Nr. 94 Zweites Blatt M. Jahrgang Erscheint täglich mit AuLnahme der Sonntag?. Tie „Lietzencr Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger' «lermal wöchentlich beigelegt, dar „Krtitblatt fit de, Kult Siehe»" zweimal wöchentlich. Die „kanb«irtsch«stlichen Zeitsrage»" ericheinen monatlich zweimal. Gietzener Aiyeiger General-Anzeiger für Cberheßen Donnerstag, 23 . April t9^4 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scl-err Universitäts - Buch- und SteiubrucfercL R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuk- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion: e#ll 2. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen. Der König von England in Paris. Paris. 22 . April. Der Präsident der Republik und Frau Po in care sind heute vormittag nack > Uhr vor 6er englischen Botschaft »opgefohren, >vo das Königs- paar von England in dein Wagen Platz nahm, um sich unter Sympathiekundgebungen der Menge zur Truppenschau nach Bineenues zu begeben. Paris, 22 . April. Ter König von England empfing lkeuic morgen den russische» Botschafter Jswvlskn. — Die Majestäten begaben sich um ll Uhr nach der russischen Botschaft, wo sie verschiedene Abordnungen enrpsingrn. die Adressen überreichten. Das Königs paar nahm an einem Frühstück tn kleinem Kreise teil. V i n c e n n e s, 22. Slpril. Nach dem Vorbeimarsch der Truppen vor dem König und dem Präsiden- »cn nahmen dre Zöglinge der Ecolc Polytechniane und ein Bataillon von St. Cyr vvr der Präsidcntcntribüne Ausstellung. Poincare schmückte ihre Fahnen mit dem Kreuz der Ehrenlegion, um, wie er sagte, die nalionnkc Dankbarkeit auszudrurken gegenüber diesen Anstalten, die dem Lande so viele gute Diener gegeben hätten und gegenüber diesen beiden Pflanzstätten, die den, ganzen Heere ein Beispiel von Patriotismus und militärischer Pflichtersüllung gewesen seien. Pcnncare küßte daraus die Fahnen. Nach der Rückkehr von der Truppenschau in VincenncS sand sür den englischen König und die Königin, die von dem Präsidenten und Frau Poincare begleitet würben, ein Enip- fang im Rathaus statt. Ter Präsident des Gcmeiude- rotes und der Präfekt des Seine-Departements hielten Begrüßungsreden, die der König dankend cnvidcrte. Darauf besichtigten die Majestäten die Säle des Rathauses, wo sie von den zum Empsaugc Erschienenen herzlich begrüßt wurden. Namens der Stadt Paris wurden ihnen Geschenke überreicht, und zwar ein goldener Becher für den König und ein Spiegel sür die Königin. Nachdem die Majestäten sich tn das goldene Buch eingetragen lyrtten, verließen sic in Begleitung PoincareS und seiner (öemahlin das Rathaus. Paris, 22. Llpeil. Im Laufe der Soiree, die sich an das Prunkmal im Elysee ansckriloß, teilte König ttzeorg dem Präsidenten Poincarö mit, daß er aus Anlaß seines Pariser Besuches der französischen Regierung sechs Dronzcrclicfs des sranzösischcn Bildhauers Desjardins zum Geschenk machen werde, welckn? einst den Sockel des Reiterstandbildes Ludwigs XIV. in Paris geschmückt hatten und später Eigentum der englischen Kö- niasfamilie geworden und im Schloß zu Windsor ausgestellt loordcn waren. Präsident Poincare und Ministerpräsident Doumerguc dankten dem König herzlich sür diese Aufmerksamkeit. Eine halbamtliche englische Erklärung. Der Spezialkorrcspoudent des Reuter-Bureaus, der den König aus seiner Pariser Reise begleitet, ist z u folgender Erklär u n g ermächtigt: Was die bevorstehenden Besprechungen während des Besuches des Staatssekretärs Gren und die mutmaßlichen Ergebnisse der Zusammenkunft des britischen und des französischen Ministers des Auswärtigen anbetrisit, so kommt ein neues, iormellcs schriftliche» englisch-französisches Abkommen, welches von einigen Stellen vermutet wurde, nicht in Frage. Die Beziehungen Englnnds und Frankreichs sind gut und seit begründet und aus der Grundlage des gegenseitigen herzlichen Einvernehmens stark befestigt. Zweifellos werden die Angelegenheiten von beiderseitigem Interesse, wie die Neuen .Hebriden betprochcn werden. Tie Annahme ist jedoch grundlos, daß Grey oder Donmrrgue rinc Liste von Angelegenheiten sür einen formellen Meinungsaustausch geplant haben. Wenn eine Grundlage des Einverständnisses besteht, wie hei