Nr. 118 Erscheint tl^IIch mit Ausnahme brt SsnntagS. Die „Elehener ZamiliendiiNer" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da; „Krtisbtatt fSt den Kreis «letzen" zweimal wöchentlich. Die „landwirtschaftlichen Seit- sragen" erscheinen monatlich zweimal. 164. Jahrgang Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen K-re»«!,, 15. Mai 1914 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Brich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: e^*51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen. Mb. Deutscher Reichstag. 257. «itzung. — Donnerstag, 14. Mai 1914. Am BundeSratstisch: Dr. S o I f. Präsident Dr. »acmpf eröffnet die Sitzung II Uhr 15 Min. Ergänzungselat für Süüweslafrila. Die Kommission schlügt vor. das beschlossene Darlehen von 5 Millionen Mark an die Landwirtschastsbank in zwei Raten.! für dieses Jahr also 2V, Millionen, zu bewilligen, während nach der Regierungsvorlage die ganze Summe für diese; Jahr be- willigt werden soll. Staatssekretär Dr. Sols: Ich bitte dringend, die Regierungsforderung wiederherzu- stellen. Heute habe ich noch Telegramme deS Gouverneurs und des LandeSrats m diesem Sinne erhalten. Wenn die Befürchtung besteht, daß vielleicht zu rasch die Darlehen gegeben werden, so verpflichte ich mich, den Gouverneur anzuweisen, vorsichtig damit umzugehen. Abg. Dr. Oertel (Kons.) bittet, dem Vorschläge der Regierung beizutreten. Die Regierungsvorlage wird gegen die Konservativen abgelehnt; eS bleibt also bei dem Beschlüsse der Kommission. Es folgt die zweite Lesung der ebenfalls zum Etat für Südwestafrika gehörenden Novelle zum Gesetz über die Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete von 1892. Danach sollen Grundeigentümer und Bergwerksbesitzer zu Ausgaben für Eisenbatzn- und andere Anlagen hcrangezogeil werden. Staatssekretär Dr. Sols: Ich bin mit der Vorlage einverstanden und werde eine entsprechende Verordnung erlassen. Abg. Erzberger (Zentr.): Nach der Zusage des Staatssekretärs könnten wir auf die Novelle verzichten. » Abg. Waldstein (Dp.): Ich beantrage nunmehr, die Vorlage von der Tagesordnung abzusetzen. Der Antrag wird angenommen. Darauf werden ohne Debatte die Reste des Schutzgebietsetats bewilligt. Die anderen kleinen Etats (Reichsmilitärgericht, Rechnungshof usw.) werden abgesctzt. Die Verlängerung des Handelsvertrags mit der Tür k e i und das Abkommen mit Japan über den gegenseitigen Schutz des gewerblichen Eigentums in China werden in 1. und 2. Lesung ohne Debatte angenommen. Das Auswärtige Amt. Die Kommission hat die Zahl der Vortragenden Räte von 29 auf 29 erhöht. Sie hat ferner die schon aus den Kommissionsverhandlungen bekannte Entschließung angenommen, auf Erlaß einer Verordnung, durch welche die Ernennung zum Legations- sekretär und Vizekonsul vom Bestehen einer Prüfung abhängig gemacht wird, die eine gewisse Einschränkung für solche Bewerber erfährt, die bereits die zweite juristische Prüfung oder die Prü- fung für den höheren Verwaltungsdienst bestanden haben. Vor der hierfür zuständigen Prüfungskommission sollen auch die besonderen Prüfungen für die Ernennung zum Berufskonsul stattfinden. Berichterstatter Abg. Basscrmann (Natl.) schließt seine eingehenden Darlegungen mit den Worten: Die Verhandlungen der Kommlssion haben ein gewaltiges Anwachsen unserer Wcltintcressen festgestellt, aber auch den festen Willen der Parteien, das Deutschtum allüberall kräftig zur Geltung zu bringen. Staatssekretär von Jagow: Die Lage auf dem Balkan ist zu einem gewissen Abschluß gelangt, nachdem die Friedensschlüsse von Bukarest und London Zustimmung in allen Staaten gefunden haben. Allerdings hot die Durchführung ihrer Beschlüsse manche Schwierigkeiten geboten. Nach den schweren Prüfungen, die das otto- manische Reich hat durchmachen müssen, werden wir annehmen können, daß bessere Zustände eintreten werden. Das Neben- cinan derleb cm der verschiedenen Elemente des Staates wird sich praktisch besser gestalten. Ein erfreuliches Zeichen ist, daß die türkische Regierung sich entschlossen hat. Reformen inArmeni e n einzuführen, die zu der Hoffnung berechtigen, daß sich auch in diesem Teil des Reiches die Verhältnisse bessern werden. Wir haben Grund zur Hoffnung. daß die Balkanvölker sich wirtschaftlich und kulturell in friedlicher Arbeit weiter entwickeln. Wir werden es unS angelegen sein lassen, soweit wir vermögen, darauf hinzuwirken. Nachdem sich Griechenland zur Zurückziehung seiner Truppen entschlossen und die albanesische Regierung sich zu Konzessionen bereit erklärt hat, ist auch hier die Hoffnung auf eine Verständigung gegeben. Auch kann eine allmähliche Konsolidierung dieses Staates erwartet werden. Im Einvernehmen mit England, Frankreich und Rußland konnten wir die berechtigten Inter- essen der uns verbündeten Monarchien im vollen Umfange wahren. Ich begegne mich in dieser Anschauung mit den Auslassungen, die der österreichisch-ungarische Minister vor kurzem in den Delegationen gegeben hat. Ein wesentliches Verdienst kommt der besonnenen, maßvollen und vermittelnden Haltung Rumämiens zu. Die^ hohe Weisheit seines Herrschers und seiner Regierung bürgt dafür, daß' Rumänien auch fernerhin an dieser Politik festhält und mit seinen alten Freunden an der Erhaltung des in London und Bukarest hergestellten Friedens arbeiten wird. Die Grundsätze, von denen die deutsche Politik sich hat leiten lassen, wird auch fernerhin maß- gebend sein. Unter Rücksichtnahme auf die berechtigten Interessen anderer Mächte und unter voller Sympathie für die Entwicklung der Balkanstaaten werden wirstetsfestundentschlossen für die berechtigten Interessen unserer Bundesgenossen eintreten. Unser Verhältnis zu Rußland hat in letzter Zeit die Aufmerksamkeit in erhöhtem Maße in Anspruch genommen. Der Herr Reichskanzler bedauert ganz besonders, heute nicht über diesen Punkt hier sprechen zu können. In den letzten Tagen hat das Urteil über den Prozeß in Perm weites Aufsehen gemacht. Wir baben die russische Regierung gebeten, uns die Begründung deS Urteils bgldmöglichst zukommen zu lassen. Bis dahin muß ich eS mir versagen, über diese Frage zu sprechen. Zweifellos hat sich die schon seit langem in einem Teil der «russischen Presse herrschende deutsch.feindliche Stimmung in letzter Zeit noch verschärft und zu einer fast systematischen Kampagne geführt. Dieejnigcn, die daran Schuld tragen, möchten sich nicht wundern, wenn c8 aus dem Walde so heraus schallt, wie hineingerufen wird. (Lebh. Zustimmung im ganzen Hause.) Wie bereits in der Kommission, so möchte ich nochmals auch hier mich dagegen verwahren, daß die Kaiserliche Regierung für gewisse Kundgebungen der deutschen Presse verantwortlich gemacht wird. Aber die Reaktion ergibt sich infolge der Aktion. Feine Beobachter ! werden vielleicht erkennen, daß man uns und andere Mächte mit ungleichem Maß mißt. (Sehr wahr!) Jede Kundgebung eines inaktiven Offiziers, jede Kundgebung von nationalen Vereinen, in denen bte Wogen der nationalen Begeisterung etwas höher gehen, wird