8r. N« Der «iehener Anzeiger erschein! täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich «tetzenerLamilienbläNer; zweimal wöchentl.Kreir- blatt siiröen llreii Slehen (Dienstag und Freitag): zweimal nionatl. land- wirtschastliche Scitsrogen Fernjprech - Anschlüsse: sür die Redaktion 112, Verlag ». Expedition LI Adresse snr Depeschen: Anzeiger «ichrn. Am,ahme von Anzeigen sür die TageSnummer bis vormittags S Uhr. Erster via« Jahrgang ietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dienstag. 12. Mai M4 Bezugspreis: monatlich75Vi..vienel- jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellq. ZeilenpreiS: lokal IbPf^ auswärts 20 Pseuniq. Lhefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; sür .Feuilleton", .Vermischtes" und,Gerichts- saal": Karl Neurath; für .Stadt und Land" Notationrdrilck uni» Verlag der vrühl'schen llniv.Buch- und Steiitftruderci R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Vcndt, s»r den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Doumergues Pyrrhussieg. Und tausend Stimmen rufen Sieg! Sie, nämlich die französischen Offiziösen, rufen es immer nach den Wahlen, aber wenn man sich dann den Schaden besieht, entpuppen sich die amtlichen Wahlstatistikcn und insbesondere die dazu gelieferten Kommentare zumeist als ein corriger la sortune. Rach Tische, d. h. bei den Abstimmungen der Kammer, liest man es dann häufig ganz anders. Schon die amtlichen Feststellungen über die Verteilung der Mandate an die neun Parteien sind mit einem gewissen Vorbehalt auszunehmcn, denn die Grenzlinien zlvischcn diesen Gruppen sind fliehend, und beim Zusammentritt der Kammer findet man häufig ß«mg Abgeordnete auf ganz anderen 'Bänken als den- jenigen, auf die sie nach ihrer beim Wahlkampf entfalteten Fahne hingehören. Mit diesem Vorbehalt sind die Ergebnisse der Wahlen zur Abgeordnetenkammer, sind vor allem die Schlußfolgerungen aufzunchmen, welche die Offiziösen des Kabinetts Toumerguc daraus ziehen. Tiefes errechnet sich aus den Wahlen einen Sieg, ja, wie die Organe der Regierungsparteien triumphierend verkünden, einen völligen, einen glänzenden, einige sagen etwas aufrichtiger einen unerwarteten Sieg. Wie kommt die« Rechnung zustande? Tie sranzösische Kammer besteht ausRvl Mitgliedern (ein Wahlergebnis aus Korsika, eins vom Senegal und drei aus Martinique stehen noch aus), so daß also die absolute Mehrheit 302 Stimmen beträgt. Die Regierungsparteien, die diesen Ramen bedingungslos verdienen, bestehen nun aus ^en Radikalen Republikanern, den °Sozialistisch-Radikalen und den Geeinigten Sozialistisch-Radikalen. Diese zusammen verfügen nur über 253 Stimmen, bilden also an sich nicht die Mehrheit. Nun werden freilich zur Regierungsmehrheit — und dadurch wird sie cs eben erst — auch die geeinigten! Sozialisten gerechnet, die bei weitem am besten abgeschnitten haben, denn ihre Zahl ist von 67 auf 102 hinaufgeschnellt. Diese, die in der Tat immer mit dem Kabinett Doumcrgue gegangen sind, eingerechnet, verfügt die Regierung über eine Mehrheit von 355 Stimmen^ also 53 über die absolute Mehrheit. Diese Mehrheit ist in der Tat u m 2 5 S t i m m e n stärker, als sie es in der verflossenen Kammer tvar, und so kann das Kabinett, selbst wenn die Ergebnisse nach dem Zusannnentritt der Kammer noch die eine oder andere >Korrektur erfahren sollten, wenigstens rein formell von einem bescheidenen Siege reden. Mer auch nur rein formell, denn die drei unbed in g- tenRegierungsparteien haben auch nach der Statistik der Regierung 10 Stimmen verloren, ein Verlust, der ausschließlich auf die Rechnung der Radikalen Republikaner kommt, die sogar 15 Mandate eingebüßt haben, denen aber ein Gewinn von 5 Mandaten der Sozialistisch«- Radikalen gegenübcrsteht. Der Geivinn, den sich das Kabinett ausrechnet, kommt also lediglich auf das Konto der Sozialisten, und darauf beruht die nicht unwesentliche Verschiebung der Lage. Freilich wäre fiir das Kabinett auch die Möglichkeit gegeben, statt mit den Sozialisten eine wenn auch ziemlich knappe Mehrheit mit den 73 Republikanern der Linken zu bilden, aber diese haben sich unter dem Kabinett Toumerguc bei sehr vielen Fragen von den Regierungsparteien getrennt und dürsten keine sonderliche Neigung haben, das Kabinett, in dcni keiner der Ihren sitzt, zu stützen. Zur entschicdepen Opposition gehören die 34 monarchistffchen Konservativen, die ihnen sehr nahestehenden 31 Mitglieder der Action Liberale und die ebenfalls sehr nach rechts neigenden 69 Mann starken Fortschrittlichen oder Progressistischen Republikaner, von denen die letzteren 14 Mandate verloren haben, während Au,»st, Wissenschaft und Leben. — Reue Ausgrabungen in der Wettcrau. Rach Mitteilungen des bekannten Limessorschers Prosessor Dr. Georg W o l i s - Frankfurt a. M. in der neuesten Nummer der Zeitschritt „Alt-Frankfurt" sind IN der letzten Zeit wiederum interessante Mtcrtumssundc gemacht worden. In zwei Ziegeleien weit- lich von Rödelheim sowie an der Strafe nach Sossenheim wurden Wohngrubcn aus der jüngeren Steinzeit, in einer Lehmgrube neben der Bad Hamburger Bahn solche aus der Halstatt- und Llatcne- Pcriodc angeschnitten. Ein sehr wertvoller Fund wurde in den Holzmannichen Ziegeleien gemacht: ein Tövstrosrn aus der Hai stattzcit mit reichem Inhalt an Fabrikaten und Werkzeugen. Ganz naize dabei in einer anderen Ziegelei sand sich ein Brandgrab aus derselben Periode. In einer Ringofcnzicgrlei westlich von Praunheim, die dem Franssurtcr Museum bereits zahlreiche Funde aus der jüngeren Steinzeit geliefert hat, konnte ein zur Ausgrabung bestimmtes Grundstück planmäßig untersucht werden. Zwölf Wohn gruben wurden aufgedeckt und in mehreren nicht nur Gräber und die für die Wettcrau charakteristischen Scherben gesunden, sondern tu erstenmal die sür die Rekonstruktion dieser Bauwerke »öligen Psostenlöchcr vollständig ermittelt. An der Grenze der Nicdcrursclcr und Kaibachcr Gemarkung sanken sich aus den Trümmern eines römischen Gutshofs Spuren der neben der Bonisatiusguellc einst zur Erinnerung an die Uebcrsührung des Leichnams des Apostels der Deutschen erbauten Eouzenllrch'. Bei dieser Gelegenheit rar den in der Gemarkung Kalbach Reste von Niederlassungen aus der Stein- und Halstaltzctt fcstgcstclll; aus der crstcren Periode konnten auch westlich von Bonames neue Funde gemacht werden, während an der Ostgrcnzc der Gemarkung, wo IN der Zorbachschcn Ziegelei in den letzten Jahren neben Latcnc-Gräbern Ziegel und Gesäßschcrben ein römisches Gehöft vermuten ließen, dessen Hos- mauer in den letzten Tagen aufgedeckt wurde. — Darmstädter Frühlings-Festspiele. Aus Darmstadt, 10. Mai, wird uns geschrieben: Der dritte Tag der Frühlings-Festspiele des Hostheaters brachte heute abend wieder ein seltenes Ereignis, ein G e s am tg a st spi el der Stuttgarter Hofoper mit Mozarts „Entführung aus dem Serail". Die Over ist durch die neue Einrichtung an