Kt. »29 Der «irtzenrr Anzeiget erscheint täglich, sicher Sonntags. - Beilagen: »iermal n>»che»tKch «irtzenerzomIIieENee : zweimalwvcbentt^lrrii- Hott für twn Kreis Sieben < Dienst«, tmb Äreitoq); zweimal moimt!. Qnid> wirtschaftliche öeUftage» Fernlvrech - Anlchliche: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Tepeichen: Anzeiger «Uetze», dnuadme von Anzeigen tür die Tagesmnniner Erster vlatt H>4. Jahrgang iehener Anzeiger General-Anzeiger sür Oberhesjen Zreitag, 5. Zunl 19^ Vezu gSvrei-: monatlich 75Pf., vierteljährlich Mt. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mt. 2.— viertel- jährll ausjchl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Lhefredakteur: A. Goey. Perantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton-, .Vermischtes" und „Gerichts» saal": Karl Neurath; für .Stadt und Land-: ^ormitiags^suhr. N otationrvryd llnö Verlag der v rühl'schrn Uxio.-Such- uuö Strindrnckerei n. Lange. Rcöattfen, «rpcöition und Prüdere!: Schlllsttafie 7. A,'.zeige,Beck! Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Sin yankeestreich. Das Vorgehen des amerikanischen Machthabers in Veracruz, des Generals Funston, gegen die beiden Savag-Dampfer „Yviranga" und „Bavaria" har wieder einmal gezeigt, daß die amerikanische Union wirklich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist. Ter smarte General, der anscheinend der Meinung ist, daß man die Kosten der verunglückten Exvedition gegen Mexiko von den unbeteiligten Staaten Herauspressen müsse, hak den beiden Schissen der Hamburg-Amerika-Linie eine G e l d st r a s e von mehr als einer Million Pesos auserlegt, weil sie ihre Ladung nicht konsignationsmäßig nach Veracruz, sondern nach dem Hasen gebracht haben, wohin sie der Besteller, nämlich die mexikanische Regierung, nachträglich dirigiert hatte, weil sic durch die Amerikaner verhindert waren, sie in Veracruz in Empfang zu nehmen. Aus der Darstellung, welche der Vertreter der Hapag in Deracruz, Carlos Heven, vor dem dortigen amerikanische» Konsul zu Protokoll gegeben hat, geht klar hervor, daß die Dampfer weder in Veracruz noch nachher in P u c r t o M c x i k o, wo die von H u c r t a bestellten Waffen gelandet ivurdcn, irgend einen Einspruch von seiten der amerikanischen Behörden erhalten hatten. Erst nachträglich besann sich Herr General Funston darauf, daß hier ein Geschäft zu machen sei, und er verfügte jene Geldbuße, von der die zuständigen Instanzen selbst nicht recht zu wissen scheinen, unter welchem Scliema sie zu buchen sei, ob als Zollkontravention oder sonst etwas. In Wahrheit stellt das Vorgehen des Generals Funston gegen die beiden Hapagdampfcr einen Willkürakt dar, sür den auch jeder Schein einer Berechtigung fehlt. Die ganze Kette von widerspruchsvollen und zum Teil unsinnigen Handlungen, welche die Amerikaner bei ihrer Kampagne gegen Mexiko begangen haben, erklärt sich daraus, daß sic die Fiktion aufrechterhalten, mit Mexiko im Friedens- zustand zu leben, während sie in Wahrheit eine Art verschämten Krieg führen, aus dem sich wiederum — unverschämte Handlungen gegen die Neutralen ergeben. Nachdem die Amerikaner Veracruz besetzt hatten, verhängten sie die Friedcnsblockade, nicht die Kriegsblockade über den .Hafen, eben weil sie aus. Rücksicht auf die schweren Schädigungen, die im Falle des Kriegszustandes auch der amerikanische Handel erleiden müßte, die schärfere Form der Blockade vermeiden wollten. 9dun hat aber die Regierung der Union, als sie im Jahre 1902 die Kriegsblockad« über die Küste von Venezuela verhängte, die ausdrückliche Erklärung abgegeben, die auch der sonst üblichen Auffassung entspricht, daß die Friedensblockade nur für die Schiffe des blockierten Staates, nicht aber für die der unbeteiligten Mächte gelte. Trotz dieser Erklärung hat die Union die Wasscnlandung sür die derzeitige mexikanische Regierung in dem blockierten .Hasen verhindert. Wäre nun auch über die anderen mexikanischen Häfen die Friedensblockadc verhängt worden, und wäre» die „flpiranga" und „Bavaria" auch dort von den Ämerikanern verhindert worden, die Waffen für Huerta zu landen, so hätte für die Hapag der Fall der höheren Gewalt Vorgelegen, und sie hätte das Geschält mit Hüerta eben nicht cffektuicrcn, also auch nicht wegen Nichterfüllung haftpflichtig gemacht werden können. So aber war sic kontraktlich gezwungen, die Massen zu landen, und wegen dieser, von amerinrnischcr Seite nicht verhinderten Kontrakterfüllung haben die amerikanischen Behörden, welche sich die Regierungsbestignisse in Veracruz anmaßen, jene Geldbuße verhängt. Der deutsch-mexikanische Handels- und Schiffahrts-Vertrag vom 5. Dezember 1882 bcstimint in Artikel 18 Abs. 3: „Ferner besteht darüber Einverständnis unter den verlrag- schlicßenden Teilen, da» die deutsche Regierung, mit 'Ausnahme der Fälle, wo ein Verschulden oder ein Mangel an schuldiger Sorgsalt seitens der mcrlkaniichen Behörden oder ibrer Organe vorlicgt, die mexikanische Regierung nicht verantwortlich machen Imld für Schäden, Bedrückungen oder Etpreisungen, welche die Angehörigen des deutschen Reiches in dein Gebiete Mexikos ,'a Zeilen der Insurrektion oder ocs Bürgerkriegs von Seiten der lvlusständischrn zu erleiden haben sollten, oder welche ihnen durch die wilden Stämme zugesügt werden, die den Gehorsam gegen die Regierung nicht anerkennen." Man ersieht daraus, daß hier nur die Frage der Schä den, Bedrückungen oder Erpressungen durch die Aufständischen oder die wilden Stämme vorgesehen ist, nicht aber die der Erpressungen durch Dritte, in diesem Falle die Amerikaner, welche den wilden Mann spielen. Die deutsche Regierung hat das Rbgime Huertas schon aus der praktischen Erwägung heraus anerkannt, daß nur, wenn eine anerkannte Regierung in Mexiko vorhanden ist, etwaige Entschädigungen für die von den Aufständischen geschädigten Staatsangehörigen zu erlangen wären. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß die Hapag sich sür die Brandschatzung — ein anderer Ausdruck ist nicht gerechtfertigt — durch den General Funston nicht an den Besteller der Waren, der zugleich zurzeit noch die Regierung in Mexiko repräsentiert, sondern an die Regierung der Union zu halten hat. Jedenfalls darf, auch tvenn die Hapag aus begreiflichen Rücksichten sür die sanfteste Tonart gegen die Washingtoner Regierung plädiert, erwartet werden, daß die deutsche Regierung mit aller Entschiedenheit gegen diesen Willkürakt cinschreitet, der nicht nur die geschäftliche Schädigung eines Privatunternehmens, sondern einen Verstoß gegen das Völkerrecht und einen Vorstoß gegen eine Macht darstellt, mit der die Union in Frieden und Freundschaft zu leben vorgibt. Das Grohherzogspaar von Hessen in München. München, 4. Juni. Großberzog Ernst Ludwig von Hessen stattete heule mittag dem Rat hause einen Besuch ab. Am .Hauvtvortal des festlich geschmückten Rathauses empfingen den Großherzog Oberbürgermeister Dr v Bvrscht und Bürgermeister Dr. v. Brunner sowie die Vorstände des Gemeindckollegiums und geleiteten ihn in den Revräsentationsraum, wo der Oberbürgermeister an ben Großherzog eine Ansprache richtete, in der er u. a. der künstlerischen Beziehungen gedachte, welche die