von der ausländischen Presse sofort regi 'rt. Wenn wir aber, wie das periodisch geschieht, bald von Ost oder West oder von beiden Seiten mit Androhungen und Bedrohungen beworfen werden, so wundert sich niemand besonders darüber. (Lebh. Zustimm. b. d. bürgerlichen Parteien.) So erklärt es sich meines Erachtens, daß, als damals unsere Presse etwas kräftige Worte der Abwehr fand, ein führendes englisches Blatt es für notwendig hielt, darauf hinzuweisen, daß eine Fortdauer dieser Bewegung daS sicherste Mittel sei, um den engeren Zusammenschluß der Ententemächte herbeizuführcn. Ich habe den guten Glauben des Blattes keinen Augenblick bezweifelt. Ich bin überzeugt davon, daß es die Stimmung zutreffend wiedergab. die in England die herrschende war. Ich kann wohl sagen, ich war nicht einmal erstaunt darüber, denn es war mir wohl bekannt, daß die Kampagne, die gewisse Organe der öffentlichen Meinung in Rußland Monate hindurch gegen uns geführt hatte, in der englischen Presse keine oder doch jedenfalls nicht annähernd die Beachtung gefunden hatte, die der Wiederhall hervorrief, den diese Kampagne nunmehr in Deutschland erweckt. (Zustimmung.) Ich kann nur das wiederholen, was der Reichskanzler im vorigen Jahre gesagt hat. Die Interessengegensätze werden sich bei gegenseitigem guten Willen ausgleichen lassen. Um so verwerflicher ist es, künstlich die Nationen durch die Erregung der Volks- lcidcnschaften aufzureizen. (Sehr richtig!) In unserer übernervösen Zeit ist ein derartiges Einwirken der Presse ein Spielen mit Feuer (Lebh. Zustimmung). Eine solche gegenseitige Gereiztheit ist nicht geeignet, eine friedliche Führung der Geschäfte zu fördern. (Lebh. Zustimmung.) Ich hoffe aber, daß es den beiderseitigen Regierungen gelingen wird, den gefährlichen Strömungen einen Tamm entgegenzusetzcn. Der Gedanke, daß die Interessen beider Länder in freundnachbarlichem Zusammenleben bestehen, ist gesund, und ich habe Grund zu der Annahme, daß auch die russische Regierung ungeachtet der Treibereien an diesem freundnachbarlichen Zusammenleben festhalten wird. Was die Verhandlungen über dienäherenFragen des Orients anlangt, so bin ich nicht in der Lage, darüber eine Mitteilung zu machen, weil diese Verhandlungen noch nicht in allen Teilen abgeschlossen sind. Zu dem, was im Vorjahr über die Verhandlungen mit England hier gesagt wurde, kann ich ebenfalls neues nicht hinzufügen. Die Verhandlungen werden in der Ireundschaftlichcn Weise geführt, die auch sonst in unseren Beziehungen zu England herrscht. (Lebh. Beifall.) Wir haben auch Verhandlungen mit Frankreich gepflogen. Wenn sie auch vorwiegend technisch- finanzieller Natur sind, so glaube ich doch, es politisch begrüßen zu können, wenn wir mit unserm westlichen Nachbar zu einer solchen, Reibungsflächeu ausschlicßenden Verständigung gelangen. (Beifall.) Alle diese Verhandlungen stehen in gewissem Zusammenhänge. Einzelne Teile des Verständiguugswerks vorweg der Oeffentlichkcit zu übergeben, dürfte nicht im Interesse der Sache liegen. (Sehr richtig!) Die unsichere Lage der Dinge in Mexiko hat eine weitere Verschärfung erfahren infolge des Konflikts, der mit der Regierung der Vereinigten Staaten entstanden ist. Wirtschaftliche und persönliche Interessen deutscher Staatsangehöriger werden dadurch in hohem Grade in Mitleidenschaft gezogen. Wir sind darauf bedacht gewesen, für die persönliche Sicherheit unserer in Mexiko lebenden Landsleute nach Möglichkeit Vorsorge zu treffen, und erfreulicherweise sind unsere Bemühungen in dieser Hinsicht bis jetzt von Erfolg gewesen. Was die materiellen Schädigungen betrifft, so werden wir dazu Stellung zu nehmen haben, sobald in Mexiko geordnete Verhältnisse wieder eingetreten sind. Vorbereitende Schritte haben wir bereits getan. Wir haben es freudig begrüßt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten, mit der auch wir fortgesetzt die besten Beziehun- gen unterhalten, sich entschlossen hat, die Vermittlung der drei großen südamerikanischen Republiken anzunehmen. Die Verhandlungen sollen am 18. Mai in Niagara stattfinden. Die weitere Entwicklung wird abzuwarten sein. Mit Argentinien, Chile und Brasilien, die die Friedensmission auf sich genommen haben, sind wir in letzter Zeit wiederholt in Berührung gekommen. Ich gedenke mit Dank des freundlichen Empfanges, den Prinz Heinrich und seine Gemahlin sowie das deutsche Geschwader in den südamerikani- schen Republiken gefunden haben. (Beifall.) Die Wärme dieser Aufnahme beweist, was ich mit Genugtuung feststellen möchte, daß man von der Aufrichtigkeit unseres Wunsches überzeugt ist, unsere bandelspolitischen Beziehungen zu diesen aufstrebenden Länderir o hne politische Hintergedanken zu fördern. (Beifall.) Darin erweist sich ein Vertrauen in die Aufrichtigkeit der deutschen Politik, das gerade auf dem Gebiete der internatio- nalen Politik eine Vorbedingung des Erfolges bildet und das uns zu erhalten und zu stärken wir bestrebt sein werden. (Beifalls Ich richte an den Reichstag die Bitte, uns in diesem Bestreben zu unterstützen. An den beiden großen Aufgaben, die uns gestellt sind, der Sicherung unserer vom Glück nicht gerade begünstigten geographischen Lage und der Entfaltung der Wirt- schriftlichen und kulturellen Kräfte Deutschlands in der Welt arbeiten wir, wir mir scheint, mit der Anspannung aller unserer Kräfte. Den Erfolg zu unterschätzen, haben wir auch gar keinen Anlaß, wenn er sich zwar nicht sprunghaft, aber allmählich, sicher und in stetigem Wachstum einstellt. (Lebh. laNganhaltcnder Beif.) Abg. Wendel (Soz): Der englische Bürger genießt Achtung, der deutsche nicht. Der englische ist frei, der deutsche ist nicht frei. Der Staatssekretär kann nichts tun, die äußere Politik wird durch die innere bestimmt. Und die innere wird bei uns von Feudalen gemacht, nicht vom Volke. Die Natoinalliberalen sind mit der Lage auf dem Balkan zufrieden. Tann kann man mit einer Variation eines Goetheschen Wortes sagen, nur die Nationalliberalen sind bescheiden. Der Balkankrieg war ein Stück Revolution. Der Feudalismus ist bei Kemanowo und ' Airkkiliffe zusammengebt ochen. Bei uns ließ man alles gehen, W7nn auch mit einigem Bedauern. Der Zarismus erinnerte sich, Konstantinopel russisch itigrab heißt. Unser Bedarf in Romantik aber ist durch den Panthersprung von - •> b i r gedeckt Wir folgten der hysterischen hin- unb Herste,'; enden österreich 'chen Politik, die von der Furcht vor dem serbischen Schwein geleitet tvird. Diese Schlacht- Hofpolitik, wie man sie mit Recht genannt hat, wollte Europa in ein Menschenschlachthaus verwandeln. (Unruhe und Hu!- Hu!