Nr. 100 Erscheint >«4>ich mit Ausnahme der Sonntags. 164. Jahrgang Die „Sietzener z»«iliei>dt»tter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krtisblatt fflr den Kttis «letzen" zweimal wöchentlich. Die „kandwirtlchaftlichen öeil fragen" erscheinen monatlich zweimal. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Cberhessen Donnerstag, 30. Älprtt 1»14 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts»Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Echul- straße 7. Expedition und Verlag: e^gSL Redaktion: e=g^ l 12. Tel.-2ldru AnzeigerGicßen. Mb. Deutscher Reichstag. 244. Sitzung, Mittwoch, den 22. April. Am Tische der BunivSratS: Falkephayn. Kirchner. Präsident Dr. Kacmps eröffnet die Sitzung um 2 Uhr LS Min. Der Ergänzungselal. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Lesung des neuen Ergänzungsetats. Er fordert u. a. ein Generalkonsulat für Albanien und ein Konsulat für Ucsküb. Ferner handelt es sich wieder um das viel umstrittene Grundstück, Berlin, Viktoriastr. 34. Das Grund- stück soll nun vom Reichsschatzamt an die Heeresverwaltung abgetreten und. entgegen den Wünschen der Linken des Reichstags, als Dicnstgebäude des Militärkabinetts hergerichtet werden. Kriegsminister v. Falkenhayn: Wenn ich jetzt schon, bevor die Kommissionsberatung begonnen hot, zu dem Ergänzungsetat das Wort ergreife, so geschiebt es. weil einer Position darin sowohl in diesem Hause, als auch im öffentlichen Leben draußen, eine Bedeutung beigemessen worden ist, die ihr meiner Ansicht nach nicht zukommt. (Sehr richtig! rechts.) Es handelt sich natürlich um die Verwendung des Grundstück § ®if ipt'.c ft r. 34 in Berlin, von der man behauptet hat, sie sei eine eminent politische Frage, während es sich nach meiner Ueberzeugung dabei in dem jetzigen Stadium der Angelegenheit um eine ganz nüchterne geschäftliche Sache handelt. Der Beschluß des Hauses, dieses Grundstück, falls es am 1. April dem Reiche aufgelassen sein -sollte, von dem Etat der Heeresverwaltung auf den des Reichsschatzamtcs zu übertragen, hatte die Sicherung der vollständig freien Verwendungsmöglichkeit für dieses Grundstück im Auge und hat sie erreicht. Die Auflassung ist mittlerweile erfolgt und das Grundstück in den Besitz des Reiches übergegangen. Die Regierung hat aber keinen Nutzen aus der freien Verwendungsmöglichkeit, die geschaffen war, ziehen können. Wenigstens hat mir der Reichsschatzsekretär mitgeteilt, daß er keine andere Verwendung für dieses Grundstück gefunden habe. Außerdem ist entgegen den, wie ich glaube auch in diesem Hause ausgesprochenen, Erwartungen, aber entsprechend meiner Voraussage, kein Angebot aus das Grund st ück erfolgt. Das ist nicht überraschend, denn jeder Dritte muß in den Kaufpreis die sehr erheblichen Kosten rechnen, die für die Entfernung oder für den Umbau der für einen besonderen Zweck hergestelltcn Gebäude auf dem Grundstück entstehen müßten. Dadurch würde die Sache zu teuer werden Die einzige Partei, bei der das nicht nötig ist, ist die Heeresverwaltung, wenn sie mit Genehmigung des Hauses das Grundstück der Bestimmung zuführen kann,, für die es vorbereitet ist. Mittlerweile habe ich mich überzeugt, daß es geradezu unverantwortlich wäre, die endgültige Entscheidung über das Grundstück noch ein Jahr hinauszuschieben; die Gebäude darauf würden einfach verrotten und verfallen. Schon diese einfache Darlegung zeigt überzeugend, daß die Regierung mit dieser Vorlage kommen mußte. Trotzdem ist behauptet worden, cs sei eine Beleidigung für den Reistag. (Zuruf bei den Soz.: Ist es auch!) — Sic bestätigen cs hier, ich werde gleich darauf zurückkommen — diese Vorschläge kämen einer Beleidigung des Hauses gleich und bedeuteten eine Machtprobe zwischen der Säbeldiktatur und dem Parlament. (Sehr richtigI bei den Soz.) M. H., wie man jetzt nach allem Vorangegangenen von einer Machtprobe, von einer Beleidigung des Hauses sprechen kann, ist mir schlechterdings unerfindlich, nachdem ich hier ganz offen und ehrlich den Fehler zugegeben habe, nachdem ich hier ebenso ofscn Ihnen jede Garantie, die überhaupt möglich war, gegeben habe, daß die Heeresverwaltung aus den bitteren Erfahrungen dieses Handels die nötige Lehre für die Zukunft ziehen wird, und nachdem ich die sehr herbe Pille für einen Verwaltungschef, die in der Regreßresolution und' der Ucberweisung des Grundstückes von meinem Etat auf einen anderen lag, ohne eine Miene zu verziehen, heruntergeschluckt habe. (Sehr gut! rechts und in der Mitte. Heiterkeit.) Hinsichtlich der Machtprobe gestatte ich mir, den Herren, die vorhin Sehr richtig! gerufen haben, zu bemerken, daß sie die sogenannten Säbeldiktatorcn doch etwas unterschätzen. Wenn cs der Heeresverwaltung auf eine Machtprobe mit dem Reichstage ankäme — davon ist übrigens keine Rede, und ich sehe auch keine Veranlassung dazu —, wenn cS darauf onkäme, dann würde sie sich ganz gewiß ein besseres Objekt dafür aussuchen als^ ein Grundstück in einer Nebenstraße von Berlin. (Sehr gut! und Heiterkeit.) Von einer Machtprobe ist keine Rede. Wenn Sie zu der Ueberzeugung kommen, daß Sie dem Vorschlag der Heeresverwaltung nicht zustimmen können, wird sie mit Haltung diesen Beschluß zu ertragen wissen. Für diese Vorlage ist nach meiner Ansicht nach ollem, was über die Angelegenheit gesprochen wurde, nur maßgebend der Gedanke, die wirtschaftlichen und dienstlichen Interesse n d e s R c i ch c §. Ick bitte, nochmals die Situation mit mir durchzugeben. Daß eine Behö'de wie das Militärkabinett notwendig irgend wie zweckdienlich und am rechten Platz untergcbracht werden muß, kann dock auch der nicht bestreiten, der gegen die geschäftliche Stellung des Militärkabinetts Einwendungen zu erheben hat. Es ist notorisch, daß das Militärkabinett jetzt in ganz unzulänglicher Wc'se untergebracht ist. Nicht etwa der Chef des Militärkabinetts, sondern das Bedürfnis ist hervorgetreten bei dem Unterpersonal und den Büros. Endlich wird doch niemand bestreiten, daß nach der ganzen Entwicklung dem Chef des Militärkabinetts eine Dienstwohnung zusieht. Ganz gewiß kann man das heute erst recht nicht tun. nachdem eben erst dem Chef des MarinckabinettS. der .eine Geschäfte unter genai^en- fclbcn Bedingungen versteht wie der Chef des MilitarkabmctMcin Dienitgebäude ztvei Straßen weiter gegeben worden ist. Dos ist die Situation auf der einen Seite, und auf der anderen Seite hat das Reich ein Grundstück in der Hand, das für die Zwecke des Militärkabinetts vorbereitet ist. Wie das Reich dazu gekommen ist, ist eine andere Frage, die ich heute nicht noch einmal zu erörtern brauche. Eine andere Verwendung für dieses Grundstück ist nicht vorhanden. Sonst fallen die Gebäude einfach zusammen. Wenn unter diesen Umständen nicht mit dieser Vorlage vor das Haus getreten wäre, so würde eS nicht nur unzweckmäßig, yicht nur unwirtschaftlich, sondern meiner Ueberzeugung nach auch unverständig und pflichtwidrig gehandelt haben. (Beifall rechts und in der Mitte.) Abg. Stücklcn (Soz.): Ist überhaupt der Versuch gemacht worden. datz Anwesen zu verkaufen? Welche Schritte hat man getane Diese Vorlage ist eine der unerhörte st en, die man dem Reichs-' tage je unterbreitet hat. (Beifall der Soz.) Vor vier Wochen beschloß der Reichstag, dem Militärlabinctt das Grundstück nicht zu geben. Und jetzt soll das Militärkabinett doch siegen! Die Militärverwaltung will ihre Macht dem Reichstag gegenüber durchsetzen. Es handelt sich nur um eine M a ch t f r a g e zwischen dem General v. Lyncker, dem Chef des Militärkabinetts. und dem Reichstag. Der Reichstag will nicht, daß das Mtlitärkabinett dort hineinkommt. Wir werden in der Budgetkommission die ganze Frage noch einmal aufrollen. Die Militärverwaltung rechnet auf die Uneinigkeit des Reichstags. Weil das Marinckabinctt ein neues Haus hat, soll das Militärkabinett auch eins haben? Das soll uns eine Warnung sein, wenn wieder Grundstücke bewilligt werden. Gleich melden sich andere Stellen, die auch neue Häuser beanspruchen. Wenn der Reichstag zum Schaden, den das Reich hat, nicht noch den Spott der ganzen Welt auf sich laden