der Stuttgarter Hof- bühne zu neuem Leben erivacht und wurde initcr der Leitung de; Generalmusikdirektors v. Schillings und des Hofrates G e r - Häuser auch genau wie dort von dem Stuttgarter Ensemble zue die Konservativen 5 gewannen. Alles in allem ist also die Opposition der Rechten um 9 schlvächcr geworden. Tie politische Lage ist, wie schon betont, dadurch gekennzeichnet, daß das Kabinett ganz auf die Sozialist eii angewiesen ist, und der Führer der geeinigten Sozialisten, Jauräs, erklärt bereits in der „Hninanile" triumphierend, daß jede Regierung und jedes Parlament mit dem Sozialismus zu rechnen haben dürste. Das ist in der Tat zutreffend, und deshalb kann der Sieg des Kabinetts nur als ein Pyrrhussieg bezeichnet werden, da die Sozialisten nicht säumen werden, in „Keilschrift auf sechs Ziegelstein" die Rechnung zu präsentieren. Wie wenig homogen die Regierungsmehrheit ist, geht schon daraus hervor, daß nicht nur in Bezug aus die Wahlresorm und die Einkommensteuer mancherlei tiefgehende Meinungsverschiedenheiten zwischen den verschiedenen radikalen Gruppen und den Sozialisten bestehen, sondern daß vor allem diese entschiedene Gegner der dreijährigen Dienstzeit sind, während innerhalb der anderen Regierungsparteien die Meinungen hierüber sehr geteilt sind. Freilich ist cs kaum anzunehmen, daß in absehbarer Zeit ernsthafte Vorstöße zur Rückgängigmachung des Dreijahrsgesetzes ersolgen werden. Ueberhaupt soll mai, sich nicht auf Grund einzelner Mißerfolge der Chanvinisten zu der Schlußfolgerung verleiten lassen, daß man es nun mit einer sogenannten friedlicheren Kammer zu tun haben ivcrdc, und auch der Umstand, daß das Kabinett bei der Wahlkundgebung vor der Straßbnrg-Statnc ans der Place de la Eoncorde das Absingen der Marseillaise verbot, will wenig besagen. Denn in letzter Linie unterscheiden sich die Politiker und Parteien in Frankreich weniger in dem Maß des Chauvinismus, als vielmehr in der mehr oder minder diplomatischen Stellungnahme zu den chanvinistischen Kundgebungen inachpem Motto Gambettas : Man soll immer an die Revanche denken, aber nicht davon reden! Preffestimmen. Paris, 11. Mai. In der ,p umanit6" erörtert! der Führer der geeinigten Sozialisten I a n r ö s mit keb- haster Befriedigung den von seiner Partei errungenen Wahlsieg, indem er u. a. schreibt: Ter gestrige Tag hat gezeigt, welche großarttgcn Fortschritte die Sozialisten sowohl in den städtischen wie in den ländlichen Wahlbezirken erzielt haben. Tiefer Erfolg ist um so bemerkenswerter, als die Partei gegen die zügellosen Verleumdungen des Rationalismus und des Rückschritts zu kämvscn hatte. Man dart nunmehr mit Sicherheit anuehmen, daß jede Regierung' und ledcs Parlament mit dem Sozialismus zu rechnen haben wird. Tie Partei weiß, daß sic ihren Sieg der Klarheit und Kraft ihres Programms zu verdanken hat. Mögen es die Rückschrittler petzt wagen, das unheilvolle Dreijahrgcsetz noch lange aus- rcchtzuerhalten! Ter konservative „Gaulois" schreibt: Wenn man nur die Zistern ansicht, dann mutz man sagen, daß noch niemals eine Deputterlenkammer sür unsere Interessen, sür unseren Glauben Mid sür unsere Vaterlandsliebe bedrohlicher erschien. Glücklicherweise gibt cs neben diesem bc- luuruhigenden und ausgcwühlten Frankreich der Politiker ein anderes Frankreich, das durch den glänzenden Einmarsch der Truppen in Ta za einen neuen Beweis seiner Tapferkeit und Tatkraft gegeben hat. < Der „Figaro" sagt: Die Siegcshymne der Revoluttonärc wird uns nicht aus der Fassung bringen können, auch der Block der äußersten Lrnkcn nicht, dann ivird sich gciviß ein anderer Block bilden, Ivclcher dis künftige Mehrheit darstellt und die für das Leben einer Nation luncrläßlichcn Grundsätze verteidigen wird. Morgen kann cs nur zwei Parteien geben, die konservative und di« revolutionäre. Ter „Radical" sagt: Man kennt jetzt in unzweideutiger Weise den Willen des Landes. Es hat sich sür die Politik der Reformen, der Verweltlichung, der gerechten Besteuerung und des Volkes! in Wastcn ausgesprochen. Es wird die Ausgabe der neuen Kammer sein. Ausführung gebracht. Unter v. Schillings Dirigcntcnstab wurde das Tarmstädtcr Hosthcaterorchcstcr mit hinreißendem Schwung durch Mozarts sprudelnde Partitur geführt. Das szenische Bild stammt von dem Münchener Prosessor P a II ko k und bot durchweg bis ins einzelne ausgeglichene und fein abgestimmte Bilder. Im Verein mit dem Svielleiter, Hofrat Gerhäuser, dessen Regie in der engen Verschmelzung mit dem die Bühncnvorgänge mit scinsühligsler Genauigkeit charakterisierenden Orchester eine glänzende Leistung darstellt, war ein würdiger Rahmen gcschasfe» sür die wertvolle Wiederbelebung. Und so gaben auch die Sänger in dem kantilenc- und arienrcichcn Wcrkchcn ihr Bestes, um ihm bei uns eine freundliche Ausnahme zu sichern, besonders in dieser neuen, mit Rezitativen durchsetzten Gestalt. So ließ mich die Einheitlichkeit nichts zu wünschen übrig. Stimmlich im Vordergrund stand der mächtige Osmin von Otto Delgers, der einen in allen Lagen gleich großen, wohltöncndcn Baß besitzt. Weniger nmsangrcich, aber ebenfalls melodisch fließend zeigte sich der von Rudolf Rüter als Belmoutc. Einen äußerst sympaihischen „Pcdrillo" stellte George Men der auf die Bühne, während der „Sclim Bassa" von Alwin S w o b o d a weniger Rclies hatte. Die Damen traten gegen ihre Kollegen stimmlich ziemlich zurück. Jda Hanger- Schnutenhaus als „.Constanze" überraschte durch eine ausgcmägt dramatische Note, konnte aber ihrer Koloraturvartic nicht durchaus gerecht werden: auch störten anr Anfang öfters Jnwnationsschwankungen. Die Stimme Ningt in manchen Lagen etwas scharf: nur im Forte vermag sic sich zu kräftiger Breite und Fülle auszudebnen. Helena Pola als „Blondchen" hatte schöne Stellen, die ihre wohlgcbildetc Gesanqstechnik in ein gutes Licht stellten. Das entzückend freudvolle Lied „Welche Wonvc, welche Lust" blieb etwas blaß. Dennoch konnten sich die Mitglieder der Ttuttgatter Hofbühnc vor dem angeregten Tarmstädtcr Publikum häuiig verneigen, sic wurden auch mit Blumenspenden geehrt. Das Großherzocstiche Paar wohnte der glanzvollen Ausführung bei. — Humperdincks neue Oper. Aus Köln wird uns geschrieben: Als eine deutschcSpicloper bezeichnen Robert Misch, der Textdichter, und Engelbert Öumperdinck ihre Bühncnschövfung „Die M a r kc t e n der in", die soeben im Kölner Opcrnhausc ihre erfolgreiche Urausführung erlebte. Tas gesprochene und gesungene Wort löse» einander ab wie bei Lortzing, und die Musik beiocgt sich durchweg in geschlossener Form, den „Nummern" der alten Opern gemäß, sic ist melodiös, entbehrt durch eine krästige Politik der Verwirklichung die Hoffnungen der Demokratie zu ersüllen, welche sich so tapfer und diszipliniert gezeigt hat. Tic gemäßigte „R c p u b l i q u e f r a n p a i s e" schreibt: Der zweite Wahlgang war nicht gut sür uns. Das furchtbare Bündnis zwischen