Nr. U5 Zweites Blatt 164. Jahrgang Erscheint täglich mtl Ausnahme des Sonntags. Tie „Gießener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreirblatt für den Kreis «letzen" zweimal "öchenitich. Die „candwittschasttlchen r«tt- fragen" erscheinen monatlich zweimal, Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Cberhefsen Freirag, 15. Mai 1914 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwerfitcits - Buch- und Steindrrlckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expeditioil und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^gp&l. Redaktion: ^^112. Tel.-AdruAnzeigerGießen. wehrbeitrag und Vermögenszuwachsabgabe. Von Rechtsanwalt Raab, Gießen, Nachdem die Verinögcnserklärmigen ber den Steuerbehörden eingrreicht, und diese damit beschäftigt sind, in langer Arbeit das eingelausenc Material zu sichten und zu vriisen, ist ci wohl ongezeigt, eine ruhige und sachliche Bctrachwng über den Wehr, beitrag anzustcllcn, Es dürste dies um so criorderlicher sein, als seit Bekamitwerden des Gesetzes, namentlich aber seit der Aus- sorderung zier Abgabe der Erklärungen vielfach gros,e Ausregung bei den Beteiligten entstanden war, die einer gerechten Beurteilung dieses ganz neuartigen Steucrgesetzes hinderlich war Bei vielen hatte der Unwille über eine so starke Einnrischung des Reiches ,n die Steuer Verhältnisse der einzelnen Staaten und die Aus- deckung der Dermögensverhalinissc des Einzelnen so beunruhigend gewirkt, das; ein ungetrübtes Urteil von vornherein ausgeschlossen war. Da über kurz oder lang den Beteiligten die Ansorderung des Wehrbeitragcs zugcht, ist noch cinnml der Mlaß gegeben, sich mit den Bestimmungen des Wchrbeilragsgesctzes zu befassen, und es soll im solgcndcn in kurzen Zügen da-s wesentliche angegeben werden. Das Gesetz über den Wehrbeitrag Muh auch deshalb das besondere Interesse der Beteiligten finden und wachhalten, weil in ihm. wenn man zwischen den Zeilen zu lesen versteht, der Keim gelegt ist zu einer weiteren, noch bedeutsameren Entwicklung der Reichs st cuergcsctzgeb » ng, Bor allen Dingen sind in dem Gesetz die Grundbcgrisse vom Vermögen, sowie die Einteilung dieser Begriffe in die Hauptbestandteile von Reichs wegen steuerlich fcstgelegt worden. Schon dieser Keim gibt eine Grundlage, die das Reich in die Lage verseht, demnächst bei Bedarf, der ja nicht ausblciben wird, das Snstem weiter aus- zaibauen, Mer auch abgesehen von diesen materiellen Unterlagen, die das Wchrbeitragsgesetz vorbereitend schasst, ist in organisatorischer Beziehung ein wichtiger Schritt vorwärts getan; denn durch dieses Rcichsgescft werden die Steaerorgane der einzelnen Staaten Und alle Hilssorganc dieser Behörden, so verschiedenartig bisher auch ihre Zusammensetzung und die Steucrmatcric ihres besonderen Gebietes gewesen sein mag, gezwungen, ein c i n h e i t - lichesSlcuergesetzgebungsgebici nach der c bei, Richtung hin zu bearbeiten. Es ist kein Zweifel, das, dadurch der S t e » e r o r ga n is mu s durch dos ganze Reich liindurch init der Zeit eine einheitlichere Struktur erhält. Der Wehr bei trag ist in dem Gesetz ausdrücklich als ein außerordentlicher Beitrag bezeichnet, der nur einmal zur Erhebung kommt, ' Da der Abrüstungsgedankc (so schön er auch ist) sich in absehbarer Zeit nicht verwirklichen läßt, ist