will, dann muß er verhüten, daß der General seine Villa bekommt, die den Steuerzahlern jährlich 100 000 Mark kostet. Abg. Licsching (Dp.): Eine fahrende Abteilung Feldartillerie soll nicht, wie beabsichtigt war, nach Zaber n verlegt werden. Die Stadt soll nun für die Unkosten, die sie bereits durch Vorbereitungen für die Unterbringung gehabt hat. entschädigt werden. Wir bitten um nähere Auskunft in der Kommission. Das Grundstück in der Viktoriastraße sollte entsprechend dem ausdrücklichen Wunsche des Reichstags nicht dem Militärkabinett überliefert werden. Das durfte unter keinen Umständen geschehen. Man soll doch mit dem Reichstag nicht spielen! Wenn wir jetzt zustimmen würden, so könnten wir keine Achtung mehr vor uns selber haben. (Sehr richtig! links.) Es wäre ein böser Präzedenzfall, der das Ansehen des Reichstags sehr schädigen würde. Das Budgetrecht des Reichstags würde dadurch verletzt werden. Der Ergänzungsetat geht dann an die B u d g e t - kommission. > Die Zmpfsrage. (Zweiter Tag.) Die Aussprache über die Petitionen und Resolutionen zu der Jmpffrage wird fortgesetzt. Abg. Thiele (Soz.): Gcheimrat Kirchner hat nach seinen gestrigen Ausführungen jedes Anrecht verloren, sich über den wüsten Ton seiner Gegner aufzuhaltcn. (Beifall der Soz.) Die Kirchnerschen Tabellen haben nichts bewiesen. Geheimrat Kirchner behauptete, die Mehrheit unserer Kommission unterstütze ein verdammens- wertcs Experiment. Er sollte doch seine Zunge besser im Zaume halten. (Sehr richtig! b. d. Soz.) Das Auftreten des Herrn Kirchner war ganz und gar nicht wissenschaftlich. Seinen Abgang verschönte er dadurch, daß er mit der Faust auf den Tisch schlug. Damit beweist man nichts. Die Verantwortung für unsere Beschlüsse tragen wir selbst, da braucht sich Herr Kirchner keinä Sorgen zu machen. Präsident des Reichsgesundheitsamts Summ: Das Reichsgcsundheitsamt ist der Anschauung, daß nach wie vor das Jmpfgesetz ein bewährtes Schutzmittel bietet, um die schreckliche Gefahr, die in früheren Zeiten die Pockenseuche über Land und Leute gebracht hat, zu verscheuchen und zu vermindern. Der polizeiliche Zwang, um die Impfung zu erreichen, ist nicht unberechtigt. Die Bundesregierungen müssen die Gesetze mit allen zu Gebote stehenden Mitteln durchführen, nicht nur mit den Mitteln des Reichsgesetzes, sondern auch der Landesgesetze. Das Reichsgesetz sagt über den polizeilichen Zwang gar nichts. Es schweigt sich vollständig aus. Deshalb können die Landesregierungen die Durchführung dieses Reichs- gejetzes erzwingen. Das preußische Oberverwaltungsgericht hat die Frage ernstlich geprüft. Es ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß in Preußen landesrechtlich die Anwendung von Zwang zur Durchführung der Impfung zulässig ist. Nun wird behauptet, daß das nicht die Absicht des Gesetzgebers gewesen wäre. Man hat sich dabei auf den Abgeordneten Lasker gestützt. Das genügt aber nicht, daß man sich auf die Meinungsäußerung eines einzelnen Abgeordneten beruft. Der Abg. Löwe war z. B. ganz anderer Ansicht. Ich gestehe zu, jeder Fall, bei dem ein solcher Zwang vorkommt, ist unerwünscht. Gerade diese Fälle führen den Jmpfgegnern die meisten Freunde zu. Daher müssen bi? Behörden, ehe sie zu einem solchen Mittel greifen, alle anderen erschöpft haben. Sie müssen alles versucht haben, um die Eltern freiwillig dazu zu bringen, die Kinder zur Impfung zu schicken. Sie müssen sic mit Vernunftgründen uberzeugen und ihr Vertrauen gewinnen. Das wird allerdings bei der Agitation der Jmpfgegner sehr erschwert. Nach einer Verordnung des Reichskanzlers von 1911 soll polizeilicher Zwang nur eintreten, wenn böswilliger Widerstand zu überwinden ist. Ueber jeden einzelnen derartigen Fall wird aus jedem Bundesstaat sofort eingehend Bericht erstattet. Der Vorwurf, daß die Aerzte jedes Kind leichtsinnig impfen, ist ganz hinfällig. Im Gegenteil, die Zahl der zurückgestellten Kinder nimmt ständig zu. Die W i e d e r i m p f u n g hat einen sehr großen Erfolg gehabt. Würden wir die Gewissensklausel einführen, sc würde die große Zahl der Nichtgeimpften eine eminente Gefahr für die ganze Bevölkerung bedeuten. Als England 1898 die Gewissensklausel einführte, haben sich im ersten Jahre 5,8 Prozent nicht impfen lasten. 1908 schon 18 Proz. und jetzt sind es etwa 40 Proz. Dabei hat England 1902 eine ganz erhebliche Pock enepidemie gehabt. Tritt in einer Stadt die Pockenepidemie auf, dann verschwinden sofort die Gewissensbedcnken und fast alle lassen sich impfen. (Abg. Thiele: Das geschieht aus Aberglaube!) Nein, das ist kein Aberglaube. Das habe ich 1906 in Metz selbst mitcrlebt. Dort haben sich die Einwohner fast ohne Widerstand impfen lassen und, als die damals herrschende Epidemie nach 14 Tagen verschwunden tvar, herrschte eitel Freude. Als besondere Autorität für öie Impfung erivähne ich Rudolf Virchow, der ja diesem Haus angehörte und den Uebergang Englands zur Gewissensklausel für unbegreiflich erklärt hat. Ich habe im Reichsgesundheitsrat fünf impfgegnerische Aerzte bei der Prüfung der Jmpffrage angehört. Die Herren werden Ihnen bestätigen, daß wir keinerlei Hemmnisse den Jmpfgegnern in den Weg gelegt haben. Wozu sollen wir denn eine neue eigene Kommission einsetzen, da es schon schwer wird, impfgegnerische Aerzte aufzufinden? In England hat eine eigene Kommission sieben Jahre lang beraten, und die Gegner sind auseinander gegangen, ohne zu einer Klärung gelangt zu sei«. Wüc sind jetzt daran, genaues Material zu sammeln. Warten Sie doch dieses Material ab, ehe Sie die Frage einer Kommissions-Einsetzung erörtern. Deshalb bitte ick Sie, die Anträge auf Einsetzung der Kommission und Einführung der Ge- wistcnsklauscl abzulchncn. Abg. Dr. Gerlach (Zentr.): Unzweifelhaft ist die Impfung ein geeignetes Mittel zur Bc^ kämpfung der Pockcnepidemien. Das weiß jeder, der eine solche Epidemie mitcrlebt hat. Es kommen wohl Todesfälle nach der Impfung vor. aber ein direkter Zusammenhang ist nur höchst selten erwiesen worden. Dagegen ist es Tatsache, daß die Pockencrkrankun» gen ganz erheblich abgcnommcn haben. Abg. Dr. Neumann-Hoscr (Vp.): In einem Punkte könnten wir einig sein: daß cs sich hier um eine eminent wissenschaftliche Frage handelt. Die Kommission hat mit ihrem Vorschläge eine bestimmte Stellung dazu eingenommen. Es ist unmöglich, daß der Reichstag so beschließt. Die Wissenschaft hat allein die Entscheidung. Jedenfalls sollte versucht werden, eine Beruhigung zu erzielen. Wenn weiter von beiden Seiten das schärfste Geschütz aufgefahren wird, so kommt sie nie zustande. Man soll die Streitenden an einen Kommissionstisch zusammen- setzen. Dann wird die Broschürenschreiberci aufhören. Majoritäten entscheiden die Frage nicht. Der Antrag der Kommistiov ist ganz unannehmbar und zwar nach allen Richtungen hin. Nur das Reichs, gesundheitsamt wäre iinstandc, eine sachliche Entscheidung z^. treffe«. Ich werde für den Antrag Arnstadt stimmen, der meiner Auffassung am nächsten kommt. Medizinaldircktor Dr. Kirchner: Das Jmpfgesetz ist seinerzeit mit einer Mehrheit von 133 gegen 119 Stimmen angenommen worden. Profcstor Ehrlich hat mir erklärt, daß er der lebhafte st e Freund der Schutzimpfung ist Herr Wcgner hat sich beschwert, daß ick seit drei Jahren auf seine Angriffe nicht geantwortet habe. Eine größere Reserve in bezug auf Druckerschwärze kann man sich wohl nicht auferlegen. Herr Thiele hat mir etwas untergelegt, was ick nicht gesagt habe. Ich bitte also, bester zuzuhören. (Unruhe bei den Soz.) In welchen Formen hat man drei Jahre lang Druckerschwärze gegen mich verwendet! Mit Leuten, die so verfahren, kann man nicht verhandeln. Sollte ich vielleicht ein zu scharfes Wort gebraucht haben, so tut es mir leid. Aber die Sache, die ich vertrete und zwar nicht mit halbem Herzen, ist recht und gerecht und Recht muß Recht bleiben! Abg. Graf Oppersdorfs (b. k. Fr.): Die Debatte steht unter dem Zeichen der Einseitigkeit. DA Agitation muß scheitern an der Tatsache, daß die Epidemien stark eingeschränkt sind. Gcheimrat Kirchner soll sich durch die Angriffe der Jmpfgegner nicht beiden lassen. Als