HanvtstädtcMün- chcn und Darmstadt verbinden, und seiner Freude über den hohen Aufschwung Ausdruck gab, den Hessen und seine Residenz unter ber westen und tatkrästigen Regierung des G r o ß h c r z o g s genommen hat. Mit Tankeswortcn für die mannigfachen Anregungen, die von München und seiner Kunst aus die schöpferische Initiative desGroßherzogs zurückzuführcn seien, und dem Wunsche, daß dieser auch seiner seine aufrichtige Sympathie sür München bewahren möge, entbot der Oberbürgermeister im Namen der hiesigen Bürgerschaft dem Großherzoq den Willkommgruß und überreichte ihm alter deutscher Süte gemäß ben Ehrentrunk. Ter Großhcrzog dankte dem Oberbürgermeister für den freundlichen Empfang und trank aui das Blühen und Gedeihen der Stadt Vdünchen, worauf er sich in das goldene Buch cin- zeichncle. Hieraus erfolgte eine Besichtigung des Sitzungssaales und verschiedcner anderer Räume. Gegen l Uhr verließ der Groß- herzvg unter lebhaften Öochruicn der zahlreich anivcsendcn Bürgerschaft das Rathaus und begab iich zum Frühstück zu dem Kronprinzen. Für den Nachmittag ist ein A u s s l u g in Automobilen nach dem Starnberger See sowie eine Rundfahrt aus dem Sec geplaiü. — Ter Großhcrzog von Hessen hat den Prinzen Karl und Franz von Bayern das Großkreuz des hessischen Ludwigsordcns verliehen. München, 4. Juni. Aus Anlaß seines Besuches in München erteilte der Großherzog von Hessen folgende Auszeichnungen: Dem Obersthosmeisicr Grasen von Seins- Heim dos Großkreuz des Lndioigordens, dem Oberstzeremonienmeister Grasen von M o h das Großkreuz des Philipvsordcns mit der Krone, dem Oberstallmeister Freiherr» von Lconrod das Großkreuz des Philippsordens und dem Generalintendanten der Doitltcatcr Freiherrn von Franckenstein das Großkreuz des Philippsordens; dem Oberstkämmcrer Freiherr» von Leßbcrg wurde das Bild Sr. Kgl. Hob. des Großhcrzogs in silbernem Rahmen mit Untcrschriit überreicht, ebenso dem Ches des Gehcim- kabinetls Ttaatsrat von Tandl. Ferner wurdc verliehen dem Vorsitzenden im Püinisterrat Dr. Grasen von Hcrtling das Großkrcuz des Philippsordens mit der Krone, dem Staatsrat Freiherrn v. Hirschberg das Großkrenz des Philippsordens. Das Komlhurkreuz l Klasse des Philippsordens dem dosmarschall des Kronprinzen Grasen zu Pavvenhcim, das Komthurkrenz 2. Klasse mit Krone des Philippsordens dem Polizeipräsidenten von Grundherr, das Komthurkrenz 2. Klasse des Philipps- ordcns 2. Klasse dem Kämmerer Major a. D. Frciherrn v. S o d c n und dem Oberstleutnant ä In suite der Armee Freihcrrn v. G u t - t e n b c r g , das Großkrcuz des Philippsordens dem Oberbürgermeister Tr. v. Borscht, bas Ehrcnkreuz des Philippsordens dem Ersten Vorstand des Gemeindekollcgiums Schwarz. r«u, Oclien. rb. Tarmstadt, 4. Juni. Ter Gesctzgcbungsaus« schuß der Zweiten Kammer hat soeben den vom Abg. Reh erstatteten Bericht über die Regierungsvorlage, bctr. die Revision der Gesetze über die relig iösen Orden und ordensähnlichen Kongregationen im Truck den Kammermitgliedern zngehen lassen. Wie schon gelegentlich der Ausschußbcratung näher darge- legt, hat der Ausschuß in der Regierungsvorlage zwei ülbänderungs- beschlüsse vorgenommen, die beide aus Anträgen des Abg. Dr. Schmitt beruhen. Die erste, vom Ausschuß und der Regierung angenommene Abänderung betrifft Art. I ber Vorlage und bestimmt, ^aß zwischen Absatz 2 und 3 folgender Satz eingeschoben wird: „Den religiösen männlichen Orden oder ordensähnlichen Kongregationen, welche sich ausschließlich der Krankenvslege widmen, kann von dem Ministerium des Innern die Leitung von Heimen und Hospizen iür Arbeiter, Gesellen oder Lehr' aqe gestattet werden." Gegen die Ausnabmc dieser Bestimmung wird mau kaum eine Einwendung erheben können. Es ist vielmehr zu begrüßen, daß sür diese Heime und Hospize, wenn kein anderer geistlicher Leiter vorhanden ist, auch Ördensgcistlichen die Uebernahmc der Leitung gestattet werden kann, da cs sich ja hier ausschließlich um katholische Einrichtungen handelt. — Die zweite Abänderung der Regierungsvorlage durch den Ausschuß betrifft eine Aendcrung des Absatz 3. Die Vorlage wollte, daß bei dem Vorhandensein eines dringenden Bedürfnstses bem ansässigen Orden der Kapuziner auch Ivel- terc Niederlassungen gestattet werden. Dieser Absatz wurde durch einen Antrag Tr. Schmitt, der die Zustimmung von Ausschuß und Regierung fand, dahin abgeändert, daß dem Ministerium die Beiugnis erteilt wird, „einem anderen, dermalen im Großherzogtum nicht bc st ch enden Or - Lröffnung der Gruppe „Fachpresse" aus der Leipziger Ausstellung. Leipzig, 3. Junr. Eine der bedeutendsten Gruppen der Buchgewerbeausstellurrg „Die Fachpresse" wurde am Mittwoch mittag um 12 Uhr feierlich eröffnet. In dem großen Mittelraum des „Tempels der 'Fachpresse" empfing der Vorsitzende des Ausschusses die Erschienenen. Die Ausstellung der Fachpresse soll die Macht und Fülle der von der Fachpresse geleisteten Arbeit einer breiten Schicht vor Augen führen, soll ihre Bedeutung als Kulturträgerin zeigen und dartun, daß die deutsche Fachpresse mit ihren mehr 'als 5000 Blättern an der Spitze der Fachpresse der Welt marschiert. Sie ist ein Bildungsfaktor aus dem Gebiete der Wissenschaften und des Erwerbslebens geworden, der Tausende belehrt tund tüchtig macht. Danach folgte ein Rundq>ang, der die au^r^ ordentlich interessante und geschickte Art zeigte, wie die an sich etwas trockene und schwierige ^lusstellungsmaterie dem Publikum ansckzaulich vorgeführt wird. Es erscheinen gegenwärtig in Deutschland 5630 ^-achzeit- schristcn. die Zahl der Fachzeitschriften deutscher, Sprache, alzo einschließlich derienigen Oesterreichs und der Schweiz betragt rund 7000. Im Tempel der Fachpresse ist ein logonanntcr EM- wicklungszug gegeben, eingeteilt in 11 Gruppen der Wiiseulchast und des Gewerbes, und sich erstreckend aut rund 100 Fahre. Jede Zeitschrift ist durch ein Zeichen im Gründungsiahre vertreten. Dadurch ist ersichtlich gemacht, wieviel Neuerlcheinungeu in den einzelnen Gruppen und Jahrgängen zu oerzeickiuen sind. Die erste heute noch erscheinende Zeitschrift Nno die im Fahre 1739 gegründeten „Göttinger Gelehrte Anzeigen". Tie Steigerung der Zahl der Fachblätter von^nur 31. iw >>ahre 1830 zu 528 im Jahre 1870, zu über oOOO im ^ahre 1914 überholt die Bevölkcrungszunahme um mehr als das zehnfache In den 70er Jahren sind jedes Jahr durch,chnittlich 41 neue Zeitschriften gegründet worden, die Steigerung ist steng gewesen und hat 1911 13 die Döchstzahl von durchschnittlich 232 neuen Zcit,chri,ten rm >;ahr crreickü. Von den 11 Gruppen stehen Industrie und vandwert mit 1163 Zeitschriften obenan. Handel undVerkehr bentzen,^o9 Zer - schritten Zieht man belipielsweise einen vergleich mit der Landwirt- Äl sti iann man seststellan. daN im Jahrefl840 d,e LandrmNtcha,t die qlcichc Zahl der Fachblättcr besitzt wie Industrie und Gewertw. Im Jahre 1850 tritt die Landwirtschaft mit einer Zeftfchrttt mehr au,, 1880 hat Industrie und Handwerk o Zeitfchri,len mehr und 1913 sehen wir Industrie. Handel und Gewerbe mit l?22 Zeitschriften die Landwirti»ait mit 440 Zeitschriften, was einen ilcbcr- schuß von 1282 Zeitschriften ,u Gunsten von Industrie, Handel