ür. 99 vrmer yiak \64. Jahrgang Eescheiut tigilch mü Ausnahme der Saantags. Die „Oietzever Zaiiniienhlätter" werden den, »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, dar „itrerrblatt für de, Urei; Sieben" zweimal wöchentlich. Die „Lanilwirtschastlichen öeii Ir«-«»" crfche,nen monatlich zweimal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen JmiiiT >och. 29. ApM M Rotationsdruck und Verlag der Drühl'ichen Unwerßtäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: ^^k>I. Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AyzeigerGieße». Mb. Deutscher Reichstag. 84S. Sitzung. Dienstag, den 28. April. An, Tische des Bundcsrats: Unterilaatsfetretär Kirchner. Präsident Dr. Sacmpf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Min. mit einer Begrüßung der Aögeordneten zur neuen Arbeit, in der Hoffnung, dich fie erfolgreich sein wird. lBrisaL.) Die Zmpssrnge. Auf der Tagesordnung stehen Petitionen, und zwar cm erster Stdlc zcchdeicke Petitionen, die sich auf die Jmpffrage be- ziehLn. Du: Kommission beantragt, alle Petitionen zur Berücksichtigung zu uberweisen. Gleichfalls zur Verhandlung gestellt ist eine Resolution Bock (Saz.). die den Reichskanzler crufsordert, eine paritätisch aus Jrnpf- freunden und Jmpfgegnern zusammengesetzte Kommission zur objektiven Untersuchung der ganzen Impszwangsfrage so rasch als möglich zu berufen. Eine weitere Resolution Dr. Pfeiffer (Zeutr.) verlangt eine ähnliche Kommission, deren Material dann dem Reichstag als Denkschrift vorgelegt Wertzen soll. Ein konservativer Antrag will nur diejenigen Petitionen zur Berücksichtigung überweisen, die nur eine Kommission zur Prüfung der rechtlichen und wissenschaftlichen' Grundlagen des Impfwesens verlangen. Die anderen wettergehenden Petitionen sollen nur zur Erwägung überwiesen werden. Abg. Bock (Soz.): Der Impfzwang widerspricht dem Wesen des Jmpfgesehes. Altan hat sich über den Ton der Jmpfgegner beschwert. Kann man stch über die Erregung wundern? Der Impfzwang wird vorzugsweise von den preußischen Behörden ausgeübt. Das ist bezeichnend. Es gibt tausende von Aerzten, die Jmpfgegner sind. Der Impfzwang kann und darf nicht mehr aufrechterhalten werden. Der Schutz, den das Impfen gewährt, ist sehr zweifelhaft und dauert höchstens zehn Jahre. Krankheits-, sogar Todesfälle kommen infolge der Impfung vor, jedenfalls öfter, als die amtliche Statistik angibt. Reine Lymphe gibt es überhaupt nicht. Lymphe ist Gift, und das wird zum Schutz gegen die Pocken den Kindern eingespritzt, von denen bis an 85 Prozent ohnehin krank sind! London, das den Impfzwang seit 15 Jahren, seit Einführung der Gewissensklausel, nicht mehr kennt, ist die pockenfreieste Großstadt der Welt. Die Statistik des Kaiserlichen Gesundheitsamtes ist nicht einwandfrei. Professor Ehrlich-Hata (Heiterkeit) hat* erklärt, die Zukunft gehört nicht der Impfung und dem Serum, sondern dem Radium und den X-Strahlen. Wir verlangen die Gewissensklausel wie in England. Die Regierung soll in andere Bahnen einlenken; unsere Zahlen kann sie nicht wegeskamotieren. Präsident Dr. Kaempf: D«e letzte Bemerkung, die Sie dem Ministerialdirektor zu- riesen, ist unzulässig. Abg. Dr. Pfeiffer (Zentr.): Leider sind immer noch schwere Schäden am Körper der nationalen Gesundheit festzustellen. Mrnisterialüirektor Kirchner hat früher von dem verbrecherischen Treiben der Jmpfgegner gesprochen. Letzthin sprach er ihnen sogar die Vernunft ab. Da müssen wir doch protestieren. (Sehr richtig! im Zentr.) Den impffreundlichen Eingaben scheint die Regierung nickt fernzustehen. Das Reichsgesundheitsamt scheint die öffentliche Meinung etwas bearbeitet zu haben. (Hört! Hört!) Wir verlangen eine unparteiische Kommission! Die Regierung muß grtten Willen zeigen. Sie. darf sich nicht hinstellen und von vornherein erklären: I moag net! (Heiterkeit.) Bei den Jmpfgegnern handelt es sich um keine Eigenbrödelei, keine hysterische Fiktion, sondern um eine aus der Erfahrung gewonnene traurige Ueberzeugung. Gesunde Kinder sind erst durch die Pinzette des Jmpfarztcs elend geworden. Die Darlegungen des Geheimrats Kirchner lassen die wichtige Frage offen, wie lange eigentlich der Impfschutz wirksam ist. Eine ganze Reihe von Aerzten haben sich auch gegen die Kirchncrscl)en Darlegungen gewandt. Wenn hervorragende medi- zinischc Autoritäten sich gegen die Jmvfung erklären, dann darf doch die Regierung nicht einfach darüber hinwcggehen. (Sehr richtig!) Bei der Schaffung des Gesetzes ist an ein Zwangsgesetz nicht gedacht worden. Ich richte an den Vertreter des Rcichsjuftiz- omis hier direkt die Frage, ob in dem Jmpsgesetz von 1874 ein Zwang inbegriffen sein soll. Es schiert stch niemand um die vielen Ausländer, die ungeimpst in Deutschland leben. Das ist nicht konsequent. Die Untersuchungskommisston kann nur dann erfolgreich arbeiten, wenn sie paritätisch aus Jmpssreunden und Jmpfgegnern besteht. Herrn Gehcimrat Kirchner mochte ich Zurufen: Geben Sie Ihrem guten Herzen einen Stotz und stimmen Sie der paritätischen Kommission zu. (Beifall.) Abq. Krahmer (Kons.): Die ganze Jmpffrage ist in erster Lin,e eine medizinische Frage. Da aber auch unter den Medizinern me Meinungen über die Impfung geteilt sind, beantragen wir die Einsetzung einer