Nr. M Der Kleßeuer Anzeiger erscheint täglich, sicher Sonntags. - Beilagen: viermal wöcbenliich. Sletzenerjamiliendlätter; zwennal wöchentl.Aeeis- dlallsürbenUreir Kietzen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. kand- «fttschostlich« Seitftagen Fernlprech - Anichliiffe: iür die Redaktion 112 , Verlag ». Expedition öl Adresse iür Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme non Anzeigen iür die Tagcenuminer bis vorniitlags S llhr. Erster Blatt 104- Jahrgang Montag. 11. Mai 1914 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Rototionsftnuf und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such- und Steindruckerei R. Lange. Redattion. Lrpcdition und Druckerei: Schulftratze 7. r ' lir ' "" Nezuq-prci-: monntItrf)75 < B1.,uierteI- jährlich Mk. 2.20; drrrch Abhole-- 1 u Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mt. 2.— viertel» jährl. ausschl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pseiunq. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Auq. Goetz; für „Feuilleton", ^Ver- nrischtes" und^Derichts» saal": Karl Oteuralh; für ^Stadt und Land" Anzeiqcntell: H. Bcct. Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Der Stand der 5eldbereinigungrarbeiten in Hessen. Von sachkundiger Stelle erhalten wir folgende interessanten Mitteilungen: Tie grosse Bedeutung der Ferdbereinigung — oder wie sic in anderen Bundesstaaten genannt wird, der Zusammenlegung, Verkoppelung. Konsolidierung und dgl. nt. — in land-, Volks- und staatswirtschaftlicher Hinsicht haben die Staatsregierungen der meisten deutschen Bundesstaaten frühzeitig erkannt und durch Gesetze und Verordnungen zu fördern gesucht. In Hessen ist die erste Zusammenlegung, über die nähere Angaben vorhanden sind, im Jahre 1847 in Pohl- Göns ausgeführt worden, und zwar auf Grund der Instruktion des Ministeriums des Innern und der Justiz vom 5 Dezember 1834, wonach die Zusammenlegung und neue Verteilung der Grundstücke durch freie Ucbcreinkunft geregelt werden konnte. Besondere Gesetze über die Zusanrnrcnlegnng der Grundstücke, die Teilbarkeit der Parzellen und die Jeldweganlagen, Wiarden in Hessen am 24. Dezember 1857 und 18. August 1871 erlassen, ohne daß aber das FelÄbercinigungsver- sahren dadurch einen besonderen Fortgang genommen oder eine crheblick>erc Ausdehnung erreicht hätte. Erst durch das Gesetz vom 28. September 1887 wurde mehr erreicht. Das Verfahren wurde wesentlich umgestaltet, besonders das Zustandekommen erleichtert, die Durchführung vereinfacht und die Leitung einer Landeskommission übertragen. Von da an Hatzen sich dann auch die Unternehmungen fortgesetzt vermehrt. Vor 1887 wurden 24 Feldbereinigungen mit einem Flächengehalt von zusammeri 8893 Hektar ausgeführt. In dem zehnjährigen Zeitraum von 1887 bis 1897 tvurdcn 73 Gemarkungen mit zusammen 31 509 Hektar Flächengchalt bereinigt. Hiervon cntsiclen auf Starkenburg 7, Rhein- hessen 3 und Oberhessen 63 Gemarkungen. In dem glesckfen Zeitraum von 1898 bis 1908 wurde in 100 Gemarkungen mit zusammen 45529,88 Hektar Flächengchalt die Feldbereinigung beschlossen ilNd in Angriff genommen. Hiervon wurden in dieser Zeit fertiqgestellt — 60 ttzemar- Dtiigen mit 24 806 Hektar Flächengchalt. Auf Starkenburg entfielen wiederum 7, auf Rhcinhessen 3 und auf Ober- hessen 90 Gemarkungen, wovon allein der Kreis Gießen mit 36 und der Kreis Büdingen mit 26 Gemarkungen beteiligt waren. Seit 1908 sind noch 30 Gemarkungen mit zusammen 19 383 Hektar Flächengchalt hinzugekommen, in denen die Feldbereiniguna beschlossen und in Angriff genommen worden ist. Außerdem wurde noch in den letzten Jahren in weiteren 17 Gemeinden mit über 8000 Hektar Flächen- gehalt die Durchführung der Feldbercinigung beschlossen, die aber dort zum Teil bis jetzt noch nicht in Angriff genommen werden konnte. Im ganzen sind also in Hessen bis jetzt bereinigt oder doch im Verfahren begriffen 230 Gemarkungen mit etwa 106 000 Hektar Flächengchalt. Davon entfallen auf Starkenburg 19, aus Rhcinhessen 8 und auf Oberhessen 203 Gemarkungen. Von diesen 230 Gcmarkrmgen sind 189 Gemarkungen als vollständig erledigt zu betrachten, da in ihnen die Zuteilung und Ucberweisung der neuen Grundstücke bereits erfolgt ist (Starkcnburg 16, Rhcinhessen 6, O b c r h e s s e n 167). 32 Gemarkungen besinden sich in Arbeit und sind noch nicht überwiesen (Starkenburg 2, Rheinhessen 2, Ober- Hessen 28), während 9 Gemarkungen überhaupt noch nicht in Angriff genomnren sind (Starkenburg 1, Rhcinhessen 1 und O b c r h e s s e n 7). Hessen hat einen Gesamtflächengchalt von 768100 Hektar, hat 1133 Gemarkungen! und 993 Gemeinden. Tie gesamte landwirffchaftlich benutzte Flüche beträgt 485 000 Hektar, d. i. 63 Proz. der Gesamtfläche. Bereinigt ist also bis jetzt in Hessen von der gesamten landwirtschaftlich benutzten Fläche erst V« bis Vs. oder genau gerechnet - 22 Proz.! Das Gesetz von 1887 wurde durch die Novelle von 1906 ergänzt, verbessert und mit dem derzeitigen Grundbuchrecht in Einklang gebracht. vie Tausseicr in vraunschweig. , Die Feier in Braunschwcig, die am Samstag zahlreiche deutsche Fürsten zusammengerufen hat, um teilzunehmen an der Freude des Hohenzollern- und des Welfcnhauses, hat einen ungetrübten Verlauf gehabt. Der junge Herzog hat in einer Begrüßungsrede betont, daß er seinen Sohn auf christlicher Grundlage zu einem guten und tüchtigen Menschen erziehen wolle, damit er einst unter den Gliedern des Reiches sich als echter deutscher Fürst bewähre. Es war auffallend, daß der Kaiser in seiner Erwiderung nochmals hervorhob, er wünsche, daß der junge Prinz später „als eine feste Stütze unseres Protest an tisch eit Glaubens" wirken werde. Ob ihm dieser unverfängliche Ausspruch von einigen Zcntrumskreiscn wieder übel genommen Ivcrden wird? Wir erhielten folgende Meldungen: Die Ankunft des Kaiserpaares. Braunschweig, 9. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge sind im Sonderzug um 9.55 Uhr hier eingetrosfcn. Am Bahnhofe war großer Empfang. Die Begrüßung zwischen den Majestäten und dem Herzogsvaar war überaus herzlich. Ein vieltausendköpfiges Publikum jubelte den Majestäten und dem Hcrzogspaare zu. Die Majestäten nahmen im Residenzschloß Wohnung, wo sie von den bereits versammelten hohen Gästen begrüßt wurden. Die Fahrt der Fürstlichkeiten vom Schloß zur Burg Dankwarderode bot ein prächtiges Schauspiel. Voraus fuhren die Hofstaaten. In zahlreichen zweispännigen Prunksvagen folgten die allerhöchsten und höchsten Herrschaften, von der Menge freudig begrüßt. Der Erbprinz wurde in einer Prunkkarossc, gezogen von einem LechSgespanu, zur Taufe gefahren. Gegen 6 Uhr begaben sich die Fürstlichkeiten unter großem Vortritt durch den Verbindungsgang von der Burg in den Dom am Grabmal Heinrichs des Löwen vorüber aus den hohen Chor. Die Taufe. Die drei gewaltigen Schiffe des alten Domes waren mit der Gesellschaft aus dem Lande gefüllt. Vor dem Altar nahmen der Kaiser und die Kaiserin und der Herzog und die Herzogin Platz. Die Herren des großen Vortritts gruppierten sich links hinter den Genannten, die Geistlichen der Stadt Braunschwcig standen am Altar, die übrigen Fürstlichkeiten nahmen auf der einige Stufen tiefer liegenden Estrade Platz, mit ihnen die Vertreter der abwesenden Taufpaten, der österreichisch-ungarische Botschafter Graf v. Szögycnyi- Marich für Kaiser Franz Joseph, der englische Botschafter Sir Edward Goschen für den König von England, der russische Ministerresident Baron v. Wolfs für den Kaiser von Rußland, Offiziere, Unteroffiziere und Gefreite des bayer. ersten schweren Reiterregiments Prinz Karl von Bayern, das ebenfalls Taufpate ist. Nachdem alle Platz genommen, wurde der Täufling durch Oberhosmeisterin von dem Buschc-Streit- horst in Schlepprobe und Courschleier unter Vorantritt des Hofmarschalls v. Klcnckc in den Dom getragen, während die Hofdamen Baronin v. Lichtcnstcrn und Gräfin Bcrnstorsf die Schleppe des Täuflings hielten und Kammerherr von I Schulcnburg den Zug schloß. Am Ende des Hauptschifses übernahm Prinzessin Olga den Täufling, trug ihn durch die Kirche und übergab ihn der Kaiserin. Dann hielt der Hos- und Domprcdiger l>. v. Schwartzdic Tausrede über die Worte aus dem ersten Buche Moses: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein". Ter Domchor trug das Lieblingslied der Herzogin vor: „Der Herr ist mein getreuer Hirt". Es folgte der Tausakt und die Taufpaten traten heran. Rach dem Gebet des Geistlichen und dem Ja der