Nr. «4 Zweiter Erscheint tSjllch mit Ausnahme de; Sonntag;. Die „Gietzenee L»iiIIendISNer" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich bcigelegt, dag ..Kreisblatt (Br »en KrtU Si.hen" zweimal wöchentlich. Die „landwirtschaftlichen Zeti- sragen" erscheine» monatlich zweimal. Blatt J64. Jahrgang Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Vberhejsen 5amrtage ;b. Mai Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Unwersttäls - Buch- und Steindruckercl. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:^^ 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Gewerbeauzftellung Gießen für Gderhefsen unö die angrenzenden Gebiete. Gieße», 16. Mai 1914. In unglaublich kurzer Zeit ist unter Hunderten von sorgsamen Händen aus der halbverwitterten alten Klinik und dem verwahrlosten Garten davor das eindrnck-wolle Heim der Gewerbeausstellung Gießen 1914 geworden, in dem die Aussteller die Erzeugnisse ihres Fleißes, ihrer Technik, ihres Geschmackes und ihrer Kunst vorsühren, um einen Begriff davon zu geben, was Handwerk, Industrie und Kunst hierzulande leisten können. Zwar sah es in den lebten Tagen noch recht wirr und bunt da oben aus. und nicht ohne Vorsicht war es möglich> in das Innere des großen Baues zu dringen, wo Tüncher, Schreiner, Installateure, Tapezierer und Schlosser an der Arbeit waren, um die letzte Hand an den Ausputz des äußeren Rahmens zu legen, während sich die Aussteller mit ihren Angestellten mitten zwischen Kisten, Kasten und Kosscrn um den Ausbau ihres Ausstellungsgutes mühten. Roch gestern nachmittag glich das meiste, was zu sehen war, einem Wirrwarr, den leine menschliche Hand mehr ordnen könne, und wer sich glücklich^ über einen großen Strohhauscn gerettet hatte, der mußte besorgt sein, im nächsten Augenblick über einen Knäuel Draht oder über ein paar Balten zu stolpern, die in malerischer Unordnung quer über dem Weg lagen. Und wie sah es erst aus dem nicht gedeckten Gelände aui3< Wagen, Karren. Maschinen, Erdhügel und Sandhausen, alles wirr beieinander, säst wollte cs scheinen, als ob man die Ordnung nur in der Welt eingesllhrt habe, damit man hier ermessen könne, was Unordnung und Durcheinander sei. Aber siehe da, über Nacht hat sich mit verblüsfendcr Schnelligkeit alles verwandelt und geändert. Sauber gekieste Wege führen durch den in edlen Formen gehaltenen Hauplcingaug und einen schönen, mit seinem Empfinden sür Raumkunst geschasfencn Schmuckhof, der von den wirkungsvollen Bauten des Hauses II und der Festhalte eingerahmt wirb, nach dein Hauptgebäude, das in dem Schmuck des neuen Anstriches und der wehenden Fahnen einen recht stattlichen Eindruck macht. Mer die Pforten sind noch verschlossen; sic öffnen sich erst, wenn der Herr Provinziial- direktor, Geheimerat Dr. U sing er, der Ehrenvorsitzende, die Ausstellung für eröffnet erklären wird. Leider sind sowohl der Großherzog als auch die Herren vom Ministerium wegen der Eröffnung der Ausstellung der Tarmstädter Künstlcrkolonie an dem Besuch der hiesigen Eröffnungsfeier verhindert, und auch die Reichstagsabgeordneten unserer Kreise haben sich entschuldigt, weil sie heute an einer wichtigen Sitzung teilnehinen müßten und deshalb unabkömmlich seien. Zur allgemeinen Freude aber hat der Himmel feine griesgrämige Miene endlich abgesetzt, und wenn die Lust auch noch nicht so frühlingsmäßig warm ist, wie in den schönen Tagen zu Ende April, so lacht wenigstens die Sonne wieder und nach den langen Regenwochen sieht die ganze Welt aus, als ob sie in Gold getaucht wäre. So steht die Ausstellung gleich bei ihrer Eröffnung unter einem guten Zeichen, und wir wollen hoffen, daß es ihr den Sommer hindurch treu bleibt. Die Eröffnungsfeier. Gegen 11 Uhr versammelten sich in der nach Entwürfen des Architekten G a r n o n erbauten Festhalle, die mit Blattwerk und Blumen hübsch geziert ist, der Ausstellungs- Vorstand, die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, Vorstände und Mitglieder hessischer und preußischer Gewerbevercine und Handelskammern, eine größere Anzahl Abgeordneter der Ersten und Zweiten Kammer, die Bürgermeister der benachbarten Städte sowie viele Ehrengäste zu der feierlichen Eröffnung der Ausstellung, Etwa 300 Personen füllten den geräumigen, in schönen, wohlabgemessenen Formen gehaltenen Saal, der mit seinen gut abgestimmtcn Farben blau, altgold und rosa eine sehr eindrucksvolle Wirkung ausübt, die durch den Schmuck der Pflanzen und Blumen noch wesentlich gesteigert wird. Eingeleitct wurde die Feier durch die Beethovensche Hymne: Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre, die von der Kapelle unseres Regiments unter der Leitung des Obermusikmeisters Löber sehr sein und stimmungsvoll vor- qetragcn wurde. Alsdann nahm der Vorsitzende des Ausstellungsvorstandes. Prof. Tr. K r a u s m ü 1 ler, das Wort zur Eröffnungsrede. Er fiihrte aus: Hochanschnliche Festvcrsammlung! Meine hochverehrten Damen und Herren! Wir haben Sie heute zu uns gebeten, um einen, Werke die leihe zu geben, an dem seit über einem Jahre hunderte stinkiger suche gearbeitet haben, gearbeitet auf der einen Seite, um -ute etwas Gediegenes der Oeffenilichkeit zu zeigen, mtb gearbeitet us der anderen Seite, um diesen Erzeugnissen bei aller Be- hränktheit des Ausstcllungsgeländes würdige und zwcckcntspre- ende Unterkunft zu bereuen. Wir freuen uns. daß wir Sic in einer so überaus großen abl