m. *2> Ter Sicszeuer Anzeiger erscheint täglich, anher Sonntags. - Beilagen: viermal wöcbenilich «ießenerZamillenbläNer; J wetmal wöchenll.ilteir- '(att für 6cw Kreis (Siegen (Dienstag nnd Freitag); zweimal monall, landwirtschaftlich« Seitfragen Fernlprech - Aujchlnstc: für dgtt>!'-st:' H? Bc-r! Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Der Sieg in 5tendal-Osterburg. Der zweite Wahlgang in Stcndal-Osterburg hat mit dem Siege des nationallibcralcn Kandidaten Herrn Wachhorst de Wente geendet. Nach der sozialdemokratischen Stich Wahlparole für den nationalliberalen Kandidaten konnte mit diesem Ausgang gerechnet werden. Uebcrrascht hat jedoch, der große Borsprung, den Wachhorst vor seinem konscrva tiven Konkurrenten erzielt hat. Während dieser gegenüber der Lxruptwahl nur einen geringen Zuwachs von rund 300 Stimmen (12 518 gegenüber 12 221) zu verzeichnen hat, erhielt der nationalliberale Kandidat fast 1100 Stimmen mehr, als die Gesamtzahl der für ihn und den Sozialdemokralen ini ersten Wahlgang abgegebenen Stimmen betrug. So erfocht er einen Sieg mit einer Mehrheit von über 2500 Stimmen. Insgesamt find demnach etwa 1400 Re- scrvestimmen ans der Zahl der im ersten Wählgang zu Hause gebliebenen hcrangcholt worden, die zum allergrößten Teil den diationalliberalen zugute gekommen sind. Darin liegt die Bestätigung, daß die Konservativen alles, was für sie herausznholcn war, schon im ersten Wahlgang herausgebracht hatten. Dasselbe gilt wohl von den Sozialdemokraten, die, wie sich zeigte, nicht ganz ohne Grund daraus ausgegangen waren, statt des Nationalliberalen in die engere Wahl zu kommen. So ergibt sich, daß die Nationallibcralcn aus eigener Kraft ans den Lauen, deren es beim ersten Wahlgang soviele gewesen sind, noch eine ganz erhebliche Anzahl von Stimmen hcrausgeholt haben. Das ist möglich gelvescn durch eine bessere Organisation in den Städten, die an manchen Orten bei der Hauptwahl versagt hatten und damals zu jener auffälligen Stinnncncinbußc führte, die die Konservativen allzufrüh anfjubeln ließ. > Daß der Aerger bei den unterlegenen Konservativen groß ist, ist begreiflich. Tatsache ist jedoch, daß der natio- nalliberale Kandidat der Sozialdemokratie gegenüber keine Verpflichtung eingegangen ist, daß er vielmehr von dieser aus politischen Gründen lediglich als das kleinere Nebel gewählt worden ist, «eine Auffassung, die sich allein schon daraus zur Genüge erklärt, daß die Konservativen aus ihrer Vorliebe für Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokratie gar keinen Hehl machen. Die Stich- Ivahlhilfe ist völlig bedingungslos gewährt worden. Wenn trotzdem daran herumgemäkelt und gesagt wird, Herr Wachhorst ziehe „auf sozialdemokratischen Krücken" in ^den Reichstag, so sann das nur einen Sinn haben, wenn man auf dem Standpunkt steht, daß sozialdemokratische Stich- wahlhilfc grundsätzlich zurückgcwiescn werden muß. Wer sich auf diesen Standpunkt stellen will, mag cs tun. Bis jetzt hat es aber noch keine Partei getan, auch die konservative nicht, wie ja auch der bisherige konservative Vertreter von Osterburg-Stendal, Herr Hocsch, sich im Jahre 1912 die sozialdemokratischen Krücken sehr wohl ebenfalls hat gefallen lassen. Ueber das neue Mitglied der nationalliberalen Rcichs- tagsfraktion schreibt die „Natl. Korrespondenz": Herr Wachhorst de Wente, der, nachdem er bei den letzten Landtagswahlen ins Preußische 'Abgeordnetenhaus gewählt worden war, nunmehr auch wieder in den Reichstag zurückkehrt, wird von der uaiionalliberaleu Fraktion als tapferer Mitstreiter herzlich begrüßt werden. Insbesondere wird der Fraktion in Hinsicht auf die bevorstehenden Verhandlungen über unsere Wirlschasts- politik die prakiische Erfahrung Wachhorsts sehr willkommen sein. Für den Deutschen Bauernbund bedeutet der Eintritt Wachhorsts in das Reichsparlament noch einen ganz besonderen^ Erfolg. Das ist für feine konservativen Gegner vielleicht mit das Schmerzlichste an der erliii»nen Niederlage. Während die Dahn nnd Roc- sickc bei den letzten Wahlsi aus der Strecke geblieben sind, sieht der Bauernbund seine beiden Vorsitzenden neben dem Gcschäjls- sührcr im Reichstag. Daher auch der erbitterte Kamps der Konservativen gc^en die Person Wachhorsts. Jetzt wird es gelten, dem crstrirtcnen Sieg Tauer zu verleihen durch unermüdliche Ansklärung und Ausbau der Organisation. Für die Nationalliberale Partei wie sür den Bauernbund eine ernste Ausgabe, aber auch ein lohnendes Ziel! Das österreichiscd-i aliinische Li vernehmen bei den Wirrnissen in Albanien scheint fürs erste nicht getrübt zu sein, wie aus den Darlegungen der zuständigen Minister hervo^geht. Besonders! interessant und bedeutungsvoll ist die Kammerrede des Herrn San Guiliano, der Essad Pascha Kivar ein wenig in Schutz nahm, aber zugab, daß der gegen ihn bestehende Verdacht Maßnahmen erforderlich machte. Wir erhielten folgende Berichte: Eine Darstellung des italienischen Ministers des Auswärtigen. Auf einige Anfragen bezüglich Mbanien-- sagte San Giu- l i a n o am gestrigen Dienstag in der italienischen Kamme r, die gegenwärtige Lage Albaniens fordere seitens der Regierung die austnerksamste Sorge, weit damit ernste Interessen Jiaiiens verbunden seien, welchesniemalsundinkeinem Fallezugebenkönne,daßdasGleichgewichtinder Adria zu seinem Schaden verändert werde. Die augenblicklichen Schwierigkeiten müssen mit heiterer Ruhe und tatbereiter vorsichtiger Energie ins Auge gefaßt und ihre wahre Natur nnd Tragweite ohne Uebertrcibnng und Abschwächung betrachtet werden. Ein gut Stück Weg zur Lösung der Schwierigkeiten im südlichen Albanien ist auch schon zurückgclcgt worden. Aber seit etwa 14 Tagen entstanden und verstärkten sich Gerüchte von einer Unzufriedenlstit in Mittclalbanien, wo dann ein Ausstand ausbrach, der teilweise einen sozialen und agrarisch-demokratischen Charakter, teils denjenigen einer muselmanischen Erhebung gegen die befürchtete Vorherrschaft der christlichen Minorität zeigte, zimr Teil aus die herkömmliche Abneigung der Mbanesen gegen die Zahlung von Steuern und den obligatorischen Militärdienst und gegen die Gesamtheit der Anforderungen eines modernen westcuropäisck>en Siaatswcsens herrührten, die in der Wahl eines europäischen F ü r st e n zum Ausdruck kamen, obwohl auch der Wunsch der zivilisierteren Muhamedaner in dieser Richtung gegangen war. Da die Aulständischcn Durazzo bedrohten, so waren sofortige Ver- teidigungsmaßnahmcn erforderlich, dre jedoch durch lebhafte Mer- nungsverschiedcnheitcn zwischen den holländischen Gcndarmerie- ossizieren und dem Kriegsminister Essad Pascha beeinträchtigt wurden. Bisher ist kein Beweis für den Verdacht der Hintergedanken erbracht worden, die man von verschiedenen Seiten dem Kriegsmini st er beimaß. Aber die Tatsache, daß der Fürst und die holländischen Osjiziere diesen Verdacht hegten, machten die