Paten lauste der Geistliche den Erbprinzen auf die Namen Ernst August Georg Wilhelm Christian Ludwig Franz Josef Nikolaus. Während des Taufaktes hielt die Herzogin Mutter den Erbprinzen. Der Täufling wurde vom Obcrhoimeister aus dem Tom nach der Burg getragen. Die Fürstlichkeiten folgten unter Orgelklang. Nach der Taufe nahmen der Herzog und die Herzogin in der Burg Dankwarderode die Glückwünsche der Fürstlichkeiten und diejenigen des diplomatischen Korps entgegen. Daran schloß sich eine Gratulalionsconr. Um 8 Uhr war G a l a t a f e l für die Fürstlichkeiten im großen Saal, für die Gäste in der Halle des Rcsidcnz- schlosses. Der Kaiser führte hierbei die Herzogin, der Herzog die Kaiserin, der deutsche Kronprinz die Herzogin-Mutter, der Herzog von Mecklenburg die Kronprinzessin. In der Milte der hufeisensörmigen Tafel saß der Kaiser rechts neben dem Herzog, neben jenem die Herzogin, neben dieser die Kaiserin, die anwesenden Fürstlichkeiten schlossen sich nach links und rechts an, gegenüber Hosmarschall v. Klcnckc zivischen dem Botschafter v. Szygyenr-Martch und dem Botschafter Sir Goschen. Im Perlause des Mahles brachlcu der Herzog und der Kaiser T r i n k s p r ü ch c aus. Der Trinkspruch des Kaisers hatte folgenden Wortlaut: „Durchlauchtigster Herzog, vielgeliebter Schwicgcffolm!, Mit inniger herzlicher Freude bin ich mit Ihrer Mai. der Kaiserin und Königin der ireundlichen Einladung Eurer Kgl. Hoh zur heutigen weihevollen Feier dieses Herzogshauses gefolgt, nicht nur um Zeugen des ehelichen Glückes unserer vielgeliebten Tochter zu sein, sondern zugleich an geweihter Stätte die ernsten Pflichten eines Taufpaten deH neugeborenen Kindes zu übernehnrcn., Ich bars wohl rm Namen der sämilickfen durchlauchtigsten Taufpaten des Täuflings Eurer Kgl. Hoh. unseren iiesgcstihltestcn Dank aussprechen. Gott der Herr hat Eure Kgl. Hoh. reich gesegnet, indem er dem Hause Braunschweig-Lüneburg und dem schönen braunschweigischen Lande einen Thronerben bescherte. Die treuen Wünsche und Gebete der Eltern und Großeltern, wie des braunschweigischen Volkes sind glücklich in Erfüllung gegangen. Gottes Güte wird in treuer Elternliebe und Fürsorge der Erziehung des erstgeborenen Sohnes seinen Beistand leihen und ihn heranwachsen lassen zu einem tüchtigen, charaktervollen Mann, zur Freude seiner Eltern und Großeltern und des ganzen Landes. Möge der junge Erbvrinz, wenn ihm dereinst die Bürde der herzoglichen Krone aulcrlcgl wird, sein größtes Glück und seine höchste Befriedigung darin finden, iür das Wohl seines angestammten braunschwciger Landes olle Kräfte einzufctzen, rm Rate der Fürsten zu wirken für die Größe und Macht des deutschen Vaterlandes, als eine feste StützeunseresprotestantischenGlaubens! Ich sor- dere Sie auf, mit mir Die Gläser zu erhüben und auf das Wohl des jungen Erbvrinzen von Braunschweig Ernst August und seiner Erlauchten Eltern zu trinken. Hurra, hurra, hurra!" Fcstvorstcllung im Hofthcatcr. Braun schweig, 10. Mai. Heute abend fand im herzoglichen Hosthe ater Galavorstellung statt. Unter Fansarenklängen betraten die Fürstlichkeiten die große Hoflogc und verneigten sich getzen das »Ptzikum. Ter Oberbürgermeister Retcmcner hielt eine Ansprache, in der er sagte, an seines Fürstenhauses sonnigem Gliick nehme Tk«»st, Wissenschaft nnd Leben. — Hofrat d e Haan tritt zurück. Aus Darmstadt, 10. Mai, wird uns geschrieben. Ter langjährige leitende Dirigent der Kapelle des Tarmstädtcr Hosttheaters, Herr Geh. Hofrat Willem de Haan, wird mit der inr Juni zu Ende gehenden Spielzeit von seinem Amt zurücktretcn, das er seit 38 Jahren mit unermüdlichem Fleiß und großem künstlerischen Erfolg bekleidete. Willem de Haan ist am 24. September 1849 in Rotterdam geboren; er zeigte schon frühzeitig eine außerordentliche musikalische Begabung und wurde nach Vollendung seiner musikolischen Studien bei Nikolai, de Lange und Waldemar Bardiel zuefft als Leiter des Cäcilienvereins in Bingen und 1875 als Dftigcnt des Mozart- vcrcins in Darnistadi angestcllt. Bald wurde hier die ßlusmerkiam- feit einflußreicher Musikfreunde aus den begabten Künstler hin- gclcnkt und schon am 1. Septcniber 1878 wurde ihm die Stelle des zweiten KapeUmcifters am Hostheater übertragen, wo er 1881 nach dem Rücktritt Gustav Schmidts IN das Amt des ersten Hof- kavellmccstcrs cinlrat und seitdem 33 Jahre hindurch die musikalischen Geschicke des Hosthcatcrs leitete. Er hat in dieser Zeit bc- fondcrS die Musik Richard Wagners mit größtem Eifer gepflegt und fünf der bedeutendsten Wagneropern hier zur Erstaufführung gebracht, de Haan hat sich aber auch als organisatorischer Musik- dirigent und als Komponist, sowce als ausübender Künstler einen weithin hock»gcachteten Namen erworben. — Rooscvelts geographische „Entbeckunge n". Roosevelt, der nach einem an gctährlichen Zwischenfällen und Abenteuer reichen Zuge durch die Urwälder Mittelbrasiliens nun wieder zivilisierte Gegenden erreicht hat und in Para cingctroffen ist darf fagcn, daß das Foffcherglück ihm unerwartet günstig gewesen ist. Das Ergebnis seiner Reise beschränkt sich ncchl aus die Entdeckung einer ganzen Reihe der Forschung bisher unbekannter Tierarten :die bedeutsamste Frucht seiner Fahrt bleibt die Entdeckung eines säst 1000 englische Meilen langen großen Flusses der in dem Hock,land des westlichen Matiogrost'o, unmittelbar nördlich des 13. Breitegradcs, zwischen dem 59. und 60. Längs- grab entspringt, in seinem Laufe eine ganze Reihe von Nebenflüssen ausnimmt und sich schließlich als mächtiger Strom in den Madeira- Fluß ergießt. 60 Tage lang sind Roosevelt und seine Ervedittons- gesährtcn in kleinen Kailoes dem Laufe des Flusses gefolgt, den Roosevelt Rio D i u v a t a , den Fluß des Zweitels, tauste und den die geographische Foffchung jetzt als den Rio Tuvida in die Karten Westbrasiliens cinzeichnen wird. Der Laus des Flusses ist reich an Kurven und Windungen, vor allem aber an Strom- schnellen, die den oberen' Flußlauf einer geregelten Schiffahrt dauernd verschließen. Roosevelt berichtet: „An Größe, Breste und Wassermengc entspricht der Rio Duvida wohl der Elbe, dem Hudson oder der Rhone. Bon 11 Grad 48 Minuten bis zu 10 Grad 48 Minuten ist sein Lauf eine säst ununterbrochene Kette von Stromschnellen. Es gab keinen Tag ohne Stromschnellcn. Sechs Wochen lang arbeiteten wir uns den Flußlauf hinab und vermochten am Tage kaum mehr als einige Meilen hinter »ns zu bringen." Mit der Zeit wurde die Lage der Expedition säst kritisch, die Proviant- vorräte nahmen bedenklich ab, und man mußte sich mit halben Tagesrationen begnügen: von den sieben Kanoes gingen fünf in den Stromschnellcn verloren, ein Mann ertrank und zwei andere, darunter Kcrmit Roosevelt, entgingen einmal nur mit knapper Not dem gleichen Tode. Roosevelt selbst erlitt einen heftigen Fieber- ansall und bei der Arbeit an einem Kanoe eine Verletzung am Schenkel, die sich zu einem bösartigen Geschwür entwickelte. „Jetzt aber bin ich foicder wohlauf," erklärte er in Para bei feiner Ankunft. Tic Anstrengungen, die die Teilnehmer der Expedition durch- zumachcn hatten, waren zeitweise gewaltig und nervenaufreibend: tagelang vermochte die Expedition nur einen halben Kilometer weiterzukommen, im dichten Urwald neben Stromschncllen. Die Anstrengungen machten sich bei einem Mann des kleinen Trupps auf tragische Weise geltend: er wurde wahnsinnig, erschoß seinen Kameraden und sfoh in die Wildnis, wo nur der Tod sein Schicksal geworden sein kann. Aut Indianer ist die Exvedition nicht gestoßen, obgleich sie zweimaf durch Geräusche fcststcllcn konnte, daß Indianer in der Nähe waren: der Hund des Oberst Rondo» wurde durch einen vergifteten Pfeil getötet, aber cs gelang nie, die Eingeborenen zu Gesicht zu bekommen. — Eine Villen- und Gartenbau-Ausstellung in Italien. Im Jahre 1915 soll in Florenz eine große Ausstellung des italienischen Villen- und Gartenbaues (Mostra della Villa e del Giardino Jtalianoi statisinden. Nach einer Mitteilung des „Cicerone" bat ein Ausschuß erfahrener Fachleute, darunter Giovanni Poggi, Nello Tarchiani und Ugo Ljctti vom Komitee der so glänzend verlaufenen italienischen Bildnisausstellung, die Verwirklichung des,schönen Planes in Angriff genommen, dessen Zustandekommen nur noch von der in sicherer Aussicht stehenden Staatsbeihilic abhängt. Im Palazzo Vecchio soll die Entwickelung der italicnifchen Pillen und Gärten im Bilde vorgcführt werden, während im Amphitheater des