anznnehmen, dast der Wehrbestrag nicht ein eiinnoliger bleibt, sondern »vicdcrkommt. Es ist auch durch das Bcsitzsteuergcsetz, das im Anschluft an das Wehr- bestragsgesctz hcrausgekommcn ist, und zwar durch die periodische Erhebung der Vermögensabgabe in dreijährigem Zeitraum schon ein Hinweis daraus gegeben, dost der Wehrbcitragl voraussichtlich leider doch nicht als einmaliger sein wird. Es ist mit Bestimmtheit .zu erwarten, daß in nicht aUzu langer Zeit an das Reich erneute gewaltige Forderungen aus militärischem Gebiet heran- treten, und dag dann unschlbar eine Wiederholung des Wehrbeitrages kommen wird, sogar mit Herabsetzung der Steuergrenzen, und krästigerer Heranziehung noch weiterer Kreise des Volkes, Es würde dadurch gewiß eine erneute Beunruhigung geschossen, und da jedem ordentlichen Hausvater und Finanzmann, und erst recht den groben Staaten daran gelegen sein Mutz, kerne un- regelmästsgen, sondern ordentliche und dauernde Einnahmen zu erhalten und daraus den Finanzvlau auszubauen, so liegt es nahe, das! man an die Stelle des Wehrbeilrages bald eine R e i ch s c t n k o m m c n st e u c r und eine R e i chsver- mögenstcuer sehen wird, die zunächst in längeren Zeiträumen, schließlich alle Jahre zur Erhebung gelangt, wie icde andere staatliche oder kommunale Steuer, und die dann dem Reich die notnumdigen und vcrlästlich dauernden Einnahmen unter „Entlastung" der Bundesstaaten schafieit wird. — Die H a u vtb e st imm u n g cn des Gesetzes werden am besten an einem Beispiel erläutert. Hierbei wird zweckmäßig, das Formular zu Grunde gelegt, das für die Veranlagung zum Wehrbeitrag herausgcgebcn ist, und das dem in Hessen bisher schon üblichen Formular der Vcrmögensstcueeerkläriing außcrordcnt- lich ähnelt, 1, Grundvermögen .' Der Anteil der Frau ist ein Drittel bon einem Wohnhaus '(90 000,— Mk.) = 30 000 — Mark, Es ist hier der sog, gemeine Wert, bas ist der allgemeine Vcrkaufswcrt, angesctzt worden, tvenn auch dadurch die ,m Bundesstaate zu leistende Vermögenssteuer etwas erhöht ist, denn sonst könnte nach drei Jahren bei erstmaliger Veranlagung zur Vermögenszuwachssteuer eine Zuwachssteucrpslicht gegeben sein. Das Gesetz gestattet nämlich bei Wohnhäusern, den Ertragswert statt des gemeinen Wertes anzugcben. Beim Ertrags- we rt wird ausgegangen von der gewöhnlich zu erzielenden Miete, Diese beträgt in unserem Beispiel 3500,— Mark. Hiervon darf i/, = 700 Mk abgezogen werden. Wird der Rest von 2800 Mark mit 25 multipliziert gleich 70 000.— Mk, dann ergibt sich so der Ertragswcrt, der demnach bei einem schlecht rcnttcrendcn Objekt, wie in unserem Beispiel, um 20 000 Mk, (und noch mehr niedriger sein kann, als der Verkaufswert, Leerstehende Läden, oder leerstehende Wohnungen werden so gerechnet, als wenn sie vermietet wären, da ja der 31. Dezember 1913 atz Stichtag für die Veranlagung angenommen wird und es hierbei ohne Bedeutung sein must, ob eine Wohnung vermietet war oder nicht. Wer durch Lcerstehen eine Einbuße an seinem! Einkommen gegenüber den normolen Verhältnissen erleidet, kann möglicherweise wegen der hessischen Einkommensteuer eine Reklamation verfolgen, AuS dem Beisviel ergibt sich weiter, daß das Vermögen der Frau dem des Mannes bei der Veranlagung hinzu gerechnet wird, Ter Mann besitzt in dem angenommenen Beispiel, kein