Kommission, die erst einmal eine Klärung unter den Fackleuten herbeiführen soll. Wir können h,er nicht für die eine oder andere Richtung Stellung nehmen. Abg. Fftchbeck (Vp.): ^ , . Es handelt sich um keine politische Frage. Leider qt bei cken Wablen vielen Kandidaten geradezu die Frage vorgclegt »norden: Wie siebst du zum Impfen? Eine Minderheit meiner 'Fraktion ist impsgegnerisch. Die Mehrheit will aber am Jmps- xesetz nicht rütteln. Die Einführung der Gewis,cnsklausel Ware richts anderes als die Beseitigung des Impfzwanges. Wir shließen uns daher dem Anträge der Kommission nicht an. Ministerialdirektor Dr. Kirchner: Im Jahre 1911 hat die Reickstagskommission U ebergang zur Tagesordnung beantragt. Jetzt verlangt sie Berücksichtigung dieser Petitionen. Was ist seitdem geschehen? Sind Tiusend- von Kindern zugrunde gegangen? Haben wir eine Pickencpidcmie gehabt? Richts ist geschehen. Die Pocken haben ahcnommen. Im Jahre 1913 waren in ganz Deutschland ncun- zckn Pockcnerkrankungen mit zwölf Todesfällen. Als ich hier iin RtchStaa pflichtgemäß meine Stellung darlcgte, da bm ick draußen im Lande von den Jmpfgegnern in der empörendsten Weye ver- leundct worden. Es wurde sogar an den Kaner telegraphiert, ich hätb gelogen. Von Dr. Wagner sind zwei schmähliche Broschüren ver^fentl'.ckt worden, in denen meine Ehre m ruckpchtslosester Weic angegriffen wurde. Ich wurde ein oberflächlicher, unwissender Mensch genannt. Man sagte, ,ch ginge mtt dem Schutzmami-- helm durchs Land, um die Kinder dem Tode zu überliefern. Das ist eine fabelhafte Verhetzung. Man veranastigt die Leutc mit Redensarten, daß sie damit chrc Kinder zur Scklachtbank führtm Namentlich Herr Wegner reizt durch agitatorische Reden die Levölkerung zum Widerstand gegen dre Staats- 9C Wittenberg mußte der Landrat persönlich auf die Leute einwirken, um den Widerstand zu brechen. Dieser, der jetzige Regierlngsprästdent v. Zedlitz in Köslin, hat dasselbe gesagt wie ich Dejenigcn. die die Leute so aufhetzen, handeln wenig richtig. Ich sage, ich halte es für verbrecherisch, nicht im gesetzlichen Sinne, vohl a»er im menschlichen, (Unruhe bei den Soz.) Wir sind aewin feine Götter und fehlerfrei, aber man darf diese armen Leute nchr zum Widerstand gegen die. Amtsgewalt aufl^i-ene daß sie ihre Kinder verstecken und sie sonst der Änpfung entziehen. Wir lasten uns jetzt jedesmal genau berichten, und schließlich bleibt uns nichts anderes übrig, als die Kinder zwangsweise zum Jmpf- arzt zu rühren. Der Arzt muß über die Impfung entscheiden, sonst muffen wir schließlich auf die ganze Impfung verzichten. Ich hätte den Aufdruck »verbrecherisch handeln" vielleicht nicht brauchen, sondern mich vorsichtiger ausdrücken sollen, aber es gibt doch keine ausreichende Vcranlastung. mich jetzt vor dem ganzen deutschen Volke zu prostituieren. Das ist mir die ganzen Jahre so gegangen. Ich habe ja das traurige Vergnügen, das Blatt der Jmpfgegner alle Monate lesen zu müssen. Da wird mein Name immer mit den tollsten Prädikaten genarmt. Ter Minister hat eingehend mit mir darüber gesprochen, ob wir nicht klagen sollten. Wir haben darauf verzichtet, denn solche Sachen richten sich selbst. Wer seine pflichtgemäße Ueberzeugung vertritt, kann die Leute reden lasten, was sie wollen. Diese Art und Weise hat aber schließlich nur den Zweck, me Reichsregicrung einzuschüchtern. Wir würden uns zu jedem Entgegenkommen bereit finden, wenn uns irgend ein vernünftiger Grund vorgehalten loürde. Der ?lbg. Bebel hat übrigens unsere Ansicht geteilt. Ich habe ihn bei einer früheren Debatte genau beobachtet. einer der Abgeordneten von dem sozialdemokratischen Anträge sprach, bemerkte er zur Geschäftsordnung, dcc Antrag sei kein sozialdemokratischer, sondern lediglich ein solcher einiger seiner Freunde. Er ist also von den Unterzeichnern des Eintrages abgcrückt, und die Mehrzahl seiner Fraktion hat damals gegen die entsprechende Petition gestimmt. Und wie verfuhr man mit Bebel? Da wurde eine Abhandlung geschrieben: „In t^rannos!" mit einem Gedicht: Dem Frecheitslöwcnl Darin hieß es: Bebel, der einst der Freiheit Fahne schwenkte, sei jetzt altersschwach geworden und huldige dem Preußensäbel. Wenn ein Abgeordneter hier pflichtgemäß seine Ansicht vertritt, soll man ihn nicht mit derartigen Gedichten verfolgen. (Große Heiterkeit.) Die Rede des Aba. Bock hat mich sehr enttäuscht. Das ist alles schon vor drei Jahren gesagt worden. Um es zu widerlegen, müsse ich meine ganze damalige Rede von zweieinhalb Stunden wiederholen. (Heiterkeit.) Früher waren die Pocken auf der ganzen Erde und auch in Deutschland verbreitet, und jedes Jahr hatten wir Epidemien. Das ist nicht mehr der Fall, dieser Tatsache kann man nicht widersprechen. Seit zwanzig Jahren ist im Heere ein Todesfall an Windpocken überhaupt nicht mehr vorgekommen. Meine Zahlen srnd bemängelt worden, sie sind aber wahr! Der Redner weist die Angriffe der Jmpfgegner mit langen Zahlenreihen zurück und fragt dann: Habe ich nun gelogen? Oder habe ich nicht gelogen? Das ist wirklich zum Lachen! Der Redner führt weitere statistische Berechnungen vor und fragt wiederum: Habe ich nun den Reichstag belogen? oder habe ich die Wahrheit gesagt? Der Redner demonstriert an einer großen Skmb&rrte den Starü) der