-Rufe rechts.) Albanien, das durch die Machtgelüste Italiens und Oesterreichs geschaffen wurde, dieses r h a ch i t i f ch c Kind, ist eine stete Bedrohung des Weltfriedens. Wir bedauern, daß Deutschland dieses unmögliche Staatsgebilde hat schaffen helfen. (Lachen rechts.) Bei seiner Abgrenzung wurde keine Rücksicht auf daS albanische Volk genommen. Mit diesem Staat hat Deutschland einen Keil in den Dreibund getrieben. Für den neuen Fürsten, der bezeichnenderweise ein preußischer Feudaler ist. wird ein Ameisenhaufen ein bequemerer Sitz sein als fein Thron. Wenn ihm etwas zu Albanisches zustößt, werden wir hoffentlich keine Rache-Expedition ausschickcn. Für uns ist er Privatmann. Die Maßregelung des Konsuls Schlicken in Belgrad, der nur feine Pflicht tat' und besser Bescheid wußte, als der Gesandte, beweist nur die Abhängigkeit i>cx deutschen Politik von der österreichischen. Die Entsendung der preußischen Militär. Mission nach der Türkei berührt uns peinlich. Der Türkei tun innere Reformen not. Die Mission hat die offiziellen Be. Ziehungen zu Rußland gestört. Zwar hat Rußland die Revolu- ticn im Leibe, und wenn dieser Nikolaus cm die Waffe appelliert — Vizepräsident Dr. Paaschc: Ich bitte, nicht in dieser Weise von einem verbündeten F ü r st e n zu sprechen. (Lärm und Widerspruch bei den Soz.) Ich bitte keine Kritik an dem zu üben, was ich getan habe. (Erneute Unruhe bei den Soz.) Abg. Wcndcl (Soz.): Bei einem Kriege soll sich der Zar eine Schuppenkettc an die Krone machen, damit sie ihm nicht davonfliegt. Eine demokratische Politik Deutschlands vereitelt die ganze russische Gefahr. Die Entspannung mit England begrüßen wir mit Freuden. Anders sprechen allerdings die inaktiven Generale, bei denen allein der Mund noch fclddienstfähig ist. (Große Heiterkeit.) Die Rüstungen ändern an dem Kräfteverhältnis der Staaten gar nichts. Di« lärmende Agitation gegen die Fremdenlegion erreicht nur das Gegenteil des Beabsichtigten. Solange noch Deutsche hungern, wird es deutsche Fremdcnlegionäre geben. Das französische Volk hat einen entschiedenen Willen zum Frieden und zur Verständigung mit Deutschland. Daö haben die iüngsten Wahlen in Frankreill, bewiesen. In der Agitation haben die französischen Chauvinist! erheblichen Gebrauch gemacht von dem Regimentsbefehl des scheidenden Kronprinzcn-Regiments- kommandeurs. Dieser kronprinzlichc Attakenreiter hat also den französischen Chauvinisten Material geliefert. DaS Volk. das hinter uns steht und das Kanonenfutter im Kriegsfälle bildet, will nicht, daß es zum Klappen kommt. Das „Kanonen- futter" ruft über die Grenzen, daß cs den Krieg nicht will. Was uns eint und bindet, das Gefühl dcrJnternationalität der beiden Kulturvölker, können die Grenzpfähle nicht hindern. Aus Frankreich wird es zu uns herüberschallen: ES lebeDeutschland. wenn ich mit dem Rufe schließe: Vive U France! (Beifall bei den Soz. Große Unruhe und Gelächter rechts.) Abg. Dr. Spahn (Zentr.): Das Frankreich, das der Vorredner eben leben ließ, ist dasselbe, das mit seinem Gclde die russiscl>en Waffen gegen uns schärft. Daniit erledigen sich die Ausführungen des sozialdemokratischen Redners. (Lebhafter Beifall bei den bürgerlichen Parteien.) Wir müssen uns vor der Situation hüten daß unsere' Armee geschlagen ist, bevor sie ins gegnerische Land kommt. Des- I-alb haben wir unsere Heercsverstärkung durchführen müssen. Wir müssen daran festhalten. daß der Schwerpunkt unserer Auslandspolitik in Europa liegt. Die Erhaltung der Gleich» gewichtspolitik ist in letzter Zeit wieder stärker betont worden. In Kleinasien ist für die wirtschaftlichen Interessen aller Staaten freie Bahn möglich. Auf dem Balkan tya&eü wir eigentlich mir wirtschaftliche Interessen. Albanien ist das alte Grenzgebiet der Kulturen des Ostens und des Westens. Oester- rcich-Ungarn und Deutschland sind wegen ihrer geographischen Lage aufeinander angewiesen. Das ist die festeste Spitze deS Dreibundes. Erfreulich ist. daß wir uns mit England näher gekommen sind. England und Deutschland sind die bandelsmäch-, tigsten Staaten der Welt. Gerade deshalb sollen sic sich nicht wirtschaftlich bekämpfen, sondern nach gemeinsamen Gesichtspunkten sich verständigen. Ihre Berührungspunkte sind zahlreicher, als man annimmt. Unsere Sympathie für den Dreibund ändert in keiner Weise unseren Standpunkt zur römischen Frage. Zu Rußland haben wir die c n g st e n wirtschaftlichen Beziehungen. Deshalb sollte man den Unfreundlichkeiten gewisser russischer Kreise nicht allzu viel Gewicht beilegen. Abg. Prinz zu Schoencich-Cnrolath (Natl.): Ich kann cs nur billigen, daß uns Weiß- oder Rotbüchcr nicht vorgclegt werden. Denn je mehr ich derartige Bücher gesehen habe, desto deutlicher ist es mir geworden, daß sie keinen Wert haben. Wir sind Anhänger und Freunde des Dreibundes. Aber wir müssen dann, wenn in Oesterreich-Ungarn volle Bewegungsfreiheit gefordert wird, diese Freiheit auch für uns verlangen. Wir können dann mit Befriedigung aus dem Expose deS Grafen Berchtold die freundschaftlichen Beziehungen zu Rußland — ausgerechnet zu Ruß. land — entnehmen. Wenn dem so ist, so kann cs uns nur freuen. Die Bemühungen zu einer Verständigung mit England wollen wir unverdrossen fortsetzcn, trotz aller Anfeindungen, die wir erfahren. Wir halten einen Krieg mit England für ein Verbrechen und für U n s i n n. Die, die von Krieg sprechen, sollte man nur ein einziges Schlachtfeld mit allen seinen Schrecken sehen lassen. Wir laufen den Engländern gewiß nicht nach — baS verlangen sie auch gar nicht. Die Verständigungsaktion der Diplomaten ist getragen von den Sympathien beider Völker. Wir bedauern den Tod des Herzogs von Argyll, der ein so eifriger Verfechter der Versöhnunasoolitik war. Die Ausführungen des Staatssekretärs über Rußland haben mich sehr erfreut. Man beurteilt hier die Ae u her ungen der russischen Zeitun- gen falsch, weil man nicht bedenkt, daß dieselben Blätter das eigene Auswärtige Amt noch viel heftiger angreifen. Das Auswärtige Amt in Petersburg hat gar keinen Einfluß auf diese Presse und deshalb darf man ihm solche Aeußcrungen nicht zum Vorwurf machen. Seit den Tagen Friedrichs des Großen haben wir eigentlich nur gute Beziehungen zu Rußland gehabt. Seine Haltung im Jahre 1870 werden wir nie vergessen. Trotz aller beunruhigender Nachrichten wollen wir an die Erhaltung des Friedens glauben. Diese Nachrichten knüpfen vielfach an falsche Voraussetzungen an. Welchen Vorteil könnten beide Staate« selbst von einem siegreichen Kriege haben? Auf dem Battan kommt eö hoffentlich bald wieder zu ruhigen Zuständen. Wir wünschen die Erhaltung der Türkei. Befriedigen muß. daß Griechenland in seinen zum Teil unerhörten Forderungen nachgegeden hat. Herr Wendel hat die Tribüne verlassen mit dem Ru fei Vive la France T Ich frage ihn, wo find die maß« gebenden Stellen in der französischen Regierung, die die von ihm behaupteten Kundgebungen für eine Verständigung mit Deutsch, land gemacht haben? Herr Barthou z. B. sagte neulich, derartiges wäre nur möglich, wenn Frankreich als Weltmacht ab« darrte. Sind das Worte der Freundschaft? (Unruhe b. d. Soz.) So bar Barthou öfter gesprochen, in demselben Sinne auch Clemenceau. Das sind mir die bcrvorragendsten Staatsmänner Frankreichs. Und wie war es 1870? Wir lebten im tiefsten Frieden, als der Krieg ausbrach. Wir, die Politik Bismarcks, baden die französische Weltmachtstellung gefordert; wir haben ihm