Grundvermögen, Ucbrigens kann jeder Steuerpflichtige, wenn ihn, nächstens bei Zustellung des Veranlagungsbescheides zum Bewußtsein kommt, datz der Ertragswcrt, den er angenommen hat. ihm deshalb ungünstig sein kann, weil am 31. Dezember 1916 bei Veranlagung iumt .Besitzsteucrgesetz, (von wenigen Ausnahmen abgesehen, aut jeden Fall der gemeine Wert veranlagt wird, spätestens bis zum Ablaut der Rcchlsmittclsrist beantragen, daß auch letze schon der gemeine Wert bei dem Objekt angesetzt wird. Das Formular hat übrigens insosern eine unklare Fassung, als zwei- sclhaft sein konnte, ob unter Grundvermögen der reine Wert, also siach Wzug der Schulden, angegeben werden sollte. Es ist zwar in einer kleinen, wenig aussallenden Anmerkung daraus hinge- wiesen, daß die Hypotheken unter II in Wzug gebracht werden sollen ' It handelt aber von den „Kapftalschulden", Es wäre praktisch gewesen, hinter „Kapftalschulden" die Worte einzufügen: einschließlich Hypotheken- und Grund- etc, Schulden, , Betricbsverniögen, Als Beispiel, Beteiligung bei einem Geschäft mit 10 000,— priori. Es kann hier die letzte Man; zu Grunde gelegt werden. 3, Kapitalvermögen, a) Wertpapiere gleich 5316 Mark, Der Kurs wird hier berechnet nach'dem 31, XII, 1913, Da cs im Gesetz ausdrücklich heistt, dast der Kurs an diesem Tag maßgebend ist, ist es nicht zulässig, um einer späteren Besitzstcucr zu entgehen, den höheren Kurs der Anschaffung aiizusetzcii. Dagegen bleiben die Zinsen hier außer Berücksichtigung, Eine Besonderheit besteht hier nur bezüglich der dividendentragendcn Papiere, Do kann der Wschlag int Kurs, der durch die mutmaßlickie Dividende (und zwar iintcr Umständen nur mit einem Teil) veranlaßt wird, berücksichtigt werden, d, Eine Hvvothhkrnsorderiing (aktiv) 2100 Mk, o) Eine geleistete Sicherheit, die bei einer städtischen Behörde ruht, 1500 Mark, ck) Bankkonto, 2500 Mk,, abzügl, der vermutlich für 3 Monate zur Bestreitung der lsd, Ausgaben Nötigen Beträge, gleich 1250 Mark, e) Ein Sparkasscnguthabcn — 1100 Mark, Die Posten a bis e zusammen gleich 11566 Mark, Die Beträge: Grundvermögen, BetricbSvermögm und Ka- pitalvcrnrögen zusammen betragen hiernach 51 566 Mark, Als Schulden sind nicht abzugssähig sog, Haushaltungs- schuldcn, das sind „die Schulden, die zur Bestreitung der lausenden Haushaltungskoftrn cmgcgangcn sind," In unserem Beispiel sc, angenommen, daß eigentliche „Kapitalschulden" nicht vorhanden sind, sondern, dast die Frau gemäß ihres Aittcils von >/, än dem Wohnhaus auch zu 7s an den Hypotheken von 60 000 Mk, beteiligt ist, sodast hier eiuzustcllcn wäre an Schulden 20 000 Mk, Es bliebe hiernach ein Vermöge n s r c st von 31566,— Mark, Hierbei werden Möbel und Hausrat nicht berücksichtigt. Das Vernrögen von Ehegatten wird nicht nur als eines betrachtet und zusammengerechnet, sondern jeder Ehegatte hattet sür den Wcbebeftrag g c s a m t s ch u 1 d n e r 11 ch , also auch für den Anteil des anderen Ehegatten, Forderungen, die nicht bcigctrre- ben werden können, bleiben außer Ansatz, Forderungen, die zwei- sclhast sind, werden mit dem mutmaßlichen Eingang eingestellt, Verniögen bis 10 000 Mk, sind vom Wehrbcftrag frei, Vermögen bis zu 50 000 Mk, sind dann frei, wenn der betr, ein Einkommen unter 2000 Mk, und bis 30 000 Mk, Vermögen dann, wenn der betr, ein Einkommen unter 