Pockenerkrankungen in den einzelnen Ländern, bleibt aber bei der allgemeinen Unruhe rm einzelnen unverständlich. Es ist empörend, wie gegen die Jmpffreunde gehetzt wird. Man hat Plakate veröffentlicht, auf denen in großen Buchstaben stand: Impfung, Erkrankung, Tod! Jede Mutter muß also deuken, sie führt ihr Kind dem Tode zu, wenn fie es impfen läßt. Das Impfwesen steht unter strenger Kontrolle. Die Bundesregierungen unterstützen jede wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiete. Wir haben überall Fortschritte zu verzeichnen. Und da sollen wir plötzlich einen anderen Weg einschlagen? Da sollen wir eine Kommission einsetzen. die Gewiffensklausel ein- führen, eine Entschädigung festsetzen? Das ist alles undurchführbar. In einer Kommission von Jmpssreunden und Gegnern würde es nie zu einer Einigung kommen. Haben Sie Vertrauen zu dem Gesunbheitsrat. Wir müssen die Voltsgesund- heit mit allen Mitteln schützen, auch mit Rücksicht auf einen künftigen Krieg. Ich könnte die Verantwortung nicht übernehmen, an dem fetzigen Zustand etwas zu ändern. Geh. Oberregierungsrat Zimmer erklärt, daß der Impfzwang auf Grund des Gesetzes zu recht besteht. Wenn wir die Vorführung Minderjähriger gestatten, so ist das berechtigt, weil die Pfleger in diesen Fällen nicht ihre Pflicht tun und dem Gesetz entgegcnwirken. Abg. Goetting (Natl.): Das Jmpsgesetz ist ein wichtiges Bollwerk gegen eine gefährliche Seuche. Mit der Annahme der Kommissionsanträge würden wir die erste Bresche in diesem Wall brecheu. Wenn wir die Ge- wisteusklausel einführen würden, so würden wir nicht der wisten- schaftlichen Prüfung nachgeben, sondern einer großen Agitation i m V o l k e. Wir müssen standhaften gegen diese Erregung. Die deutsche medizinische Wissenschaft ist an der Arbeit. Die Untersuchungen werden immer gründlicher. Eine Kommission würde keine Rübe Herstellen. Die ruhige wissenschaftliche Forschung würde nur gestört werden. Die Sache ist noch nicht reif genug, um heute einen Entschluß zu fasten. Abg Frhr. v. Scheele (Welfe): Die Sache ist sehr bedeutungsvoll. Leider haben sich die Re- ^,erungs:>ertreter die Sache sehr leicht gemacht. Die Statistik läßt auch andere Schlüffe zu. Die Handhabung des Gesetzes widerspricht dem Willen der Gesetzgeber. Es sollte kein Zwangs- gesetz sein. Die zwangsweise Vorführung älterer Kinder ist unmoralisch. Das Haus vertagt sich. Mittwoch. 2 Uhr: Ergänzungsetat. Jmpffrage und weitere Petitionen. Schluß gegen 7 Uhr. Der Jahresbericht des Sewerbeinspektors. v. Ter in einer Mühle ausgebrochene Nachtbrand, bei dem die in der Mühle befindlichen Gehilfen nur mit Lebensgefahr ins Freie gelangen konnten, weil der Notansgang versperrt war, gab die Veranlassung, die Miihlenbcsitzer des Aufsichtsbezirkes durch ein Rundschreiben auf ihre Verpflichtung hinzuweisen für Notausgänge und deren ständige Freihaltung zu sorgen. Tie Schaffung von Notaus- gängen muhte außerdem in einer Zigarrenfabrik, einer Möbel- und Kistensabrik verlangt werden. Bleivergiftungen wurden bei einem Arbeiter der Bleiiarben- fabrik des Auiiichtsbezirls sowie bei 4 Anstreichergehilsen sestge- stellt. Tie Zahl aller im Anstreichergewerbe beschäftigten Arbeiter beträgt rund 400., Bei dem erstgenannten Arbeiter soll Mangel an Reinhaltung und Vorsicht die Schuld der Bergistung gewesen sein. Einer der übrigen war ein leidenschaftlicher Zigarettenraucher, der auch bei der Arbeit rauchte, zwei von ihnen waren schon früher an Bleivergiftung erkrankt und allem Anschein nach sür diese Krankheit disponiert. Außerdem erkrankten auch 4 Arbeitgeber des Anstreichergewerbes an Bleivergiftung. Die Zahl der Anstreicherbetriebe mit iremdem Personal in der Provinz Oberhessen beträgt 299, die Zahl der Arbeiter 1539. An gisttgen Bleifarben wurden nach den im Berichtsiahre gemachten Feststellungen etwa 66 209 Kilogramm Bleiweiß und 440 Kilogramm Mennige ln diesen Betrieben verarbeitet, an ungiftigen Ersatznnttcln (Lito- von usw.) 46 000 Kilogramm. Betriebe der keramischen Industrie, in denen Arbeiter mit bleihaltigen Glasuren in Berührung kommen. sind nur in geringer Zahl rm Ausjichtshep-e? vorhanden. Bleivergiftungen wurden daselbst noch nicht sestgestrllt. Zue Berminderung der tstaubgciahr, der die Arbeiter beim Transport von Quarzitmehl in einer Dinassteinfabrik ausgcsctzt waren, und worüber sich diese Iviedrrholt beklagt iunten, wurde aus unsere Veranlassung eine zweckdienliche Aenderung an dem Brecherwerk vorgenommen. Obschon die an Basaltbreck>crwerken besckiäs- tigten Arbeiter im allgemeinen keine Klagen über die Nachteile des Basaltstaubes für ihre Gesundheit vorgebracht haben, lourde an 3 Steinklopsiverken, Ivo die Arbeiter dem Staub in stärkere»! Maße ausgesetzt ivaren, angeordnet, daß die Arbeiter nur halbe Tage am Brecherwerke arbeite». Merkwürdig ist die allgemeine Ansicht der in Kalkwerken beschästigten Arbeiter, daß der Kallstaub nicht nur nicht schädlich, sondern im Gegenteil lzauptsächlich bei Lungenkranken der Gesundheit förderlich sei. Ein Arbeiter erzählte uns, er sei, ivie alle seine Brüder, lungenkrank, und er verdanke aber die Erhaltung seines Lebens lediglicki dem Aufenthalt in der kalkstosiholtigen Atmosphäre, während seine Brüder schon gestorben seien. Tie Schamottesabrik des