den geeinigten Radikalen und den geeinigten Sozialisten hat seine Früchte getragen. Wir dürfen uns nicht verhehle», daß die neue Kammer schlimmer sein wird als ihre Vorgängerin. Aber die große Zahl der geeinigten Sozialisten wird sür die Radikalen den Beginn ihrer Strafe bilden, sic werden die Untergebenen der Sozialisten sei». Es wäre dies ein köstliches Schauspiel, Ivenn es nicht mit dem Golde und viclleiäst mit dem Blute Frankreichs bezahlt werden müßte. Die Sattin des Neichrkanzlers f. Berlin, 11. Mai. Nach längerer Kranllieit ist in Berlin die Gemahlin des Reichskanzlers, Frau v. Bcth- mann Hollweg, gestorben. Nur noch wenige Wochen, und der Kanzler hätte mit seiner Gemahlin das Fest der Silbernen Hochzeit feiern können. Den» am 17. Juni 1889 wurde der damalige Landrat des Kreises Lbcr- barnim, Theobald v. Bclbmann Hollweg, in der alten Kirche des Tories Wilkendorf, nördlich von Strausberg, mit dem Fräulein Martha v. Psucl getraut. Frau Martha Elise v. Bcthmann Hollweg wurde am 21. Avril 1865 III Wilkcudors in der Mark, im sogenannten „Piuelenland", das Theodor Fontane so anschaulich geschildctt hat, geboren, ist also im vorigen Monat 49 Jahre alt geworden. Ihre Eltern waren der bauvtrittcrschastsdirektor Gustav v. Psucl, Fideikommißhcrr auf Wilkcudors mit Gielsdors und Eichenbrand, und dessen erste, vier Wochcn nach der Geburt der Tochter verstorbene Gemahlin, die Gräfin Jsa v.. Reventlow aus dem Hause Jersbek an der heutigen Provinz Schleswig-Holstein. So stammte die Gemahlin des deutschen Reichskanzlers einerseits, alsEnkelin, von deinGcncrallentnaitt Fritz v. Psucl ab, der 1846 als Kommandant von Stettin starb und ein jüngerer Bruder des Generals der Jnsanterie und Ministerpräsidenten Ernst v. Psucl war, und andererseits, als Urenkelin, von dem Grasen Eugen Reventlow, der am Ansang des vorigen Jabrhunderts dänischer Siaatsminister war. Ihr Vater schloß dann 1879 eine zweite Ehe mit der Gräfin Agnes zu Dohna aus dem Hause Mallmitz, die bis dahin Hofdame der Kaiserin Augusta gewesen war und vor -drei Jahren in Berlin gestorben ist. Ter Vater der Frau v. Bcthmann Hollweg starb 1897: das Fidci- kommiß Wilkendorf wurde nun ausgelüst, von dem Geheimen Kom- merzienrat Dr. Georg Caro erworben. Das Rcichskanzlervaar hot drei Kinder: Friedrich, geboren am 4. Juni 1890, der an einer süddeutschen Universität studiett: Jsa, geboren am 7. Dezember 1894: und Felix, geboren am 20. Januar 1898, der das Gymnasium zu Dahlem besucht. Frau v. Bcthmann Hollweg war eine ausfällig große, stattliche und echt germanische Erscheinung mit schönen, regelmäßigen Zügen und dichtem, blondem Haar. Obwohl sic es vortrefflich verstand, gesellschaftlich zu repräscMiercn und bei festlichen Gelegenheiten eine sehr gute Figur machte, mußte sie für die eigentliche Führung der Geschäfte des Haushaltes, namentlich in letzter Zeit, als ihre Kranllieit zunahm, die Hilfe ihrer unverheirateten älteren Schwester, des Fräuleins Klare v. Psucl, in Anspruch nehmen, die auch im Reichskanzlcrvalais wohnte. Im Reichskanzlerpalais liefen mit Montag seit den frühen Morgenstunden unzählige Beileidstelegramme ein. Der Kaiser und die Kaiserin, der Kronprinz und die Kronprinzessin, sowie die übrigen Prinzen kondolierten, außerdem die Herren, welche mit dem Reichskanzler in persönlicher Verbindung stehen. Außerdem trug sich eine große Anzahl Kondolenzbesücher in die ausgelegten Listen ein. Tie deutsch-konservative Fraktion sandte an den Reichskanzler ein Telegramm folgenden Inhalts: Ew. Exzellenz gestattet sich die deutsch-konservative Fraktion des Reichstags bei dem erschütternden Verluste, den Ew. Exzellenz betroffen hat, das tiefempfundene Mitgefühl aller ihrer Mitglieder auszusprcchcn. Ter sranzösische Ministerpräsident Toumerguc hat dem Reichskanzler zum Tode der Iran v. Bcthmann telegraphisch sein Beileid ausgcdrückt. Auch der italienische Minister des Aeußern richtete an auch des Humors und des scntimentalischen Einschlags nicht, schlägt dem Texte gemäß auch patriotische, militärische Töne an, durch Benutzung von Soldatenliedern »sw. Aber bedeutend wird man das Merkchen nirgendwo nennen können, und das könnte cs doch immerhin sein, auch Lortzing war ja groß im Kleien: dafür fehlt der Musik die Ursvrünglichkeit und die vcrsönlich zwingende Note. Ter Text ist recht unterhaltend, behaglich stimmt schon das Erscheinen Blüchers auf der Bühne, der natürlich kein Eouvlct singt, sondern als Sprachrollc behandelt ist. In sein Hanptauartier in Höchst und dann nach Kaub Silvester 1813 versetzt uns die Handlung, in deren Mittelpunkt eine Marketenderin der sranzö- sischcn Armee steht, ein liebes, mutiges Geschöpf, das plötzlich im deutschen Lager verkleidet austaucht und für eine Spioniu gehalten wird. Rose sucht aber nur ihren gefangenen Schatz, den sie sür sterbenskrank hält. Sie gewinnt bald die Sympathien Blüchers und seiner Truppen, spioniert, als Elsässerin deutsch gesinnt, sür ihn jenseits des Rheins und erwirbt sich große Verdienste. Ihr Schatz ffeilich erweist sich ihrer Liebe nicht wert, daiür aber ein anderer, der Koch Blüchers, umsomehr, und dem Rhcinübergang geht die Verlobung unmittelbar voraus. Tie sehr gute Kölner Ausführung unter Losrat Römonds szenischer und Brechers musikalischer Leitung trug den anwesenden Autoren viele Ehren ein. — Ei» Bild Guido Renis verschwunden. Aus Ferrara wird gemeldet: Aus der K i r ch e S a n C r i st o f o r o wurde nachts von unbekannten Dieben G u i d o R c n i S Gemälde von der Enthauptung Johannes des Täufers entwendet, indem das Bild aus dem Rahmen geschnitten wurde. — Professor Walter Brecht — Nachfolger von Erich Schmidt? Wie dem Berl. I. mitgeteilt wird, ist Pros. Walter Brecht, bekanntlich ein Schroagcr von Pros. Roethc, dazu auscrschc» worden, den Lehrstuhl des verstorbenen Erich Schmidt neu zu besetzen. Prof. Brecht ist unlängst efft als Nachsolger von Bros. Minor nach Wien berufen worden. Wir geben die Nachricht zunächst unter allem Vorbehalt wieder. — Kurze Nachrichten auÄ "Kunst und Wissenschaft. Anläßlich der vierzigjährigen Tätigkeit Arthur Vollmers am Königlichen Schauspielhauic in Berlin fand nach der Probe eine kleine Feier statt, zu der viele Bekannte Vollmers mit Blumen und Geschenken erschienen. Obcrregisseur Petry vom »öniglichen Schauspiettxluie hielt eine kurze Ansprache und überreichte einen silbernen Lorbcerkranz. den Reichskanzler eine iif den wärmsten Ausdrücken gehaltene Beileidsdcpesche. Die Trauerseier findet am Mittwoch um 12 Uhr im Kanzlerpalais, die Beerdigung am Donnerstag um 23/» Udr von der Kirche in Hohcnftnow aus in engstem Kreise statt. Der Kai se r will sich bei der Trauerfeier durch den Prinzen Eitel Friedrich vertreten lassen. Eiu Telegramm des Grafen tzertling München. 