1000 Mark hat, Ter so festgcstellte Rest an Vermögen von 31 566 Mk, wird nun abgerundet und zwar auf volle Tausend Nach unten. Er wird also hier eingestellt mit 31 000 Mk, Dann wird das Einkommen ermittelt und zwar aus Grund der letzten Veranlagung, oder ans Grund der, wie auch jetzt in Gießen, gleichzeitig mit dem Wchrbeitrag neu stattsindcnden Veranlagung, Würde sich hierbei ein Einkommen ergeben von 5370 Mk,, dann würde das nach dem hessischen Gesetz über die Einkommensteuer in die Einkommcn- steuerstlisc von 5000 Mk, bis 5500 Mk, fallen. Nach dem Wehr- beitragsgesetz wird dann in diesem Fall die niedrigste Summe der betr, Steuerstufe, also hier 5000 Mk,, angesetzt. Von diesen 5000 Mk, gestattet der Gesetzgeber abzuziehen, 5°/o von dem Rcstvcrmögen von 31 000 Mk,, gleich 1550 Mk, und zwar in der Annahme, daß in dem Einkommen diese 5»/o des Vermögens schon enthalte» sind. Es würde hiernach ein Ein- kommcnsrest verbleiben von 3150 Mk, Hätte der betr, überhaupt nur ein Ettikourmen, ohne zugleich Vermögen zu besitzen, dann wäre er abgabensrei bis zu einem Einkommen von 5000 Mk, Ferner werden selbst bei höheren Vermögen auch die Einkommens- betröge freigelassen, die nach Abzug der vorhin erwähnten 5% sich als Einkommensrestbeträge von weniger als 1000 Mar! darstcllen, Ter sür die Abgabe, sowohl vom Vermögen, wie vom Einkommen ausgestellte Tarif ist infolge der Staffelung nicht sehr übersichtlich. Es genügt hier hcrvorzuheben, dast der Wehrbeitrag vom Vermögen beträgt für die ersten 50 000 Mark von tedem Tausend 1,50 Mk, bei den nächsten 50 000 Mk, 3,50 Mk, usw, steigend, bei einem Vermögen vo» mehr als 5 000 000 Mark gleich 15 Mk, von jedem Tausend über die 5 Millionen hinaus. Es sindet also bis zu 5 000 000 Mk, eine zehnfache Progression statt, die allerdings bei 5 000 000 Mark ihren Stillstand erreicht. Es zahlt hiernach beispielsweise ein Vermögen von 100 000 Mk, für die ersten 50 000 Mk, -- 50 X 1,5 = 75 Mk. Für die zweiten 50 000 Mk — 50 X 3,5 — 175 Mk, zusammen also 250Mk, Das zweite 100 000M!, zahlt schon 500 Mk Beitrag, sodaß ein Vermögen von 200 000 Mk, bereits 750 Mk, zu zahlen hat. Obwohl es also nur das vierfache von einem Vernrögen von 50 000 Mk, da „stellt, zahlt cS bereits die zehnsache Abgabe, Bei dem Einkommen wird von den ersten 10000 Mk, 1 oo erhoben, von den nächsten 5000 — 1,2"», also steigend derart, daß bei einem Einkommen von mehr als 500 000 Mk, 8" » (von jedem weiteren lOlTMk, über die halbe Million Mark) erhoben werden. Hier sindet also bis zu dem Einkommen von 500 0011 Mark, bei dem der Stillstand in der Progression erreicht ist, eine achtfache Progression statt. Um zu unserem Beispiel zurückzukehren, so muß das mit 31 000 Mk, abgerundete Vermögen einen Wehrbeitrag bezahlen von 31 mal 1,5 gleich 16,50 Mk, Das auf 3150 Mk, restlich sestgestell-e Ei-k-rmmen muß den Wehrbcttrag von 1"» zahlen, g eich 34,50 Mk Hiernach ergibt sich ein gesamter Wehrb.ntrag von 81 Mk, (16,50 und 31,50 Mk). Dieser Betrag ist mit den, ersten Drittel gleich 27 Mk, zu zahlen binnen b Monaten seit Zustellung des Veranlagungsbescheides: mit dem zweiten Drittel spätestens am 15. Februar 1915 und mit dem letzten Drittel spätestens am 15. Februar 1916, (Schluß folgt,) Die Eröffnung des türkischen Parlament;. Konstantinopel, 14, Mai. Heute