hier begrüßen können und danken Ihnen herzlich für das coßc Interesse, das Sie damit unserer Sache entgeacnbrmgen. s tut uns außerordentlich leid, daß die heutige Eröffnungsfeier nsercr Ausstellung zeitlich zusammeniällt mit derfenigcn der -armstädtcr Künstlerkolonie. Eine Verlegung des Eröfsnungs- rmins war für uns aber, nachdem die Tatsache uns bekannt urde IN, möglich der abgrschlofscnen Verträge wegen. So kann -nn eine Anzahl hoher Gäste, die durch die Eröffnung in Darm- adt verpflichtet find, hcMe nicht bei uns sein. Der hohe Pro- ktor unserer AuSstcNung, Se. Königl. Hoheit der Großhcrzog rt mir aber, das möchte ich vor allem unseren Ausstellern hier lt Kenntnis bringen, am vorigen Samstag in einer Audienz usdrücklich gesagt, es sei selbstverständlich, daß er sich unsere usstcllung ansehc, er komme gern. Ebenw hat Sc. Exzellenz, der 'evt Minister des Innern sein Kommen für die allernächste eit zuqelägt. Trotz der Ungunst der vorerwähnten Ver- ältiniie bin ich aber ,n der angenehmen Lage, eine außcrgewöhn- ck qroßc Zalfl von Ehrengästen, Gästen und Ausstellern begrüßen - können Vor allem heiße ich herzlich willkommen die Herren Vertreter einer hohen Regierung, unserer oberhesslschen Provinz nd ihrer einzelnen Kreise und der benachbarten preumschen Kreise, us deren (Gebiet eine stattliche Reihe hervorragender Erzcug- iiie unsere Msstellung schmückt. Ich begrüße ferner die Herren icrtretcr unserer Landesuniveriität, der Eilten und Zwettcn -ammer der Landständc, der Stadt Gießen und der bcnach- artcn preußisch«, und hesl'ischen Städte, des Regements, des Gerichts, der preußischen und oberhesfifchen Handelskammern, der Großh. Zentralstelle sür die Gewerbe und der Handwerkskammer, der Geistlichkeit, der Schulen und der übrigen Behörden, Körper- fchaiten und Vereine, die uns in so hervorragender Weife i» unserem Beginnen unterstützt haben, besonders auch die Herren Vertreter der Presse. Ihnen allen, hochverehrte Gäste, herzlichen Willkomniensgruß! Meine hochverehrten Tomen und Herren! Man kann im allgemeinen nicht sagen, daß es unserer Zeit an Ausstellungen fehlen würde. Im Gegenteil, cs ist mir schon ost gesagt worden, cs herrsche in den Kreisen, die immer und immer ivicder zum Ausstcllcn angeregt würden, eine gewisse Ausstel- lungsmüdigkcit. Das ist nwhl richttg, insoweit Ausstellungen größere» Stils in Betracht kommen. Wir l>obcn diese lHsahrung indessen nicht gemacht, wohl deshalb nicht, weil unser Aus- stellungsgebict ein begrenztes ist und bei dieser Schau vor allem die Kreise in Wettbewerb lrelen, die abseits von den großen Ansstcl- lungcn stehen, weil sie ihnen für ihre Verhältnisse unerschnnng- liche Kosten auserlcgen nnd nicht die Vorteile bieten können, die sie in diesen mehr lokalen Ausstellungen in dem Wettbewerb mit ihrer, wenn ich so sagen dar!, tagtäglichen Konkurrenz sich erringen wollen und tonnen. Deshalb liefen wohl auch die Anmeldungen bei uns so zahlreich ein, daß wir schon seit Wochen sich neu meldende Aussteller, die größerer Flächen bedurften, abwcisen mußten. So werden denn über 400 Aussteller in etwa 160 verschiedenen gewerblichen Berufen aus einer überdachten Ausstcllungssläche von etwa 6000 Quadratmetern, während das ganze Ausstellungsgelände etwa 11000 Quadratmeter umfaßt, ihre Arbeiten aus dem Handwerk, der Industrie, Kunslgcwcrbc, Kunst und Llteratur. zeigen. Ta§ Hauvtgcbäudc umfaßt den größten Teil des .Handwerks, die mechanische Industrie, Nahrungsmittelbranche, Bcklci- «ungsabteilung, Verkehrswesen, Künstgewerbe, gewerbliches Er- ziehungswcscn, Kunst und Literatur, Tie chcmisäze Industrie und das Tövicrgewerbe haben im Licbigmuseum Platz gesunden, während der Bergbau mit der ihm dienenden Maschinenindustrie in eigner Halle untcrgebracht ist. Tie landwirlschastlichen Maschinen, Wagen- und Mühlenbau, Küserci und verschiedene Artikel der mechanischen Industrie füllen zwei große Hallen, die eine neben dem Liebiggebäude, die anders hinter dem Hauptgebäude. Sattlerei, Werkzeugsabrikatton, Avparate sür autogenes Schweißverfahren, Woll- und Leinenwcberei, sowie Althandwcrk und Häsner- gcwerbe füllen das im Hinicrlwi liegende Gebäude. Die Frled- hosskunst bringt zwischen Hauptgebäude und Bahn eine große Anzahl der verschiedensten Grabmalarten, die durch eine Urncn- hallc und Gruitkavellc wirkungsvoll abgeschlossen werden. Nach dem Vorderhos zu sinden sich eine Reihe von Zusammenstellungrw neuester Artikel der Baubranche. Hier an die Festhalle ist eine Mnstcrbäckcrei der Bäckerinnung im Betrieb angegliedert. Im Borderhofe selbst sinden sich Zusammenstellungen verschtedener Materialien der Stcinindustrie. Ter Musiktcnwel zeigt die Verwendung des Betons, die Ausstellungshalle enthält Ausstellungen der chemischen und mechanischen Industrie. Tie künstlerischen Gärtenanlagen, auch eine Ausstellnngsarbeit, fügen das Ganze harmonisch zusammen. Sic sehen, meine Damen und Herren, ein mannigfaltiges, reiches Bild, das die Ausstellung bieten wird. Warum haben wir nun diese Ausstellung veranstaltet, worin liegen ihre Aufgaben? Meine Damen Uich Herren! Ms schon im Herbst 1912 aus unseren Handwerkerkresscn der Wunsch an uns herangctragcn wurde, wir inöchtcn der Veranstaltung einer Gewerbeschau für unser nördliches Lessen doch einmal näher treten, wurde diese Anregung damit begründet, daß in Oberhessen schon seit mehreren Jahrzehnten, in Gießen sogar schon