Verteidigung Duraz- zos gebest eine Gefahr sür die Hauptstadt, den Fürsten und die albanstche Regierung, eine Gefahr, welche die einen sür sehr groß und unmittelbar' bevorstehend, die anderen für weniger schwer hielten, schwieriger und weniger wirksam. Daraus gab der Minister eine genaue Darstellung der Vorgänge, deren Hauptpunkte folgende sind: Am 17. Mai erreichten die Meinungsverschiedenheiten zwischen Essad Pascha und dem holländischen Major Schleuß ihren Höhepunkt, um 18. dauerten sic fori. Ein Abschiedsgesuch Essads wurde abgclehnt. Schleuß aber blieb Stadtkommandant. Ta die Nachrichten aus dem Innern immer bedenklicher lauteten, wurde das italienische Geschwader auf Wunsch des Fürsten aus Valona znrnckgeruscn und traf in Durazzo ein. Tic holländischen Osjiziere trafen Vorbereitungen zur Verteidigung der Stadt. In der Nacht zum 19. Punkt 2'/- Uhr wurden zwei schwere Geschütze, die kürzlich aus Oesterreich Ungarn mit unserer Zustimmung gc- liefcrt worden waren, während wir Gewehre lieferten, in der Umgebung der Stadt unter dem Befehl des Majors Schleuß in der der Nähe des fürstlichen Palastes, in eine Stellung nicht weit vom königlichen Schloß, gebracht. Dieses war die F o l g c c i n c s V c r- d a ch t c s gegen Essad Pascha, der in seinem Hause und in der Nachbarschaft seines Hauses, 100 Bewajsncle verborgen hielt, von denen Malor Schleuß eine Gefährdung des fürstlichen Palastes und der Stadt befürchtete, während die Aufständischen von außen hcrannahicn. Um 37: Ubr erhielten Gruppen von bewasjnctcn Nationalisten den 'Befehl, sich näher an Essads Haus zusammenzu- ziehen. Major schleuß mackste sich selbst aus den Weg dorthin, nachdem er den Beiehl gegeben hatte, bei den ersten Gewehrschüssen das Feuer zu eröjsncn. In der Nähe von Essads Haus angekomme» besah! er den dort ausgestellten Leuten, die Waffen nicderznlcgen. Ein Fr u erg es echt war die Folge, bei welchem ein Mann getötet und zwei Mann verwundet wurden Don den daraus abgegebenen 7 Kanonenschüssen trafen zwei da- Ddch von Essads Haus. Dieser erftärtc daraus, sich den Italienern ergeben zu wollen. Der italienische Gcschästsirägcr begab sich sodann zu Essad, der i*>t ersuchte, ihn unter einer Eskorte be- wasjneter Matrosen an Bord bringen zu lassen. Dieses geschah zu allseitiger Befriedigung, Nach weiteren Besprechungen äußerte Essad den Wunsch, nach Italien gebracht zu werden. Am 19. Mai fanden vor dem fürstlichen Palast Sympathiekundgebungen von etwa 40 sogenannten Nationalisten, die Essad Pascha feindlich gesinnt waren, statt. Die Nationalisten durchstreiften weiter die Stadt bcwassnet und mit sicgcsfrohcn Mienen in der irrtümlichen Meinung, daß Essad Pascha den italienischen Einfluß repräsentiere. Sie tadelten die Vertreter Italiens und gaben ihrer Freude über Essads Sturz Ausdruck. Ihre Freude war aber nur von kurzer Dauer, denn zipci Tage später war die Lage gründlich zu ihrem Nachteile verschoben. Heute sind viele unter Essads Feinden in Albanien entmuligt und besonders Muselmanen zu seinen Gunsten gestimmt. Aber in Albanien ist all das herkömmlich. vorübergehend und wandelbar. Die in der vorhcrgcgangc- nen Nacht aus die vereinbarten Zeichen hin gelandeten Matrosen blieben an Land, um den Palast und die Gcsaiidtschast zu schützen. Die Nacht verlies ruhig. Am 20. wurde Essad Pascha, nachdem er eine Erklärung, nicht ohne die Zustimmung der Fürsten nach Albanien zurückkehren zu wollen, unterzeichnet hatte, in Begleitung! des italienischen Dragomans auf den italienischen Dampscr „Bcng- hasi" gebracht, der sofort nach Brindisi abging. Am selben Tage ersuchte der Fürst die Minister, im Amte zu bleiben. Am 21. Mai fanden vor dem Palastc Loyalitätsbczeugungen statt von etwa 100 Mann aus Erosa und von etwa 120 katholischen Malissoren, welche der Für st aus eigenem Antrieb aus Skutari hatte kommen lassen, und welche sich ihm zum Schatze des Palastes zur Verfügung stellten. Außerdem langten aus Skutari der holländische Offizier Kroon mit etwa 50 Gendarmen, General de Wccr und der holländische Offizier Thompson aus Valona an. Am 22. gaben die Minister ihre Demission iniolge von Maßregeln des Stadtkommandanten Major Schleuß, welche sie sür unerträglich mit ihrer Stellung hielten. Der Fürst aber drang in sic, im Amte zu bleiben. Da Gerüchte laut geworden waren, daß die Anwesenheit der katholischen Malissoren lebhafte Aufregung bei den Aufständischen hervorgeruscn habe, drang der italienische Gesandte darauf, man möchte keinen Anlaß zur Entfesselung des Religionshasses geben, der die Lage nur noch mehr verwickeln würde, daß man demnach die Malissoren sobald als möglicki entjcrnc. Am Abend marschierten die holländischen Offiziere mit einer Abteilung Gendarmen und Malistoren, zwei Maschinengewehren nach Kawauja, wo auch ein Ausstand ausgcbrochen war. Am 23. Mai erfuhr man, daß die Expedition in Kawauja mit den Aufständischen zusaminengestoßcn sei, gegen welche die Malissoren nicht kämpfen wollten, da sie, wie sie sagten, nur zum Schutze des Fürsten gekommen waren. Die Malissoren kehrten in kleinen Gruppen nach der Stadt zurück. Tic Gendarmen und Freiwilligen wurden in kleinen Kämp- Die varmslädter Kunstausstellungen. D arm stad t, 26. Mai. Tic beiden zurzeit in Darmstadt etablierten Kunstausstellungen bieten Kontraste dar, wie sie gleichzeitig selbst in den größten Kunstzentren nicht so bald wieder beieinander angeirosten werden dürften. Aus der in voller Frülilingspracht dastelzenden Mathilden- höhe hat die Tarmstädier Künstlerkolonic-AuSstellung ihre Pforten geöffnet, in welcher die schasfenstreudige Künstlcrschar besonders aul dem Gebiete der Wohnungskultur neue große Probleme zu lösen bestrebt ist und die freie und angewandte Kunst in modernster jugendirischer Form zu wirkungsvoller Tarjiellunq kommt, und in dem alten düstern Rcsidenzschloß I)at die Jahrhundert Ausstellung ihren Platz gesunden, die uns die trübste und charakterschwächlle Zeit Teutjckilands, die.Kunst vom 30jährigen Krieg bis zur Acra Napoleons I. vor Augen führen soll. Und dazu gesellt pch bald nach Pfingsten noch eine dritte Kunstausstellung, die der Freien Vereinigung Tarm.städter Künstler in den Räumen dos Kunst- Vereins am Rheintor, die nach der im Jahre 19tt gegebenen Probe ihres Könnens an Interesse für den Kunstfreund sicher nicht zurückstehen wird. Bon den bewert enswertestcn Darbietungen der Ausstellung auf der Malhildenhöhe haben wir unseren Lesern bereits gelegentlich ihrer Eröffnung nähere Mitteilung gemacht nnd auf besonders in Betracht kommende Momente wird später noch cin- zngchen sein. Die Jahrhundcrtausstcllung zeichnet sich vor allem anderen darin ans, daß neben zahlreichen Museen, Sammlungen und Privatleuten auch ein großer. Kreis von Fürsten mit Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joseph an der Spitze als Slusstcller aus- trcten und daß die