Boboli-Gartcns, dem großen, von Sitzreihen und Eichenheckcn eingefaßten Fcstvlatz an der Rückseite des Palastes Pitti, Ausführungen des Orpheus von Montevcrde und von jenen Triumphen und Schlachten geplant sind, die Callot > und Stefano della Bella so meisterhast geschildert haben. Außerdem sollen die schönsten Villen und Gärten von Florenz an bestimmten Tagen der Besichtigung zugänglich gemacht werden. — D i e Schlaflosigkeit. Auf dem Deutschen Kongreß für innere Medizin in Wiesbaden hielt Tr. Goldscheider-Berlin einen Vortrag über die Schlaflosigkeit. Dem Sckilasc entspricht, so heißt cs in einem Berichte hierüber in der „Medizinischen Klinik", ein Zustand tiefster Ebbe der nervösen Erregbarkeit. Tie Erregbarkeit wird durch die beständig zuflicßenden Reize erhalten, durch Mangel der Reize herabgesetzt, anderseits aber auch infolge der ermüdenden Wirkung der Reize dcvrimieri. So wirkt sowohl di« Tätigkeit wie die Ruhe crregbarkcitsherabsctzend und schlafsördcrnd. Der Schlaf hat nicht bloß die Bedeutung der Rusruhe, sondern dient der Reparation des Organismus. Ein gesunder und ausreichender Schlas ist nicht allein für die Nerven, sondern sür das ganze organische Getriebe von grckßicr Bedeutung. Tic svontane Mmalzmc der Reizbarkeit der Nervenzellen, welche zum Schlafe führt, ist als eine Selbstregulicrung anzusehcn. Die Schlaflosigkeit kann daraus beruhen, daß Rcizbarkcitsabnahmc durch zusließcnde Reize gestört und ausgcl-alten wird, oder daß die Fähigkeit der regulatorifchen Erregbarkeitsabnahmc selbst gestört ist durch Ueberreizung, Neurasthenie, Stosswcchsclstörungen usw. Auch ungenügende Ermüdung kann Ursache von Schlasstürungen sein. Ter Wille ist imstande, bis zu seinem gewissen Maße die Erregungen zu lfemmen, wie er auch im vollen Wachsein afsckthcmmcnüe Kraft besitzt. Tie Tis- zivlinierung des Willens zum Einschlasen ist ein wichtiger Bcstand- teit der Behandlung der Schlofloiigkeil. Zu den schlasstörenden Dingen gehört auch eine falsche Diät. Ter Beseitigung der Schlaflosigkeit dienen z. B. Beseitigung der Ursachen der Schlafstörungen, wo dies möglich ist, »shchologifche Behandlung: der Patient soll lernen, die Tcpreflion der Reizbarkeit, welche den Schlas cin- lcitct, durch sein äußeres und geistiges Verhalten zu unterstützen aktive Sinncsabsvcrrung, Hemmung von Erregungen durch Wil- lcnsübung usw.); ferner diätetische Behandlung. — Kurze Nachrichten aus« Kunst und Wissenschaft. Die diesjährige 8. Jahresversammlung der Gesellschaft deutscher Nervenärzte wird in Gemeinschaft mit der Versammlung der Schweizerischen Neurologischen Gesellschaft am 5. September in Bern abgehalten werden. — Der Generalmusikdirektor der königlichen Theater in Dresden, Geh. Hosrat Ernst Edler von Schuch, ist heute abend im Aller von 67 Jahren an Lungenentzündung g e st o r b c n. , i / i —i —. * / I*«? flanke Land Mld die Residenz innigsten Anteil. Mer Wunsch sei, daß ei» gutes Gesckuck auch liiiiftig über dem Herrscher Hause nniUen möge und daß der junge Welfen- spray auswachsen möge zur Freude seiner Eltern und Ära siellern, seinem engeren Vciterlande zum Heile und den, großen deutscl>en Baterlande zum Segen. In das Hoch aus tnrs Herzogs paor und seinen jungen Sproß, die durchlauchtigsten Gäste und besonders die Großeltern stinimten die Amvesenden begeistert ein. Die Musik spielte die Na tionalhymnc, die vom Lnbliknm mitgesnngeu und von den Fürstlichkeiten stehend angehört wurde. — Zur Darstellung kamen Vorführungen der Prima Ballerina der russischen Hofbiihnc Anna Pawlowa mit ihrem Partner Tichomiross und ihrem Ensemble, und zwar das phantastische Ballett „Flute mcigique", Webers „Aufforderung zum Tanz", im Kostüm von 1830, und ein Divertissement. > Ein Fackelzng. Den Fcsttagsbeschliiß bildete ein Fackelzug mit Serenade Etwa 2000 Sänger und 4000 Fackelträger bewegten sich in einem langen Zngc nach dein Schloßplatze. Eine gewaltige Menschenmenge wohnte der Veranstaltung bei und brachte den allerhöchsten und höchsten Herrschaften lebhafte Huldigungen dar Braun schweig, ll. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin sowie Prinz und Prinzessin August Wilhelm und die Prinzen OSkar und Waldemar von Preußen haben gestern abend Braunschweig verlassen. Nach herzlicher Der abschiedunst von dem Herzogspaar fuhr die .ckaiserin um lO Uhr im Sondcrzug nach Wildpark, wo die Ankunft nachts erfolgt. Die vechcmvllingen mit ZoMjiho; dem Führer der Aufständischen in Epirus, sind sehr rasch zustande gekommen. Wir erhielten folgende Meldungen: Athen, 10. Mai. Zographos. bir Präsident der Re. gierung von Epirus, und die Mitglieder des internationalen Kontrollausschusses Albaniens, jinb in Korfu eingetrosfen. Die Bcspreclningen haben heute vonnittag begonnen. Die „Albanisclw Korrespondenz" meldet aus Santi Quaranta- Sämtliche Mitglieder »des internationalen ^ontrollausschusscö sind gestern hier mit dem Präsidenten der provisorisct>en Regierung von Epirus, Zographos, und dein Minister des Aeußern, Kara Pauas, eingctrofsen. Da in Santi Quaranta keine llnlerkunst zu finden war, reisten sic nebst Zographos und Kara Pauas nach Korfu, um dort die Verhandlungen fortzusetzcn. Die angebliche Kreuzigung von albanischen Gefangenen. Athen,!). Mai. (Agence d'Athenes.) Tic Meldung aus Durazzo über die angebliche Kreuzigung von albanischen Gefangenen durch die Epirotcn wird mit Entrüstung in Abrede gestellt. Fm Gegensatz zu den verleumderischen Behauptungen der Albanesen sei festzustcllen; daß die Epirotcn die Gefangene» großmütigst behandelten. Deutsche» Ncicy. Uebcr eine Einigung zur Bcsoldungsvorlage haben »wischen dem Reichsschatzamt und de» Fraktionen des Reichs» tags Besprechungen stattgesunden, die bis setzt .zwar ein 'Ergebnis noch nicht gezeitigt haben, doch aber die Dossnung erivcckcn, daß cs bald zu einer Einigimg kommen wir', wenn die Regccrung kleine Zugeständnisse macht. Die Novelle zuc.r Mclitärürasgcsctzbuch. Der 27. AusschußdesRcichStagsbat Bericht erstattet über seine Beratungen zur Novelle zum Milctärstrasgesetzbuch. Zweck der Novelle war, die Strafen sür gewisse Vergehen Om» erlaiibte Entscrnimg, Fghnenslucht, Vergehen vor versammelter Mannschaft' zu mildern. Der Ausschuß bat gegenüber der Vorlage weitere Milderungen angenomnien und für minder schwere Fälle den strengen Arrest abgeschasst Ferner hat der Ausschuß beschlossen, daß bei Konrrvllversamml ungen die Einberufenen nur vom Beginn der Kontrollversammlung bis zu deren Schluß unter Militärgesetz stehen. Diesen Beschluß hat die Regierung für unannehmbar erklärt. Es mutz also auch hier zu einer Einigung kommen. rrusianv. E,!n Alters - und Jnvaliditätsgesctz in Belgien.' Das am Freitag von der belgischen Kammer angenommene Gesetz für Alterspcnsion sichert den Arbeitern, die das 65. Lebensjahr überschritten haben, eine Maxi malvension von 280 Fr. vr o Jahr, die sich verringert, wenn nicht mindestens 40 Jahre Beiträge gesellte wer den. Das Gesetz gegen K r a n k b c i t gewähr keiftet den Arbeitern eine tägliche Vprgütung von l Fr. sür die Dauer von drei Monaten. Nach dieser Zeit wird der Kranke sür invalid erklärt und erhält dieselbe Vergütung. DasKöniospaar von Däncinarkin London. Im Buckmgkam-Palast zu London fand am Samstag abend zu Ehren des Köniqsvaares von Dänemark ein Staatsbankctt statt, an dem 132 Gäste teilnaftmsen, darunter die Mitglieder der königlichen >7!amilie, die Minister, das diplomatische Korvs und andere l>ervor- ragende Pcrsnlichkeitcn. K.s'.g Georg und König Christian tauschten herzlich gehaltene Trinksvrüche ans-, in denen sie die Hminung auf einen engeren kosnmerziellen Berlehr zwilchen beiden Ländern, die durch Bande der Freundschaft verknüpft seien, auSdrücktcn. Vor denr Bankett verlieh König Georg dem König Clfrtstian den Hosenbandorden. Tic russische Zollpolitik. Der russische Reichsrat hch in der Fassung der Düma die Gesetzesvorlagc über die Verzollung des ausländischen Getreides sowie der Erbsen und Bohnen angenommen. Der Zollsatz beträgt 30 Ko- plcken vro Pud brutto. Das Gesäß tritt eine Woche noch der Ver- össentlichung in Krast. Der Reichsrat sprach dabei den Wunsch aus. das Handelsministerium möge die Frage prüfen, ob der scst- geseicte Einsuhrzoll aus Mcbl Rußland in genügender Weise vor der Einsnhr ausländischen Melsles schützt. Der Vertreter des Han- dclsmiuisteriüms pslichtet« diesem Wunsche vollkommen bei, da möglicherwcisc Umstände eintrctcn könnten, welche die Regierung zur Erhöhung des Zolles auf Mehl zwingen würden, erklärte jedoch, eS sei gegenwärtig nicht zeitgemäß, diese Frage zu erörtern. Ein Handtchreiben des Sultans der Türkei an den Zaren. Aus K o n st a n t i n o v c l, lO. Mai, wird gemeldet: Nach aus dem kaiserlichen Palais stammenden Informationen ist T a l a a t B c y der lleberbringcr eines Handsäireibens des Sultans an de» Kaiser von Rußland. Talaat Ben wird dem Kaiservaar auch Geschenke des Sultans übcrbriugen. Ter erste Dragoman der piissische» Botschaft reiste mit Talaat Bey ab. Der Rote-Nreuz-Tag in Girtzen. 