seit einem halben iJahr- hundert keine derartige Veranstaltung gewesen sei. Ta aber .eine jede Tätigkeit, einerlei aus welchem Gebiet sie ausgeübt wird, nur erfolgreich vorwärts schreiten kann, wenn! sie getragen ist von dem Streben, Besseres zu leisten als der in gleicher Richtung Arbeitende, so war cs sür unser Handwerk, ,deM durch die Ungunst der Verhältnisse jede Arbcitsfreudigkeit zu schwinden drohte, unbedingt notwendig, cs aus einem frischen Wettbewerb frohen Mut uitd neue Kraft sür die kommende Zeit schöpsen und aus eine glücklichere Zukunft hassen zu lassen. Wir haben diese Anregung und ihre Begründung eingehend geprüft, sie sür.richtig befunden und beschlossen, sie in die Tat nMzusetzen. So haben wir denn im! Sommer des letzten Jahres -die gewerblichen Kreise aufgcrusen zur Beteiligung an einer Gewerbeausstcllung sür Obcrhessen und angrenzende Gebiete und mit unserem-Sammelruf, wie ich schon sagte, schönsten Erfolg gehabt. Vom kleinsten Handwerksmeister aus dem hohen Vogelsbcrg, der in seiner bescheidenen Werkstatt an der Drehbank, der Hobelbank oder der Schnitzbank in seine Arbeiten sein ganzes Könne!» hineinlcgt, um nur gediegene und künstlerisch in ihrer Art aus- gciührte Arbeiten, die seinem Namen Ebre machen sollen, hinaus- gchen zu lassen (sehen Sie sich, meine Damen und Herren, z. B. nur die prächtigen Spinnräder, Haspel, geschnitzten Stöcke oder reizenden Truhen an), bis zum größten, mit den modernsten Maschinen ausgcstatteten gewerblichen Betriebe der Stadt, sie alle wollen in einen iriediichen Wettbewerb eintrcten und in der Ocs- ientlichkeit ihre Aroeilcn dem Publikum zur Begutachtung und Kritik voriübren. Sic wollen zeigen, daß auch in den Werkstätten unseres nördlichen Hessens noch eine Kunst zu Hause ist, die nicht nur Beachtung und Anerkennung, sondern vor allem auch Unterstützung und Förderung gerade in diesen schweren Zeiten durch alle Schichten des kaufenden Publikums verdient, damit das leider oft zu wahre Wort, der Prophet gilt nichts in seinem Vaterland, endlich eiiunal seine Bedeutung verliert. Der A.N- knüpiung neuer Beziehungen zwischen Hersteller und Käufer, der Erweiterung des Kundenkreises gilt also die Ausstellung. Wirtschaftliche .Hebung und Förderung unseres einheimischen Gewerbes ist ihre Aufgabe. Daneben steht aber eine andere, nicht minder hohe Aufgabe, nämlich die, erzieherisch zu wirken auf den Ge- wcrbesrand einerseits und das kauscndc Publikum andererseits. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß die Art der handwerklichen Tätigkeit durch die rapide Entwicklung unserer Technik sich außerordentlich geändert hat, sogar soweit, daß selbst die Konstruktionsweisen und Formen davon beeinflußt wurden. Ich brauche dabei ,. B. nur auf die Anforderungen hlnzuweiscn, die an unser Bauhandwcrk durch die sich fortgesetzt steigernde Verwendung des Eisenbetons hcrantrcten. Neue Arbeitsmethoden bedingen eben ost neue Arüeitssornien. Dieser Tatsache muß das Handwerk Rechnung tragen, cs muß sich weiterbildcn, wenn es konkurrenzfähig bleiben will. ... , ' Ebenso unbestreitbar ist die Tatsache, daß ine Lebensbedürfnisse sich in den letzten Jahren erheblich gegen früher gesteigert haben. Auch dadurch sind die gewerblichen Berufe gezwungen, sich weiterzubilden, um ihnen mehr Rechnung tragen zu können. Es erwächst für jeden Meister die ernste Pflicht, sein Wissen und Können zu vertiefen, und seinen Betrieb moderner nmzugestal- ten, aber nicht im Sinne der Massenproduktion und der Erzeugung von Mltagsware, sondern in der Schaltung von Qualitätsarbeit. Denn diese gewährleistet dem Klcinmeister immer noch die größte Verdienstmöglichkeit. ^ . . _ „ . .. _ . ., So wollen wir denn durch diese Ausstellung, da leder Vergleich dem Fortschritl dient, durch Von'ührung verschieden gearbeiteter, aber demselben Zweck dienender Werkstücke dem Handwerksmeister neu- Arbeitsgedanken geben, durch Vorführung der verschiedenen Maschinen im Betrieb ihn neue Arbeitsmethoden lehren. An ihm liegt es nun, mit ossenen Augen das Dargcbotenc zu stichieren und sür seine Zwecke nutzbar zu machen, d. h. ein Stück Selbsthilfe zu üben, die vor allem nötig ist, soll es dem Handwerk wieder besser gehen. Die Ausstellung soll aber auch erzieherisch auf das Publikum wirke» dadurch, daß sie einmal zeigt, welch' gediegene Kunst iwch IN den Werkstätten unserer heimischen Handlverlcr zu Hause ist. eine Kunst, die, wie ich schon früher sagte, der Unterstützung und Förderung weitester Kreise weil ist. Erzieherisch soll sic aber auch wirken dadurch, daß sic durch Ncbeneinandcrstellung cmiacher, aber geschmackvoller Arbeiten den Sinn sür das Schöne zu wecken und zu sördern sucht. Durch jede Verbesserung des Geschmacks wird aber bewirkt, daß das kauscude Publikum den Wert der geschmackvoll gcarbeilcten Ware höher cinschäpt und damit bereit ist, sie auch teurer zu bezahlen. Dadurch würde dem gediegen arbeitenden Handwerksmeister dann auch wieder ein lohnenderer Verdienst sür sein Arbeiten werden, rin Erfolg, den jeder Freund des Handwerks nur wünschen kann. So sind denn der Airsstellung die verschiedensten Slusgabcn gestellt. Möge sie alle Erwartungen und Hofsnungcn, die auf sic gesetzt sind, erfüllen, möge sic von Erfolg gekrönt sein nach jeder Richtung, vor allem im Interesse unseres heimischen Gewerbes. Hochansehnliche Versammlung! Ich kann meine Ausführungen nicht schließen, ohne nochmals Ihre Blicke zu lenken aus die Person des hohen Protektors unserer Ausstellung. Sic wissen alle, daß unser erlauchter Landesherr gerade dem Handwerk, insbesondere dcni Kunsthandwerk ein warmer Förderer geworden ist, daß die Einführung der Kunst in das Handioerk das große Ziel gewesen ist und noch heute ist, das er sich seit seinem Regierungsantritt gesteckt l>at, und daß sein Wirken die schönsten Erfolge gehabt hat. Ich glaube, wir können unserer Ausstellung keine schönere Weihe geben, als wenn wir sie eröffnet mit dem Gelöbnis unwandelbarer Treue zu ihrem hohen Protektor und dieses Gelöbnis bekräftigen durch den Rus: Seine Königliche Hoheit. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, lebe hoch! Nach dem begeistert aufgenommencn Hoch ergriff der Provinzialdirektor Geheimerat Dr. U s i n g c r, der Ehrenvorsitzende der Ausstellung, das Wort zu folgender Ansprache: Hochgeehrte Festversammlung! Der AMstcllungsvorstand hat, wie von dem Herrn Vorredner bereits milgcteilt, das Ministerium des Innern und besonders den Herrn Minister des Innern zu der heutigen Festlichkeit cingeladen. Soeben wird, wie Sie wissen, auch die Ausstellung der Darmstädtcr Künstler-Kolonie feierlich eröffnet, wodurch cs Seiner Exzellenz sowie dem Herr» Ministerialrcferenlen unmöglich ist, der ergangenen Einladung nach Gießen zu folgen. Ter Herr Minister hat mich deshalb mit seiner und des Ministeriums des Innern Vertretung beauftragt: er bedauert lebhaft heute hier nicht anwesend sein zu können nnd fjoftt, daß das in Gießen unternommene Werk die Erwartungen, die man auf cs setzt, rechtfertigt, sowie die Mühe und Arbeit lohnt, die man aus cs verwandt hat. Wir stehen im Begriff, eine Ausstellung zu eröffnen, die sich aus die Provinz Obcrhcssen und ihr benachbarte Gebiete erstreckt. In dem Ausstellungskatalog finden wir unter rund 400 Ausstellern etwa 300 aus Oberhessen. Dem hiernach vorwiegend oberhesssschen Eharakter der Ausstellung verdanke ich das Amt des Ehrenvorsitzenden, eine Auszeichnung, die ich um so höher schätze, als ein großer Teil meiner früheren Tätigkeit im Ministerium des Innern die Hebung und Förderung unseres heimischen Gewerbes, insbesondere die Wiederbelebung und Kräftigung des oberhesslschen Handwerks zum Zweck halte. Gerade Obcrhcssen bot ja hierfür das geeignetste Feld. Viele, welche die Verhältnisse nicht näher kennen, sehen diese Provinz heute »och als rein agrarisches Gebiet an, in dem für die Erlfaltung bestehender und das Emporkommen neuer Gewcrbs- und HandwerkSzweigc wenig oder gar kein Raum sei. Daß das Gegenteil hiervon der Fall ist, daß das vor Jahren einem größeren Unternehmungsgeist in Gewerbe nnd Handwerk vielleicht noch hie und da verschlossen gewesene Gebiet heute allen ossensteht, daß olle auf die Gewcrbe- förderung gerichteten Bestrebungen dem praktischen Leben und seinen Bedürfnissen gerade hier am schnellsten erfolgreich gerecht geworden sind, wird hosicntlich die Ausstellnng beweisen, vor deren Eröffnung wir stellen. Sie soll nach langer Paus« Zeugnis ablegen sür die Ersolgc ununterbrochener, angestrengter Arbeit und dartun, daß gerade unter einer vorwiegend Landwirtschaft treibenden Bevölkerung auch Gewerbe und Handwerk zu ihrem Rechte kommen. Braucht doch, wie wir hier sehen werden, eine leistungsfähige Landwirtschaft auch ein leistnngs- fähigks Gewerbe, wenn sie nicht Vorteile missen soll, die Technik und handfertige Geschicklichkeit bieten Bei diesen Wechselbeziehungen bin ich überzeugt, daß die. .Ausstellung auch unseren Landwirten viel Sehenswertes und Nützliches bieten Ivird. Neben 'den obrrhessischen Ausstellern haben sich zahlreiche Aussteller aus benachbarten Gebieten cingefunden. Wenn diese Gebiete, wie wohl freudig sestgrstellt werde» darf, reges Interesse für die Gießener Ausstellung bekundet haben und vorzügliche Leistungen anfwesscn, so gibt bie-'.r;! der wohltuenden und sicherlich alle befriedigenden Feststellung Anlaß, daß im Wettkampf um die Erreichung gemeinsamer Ziele keine Landesgrenzen bestehen nnd daß deutsches Gewerbe und deutsches Handwerk sich zur Mehrung der Ehre des deutschen Namens stets zusammen- fiiiben, wenn es gilt, der Oessentlichkcit Beweise von Tüchtigkeit,- Solidität und Fortschritt zu geben Wen» die Ausstellungslcitung auch in den nicht zu unserer oberhesslschen Heimat gehörenden Landes- teilen weitgehende Unterstützung ihres Vorhabens gefunden hat, so möchte ich in diesem Zusammcnlsang der in dem Ehrenausschuß vertretenen Herren Kollegen von der preußischen und hessischen Verwaltung besonders gedenken, ihnen herzlichsten Dank sür die Förderung aussprechcn, die sic der Ausstellung baden zuteil werden lassen und mit diesem Dank die Bitte verknüpfen, dem Unternehmen auch noch weiter ihre Tmnpathicn lind ihre tatkräftige Unterstützung erhalten zu wollen. Vieles ist hier in kurzer Zeit sür verhältnismäßig kurz« Zeit geschassen worden. Mögen die Eindrücke, welche die Ausstrllnngs- bcsucher erhalten, desto dauernder und möge den Ausstellern der verdiente Erfolg beschiedcn sein. Hiermit erkläre ich die Ausstellung sür eröffnet. Die Feier endete mit der Jubelouvertüre von Beethoven, worauf unter Führung der H>erren vom geschäftsfuhwenden Ausschuß ein Rundgang durch die Ausstellung angetretcn wurde. In der Musterbäckerei bedachte die Gießener Bäckerinnung die Besucher mit einer freundlichen Ueberraschung, indem