Ausstellung direkt vom Großherzog Ernlt «udwig veranstaltet worden ist. Als Patrone der Ausstellung fungieren Kronprinz Ruvvrccht von Bauern, Prinz August Wilhelm von Preußen und Prinz Johann Georg, Herzog zu wachsen und die Liste der Aussteller verzeichnet außer den beiden Kaisern die Könige von Bayern, Württemberg und Sachsen, die Groß- herzöge von Hessen, Baden, Sachsen-Wcimor-Eiscnach, Oldenburg, die beiden Mecklenburg, den Herzog von Cumvaland u. v. a. Bo» den vielen Sammlungen und Gemäldegalerien seien nur die köuiql Gemäldegalerie uni, das grüne Gewölbe zu Dresden, die bayerischen Staatsqalericn, das Germanische Museum in Nürn- bcra die küuigl. Gemäldegalerie und die Altertümcrsammlung zu 'Stuttgart, die städtischen Sammlungen in Dresden. Leipzig, Köln Hamburg ». s. f. genannt. Die Ausstellung versolgt, Wiedas Vorwort zu dem höchst voluminösen, und dabei wenig über- übersichilichen Katalog besagt, deii Zweck, einen möglichst ausgedehnten Ucbcrblick über czne bisher wenig bekannic Epoche der deutschen Kunst zu geben. Nachdem im Laufe der Jahre, die der deutschen Jahrhundertausstcllung von 1906 in Berlin folgten, Ausstellungen von Meister,verken der englischen und französischen Künst außerordentliche Ersolge davongetragen haben, erschien es als Ehrenpflicht, auch der gleichzeitigen deutschen Kunst die Geltung zu verschasten, die ihr, ohne sie überschätzen zu wollen, gebührt. Tic Ausstellung soll die Linie der Entwickelung vor allem der deutschen Malerei vom 30jäl>rigcn Krieg bis znm Ende des 18. Jahrhunderts zeigen und cs ist das Bestreben der Ausstellungsleitung gelingen, den Nachweis zu führen, daß neben der bisher fast ausschließlich geschätzten deutschen Bmikunst des 17. und 18. Jahrhunderts auch eine selbständige deutsche Malerei bestanden hat. Ob diese letztere Absicht wirklich erreicht worden ist, muß dem Besucher- der Ausstellung allerdings etwas zweifelhaft erscheinen. Es wurde in der Eröstnungsrede des Ausstellungsleiters, Prof. Biermann, selber zugegeben, daß das Werk lückenhaft sei. Und das kann auch gar nicht anders sein, da man trotz des entwickelten staunenswerten Sammeleifers doch nicht alles aus den Schlössern, den Kirchen und Museen nach Tarmstadt bringen konnte, was zur Charakteristik jener Kuustcpoche erforderlich war. Zur Gewinnung eines vollständigen jUeberblicks über den Barockstil und das Rokoko wäre neben der Barockmalcrei, die übrigens ganz hervorragend vertreten ist, doch auch die Barock-Architektur und die Plastik erforderlich gewesen, die man natürlich nicht nach Tarmstadt zaubern konnte. Aber auch das, Ivas die Ausstellung mit ihren rund 2000 zur Schau gestellten Objekten bietet, reicht vollkommen aus, um ein besseres, gründlicheres Urteil über die deutschen Kunstbcstrcbungcn jener Zeit zu gewinnen. Ten größten Raum nimmt natürlich die über 900 Nummern zählende Gemälde- abieilung ein (die eine schärfere Sichtung der Spreu von dem Weizen sehr wohl vertragen hätte) und darin ist besonders stark bcrvortretend das Porträt, das uns in zahllosen fürstlichen und bürgerlichen Konterfeien zu Hunderten l>cgegnet: Die Porträtistcn Anton Grass, Ziesenis, ikupetzki, Tischbein, Iah, Georg Edlinger u, a. zeichnen sich hier besonders aus. Die Porträtgalerie will rms überhaupt als der.enft'chicdcn fesselndste und hervorragendste Teil der Ausstellung erscheinen, da wir hier in ganz ungeahnter Weise mit fast allen bedeutenderen Repräsentanten des 18, Jahrhunderts bekannt gemacht werden: Bach, Bürger, Gleim, Goethe, Gottsched, Händel, Hagedorn, Herder, Jffland, Kant, Klopstock, Lessing, Schiller, Schlegel, Wieland, Winkelmann. Mit großem Interesse wird man namentlich auch die Maler aus der ersten Hälfte der Barockzeit verfolgen, von denen uns hier viele zum erstenmal vor Augen geführt werden. Weiter dürfen neben den vvrtresstichen Fürstenbildern von I. G. Ziesenis. und F. A. Tischbein mich Ramm, wie Friedrich Heinrich Fuger, Matthias Scheiko, Ch. W. E. Dietrich, Joh, Konr, Scc- katz u, a. nicht unerwähnt bleiben. Sehr stimmungsvoll ist das kleine Silbouettenkabinett aus dem letzten Drittel des dargcstcllten Zeitabschnittes, über das uns eine kurze Abhandlung im Katalog nähere Erläuterungen gcht. Die Plastik ist verhältnismäßig reichhaltig mit 162 Spicken vertreten, unter denen neben dem vielgewandten Meister des barocken Kirchenstils auch Schadow, Schlüter, Bardou, Klauer und Kern zu finden sind. Auch die Abteilungen : Gold, Silber. Elfenbein und Miniaturen enthalten manch seltenes und bedeutendes Stück. Ganz reizend mnlei den Beschauer schließlich noch die im zweiten Stock des Residenzschlosscs zusammen- gestcllte Gemäldegalerie des Köniqslcutnants Grasen de Thorane an, eine Art Gartensaal, in welchem der französische Gast des Herrn „Rai Goethe" in Frankfurt durch Bilder von Nothnagel, Sckrütz, Seekatz u. a. seine Äunstschwärmcrei z» beweisen suchte. Man sicht wohl schon aus dieser knappen Aufzählung, daß die Ausstellung nicht nur für den Kunsthistoriker, sondern auch sür jeden gebildeten Laien eine Fülle des Interessanten und B«ach- tenswerten enthält. st, h. — Ein neues Werk Max Klinqers ist auf dev Leipziger Buchgewerbcausstellung ausgestellt worden. Es ist eine mächtige Büste Friedrich.Nietzsches aus weißem Marmor, die ,ms den Tichterphilvsophen in den letzten Jahren vor seiner Erstankung aus der Höst: seines Schasfcns zeigt. Die hervor- tretende Stirn des Gesichtes, die finsteren Augenbrauen und der durchbohrende Blick geben der Plastik einen säst unstimlichcn dämonischen Estraktcr, Jedcnsalls ist es eins der eigenartigsten und reiisten Werke des Meisters, Es steh: in der Bcrlagsabteilung von Alfred Kröner, des Verlegers der Werke Nietzsches, — Ein unbekanntesGemälde Dürers, T,e Nachricht von der Entdeckung eines bisstr unbekannten Werkes von Albrecht Dürer wird in Kunstkreisen zu lebhasten Erörterungen sühren, Professor Franz Naager, der bekannte Mitarbcit-r Ludwig bosmanns, hat in der alten Schack-Galerie in Müncben, die er vom Kaiser seinerzeit erworben hat, gestern die Vorbcsich- tigung seiner kostbaren Sammlungen erölfnct, Das größte Interesse erregt ein Gemälde, das das bekannte Motiv „Christus in der Vorhöllc" darstellt und das Prosesior illaager mit Be- stimmtstit sür einen echten Dürer aus seiner italienischen Zeit erklärt, Es ist augenscheinlich an Mategna angclehnt, stammt aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts und zeigt in der einen Ecke ein Selbstbildnis Dürers. Das BeweiSmatcrial, das Professor Naager vorlegt, ist jedenfalls sehr beachtenswert. fni ntii _bcu Aufständischen zurück geschlagen. Vier hollän- drsme LiNjicrr, sowie etwa 30 Gendarmen und zwei Maschineu-- acnehre Nclen in die Hände der Aufständischen. Es gad Totr und Verlmmdttr und die Panik wuchs. Obwohl der Fürst und dre Fürstin sich anfangs sträubten, entschlossen sie sich doch, wie