Nr. 126 Erster Blatt * Jahrgang Der ©icfteuer Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich Tiehcner.familienbläNer; ämnmnl wöchenll-iieeik- blatt siirden Kreis Sichen (Ticnsiag und Freitag); zweimal inonatl. land> wirischafillchc Sciifragcn ernspreck: - Anschlüsse: iiir die Redaktion 112, Verlag 11 . Expedition 51 Adrehe iiir Depeschen: Anzeiger Gieße». Annahme von Anzeigen dir die Tagesnuinmer ^ v > lg vonnittagL 9 Uhr. BMationf6nid llnd Verlag der vrühl'schen Univ.Such- und Stcinörudcrei R. Lange. Dienstag. 2. Juni IM General-Anzeiger für Oberhessen Bezuft-prci-: monatlich75M., vierteljährlich Mt. 2.20: durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePosl Mk.2.—viert el- jährl. ausschl. Bestellq. ZeilenpreiH: lokall5Ps, abwärts 20 'Bienniq. Chefredakteur: A. Goctz. Beralltwortlich für den rolit. Teil: Aug. Goer;: iiir .Feuilleton'. .Ver» mischles' und„Gerichts- saal": Karl Neuralk,; für .Stadt und Land-: Rcdattion, Lrpedition und Druckerei: Schulftrahe 7. Anjeigkn!e>l:' H? Beck! Die Wirkungen des hessischen Gemeinde- umlagengesetzes. in. In der Ceffentlixhfeit sind von Iren Steuerzahlern Und zshl reichen Gemeindebehörden besonders starke Beschwerden über die Wirkung der Grundsteuer und der Gewerbesteuer erhoben worden. Tic Denkschrift der Negierung widmet deshalb auch diesen beiden Steucoarten eine ganz besondere Ausmcrksamkeii. Bei Prüsung der Wirkung der neuen G r u n d st c u e r kommt vor allem in Betracht, dass in den Tabellen über die Steuerveranlagung sür die landwirtschaitlich genützten Grundstücke ausschließlich der gemeine Wert zugrunde gelegt ist. weit die nach Art. 4 dcs Gcsetzcs zulässige Bercchnuirg nach dem Mittelwert, also einem Besteuerungsmodus, der sich ans dein gemeinen Wert und dem Ertzragswcrt zusammensetzt, erst nach Einleitung deS Rcchtsmittelversahrcns zur Anwendung gebracht werden kann. In den statistischen Mitteilungen kommt somit noch nicht diejenige Entlastung zur Geltung, die der.Gesetz gcber selber durch die Bestimmung über die Feststellung eines Mittelwertes in Aussicht genommen hat. Trotzdem ist aus den Probcveraittagungen die überraschende Tatsache sestzustcllen. daß in 7.5 von den 101 Gemeinden eine Abnahme der Grundsteuer eingetreten ist und zwar besonders in den Orten mit rein landwirtschaftlichem Üharakter. Zu den übrigen 2b Orken, in denen die Grundsteuer eine Zunahme crsahren Ixit, gehören nicht nur die fünf größten Städte, sondern vornehmlich auch kleinere Städte, Borort- gemeinden und Gemeinden mit industriellem Charakter. Tiefe letztere Erscheinung erklärt sich dadurch, daß der ge meiuc Wert der betrcssenden Grundstücke vielfach über den nach der landwirtschaftlichen ErtragSf.ihigkcit bemessenen Kauiwert hinausgeht, besonders in der Nähe der Ortschaften selbst. Für reine Landortc ist das Ergebnis wohl um deswillen verschiedenartig, w-il hier mitunter Aenderungen des Wirtschaftslebens die Grundlagen der vor etwa 90 Jahren oollzogenen Bonitierung mehr oder weniger ausgc- staltct haben, so daß die Slcuerkapitalien auch nicht einmal mehr Verhältnis m ü ß i g der Ertragsfähigkcii des Grundbesitzes entsprechen', z. B. in Gemeinden, in denen unter Aufgabe des Getreidebaus zu dem lohnenderen Obst- und Gemüsebau übcrgegange» wurde, oder in denen durch intensivere Ausübung des Ackerbaus, verbesserte Verkehrs- Verhältnisse, Fcldbereinigung usw. die EriragSsähigkeir und damit der gemeine Wert des Grundbesitzes erhöht wurde. Tie Steigerung im Aufkommen der Grundsteuer für landwirtschaittich genutztes Gelände tritt natürlich am stärksten u, den fünf größten Städten hervor In Mainz allein obne Mombach und üostheim betrug die Steigerung 296,7 Proz., in Mamz Mombach 251,2 Pro;, in Tarmstadt .955,4 Proz.. in Cffcnbod) 364,9 Proz, in Worms 93,6 Proz.. in Gießen 133,3 Proz., in Bingen (31,1 Proz. Bon den übrigen 94 Gemeinden haben 19 eine Zunahme bis zu 80 Proz. der Grundsteuer crsahrcn, während sich die Abnahme der Steuer in 26 Gemeinden bis-zu 10 Proz., in 35 Gemeinden von 10 vis 20 Proz., in 8 Gemeinden von 20 bis 30 Proz., in 3 Ge meiirden von 30 bis 40 Proz., in einer Gemeinde (Michel- stadt auf 51,8 Proz. und in 2 Gemeinden (Blitzenrod und Lißberg au föl bezw. 65 Proz. stellt. Tas neue Gesetz bringt bekanntlich .'ine weitere Belastung durch die Vorschrift. wonaäi der laudwirtschasrltche Betrieb als solcher der Gewerbesteuer vom Anlage- und Betriebskapital unier- lügt. Hiernach stellt sich die Gcsamrbclastung in 49 Gemeinden niedriger, und in .52 Gemeinden höher als bisher. Der Unterschied ist jedoch nicht groß; für die 5 größten --tiidtc beträgt die Zunabnie nur 2—6 Proz., bei den übrigen Gemeinden gleichen sich die Steigerungen und Verminderungen ungefähr aus. Für die Besteuerung der Waldungen ist bekannt lich abweichend von den Grundsätzen sür landwirtschaftlich genütztes Gelände unbedingt der Ertragswert zu Grunde gelegt. Im Turchschnitk des ganzen Landes hat hiernach die «teuer vom Waldbesitz um 1.5,2 Proz. gegen früher ab- gcnommeu. Ter gesamte Ertragswert der Waldungen in Vesten stellt sich auf 133 875 648 Mk., das Sicuerlapital des Waldes auf 1062 829 Mk. In 14 Finanzamts-Bezirken nat sich die Steuer gegen früher erhöht, z. B. in Älöfeld um 23,4 Proz., in Schotten um 59,9 Proz , in Lauterbach ® ro '' diel stärker sind dagegen die Ausfälle in v! Bezirken, und zwar macht sich tu Starkcnburg und Rheni- helsen in der Mehrzahl der Bezirke eine Abnahme, in Oder- helsen dagegen eine Zunahme bemcrlbar. Tic Abnahme betagt z. B. in Alzen ü Pro;., in Bingen 7.5,8, in Ober- -Olgclbeim .'