England und Frankreich, so iverdcn Fragen wie die genannte besser zwischen den technischen Experten erledigt werden. Fn den englisch-französischen Beziehungen ist tatsächlich keine formellere Art n»d Weise notwendig, ebensowenig wiecinAbgehctlvondcmbcstchendcnEinverständ- ,«is. Obwohl als Ergebnis des Pariser Besuches eine Erweiterung der brstcbendcn Beziehungen nicht zu erivnrien iß, so darf doch aus eine klarere Definition des bestehenden Ein per st ä n d n i s s c s gcrarlznet werden. Deutsche» Reich. Ter Kaiser besuchte am Mittwoch die Ausgrabungen in Monrepos und Garitza, ebenso die Kaiserin, der König der Hellenen und tue anwesenden deutschen Diplomaten Die Kaiserin besuchte vormittags den Panzerkreuzer „Göden". Zur Mittagstafel beim Königspaar der Hellenen im Stadtschloß waren der Reichskanzler und Frhr. v. Wangen- hcim geladen. Der König verlieh dem Reichskanzler das Großkreuz des Erlöserordcns. Tie Taufe des Erbprinzen von Braun- schweig. Tie Taufpaten des Erbprinzen sind folgende: Das Kaiscrpaar, das Herzogspaar von Cumberland, der Kaiser von Oesterreich und der Kaiser von Rußland, die Könige von England und Bayern, der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, Prinz Map von Baden, die Prinzen Adalbert und Osbar von Preußen, Prinz Waldemar von Dänemark und das bayerische erste schwere Reiterregiment in München. Das .Kaiserpaar trisst am 0. Mai gegen 10 Uhr vormittags ein. Es findet großer Empfang 'statt. Entgegen anderslautenden Meldungen steht fest, daß der Herzog Ernst August von Cumberland bei den Tausfeierlich- kcilen nicht anwesend sein wird. Ausland. Die intimen Briefe des französischen Finanzmini st ers Caillaux. Aus Paris wird unterm 22. April berichtet: Der Untersuchungsrichter Boucard richtete an Frau Caillaux im Lause ihres gestrigen Verhörs die Frage, ivarum sie die Verössentlichung der intimen Briefe so sehr gesürchtet habe. Frau Caillaux antwortete: Weil diese Briese von meinem Galten zu einer Zeit geschrieben worden waren, als ich bereits geschieden war, er aber noch nicht. Es widerstrebte mir, diese Briese der Oessem lichkeit preisgegeben zu sehen. Mein Rus konnte darunter leiden. Aus die Frage, warum sie diese Briese ihrem Gatten zurückerstattet habe, erwiderte Frau Caillaux, ihr Gälte habe sic gebeten, diese Briefe, damit sie nicht verloren gingen, postlagernd nach Le Mans zu schicken. So sei es gekommen, daß Frau Gueydau, die damalige Frau ihres Gatten, die Briese aus einem Fache des Schreibtisches ihres Gatten habe nehmen können. Angesichts des gegenwärtigen Skandals verlange sic, daß diese Briese den Prozeßakten einverlcibt würden, und sie beschioörc den Richter, sie zu beschaffen. Der Untersuchungsrichter bemerkte hieraus, daß er Frau Gueydan wiederholt ersucht habe, ihm die Photographien dieser Briefe zu übergeben, daß sie dies jedoch hartnäckig verweigert habe. Frau Caillaux bat den Richter nochmals dringend, alles aufzubieten, damit die Gerichtsbehörde in den Besitz dieser Briese gelange. Diese Schriftstücke hätten keineswegs jenen unanständigen Charakter, den man ihnen beilege. Sie habe auch von Calmette nur das Versprechen erlangen wollen, diese Briefe nicht zu veröffentlichen. Sic habe Calmette keineswegs töten, sondern ihm im Falle seiner Weigerung nur Skandal machen wollen. Don der französischen Fremdenlegion. Aus Ain Sesra wird gemeldet, daß ein Korporal und 1s F r e m d e ul c g i o n ä r c in der Nacht zunl Mittwoch aus der Kaserne entwichen und westwärts mit Waffen und Gepäck geflohen sind, nachdem sie vorher die Telegraphen- drähtc des Forts Hassa durchschnitten hatten. Eine Abteilung Kavallerie ist zur Verfolgung aufgcbrochen. Der König von Schweden verließ am Mittwoch nachmittag das Sosiaheim und ftlhr mit der Königin nach dem Schloß Drottningholm. Dem König ist die Fahrt gut bekommen. Er begab sich vorsichtshalber sofort ins Bett. Professor Berg begleitete den König nach Drottningholm. Der Aufstand in E p i r u s. plus Dur az zo wird gemeldet: Die am Dienstag voni Ministerrät beschlossene Ausstellung der M i l i z erstreckt sich über das ganze Land und soll schleunigst durchgcsührt werden. Eine Abordnung aus den von den Grieche» besetzte» Gebieten hat militärischen Schutz gegen die griechischen Gewalttätigkeiten erbeten. 