nt. u6 Der Slehener Anzeiger erscheint täglich, anher Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich «iehencrZamilienblätier: zweimal ivöchenllllikki- blattfiirdenAreirGlcben (Dienstag undFreiiag); zweimal monntl. kand- wirlschastliche ötttftagen Ferujprech - Anschlüffe: für die Redaktion 112, Verlag ». Expedition LI Adreffe kür Depeschen: Anzeiger «ictzeu. Annahme von Anzeigen iür die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Statt 164. Jahrgang Dienstag, 19. Mai 1914 Giehener Anzeiger Generat-Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und Verlag dcr Brühl'schen Univ.-Buch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulftrahe 7. Bezugspreis: monatlich75Bs^vlerlel- jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.—Vierteljahr!. ausschl. Bestell-, Zeilenpreis: lokalIbPf^ auswärls 20 Psemnq. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton", .Vermischtes^ und^Gerichts- saal": Karl Steuralh; für .Stadl und Land^ Anzeigenteil: ö. Beck. Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten. Das tschechische Panama. Alts Wien wird nns geschrieben: Kcriser Franz Josef, dessen allzu langsam fortschreitender Gencsungsprozeß bei dem hohen Atter des nicht mehr sonderlich widerstandsfähigen Patienten noch immer einige Besorgnis verursacht, hat die Tschechen einst als eine „gemischte Gesellschaft" bezeichnet, tvährend der Erzherzog- Thronfolger, wie man weiß, dieser Partei wesentlich freundlichere Gesinnungen entgegenbringt. Der Prozeß, welcher sich soeben vor dem Prager Schwurgericht gegen den Redakteur der „Narodni Lisch" Servaz Heller wegen Ehrenbeleidigung des früheren RcichsratSadgeordnetcn und Präsidenten der national-sozialen Tschechcnpartei, Dr. Karl Sviha, abspiettc, hat jenes Urteil des greisen Kaisers in glänzender Weise bestätigt. Angeklagter war in diesem Prozeßverfahren formell der genannte Redakteur des Iungtschechenblattes, aber der moralisch Verurteilte ist der Expräsident der national-sozialen Partei. Denn der Redakteur, der den tschcchi- schen Reich-sratsabgeordneten als bezahlten Polizeispitzel bezeichnet hatte, wurde glatt freigesproehen, weil die Geschworenen, durchiveg Tschechen, einstimmig dcr Meinung wären, daß der Wahrheitsbeweis vollinhaltlich erbracht sei. Es ist zwar nicht der erste Fall, daß Führer der Tschechen des Verrats an der eigenen Partei überführt worden sind, aber der Fall Sviha geht noch weit über das Maß der bisherigen Korruptionsgeschichtcn hinaus, so daß man in Anbetracht der mannigfachen Enthüllungen, welche dies Gerichtsverfahren mit sich gebracht hat, ohne Uebcrtrcibung von einem tschechischen Panama sprechen kann. Zur Erläuterung der Skandalsache, die sich vor dem Prager Schwurgericht abgespielt hat, sei bemerkt, daß es sich hierbei um den nie aufhörenden Kampf zwischen den beiden Tschechenparteien handelt, die sich freilich immer wieder brüderlich znsaimnensinden, wenn es gegen die Deutschen geht, denn in diesem Fall heißt es: Pack schlägt sich. Pack »erträgt sich. Es sind dies die Jungtschechen und die National- sozialen, von denen die ersteren den konservativen, die letzteren den radikalen Flügel der Tschechen darstellen. Diese erheben gegen die Jungtschechen den schrecklichen Vorwurf, daß sie österreichfreundlich sind, was man freilich von den Nationalsozialen in keiner Weise sagen kann. Haben sie doch wiederholt ganz ungeniert ihre Spmpathien für den Pan- slavismns zum Ansdruck gebracht, und ihr Führer Klesatsch hat es fertig gebracht, im österreichischen Abgeordnetenhaus den Ruf „Hoch Serbien!" anzustimmen, ein Beispiel, das ja neuerdings ein deutscher Sozialdemokrat mit dem Ruf „Bive la France!" nachgemacht hat. Der Streit zwischen den feindlichen Brüdern spitzte sich in letzter Zeit sehr scharf zu. als das Organ der Rattonal- soztalen, der „Ceske Slovo", die Enthüllung machte, daß das führende Blatt der Zungtschechen, die „Narodni Lisch", durch den Disposittonsfond der Regierung gespeist werde und durch diese Bestechungsgelder tm Dienste der Regierung stehe. Die Behaupttlng wurde nicht eigentlich bestritten, sondern es wurde von seiten dcr jungtschechischen Abgeordneten kaltlächelnd erwidert, man habe doch dafür sorgen müssen, daß der Dtspositionsfond auch den Tschechen ugutc komme! Gletchzeittg aber drehte die „Narodni Lisch" en Spieß um, indem sie behauptete, daß der Präsident der nationalsozialen Partei, der i. k. Bezirksrichter und Felix v. Weingartner zum Generalmusikdirektor am hosthiatcr in varmstadt ernannt. Felix von Weingartner wurde zum Generalmusikdirektor am Darmstädter Hosthcater und zum künstlerischen Beirat des Großherzogs in musikalischen Angelegenheiten ernannt. Der seunittcr übcrsicdelt im Herbst nach Tarmstadt, wo er sich sowohl als Operndirigent nie auch als Leiter der Hofmusik-Konzerte vctatigcn wird. — Seine Gattin Lncilc von Weingartner-Marcel wurde sür eine Anzahl von Gastspielen verpflichtet. Der Dichterkomponist Fclir Weingartner Edler von ?Nnnzberg ist an, 2. Juni 1863 in Zara in Dalmatien geboren und verlebte seine Jugend in Graz, wo er auch den ersten Musitünterrrcht genoß. 1879 veröffentlichte er seine erste Komposition füt Klarier, die ihm ein österreichisches Stipendium einbrachte, so daß er nach Mlaus seiner Gymnasialzeit sich am Leipziger Äoniervatorium dem Studium dcr Musik widmen konnte. 1882 machte er die Bekanntschaft Ltszts. dcr ilyu ermunterte, nach Weimar zu ziehen und bei der dortigen Intendanz auch die Annahme von Weingartners erster Oper „Takuntala" erlangte. So mit der Bühne in Berührung gelangt, schlug Weingartner die Kapellmeister-Karriere em und ivar der »Reihe nach in Königsberg, Danzig, Hamburg und Mannheim tätig, um dann 1891 einem Rufe nach Berlin Folge zu leisten. 1898 gab er seine Stellung an der Hosovcr aus und behielt nur die Leitung der Hoskonzerte bei. Nach selnm Ucbersiedttnng nach München stand er einige Jahre lang an dcr Spitze des Kaint- Orchcsters, das unter ihm seine Blütezeit erlebte. 