11. Mai. Der Vorsitzende des bayrischen Ministerrats Graf v. .tzertling sandte an den Reichskanzler folgendes Telegramme Tie sttachricht von dem tzinscheiden Ihrer hochverelwten Gattin orschütlerte meine Frau und mich aufs tiefste. Wir bitten Euer Exzellenz, den Ausdruck unserer innigsten und herzlichsten Anteilnahme entgegenznnehmen. Möge der allmächtige Gott Ihnen und den Ihren in der schweren Zeit mit seinem Tröste nahe sein und Ihnen Kraft und Starke geben, das furchtbare Schicksal zu tragen. In aufrichtiger' Verehrung und Mitgefühl: Hertling. Die Kaiserin sprach am gestrigen Montag im Reichskanzlervalais vor, um dem Reichskanzler ihr Beileid auszudnicken. Tie Kaiserin veriveilte einige Zeit im Sterbezimmer und legte dort Blumen nieder. In der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" schreibt Pro- scssor Dr. Ernst Franckc: Auch wir Sozialpolitiken buben wahrlich Grund, beim öinfefteiben der Frau b. Bethmann Hollwcg zu trauern. Sie Ivar nicht nur von regem Miigesühl «mH innigem Verständnis für die Not und das Ringen der Schwa- chen und Bedürstigcn enütlt, sondern hat onrfV mit ihrer Persönlichkeit sich in dci, Dienst sozialpolitischer Arbeit gestellt. So lat Frau v. Bethmann Hollweg der deutschen Heimarbeitsaus- stellung 1906 in Berlin ihre aufrichtige Teilnahme zitgewendet. Als aus dieser Ausstellung dann >als eine ilner Folgen der deutsche Käuferbund im Jalzre 1907 entstand, übernahm Frau b. Betlmiann .tzollwcg. deren Gemahl damals Minister des Inner» war, das Amt der erften Vorsitzen den, das sie auch beibehiclt, als sie kurz daraus in die Wilh.lm'straße iRejchsamt des Innern' über siedelte. Auch als Gattin des Reichskanzlers hat sie diesen und verwandte» Bestrebungen die wärmste Teilnahme stets bewahrt, immer mit Rat und Tat zur Hilje bereit. Wer, wie der Unterzeichnete, einige Jahre mit dieser edlen, warmherzigen Frau IN gemeinsamer Arbeit der sozialpolitischen Fürsorge gestanden ist, weiß, wie ernst und treu sie ihre Ausgaben und Pflichten in der Führung der Geschäfte genommen hat. Es war ihr gar^nicht um die äußere Repräsentantin zu tun, sondern nur um die Förderung der Sache, um die Milderung von Mißständen, lim die tzilse der Bedrängten. Das Andenken an diese edle Fra» wird auch von Uns Eozialrcsormcrn in Dankbarkeit hochgchalten werden. Der Uaiser in Metz. Metz, 11. Mai. Heute vormittag 10.10 Uhr trafen mit dem fahrplanmäßigen Zuge mit einiger Verspätung der neue Statthalter v. Dallwitz und der Staatssekretär Graf v. Rödern ein, wo sie von dem Bezirkspräsidenten, dem Polizeipräsidenten und dem Kommandierenden General begrüßt wurden. Tann fuhren die Herren im Automobil des Bezirkspräsidenteil zum Bezirkspräsidium. Um 11.50 Uhr wird der Kaiser, von Braunschweig kommend, hier ein- tresfen. Metz, 11. Mai. Der kaiserliche Hofzug lief Punkt 11.50 Uhr auf dem Hauptbahnhof ein. während von den Forts die Kanonen den Begrüßunqssalut niederdonnerten und die Kirchenglocken in der Stadt läuteten. Der Kaiser entstieg dem Hoszug und begrüßte zunächst den Statthalter und darauf den Kommandierende» General, der Meldung erstattete, alsdann den Polizeipräsidenten. Sodann begab sich der Kaiser durch die EnrpsangShalle auf den Bahnhofsvorplatz, von wo er sich sogleich mit den zuui Empfanfl erschienenen Herren sowie dem Gefolge in den bereitstehenden Automobilen zur Kaserne des KvnigS-Jnfanterie-Regiments Nr. 145 in Montigny begab, mv das Regiment auf dem Kasernenhose Parade-Aufstellung genommen hatte. Nach Abnahme der Parade nahm der Kaiser im Osfizicrskasino des Regiments das Frühstück ein, worauf im Automobil die Abfahrt zur Besichtigung der Befestigungswerke der ivestlichen und nordwestlichen Front von Metz erfolgte. Das Wetter war regnerisch, klärte sich aber später auf. Die Vermittlunasversriche in Mexiko. Washington, 10. Mai. Es wird gemeldet, daß die Vermittler noch immer versuchen, Earranza zur Teilnahme an den vorläufigen Vermittlungsverhandlungen zu bewegen. Earranza sott in veränderter Form eine neue Einladung zur Entsendung von Vertretern nach Niagara Falls erhalten. Eine Beschwerde über amerikanische Truppenlandungen. Mexiko, 11. Mai. Der Minister des Aeußeren Ruiz protestierte bei den Friedensvennittlern in Washington, daß einige amerikanische Torpedoboote und ein Transportschiff in der Höhe von Lobo Island zwischen Tampico und Bcracruz erschienen seien und Truppen gelandet hät- t c n, welche den Lcuchtturmwächter verhafteten, aber.nachher wieder sreilicßcn. Ruiz ersuchte um Vorstellungen bei den United States. Washington, 11. Mai, Der Doven der Fricdensvcrmitt- ler Tegama hatte gestern im Weißen Hauke eine Besprechung mit Wilson: man glaubt über den.Zwischenfall von Lobo Island. Es wird erklärt, daß Huerta außer dem Befehl, die Leuchtfeuer an der vacisischcn Küste auSzulöschcn, ähnliche Anordnungen auch für die atlantische Küste gegeben habe. Die Besetzung von Lobo Island dürste eine Vorsichtmaßrcgel zwecks Schutzes der gesamten Schiss- sahrt darstellcn. Demgemäß wird eine Beschwerde Huertas über die Verletzung des Waffen st ill st andes für ungerechtfertigt angesehen. Bon zuständiger Seite wird erklärt, daß der Richter am obersten BundeSgcricht Lamar und ein bekannter Rechtsanwalt namens Lckhmann, die Vereinigten Staaten in der Friedensvermitlclungs - Konserenz in Niagara Falls vertreten werden. Die Schlacht bei Tampico. I u a r e z , 11. Mai. Nach hier eingegangencn Meldungen tobt bei Tampico die wilde st- Schlacht der ganzen Revolution. Eine Anzahl von Oeltanks und ein Teil der Stadt brennt. Ter brrtische Panzerkreuzer „Essex" ist eiligst nach Tampico abgegangcn, Flüchtlinge. Bcracruz, 11. Mai. Gestern traf aus der Hauptstadt ein Zug mit einigen amerikanischen und etwa 100 deutsch e n u n d französischen Flüchtlingen hier ein. Die Engländer und die Deutschen in der Stadt Mexiko haben sich zur Verteidigung bereit gemacht. Wie gemeldet wird, ist von 4000 Mann Truppen, die Huerta bei Saltille stehen hatte, der größte Teil zu den Insurgenten übergcgangcn. Die tage in Albanien. Durazzo, 1l. Mai. Die Milizbildung schreitet erfolgreich rn Koritza fort. Bereits 400 Mann sind aus Dibra, 1000 ans Elbassan, 200 aus Starowa eingetrofsen. Tausend Freiwillige aus Tirana unter Abdiresiki und Mn- rad Bey Toptani sind aus dem Marsche nach Koritza, Die Regierung hofft, dort in werrtgen Tagen über 5000 Bewaffnete zu verfügen. Die Zahl dürste noch erheblich wachsen; auch 12 Maschinengewehre sind unterwegs dorthin. Die „Albanische Korrespondenz" meldet aus Val 0 na, daß auf Befehl des Fürsten vom 7, Tstai ab die Feindseligkeiten auf der ganzen Linie eingestellt worden sind. Deutsches Aeich- JnderFragederVerständigungwegender Besoldnngsnovelle hängt die irntscheidnng vom Zentrum ab, bas über die endgültige Stellungnahme erst in einer Fraktionssitzung am Mittwoch vormittag beschließen wird. Skrrslanv. Die Franzosen in Marokko. Aus R a b a t_ vom 11. Mai wird gemeldet: Tie Kolonne Gouraud beschloß, sich in den Besitz des Bergrückens von Taza zu setzen, um die