>6,7, in Oppenheim 47,4, in Osthosen 28,7, in vcopenheim 53,5, in Langen 34. in Büdingen 75,8, in Butz bachl 40,8 Prozent. In Tarmstadt I fällt die Steuer um 51,6 Prozent, in II um 29 Proz., in Mainz I steigt sic um 11,7, in II und III fallt jic dagegen um 58,3 bezw. 39 Proz.; in Gießen steigt sie um 15.5, in Ossenbach I fällt sic um 4l>,in II um 25,4, in Worms I fällt sie um 38,6 und steigt in II um ,,3 Proz. Nach Ansicht der Negierung hängt Art und Höhe der Verschiebung im einzelnen Finanzamtsbczirk in der Hauptsach' davon ab. wie sich der Waldbestand nach Buchenwald, Nadelwald und Eichcnschälwald zusammensetzt. Ter Grundbesitz der Staatsbahncn und der Privoleiscu- bahnen ist der Steuer nach dem gemeinen Wert unterworfen und zwar nicht nur der Grund und Boden, sondern auch dessen Zubehör, Schienen, Schwelten, Weichen, Drehscheiben, Signaieinrichtungen usw. Die Einbeziehung dieser wertvollen Bestandteile in den steuerpflichtigen Wert bedingt im allgemeinen eine wett höhere Belastung des Bahngeländes, als nach deni alten Gesetz. Ten sonstigen Grundbesitz teilt die Teiitschrist in die Rubriken: Bauplätze, rein gewerbliche und reine Wohngebäude und gemischte Gebäude ein. Als ausgesprochene B a platze werden die Grundstücke behandelt, die in den Bauplan bereits cinbezogen und regelmäßig tatastieri sind, mögen sic brach liegen oder als Lagerplätze, Zimmcrplatzc usw. dienen, während die land- oder iorstwirt'chasttich genutzten Grundstücke -- selbst, wenn sic innerhalb des Bauplans liegen oder als Spckuiations- ocländc in Betracht lammen — und ebenso die Garten außer Betracht geblieben sind. Es liegt aus der Hand, daß de, dem Gelände, das verhältnismäßig den höchsten gemeinen Wert hat, auch die Mehrbelastung am stärksten hcrvortretcn muß. Waren doch bisher die Bauplätze, auch wenn sie den höchsten Wert hatten, lediglich wie Ackerland erster Klasse besteuert. Die prozentuale Mehrbelastung dieser Bauoläre ist demnach auch eine sehr verschiedene: von den 66 Probegemeinden, sür die überhaupt Bauplätze sestgestcllt wurden, weist der größte Teil, 54, ein erhebliches Anwachsen der Grundsteuer aus. In 22 dieser Gemeinden trat eine Mehrbelastung bis za 100 Proz. ein, auf 110 bis 169 Proz. steigt die Mehrbelastung in Butzbach, Mainz ohne Vororte, Gon- fenheim, Wettenau, Lorchhein,, Lampertheim und Bens- Heim, auf 160 bis 180 Proz. in Worms ohne Vororte, Weins- Heim, Nieder-Ingclstadt, Ockstadt, auf 180 bis 200 Proz. in Höchst und Oppenheim, auf '200 bis 250Proz. in Arbeilgeii, Groß-Gerau und Groß-Stcinhcim, auf 250 dis 300 Proz. in Lotlar, Langen und Wixhausen, auf 300 vis 400 Proz in Alsfeld, Mühlheim und Mainz Kosthcim, auf 400 bi? 500 Proz in Tarmstadt, Mainz-Momdach und Nompenheim. Die höchste Prozcntzahl erreichen ^Gießen mit 1090 und Ofseubach mit 1260 Proz. Es haben also die fünf größten «tätte in der Grundsteuer für die Bauplätze zum.Teil ein beträchtliches Vielfaches der früheren Steuer erreicht Aber auch tleinere Städte und Laudorte mit günstiger Verkehrslage, die Vororte großer Städte und Landorle mit Indu- sirie oder mit starker Arbeiterbcvölkerung lassen gleichfalls ein starkes Emporschncltcn der Grundsteuer erkennen. Tic Besteuerung der Weinberge zeigt int wesentlichen eine merkliche Abnahme der Grundsteuer; von den 10 mit Weinbau beschäftigten Finanzamtsbezirken lassen 7 eine allgemeine Entlastung erkennen. Diese vorwiegend cingctretenc Erleichterung, die allerdings durch die Gcwcrdc- stcuer des dem Weinbau gewidmete» Anlage- und Belriebs- tapitalS wieder ausgeglichen wird, beruht ivohl in erster Linie auf der unliebsamen Erscheinung, daß durch die häufi- geu Mißernten des letz.ten Jahrzehnts infolge von Revschäd- lingen und Nebkrankbeiten der durchschnittliche Ertrag und damit auch der Wert der Weinberge zurückgegange» ist. Tn den letzten Jahren nicht so stark unter den Rebtrankhetten und ähnlichen Mißständen gelitten hat, wie die besseren Weinberge. Für die rein gewerblichen Gebäude ergibt sich, daß bei 77 Gemeinden in 30 die Grundsteuer zu- und in 47 ab- genommcn hat. Tie höchste Zunahme von 100 bis 17/1 Proz. weisen Bodenheim pnd TittclShcim und 150 bis 200 Proz. Ulrichstcin und Undcnhcim aus. Abgcnommcn hat die Steuer auch in den fünf größten Städten, doch stellte sich die 'Abnahme meist nur auf 20 bis 40 Proz. Für reine Wohngebäude zeigt sich bei 99 ProbegcrnciiiKeu in 7t ein Anwachsen der Grundsteuer, dockt hält cs sich ebenso, ivic bei den gemischten Gebäuden (teils Wohn-, teils Erwcrbsräume in mäßigen Grenze». Von den fünf größten Städten hat 'Tarmstadt >ür reine Wohngebäude 7,6Proz, für gemischte 16,4 Prozent, Groß-Gerau sür beide 'Arten 39 Proz., Gießen 2,3 Prozent Zunahme, während Mainz sür Wohngebäude 1,2 Prozcnt, Osicnbach 9,9 Proz. und Worms N,6 Proz. 