8.8. Gießen, 10. Mai. Alich Gießen hat zur Deutschen Roten-Krcuz- Sammlung 1914 nicht nachstchen wollen und rüstete schon seit Wochen, den Tag würdig zn begehen und der allgemeinen Sammlung ein erkleckliches Sümmchen zusühren zs, können. Das Wetter war dem glücklichen Gelingen des Tagcs günstiger als man es nach der kühlen, unsrcundlichen Regenpcriode, mit der sich der Mai cinsührtc, hätte erwarten dürfen. Und so konnten sich schon am frühen Morgen die Frauen und Jungfrauen, die durch Verkauf von Blumen, Abzeichen und Postkarten für die Sammlung beitrugen, aus die Straßen und Plätze in ihren Hellen Kleidern wagen und ihr Geschäft beginnen. Es ist erfreulich, das, den Verkäuferinnen ihr undankbares Amt nach Möglichkeit leicht gemacht wurde. Man kam ihnen höflich und freundlich entgegen und ersparte ihnen die Unzuträglichkeiten, die so leicht ein solches Ehrenamt mit sich bringt, zumal der Verkauf ohne eine gewisse Geschäftigkeit nicht zu machen ist. Ein hübsches Zeichen sür Gießens Bevölkerung war es auch, daß sich Arm und Reich in gleicher Weise mit den gekauslen Blumen schmückte, stolz, sein Schcrslein sür den edlen Zweck beigelragcn zu haben. Das Geschäft soll, wie sich bis jetzt seststellen ließ, einen über Erwarten großen Gewinn abgeworfen werden. Den Höhepunkt bildete der Verkauf während des Anlagenkonzertes. Abends gegen 7 Uhr flaute das Geschäft ab. Wer noch ein übriges tun wollte, und deren waren so viele, daß sic die Turnhalle auf der Steinstraße kaum zu sajsen vermochte, beteiligte sich an der Feier zumBesten des Roten Kreuzes. Hier waren die Vertreter der Behörden der Provinz, der Stadt, der Universität, des Osfiziertorps, Vertreter der Vereine u. a. erschienen, um mit den« Bürger zusammen den Tag des Roten Kreuzes zu feiern. Pünktlich um 8 Uhr leitete die Kapelle des Infanterie- Regiments Kaiser Wilhelm unter der Leitung Obermusikmeisters Löbcr die Feier inil dem Kretschmerschen Krönungsmarsch aus „Die Folknngcr" ein. Rach der Stradella- Ouverture sprach Fräulein Jda Strack mit gutem Gelingen einen von Alfred Bock verfaßten stimmungsvollen Prolog, der die Tätigkeit des Roten Kreuzes in Krieg und Frieden verherrlichte und auf den hohen Zweck des Abends hinwics. Ein lebendes Bild, das die Sanitätskolonne in voller Tätigkeit in Feindesland schilderte, folgte. Ganz vorzüglich sang darauf der Baiiersche Gesangverein unter der Leitung des Dirigenten Görlach das „Morgenrot" in der Pützschen Bearbeitung und „Lützows wilde, verwegene Jagd" von Weber. Die 'Ansprache bielt Herr Oberbürgermeister Keller. Er stellte zunächst die Geschichte des Roten Kreuzes in großW Umrissen dar und tvics dann ans die große Bedeutung hin, die das Rote Kreuz sür unser deutsches Vaterland habe. Dem Vaterland galt sein Hoch. Stehend ivurde die Nationalhymne gesungen. Mit einer Fantasie aus „Carmen", die von der Kapelle technisch einwandfrei gespielt wurde, und einem anmutigen Keulenschwingen der Damenriege des Männerturn- vercins Gießen schloß der erste Teil der Portragsfolge. Tic Ouvertüre zur Operette „Leichte Kavallerie" er- osfncte den zweiten Teil. Großen Bellall fanden die Rcck- übungcn des Turnvereins Gießen 1846. Nach den Klängen des „Freischütz" sang der Baucrschc Gesangverein die Lieder „Bei der Mühle" von Grün und „Nachtgesang" von Franz Abt, wobei Herr Hassner durch sein wundervolles Bari- Ionsolo den Löwenanteil vom Beifall einheimscn konnte. Ter Verein mußte sich zu einer Zugabe »erstehen, man wählte die stimmungsvolle „Allmacht". Sehr hübsch war auch ein Vierer-Reigen des Gießcncr Radsabrervereins 1885. Bor dieser letzten Nummer des Programms nahm Herr Provinzialdirektor Geheimcrat Dr. U s i n g c r das Wort, um als Vorsitzender des Krciskomitecs für die Rote-Kreuz- Saminlung 1914 alten zu danken, die sich um die Vorbereitungen znm Rote-Kreuz-Tag und um das gute Gelingen verdient gemacht hatten. Der Tschcrkessischc Zapfenstreich von Machts leitete zum Tanze über, der alt und jung noch lange fröhlich beisammen hielt. Auch in den beiden Gießener Kirchen wurde zum Besten des Roten Kreuzes eine Kollekte erhoben. Wie in Gießen feierte man in ganz Hessen den Dag des Roten Kreuzes und trug durch Blumenverkauf zu der Sammlung bei. An» Stadt und LanK. Gießen, 11. Mai 1914. Die Mordtat in Crainfeld. Das Ergebnis der Untersuchungen. 4 Das Dunkel, das über den schrecklichen Mordtaten an der Familie Stei» schwebte, ist noch iminer nicht gelichtet. Verschiedene Personen schienen der Tat verdächtig. Man verhörte sie, nahm einige auch in Haft, aber bei ihnen allen trat früher oder später die gänzliche Unschuld zutage, da sic sämtlich ihr Alibi Nachweisen konnten und auch sonst wenig dem Mörder ähnlich sahen, wie ihn das einzige verneh- inungssähige Mitglied der Stcinschcn Familie, die 17jährige Selma Stein, geschildert hatte. Nur auf dem jungen Hof- m a n u ruht noch immer der Verdacht, daß mau in ihm den Täter zu suchen habe. Und doch ist man bis jetzt keineswegs tu der Lage, ihn ohne weiteres mit Bcssimmthcit als den Täter zu bezeichnen, denn ebensoviel Momente wie für seine Täterschaft sprechen, zeugen auch von seiner Unschuld. Tie schwerverletzte Selma Stein, aus deren Angaben man sich bei der Untersuchung angewiesen sah, sagte bei ihrer Vernehmung ans, in der Nacht zum Dienstag (28. ülprilt kurz nach l Uhr sei sie ausgewacht, als ein sehr großer Manu in die Kämmer trat, die sic mit ihrer 22jährigen Schwester Lina teilte. Der Fremde sei mit einem langen schwarzen Mantel bekleidet gewesen und habe sein Gesicht geschwärzt gehabt oder eine Lcrrve getragen. In der linken Hand habe er eine brennende, viereckige Stallaterne, wie sie aus dem Lande vielfach benutzt werden, in der rechten ein Beil getragen. Er sei zuerst an das Bett der Lina getreten nick habe sie mit dem Bell un- schädlilchs gemacht, dann sei er auch zu ihr gekommen. Mit dem Rufe „Lasten Sic mich!" habe sie aus dem Bett flüchten wollen, der Einbrecher sei ihr aber zuvorgckommen und babe, während sic noch im Bette tag, aus sie cingeschlagen, sie am .hintcrkopfe verletzt, ihr am linken Oberarm durch einen flachen Hieb eine Quetschung zugesiigt und ihr den linken Zeigesinger abgeschlagen. Es ist anzunehmen, daß sie den Finger ans den Bettrand gelegt hatte, da er glatt abgehauen wurde. Das Glied fand man später im Bette wieder. Nach vollbrachter Tat, so gab das Mädchen weiter an, habe der Unhold die Kammer verlassen. Es ist anznnehmen, daß die Schwerverletzte dann in Ohnmacht gefallen ist, denn sic konnte nur noch angeben, daß sie in ein Nachbarhaus und später in das Lautcrbachcr Krankenhaus gebracht worden sei. Diese Angaben waren der Grundstein, auf dem sich die Untersuchungen und Nachforschungen aufbauen mußten. Sie waren dürftig genug, wenn man daraufhin den Mörder linden wollte, und waren nicht einmal sicher, denn das MÄxhen hatte sich begreiflicherweise in größter Ausregung und Angst befunden und ihren rnlstgen Blick verloren. Inzwischen war von einem Einwohner von Freien- stcrnau, wohin zunächst die Spuren des Täters durch einen Polizeihund verfolgt worden waren, ausgesagi worden, er habe Karl Hof mann ans Salz'in der fraglichen Nacht um 3 Uhr durch Freiensteinau in der Richtung von Crainfeld in einein schwarzen Mantel gehen sehen. Auch in Crainfeld wollte man Hofmann in deni schwarzen Mantel gesehen haben. Er wurde auf Grund dieser Angaben s e st g e n o m m e n, gab jedoch an, nicht im Besitze eines schwarzen Mantels zu sein, leugnete auch ab, daß er vor Jahresfrist einen schwarzen Mantel von einem gewissen Linz geliehen habe. Diese Aussage >vac von seinem Vater gemacht worden und erwies sich als richtig. Es ist anzu- nchinen, daß dem Hosmann die Tatsache in der Aufregung, in der er sich befand, aus deni Gedächtnis entschwundeil war. Da dieses jedoch ein Jahr zurücklag, war cs für die weitere Untersuchung belanglos. Es kam aber noch hinzu, daß auch der ermordete