1998 bis 1911 leitete Weingartner als Nachsolger Gustav Mahlers die Wiener Hosoper und lebt seit dieser Zeit seinem kompositorischen -chaficii. Seine Opern „Genesius" und „Orestes", drei Sinfonien, zahlreiche kleinere Orchester- und Kammcrmusckwerke, eine Musik zu Faust, ein Violinkonzert, Chorwerke und über hundert viclgesungcne Lieder künden den Ruhm ihres Schöpfers. Lncilc von Weingartner-Marcel ist am 15. November 1883 in New Bork geboren und gciwß ihre Ansvildung bei dem Pariser! Vortraasmeistcr Jean des Reszke. Ihr erstes Engagement führte die Künstlerin an die Wiener Hofopcr, wo sie als Margarete, Eva und Tosca sehr gefeiert wurde und namentlich als Electra bei der Premiere des Straußschcn Werkes Aufsehen erregte. Nach einem Jahr gab sic ihre Steilung mt dcr Wiener Hofover auf und ist seither eine dcr gesuchtesten gasfterenden Sopranistinnen mt Konzertsaal wie auf der Bühne. Am! 29. Januar 9913 wurde in Amerika ihre Ehe mit Felix von Weingartner vollzöge,iz dessen Kunst in ihr eine siegessichcre Vorkämvierin erhalten hat. » Reichsratsabgeordnete Dr. Sviha, unter dem Pseudonym „Wiener" besoldeter Polizeispitzel mit einem Gehalt vvn früher 600 und jetzt 800 Kronen monatlich sowie einigen Nebenbezügen sei. Dr. Sviha alias Wiener schwieg zuerst, leugnete dann, drohte mit einer Beleidigungsllagc, gab sich dann sür krank aus, legte seine Aemter und Atandate nieder, verschwand aus Prag, kehrte wieder und klagte zum Schluß doch, worüber er allen Grund hatte zu klagen, denn das Schwurgericht sprach den Beleidiger frei und sah den Wahrheitsbeweis als restlos gelungen an. In der Tat ist in dem Prozeß erwiesen worden, daß der Führer der nationalsozialen Partei im Dienst der Polizei zwecks Verrats dcr eigenen Partei stand, und daß er dasür gut honoriert wurde. Erhielt er doch sogar 3000 Kronen für Wahlzwecke von dem Kabinett Biencrth, gegen das er für seine Partei offiziell tättfj tvar! So wurde das Kabinett über alle Abmachungen zwischen den beiden tschechischen Parteien prompt unterrichtet, und ebenso verriet Sviha die von den Tschechen getroffene Vereinbarung über die Sprachenvorlage. Im übrigen ging aus manchen Andeutungen in dem Prozeßverfahren klär hervor, daß Dr. Sviha durchaus nicht der einzige tschechische Politiker ist, der einen derartigen Nebenerwerb betreibt. Durch dieses tschechisches Panama ist aber zugleich die politische Polizei in Oesterreich auf das ichwerstc bloßgestellt, denn es wurde erwiesen, daß deren System sich ungeniert aus der Bestechung ausbant. Wurde doch unter anderem festgestellt, daß die Polizei zuerst einen Angestellten des deutschen Volksrats und dann Postbeamte zu bestechen suchte, um diese Organisation der Deutschen in Böhmen zu überwachen, und daß ihr das nur mißlang, weil sie das Pech hatte, an unbestechliche Leute zu geraten. Der Prozeß Sviha wird vielleicht zu weiteren politischen Konsequenzen führen, da die deutschen Parteien — die Tschechen werden sttll- schweigcn, weil sie alle Ursache haben — entschlossen sind, gegen dies Korrupttonssystem im Reichsrat vorzugchcn. Ob dabei freilich viel mehr herauskommen wird als stimmungsvolle Reden und mcmnhaste Beschlüsse, das steht auf einem anderen Blatt. Die Verständigung im Lpiru;. A t he n, 18. Mai. (Agence d'Athenes., Deute ist das Protokoll über die Verständigung zwischen den Epiroten und den Alba-, ncscn unterzeichnet worden. Es enthält fogende Privisie- gien: Die lokale Gendarmerie darf nicht außerhalb Epirus verlegt werden, außer, wenn dies durch höhere Gewalt erfordert wird, die durch den internationalen Kontrollausschuß gerechtfertigt wird. Die griechische und die albanische Sprache werden in den drei untersten Klassen gelehrt. Die griechische Sprache wird als Verwaltungs- und Gerichtssprache in Epirus gebraucht. Der schriftliche Verkehr mit der Zcntralregierung IN Durazzo erfolgt in albanischer Sprache. Die beiden Verwaltungen in Koritza und Ar» gyrokastro werden durch christliche Gouverneure geleitet, die von dcr albanischen Regierung ernannt werden. Es werden zwei Verwaltungsbciräte durch eine allgemeine Volksabstimmung geschaffen, denen die Gouverneure wahrscheinlich verantwortlich sein werden. Die Beschwerden der Chimarioten werden den Mächten unterbreitet. Die albanesische Regteriing wird den Eingeborenen in Epirus einen allgemeinen Sträserlaß gewähren, die unter den Massen bleibeil werden, im mit den Offizieren eine Irene Grundlage für eine neue Gendarmerie zu bilden. Die sremdcn Freiwilligen ivcrden das Land verlassen. Diese Neuordnung wird eingerichtet Und übenvacht vom internationalen Kontrollausschuß, dcr sich nach Chimara begibt. Die Ausführung und Beobachtung der genannten Zugeständnisse wird von den Mächten garantiert. Schadow und Goethe. Zum 150. Geburtstage Gottstteb Schadows, 20. Mai. Der „alte Schadow" —■ unter diesem Namen wird er in der Kunstgeschichte gcsührt, schon um ihn von seinem Sohne, dem Düsseldorfer Schadow zu unterscheiden — der alte Schadow war ein Voll- und Prachtmensch. Ein alter Berliner von echtem Schrot imd Koni: gescheit, derb, geradezu, Kops und Herz am rechten Flecke, und nie um ein kräfttg Wörtlcin und um einen schlagenden Witz verlegen. Er ließ sich nicht verblüffen und er ließ sich nicht den Mund verbieten. Er liebte und verehrte Gocthen in hohem Maße, aber auch von ihm nahm er den Aussall gegen Kunst und Künstler Berlins, den Goethe >m Jahre 1800 in den „Propyläen" veröffentlichte, nicht stillschwei gend hin. Damals hatte Goethe geschrieben: „In Berlin scheint außer deni individuellen Verdienst bekannter Meister, der Naturalismus mit der Wirklichkttts- und Nützlichkeitsfordcrung zu Dause zu sein und der prosaische Zeitgeist sich am meisten zu os- scnbarcn." Schadow hatte den Muh aus dieses Urteil Goethes in einem Aufsätze, jden er in der „Eunomia" verösfentlichte, zu antworten. In diesem Aussätze sprach er aus: „Mich sollte es freuen, wenn wir einen charakteristischen Kunstsinn besäßen, und obwohl dieser in den Propyläen als ein solcher betrachtet wird, welcher auf die niedrigste Stufe gehört, so ist es doch der einzige, durch loclchen wir Deutschen dahin kommen, Kunstwerke hervor- zubttngcn, in welchen man uns selbst sähe." Was da der Berliner Meister sagte, war nicht mehr und nicht loentger als eine offene Kriegserklärung an den wcimattschen Klassizismus. Erfrischend ist es, wie der kernige Künstler sich überall für das Ursprüngliche und gegen jede Nachahmung erklärt. „Seit anderthalb hundert Jahren schon sind wir Nachahmer der Welschen und der Franzosen, oder Graeculi, anstatt zu geben und cmszubilden, was in uns ist, analen mir uns, etwas hcrvorznbringen, was den,! von diesen Fremden Gemachten ähnlich ist." Der so schrieb, war dcr Mann, dcr im Berliner Zietendenkmal zuerst es gewagt Tratte, einen preußischen Kriegshelden in preußischer Unisorm >darzustcllcn, und, durchweg seiner Auffassung treu, hatte er die — im Sinne Goethes gesprochen t— Kühn lieft, den national- englischen Hogarth nnd' seine Arbeiten allen Schöpfungen der englischen Pseudoklassizisien vorzuziehen. Schadows Aussatz hat seinerzeit viel Aussehen erregt, und er wird von der heutigen Kunstgeschichte mit Recht als eine höchst wcrtvotte Urkunde sür die Auflehnnug natürlichen Kunstempfindens gegen die Herrschaft des Dogmas in der Kunst geschätzt. Wie hat nun aber Schadows freimütige Erklärung aus Gocthen gewirkt? Persönlich konnte sich der Dichter nicht gut verletzt: fühlen, da Schadow in seinem Aufiatze von ilM mit wärmster Verehrung und höchste,: Schätzung gesprochen hatte: aber er fühlte sich miß- Addankung Huertas? Washington, 18. Mai. Depeschen ans maßgebender diplomatischer Quelle aus Mexiko City an die hiesigen ausländischen