Verbindung mit den aus Ostmarokko kommenden Kolonnen zu gewinnen, Ter Bergrücken von Zul wurde besetzt. Gouraud teilte seine Truppen in drei Kolonnen und schickte Flieger gegen den Feind, deren Bombenwürie eriolgrcich waren. Tic Zul setzten den von der Artillerie gut unterstützten Franzosen nur geringen Widerstand entgegen. Um 8 Uhr morgens beiand sich Gouraud aus der Mitte des Bergrückens und lagerte abends bei Ucd Amilid, wo er eine Lebensmittel-Niederlage errichten wird, die letzte auf dem Wege Fez — Taza. General Lvauteh stellte die Verbindung mit Ostmarokko her. Aus Stadt und LanS. Gießen, 12. Mai 1914. Rückgang des Fleischbkdarss. st Uns liegt eine amtliche Statistik über die Schlachtungen im Gießener Schlachthos vor, welche die Jahre 1900—1913 umfaßt und die weit treffender den Beweis liefert, daß der Fleischverbrauch in unserer Stadt erheblich, und zwar nicht nur in der Menge, sondern auch in der Qualität, abgenommen hat, als dies bisher bei den vergleichenden Mitteilungen über die Schlachtungen in Gießen, die nur immer kürze Zeiträume umfassen, möglich war. Vorausgeschickt mag werden, daß die Einwohnerzahl unserer Stadt im Jahre 1900 nach der Volkszählung rund 25 500 Seelen betrug und heute sicher nicht weniger als 32 M0 umfaßt. Sie hat also eine Vermeh-rung von 6500 Menschen erfahren, welche Zunahme etwa Vs der Einwohuerzahl von 1900 beträgt. Nach der Stattstik des Schlachthofes wurden im Jahre l9M im ganzen 2888 Stück Großvieh für Gießen geschlachtet. Hätte der Bedarf in Rindfleisch während der 14 Jahre, die wir zum Vergleich heranziehen, mit der Vermehrung der Bevölkerung gleichen Schritt gehalten, so wäre im Jahre 1913 eine Schlachtung von 3610 Stück Großvieh erforderlich gewesen. Tatsächlich wurden aber im letzten Jahre nur 3250 Stück geschlachtet, oder 362 Stück mehr als vor 14 Fahren, so daß danach ein Weniger von 360 Ochsen, Butten, Rindern und Kühen zu verzeichnen ist. Der Wenigerverbrauch an Fleisch von diesen Tieren erhöht sich aber noch, wenn man bei dem Vergleich die Buttenschlachtungen außer der Betrachtting läßt, welche sich in den Vergleichsjahren von IM Stück auf 250 vermehrt haben. Das Fleisch der Bullen kommt aber, nne jede Hausfrau bestätigen wird, als Fleisch für Kochzwecke nicht in Betracht. Bullen- fleisch wird in der Hauptsache zur Wurstfabrilätion verwendet. Wenn inan nun, entsprechend der Vermehrung der Bevölkerung, die Zunahme der Bullenschlachtungen für den in Frage kommenden Zeitraum in Abzug bringt, dann bleiben immer noch 125 Stück übrig, die dem Mrndcrver- brauch von 360 Stück Großvieh in unserer Stadt hinzuzu- zühlen sind, weil diese vermehrte Schlachtung von 125 Butten als Wurst verarbeitet nach außerhalb zum Versand kommt, woraus wir später noch zurückiommen werden. Hiernach haben wir festgestellt, daß in unserer Stadt jährlich eiu Ausfall von rund 475 Stück Großvieh für das Jahr 1913, aber auch für 1912 zu verzeichnen ist, ein Ausfall, dem kein Ersatz in anderen Viehgattungen entgegengestettt werden kann. Bedenklich aber ist die Feststettung, daß die Schlachtung der qualitätsreichen Ochsen in den Vergleichsjahren von rund 13M im Jahre 1900 auf rund 1100 Stück 1913 zurückging. Dagegen haben sich die Schlachtungen von Rindern, die in der ©iite als Nahrungsmittel den Ochsen gleichzurechnen sind, mit rund 1200 in 19M aus demselben Stand erhalten. Der Bedarf der um 1/5 vermehrten Gießener Bevölkerung wurde teilweise gedeckt durch Kuhfleisch, welches nicht einmal in bester. Qualität bei uns geschlachtet wird. Der Verbrauch an Kühen hat sich von 266 Stück im Jahre 1900 innerhalb der letzten 14 Jahre beinahe verdreifacht. Ihre Zahl betrug 1913 732 Stück, Aus diesen Zahlen geht deutlich hervor, daß unsere Bevölkerung zu ihrer Ernährung von dem als kräftiges Nahrungsmittel vorzuziehenden Genuß des Ochsen- und Rindfleisches teilweise absehen mußte und zum Genuß von dem minder qnalitätsreichen Kuhsleisch übergegangen ist. Ein stark begehrtes Nahrungsmittel ist Fleisch Pom Kalbe, wenn es zu einigermaßen angemessenem Preise an- geboten wird, was übrigens auch aus der uns vorliegenden Statistik ersichtlich ist. Tatsache aber ist, daß in Gießen in den beiden letzten Jahren der höchste Tiefstand in Kälberschlachtungen innerhalb der letzten 14 Jahre erreicht wurde. Während nämlich 19M 25 500 Einwohner das Fleisch von ipmd 65M Kälbern verzehrten, stellt sich der Verbrauch für 1912 und 1913 bei 32 000 Einwohnern, die in unserer Stadt leben, auf nur durchschnittlich 58M Kälber im Jahre. Das bedeutet einen Ausfall von 2350 Kälbern, Genau so steht es mit dem Genuß von .Hammelfleisch. Trotz der Vermehrung der Bevölkerung um r/z und trotz des Mankos im Verbrauch von Rind- und Kalbfleisch haben die Schlachtungen von Schafen innerhalb der 14 Jahre, die wir im Auge haben, in Gießen nicht zu-, sondern um 1/5 ab ge nommen und zwar von 1250 Tieren im Jahre 1900 auf 1000 Tiere 1913. Das ist ein Weniger von rund 550 Sttick entsprechend der Vermehrung der Bevölkerung. Die Schlachtungen von Schweinen haben sich von 10678 des Jahres 19M aus rund 12 5M für 1913 vermehrt. Darnach scheint es, daß der Genuß von Schweinefleisch und Wurstwaren in unserer Stadt mit der Bevölkerungszunahme wenigstens annähernd gleichen Schritt gehalten hat, doch' ist dies nur scheinbar der Fatt. Mehrere unserer Metzgermeister haben seit dem Jahre 19M große Kapitalaufwendungen für Maschinen gemacht, mit denen man rationeller arbeiten kann, als wenn man die Schweinemetzgerei nur handwerksmäßig betreibt. Das in den Maschinen angelegte Kapital ist aber nur gewinnbringend, wenn der Betrieb sich groß gestaltet. Da der Wurstbedarf sich in Gießen nicht der Leistungsfähigkeit der Betriebe entsprechend vermehrt hat, woran auch die hohen Ladenpreise für Wurst und Wurstwaren die Schuld tragen, so ist man vereinzelt dazu übergegangen, die hergestellte Wurst nach außerhalb an Wrederverkäuser abzusetzen, natürlich mit einem erheblichen Preisnachlaß gegenüber deni Gießener Ladenpreis. Dieser Absatz, der sich besonders nach dem Industriegebiete wendet, hat einen sehr bedeutenden Umfang angenommen und bildet bei einigen unserer Metzger, die ihren Betrieb auch selbst als Fabriken bezeichnen, einen ivirtschasllichen Faktor. Es läßt sich nun nicht Nachweisen, wieviel Schioeine, die im Schlachthos jährlich geschlachiet loerden, als Fleischnochrung für Gießen nicht in Betracht kommen. Ein Metzger selbst schätzte diese Zahl auf 2M0. Trifft dies zu, jo habe» auch die Schweiueschlachrungen in unserer >-tadt entsprechend' der Vermehrung unserer Bevölkerung von 19M bis 1913 nicht gleichen Schritt gehalten, sondern sind ebenfalls um rund 2000 zurückgeblieben. Wenn man diesen Rückgang der Schlachtungen in ollen Viehgaklungen, der zahlenmäßig sestfteht, sürGießen be- trachiet, dann niuß man zugeben, daß der Fleischlgenuß unserer durchschnitrlich wohlhabenden städtischen Bevölkerung