ermöglicht, sein großes Kolonialreich zu schaffen. Eine friedliche Strömung ist ,n Frankreich nicht allgemein. Das ist das Wenigste, was darüber gesagt werden kann. Dankbar wären wir. wenn der Staatssekretär sich über seine Stellung zur Schiedsgerichtsfrage äußern wollte und ebenso über die See« rcchtsdeklaration. Das Schiedsgerichtswesen sollte Deutschland kräftig unterstützen. Eine vorbereitende Studienkommission für die dritte Haager Konferenz sollte nach dem Muster anderer Staaten auch bei uns eingesetzt werden. Staatssekretär von Jagow: An den Widerspruch, den seinerzeit der Kardinal von Krakau namens der österreichischen Regierung gegen die Wahl RampollaS eingelegt bat, hat Deutschland keinen Anteil gehabt. Sic Edward Greh bat an den Beitritt Englands zur Pariser SeerechtSdekla- ratron Bedingungen geknüpft, die noch geprüft werden müssen. Abg. Gothein (Vv.)S Die amerikanische Gefahr ist nicht so bösartig. Wenn Amerika wirtschaftlich glänzend dasteht, so kommt es daher, daß es keine Rüstungen kennt. Wenn wir die Arbeitskraft unserer jungen Leute lapitalisieren, die Soldaten werden müssen und während der Zeit nichts produzieren, io kommen wir in zwanzig Jahren zu einer Ausgabe von hundert Milliarden. Für Frankreich und Deutschland ist eine Rüstungsentlastung dringendes Bedürfnis. Barthou hat sich im November vorigen Jahres ganz friedlich aus. gesprochen. Die Wahlen in Frankreich sind ein Zeichen für die eminente Friedensliebe, die im französischen Volke lebt. Sieger waren diejenigen, die aus die Berner Friedenskonferenz gekommen waren (Scbr richtig! links). Der Ausruf, mit dem der Abg. Wc n d e l im lleberschwang seiner Gefühle seine Rede schloß, war allerdings nicht glücklich (Sehr richtig! links). Man sollte mehr auf die chauvinistische Presse Deutschlands acht geben. Selbst die Berliner Große Kunstausstellung hat neulich einem französischen Berichterstatter eine Karte verweigert mit der Begründung, daß es in Frankreich Gewohnheit geworoen sei die Deutschen kulturwidrig und gehässig zu behandeln. Ein tölpelhafteres Schreiben ist nicht gut möglich. Es verrät ein eminentes Defizit an- Takt. Auch wir sehen keinen Anlaß zur Feindschaft mit Rußland. Selbst die zollpolitischen Differenzen werden sich beilegen lassen. Rußland ist auf Anleihen im Auslände angewiesen. Sobald Bismarck ihm den deutschen Geldinarkt sperrte, muhte es den französischen aufsuchen. Der Besitz ausländischer Werte verbürgt politischen Einfluß und sichert im Kriege. Unsere Politik muß offene Türen für unseren Handel verlangen. Unsere Diplomatie ist nicht auf der Höhe. Die Türkei muß die Dardanellen behalten, bis etwa das Schwarze Meer neutralisiert werden kann. Mit England haben wir das gemeinsame Interesse am freien Welthandel. Wir brauchen internationales Vcrkehrsrccht. Wenn tatsächlich noch ctr. Mißtrauen gegen die deutsche Politik besteht, so kommt das daher, daß im Innern bei uns eine kleine Minderheit eine Macht' und Vergewaltigungspolitik nach dem Muster Zabern treibt. Wir haben gegen unverantwortliche, unkontrollierbare. Einflüsse anzukämpfen, die keine Einheitlichkeit der Politik aufkommen lasten. Dieser Dualismus muf Mißtrauen erwecken. Staatssekretär v. Jagow: Ich habe mich nicht zum Verteidiger und Fürsprecher chauvinistischer Kundgebungen gemacht. Ich habe nur festgeftelll, daß die Angriffe von russischer Seite aus. gegangen sind, uns daß schließlich, wenn man oft angegriffen wird, eine Reaktion eintritt. Ferner ist das Maß, mit dem ge- meffen wird, nicht einbeitlick. Angriffe, die von jener Seite kommen, werden anders gemesten als solche, die auf uns geführt werden. Abg. Dr. Oertel (Kons.): Es läßt sich nicht gut bestreiten, daß der Streit von russischer Seite begonnen worden ist. D'e Ausbildung unserer Diplomaten mag manches zu wünschen übrig lasten, aber das soll auch anderswo Vorkommen. Tie vorgeschlagene Entschließung geht uns viel zu sehr ins einzelne. Belehrungen über unsere Auslandspolilik will ich nicht geben. Man gerät als Präcepror des Auslands leicht in eine gewisse lächerliche Rolle. (Zuruf links: Sie sind ja der Präcep- tor Deutschlands!) Dazu reicht es allenfalls noch, aber Präceplor Europas zu sein, überlaste ich Herrn Gothein. (Heiterkeit.) Die chinesische Republik hat sich in kurzer Zeit so umgewandelt, daß ihre hiesigen Freunde sich kaum wohl dort fühlen würden. (Heiterkeit.) In der Balkankrisc sind wir nach Bismarcks Rezept immer in der Hinterhand geblieben. Mit vollem Recht. Die Türkei als DLacht zu erhalten, ist deutsches Interesse. Für uns können wir nur tvirschaftliche Vorteile in Kleinasien herausschlagen. Wir sind Freunde des Dreibundes, kühle und nüchterne Freunde, aber wir halten ihn für eine Notwendigkeit. Wenn Frankreich uns Chauvinismus vorwirft, so sieht cs den Balken im. eigenen Auge nicht. In Frankreich ist man augenscheinlich etwas nervös geworden. Aber wir müssen doch-seststellen, die Fremdenlegion ist keine ehrenvolle Einrichtung Und wie werden die, Leute behandelt, che sie wieder nach Deutschland gebracht werden!' ©utc Beziehungen zu Rußland wünschen wir selbstverständz lich. G«ckiiste Unfreundlickkciten lassen uns durchaus kühl. Nur sollen wir sie nicht mit Liebenswürdigkeit aufnehmen. Wir sind gute und willige Abnehmer Rußlands. Schließlich hat Rußland! viel mehr zu derlieren als wir. Als Dr. Delbrück erklärte, wir? würden die Handelsverträge nicht kündigen, war mir zweifelhafte ob eine solche Erklärung zu dieser Zeit, von dieser Stelle aus in dieser Ocfscntlschteit zweckmäßig gewesen sei. (Sehr richtig! rechts.) Diese Zweifel haben sich inzwischen als berechtigt erwiesen. (Sehr richtig! rechts.) Wir begrüßen die Verhandlun- zen mit England, wollen uns dabei aber nicht über den Löffel barbieren lassen. Wir wollen gute Beziehungen zu England, aber ohne Anbiederung, die nur das Gegenteil bewirken würde. Die Engländer sind viel vernünftiger geworden; das zeigt die Erklärung Greys über das Seeprisenrecht. Aber weshalb weigert sich Eng- f^tz.^.