Vertreter erklären, Huerta habe die mexikanischen Delegierten ermächtigt, seine Abdankung zu unterbreiten, falls dies int Interesse der Friedcnsvcrhandlungcn notwendig erscheine. Dies bestätigt Andeutungen, welche Freunde dcr Delegierten gestern hier machten. Dse „B. Z." meldet ans Veracruz: Hucrta ist an einem schweren Rücken marksleidcn erkrankt und bettlägerig. Es verlautete, er habe Selbstmord begangen, doch stellte sich heraus, daß das Gerücht unbegründet war. Menschenmengen durchzogen die Straßen und es kam zu Zusammenstößen mit dcr Polizei. Eine Anzahl Leute wurde verhastct. Washington, 18. Mai. August Rodriguez, der Vertreter Mexikos bei der Fttedcnsvermittlunaskonscrcnz, hat entschieden in Abrede ge st eilt, daß Huerta sich zur Abdankung bereit erklärt habe. Düutscdss Reich. Der Kaiser mit Gesolqe tras am Montag vormittag gegen 10 Uhr auf der Saal bürg ein, wo er vom Baurat Jalobi.empfangen wurde. Während des etwa, cinsttin- digxn Aufenthaltes auf dem Kastell besichtigte der Kaiser die neuen Münzen vom Kastell Zugmanteh die Abgüsse von Dentsteinen, welche die Städte Köln und Dortmund gestistet haben, und die Büsten der römischen Kaiser, geschenkt von Herrn Reißinger New Bork. Der Kaiser begrüßte den Geh. Oberbaurat Dr. Metdcnbauer-Berlin und gratulierte ihm zum 80. Geburtstage. Herr Moser, Gründer und Leiter der Firma D. A. Maysarth u. Co., Maschinenfabrik, führte eine rckonstruicrle gallische Mähmaschine und der Herr Fabrikant Josef Braß-Lberursel eine rekonstruierte römische Mühle vor. Um!,U Uhr traf der Kaiser von dcr Saalburg kommend am Kaiser-Wilhelm-II.-Park in Homburg ein und wurde am Turstbrunnen von den Spitzen dcr städtischen Behörden, Oberbürgermeister Lübkc, Stadt- vcrordnetcnvorstand Dr. Rüdiger nnd Kurdirektor Gras von Zeppelin empfangen. Er ließ sich den Sttfter des Brunnens, Landrai a. D. von Brüning ans Bad-Homburg und den Schöpfer Bildhauer Hans Dommann-Berlin-Grunc- wald vorstellen und verweilte mit den Herren in längerem Gespräch. Vom Durstbrunnen aus ging Se. Majestät zum siamesischen Tempel, der ,jhm vom Bürgermeister Lübke genau erklärt wurde. Zuletzt besichttgte ° der Kaiser die Kuranlagen und den Ettsabethbrunnen, der vergangenen Winter hne neue Einfassung erhalten hat. Der Kaiser sprach sich üt>er das Gesehene sehr erfreut aus und verließ kurz vor 12 Uhr Bad-Hombnrg, um nach Wiesbaden zurückzukchren. — Dem Kaiser wurden auf der Saalburg von dem Direktor des Saalburgmuseums Jacoln neue Funde gezeigt. — Gegen 1 Uhr ist dcr Kaiser nach Wiesbaden zurückgekehrt. — Den Abschluß der diesjährigen Festvor- stettungen bildete am Montag abend Webers „O b e r o n" mit der Einrichtung, die ihm Georg von Hülfen gegeben hat. Der Kaiser wohnte der Vorstellung bei und ist nach Schluß des Theaters^ um 10 Uhr 50 Min. nach Mldpark abgereist. Vom Reichskanzler. Ein Berliner Tclegranzm der „Kölnischen Zeitung" stellt gegenüber dem in einigen Blättern wiedcr- gegcbenen Gerüchte, der Reichskanzler bcabsichttge einen mehrmonatigen Urlaub anzutreten, seit, daß der Reichskanzler auch in diesem Sommer seine Fetten nickt, anders halten wird. Ipie im vorigen Jahre. Dcr Urlaub werde die übliche Dauer nicht überschreiten. vctttandcn und er war jedenfalls lies verstimmt. Schadow hat sich Wohl nicht so ganz Rechenschaft darüber gegeben, wie empjind- lich dcr Olympicr gegen solchen offenen Widerspruch war, und wie großes Gewicht er gerade aus die Anerkennung seiner Grundgedanken über Kunst legte. Er nahm darum keinen Anstand, als er im Jahre 1802 nach Weimar kam, auch Goethe» sttnen Besuch abzustatten. Der Empfang ivar sttts formell. Viellttcht wären die Beiden sich nun im (bespräche doch näher getreten, als Schadow eine Ungeschicklichkeit beging, durch die er Gocthen ganz vor den Kopf sficß. Er fragte ihn nämlich, ob er ihm erlauben würde, mit dem Zirkel die Maße nehmend, seinen Kops zu zeichnen. Da hatte er an die falsche Türe gepocht. Steis erklärte Gotthe das sür bedenklich: er argwöhnte, dag sein Kops zur Demonstration der Gallschen Schädellehrc bc- ’ nutzt werden sollte mid lehnte ab. Das Gespräch wurde unterbrochen und am Ende entließ Goethe seinen Berliner Gast mit einem frostigen Abschiede. Er hatte gegen ihn noch etwas Anderes aus dem Herzen: er hatte ihn im Verdacht, daß er zu Kotzcbuc halte. Wirklich l>at Schadow in Weimar mit Kotzebue verkehrt, und dieser hat sich damals auch zu Schadow sttndlich über Gotthe ausgesprochen, „Wenn wir ihn machen, ließen (fo sagte er damals zu dem Künstler,, müßten jvir nnc Erlaubnis haben von ihm zu jedem Vorhaben." Wie dem auch sei, Schadow und Gotthe standen von Stund an aut gespanntem Fuße, und Goethe hat sich über seinen Besucher damals sehr unverblümt ausgesbrochen. Schadow habe ihn, fo sagte er voller Unmut, wie dtt Oberon den Sultan, gleich um ttn paar Backzähne und Haare aus sttnem Bart gebeten. Und er ließ cs nicht btt Wottm bewenden, sondern arbeitete zu. Schadows großem Vecdrusse eifrig dagegen, daß der Berlinet Meister den Austrag zu einer Büste Wielands erhielt. Ucber ein jFahrzehnt haben sich die bcidttt Männer dann fremd und kühl gegenüber gtttanden; und wenn sich das Verhältnis später geändert und gebessett hat, so war es ttn gemeinsames Wirken, das sie zu- sammensühtte. Dabtt handelte es sich um das bekannte Blücher- idcnknral sür Roswck. Der Austrag ivar Schadow erteilt, Gotthe aber war um Rat für den Entwuri gefragt worden. Sttnem Gc- schmackc gttrcn schlug er sür den Helden von Wahlstatt eine „an- tilische" Tracht vor und Schadow sah sich genötigt, aus diesen Gedanken ttnzugchen. Tanfit wurde er sttnen ttgencn künstlerischen Ueberzeugungen untreu: hatte er doch ttnst das gute Wort ausgesprochen , „Jede fremde Tracht ist ttne Verstellung und dient nur dazu, die Sache unkenntlich zu machen": das Gewand ttnes Helden „mochte es sttn, wie es woUte, wird durch ihn geheiligt". Und jetzt wars er sttnen, Blücher doch den phantastisch-antiken Mantel über! Es hat dem Werke nicht zum Vorteile gereicht: der charaktervolle Pvrträtkops steht zu dem theatralischen Kostüme in empsind> lichem Widerspruche. Aber um diesen Pcttz hafte sich denn doch Der Rcichsvoranschlag für 1914 ist durch die Beschlüsse des Rnchstages in 2. Lesung um 8 4 2 655 Mart gekürzt worben. Er balanciert mit 3 497 930 350 Dtart statt 3 498 773 005 Mk brr Borlage. Durch Anleihe sollen 17747 160 i statt 17 697 160 Mk.) qeüeckt werden. Jnl Heeresetat sind 11V, Kuilleoiee« Mark abgestvichen worden. Anträg«imReichstaa. Zur I. Voranschlag s- kesung beantragt im Reichstage Dr. <8 ra f von P ofadowS kt,-Wehn e r den Reichskanzler zu ersuchen, rin Interesse des Schutzes der Heimarbeiter auf eine beschleunigte und allgemeinere Durchführung des Hausarbeits- gesetz.es hinzuwirken. Der Antrag ist von Mitgliedern aKer bürgerlichen Parteien unterstützt. — Das Zentrum verlangt Entwürfe