nachmittag saud die feierliche Eröffnung des neugewühlten Parlaments statt, Ter Feierlichkeit wohnten bei der Sultan, der Thronfolger Prinz Jnssuf Jzzedin, die Prinzen Wahid Eddin, Salah Eddin, sowie das Zivil- und Militärkabinett des Sultans und sämtliche Mitglieder des Kabinetts einschließlich Talaat Bei. der heute früh aus Livadia und En der Pascha, der aus Anatolien zurückgekehrt ist. Der Saal und die Logen waren dicht gefüllt und das diplomatische Korps war vollzählig erschienen. Die von dem ersten Sekretär des Sultans verlesene Thronrede erinnert zunächst an die am 4, August 1912 auf Beschluß des Senats unter der Bedingung der Vornahme von Neuwahlen verkündeten Schließung des Parlaments und fährt fort: Die Veränderungen und Umwälzungen im Innern, die der Schließung der Parlamente folgten, hatten eine Kvalitivn der auf die Gelegenheilt lauernden nationalen Feinde und einen gleichzeitiben E i n- sall in unser Grenz ge biet zur Folge, Die Durchführung der Wahlen wurde dadurch notwendigerweise verzögert, Die Verwirklichung unseres Wunsches, die Eröfs- nung der Nationalversammlung vorzunehmen, wurde infolgedessen bis zum heutigen Tag hinausgeschoben. Ich preise den Allerhöchsten, der uns die Möglichkeit gewährte, die NationLlversammluna nach einer langen schmerzvollen Zwischenzeit wieder zu eröffnen. Ich heiße Sie alle will- spnimen, Ter Angriff der Feinde, der von allen Seiten aus unser Vaterland in dem Augenblick erfolgte, da das Reich kaiim den Krieg mit Italien und eine revolutionäre Krise überstandcn hatte, brachte unser Land in die schnfte- rigstc Lage, Nach der Proklamierung der Verfassung hatte man um den Preis großer, von unseren Völkern ans sich genommener Opfer mit Fleiß und Eifer daran gearheitct, nach Tunlichkeit die zerstörenden Wirkungen der Vergangenheit zu beheben, indem die Equipierung und Ausrüstung der Armee mit Rücksicht ans einen möglichen Angriff vorbereitet bezw, ergänzt wurde. Zu unserer außerordentlich peinlichen Ucherraschung mußten wir wahrnchmcn, daß trotz all dieser patriotischen Anstrengnngeii und Vorbereitungen unsere Armeen nnterlagi'n. Tausende von Soldaten, unsere Söhne, wurden vom Schicksal erreicht, sind in Ge- sangenschajt des Feindes geraten. Selbst vor den Toren der Hauptstadt lagerten Hungernde und Entblößte, Ich ordnete sofort die Bildung eines ober st cn Militärgcrichts- h o s c S an, damit er nach den Ursachen des Unglücks die hierfür Verantwortlichen fahnde und über die letzteren Strafen verhänge, die geeignet sind, eine wirksame Lehre zu bilden. Ich hege die feste Hoffnung, daß der Gerichtshof die ihm übertragenen wichtigen Ausgaben in den Grenzen des Gesetzes und der Gerechtigkeit erfüllen wird. Baumwollene Fensterscheiben. , Die amerikanischen Schulbehörden haben in den letzten Jahren in dem Streben nach einer Verbesserung der Schulhygiene manche bemerkenswerten Ersolge errungen; NIM berichtet John B. Todd in einem Artikel des Scientific American über einen interessanten neuen Versuch, der in der-glcichen Richtung nntcrnomnicn lourdc und so überraschend günstige Ergebnisse zeitigte, dast seine Wiederholung in großem Maste vorgesehen wird. Es handelt sich dabei um nichts anderes als die Einstihrnng von „baumwollenen Fenstern" in den Klassenzimmern vielbesuchter Schulen, d, b, um eine verminderte