ihnen geraten wurde, sich mit den Kindern und dem Hose ans der „Misnrota" ei n zu s ch i f fr » Infolge von Verhandlungen des italienischen und rumänischen lüesandien sowie tcs österreichisch-ungarischen Gcsandtschaftsiates und der englischen und^ französischen delegierten des internationalen Kvntrollaus schusics mit den Aufftändischen, hielt man cs für ratsam, wenn der FüNt, wieder in das Palais zurückkehrte. Er begab sich mir der Fürstin donbin und Unterzeichnete einen 'Gele i t s b r i cf, der den Aufständischen gesandt wurde. Alle Italiener, vom Oiesandten und Admiral bis zum letzten Matrosen, haben mit ruhiger tzeicherbeit ihre P licht getan. Am 24. Mai kam der holländische Hauvtmann Earr Nach Durazzo und teilte mit, das! die Aufständischen nur mit dem Kontrollausschuß verhandeln wollten, den sie auch mit Achtung aufnabmen, und dem sie ihre Wünsche, nämlich Rückkehr zur vttomanischen Herrschaft, oder Intervention Europas, ausdrückien.' Den Uebcrrcdungstll listen des italienischen Tragomans gelang es, sie zur Auslieferung der Gefangenen zu beivegen. Die Lage bleibt dunkel und gestaltet sich schwierig, weil die Führer der Aufständischen sich verborgen halten und es beinahe unmöglich ist, mit der unwissenden und nnzsvilisicrten Masse zu verhandeln. Inzwischen hat man angekündigt, dass Schleust von Durazzo nach Südalbanien geschickt nwrden würde. Die dargestellten Tatsachen, die daraus sich ergebende Lage und die für die Zukunft möglichen Ereignisse bildeten und bilium zwischen mir und Graf Berchtiwld den Gegenstand eines lebhaften Meinungsaustausches, der von dem gegenseitigen Vertrauen und der vollkominenen Lonali tat begleitet wird, die stets die feste Grundlage unserer herzlichen und intimen Beziehungen gebildet haben und sic auch sernerbin bilden werden. Das Ergebnis dieses Meinungsaustausches lässt sich solgendermastcn zusamnienfafsan: 1. sind Italien und Oesterreich fetzt wie früher einmütig entschlossen, die Konsolidation des albanischen Staates und die Autorrtät des Fürsten zu wünschen. Die süngsten Ereignisse können die in der Evirusrrage einmal getroitenen Eni- fcheidimgen nicht mehr ändern. Auch hierin und Italien und Oesterreich völlig eftnnütig. 2. werden die beiden Regierungen alle 'Anstrengungen machen, um eine Intervenfton der Armee in Albanien zu vermeiden. Sie wollen so schnell wie möglich die zur Sicherung des Fürsten, seiner Fauiilie und der Gesandtschaft in Durazzo gelandeten Abteilungen zurückrufen. 3. sind die beiden Regierungen natürlich unter der Voraussetzung, dast die anderen Mächte zustinmie.i, überemgetomnien, daß eine Abteilung der internationalen Truppen ans Skutari nach Durazzo gesandt werde. Die italienische Regierung hat in diesem Sinne Schritte bei den anderen Regierungen unternommen Und setzt sic noch fort. 4. Tie beiden Regierungen sind einig in dem Wunsche, dast der internationale Äoutr.'ll- ausschuß gegenüber den augenblicklichen Schwierigkeiten und mit den am zweckdienlichsten scheinenden Mitteln die albanische Regierung wirksam unteifftütze, um die Schwierigkeiten dieses kriftscheii Slugcnblicks zu überwinden. Es ist cm .grober Fehler, besonders'in Ländern wie Albanien und Aetbiopicu, ivenn irgendeine Macht den Anschein cr-> weckt, als ob sic ihre Interessen mit der einen oder der andern 'lokalen Persönlichkeit in den Ländern identifiziert, in denen wenigstens noch für oinigc Zeit die Bedingungen iür ein gesichertes Gleichgewicht Nicht envarict iverdcn können. Gedanke, Wille, Jiiteresscn.Machi undGlückdcrFührernnd ihrer Anhänger wechseln leicht. Wir müssen mit allen einflußreichen Männern in Lllbanicn freundschaftliche Beziehungen lunlerhalten, aber wir müssen unseren Eintlust auf den Eindruck gründen, welchen unsere Politik der albanischen Natron eiirflößt. In Albanien können trotz unserer Anstrengungen, sic zu verhüten, weittragende Ereignisse eintrctcn, auch solche, welche auf die Ruhe am Balkan znrückwir- k e n, oder auf die Machtverhältnisse im adriatischen Meere, wo wir ein Lebcnsintcresse daran haben, das Gleichgewicht der Kräfte zu erhalten. Dieses Gleichgewicht darf jedenfalls zu unserem Schaden oder zum Vorteil irgendeiner großen oder kleinen Macht uns gegenüber nichl verschoben werden, wenn unser Land nicht in gefährliche Abenteuer verwickelt werden soll. Wir wollen unsere Interessen glich sürderhin Uiwerletzt erhalten, ebenso die Politik, die wir in voller Uebereinstimmung mit unseren Verbündeten treiben, zu dem Zwecke, dieses Gleichgewicht zu erhalten, und wir glauben vertrauensvoll, dast das Zusammenwirken aller grasten Mächte, deren Ziele ja im besten Sinne friedlich sind, die Aufgabe Italiens und Oesterreickz-llngarns in Albanien erleichtert wird, welch letzteres ein wichtiger Faftor des Gleichgewichts in der 'Adria ist. Tie Rede des Ministers wurde in ihrem Verlaufe und am Schlust mit starkeni Beifall ausgenommen. In der sich anschliesten- den Aussvr. che wurde die albanische Politik der Regierung vielfach als den wahren Interessen des Landes widerstreitend bekämvit, insbesondere auch von revublikansschen Rednern, die sich beklagten, dast das gegenseitige Misttraucn zwischen Oesterreich und Italien den icdcr realen Grundlage entbehrenden neuen Staat geschaffen habe, und daß die Beziehungen nicht nur zu Serbien und Griechenland, sondern auch zu den Mächten der Trivlc-Ententc getrübt seien. Ein Redner sprach die Hoffnung aus, dast Gr ev die Initiative zu einer Jntervenlion aller Großmächte ergreifen werde. Eine Darstellung in der österreichischen Delegation. Oiscnpest, 26. Mai. Zu Beginn der Sitzung der österreichischen Delegation erteilte der Sektionsches (Wlrof Forgach namens des Ministers des Acußern, der z» gleicher Zeit der ungarischen Delegation beiwohnte, Auikläru ngcn über die IVorgängc in Albanien. Er führte aus: Bei Tirana brach eine Revolte aus, deren Ursache anscheinend in r c l l g i ö i c n und wirtschaftlichen Fragen zu suchen wir. Anscheinend haben dabe, auswärtige Balkaneinftüsic mftgewirft. (Zwischenruf des slowenischen T-elcgierten Kttrossec: Und der italienische Konsul? Fvrgoch erwiderte: Sicherlich nicht. Die Meldungen der B'älter über den Umiang und die'Intensität des Baüernaut- Kimdes scheinen übertrieben zu kein, siisbesond're hi' sich bisher die Nachricht von ~cx Nicdermetzc'ung der Beys ukht bestätigt. Glcichieitia mit dem 'Ausbruch der Revolte verschärfte sich der schon lange bestehende Gegensatz zwischen E s s a d P a s ch a und seinen Gcgncrninder Haupt st adt, welche Essad des Einvcrstäud- nisies mit den aufständischen Bauern beschuldigten. Das Zusammentreffen ler Parteigegensätze mit der Bauernbcwegung erklärt die aluigercgtc Stimmung. Tic ?lusregung beginn! sich allerdings bereits Durazzo zu legen und lvird hoffentlich auch anderwärts bald kübler Ucberlcgung weichen. Auch diese Vorfälle seien noch ' limausgeklärt