Nr. M Der Sithener Anzeiger erscheint täglich, außer Eonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich *ietzener,Sami>!enb!ätter; zweimal wöchenll.ilteis- dlatt für den Urei; Sieben (Dienstag »nd Freilag): zweimal monatl. kand- wirischastliche Seiisragen Fernsprech - Anschlüsse: Inr die Rodaklion IIS, Verlag u. Expedition öl Adresse inr Teveschc»: Anzeiger Gieße«. Annahme von Anzeigen siir die Tagesnunnncr bis vormittags S Uhr. Erster Blatt ld-s. Zadrgang GiehenerA Samztag, y. Mai 1014 Mger General-Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Bezugspreis: monatlich75Pf.,vierlel« jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.: dlirch diePost Mk.2.— viertel« jährl. ausschl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetj. Perantivsrtlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für ,tfeiiiflctoii\ .Per- nlischtes" und.Gerichts- faal": Karl 9teurath; für .Stadt und Land": Redaktion, Lrpcdition und Druckerei: Schulftratze 7. Anzeige',>!eck:' Die heutige Nummer umfaßt 22 Seiten. poliKIdic U>odicttfdiau- Gictzcn, 9. Mai 1914. Es war nach den Zaberner Vorgängen von besonderem Interesse, welche Stimmung der Reichstag bei der Beratung des Militärvoranschlags entwickeln würde. Nun hat inan sich schon vier Tage darüber unterhalten, und des Ergebnisses dars man sich sreuen. Die bürgerlichen Parteien sind sich einig darüber, daß wir auf unser Heer stolz sein dürfen und daß kein Anlaß vorliegt, der Militärverwaltung das Vertrauen zu entziehen. Mißgriffe werden immer Vorkommen, und wenn die fortschrittlichen Abgeordneten Müller-Meiningen und Gothein stellenweise einen etwas zu scharfen Ton angeschlagen haben, so schadet dies nichts, denn Kritik darf auch aus diesem Gebiete nicht unterbunden werden. Die Besorgnis auszusprechen, daß der Adel noch immer eine unberechtigte Bevorzugung genießt, ist ein gutes Recht der Abgeordneten, und was der Kriegsminister über den ganz besonderen wissenschaftlichen Drang der adligen Gardc- ofsiziere gesagt hat, wirkt in dieser bcweislosen Feststellung nicht völlig überzeugeiid. Es scheint wirtlich ein „ganz verzweifelter Versuch" des Chefs des Cleneralstabs gewesen zu sein, wenn er die Arbeiten zur Kriegsakademie ohne Namen und Zeichen einforderte und danach fcststellte, daß von der Garde wieder mehr Herren cinbcrufen lvurden. Ta spielen vielleicht doch noch andere Umstände mit als nur der wissenschaftliche Drang der Gardeoffizicrc. Selbstverständlich lvar es, daß auch die Soldatcnniißhandlungcn wieder zur Sprach« kamen; einzelne sehr üble Vorkommnisse erforderten dies, und der Kriegsminister hat ausdrücklich bestätigt, daß es notwendig sei, gegen solche Verstöße weiter anzukümpscn. Das Auftreten des Krirgsministers v. Falkenhayn war im allgemeinen würdig und erfreulich. Er sprach freimütig und mit Humor über seine Unabhängigkeit vom Ches des Militärkabinetts, wußte die Klage des Herrn Müller-Meiningen über angebliche konfessionelle Scheidung bei den Musterungen wirksam zu entkräften und verstand cs vor allem, mit ganz vortrefflichen Vorhaltungen und Gründen den Hetzereien und Uebertrcibungcn der sozialdemokratischen Redner entgegenzutreten. Er hielt ihnen ihre Stuttgarter Jugenderziehungsmethode vor und setzte die sozialdemokratischen Zcrsetzungs- und Unterwühluu.gsver- suche ins rechte Licht. Nun stellt der „Vonvärts" in Aussicht, eine Stelle der Rede des Kriegsministers werde von der sozialdemokratischen Partei ganz besonders agitatorisch ausgenutzt werden. Herr v. Falkenhayn hat erklärt: „Wenn es wahr wäre, daß unser Kultursortschritt es dahin gebracht hätte, daß wir nicht mehr mit demselben Vertrauen auf unser Heer in den Krieg ziehen könnten, mit dem unsere Väter auf das Heer von 1870 sahen — wenn das wahr ist — verzeihen Sie mir das Wort, d a n n kän n m i r d i e g a n z e Kultur gestohlen bleiben." Er fügte sofort hinzu: „Das ist aber nicht wahr", und er bekundete sein Vertrauen, daß alle Deutschen, Sozialdemokraten nicht ausgeschlossen, auch künftig ihren Mann stellen würden. In den Worten des Ministers lag also vielleicht eine kleine Abneigung gegen vereinzelte Seiten unseres Kulturlebens, im ganzen aber bedeutete der Ausspruch ein natürliches und gut klingendes soldatisck)«s Belcnntnis. Wir ivollcn die Verfeinerung unserer Kultur nicht verneinen, aber wir wollen auch die harten Notwendigkeiten nicht verkennen, die uns mahnen, stolz und wehrhaft zu bleiben. Der „Vorwärts" bringt den Ausspruch des Rriegsministers in Verbindung mit den allgemeinen Friedcnsidecn und unterstellt dem Minister, er habe die Kultur verdammen wollen, wenn sie dem ewigen Völkerfrieden sich nähere. Das ist eine sehr willkürliche Verdrehung. Allerdings hat gestern der Kriegsminister sehr nachdrücklich vom Dämon des verschwommenen Weltbürgertums, von den falschen Propheten der internationalen Verbrüderung gesprochen. Aber wie steht es denn auch draußen in der Welt? Sind wir dem „ewigen Frieden" näher gekommen? Was würde aus unserer deutschen Kultur werden, wenn wir nicht mehr auf der Wacht wären und den äußeren Feinden ungerüstet gegenüberständen? Die sozialdemokratische Agitation wird mit ihren Künsten keinen Erfolg haben. Ueberdies hat ja die deutsche Regierung vor einigen Tagen im Budgetausschuß des Reichstags llar bekunden lassen, wie sie den Friedensbemühungen gegenübersteht. Deutschland wird Mitarbeiten, wenn es gilt, wirkliche, sichere Fortschritte zu machen und die Schrecken der Kriege und ihre Häufigkeit zu mindern. Es trifft sich zufällig, daß auch England jetzt wieder einmal das heikle Gebiet angeschnitten hat. Wir haben jene Rede des Staatssekretärs Greh über das Seekriegsrecht und die Abschaffung der Kaperei ausführlich wiedergegeben. Auch der englische Minister hat der Welt keine leere Gesühlsduselei vvrge- macht. Er hat vielmehr alles sorgsam erwogen und in An- satz gebracht, lwas England als Marinemacht verlangen und aufrecht erhalten will. Man denkt z. B. in London nicht daran, das Blockadcrecht aufzugeben. Wie steht cs aber mit der Abschaffung des Sceprisenrechtes, der Kaperei? Heute sind bekanntlich im Kriegsfälle auch die Handelsschiffe der gegnerischen Hand preisgegcben. Staatssekretär Greh hat zu dieser Frage in einer mehr vorsichtigen und nüchternen als idealistischen Weise Stellung genommen. Er ist der Ansicht, daß man durch neue Vereinbarungen über deii Begriff der Konterbande zum Ziele kommen könne. Schließlich hat England das allergrößte Interesse daran, im Kriegsfälle ungehindert Lebensmittel einzuführen. England erhebt ferner die Forderung, daß die Kaufsahrtci- schisfc nicht in bewaffnete Sck)ifse verwandelt werden dürfen. Es scheint, als ob Sir Edward Greh nach den deutschen Bekundungen über die Förderung des Schiedswesens nicht habe zurückstehen loollen. In der Tat versprechen diese Bestrebungen, ivenn sie im Geiste der letzten deutschen Darlegung erfolgen, wünschenswerte Fortschritte. Also cs ist nichts mit dem Militärstaat, der die Kultur zerstöre! Tie „Genossen" Schulz, Stückten und Liebknecht haben das Zeitbild sehr verzerrt wiedergcgeben. Daß die Großmächte es heute noch nicht zuwege gebracht haben, unmenschliche Grmisamkeiten halbbarbarischer Völker zu verhindern oder mit Züchtigung zu bedrohen, das ist freilich