Nick, dix geographische BerSreitung der Fachblätter, eine zweite Taiel die bedculcndstcn Städte mit der Zahl ihrer Fach- Wätter - darnach ist Berlin mit 1602 Fachzeitschriften vertreten, «rissig mit 607, München mit 266, Stuttgart mit 206 uiw. Ein besonders eindrucksvoll dargestellter T-blcauausmarsch der Fach- Nccstc enthält zugleich cuien Jriedhoi um Denkmal und Jnschriltt Hier ruben nach langem oder kurzem, mehr oder weniger oual- vollem Leiden die Toten der Fachpresse! — Es ist ein Massengrab des hinter uns liegenden Jahrhunderts. Schätzungsweise wird die Zahl der eingegangenen Blätter aus ettva 15000 angenommen. In den Glasschränken des Tempels sind die Marksteine der Zeitschriiten-Literatur ausgelegt, alte Jahrgänge, soweit sic zu erlangen waren, die ein intercisantes Bild ihrer Zeit ergeben, besonders im Vergleich zum heutigen Stand unserer Presse. Tie Ausstellung der Fachpresse zeigt neben der Sammelabteilung die Ausstellungen der Einzelverleger, an deren Schlutz ein Redaktions- zimmer, ausgeslattel mit den modernen Einrichtungen einer Redaktion und mit Bildern bekannter Zeitungsvcrleger. — An den ausführlichen Rundgang des Tempels der „Fachpresse" schloß sich ein gemeinsames Frühstück im Hauptrestaurant der Ausstellung an. — Die Menschenrassen des Niltals. Die rm Zoologischen ölorten zu Frankfurt a. M. gegen Mitte Juni beginnende völkerkundliche Schaustellung „Die Mensälen des Ril- tals" wird neben den Vertretern der in Frage kommenden Völker- schaltcn der Aegypter Barabra, Bischarin, Ruba und Tinka auch die jedem Volke eigentümlichen Tiere umfaßen. So für die Aegvvter die schwarzen Büffel, für die Barabra das Rind, für die Bischarin Droniedar und Pierd und sür Nuba und Dinka das sudaneißchc Zebu mit geradezu ungeheurem Gehörn, das große sudaneiiickic Schal mit dem Ramskovl und dem bis zum Boden reichenden Schwänze, ferner die sudanesische Ziege mit den auk- lallend langen Hängeohren. Als ganz besondere Merkwürdrgkeit aber wird seitens der ägyptischen und nubiichen Fellache» der lanbwirlschaitliche Betrieb dieser Böller gezeigt werden, mir den eigenartigen, dort im Gebrauche beiindlichen Geräten, wie dem alten, bereits aus den Wandmalereien der Pharaonen verewigten Pflug, dem eigentümlichen, kastenartigcn Gerät, das die Stelle der Egge vertritt, und dem großen Dreschichltttcn, der aut vielen kleinen, eisernen Nädern ruht, zugleich die Hajmc zerschneidet und das Idorn herauslöst. So wird diese umsastendc, von Carl Marguardt mit gewohnter Kenntnis von Land und Leuten zu- sammcngebrachte Ausstellung wirklich Neues zergen, das namentlich auch für den Landwirt von größtem Interesse sein wird. Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß alle die vorerwähnten Völker in ihrer eigenen Tracht, fasern von einer solchen gesprochen werden kann, vargesührt werden, — Der Katalog der Pariser Nationalbiblio- t b e k. Allen Freunden der berühmten französischen National bibliothck, cinheimlschcn wie ausländischen, kommt eine langersehnte Künde: man will jetzt endlich tatkräftig daran gehen, die Katalogisierung der reichen Schätze der Bibjiothek zu Ende zu führen, „Für den Augenblick," so schreibt Georges de Tubor, einer der Mitarbeiter am Kataloge, in der „Revue bleue", „richtet sich die Hauttarbeit aut den alphabetischen Katalog, an dem l2 Bibliothekare beschäftigt sind. 56 Bände sind schon erichicncn, er ist aber erst bis zum Buchstaben G gediehen, tvoraus man auf einen Qkiammmla.'io des Sttinlnacs von 140 Bänden schließen kann, Um einen Begriff von dem ungeheuren Umfange des Unternehmens zu geben, sei sestgesteUt, daß allein Cicero 296l Artikel umiaßt, Fenölon 1800, Dumas der ältere 1537. Eine große Schwierigkeit bestcbt darin, die einzelnen Schriftsteller zu identifizieren und bcisvielswcisc mehr als 400 Durands auseinander zu halten." Elleichzeitig mit dieseni Kataloge sind auch andere Katalogarbciten in Angrisi genommen worden. Tubor selbst hat soeben den Musikkatalog vollendet, eine Arbeit, die 15 Jahre in Anivruch genommen hat. Niemand wußte bislang, daß die Bibliothek beinahe 400 000 musikalische Werke besitzt. Tubor hat nicht weniger als 340 000 Zettel redigiert, und dabei sind noch die Gesangsstücke ohne Begleitung ausgelassen! Tie wertvollsten stücke sind diejenigen des 16., 17. und 18. Jahrhunderts, unter denen sich große Schätze vorsinden, 10 schöne Bände mit dem Wappen Marie-Antoinettens enthalten italienische Arien. Manuikciptc sind vorhanden von Lullt, von Ramcau, ölluck und Rousseau. Die Bibliothek besitzt 1600 Partituren von Opern, 4160 von komischen Opern, 200 000 Gesangsstücke, 76 000 Klavierstücke, 7000 Geigen- und 5 Okla- rina-Komvositionen. Unter den Snmvhonien ist eine, die eine Sitzung des Konvents iReden, Zwischenrufe, Ermahnungen des Präsidenten' darstellen soll, eine andere von Steibelt malt die Schlacht von Austerlitz. Bei den Sonate» herrscht cbcniolch: Phantasie. Vogler z. B. ist der Verfasser eines „Streites zwischen Mann und Frau", einer Sonate für Fortcpiano, mit Begleitung von zwei Geigen. — Vom Weltpostverein. Das sür den modernen Handel und Verkehr hochbedcutsame Werk des verstorbenen „Postministers" von Stephan kann mit dem unlängst erfolgten Beitritt der Republik China zum Weltpostverein in allem lvesentlichen als abgeschlossen gelten. In der Tat kommen die wenigen Länder» die sich bis heute noch nicht der internationalen Postkonvention angeschlossen haben, bis auf weiteres für die Kultur nicht in Frage: es handelt sich um einige Teile Asiens und Afrikas (Afghanistan, Arabien, Jnnera!r,ka> mit rund 30 Millionen Einwohnern, die größtenteils auf recht primittvcr Bildungsstufe stehen. Vor der Eingliederung Chinas umfaßte das Gebiet der dem Weltpostverein angehörenden Länder etwa 117 Millionen Quadratkilometer mit etwa 1270 Millionen Einwohnern: diese Zahlen echt modernen RultuNartschritts erhöhen sich durch den Beitritt Chinas zur postalischen Union auf 128 Millionen Quadratkilometer mit etwa 1645 Millionen Einwohnern. Erinnern wir uns bec dieser Gelegenheit daran, daß der Weltpostverein, diese Schöpfung von praktischem deutschen Idealismus, durch den internationalen Weltpostvertrag vom l, Juli 1875 geschaffen wurdc. Bedeutsame Erweiterungen erfuhr er durch die Verträge vom l. Juni 1878 in Paris, vom I. April 1886 in Lissaban und, vom 4, Juli' 1891 in Wien. Es haben sonach knavv vier Jahr- zelptte unennüdlicher Werbearbeit ansgcreicht, um das Netz der Poslunion um den ganzen Erdball zu schlingen . . . eine Ber- kehrScinrichtung, die chrerseits stn schönster Weise dazu beürägt, die so verschieden gearteten Völker aller WcUleilc einander nä^r zu bringen, , v den, der sich ausschließlich der Aushilfe in der Seelsorge wwmn, die Errichtung von Niederlafsungen zu gestatten, wenn ein dauern des, vermehrtes Bedürsnis nach Ausbstse in der Seelsorge nach gewiesen iit". — Der Aiisschiißberichlcrstatter fügt hinzu, das, hier der Jesuitenorden nicht in Betracht kommen kann, und lveist dabei aui die Einleitung des Berichtes hin, worin gesagt wird, der Einivurl 'sei hinfällig, daß nach einer etwaigen Aufhebung der Jesuitengeietze der Jesuitenorden zugelassen werden könne. Ganz