der große Chirurg Bergmann einmal im Herrenhause für die Impfung ein-I getreten war, bekam er am nächsten Tage eine Zuschrift, die begann: „Sie Vieh!" Er hat sich vom richtigen Wege aber nicht abbringen lasten. Vizepräsident Dove teilt mit, daß eine sozialdemokratische Inter» pellation eingegangcn ist, die an den Reichskanzler die Anfrage richtet, ob er bereit sei, für Mecklenburg das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht einzuführen. Abg. Dr. Graf Posadowsky (b. k. P.): Die Anträge der Kommission müssen in weiten Kreisen Unruhe und Zweifel erregen. Der konservative Antrag ist nur ein taktischer Ausweg. Es ist unbedingt notwendig, daß d i e Negierung sich unzweifelhaft erklärt, ab sie entschlossen ist, an dem Jmpfgesetz entschieden fest^uhalten. (Zuruf: Ist ja schon geschehen!) Abg. Bernstein (Soz.): Auch in unserer Fraktion sind die Meinungen geteilt. Eine Minderheit ist gegen die Beschlüsse der Kommission. Abg. Dr. Pfeiffer (Zentr.): Sie haben ein Recht darauf, von dieser Debatte erschöpft zu sein. (Zustimmung.) Die Pockcnerkrankungen haben nur abgenommen, weil die allgemeine Hygiene zugenommen hat. An ein Z w a n g s g c s e tz hat man beim Erlaß des JmpfgesetzcS nicht gedacht. Die Herren vom Regierungstische haben nicht allein Recht. Sie sollten die anderen wenigstens hören. Ministerialdirektor Dr. Kirchner: Wir haben mit allen Gründen für den Impfzwang gesprochen. Herr Pfeiffer ist aber nicht bekehrt worden. So wird es auch in der Kommission sein. (Zurufe b. d. Soz.: Sie geben ja auch nicht nach!) Ein Antrag Ablaß (Vp.) will über die Resolutionen und Petitionen zur Tagesordnung übergehen. Damit schließt die Aussprache. Es wird abgestimmt. Der Antrag Arnstadk (Kons.), der diejenigen Petitionen zur Berücksichtigung überweisen will, die nur eine Kommission zur Prüfung der rechtlichen und wissenschaftlichen Grundlagen des Impfwesens fordern, wird angenommen. Die anderen Petitionen werden, ebenfalls nach dem Anträge Arnstadt, zur Erwägung überwiesen. Die Resolu tion Dr. Pfeiffer (Ztr.), die di e Einsetzung einer Kommission aus Jmpftreunden und Jmpfgegnern zur Klärung der Jmpffrage und Vorlegung ihres Materials in Form einer Denkschrift fordert, wird im Hammel- sprung unter allgemeiner großer Heiterkeit mit 119 gegen 119 Stimmen abgelehnt. Auch die Resolution Bock, die nur die Einsetzung einer Kommission fordert, wird abgelehnt. Das Haus vertagt sich. Donnerstag, 2 Uhr: Interpellation über die,mecklenburgische Verfassungsfrage, kleine Vorlagen.. Schluß 7 Uhr. Sin Notbuch des Grafen verchkoio. An dic Mitglieder der Delegationen ist am Dienstag nach einer Oienpester Depesclw ein von, Ministerium de» Aeußern vvr- getegtes Nördlich liber che Batkanpvlitik Oesbcrrrickxilngarns »er. teilt worden Das Notbuch enthält 926 diplomatische 'Aktenstücke aus der Zeit vom August 1.912 bis znm 6. November 1913. beginnt mit einer Zirkutardepcsche. ,vorin ein MeinungsauStamch über eventuelle geilte affame Tchrüle der Mächte bei chr Pforte und btn Ballanstaatcn angeregt »tri), um einer drohenden Störung des Friedens am Balkan vorzubcugen . ?1uS dieser und noch deutlicher aus dem folgenden Telegramm vom 14. September 1912 an den Geschäft»lväger >» Berlin erstellt, daß dem Wiener Kabinette das Bestehen der damals noch geheim .gehaltenen Verträge zwischen den Bai kan st aalen bekannt war, und daß cs, seiner bisherigen Politik getreu, nichts unversucht lassen ivvllte, um in enger Fühlungnahme mit den anderen Großmächten an der Erhaltung des Statusguo am Balkan mitzuwirken. Einen breite« Raum im Rotbuche nimmt Albanien ein, für dessen Schaffung Oesterreick-Ungarn und Italien unausgesetzt Hand i» Hand eintraten Sie vereinbarten das der Londoner Reunion vorgelegte albanische Statut, die Poricküäge über che Abgrenzung des neuen Staatsgebietes und taten am 23. Juni 1913 den ersten schritt am Bukarester Hose, der zur Wahl des Prinzen zu Wied führte. Weitere Aktenstücke zeigen, ivie sich das Wiener Kabinett genötigt sah, oft mil größtem Nachdruck seine Interessen Serbien und Montenegro gegenüber zu verteidigen, wo man mit der Uneinigkeit der Machte rcckmen zu können glaubte, bis die Monarchie endlich gezwungen war, am 18. Oktober 1913 die serbische Regierung den Ernst der Lage in unzweideutiger Weise erkennen zu lassen. In den Bulgarien betreffenden Aktenstücken ist betont, daß das Wiener Kabinett den r u m ä n i - scheu Wunsch nach einer Kvmoensativn für berechtigt halte und der Sofioter Negierung den Rat erteile, durch eine direkte Aussprache mit Bukarest die Grundlage zu einer dauernden Verständigung zu lege«. Das Rotbuch bringt dann eine Zusammenstellung von Schrist- stücken über Rumänien, die pssenbar dazu bestimmt ist, die schwankende und so viel angegriffene Politik des Grasen Berchtold gegenüber Rumänien zu rechtfertigen. Am 3. November 1912 wild dem Gesandten in Bukarest aufgetragen, dem König Karat zu erklären, daß Oesterreich Ungarn bereit sei, den rumänischen Komrensationsansprüchen seine Unterstützung zu leisten Zum Beweis der Rumänien betreffs seiner KompensalionSanspcüche gewährten diplomatischen Unterstützung werden noch, eine Instruktion vom 21. März 1913 bezüglich des Eintretens für die 'Abtretung silistrias sowie Telegramme vom 23. Juni 1913 an die Gesandten in Athen und Belgrad in Angelegenheit der Bukarcstrr Friedenscerhandlungen angeführt. Zur Frage der Revision des Bukarester Friedens wird in einem offiziösen Auszug aus dem Rotbuch gesagt: Der Gedankenaustausch zwischen den Kabinetten über die Anwendung des Grundsatzes des Rc- visionsrechtes der Mächte fuhrt, wie aus einem Telegramm des Grasen Thurn vom 11. August 1913 zu ersehen ist, zu einer freundschaftlichen Aussprache zwischen dem Wiener und dem Petersburger Auswättigen Amte, dic in ihren Auffassungen über den Bukarester Frieden vielfach übereinstimmcii. In einem Telegramm Vom 16. .August 1913 reproduziert der Botschaster Grat Thur» eine Aeußerung des Herrn sasonow, die dahin lautet, der Minister konstatiere mit Befriedigung die in der letzten Balkan- Phase zutage getretene Solidarität der Auffassungen beider Kabinette und meine, eck wäre im Interesse der beiden Nachbor- nionarchien gelegen, wie bisher, in einem Gedankenaustausche über die schwebenden Fragen zu bleiben, um gemeinsam an der Erhaltung des Friedens am Balkan zu arbeiten. Aus Sen Reichstagsausfchüffen. :: Berlin, 29. April. Die Auswärtige Politik im BndgetauSschutz. Der Budgctausschnß des Reichstages setzte heute die Erörterung der auswärtigen Politik iort. Zunächst unterhielt inan sich über Einzelsragen der Batkanpolitik, unseres Verhältnisses zu Rußland und England. Der Berichterstatter, Abg. Nassermann, ersuchte dann um Auskunft über dic mexikanischen Wirren und über die Betätigung der deutschen Regie rung. Er fragte ferner, inwieweit die Nachrichten zutrcsscn, daß die mexikanische Revolution im Zusammenhang mit Unternehmungen großer Erdölgcsellschastcn stehe. Tie mexikanischen Wirren brächten den deutschen Interessen Verluste von Hunderten von Millionen Mark, außerdem bestehe große Gefahr für das Leben von Deutschen in Mexiko. Auskunft wäre auch zu wünschen über den Fall des deutschen Dampfers „Bpiranga". Dic Behandlung dieses Tamviers steht doch zum mindesten im scharfe» Widerspruch zu der ungehinderten amerikanischen Waffeneinfuhr sür die Rebellen. Der Staatssekretär gab einen kurzen Ueberblick über die Vorgeschichte des jetzigen Konftikis. Tie deutsche Regierung habe da, wo cs angezeigt war. vö»r sichtig vermittelnd gewirkt, sich jedoch im wesentlichen «us den Schutz der deutschen Interessen beschränken müssen. Zum Schutzdicnst sind zwei kleine Kreuzer, „Nürnberg" nach der Westküste und „Dresden" nach der Onknste entsandt worden. Ter Gesandte in Mexiko sei ermächtigt, den Bedüritiqen durch Gewährung von Borichüffen und Beihilfen, zum Verlassen des Landes behilflich zu sein. Den im Innern des Landes lebenden Deutschen sei geraten worden, sich in die Hasen-, Plätze zu begeben und eventuell das Land z» verlaisen. Dic Aktion der großen südamcrikanischen Republiken habe