traurig und beklagenswert. Nach dieser Richtung sind die Folgen aus den Balkankriegcn leider noch nicht gezogen worden. Wir haben die Schreckensmeldung vernehmen müssen, daß im Epirus 200 mohammedanische Albaner in einer Kirche gekreuzigt und sodann dem Flammentod übergeben worden seien. In Valona hat der internationale Kontrollausschuß seinen Sitz, und man hört jetzt von ihm, daß er sich an Herrn Zographos, den Chef der autonomen Epirotcn-Regierung, der wohl für die Kreuzigungen mitverantwortlich ist, gewandt hat, um den Ausstand in Güte, durch Zugeständnisse an die griechische Bevölkerung, bcizulegcn. S ch l i m in c r e s zu verhindern, daS ist jetzt das einzige Bemühen der Vertreter Europas, und wir müssen uns damit bescheiden, daß der entsetzliche Massen- mord in der südalbanischen Kirche ohne Sühne bleibt. Kundige Beurteiler der albanisckien Verhältnisse hatten es voransgcsagt, daß inan in Durazzo, dem Regierungssitz des Fürsten Wilhelm, den Forderungen der Auiständifchen am beste» durch Gewährung einiger berechtigter Wünsche entgegenkomme. Man hatte aber dort statt dessen die Hand go ballt und die Mobilisierung von Truppen angeorduet, die unter großer Begeisterung des ganzen Volkes vor sich gegangen sein soll. Diese künstliche Bcgeistcrungswcllc hat sich aber als kraftlos erwiesen; die epirotischen Freisck-aren waren der albanischen Gendarmerie überlegen, und sie be- drohen nach einer Meldung der letzten Tage sogar die albanische Hauptstadt. Tic albauisckw Miliz ließ sich so ohne weiteres nicht aus dem Boden stampfen, zumal die Regierung in Durazzo zahlreiche und vielseitige Sorgen hat. Die Finanzen sind zerrüttet, und die Verwaltung ist nock- ganz ungeordnet. Roch herrscht das türkisck-c System, unter dem die Bcvöllcrung seufzt, und die Macht Essad Paschas, des Kriegsministers und Ministers des Innern, der schon einmal eine friedliche Vernrittlung mit dem aufständischen Epirus vereitelt hat, ist verhängnisvoll groß. Der internationale Kontrollausschuß wird fester zugreifcn müssen, wenn Friede und Ordnung wicderhergcstcllt werden sollen. Wenn aber gestern ini Ausschich der österreichisck>eu Delegation ein an diesen Dingen so nahe interessierter Politiker wie Graf Bcrchtold die Zuversick-t geäußert hat, daß cs gelingen werde, Ruhe und Sicherheit aus dem heißen Boden des neuen Albanien l-crzustellen, so wollen auch wir, die Sache des Fürsten Wilhelm noch nicht verloren geben. Rach den allerneuesten Meldungen sollen freilich die Epiroten, um sich für die Verhandlungen einen möglichst günstigen Boden zu schaffen, zu neuen Schlägen ausgeholt haben. ver Kaiftr bei einer Gefechtsübung in den Vogesen. Karlsruhe, 8. Mai. Der Kaiser hat sich am Freitag morgen mit Gefolge im Sondorzuge von Karlsruhe nach Türk- h c i m begeben, ivährend die Kaiserin in Karlsruhe verbleibt. Der Grofchcrzog geleitete den Kaiser zur Bahn. Drei A e h r tu , 8. Mai. In Anwesenheit des Kaisers fand heute in den Vogesen zwischen Urbeis und dem Höhenkurort Drei Aehren eine Gebirgsiibung statt, welche der Kommandierende (stcne- ral v. T c i IN l i n g lcitele. Sie endete nach einen! anstrengenden! mehrstündigen Gefecht i» teilweise glacisartigcm Gebirgsgelände mit einem Sturm auf das mächtige Vogescnmassiv la Röchelte. Große Bewunderung erregte ein FliegerderStraß kurzer Flieger st ation, welcher von Kolmar aus trotz der Regenböen die feindliche Stellung in kriegsmäßiger Höhe erkundete. S ch l c t t st a d t, 8. Mai. Ilm 2 1 , Nbr traf der Kaiser mit Gefolge im Kraftwagen aus dem Gefechtsfelde bei Evaux kommend, über Rappoltsweilec und Thannenkirch auf der Hohkönigs- b u r g ein. Aus der großen Freiung vor dem Burgportal meldete sich der kaiferliche Statthalter von Elsaß-Lothringen, Dr. von Dallwitz. Ebenso begrüßten hier den Kaiser unter an- dercm Staatssekretär Graf von Rödern sowie der Schloß- hauptmanii der Hohkönigsbiirg, S taatssckrctär a. D. Freiherr Zorn v. Bulach. Bei dem Rundgang durch die Räume der Burg unter Führung Bodo Ebhards wurde,, besonders die neuen Wandmalereien des Malers Leo Schnug besichtigt. Kurz vor 4 Uhr erfolgte die Abfahrt »ach Schlettjiadt, von wo dio Fahrt nach Braun- fchwcig über Karlsruhe mittels Sonderzugcs gegen 5 Uhr angctreteil würbe. Bor der Hohkönigsburg, über der während der Anwesenheit des Kaisers ein Geschwader aus sechs Straßburger Flugzeugen kreuzte, hatte der Kaiser eine Parade über die elsaß-lotb- ringischenPiadsindcrin Stärke von 700 Mann abgehaltcn. Die Tauffcierlichkeiten in Braunschweig. Als woitcre sürftlicho Gäste trafen Freitag abend der Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinz Eitel Friedrich,,Prinz August Wilhelm und Gemahlin und Prinz Oskar mit Gefolge auf dem braunschweigischen Hauptbahnhosc ein. Die vermiltlung in Albanien. Paris, 8. Mai. Nach einer anscheinend offiziellen Meldung wird der internationale Konlrollausschuß in Albanien folgende Vorschläge zur Lösung der Epi- von der sozialen Wertschätzung der Arbeit. Von Adolf Teutcnbcrg -Weimar. Zu den psychologisch interessanten Erscheinungen auf dem Gebiet der Wirtschaft, in denen sich zugleich ein artig Stijckckien Mcnschcnnatur aussvricht, gehört die Tatsache, daß sich zu allen Zeiten au gewisse Arbeitsarten der Fluch der allgcnicincn Verachtung nebeltet bat, und daß das Volksbcwnßtscin nirgends so untcrschicdlickie Wiwtschätzungcn trifft als gerade da, wo cs nach der Logik seiner Moral ani weitherzigsten sein sollte, nämlich i» den Dingen der beruflichen Tätigkeit. Wer möchte ,es I-eulc wohl glauben, daß einst das vielbesungene und sich so aristokratsich ausnehmende Tchmicdehandiverk aufs ärgste verpönt war? Daß auch der Ackerbau, der sich nicht mit der Würde des freien Mannes zu vertragen schien und von den Sklaven und Wcibeni ausgeübt wurde, als in, höchsten Grade verächtlich angesehen war? . Und nicht nur aus niedrigster Stuft der Kultur galten solche gesellschaftlichen „Vorurteile": man Iveiß, daß das bäurische Gewerbe bis ans den heutigen Tag beim Volk sehr unberechtigterweise nur in recht be- fcheidenem Ansehen steht. Man weiß ferner, daß ini Mittelalter gewisse Gewerbe, so z. B. das Abdecker-, Scharfrichter-, Glaseö gewerbe als „unehrlich" galten, und daß die „unehrlichen" Hand iverker von aller Zunit- und menschlichen Gemeinschaft bis an! das Oanudium ausgeschlossen waren Verachtet ist im Mittelalter wie auch später alle an persönliche Dienstleistung gemahnende Arbeit, desgleichen das Handwerk der Schauspieler, der Tänzer, Gauller usw. — welche Mißartung sich ebenfalls bis aus unsere -tage erhallen bat: der Borbier, der Kellner, der Kammerdiener ist nock, beuizutage kein in seiner „Standesehre" ganz wicderhergestellter Mann, und wer in einem Hinterlande eine liebe, altfränkische Tante hat, wird bekrästigcn können, daß man sich da vor dem besten Schauspieler nocki zuweilen gern dreimal bekreuzigt. heutzutage scheint, trotz aller sozialistischen Ideen, trotz Marx und seiner Gläubigenschar, überhauvt jede Art von Handarbeit für weite Kreise in einem üblen Geruch zu stehen, so wenig das osien zugesianden, so selten es auch mir bewußt werden mag. Tatsächlich drängt sich, wer das nur einigermaßen kann, in die „Hähern", die „geistigen" Berufe hinein: die Uebersüllung im Kaufmannsstande, in