Auisichts- bezirks, in welcher der beim Zermahlen der Krugfcherben entsteheiche Staub die Atmungsorgane der Arbeiter so sehr angriss, daß sie ständig mit der Arbeit aussetzcn mußten und der Krankenkasse zur Last sielen, ist eingegangen. Die Benutzung mechanisch betriebener Gesteinsbohrmoschinen hat ans die Gesundheit tun bedienenden Arbeiter bis jetzt nachteilige Wirkungen nicht aus- geübt. In der Mehrzahl der Fälle loird unter stäichigem Iu- schütten von Wasser gebohrt, so daß kein Staub sich entwükekt. In einem Bruch mußte aber von ber Zugabe des Wassers abgesehen werden, weil sich infolge der Bodenbeschassenheit das Wasser verlies und der Bohrer sestsuhr. Man läßt hier aus Anraten der Gelverbeinspektion die Bohrleutc nur halbe Tage an der Bohnnoschine arbeiten. An einer mit Danips betriebenen Gesteinsbohrmaschine wurden namentlich bei kalter WiUenmg die Arbeiter durch die sich kondensierenden Wasserdänrvse mehr oder weniger stark belästigt und infolge der Nebelbildmig am Sehe» gehindert. Ticsein Mißstand ist durch die Einführung eines elektrisch betriebenen TruckltistboltrerS abgeholfen loordew, ber dem Elektrornotor und Kompressor aus einem kleinen, überall hi» leicht fahrbaren Gestell rrnmittelbar miteinander gekuppelt sind und die elektrische Energie mittels Trahtleitungen durch Kraftübertragung von einer Thnamourajchine mrs zugeiührt loird. Während in einer Melallgießerei, in der Zrni und Legierung geschnrolzen werden, die Abtührnng der beim Gießen entstehenden schweren Dämpfe immer noch Schwierigkeit bereitet und durrh die Verbreitung der Dämpfe selbst irr der durch Türen abgeschlossenen Formerei sich Unangenehm bemerkbar macht, wurde m einer neu errichteten Aluminiumtiegelgießeret festgestellt, daß beim Schmelzen reinen Aluminiums Dämpfe und Dünste überhaupt nicht austraten. Wohl aber mußte durch die Anbrrngung von Abzügen Vorsorge getroffen lverden, daß die VerbrennungSstoffe des ossenen Koksseuers nicht in den ÄrbeitSranm traten. Um die Wtige Hitze der Sonnenstrahlen im Sommer wirksam abzu» halten, hat eine Firma die Fenster der Arbeitsräume mir der von den Firmen Koch und Grün- in Osscnbach in Handel gebrachten blauen Farbe Acalorin mit sehr gutem Erfolg ange- strichen. Das Kilo kostete etwa 2 Mk. und reichte sür 5 s 2 l-Metev Fensterfläche aus. Mit dem Wegsall einer Anzahl Tiegelösen sowie eines Martinofens, an deren Stelle ein Kupvelosenbetrieb eingerichtet wurtze, hat sich in einer großen Gießerei die Lust: wesentlich verbessert und der Aufenthalt ist sür die Arbeiter viel erträglickwr geworden. Ans dem Kapftel über die wirtschaftlichen Zustände der ?lr-- beiter enahren wir, daß im Aussichtsbezirk Gießen nur drei Werkkonsumoereine bestehen, und zwar auf den Eisenwerken zu Lollar und Hirzenhain, sowie der Hutfabrik von R. und M. Wegener in Blitzenrod. Die Hutfabrik unterhält aus ihre Kosten einen Verkaufsladen, in dem etwa 40 Familien ihrer Fabrikangehörigen Spezereiwaren zum Selbstkostenpreis beziehen können. Die beiden Konsumanstalten in Lollar und Hirzenhain sind Eigentum der Eisenwerke. In Lollar beträgt der Jahresumsatz rund 150 000 Mark, in Hirzenhain 97 000 Mark. Im Herbst werden auch Kartosseln, Gemüse und Hiausbrandkohlen im Großen bezogen und zum Selbstkostenpreis an die Arbeiter vergeben. Das Eisenwerk Hirzenhain sah sich, als vor etwa 2 Jahren wegen der überaus hohen Fleischpreise die Arbeiter mit Lohnforderungen an die Direktion herantraten, genötigt, einen Metz- gereibetrieb aus seine Kosten einzurichten. Es wurde Vieh ange» kaust, von Werksangehörigen geschlachtet und das Fleisch zimt Selbstkostenmeis abgegeben. Diese Konsumschlächterei lmt man in diesem Jahr wieder aufgehoben und den Betrieb an einen Privatmetzger verpachtet. Eine Konsumbäckerei besteht seit Jahresfrist in der Stadl Gießen. Der dortige Konsumverein, dem meistens Arbeiter angehören und der auch Ziveigstellen in Butzbach Und Friedberg besitzt, hat diese errichtet. Dem Konsumverein sür Franksurt und Umgebung gehören verhältnismäßig vicie Arbeiter in dem südlichen Teil des Aussichtsbezirks der Umgebung von Franksurt an und werden von diesem auch mit Brot versorgt. 2ft» Stadt und Land. Gießen, 29. April 1914. ** Veränderungen tit der 25. Division. Zum Oberleutnant befördert der Leutnant der Reserve: Ockel d. 5. Großh. Hess. Jns.-Rgts. Nr. 168 (I Darmstadt) — Ter Abschied bewilligt: den Haumleuten: Geyer d. Landw. Inf. 2. Ausgeb. (Gießen), Gras v. Büdingen d. Landw. Feldari. 2. Ausgeb. il Darmstadt , diesem m. d. Erlaub», z. Tr. d. Unis. d. Großh. Art.-Korps, 1. Großh. Hess. Feldart.-Rgts. Nr. 25; dem Oberleutnant: Haberkorn d. Landw. Feldart. 2. Ausgeb. (I Tvrm- stadt): dem Leutnant: Küchler d. Landw. Feldart. 