über den Ausbau des Koalitionsrechts der Arbeiter und Schaffung eines Reichseini- gnngsamtes, ein Antrag Schiffer-Magdeburg ersucht die Regierungen, im nächsten Voranschlag angemessene Beträge zur Bewährung von BeihilfenandaspreiißischeZen- trakinstitut für Erziehung und Unterricht ein- zusteklen. — Zur 2. Le sungder Militär st ras ge setz- novekle beantragt Dr. Müller-Meiningen, bei Verabredungen mehrerer Personen zur Fahnenflucht die Zuchthausstrafe um einen Monat bis zu fünf Jahren zu erhöhen. Die Vcrkchrseinnahmen der deutschen Haupt- Und vollspurigen Nebenbahnen im 2lpril 1914 betrugen nach der im Reichseisenbahnamt ausgestellten Ueberiicht im Personenverkehr 89 312 207 Mk. im ganzen und 1474 Mk. aut einen Kilonreter, das ist gegen das Vorfahr 16 777 561 Mk. im ganzen mehr oder 21,92 Prozent pro Kilometer mehr: im Güterverkehr 184 682 457 Mk. im ganzen und 2954 Mk. pro Kilometer, gegen das Banal» 4 693 086 Mk. im stanzen weniger, oder 3,58 Prozent pro Kilometer weniger. Bei der Beurteilung der Ein- nahmcergebnissc ist die Lage des Osterfestes (1914 im April und 1913 ini Marz', zu berücksichtigen. Ter König von Bayern kehrt am Dienstag nach 18tägigem Ausenthalt von 'Sarvar nach München zurück. Die königliche Familie gedenkt noch zwei Wochen zu bleiben. Der König hat sich icber den Aufenthalt sehr befriedigt ausgesprochen. Der Abgeordnete Liebknecht hat, so schreibt man der Köln. Ztg. aus Berlin, im „Vorwärts" gegen den im Februar in Trier verstorbenen Gouverneur von Metz, Generalleutnant von Lindcnau, schwere Beschuldigungen erhoben. Er teilt mit, der .Verstorbene lzabe eine Schuldenlast von einer Million hinterlassen, von der die Gläubiger höchstens einige Prozent erhalten würden, und er habe sich seine Vermittlung bei Beschaffung von Titeln bezablcn lassen. Als Beweis dafür gibt Liebknecht eine von dem Verstorbenen Unterzeichnete Quittung wieder, worin er bestätigt, von einem Arzt einen Geldbetrag empfangen zu haben, mit der Mastgabe, dast die Summe verfallen sei, wenn der Arzt nicht spätestens bis zum 1, Juli d, I. zum preustischen Medizinalvrofessor ernannt worden sei. Diesen Mitteilungen stellt Liebknecht die Acußerunqen hoher Anerkennung gegenüber, die über das militärische Wirken Lindenans vom Kaiser vorliegen, und die in der Presse verschiedener Richtungen laut geworden sind, und erinnert daran, dast Lindenau auch sür den Posten eines Kriegsministers in Betracht gekommen sei. Die Blätter nehmen vcm diesen Mitteilungen Notiz und drücken die Erwartung aus, daß eine Untersuchung Klarheit darüber schassen nrüsse, ob sich der Verstorbene wirklich zu solchen Machenschaften habe hinreihen lassen. Ohne Unterschied der Partei weist man die sinnlose Verallgemeinerung zurück, mit der Liebknecht in diesem Falle ein Symptom der „kapitalistischen Korruption" erblickt. nmlaits. Englands Admiralität versorgt sich mit Oel. Wie aus City-Kreisen berichtet wird, hat die englische Regierung Anstalten getroffen, der anglo-persischen Company eine Garantie von 40 Millionen Mark zn gewähren unter der Bedingung, daß die Admiralität das Vorkaufsrecht auf die gesamte Produktion in den Oelsckdern der Company erhält. Griechenland und die Türkei. Aus Berlin, 18. Mai, wird gemeldet! IN hiesigen diplomatischen Kreisen sieht man in dem Satz der türkische,, Thronrede, daß die Jnselsrage nur von den Großmächten entschieden werden könne, eine nur uoch schlecht verhüllte Drohung gegen Griechenland. Andererseits ist die Türkei entschlossen, die Entscheidung der Mächte betr. Chios und Mythilene um jeden Preis umzustoßen. Turkhan Pascha ist am Montag in Ofenpest ein- getrosfcn, um mit dem Grasen Bcrchtold zu konferiere». Ein Abenteuer des Königs von Spanien. Aus Madrid wird gemeldet: König Mions wurde am gestrigen Montag, als er ohne Eskorte einen Spaziergang in der Nähe der Esplanade Caballerizes unternahm, voneinerWachefestgenom- Mtn, die ihn ntcht erkannte. Der König sagte: Ich bin der König, kennst du mich nicht? Der Soldat bat um Verzeihung !unb präsentierte darauf. 'Der König entfernte sich sehr belustigt. Schadow wenigstens die Schätzung und das Wohlwollen Goethes erioorben. seit jener Zeit entspann sich zwischen den beiden ein Briefwechsel, der von seiten Goethes mit steigendem Interesse und Wohlwollen geführt wurde, und cs kam zum Austausche freundlicher Gesinnungen und freundlicher Spenden zwischen dein Dichter und dem Bildhauer. Es hat den Anschein, als ob sich Schadow in älteren Tagen auch mit Goethes Kunstcmschauungen mehr be- sreundet bat. In seiner wunderlich-spröden Weis« hat er in seinen „Kunstaniichten" den Tod Goethes folgendermaßen verzeichnet! „Einen herben Verlust erlitt die ganze zivilisiertc Welt am 22. März 1832 durch den Tod des Herrn von Goethe. Seine Erzeugnisse als Dilettant in der Kunst, mehr noch freilich seine Schritten, werden ihn auch dem ausübenden Künstler unvergeßlich und unentbehrlich machen." — Darntstädter Künstler - Kolonie. Anläßlich der Erössnimg der Ansstellnnq der Dormstädter Künstler-Kolonie fand heule mittag ans der Matbildenhöhe ein Festmahl statt, an dem xr Grostherzog, die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden sowie zahlreiche kiesige und auswärtige Gäste tcilnahmrn. Ter Grostherzog sprach sn kurzen Worten der Versammlung seinen Gruß aus und gab seiner Freude imb seinem Danke Ausdruck über das Zustandekommen der Ansstelluua und trank aick das Wohl Inner Darmstädter Künstlerkolonie. Geheimer Rat Römbeld, der Vorstand des Grvstherzoglichen Kabinetts, hielt eine Ansprache, in der er hervorhob, dast sich die Darmstädter Knnstlerlolonie zu einem wvhlgeiestigten staatlichen Organismus entwickelt babc, von denr man erwarten dürste, dast er auch in Zukunst an der Entfaltung der künstlerischen Kultur unseres Vaterlandes seinen Anteil Koben werde. Dast dieses gesagt werden könne, sei den? festen und treuen Willen zu danken, mit dem der Großherzog trotz Sorge Und Mühe, auch durch schwere Rückschläge nicht entmutigt, den vor 15 Jahren betretenen Weg weiter gegangen sei. Der Redner sprach sncraut dem Grostherzog seiimn Donk sür die Förderung, die er der Dormstädter Künstlerkolonie habe angedeihen lassen, und allen, igc zu dem (Zustandekommen der Ausslellirng beigetragen hiben. aus und schloß nnt einem Hoch aus den Grostherzog. — Der Groß. Herzog hat eine Meist- twn Auszeichnungen verliehen, ll. a. erhielten der Vorstand des Gwstherzoglichen Kabinetts R ö m h e l d den Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Erzellenz sowie der Verkäster des Festspieles Freiherr Ernst v. Wol- zogen Und der Komponist des Stückes Professor A. Mendelssohn das Ritterkreuz des Ludwigsordens. Au» Stadt und Land. Gießen, 19. Mai 1914. Straßenbahn Gießen—Wieseck. Eine Einigung in der geplanten Straßenbahnlinie Gießen— Wieseck scheint »wischen der Stadtverordnetenoersammlimg