abgesehen davon, daß an eine Aufhebung des Jesuiten, gesehes die Reichsregicrung jedenfalls zurzeit nicht denkt, kann aber der Jesuitenorden nach übereinstimmender Ansicht der Regierung und des Ausschusses auch nach dem Entwurf deshalb nie zugelassen werden, weil der Entwurf ebenso, wie das 187,her Gesetz nur von solchen Orden rede, die sich enttveder ausschließlich der Krankenoilegc oder ausschließlich der Aushilfe in der Seelsorge widmen. Zu diesen Orden gehört der Jesuitenorden als Lchrordcn nicht. Der Uabinettswechsel in Frankreich. Paris, 4. Juni, V i v i a n i teilte Poincare mit, daß er, da er noch einige Schritte unternehmen müsse, ihm nicht vor morgen mittag eine endgültige Antwort erteilen könne, ob er den Auftrag, das Kabinett zu bilden, an nehmen werde, Poincare empfing daraus Bourgeois, Wie in den Wandclgängen der Kammer erzählt wird, bat Leon Bourgeois die Annahme des Portefeuilles des Aeußern ausdrücklich an die Bedingung geknüpft, daß die neue Regierung das Dreijahrgesetz ungeschmälert zur Anwendung bringe, Paris, 4^ Juni, De > chancl wurde mit 411 von 435 gültigen Stimmen endgültig zum Präsidenten der Kammer gewählt. Zu Vizepräsidenten der Kammer wurden endgültig gewählt! Clementel (Radi kal> mit 375 Stimmen, Moncstier (geeinigt Radik,) mit 333, Godard (geeinigt, Radik,) mit 310 und A u g a g - neur (sozial, Republ,) mit 267 Stimmen, Sine vergebliche Verhandlung des Nonlrollausschusses mit den albanischln Rebellen. Durazzo, 4, Juni, (Verspätet eingetroffen.) Die Mitglieder des Kontrollausschusses begaben sich heute nachmittag nach Schiak, wo sie init den Delegierten der an der Aufstandsbewegung beteiligten Kazas zusammentrafen, Diese machten jedoch nicht den Eindruck wirklicher Landschaftsvertretcr, sondern jenen von untergeordneten Angehörigen der Kazas, Unter den Delegierten befanden sich zahlreiche aufgewiegelte Fanatiker, welche hauptsächlich Gegner der Verständigung waren. Einige anlvesende Muftis waren arg schüchtern. Sämtliche zeigten wenig Interesse für die von ihnen vor einigen Tagen bekannt gegebenen Wünsche, sondern riefen beständig, die Redner des Kontrollausschusses unterbrechend, daß sie die Türkei und einen mohammedanischen Fürsten haben wollten. Obwohl ihnen vom Kontroll- ausschuß die Unmöglichkeit der Erfüllung ihrer Wünsche vor Augen gehaiten wurde, bestanden sie auf ihnen und wiederholten stets jenes Schlagwort, was die Verhandlungen verzögerte, Da die Verhandlungsart der Rebellen den Eindruck erweckte, daß sie Zeit gewinnen wollten, lehnten die Mitglieder des Kontrollausschusses es ab, in neue Verhandlungen mit ihnen einzutreten, wiesen daher ihre panislamitischen Forderungen schlankweg ab und kehrten abends nach Durazzo zurück, Entsendung von Schisse» au die albanische Küste? Rom, 4, Juni, Die deutsche Regierung hat die Mächte wissen lassen, daß sie, wenn die anderen Mächte zustimmten, geneigt sei, ein Kriegsschiff nach Durazzo zu entsenden. Man hat hier das Vertrauen, daß die moralische Wirkung in Albanien damit gleicherweise erreicht wird, wie mit der Entsendung einer Truppcnabtcilung, London, 4. Juni, Dem Reulerschen Bureau zufolge sprach die englische Regierung ihre Bereitwilligkeit aus, im Falle irgendeiner Gefahr für den Fürsten von Albanien ein Kriegsschiff nach Durazzo zu senden, wenn die anderen Mächte ähnliche Mittel ergreifen, Durazzo, 4, Juni, Das Fürstenpaar nahm heute mittag an Bord des österreichischen Schlachtschisses „Tegctt- hoff" bei dem Kontreadmiral L ö f l e r den Lunch und vev- weilten nahezu drei Stunden au Bord des Schisses, Diese Gelegenheit nahmen sie wahr, das Schlachtschiss eingehend zu besichtigen, wobei sie ihrer Bewunderung über den mächtigen Bau und die Vollkommenheit der technischen Einrich- lungen Ausdruck gaben. Bei der Rückkehr war das Fürstenpaar beim Landen Gegenstand herzlicher Kundgebungen, Aus Mexiko. Mazatlan, 4, Juni, lieber San Diego wird gemeldet: Die Verbindung zwischen der Westküste von Mexiko und der Stadt Mexiko ist durch die Konstitu- tionalisten völlig abgeschnitten. Nach einer von dem Admiral Howard cingetroffencn Nachricht ist die Stadt Guadalajara von drei Kolonnen des Generals O b r e - g o n eingeschlofsen. Die Stadt C o l i m a siel in die Hände des Konstitulionalistengenerals und früheren Gouverneurs des Staates Colima, A l a m i l l o. Dcutjche» Neick». Der Kronprinz in Metz, Aus Metz wird vom 4, Juni gemeldet: Der Kronprinz machte im Laufe des gestrigen Nachmittags eine Ausfahrt und besuchte bei dieser Gelegenheit im Garnisonslazarclt II den vor einigen Tagen durch einen Sturz mit dem Pferde verunglückten General- obersten v, Eichhorn, Gegen Abend traf von Trier das Lustschiff „Z, 8" hier ein, kreuzte einige Zeit über der Stadt und kehrte dann wieder nach Trier zurück. Heute morgen 8 Uhr wird eine Ausfahrt zur Besichtigung der westlichen Schlachtfelder und Fcstungsanlagen unternommen. Dir baverische Kammer der Abgeordneten be- schäitigtc sich nochmals mit der Regierungsvorlage betreisend die Einstellung von 75 000 Mark für jedes der beiden Budgetjahre zur Förderung der gemeindlichen Arbeitslosen- Versicherung IN Bayern, Von der Kammer der Reichsräte war diese Forderung abgelehnt worden, dagegen hatte sic die gleiche Summe im Budgel stehen lassen für die Förderung der gemeindlichen Arbeitsvermittelung, Redner aller Parteien mit Ausnahme der des Bundes der Landwirte bedauerten die Haltung des Reichsrates, wobei der Sozialdemokrat T i m n, scharfe Angriffe gegen die Kammer der Reichsräte richtete. Fast einstimmig lehnte schließlich das .Haus es ab, dem Beschlüsse der Kammer der'Reichsräte beizutreten. Damit ist die Einsührnnq der gemeindlichen Ar beitslosenversicherung mit staatlichen Zuschüssen gescheitert, da nach der Vcrsaisung ein Gegenstand, über den sich die beiden Kam mern nicht einigen, in derselben Session nicht wieder zur Beratung gebracht werden kann. 7Iu»Iand. Der deutsche Botschafter in London und die deutsch-englischen Beziehungen, Der „Daily Tele graph" beglückwünscht den deutschen Botschafter zu dem aka- ocmischcn Tribut, den ihm die Universität in Oxford gezollt hat und zu der »vichtigen Tatsache, daß seine Verwalliung des Pot- schasterPosteus der Anlaß oder die Ursache der bcdcutmd verbesserten Beziehungen zwischen Deutschland und England gewesen ist. Das Blatt erinnert an die Zeit der gegenseitigen Verbitterung, die niemals eine andere Grundlage hotte als Rivalität und die all mäblich zu verschwinden begann, Fürst Lichnowsky habe diesen wohltätigen Wechsel benützt, und wenn sich ihm die Gelegenheit bol, sprach er stets nicht nur als Vertreter Deutschlands, sondern auch als Freund Englands, und man habe das schnell und mit Dankbarkeit anerkannt. Auch in Oxford bcwntc der Fürst nachdrücklich die Bonde, die beide Länder verknüpfen, anstatt die Rivalitäten, die sie trennen, und es ist eine wahre Freude, von dem Wirrwarr der europäischen Politik und der Erbitterung der innerpolitischcn Probleme sich der ruhigen Philosophie der Rede des Botschafters zuzulvcnden. Das Blatt schließt: Jedenfalls ergibt sich eine Moral aus der Rede des Botschafters, Es ist seine wohlüberlegte Ansicht, daß die angelsächsische