Deutschland in Mexiko unterstützt. Ter Erfolg dieser Aktion wird aber vielfach skeptisch beurteilt. Die Behauptung, daß Erd- ölinteresscitten ihre Hand sm Spiele haben, vermöge er aus ihre Richtigkeit nicht nachzuprüien. Bon dem Tampser „Bpiranga" habe der amerikanische Kommandant zunächst verlangt, daß er mit den Waffen, im Hafen bleibe. Die amerikanische Regierung habe das aber sofort korrigiert, und der Kommandant hat sich entschuld digt. Die amcrikmffsche Regierung habe ihre Wünsche dahin sest- gelegt. daß der Tampser die Waffen enkweder NN Bord behalten oder sie in der von den Amerikanern besetzten Zollstüttc entladen möge. Die Hamburg-Amerika-Linie hat darauf die Weisung erteilt. daß das Kriegsmaterial, das übrigens zum großen Teil amerikanischer Herkunft sei, von dem Dampfer zurückbeiördert werden solle. Bezüglich der Zukunft Mexikos bemerkte der Staalsselretär, daß nach den Erklärungen des Präsidenten Wilson nichts gegen die Ilnabbängigkeit des Landes unternommen werden soll. Tie Haltung Deutschlands müsse neutral sein. Tic Beantwortung der Frage eines Zentrumsabgcordneten über die Haltung der deutschen Regierung, ialls die Unabhängigkeit Mexikos bedroht würde, lehnte der Staatssekretär ab. Ter Berichterstatter ersuchte iveiter um Auskunsl über dic Lage in Marokko. Tie Unttnverffiug Maroklos icheine im Nteientlichen vollendet zu sei». Wie hat sich der deutsche Hon dcl unter den neuen Bcrbältnffsen entwickelt? sind Behinderungen des deutschen Handels cingetretcn? Wie stcbt es mit dem Ausbau des HasenS von Tanger? Der Zustand der meisten marvk, kanifchen Häsen scheine sehr schlecht zu sein: insbesondere klage das Berffcherungsgewerbe darüber, sind die deutschen Interessen bei dem nun in Kraft getretenen Minenreglcment gewahrt worden ? Die Minenabgaben seien offenbar viel zu hoch. Warum konnte das Eingehen der Niederlassung der Orientbank nicht verhindert werden? Warum ist das schutzgeiuch Raiiulis abgelehnt tvorden? Der II nter ft aatssekrctär Zimmer mann erividertc, die handclsvolilffchc Lage in Marokko enttvickle sich besriedigend. Tic Annahnck, daß Frankreich bereits die Ruhe im Lande so wen hergcstellt habe, daß cs als Protcktionsmacht über dic Marokkaner zum Zwecke der Truvvenaushebung verfügen könne, teile er nicht. Für die baldige Ocsfnung des Häsens Agadir trete die deutsche Regierung ein, doch sei nach amtlichen sranzösischen Mit teilungen noch nicht an die Oessnung zu denken, da die Unsichcr- 7,eit noch zu groß und dic zur Beriügung stehende Truppenmacht im Süden zlur Beruhigung des Landes zu gering sei. Für den Bau des Hafens von Tanger werde jetzt daß Lastcnheft ausgearbeitet. Eine Reihe anderer va,en harrten der Berbesscrung. Unsere Interessenten seien selber tättg, die Möglichkeiten für die deutsche S ch i s s a h r t zu erleichtern. Daß die Deutsche Orientbank ihre Niederlassungen in Marokko ausgegeben hat, bedauere die deutsche Regierung lebhaft. Es stehe zu hoffen, daß >vtr mit Hilfe einer anderen Bank wieder zu einer deutschen Bankvcrtretung in Marokko kommen. Der- llnterstaatssekretär äußert sich »och kurz über die Gründe, loeshalb die deutsche Regierung Raisuli nicht in das öeuffchc Schutzverbältnis ausgenonimen hat. Es sei nackgetviesen, daß Rafful, in der spanischen tsone Uirruhen angezettrlt habe. Ein Nationollibcralcr besprach die bisherigen Erfolge der Franzosen in der militärischen Heranbildung der Marokkaner, insbesondere in der Ausbildung von marokkanisckter stiei- lcrei. Die früher geäußerten Befürckstungrn seien im vollen Maszc eingctrosscn, wie auch aus der anderen Seite sich die Belürch- tungen über dic Gefährdung des Ko n g o g c b iet c s durch die Schlaskrankheit bewahrheitet htrben. Der llnterstaatssekretär bemerkte, daß nach Aussage von Männern, die Ncukamerun aus eigener Anschauung kennen, die Schlafkrankheit dort nicht so gefährlich allstrete, wie, behauptet sei. Der neue Erwerb entspreche nach ihrem Urteil dem besten Teil von Altkamcrun und man müsse die Auffassung zurückweisen, als ob wir mit dieirm Erwerb ein schlechtes Geichäit gemacht hätten. Bezüglich der Fremdenlegion sei mit Frankreich eine Verständigung erfolgt, daß M i n d e r s ä h r i g e, unter 20 Jahre alte Deutsche, die sich baben anwerben lassen, sretge- geben werben könne». Der Werbetätigkeit in Deutschland müsse gesteuert werden. Dic Wirkung öffentlicher Warnung vor der Fremdenlegion sei zweiselhast. Viel mehr könne die Familie und die Schule wirken. „ Ucber die Lage in China äußerte lich der Unterstaats- sekretär im Sinne seiner früheren Ausführungen. In der Frage der Konzeffionserwerbung sei cs richtig, daß Belgien sich besonders erhebliche Kvnzeslionen in der Mongolei gesichert habe. Es bleibe aber dahingestellt, 00 es sich dabei um belgisckzes Kapital) handelt, sodann lwt dic französische Banguc Industrielle de Chine für emc Anleihe von 150 Millionen sich wichtige Lotvcrlräge zu Eisenbahn- und .hasenkvnzessionen verschafft. Es sei bedauerlich, daß die deutsche Finanz sich zurückhält. Die Konzessionen, dic Deutschland aus Grund des alten Tsingtau-Vertrages erworben hat, seien befriedigend gesichert. Dem Ausbau des Konsulatwcsens Iverdc volle Aufmerffamkeit ,»gewandt. Deutschland stellt unter den ausländischen Beratern der chinesischen Regierung eine sehr erhebliche Zahl, im Militättvesen den Masor Kinkel- maiin, für die öffentlichen 'Arbeiten den .Geheimrat Bauer, für dic Salzverwaltung di« Herren v. Sttauch und Dr. Mohr, für die Finanzen den Bankdirektor Arnold: scrncr werden gestellt zwei Hauptlcute als Jnstruktionsvssiziere, mehrere Lchrer beim Unterrichtsdepartement und der Landesgeologe Dr. Solzer beim Handelsministerium. Ein, Konservativer bedauerte den Niedergang des deutschen Einflusses in China: er hätte gclvünscht, daß die bei den Dantpsersubrentioncn in Aussicht genommenen Ersparnisse anderweit für die Verbreitung des deutschen Einflusses in China zur Verwendung gelangten. Daraus wurden die Verhandlungen abgebrochen Der Leuchtiilausschuß nahm l>eute »ach längerer Pause seine Beratung wieder aus. Es sollte die dritte Lesung beginnen. Dazu liegen zivei 'Äuttägc vor, der bekannte Ko n t i n g e n t i c r u n g s a n t r a g dksZcu- trums und ein 'Antrag des Berichterstatters, Tr. v. Schulze- Gaevernitz lVp.ß der die Uebertragung der vom Reiche in Anspruch genommenen Befugnisse an Dritte auf einen Zeittaum von höchstens zwanzig Jahren (statt 30, hcrabsetzt und ausführliche Bestimmungen für die Reichsleuchtölgesellschast trifft. Es entspann sich eine kurze GeschÄtSordnungÄwbottc. Da der Berichterstatter an der Sitzung nicht teilnehnien konnte, wurde Vertagung beschlossen. Der Ausschuß für Haufierhandel und Wanderlüger setzte seine Beratungen bei dem Anträge des Zentrums fort, den Hausierhandel von der Bcdürsnissragc abhängig zu machen. Tic Regierungen erklärten dazu, daß sie dem Anträge aus ior mellcn und sachlichen Gründen nicht zustinimen könnten. Es sollen aber weitere Untersuchungen über dic Bedüxfnisfrage eingelettet werden. Zwei Sozialdemokraten und ein Fortschritt- l e r sprachen sich gegen den 'Antrag aus. Tic Vertreter der N a - tionallibcraten und der Konservativen erklärten, daß der Zentrumsantrag gescstgcberisckle und verwaltungSrechtlichc Schwic rigkciten biete, daß er auch nicht genügende Rücksicht nehme auf den berechtigten Hausierhandel, und daß cs an ausreichendem statistischen und volkswirtschaftlichen Material zur Beurteilung der Ttreitsrage schle. Nach weiterer Beratung lvurden die Verhandlungen abgebrochen. Landcrpolizeilicher Prüfungstermin der Straßenbahn Sietzen-ttrofdorf. th. Gießen, 29. April. Gestern nachmittag fand im 'Bürgermeistcreigebäude im Stadt- verordnelen-Sitznngssaal der landcspolizeiliche Prüft,ngstermin für das Projekt einer Straßenbahn von Gießen nach Kroidors statt, soweit cs sich um dic Linienführung bis an die hessisch-vreu- ßischc Grenze handelt. Dic Verhandlungen wnrden ftlr das Krcis- amr von, Rcgicrungsrat Langermann geleitet. Als Vertreter des Ministeriums, Abteilung sür Finanzen, war der Baurat Kn a v p - Tarmstadt erschienen. Ferner