^och immer, die Verluste Deutscher im Burenkriege zu entschädigen . Selbst das Haager Schiedsgericht hat es in diesem Fall, der wie dazu geschaffen ist, nicht anerkennen wollen. Was bedeuten überhaupt Schiedsgerichte, wenn der Wille zum Frieden nicht vorhanden ist? Es muß eben heißen wie seit 40 Jahren bei uns: Bereit zum Frieden, aber gerüstet zum Kriege immerdar! tLebh. Beifall rechts.) Abg. Schultz (Rp.): Die ftanzösische Volksstimmung ist durchaus nicht so fried- liebend. D,e amerikanischen Rüstungsausgaben sind gegen die stnsrigen unverhältnismäßig bock, die anderer Länder sogar höher als bei uns. trotzdem sie nicht dasselbe zu leisten haben. (Sehr richtig! rechts.) Der Krieg wird nicht aufhören, solange eS menfch- siche Leidenschaften gibt. Höchstens im Zukunftsstaat, und den würde schließlich ein unkultivierter Nachbar auffresten. (Heiterkeit.) Ich wünsche, daß unsere Ballonfahrer nicht wieder Fahrten jju unserem östlichen Nachbarn unternehmen, damit kein Anlaß zu einer Verschlechterung unserer Beziehungen zu Rußland gegeben wird. (Beifall rechts.) L UrtterftaatSfefretör Btmmcrnuuto: Ick der Angelegenheit der Entschädigung auS dem Buren- Iriege haben wir wiederholt Schritte getan. Zu unserem leb- habten Bedauern haben wir auf unsere letzte Anftage keine Antwort erhalten. Wir werden auf die Angelegenheit erneut zurückkommen. Hinsichtlich der Fremdenlegion hat sich die französische Regierung aus eigener Entschließung bereit erklärt, diejenigen Angeworbenen, die das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, wieder freizugeben. Auf unseren Antrag gibt sie diese jungen Leute anstandslos ftei. In einem von dem Abg. Oertel angeführten Fall handelt es sich nicht um einen minderjährigen Fremdenlegionär, sondern um einen Mann, der wegen Diebstahl verfolgt wurde. Er machte den Weg durch die Gefängnisse hierher. Dagegen läßt sich nichts einwcnden. ES ist richtig, daß unser Handel nach China große Zahlen nicht aufweist. Es handelt sich hauptsächlich um Arti- kel, an denen unsere Industrie nicht so stark beteiligt ist. Ferner hatte ein großer Teil der deutschen Firmen ausländische Artikel bereits übernommen zu einer Zeit bereits. wo unsere Industrie noch nicht so entwickelt war wie heute. Auch fehlte es vielfich an Zeit und Erfahrung, um der Einfuhr neuer Artikel die richtige Aufmerksamkeit zuzuwenden. Eine Spezialisierung des Geschäftes würde sich auch in dieser Richtung vielfach empfehlen. Die deutsche Einfuhr muß sich auch nach den Maßnahmen der Konkurrenz richten, eigene Vertreter hinausschicken, die den dortigen Firmen attackiert werden und selbständig arbeiten. Es heißt da Propaganda entwickeln und auch mehr finanzieren. Früher, als China keine Anleihen hatte, ging es auf dem alten Wege. Aber seit dem vergangenen Herbst werden industrielle Anlagen dort gegründet, und die Konkurrenz hat sich die Möglichkeit zunutze gemacht, sich neue wertvolle Positionen zu schaffen. Es ist zu hoffen, daß sich auch unsere Finanzkraft künftig etwas lebhafter in China betätigt. Auch der deutsche Kaufmann soll sich etwas eifriger in unserem Interesse durch Kulturpropaganda für die deutsche Sprache zeigen. Der deutsche Kaufmann muß auch dasjenige Mittel anwenden, durck das er sonst große Erfolge erzielt hat, und die Landessprache erlernen. Also etwas-mehr Arbeit! Wenn alle diese Faktors zufammenkommen. dann bin ich ohne Sorge, daß wir in China allmählich die Position erringen werden, die der Leistungsfähigkeit und der Industrie mit Recht gebührt. (Beifall.) Abg. Mumm (W. Vgg.): Wir wünschen möglichst gute Beziehungen zu Rumänien. Die Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung dieses Landes dürfen dabei nicht in Frage kommen. Bei dem Permer Fall handelt es fick um eine innerrussische Angelegenheit. Bei , der „Kölnischen Zeitung" weiß man nie, was offiziös ist und was nicht. Es müßte eine deutlichere Trennung, ähnlich wie bei der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" bewirkt werden. Wir wünschen ein friedliches Verhältnis zu England. Der Abgeordnete Wendel endete mit Aeußerungen des Hurrapatriotismus. Freilich galt dieser Patriotismus nicht dem eigenen Lande, sondern Frankreich. Seine Freundschaft gilt wohl mehr dem Frankreich der Marat und Danton als dem heutigen. Er beklagt wenigstens in einer Broschüre, daß es bei uns nicht so richtige Revolutionen gegeben habe wie in Frankreich. (Hört! hört! rechts.) Er sagt in einem Gedicht u. a.: „Dem ersten Kerl mit der Krämerfratze, haue ich die Faust in den Leib!' (Hört! hört! und Heiterkeit.) In einem anderen Gedicht deS Herrn Wendel heißt es: Hier überlege ich, indem ich Mandeln knacke. Wenn ich mich mal erschießen muß. Ob ich's im Smoking tue, ob im Fracke! (Große Heiterkeit.) Ich wünsche Herrn Wendel, daß er nicht zur Pistole greifen, und daß er nicht internationale Probleme, sondern nur Mandeln knacken möge. (Heiterkeit.) Es ist bedauerlich, daß in einem Konsulatsbezirk geradezu Propaganda für den Zionismus gemacht worden ist. Direktor Dr. Johannes: In dem vom Abg. Mumm angedeuteten Fall kann von einer eigentlichen zionistischen Propaganda nicht gesprochen werden. Freitag, 11 Uhr, pünktlich: Kurze Ans-ragen. Fortsetzung des Etats des Auswärtigen. Schluß 7 Uhr. Deutle Kolonien. Nochmals der Rücktritt dcs Freiherr» von Schlei» itz, In der „Post" gibt Freiherr ». Schleinitz eine Darstellung der Gründe seines notgedrungencn Rücktritts von dem Kommando der ostafrikantschen Schutztrnppc, Mir ist der Vorwurf gemacht worden, ich habe das Reichs- Koloiiialamt und den Gouverneur nicht über die Grausamkeiten unterrichtet, die gelegentlich der S t r a s c r p e d i t i ott im Uruitbi im Jahre 1908 durch farbige Soldaten verübt worden sind. Daß diese Grausamkeiten vorgekommcn seien, sei lediglich daraus zurückzusühreu, weil die farbigen Soldaten ohne Europäer abgesandt seien mit dem Beseht, aufsässige Häuvtlingc zu sangen. Der Umstand, das; diese Expedition nicht unter Aussicht non Europäern stattgefunden hat, sand die vollste Billigung dcs damaligen Gouverneurs Freiherrn v, Rcckicnbcrg, Denn dieser hat selb st die Beringung erlassen, durch welche der derzeitige Hauptmann n, Gräwcrt ermächtigt wurde, die Ervedition zu veranlassen,, , Als dann trotz eindringlichsten Verbotes 'die farbigen Soldaten die schweren Grausamkeiten beganqen hatten, wurde von der Reiidcntur Urunoi am 3, Januar 1909 an das Gouvernement berichtet,,, Am 4, Januar 1909 berichtet abermals die Residentur Urundi an das Gouvernement, daß ein farbiger Soldat, der an diesen Grausamkeiten beteiligt gewesen sei, in das kongostaatlichc Gebiet geflohen sei. Aus diesem Bericht des Obcrrichters Vortisch in Daressalam geht seiner deutlich hervor, daß der stellvertretende Gouverneur und der erste Referent Gc- heimrat Methner eingehend unterrichtet waren. Und schließlich läßt ein eigenhändiger Aktenvermerk dcs Gouverneurs v. Rechenderg keinen Zwcisel darüber, daß der Gouverneur über die Angelegenheit unterrichtet gewesen ist. Es steht ferner fest, daß der verstorbene Oberstleutnant Johannes als mein Stellvertreter währeizd meiner achtmonatigen Abwesenheit von der, Küste mit dem Gouvcnieur Freiherr» v,, Rechcnberg eingehend die ganze Angelegenheit besvrochen hat. Hieraus geht unzwciielhait hervor, daß der mir gemachte Vorwurf, der Gouverneur Freiherr v, Rechenberg sei nicht über die Angelegenheit unterrichtet gewesen, nicht aufrechterhalten werden kann. Warum der Gouverneur Freiherr v, Rechcnberg seinerseits das Rcichskolonialamt nicht über die ganzen Vorgänge unterrichtet Hat, entzieht sich meiner Kenntnis, Wenn aber irgendeiner verpflichtet war, darüber an das Rcichskolonialamt Bericht zu erstatten, so war cs der Gouverneur, nicht nur als oberster Beamter, sondern auch als Inhaber der obersten militärischen Gewalt im Schutzgebiet und als mein direkter Vorgesetzter, Als ich im vorigen Jahre in Airika loar, wurden durch den Abgeordnete» Erzbcrger die schwersten Vorwürfe gegen mich erhoben. Das Material konnte er nur durch den Gouverneur v. Reche