erheblich zurückgegangen ist. ** Sie Gr 0 ßherz 0 gin empfing am Sonntag vormittag 11V- Uhr im Neuen Palais den Direktor des Großh, Realgymnasiums zu Gießen Tr. Saut. ** Offene Stellen. Erledigt ist die Stelle eines Steueraussehers bei dem Großh. Hauptsteueraint Darm- stadt und die Stelle eines Zuckersteueraufsehers bei dem Großh. .Hauptsteueraint Worms, ^ ** Tagung Evangel, Arbeitervereine in Gießen. Tie Evang. Arbeiter-, Gesellen- und Männer- vereine Lutzbach, Gießen, Homburg v. d. H, Marbüpg, Salzböden und Wetzlar hielten am letzten Sonntag im Vereinslolal des Evang, Arbeitervereins Gießen eine Ta- gntig ab, zu der auch der Vorsitzende des Mittelrheinischen Verbands Evang. Arbeitervereine, Pfarrer Schmitt- Höchst, sowie Sekretär Wilhelm-Höchst erschienen waren. Nach einer Begrüßungsansprache durch Oberbibliothekar Dr. Heuser-Gießen und Erstattung des Jahresberichts wurde Gießen auch für die nächsten 3 Jahre als Vorort bestimmt. Als Vorsitzender wurde Oberbibliothekar Dr. Heuser-Gießen wiedergewühlt, während der zweite Vorsitzende von Butzbach, der Schriftführer von Gießen gestellt werden soll. Besonderes Interesse fand ein Vortrag von, Sekretär Wilhelm-Höchst über die „Volksver- sicherung der Evang, Arbeitervereine", Während der Redner insbesondere die Zwecke und Ziele, sowie die Leistungen der VollsvWicherung behandelte, wurde iu der anschließenden A u s s s^ a ch e, an der sich die Herren Pfarrer Schmitt- Höchst, E t t l i u g e r - Homburg, S ch e U lenberger- Wetzlar, sowie Dr. .Heuser, Kirchner und Loh-Gießen beteiligten, die Art der Agitation erörterst Nach dem Vortrage von K. Weller-Gießen über das B e r t r a u e n s m ä n n e r s y st e m war man sich grundsätzlich darüber einig, daß eine derartige Einrichtung nur für größere Vereine in Frage kommt, daß in diesen aber bei intensivem Arbeiten der Vertrauensmänner wesentliches geleistet werden lann. Bei der Beratung über die Rechtsauskunftsstellen erläuterte H, Kirchner- Gießen die Bedeutung, ivelche die Rechtsausknnsts- stellen für die Vereine selbst, wie auch für die Ratsuchenden haben. Es herrschte Uebereinstimmung darin, daß auch für die Folge im Interesse der Ratsuck-enden dieser Einrichtung allseitiges Interesse entgegengebracht werden muß. Ms nächster Ort der Tagung wurde Homburg v, d, H, vorgesehen und gleichfalls ein Familienausflng nach dort in Aussicht genommen. ” Der Rote-Krenz-Tag wurde in allen Gemeinden de? GroßherzogtumS durch FestgotteSdienste, Blumcnverkaus und vaterländische Veranstaltungen gefeiert und hat manche bedeutende Summe für das Rote Kreuz erbracht. So ergab die Rote - Kreuz - Saninilung in Weickartshain, einem 435 Seelen zählenden Dörfchen im Kreise Gießen, 45,70 MkV gewiß ein grobes Opfer der nicht einmal wohlhabenden Bevölkerung. Von ähnlichen Erfolgen erzählt uns eine stattliche Zahl von Berichten aus der Nähe und Ferne, so daß es uns unmöglich ist, alle diese Berichte wiederzugeben. **DerRechnerverbanddesKreises Gießen hält am nächsten Donnerstag im Fe-lsenketter zu Gießen seine Hauptversammlung ab. ** Von der Ge Werbeausstellung Gießen. Die Bewachung der Ansstellungsgebände hat das Gießener Wach- und Schließinstttut (Heinrich Schmidt) für die Dag- nnd Nachtzeit während der ganzen Tauer der Ausstellung übernommen. ** Kleine Mitteilungen. Aus Frankfurt wird gemeldet: Im Biegwald beim Sladtteil Bockenheim fuhr am Montag früh eine Abteilung Artillerie über den Bahnübergang der Strecke Homburg—Frankfurt, als plötzlich ein Eilzug heranbrauste. Der Lokomotivftihrer erkannte sofort die drohende Gefahr und brackne den Zug wenige Meter vor dem Ueber- gang, der sehr unübersichtlich ist, zum Halten. — In der Nacht aus Montag wurden die Wirtschaftsgebäude des Landwirts Adam Greif in N r e b e 111 r f e 1 durch ein Groß jener eingeäschert. Der Feuerwehr war es in vielstündigcr^Arbeit möglich, die anstoßenden Wohnhäuser und eine gefüllte Scheune vor der Vernichtung zu bewahren. Ein in dem abgebrannten Pserdestall schlafender Knecht konnte im letzten Augenblick aus den Flammen geholt werden. Der Schaden ist bedeittend. —> InWahlen wurde der Bahn-» agent Fischer zum Beigeordneten gewählt und bestätigt. Kreis Lauterbach. Die Krainfcldcr Mordtat. Crainfeld, 12. Mai. Die „Kleine Presse" in Frankfurt verbreitet eine Nachricht, wonach sich der Verdacht, die Tat begangen zu haben, in den letzten Tagen auf eine der Familie Stein nahestehende Persönlichkeit aus Crainfeld gerichtet habe. Die Ermittlungen sollen sich jetzt nach dieser Seite richten. — Wir können dazu melden, daß der Staatsanwaltschaft von dieser Nachricht nicht das geringste bekannt ist. Tie Meldung ist also vollkommen aus der Luft gegriffen. Kreis Schotten. Ä Wetterfeld. 11. Mai. Nach Beschluß des Ge- meinderats sott hier ein S ch n l h a u s mit Lehrerwohnung erbaut werden. Kreis Friedbcrg. 25. Verbandstag hessischer Vorschuß, und Kreditverelne. QButzbach, 1l. Mai, Der 25. Verbandstag hessischer Vorschuß- und Kreditvereine hat heute seinen Anfang genommen mit dein g oldnen In helfe st edes hiesigen Vorschußvereins. Bereits heute mittag und nachmittag trafen aus den drei Provinzen weit über IM Vertreter der Brudervereine ein. Auch der Verbandsanwalt des deutschen Verbands, Professor Dr. Krüger aus Ehar- lottenburg und der Vorsitzende des Unterverbands, Justizrat Dr. Harnier ans Kassel sind eingetrofsen. Reicher Flag- aenschmuck begrüßte die Gäste. Heute abend fand Fest- k 0 m m e r s statt, verbunden mit dem 50jührigeu Stiftungsfeste des hiesigen Borschnßvereins, Bon den 70 Herren, die 1864 den Verein gtünbctcn, sind noch drei am Leben, und von diesen sind noch heute Georg Ginrbek und Philipp 5)adermann Mitglieder, Beiden wurde eine besondere Ehrung zuteil. Morgen sinden^die Verhandlungen statt, 8 Bad-Nauheim, 12, Mai, Bei 96 Geburten im vergangenen Jahre betrug die Säuglingssterblichkeit 6 im ersten Lebensjahr Gestorbene, Hessen-Nassau, — Rodhcim a d. Bieber, 12, Mai. Nach lanqer Arankbeil Harb an, Montag der Könial. Teaemeistcr Wilbel,» Möhrinqcr zu Forühaus Haina in, 56. SebciH-iafivc. Tic Beerdiamia findet Donneistag in Rodheim a. d. Bieber, von wo der Verstorbene stammt, hat!, h, Bad Homburg v, d, £>„ 11. Mai, Ter am Amtsgericht beschäftigte Amtsgerichtsrat v. Langen feiert am 16, Mai fein OOjähriges R i chite r j u bi l ä um Ter greise, geistig und körperlich noch sehr rüstige Herr dürste mit seinen 85 Lebensjahren wohl der älteste im Amt stehende Richter Deutschlands sein, — Frankfurt g, M„ 11. Mai. (Privattel ) Ter 25 Jahre alte Schneider Siegmnnd Cisco, der einige Zeit verreist war, kani heute früh aus Köln hier wieder an und begab sich in die Wohnung der Familie Sch,, nm sich mit der Tochter, mit der er ein Liebesverhältnis unterhielt, auscinanderzusetzen, Ohne viele Worte zu machen, zog Cisco einen Revolver und s ch o st auf das Mädchen, das er jedoch nicht tras. Das Mädchen ries