waren im Termine vextrcten die Eisenbahn-Direktion Franks,,ri a. M. durch Ober baurat Rügcnbcrg, die Ober-Postdircktiou Tarmstadt durch Ober-Postriffpektor Beutler, die Bieberlalbahn durch den Direktor Dr. Dreweß, dic Kultur-Inspektion durch Kultur Ingenieur M e u n i c r , die Stadt Gießen durch Oberbürgermeister Keller, Direktor St ölte und Sladtbaumcister Braubach, ferner das Kreisamr durch Bauinspektor Hechler »ich das Polizeiamt durch Regierungsrat Gebhardt. Außerdem ivaren Stadtverordneter Heinrich W i n n und Kaufmann Gabri e l erschienen. Das in Plänen vorliegetide Projekt, welches der Vorsitzende Regier,ingsrat Langer mann zur Einsichtnahme cmp- ftehlt, lag aut Tischen aus: cs sieht eine Linienführung von der Ecke Bahnhosstraße—Neustadt durch die Neustadt über die Lahnbrücke, die Rodlikinicr Straße cinbicqend neben der Hardt- Altee bis zur Hardt, dann rechts um den Hardtberg, bis zur Landesgrenze vor Dcr Vertreter ins Ministeriums, Baurat Knapp, bemerkt, daß er Eintvendungen gegen das vorliegende Projekt nicht zu machen habe. Oberbürgermeister Keller üvergibt einen bei ihm eingegangenen Einspruch des Stadtv. W i n n , der vom Regierungsrat Langermann zur Verlesung gebracht wird. Darin weist Herr W,n„ daraut tun, daß ler schon in der Stadtverordnete,wersammlung Widerspruch gegen die Linienführung der Bahn erhoben hot. er habe dem Wcheripruch die gleiche Begründung gegeben, wie er sie heute mache. Es sei zu beanstanden, daß dic Baku von der 'Neustadt durch die llntersübrung der M a i n - W c se r b a d i, lausen soll, loctche ein Profil von 4,85 m habe. Diese Untcrsührung genüge schon jetzt dem Verkehr nicht mehr: durch das zahlreiche Fuhrwerk, das dort verkehre, seien schon öfters Unsällc veranlaßt worden, (tzeradezn gesährlicl, sei der heutige Zustand an Markttagen, wo der Verkehr nur mit "Utzerster Vorsicht sich gbiprelen könne. Durch eine Straßen- bahnftihrung an jener Stelle würden die G e s a h r e n sür den Verkehr noch erheblich vermehrt, so daß die Bichörde nicht ruhig abwarten könne, bis cs zu spät sei. Auch au, der Lahn- brücke bestehe schon ,etzt eu, sehr reger Fuhrwerksoeriehr und die die Brücke überfahrenden schwere» Lastsuhrwerke tönnten ichon ictzt der Biebertalbahn nur mit großer Mühe ausnnnchen. besonders fei dies der Fall, >penn die Fuhrwerke sich aus der Brücke begegrien. Mit einer Straßenbahn über diese Brücke würde der Fuhrwerksverkcbr noch mehr beengt und erschwert werden. An der stiodheimer Straße sei vorgesehen, daß das rechte Bankett um etwa 1,11 m verschmälert werden soll. In Rücksicht aut den starken Fußgängerverkehr ist diese geplante Maßnahme unmöglich. Schließlich würde die vorgesehene Verlegung der Biebcr- talbohtt um 1,05 m mit großen Lchwicrigleilen und Köllen lur die Stadt Gießen verknüpft sein. Oberbürgermeister Keller erklärt, er habe den Einspruch Winns erst kurz vor der Versammlung erlmlten, so daß cs un- möglich gewesen sei, in eine Prüf,mg der berührten tcchuischeu Fragen einzutrctcn, er müsse sich seine Erklärungen Vorbehalten Rcgicrungsrat Gebhardt hält die Fahrbahn der Brück, für breit genug, um noch eine Straßenbahn darüber zu jührcu. D,c llnterftihrung an der Neustadt sei allerdings etwas schmal, es se, »ach seiner Ansich! aber doch nicht unmöglich, mil einer Straßenbahn durchzukommen. Es gäbe in der Stadt gefährlichere Stellen ftir den chlgenieffien Verkehr, wo dic Straßenbahn durch- sährt, die Lenker der Fuhüverke inüsscn eben vorsichtig sein. Er sagt aber als Vertreter des Polizeiamtcs zu, dic vorgr- bcachten Bedcnkem zu vrüfen. August Gabriel bemerkt, daß auch er der Ansicht sei, daß der Viadukt au der Neustadt bei dem jetzt schon starken Verkehr sür eine Straßenbahn keinen Raum mehr bietet, aber die größte Gefahr bringe sür den Verkehr auf der Lahnbrücke und aus der Rodhcimer Straße das Neben ei nandcrgehen der Bieberbahn und der Straßenbahn. Tie Ausführung der vrojekticrten Linienführung sei undenkbar. Er verweist daraus, daß täglich 10 Züge nach Rodheim und 10 Züge von Rodheim die Strecke passieren, hierzu kommt der gewaltige Verkehr von Slutomobften und Lastwagen. Will man die Straße nach Rodheim sür eine Straßenbahn benutzen, so könne dies nur unter Benutzung der Sch icnendcrBicbcrtatbahn geschehen, zu denen eine dritte Schiene eingebaut werden kann, oder der Staat oder dic Stadt m ü s s e d i e B i e b e t ta l b a h „ k a „ s e n. Mit der Linienftihrung bis zur Hardt ist Herr Gabriel einverstanden, die weitere Strecke um die Hardt herum durch das Ncustädter Feld nach Krofdorf ist nach Vlnsicht des Redners falsch. Tie Strecke müßte vor der Hardt links am Hardtberg entlang nach H c u ch e l h e i m , von dort am Windhos votbei bis Slbendstern führe» und dort sür den Güterverkehr an dic Staatsbahn anschliefjen, dann aber von Abend- stern nach Kroidors weiter gehen. E8 sei dies, wie Gabriel behauptet, der kürzere Weg und man könne dann auch bis Rodheim eine Verbindung Herstellen, wodurch das Hinterlandbahn-Projckt gefördert und zum Teil schon verwirklicht werde. Obcrbaurat Rügcnbcrg setzt voraus, daß die Stadt ffffcßen wenn sic die Bahn „nter der Unterführung an der Neustadt durchführt, vorher um die Genehmigung der Eisenbahnbc- Hörde nachsucht. Die Liniensühruug, dic von Herrn Gcchricl vorgeschlagen sei, über Heuchelbeim—Ätzendster» würde niemals die Genehmigung erhalten, da die Nsieber t a l b a h n , weiche dic Konzession habe, dadurch geschädigt würde. Ganz ohne Aussicht aber sei cuie Beförderung von Gütern zwischen (ffikßen und Abendstern. Regseriiiigsrat Langermann bemerkt, daß es nicht die Aufgabe der Verhandlungen ist, neue Projekte entgegenzunchmcn und deren Aussübrbarkeft zu prüsen, man habe sich allein nrit dem Projekt, welches vorlikge, zu beschäftigen und gegebencnsalls Einwendungen, die sich dagegen richten, entgegenzunehmcn. Der Vertreter des Ministeriums, Baurat Knapp, erklärt, daß ihm die oorgeiragenen Bedenken gegen die Liniensührung über die Lalmbrücke und die Rodheinier Straße inimerhin bcachtcns- wen erscheinen, er verweise atn'e daraus, daß es ähnliche schwierige Verkehrsprobleme in den Großstädten ebenfalls gebe, man aber trotzdem dott Straßenbahnen baue, und daß sich der Verkehr bei einiger Vorsicht ganz ungesährtich nachher gestaltet. Man müsse natürlich das hier Vorgetragene eingehend prüfen. Er bitte um flngaben, wie stark der Verkehr über die Brücke und durch den Durchlaß der Main-Weierbahn eigentlich sei. Der Vertreter des Polizeiamts verspricht, den Verkehr, wie er sich tatsächlich ergeben wird, sesfftellcn zu lassen, er »erweist aber daraus, daß es innerhalb der Stadt viel gefährlichere Stellen für den Verkehr glitzt und daß trotzdem dort die Straßenbahn fährt, ahnenden Verkehr zu hindern oder zu erschweren. Stadtvmordneter Win n weist daraus hin, daß über die Lahnbrücke zur Stadt meistens sckwere Lasnahrwerke mit Kohlen, Baumaterial, Ladungen nicht unter 70—80 Zentner, verkehren: hierzr kommt der starke Verkehr nach Bichlcrs Brauerei und umgekehrt von dort zur Stadt. Lastfuhrwerk kann aber bekanntlich nicht so schnell aiisweichen, wie der leichte Wagenverkehr, den wir in der Stadt antrcftcn. Der Redner bittet, diesen Umstand bei der Prü- sung mtt in Erwägung zu ziehen. Es wird hieraus ein Einspruch der Allgemeinen Kleinbahn gegen das städttsclre Projekt einer elektrischen Bahn nach Kroidorl oerlcsen, welcktcin sich der erschienene Direktor Dr. Dreweß anschließt. Er- bemerkt, daß vor 16 Jahren, als das Projekt der Biebertalbahn vorlag, die Vertreter der Stadt Gieße» erklärt baben, die Lah „brücke und der Viadukt der Main- Weierbahn seien nicht breit genug sür dic Kleinbahn. Es unterblieb daher die Einillhrimg der Bahn bis OswaldS- gartcn, wie man plante, die Lahnbrücke aber wurde mit einem Koftenauswand von 30000 Mark von der Bieberlalbahn aus beiden Seiten verbreitert. Würde man der Stadt dic Benutzung der Fahrbahn der Brücke zu einer Straßenbahn überlassen, so müßte sic einen Test der ausgeivendeten Kosten iür die Berbreiterung zurückbergüten. Es sei unmöglich, die Lage der Gleise der Biebcr- talbah», wie es das städlische Projekt ins dlugc raffe, um etwa einen Meter an die Häuser heran zu verlegen. Nach der Ansicht der ?lnlieger an der Rodheimer Tttaße, die diese bei Projektierung der Bicbertalbahn als Beschwerde dagegen seinerzeit verbrachten, toar die jetzige Lage der Gleise damals schon störend und es Ivurdc eine Zlbgrcnzung der Bahn vom Bürgersteig durch Gitter verlangt. Es gehe daeaus hervor, daß die Rodhcimer Straße sür 2 Bahnen nicht breit genug sei, in der sich der Verkehr feit! 16 Jahren doch gewaltig gesteigert hat. 