Warenhändlcr Abraham Stein sich im Besitze eines schwarzen Mantels (eines Einjährigen. Mantels) befunden hatte, den er von einem Bekannten erhalten hatte. Der Mantel hing in der Scheuer, in der das Feuer angelegt worden ist, und es schien daher nicht ausgeschlossen, daß der Mörder sich damit bekleidet hatte, bevor er ins Haus trat. Von diesem Mantel fand man späte« einige Reste unter den Trümmern und dem Schutt de« niedcrgebranntcn Scheuer, fand jedoch keine Blutspuren daran und sah sich daher genötigt, den Verdacht auszuhebcn und Hofmann wieder aus freien Fuß zu setzen. Tic abermalige Verhaftung Karl h o s m a n n i vcraulaßte der Gerichtschemiker Dr. Popp aus Fr«uss«rt, der fcstgestellt hatte, daß Blutspuren au de» Klei- dern Hosmanns von Menschenblut herrührt«N. Sie befanden sich an dem Kragen seines Rockes, an der Weste und an den Gamaschen und waren zum (besonders an den Gamaschen) verwaschen. Der Verhaftete gab an, er sei vor etwa sieben Wochen an einer Schlägerei beteiligt gewesen und habe dabei einen Messerstich in die rechte Wange erhalten. Er sei damals vollständig b tu t ü b e rström l gewesen und habe versucht, seinen Anzug vom Blute zu reinigen Tie frische Narbe aus der rechten Wange bestätigt diese Aussage. Höchst verdakpttg ist es hingegen wiederum, daß sich auch unter seinen Fingernägeln Menscheu- b l u t saud. Aber auch hierfür hatte Hofmann eine Erklärung: An seinem Hintcrkopfe habe er ein Geschwür,, das er gekratzt habe! dadurch sei das Blut unter die Nägel gekommen. Benierkenswert ist cs, daß man unter den Fingernägeln auch Algen Vorsand, die aus einem Sumpfe herrühren, in dem Hofmann jedenfalls nach vollbrachter Tat seine Hände vom Blute gereinigt hat. Eine Erklärung hierfür steht noch aus. Immerhin kommt ein Landwirt leicht in die Verlegenheit, seine Hände in unsauberem Wasser waschen zu müssen. Trotzdem sind die Gründe bcrechsigt, Hofmann in Hast zn behalten, zumal er auch sein Alibi nicht uochzmvcisen vermag, wenn ihm auch die Tat bis jetzt nicht auf den Kopf zugcsagt werden kann. Wie bekannt, leugnet Hosmann energisch, etwas von dem Morde zu wissen. Der Untersuchungsrichter hat sich jetzt werter mit ihm zir beschäftigen und zunächst Feststellungen darüber zu machen, ob die Verletzung, die Hosmann bei der Schlägerei erlitten hatte, tatsächlich so schwer war, daß seine Kleider dadurch mit Blut besudelt wurden. Während diese Untersuchungen au Hosmann vorgcnom- mcu wurden, stellten Kriminaltommijsar Müller und Wachtmeister Nieß, der zur Staatsanwaltschaft Gießen kommandiert ist, eingehende Nachforschungen in Crainfeld und der Umgegend etwa eine Woche lang an, die am Samstag als erfolglos abgeschlossen werden mußten. ** Der Kaiser auf der Durchfahrt durch Gießen. Heute morgen 4.40 Uhr kam der kaiserlich« Sondcrzug^aus dem Gießcncr Bahnhof an. Der Kaiser kam von den Tausfeierlichkeiten in Braunschwcig, von wo er gestern abeich 10.10 Uhr abgefahren war, und war auf der Fahrt nach Metz begriffen. Da in Gießen ein Maschincn- wcchscl vorgenommen werden mußte, so konnte die Wartezeit benutzt werden, um dem Kaiser ein vorher bestelltes! Frühsttick in den Zug zu reichen. 4.50 Uhr fuhr der Args weiter. " Der Groß Herzog empfing am 9. Mai u. a. den Direktor Kalbfleisch von der Realschule in Butzbach, den Reaischiildircktor Hcrtsch von Schotten und den Oberlehrer K r a » s in ü l l e r von Gießen. ** A u s dem Schuldienste. Der Kreisschulinspektor bei der Kreisschukkommission Worms Professor Joseph Lille« ivurde zuni Kreisschulinspcktor bei der Krcisschulkom- mistion Darmstadt, der Oberlehrer an dein Seminar für Volksschnllehrerinnen zu Darmstadt Professor Eduard P f a f f zum Kieeisschiilinspektor bei der Kreisschulkoinnrission Darmstzadt unter Belassung des Charakters „Professor", der Kreisschulinspektor bet der Kreisschulkommission Alsfeld Schulrat Georg Eck zum Kretsschulinspektor bei der Kreis-' schulkommissioii Worins, der Lauptlehrer a» der Volks- - schule zu Darmstadt Georg Hufs zum Kreisschulinspektor. bei der Krcisschulkommission Alsfeld ernannt. — Der Oberlehrer an dem Gymnasium zu Offenbach Professor Karl Steinmetz wurde auf sein Nachsuchcn unter 'Anerkennung seiner langjährigen, treuen Dienste mit Wirkung vom l. Juni 1914 an in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Uebertragen wurde dem Schulamtsaspirantcu .Heinrich Lichten stein aus Ober- Wesel eine Lchrerstellc an der Volksschule zu Grebenau, Kreis Alsfeld: dem Schulamtsaspirauten August Grünig aus Stockstadt, Kreis Groß-Gerau, eine Lchrerstellc an der Volksschule zu Groß-Eichen, Kreis Schotten. ** Offene Le hrerst eilen. Erledigt sind: Eine mit einem evnng. Lehrer zu besetzende Schulstellc zu Kelsterbach, Kreis Groß-Gerau; eine mit einem evang. Lehrer zu bcsetzcilde Schnlstclle zu Erfelden, Kreis Groß- Gerau (mit der Stelle ist Organistendienst verbunden); eine mit einenl evang. Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Dudenhofen, Kreis Ofsenbach (mit der Stelle ist die Hälfte des Organistcndienstes verbunden); eine mit einem kath. Lehrer und eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende! Schulstelle zu H e n s e n st a m in , Kreis Lifcnbach; eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Klein- Stein heim, Kreis Ossenbach; eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende Schulstette zu Zcllhausen, .Kreis Ossenbach; eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende Schulstelle zu Klein-Welzheim, Kreis Ossenbach; eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende Schulstelle zu Klein- Auheim, Kreis Ofsenbach Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende erste Lchrerstelle zu Burg-Gräfen- rode, Kreis Friedberg. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Das Präsentationsrccht steht dem Herrn Grafen zu SolmS-Rödelheim in Asscnheim zu. " La n dw i r t s ch a f t l rch c Zählungen. In der Zeit vom 28. Mai bis 4. Juni d. I. ist, ivie allsäi/rlich, die Anbau- slächc wichtigerer Fcldirüchtc durch die Großherzoglichen Bürgcr- meistcreien unter lZuzächung von Sachverständigen scstrustcllen. Die lErgcbnissc werden im Herbst dazu verwertet, die Enite von Getreide, Kartosscln und Heu zu berechnen. Die S-ommerzäblung der Schweine, die im vorigen Jahr zum erstenmal erfolgte, wird am 2. Juni d. I. wiederholt Sic ivird so vorgenommen, datz bei der Ansnahnre die Zahl der Schweine vom Zätiler selbst 'in die Ortstiste eingctragrn >mrd. An die Schweincbcsitzcr ioerden Zählpapierc nicht ausgetcilt. —■ Mit der Dirrchsührnng beider Zählungen ist die Großhcrzvgliche Zentralstelle für die Landet- Latrllik in Donnsladt beauftragt. Sie versendet soeben die Er- hrbungssorniulare an die Großherzoglichen Bürgermeistereien. ^Dcr Landesverband der Bürgermei st er im Gr atz Herzog, um Hessen hält Montag, den 25. Mai. vor- nrittags 11 Uhr, im „Kaisersaal" zu Darmstadt, seine Hnuolver- ^mmmlung ab. Die Tagesordnung lautet: 1. Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden; 2. Rechnungsablaqe: 3. Festsetzung des Otts der nächsten Haupiversanonlung; 4. Borstandsw.rhl: 5. Anträge; 6. Be» such der Kunstausstellung. ** Der Feuerversicherungsverband hessischer Dehrcr, geleitet von Lehrer Gg. Dein in Neu-Isenburg als Direktor, h»ilt seine diesjährige Hauptversammlung am 20. Juni in Os,enbach ab. Gewerbeaus st ellung Gießen 1914. Mit der Gewerbeausstellung Gießen 1914 ist auch eine Lotterie verbunden, die für das Großherzogtuin Hessen, die Provinz Hessen-Nassau und den Kreis Wetzlar genehmigt worden ist. Es werden insgesamt 60000 Lose zu einer Mark aus- gegeben, denen Gewinne in Ziner höhe von 30000 Mk. gegenüberstehen. Neben zwei .Hauptgewinnen von 10 000 Mk. und 4000 Mk. werden ausgelost 2 Gewinne von jrlOOO Mk., 4 Gewinne von je 500 Mk., 8 Gewinne von je 200 Mk., 15 Gewinne von je 100 Mk., 35 Gewinne von je 20 Mk., 60 Gewinne von je 10 Mk. und 1520 Gewinne von je 5 Mk. Die Auslosung sindet am Schluß der Ausstellung statt. •• Zw ei jugendliche Ausreißer im Alter von 7 und 4 Jahren trafen am vergangenen Sainstag, mit dem Personenzug 306 nachm, von Niederwalgern koinmend, in Gießen ein, mit der Absicht, zu ihrem Onkel, welcher in Mainz wohne, ,ivo der Rhein fließe*, z» reisen. Sic batten nur so viel Geld, uni sich eine Karte nach Gießen läsen zu können, und mußten deshalb hier anSncsetzt^werdcn. Die jungen Bürschchen wollen das Geld zur 9!ei[e durch Aus- stellen von Kegeln verdient haben. Sie sind auSj Endbach gebürtig