2. Aufgeb. (I Tarmstadt). ** Ku n stvere in. Ein bedeutungsvoller Vorgang hat sich in letzter Zeit in dem oberhessischen Künstverein vollzogen, indem dieser neben den viel besuchten Wanderausstellungen zur Erwerbung eines eigenen Besitzstandes übergegangen ist, der selbstverständlich zu gleicher Zeit der Stadt Gießen als Kern einer städtischen Kunstsammlung dienen soll. Als Grundstein ist das srüher hier ausgestellte Bild von Otto Ilbbelohde: Hessische Landschaft, sür den nach dem Urteil von Kennern sehr mäßigen Kausvreis von 1000 Mk. in de» Besitz des Kunstvereins übergegangen. Nachdem srüher schon vrivatim sür diese» Zioeck 350 Mark gesammelt waren, hat der Kunstverein sür 4 Jahre je 100 Mark bewilligt, von denen 300 Mk. von einem Freund der Sache vorgestreckt wurden. Ter Rest von 2.50 Mk. lourde von der Stadtverordnetenversammlung in ihrer vorletzten Sitzung, wie berichtet, unter Wahrung des entsprechenden Teils am Besitz, einstimmig bewilligt. Durch diese Vorgänge veralilaßt, hat ein hiesiger lleiner Verein eine sehr interessante Skizze des früheren Gießener Studenten Tr. Hermann Keil, den seine Kunst nach Paris geführt hat, erworben, und es ist zu honen» daß sich noch andere Gießener Bereinigungen oder Private finden werden, die den Gedanken einer städtischen Kunstsammlung tatkräftig fördern. Ties wird zugleich der Entwicklung des Kunstwesens in der ganzen Provinz Oberhessen sörderlich sein, und es ist sehr zu wünschen, daß der oberhessiiche Kunstverein seinem Namen entsprechend immer mehr Mitglieder nicht nur aus Gießen, sondern auch aus den weften Kreisen der Provinz bekommt. Selbstverständlich wird auch eine BeteiliMng aus den benachbarten preußischen Gebietsteilen, die lebhafte Beziehungen zu Gießen haben, echofst. I ffiit bon Sejdjnrbtntn Vorgang ift etwas erreicht, >vas schon Kit etwa 18 Jahren von Gießen aus in dem allgemein hefti- schen zhnitzverein angeregt war, ohne daß es bei seiner Verfassung erreich» weiden konnte. Ter Borgang »echt, wie ziveckmäßig die Begrün dang eines besonderen oberhesiischen Kunstvereins gewesen ist, um das Kunstlebcn der Stadt Gießen und Obcrhessens zu heben. ** GieKrner Freiwillige 2 an i t ä t s k o l o » n e. Nach dem Jahresbericht inr 1913 hatte die Kolonne zu Beginn des Jahres 60, aur Schluss« 39 aktive und 9 inaktive Mitglieder, ipovon 10 der Abteilung Klein-Linden angeboren. Sic hat an 23 Tagen llcbungen im Tcpot abgchalten und dreimal im Gelände geübt. Uni 20. Juli wurde sic durch den Inspekteur der hessischen Sanitäisloivnncii, Generalarzt Lindemann, bei einer Hebung am Bahnhos besichtigt, wobei der Inspekteur ihre gute ylnsbüdung lobend anerkannte. Außerdem sandcn 10 Bor- standssitzangen und eine Hauptversammlung statt. Durch Abordnungen beteiligte sich die Kolonne an der Frier des 25jäheigcn Bestehens der Tarmstädter Kolonne, einer Ucbung der Wetzlarcr Kolonne und einer geineinschastlichen Hebung der Darmstädler und Oftenbachcr Kolonne in Oftcnbach. Die Feier ihres zehnjährigen Bestehens beging die Kolonne durch Veranstaltung eines Wohl- tätlgkeitskonzertes unter Mitwirkung der Konzertsängcrin Frl. Jda Stammler, des Herrn Pianisten Hahn und des Or- cheftervcreiiis. Das Konzert brachte einen Ueberschuß von 375,72 Mark, der zur Vl'rvollständigung der kriegsmäßigen Ausrüstung verwendet wird. Im Oktober begannen zwei Ausbildungs- kursc, einer in Hcuchelheim unter Leitung des dortigen Arztes Dr. Hof mann und einer hier unter Leitung des Kolonnenarztes Dr. Schaffer, die am 21 und 22. Dezcniber nrrt einer Ab- schlustprüsung vor Oberstabsarzt Dr. I i c g c r t endigten. Einem Mitglied«: wurde die Auszcichnungsborte für 9 jährige Dienst- zest verliehen. — An.10 Tagen wurden Wachen gestellt beim Re- ginrentsjubiläuni, Prinz-,Heinrich-Flug, bcmi Sportfest, Radrennen, bei einer Regatta und zwei Pserdemärkten. Erste Hilfe wurde von Mitgliedern der Kolonne in 137 Fällen geleistet, darunter befinden sich 199 Hilleleistungen, bei welchen der Kranke oder Verletzte transportiert wurde. Außerdem wurden 200 Hilfeleistungen kleinerer Art gemeldet. Von diesen Transporten, die sür unsere Mitglieder mit Zeil- und Berdieustverlust und für die Ko- loxnenkassc nrit großen Auslagen verbunden sin», erfolgten 95 ohne jeden Ersatz der der Kolonne entstandenen Auslagen. ** Billige Briefe nach den Bereinigten Staaten. (10 Pfg. sür 20 Gramm.) Die Portoermäßigung erstreckt sich nur auf die Briese, nicht auch aus Postkarten, Drucksachen usw. und gilt nur für Brief ».mach len Bereinigten Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Gebieten Amerikas, z, B. Kanada. „Imperator", ab Hamburg 2. Mai; „Kronprinzessin Cerilic", ab Bremen 5. Mai; „Amerika", ab Hamburg 9 Mar; „Kaiser Wilhelm der Große", ab Bremen 13. Mai; „Vaterland", ab Hamburg 14. Mai: „Prinz Friedrich Wilhelm", ab Bremen 16. Mai; „Kaiser Wilhelm II.", ab Bremen 19. Mai; „Kaiserin Auguste Victoria", ab Hamburg 21. Mai; „Kronprinz Wilhelm", ab Brenien 26. Mai; „Imperator", ab Hamburg 27. Mai: „George Washington", ab Bremen 30. Mai; „Kronprinzessin Cecilie", ab Bremen 2. Juni. lPostschluß nach Ankunft der Frühzüge.) Alle diese Schifte sind Schnei ldampicr oder solche, die für eine bestimmte Zeit vor dem Abgänge die schnellste Besörderungsgelcgen- heü bieten. Es empfiehlt sich, die Briefe mit einem Leitvcrmerke, wie „direkter Weg" oder „über Bremen oder Haniburg" zu versehen. Landkreis Gießen. t. Großen-Buseck, 27. April. Die Maurerarbeiten bei dem Neubau des Schulhauses schreiten nur langsam vorwärts. Das Grund Wasser drängt so stark an, daß zuerst die Entwässerung vorgenommen werden muß. — Daubringcn, 27. April. Nachdem die Bestätigung des Bürgermeisters Walter, der am 23 Dezember v. Js. zum vierten Male gewählt wurde, vom Grvßh. Kreisamt erfolgt ist, brachten ihm zu Ehren am Samstag abend