sie liebenswürdigerweise 2ö0 in Teig gebackene Würstchen verteilte. Um IV- Uhr begann das Festessen, zu dem sich etwa 250 Personen angemeldet hatten. X A»»» Stadt und Land. Gießen, 16. Mai 1814. " Man gcl a n Oi c t ft 1 i cfi c it. Der Mangel an jungen Vlcrstlichen inattit sich auch, wie der „Sonntagsgrub nntteilt, rin Dekanat Gießen fühlbar. Zurzeit sind zwei Psarr stellen unbesetzt, nämlich, nachdcni Pfarrer Glück nach Ober-Eschbach übergesiedell ist, die Pfarrskelle zu Hauchelheim und außerdem die Psarrassistcntenstellc zu Poklar im Kirchspiele Kirchbcrg. Da sich in diesem Sommer nur ll Kandidaten im Predrgerseminar zu Fricd- berg befinden, so wird diesem Mangel in den nächsten Jahren noch nicht abgeholsen sein. ** O der h es s i s ch e r Kunstvere in. Die Gemälde- Ausstellung, welche von morgen, Sonntag, an geöffnet ist, hat wieder nach langer Pause eine große Kollektion von dem hier gern gesehenen Künstler Professor Richard Kaiser-Miinchen auszuweisen Selten ist cs dem Künstler wegen Einladungen zu größeren Ausstellungen möglich, eine so große Sammlung Gießen zu überlassen. Daher wurden für die hiesige Ausstellung die Vereinbarungen schon vor nahezu einem Jahre getroffen. Damit ist dem Wunsche vieler Kunstfreunde Rechnung getragen. Tie Sammlung wird sicher ihre Anziehung aus die Besucher nicht verfehlen. Ferner sind zwei Düsseldorfer Künstler mit hervorragenden Kunstwerken vertreten. Ernst Paul mit „Lenzmorgen", „Sommerlust" und „Ziehende Herde" und .Heinz M a t> mit „Tausend und eine Nacht". Weiter vervollständigen noch 14 Oelgenttilde und Aguarelle von Professor A. L u t t c r o t h - Hamburg die Ausstellung. ** M e i st e r p r ü s u n g. Willi Amend, der Sohn des Konditors Amend, Bahnhosstraße, dal nach Absolvierung eines Kursus in der Internationalen Lehranstalt sür Konditoreien seine Meisterprüfung vor der Handwerkskammer zu Stuttgart mit „gut" bestanden. " Arbeitsjubiläum. Dieser Tage konnte der Arbeiter Karl Hahn aus Rödgen sein Löjähriges Arbcits- jubilaum im städt. Gas- und Wasserwerk seiern. Bon seinen Kollegen wurde ihm ein bekränzter Sessel mit der Widmung: „Ünserm Arbeitskollegen zu seinem üöjähr. Jubiläum von seinen Mitarbeitern" überreicht. ** Zw a n g s v c r st e i g c r u n g. Am Freitag fand vor dem Amtsgericht der Verkauf des Besitztums von der ehemaligen BrauereiFricdel L As Prion statt. Das Jmmobiliar umfaßt: das Brauercigrundstück, 3058 qm, ortsgerichtliche Taxe US610 Mk, Wirtschaftsgebäude am Scl- lerswcg, 140 qm, Taxe 38000 Mk., Stallung usw. an der Maigassc, Grabgartcn und eine Hosparzelle, zusammen 228 qm, Taxe 7720 Mk. Im ganzen für 3426 qm ortsgericht- liche Taxe 144 330 Mk. Höchstbietender sür den gesanilen Besitz blieb das evangelische Schwesternhaus mit rund 130000 Mk, vorbehaltlich der Erteilung des Zuschlags. — Der Immobiliarbesitz ist neuerdings vom Ortsgericht laxiert worden, wobei die frühere Taxe um mehr als 100 000 Mk herunkergesetzt wurde. • ** Lebensversicherungsgesellschaft Germania Tie sinonzrellcn Ergebnisse der großen Lebensveriichc- rungS-Aktiengesellschast Germania in S i c t t i n sür das Jahr 1013 zeugen -davon, daß diese Gesellschaft sich ini verslossenen Jahre recht günstig weitereniwickelt hat. Die Gesellschaft erzielto einen Uebcrschuß von fast 12 Millionen Mark, wovon den mit Gewinnanteil Bersichcrlen in der Lebensversicherung mehr als Htyi Milk Mk zur künftigen Verteilung von Dividenden zugule Atnrmen. Tie Dividende an die Versicherten wird nach dem Divi- vendenplan A 32 Proz. -gegen 31 Proz. im Vorjahre und 20Proz. in JßOl) der maßgebenden Tartspriimie betragen, während bei Dividcndcnplan 8 eine bis zu 96,25 Proz. der einzelnen Prämie steigende Dividende vergütet werden wird. Die zur späteren Verteilung von Dividenden bestimmten Gewinnreservcu der Versicherten umfassen inahczu 36k, n Milk Mk. Bei der Germania liescn Elche 1913 223,103 Versicherungen über 950,7 Mill. Mk. Kapital und 147,0 Milk Mk. jährliche Leib- und Jnvalidenrenle. Tie als Pensions-Versicherung sehr geeignete und beliebte Jnvaliditätsvcr- sicherung weist einen Bestand von l627,o Mill. Mk Kapital, zahlbar noch dem Tode oder zu Lebzeiten der Versicherten, und von ll Mill. Mk jährliche Invalidenrente auf. Die Sicherheitsfonds betragen Ende 1913 418,5 Mill. Mk. Die Steltiner Germania betreibt die Lebens-, Jnvaliditäts-, Aussteuer-, Renten. Unfall- und Hastpslicht-Vcrsichcrung, und sic hat auch die Todes- sall-Verlicheruug ohne ärztliche Untersuchung ausgenommen, welckier Gcschäjtszwcig ebcnjalls n:it vorteilhaften Bedingungen für d-e Versicherungsnehmer und zu durchweg garantierten Leistungen eingerichtet worden ist. **AusdemVogelsberg. Die Laubholzwälder des Lberwaldes haben ihren Blätterschmuck immer noch nicht angelegt. Als vor zehn Tagen das Regen Wetter mit rauher Witterung und Frost cinsctzte, war die Belatibung gerade so weit wie heute. Die höchsten Gipfel wie Taufstein, Hoherodskops, Geiselstein und die .herchenhaincr Höhe sind noch völlig kahl, da auch ein Wachstum des Grases noch nicht zu bemerken ist. Tic rauhe Witterung übt beson dcrs ihre Wirkung auf die Landwirtschaft aus. Die Saaten haben durch die Nachtfröste sehr gelitten, beträchtlich ist der Schaden in den Gärten. ** Das Gewerbeblatt sür das Großherzogtum Hessen iZeitschrist des Landes-Oicwerbevercinsl vom 15. Mai hat folgenden Inhalt: Jahresbericht der Gewerbeinspektion