und die germanische Rasse eine große Ausgabe vor sich haben, die sic gemeinsam vcrsolgcn müssen, und daß die Wohllate» der Welt in bedcutendeni Maße von ihren gemeinsamen Bestrebungen abhängen. Eine solche Ansicht könnten alle verständigen Leute, gleichwie ob Deutsche oder Engländer, unterschreiben, „Daily Chronicle" schreibt: Es muß eine Genugttmng für Fürst Lichnowsky sein, daß seine Wirksamkeit als Botschafter mit einer merklichen Verbesserung in den amtlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern zusammcnsälll. Deutsch- feindlichkeil ist jetzt sogar bei unseren Jingos in Verruf geraten. veu'scher Freistudententag. Weimar, 3, Juni, In Weimar versammelten sich in diesen Tagen Vertreter und Angehörige der sreistudentischcn Organisationen von zahlreichen deutschen Hochschulen zum 14, Male zu einem Deutschen Freistudententag, Gleichzeitig trat der Frcistudentische Bund, dem vor allem ehemalige Freistudenten angehören, zu seiner Hauptversammlung zusammen, — In der Erössnungsversammluitg des Frei- studentischen Bundes sprach Tr, Walter A, B e r c n d s o h n (Hamburg) über „Die Etzhik des studentischen Lebens", Er versuchte kurz die Entwickelung der allgemeinen ethischen Strömungen zu schildern und charaklerisierle dann im Gegensatz zu der gebundenen englischen akademischen Erziehung im „college" und durch den „tutor" das deutsche akademische Bildungsidcal. Bon diesem ausgehend stellte er als Hauptforderung sür diesreistudentischc Arbeit die Bildungsarbeit an der Studentcnschait auf. In der bauvtsitzung der Freistudentischen Bundes am Dienstag vormittag sprachen über die gcgewvärtige Lage der srcistudcntischen Bewegung und die Stellung des Freistudentischcn Bundes in ihr Professor Dr, Paul Sshmank (Posen!, Dr, Wilhelm Printz iHamburgf und Tr, Paul Roth (Leipzigs, Prof, Ssymank gab einen geschichtlichen Ucberblick über die Entwickelung der srei- studentischcn Bewegung und faßte seine Aussührungcn dahin zusammen, daß man sich heute nach langen Erörterungen über die programmatischen Grundlagen darüber klar sein müsse, daß die Freie Studentcnschait nur die Anhänger einer bestimmten Aussassung von der akademischen Bildung umfasse und sür diese Auffassung wirken müsse, Tr, Printz besprach interne Organisationssragen, Tr, Roth charakterisierte die gemeinsamen Aufgaben des Frei- studentischen Bundes und der Deutschen Freien Studentenschaft und die besonderen Aufgaben der Hochschulresormarbeit der älteren Atademiker ün „Bunde", Am Nachmittag folgten geschäftliche Verhandlungen, die durch einen Bericht des Vorsitzenden, R,-A, Vaterrodt (Köln) eingclettet wurden. Die Tagung der Deutschen Freien Sttidentenschast wurde mit einer Ansprache von Kurt Soltmann (Marburgs crössnet, der sich mit den sttidentlschen Gruppen außerhalb der Freien Studentrn- schait auseinandcrsctztc. Am Mittwoch bormittag wurden Fragen der inneren Organisation erledigt. Am Nachmittag sprach man über die „internationale Studentenbewegung" und ihreOrganisatwn, Cand, tbeol, ,h e m p e l (Leipzig) sprach daraus über „Student und Körpert ultui". Au» Stavt und Land» Gießen, 5. Juni 4914. Betrug und Sachbeschädigung, Während der Gewerbeausstellung, die der Stadt Gießen zahlreiche Fremde zuführt, sind alle in Betracht kommenden Stellen eifrig besorgt, daß die Gäste einen möglichst günstigen Eindruck von Gießen mitnehmen und daß die lokalen Einrichtungen und Annehmlichkeiten gut zur Geltung kommen. Da ist natürlich auch sür den Automatdes Verkehrs- Vereins am Bahnhofsplatz, wo für einen Groschen der kleine Führer durch Gießen bezogen werden kann, eine Zeit regerer Benutzung gekommen. Um so bedauerlicher ist es, daß wiederholt die Wahrnehmung gemacht werde» mußte, daß der Automat versagte, weil betrügerische Hände statt des Zehnpsennigstückes runde Bleiblechc eingeworscn hatten. Heute wurde uns eine Handvoll Blei- stückc, die im Automat vorgesunden worden sind, vorgczeigt, und es scheint, als sei es immer dieselbe Person, die mehr aus Mutwillen als aus anderen lliründen diesen Streich aussührt, der, wenn der Täter erwischt wird, hart bestraft werden müßte. Denn abgesehen von dem Betrug, der dabei vorliegt, wird mit dem Einwurf der Bleistückc der Automat unbrauckibar gemacht, und die Fremden, die ihn benutzen wollen, sind enttäuscht, die Stadt und der Verkehrsverein empfindlich geschädigt. Wir fordern dazu auf, den Uebel- tätern einmal aufzupassen, um ihnen ein für allemal ihr Handwerk zu legen Es gehört schon eine gehörige Dosis Roheit dazu, solche gemeinnützigen Darbietungen, wie sie der 'Automat des kleinen Fremdenführers vermittelt, un- inöglich zu machen, ** Tageskalendei kür Freitag, den b. Juni: Gewerbe- a u s st e I l u » fl: Konzert von 4—7 Uhr (Hanskapellej und von 7—13 Utir (Regimeiite-kapelle). Anlagei» » sik der Regimenlskapeüe nachin, 6 Uhr. * **OcffcntlicheProvinzial-Ausschnß-Sit- zu n g en, 1. Mittwoch, den 10, Juni d. Js,, vorm, A t 9 Ü h r, a) Stadtvcrordnetenwahl zu Gießen im Jahre 1913, b) Antrag auf Enteignung von Gelände zum Ausbau der Ederstraße und der Parallelstraße zur Steinstraße von der Schottstraße bis zur Eisenbahn zu Gießen, — 2, Samstag, den 13. Juni, vorm. s /i9 Uhr, a) Klage des Orlsarmenvcrbands Fricdberg gegen den Ortsarmcnver- band Groß-Karben wegen Unterstützung des Johs, Hübner aus Letschin, b) Klage des Balth, Mootz II, von Großen- Bus'eck gegen Großh. Kreisamt Gießen wegen Aushebung eines Polizeibcfehls, c) Klage des Heinrich Lippert IN. in Wahlen gegen Großh, Kreisamt Msseld wegen Aufhebung eines Polizeibefehls, ck) Faselhaltnng der Gemeinde Eschenrod: hier: Aenderung der Zuchtrichtung, ** Der Bund Deutscher Verkchrsvereine bezweckt, sür das Beste des Verbandsortcs zu wirken, seine Anziehungskrast und seinen Ruf zu fördern und seine Vorzüge bekannt zu geben. Um diesen gemeinnützigen Zweck zu erreichen, tauschen sämtliche Verbandsvereine ihr Propa- gandamalerial, Führer usw, und durch Vermittlung des Jn- lernationalen Verkehrsbureaus Berlin aus. Der hiesige Ver- kehrsvercin ist hiernach und im Interesse unserer Sladt und deren Umgebung vcrpslichlet, die ihn, zur Auslage zu gesandten Führer, Reisebcschrcibungeii, Sehenswürdigkeiten, „Wanderungen durch Gießens Umgegend" usw, dem Publikum möglichst kostenlos zuzusühren, Interessenten für Wanderungen, Reisen sür In- und Ausland (Niedcrland und Schweiz), Besuch von Bädern (besonders der Ostsee- und Nordscebädcr), Sommerfrischen, finden auf dcni Bureau des Berkehrsvercins auserlesenes Material vor, ** Fa hrvreiscrmäßigung zumBesuchderD rutsch e n Werkbundausstcllung Köln 1914, I, Aus den Strecken der Preußisch-hessischen Sttlatseisenbahiien, der Reichs- essenbahnen, der Großherzoglich Mecklenburgische» Staatseiicn- bahnen und der Bayerischen Tlaatseiseiibahnen (Psälzischeg Rey-> werden zum Besuch der deutschen Werkbundausstellung Köln 1914 sowohl aus der Hin- als auch aus der Rückreise in der 3, Klasse zuni halben Fahrpreise für Eil- und Personenzüge, in Schnellzügen außerdem gegen Zahlung des vollen larismäßsgcn Zu- schlages befördert, A. a) Versicherungspslichtige Mitglieder von Krankenkassen im Sinne der Rejchsversicherungsordnung (Ortskrankenkaisen, Landkrankenkassen, Betricbskrankcnkassc», Jnnungs- krankenkassen, von Bersicherungsvereinrn aus Gegeusetttgkctt, die als Ersatzkassen zugelassen sind, sowie von eingeschriebenen Hilss- kasse» und von knappichastlichcn Krankenkassen, b- Versichcrungs- vilichtige Versicherte der Versicherungsanstalten und der Sondcr- anstalten im Sinne der Rcichsvcrsichcrungsordnung, c> Freiwillige Mitglieder der unter A. ai und b) genannten Kassen und Versicherungsanstalten, deren jährliches Gesamteinkommen 2500 Mk, nicht übersteigt, ck> Versicherte der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte, deren jährliches Gesamteinkommen 2500 Mk, nicht übersteigt, soweit es sich um handwerksmäßig bcschästigte Arbeiter, einschließlich der sogenannten gelernten Arbeiter in Fabriken, wwie um sonst im technischen Betriebe von Fabriken Angestellte handelt. 