und cs sei unmöglich, insbesondere alle Momente zu beurteilen, die den Fürsten oeranlastten, wie aus den italienischen Veröffentlichungen erhelle, aui dcn Ral dcs italienischcnGcsandten,deren, eallgc meine Panik fürchtete, die Für st in und die Kinder aus ein Schiss zu bringen, worauf er dann stnort nach Durazzo zchrückkehrte Er wolle daher auch allen voreiligen Kritiken über das Verhallen des Fürsten enlgegentreten, welcher selbstlos eine verantwortungsvolle Kulturarbeit aus sich genommen habe. Es .wäre sehr bedauerlich, wenn segne Ausgabe in den jetzigen ernsten Momenten erschwert werden würde. Der Optimismus, der den, f uristrr des Acustcrn vorgeworicn worden sei, gehe nicht soweit, behaupten zu wollen, daß es dem noch nicht drei Aäonate regierenden Fürsten bereits gelungen sei, die Bauernbevölkerung in eine llkulftirnation zu verwandeln. Ausstäiidc seien bei primitiven Völkern häufiger, aber von geringerer lBcdeutung als anderwärts. Die Ereignisse erhielten ihre besondere Bedeutung nur dadurch, bau man aus ihnen eine Unstimmigkeit zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien hcrauskonstruieren möchte. An last zur Unstimmigkeit sei in Esiads Sturz Nicht zu erblicken, sondern könne nur in Betracht kommen, wenn der Tätigkeit gewisser in Albanien anwesender Zeitungskorrespondenten Nlid ihrer Hintermänner eine ihr nicht zukommcnde Bedeutung zugrmesscn würde. Essad nach seinem Sturze als »t a l i e u > > ch c n P a r t c i- mann hinzustrltcii, sei eine geschmacklose Verhltzuiig^ Da.ielvc gelle von der absurden Belürupiiing, wir hatten den stürz Ellads herbeigcsührt und dabei milgewirkt. Bei dem kurzen Kamvt be Durazzo stellten sich allster den kommandierenden hoUaiwischcn Stabsoffizieren veischiedeilc zusällig in Durazzo anweseme El^ Iropäer in den Dienst de- Fürsten. darunier Italiener, aiich e> Holländer, Deutsche und Oesterreich», Letztere waren Offtzicrc, welche zur Beranltallung eines Probeschicstens von der Nilandis i en Industrie den albanisäun Regierung die gelieferten Geschütze bc- glcitcten. Es ist seift begrcillich, da« die Offiziere bei d«m Alls beuch des Kampfes Nicht untätig bleiben wollten. Man kann dieses selbstverständlich nur dem Zusalle, dem Gebote unlwdiiigter älvt, keineswegs aber einem planmäßigen Vorgehen zuschreroen. Dir jefciof Lage m Durazzo. Rom, 26. Mai. Tie „Agenzia Steffl,n meldet aus Durazzo vom 25. Mai: Tic Nacht ist sehr ruhig verlaufen. Aus Befehl des Fürsten wurden beute vormittag sei,ic Kinder von der „Misurata" ausgeschifft. Der österreichische .Konteradmiral hat dein italienischen Konteradmiral persönlich nnt- getcill, er habe heschlosseii, Matrosen zu landen, um zu sammen mit den italienischen den Sicherheitsdienst für die Königssainilie aufzunehmeii. — Etwa fünfzig aldancsische «'.»Bk»™™ kti Bord oin-s iifferrrffttf die n Torpedoboots an gekommen. Durazzo, 26. Mai. Der gestrige Tag verlies ruhig. Heute morgen wurden die letzten Verwundeten aus Schiak abgeholt. Die Aufständischen ließen die Verwnndcten an Ort und Stelle behandeln: die Zahl der zurückgekehrten Gefangenen betrügt 100. — Der Kontrollausschuß ist in der italienischen Gesandtschast zusflnunengetreten. Er begab sich darauf in das Palais des Fürsten. Das Ergebnis der Besprechungen wird geheim gehalten. Auch ein Ausschuß der Nationalisten begab sich in das Palais, um über di« innere Politik und die Maßnahmen zu beraten, die für die Aufrccht- erhattung der Ordnung in der Stadt notwendig sind. In Schiak wird die Ankunft Aufständischer ans Tirana erwartet, welche gleichfalls Wünsche vortragen wollen. Es heißt, sie wollen die Wiederherstellung der 'türkischen Regierung verlangen. Entsendung von internationalen Truppen nach Durazzo. R o m, 26. Mai. Die Agencia Stesani meldet aus L o n- dou: Die russische Regierung teilte der französischen und der englischen Regierung mit, daß sic mit der Entsendung von .internattonalen Truppendctachements nach Durazzo zum Schutze des Fürsten Wilhelm und der Kontrollkommission einverstanden sei. Die französische Regierung sei ebenfalls geneigt, die italienische Regierung besteht daraus, und die Regierung von Oesterreich-Ungarn leistet keinen Widerstand. Die Entscheidung der deutschen und der englischen Regierung ist noch nicht bekannt. Aus StaSt «nS LKRS» Gießen, 27. Mai 1914. Die Wahl eines Beigeordneten in Gießen. Morgen, Donnerstag, werden die Stadtverordneten in geheimer Sitzung über die Wahl eines Beigeordneten beraten. Wir stehen damit vor einem Schritte, der für die Stadt Gießen von großer Bedeutung sein wird und der kaum getan werden kann, ohne daß eingehende grundsätzliche Erörterungen stattfinden. Die Fragen werden so zu stellen sein: welche städtischen Ausgaben stehen in der nächsten Zulunft im Vordergründe und inwieweit sind Kräfte vorhanden, die mit diesen Ausgaben eng vertraut und als besonders sachkundig anznsprechen sind? Da wir in Herrn Oberbürgermeister Keller einen Juristen ander Spitze der Verwallung haben und in ehrenamtlicher Bcigeordnctenstclle ebenfalls ein Jurist tätig ist, wird man ohne Frage davon absehen müssen, noch einen Juristen in die Verwaltung zu bringen. Es wird sich vielmehr darum handeln müssen, für die technische Arbeitskraft des früheren Oberbürgermeisters Mecum einen geeigneten Ersatz zu schassen. Wir haben nach dem Rücktritt des Herrn Mecum schon darauf hingewiesen, daß das Stadtbild Gießens sich znm Teil ungünstig entwickelt hat. weil der frühere Oberbürgermeister wohl ein tüchtiger Techniker war, aber tu den Fragen des Städtebaues keine ausreichende Begabung und Erfahrung hatte, lins scheint, als müsse dieser Gesichtspunkt bei der bevorstehenden Beigeordnetenwnhl vorangestellt werden. Man denke nicht, daß nun gleich an die Errichtung neuer Rathäuser oder städtischer Prunkbaute« hcrangezogcn werden solle. Selbst wenn cs richtig ist, daß die bauliche Entwicklung der Stadt Gießen in den nächsten Jahren einen gemächlichen Lauf nehmen mag so sind doch die Gelegenheiten, wo der Stadtverwaltung ein architektonisch und künstlerisch gebildetes Auge nottut, überaus zahlreich und mannigfaltig. Auch im kleinen kann da viel gesündigt werden, Wir verweisen daraus, wie z, B. beim Neubau des Hotels zum Einhorn und bei dem Anbau des Logen- gcbäudes an der Ost-Anlage Fehler hätten vermieden werden können. Wenn das Großh. Ministerium als höhere Instanz Entscheidungen fällt, die gegen das baukünstlcrischc Interesse verstoßen, so wird die zuständige städtische Stelle bei der erforderlichen Energie schon Mittel und Wege finden, der besseren Ncberzeugung zum Recht zu verhelfen. Wir wissen es «wohl, daß bei der Beigeordnetenwahl andere wichlige Gesichtspunkte hinzukommcn. Der neue Beamte muß ein tüchtiger Organisator sein, der die städtischen Betriebe beaufsichtigen und rentabel gestalten kann. Nur ein. selbständiger, energischer Mann, der