'Abnahme zeigt. Aus diesen Zahlen erhellt, daß eine allgemeine Mehrbelastung des i-ädtischcn ldausbesitzes nicht eingetreten ist, und die Veranlagung nach dem gemeinen Wert nicht ungünstig gewirkt bat. Aus diese Tinge und die Frage des Ertrags- und gemeinen Wertes wird icdensalls bei der bevorstehenden Erörterung der Tenkschrist in der Zweiter Kammer cingegangen werden. Dcutsckrs Rcrch. Ter große G e n c r a l st a li in Sli'aß-Lothringcii. Tie Leeren des Großen Gcneralstabs, darunter der K r o n vr > n j, haben ar.t Samstag vormikiaq 8 Illir Straßburg im 'Automobil oerlaöcn, um sich nach Badcn-Baocn .;u 'begeben. Gegen Die Reise zum Mond. Nur noch ein voar geringe Schwierigkeiten sind zu überwinden — und dann werden wir imstande sein, die von den Tichtern und Phantasten bisher nur in ohnmächtiqer Sehnsucht erträumte Nette nach dem Monde wirklich zu bewerkstelligen. Tas wenigstens neriichcri Charles Nordmann, der bekannte Astronom des Pariser Observatoriums, i» einem Aufsatz des Matin, in dem er sich mit sinem nor kurzem auiaetauchien neuen Plan einer Mond'ahrlwissenschaftlich auscinandersetzt. Wir alle entsinnen »ns der Art und Weise, in dc/Iules Perne das Problem zu lösen suchte: allein die technische Phantasie des Schriststcllcr» vergaß nur einen Umstand, als sic die Reise ',UNI Monde ersann. Tas Nieicngcichoß. das er zum Monde hisiauischickrc, batte zwar eine Aniangsgeichwinbigkcit von 12^ Klm. in der «e- kunde. was gerade ausrcichte, um das Geschoß die Anziebuna-- krait der Erde überwinden .ui lassen Allein piesc vbanrastiichc Geschwindigkeit wurde dem Projektil in einer dreißigstel «ckunde gegcl'en: und dos hätte mnkbematiich ergeben, dtiß die Jni'aisen des Projektils ioiorl zu einer »niörmigcn Flciichinv>ie verwandelt wor- , den wären Tenn alle plötzlichen Schnelligkeilsichwankungen eines Getährtes haben für die Insassen sehr geiährlichc Folgen; bas lehrt uns schon im Kleinen das vlätzliche Anhallen eines Automobils oder eines Omnibusses Ein Proiekti! oder ein Vehikel, das durrii die Atmosphäre dahins'auiend ziip, Mond gelangen soll, müßte also, wenn Bi'enschen an der Fahr): teitnehmen. eine stetig aber langsam zunehmende Schnelligieii ciztwickeln. Nun hat vor kurzem ein Meister der, Flitgknnst, M. Esnaul! Pelterie, sehr richtig ein geeignetes Mürtel genannt Es ist der Reaktion s mokor. Um die Aiiscinaäiderictzung technischer Einzelheiten zu ersvaren, mag es genügen,) zu sagen, drß dieie- Be» wcgungsmittel nach dem gleichen Grundsatz ardcitel wie diesista kete. Tie Rakete steigt, weil das Pulper, daS sie au der «eite trägt, im Verbrennen Gaie e:I;. i keik,- die durch eine Reaktions- Wirkung die Rakete in eine entgegengesetzte Richtung treiben und zwar mit einer der Eigenbcwcgung Henau gleichen Geschivindig- keit. Berechnungen ergeben, daß eins aus diese Weise getriebenes Geschoß, das in seiner senkrechten stoeweaung seine Geschwindigkeit um nur einen Meter in der Sekunde ständig steigert, in eins gen 10 Minuten den Mond erreichen) müßte. Nun kommt es noch darauf an. eine lauste Landuna >» erninöglichen Tas IulcsVcrncschc Mondgeiäbrt konnte seine lstcichwinsigkeit nicht selbsttätig vcrrin gern; wendet man das Prinzip der/ Rakete an. so wird das möglich, und inan wird sowohl die Gesechwindigleit verringern als auch die Richtung des Fluges regulieren können. Tie Schwierigkeit, der übermäßigen Erhitzung vorzubcugcn, ist die Sache der Phhsiker. Tas einzige kleine Hindernis, da. dem Plane eines Mond- iluges einstweilen noch entgegcnüehi, ist, daß wir keinen Brenn- ftoii und kein Ervloiivmiircl besitzen, das genügend Krait bat, um einen Teil seines Gewichtes Über die Grenzen der irdischen ?ln- zichungskrait hinauszuheben. Ta:u brauchen wir einen Stzplonv ftoff, der mindestens 409 mal io stark sein mutz wie das Ritro- glnzerin. Run enthält das Radium das 5000md)c der ersorder iidicit Krait: cs handelt sich also nur noch darum, die Krait des RadttiMs zu pcsreien, woran die Phnitker eitrig arbeiten. Inzwischen wird vorgesrötaaen, ans andereni Wege die criorderliche aNniähüch zunehmende Schnelligkeit, die der Monüomnibu« brauchen wurde, zu erzielen. Mus und Tronel emv'elslen ein Riesen rad von IM Mir. Turchmcsser. Am Rande des Rades ist ein Projektil beiestiat. das Rad dreht sich in der Sekunde Kl mal 11 m seine Achse, im geeigneten Auqendlick löst sich das durch einen Gnroitaten im Gleichgewicht gehaltenen Projektil von dem Istad? los: und die Reise kann beginnen. Bald, in spätestens 20 Jahr tausenden, können wir zum Mond abiahren. K u n st s r e u n d c in de» Ländern am Rhein Aus Stuttgart. 