8, Selbständige Handwerker, die in ihrem Gewerbebetriebe nicht mehr als 8 Gesellen beschäsligcn, 2, Bon den unter 1, A. a) bis d) ausgesührtcn Personen müssen sich auf der Hinreise Iiilnoestens 10 Teilnehmer zu einer gemeinschastlichen Reise zusommenschlicßen. Die Rückreise kann auch einzeln ausgcsührt werden. Nähere Aus- kunst erteilen die Fahrkartenausgaben, * Im Lichts viclhaus fand gestern wiederum ein großer Konzertabend statt, der unter Leitung des Kapellmeisters I, Hcrr- m a n n stand und sich dank seiner abwechstungsreichen und gut aus- gewählten Spielfolgc eines lebhaften Beifalls zu erfreuen hatte. Besondere Anerkennung fand die unvollendete Sinfonie in H-Mvll von S ch u b c r t, die als Konzerteinlage gegeben und sehr fein vor- gctragen wurde. Von dem übrigen Teil des musikalischen Programms ist noch zu erwähnen der Schatzwalzer von Strauß, Andante aus der 5, Sinfonie von Beethoven, die Fantasie über Pnce einis Toska sowie Stücke von Sainl-Sacns, Lsicnbach, Zeller u, a. Die Lichtbilder waren teilweise sehr interessant, aber leider wurde das ongczeigte Lustspiel mit Moritz Prince durch „Herzenskamö- dicn" ersetzt. Von großem Reiz ivar die Vorführung einer Glasbläserei, wie sie jetzt ja auch! in der Ausstellung zu sehen ist, das Pathssournal und Der boshafte Freier, Den Schluß bildete der vieraktige Scnsationssilm Die Furcht vor Freude, der sehr schöne und auch gut inszwiiertc Bilder mit einer spannenden Handlung verbindet, ** Sin jugendlicher Brandstifter, In der Person eines 15jährigen Lehrlings wurde der Brandstifter ermittelt, welcher vor einiger Zeit die Scheune von Winn ani Aiilwege und den Ströhschnppen auf dem Gelände der früheren Aktienbrauerei in Brand setzte. Er ist auch weiter geständig, in 8 Fällen kleine Brände in Hausfluren angelegt zu haben, die aber bald entdeckt und ohne größeren Schaden zu verursachen abgelöscht tverdcn tonnten. '• Die Maul- und Klauenseuche ist ausgebrochen und erloschen im Schlachtviehhof zu Magdeburg. A»S- gebcochen ist die Seuche in, Mehhos zu Essen a. R., ferner im Bezirk Wertingen (Bayerisch Schwaben) und in> Bezirk Mühldorf (Oberbayern). **DasGroßh, Hessische Regierungsblatt, Beilage Nr, 7, ausgegebcn den 3, Juni 1914, hat folgenden Inhalt: 1, Uebersicht über die in der Stadt Darmstadt zu erhebenden Gemeindcumlagen für das Rechnungsjahr 1914. — 2. Uebersicht über die von den israelitischen Religions^ gemeinden des Kreises Gießen zu erhebenden Umlagen für das Rechnungsjahr 1914, — 3. Uebersicht der von dem Gr, Ministerium des Innern für das Rechnungsjahr 1914 zur Bestreitung der Gemeindebedürfnisse der israelitischen Reli- gionsgcmcinden des Kreises Schotten genehmigten Umlagen. — 4. Uebersicht der von Großh, Ministerium des Jmiern sür das Rechnungsjahr 1914 zur Bestreitung der Gemeinde- bedürsnisse der israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Laulerbach genehmigten Umlagen, — 5. Nachweis der Befähigung zur Uebernahmc eines Kirchenamts, — 6. Ordensverleihungen, — 7. Verleihung der Staalsmedaille sür Ausstellungen, — 8. Dienstnachrichten, — 9. Dienstenthebungen, — 10. Dienstentlassungen, Landkreis Gießen. h, Arnsburg (Oberhessen), 4, Juni, Staatssekretär von Jagow ist zum Besuche seiner Braut, der Gräfin von Solms-Laubach, aus dem hiesigen Schlosse cin- gelroffcn. Die Hochzeit des Paares findet Ende Juni oder Anfang Juli statt, - Kreis Friedbcrg. L, Friedbcrg, 4, Juni, Heute morgen ist unser Bataillon in einem Sondcrzug nach dem Exerzierplatz Bad-Orb gefahren, wo es vier Wochen bleibt, ---Friedbcrg, 4. Juni. Schon längere Zeit wurde die hiesige Bürgerschaft durch anonyme Briese in A»f- regunq versetzt. Kausteute, Metzger, Bäcker und Weinhändler erhielten fingierte Bestellungen, Kutscher Aufträge zu Fahrten, Eheleute wurden gegenseitig ausgehetzt usw. Jetzt ist es der hiesigen Polizei gelungen, den Täter in der Person eines hiesigen SchncideriiieisterS z„ crinilteln und zu überführen. Bon einer Verhaftung wurde vorläufig abgesehen, da ein Grund z» Fluchtverdacht nicht vorliegt. v, Bad-Nauheim, 3, Juni, Zu dem heute aus dem Jnselteich veranstalteten S o,n m e rn a ch ts se st batten sich schätzungsweise etwa 10000 Zuschauer eingcsundeu, Den Höhepunkt des Festes bildete das Erscheinen einer aus 12 secnhait pusgeschmücktcn Kähnen bestehenden Flotttllc, in denen die Sänger des Gesangvereins „Frohsinn" saßen und vvlkstümlichc Lieder sangen, Lebhaften Bciiall errang der Turnverein 1860 mit iiackelschwiNgen und Marmorgruppen, Die Seeuser und Inseln waren mit 8000 Lampions und sonstigen Beleuchtungskörpern geziert, i f. Butzba ch , 4, Juni, Bei der am 2, Juni 1914 veranstalteten Schweinczählung wurden gezählt: 150 Stück unter l'/a Jahr alt, 51 Stück >/- bis »Itter l Jahr alt, 4 Stück 1 Jahr alt und älter. Zusammen 205 Stück, darunter 1 Zuchteber und 2 Zuchtsauen, k, Butzb ach , 4, Juni, Bezirkskassierer K r c u d c r (Rendant! Ist vom 4, Juni bis 16, Juli beurlaubt, während dieser Zeit wird drc Kasse vom Fistanzasvirant Klein von Mainz verwaltet, — Bis zum 10. Juni b. I, liegt aus der Großh, Bürgermeisterei Butzbach das Hauptgeldausgleichsverzcichnis nebst den dazu gehörigen Verzeichnissen der Fcldbercinignng in der Gemarkung Butzbach osfcii und können Einwendungen während der Offcn- lcgungssrist bei Meidung des Ausschlusses bei dieser Behörde lchristlich eingereicht werden, 8 Rieder-Mörlen, 4. Juni, In einer Lößkriute wurden bei Aufräumuiigsarbcitcu einen Meter unter der Erde mehrere große Kanonenkugeln gesunden. Aus welcher Zeit sie stammen, ist nicht bestimmt, — Mit dem 1. Juli wird die hiesige Posthilfstcllc aufgehoben und eine Postagcntur eingerichtet, Starkcnburg und Rheinhcssen, m, Dietzenbach a, M,, 5, Juni, Die Gemeinderats- Wahl, die am 2 . August u. Js, stattfand, beschäftigte gestern den Öfscnbachcr Kr-rs-usschuß. Nach dem Ergebne des Wahllommisnonsprotokolls «allen die Herren Johann Keim Ga “ !S ^-wählt Tic erste Beruiung vor lÄ, Kreisausschulj endete mit dem Ergebnes, daß anstelle des Wols d« Gegenkandidat Berz als gewählt gelte. Le «ngeleg^heü be- 11 * r ? m, wa!au-3f4uft, der das Urteil des Kreis- anslchuiles anchob, da nn gekennzeichneter Stimmzettel zu Gunsten des einen Kandidaten gezahlt werde. Der Kreisausschuß entschied nunmehr dahin, da« der Stimmzettel 411 dem Berz halt '‘cbt »Unzahlen ttt