und gaben an. den Weg bis Niederwalgern zu Fuß m 4 Stunden zurückgelcgt zu haben. Anscheinend haben die Kinder er vermieden, aus Bahnhof Endbach einzusteigcn, da sie dort erkannt und zurüekgehalten worden wären. Der ältere gab an, das Elternhaus ohne Wissen der Angehörigen verlaßen zu haben. Da die Kinder Hunger hatlcn, wurde in Eisenbahnerkreisen schnell das nötige Kleingc d aufgebracht, und sie wurden reichlich bewirtet. Auch das Geld für die Rückfahrt wurde gesammelt und die Bürschchen mit dem 5-Uhr- Zug nach Hause geschickt. ** Jephta-Aufführung des Konzertvereins. Das bevorstehende Konzert am Dienstag, den 19. Mai macht uns mit einem musikgeschichtlich höchst interessanten Werke bekannt. Es gilt Ö ä n d e l s säst verschollenem, gewaltigem Oratorium „«Jephta". Georg Friedrich Händel lgeboren 1685, gestorben 1759) komponierte das Werk im Jahre 1751 im Alter von 65 Jahren. Es war sein letztes und zugleich vollendetstes Werk, in dem er völlig neue Bahnen einschlug und noch einmal die ganze Gewalt seines Ausbruchs zeigte uird seine über alles külnic Er- sindung. Mitten in der Arbeit erblindete er. Mehr als 160 Jahre ist das Meisterwerk in Deutschland in der Originalgestalt so gut wie unbekannt geblieben. Nun hat es der vekanute Händelforschcr, Dr. H. Stephani, durch eine glänzende, stilgetreue Bearbeitung zu neuem Leben erweckt und ausklingen lassen in dem großartigen nSiegeslied aus denr KrönunqSanthem, das Händel selbst auch in seiner Esther verwendet hat. Der ersten Aufführung in Leipzig sind weitere in einer Reihe anderer deutscher Städte gefolgt und die begeisterte Ausnahme allenthalben berechtigt zu der Annahme, daß das Werk bald Gemeingut aller Ch» Vereinigungen und mit der Zeü auch vielleickit das beliebteste aller Händelscher Oratorien werden düz>ste. Händel hat dem Chor umsangreichc und glänzende Ausgaben zugeiviesen. namentlich tn den gewaltigen Schlugehören der 4 Akte. Auch die Solostimmen sinb reichlich bedacht und unter den Arien begegnet man wahren Prachtstücken. Die schlichte und doch so ergreifende und eindrucksvolle Handlung ist bekannt. Aber während in der Bibel, im „Buch der Richter", die Geschichte Jephtas ein grausam blutiges Ende sindet, da der Untergang der Tochter durchaus keiner sittlichen Notwcnbigkeit entspringt, führt sie Händel zu einem erlösenden Abschluß. Im übrigen bleibt der Gang der Handlung der nämliche wie in ber Bibel. Der israekitischc Heerführer Jephta fleht um plattes Beistand im Kampf gegen die Ammonite: und gelobt im Falle des Sieges das Erste zum Opfer zu weihen, das ihm bei seiner Rückkehr dakeim begegnet. Die einzige geliebte Tochter eilt dem heimkchrenden Sieger entgegen, vernimmt aus dem Munde des gramerfülltcn Vaters dessen unheilvolles Gelübde und bereitet sich gkfaßt zum Opsertod. In Händels Dar» chcllung bleibt uns das Entsetzliche erspart. Er hat dir milde christliche Äufsassung cingeführt, die sich an der Bereitwilligkeit zum 'Ooier genügen läßt. Ein Engel verkündet als Ratschluß Gottes, daß die Tochter Jeplstas zur ewigen jungfräulichen Pricsterin seines Tempels besttmmt sei. Mit dieser glücklichen und befreienden Lösung, die gleichzeitig an die Jphigeniensagc anllingt, beschließt Händel sein Werk. „M n s i k a l i s ch steht „Jephta" mit obenan. Seine Bllder sind nach Dein Urteil des Biographen F. Volbach, von überwältigender Kraft, die xnclodischen Linien von höchster Kühnheit und Fvrnivollendung, chic gesamte Ausführung von ergreifender Wahrheit des Ausdruckes." ** Marie Wittich, das Kind einer alten Gicßlmcr Familie, hat jetzt nach einer glänzenden Bühnenlaufbahn die Dresdener Hosoper, an der sic 25 Jahre wirkte, verlassen. Ihre Kon- eertreisen führten die Künstlerin auch wiederholt nach Gießen, wo sie ausgewachsen wart ihre vorzüglichen Leistungen werden in Gießen er Musikkreiscn noch in lebhafter Erinnerung stehen. Ueber das letzte Austreten Marie Wittichs schreibt eine Dresdener Zer- tung: „Silbernes Jubiläum in ihrer Wirksamkeit an rmserer Hosoper und Abschied feierte Marie Wütich an einem Abend und so war der Beifall, der sie umbraustc, und sie am Schluß inmitten einer erdrückenden Fülle von Blumen und Lorbcerkränzen immer amd immer wieder an die Rampe ries, zugleich Tank sür alles, was sie uns in so langer Zeit gewesen, >md rührender Scheidegrnß. Als I s o l d „ahm die bedeutende Künstlerin, die als neuernannlcs C b r en m i t g l ic d hosscntlich noch zu manchem Eiastspiel die Bühne betreten wird, Abschied von uns. Ws Isolde hat Marie Wittich hier »uv an vielen anderen Orten, auch aus den geweihten Brettern Baircnths, hundertmal die Herzen lzvher schlagen fassen, aber ich meine, schöner als gestern haben sich bei ihr kaum jemals Gesang und Spiel vereinigt. Sie scheidet als Siegerin im Lollbesitz ihrer künstlerischen Kraft und läßt u„S eine Erinnerung zurück. die nicht leicht crlölckzcn wird. Was der zurücktretenden Jubilarin in erster Linie eigen ioar, war der große Stil. Ihr machtvolles Organ besaß alle Farben, von sanflcr Milde bis zu hellausloderndcr Leidenschaft, und ein Zug cdlcr Größe durchwehte fcbc ihrer Kunstlcistungen. Eine Opernsängerin im landläusigen Sinne^war sie Nienrals, denn die Ausübung ihrer Kunst galt ihr als ein pricsterlichcs Amt, dein sie sich mii um so größerer Hingabe widinete. sc mehr das Aenßcrliche, das Bittere des Theaterbetriebs ihr offenbar wurde. Denn das ist ihr bei allen Ehren und Ln'olgen doch nicht erspart geblichen irnd sie empsand diese Dorsten unter dem Lorbeer ihrer ganzen Naturanlage nach wohl ost schmerzlicher als manche Sunstgcnossin. Ihre Donna Anna, ihr Fidelio. ihre Selica. Elisabeth, Elle und neben der Isolde vor allem ihre Brünbildc, zu denen sie nicht nur die jauchzende Pracht der Stimme, sondern mich die hoheitsftollc Erscheinung und Dar stellirng mitbraxMc, werden unvergeßlich sein, und sic selbst wird im dankbaren Gedenken vieler Tausende sortlebcn als eine Haupt Vertreterin einer glanzvollen, großen Zeit unserer Hosoper. War Frau Wittich schon nach dein ersten und zweiten Akt Gegenstand üwzlichcr Kundgebungen gewesen, so steigerten sich diese zu wahrei Begeisterung, als sie am Schluß zwischen Lorbeerbäumen. Kränzen und kostbaren Blumcnspenden erschien. Bohl 30 Dervvrrusen mußte sic Folge leisten und tiesbcivcgt nahm sic all diese Flut von Liebe und Verehrung entgegen." ** Das 30jährige Arbeitsjubiläum als Handwerker in der Eisenbahnwerkstalt Gießen feierte gestern der Schmied Wilhelm Volk aus Klein-Linden ** Kleine Mitteilungen. Dem Landwirt Heinrich Adolph I. von Herchcnhain gingen, als er eine Fuhre Heu zur Verladung an den Bahnhof HartmannShain gebracht Hane, auj dem Heimwege, oberlxllb Harlmannshain, die Pferde durch. Adolph hak nur eineu unbedeutenden Schaden an der einen Hand erlitten. — Am nächsten Mittwoch feiert der Rentier Abra ham Sundhcimer in Heppenheim a. B. seinen 100. G e - burtstag. Ter alte Herr, der aus Grosz-Rohrheim stammt, ist noch sehr rüstig: er macht täglich ausgedehnte Spaziergänge. Landkreis Gießen, n. Göbelnrod, 10. Mai. Gestern nachmittag geriet ein junger Mann, der bei dem Sägewerk aus der Mücke beschäftigt ist. mit der linken Hand in die Kreissäge. Hierbei wurden ihm die drei Mittelfinger bis aus das zweite Glied volstän big abgcschnittcn. Tct sofort zur Stelle hinzuaezogcnc Arzt von Nieder Ohmen leistete dem Verletzten die erste Hilfe. tt. II g s d o r s, 9. Mai. Bei Hem Pflügen eines Ackers stteß der Lankmnrl Gustav Schmidt aus einen Hirten Gegenstand, welcher sich bei näherer Untersuchung als ein nock, ziemlich gut erhaltener Degen aus der Bronzezeit dcraussteltte. Turch Vermitt lung des Lehrers Leidig gelangte die Wassc in die Hände des Direktors vom Grcßencr Museum, Dr. K r a m e r. Dieser stellte fest, daß der Togen eine ivcsentliche Bereicherung des Museums bedeute, er stamme wahrscheinlich aus der Zeit von 800 bis 500 Jahre v. Ehr. Geburt. Aus seine Veranlassung wurde noch weiter nachgcgraben und in einer Tiefe von 40—50 Zentimetern ein Grab sreigclcgt, ivelcheS rundum mit Steine» einge- saßt war, und außer einer 15 Zentimeter Bronzenadel eine Urne und einen noch mit erhaltenen Zab» enthielt. Die Nachsorsckningcn sollen noch wciicr ausgedehnt werden. *fireis Büdingen. X Wallernhausen, 8. Mai. Hier wurde Landwirt Karl Schlenning, dessen erste Wohl als B >1 rgerni ei!ler nicht bestätigt worden war, z»»i zweite» Male mit großer Mebrhesi zum OrtSoberhaupt gewähdt. Kreis Lnut-rbnch. Ii AngerSbach, 