sich von Einflüssen mancherlei Art frei zu halten versteht, ist hier an, Platze. Wenn sich die Stadtverordneten morgen zur Beratung über dicsb Angelegenheit zusammcnfindcn, so ist es durchaus nicht erforderlich, daß sie gleich zu endgültigen Beschlüssen gelangen. Am besten wäre es unseres Erachtens, die Beigeord- netenstcllc öffentlich auszuschrciben. Dann findet sich vielleicht ein Bewerber, der den zu stellenden Anforderungen noch besser zu entsprechen vermag als Herren, die aus nächster Nähe etwa ins Auge gefaßt worden sind und als Schützlinge dieser oder scner Stadtväter dann vielleicht keine ganz unabhängige Wirksamkeit entfalten könnten. So dringend ist die Wahlen tschei düng nicht, daß man nicht 'damit noch einige Wochen warten könnte. Soviel wir hören, ist dies auch die Stimmung bei der Mehrheit der Stadtverordneten. »* Ta g e s ka l e „der kür Mittwoch, den 27. Mai: Lichtspielhaus: Aufführung der Over .Martha' (6 1 /, imb 9 Uhr). Tr > n ker- Fn r s or ge st e11 e kür Stadt und Landkreis Gieben, «Neben ttsterweg 9. Sprechslunbe jeden Tonncrstag abend 6 bis 7'/. Uhr. ** Gewcrbcausstcklung Gießen. Die beiden Hauptgewinne für die Gcwcrbcausstellungslotte- ric im Werte von 10000 bezw. 4000Mk. sind von der Lottc- riekommission angekauft worden. Der erste Preis besteht aus einer Vicrzimmerwohnung (Salon, Wohnzimmer, Speisezimmer, Schlafzimmer und Küche), der zweite Preis aus Schlafzimmer und Toilettezimmer. Beide Preise werden noch durch Ankauf von Kunktzu-a-ifftänden eraänzt. Die anaekaus- teu.Gegenstände sind in der Ausstellung durch Plakate gekennzeichnet. Der Ankauf der weiteren Gewinne erfolgt erst kurz vor Schluß der Ausstellung. — Es hat sich hcranse- gcstcllt, daß eine Reihe von Familien für ihre über 18 Jahre allen Söhne Bcikarten zu 60 Pf. gelöst hat, statt Dauerkarten zu 5 Mk., wie dies von der Ausstellungsleitung bestimmt war. Da hieran vielfach die Unkenntnis dieser Bestimmung Schuld trügt, so nmcht die Ausstellungs- leitung die Besitzer solcher Karten darauf aufmerksam, daß der Umtausch dieser Beikartcn in Dauerkarten unter Var- rcchnung der verauslagten 60 Ps. an der Tageskasse erfolgen kann. Die Kontrolleure sind strengstens angewiesen, auß Jiinehaltung der von der Llusstellnngslcitnng getroffenen Bestimmung zu achten und jeden Fall der Zuwiderhandlung zu melden. Es wird ferner darauf aufmerksam gemacht, daß die Karten mit dem Namen der Inhaber zu versehen sind und daß diese Karten nicht von anderen Personen benutzt werden dürfen. — Trotz des anhaltenden Regcnwetters ist ein starker Besuch der Ausstellung zu verzeichnen. Eifrig begeben sich die Besucher von Stand zu Stand und suchen das Neue und Eharakterifttsche für sich zu gewinnen, rt. a. war gestern die Bergschule aus Bochum (Westfalens mit 57 Studierenden und 3 Dozenten hier, um unsere Ausstellung, besonders die Bergwcrtsabteilung, zu besichtigen. Ferner war die Oberktass« der gewerblichen Fortbildungs- schnle aus Wetzlar mit 30 Schülern der Mcchantter- abtcilung unter Leitung, ihres Fachschulleiters O st e r aus Wetzlar hier anwesend. ** Landesuniversität. Der juristischen Fa- kultätsprüsung unterzogen sich diesmal zwölf Kandidaten. Davon bestanden acht (zwei mit gut, einer im ganzen gut, fünf genügend). " Die mündliche Prüfung für Finanz-Aspiranten der mittleren Finanzbcamtcn fand in Darmstadt statt. Unter den 35 Kandidaten bestanden die Prüfung die Finanz- aspiranten Ludwig Höhn an zweiter Stelle und an vierter Stelle Hans Becker, beide aus Gießen. **Ter dritte hessische Schlosse rm eist er- t a g wird in den Tagen vom 4. bis 6. Juli in O f f e n b a ch abgehalten. ** D a s Konzert in der Gewerbeausstel- l u n g, das für heute abend 8 Uhr angesetzt worden war, fallt wegen des schlechten Wetters a u s. ** Stadttheatcr. Das Kgl. Kurthcater Bad-Emls wird, wie bekannt, morgen Donnerstag ein Gastiviel geben. Zur Aufführung gelangt die Millöckerschc Operette „Der Bettclstudcnt". Beginn der Vorstellung abends 8 Uhr. ** „K apirän Jean Ina utn", ein Lustghmnastiker und Tiirmscilkünstler, kommt in diesen Tagen von Bingen hierher, um auf dem Jurvlatze an der Lahn mit seiner Frau und einer Truppe von Variete-Künstlern während der Psingsftage Vorstellungen zu geben. < ** Die Frauen nnd die Wirtshauskonz^s- s i o n. Nachdem in den letzten Krankenkassensvahlen ein Teil der hiesigen Frauen das Wahlrecht ausgcubt Hat, ^ommt nun im „Verein für F r a n c n st i m m r e ch t" ein Thema zur Behandlung, das sich, wie man uns schreibt, mit einer künftigen Erweiterung des Genieindewahlrechts aller Frauen befaßt. Der Vortrag des Pfarrers Grein aus Käichen b.Fricdberg über „Die Frauen und die Wirtshauskou- zession", das sog. Gemeindebestimmungsrecht, wird vor allem das Interesse der Frauen in Anspruch nehmen dürfen, da eine reichsgesetzliche Neuordnung der Be- dürfnisfrage bevorsteht. Daß den Frauen ein Recht auf Mitbesttminung bet Erlanbniscrteilung innerhalb der Gemeinde zustehen sollte, ist längst anerkannt, da sie unter dem Alkoholismus am meisten zu leiden haben. Der deutschen Zentralstelle für das Gemeindebestimniungsrecht in Berlin, die seit Monaten Untenschriften für eine Petition zur Neuregelung der Bedürfnisfrage sammelt, ist auch von Gießen eine stattliche Anzahl Namen zu gegangen. Es ist also zu erwarten, daß die Interessenten die Gelegenheit zur näheren Belehrung am 29. Mai, Freitag abend S l k Uhr, im Hotel Schütz gern benutzen werden. »«'Mit der S ch w e i n e s e u ch e und Schweine- p e st sind nach den letzten amtlichen Veröffentlichungen 15 Gehöfte in O b e rh« ss e n in 10 verschiedenen Gemeinden und 4 Kreisen befallen. Zwei Fälle davon sind neu binzn- gekommen. In Starkenburg bestehen zurzeit sechs, in Rhein- Hessen ein Fall von der Schwcincscuche und Schweinepest. ** Kleine Mitteilungen. Vom Unglück veriolgt wird einc Familie in Si l b c r g. Vor längerer Zeit fiel ihnen ihr Söhn- chcii aus dem Bett und brach das Genick und letzt kam ihnen ihr sünffährigcs Mädchen, das einzige Kind, dadurch ums Leben, daß c« sich schwere Brandwunden zuzog. - Eine Erweiterung ibrcs Ge- schästsbctricbcz beabsichtigt die Konservenfabrik „Helvetia" in Ulrvß-Gcrau. Das Aktienkapital soll von 1250 000 2Rk. auf 1 750000 Mk. erhöbt werden. Für das abgelaufene Geschäftsjahr kommen 6 Prozent Dividende zur 'Auszahlung. Landkreis Gießen. O k> euchelheim, 25. Mai. Tie Schülerzahl ist vier gegen das Vorjahr um 22 Kinder zurückgeaangen. Tie achtklaslige Schule ist mit 532 Kindern iu das neue Schuljahr eiugetreteu, mithin entlaNe» au! eine Lehrkraft 54 Schüler. A Ober-Bessin ge u, 26. Mai. Am Sonntag hielt Ingenieur Serth von der SteiniSmühle bei Münster im Saale des Gastwirts Jacob einen Vortrag über seine Reisen in Shrien, Palästina und Aegvpten, welchen er durch etwa 60 selbst ausgenommene Lichtbilder erläuterte. ll. Lollar, 24. Mai. Nächsten Mittwoch, den 