den Fächern der technischen »nd freien Wiisenschasteik bestätigt das zur Genüge. Wie stolz ist doch beute der Handwerks- oder Bauersmann aus den Sohn, der's bis zum Lehrer gebracht oder gar „auf Geistlich" studiert oder sonst ein erfolgreich „Gestudierter" ist. Und man beobachte nur, wie geflissentlich die neuzeülichcn Meister des Handwerks, soweit sie noch übrig geblieben, das Beschäinendc ihres Geivcrbcs: das DandwerkSniäßigc unter allerlei hochtrabenden Titeln zu verbergen suchen. Der Schreiner wird da „Möbelsabrikant", der bescheidenste Anstreicher „Maler", also sozusagen Künstler, der Schuster „Besitzer eines Ateliers für Fußbekleidung" und der Bauer nennt sich „Ockonom". Es ist, als ob die Schon vor der ehrwürdigen Arbcjit der Hände epidemisch würde, als ob man mit der Beschmutzung der Hände auch seine „Ehre" zu bestecken sürchtete. Woher diese tieswurzelnde Neigung, die Arbeit so verschieden einzuschätzen? — Man wird die Frage zunächst aus dem Geist der Zeiten zu beantworten suchen und so wenigstens für das Altertum eine Erklärung schnell bei der Hand haben: diesein stand die per- iönliche Freiheit des herrschenden Mannes obenan auf der Tasel feiner Werte — alle Arbeit aber, sofern sic nicht, wie die männlichen Geschäfte der Jagd, des .Krieges, des Raubes, der Politik, der schönen .Künste und Wissenschaften zugleich den, Trieb nach Herrschast diente und über den Zwang des Daseins sich erhob, war Freiheitsberaubung, und also unwert, unwürdig, unehrenhaft. Mit dem Christentum aber, sollte man glauben, sei ein anderer Begrisl von Freiheit in die Welt gekommen — innere Freiheit, Freiheit in der Beschränkung, Freiheit als Pflichterfüllung und Entsagung — und mit ihm habe sich über alle Arbeit ein Schimmer von dem Glanze der Heiligkeit ausgegossen. Indes, das Unzulängliche des wirklichen Lebens reicht an die Ideale der großen Neu- schöpser von Sitte urch Sittlichkeit niemals hinan, und die menschliche Natur verleugnet sich auch nicht unter der Herrschaft dieser Ideale — selbst wenn sich diese Herrsck)aft schon nahezu 2000 Jahre behauptet hat. Das Christentum hat die Stellung zur Arbeit in der Menschheit doch wohl nur theoretisch umgebildet. Zu tief lltzt im Menschen der Trieb nach Unterscheidung, etwas muß er haben, ans das er herabsehcn kann, und so kann er in der Welt die Arbeit nicht als gleichwertig gelten lassen, was der Natur der Sache nach gleichwertig ist. Gleichwertig ist? — Der Natur der Sache nach? — Sind wirklich alle die Tätigkeiten, die wir unter dem Sammelnamen „Arbeit" zusammenfaisen, der Natur der Sache nach gleichwertig? Sind wirklich keinerlei Qualitätsunterschiede zwischen der mechanischen Verrichtung des Fabrikarbeiters und der schöoftrischen Tätigkeit des Organisators, des Staatsmannes, des Gelehrten, des Künstlers? Wenn nich^ dann wäre, abgesehen von der geschichtlichen Zufälligkeit herrschender und gewesener Anschauungen, eine ungleiche und sehr mannigfaltig sich abstuscnde Wertschäyung der Arbeit doch am Platze? Und es müßte, im Interesse des Küitur- sortschrittes in der Gesellschaft, unsere ängstliche Sorge sein, diesa Unglcichheft als die stärkste Triebfeder menschlichen Strebcns auf- rechtzucrhaltcn? Fragen, die eine ganze Kette von Problemen nach sich ziehen! Wer möchte -edanvten, sic „lösen" zu können? Soviel scheint icstzustehen: die Mannigfaltigkeit der Begabungen und Talente liegt im Plane der Natur; die Mannigfaltigkeit der Begabungen und Talente ruft Leistungen hervor, die nicht nur gualitativ unterschieden sind, sondern auch bleibende und vielseitigere oder beschränktere Wirkung tun und endlich auch einen Hähern oder geringern Einsatz von Persönlichkeit erfordern — in jedem Betrocht also wertversck jeden sind,. so daß die Wert- untcrscheidung der Arbeit an und für sich „natürlich" wäre. Und in der Tat! Wer möchte nicht den .modernen Chiliastcntranm, der, um die Gleichheit aller mcnlchlichen Arbeit z» dokumontieren, den Minister der Zukunft INI Nebenamt die Reinigung der Straßen besorgen siebt, die Ausgeburt einer ebenso varbariich fühlenden wie unzweckmäßig schallenden Phantasie Hallen? Wer es für wünschenswert ansehen, daß zwischen der genial känst» Icrifcften Produktion oder der angestrengtesten und konzentriertesten Gchirnarbeit — und einem ebenso angestrengten Handlangerdienst keinerlei Unterschied mehr gemacht werde? Wie der Mensch nach Unterscheidung strebt, so sind die Menschen aus Unterscheidungen angelegt. So wird jede Arbeit ihren besonderen Grad von Än< sehen wohl immer behalten. Und immer wird cs auch wohl gewisse schmutzige Verrichtungen in der Gesellschast geben, die, ivcil sie niedrig find, auch erniedrigend sein werden, und die, je allgenieiner das Streben der Mensckum nicht nur nach der bcstentlohntcn, sondern auch nach der ausgesuchtesten Arbeit geht, von den wenigst aualisizierten Exemplaren der menschlichen Gattung, den Parias der Gesellschaft, de» „Stumpsesten", wie Nietzsche will, wird verrichtet werden müssen. Allein, dieses alles zugegeben, so ist damit doch nicht die gegenwärtige, an historischen Ueberlicferungen l-ängcnde soziale Wertschätzung her Arbeit, die auf eine Unterstützung der Handarbeit hinausläuft, gerechtsertigt. Es war kein geringerer als Goethe, der durch eines der Werke seines Alters das Evangelium von dem Wert und der Würde der handlichen Arbeit gegenüber der geistigen als vernehmliches Leitmotiv hindurchklingen ließ. Sollte nicht auch unserer von dem Ideal der „Geistesbildung" hypnotisierten Zeit ein solches Evangelium nottun? » — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Der zuständige Ausschuß der Zweite» Kammer in Dresden bewilligte für das neue Galeriegebäude eine Million Mark. ru 3 frage machen; Epirus soll in zwei Bezirke, Corritza und Argyrokastro, eingeleilt werden. Jeder Bezirk werde einen von der Bevölkerung gewählten Rat und einen von dem Fürsten ernannten Gouverneur erhalten. Der Gebrauch der griechischen Sprache im Verkehr zwischen dem Gouverneur und den Bewohnern werde gestaltet sein. Ferner werde jede Gemeinde das Recht haben, den Unterricht in griechischer Sprache erteilen zu lassen unter der Bedingung, daß die Kinder in den Volksschulen auch die albanische Sprache lernen. Der Sicherheitsdienst soll durch eine aus Epirus rekrutierte und von holländischen Instrukteuren ausgebildete Gendarmerie versehen werden. Wien, 8. Mai. Der Spezialkorrespoudent der „Neuen Freien Presse" meldet aus Tirana: Nach im hiesigen Hauptquartier eingetrossenen Depeschen sammeln sich Aufständische bei Herfek, südlich von Koritza, in einer starken Stellung siir den weiteren Vormarsch. Da Frascheri gefallen ist, droht ein neuer mit starken Kräften unternommener Angriff auf Koritza. Man hält die Einnahme der Stadt durch die Aufständischen für unmittelbar bevorstehend. Es macht den Eindruck, als wollten die Epiroten noch vorHeginnderVerhan dl ungen Erfolge erzielen, um ihre Ansprüche durch den Hinweis aus die Eroberungen unterstützen zu können. Es ist fraglich, ob die Verstärkungen noch vor dem Falle der Stadt dort eintreff^i können. Durazzo, 8. Mai. Nach einem bei der Regierung gestern abend eingelaufenen Telegramm hat gestern östlich von Koritza ein erbitterter Kampf zwischen Mauern und Aufständischen, die