Benutzung des Glases als Fenstcrscheche, Man ging von der Erkenntnis aus, dast Glas als starker Wärmeleiter die äußere Temperatur writergibt, ohne zugleich der Luft Zutritt zu gestatten: Versuche mit Stosfenstern zeigten dann, daß baumwollene Fenster durchaus genug Licht durchlassen und dabei in sehr glücklicher Regulierung auch eine ständige Zu- suhr frischer Lust ermöglichen. Tic Aufgabe war, einem viel- benntzten Klasscnzimnier sowohl genügend Lust als Licht zu verschaffen: und dabei, bei Vermeidung von Zugluft, eine Regelung der Temperatur zu erreichen. Das Zimmer, in dem der erste Versuch durchgesührt wurde, ist mit einem mechanischen Fächer versehen, der warme Lust in den Raum einsührt: unter den Fenstern liegen auch Röhren der Dampfheizung, Das Zimmer hat fünf nach Osten liegende große Fenster, die naturgemäß im Winter während des Unterrichtes verschlossen gehalten werden müssen, Man beschloß nun, aus den unteren Tmlcn der Fenster — die in ihriw Flächenausdehnung nicht weniger als 90:100 cm messen — die Glasscheiben hcrauszunchinen und durch einen ungebleichten Bauniwollstoff zu ersetzen, Nachdeni dies geschehen war, blieben die Aenster während des Unterrichtes im Winter sozusagen geöffnet. Durch die Poren des Stoffes erfolgte eine stete Luftzuftihr, Die sonst in starkbesetzten Klassenzimincrn besonders in den Wintcrmonaten bemerkbare sttckige oder muffige Atmosvhärc verschwand vollkommen, und auch die Reizungen und Erkrankungen der Luftwege der Schüler — Husten und Schnupfen - — hörten bald auf, Klagen über Kopfschmerzen werden nicht mehr laut, Anr Morgen vor Bcgiirn des Unterrichtes schließt der Schul- dicner die Fenster und führt deni Zimmer mit lHilfe des mechanischen Fächers genügend warme Lust zu, um eine normale Temperatur zu erzielen. Durch Beimengung von Tanivf wird die nötige Feuchtigkeit eingcsührt. Wenn der Unterricht beginnt, werden die Glassenster beseitigt und die Zustihr warmer ^Lnst abge- sperrt, Nim sitzen die Kinder neben den offenen'.Fenstern, nur durch den dünnen Baumwollstoff von der äußeren Wintertempcrattir getrennt. Das Uebcrraschende dabei ist, daß die Zimmertemperatur mit ebenso geringen Schwierigkeiten aus ihrer Höhe gehalten werden konnte, als wären die Fensteröffnungen durch Glasscheiben geschlossen. Nur bei besonders starken Winden verringerte man die luftdurchlässigen Stofftächen, Zuglust kam nicht vor: die Schnelligkeit der von der Darnpsheizung ausströmenden warmen Lluft- wogen ist größer als die langsam und gleichsam gesiebt durch den Stoff einströmende kalte Lust von außen, Ta außerdem das Glas 20mal mehr Wärme nach außen ausstrahlt als die Baumwolle, blieb die Temperatur warm, 18mal wurden Untersuchungen des Staubgehaltes der Klasscnzimmerlust vorgenommen. Er erwies sich als um 33 Prozent geringer wie früher bei geschlossenen Glas- senstern. Der Fcuchttgkeitsgehalt der Lust stimmte init dein de, Lust im! Freren säst völlig überein, und die eingesetzten Baum- wollftächcn behinderten den Lichlcinsall in das Klassenzunmer nicht,- wobei selbstverständlich vorausgesetzt wird, daß die Stofsenster sauber gehalten werden, damit sich in ihüen kein (Staub sestsetzt, der den Lichtstrahlen den Weg versperrt. Das Jsttercffantestc ist nun, daß die geistige Ausnahmesähigkert und Arbeitskraft der Kinder