nael, der Mutter, die aus der Küche herbeieilte. Auf diese schost nun der Schneider und traf Frau Sch, in den Hals und verletzte sic schwer Cisco schost sich dann selbst eine Kugel in die Schläfe, die aus dem Hinterkopf wieder heraustrat, und brach bewnsttlos zusammen, Tie beiden Schwerverletzten fanden im Bürgerhosvital Aufnahme, Ter Zustand der Frau Sch, ist recht bedenklich, der des Schneiders völlig hoffnungslos. £Jsiit>crfttät5»Had>ricftfcn. — Dem Dr, Ernst L a g u e u r, früher Privatdozcnt für Phnsiokogie in Königsberg und Halle a, S,, der an die Universität dir on in gen berufen wurde, ist vom I, April 1914 ab eine neugegründetc persönliche Stelle mit dem Lehraustrag für allgemeine Biologie und vergleichende Phtzsiologie in der dvrtigen medizinischen Fakultät übertragen worden, — Der Ordinarius für Geographie an der Universität Breslau Geh, Regierungsrat Prof. Dr, A, Slip an ist ans Gesundheitsrücksichten für das laufende Sommerscmc- ster von der Verpflichtung zur Abhaltung von Vorlesungen entbunden worden! mit seiner Vertretung wurde der Privatdozcnt Dr, Erich Obst von der Universität Marburg beauftragt. Sport. Hamburg, 10, Mai, In dem Fußballwcttkamvf der repräsentativen Mannschaften von Nord- und Süddcutschland um den Pokat für Norddcutschland siegte Norddcutjchland mit 3:1, Halbzeit 1:0 sür Norddcutschland, Lustzchinubr». Fricdrlchshafcn, 11. Mar, Das neueste Zcpvelinlust- schiss „L, Z, 24", das für die Marineverwaltung bestimmt ist, rst heute vormittag zu seiner ersten Probefahrt unter der Führung des Grafen Zeppelin ausgestiegen. An Bord des Lustschifjcs befindet sich auch die Marincbcsatzung, München, 11, Mai, Der Megcr Hirth, der heute früh 8,53 Uhr in Johannisthal ausgestwgcn war, ist um 2,30 Uhr ar» dem Flugplatz Schleißhcim in 3 Schleisenslügcn gelandet. Das Erdbeben auf Sizilien. Catania, 11, Mai, Das Erdbeben suchte eine auf füns Quadratkilometer beschränkte Zone schwer heim und machte darüber hinaus die Orte Linera und Passopomo dem Erdboden gleich. Bisher wurden ungefähr 6 0 Tote gezählt. Gestern abend bemerkte man auf dem Gipscl des Vulkans einen Feuerschein, Tie kleinen Erdstöße dauern an. Das ActnaobscrvatoriuM meldet, daß ■ gestern Abend in Brontc zwei leichte Erdstöße verspürt worden sind, die aber keinen Schaden angcrichtct l>aben. Der Krater des Aetna wirst gewaltige Aschen- und Rauchmcngen aus, Hohenheim, 11. Mai, Von der Erdbebenwarte Hohenheim wird mitgctcilt, daß die Auszeichnungen, die das Actnacrdbebcn am vorigen Freitag geliefert bat, nur sehr schwach waren, wie dies ohne Zweiscl bei den übrigen mitteleuropäischen Erdbebenwarten der Fall war. Nur die zwei empsindlichsten der Hohenheimer Jnstrumentc ließen das Beben erkennen. Die horizontalen Pendel, die seiner Zeit aus das Mcssinabeben sehr stark reagierten, haben gar keine Spur ausgezeichnet. Es ist dies aus den Uniftand zurückzutühren, daß eriahrungsgemäß vulkanische Erdbeben nur die nächste Umgebung des Herdes fühlbar erschüttern. Es sind ziemlich kurz begrenzte örtliche Erscheinungen, - Die Geringfügigkeit der Auszeichnungen im vorliegenden Falle beweist also zugleich den rein vulkanischen Charakter dieses Erdbebens, vermischte». * Fernsprecher S ch w c d c n — D e u t s ch l a n d. Au§ Stockholm, 11, Mai, wird gemeldet: Es besteht die Absicht, dem jetzt zusammcntretenden Reichstage vorzuschlagen, zwecks einer Verbindung zwischen Schweden und Tentschland mit Anschluß- lcitungcn in Stockholm und Gotcnbiirg, 900000 Kronen anzu- wciscn, * Pocken in Westfalen, In Greven (Westfalen) sind am Sonntag die Pocken ausgebrochen, 2i c b c n P c r- so n c n, darunter ein Arzt, sind erkrankt; eine Person ist gestorben, Tie Kranken lvurdcn isoliert. ^Neuschnee, Aus Karlsruhe i. B,, 11, Mai, wird gemeldet : In den höheren Lagen des 2 ch w a r z w a l d e s ist ein empiindlicher Wettersturz eingetrcten. Bis zu 1300 Meter herab ist Neuschnee gefallen, der sich aus de« Bcrgkämmcn und de» Höhen zwischen dem Feldbcrg, Belchen und Herzogcnhorn behauptet. Die Temperatur ist untcr de» Nullminkt gesunken, * Ausde in F e n st e r g e st ü r z t. Aus Halle (Saale), 9, Mai, meldet ein Priv.-Tel,: Als der Zulsältcr Schoclzkc von der Straskanimcr zu einem Jahr Gefängnis verurteilt war und nach Verkündigung des Urteils abgcführt werden sollte, stürzte er sich durch das Fenster des Sitzungssaales in den Hof, wo er lebenSgcsührlich verletzt liegen blieb, * lleberfobren. Das Arbeiter-Ehepaar Knoche ans Spandau ist bei einer Radfahrt auf der Tübcritzcr Heerstraße von einem Kraftwagen überfahren worden. Die Frau wurde getötet, der Mann nur leicht verletzt, * Grubenu ng 1 ü ck. Aus L i ch t c n a u ibci Lanban), 10, Mai, wird gemeldet: Auf dem B o c g e s ch a ch t der kon- jolidicrtcn Bereins-Glückgrube für Kohlengewinnung sind infolge plötzlich niedergcgaugener Erbmassen gestern abend gegen 10 Uhr ein Aufseher und drei Manu tödlich verunglückt, Eine Leiche ist bereits geborgen worden, die übrigen drei werden noch gesucht, < * Untcr dem Verdacht des Giftmordes an seiner am 16, April verstorbenen Ehefrau wurde in Rathenow der Goldarbeitcr Becker verhaftet. Er hatte stets Chloroform in seiner Wohnung, das er sich von dem in einer Apotheke beschäftigt gewesenen Hausdiener Rad- van verschasste, Radvan verübte nach dem Tode der Frau Becker Selbstmord, Tie Ausgrabung der Leiche ist angcord- net worden, * Automobilunglück, Aus Forst, 11, Mai, meldet ein Privattclegramm: Auf der Chaussee F o r st — M u s- k a u hinter T s ch c r n i tz rannte gestern das mit sechs Personen besetzte Automobil des Kaufmanns Arno O e h l e r aus Forst, des Mitinhabers der Wollsirma Oehler u, Co,, gegen einen Baum und überschlug sich. Sämtliche Insassen wurden aus die Chaussee geschleudert, Frau Oehler und eine Tochter wurden schwer verletzt, die anderen vier Personen leichter. * Eine Stradivarius als Trinkgeld, Im Eisen- burgcr Komitat (Ungarn) schenkte ein Fremder einem Bürger, der ihm den Weg zur Grenze zeigen mußte, eine Geige mit den Worten: „Ich habe kein Geld, nehmen Sie die Geige zum Geschenk!" Bei der Gendarmerie fand sich nachher heraus, daß die Geige im Innern den Namen Stradivarius und die Jahreszahl 1716 trug. Die Geige ist in Stein am Anger aufbcivahrt. Der Fremde wird für ein Mitglied der Räuberbande gehalten, die unlängst einem Berliner Bankier eine Stradivarius-Äeigc raubte, * Drei Glocken aus dem Turm gestohlen, :Ans Petersburg wird gemeldet: In der Narv scheu Vorstadt wurden aus der Scrav Hin-Kirche drei Glocken aus dem TurM gestohlen, ohne daß es jemand gemerkt hatte. Erst nachdem die Polizei Nachsorschungen angestellt hatte, crtavptc man einen Arbeitslosen bei denk Fortschasscn von zwei Glocken, die er zu einem Trödler bringen wollte, lieber den Verbleib der dritten Glocke verweigert der Dieb jede Auskunst, * Ein Raubmord an einem Konsul, Aus Tunis, II, Mai, wird gemeldet: Eisenbahnbeamte