der Gesangverein Dirnbringen und der Männcrturnverein eine Kundgebung dar, die mit einem Lampionzuge durch das Dorf verbunden war. Nach dem Absingen einiger gut vorgetragener Lieder vom Gesangverein, dessen Ehrenmitglied Bürgermeister Walter ist, solvie von Ausstellen verschiedener Phrannden durch den Turnverein hoben der Präsident des Gesangvereins, W. Roth, und der Vorsitzende des Turnvereins, E. Schäfer, in schwungvollen Reden die Verdienste hervor, die sich Bürgeruicistcr Walter während seiner 27jährigen Dienstzeit für die Gemeinde erworben ktzit und brachten ihm die Glückwünsche für die weitere Amtszeit dar. Bürgermeister Walter dankte in bewegten Worten für die Ehrung und betonte, auch in Zukunjt alle Kräite sür das Wohl und Blühen der Gemeinde cinzusetzen und das Amt in derselben unparteiischen Weise zu führen, wie er es bisher getan habe. Kreis Fricüberg. r. Bad-Nauheim, 27 April. In der heutigen Stadtverordnetenversammlung gab der Vorsitzende, Bürgermeister Dr. Kapser, bekannt, daß das Großh. Ministerium, Abteilung sür Unterricht, anläßlich des »eberganges der Ernst-Ludwig- Schule in die Staatsverwaltung der Stadtverwaltung seinen Tank sür die der Schule erwiesene Fürsorge ausgesprochen habe. Das Ministerium hat genehmigt, daß wöchentlich eine Stunde wahlfreier Hemdarbeitsunteericht sür Mädchen erteilt wird und die Mädchen Anrecht aui die an der Schule errichteten Freistellen haben, »ich bei dem Schulbesuch mehrerer Kinder aus eimr Familie auch hei Mädchen die übliche Ermäßigung des Schulgeldes Eintritt. Die Versammlung genehmigte 1500 Ml. zur Ausbesserung des Turmes der alten Wilhclmskirchc. Unter anderen Erneuerungsarbei- ten ist auch die Anbringung eines Blitzableiters vorgesehen Dem Staat wird die rechtsseitige Userböschung der Ufa vom Ludwigsbrunnen bis in die Friedbcrger Gemarkung sür eine Anerkennungs- gcbühr von 40 Mk. jährlich verpachtet. Zur Unterbringung des städtischenFuhrparies soll aut dem Gelände der Klärbeckenaulage ein WagenschUppen ei achtet werden. Tic Versammlung bewilligt für den Rau 15 400 Mff. Ter Platz vor der Stadtschule soll mit Kleinpslaster versehen Iverden. Die Versammlung bewilligt die an- gesordertcn Kosten in Höhe von 1380 Mk. r. Bad-Nauheim, 27. April. Am 12 Mai wird Felix Weingartner mit der Hosthcatcrkapellc Tarmstadt und der Kurkapellc im Konzertluius ein Konzert geben. Der Ertrag des Konzertes fließt in die Unterstützungskassen der beiden Kapellen. k, Kirch-Göns, 26. April. Heute feierte Frau I- JuIlg VII. ihr 25jähriges Jubiläum als Hebamme der Gememde. Am Nachmittage versammelten sich etwa 80 Frauen im Gasthaus „Zum Löwen", wo eine kleine Feier ftattsand. Ein ansehnlicher Betrag aus einer Sammlung konnte der Jubilarin als ein Zeichen der Anerkennung übergeben werden. Starkenlmr« und Rheinhessen. »I. O s s e n b a ch , 28. April. Durch einen neuen Schwind- l e r t r i ck versuchte der 24jährigc Hilisardciler Blasius Schmitt -us Dornau sich Geld zu verschossen. Ende 1912 kam er »ach Kleinwallstadt, wo er sich nach vermögenden Handelsleuten in einer Wirtschaft erkundigte. Er begab sich dann zu einem Handelsmann »er ihm von dem Gastwirt als Geldmann bezeichnet wurde. Tiefem stellte er sich als Kriminalkommissar vor und sragte ihn, ob er ,n jüngster Zeit nicht .Hundert- oder Fünszigmarkscheine vereinnahmt habe; es seien nämlich salsche Scheine im Umlauf, die von den echten sebr schwer zu unterscheiden seien. Namentlich in die Gegend vvn Kleinwallstadt seien viele derartige Scheine gekommen; etwaiges Papiergeld solle ihm zur Prüfung vorgclegt werden. Der .Handelsmann durchschaute aber den Schwindlertrick und brachte die Sache zur Anzeige. Schmitt flüchtete alsdann, reiste später unter L_. ' 1- "ff J g" l_____ ■ dem Namen Richard Strauß, uich gab sich auch als Flugzeugführer aus. Schließlich kam er nach Osfenbach, wo er fest genommen wurde. Hessen-Nassau. --- Frankfurt a. M„ 27. April. In Cronbcrg trifft morgen früh um 11 Uhr ein Sondcrzug mit Beamten des Ent"' bahnminiftcriums und Baubcamicn der Franksurter^Eiienbahn- direktion ein, um die Neubauten der jetzt an den Staat übergegangenen Kronberger Eisenbahn in die Wege zu leiten. X Hanau, 27. April. Die Frage der Ausnutzung der Main Wasserkräfte wurde in einer auf Anregung des Obcrpräsidenten der Provinz Hannover iWasserstrombauver- waltung) einberufenen Zusannnenkunst von Vertretern der Stadt- und Landkreise Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern, Fulda, Gersscld und Hunfeld erörtert. Den Vorsitz führte Regierungsrat Neemöller aus Kassel. Geplant ist die Versorgung der genannten Kreise mit elektrischer Energie durch Ausnutzung der infolge der Mainkanalisierung sich ergebenden Mainwasserkräfte und eine Verbindung mit den Stauwerken des Wesergebietes lEdertalsperre usw.). Bindende Beschlüsse wurden noch Nicht gefaßt, doch ist auf Grund der gepflogenen Verhandlungen anzunehmen, daß eine weitere Verfolgung des großzügig gedachten Unternehmens erfolgt. _ wandern und Reisen. Räder. — Fahrkartenausgabe, Gepäck- »»d Zoll- abiertignng aus dem Bobeniee. Vom >. Mai an sticket ans folgenden an wichtiae Schnellzüge von Friedrichshalen »ach Stuttgart—Frankfuit a M.