30. Mai. wird gemeldet: Tie Stadtz Stuii gart l at Heine mittag den Vorstand des Verbandes der K u n st ircunde in den Ländern ont Rhein in den RatSIellcr eingeladen, linier den geladenen Herren bciandcn sich „. a. der wuritemheraiiche .Kullusminisler Tr. von Habermaas, der bahliche Minister des Innern Tr. Böhm und der erste Vorsitzende des Per landks Freih. von Heul. Beim Festessen begrüßte Oberbürgermeister Lautenichlagcr namens der Stadt die Erschienenen und sprach ihnen seinen und der Einwohncrichast von^Siurtgart sowie des ganzen Landes Tank aus sür die in allen Stellen geleistete 2lrbeit bei den Vorbereitungen zur Kunstausstellung, die morgen unter den, Protcliorai und in Anwesenheit des Großherzogs von Hessen eröffnet werden soll. Seine Rede Nang in ein Hoch au> den Vorstand des Verbandes aus. Ter Vorsitzende des Verbautes, Freih. von Heul, erwiderte hierauf, daß cs an ihnen liege, für die Gastfreundschaft zu danken und daß HC_itol; sieien, lnerher gebeten worden zu sein. Tein Hoch lgalt der «tadt Stuttgart und ihrem Oberbürgermeister. .— Gin neues Prcisgcrichtsdcnkmäl. Wie wir er- iahrc't, hat das Preisgericht zur Erlangung eines Entwuris für das in Berli r zu errichlendc Kolonial -Kriegerdenkmal den ersten Zreis dem Entwurf des Büdhaucrs Professor Fritz Lehn in München, den zweite» Preis dem Entwuri des Bildhauers Protcssors Hermann Hahn in München zuerkannt. Tas Preisgericht bciürworlete statt des in der Aiirlchrribnng für die Errichtung des Tcnkmals in Aussicht genommenen Baltenvlatzez einen anderen Platz, etwa den Treptower Park zu lvählcn. und hielt es gleichzeitig für wünschenswert, daß an deni Entwurf BehnS einc Reihe Aenderungen vorgcnommen werde. Ter Auffassung, daß sich der Bchnsche Entwurf in dieser Form, und aus dem vorgesehenen Platze zur 'AuSiübrung »ich- eigne, traten di- zuständigen oetchsrenorts be, Aut Grund eines Vertrages, den der Vorsitzende des Preisgerichts, Staatssekretär Tr. Sols dem Kaiser hielt, ist nunmehr in Aussicht genommen, unter Würdigung der Wüntätr der Jur» bezüglich der Auswahl eines geeigneten Platzes einen neuen Wettbewerb auszuichreibcn, zu dem Professor Behn und einige andere Künstler auiaeiordcrt werden sollen. Ten Vorschriiten des ersten Preisausschreibens cniiprechend werden die Entwüric in den Räumen der Akademie der Künste vom 4. bis 10. Juni Ssiem- lich ausgestellt. kl NeucsLand im Nordpolar in e c r e. Nördlich vom Kap Tscheljuskin bat die hndrographijch- Forschungsreise, die Kapitän Mlkitskij mit den Eisbrechern „Taimvr" und ..Waigatich" im August 1913 vom Amadstr Busen aus unternommen hat, neues Land entdeckt Während „Waigatich" vergeblich versucht, Wranqel- land anzulauien, gilig „Taimhr" bis Kap Baranvw in der Nähe der Küste Hier trennten sich die Schisie. Ter „Taimvr" gelang es. nördlich von den ncusibiril'chen Inseln aus geradem Wege Kap Tscheljuskin zu erreichen. Hierbei wurde, wie Tr Gottsricd Hornig über biric Entdeckungen in der „Naturwissenschaftlichen Woche», ithnit" brridUrt. nordöstlich von diele» Inseln ein: kleine Insel enidecki. die Wilkitskij-Jnsel genannt wurde. Tie .Waigatich" wlqie der sibirischen Küste und machte Vermessungen an der Cbtanga-Buaü und der ihr vorgcl igelten Begjtschcw-Jnsel Bei Kap Tscheljuskin, wo sich die Schiiie wieder «raren, war d-r Der nach Welten ocriverrt. Nach Norden ausbiegend, fanden sie Nack .»0 Kilometer Fahrt eine etwa 12 Kilometer lange Insel, „Zesara- wilsch AleriS" und im Rordwesten nach abermals 50 Kilometern ein neues hohes Land mit Gletschern unter 80 Grad > Minuten nördlicher Breite und 97 Grad 12 Minuten östlicher Länge Sie iolgten der Küste 35 Kilometer weit, dann zwang sie das Eis be 81 Grad Breite und 96 Grad Länge zur Umlehr. Das neue 'Äiko- laus II.-Land schi.-bt sich vor die Lücke .'.wischen Franz-Josef.Land uiid Novaja-Semlja und erklärt so auch die Eissperrc am Kap Tschellnskin, die der Schistahrt so unüberwindliche Schwierigkeiten bereuet. 5 Uhr ahcnM ha> der Kronprinz tem kaiserlichen Statthalter Tr. non Tallwrx einen kurzen Besuch abgestattei. Ter Obcrpräsident der Provinz Posen Tr. Schwartkops ist in der Nacht zum Samstag aut Schloss Köbnitz, wo er zur Jagd weilte, infolge eines Herzschlages geil o r b c u. üuslanO. T as Befinden des Oberstleutnants v. Winke r f c l d t, ßchch achtmonatigem Krankenlager ist der seiner- zcil verunglückte deutsche Militärattachee Oberstleutnant v. Winterfcldt soweit genesen, das; er täglich mehrere Ttirndcn außer Bett zubringen und crsolg- reiche Gehversuche macken kann. Es besteht die Hoffnung, ihn demnächst in seine Heimat überführen zu können. N ü ck t r i t t d e L s r a II z ö s i s ch c n K a b i n e t t s. Im iran- zdiifchcn Mininerrat erklärte Toumergue, dag die A u i g a b