nberg erhalten haben. Als sich die völlige Haltlosigkeit der Vor- würse herausstellte, wurde die Urundi-Angelegenhcit zum Vorlvand genommen, mich aus n,einer Stellung zu euticrneu. Aus Urlaub ln Deutlchland befindlich, wurde ich zu Berichten über die damals bereits fünf Jahre zurückliegende Angelegenheit aufgesordert ohne daß mir di« Akten zur Verfügung gestanden hätten. In Ber- lotg dieser Berichte wurde ich am 25, Mai vorigen Jahres zu einer Besprechung mit dem Staatssekretär des Reichskolonialamtes besohlen, an der noch der General v, Glasenavp teilnahm, — Hieraus ertolgte meine Verabschiedung, Herr v, Schleinitz beschränkt sich mit Absicht auf solche trockene Tatsachenseststellung, wett er mit Recht überzeugt ist, um jeden ruhig Lesenden zu überzeugen, daß er „lediglich dem Einfluß der Zentrumspartei zum Opfer gefallen" ist. Die Bezahlung an den Ueberbringer. In der jetzigen Zeit, in der Uns sehr oft Waren i» das Haus geschickt werden, hat die Frage eine aktuelle Bedeutung gewonnen: ob eine rechtsgültige Zahlung bewirkt worden ist, wenn man eine Rechnung bezahlt, welche die gedruckte Quittung des Liescranteu trägt? Dos Bürgerliche Gesetzbuch sagt in scincml 8 370 zu diesem Thema, daß der Ueberbriitgcr einer Quittung zum Empfang des Betrages als ermächtigt gilt, falls uns nicht llmständ« bekannt sind, die eine Geldannahnre des Ueberbringcrs ausschließen. Zahlreiche Handelskammern lsaben in ihrcti Gutackiten in Rechts' streitigkeiten diese gesetzliche Bestimmung dahin kommentiert, daN die Erhebung des Geldbetrages in, k g l c i ch z c i l > g c r W a r e n - zuienbung vcrkehrsüblich ist, anders läge dagegen die Rechtslage, wenn man Zahlung an den Ueberbringer von Waren leistet, der mit diesen eine u »quittierte Rechnung übcrbringt, Solckic Zahlungen haben für den Kunde» nur dann eine rechtsverbindliche Wirkung, wen» er weiß, daß der Uebcr- bringer Jnkasso-Vollmackit besitzt. Diese Vollmacht fehlt aber den meisten Laufburschen, Lausmädchen uno Mark,Hellern, weshalb für den Kunden Vorsicht geboten crschernt, da er sich jonst in die Gefahr setzt, nochmals bezahlen zu müssen. Nicht so einfach lassen sich die Fragen, die sich über Quittungen also ohne Waiensendungcn auf,verteil, in juristischer Hinsicht abtun. Die häufigste» Fälle aus diesem Gebiet stellen sich wohl in der Zahlung an einen nicht legitimierten Vertreter de-- Gläubigers dar. Es legt uns z, B, jeniand, den wir für dm Vertreter des Gläubigers halten, eine Quittung vor. welche die Firmenvordrucke dcs Gläubigers und sogar auch den Namcnstemvel desselben enthält; unter diesm Stmivel ist der handschriitlichc Name dcs angcbticki Bcvollmäckitigten gesetzt. Sind wir vcrviiichtct, den guitlicrtm Betrag nocknnal-s zu zahlen, wenn sich nun hinterher hcrausstcllt, daß der Ncbcrbriiiger der Quittung gar nicht berechtigt war. eine solche auszustellen und den Betrag überhaupt zu erheben? Das Landgericht Berlin 1 9, Kammer für Handelssachen hat diese Frage in seinem Urteile vom 2, Avril 1913 lAktcnz, 53 S, 7 13' entschieden verneint. Zur Begründung dieses Standpunktes wurde jolgcndes ausgciülirt: „Es ist allerdings eine echte Quittung des Klägers dem Beklagten nicht übcrbracht worden; trotzdem muß nach der ganzen Sachlage der Kläger sie als eine ordnungsmäßige gegen sich gelte» lassen. Die Quittung stellt sich äußerlich bei sorgfältiger Prüfung für den Beklagten als eine ordnungsmäßige dar, cs fragt sich nur, ob dem Beklagten insofern eine Fahrlässigkeit zur Last fällt, als er es unierlasien hat, zu prüfe», ob der Ueberbringer der Quittung mir Ausstellung derselben und zur Elilv'angriahme des Quittungs- bctrages legitimiert ivaz, Diese Frage ktt die erkennmd« Kammer verneint, sie hat vielmehr den Standpunkt eingenommen, daß der Kläger die im Verkehre erforderliche Sorgialt außer acht ge Inifert hat. In erster Linie ist auch bei einem großen Betriebe, wie der des Klägers cs ist, nicht davon abzusehcn, daß gedruckte Quittungssormulare und die Firmenstemvel stets so venvahrr werden, dal; ein Mißbrauch durch Unberechtigte unmöglich wird. Sollte dies aber im einzelnen Falle, vielleicht aus betriebstechnischeu Gründen, nicht ausführbar erscheinen, so mutz von dem Inhaber des Geschäits. der nur bestimmte Personen seines Betriebes zum Ausstellm und Zeichnen bon Quittungen und Einziehen der Beträge ermächtigt, doch jedenfalls verlangt werde», daß er Vor- sichtsmckßregeln trifft, durcki die dem Publikum, das der Reget nach keine Veranlassung htt, die Echtheit einer Quittung zu bezweifeln. die Pflicht auscrlcgt wird, die Legitimation des Ausstellers der Quittung zur Ausstellung und des Ucberbringers derselben zur Erhebimg des Geldbetrages zu prüfen. Das Quittungs- iormular muh deshalb einen Vermerk des Inhalts ent- halten, daß Zahlung Nur an de» zur Empfangnahme Legitimierten zu leisten ist. Dann weiß der Zahlende, daß er nicht ohne weiteres berechtigt ist, an den Ueberbringer der Quittung zu zahlen, ihni vielmehr zunächst eine Prüfungspslichi obliegt, deren Außerachtlassung zur Folge hat, daß er sich durch Zahlung an einen Nichtlegitimiertcn von seiner Zahlungsvilicht gegenüber seinem Gläubiger nicht bcireit. In der Untcrlaiiung solcher Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung dcs Mißbrauches seiner Ouittungsionnulare muh in vorliegendem Falle eine Fahrlässigkeit des Klägers erblickt iverden, welche von ihm zu vertreten ist. Dem Beklagten kann deshalb nicht zur Last fallen, daß er die ihm vorgelegte Quittung honoriert hat, er durste vielmehr den Ueberbringer der Quittung als ermächttgr ansehen gemäß 8 370 BGB., die Leistmig zu enrvsangen und er hat sich durch die Leistung an den Ueberbringer von seiner Zahlungsvilicht befreit. Wie liegt nun der Rechtsanspruch des Lieferanten, wenn er von seinem Schuldner cineAnweisungaufdessen Kasse (alfo eventl, auck, einer Behörde^ erhält und diese Anweisung mit einer sonst in allen anderen Fällen gültigen Quittung der Firma des Lieferanten versehen wird, — muß die Kasse den Betrag nochmals bezahlen, wenn sich nach der Gclderhebung hcrausstcllt, daß die Anweisung dem Liejeranien gestohlen worden war? Das Reichsgericht (Urteil vom 10, Mai 1910 in L. Z, 1910 Spalte 083 zu SS 133, 157, 370 BGB, hat diese Frage bejaht. In dem, dem Prozeßstoss zugrundeliegenden Falle wurde von der beklagten Kasse geltend gemacht, datz die aus der Anweisung befindliche Quittung des Uitterickilägcrs für den Kläger rechtsverbindlich sein müsse, da ia der Kläger dem Erheber auch durch Postvollmacht zu ständigen Gelderhebungen ermächtigt habe. Das Reichsgericht erkannte dieses Argamenr jedoch nicht an Und verwarf die eingelegte Revision mit folgender Begründung; „Die Grundsätze von Treu und Glauben erheischen nicht, daß der, der einen anderen für gewisse Gelderhebungen iz, B, bei der Post) bcvollmächttgt hat. unter allen Umstanden so angesehen werde, als ob er ihm auch Vollmacht für andere Gcld- crhcbungen, insbesondere bei ailderen öffentlichen Kassen erteilt habe, namentlich, wenn bet diesem, wie im gegebenen Falle, die Auszahlung der Gelder davon abhängt, daß der Kasse eine Mlt der Unterschrift des Gläubigers selbst versehene Quittung übergeben wird, Or, R. Landwirtschaft. — Geflügel st allschancn. Den, Bericht über die Vorstands-Sitzung des Geflügelzuchtverbandes ist noch nachzutragen; Bei den Geslügelstallschaucir werden gegeben für: 1, Stallungen (Bau, Größe, Lage, Licht, innere Einrichtung, wie Sitzstangen, Lege- und Bruträumc, Rcinlichkeili 30 Punkte, 2, Auslaus 10, 3. Zuchtbeständc (körperliche Entwicklung, Rassereinheit u, a,> 40, 4. Beschaffculieit des Junggeflügels (Entwickelung, Frühbrut, Rasscreinhcit) 20, 5. Eier- und Fleischertrag 20, 6, Fütterung, Pflege 10. 