in dem „Freiluftklassenzimmcr" erheblich viel größer waren, als in den mit Glasscheiben verschlossenen Schul- zrmmcrn, Ter Gcsuiwheitszustand der Kinder l>ob sich, Tie Lehrer anderer Klassen, die ansangs dem Versuche skeptisch gegenüber standen, folgten bald dmr Beisviele mit gleichem Erfolge, und nun sind bereits verschiedene andere amerikanische Schulen dazu über- gegangen diese „Baumwollsenster" in den Klassenzimmern ein- sühren, > vermischte». * Elektrische Strastenba hn Heidelberg — Schwetzingen, Aus Heidelberg, 11, Mai, wird gemeldet: In der heutigen Sitzung des BürgcrausschusseS der Stadt ,h<üdel- berg wurde beschlossen, die geplante Anleihe bis zu 10 Millionen Mark auszugcben. Ferner wurde beschlossen, eine elektrische Straßenbahn von Heidelberg nach Schwetzingen zu legen und dafür 532000 Mark auszugeben. sind für Gesunde und Kranke, Kinder und Erwachsene gleich nahrhaft und wohlschmeckend' Mur echt in Paketen „mit der Schnitterin I" S. Ziehung 5. Kl. 4. Preuss.-Süddeutsche (230. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie Ziehung vom 14. Mnl 1914 vormittag». Anf Jede pezoccue Nnrnmor ntnd rnel gleich hohe Ge« nlnnt' gefallen, und «war je einer anf die Lose gleicher Nummer In den beiden Abteilungen I and II Nur dio Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. '(Ohne Gewahr.) (Nachdruck verboten.) 09 132 510 717 70 803 76 1267 310 645 821 27 [500] 927 2398 458 514 53 672 939 3152 218 13000] 307 11000] 38 55 401 [500] 570 82 709 825 [500] 42 43 65 917 4192 244 92 314 15 92 462 611 77 623 76 787 876 90 903 L434 11000) 172 334 [3000] 64 457 605 608 13000J 26 49 776 602 46 927 6240 313 77 436 731 43 54 [509] 039 53 56 [500] 80 [3000] 985 7387 [1000] 435 524 33 83 674 722 75 831 53 8039 77 132 259 345 52 96 461 74 513 18 860 923 9039 367 402 18 539 752 77 [1000] 884 919 1G070 :-:35 87 676 [1000] 760 [500] 66 848 82 906 92 1500] 11104 21 218 93 472 667 [3000] 04 796 84i 12.160 204 318 18 460 516 [1000] 19 753 329 1500] 13040 125 Cö 87 217 [1000] 93 333 40 47 560 020 23 843 954 1.4022 49 [1000] 209 329 462 509 20 752 816 958 59 [C00] 15233 65 355 414 576 725 71 925 94 18101 207 49 401 629 670 17152 308 452 667 71 (lOOO] 328 89 18094 69 93 117 677 866 18002 [1000! 7 : •. 4 452 665 29 )14 97 323 696 [1000] 729 60 [609] 61 835 975 [500^ 21041 135 80 426 667 85 761 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Preuss.-Süddeutsche (230. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie Ziehung vom 14. Mnl 191 4 nachmittags. Auf Jede gezogene Nummer elnd zwei gleich hohn Gewinne gefallen, and zwar Je einer zaf die Gone gleicher Nummer In den beiden Abteilnngen I and II Nur die Gewinne Uber 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammem bei gefügt. (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) 188 300 401 61 833 958 1017 [500] 72 188 230 307 41 466 599 693 790 803 915 76 2039 87 285 [500] 323 501 699 878 900 3044 [3000] 142 96 332 40 594 680 728 13000] 871 918 26 4144 49 378 81 93 488 633 98 611 738 62 5023 247 [600] 325 49 899 6025 32 [3000] 215 33 536 46 019 7016 62 59 333 38 851 [500] 8235 550 619 49 91 845 907 69 9124 72 201 [3000] 38 682 726 847 080 98 10192 216 326 541 798 [500] 884 91 [500] 11385 459 005 716 33 70 971 12267 69 350 85 407 69 601 23 84 796 926 13020 76 396 14143 64 [1000] 