fanden bei der Revision eines Zuges, der Reisende und die Post aus dem Muttcrlande gebracht hatte, in einem Abteil erster Klasse einen Ueberzieher und einen Stock, welche mit Blut besudelt waren. In dem Abteil befand sich eine Blutlache, In dem Ueberzieher steckten Papiere auf den Namen des russischen und norwegischen Konsuls in Tunis, Batt, Bei der Absuchung der Bahnlinie wurde die Leiche des Konsuls zwischen Tiudscho und Moteur, ungefähr 25 Kilometer von Biscrta entfernt, aufgesunden. Die Leiche wies einen Re- votvcrschuß unter der linken Schläfe und blutunterlaufene Stellen an den Augen aus. Der Koffer und das .Handgepäck des Konsuls sind verschwunden. Wahrscheinlich ist er das Opfer eines Raubanfalles geworden. In dem Abteil soll sich ein junger Mann von etwa 25 Jahren befunden haben. Tie Nachforschungen dauern fort, «leine Lagerchronik. Ter im chinesischen Hospital zu Charbin krank liegende Konsul der Vereinigten Staaten, Warner, hat Selbstmord begangen. Gondel. lieber die Wirtschaftslage gibt eine Statistik über die Ncugründungcn und Kapitalscrhöhun- gen der Deutschen Erwerbsgesettschasten im 1, Vierteljahr 1914 Auskunft. Tanacki waren die Neugründungcn und Kapitals- erhöhungcn in diesem Zeitraum so klein, wie in keinem Jahre der letzten Konjuiikturpcriode. Die Summe der Neu- invcslierungen betrug iür Aktiengescllschastcn und Gesellschaften m. b, H zusammen 212,69 Millionen Mark gegen 222,37 Millionen Mark 1013, Tic Neugründungcn sind von 142,60 aus 122,67 Millionen Mark z u r ü ck g c g a n g e n. Bei den Kapitalscrhöhun- gen ergab sich eine Steigerung von 79,77 aut 90,02 Mark, Zu berücksichtigen ist, daß von den dicSjäbrigcn Neugründungcn allein 42 Millionen Mark auf die A E, G,-2chnellbahngcscllschast cnt- sallen, Tic llnternehmoiigslust hielt sich im l, Ouartal 1914 in noch engeren Grenzen, als im Krifcnjahrc 1908, Von den gesamten Neuinocstierungeii des 1, Quartals 1914 entfallen aut Aklicngcsell- schaiten 151,92 Millionen Mark gegen 117,08 Millionen Mark 1913, Tie Neugründungen und Kapitalserhöhungen der Gesellschaften m, b, H, sind gleichzeitig von 105,29 auf, 60,77 Millionen Mark ziirückgegangen, Berlin, 10, Mai, Bei der im Anwaltshaus in Berlin ab- gchattcnen Versammlung zun, Zweck der G r ü u düng einer Vereinigung deutscher P r i v a I b a n k i i r NI c n waren weit über 100 Privatbaiikiers von allen Teilen Deutschlands vertreten, Untcr allgemeiner Zustimmung wurde die Gründung einer Vereinigung deutscher Prioatbaulnrmcii beschlossen. Die Vereinigung besteht zunächst aus der M ü n ch c n c r Bankicrvcreinigung, der Frankfurter Geschäftsstelle der Vereinigung deutscher Privat- bankicrs, dem Verbände der Privatbanlhäujer in Schlesien und Posen und der Vereinigung niiitcldcutscher Privatbanksirnicn, Ten Vereinigungen gehören sowohl größere wie kleinere Firmen an, Ter satzungsgcmäft aus den Vorsitzenden dieser örtlichen Bereinigungen bestellende Zcntralaiisi'chuß setzt sich aus Tr, Mar Kühne (in Firma Kühne und Ernesti-Zeitzl als Vorsitzenden, Hofbankier Dr, August Schneider (in Firma I. N, Oberndörsicr-München) als stellvertretenden Vorsitzenden, Carl F i N ck (in Firma I, L, Finck-Franktiirt a, Mt und Dietrich von Stein (in Firma E. von Stein n, Co,-Berlins zusammen, — „Siemens" Elektrische Betriebe, Aktien- 6) e s e 1 l s ch a i t, Ter Aussichtsral hat beschlossen, einer auf den 27, Mai cinzubcriisendcn außerordentlichen Hauptversammlung die Erhöhung des jetzt 17 500 000 Mark betragenden Rktienkavitals um 12 500 000 Mark auidrcißig Millionen vorzuschlagen. Die neuen Aktien, die mit einem Viertel der Jahres- dividendc sür 1913/14 ausgcstattet sind, werden zu 105 Prozent von einem unter Führung der Mittetdeulscheii Creditbank und dcc Baseler Handelsbank stehenden Konsortium übernommen mit der Verpilichtung, den Aktionären aus zwei alte Aktien eine neue zum gleichen Kurse an.zubictcu, Tie neuen Mittel dienen zur Erweiterung der in guter Entwicklung stehende» Anlagen der Gcscll- schast und zur Ucbcrnahuic neuer Geschäste, _ Amtlicher Wetterbericht. Oesfentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am 'Uiiiti»oc(i, den 13. Mai 1911: Noüi meist luoltiq, vereinzelt Regenschauer, kühl, nordwestliche Winde, später allmähliche Abuatime der Bewölkung. Letzte Hacbriditen. Zu dem Mord an dem russischen Konsul in Tunis. Tunis, 12, Mai, Als gestern abend in einem hiesigen Gasthaus zwei verdächtige junge Leute sestgenommen werden sollten, feuerte der eine vier Schüsse auf einen Polizei- diencr ab, die glücklicherweise fehl gingen. Daraus schost ein zweiter Polizist den Angreifer nieder und verletzte ihn so schwer, daß er bald darivalch sharb, Der Begleiters des Erschossenen ließ sich ohne Widerstand fcstnehnicn, ES handelt sich jedenfalls um die 'Mörder des gestern überfallenen russischen Konsuls, Nrv^Ä. Creme und Seife erhallen bei regelmäßigem Gebrauch die Hau! fchös, gefund und jugcndfrlfch. H Nivea*Self«1St 50Pf..36t.1,40M. 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Sonntags von 9 Uhr vormittags an. _____—_ Eintritts-Preise: —____ ■ bä ■ | ■ IS I » I 3 s ■ N Einzelkarten werktags 70 Pfennig, sonntags 1 Mark Dauerkarten................... 5 Mark Beikärteil dazu................60 Pfennig Kinder bis zu 12 Jahren in Begleitung der Eltern frei einschliesslich Garderobe und Toilette 5893 c Vorverkauf von Dauerkarten und Beikarten bei Richard Buchacker, Zigarrengeschäft, Neuen Bäue 11. Telephon 877 Ernst Baiser, Papierhandlung, Mäus- burgll. Telephon 615. Heinr. Driesch, früher Eberh. Metzger Nacht., Kolonialwarenhandlung, Seltersweg 70. Telephon 781. S. Loeb, Zigarrengeschäft, Bahnhofstraße 52A. Telephon 804. Hotel-Restaurant Kobel, Liebigstr. 9. Telephon 481. Louis Scharmann jun., Zig.-Oeschäft, Lindenplatz 3. Telephon 635. Dauerkarten für Studierende werden vom Hausverwalter Ritter verabfolgt. Der Resfauraiionsbetrieb bleibt geöffnet EHaHISB^Bi3EBSf3Ei!SäaRBBHEB£aEffiHf£gn!BB!BaiHBS I m IBEBtH illlllll lllllll Fürst-Bismarck-Feslspiele zum Besten des Bismarck-National-Denkmals Hiiiii auf der Elisenhühc bei Bingerbrück-Bingen, finden Illlllll Illlllll ab Mittwoch, den 13. Mai täglich von 3-11 Uhr in dem Saalbau-Cafe Leib-Kolosseum in Giessen statt Mucilz' Ka P elle äes Infant-Regts. „Kaiser Wilhelm“, 2. Großh. Hess. iVluoil\. Nr. 116. Herr Obermusikmeister Löber. 04107 Unser Bismarck (Bilder aus dem Leben des großen Kanzlers.) als: Knabe, Student, Referendar, Lebensretter, Deiehhauptmann, Preußens Vertreter beim Frankfurter Bundestag, Gesandter in Paris u. Petersburg, Minister - Präsident, Reichskanzler, Der Greis im Sachsenwalde! lllllll Eltern, Lehrer, Behörden, Fabrikherren etc. etc. gebt den Kindern, Schülern, Beamten, Angestellten Zeit und Gelegenheit, dieses patriotische Kunstwerk im Film zu sehen. Vereine, Korporation., Schulen etc. ermäßigte Preise. 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