und der Gemeinde Wieicck noch in weiter Ferne zu liege». Nachdem die Stadtverordnetenversammlung am 24. April den Beschluß gefaßt hotte, daß nach ihrer Ansicht allein die Linienführung der Bahn entlang der Kreisstraßc Wieieck durch die Grabenstroße und Kvrnblumenstraße poch dem Luwenplatz in Betracht kommen könne, hat die Ge m einde Wr.es eck geltem abend in einer Bürgerversammlung den -o^chluß ge-- saßt, daß die .Bahn durch die Gießener Strotze fahren solle. Wir erhalten über die Versammlung folgenden Bericht! ^ Wiescck, 19. Mai. Am Montag abend sand hier eine gut besuchte öffentliche B ü r g c r v er s a m ml u n g .statt, die sich mit der Linienführung der elektrischen Straßenbahn befaßte. Noch eingehender Aussprache wurde einstimmig beschlossen, an den Gemeindeoorstand eine Entschließung zu richten, in welcher betont werden soll, daß nach Ansicht der Ber- sammelten die Gießen er Straße als zweckmäßigste Linie sür die Straßenbahn in Betracht komme. Der Gcmetnderat soll ersucht werden, in seiner Sitzung am Dienstag jxmentsprschend zu beschließen, ^ ** Universität. Dr. Reinhard Dem oll, der gestern einen Nus als ordentlicher Professor an die Technische Hochschule in Karlsruhe erhalten hat, wird diesem Ruse selbst, verständlich Folge leisten und im Herbst sein neues Amt an- ireten. Dr. Denioll ist in verhältniSniästig jungen Jahren Ordinarius nemordcn. Er ist am 3. Dezeuiber 1882 in Kenzingen (Amt Emendingen) bei Freiburg i. Br, geboren, besuchte das Gymnasium in Konstanz »nd studierte feit 1901, zunächst Jura in München, dann Medizin in München, Frei- burg, Paris. Bon 1906 an widniete er sich in Freiburg den Naturwisscnichastcn »nd promovierte 1908 bei Prof, Weismann, Im Wintersemester 1908 habilitierte sich Dr, Demoll an der hiesigen Universität, wo er zugleich Assistent bei Professor Dr. Spengel wurde. Durch seine unermüdliche Wirksamkeit hat er auch da? sportliche Leben an unserer Universität sehr günstig beeinstußt und nanicntlich dem Schilauf und dem TenniSipiel eifrige Freunde zugeführt. " Der Grostherzog hat am 25. April dem Vorsitzenden deS Vorschußvereins e. G. m. u. H. Butzbach, Jak. Wilhelm Hei! in Butzbach, das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Prinz Heinrich von Preuße» durchfuhr heute morgen abcrnwls im Automobil unsere Stadt. Er befand sich ans der Fahrt Frankfurt—Marburg, um dort dem weiteren Verlauf des Prinz-Heinrich-Flnges beizuwohnen. ** Kirchenrat Ernst Widmann f. Samstag, nachmittags 5Vs Uhr, verschied nach längerem schweren Leiden Kirchenrat Ernst W i d m a n n zu Darmstadt. Als Sohn eines Missionars am 29. August 1853 in Akrovong an der Goldküstc geboren, wirkte er nach Vollendung seiner Studien zuerst als Pfarrer 16 Jahre lang in Haingrüudau und Büdingen und wurde dann am 9. Juni 1893 als Nachfolger des jetzigen Prälaten 1). Dr. Flöring an die Tarmstädter Martiuskirche berufen, an der er bis zn seinem Ende tätig ivar. Außer seiner im Laufe der Jahre mit dem Zunehmen der Gemeinde stets wachsenden pfarramtlichcn Wirksamkeit betätigte er sich in einer Rrihc von gemeinnützigen und kirchlichen Vereinen. Jahrelang war er der Vorsitzende des Hessischen Landesvereins sür Innere Mission und widmete sich dem Bau und der Leitung der Epileptischen Anstalt Niedcr-Ram- stadt, die vor ollem seiner Initiative zu verdanken ist. Im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit in der Inneren Mission ließ er sich besonders die Fürsorge für die Arbeiterkolonie angelegen sein. Außerdem war er im Vorstand des Diakomsicnhauses „Elisabetben- stift", des Starkenburger Missionsvcreins und der Kirchlich-Positiven Bereinigung tätig. ** Aus dem Militärwochcnblatt. Hossmann, evang. Psarrassistent in Mainz, als Mil. Hilfsaeistlicher d. Großh. Hess. (25.) Div. in Darmstadt angcstellt. — Wagner, Großh. Hess. Gcrichtsossessor, unter Ueberweisung zu d. Int. d. XIV. M. K. zum ctatm. Mil. Int. Mscssor ernannt. ** Sonderzüge Gießen—Köln. Wie wir bereits mitteilten, sollen am 7. und 21. Juni von Gießen Sonderzüge zur Deutschen Werkhundausstellung nach Köln fahren. Es ist daher vorausgesetzt, daß sich eine genügend große Teilnehmerzahl bei der Geschäftsstelle der Deutschen Werkbundausstellung, Büngermei.ster H c ck m a nn in Köln-Deutz, anmeldet. Die Fahrpreisermäßigung beträgt 40 bis 50 Prozent dritter Klasse, wobei die Wahl des Rückfahrtzuges freigestellt bleibt. Die Anmeldung geschieht durch die Vorsitzenden der Gießener Vereine, welche die Anmeldung an Bürgermeister .heckmann meitergeben. Für solche Teilnehmer, die einem Vereine nicht angehören, hat der Gießener Anzeiger eine Anmeldestelle eröffnet. Die Liste zum Einzeichnen liegt schon jetzt in unserer Geschäftsstelle aus. ** In der Festhalle der Gewerbe-Ausstellung tritt täglich der VortragsWnstler H. K e s ch - M a r i o mit einem täglich abwechselnden Programm auf und weiß das Publikum durch seine Darbietungen vortrefflich zu unterhalten. Eine gut geschulte Mimik und ein tvohlkliugendes Organ kommen ihm bei seinen Vorträgen zu Hilfe. Sehr zu begrüßen ist es, daß der Künstler nur streng dezente Sachen zum Vortrage bringt, so daß der Besuch einer jeden Familie zu empfehlen ist. '^Freilichttheater. Es wird uns geschrieben: Die Absicht, die Freilichtbühne in die Nähe der Stadt zu verlegen und ihr durch Zuziehung von Berusskünstlern von anerkannter Bedeutung einen erhöhten künstlerischen Gehalt zu geben, ist in Gießen mit großer Freu.de begrüß: worden. Die Freilichtbühne am Ludwigsbrunnen hat zwar ihre großen Reize. Sie ist aber so fern von der Stadt, daß Leute, die weite Gänge nicht unternehmen, oder sich, warm geworden, nicht lange in den Wald setzen können, aus'ihren Besuch verzichten müssen. Noch mehr trifft dies für Auswärtige zu, dir auch sürchcn müssen, den Platz nicht zu finden. Für den Fall plötzlich cintrctcnden schlechten Wetters fehlen größere und sichere Untcrtreträunre in der Nähe. Daher war bisher gar keine Ausstattung vorhanden. Uniklerderäume, die Möglichkeit, die Garderobe auszuheben, fehlten. Einen ungemein peinlichen Eindruck machte es auch, die Spieler aus dem lichten Gebüsch in der Nähe hinter dürstigen Reisern gebückt nach dem Spielplatz schleichen und hier nun plötzlich in heroischen Rollen auftreten zu sehen. Nach langem Suchen ist es nun gelungen, einen vorzüglich geeigneten Platz dicht bei der Stadt ün Philosophenwald nahe der elektrischen Bahn zu ftnden. Geh! man von der Stadt her an der LtebigShvhe vorbei, längs des Ererzierplatzes, so liegt er etwa hundert Meter von der jenseitigen Ecke, etwa 50 Meter im Wald. Die „Bühne" ist sich im Grund jenseits des nach der Ecke lausenden und bestehen bleibenden Weges zu denken. Das Gelände für die Zuschauer steigt hier amphitheatralisch ziemlich stark an. Man sitzt mitten im Wald im Schatten, die Sonne kommt von der Seite, SchnakenAmd weniger zu befürchten wie in der Nahe der Wiesen. Um den Spielplatz herum sieh! man nur Bäunie, nichts stört die Stimmung, die bei I der Freilichtbühne von so großer Bedeutung ist. Auch Störungen, J durch .