größtenteils ans griechischen Soldaten bestanden, stattgefunden. Die Albaner rückten siegreich vor. Ter Feind hatte 150 Tote. Eine Menge erbeuteter Uniformstnckc van griechischen Soldaten und viele griechische Osfizierssäbel wurden nach Koritza gebracht. Aeutzerungen des Grafen Berchtold. JnrAusschuß der österreichischen Delegation für auswärtige Angelegenheiten antwortete Graf Berchtold auf verschiedene Anfragen. Aus die Anfragen bezüglich Albaniens erklärte er, daß bereits vor und tvährend der Londoner Reunion ein vertraulicher Gedankenaustausch zwischen ihm und der italienischen Regierung bezüglich der Organisation verschiedener Zweige der Landesverwaltung Albaniens stattgefunden habe. Der K o n t r o ll a u s s chu ß habe auch bereits Entwürfe von Reglements vorgelegt, die der Genehmigung der Mächten n d der S a ii k t i o n des F ü r st e ii n o ch be - dürften. Tie Aussichten hinsichtlich der praktischen Einführung der staatlichen Organisation könnten nicht als ungünstig bezeichnet werden. Tie e P i r o t i s ch e n Unruhen bildeten derzeit eine ernste Sorge für das albanische Staats- wesen, doch erblicke er in den Verhandlungen zwischen dem Kontrollausschuft und Zographos einen Schritt zur Pazi sizierung des Landes. ES sei selbstverständlich, daß er die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen und sein Vorgehen einvernehmlich mit der italienischen Regierung den weiteren Vorgängen anpassen werde. Tie Delegierten, welche den Wert Albaniens für die Monarchie gering einschätzen, so fuhr Berchtold fort, übersehen vollkommen die große Bedeutung, die die gewiß mit vielen Unannehmlichkeiten verbundene albanische Politik Oesterreich-Ungarns einerseits und die Freiheit seiner maritimen Stellung, andererseits sür sein Verhältnis zu Italien und dadurch für den europäischen Frieden habe. » Die Lage in Mexiko. Mexiko City, 8. Mai. Das Auswärtige Amt hat sich bei den Friedensvermittlern beschwert, daß. die Amerikaner unter Verletzung des Wasfenstillstandes Truppen landen und andere militärische Vorbereitungen in Veraeruz treffen. Die Vermittler antworteten, daß sie sich mit Wilson darüber in Verbindung setzen würden. Die Belagerung von Mazatlan. W a s h i n g to n, 7. Mai. Kontreadmiral Howard bestätigt die Nachricht von dem Bombenwurf aus Mazatlan und fügt hinzu, daß er mir dem Kommandanten des deutschen Kreuzers „Nürnberg" gemeinsam eine Note an die Konstitutionalisten richtete, um aus die Abgrenzung der neutralen Zone für Nichtkom- battanten zu dringen. Eine Antwort habe er nicht empfangen, da der K a m p s s o r t d a u e r e. Der Admiral berichtet noch, daß in Manzanillo alles ruhig und für die Flüchtlinge gesorgt sei, denn der deutsche Konsul habe ihnen wacker Bei st and geleistet. Ein britischer Dampfer brachte die Flüchtlinge von San Blos nach Manzanillo. Er sei dort kaum angekommen, als er beschossen wurde. Jetzt sei er mit den Flüchtlingen auf dem Wege nach San Francisco zunächst nach Mazatlan abgegangen. Die Flüchtlinge aus Mexiko. Washington, 7. Mai. Das Staatsdepartement hat eine Meldung von dem brasilianischen Gesandten in Mexiko erhalten, daß drei Züge mit 500 bis 600 Flüchtlingen unter der brasilianischen Flagge nach Vcra - cruz abgegangen sind. Unter den Flüchtlingen befindet sich auch der amerikanische Dr. R y a n. Ter brasilianische Gesandte meldet ferner, daß die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs der Konstitutionalisten auf S a l t i l l o es unmöglich mache, die Anordnungen der mexikanischen Regierung zur Befreiung der dortigen Amerikaner auszusühren. Diese Meldung stimmt mit einem Bericht aus Durango überein, wonach sich die Vorhut der Konstitutio- nalisten aus dem Marsche zur Einnahme von Saltillo und Zacatecas befindet. Die Oclaucllcn bei Tampico. Washington, 7. Mai. Das Staatsdepartement erfährt, daß Huerta die Beamten des Bezirks von Tampico angewiesen habe, die Angestellten bei den Oelguellen zurück« kehren und die Arbeiten wieder ausnehmen zu lassen. Nach Meldung, welche dem Staatsdepartement zur Uebermittlung an die Interessenten zugegangen ist, werden die Oelguellen sorgfältig geschützt. _ Deutschs» Reich. D ie Vorlage über den Kleinwohnungsbau im Ausschuß. Ter Wohnungsausschuß des Reichstages trat am Freitag in die zweite Beratung des Gesetz- entwurses über Bürgschaften des Reiches zur Forderung des Baues von Kleinwohnungen für Reichs- und Militärbedienstete ein. Der Ausschuß hat den Geltungsbereich des Ge/etzeS und auch den Umfang der dafür vorgesehenen Mittel bekanntlich in der ersten Lesung wesentlich erweitert. Jnsolgedessen erklärte ein Regierungsvertreter, daß der Lindesrat deni Entwurse in der von der Kommission beschlossenen Form zurzeit nicht zustimmen könne. Der Ausschuß nahm darauf den Entwurf unverändert nach der Re- //»cnngsvorlage an, gleichzeitig aber auch eine Entschließung, die verlangt, daß später ein den Anträgen hur ersten Lesung entsprechender, über den Kreis der Reichs- und Militärbediensteten hinausgehender Fürsorge-Gesetzentwurf vorgelegt werde. Eine Eingabe des Großberliner Kleinwoh- nnngsvereins um .Herabsetzung des Decknngssonds der Lan- desversichcrungsanstalteii bei Bürgschaften wurde dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen; eine weitere Eingabe, betreffend die sparpflicht der Jugendlichen zur Förderung des Kleinwohnungsbaues, wurde zurückgestellt. Der Ent Wurf überdieGewähru ngvonBei- h i l f e ii an Altpensionäre u n d A l t h i n t e r b l i e - bene, der dem Reichstage zugegangen ist, bestimmt, daß den Altpensionäreu auf Antrag im Falle des Bedürfnisses eine Pensionsbeihilfe zu gewähren ist, die bei Pensionen bis zu 1500 Mk. 20 Prozent, von mehr als 1500 bis 8000 Mk. IS Prozent, bei mehr als 8000 Mt. 10 Prozent beträgt. Pension und Beihilfe dürfen zusammen nicht mehr als 6000 Mt. betragen. Den Althinterbliebenen ist ans An- trag eine Hinterbliebenciibeihilfe von 20 oder lo ober 10 Prozent des Witwen- und Waisengeloes zu gewähren, je nachdem dieses beträgt bei Witwen bis 600, bis 1200, über 1200, bei Vollwaisen 200, 400, über 400, bei Halbwaisen 120, 240, über 240 Mark. Witwengeld und Beihilfe dürfen nicht mehr als 2400 Mk., Waisengeld und Beihilfe nicht mehr als 800 Mk. (Volllvaisen) und 4M Mk. (Halbwaisen) betragen. Das Vorhandensein eines Bedürfnisses ist anzu- nehmen, wenn der Pensionär verheiratet oder Angehörige timst Gesetzes zu unterhalten Ijai und wenn sein jährliches Gesamteinkommen 3000 Mt. — bei Unterbeamten 1500 Mk. — nicht übersteigt. Durch die Beihilfen dürfen Altpensiouäre aber nicht besser gestellt werden wie die nach dem 1. April 1908 pensionierten Beamten. Das Inkrafttreten des Gesetzes ist offen gelassen worden, es dürfte sich nach dem Inkrafttreten der Bcjoldnngsnovelle richten. Ausdieaus Anlaß derVerhastungdes Abg. Abresch von d e in R e i ch s t a g s a b g. Tr. Müller- Meiningen gestellte Anfrage ist folgende schriftliche Antwort erteilt worden: Eine Klarstellung der Frage, ob die Jmunität der Mitglieder der einzelnen Lan- desvertretungen (abgesehen vom Falle des § 11 des R - Str.-G.) in sämtlichen Bundesstaaten anzuerkennen ist, würde nur im Wege der Reichsgesetzgebung unter entsprechender Aenderung des § 6 Abs. 2 Satz 1 des Einführungsgesetzes zur Str.-P.