27. Mai, abends 8 Uhr, findet aus hiesigem Rathause eine öffentliche Ge- mcindcratssitzung mit folgender Tagesordnung statt: 1 Bachschau an der Lumda (Beseitigung der Slnständei, 2. Beschwerde von verschiedenen Einwohnern über den starken Antomobil- verichr aus der Ortsstraße, 3. Llnkaus der Fuhrwerkswage an der alten Bahnlwssttaße. — Eine Kirchen Visitation fnnb heute in der Kirche zu Kirchberg durch den Superintendenten für Ober- Hessen, Herrn Tr. P e t c r s e n - Darmstadt, statt. Krcis Alsfeld. h Alsfeld, 26. Mai. Der Direktor des hiesigen Stadt- tbeaters, Willi Reuß, ist mit Hinterlassung recht erheblicher Schulden seit ei-igen Tagen spurlos verschwunden. Auch den Schauspielern blieb er die letzten Gagen schuldig. Die schwer in Not geratenen Künstler spielen nunmehr aus einige Faust und eigene Rechnung weiter. Kreis Lauterdach. R. Souterbad), 26. Mai. Wege» Verheiratung der bisherigen Lehierin der W a n d e r b a u S h a l t n n g s s ch u I c iür den Kress Lauterbacb mußte der Unterricht maugclS einer ausgebildeteu Lehrerin seit Frühjahr 1913 ausgesel.t werden. Nachdem sin iimi- mebr iu uräuleiu Anna Iöckel von liier, die an der Lllice- I ch » l e zu Wieben einen einjährigen 2tusbildungskursus besuchte, eine Narblolgerin aeumden hat, so können in diesem Jahre die Koch- knrse wieder aiöqenommen werde». Angersbach, 24. Mai. Die am Freitag anberaumte landespolizeiltche Prüfung der Pläne für den 'Ausbau des Bahnhofes zum Wagenladungsverkehr ist erfolgt und es sind dabei Beanstandungen nicht gemocht worden. Es sind ziemlich erhebliche Aenderungen und Der- reguag von Wegen und llebeng.inqen nötig, auch der Zriej>° Hof wird in seinem nntcven Teile stark angeschnitten Mit dem Umbau des Bahnhofs wird Vovaussichtlich im Sep tember begonnen werden. Kreis Friedbcrg. ^^riedverg, 27. Mai. Die Bezirkssparkasse Mathrldenstrft für Friedberg und Umgegend hat den rieften Geschästsiiberschiitz von 343305 ?1Lk, zst verzeichnen E M^e„b-er Sparkasse belaufen sich im Gesamtbetrag aug 13322713 Mk., rn 1913 wurden neu eingelegt 2853 248 t. Brlbel, 26. Mai. Heute stand die ganze Familie L. von Petterweil, bestehend aus Vater, Mutter und zwei Töch tern^ wegen Widerstandes und Bedrohung vor Gericht "Im 16. ßiebicte des W aldecker Sammelbeckens ist eine neue G e m e i n d e gebildet, die die anttliche Bezeichnung „Edersee" sührt. Tie Flur ivird ge bildet aus den bisher zu den Gemeinden Hentturth, BrinqhaulLii. Niederwerbe, Berich und Waldeck gehöreiide» Ländereien. Für den Bereich der neuen selbständigen Gemeinde trägt die preußische Wasserbanoerwalkung alle Lasten, Sie ernennl auch in Verbindung mit dem Landesdieektor von Watdeck-Pnrmont auS der Zahl ihrer Beamlcn einen Bürgermeifier. Et» Eenieii,berat wird nicht gebildet. Die neue Gemeinde erhält auch keine eigene Schule, sondern dle schulpflichtigen Kinder werden zunächst der Gemeinde Hemfurth zugeteilt. Gcrichtssaal. Gießen, 26. Mm. (s ch öl icn geri cht.) „Ein dreist c r B e t t le r". Ende Avril bettelte der aus Litzseld bei Bieden- kops gcbüttige Taglöhnrr W. Sch. in einem Lause in der Süd anlagc dahier. Als er von der allein im Lause anwcscnden Ehefrau des Lausbesitzcrs abgewicicn wurde, wurde er frech und zudringlich und stellte der Frau einen unsittlichen Antrag. Ta Straianirag gestellt ist, wurde Sch. heilte wegen Beleidigung zu 4 Wochen Geiängnis, wegen Bcitclns zu 2 Wochen Hast ver urteüt und »hm aus die Slraje 3 Wochen Unicrsudiuugshist migerechnei. — Wegen „fahrlässiger B ra n d fti j i n n I," erhielt das Ticnstmädchen E. W. von Büdesheim bei Bingen eine Geldstrafe von 80 Mark, sie war in Gießen bei dem Kaufmann O. in der Bleichstraße in Sielinng. 'Am Morgen des 25. Januars betrat sie mit einer brennenden Kerze den Bodenraum und setzte durch Unachtsamkeit dort hängende Wäscht' stücke in Brand. Das Feuer griff rasch um sich und brannte der ganze Mansardenstock nieder und wurde ein großer Atobiliar- sckfadcn verursacht. Tie W. wollte den Verdacht durch cm ano- NNmes Schriststück von sich abwälzcn, legte aber später ein um- sasscndcs Geständnis ab. Kiel, 26, Mai. Vor der Straskainmer I bcgmlii hcittc die Verlmidlung gegen den früheren Oberausseher des Kieler lGcsängnisscs Li st ermann, den ehemaligen Geriihtkdiencr Rolf und eine Reihe weiterer Angeklagter wegen Bcstechnng nn Zusanimenhang mit dem Kieler ,Werf tproretz im Jahre 1909, Washington, 25. Mai. Ein Urteil, das der oberste Gerichtshof gefällt lmt, bat peaktisch die Bedeutung, daß diejenigen, die durch den u tt t e r a a n g der „Titanic" Verwandte oder Eigentuiii verloren haben, durch die amerikanischen Gerichte keinen Schadenersatz erhalten lömien. Ter Gc- licknshof entschied, daß die Daftbarkcit der Ozcanic Navigation Comvanp gegenüber den Ansprüchen, die in einer Gesamihöhc von 52 Millionen Mark erngekiagt waren, durch das amerikanische baftvtlichigcsetz von 1881 aus den Wert der acborgencn Güter >und aus die Beträge der Fracht- und Fahrtartcu beschränkt wäre, die iür die letzte Reife der „Titanic" bezahlt waren, und diese bclicsen sich auf 364 000 Mark, i Line morganatilche Verlobung im rialerhans. In Bristow bei Teterow fand am gestrigen Dienstag die Verlobung des Prinzen Oskar von Preußen mit der Gräfin Ina Marie v. Bassemitz, der zweiten Tochter deS mecklenburgischen Staatsministcrs Grafe» v, Dassc- witz-Leoetzow und der Gräfin Margarethe v. Basscwitz, geh. Gräfin v. d. Sehiilenburg, statt, nachdem der Kaiser dem Prinzen seine Einwilligung zur Eingebung einer morganatischen Verbindung ertcill hat, lieber den Termin der Vcrinählnng sind noch keine Bestiunnnngen getroffen, _ tfimtdiirialirt. Mailand, 26. Mai. Die Sülle des lenkliarcn LustschiffeS „Usuell i" ist gestern bei Vanzaghello in der Nähe von Galla- raic ausgesunden worden.__ Universitäts-Nachrichten. — Eine Konferenz russischer Studenten. Bern, 26. Mai. Heute trat in Bern eine von den russischen Studcntcnorganisationcn säst aller europäischen Universitäten beschickte Konferenz zusammen, um die durch den Beschluß der dentschen und schweizerischen Universitäten über die Zulassung von russischen Studierenden geschaffene Lage zu besprechen. Außer mehreren hundert Abgeordneten der Studentenschaft waren viele russische Professoren und Schriftsteller sowie eine große Zahl ausländischer Pressevertreter erschienen. Die Konferenz befaßte sich mit der Frage der Gründung einer russischen Universität in Westeuropa oder der Anglicderung einer russischen Abteilung an eine bereits bestehende Universität sowie mit der Frage einer allgemeinen Untcrstützungskasse für die im Anslande lebenden russischen Studierenden, wofür große Summen zur Verfügung stehen. Professor Reichest, e rg-Bern begrüßte die Konferenz als deren Ehrenpräsident und sprach den Wunsch aus, daß die Tagung praktische Ergebnisse zeitigen möge. Vermischte«. * Unter den Rädern. Aus K o l