„Zaungäste" schließt der Waldbestand ans. Ein Hintergrund find zugleich Kulissen werden durch Tannenpslanzungen geschaffen, Die Msicht war, Anfang Juni Mit den Ausführungen zu beginnen. Direktor Steingoctter hat in znvorkommeichstcr Weise seine llnter- stützung zugesagt, Oberregrsseur Dworkowski, der bereits das weit- berühmte Freilichttheater bei Oybin eingerichtet hat, ebenso >vie die ersten Mitglieder unseres hiesigen Stadttheaters haben sich in selbstlosester Weise aus Liebe zur Sache in den Dienst der Freilichtkunst gestellt. Wie aus dem gleichen Grund der freiwillige Leiter der Gießener Freilichtbühne sein hohes Kunstverständnis u. seine ganze freie Zeh opfert, dürfe allgemein' bekannt sein. Es dürfte erwartet werden, daß die .Stadt dos gemeinnützige, jeden Erwerb ausschließende Unternehmen aus das wärmste unterstützen werde. Sympathie wird ihm auch offenbar entgegengebracht, aber das zur Mode gewordene Schlagwort! „Nur keine Bäume fällen" soll dem Vernehmen nach Hindernisse bereiten. Nun handelt es sich nur um einen ganz kleinen Platz, etwa in der Grübe des Parketts des Stadttheaters, auch kommen mir schwache Bäume in Frage, da die größeren stehen bleiben können, ohne den Blick auf die Bühne allzusehr zu behindern, und wohl teilweise auch des Schattens halber stehen bleiben müssen. Die Bäume sollen außerdem zu 2 Naturbütten unmittelbar an der „Bühne" benutzt werden, die zunächst sür die Auiiübrung der „Versunkenen Glocke" nötig sind, aber auch beim „Pfarrer von Krrchicld" und anderen Stücken passende Verwendung sinden, andernfalls durch ein paar Aeste maskiert wcv- den können. Dabei dienen sie für die Mitipielenden als Garderoben und für Nichtipicltage als Untertreträume, an denen es im Philo- sophenwald doch fehlt. Daß die Bäume zurzeit im Saft sind, schadet bei der beabsichtigten Verwendung nicht. Bäume unnötig wegzuschlagen, ist natürlich zu verwersen, aber in einem Heranwachsenden Bestand muß das Zuwachsende soweit fallen, daß das Verbleibende sich frei cntivickeln kann. So lichtet der Oberiörster ununterbrochen, schlägt allerdings auch jeden schlagreisen.Baum kurzerhand weg/ selbst wenn er an und sür sich sehr schön ist. Rur vereinzelte Ausnahmen worden hierbei gemacht. Der Gartenarchitekt sagt! ,Ln einem Garten oder Park dars die Axt nie ruhen." „Man erinnere sich des großen Lichtens, das auf Anregung des Kaisers im Hamburger Park vorgenammen worden ist. Der ziemlich eintönige Philo- sovaenwald kann dabei eine Verschönerung und Abwechselung gut vertragen. Wir wollen daher hohen, daß die Stadtverwaltung bald chre Zustimmung erteilt. Die Kunstfreunde, die elektrische Bahn, die Gewerbetreibenden, letztere besonders auch im Hinblick aus die Gcwerbeausstcllultg, würden davon Nutzen haben. Gießen als erste Stadt Mitteldeutschlands, die eine schöne Freilichtbühne erhält, würde um einen Anziehungspunkt reicher werden. Weiterhin ist zu wünschen, daß die selbstlosen Bemühungen des Leiters der Freilichtbühne durch Zeichnung zahlreicher Abonnements Unterstützung sinden, Tie gehörte Ansicht, daß man sich für den Fall schlechten Wetters nicht binden walle, ist hinsällig. An solchen Tagen fallen die Vorstellungen aus. -Auch sind die „Sechserkartcn"" in weitestem Umfange übertragbar, die Preise dabei ganz ungemein niedrig, besonders wenn man in Betracht zieht, daß viele erste Kräfte Mitwirken. Sehr zu beklagen tvsäre es, nienn der schöne Gedanke jetzt nicht zur Aussührunq käme. So willige und so geeignete Mitwirkende werden sich nicht wieder zusammenfinden, K, / ** Frohsinn. Es gibt ein Keimlein mehr oder minder groß in jeder Menschenbrust, das gleich einer schönen Pflanze gehegt und gepflegt weihen will, damit es nicht ersticke, sondern Ivachse und gedeihe und mit dem Menschen gehe durchs lange liebe Leben. Dieses Keimlein ist der Frohsinn. Und doch >vie selten begegnen uns wirklich frohe Menschen! Unser Leben mit all seinem Lupus und seiner Vergnügungssucht, mit seiner Jagd nach Gold und Elewinn, der Sucht, cs anderen, höher stehende» cs gleich zu tun, läßt keine Zeit, iencs kleine Pflänzchen,^das doch so herrlich ist, zu beachten! so wird cs bald erstickt. Schon die Eltern sollten daraus bedacht sein, froh sein zu können, um auch die Heiterkeit tm Kinderherzcn zu pflegen. Wer eine frohe, glückliche Jugend gelzabt hat, ist auch später ein froher Mensch, Man nimmt den Frohsinn mit hinüber in die Reife, und bringt das Leben einmal dunkle Stunden und wirklichen Kummer, bann wird ein gesundes, fröhliches Herz nicht gleich daran zu Grunde gehen, sondern sich wieder ausrafsen und von neuem tätig eingreisen ins Menschenleben. Ein Kind, das irohc Mensche» um sich sieht, ist auch wieder froh und zufrieden. Aber tveun es von der Wiege an nur verdrießliche Gesichtec' um sich gesehen hat, wird es ebenso. Der Griesgram zieht in sein kleines Herz ein und erstickt schon ftühzeitig das Keimlein Frohsinn. ** Gießener Pädagogium. Man schreibt uns: Das Großherzogliche Ministerium des Innern, Abtg. f. Schulangclcgen- heiten, hat die Genehmigung erteilt zur Errichtung einer Unterstufe des Gießener Pädagogiums, in die schulpflichtige Kinder ausgenommen werden dürfen. Damit ist die Anstalt in die Zahl der Schulen eingereiht, durch deren Besuch der gesetzlich sestgelegten Schulpflicht genügt wird. Eine wichtige Etappe in der Entwicklung des jungen Instituts! Gegründet Ostern 1912 als „Brackemanns private Vorbereitungskurse" wurde cs Ostern 1913 bei der Ueber- siedclung in das ietzigc Heim, Bleichstraße 6, in das „Gießener Pädagogium" umgewandclt und erhielt nunmehr, nachdem der Leiter - Dir, Brackemann — im Februar und Anfang Mai die sür das Großbcrzoglum Hessen vorgeschricbcnen pädagogischen Prü- sungcn vor einem Hohen Ministerium in Darmstadt erfolgreich ablegte, die volle staatliche Konzession, So ist der feste Boden geschossen, auf dem die weitere Entwicklung des Pädagogiums sich erfolgreich aufbauen kann, ** D as Fest der silbernen Hochzeit feiern ant heutigen Dienstag Obcrpostschaffner Heinrich Rühl und Frau, Steinstraße. Landkreis Gießen. — H o lz h c i m , 18. Mai. Am Sonntag hielt H. Kiruh- ner-Gießen im Saale des Gastwirts Sames einen gut besuchten Vortrag über die Krankenversicherung. Nach einer kurzen Erläuterung über die Organisation behandelte Redner eingehend die Frage der Versichern ng s p fli ch t, der ev. B e f r c i ung, sowie insbesondere die freiwillige Versicherung Weiter beschäftigte er sich in ausführlicher Weise mit den R e g ei lei st u n ge n (Mindestleistungen) der Krankcntassen, sowie mit den Mehrleistungen. Auch die An- und A b m e l de p s li ch t deS Arbeitgebers wurde berührt un!d dabei besonders