7. Bumiübrung 20, zusammen 450 Dünkte, Vereinsnachrichten. -- Seuchelheim, 14, Mai, Ter hiesige Turnverein, welcher Mitglied des Gaues Hessen ist, macht« dieser Tage seinen Frühiahrsausflug, an dem 60 Turner tcilnahmen. Man marschierte über Krosdors nach dem Waldhaus. Hier lvurde sich gestärkt und dann ging cS weiter nach Salzböden, Rach einem Aufenthalt von einer Stunde gina nran mit Gesang und Twmmcl- klang über Ruttersbausen nach Lollar, Von dort fuhr man mit der Bahn nach der Station Abendstern, von wo es dann zu Mitglied Kröck (Wirtschaft zur Stadt Gießen) ging. Der Turnverein zählt jetzt 46 Zöglinge und 420 aktive Turner, I-, Leihgestern, 15. Mai Vergangenen Dienstag unternahm der im Herbst vorigen Jahres gegründete allgemeine Staalseisenbahnerverband Großcn-Lln den und Umgegend unter Beteiligung von 850 Personen seinen ersten Ausflug. Das Ziel war Bad Homburg, Die Abfahrt dorthin eriolgte gegen 12, die Ankunft um 1 Uhr, Tic Teilnehmer traten um 9 Uhr abends die Rückfahrt an, — Nidda, 13. Mai. Am 4. und 13. Mai unternahm der Eiscnbahnervcrein seinen Familienausslug nach Hanau: mit einem Sonderzugc fuhren jedesmal etwa 120 Personen von hier ab, um IM Deutschen Haus in Hanau ihr Maisest zu feiern. Der Eisenbahnerckerem von Nieder-Gemünden dagegen feiert seine Familienfest« heute und nächsten Mittwoch hier in Krasts Saal- 'Ixm, Die Hälfte der Zchsslügler dieses Vereins wslte l^utc tzrer. A Flensungen, 13. Mai. Sein 25jährigcs Jubiläum feierte der hiesige K r i c g c r v e r c i n und mit ihm sein Vorsitzender Schumann. Dem Verein wurde durch Kreisamt- mnnn B l u me rs - Alsfeld die Großherzogs-Fahncnschlcise, dem Boriitzenden Schumann eine Ehrentafel der tzassia überreicht (II Frankenberg, 12. Mai. Im „Hessischen Los" hielt letzte Woche der hiesige Sportverein feine Jahresversammlung ab Die Zahl der Mitglieder ist im vorigen VereinSjahre von 40 aus 54 Mitglieder gestiegen. — Der Jahresumsatz betrug 590,68 Mk. Als Spielabende sind Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend festgesetzt. In den Vorstand wurden neu gewählt: Kusus 1., Ludwig 2. V o rsi tz cn de r , Junk, Ochristsührer, Martin, Küssen- führrr, Mever I., Zeugwart, Meyer II., Spielführer. wandern und Reisen, Räder und 5 ommerfrischen. - Führer deutscher Nordscebädcr 1914. Dieser zuverlässige Ratgeber bei Auswahl eines Bade- oder Erholungs- Aufenthaltes am deutschen Nordseestrandc ist soeben in neuer Auflage und hübscher Ausstattung erschienen. Interessante Abhandlungen über die Heilkraft der Nordsee, über Winterkureu sowie nützliche Reisewinke bilden eine wertvolle Ergänzung zu den ausführlichen Mitteilungen der einzelnen Schifisgefellschaiten und Badeverwaltungen über die Beförderung-Möglichkeiten, Badceinriche tungen, Kurtaxe usw. Ein besonderer Anhang mit empfehlenswerten Hotels, Pensionen und Prival-Logierhäuscrn vervollständigt da- beliebte Auskunftsbuch. Der reich illustrierte Führer, welchem auch eine vrakttsche Routen-UebersichtSkarte beigcfügt ist, ist gegen Einsendung von 20 Psg. sin Briefmarken durch das Internationale öffentliche BerkehrSbureou in Berlin, Unter den Linden ll, erhältlich. Universitäts-Nachrichten. — Tic 1. sächsisch cStandekainmer entschied sich gegen die Stimmen der beiden Oberbürgermeister Tr. Beutler- Dresden und Tr. Dehne-Plauen (Vogtlands für die Vcr- legung der tierärztlichen Hochschule von Dresden n ach Ae i p z i g. — Der ordentliche Professor der semitischen Philologie an der Universität Güttingen. Geh. Regierungsra, Dr.'theol., jur. et phil. Julius Dell Haufen begeht um 1 l 7. Mai seinen 70. Geburtstag. Von 1885 bis 1892 wirkte W als ordentlicher Professor in Marburg. Im Herbst 1913 wurde Professor Sellhausen von der Ausübung seiner Lehrtätigkeit entbunden. C«ftjcbi|ral)rt. Jo hannisthol. 14. Mm Heute nachmittag 3,23 Uhr startete hier der OnizierSstieger Oberleutnant Kolbe mit Leutnant Roder »iS Beobachter zum Ferniluge nach Darmstadt. Paris, 14. Mai. Auf dem Flugfelde von Reims stürzte der Fliegerleutnaut Hugeure mit seinem Eindecker ab und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Die Gräfin Tiepolo vor Gericht. 1 4 Sun Semo, 13. Mai. Die weitere Bcwersaufnahine in dem Prozeß gegen die Gräfin X levvlv wird fortgesetzt. Verschiedene Gerüchte über die Angeklagte stellen sich bei den Zeugenaussagen als .Klatsch und Tratsch heraus. Sv wollte efti Zeuge wissen, ein Gewährsmann habe ihm erzählt, Polimanti habe die Gewohnheit gehabt, die Gräfin durch Pfiffe zu ihrem Fenster hinauf auf.die Strafte zu bestellen, um dann mit ihr längere Spaziergänge zu machen. Der als Zeuge geladen« Gewävrswmin versagte in seiner Aussage aber vollkommen. Auch die berühmte Badeszene wird von mehreren Zeugen als durchaus erfunden hingestellt. Einem Zeugen hat Polimanti einmal das vielbesprochene Medaillon mit Haaren gezeigt. Poli- mantl soll dabei bestritten liaben, daft das Medaillon ein Bild der Gräfin enthalte. Es handle sich um das Bild der Frau eines Advokaten, die in ihn verliebt sei. — Ta erst ungefähr die Hälfte der Zeugen vernommen sind, dürfte die Verhandlung noch längere Zeft in Einspruch nehmen. vermischte». * Eisenbahnunglück. AuS Hannover, 14. Mai, lvird gemeldet: Heute morgen gegen 10 Uhr ist auf der UmgehungS- bahn an der Leinebrücke der Güterzug 5009 mit Maschine und einer ganzen Reihe Wagen entgleist. Der Zugführer und der Schaffner wurden getötet. Der Lokomotivführer und der Heizer konMen sich durch Abspringen retten. — AuS Schönholz-Reinickew- dorf, 14. Mai, wird amtlich gemeldet: Heute nacht 2,13 Uhr überfuhr der Lokomotivführer des GütcrzugeS 9401 von Pankow- Verschiebebahnhof das aus Halt stehende Einfahrtssignal des Bahnhofs Schönholz-Rcinickendori und stich mit einem aus dem Bahn- Hot auSiahrenden Güterzug 8606 zusammen. Dabei wurde der Schaffner Tefch aus Pankow getötet. Beide Lokomotiven sowie fünf Wagen wurden beschädigt, fünf andere Wagen entgleisten und wurden ebenfalls beschädigt. Die Betriebsstörung ivar um 8 Uhr vormittags beseitigt. Untersuchung ist eingcleitet. * Verlobung eines Ghmnafiastcn mit einer Gräfin. AuS Budapest meldet ein Privatielegramm: Eine interessante Verlobung erregt in hiesigen G-fcllfchaitskrcisen lebhaftes Auffehen. Ter Graf Theodor von Battenberg, welcher «chülcr der achten Klasse des Gymnasiums ist, hat sich mit der Gräftn