e, wellt'.' da- Kabinett sich oorgcnommen hatte, vollendet sei und das; sein Programm durch die legten Wahlen bestätigt sei. Tahcr sei er der^ Meinung, daß die Macht, in andere Hände übergehen müßte. Trog der dringenden Bitten seiner Kollegen, hielt Tou- mcrgue sein Entschluß aufrecht ES wurde aber beschlossen, wegen der Abwesenheit PoinearöS den Rücktritt deS Kabinetts erst am TienStag offsziell zu bezeichnen. Eine neue bulgarische Anleihe. Ter bulgarische Finanzministcr Tontschcw l>at Vertretern mehrerer Blatter gegenüber erklärt, das? die neue Anleihe, über die in Berlin verhandelt werden soll, nur wirtschaftlichen Zwecken dienen werde. ES sei ganz ausgeschlossen, daß die Anleihe sür militärische Zwecke verwendet werden würde? den Bulgaren läge jeder Rcvanchegedankc scrn. Belohnung deutscher Matrosen in Konstanti- novct. KriegSminifter Envcr Pascha erschien am Sonntag im deutschen Krankenbause in Konstantinopcl und übcrbrachte den beiden bei dem Brande in der Taschknschlakaserne verwundeten " iatriTit des Panzerkreuzers „(Soeben" Grüße des Sultans und lücrreicktte ihnen die Liakar Verdienst-Medaille in Gold bezw. Sil-> her Ter Knegsmimster hielt an die Matrosen eine kurze Ansprache in deutscher Sprache, in welcher er sagte, daß der Sultan durch lue Auszeichnung ihre Tapferkeit und Opscrwilligkcit belohnen wollte. Kirche und 5d?u!e. . Ein deutscher Lehrertag in Kiel. Etwa 10 000 Lehrer sin: an? Montag aus allen Gauen TcutschlandS in Kiel ein» geno fen, um zu lein deutschen Lehrerlag zusammenzutre cn. Tie städtiiche» wie die Marinebehörden haben alle Vorbereitungen ge» troisen, um den Gästen einen würdigen Empfang und einen on- genel men Aufenthalt zu bereiten. In mehreren Haupt- und Ncben- versammlungcn werden die Vertreter des nunmehr 120 000 Mitglieder umfassenden deutschen LehrerverbandeS alle wichtigen Kultur- und BrldungSfragen der Gegenwart erörtern. Schotten, I. Juni. ^Tie diesjährige amtliche Kreislehrcr- versammlung des Kreises schotten fano am 28. Mai d. I. in der Turnhalle dahier statt. Es nahmen an ihr die Mitglieder der Krcisschulkommi'sion und die Lehrer des Kreises teil. Kreisrat Tr. Merck leitete die Verhandlungen mit einer Begrüßungs- anlviachc ein, die in einen Aufruf ver Lehrerschaft des Kreises zu einer eifrigen, freudigen Mitwirkung aus d/m Gebiete der Jugendpflege ausklang. Als erster Redner behandelte der Kreisarzt Medizinalarzt Tr. B c st lSchottcn! das Thema „Ansteckende Krankheiten und ihre Verbreitung durch die Schule". Ter Redner zog vor allem Scharlach, Tivhrhcrie und spinale Kinderlähmung in den Kreis seiner Betrachtung und gab aus eine Anfrage des Kreisschulinspektors Fcucrbach noch Auskunft über die Ansteckungsmöglichkeit bei LuvuS. In der weiteren Besprechung des BortragS berührte der Vorsitzende die Frage der Hautpflege durch Schulbrausebäder, von denen er wünschte, daß sic bei Schulhausneubauten überall Eingang fanden. Zweiter Redner war Lehrer Schövv, Mainz. Sein Thema lautete: „Alkoholfreie Jugenderziehung und der Berliner Kongreß sür alkoholfreie Jugenderziehung Ostern 1913". Lehrer Schöpp wird >m kommenden Herbst in verschiedenen größeren Orten des Kreises zeigen, in welcher Weise die Alkoholsragc vor Schulkindern zu. besprechen sein dürste. In den Dienst der Unterrichtsvraxis gestellt war eine Vorführung der neuen Heidt-Jungschcn Wochentasel durch Lehrer Heidt, Leusel. An die Vorführung schloß sich eine Aussprache. deren Gedanken sich um die Frage, ob eine Veranschaulichung oder bildliche Darstellung der höheren Zahleinheiten notwendig sei, und um die Frage der Verwendungsmöglichkeit des neuen Lehrmittels bewegte. Zum Schlüsse der Verhandlungen wurde der Besuch der Gewerbeausstellung in Gießen durch die Schulkinder des Kreises unter Führung der Lehrer erörtert. Bei dem oen Verhandlungen folgenden Mittagessen gedachte Kreisrat Tr. Merck des Landesherrn und brachte Lehrer Schöpp ein Hoch aus die Kreisschulkommission aus. Dritter deutschnationoler Zugendtag sür den Main-Meser-Sau. l. M ü n z e n b e r g , 31. Mai. Zum 3. Teutschnationalen Jugendtag traf hier auS 2- Orten Hessens und Hessen-Nassaus eine große Zahl Jüngling ein, vertreten waren ,. B. die Gruppen Alsseld, Butzbach, Frank surt, Biebrich, Hanau, Mainz. Lauterbach, Gießen, Hirzenhain Ober-Ramstadt, Wiesbaden, Tarmstadt. Tie Gruppen kamen vor mittags von Bad-Nauheim und Butzbach bermarschiert, Frank surt und Wiesbaden besetzten die Burg, und die übrigen Orts gruppen erstürmten sie. Auch der Turnverein Münzcnberg nahe »IN der Verteidigung der Burg teil. Von 12 — 3 Uhr herrscht ein 'löbliches Lagerleben im oberen Burghof, cs wurde ab gekocht, gesveist, gesungen und musiziert. Im Lause des Nach mittags kamen die Bewohner der Umgegend in Scharen an, uv sich das fröhliche Jugendtreiben anzusehcn. Um 3 Uhr bcgan! die Gedenkfeier sür Friedrich Friesen, den Frei heilslanipier und Turner von 1813. Der schone Flaggcnreige, wurde