'Obcr-Postinspektor Beutler erklärte sür die Oberpostdirck- tiou Tarmstadt, daß er es noch sür vcrsrüht halte, Anträge zu stellen, denn noch liege der Traktus >der Bahn nickt fest, er behalte sich aber die Anträge betreffs der Höchipannungsieftung der Stadt Gießen bis später vor. Der Vertreter der Kulturinspeltion stellt Anträge betreffs der Durchlässe und bringt Wünsche kulturtechnischcr Art vor, deren Erfüllung als selbstverständlich beim cvll. Bau der Bahn zugcsagt werden. Kreisbauinspektor Hechler bemerkt, daß die Benutzung der Brücke» uich Straßen, soweit sie Eigcnttun des Kreises sind, durch dic geplante Trambahn von einer Genehmigung des Krcisausschus- ses abhängig sind. Oberbürgermeister Keller bittet um eine Abschrift des Pro- tololls über die Verhandlung .In der 'Angelegenheit der Straßenbahn nach Kroidors im preußischen Gebiet habe er ein Schreiben des Regierungspräsidenten erhalten, ivelches er wegen der dann geiorderten ?l„ftngen erst zur Beratung der Stadtverordneten stellen loolle. Bis dahin könne man die erhobenen Einwendungen prüfen und dann erst IN der .Sache in einem neuen Termin verhandeln. Baurat Knapp bemerkt, daß er nach Prüfung der Pläne die erhobenen Bedenk,NI wegen der Brücke Nicht in dem Maße teilen könne, wie sic hier vvrgetragen seien. Wünschenswert wäre eine Abmachnug der Stadt mft der Bicberbahn, wonach die Straßenbahn durch Einbouung einer dritten Schiene aut demselben Glcis- wcg bis zur Hardl-'Allee sahrcn kann. Wie schon bemerkt, gebe es in jeder Stadt derattlgc Vcrkehrssckmiicrigkcitcn für den Verkehr. Wenn man sich von Bedenken.solcher ?lrt lcften lasse, wie sie hier geäußert seren, dann könne man überhaupt keine clek- ttischeu Bahnen bauen. Der Verkehr müsse sich eben an die gegebenen Ber-SItnissc der Entwickluirg gewöhnen mtd gewöhne sich auch sehr schnell daran'. Damit war der Prüfungsterinin beendet. _ Provinzial-Ausschutz der Provinz Obcrhcsicn. Gießen, 29. April. Anwesend: ttzeheimerat Tr. Usinger, als Vorsitzender und 4 Mit-,lieder. Beginn 9, Ende 121/, uh,-. 1, K tage desI. Pfeffer zu G i e ß e n gegen die siadt Bad-Nauheim wegen .Heranziehung zu ® i r “6 c ” f ° ft c n 6 c 1 1 rä g c n. Auf Grund des Art. 21 der '.lllgcmeftien Vauordnuug und des 8 ö der Ortsbau- satzung der stadt Bad-9ßauheiin wurde Pfeffer sür seine in der SSiutterfttaße und an dein Ernsl-Dulttvlgftnng zu Bad Nauheim errichteten Reudouleu mit Straßenkostenbeiträgen herangi-^xgeai Er erhob hiergegen Klage und bestritt so- >sc>bk seim Beitragsstislichi, als auch die Hohe der Aus- stchläge und behauptete, daß Verjährung eingetreten sei, n^rl !die Beiträge mit der Errichtung der (behände fällig geworden, aber erst nach 10 Jahren angefordert worden seien, Die Stadt Bad-Nauheim stützte sich demgegenüber daraus, daß der Ausschlag der Beiträge offengelegei, habe, ohne sdaß ein Einspruch erfolgt sei. Mithin sei die Fordernnq rechtskräftig Eine Verjährung könne also erst nach 00 Jahren eintreten Der ProvinzialauSschuß wies die Nage Tostensätlig ab, 2. Kl a.g e der Gemeinde Großen »Bus eck geigen Großh »reisamt Gießen wegen Acnde» t uit fl der Zuchtr icht ung Die Gemeinde Großru- Puseck, die seither einen Eder der deutsck>en (ÄnPschweiiirasse besaß, will in der Fotge einen solchen der veredelten Landschweinrasse halten. Es entspricht dies einem Wunsch der Mehrzahl der Schweinezüchter und Landwirte von Großen Buscck, Ter Kreisansschuß des Kreises Gießen wies den Antrag der Gemeinde ab mit der Begründung, daß das deutsche Edellchweiu sich für den Verkauf besser eigne Nach Anhörung des »rersveierinärarztcs als Sachverständiger gab der ProvinzialauSschuß heute der Berufung der Gemeinde gegen das Urteil des Kreisausschusses statt, 3 Gesuch des Julius Kretschmer zu Bad-> Nauheim um Erlaubnis zum Betrieb einer G a st w i r t s ch a s t. In dem Gebäude wurde seither Schank loirischast betrieben Tie Stadtverordnetenversammlung von Bad-Mauheim bejahte die Bedürfnisfrage, das Polizeiamt sprach sich aber gegen Erteilung der Erlaubnis aus, da die seitherigen Inhaber der Wirtschaft nicht hätten bestehen können Dos Kreisanit Friedberg trug deshalb Bedenken, die Erlaubnis zu erteilen und legte die Akten dem ProvinzialauSschuß vor, Aach Vernehmung verschiedeucr »Zeugen entschied dieser, daß dem (besuche stattzugcbcn sei. wandern und Reisen, väder und Sommersrischen. Bad S a l z h a u s e n , l, Mai, Nur wenige Bäder Deutschlands haben wie das Solbad Bad Talzhaulen bereits um das Jalw 800__ bestanden Dos uriprünglich zum Bistum Fulda gehörige Salzhusin war lange wechselnd im Besitze der Grasen von Ziegenkain und Nidda, sowie des Johanntterordens. Gewerbsmäßig werden die Tolgucllcn erst voni 15, Jahrhundert ab durch Ortsanqeiesienc iowodl, wie auch von Ausländern, die der Ruf des hohen Salzgehaltes lockte, zur Salzgewinnung, jedoch nur mit unbeständigem Erjolg bentcht, Selbst ein Lizentiat von Dorncck war, ob schon vom Landgrafen von besten unterstützt, nur mit geringem Eriolg tätig, Erft aai Ende des 16, Jahrhunderts war es dem Amtmann der Graffüiaft Nidda, Roland Krug, nach dem noch heute ein lauschiger Ruheplatz „Rolandsruhe" und ein neu erbautes modernes „Cafe Roland" benannt sind, Vorbehalten, drei Quellen fassen und neue Talzwerle anlegen zu lassen. Mit Aniang des 19, Jahrhunderts wurde die 1729 aus dem Besitz der Familie Krug von dtibda an den hessischen Staat käuflich Übergegangcne Saline nach Erbauung eines Kurhauses und Anlegung wettausge- dchntm Parkanlagen und Promenadcnwege in ein Solbad umge- wandelt. Dieses Bad Salzhausen, das bereits im 18, Jahrhundert größere Bedeutung als das benachbarte Bad-Nauhcim gehabt, und nach dem danials der Zug der Gesellschaft aus dem südlichen Teil der Provinz Obrrhcsscn ging, konnte sich im 19. Jahrhundert, während die nahen Taunusbäder unter dem Einfluß der modernen «Verkehrsmittel einen ungeahnten Auischwung und.Weltrus crlang- jten, lischt zeitgemäß sorteMwickeln, bis auch es endlich durch die iBahnverbindung Nidda—Friedbcrg dem internationalen Verkehrsnetz ongegliederi wurde. So ist NUN auch für Bad Salzhausen nach etwa elibundertjährigem Dornröschen -schlaf die Zeit gekommen, die es cinei- neuen Zukunft entgegcnsührt. Seine hervorragenden Salz , Stahl-, Lithium- und Schweicl-Quellen gewähren gutebeil- ersolgc bei den verichiedenarligsien Krankheiten und sein großer, alter schöner Park im Anschluß an ausgedehnte Waldungen bietet Ruhebedürftigen angenehme Erholung. wissenschaftliche Gesellschaft für Lufttechnik. Dresden, 28. April, i linier zahlreicher Beteiligung ihrer Mitglieder hielt hier die Wissenschaftliche Gciellschaii für Lusttechnik ihre erste Tagung ab. Als Vertreter des Reichskanzlers war Geh. Oberregierungsrat Albert erschienen. Außerdem hatten das Reichsmarineamt, der Admiralüab der Marine, vreußiiche »nd sächsische Ministerien ■intb die Flieger- und Ploniertrnpven Vcrtrclcr entsandt Ter Vorsitzende. Geheimer Regierungsrat Tr, v, B ö t t i n - g e r, cröffnetr die Versammlung mit einer Begrüßung der Er- schicncncii. Geheimer Oberregierungsrat Albert bezeichnete cs in seiner Ansprache als charakteristisch, wie wir in Peutschland an -die Spitze des Flugwesens gelangt seien Es sei genau so'gekommen wie beim Bau von Lokomotiven und Automobilen, wie beim Schinsba», Der Deutsche warte erst ob, bis eine sichere Grundlage geschaffen iei, dann gehe er aber auch mit Feuereifer ans Werk, Jetzt sei es so weit gekommen, dqß sogar der französische KriegSministcr sich veranlaßt gesehen habe, eine llittersmlntng darüdei anzultellcn, mit weichen Mitteln man in Deutschland den Fortschritt im Flugwesen erreicht habe. Der Redner wünschte der Tagung namens der Reichsregicrunq einen »ollen Erfolg. Nack, weiteren Begrüßungsansprachen wurde in die Tagesordnung ein- aetreten. Der Vorsitzende gab betannt, daß der Protektor der Gesellschaft,- Prinz veiurich von Preußen, zu seinem Bedauern nicht in der Lage sei, der Versammlung beiwobuen zu können An ihn sowie an den Kaiser und den König von Sachsen wurden Hulds. gtmgslelegromme abget'andl. Die Zahl der Mitglieder der Gefcll- ichait beläuft lick ans 422. Als Ort für die nächste Tagung wurde .Hamburg bestimmt. Die Versammlung stimmt.