sür 1913 (II). Grossst Zentralstelle für die Gewerbe. An die Leser des Gewerbe» blatts. Meisterkurs sür Tamciischneiderinneu. Gewerbevereine Büdingen, Dieburg, Gau-Odernhcim, Gießen, Grünberg, Herbstein, Ossenbach, Rodheim v. d. H -rnstgewerbeschule zu Mainz. Ge wcrbeidmlc zu Worms Rcmr-au lünsk. Handwerkskammer zu Tarmstadt. Bekanntmachung, betr. die Dauer der Lehrzeit. Probezeit der neu cingetretencn Lehrlinge. Verbandstag der Glaser- Innungen und Gloicrmeister Süddeutschsands. Preisgerichts- Ordnung. ** E ü t c r r e ch t S re g i st e r Bergmann Friedr. S ch w a m und dessen Ehcirau Margarete geb Körber zu Wöllersheim haben Gülertrcnntlng vereinbart. ' Konkurse in Hesse». In dem Konkursversahren über das vermögen des Metzgers Valentin p e d I i » g VI, in Biblis wird zur At-nohme der Schlußrechnung, zur Erhebung von Elnwendmigen gegen da» Schlußuerzcichnis und zur Beschlußlassung der Gläubiger über die nicht verwertbaren veimögensstücke Echlußtermin vor den, Amtsgericht Gernsheim besltuuut nui Tienstag, 18. Juni 181», vornüttags 8', Uhr, — I» dein Konkursoerlahre» über das vermögen der osscueu pandelsgesellschast Ad. Ehr. Engel brecht tu Main, ist miolge eines von de» beiden Geselllchaller» der Ge. ttteinichnldnerin gen,achten Vorschlags z» einem Zwangsveraleiche Pergleichstermin aus Tonnerslog, den ». J»nt 1814, vorntillaaS 9' * Uhr, vor den, Amtsgericht in Mainz - nberaun». Der vor- stehend beftimmte letmln dient auch zur Prüfung der nachlräglich angemeldelen Forderungen. Kreis Lnuterbach. Di; krainfelder Mordtat. R Lauterbach, 15. Mat. Die im Krankenhaus be- findlichen Ue be rleb en de n der Erainfelder Mordtat find jetzt soweit wieder hergestellt, daß sie bereits das Bett verlassen konnten und eine Lebensgefahr nicht mehr vorhanden ist. Die Ehefratt Stein hat von dem großen Unglück, »as ihre Familie betroffen, noch kein- richtige Borstellung, man behandelt sie sehr schonend; sie ist erst vor etwa zehn Tagen ans ihrer Betäubung erwacht. Den beiden Söhnen geht es ebenfalls verhältniSuiäßig gut, so daß ihre Entlassung a»S dem Krankenhaus bevorsiebt. Kreis Frietzbcrg. !. M a s s e n h e i m , 15. Mai. Am Dietistag abend kam in sehr schneller Fahrt ein Äassersuhrwerk von Vilbel, dessen Leiter die Führung über das Pferd verloren hatte, durch Massenheim in der Richtung nach Vilbel^zu. In entgegengesetzter Richtung kam das Aulo des Sanitätsrals Dr. M a l e y von Vilbel, der nach Nieder-Efchbach fahren wollte. Das Auto hielt am Schulhause an, um das Fuhrwerk vorbeizulassen. Hierbei fuhr der Wasserwagen das Auto von der Seite her a» und beschädigte es so, daß es die Fahrt nicht jortsetzen konnte. Ter Wassersührer wurde vom Wagen heruntergeschleudert, blieb jedoch unverletzt. Kreis Wetzlar. °-° Krofdorf, 14. Mai. Der hiesigen Freiwillrgen Feuerwehr wurden von der Direktion der Aachener und Atün- chener Feuerversrcheruygs-Gesellschast -1 00 M a r k zur Anschaffung von Ausrüstungsstücken bewilligt. — Niederkleen, 15. Mar. Unserem kommissarffchcn Ge- meindesörster Georg Grosse ist die hiesige Waldschutz stelle aus Lebenszeit übertragen worden. - Waldgirmes, 15. Mai. Dem Tu r n v e r ei n ist zur Beschallung eines Turnplatzes ein namhafter Zuschuß von den Behörden bewilligt worden. Hessen-Nassau. X Gelnhausen, 14. Mai. Ueber das im Zuge ausgebrannte Flugzeug wird noch berichtet: In dem abends um 8 Ulir 15 Min. hier eintrcssendcn gemischten Zuge Nr. 804 geriet gestern abend aus unaufgeklärte Weise die mit Leinwand bedeckte Ladung eines ossencn Güterwagens in Brand. Auf offener Strecke zwischen dem Bahnübergänge bei Höchst und dem sogen. Nippel bemerkten aus den Fenstern schauende Passagiere den Brand und zogen die Notleine. Als der Zug hielt, ließ der Zugführer den Zug trennen und die beiden Lokomotiven mit dem Pack- und dem brennenden Wagen nach der Station Gelnhausen fahren. Hier wurde der immer noch lichterloh brennende Wagen unter die Lokomotivpumpe am obcrhessischen Lokomottvschuvpen gebracht und der Brand gelöscht. Ter Personenzug wurde dann von der offenen Strecke abgeholt. Die Ladung, ein der Svort-Flug- zcuggcsellschast in Berlin gehörendes, sür die Teilnahme an dem Prinz Heinrich-Flug bestimmter Flugzeug, war vernichtet, von dem Güterwagen war eigentlich nur das Bremserhäuschen verbrannt. wandern und Reisen, önder und Sommersrischen. — Bad- Aauhei m Bis zum I Alai 161» sind 623» it u i- (l ei ft c nnge'vttnnen. Bäder wurden lus zum I». Mai 191» 52 755 abgegeben. Aus dem Lab nt» l. In unserer hastenden und jagenden Zeit ist eine längere Ausspannung und ein Verweilen in gesunder fräfiigenber Landluit unbedingtes Erfordernis geworden. ES gibt wohl kein idyllischeres und geeigneteres Plätzchen um Ruhe, Erholung und Nervenstärke zu finden, wie im schönen Lahntal. vorab in Braunscls, dem alten Fürstemitz derer von Solms-Braun- ckeis. Grüne, saftige Wieseninaften, köstliche ozonreiche Luft spendende Wälder umkränzcn den Ort, der außer seiner romantischen Lage, noch alle Vorzüge auftiiwciscn hat, die man an einen Luftkurort stellt. Ringsum die schönsten Naturbildcr, so recht geschaffen, erschlaffte Nerven zu stählen und zu stärken. Altertumssrcundc und Künstler linden in den uralten Gassen und Winkeln des Stadt- innern eine Fülle hochinteressanter Motive. Leider ist Braunscls trotz seiner romantischen Lage und reizenden Umgebung nach viel zu wenig bekannt. In erster