darauf auftnerksam gemacht, daß die Beiträge bis zur vorschriftsmäßigen Abmeldung weiter zu zahlen sind. Zum Schluß gab der Referent noch Aufklärung über allgemeine Fragen (Inanspruchnahme der Kassenärzte usw.) sowie über die Abmeldung und Bcitragsleistnng der unständig Beschäftigten. Me nach Schluß des Vortrags an den Vortragenden auch auf dem Gxbiet der Unfall- und Invalidenversicherung gestellten Anftagen wurden von ihm bereitwilligst beantwortet. Kreis Büdingen. § Bl oleld, 17. Mai. beute fand in bem festlich geschmückten Saale des Gastwirts Nobl der Bezirkstag des Krieger- vereinsbezirkeS Nidda unter bem Vorsitze deS Vezirks- präsidenten I n n g - Ober-Mockstadl statt. Sämtliche Vereine des Bezirks hatten Vertreter gesandt. Zu Beginn der Tagung über- retwte der Vertreter des Großh. KreisnmtS Büdingen, RegiernngS» nMor feiernen», mit berzlichen Worten dem diesigen Kriegec- verem die vom Großberzog verliehene Fahnenschleiic, Ter Bereit, ist der erste des Bezirks, der diele SlttSzeichnung erhält: er ist am 22. August 1^85 gegründet worden. Ter Vorsitzende deS Vereins, Bürgertneisier S ch ä I e r, dankte für die Ehrutig, Ter Gesangverein .Liederkranz' überreichte einen silbernen Fahnennagel. Kreis Alsfeld. X Groß-Felda, 18, Mai. In der verflossenen Nacht fanden Leute aus der Straße im Ort einen Radfahrer bewußtlos liegen. Aus seinen Papieren sbeflte man fest, daß es ein Bursche aus Emmenrod war. Man brachte den Bewußtlosen, der eine Gehirnerschütterung erlitten hatte, ans einem Wagen nach Hcmsc und holte ärztliche Hülse. Krrls Bautfrbaä). 3t. Lout«rb, 18. Mar. ym Alter von 82 Jahren starb heute vormittag der Senior der Gemcindcrechncr des Kreises Laulerbach, Johannes Fritz. Fast vierzig Jahre hat er das Anu eines Rechners bis vor kurzer Zeit versehen; bei seinem Ausscheiden Inurbc ihm die Krone zum Silbernen Kreuz des Bechicnstordcns Philipps des Großmütigen verliehen. Kreis Fricdberg. r. Reichelsheim, 18. Mai. Sonntag, den 17. d. Mts., fand im Gasthoic .Lur Post" hier die diesjährige Gesellen- v r ü s u n g ihren Abschluß. Der Vorsitzende. Metzgcrincistcr Karl Sprengel II., beglückwünschte die bestandenen Prüflinge und ermahnte die erschienenen Handwerksmeister. immer bestrebt zu sein, tüchtige junge Handwerker hcranzubilden. Hauptlebrer Döh n-Nidda empsahl den Neugesellen rastlos weiter zu arbeiten. — Die Arbeiten an unserer Kanalisation gehen ihrem Ende entgegen. Nachdem die Hauptleitung fertig gelegt ist, beginnt man jetzt mit den Haus- anjchlusicn, die bis Ende Juni hergestellt sein sollen. h. Niedcrfl orstadt, 18. Mai. Der Freiballon „Holl- m a n n", der gestern in Bittcrfcld auigcstiegcn war, wurde über Niedcrflorstadt durch eine Böe so tcei aus der Höhe niedergedrückt, daß das Schlepptau von einem Hause zahlreiche Ziegel abritz und verfing sich schließlich in den Hochspannungsdrähten der llcberlaudzcntrale Es gelang jedoch das Seil zu befreien. Der Ballon st ü r z t c dann aus etwa zehn Metern Höhe a b. Die vier II n s a s s e n erlitten Verstauchungen. Starkruburg und Meinhessen. — Affolterbach, 17. Mai. Bei der hier "-afta'sundcnen Beigeordnctenwahl wurde Gastwirt'Beter D'rautmann einstimmig wiedergewahlt und betätigt. — *letzte Verpachtung der Gemeindejagd brachte einen jährlichen Mehrerlös von 800 Mark. Kreis Wetzlar. — rtrofborl, 18. Mar An, SamSIag abend dielt der Direktor der Landw. Winterschul« Wetzlar in der Wirtschast des Gastwirts Ludwig cinen Vortrag über Anbau uo» Hack» srüchte», sowie Anwendung der betreffende» künstlichen Düngemittel. Eoban» sprach er noch über Vertilgung des Hederichs Es war dies der zweite Vortrag des Direktors in diesem Jahren er bat noch einen diiltea i» Aussicht gestellt. wanoern und Wintersport. Reifen und Bäder — Nordseebad Vüfum. Man schreibt uns: Die Segelregatta findet dieses Jahr in der Hochsaison am 26. Juli statt, dannt recht vielen Besuchern Gelegenheit geneben wird, diesem »Büslinier ErelgniZE deizuwohnen. Da besonders gute Preise in Aussicht stehen, ist sportlich viel zu erwarten und wird eine große Beteiligung der Fischerflotte erivartet. Prinz Heinrich Flug 1914 •^.[Frankfurt Worms i eL/tian n h etev */ \ ? /y f/ S Etappe Frankfurt . Cotn. . Frankfurt. 2 Teil dZuverlaMigkeLliftugei PC J Etappe Frankfurt . Hamburg 4 Etappe Hamburg _ Münster. Hamburg. Strategische PufHirenqsukusg IJ 3 Hamburg . dein Taktische Jiufklortin(75ubtingen. -- Firrdi ur:.; Im Gegensatz zum Borjabrc berührt der Prinr-Heinrrch-Flug 1914 Gießen nicht. Immerhin werden die Flieger die Gegend von Gießen passieren und zwar auf dem Fluge vvu Frankiurt nach Hamburg. Diese Strecke m u ß in den Tagen vom 20.—22. Mai und wird voraussichtlich am 20. Mai zurückgelegt werde«. Bei der geringen Entfernung von Frankfurt können die Gießen überliicgenden Flugzeuge schon um 5 Uhr srüh erwartet werden, vermutlich etwas westlich der Stadt. Nicht ausgeschlossen sind Notlandungen, auch muß inan leider immer aut Unfälle gesaßl sein. Um in diesen Fällen rechtzeiiig Nachricht »n erhalten und Hilse bringen zu können, werden am Mülnwch von 5 Ubr an drei Beobachtnngsposten ausgestellt werden, einer aus der Stadtkirche, der zweite aus dem Dach der neuen Kaserne, der dritte aut dem Rodberg. Außerdem wird ein Posten aut dem Bahnhot unterhalten. Er soll den Verkehr notlandender Flieger mit den ihnen nach- reiscndcn Monteuren vermitteln, indem er diese veranlaßt, den Zug zu verlassen und an die Notlandungsslelle zu iahren. Dabei wird vorausgesetzt, daß die Meldung von einer Notlandung rasch an den Posten gelangt. Um dieses zu erzielen, bütcn wir jeden, der eine Notlandung beobachtet, alsbald den genauen Ort der Lage des Flugzeuges an die Bahnboisrestauration, Telephon 25, z» melden. Ter guten Sache an sich sowie den Fliegern selbst tvürde dadurch ein wichtiger Dienst geleistet. Zur besseren Unterrichtung.für unsere Leser veröffentlichen nur nochiiials dcii Plan des Fluges, der am 20.