- dann deni Vorschläge zu, daß die Gesellschaft in Zukunft „Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt" heute, da t'ie nicht nur Fragen der Flugtechnik, sondern darüber hinaus alle Fragen der Luiiiährt erörtere Den ersten wissenschaftlichen Portraa hielt hieraus der Rektor der Technischen Hochschule Hannover, Proscsior Otzcu, der über das Thema „Tie Technische» Hochschulen im Dienste der Flugicchnik" sprach. Er bezeichnete die Technischen Hochschulen als den natürlichen Boden, aus dem Luftsahrt und Flugtechnik bei ihrem Wciierstreben nach neuen Leistungen und klarerer Erkenntnis ihrer Gesetze süßen müssen. Tie Luftfahrt hat zwei Aufgaben: sie muß erstens der Landesverteidigung »ub zweitens dem Verkehr dienen. Der Reduei kam daun auf die Verhältnisse in Hannover zu sprechen, wo jüngst ein Flugvlatz angelegt worden sei. Er habe sich sosorl mit der Militärbehörde lns Einvernehmen gesetzt, um ein Jnianunen- arbeiten dieser Behörde und der Hochschule herbeizu rühren Tie Hochschule werde dabei zweierlei zu leisten haben» die Wissenschaft liche Vertiefung der aut deni Flugplatz gemachten Eriahrungen und die Heranbildung von aiädemisch gebildeten Flugzeugführern und -Konstrukteuren. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Bildung einer Ttudiengeselltchait geplant, die an die Wissenschaftliche Gesellschaft angcgliederl werden soll. Die wetteren Borträge ivaren mehr technischer Natur. Prot, Knollcr sprackt über die Festlegung aeromechanischer Begriisr, Professor Tr, Reißner iBertin» über den wissenschaftlichen und technischen Stmid der Prvpellerfragc, Freiherr v, Soden Fried richshasen machte Mitteilung von llntrrtucknrngen an Luilschrauben am Stand und in der Fahrt beim Lllttschutbou Zeppelin Pros, Dr. v. »armann Aackwn behandelte Lüngsitabilitäi und Längs ichioingungcn von Flugzeugen Am Abend folgten die Teilnehmer der Versammlung einer Einladung der Stadt Dresden in die Frsiräume des Rathauses, Lnftschiffahrt. Leipzig, 29. Aval Das Lustschift „S, L, II" Hai nach y«12 Uhr in bodeutender höhe die Stadt in nordwesttichcr Richtung überstogen, Leipzig, 29, April. Das L u f tsch i s i ,,T L II" (Schütte- Lanz wurde um 1>4 Uhr über Taalwld geiichrcl. Um 3‘/e llhr erschien cs wieder über Leipzig und warf die Meldung ab, daß es um 5 Uhr landen ivollc. Um 5 llhr 15 Min, ist KSt glatt im hiesigen Luftschisshaien gelandet, Hamburg, 29, April, (Priv.-Tel.) Das Lustschisf „Hansa" ist hcutr nachmittag 4,05 Uln aus dem Flugvlatz Fuhlsbüttel wieder gelandet, Es soll zsu einer Manöveriahri soiort wieder aufsteigen, Kiel, 29, April, (Privai-Telegramin.) Das Luitschiit „h an sa", da« beule morgen zu einer längeren llebuitgssahrt aus- gcsticgcn war, ist um vr'10 Uhr, von südlickzer Richtung kom mend, über der Stadt eingetrossen und hat die Fahrt über die Eckernsürder Buckst fortgesetzt, Paris, 29, Aprii, In R o u c n c r s ch o ß sich der bekaimte Flieger Lese b re aus Berzweiilung darüber, daß er nicht imstande war, die Geldmittel zur Ausführung eines von ihm erfundenen Flugzeuges auszubringen. Vermischte». " Grubenunglück, Aus^Beckley (Westvirginiai, 28, April, wird gemeldet,- Als eine volle Schicht von Bergleuten 600 Futz unter Tage arbeitete, ereignete sich in der Kohlengrube von Ecclen eine Explosion, Einer Rettungsmannschaft, die sofort zusammengrsiellt wurde, gelang es, das Ende eines Schachies zu erreichen, Sic brachte zwei Bergleute, die starke Brandwunden erlitten hatten, au die Oberfläche, Man glaubt aber, datz die Verletzten nicht am Leben bleiben iverden. * Meuterei in einem russischen Gesängnis. Aus Petersburg, 29, Aprtt tvird gemeldet: Im Gefängnis von Shttomir erschlugen die Zwangssträslinge eine» Aufseher und verletztcn einen a»de>-n schwer. Tann steckten sie die Matratzen in Brand, um die dadurch entstehende Verwirrung zu benutzen und mit den Waisen der Aufseher zu stüchlcn, Militär und Polizei nahmen das Gefängnis unter Feuer, Sechs Sträflinge wurden erschossen und einer verwundet, Tie Ordnung ist wieder hergcstellt, * Tollwui u nt e r hechte». Der heckst genießt leit lan gern den Rui, einer der rabiatesten Fische zu sein, aber datz er sogar einer Krankheit zugänglich ist, die alle Merkmale einer Tollwut auslveist, ist bisher nicht bekannt gewesen, Otto Berbig gibt darüber tti der „Deutschen Fischcreikorrespondenz" Auskunft, In der Agger, einem Nebenfluß der Sieg, werden hechte gefangen, die wegen ihrer Schnuukhaitiglctt besonders geschätzt sind, Diele Fische haben nun aber ein Benehmen gezeigt, das ausfallend und bedenklich genug war, um die Ausmerkiamkeit der Sachverständigen ans sich zu lenken. Freilich standen auch dinc zunächst vor einem Rätsel. Die hechte kommen an die Oberfläche und schwimmen in größter Aufregung umher, wobei sic das Maul icher Wasser halten, als ob !ü von der größten Augst vor ihrem Lebensetcmeni beiessen wären. Zuerst ist viese Erscheinung in den Wasserflächen auigeireien, die von den hochwasserii der letzten Jahre zurückblieben. Alle hechte schienen sich dort zusamntengeinnden zu haben. Sie bereiteten den Anglern schon dadurch eine unliedsame Ucber- raschung, daß sie beim Fang in rücksichtslosester Weift um sich bissen. Das ist aber auch schon sonst vorgekonrmen und es ericheint als ihr gutes Reckst. Das geschilderte Benehmen der Fische konnte aber nicht lange verborgen bleiben, zumal die Angler immer wieder du- Brmrrkung machten, daß die erbeuteten Fische alle mit aus-, gesperrtem Rachen au die Oberfläche kamen. Dabei scheint aber die Krankheit nicht schnell zum Tode zu führen, und namentlich einige besonders starke hechle haben sich bisher nicht sangen lassen und sorgen ohne Zweifel für eine wettere Verbreitung der Seuche. Mit dem Namen der Tollwut, den man dieser Kraukheii beigelegl Hai, ist vorläufig wenig gesagt, da eine Verwandtichast dieser Krankheit mit der gleichnamigen des Hundes wohl nickst behauptet werden kann. Man Hai sich fürs erste damit begnügen müssen, auch Sportangler zum hechiiang in diesen Geioässcru besonders rinzuladen, üannt alle kranleu Fische möglichst bald weggesangcn werden. Allerdings werden sich die Liebhaber dieses Ftschsangs mit besonders starlen Angelgeräten versehen müssen, da es ficti. hier um seltene Exemplare handelt, was auch die Anziehungskraft der Aufforderung erhöhen dürfte, hoffentlich wird durch dies sonderbare Ereignis wenigstens die Kunde der Fischlrankheitcn um eine neue Auiklärung bereichen wcrdni. ^ * Eigennützig, Verleger: „Tic müssen sich hei Ihren Schilderungen etwas mäßigen, Herr Blutfleck! Es sind junge Leute durch die Lektüre Ihres letzten Romans nämlich zu Vcc- brccktcrn geworden und ins Zuchthaus gewandert , , , dadurch haben wir mehrere von unfern treuesten Abonnenten verloren!" * Kein Grund zur Besorgnis, „Kellner, sehen Sic denn nicht, daß Tie zwei Fing'r in der Suppe haben?" „Danke, Herr, aber die Suppe ist schon kalt, und ich habe mir nicht die Finger verbrannt," Büchertisch. — Di e Schaubühne, herausargeben von Siegfried Jarobiohn enthält in der Nununer 18 ihres zchnien Jahrgangs: Vahrs Katholizismus, Von Egon Friede!l. — £t.i* iion der Liebe, Von Paul Man er, - Rheinländer «Schneider Wibbel: Alles um Licbc>, Von T, I, — Stuttgart, Von Fritz Reck - Mallecze wen, — Das Variete von der andern Seite, Bon Peter Panter, — Buchmackicr, Von Binder Das Mädchen rm.grünen K'lech, — Onkel Emmerich, Von Peter Alten jorg. — Antworten, darunter eine, die sich mit Gießen be- -.chäitigt und deshalb deionders interessieren dürste, — Moskaus Äünstlertheater, Von Aljrcd Malier, — Marl. Von Hans Harbeck, — Throlts Schalantcr Von Alfred Polgar, — «US der Praxis. Tie Schaubühne kostet: 40 Pj. die Einzelnummer. 