229 72 325 443 522 15109 [ 1000] 65 398 408 535 63 633 918 45 16230 70 76 306 493 628 17055 135 95 332 84 86 608 013 751 936 40 81 llOOOj 18001 171 360 963 13019 185 573 [1000] 629 841 2fl070 352 424 29 587 611 905 14 21139 232 425 579 601 855 960 67 22215 313 61 411 81 745 896 23327 755 814 30 24044 60 07 100 [500] 45 208 25 399 427 70 90 528 31 658 [1000] 25139 74 207 55 318 447 606 693 897 961 01 28096 [3000] 144 244 302 23 41 42 [1000] 84 361 67 816 33 27071 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In unser Handelsregister Abt. A wurde heute eingetragen die Firma: Medizinal-Drogerie zum Kreuzplatz, Inhaber Anton von Scheid, Gießen. Inhaber ist der Grubcnbeamte i. P. Anton von Scheid in Immigrath bei Düsseldorf «ubb Gießen, den 13. Mai 1914. Groüberaoa t ■ AmlSaeiichs. r l Meiert In jeder gewünschte« j Ausstattung Milrein u.preiswert 1 di* BrliU'sdhe Uni». • Druokerel Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abl. A wurde heute bezüglich der Firma Ludwig Menges zu Großen- Lindeu eingetragen: Dem Julius Menges zu Großcn-Linden ist Prokura erteilt. 6114 B Gienen, den 14. Mai 1914. Grobherzogliches Amtsgericht. Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gießen. Die^Sielbauarbeitcn sllr die Herstellung der Kanäle ,n der Ltrabe am Amisgerichtsncubau lallen Tamstaa den 23. Mar, vormittag» 1« Uhr, aus unserem rieb bauamt vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen daselbi, offen und sind Angebote aus Vordruck bis zum ohcngenannie» Zeiivunki an das Tiesbauami ei», »zurcichen. — ZuschlagSsrift 8 Wochen. «1UB Gewährung von Aniwands utichadigungc» in a> milio» sür im RcichSheer. in der Marine oder in den Schutziruppou eingestellte Söhne. Laut BundeSratsbeschlub vom 2«. März 1914 werden an Familien, von denen Zähne als (heineine oder Unler- oliiziere insgesamt « Fahre acdienl haben, Aufwands- cniichädigiuiacn in Höbe von 240 Mk. jährlich gewährt siir jedes «ociiere Tienstjabr eines Sohnes in diesen Dienstgraden. Auf die Enisthädignngen haben die Eltern, Siics- elteru oder — falls diele nicht wehr vorhanden sind — die Grostclicrn Anspruch. Anträge aus (Bewährung der Entschädigungen sind alsbald im SiadtbnnS — Zimmer Nr. 2 — zu stellen, wo auch jede gewünschte Auskunst erteilt wird. I6109B Die Fricdbösr sind vom ill.Mai bis I.«.August 1814 von morgens 6 bis abends 9 Uhr geöffnet. 6110B Die Pferde,'chwcuinic befindet sich jetzt unterhalb des LtebrcS am Elektrizitätswerk mit Zugang vom Hohl- eichweg aus. _ S834B Stadt. Wotznunqsiiachwcis Gießen, Asterwcg 9. Es sind z» vermieten: «197 B 1 Wohnung hon7 Zimmern, 2 Wohnungen n. o jVmmern, 4 Wohnungen u.«Zimmern, 2 Wohnungen v. AZimmirn, 1 Wohnung von 2 Zimmern und zwei Kahn,eiten, 3 Wohnungen v. 2 Zimmern, 1 Wohnung v. LZimwern ohne Küche, 3 möblierte Zimmer. 2 unmövlierie Zimmer, 1 Werkstatt, 1 Bager- od. Fabriken»!», I Baden. 1 dreistöckiges Lagerhaus mit Pfcrdestall und Heuhoden. Zu »tictcu aciuckt: 42 Wohnungen von 2—8 Zimmern. kftädt. 'rfrbeitsnaehideis giessen. Alterweg 9. Es können eingestellt werden: a. bei hiesigen Arbeiigebern I Schmied, 1 Schreiner, I Anstreicher. 1 Snenglcr und Fnsiallaieur, 1 Wagner, l Sattler und Polsterer, zwei Tapezierer und Dekorateure, I Schneider, 1 Hausdiener, 1 jiinn. 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