m a r , 26. Mai, meldet ein Privatlelcgramm: Heute mittag kurz vor 12 Uhr warf sich ein aus dem Reichslande ftamincnder Soldat, namens Leonhard Wirz in dem Augenblick, als er von einem Gendarmen wegen Desertion verhallet werden sollte, vor den gerade cinfahrendcn Personcnzug in Weier im Tal und wurde sofort getötet. * T I e schweren Gewitter der letztcn Tage habcii in Süddeuischland teilweise großen Schaden angcrichtct. In Eichst ä t t c n äsckiertc der Blitz vier Gebäude ein) in LaII geII- iv i n k c l bei Lahr suhr der Blitz in das Laus eines Landiviris lund verletzte diesen und seine Tochter schwer. In Haslach schlug der Blitz in das Elektrizitätswerk und richtete große Zerstörungen an. * Bei deni Sturm auf der Wolga gingen acht mit Holz und Kalk beladene Kähne unter. In einem am User liegenden Tors wurden 4 2 Häuser zerstört, zehn von den Fluten mst- gcrlsscn. Es sind Opfer VN Menschenleben zu beklagen. Bei R o w ii o j c (Gouv. Samara! sind infolge des Sturmes viele große und klcine Schisse gesunken. Auch dort sind Menschen nmgelominen. * Ein Üassenbotc Übersallcn. Aus C herb in, 26. Mai, meldet ein Privattclegramm: Aus dem Wege vom Bahn hot zur Bahnvcrwallung wurde der Bahiikasscnbote.'der 30000 Rubel bei sich irug, von Räubern in chinesischer Kleidung überfallen und nebst einem begleitenden Soldaten getötet. Zwei weitere Beglester wurden durch acht Schüsse lebensgefährlich verwundet. * In den Banmwollagcrn zu Bombay wurden 16900 Ballen Baumwolle durch Feuer zerstört Der Schaden beträgt etwa 2 Millionen Rupien. Es war dies der vierzigste Brand seit 23. März d. I. Tic Ursache der Brände ist noch nicht auigctlari. * Schreck ensszcnc ii bei einer Fe u c rsbru n st. Aus Petersburg, 25. Mai, wird gemeldet! In der Ortschaft Pvrochwhje, unwert Petersburg, brach in dem Dachraum eines Holzhauses Feuer aus, da« Mit rasender Schnelligkeit das zweite Stockwerk ergriff, wo der Arbeiter Fedorow mit seiner Frau und siclben Kindern loohnie. Die Frau stürzte sich aus dem Fenster auf die Straße, der Mann, der sic zurückhalieii wollte, stürzte ebensaUs auf das Pflaster; beide imirdcn schwer verletzt, Tic lieben Kinder verbrannten. Elf Arbeiter, die sich aus den Fenstern der angrenzenden Häickckr, auf die das Feuer überging, auf die Straße stürzten, erhielten Verletzungen. * Der Zwist im Hause Wagner Aus München, 25. Mai, wird gemeldet! Tie „Münckien-Augsburger Abendzig." fährt heute mit ihren Veröstcntlichungen zum Konflikt im Hause Wagner fort. Soweit die Mitteilungen des Blattes neues Material enthalten, beruht dieses in der ZusaMmenstcllimg verschiedener Angaben, wonach Frau Isolde Beidler bisher fortgesetzt reiche Mittel tu der Form von Jahrcsrenten bezogen habe, »'doch erst dann mit ihren Rechtsansprüchen auf Wagners Erbe hcrvorge- treten sei und mit Skandal gedroht und Klage erhoben l>abc, als die Summe ihr von der Familie Wagner wegen des Fortfalls dcr Taniiemcii aus den Betrag von 22 000 Mark pro Jahr scst- gesctzt wurde. Eingesandt. (Für Form und Inhalt oller unter dieser Rubrik siehe,. Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber teincrlei Verantwortung.) Gießen, 26. Mar i Am Sonntag vormittag war ein Wagenführer der Straßenbahn noch nicht im Besitze der 14 Fährmacken zu einer Mark. Auf die Frage, ob sie denn am Nachmittag zu erhalten seien, erklärte der Wagenführer, daß er das nicht wisse. Wie kann so etwas Vorkommen? Warum werden die Leute nicht so insttuiert, daß sie dem Publikum eine genaue 'Auskunft geben können V Wcikcraussichien in Heilen a»> Touuersiaa, den 28 Mai 1811: Vorwiegend lrüb Mid wattig, Regeniälle, nur Ivenig wärmer, »ord- ösiliche Winde. Mfl m kml Sotfi in ßifflen Im Avril erschien in meinci» Verlage; Illustrierter Wegweiser durch den 16564R Bonelsbery mit Wettern« und die stch dnranschlicßcnbcn schönste» Teile dcr Rhön. Unter Mitwirkung von Miiqiicder» des Bogelsbergcr Höhen-Clubs bearbeitet v. Hermann Oester« 14®. Mil 3 I!arten. 4 Plänen und über 100 Abbttdun ren. Zirka 20 Bogen Text. Flexibel gebunden M. 2.—. Man kann das ausgezeichnete Werkchen aeradez» als 'Mutier eines Wanderbuches bezeichnen, sowohl binückniich dcr »mlassenden Redandlung des nn Nniur- ichönhciien verlchivenderttch auc-geitaiieicn Gebietes im Herzen Dcuischlands mir feiner reichen Geichichie, wie angesichlS der klaren und uberüäiiiichen Kübrriiig und dcr vorzüglichen Karlen mit den eingeirugeiien farbigen Wegemgikierungen. Dazu komu» noär der allgemeine Teil mii seinem rci en volkskundlichen, narur- wie kuiiurgcschichilichen Inbatt, Berliner Bolkszcitung iNr, 2!7i, 23. Mai 1914. ES i» aerobe-u erstaunlich, was dieier wertvolle Führer in seiner Reichbattigkcil und Nebcrlichilichkeii alles bierci. Der VogclSberg, die Wetterau, wre die Rilün gcdürcn zu den ichöiiüen Austiiigsaegeii-.c» unseres drulschcn Paierlandes. Wer sich nun über diese herrlichen Ausfiugsoiie schnell orienliercn wili. der nehme diesen vralii-chen Führer zur Hand, mit Hilfe dessen er ans all die Schönheiten dieser <3 aen- deii auimcrksam aemachl wird. Für Tviiriste» ist er insofern uneuibelirlich, als er alle Wege gengu nn gib,. Der irrt des Führers meid» inioiern non den iibiigcn angeuebm ab, als er ln leicht slüsnacin, ieuilicioniiiüchen Sille gehaiicn ift und daher null, eine iiueicssanie Reiieickiurc vildel sür alle Besucher dietes sdiüncn Gcbiraes, Der billiae Preis von nur Mk. 2.— iür diesen über 300 Seiten starken Führer ii, geradezu erstaunlich. Badische Rrucstc Nachrichten iNr, 236), 23. Mai 1914. Uebcr 100 Abbildungen, Siädic, Landsckaiicn, Traduen darstellend, schmücken den Band, der aus das ausiüdrtichste seinem Heimnigebiere Rechnung irägi und dem Touristen viele viakuschc Winke gibt, io daß idm an Hand dieses Führers kein landichaii- licki schöner Punkl, keine historiich merkwürdige Siäiie bei dcr 'Wanderung in den dortigen Gegenden eni- gcben wird. Skizzen und Plaudereien, die an oasien- der Stelle in den Ten eingeiireui lind, gebe» dem Leser „Iglcich Anischiiis; über Sitten und Gebräuche der Bewohner des Vogelsbergs, der Rbön und der Wellcrau und tragen zur vtelchdattigkeil des Führers in vorieildastcr und zwecken!,'»rechender Wette bei. Dem Führer ,'ind drei große Karlen, »ins Ueberstchis- kärichen und vier Siadtvläne beigesügl, illeine Presse". Frankfurt (Nr. 119), 23. Mai 1914. Weine Vorräte in ff*Ser , r 5 £' 3 ^, JSrtgüai^s- B. Knaissn-AnzQ||@n SjsorS- izn'l Lttd«n- B®kleidung y sowe alle FJ anes f s k t u p ui s s* ©i? werden zu bekannt bürsten Ajsv.rkai.fü-Preis^n abgegeben Kreuzplatz 15 Wilh. Horn Telephon 773 6594a Braunfels a. d. Lahn JnfJH a' 61 ’ÄSfft'i«! Prosp, 4 50—6.50-^. /vom, n. ^evcmli. von Mtthlbach, Tel 54 BraunfeSs Hotei-Rra!. |{ohme. Tel. SO. (Sin. Fulirw. Gr. Saal mii Klav. Dergnüg.- Park. Gr.GaN. Ausfl.u.Gesellsch.cmoi. Munkirei. Gmc Pens. 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