von Potozka verlobt. Ter junge Bräutigam ist ein Sohn des Budapcster Obervostrats Grafen von Battenberg, eines Verwandten des ehemaligen Fürsten von Bulgarien. * K on f HI t i n einem Pariser Krankenhaus. Aus Paris, 14. Mai, wird gemeldet: Zwischen der Verwaltung der Pariser Spitäler und den Kranlenwärtern und Krankcnwärterinnen ist ein seltsamer Konflikt ausgcbrock>en. Tic Krankcnwärterinnen weigern sich nämlich trotz der von der Spitalverwaltung wiederholt erlassenen Verfügung, sich mit dem Antityphus-Serum impsen zu lassen, da nach ihrer Ansicht dieses Serum zwei Todesfälle und mehrere schwere Erkrankungen verursacht habe. Das Shn- dikat fiir Krankenwärter beschloß, die Frage dem Syndikat der Pariser Aerzte vorzulegen. * Ein anarchistischer Racheakt? AuS Paris, 14. Matz, wird gemeldet: Heute nacht wurde aus der Nordbahn- Iinie bei'k t. Dennis der Signalwärtcr P o u l l a I n , während er feinen Dienst versah, meuchlings von bisher unbckanitten Verbrechern erschösse n. Tic Polizei varntütet, daft Poullain, der vor zwei Jahren einen Sabotageoersach der Autobanditen verhindert datte, einem anarchistischen Racheakt znm O p - scr^esallen ist. Die Frau Poullauis besah die Selbswerleugnnng, au Stelle ihres getöteten Gatten den Signaldienst während der ganzen Nacht zu versehen. * Eine rührende Geschichte. Ein Kritiker besuchte eines Tages einen Freund, der sich seine ersten lftcrarischcn Sporen verdiente. „Lies das!" sagte der junge Dichter und gab seinem! Gast ein Manuskript in die Hand. „Es ist meine neueste kurze Geschichte, und du sollst mir offen und chrlichcheine Meinung sagen, was du davon hältst." Der Kritiker setzte sich hin und begann zu lesen. Ein paar Minuten später sah der Dichter zu seiner Ueberrafchung, wie sich die Augen feines Gastes Mit Dränen jüllten. „Mein lieber Junge," sagte der Freund, „das ist idie rührendste Geschichte, die ich sc von dir gelesen habe.":— „Wie?" antwortete der Dichter und rang nach Ätllm, „ich habe doch eine Humoreske geschrieben, in die ich all meinen Witz hincinlegen »wollte!" Da fielen seine Augen auf das Manuskript. „Ach, jetzt verstehe ich. Das ist ja gar nicht das richtige Manuskript Das ist ja — mein Brief an den Vorsitzenden der Einkommenftcucrveranlagungs-Kom- mission: ich wollte ein paar Stufen herunterkommen..." — Der Blitzableiter, von Radium. Bon vielversprechenden Versuchen über eine Verbesserung des Blitzableiters wissen die „Naturwissenschaften" (Verlag von Julius Springer, Berlin) zu berichten. Bei dem -gewöhnlichen Blitzableiter durchströmt die Elektrizität des Blitzes die für sic»angelegte L'cituitgl nur dann, wenn sic vom Blitze erreicht imrd, und damit dies geschieht, bringt man zahlreich!-: sehr feine Spitzen an. Bedingung ist dabei, daft die Potentialdifferenz zwischen dem Blitzableiter und der Luftschicht darüber größer ist, als gegenüber irgend einem 1 in der Nähe befindlichen Leiter. Durch die Anwendung von Radium kann nun diese Bedingung künstlich geschaffen werden. wir B. Smlard durch Versuche nachgewiescn hat: durch Radium wftch die Luftschicht über dem Blitzableiter leitend gemacht, und so mild ine Entladung an dieser Stelle erzwungen, dat>as Entlodnngs- potcntiol hier herabgedrückt wird. Es wurde ein VersuchSblitz- ablcfter hcrgcstellt, in dem auf ein 3,5 Meter hohes Mcssingrohr- gcstänge ein Ring von kleinen Spitzen und darunter eine Kupfer- scheibc von 250 Millimeter Durchmesser angebracht wurde. Die Kupferschcibe trug einen 28 Millimeter breiten Krcisring, der von 2 Milligramm Radiumbromid gebildet war. Damit dieser dem Regen und dem Temveratnrwcchicl widerstehen kann, muh er entweder elektrolyfiich niedergeschlagen oder mittels einer Email aus- getragen werden. Dieser Versuchsblitzableiter zeigte sich sowohl >m Laboratorium wie auch im Freien bei verhältnismäßig ruhiger Luft wirksam. Wetin in 4 bis 5 Metern Abstand eine kleine elektrostatische Mascknne von 5 Zentimeter Fnnkenlänge in Tätigkeit gefetzt Ivurdc, so zeigte ein an das,Gestänge des Blitzableiters angelegtes Elektrometer Ausschläge von 350 Volt. "In der Schule. Eine junge Schullehrcrin, fo wird im Windsor Magazine erzählt, übte mit ihrer Klasse Sätze ein, indem sie immer das letzte Wort ergänzen ließ. „Die Sphinx," so las sie vor, „hat Augen, aber kann nicht . . ." „Sehen!" schrien die Kinder. „Hat Ohren, aber kann nicht. ." „Hören!" antworteten sic. „Hat einen Mund, aber kann nicht . . . ." „Essen!" kam der Chor. „Hat eine Rase, aber kann nicht, . „Sie putzen!" donnerte die Klasse. * Cin Pfiffikus. Ein kleiner Bankier erhält, während sein Sohn dabei steht, eine Zahlung von 10 000 Lire in zehn Scheinen. Er zählt nach, indmi er jedm Schein leicht mit dem Daumen anhebt: „Eins, zwei, drei ..." usw. bis zum neunten: beim neunten hält er an und flüstert seinem Sohn zu: „Paft aus, wie ich z mache! Den letzten Schein hebt man niemals hoch: cs könnte ia noch ein anderer drunter sein!" vüchertisch. — Hygiene des M agcnS,des DarmS,der Leber und der Niere von Geh. Mcd. -Rat Prof. Tr. C. Ä. Ewald. Tritte, erweiterte und verbesserte Auslage. Mit vier Tafeln und 14 Textabbildungen. Broich. 2 Mark, gcb. 2,50 Mark. Verlag von Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart. — Von der bekannten Stuttgarter „Bücherei der Gesundheitspflege" erschien soeben der 10. Band, der die Hygiene der Verdauungsorganc behandelt, in neuer, erweiterter Auflage. Magen, Darm. Leber und Niere sind so überaus wichtige Organe des inenschlickten KörverS, daß jeder die Psttcht hat, sich mit ihrem Bau, ihren Ausgaben und Leistungen vertraut zu mache». Das vorliegende Werk bietet eine vortreffliche Handhabe hierzu. In klarer, anschaulicher Weise behandelt das Werk des hervorragenden Mediziners ferner die Ursachen und die Verhütung von Krankheiten der Vcrdauungsorgane: cs bespricht die Behandlung und die wichtigsten Verhaltungsmaßregeln bei derartigen Erkrankungen usw. Eine sehr wichtige Beigabe des Buches sind die Kostvor- schristcn, die allen Magen und ■ Darmleidenden sehr willkommen sein werden. Das Buch gibt alles in allem treffliche Auskunft auf die Fragen: wie schütze ich mich vor Krankheiten der Ver- damtngsorgane, wie sollen Magen- und Darmlkidende leben? Wir empfehlen die Anschaffung des Buches allen Lesern bestens. Apotheker Rich. Brandts EchlvcizerpUIcn alS Schutzmarke eingetragen. Dor Dachahmungen wird gewarnt. 5 Z.Z: » £***3 3 2 SS 3 5 t!||f oper 2 £§2 §5 ff?!!' P||§ f 2 = 3 = o 05.1 fsJI 2 . 6 ^ >3 ZT a! 030 SJ to o w <§ S " L 55 05 o g S.‘5?sr » — .. 2 . ^ Äa o <2 3 3 an’ n» 2 .=* ~ o 3 z ^g Sö SS S -7 3 ’ ‘ org — O' 3 2 — U.^3 ^ 2 5 ~ » . 8 - •S<5 3 3 3- - 5 ® cO 9" ^ 3 ~ ' -> ^ - 3.2* 9 ¥ 'S ^ S £ 3?% srf c/ Vk> ^ ^ +.« 2 !' 3- 3 o OÜ 3 ogiSS CfS” , cx 3n 3 CP ^ ^ ►—> -so r/ I y m = 5e 2,3.2“ 2sr ^■«5^43 a-- er - ^ ,2 " —' ^ “ — —r> m s ‘ 8 ^ ^ 3 <=/ o o (ys-? c ^ «fl f «£ »B V er 03 ^ff 3 3g>r^y3sä ; a:l'f' ä-'S-lf; _ DO, * -* ^3 2 . 13 c; rrvo ^ 00 * — S5 = lf2rs'S s 3 y =2S,= 1 org. 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