10, Mai. Der hier geborene Fabrikarbeiter Karl Boß stürzte beim Ucbcrklctter» eines HosioreS in RüsielSheim so unglücklich, daß er nach kurzer Zeit starb. Boß wollte sich in dieser Woche verheiraten. Kreis Schotten, n Schotten, 10. Mai. Die in sämtlichen Gemeinden deS Kreises ausgestellten Waisenbüchseu haben im Jahre 1913 einen Gesamtbetrag von 136,44 Mk. eingcbrocht. ir Groß-Felda, 10. Mai. An Stelle des De. med. Skriba hat sich hier Or. insd. Karl Weigand als praktischer Arzt niedergclasien. Kreis Friedlin g. = Friedbcrg, 12. Mai. Ter Vorverkauf der Plätze znm Reitcrsest des Wettcrauer Reitervcreins am 24. Mai d. Js., bkion- dcrs der Tribünenlogen und numerierten Tribünenplätze, ist sch: gut. Ter Verein wird eine säst 90 Meier gedeckte lange Tribüne, die zukvinmcn mit dem Logenplatz zirka 1200 Personen ansnchmcrr kann, bauen lassen. Auch hat die Stadtverwaltung die Kurven verändern und die Bahn dadurch vergrößern lassen. Zum Gelingen eines Rcitcricstes gehört vor allem eine gute Besetzung der verschiedenen Konkurrenzen. Die Anmeldungen lausen zurzeit ebenfalls zahlreich ein. Ter Verein hat in letzter Zeit eine größere Anzahl neuer Mitglieder gewonnen und es wäre wünschenswert, wenn die Anmeldungen zu den Konkurrenzen raschestens criolglen, damit das Programm sertiggestcllt werden kann. Besonders erwähnt sei, daß zum ersten Male auch der Franksurtcr Landwirt- schastlichc Verein einen sehr wettvollen Ehrenpreis zur Vcrsügung stellte. — Bad-Na »hei IN, 10. Mai. lieber der mächtig aus- blühenden Badcltadt Nauheim siebt in künstlerischer Hinsicht ein besonders günsllger Skern. Ragen schon die regelinähkqeu Lintoilie- konzerle der llnrkavelle lWindersteiii-Orchesier, Leipzig) über das in de» Bädern sonst miisikalisch aeeolene weit hinaus, so ermöglichte» gerade !ür Nauheim günstige Umstände wiederholie Ber anstaltungc» im größerem Rahmen. Zu dielen gehören »euerdingS ivieder die Konzeite am 12. -l»ai und 7. Juni, in welch letzterem die „IX/ mit dem Darmstädter Musikvereni imicr Prof. Windcr- stetzi zur Ausjührung gelangt. — DnS Festkonzert am Dienstag bringt uns sielir v. Weingartner als Dirigent »ndKo>npo»i>t. Lei» Violinkonzert wird Herr H a v e in a n n - Leipzig, ein in ver- häiinisniäßig kurzer Zeit in die vorderste Reihe der »Großen' gerückter Geiger, spiele», wäiirend sich die hiiiidertkvpsige Musikerschar ijziiikapestc - Bad-Nauheim nnd Hoikapelle - Darmsladt) in zivei x)rck>esictglaiiznm»mern, «Jreischütz'-Ouverlüre und «Eroika' prä- sx,uieien wird. Universitäts-Nachrichten. — Der Konflikt an der Handelshochschule Berlin ist bcigclegt. Es ist zu einem Einvernehmen gekommen, wonach die Handelshochschule nur noch lebenslänglich angestelltc Dozenten im Hauptamic traben, bei Berufung das Tozenten- kollcgium in derselben Weise gehört werden wird, wie dies an den Universitäten üblich ist. Das Dozentenkollcgium richtete an die Studierenden eine Erklärung, in der sie Mlsgesordett werden, ab II. Mai die Vorlesungen wieder zu besuchen. Ferner wird darin mitgeteilt, daß Professor Jastrow ansdtticklich den Dozenten gegenüber crklätte. daß er unter keinen Umständen von neuem IN ein Vertragsverhältnis zur Handelshochschule treten wolle. — Von anderer Seite wird gemeldet, daß Professor I a st r o w in einem Schreiben an den Rektor der Handelshochschule gebeten habe, die Studierenden so schnell wie möglich zur Wiederausiiahmc des Besuchs der Vorlesungen zu ersuchen. Die Vorlesungen beginnen dem Vernehmen nach am Montag, da die Aeltesten der Kaus- mannschait und die Dozenten der Hochschule zu einem Einvernehmen gelangt sind. Lnstschisfahrt. -f- Eschwege a. d. Werra, 10. Avril. Zwei baperlsche Fliegerossizierc — Hauptmann Silier als Führer „nd Leutnaiit Wehle als Beobachter — die gestern nach der Teilnahme an dem Militärgeschwaderflug von H a n n o v c r bis Darm stabt fliegen ioolltcn. mußten gegen 7 Uhr abends in der Nähe des benachbarten thüringischen Dorfes Großcngottern unter schwiettgcn Umständen eine Notlandung vornehmen. Infolge Heißlaufens einer Welle schlugen plötzlich Stichslamme» aus dem Motor, woraus die Flieger im Gleitfluge aus einer Hölze von 200 Metern niedcr- aingcn. Hierbei geriet das Flugzeug in Brand. Kurz vor dem Autstoßen auf den Erdboden sprangen die beiden Offiziere ab. Sie blieben beide unverletzt, während das Flugzeug — ein Doppeldecker — voll-ständig verbrannte. Die Flieger fuhren mit der Eisenbahn »ach München. — Heule nachmittag überflogen IN der Richtung von Norden nach Süden eine größere Anzahl Freiballons das W c r r a t a l. Stettin, 9. Mai. Auf dem Kreckower Exerzierplatz stürzten heute mittag zwei Militärflieger ab, die sich aus einem Uebungsslug Schwerin-Posen besanden, und die hier eine Zwischenlandung vornehmen wollten. Der Absturz erfolgte ans einer Hölze von 200 Metern. Der Apparat wurde zertrümmert. Die Insassen. Leutnant Fa ber vom Jnianterie-Re-simeni Nr. 19, und Leutnant Kn r tz vom sächsischen Infanterie-Regiment Nr. 182, waren sofort tot. Das Erdbeben auf Sizilien. Aus der periodischen Wiederkehr und der Geographie der iühilalienischen Erdbeben muß sich doch manches ergeben, was sür den Wiederaufbau zerstörter Wohnstätten und sür die Vermeidung neuer Bcbcruruig von Wctt und Wichtigkeit ist, denn während nach einer gewissenhaften Schätzung die Erdbeben in Kalabtten zwischen 1783 und 1857 rund 111000 Menschenleben (1500 jälzr- jich im Dnrchsck'nilti sordencn, verloren vor fünf Jahren aut Sizilien allein 120 000 Menschen ihr Leben. Daß oiesmal die Menschenopfer nicht so furchtbar groß geworden sind, liegt nicht etwa an einer anderen Ursache des Erdbebens, sondern nur daran, daß sich 1908 der Herd des Bebens gerade unter der großen, mcnschcnersüilten Stadt Messina befand, die Erdbewegung diesmal aber die vcrsttciit liegenden Dörfer in der näheren Umgebung des Aetna traf. Nicht richtig ist es, diesmal vo» einem nur vulka» nischeu Beben za spreckzcn. Weder beider Katastrophe von Messina noch bei dem jüngsten Unglück hat der Aetna Zeichen besonders verstärkter vulkanischer Tätigkeit gegeben. Die Erdbeben und die vulkanischttl Vorgänge scheinen überhaupt Ivcnig miteinander zu tun zu haben. Er gibt angesehene Natursottcher, die die Möglich- scit der Enlstelning größerer Erdbeben durch den Vulkanismus überhaupt bestreiten. Selbstverständlich trete» gewisse Erdcrschüttc- rungen auch im .Gefolge von vulkanischen Explosionen ein, aber sic bleibe» sehr örtlicher Natur ünd verbreiten sich nicht nach dev Art von Erdstößtti. Diese gehen von tieferen Schichten der Erdkruste aus und sind entweder die Folge einer Schollenbewegung kGebirgsbildung oder aber die Folge einer viel tiefer liegenden Ursache, die mit der Gebirgsbildung nicht identisch ist. also z. B. die Folge von Kräitcn, die von außen her aus den Erdball ttn- wirken und an ganz besttmmten Stellen ungeheure Spannungen erzeugen. Man hat neuerdings die Liiftdttickverhällnisie in Verdacht. daß sie in den Erdbebengrbicten wirken wie der Funke im Pulversas. Andere Forscher wieder klagen die Anücbungskrait des Mondes und anderer Gestittie a». Der volle Wahrheitsbeweis sür die Auschauunge» ist noch nicht erbracht. Aber das nnia Erdbeben aus Sizilien könnte das eine Gute lzabcn, daß es die Erkeirntnisse der noch im Ans an g steckenden Erdbebcnkunde um einen Schritt weiter bttngt. • lieber das Erdbeben wird cms gemeldet: A c i r e a l e, 9. Mai. Es bestätigt sich, daß das Dorf L> n era beinahe vollständig zerstört worden ist. Die Zahl der Opfer konnte noch nicht scstgesiellt werden. Sieben Verwundete wurden >m Hospital von Arireale nntergcbracht. Allem Anschein »ach wurde in den Dötteim Santa V e n e r i n a , Santa M a r i a d e g l r Anrmalati Guardia Santa Mavia Bergiite, Cosensi »nd Peviiiir nur Sachschaden angcrichtct. Der Präfekt von Eatania und andere Bertteter der Behörden haben sich mit Hilfsmcrnnschasten und Material zur Lilieleistung nach Linera bcgebcn. Die Eisenbahnverbindung »von Acireale nach Guardia ist wegen Rissen im Tunnel nkltcrbrochen. ^ Catania, 9. Mai. Das gestrige Erdbeben in Sizilien war verhäiignisvoller, als die ersten Meldiingen erkennen ließen. Bereits 3 0 Tote und >20 Verwundete sind geborgen. Von dem Dorfe Linera sind nur Trümmer übttg. Auch andere am Fuß- des Aetna liegende Ortschaften sind stark beschädigt. Man inelbct aus dem Dorsc Bongiardo in der Gemeinde vo» Zafferana Etnea, daß 10 Personen tot und 20 verletzt sind. Auch iu Pisano in der gleichen Gemeinde hat cs Tote nnd Verwundete gegeben. Die Eisenbahnverbindung von Acireale nach Guardia ist wegen Rissen im Tunnel unterbrochen. Rom, 9. Mai. Die Bläticr veranstalten Sonderausgaben,! wonach der Ilmsang der Erdbebenkatastrophe bedeutend größer ist, als bislzer bekannt war. Die Zahl der Toten in der Provinz Eatania beträgt mehrere Hundert, die Zahl der Verwundeten soll 1000 erreiche». Authentische Nachrichten geben sür Linera und Bongiardo 150 Tot- an. Die Dörfer Lima und Acireale sind zerstört. Tie Stadt Nttnale ist verschont werden . In Santa Bererina wurde schivercr Sachschaden angcrichtet. Die Zahl der Ovser ist genug. Telegraphen- und Telephonmasten sind kilometerweit niedergelegt. Die Eisenbahnbrückc und der Tunnel von Guardia drohen cinzu stürzen. Die Bevölkerung kampiert im Freien. R o m . 