3,50 Mark vierieljährtich, 42 Mark jährlich. Probenunrmeri, um- sonst und postsrci durch alle Buckiltandlungen und Postanstatten sowie durch den Verlag der Scktaubühne, Eharlvitendurg, Tern- burgstraße 25. Der Pterlag ist auch bereit, neuen Interessenten aus Wunsch die Sckiaubühne einen Monat lang zur Probe umsonst zu liefern, _ LingcsanSt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 30, Apirl, Sehr geehrte Redakiion! Mit Bezugnahme aus Ihre ErNürung, die Opernvorstellungeu des Theatervereins nicht mehr deivreckten wollen, möchle ich Mir die Frage erla>tl>en, wie Sic sich in Beziehung aus die andere» Gicßener KunsNeistuiigen zu oerlxaltct, gedenken. Es ist nickst zu vergessen, daß auch die übrige» KunstleisNtngen in den Händen von Vereinen liegen. Was dem Thealerverein recht ist, erscheittt eventuell dem Kunst-Verein und dem Kvnzi-rl-Verein billig, liiid sie könnte» ebenialls verlangen, als Vereine nicht durch zhrilik behelligt zu werden. Das wurde nicht zur Hebung »iw Kunst in Gießen bintrage» und außerdem den Vereinen schädlich sei». Wenn ein Verein einmal einen kleinen Unfall erlebt, sollt es keinem Menichen ein, ans dem Verein ausziitrelen, da jeder überzengi ist, daß gerade aut Anregung der Kritik ein solcher Fall Ausnahme bleil», Unierbleivt dagegen jede Kritik, so erfährt der Verein gar nichts über seine Leistungen, und da ihm bald der Alatzstab fehlt, werden sich die llniälft- wiederholen. Die Atttwori bi-r Mitglieder kann dann nur der Austritt sein, denn sie haben keine Möglickt kett der Beschwerde, es müßte denn statt des Zeitungsberichter statters jedes Mitglied seine Kritik drucken lassen könne». Das wird tvohl niemand tvünschen, Wetter ist zu bedenken, toenn ein .hotilwatcr nickst einmal eine Kritik ausbalten kann, auch unsere Tbeatcrdirektion sich Ihre Kritik verbitten könnte, da das ihrem ^Institut schade, Tann wäre das Gicßener Publikum bloßem glücklichen Zufall eines Ensembles hreisgegeben. Man kann doch nicht leugnen, daß eine Kritik einem Institut um so weniger schadet, als das Publikum sie am nächste» Tage vergessen hat. Deshalb muß die Kritik eben eine dauernde Einrichtung sein. Völliges Schweigen über öffentliche Ausstihrtingen erscheint mir abiiorm, mau müßte denn össentlichc Auijührungen „unter Ausschluß der Ocfsentlichkcit" veranstalten können. Ein Kunstsreutid, Märkte. fr.. Franksiiit a, M. Vi e h h o s m a r k t b e r i eb t vom 30, April- Aitlirieb: 'Kinder 77, Ochsen 49, Bullen 2, Kühe und Färsett 3ö- Kälber 4, Schale 93, Cchtoctnc 876. Tendenz: Kälber gcdrückl, Schasc ruhig, geräumt, Schweine mäßig rege, bleibt lleöerstand, Preis für 10 i PId. ttebend- Schlachtgewicht Kälber. Mk/ Mk. fvemTfe Maflkälber ... ...... 64-6^ 107-i13 Mittlere Mast- rmd beste Saugkälber.... 58-60 95 -102 Geringere Mast- und gute Saagkalbee . . . 50—55 85—93 S ch a ' e. Stallmast'cha>e: Mastlämmer >mo iünger; Masthamme! , , . 41-42 90-92 Aeltere Mastbammel, aut genährte junge Schase und geringere Mastlämmer...... 36-00 85-00 Schweine. DvllfleHchig» Schweine von 80- log Tea* Lebendgewicht........45.99—48.00 59.00—62.01 Dovstellchiq« Schweine unter 80 k» Lebendgewicht........ 44.00—47.00 58.00—60.00 Pollfleischige Schweine von 190—120 k? Lebendgewicht ........ 45.00 —48.00 59.00—62.00 Vollfleischlgs Schweine von 120—I50k; Lebendgewicht ....... 45.00—48.01 59.00—62.00 Limburg «. b. Last», 29. April. Frncht markt. Dnrch- schiiittsvreis vro Plakter. Roter Weizen (Nassauilcher) 16,40 Ms., weißer Weizen sangcbaule Fremdsortenl 15,90 »Ik, Korn 11,85 Mk„ Gerste (Futter) 0,00 Mk„ Brnugcrsle 00,«0 Mk„ Haler 8,10—0,00, Alt., Erbsen 0,00 Mt. Kartoffel,> 50 Kilo 2,30-0,00 All , Butter das Psund 1,20-0.00 Mk,, Eier das Stück 7 Pfg, Airchiichc Nachrichten« Israelitische Religionsgemcindc. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag, d e it 2. Mai 1914: 2'o ra b en d: 7.30 llftr. Morgens: H.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Sabbatausgan g: 8.40 Uhr. Israelitische Religionrgesellschast. Gottesdienst. Sabbatseier am 2. Mai 1914: Freitag abend 7.23 Uhr. Samstag vorinittag 8.00 Uhr. Sankstag nachinittag 4.00 Uhr. Sabbat-^lttsgalkg r4.40 Uhr. Wochengottesdienst: Morgen? 6.00, abend? N.40 Uhr. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. April 1914 l=o.| Lg c “§ P I 5 G co-S " LÄ i,f § g" «r elf n- o C B Wetter 29 i L" 748,2 22,4 6,6 33 a 2 I Sonnenschein 29J 746,6 14,9 7,2 57 8 ) 0 Klarer Äimmel 30. 716,5 11,6 7,3 71 NW 2 5 Sorinenscheln Höchste Temverettur am 28, bis 29. April 1914 — + 22,3' r. Niedrigste , . 28. . 29, . 19U = 4 - 55" . Niederschlag: 0,0 mm. Die junge Mutter ist oll im Zweilel, welche lstabrunn üe dem Kinde nach der Entwöhnung geben soll, Mitch mit „.Knicke" ermöglicht das beste Gedeihe» des kindlichen Körpers, denn der Zu>au von „Kufeke" zur Milch erhöht deren 'Nährwert, und die „Ku'ieke"- Tuvoe wird von Kindern gern gettotmiteit und gut verirngeu, I762bv Dr. Oetkers Vanillin-Jucker (Schutzmarke: Oeiker’s Hellkopf.) ist das beste und billigste Gewürz für Kuchen, Puddings, Milch- und Mehlspeisen, Kakao, Schlagsahne, Tee usw. Ein Päckchen zu l0 Pfg. 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Dieser auch durch seinen billigen Preis sich anSseichneude Führer kann den Touristen, die den noch wenig bekannten, vor allem durch icine herrlichen Wälder sum Wandern einladenden Bogeisberg besuchen wollen. ausS beste empfohlen werden- DaS mii sahireichen Illustrationen und mit guten Karten auSgeitatiete Büchlein gibt nicht nur alle vraküicheu Augabew die der Tourist braucht, in übersichtlicher Zusammenstellung, sondern insormieri ihn auch iu eiugebcndster und unierhaliendsier Weise über alle historischen, geologischen, botanischen und wtrtschastlichen Kragen. „Der Tourist", illustrierte Zeitschrist des Verbandes deutscher Wanderer- und GebirgSvereine XXVI. Jahrgang, Nr. 15. Der von Hermann Oesterwiy unter Mitwirkung von Miigliedern deSBogelsbcrger Höhenklubs herauSgcgcbcne Führer erweist sich als mit grösster Sorgsali snsammen- gestclli. Mil Glück und Geschick ist jede Trockenheit des Tones vermieden, die ganse Darstellung ist stimmungsvoll und lebendig. Mehr als Imndcri Ab- biidungcn. drei grobe .Karten, diverse kleine Ueber- sichiskärichen und Siadioläne trage» sur Anschnuiich- kett bei und ein sorgsällig ausgesuhricS Register erleichtert die Benutzung. Die Kenner des Gebietes wie der touristische Neuling werden den Führer mit gleichem Nutzen sur Hand nehmen. Zu verwundern bleibt nur einS: der billige Preis von M. 2.—, der in keinem Verhältnis zu Umsang und Ausstailung steht. SV Zu haben in allen Buchhandlungen Vergebung von Arbeiten. Samstag, de» 16. Mai sollen aus unserem Bureau die Angebote für folgende Arbeiten und Lieferungen vergeben werden. A. Kanalisation Alsfeld vormitt. 1«*/, Uhr: Los I. Erd-, Maurer, und Rohrverlcgungsarbeilen; Los II. Liefern der glasierten Steinzeugröhren; Los III. Liefern der Zementröhren. I!. Kanalisation uud Wasserleitung Sbcrstadl Kreis Gietzen vormittags 10% Uhr: Los I. Erd-, Maurer- und Rohrverlegungsarbeiten; Los II. Herstellen eines Teiches. Los III. Liefern von Steinzeug- und Zementröhren. Pläne und Bedingungen können bei uns, letztere auch bei den betreffenden Bürgermeistereien eingesehen werden. Angcbotsvordrucke sind nur von uns durch Bareinsendung von je 2 Mk. für die Lose I und I Mk. für jedes der übrigen Lose zu beziehen. Freie Auswahl bleibt Vorbehalten. Zuschlagssrist 3 Wochen. Gießen, den 25. April 1914. 5«84i>, Grotzh. Kulturinspektion Gietzen. ___ H. Steinbach. _ Bullerwerkauf. Die hiesige Gemeinde hat einen 4 Jahre alten Bullen, Bogclsberger Rasse, zum Schlachten zu verkaufen. — Schriftliche Angebote pro Zentner Lebendgewicht (3 c / 0 Abzug für Fütterung) wolle man bis zum 5. Mai, vormittags 11 Uhr, hierher einreichcn. Großen-Pinden, am 27. April 1914. Großh. Bürgermeisterei Großen-Lindcn. Leun. 5431