-O. vom 1. Februar 1877 (Reichsgesetzblatt Seite 346) herbeigesUhrt werden tönnen. Eine Aenderung der Vorschrift während der Verhandlungen über die Reform des Strasprozeßrechts ist von keiner Seite angeregt worden. Die Frage wird auch nur im Rahmen der tünstigen Reform des Strafprozesses gelost werden können, gez. Delbrück. Die Zweite Kammer des Badischen Landtages hat in ihrer Vormittagssitzung am Freitag den Antrag des Zentrums auf Aushebung der Forstabteilung an der T e ch n i s ch e n H o ch s ch u l e mit 37 gegen 25 Stimmen abgelehnt. Rnskanv. In der spanischen Kammer brachte der Marine- Tie Jahresversammlung der britischen Abteilung der Allgemeinen Vereinigung britischer und deutscher Kirchen zur Förderung freund- schastlicher Beziehungen der beiden Völker fand am Freitag nachmittag in London statt. Der Erzbischof von Eanlcrbur» führte de» Vorsitz. Unter den zahlreichen Anwesenden befanden sich Kardinal Bourne, der deutsche Botschafter Fürst Lichnowskn, der Bischof von Hercford, Lord Kannaird, Lord Reay, Gencralsuperintendent v. Lahusen-Berlin, Direktor Spiecker-Ber- liu u. a. Der Erzbischof von Cantcrbury nahm in einer Ansprache au> die Erfolge Bezug, die der Bewegung zuteil.geworden seien und erwähnte, daß die Allgemeine Kirchcnvereinigung in immer I'öbercm Maße Unterstützung fand und daß König Georg und Kaiser Wilhelm der Bewegung ihr Interesse entgcgeubrüchten. I). Lahnscn sagte, er empfinde ircudigst, daß die Mißverständnisse zwischen England und Deutschland aus dem Wege geräumt seien und daß beide Länder sich jetzt besser verstünden als je zuvor. M a r i n c b a u t c n Spaniens. In der spanischen Kammer brachte der Marinemimster einen Gesetzentwurf ein, der einen jährlichen Kredit von 36 Milt. Pesetas neun Jahre hindurch vorsieht. Diese Summe soll ausschließlich sür Marinebauten verwandt werden, um den spanischen Arsenalen dauernd Arbeit zu geben und die Entwickelung der Mariiieinbustrie zu gewährleisten, so daß ein Schtachtschiss, dessen Bau im Jahre 1917 begonnen werden soll, vollständig von der heimischen Industrie gebaut werden wird. Die Regierung wird zu gelegener Zeit die notwendigen Gesetzentwürse zur ununterbrochenen Entwickelung der Seeausrüstung einbringen. In dem Gesetzentwurf wird angekündigt, daß in den Jahren 1915, 1916 und 1917 folgende Arbeiten in den einheimischen Arsenalen ausgesührt werden sollen: l. Ein Schlacht- schiss, mit allen Kamvsmitteln ausgestattet, zum Preise von 70 Millionen^ wird auf Stapel gelegt, sobald das Schlachtschiff „Iaime I." vom Stapel gelaufen sein wird, und wird im Jahre 1917 vom Stapel laufen. 2. Im Jahre 1917 wird ein Schlachtschiff aus Stapel gelegt werden. 3. Ein Schnellkreuzer von 1000 Tonnen zum Preise von 4>/, Millionen wird im Jahre 1917 in Dienst gestellt werden müssen, 4. Ein ähnlicher Kreuzer ist bis 1917 vorgesehen. 5. Drei Unterseeboote zum Preise von je drei Millionen werden 1918 in Dienst gestellt werden müssen. Ein Kredit von einer Million wird offen gelassen, um den Bau von drei weiteren Unterseebooten zu beginnen. Ein Kredit von 14 Millionen wird dazu benutzt werden, die Arbeiten des Flottengesetzes von 1908 zu beenden. Verschiedene andere Kredite werden zu Anschaffungen von Ausrüstungsgegen- ständen benutzt werden, hauptsächlich zum Bau von zwei Docks sür das Arsenal in Ferrol. Der Arbeitsminister wird mit Be» schleunigung an^die Verlängerung des Schienenstranges von drei Häsen, die als Stützpunkte der Flotte dienen werden, Herangehen. Die Baltische- und W eiß e-M c c r - K o n f e re n z, die gegenwärtig in L o n d o n tagt, hat am Donnerstag die Entschlie ßnnq gefaßt, daß kriegführende Parteien von dem Rechte Gebrauch machen können, neutrale Schisse auszubringen oder aufzuhalten, welche „nichtneutraler" Dienste oder des Führens von Kontrebande verdächtig seien, ohne überhaupt eine entsprechende Entschädigung zu zahlen, wenn die Ausbringung oder Aufhaltung grundlos oder ungerechttcrligt gewesen ist. Die Entschließung betont ferner, daß die Enticheidungen der Prisengerichte einer Revision durch einen internationalen Gerichtsbof unlerworsen werden sollen, in welchem die kriegsührenden Mächte und die neutralen Mächte vcrtteten sein sollen. Au» Stadt und Land. Gießen, 9. Mai 1914. Der Frühling ^ckt an schönen warmen Tagen alt und jung hinaus in Flur unb Wal d, wo viele fröhliche Menschen sicht an den allen und dock rnrmer wieder neuen Reizen des Li-nzes ergötzen. Aber auch in der Tierwelt regt sich neues Licken. Die Finken und Slmseln lassen wieder ihren schönen Schlag erschallen, und die anderen ganger kehren nach und noch zurück, beziehen ihr altes Heim oder bauen ein neues. Dervargelockt durch die ersten tvarmen Sonnenstrahlen schwingt sich ein Schmetterling durch die Luft, int_ Grase zeigen sich Schnecken, und Käfer machen die ersten schüchternen Versuche, zu laufen und zu fliegen. In Gräben und Wasserlachen wird cs lebendig, cs wimmelt von jungen Fischen, Fröschen und Larven in allen Stadien und Großen. Besonders die liebe Jugend ist «8, die ein scharfts Axrgp für all diese Vorgänge hat. Da gilt cs denn, diesen Trieb zur Beobachtung und Verfolgung aller neuen Erscheinungen in die richttgenl Bahnen zu lenken. > Ist ein Junge sich selbst überlassen, so wird er in den allerscltcnsten Füllen die ihm' zu Gesichte kommenden Tiere vor- iiclrtig und mit Teilnahme beobachten, sondern die Tiere zu fassen oder nicdcrzuschlagcn versuchen, ohne jede llebcrlegnng, ohne Sinn und Perstand. Wie viele Roheiten und Quälereien koinmen dabei vor! Kein Schmetterling in den Lüften, kein Käser im Grase, kein Frosch am Ufer, keine Eidechse IM Graben, kein Wurm an der Erde, kein Ameisenhaufen ist sicher vor der Pcrfolgungs- und Zcrstörimgssucht der Kiiaben. Nun würde es in den meisten Fällen vollständig verkehrt sein, solche Unarten und Grausamkeiten ohne weiteres zu strafen. Man wird meist finden, daß die Kinder aus Unkenntnis und Gedankenlosigkeit handeln. Moralvrcdigtcn würden da auch wenig helfen. Man muß das Interesse der Kinder wecken, indem man sie, das Leben und Treiben der sogenannten niederen Tierwelt still zu beobachten, anleitct und ihnen die nötigen Erklärungen zu den gemachten Beobachtungen gibt. Auf einen Punkt soll aber noch ganz besonders hingewiescn werden. Tie meisten Verfolgungen haben die Tiere zu erdulden, die nach der landläufigen Meinung schädlich oder giftig sind, ohne es in Wirklickstoft zu sein. Wir haben ja nur ein aiftijesä' Tier, vor dem Ulan sich hüten und das man töten muß: ibic Kreuzotter. Von den weitaus meisten Menschen wird alles Getier, das auf dem Bauche kriecht, lsür schädlich und giftig gehalten und unbarmherzig verfolgt und erschlagen. Was besonders die Großstädter in ihrer anmaßenden Unfehlbarkeit an Unkenntnis in diesen Dingen leisten, ist geradezu haarsträubend: Blindschleichen werden zu Kreuzottern gemacht, und die nützliche. Kröte oder der schöne Izarmlosc Salamander für giftig und gefährlich erklärt. Der Unterricht in der Schule allein kann hier nicht zuni Ziele führen, wenn er nicht durch Anlcitting zur Beobachtung im Freien, ganz gleich ob von Lehrern oder Eltern oder ^sonst wem, unterstützt und fortgesetzt wird. Ist in den Kindern die Neigung zur Tierwelt geweckt, dann liegt eine andere