9. Mgi. Wie der „Messagero" berichttt. sind nach bei dem dlrbcitsministcrium eingelaufenen Depcsckzen infolge des Erdbebens etwa 100 Personen getötet und 120 verletzt worden. Ter telegraphische Dienst ist im Lause des Tages wieder hcrgestellt worden. Ter Eisenbahnverkehr zwischen Mangano und Acireale! wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Das Kriegsministcrinm^ hat Truppen und Lebensmittel soivie Zelle und Sanitätsmaterial abgeschickt, das Rote Kreuz bat ein Feldlazarett erttchttt. Der Ministerpräsident hat den Präsekten beauftragt, im Einvernehmen mit den Ortsbehördcn für die Unterbringung der Obdachlosen zu sorgen. Vermischte». * Spionage. ?lus Hamburg, 9. Mal/ wird gemeldet: Die Polizei hat heute eine Kontoristin verhallet. Diele wußte sich von einer hiesigen Werst den Teil plan eines Kriegsschiffes zu verschassen. verkaufte ihn ast ein französisches Naihrichtenburenu und versuchte außerdem eine andere Frau zu bestimmen, ihr weiteres Material zu dem gleichen Zwecke zu bcscharfeii. Die Verhaftete wird nach Leipzig übergesührt werden, wo vor dem Reichsgericht die Verhanizlung wegen Landesverrats im Laufe des Monats Mai stattsindcn wird. * Feuer auf einem Motorboot. In der Mitte des Müggelsees geriet der B.'nzinbehälter des Privatmotorbootes „Argo" gestern in Brand. In kur.zer Zeit stand das ganze Boot, das sechs Insassen an Bord hatte, in Brand. Auf die Hilsorufe der in Gefahr bcsiiidlichen Personen eilte ein in der Nähe bcsindliches Ruderboot herbei, dem cs auch gelanq, sämtlickw Insassen des brennenden Bootes zu retten. Das Schiss wurde vollständig vcrnichltt. * 200 Familien obdachlos. Aus M o h i l e w , 10. Mai, wird gemeldet: In der Stadt Kopys am Dnjepr hat eine Feucrsbrunst 90 Häuser, 75 Läden und 4 Svnagogcn z e r - stört. 2M Familien sind in Mitleidenschast gezogen. Die Kirchen und größeren Steinhäuser sind verschont geblieben. ES liegt Brandstiftung vor. Ter Täter wurde ver hastet; er hat bereits ein Geständnis abgelegt. Ainllickier Wcttcrk-richt. Oesscntlichcr Wetterdienst, Gießen. Wtttcraussichten in Hessen am Dienstag, den >2. Blak lait: Boriviegend wolkig, einzcjne Regenschaner, kühler, nordwestliche Winde. Letzte T7rrckrichten. Der Jubiläumstag des Roten Kreuzes in Berlin. Berlin, 11. Mai. Das Zcnlralkomitö des preußischen Landesverein vom Roten Kreuz erössnele gestern seine Jubiläumskreuzsammlung mit einem Blumcntag ans Bahn- höien und ireien Plätzen. In Restaurationen und aus der Elektrische,I Straßenbahn herrschte den ganzen Tag über ein r.-gcr Verkehr. Trotz des wenig günstigen Wttters erzielten die Verkäuferinnen recht erhebliche Einiiahmen. Das Abzeichen bestand aus drei künstlerischen Eichrichlättern und einem Wapvcnicknld- chen mit Ausschrist. Die Sanitätskolonne hatte sich am Nachmittag zu einer Fricdensübung eingeninden, die mit einem F-1d- gottesdienst cingeleitet wurde. Auch in vielen größeren Provinzstädten fanden Blumentage und Sammlungen statt. Dlts Ergebnis der Wahlen in Frankreich. Paris, II. Mai Nach dem Ergebnis der Wahlen wird die neue Devutiertenkammer »ngeiähr solgendc Zusammensetzung haben: 192 geeinigte Radikale und sozialistische Radikale, 101 gecigncle Sozialisten. 22 sozialistische Republikaner von der Richtung Augagneur, 31 Linksradikale, 35 Mitglieder der demokratischen Linken, 77 Mitglieder des Verbandes der Linken, 61 gemäßigte Republikaner, 36 Mitglieder der Katholischen Action lcherale, 27 Royalisten und Bonapartisten und 12 Wilde. IT Für Erholungsbedürffige und leichtere lUmtllfllTC kranke. \i «s EhI 8 (■ Kuranstalt Hcfhelm i, T. > .1 M 3^0 9 »/* Stunde v. Frankfurt a.M. Prospekte JL M WA M V TD n durchOr. Schulzo-Kehl#fM,NerTecar*fc Silbrrrissiorisverkanf von Eichen-, Kiefern-, Lärchen-, Fichten-Stammholz nnd Fichten-Skangcnholz. Ans den Domanialwaldungen der Grotzh. Obersörstcrcien Bad-Salzhanicn und Nidda soll das nachverzeichnete Nutzholz aus dem Submissionswege verkauft werden. — Gebote find verschlossen, mit Aufschrift „Holzsubmission" bis zum 26. Mai bei Grotzh. Obcrförsterei Nidda einzureichen, aus deren Amtszimmer die Gebote an, 27. Mai, vormittags 10 Uhr, geöffnet werden. Stämme Derbstangcn Eiche Kiefer Lärche Fichte Fichte 4. Kl. I 5. Kl. 3. Kl. ! 4. Kl. 1 5. Stl. 3. KI. \ 4. Hl. | 5. HL 3. Hl. 1 4. HL | 5a HL | 5b HL St-I Fm. iSl-I Fm. St.j Fm. |©t.| Fm. |©t.| Fm. St. Fm. |©t.| Fm. |©t.] Fm. 3t.| Om. |©t.| Im. |3t.| Fm. |®t.| Fm. St.! Fm. I Fm. Los 1. Obcrförsterei Bad Salzbauicn: Glaubzahl Kohden Gech Nidda Ober-Lais Glashütten Michelnau 0.42 I 0,92 1 I 0,43 1 0,92 ! 1 I ! 1-38 I 17 7.54 1 1 ! L68 1 2 | 1,10 9 | 7,45 1 9 17,40 16 120,06 | 21 [15,81 ' 31 ! i dll 12 1 0,07 I 6 1 3.93 4 ' 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 0,69 1 1 4,09 i 19 1 Los 2. Qbcrsörstcrci Ribba. 1 1 | 1 1 2 1 3.6t | 14 115,37 1 13 110,20 | 8[ 2,79 1 0,32 1 4 4,70 9 1 9,90 1 2! 15.11 19 1 1 1 7 !lL20! 11 11,49 16 110,66 1 49 1 9/03 1,32 5,79 ( 1,47 9,40 I \l 108,51 1 0,40 0,74 114,31 Die Gebote sind gesondert für jedes Los und nach Holzarten, Sortimenten und .Klassen getrennt, abzugeben. Das Holz Et noch vor Eintritt der Vegetation vom Winde geworfen und alsbald ausgearbeitet. (Zs ist gesund,- das Nadelholz ist entrindet und sämtliches Holz an die Absuhrwegc gerückt. - Es wird vorgezeigt bezügl. Ord.-Nr. 1 von Grotzh. Förster Numerich auf Forsthaus Glaubznhl, Pot Ulfa, Nr. 2 von Grotzh. Förster l^ennebach in Bad-Salzhauscu, Nr. 3 von Forstwart Trotz in Geitz-Nidda, Nr. 4 von Grotzh. Forstwart Schickedanz in Oberlais, Nr. 5 von Grotzh. Forstwart Markart in Glashütten, Nr. 6 von Forstwart-Aspirant Meyer in Michelnau. NuniiuerauSzüge können von den Unterzeichneten Obcrförstereien bezogen werden. Bad-Salzhauken und Nidda, den 7. Mai 19(4. Grotzh. Cbcrfüritcrci Bad-Lalzbauien. 5955 D Grotzh. Qbcrsörstcrci Nidda. Kksirlrslittck Mhl Montag, de» II. Mai d. I., abends 8'/, Uhr, in der Rest. Tarmstädter Haus, Walltorstr. 0: Generalversammlung mit folgender Tagesordnung: 1. Bericht. 2. Rcchnungsstellung. 3. Borstandswahl. 4. Verschiedenes. 5787 q Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen bittet Ter Borstand. Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. A wurde heute bezüglich der Firma Hermann Katz zu Steinbach eingetragen: Die Firma ist erloschen. 596-2B Gießen, den 8 . Mai 1914. Großh. Amtsgericht. 51 S 0 Jas Geschäfts - Haus Mäuslinrg 5 mit 3 arotz. Erkerfenstern nnd schönen Wolinnngcn itz ver 1. Juli ganz oder geteilt zu vermieten. Näheres Bahnbosstratzc 50 l. 5 Zimmer ; (siiit g-ihinin-Wshiiuill! mit abgeschlossenem.Korridor per 1. Juli zu vermieten. Neuen Bane 2 ll. Näh. bei H e r r n H n l i >5 v e r w a l t. T o d l. ^ ^ iÜMllck IZ Vartisrh. 1. 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Händel Neue Bearbeitung von Hermann StephanL Leitung: Professor Onstav Traut mann. Solisten: Thyra v. I.adiges (Sopran), l'niiln Werner-Jensen (Alt), Lndirtg •tage (Tenor), l>r. Hann Joachim Hoser (Bass-Bariton) stlmtlicb aus Berlin. ,, Chor: Der AkademlNchc Gosanßverein and die evangelinche niidchen* und Kiiabcn-Cliorfechnle. Orchester: Das Kon/,eHorchester des Palmengartens zn Frankfurt a.M. Cembalo: Clara Xebclnng-Knapp. Orgel: Otto Görlach. Eintrittskarten: I f , p,a J 3 l A Mk - 5_ - ir - . Pli j tz . Mk * J 11 .- P lat .* Platz - Mk. 2.o0, unnumenert bezw. Stehplatz Mk. 2.—. Studentenkarten Mk. 1.— sind in der Musikalienhandlung von Ernst Challier (Rudolphs Nachf.), Fernsprecher Nr. 671, und vom 16. Mai ab bei Hubert Heinz. Kirchen platz, für Studierende auch bei Hausverwalter Ritter und abends an der Kasse zu haben. 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