mit dem deutschen Flaggcnlied „Stolz weht die Flagg tchworz-werß-rot" eingclettet. Gauvorsteher Schellin-Franksurt ar Mam hielt eine Begrüßungsansprache, er betonte, daß die Feie den Zweck habe, die Liebe zur deutschen Heimat zu pflegen um ledeutendc deutiche Männer zu ehren. Seine Rede klang aus i; y Zkkenntms °ck)t deutscher Treue zu Kaiser und Reich, Füll und Vaterland. In das Heil aus Kaiser und Großhcrzoq stimmt die oestvers-mimlung begeistert ein. Mit deilrujen wurden di Ehreugaltc ReichStagSabg. Professor Tr Werner-Butzbach, di Landiagzabgeordncten Torsch und Fenchel und Bürgermeistc ..etz begrünt. Ihre Grütze entboten: die Verwaltung des deutsch mttio,raten dandlungsgedilsenverbandes, die Gaue Schwaben un schwaben-Ncuimrg. Nachdem das Lied „Teuischland über allez »erklungen war, hielt Amtsrichter Tr. W. Mahr-Tarmstadt dt Gedächtnisrede aus Friedrich Friesen, den er al» ein Vorbild de TO-'ff. ri' lIntcc 2'itung be3 Gaujugendwarte 7 ?"^. ^ßcn--Ober-Ur,el begannen dann die turnerischen Well rämpse. ^ei den Mannschaftskämpfen siegten im Tauziehen ?>ran turt gegen Butzbach, Laulerbach gegen Gießen und Wic/bade ließen. Ten Endkamm bildete ein Eilboienlauf übe b00 Meter. T,e Manntchast Frank,urt erzielte 10,4 Sekunde, Lauterbach 10 und Wiesbaden 37,2 Sekunden WicSbade erhielt den Wanderpreis, bestehend aus einem vrachtvollc B,!d. Hünengrab >m deutschen Eichenwald, mit der Widmung Wanderpreis sür die deutsch-nationalen Iugendtagc des Gaue Mainweser im T. H. B. Mmgsten 1914 Münzcnburg Um Uhr traten die Ortsgruppen im Burghof zu einem Fackclzü an. Bor dem Hause des Bürgermeisters und des Vorsitzende vom Turnverein wurden Volkslieder gesungen. Ter Zug führ durch die Stadl zurück zur Burg, wo die Fackeln unter Grsan zuiammengeworsen wurden. Am 2. Piingstoonnittag erfolgte d< Abniarsch der Horden durch Vogelsberg und Wcltcrau. Beim Einzclwetturncn errangen folgende Gießen« Preise: Oberstufe 16—15 Jahre: 1. mit 63 Punkte» Will). Häuser-Gießen, 5. mit 52 P. Karl Kuhl-Gicßen: Unt eilst u se 14—16 Jahre: 3. mit 58 P. Wilh. Reinhardt-Gießen, 4. Aug. Sann-Gießcn, 7. Otto Heitmann-Gießen. — Am 2. Feiertag vormittag 8 Uhr fand auf dem Marktplatz Feldgottcsdienst durch Se- minardircktor Pros. O. Schöll-Fricdbcrg statt, an dem sich auch die Einwohnerschast de: Stadt Münzenberg zahlreich beteiligt. 21tt$ Stadt und £Be- liebtheit. > Älreis Friedberg. X, Bad-Nauheiip, I. Juni. Man beabsichtigl lüer eine Reuuöay» zu erbauen >>md hat dasür ein (tzelände i» Aussicht. Doch hat der Staat der wosteil halber noch keine Slellung dazu genommen. Ii lüieder-Florstodt, l. Juni. Zum Bürgermeister der Gemeinde ivurdc Heintz>ch S chm iegel gewählt. r. Butzbach, 30. Mai In der gestrigen Sitzung des KreiS- ausschusses ^Friedberg kam die Klage der Sladt Bad-Nauheim fl»jeit die -stabte Friedberg und Butzbach wegen Heranziehung dieser Gemeinden zur Bezahl nrg des Anteils der Gcländeenperbs- lostcii für die Wettertalbahn und ->var Friedberg mit 12 000 Mk. nud Butzbach mit 17 000 Mk. zur Verhandlung. Tie Klägerin wurde abgewreicu. — Nach dsm cudgütigen Äpschluß der Rötnn- Krcuz-Sammlung sind hier 7(l5 Mark eingegangen. Starkrnkurg uiU) stlheinhessen. *= Mainz. 30. Mai. Anläßlich bts 50jährigen Br- stehens der Zementsabrik Dycker ho ff & Söhne. ®. m. b. £>., Mainz-Amöneburg, wurden folgende AiiSzeich.nmgen verliehen: a) hessische: Geheimrat Gustav Dqckerhoff da? Ehrenkreuz de? Verdienstordens Philipps des Großmütige», Karl Tyckcrhoss der Titel eine? Koinmerzienrats, De. Oliv Tyckcrhoss das Ritterkreuz t. Klasse vom Orden Philipps des Großmütigen; b) preußische: Geheimcat Gustav Tyckcrhoss und Prosessor Rudolf Tyckcrhoss der Kranenorden 3. Klasse, Dr. Slugust Tyckcrhoss der Rote Adlerocdcn 4. Klasse^ Außerdem wurde noch eine Reihe hessischer und preußischer Auszeichnungen an Beamte undArbeiter der Firma verliehen. Tic Firnia machte größere Stistungen im Desanitbetrage von über 200 000 Mark für ihre Beamten und Arbeiter, sowie süc Mainzer und Biebricher Wohlsahrtseinrichtungen. Kreis Wetzlar. -m. Krofdorf, 2. Juni. Am 2. Feiertag fanden Spaziergänger im Launsbacher Walde den von hier ge. bärtigen, in Gießen wohnhaften Arbeiter W. Leib an einem hohen Baume erhängt vor. Was den LebenSniüden in de» Tod trieb, ist nicht bekannt. Bemerkenswert ist, daß sich vor Jahren der Vater des Selbstmörder? von einem Zuge iibersahrcn ließ und eine Schwester von ihm sich ertränkt hat. Hessen-Nassau. T). Frankfurt a. M,, 1. Juni. Pfingsten brachte nicht den erwarteten Massenvcrkehr. Zwar fuhren am Samstag etwa 80 000 Personen ab. zum größten Teil rn die entsernteren Gebirge, dagegen. bewegte sich der Verkehr an den beiden Feiertagen selbst in recht mäßigen Grenzen. Auch der Dmkchr nach dem Taunus ließ sehr zu wünschen übrig. — Am Samstag hatte der Haupt- bahnhos zu den 760 fahrplanmäßigen noch 37 Sonderzügc zu b wälrigcn, also rund 800. Tas macht jedesmal einen