die Enttäuschung und den Schmerz der Künstler über das Berichwinden dieses Mäcens mag sich ausmalen, wer Phantasie genug dazu hat . . . Kleine «Eogesdjronif. In seiner Wohnung in Dresden wurde der frühere Flensburger Landgerichtsvräiident und ehemalige preußische Landtags- abgeardnete Dr. Oskar Hartman n tot ausgelunden. Die Todesursache ist wahrscheinlich in Gasvergrstung zu suchen. Die 23. Hauvtvcrsammlung des Deutschen Vereins sür Knaben bandarb eit und Werkunterricht findet am 3., 4» und 5. Juli in Leipzig statt. Dcr Verband deutscher Privateisenbahn-Beamten veranstaltet seine diesjährige.Hauptversammlung am 13. und 14. Juni in Heidelberg. Tie B. Z. meldet aus Berlin : Von 26 Teilnehmern am einer Geburtstagsfeier in der Schönhauser Allee bei einem dort wohnenden Dentisten erkrankten 19 Personen, davon acht schwer. Ein sünsjähriges Mädchen ist gestorben; für die übrigen besteht keine unmittelbare Lebensgefahr. In der Papierfabrik zu Manternach iLuremburg), in der die alte» lnremburgischen Postanweisungen nebst den daraus befind-» lichen Brieimarlen eingestampst werden, ist ein zweiter, bedeutender Diebstahl verübt worden, wobei wertvolle alle Briefmarken geraubt wurden. _ Verantwortlich für „Aus Stadt und Land" i. V.: K. N e u r a t b. Meteorologische Beobachtungen der Station Stehen. Juni 1911 L t; §ö.g 2=1 * “ 0 ^ 5% .sf. s 1 Ä 55 if 'Jo § .Sr | BSS-t 7.M 742,3 16.9 6.1 42 SSE 4 7. 1 rr 739 8 10 5 8.6 91 8 2 10 8, 737.1 8,5 7,7 92 W 2 10 Wecker So»,nuscheln Bed. Hinunel Siegen bötftfle Temveratur am 6.-7. Juni 1914 = -f- 17 8’C. Niedrigste „ „ 6.-7. „ 1914 »= + 5,1“, Niederschlag, 11,7 mm. Das Urteil einer Oberin. Man sollte eS kaum für möglich halten, das; ein so einfaches natürliches Wittel wie Maltznm eine so vielseitige segensreiche Wirkung entfalten könnte. ,>ur Nervöse, Blutarme, schwache, Genetende, Betdatittugsleidende, ^ungenschwnche, bet (Lrkültungen, Ottsten, veiserkelt, Nvvetttlosigkeit ist W al 13 mit von Aerzten und P-nbltkum iiachieichäizt. Eine General-Oberin voin Noten Kreut; schrieb über Maltzum: „Es bat ganz besonders bet unseren, durch strengen Dienu überarbeiteten Schwestern vorzügliche Erfolge er- zielt." Mal bum i;t reineo Münchner Malz-Ertrnkl mit Nähr- salzen. Wietzen zu haben bei: E e n l r n l - D r v g e r i e E m i l Karn, >! r 0 ne n - D r 0 g e r t c W c b r. M i ch c l, Medizinal- D v o n c r t c Otto Schaa s. 5949 D Für Erholungsbedürftige und leichtere Sommer und eifcinfte. Winter besucht. 1 Kuranstalt üofheim I. T. l /> Stunde v. Frankfurt a.M. Prospekte durch Dr. Scliulzo-Kahlojrss, NerrenarsU