—Hamburg, Köln-Holland »nd Ulm— Nürnberg - Leipzig—Berlin, beziv. Dresden—Bresla» anschließenden Tampiern die Zollabierlignng des Reisegepäcks mährend der Ueber- iahrt »der den Bodenlee stalt: 1l RomanSdorn ad 12.51 nachm., Friedrichshasen an 1.30 nachm,; 2s Nomansdorn ab 8.24 nachm,, Friedrichsdalen an 7.02 »achn,.; 3) Rorschach ab 12.25 nachm,, Friedrin shaien an 1.23 nachm. Außerdem iverden znr Beguenr- lichkeit der Reitenden an! denselben Dampfern Eilendahnsahrkarten »nd Gepäckscheine für die anschließenden Schnellzüge ansgegeben. Rädere Auskinill über Zugverdind,ingen nsw. erteilt kostenlos die Amtliche Aiiskuiistslelle bei Kgl.Würlte nbergijchen Staalseilenbahneii im Jnternalionalen össentlichen Verkehrsbnrea», Berlin W, Unter den Linden 14. Gictzener Strafkammer. Gießen, den 28, April, Wegen Uebertretung des Fischerei-Gesetzes wurde der Händler H. B. aus Gießen zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Er halte im September v. Js. nachmittags in der Lahn unterhalb der Wieseckeinmündung die Fischerei in der Weise aus- geübt, daß er mit dem Netz ausgerüstet in der Lahn stromaus ging, während sein Gehilfe einige Schritte von ihm entfernt, mit einer Stange in dem Schilf und den Schlinggewächsen herum- stocherte, um die Fische aus ihren Verstecken heraus und in das Netz des Angeklagten zu treiben. Nun verbietet das Fischereigesetz beim Fischsang die Anwendung von Mitteln znr Verwundung der Fische, und führt als Beispiele Fallen mit Schlagfedern, Gabeln, Spcere, Stecheisen, Stangen etc, an. Obivohl die Stange, die der Angeklagte benutzt hatte, unten vollkommen stumpf war, kam das Gericht doch zur Ansicht, daß sie geeignet ist, eine Verwundung der Fische herbcizuführen, wenn damit, wie hier geschehen, mit einer gewissen Gewalt in das Wässer geswßen werde. Aber das Gericht hielt diese Feststellung sür die Verurteilung nicht einmal ersocherlich, da das Gesetz schlechthin das Benutzen von Stangen beim Fischsang verbiete, gleichgültig, ob mit der Stange nur leicht auf das Wasser oder das Schilf geschlagen werde oder, wie hier, damit im Wasser herumgestochert werde. Das Schöfsengcricht Halle freigesprochen. Wegen Nichtreinigens der Straße vor ihrem Holzlager wurden die Kaufleuie W. Sch. und K. U. in Friedberg zu je einer Mark Geldstrafe verurteilt. Sie hielten sich zuM Reinehalten nicht verpflichtet, weil zwischen der Straße und ihrent Besitztum ein schmaler Geländestreisen der Stadt liege, der verhindere, daß sie als Anlieger der Kreisstraße angesehen werden könnten. Das Schöftengcricht war aits diesem Grunde zu einer Freisprechung gekommen. Die Strafkammer stellte fest, daß die Angeklagten auch noch die Reinigung eines anderen Straßenteiles, zu der sie verpflichtet ivaren, verabsäirmt hatten, weshalb es auf die erwähnte Schutzbehanptung der Angeklagten nicht weiter ankam und Verurteilung erfolgen mußte. Zurückgcwicsen wurde die Berufung die Viehtreibers Th. aus Ottrau; er war vom Schöffengericht zu 1 Mark Geldstrafe verurteilt worden, weil er einen Transport Fohlen nach München gebracht hatte, ohne die Tiere in das Kon- trollbuch eingetragen zu haben. Er behauptete, im Auftrag eines Viehhändlers gehandelt zzi Hecke», der wegen dieser Unterlassung einen Strasbesehl erhalten habe; er selbst habe vvn der Verpflichtung, daß auch der Transport von Fohlen in das Kontrollbnch einzutragen sei, keine Kenntnis gehabt. Das Gericht war der Ansicht, daß ein Transportführer die einschlägigen Vorschriften kennen müsse, weshalb es das erstinstanzliche Urteil auftecht erhielt. Verworfen wurde auch die Berufung des Schreiners H. aus Dresden, der wegen Bettelns vom Schöffengericht zu 6 Wochen Hast verurteftt worden war und wegen des Ausspruchs der Uebenveisung an die Landespolizeibchörde Berufung eingelegt hatte. Es wurde fcstgestellt, daß der Angc- klagte wegen Bettelns ungezählte Male verurteilt worden war, so daß für ihn die Unterbringung in csn Arbeitshaus angebracht erschien Gerlchttsaal. V Tübingen, 28, April. Das Schwurgericht verurieilt« den 27jähr!gen Hausknecht Maier, der am ll. Jannar an der 1Xjährigen Irma TaIsauer ein Sittlichkeitsverbrechen begangen nnd das Mädchen dann erwürgt hatte, zum Tode. Breslau, 27. April. Ter 30jährige Bnreanvorsteher Georg Müller, welcher die gemeinsam mit ihm bei einem Breslauer Rechtsanwalt beschäsligt gewesene 15jährige Stenotypistin Martha Ruvprecht am 8. April im Bnrea» erschossen hat, da sie die Aimäherungsversnche Müllers nblelmle, wurde heule vom Schwurgericht z» 10 Jahren Znchthaus und 10 Jahre» Ehrverlust verurteilt. Unlversitäts-Nachrichtei». |— Der Leipziger Privatdozent Dr, jur. Hans Pe- t e r s hat den, Rjus an die Universität Frankfurt a. M. als Ordinarius sür römisches und deutsches bürgerliches Recht angenommen. — Mi nuni-reiaismagige a. o. Professor, Diplom-J genieur Karl Eberhardt wurde zum etalsmäßigen außi ordentlichen Professor für Flugtechnik an der Technisch Hochschule zu Darmstadt ernannt. Der ordentliche Professor der Geologie und Paläonl logie an der Universität Köni der T o r n q u i st, hat einen Rlg, u,. v tn ©raj erhalten; er soll dort den nach Leipzig übe, siedelten Pros. Franz Koßmat ersetzen. s b e r g i. Pr., Dr. Alexo an die Technische Hochschi Luftschifsahrt. Dresden, 27. April. Tie wissenschaftliche Gesellschaft für Flugtechnik nahm einen Antrag