Gefahr nahe: sie wollen sammeln, lebendig sür ein Aanarimn oder Terrarium, tot für Schmetterlings- und Käfersammlungen. Das darf unter keinen Umständen geduldet werden: es müßte denn unter sachkundiger s lussicht geschehen, so daß Grausamkeiten ausgeschlossen sind. Das unbeaufsichtigte Sammeln ist der Jugend unbedingt zu verbieten. Man sehe nur, wie die Jungen gedankenlos und grausam- Käfer, Raupen, Salamander u. a. m. in Flaschen, Dosen und Büchsen einsperrcn, diese fest schließen, so daß die Tiere selten lebend nach Hause gebracht werden. Und kommen sic wirUich lebend an, so fehlt oft jede Einrichtung für eine passende Unterkunft; das Jntereffe nimmt auch bald ab, und die Tierchen kommen langsam um. Schule, Familie und Tierschutzvereinc müssen zusammcnwir- kcn, um den Kindern begreiflich zu machen, wie unrecht es ist, Tiere zu peinigen, oder ihnen die Freiheit und das Leben zu nehmen. Daß durch eine rücksichtsvollere Betrachtung der Natur und iiienschlichcrc Behandlung der Tiere der Verrohung der Jugend wirksam entgegengcarbeitct werden kann, beweist die Tat- lacke, daß in England, wo der Tierschutz viel verbreiteter ist, seit Jahren die Sali der, jugendlichen Verbrecher stetig abnimmt. "Tageskalender sür Samstag, den 9., und Sonnkag, den 19. Mai: Rote Kreuz-Feier: Sonntag abend 8 Uhr in der Turnhalle. C a i 6 Ebel: Militärkonzert am Samstag abend. Liebigshöhe: Militärkonzert am Sonntag nachniittag 4'/, Uhr. Kreis-Obst- und Garten bau- Verein Gießen: Hauptversammlung Sonntag nachmittag 3'/, Uhr IN der Turnhalle in G r o ß e ii - L i ii d e n. Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung. O b c r h e I s i i ch e r K u n st o e r e i u. Tie Gemälde-Ausstellung ist täglich von 11—1 Uhr, Mittwochs von 3 bis 5 Uhr, und an Sonntagen von 11—3 Uhr geöffnet, OberbeilischeS Museum n n d G a i l' s ch e E a m m - ln »gen. Geöffnet Sonntag vormittags II—I Uhr nnentgeltlich, M n j e ii m für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von tt—1 Uhr unentgeltlich. Tie Anlogemusik findet bei gutem Wetter am Sonntag uormttlog II Ubr statt. Svielplan: I. Be-thooen-Onvertüre von E. Lassen; 2. Finale des 3. Aktes, Kriegsmarsch und Schlacht- Iltzinn« au? der Oper ,Cola-Rienzi' von R. Wagner; 3. Erinnerungen ans dem Militäi leben! Potpourri von H. Reckling; 4. Fehrbellincr Rciterniarsch stur Heroldsttompeteni von C. Henri»», * "Die Kreiskasse des Kreises Gießen schloß in der Rechnung des Jahres 1911, die jetzt geprüft worden ist, mit einer Gesamteinnahine von 671690 Mk. und einer Ausgabe von 655 686 Mk. ab, so daß ein Ueberschirß von 16 004 Mk. verbleibt. Die Gemeinden leisteten erneu Beitrag von 840 510 Mk. Ausgegeben wurden: sür Ban und Unterhaltung der Kreisstraßen 289 552 Mk., für Unterstützungen 106 662 Mk., als Beihilfen au Kriegsveteraneu 21130 Ml., als Beitrag an die Provinzialkasse 136 223 Mk. " Gewerbeausstellung Gießen 1914. Airs dem Gebiete der Gewerbeausstellung Gießen 1914, das durch das Entgegenkommen der Liebig-Gesellschaft ivesentlich erweitert werden konnte, werden zwei Wirtschaftsbetriebe eingerichtet werden, die dem Festwirt I. Kemper in Hagen übertragen worden sind. Der eine Betrieb wird in der vor der alten Ohrenklinik errichteten Wirtschaftshafte in Verbindung mit einem Cafe untcrgebracht, wo auch fteinere Gesellschaftszimmer eingerichtet werden. Der andere Betrieb wird auf dem hinter dem Kliniksgebäude gelegenen Gartengelände ausgesührt und in der Hauptsache als Bierwirtschaft eingerichtet. Neben den von der Aussteftnngsleitung veranstalteten regelmäßigen Konzerten usw. sind noch besondere Veranstaltungen vorgesehen, die jedenfalls eine große Anziehungskraft ausüben werden. " $ ie Wandergruppe der Jugendwehr unternimmt am Sonntag, den 17. Mai, Abfahrt 1.50 Uhr mittags mit der Biebertalbahn, einen Ausflug nach dem Tünsberg. Anmeldungen nimmt bis zum 13. Mai Rechts- anwalt Kaufmann, Landgrasenstraße 8, entgegen. Die Teilnehmer haben sich auf Lswaldsgarten um 1.30 Uhr zu versammeln. " Oberhessischer Kunst verein. Wegen verspäteten Eintrcssens der Gemälde lonnte die neue Ausstellung noch nicht eröffnet werden. Der größte Teil der zur Ausstellung gelangenden Kunstwerke ist erst am Freitag cingetroffen, so daß am Sonntag bestimmt die Eröffnung der Ausstellung erfolgt, welche wieder ganz hervorragende Werke bekannter Künstler auszuweisen hat. "Rote Kreuz-Feier. Das Programm der am 10. Mai, abends 8 Uhr, in der Turnhalle an Oswaldsgarten stattftndendcn Rotc-Kreuz-Fricr ist im heutigen Anzeigenteil abgedruckt: wir verweisen nochmals darauf. Vormittags von 11—12 Uhr ist ein Konzert der Regimcntskapelle in der Süd-Anlage vorgesehen. " Gottesdienst iiji Walde. Gottesdienste, die im Freien abgehalten werden, sind in unserer Gegend eine Seltenheit. Wo sie sich aber einmal erhalten haben, da hängt die Bevölkerung noch ganz an der alten Ucberllefrrung und schönen Sitte.aus früberen Zeiten. So ist cs wenigstens noch mit der Feier, die alljährlich am Himmelsahrttage in dem großen Walde zwischen Lich und Hattenrod, in dem „Merlbach" genannten Distrikt, veranstaltet wird. Mehrere Geistliche halten Ansprachen, und gemeinsame Gesänge schallen feierlich und weit durch den erhabenen Walddorn. Die Leute strömen aus der weiten Umgebung herber, besonders smd Bcffingcn, Münster, Ettingshausen, Hattenrod, Burkhardsfelden, Albach, weniaer sckw» Lich. vertreten. Der ganze Wald ist belebt: wer dein Gottesdienst unter freiem Himmel nicht beiwohnt, sucht Machlumen oder Waldmeister für den Pffngfttrairk. Es gibt in den genannten Ortschatten ältere Leutd, die schon von früher Jugend an jährlich „in die Meilbach gehen". Tic Himmelsahrtseicr ist für die hiesige Gegend ein schlichtes Volksfest, bei dem sich Freunde und Bekannte aus den verschiedensten Orten ein Stelldichein geben, Bei der diesjährigen Feier wird der Baseler Missionar Gscll sprechen, ** Neue Feuer wehrkapellc, Die neu gebildete Feuerweh rkapclle unter der Direktion Weiß hat sich in den freiwilligen Dienst der Gießener Freiwilligen Feuer- lvehr gestellt, so daß von nun an säintliche Hauptübungen der Freiwilligen Feuerwehr mit Musik stattsindcn, ** Toni — di e Bardame, Die 24jährige Bardame Antonie Beith aus Gießen soll einem Bargaste während einer nächtlichen Autofahrt mehrere Hundertmarkscheine entwendet haben. Als der Galan den Diebstahl entdeckte, war er so unliebenswürdig, die Beith anzuzeigen und so ihre Verhaftung zu veranlassen, ** Was alles in der Straßenbahn verloren wird. Die Fundzettel in der Frankfurter Straßenbahn-Karten- ansgobc bieten für den Külturhistoriker in dieser Beziehung eine schier unerschöpfliche Fundgrube, Schon der Säugling ilt vergeßlich, er verliert laut Fundzettel Lätzchen, Schühchen und sogar iitwn ei» Hemdchen, Dann kommt der Schüler mit einer recht erklecklichen Liste: Schulbücher in Mengen, Turnschuhe, Tornister, Mützen: der Musikschüler kehrt ohne Zither und Geige nach Hanse, der Ossi zier läßt Generalstabskarte und Feldstecher in vierfacher Auslage liegen: ferner ein Maurer acht Mauersteine, ein Fräulein ihre Zalmplombe: der Tapezierer els Rollen Tapeten, der Losehändler elf Pscrdelose, der Wandervogel den gefüllten Rucksack, Und dann die Fülle von Geldbörsen mit und ohne Inhalt, Schirmen, Stöcken, .Kleidern