wonach Berz nne Stimme mehr als Wal hat und demgemäß mit 245 Stimmen als gewählt zu bettachtcn ist . . ln9en ’ 4- Juni. Von verschiedenen Leiten wird die Erbauung einer Eisenbahn aus dem rheinhessischen Dlnterland von ^Zorrltadt nach Bingen angestrcbt. Bürger- meister e f s (Bingen) und Landtagsabgeordneter S o h e r r iBiNgen) haben nunmehr für die nächsten Tage eine Ver- sanimlung nach Dingen einberusen, in der diese Frage eingehend besprochen werden soll. Hessen-Nassau, kl M a r b uy , 2. ouni. Nach dem soeben erschienenen Verzeichnis der studierenden stellt sich die Gesamtzahl der Besucher der Universität in diesem Sommcrsemester aus 2574 gegen 227 < tm letzten Winter und 2418 im letzten Zommcr Besonders bemerkenswert ist die Zunahme der studierenden grauen. ■ föerborn, 4. Juni. Den, Stadtrechner a, D, .W uIIer ist das goldene Verdienstkreuz verliehen worden X H a n a u, 4. Juni, Ter seit 8 Togen flüchtige Mogi- stratsassistent Konrad stahl ist gestern abend freiwillig -urückgekchrt und verhaftet worden Er hatte eine Vereinigung clsenraligcr 81er gegründet und Anregung für die Ansammlung einer dem Truppenteil zu übermittelnden Jubilauinsspende gegeben. Von dieser jetzt 7000 Mt. bc- lragcndcn Spende hat er nach und nach 4000 Mk. unterschlagen. X Gelnhausen, 4. Juni^ Von dem in Hamburg lebende» Karl Emincl, einem Sohne unserer Stadt, ist eine große Stiftung für alle Zweige der Jugendpflege gemacht worden. Er läßt ein mit Lesezimmer, Vortragssaal, Turnhalle u. a. nt*, versehenes Jugendheim in Gelnhausen errichten, das jedenfalls noch im Herbst d. I. ein- gewciht wird. m L c in b a ch bei Wabern, 4. Juni. Rittnieister Deich- mann hat sein hiesiges Rittergut als Fideikommiß eintragen lassen. Das Gut ist eines der schönsten und größten unseres Regierungsbezirks und umfaßt 380 Hektar Boden, fläche; es hat eine große Branntweinbrennerei und eine »inster- gültige Viehzucht. Dazu kommt noch eine Fabrik mit Ringofen, ivo nebst Backsteinen Ziegel und andere Tonwarcn hergestellt werden. Das Rittergut kam 1796 an die Familie Deichmann. X Fulda, 3. Juni. In dem Dampffägewerk der Firma Apel zu Gerstungen ist der 21 Jahre alte Arbeiter Ernst Freitag in das Triebwerk geraten und vollständig zerstückelt ivorden. h. Sindlingen a. 2)J., 4. Juni. Im Vorschuß- und Kreditverein tvurde nicht wie ursprünglich ein ^Fehlbetrag von 25000 Mark festgestellt, sondern ein solcher von 4 2 000 Mark. Tem Verein war vor kurzem durch den Rcvisionsverband nahcgelegt ivorden, entweder den Konkurs anzumelden oder die Anteile zu erhöhen. Ter Verein entschloß sich zu der Anteilserhöhung, und zwar von 300 auf 700 Mk. für jeden Anteil. Tie früheren Vorstandsmitglieder wurden verpflichtet, weitere 17 000 Mk znr Deckung des Fehlbetrags aufzubringcn. vereinsnachrichten. — Der 2. Bezirk des Gaues Helfen hält am Sonntag, den 7. Juni, in der Turnhalle des Turnvereins 1846 die 4. Bejirksoorturnerstundc ab, wöbet die allgemeinen Freiübungen, ivwie die Pflichtübungen stlr das diesjährige Gmtturnsest in Kirch- bain geturnt werben, spach dem Turnen findet die Wahl der B e z irks tu r n w a rt e sowie eines Bczirksspielw arts Natt. Arbcitcrdcrvcanng. -Eint interessante Strcikstatistik veröffentlicht das Reichsarbcttsblatt für 1913 In diesem Jahre landen in Deutschland 2127 Ansstände mit 254 206 Streikenden statt. Unter bitten Ausständcn hatten 9007 Betriebe, die 572842 Arbeiter beichäitigen, zu leiden. 2074 Betriebe mußten ihren Betrieb voll- Nändlg einftcllen, infolgedessen mußten 11369 arbeitswillige Arbeiter zeitweilig entlassen werden. Von den 2127 Ausständcn hatleu 356 einen vollen, 899 einen teil weisen, 872 keinen Erfolg. Die Zahl der Aussverrungen belief sich aus 337. Es wurden hierdurch 6579 Betriebe mit 82 556 Beschäftigten erfaßt, 56 842 Arbeiter wurden ausgcwcrrt. 39 Ülusivcrrungen halten einen vollen Erfolg, 283 einen leilweisen, 15 keinen Erfolg auizuweiien. Berlin, 4. Juni, Im Meineidvrozeß gegen den stuckiig gewordene» Leutnant a. D. v, B r u m m ■ S c I b e n e cf, roflrtitc vor mehreren Wochen das Berliner Schwurgericht l be- ickulltigl hat. wurde beule nachmiltog dos Urteil eeiällt. Brumm wurde in Abwesenheit ivcge» wisteultichen Meineides und Abgabe einer salichcn ciSeSstattiickien Versicherung zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis »nd drei Jabren Ehrverlust verurteilt, Weide ivege» kahrläsligen Falscheides und wisieui- ljchen Aieineides z» neun MonatenGeiängnis, K I e ni k c wurde i r e i g e s v r o ch e n. Der Untergang der Smpretz of Zreland. Schadenersatzklage. Montreal, 3. Juni. (Reuter.s Auf die Klage um Schadenersatz in Höhe von 2 Millionen Dollar, die die Canadian Paciflc-Eisenbahn gegen die „Stor- stad" angestrengt hat, haben die Besitzer des „Störst a d" mit einer Gegen klage in Höhe von 50 000Do1- lar für die Beschädigung ihres Schiffes geantwortet. Sie bringen als Grundlage Nachlässigkeit in der Navigation der „Emprcß of Jreland" vor. M 0 nt r c a 1, 4. Juni. Wie die Untersuchung sestgestellt hat. Hotline „Stö r stad" bei dem Zusammenstoß mit der „Emvreß of Jreland" eine halbkreisförmige Verbiegung des V 0 r d e r st e w c » s davongetragcn. Damit gewinnt die Angabe des Kapitäns Anderson, daß der Bug des Kohlenschisfes ursprünglich im. Leck des „Emvreß of Jreland" icstgehaltc», durch die Vorwärtsbewegung der letzteren aber aus dem Leck herausgedrängt worden ist, an Wahrscheinlichkeit. Kleine llagerchronik. In Landau (Pfalz) fand man am Mittwoch in einer Wohnung der Sedanstraßc das Clärtnerchepaar M e e s mit schweren B c r g i s t u n g S c r s ch c i n u n g c n im Bette liegend vor. Ter sechsfährige Sohn war bereits tot. Das Ehepaar wurde ins Kranlenhaus gebracht. Näheres über die Ursache wird die Untersuchung ergeben. Der Rat der Stadt Leipzig beschloß, als besondere Auszeichnung für Verdienste um das sttdtischc Gemeinwesen eine goldene Bürger Medaille zu stiiten. Das Bankgeschäft von Blum und Schmitz in Köln ist in Konkurs geraten. Die Kundichait ist um 200 000 Marl geschädigt. Eine Berliner Firma büßte 90000 Mark ein. Der Inhaber Blum ist geflüchtet. vanvel. Bon der Tabakindustrie, Frankfurt a. M., 4, Jum. In der gestern veranstalteten plollvcrsammlung der Mitglieder des Verbandes zum Schutz der deutschen Tabakrnd 11 strie ,n Frankfurt a. M. ersolgtc die Beratung eines Entwurfes eines A n t 1 t r u st v e r - träges durch die Zigarrenfabrikantcn. Die Händler organisierte» sich zu einer besonderen Gruppe und nahmen alsbald folgende Entschließung an: „Tie am 3, Juni 1914 im Frankfurter Hos in Frankfurt a. M. im Verbände zum Schutz der deutschen Tabakindnstrie tagenden trustsreicn und namhaiten Händler Deutschlands erklären, in Zukunil nur diejenigen Zigarettttimarken zu sor- eiercn, die in Berlin dem Herde Preisschleuderei, den Firmen, die Unter Preis vcrkausen, nur noch gegen Revers littern Sic iorderil von den truftfreien Fabrikanten, da« sic sich soiort dem Vorgehen derjenigen Fabrikanten anschlicßcn, welche in Berlin den Revers eingesührt l>aben. Nur aus diese Weise kann den schweren Schädigungen der Preisschieuderc, wirksam ent- gcgcngetteten werden." Tie Firma Waldors-Astoria in Stuttgart-Hamburg, Ed. Lau