Zug aus 1,8 Minuten. X. Hanau, 1. Juni. Für das am 1. Okt. d. I. in Berlin zu errichtende Eifenbahnregiment Nr. 4 haben die bestehenden Eisenbahnrcgimenter Nr. 2 und Nr. 3 in Hanau sowie das Eisenbahnregiment Nr. 1 in Berlin je eine ge- schlossene Kompagnie in voller Starke abzugeben. Mit einer ebensalls aus schon bestehenden Eisenbahntruppen zu bildenden weiteren Kompagnie werden diese 4 Kompagnien das 2. Bataillon des neuen Elsenbahnregiments ergeben, tvährend das 1. Bataillon aus dem seitherigen Eisenbahnbataillon Nr. 4 gebildet werden wird. b. Ausdem Taunus, 1. Juni. Die Ausschreitungen und Eigentiimsvergehen, die sich eine Anzahl Wandervögel an den legten Sonntagen in zahlreichen Torsgemarkungen leisteten, haben die Erbitterung der Bevölkerung hervorgerusen. Zur Steuerung der Auswüchse hatten verschiedene Gemeinden Sicherheitsdienst eingerichtet, der sich trefflich bewährte. Die beliebten Lagerstätten der Wandervögel wurden die ganzen Tage von bewaffneten Torsbewohnern überwacht, so daß jede nahende Gruvve es vorzog. die ungastlichen Stätten zu meiden. Es ist bedauerlich, daß die schöne Idee des Wandervogels derart mißverstanden und ausgeartet ist. daß cs soweit kommen mußte und mancher Unschuldige unter den Zwangs- maßrcgeln mitzuleiden hat. h. Bad H o m bu r g v. d. £>., 1. Juni. Eine unbekannte Dame hat der hiesigen katholischen Kirche 44 wertvolle Bildwerke — die Leidensstationen Christi darstellend — zum Geschenk gemacht. h. Oberursel, l. Juni. Ter aus die Stadt Oberurscl entfallende Wchrbcitrag beläuft sich aus 200 664 Mark. Z- Eschwege a. d. Werra, l. Juni. Ter vor einiger Zeit aus dem benachbarten Dorfe Völkershausen nach K irch Hellen in Westfalen versetzte 40jährige Förster Dörflinger wurde am vergangenen PfingslsamStag abends in seinem Revier von Wilddieben, die er aus srischcr Tat ertappte. erschossen. Der Getötete war verheiratet und hintcrläßt eine Witwe und acht Kinder. Tie Täter sind noch nicht ermittelt. LanSsvirtschaft« — Rückgang des Milchverbrauchs auf dem Lande. Wenn früher die Milch das erste und wichtigste Nahrungsmittel der ländlichen Bevölkerung war. so ist darin seit etwa zehn Jahren eine entschiedene Wendung zum Schlechteren cingetrcten. Der weitaus größte Teil der erzeugten Milch wandert heute in die Molkereien oder ,n stundenlanger Fahrt nach der Großstadt. Iw Haushalt selbst behält man nur das allernötigste Quantum. Tie zur Butterei und Käserei nötigen Geräte sind längst zerschlagen oder verstauben aus den Hausbödcn oder werden in den Museen als — Raritäten bewundert. Freilich hat sich die neuzeitliche Milch- wirtschast wesentlich vereinsacht, seitdem die Molkereien allerorten ihre Zelte ausschlugen, ein Betrieb, der sür die Bauern als Prodii zentcn auch unverkennbar wirtschastlichcr ist. Aber im Interesse der Bolkskrast ist diese Erscheinung zu beklagen. Ehedem trank man morgens, nachmittags und abends in den ländlichen Haushaltungen irische, ungeiochic Milch und aß sestgebackenes Schwa^brot ml echter Bauernbutter und richtigem Kaie dazu. Heute gibt es statt dessen Bier oder Avielwein. ein helles, nahrsalzarmes Roggen- Weizenbrok, süßliche Molkercibutter und den sogenannten Kartosscl- käse. Selbst den kleinen Kindern und der Heranwachsenden Jugend wird die Milch so früh als möglich entfremdet: nicht sern dürste die-Zcit sein, in der man dieses hcroorrägendc Bolkzo-b-onoswiteei m,i seinem hohen Gehalt an Eiweiß. Fell und Zuckerston nur noch als — Delikatesse genießt. Eine Besicrung der Verhältnisse ist vorerst kaum zu erwarten, es sei denn — und daraus machen in den lüngstcn Tagen bcruscne Volkswirtschaitler mit allem Nachdruck aus merksam—, daß die Ziegcnhaltung eine viel größere Verbreitung fände als bisher, besonders IN den Kreisen der Bevölkerung, die nicht reine Landwirlschast beirelben Von diesen Schichten aus könnte eine Wandlung zum besseren beim Milchkonsuln eingeleitet werden, um die Milch wieder zum Volksnahrungsmiitcl zu machen. Lititjctziffabrt. DasLustschiss „B VII" > n F r a n k i u > t. Frankfurt a. M, 30 Mai. Tas Lustschsss „Z.VII", das heute nacht um 1 Uhr 30 Minuten unter Führung des Hauptmanns Grüner von der sächsischen Lustschisierkomvagnic in Dresden ausgestieacn war, tras um 9 Uhr 30 Minuten hier ein und landete um 9 Uhr 40 Minuten glatt vor der Halle. Cr§ vürd in der balle geborgen und hier bis zum Glntrefsen der „Viktoria Luise" bleiben, und sodann ml dieser die Halle in Baden- Oos vcrlauschen. Tie Ankunst der „Viktoria-Luise" wird kurz nach Pstngstcn erwartet. Dresden. 