vom Schleier bis zun, Hemd, Dutzende vo» Hosen, Hüten, Mäntel», Aktentaschen, ein leibhaftiger Wagen, Notenständer usw. Es ist ein Vermögen, das auf den 12 Fundzetteln der jüngsten Zeit verzeichnet steht und täglich mehr anschwillt, '‘lotnims- Seit einigen Jahren wird im Großherzogtum ein schwunghaster Handel mit sogenannten Viehpul- vern und ähnlickwn Gcheimmitteln (Freß-, Mast-, straft-, Milch-Pulver u, dglst betrieben. Dies muß als ein die Interessen des Bauernstandes in hohem Grade schädigender Ucbclstand bezeichnet werden. Eine marktschreierische und wahrhcitswidrigc Reklame, mit der solche Mittel angepriesen werden, ist darauf berechnet und geeignet, die Landwirte irre zu jühren und sie zu veranlassen, Mittel zu lause», deren Wert und Wirkung in gar keinem Verhältnis stehen zu den dafür gezahlten Preisen, Da die in Betracht kommenden Mittel vielfach als Heilmittel gegen Tierkrankheitest angcpriesen und vrrttieben werden, kann dies leicht die bedenkliche Folge haben, daß deren Anwendung die sachgemäße und rechtzeitige Behandlung der erkrankten Tiere verzögert oder verhindert. Die Landwirte werden dcshdlb vor dem Ankauf dieser Geheimmittcl gewarnt, / Güterrechtsregister, Ludwig Forbach zweiter, Landtnirt zu Lollar, tmd dessen Ehefrau Anna Katharine geh, Jindt haben durch gerichtlichen Vertrag Gütertrennung vereinbart, ** Kleine Mitteilungen. Bürgermeister P l e i s in Lixscld hat nach 24jährigcr Tätigkeit sein Amt niedcrgelcgt. Au seiner Stelle wurde Hüttenarbeiter Hermann zum Oberhaupt gewählt. — Ein 40jähriger Mann erhängte sich im Stadtteil Niederrad zu Frankfurt: er nmrde rechtzeitig entdeckt, abgc- schnittcn und ins Leben zurückgerufen. Kaum stand er jedoch wieder aus den Füßen, als er sich sein Taschenmesser ttes in die Brust stieß. Die Rettungswache nahm sich nunmehr des hartnäckigen Selbstmordkandidaten an, — Ern seit einigen Tagen im W i n z e n- hcim vermißter Winzer wurde vvn einem Feldhüter erhängt ans- gciunden. Der 70jäh-rigc Mann zeigte in der letzten Zeit Anfälle von Schtvermut, *' Konkurse in Hessen. In dem Konkursverfahren über das Uecmöge» des Johann P reisig in Schornsheim ist zur Abnahme der Schlutzrechnung des PerwallerS, zur Erhebung von Einwendungen gegen das SchlußverzeickmiS der bei der Verteilung zn berücksichtigende» Forderungen der Schlußtermin a»I den 4. Inn, 1914, vormittags 11 Uhr, vor den, AmtSaericht Wörrstadt bestimmt worden. — Das bekannte Sanatorium Stolzenberg (bei Salmünster) K. m. b, £>. ist in Konkurs gerate», — Wie ans Frankfurt a, M, gemeldet wird, hat die S üd a m er ik an i s ch e Handelsgesellschaft m. b. H. den Konkurs äugen,cldet. Schon dis erste Prüfung ergab, daß sich eine Durchs,',brnng des Vcrlahrens nicht lohnt, da einer Konkursmasse von 150 000 Mark kann, einige tausend Mark Aktive» gegen,",verstehen. Das Ver- snhren wird deshalb jedensasts eingestellt. Schützet unsere Anlagen! ■*' , — f'- Landkreis Gießen. ? Eid), 7, Mai, Seinen 80. Geburtstag feierte am 5. Mai in voller körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische Lehrer ,, P, Wilhelm Jäger, Ueber 50 Jahre ivar der Jubilar, der 1853 das Friedberger Seminar verließ, im Schuldienste tätig, davon bis zu seiner Pensionierung über vier Jahrzchnte allein in Lich, Ein anerkannter Künstler ist der Jubilar auf der Orgel, die er als Greis noch ebenso bemeister»/ wie in seinen jungen Jahren, Er ließ es sich nicht nehmen, nachdem er als Lehrer bereits in den wohlverdienten Ruhestand qetreten war, das ihm so lange an- vettraute Amt des Organisten in der Marienstistskirche als Llcb- lingsbeschästignng Noch bis vor wenigen Jahren auszuüben. Und flzeute Tuxf) kann man den Nestor unter den hessischen Organisten an lzohen Festtagen noch manchmal sein Lieblingsinstrnmvnt nrcisterhast sviclen hören, Wilhelm Jäger war einst auch als Lehrer im Fürstlichen Dause tätig: auch die Großherzogin Eleonore ist damals seine Schülerin geivesen. Daneben Hot der Jubilar lange Jahre an der Präparandenanstalt als Musiklehrer gewirkt: viele hessische Lehrer haben Meist von ihm ihre erste gründliche musikalische Unterweisung erhalten. Wie groß die Verehrung und Achtung ist, die der beliebte Lehrerveteran heute noch genießt, zeigte sich bei seinem 80, Geburtstag, Aus allen Bevölkerungskreisen gingen ihm Glückwünsche zu, Abends brachten her Kirchen- gesangverein, dessen Gründer Und srüherer Leiter der Jubilar ist, und der Männergesangverein „Cäcilia" unter Leitung von Lehrer Zimmer ein Ständchen, wobn der Präschent des letzteren, Hch, Schmidt, die Verdienste und das segensreiche Wirken Wilhelm Jägers feierte, Seminaroberlehter Proiessor Lstc, Jäger lFricd- bergs, der Sohn des Jubilars, daickte für die erwiesenen Ehrungen, Kreis Schotten, n, Schotten, 8, Mai, Die diesjährige Zusammenkunft der Lehrer des Kreises Schotten sindet am 28, Mai unter denr Vorsitze des Kreisrats Dr, Merck in der Turnh«llc zu Schotten statt, „ Kreis Lauterbach, Die Mordtat in Crainfeld, -- C r a i n f e l d, 8, Mai, Tic Beerdigung der jetzt an ihren Verletzungen, wie gemeldet, ebenfakls gestorbenen 22jährigcn Lina Stein jand gestern nachmittag um 3 Uhr statt. Ein zahlreiches Traucrgesolgc gab der Toten das letzte Geleite, Besonders aus den umliegenden Orten waren zahlreiche Mädchen und Frauen nach Crainfeld gekommen. Die Trauerrede hielt Lbcrrabincr Dr, H i r s ch s c l d aus Gießen, der aus das Schreckliche der Bluttat hinwies und die Hoffnung anssprach, daß die übrigen Verletzten am Leben erhallen bleiben. In dem Befinden der übrigen vier Verletzten hat die eingelrclcne Besserung angchalten. Die jüngste Tochter S e l m a Stein ist gestern nachmittag aus dem Krankenhaus entlassen worden, Sic ist nicht nach Crainfeld zurückgckchrt, sondern hält sich in Sterbfritz bei Verwandten auf. Die Besserung int Befinden der beiden Söhne ist so sortqeschritten, daß sie in 14 Tagen bis 3 Wochen aus dcnl Krankenhaus entlassen werden können. Auch der Zu stand der am schwersten verletzlcn Ehefrau Stein hat sich bedeutend gebessert, so daß sür sie keine Lebensgefahr mehr besteht, * A Erainield, 8, Mai, Goldene Hochzeit feierte das Ehepaar G. Bär. Kreis Friedberg. L, Fr i ed b c r g, 8, Mai Ein Soldat vom 6. Ulanen Regiment wurde gestern polizeilich hierher gebracht. Er hatte sich Don seinem Truppenteil entfernt. Aus dem Geschäftszimmer des hiesigen Bataillons würbe er vernommen und dann unter Bedeckung von zwei llnteroffizieren nach Hanau verbracht, — Brandmeister Füller wurde einstimmig zum Kommandanten der freiwilligen Feuerwehr Friedberg-Fauerbach ernannt, Starkcnburg und Mcinheffen. Die Mainzer Stadtverordnetenwahlen, — M a i n z, 9, Mai, Nach dem endgültigen Wahlergebnis wird sich das Stadtverordnetenkollegium ziisammcnsctzcn aus 14 Sozialdemokraten, 10 Nationallibcralcn, 9 Zentrumsleuten, 8 alten Fortschrittlern und 7 neuen Fortschrittlern, Es erhielten Stimmen: Gewählt: Obcrpostassistent Mardner 12511: Landtagsabgcordneter Adelung 11608: Braucrcidirektor Geher 7338: Kaufmann Schneider 7024; Kaufmann Klober 6986: Arzt Dr, Sprenger 6961; Zei- lungscxpedient Zeeh 6933; Johann Weiß 6854; Chemiker Dr, Thilo 6975; Rechtsanwalt Dr, Mayer 6896: Parteisekretär Seel 6806; Kaufmann Bauer 6785: Kasfcchändlcr Christ 6783: Redakteur Schildbach 