—22. Mai über Gießen führt. Der erste Abschnitt des Prinz-Hein ri ch- Fluges bedeutet, ivie die Oberleitung des Fluges in einem Resume bekannt gibt, in slngkechnischcr Beziebung cinen großen Ersolg, der allerdings durch Omer erkauft ist. Bei zunächst einigermaßen günstigem Wetter flogen in Tarmstadt 17 Ossiziere und 8 Zivilslieger Mannbeim—Psorzheim—Straßburg—Spchcr— Mannheim—Worms nach Frankiurt Bald nach dem Abflug gerieten die Flieger in imgünstiges Wetter, da vielsach starker Nebel herrschte. Namentlich der Schworzwald war dicht mit Wolken behängen, so daß die Beobachter mit der Orientierung große Schwierigkeiten hatten. Bereits nach 4 Stunden erschien als erster in Frankiurt Oberleutnant von Bccmlieu mit Hauptmanil Geertz, die im Durchschnitt in der Stunde IM Kilometer zurück- gelcgt hatten. Bald darauf folgten Viktor SWfslcr und Oberleutnant Freiherr v. Tbüna. Im Laiise des Tages erreichten Frankiurt im ganzen 19 Flieger. Leider trat auch, die Hiobspost ein, daß der batzerischc.Leutnant Waltz bei Hecrcnalb abgestürzt sei. Prinz Heinrich von Preußen begab sich in Begleitung eines Automobils deS Kaiserlichen Freiwilligen Automobilkorps mit Oberstabsarzt Blecher nach der Unglücksstclle. Der Arzt stellte fest, daß der Tod infolge Schädclbruches bei der Landung erfolgt sein mußte. Das Flugzeug verbrannte. Oberleutnant Em- rich, Leutnant v. Hlddesseii und die Flieger Freindt, Friedrich und Pasche waren infolge erlittener Schäden zu vorzeitige» Landungen gezwungen. Ter Gothaer Flieger Schlegel stellte bei der Landung in Frankfurt auf unebenem Gelände seinen Apvarat aus den Kvps, so daß er einen Propellerbruch erlitt und das Fahrgestell beschädigt wurde. Zum -zweiten Teil dieses ersten Abschnittes, der über Wiesbaden, Koblenz, Köln zurück nach Frankfurt führte, sind 17 Flieger gestartet. Bereits gegen 12 Uhr traf als erster wiederum Oberleutnant v. Beaulicu ein. Im Laufe des Tages sind nach Erledigung auch des zweiten Teiles der Aufgabe, zu der sic noch zwei Tage Zeit gehabt hätten, 12 Flieger in Frankfurt wieder ein- getroffcn. Die Organisation des Hilfsdienstes, die dieses Mal infolge der langen Flngwcge besonders schwierig n>nr, hat sich gut bewährt. Denn es konnte sowohl den verletzten Fliegern Hilfe gebracht, als auch bei Notlandungen schnell Hilssmaterial hcrbeigcschasst werden. Der gegenwärtige Stand des Wettbewerbs. Don den 28 zmnl Flug erschienenen Teilnehmern hatten bis Montag nachmittag 15, d. h rund ,54 Prozent, und zwar die 12 Ofsizicrslieger Frhr. v. Thüna, v. Beaulicu, v. Duttlar, Gever, Hantclmann, Prctzell, Kästner, Bonde, Schlenmicr, Mühlig-Hos- mann, Jolu und Lndcwig sowie die drei Zivilslieger Schauenburg, Krumsiek und Thelcn die erste und zweite Teilstrecke erledigt. Auf der ersten Teil st recke liegen noch, ohne den Flug bisher aufgegehen zu haben, die zwei Offizierslieger. Enirich, der bei Bruchsal gestern eine Notlandung aus- gesührt hatte, heute srüh von dort aufgestiegen war, aber gleich wieder znrückkehren mußte, da eine Störung am Flugzeug oder am Motor ihn zur abermaligen Landung zwang, sowie Pfeifer bei Georgcnborn und die zwei Zivilflieger, Friedrichs der bei Bischweiler noch am Flugzeug arbeitet, und Freindt, der heute nachmittag von Mörselden nach Frankfurt und unter Umständen nach Köln wclterfliegen will. Frankfurt a. M., 18. Mai. Heute nachmittag fanden auj .denc hiesigen Flugplatz aus Anlaß des Prinz Heinrich-Fluges eine Reihe S ch a u s I ü g e bei schönem fast windstillem Wetter statt, zu denen sich ein zahlreiches Publikum eingefundcn hatte. Die Flieger Fokkers, Nuschke und Schröder führten gelungene Flüge aus, von denen besonders die Kunstslügc Fokkers den Beifall des Publikums fanden. Straßburg, 18. Mai. Oberleutnant Emer>ch, der heute Abend um 5.50 von Rastatt kommend aas dem Polygon gelandet war, ist um 6.35 zum Flug nach Frankfurt a. M. aus gestiegen. Mainz, 18. Mai. Leutnant Rhode, Beobachter des Flugzeuges 6, das gestern abstürzte, ist heute nacht 11.25 Uhr seinen Verletzungen erlegen. Frankfurt, 18. Mai. Eingetrosfen ist hier von Köln um 8 Uhr 56 Minuten der Apparat 39, Führer Diplomingenieur Theten, Beobachter Hauvtmann Ghervel Apparat zo, Führer Friedrich, der bei Mainz lag, hat endgültig aufgegcben, Frankiurt a M.. l8. Mai. lieber seinen llnjall teilt der Flieger Victor Ttöfflcr folgendes mit: In der Nälze von Langenichwalbach verlaute plötzlich der Motor. Eine Untersuchung ergab, daß die Lötstelle am Benzinzuflußrohr gebrochen war. Verguckte, die Maschine wieder intakt zu bringen, blieben ergebnislos und ich sah mi chgenötigt, zur Llrndung zu schreiten. Wie dev Flieger loeiter miiieclt, wurde bei der Landung das Fahrgestell des Apparates beschädigt, er selber blieb unverletzt,. Den Flug kann er mit diesem Apparat nicht fortsctzen und scheidet damit aus dein Wettbewerb aus. Frankfurt a. M., 18. Mai. Zur Fortsetzung der ersten Etappe ist in Mingolsdeim Flugzeug 14, Führer Emrich, um 9.15 Uhr gestartet. — Das Flicgzcug 24, Führer Freindt, wird versuchen, heute von Mörfelden nach Frankfurt a. M. abzu- flicgcn. _ _ Bruchsal, 18. Mai. Leutnant Emrich (14) Otto-Td., der bei Mingolsdeim eine Notlandung hatte vornehmen müssen, ist dort um 9.15 Uhr wieder aufgestiegen und um 9.30 Uhr aus dem hiesigen Ererzierplatz gelandet. Ausgeschiedc» sind bisher endgültig: Hauptmann v. Dettcm i2', Oberleutnant Kolbe (6), Leutnant Pfeiler 8 , Leutnant v Hiddeiscn > ilü^iücr Lihmicöezkseüc nur sofort gejucht. 16288 Wallerachaujcn. Olli lUrtl. Lehrmädchen gegen sos. Vergütung »er bald gesucht. !. Heilbrooner. Zeichner — Techniker sucht dauernde Stellung. 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Item TITahlen 1 fein filtrieren Hiein Satx IN,b£iffeetoffel voll genügt 1 'für eine Jasse Sofort trintzfertig yfc TTur m{t heilem oder kaltem ■Wasser ubergießen. }(cm Surrogat Garantiert rem / .. „ grgen ncrfte-n. erTldUllcd. tzratrsdnoLeliiare vsrserudei . - > 6 e/aba-W>erk *n 7 ain.x. Stadtiheater Giessen Direktion: Hermann Stcingtoetter. Mittwoch, den 20. Mai 1914, abends 8 Uhr: Gastspiel des Kgl. Kurtheaters Bad«Ems Direktion: Hermann Steingroetter* 1. Ermiikigunas'Kupon ist gültig: Novität: Znm 1. Haie ! A’ovität! Folenblut _ Operette in 3 Akten von OSear Rcdbal. Männer-Turnverein Giessen. Unser diesjähriger 6294 AlWelsMurnMll geht nach der Edertalsperre. 9lb- sahrt 4"o Uhr morgens bis Waldeck. Nleldungen zwecks Erreichung des Halben J-aHrpretses sind bis Mittwoch mittag 12 Uhr an den Führer Nudols Leisler, Neuenweg23, zu richt. FürNichtteilnehmer findet einTurn- gang noch Greifenstein—Dianaburg statt. Abfahrt 6" Uhr morgens bis Katzenfurt. Meldungen wie oben. Um zahlreiche Beteiligung bittet _ Der Vorstand. Römischer Kaiser, Wetzlar hält sich bestens emvsoblen Ia. Union-Bier, Gute bürgerliche Küche, üm Himmelsskrttag u. während der Pfingstfeiertage Grosse Konzerte lDamen-Tromveter-Korps.) 04207 Fflr Vereine groß e Säle . _Kiaotheater. Karl Rösch. AMllchenMtljertill IMUcuDorf g. Lahll. Himmelwbrttag von nnchmittag i Ubr ab Große Tanzmusik Verbunden mit Preisschießen bei Johannes Lub VI. Ww. 8276 Es ladet ergebenst ein Der Vorstand. L Mk. kostet diese Batist- Bluse Ständige Auswahl mindestens SOOStück von ||oo goo 05« bis 2 50 Mk - Schulstrasse. 6312a Fausmng-Länorm-Setfe Der Haut zuträglichste, wohlfeilste Toilette- eeife,Stück 20 Pfennig. 5 Stück 95 Pfennig. Angefertigt vom langjährigen Fabrikanten cJer^PfeWringseife: C. Naumann, Offenbach a.M. Achtung! Wer zu dem Himmeiiabrl- marktc »ach Giene» kommt u. will s. 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Nach- zügler Weilar „Alte Pofl". 6 :Q6| Der Vorstand. ^^.^bsanitauflage heutiger Nummer liegt rz- — Flugblatt derViocitin-Fabrik Berlin8.81 ver, worauf hiermit besonders auftnerksam gemacht sei. l^s»