30. Mai. Von den Teilnehmern am Treicck- slug sind bi? 9 Uhr abends 27 Flugzeuge hier gelandet. Ter Flieger Erich Schmidt, der van Leipzig auf einem Sachsen- g.oppeldeckcr gestartet war, hatte in 700 Meter Höhe bei Meißen einen Vergaserbrand und mußte in steilstem Gleit sluge niedergehen. Dabei überschlitg sich das Flugzeug mehrere Male und lvurbe bei der Landung beschädigt. Toch blieben die Insassen unverletzt. Der Flieger Hermann Easscr, ver aus einem Mars-Doppeldecker fliegt, mußte in der Nähe von Tresden in einem Haserfelde wegen Motordefckts landen. Er konnte jedoch bald wieder aussteigen und landete glatt auf dem hiesigen Flugselde. .. nti bcs, 30. Mai. Ter Flugschüler Apostinelli ist bei einem Fluge 300 Meter vom jlfer ins Meer gestürzt und ertrunken vermischter. Ein neues Goldland Rach einer amtlichen Mitteilung des Gouverneurs von Britisch Guahana ist cs unzwcisel. hast, datz^ die Welt um ein neues Goldland reicher geworden ist: an der Lüdgrenzc Guayanas, in der Nähe des Ruvununi- rvlusses sind ansehnliche Goldfelder entdeckt worden. Tas Vor- handenscin von Gold in jenen Gegenden kam erst zur Kenntnis der Behörden, als vor kurzem amerikanische Goldsuckier in Georgetown den Antrag stellten, ihnen das Schürfrccht in gewüstn Gegenden zu gewähren, die zwischen den Quellen des Takutu- Flusscs und der Tukurutu-Berge liegen. Tie ausgesundenen Goldfelder befinden sich in waldreicher liegend. Nach den Schüricrgeb- nissen der^ersten vorläufigen Versuche rcainet man aus sehr reiche Erträge. Schwierigkeiten bereiten einstweilen nur die ungünstigen Transportmoglichkeucn. Jenseits von llpocari ist der Ruvununi in der Trockenzeit nicht mehr schsssbar, so daß die ganz im Hinterland der Kolonie in unmittelbarer Nähe der brasilianischen Grenze liegenden neuen Goldseldcr von der Küste aus nur sehr schwer und umständlich z» erreichen sind. Tie Reise sührt durch öde und unwirtliche Landstrccken. Es ist daher auch wahrscheinlich, daß nach Ausnahme einer regulären Ausbeutung des neuen Goldlandes der Transvort und der Verkehr aus brasilianisches Gebiet übergehen wird; wan wird zu den britischen Goldsctdern mit dem Damvicr den Amazonenstrom bis Manaos hinaussahren und von dort längs des Rio Branco bis Boa Villa Vordringen: dieses brasilianische Fort liegt nur etwa 90 Kilometer von dem neuen Torado cntsernt. Tic Behörden von Britisch Guayana treffen einstweilen Vorkehrungen, um einen Ansturm von Goldsuchern abzuwehren. Tas Gouvernement wesst in aussührlichen Warnungen daraus hin, daß nur größere, wohlausgerüstete und mit reichem Proviant versehene Erveditionen 'Aussicht haben, die Schwierigkeilen der Reise zu überwinden. Ten» die Stätte der Goldiunde liegt in dem äußersten bisher völlig Iinerioricksten Winkel des Hinterlandes, in einem Gebiete, IN dem Nahrungsmittel nicht zu erlangen sind. Tie wenigen in jener Gegend hausenden Indianer sührcn ein küinmcrliches Dasein: cs sind Angehörige des Maculi-Ttammes, die einen Tialeki karaivischer Mnndart sprechen. Man will auch Vorkehrungen trcssen. um das Eindringen unerwünschter Elemente von der brasilianischen Grenze her z» verhindern. Grenzstrcitigkcitcn können nickt mehr entsteben. da die Grenzlinie erst vor kurzem durch eine britisch brasilianische Kommission srstgelegt wurde, so daß diplomatische Konflikte über die Staatszugehürigkeit des neuen Torado ausgeschlossen bleiben. * Enfant terrible. „Schämst du dich denn nicht, Emil, so zu lügen? Ms ich so alt war wie du, habe ich nie die »nwabrheil gesagt!" „So? Wann hast denn du damit angesangen, Papa?" Kleine Lagcschromt. Kommerzienrat B e w e d i i ch e B o I k s s ch ü l c r werden ansangs Jul, Berlin, Dresden und den Schwedenstein sowie die Gustav-Adoli» Kapelle bei Lützen besuchen. Tie Kirche von W a r g r a v e an der Themse ist in der Nacht zum Montag abgebrannt. An der Brandstelle ist ein Schriststück der Sussragetten gesunden worden. . Am Samstag nachmittag hat in S i l k c st o n c im Kohlen- bcrgwcrk Wharnclissc eine Erploiio» stallgesunden. 'Daher wurden l 4! Personen getötet. _ Amtlicher SBcttcrfcrridit. Wetleraussichlen in Heiien am Aiülwoch, de» 3. Juni 1914 : Zuuackii wolkig, flellenwcnc teichle Negeniälie. später wieder aus» heilerud, keine Temperaturänderimg, »ordwesllichc Winde. Letzte 27 ach richten. Als Geisel entführt. K o n st a n t i n o pe l, l. Juni. Ter belgische Landwirt« jchastsingenieur Lueien Tack, der bei T h r t) a an der Eisenbahn Sntprna-Aidin ein Landgut bewirtschaftet, Ist vorgestern von einer Muberbande enlsührl worden. Nach Kvn- snlatsmeldungen soll e? sich um eine türkische Bande unter Führung Hadschi Mustafas handcln. Tie Bande verlangt ein Lösegeld von 6000 Pfund oder 128000 Francs. Auf Ern- schreilen der belgische» Gesandtschaft hat die Regierung Gendarmen zur Bersolgung ausgesandt und Maßnahmen zur Sicherung des Lebens des gefangenen Belgiers ergriffen. Verantwortlich sür „Aus Stadt und Land" t. SS.: K. Neurath. von Mk. 1.15 an per Meter, letzte Neuheiten Franko und *chon verzollt ins Haus geliefert. NcicheMusicrauswalil umgehend, 241 v 6. Henneberg, vofl. I.M. d. deutschen Kaiserin, Zürich. Blusen-Seide 0^613 StB § fXudmig fllfer*\ fjof-Möbelfabrik Daimftadt % Q HOFIIEFEP^NT S Köt HOHEIT D CRO55HE3ZO0SV HE5SEN. 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