auf Acnderung des BereinSnamens i» etnc Gesellschaft für Lustfahrt au. Es wurde beschlossen, an den Schirmherrn, den Prinzen Heinrich von Preußen, der durch seine Südamerikareisc an der Teilnahme verhindert ist, ein .Huldigungstelegramm zu senden. Ter Ort der nächstjährigen Tagung ist Hamburg. Paris, 27. April. Tie Insassen eines gestern bei I s s o u d n n gelandeten deutschen Freiballons namens „Frciburg", der Führer Dr. M o m in und die Mitfahrer Sommer, S ch ü n i tz und S ch n e i b c r, wurden nach einem Verhör durch die Zivil» und Militärbehörden heute nachmittag f r c i ge l a s s c n. Rom, 27. April. Nach einer Meldung des „Giornale d^Italia" hat das Militärlustschiss heute eine Höhe von 1000 Metern nnd eine Stnndengeschwindigkeit von 84 Kilometern erreicht und damit, wie das Blatt erklärt, eine von Lnftschtfsen dieses Typs nicht erreichte Schnelligkeit erzielt. vermischtes. * Drachen- und Fesselballon auf stiege des Taunus-Observatoriums auf dem Kleinen Fcldberg i. T. Seit Anfang April werden in den späten Nachmittagsstunden auf dem auf dem Kleinen Feldbcrg i. T. errichteten Observatorium Drachen-und Fesselballone steigen; bei starten Winden werden Drachen, bei schwächeren Fesselballone genommen. Beide werden durch dünne, außerordentlich starke Stahldrähte gehalten, die von einer Motorwinde auf- und abgewickelt werden Bisweilen werden an einem Draht mehrere Drachen und Ballone angebracht, um große Höhen zu erreichen. Dicht unter den, obersten Drachen oder 'Ballon wird direkt an den Draht ein Registrierapparat festgeklemml, der Lustdruck, Temperatur, Feuchtigkeit und Windstärke selbständig aus zeichnet. Bei ungünstigen Windverhällnisse», insbesondere bei stark wechselnden Winden, konimt es bisweilen vor, daß diese Drachen und Ballone abreißen, oft viele hundert Meter Draht hinter sich her schleppen und liernnteisallcn. In diesem Falle ist größte Vorsicht nötig, weil unter Umständen der Draht irgendwo eine elektrische HochspannungSleitiing berührt haben kann. Man soll deshalb diesen Draht, wenn man ihn findet, nur mit einem Stock oder umwickelten Händen berühren. In jedem Falke ist cs ratsam, dem Taunus-Observatorium zu telephonieren (Amt Königstein i .T., Nr. 189), damit die Materialien sofort aus dem Wege geräumt werden, ohne selbst Beschädigungen zu erleiden. Dem Finder eines solchen Drachens oder Ballons, insbesondere des Apparates, ist eine Belohnung zugesichert. Etwa notwendig werdende Unkosten zur Bergung des Drahtes und der Instrumente werden bcreft- willigst zurückvcrgütet. * Explosion auf einem (Dampfer. Auf dem russischen Dampfer „K omtle i", der nach Rouen bestimmt ist, fand 20 Seemeile» südwestlich von Lllgier eine schwere Explosion statt. Ein TeU der Besatzung wurde gerettet, 15 Personen werden vermißt, — Ter Dampfer hatte eine Ladung Benzin an Bord. Den englischen, italienischen und französischen Dampfern gelang es, 15 Personen, darunter die Frau des Kapitäns, zu bergen. Nach den übrigen 15, die vermißt werden, ist von den Torpedobooten bisher vergebens gesucht worden. * Tie Stadtverordnetenversammlung in Kös- l i» hat in geheimer Sitzung beschlossen, die durch die Verhaftung des zweiten Bürgermeisters Alexander erledigte Stelle nicht mehr auszuschreiben, sondern unter drei in Frage kommenden Kandidaten zu wählen. Ferner stimmte die Versammlung der Errichtung eines Flugplatzes in Köslin zu. Die Errichtung wird über eine Million kosten. Neben einer Zivil-Fliegerschule soll eine solche für Milftärflieger errichtet werden. »leine Tagerchronik. Aus dem Müggelsee keitterle am Sonntag bei stürmischem Wetter ein Boot, in dem sich drei Damen und ein Herr befanden. Eine der Damen ertrank, die übrigen konnten gerettet werden. Ter Gemeindevorsteher R o t h e r aus Drewitz im Kreise Teltow, der nach Unterschlagung von über 20000 Mk. seit Wochen flüchttg war, hat sich der Staatsanwaltschaft gestellt. Als er am Billetschalter im Komödienhaus in Berlin eine Eintrittskarte kaufte, wurde der Baron v. Rosenberg von einem Herzschlag getroffen und brach t o t zusammen. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. April 1914 So. S Ifi Z * 1^ w || if i gv«g- ©£-i*ä ü-I Weiter 28 2” 764,1 18,4 7,3 46 N 2 0 Sonnenschein 28. »“i 753,5 13,9 6,7 56 still ma 0 Klarer Himmel 29. 7*| 761,1 9,5 6,2 70 N 2 0 Sonnenschein Höchste Temperatur am 27, bis 28. April 1914 = + 19,4’a Niedrigste . , 27. . 28. , 1914 = -f 4 2». Niederschlag: 0,0 mm. Die Marke „Scott". Da mein Töchterchcn Tina mit einem halben Jahre kaum sechs! Pfund wog, so ließ ich es eine Zeitlang Socits Lebertran-Einul- sion nehmen. Ich griff zur Marke „Scott", weil die Kleine die' erste Flasche einer billigeren Emulsion nicht gerne zu nehmen schien. Scotts Emulsion schluckte sie sofort mit Behagen und der Ersolg blieb nicht aus: Denn nach 4 Flaschen hatte Tina schon 5>/r Psund- ,„genommen und nach weiterem Gebrauch sich zu einem' festen dickrunden Mädelchen entwickelt, das mit 15 Monaten allein lie und über dessen prächtiges Aussehen und munleres Wesen sich jedermann freut. Bad Münster a. Stein, 14. JuU 1912 (gez) Ph. Dich. Mit dem Einnehmen von Scotts Emulsion geht die Gewichtserhöhung Land in Hand und damit eine Stärkung des Körpers. Der Appetit und die Verdauung werden