Linie deshalb, weil cs nicht dirclt an der Bahn liegt. Aber von der Station Ärounsels sStrccke Gießen—Koblcnzi führt eine Kleinbahn in wenigen Minuten noch der Stadt. Im verflossenen Jahr hat Braunscls noch eine Bahnstation im Solmsbachtal erhalten, aus der neuen Strecke Frankfurt, Homburg, Usingen, Grävenwisbach, Braunscls, Wetzlar. Die Beiimrigung eines Teils des Schlosses und der Gartcnanlagen ist allezeit gestattet. Im Schloßgarten besindet sich ein Denkmal Kaiser Friedrichs, das vom Solmser Land 1889 als erstes in Dcnt.chland errichtet wurde. Als Kaiser Friedrich als Kronprinz am 14 Mai 1887 aus seiner Rückreise von Ems nach Berlin in Braunscls vorsprach und das Schloß besichtigt hatte, war er von der Schönheit des Gesehenen so entzückt, daß er mehrsach äußerte: „Wie tonnte mnn nur so alt werden ohne Braunscls gesehen zu Haben." Wer sich in Herrlicher gesunder Gegend erholen »nd zugleich Natur- und Kunsffchönheiten genießen will, der gehe nach Braunscls: es wird ihn nicht gereuen. Der Verschöneruiigsvcrein Braunseld gibt gerne jede gewünschte Auskunft und versendet unentgeltlich oussiihrliche Proipckle. I. 3. E i n nordisches Nizza. Mit diesem Namen wird mit Recht die wundervoll gelegene Stadt Wolds- an der Nvrdküstc des von Hügeln umgebenen Moldeffords benannt. Es ist eines der reizendsten Landschastsbildcr, die sich dem Norwegcnrciscnden bieten, wenn er aus hoben, Dampsier in das malerische Fjord ein- sähtt und seine Blicke über das Panorama Moldes schweifen läßt. Ein Klima, ähnlich demjenigen Tüdirankreichz, das trotz der hohen nördlichen Lage durch den warmen Golsstrom hervorgcrusen wird, Erzeugt in Molde schon im ersten Frühling eine wundervolle, üvvige Vegetation. So weit das Auge reicht, sicht man Rosen über Rosen, Narzissen und andere Blumen. Rotbuchen, Bergahorn, Birken, Kastanien und Eschen umrahmen wie ei» grüner Kranz die schmucken Reihen der norwcgischcn Holzhäuser, stiomantisch treten die schroffen, bunten Felsen des Gebirges bis dicht an die blaue Wasser- släche: dunkle, ernste Tannen im Hintergründe geben im Verein mit den sastig-grünen Lanbbänmen in der Umgebung der Stadt ein stimmungsvolles, sarbenreichcs Bild. So ist Molde eins der schönsten Fleckchen Erde Norwegens, und, wie die berühmte Stadt an der Riviera, ein Ziel zahlreicher To-uristcn. Auch die Nord- landssabrten des Norddeutschen Lloyd, die nach den guten Erfahrungen in srüheren Jahren, auch Heuer unternommen werden, haben Molde in ihr Programm ausgenommen. Die erste Reise beginnt am 13. Juni in Bremerhaven und endet nach 17 tägiger Fahrt i» Kiel. Bis hoch hinaus nach Trontheim wird der prächtige Salvn- Hampser „Schleswig" die Teilnehmer führen »nd ihnen alle Reize der nordischen Welt zugänglich mackwn. Die neue Amurbahn. Rußlands neues Goldland. St. Petersburg, im Mai. Die sortschreitcndc Vollendung der Amurbahn, die aus der Strecke bis Nikolajcwsk noch im Lanse dieses Sommers in Betrieb genommen werden soll, eröffnet ungeahMe lvirtschaftliche Möglichkeiten in einem Gebiete von ungeheurer Ausdehnung. Das Gelände, das zum Teil in der Zone der ewigen Bereisung liegt, ist so enorm reich an G o l d, daß aus Petersburg und Moskau ganze Scharen von Abenteurern und Goldsucher» ausbrcchen und sich in das Amurgebict begeben, um dort nach Gold zu suchen. Gold findet sich dort in solchen Mengen, daß das Gebiet in dieser Beziehung die übregen sibirischen Fundorte weit hinter sich läßt, schichten, die man im Ural als lohnend ansprickt und systematisch abbaut, läßt man INI Amurgebiete unbeachlcl, denn man betreibt natürlich Raubbau. In der Taiga entwickelt sich ein betriebsames und buntes Leben, das freilich nicht gesahrlos ist, denn das Klima ft geradezu mörderisch und Mord und Totschlag sind an der D-gesordnung, man findet oft ganze kleine Ansiedelungen ausgeraubt und die Einwohner ermordet, doch hindern diese Ding- natürlich nicht die Goldsucher, denen eine glänzende Zukunft be- schleden zu sein scheini Um die Vergangenheit dieser Leute wmmett sich niemand und das inag auch gut sein, dmn man würde wahrscheinlich nur wenig Erfreulick-es erfahren. Von der Beschaffenhest des Klimas kann man sich ein ungefähres Bild niachen, lvcnu man weiß, daß die Kälte im Winter bis 40 Grad Rcanmur uird die Hitze im Sommer bis 37 Grad Reaumur NN Schatten steigt. Diese WitterungSverhältmsfe ergeben ganz eigenartig« Erscheinungen, vor allen Diwwn fördern sie die ungeheuren Waldbrände, die ost monatelang währen. Tie wi- geljeutc, schneelose Kälte dörrt Moos und Torf aus, int Sommer werden die Wälder trocken, wie Zunder: ein Funke gcuügt, um sie in Flammen zu setzen. Man fährt la^rekang durch Gcbeetc, die ausgebrannt sind: die Bäume, die kerne PsahIwunzeUl in den ewig vereisten Boden treiben können, liegen wirr durch- cinander »nd sic bilden Verhaue, die nur mit der Axi mühselig zu bewältigen sind. In diesen Iwröijcheil TlchungrUl haust auch der 2lnmrtigcr, der sich nicht jelten einen Arbeiter holt und ihn im nächsten Dickicht zerfleischt. Eine außerordentlich interessante Erscheinung ruft die ungeheure Kälte hervor, die fast ohne Uebcrgang einttitt irnd den Boden Vorort erstarren macht. Das Grundroaiser^ sendet keinen Ausgang und bildet daher, wo es an ^schützten stellen I^rvvr- brcchcn kann, ganze große Eisberge. Map iiirdet in der Taiga unbewohnte Häuser, aus deren Türen imd Fensteröffnungen Kaskaden von Eis