6765: Bankier Eduard Simon 6750; Weinhändler Berney 6714, — Nicht gewählt: Schreinermeister Schöntag 5769; Kaufmann Eis- maycr 5646; Bicrbrauercidircklor Dl, Jung 5653; Kaufmann Grünivald 5653; Kaufmann Wagner 5637; Tele- graphenarbeiler Franz 5583: Buchdruckereidircktor Will 5583: Fabrikant Mayer 5483; Arzt Dr, Lckisch 5476, Zersplittert waren 996 Stimmen; zwei Zettel waren unauffindbar, * e. Ossenbach, 8. Mai. Die Ochsen mctzger haben mit dem heutigen Tage entsprechend den niedrigen Viehpreisen einen Preisabschlag eintreten lassen. So kostet jetzt Ochsenfleisch 90 Pfg. (95), ohne Zugabe 1,20 Mk. (1,30), Kalbfleisch 90 Pfg. (1 Mk.), ohne Zugabe 1,40 Mk. (1,50). Die Preise für Hammelfleisch und Fett blieben wie bisher mit 1 Mk., vielmehr 60 Pfennig. Hessen-Nassau. h, Frankfurt, 9, Mai, (Drahtbcricht,) Der 64jährige Schreinermeister Jean Etting und seine gleichalterige Ehefrau im Vorort Bockenheim wurden heute vormittag in ihrer Wohnung durch Leuchtgas vergiftet aufgefunden, Alle Wiederbelebungsversuche waren vergebens. Anscheinend liegt ein Unglücksfall vor, Selbstmord erscheint insofern als ausgeschlossen, da es sich um Leute in sehr guten Vcrmögensverhältnissen handelt, h. Frankfurt a, M,, 8, Mai, Der Unterossizier Reis von der 8, Komipagnie des diesigen 81, Jnsanteric-Regi- Mcnts hatte über den Oberstleutnant v, B, ehrenrührige Dinge irrt Sinne des § 175 verbreitet. Er wurde wegen verleumderischer Beleidigung seines Vorgesetzten zu drei'Monaten Gefängnis verurteilt. In der Berufungsinstanz wurde er tedoch gestern vom Oberkriegsgericht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, Die gegen den Offizier gesühtte Untersuchung ergab nicht den leisesten Schatten einer Verfehlung, Der Offizier nahm sich die Sache aber derart zu Herzen, daß er gesundheitshalber seinen Abschied nahm, h, Usingen, 8, Mai, Auf dem hier abgehaltenen Kreistage für den Kreis Usingen teilte der kommissarische Landrar mit, daß der Eisenbahnminister über den Bau der geplanten Konkurrenz-Bahnlinien Usingen — Schmitten — Niedernhausen und Usingen — I d- stein noch keine endgültige Entscheidung getroffen hat, daß er aber dem gleichzeitigen Bau beider Strecken nicht zustimmen könne. Der Bahnbau wird dann sofort begonnen, um dem Weilbal die so lange ersehnte Bahnverbindung zu bringen, — Wiesbaden, 8, Mai, Das Ergebnis des W e h r - b c i t r a g s sür Wiesbaden wurde heute bekannt gegeben. Es beträgt 11 Millionen Mark, Das Einkommensteuer-Soll ist infolge des Generaloardons um 271 000 Mk, gegen das Vorjahr gestiegen und beträgt insgesamt 3 647 000 Mk. Vereinsnachrichten. — Heuchclbeim, 7. Mai Ter Iper vor kurzer Zeit gegründete „Wanderklub Hcnchelheim" hrelt im Gasthaus „Zum Schwamm" seine erste Versammlung ab, in der nebst anderen wichtigen Veroinsangelegenheiten auch schon das Monats-Programm sür Monat Mai besprochen und scstgelegt wurde. Dcrmifcbtc*. * Das verschluckte Medizinfläschchen, Prof, Vvn Höherer in Innsbruck berichtete in der dortigen Aerztegesell- fchast über einen eigenartigen Fall aus seiner Praxis, Ein 40iähriger Mann wurde eines Tags in die Klinik eingeliefert, der ein Fläschchen nfit Ovinm verschluckt hatte. Der Mann, der als Melancholcker bezeichnet wurde, mußte sich bereits in einer merkwürdigen Verfassung beftMden haben, da er angeblich das Fläschchen ans Wut berschlungen lmtte. Der Gegenstand war nicht so groß, daß man nicht hätte hoffen dürfen, ihn auf dem gewöhnlichen Wege wieder hinauszuschafsen, wenn nur nicht die Möglichkeit bestanden hätte, daß iich der nicht besonders feste Metallverfchluß lockern und so den verhängnisvollen Inhalt des Fläschchens srei- geben konnte. Eine tödliche Vergiftung wäre dann kaum zu vermeiden gewesen. Da auch das Röntgenbild den Fremdkörper in der Magengegend, wohl schon wester jm Darme befindlich, an- zeigte, so dielt sich Professor von Haderer für verpflichtet, eine Operation vorzunehmen. Der Eingriff ergab, daß das Fläschchen tatsächlich sckton am Anfang des Darmes lag, doch konnte es leicht wieder in den Magen zurückgestoßen tverdcn, da es dort weit leichter zu entscrnei! war. Nun wurde Pros, v, Haderer eine veinliche Ueberraschnng, zuteil, da sich herauSstellle, daß in dem Fläschchen keine Spur von Opium, sondern nur Magensaft enthalten war. Es wurde sofort eine gründliche Spülung verordnet, aber es bestand kein Zweifel medr, daß das Fläschchen leer gewesen war. Der Wutausbruch war also schwer bestraft, obgleich die Angehörigen bei ihrer Angabe jedenfalls nur in gutem Glauben gehandelt hatten. Die Heilung ging auch so rasch von statten, daß der PatieM einer Behandlung seines geifligeli Zustandes überwiesen werden konnte, die ohne Zweisei am nötigsten war, * In der Schule, Lehrer: „Nehmen wir an, daß ein Kutscher mit seinem Pferde acht Kilometer in der Stunde zurücklegt, und daß er einen Kilometer Vorspnmg einem andern Kutscher gibt, der nur sechs Kilometer in der Stunde machen kann Wo werden sie sich dann begegnen?" Schüler: „Jm ersten Wirts haus an der Straße, Herr Lehrer," Amtlicher Wetterbericht. Ocsfentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteranssichten in Heise» am Sonntag, den Ui. Mai 1914: Wechselnd bewölkt, meist trocken, nordivcsiliche Winde, nachts kühler. Letzte Nnebrichten. Vom preußischen Abgeordnetenhaus, Berlin, 8, Mai, Der BndgetanSschuß des Abgeordnetenhauses bewilligt? l>eute abend zunächst die im Etat des Finanzministeriums von der Eisenbahnvrrmaltung angesorder- ten Bettäge sür Dien st einkom menverbesser ung nach der besonderen Gesetzesvorlage, Die im Etat des Finanzministeriums angesordcrte Surnme sür Zuwendungen an Altpcnsionärc wurde ebenfalls genehmigt. Zu denk Zwist in der Deutschen Bücherei, Leipzig, 9, Mai, Dpt aus Buchhändlern, Bibliothekdi- rekloren und Hohen Verwattungsbeamten zusammengesetzte große Verwaltungsrat der Deutschen Bücherei tagte hier unter dem Vorsitz des Vorstehers des Börsenvercins der deutschen, Buchhändler, Geh, Rat S i eg ls mu n d-Berlin, im Bnchhändlcrhaus zu Leipzig, Direktor Wahl erklärte für sich und die akademischen Bibliothekare Lvckmann und Schmidt, er ziehe seine sowie Lockmanns tmd Schmidts ausgesprockienc Kündigung zurück, Ter Vorsitzende erklärte das Einverständnis des geschäftsführcndcn Ausschusses der Bücherei dazu, Johannistha l—F r e i b u r g. Johannist hat, 9, Mai, Heute früh 6 Uhr ist der Leutnant Bretzel mit dem Leutnant Wen t sch er als Begleiter zu einem Fernflug nach Freibnrg i, B, ansgestiegen, Weinpantscherei, Paris, 9, Mai, Wie aus Bordeaux gemeldet wird, soll dort ein Steuerinspektor verhaftet worden sein, der von einem der Weinpantscherei verdächtigten Weinhälchler 19 000 Franks verlangte und sich dafür erbot, die beanstandeten Weinproben durch eintvandsreic zu ersetzen. Das Erdbeben aus Sizilien, R o m, 9, Mai. Nach einer Meldung aus Catania werden in Nord-Sizilien neuerdings heilige Erdstöße wahrgeiiommen, besonders die Umgegend don Mangano soll lieimgesncht worden sein. Ein Eisenbahnzug mußte aus freier Strecke halten, da die Gleise aus etwa 700 Meter zerstört waren. In Linera und Santa V i e n e r in a sollen z a h l rei ch c M e n s ctzen umgekommen sein. he 'afer-ftockBii sind sür Gesunde und Kranke. 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