rens „Le Kböinvc" Wiesbaden und Burrus in St. Kreuz geben die Erklärung ab, da« sie dem Vorgehen von Neswr Gianaelis in Frankfurt a. M. folgend den verlangten Revers eingeführt Ijabnt bezw. sofort einführen. Teni Verband gliedern sich zwei neue Gruppen a», die der Zigarrensabrikanten und die der Zi garren-Tetailhändler. Es wurde von allen Rednern betont, daß in dieser Neugliederung keine Frontmachung gegen die bestehenden Organisationen liegen soll, vielniehr soll die breitere Basis, anr die der Frankfurter Echutzverband sich damit stellt, m erster Linie dazu dienen, die oft nur scheinbar widersprechenden Interessen der verschiedenen Zweige der Tabakbranchc zu vermitteln und zu versölmen. Folgende Vorträge wurden aus der gestrigen, insbesondere von Ländlern aus ganz Deutschland, Zigarren und Zigarettcnjabrikanten, sowie Handelsagenten stark besuchten Ver smirmltmg gehalten: dom Vorsitzenden Richard Haupt- ',tzruuk- furt a. M. „Ter gegenwärtige Stand der Trirftbewegung", Generalkonsul Georg Krebs - Frankfurt a. M. „Stellung zur Reichsenguctc", Rechtsanwalt Dr. Elsas-Stuttgart: „Der Anti- ttustvettrag, Prnsschleudcrei und Gesetzgebung*'. Hcinrich W a che n d 0 r s t-Münche„: „Die.Detailorganlsatwn des Trustes". Julius Götz-Frankfurt a. M.: „Die Gefahr nencr Belasttmg des Tabakgewcrbes". Märkte. ,h Sichen, 4. Jum Der diesmalige, wegen der Psnigst- ieiertage gut den Mittwoch anl»*raumte Rindvlehmarkt hatte einen Vorrat von rund 900 Stück Großvieh sonne 400 Stück Jungvieh und Kälber. Ter Handel hatte iür die Verkäuser durchschnittlich cm wenig befriedigendes ^Ergebnis, weil intolgc der inedrigcn Fettvichpicisc, zu deren Steigerung vorerst gar keine "Aussichten vorliegen, wieder ein weiteres Adichlagen der Preise sisiick, iür alle Sorten Zuchtvickh die Tendenz des Marktes blldett. Hierzu kam, daß mich die großen Eiukäuser, die ganze Transporte zusammen lausen, dem Alirrkt sein geblieben waren, wodurch das Geschäft aut den Stand eines Prvvinzmarktes herab- gedrückl wurde, aus dem die kleinen Handelslcvte den Markt machen und die Preise herabdrückcn. In Milchware war das Angebot in guten stücken gegenüber der Nach!rage recht knapp, foda« schwere sriichmelkende Kühe nock» einigermaßen den Preis lialten konnten. Lluck» tragende Rinder und Fahrkühe, eine sonst stets stark begchttc kurante Viehgattung, waren diesinal schwer uiitcriiibringcn. Rinder und stiere, die in schöner Mastwarc um Markt waren, bildeten ebcnsatls einen schwer zu verkausenden Artikel: ebenso war cs mit fetten Kühen der Falt, während die am Markt besindtichcn selten Rinder, für die Gicßener und Wetzlarcr Metzger sowie Etiikäuier für die Rhelnstädte Käufer nniren, einen guten Preis ausbrachten. Das Gtt'chäit in Kochern sah am Vormarkt reckp trübe aus, und sckucil auch zu Allsang des Marktes sich flau zu gestalten. Durch das Eingreifen der Einkäuier für Frankfurt a. M. und Wiesbaden geftvliete sich der 'Kälderhandcl nicht nur gegen Mitte des Marktes recht schtt, sondern cs wnrdeii^ iür die Tiere noch gme Prersc erhielt. Bezahlt wsurdi für das Stück: Frischmelkende und kragimdc Kühe I. Qual; Alk. 850—7*0, 2. Cunl. Mk. 500—576, 3. Qual. Mk 350—430; tragende Rinder I. Qual. Alk. 430—430, 2. Qual. Mk. 350-400; Fohrkäbc I. Qualität Mk. 400—500. 2. Qual. 'Mk. 350-450, l'/,—Lsähriae Rinder und stiere znr Mast l. Qual. Mk. 850—300 2. Q»»s. Mk. 200—240. Gehandelt wurde vro Zentner Schlacht- gewickn: Fette blinder Mk. 38-88: Kühe l. Qual, ssunge leite Tieres Alk. 78—82, 2. Qual. Mk. 88—74. 3. Qual. Mk. 80-64 : Kälber I. Qual. Mk. 82—85, 2. Qual. Mk. 75—78. Tie sonstigen Prelle von Schlachtvieh i» der Gegend stellen stch: Ochsen 88 bis 80 Mk., Schweine Mk. 58 - 58, Sauen Mk. 50- 52. — Nächst« Marktlage am 23. und 24. Juni ds. IS. k«. Frankkurt a. M.. 5. Juni. Heu- und Gtrobmarkl. Angelahren wareilt I" Wagen Heu, 0 Wagen Stroh. Bezahlt wurde kür Den *.20—3,60 TOf, Stroh (Kornlangstrohf 0.00—0.00 Mk., Wlrr- stroh 0,00—0,00 Mark. Alles ,e 50 Kilo. Geschält ruhig. — Tie Zuknl reu ivarc» aus dem OherlaunuS und aus den Kreisen Hanau und Dieburg, WttlerausliLten in Lessen an, Sanitag, den S, Juni I9lt: ll»de*iaudig, meist tlocke», voriviegeud trüb, kühl: nordöstliche Winde. Letzte Nnehrichten. Ter wankende albanische Fürstenthron. Köln, 5. Juni. Nach einem an ein westdeutsches Großkaus- haus gerichteten Brief aus Albanien sehen die dvrttgcn Handels- krcisc mit Bangen den nächsten Tagen entgegen. Man versteht die optimisnicke Sprache der oisiziösen deutsche» Presse nickt und glaub, btt'timmt, daß trotz des internationalen Geschwaders die Auiständi- schen ihren Willen durchsetzen und den Fürsten Wilhelm zur ?Ib- dankung zwingen werden. Unterdessen werden auch österreichische Stimmen laut, die sich mit einem Wechsel in der Regierung Albaniens abnnden. „Tie Zeit" erklärt am Schlüsse eines mit „Königliche Hohlheit" übeeschriebenen Attikels, der österreichischen Tivlo- matie wäre weniger Eiser für den Fürsten Wilhelm zu empfehlen. Wenn die anderen Mächte sich zurückzöge», daun tun wir das gleiche Tic Adria und die Türkei sind uns wichtiger als Dynastie zu Wied. Stiftung einer Frau. Berlin, 5. Juni. Eine Frau hat testamentarisch der Stadt eine Summe von 50 000 Mark vermacht, deren Zinsen bedürstigen, von ihren M ä n n c r n *v c r I a s s e n c n Frauen, oder iolchen. die sich in Ehescheidung beiinden, und bei» Stadtkreis Berlin angehürcn, ohne Berücksichtigung der Konsession, zugute kommen sollen Ein Bankier als Wucherer verurteilt. L a l l e, 5. Juni. Wege» Wuchers bei Güterbcleihuugrn wurde der Bankier Richard Friedman» zu 6 Monaten Gefängnis und 4000 Mark Geldsiraic verurteilt. Ter Prozeß erregt hier, wo der Verurteilte sehr bekannt ist, vieles Aussehen. Reichstagsersatzwahl. Äottbus, 5. Juni. Ter Termin für die Reichstagseriatzc wähl iür den bisherigen Abgeordneten Q u a r ck ist aut den 10. Juli scstgesetzt worden. Gegen die Untaten der englischen Stin, mrechtssrauen. London, 5. Juni. Tie Polizei wird, wie gemeldet wird, von letzt ad in jedem Falle, bei dem von den Stimmrechtlerinnen öflentliches Eigentum zerstört wurde, beim Zivilgericht aus Schadenersatz Nagen. Das Ministerium des Innern hat sich jetzt dazu entschlossen, die reichen Fonds der Stimmrechtlerinncn, die nicht wenig zur Weitcrlührung ihrer Agitation mithclscn, onzu- greiscn. Damci-Flor, Seide Ql schw. u.buntPfg. Dü Hr.men-Strämpfe on Pf2. 78, 54. 45, dU Rinder •Sirdn'.pfe |C Pfg. 60, 15, 30, 22, 10 Kinder-Socken >5 Pfg. 45, 38. 29, 23, 10 Herren-Setken Pfg. 75, 60, 35, 28, Ulesls billig 15 Bahnhofstr. 14 Schirme ipazier* Stöcke esen-Auswahl! billige Preise! \us-Verkauf Wachstuche, Bunl^taspapier, - Tflrschoner ans Zetlu!oid. - i platz 5. Damenfrisieren Shampoonieren — Kopfwäschen — mit neuestem Warmluftstrom-Trockenapparat Frau Bernh. Dosch Neaen Baae 12, Ecke Weidengasse Damen-Frisiersalon separat Ankauf von Wirrhaar. Von Jetzt ab wieder 04581 D_tL Im AnHMchnitt, Jf 51___1 HCrI sowie aileSorten i. Zörb Wwe. • Mäusburg S. Das Beste für die Hautpflege ist: „Reilriof 25 Pfg. pro Stück. 3 Stück 65 Pfg. Lanolin-Seife Nachahmungen weisem, zunick. 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