brechen, oft hat das Eis sogar das Dach verrückt. Das Griendwasser drängt sich auch durch die Ritzen der Tumiel- süttcrungen, so daß diese im Winter voll riesiger Eisstalaktitcn hängen Da der weitaus größte Teil des Gebittes für die lanüwirt- ichaitlichc Bearbeitung vollständig ungeeignet ist. so wird im Amurlande sich wohl ein ähnlicher Betrieb entwickeln, wie in Australien und Tüdairika: cs wird ein Goldland vor exerllenec werden. ES ist sogar schon eine neue Stadt, Alexcjewsk, entstanden, die freilich Iwch sehr primitiv ist, aber.alle Chancen hat, rasch auszublühen. Das tzicbiet Hai bereits im vorigen Jahre sür 20 Millionen Rubel Gold gcliesert. Ein weiteres Produkt ist der Amurlachs, die sogenannte Keta, der aus dem Stillen Ozean in den Amur und seine Nebenflüsse steigt, um dort zu laichen. Tie Fischmassen sind so groß, daß man den Lachs cinsach mit »chauieln ans User wirst, wo er gesalzen oder gedörrt wird. Sehr wertvoll ist der rote Ketakaviar, der an Ott und Stelle mit etwa sechs Kopeten das Psund bezahlt wird, während er in Moskau und Petersburg 80 Kopeken, bis zu einem Rubel das Pfund kostet. Die Fischerei, die nur von wenigen Unternehmern in der ge» schilderten primitiven Weise bettteben wird, muß sich nach der Vollendung der Amurbahn natürlich in kolossaler Weise entwickeln und sic wird Milliorrenwertc schassen. Oskar Grosberg. €iiftfdiiffal)rt. Prinz-tzeinrich-Flug 1914. Darmstadt, 15. Mai. Für den Vrinz-Hcinrich- F l u g am Samstag hat auch der Kaiser seinen Besuch auf dem Darmstädier Flugvlatz angesagt. Aus dem Flugplatz ereignete sich heule nachmittag gegen 3 Uhr, als bereits Tausende von Zuschauern dorr versanmrcst waren und die inreressanten Manöver bei der 'Abnahme der Flugzeuge mit Eifer verfolgten, ein s ch w e r e r Unfall. Lculnanr Earganico vom Flieger-Bataillon Nr. 4, der als einer der besten Flreger bekannt ist, stürzte aus einer Höhe voir erwa 30 Metern mit seinem Avparar herab und erlitt einen Oberschenkelbruch, sowie innere Verletzungen. Das Flugzeug trug die Nummer 13. Darmstadt, 15. Mai. Bis jetzt sind 28 Flugzeuge hier eingetroffen, teils aus dem Luftweg, teils mit der Bahn. Asm Nachmittag fanden Flugzeug-Vorprüfungen sür die noch nicht abgenommenen Flugzeuge statt. Bei einem UebungSfluge stürzte Leutnant Earganico aus beträchtlichrer Höhe senkrecht ab. Trotz des Sturzes aus großer Höhe blieb Earganico hei volleml Bewußtsein. Er hat einen Oberschenkclbruch und einen Beinbruch davongctragen. Das Besinden des Verunglückten ist heute abend gut, er konnte selbst an seinen Vater schreiben. ,Der Fliegetz Schlegel, der aus einer Gothataubc von Gotha hierher kam, Halle beim Lftnden Unglück, der Apparat überschlug sich .und wurde beschädigt. Schlegel selbst blieb unverletzt. Johannisthal, 15. Mai. Heurc morgen 5 Uhr stattete Oberleutnant v. Mühling-Hofsmann mit Leutnant Nord als Beobachter aus einem Albatrosdoppeldecker zu einem Fernsluge nach Darmstadt, v. Mühlig-Hoffmann nimmt an dem Prinz-Hcin- rich-Flug teil. Blinkfeuer für den P rinz-Ä ein r i ch-Fl ug. h. Frankfurt a. M., 14. Mai. Aus der unteren Blatt- sorm des Feldbergturmes wird sür den Prinz-Heinttch-Helug ein Ricsenblinlteuer eingcrichlet, das das größte aller bisher gebauten sein wird. Eine gewaltige Bogenlampe wird Tag mnd Nacht einen Lichtkegel in einer stärke vorr 60 Millionen Hefnerkerzen aussendcn, und mvar in der Folge: Blitz —> 6 Sekunden Pause — Blitz — 3 Sekunden Pause — Blitz usw. Der Lichtschein kann auf der Erde auf 80 Kilometer walwgeirommcn Iverdcn, in der Luit aus weit größere Entftnrungen. Am Sarnstag abend wird die Anlage vorairsffchtlich zum erstenmal in Betrieb gesetzt werden. Sie erhielt ihre Kraft von den Höchster Main- krasrwerken, die den Strom dazu im Jurercsse der Sache rment- gcltlich liefern. Unter allen technischen Neuerungen, die derWttnz- Heinrich-Flug diesmal bringt, ist die vraktischc Anwendung des Blinkseuers von Bcrgeshöhen die bedeutendste. * Ein französischer Luftkreuzer. Paris, 15. Mai. In T o u l nnrrde der erste der in dem militärischen Luftschissahrtsprogranmi vorgesehenen großen L u ft - krcuzcr fertiggcstcllt. Ter Ballon faßt 25 000 Kubibnrtter: die Motoren entwickeln 1200 Pferdestärken. Die Geschwindigkeit soll 80 Kilometer betragen. S e b a st o p o l, 15. Mai. sPrivattelegramm.) Ein von dem Leutnant Loutchaninoss gesteuertes Wasserflugzeug hat sich in dem Slugenblick Überschlagen, ido cs auf das Walser aussctzte. Der Apparat ist untergcgangen. Der Flieger wurde von zwei anderen Fliegern gerettet. Scbastopol, 16. Mai. Ter Militärflieger Semickura S c m i s ch k u r a ist mit seinem Flugzeirg abgcstllrzt und hat dabci seinen Tod gesunden. _ vermischte». * Großfeuer. Aus Sulzbach a. Main, 14. Mai, wird gemeldet: Gestern nachmittag gegen 7,3 Uhr brach in dem Doppick- cmwesen des Landwirts Leo Schwarzkopf und Theodor Trautmann aus bis jetzt noch imausgeklätte Weise Feuer aus. Trotz' raschen EingreiscrrS der Feuerwehr konnte eine große 'Ausdehnung des Brandes reicht verhindert werden, so daß. außer dem Doppel- anwescn auch die Scheuer des Oekvnomen Helfttch und die Doppel- scheuer des Weudclin Clirist und des Beigeordneten Michael Lebert zerstört wurden. Der Schaden wird aus ungefähr 80 000 Matt bezisieri. »leine Tagezchronik. In Palermo hat eine Frau aus dem Volke fünf g«. sundc Kinder geboren. 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