19. Kirchlich-jozialer Kongreß. h. Wicsbad en, 22. April. Unter außerordentlich starker Beteiligung aus allen Testen des evangelischen Deutschland ltndet hier gegenwärtig, der IN. Kirchlich-soziale Kongreß statt. Er wurde durch einen Festgottes- dicnst in der Lutherkrrchc »ich eine Bcgrüßungsseicr eingetcitet. Heute vormütag veriammcltc inan sich zu der 1. Hauptversammlung im Kasino. Nach einer vom Generalsiipcrintendeiiten Ohln (Wiesbaden' abgchatlcncn Andacht erössncle der Präsident des Kongresses, Gcbetmrat O. l)r. S e c b e r g lBerlini die Tagung durch eine Ansprache, in der er einen Ueberbtick über die sozial - politische Bewegung der Gegenwart bot. Ein Ststlsiand iß nach dem Redner nicht cingctreten. Nur in den Fragen des Arbcits- wtlligenschutzes und des Koalilionsrcchis sei ein schnelleres Tempo wünschenswert. Leider gehe aber der soziale Sinn zurück, cs bilden sich immer mehr Klassen in der Gesellschaft, dazu kommt das Fehlen des Zusammengehörigkeitsgefühls. Statt iich zu sozialisieren, vcrwirtschaftlichc die Gesellschaft immer mehr. Helsen könne allein der Glaube an die Macht der Religion., Nach der Bürobstdung und zahlreichen Begrüsuingen erstattete Direktor Dr. Lcpsius lPotsdam einen Dorttag über Bildung und Ehrt st cn tu m. Der Prozeß, den die Bildung des 18. Jahrhunderts durch englische Freidenker, französische Enzyklopädisten und deutsche Autklärcr gegen das Christentum angestrengt habe, sei lieute noch nicht beendet und lasse die Höhepunkte Der- Nimst, Geschichte und Sittlichkeit erkennen. Vernunft, Begriff, Idee, Nawr- und Sittcngcsctz sind Ausdrücke des „Allgemeinen", die Kategorie des Christlichen ist der „Einzelne". Der Gelehrte.ist der Priester des Allgemeinen. Der Glaube erkennt das Allgemeine als ein Einzelnes. Jesus schilderte in der Bergpredigt als Sittlichkeit der Gottessöhne das auf den Kops gestellte Bergeltungs^ recht. Ter Gruichsap, dem Bösen nicht zu widerstreben, treibt Jesus in den Tod. Unbestreitbar ist. daß die chrisstiche Sittlich- Icit nicht die ganze Sittlichkeit der Christenheit ist. Um den Streit zwiickien dem Christentum nnd der Bildung zu Ende zu bringen, muß eine t>on beiden Parteien ihre Tenkmethoden ändern. Erst wenn das griechische Denken sich vom „Allgemeinen" zuur „Einzelnen" bekehrt hat, wozu die Künste Kelsen können, lvird es heißen: „nnd hinter uns um wefcuslosen Scheine liegt, was ims alle bändigt — dos 'Allgemeine". — Dem Dorttag folgte eineausgedehnte Aussprache. Tie Nachniittagssitzung brachte zunächst einen bemerkenswerten. Dortrag van Pfarrer Lic Mumm über „Die Austritts- b e w e g » n g". Die Kircheiiaustrittsbewegung habe bisher nur die Großstädte ergriffen: obwohl ihre agitatorische Kraft in der sozialdemokratischen Bewcgling liegt, ist sie nicht Standksoewcgnng. Der Bestand der Kirckp: ist bisher weder zisscrninäßig noch nnan»iell gefährdet. Die Zahl der Austritte aus der Landeskirche bettng in Preußen tt>00 : 2228, 1908 : 23 204. Die Ziffern für Berlin lauten 1908: 14 180, 1909 : 6893, 1913: 13 731, insgesamt für 1908—1913: 48 912. Ta cs sich um Austritte aus jeder christlichen Kirche hondelt, Hot man das Recht, von einem neuen Heidentum als sozialer Erscheinung zu sprechen. Die Scheidenden sind zu bedauern, jedes Mittel des Kiichenzwangs ist zu verurteilen, Zur Bekäinvsimg der Austrittsbewegiing muß die Kirche übersehbare Gemeinden und Scelsorgcbczirke schassen, unsoziale Ersckej- nvngen bei kirchlichen Handlungen besciiigcn, z. B.: die verschiedenen Klassen der kirchlichen Handlungen, dir „Liebesgaben" in den Großstädten, vermietete Kirchensißc, einseitige soziale Durchsetzung der kirchlichen Körperschaften bis hinauf zur Gcneralsynode. Einen zweiten Portrag hielt Pfarrer Deidt .Wiesbaden' über „Großstädtische Vergnügungen und Sittlichkeit". Am Abend fand in den Wartburgsälen eine überfüllte Volksversammlung statt, IN der RcichStagSabgeordncter Schiele über „Tie gemein- iamcn Interessen des Mittelstandes nnd der Arbeiterschaft" sprach. Der Redner empfahl als prakliiches Mittel zuin-Schntzc der gcmein- sanien Interessen dieser Bevölkernngsschichten die innere Kolonisation, die Lösuna der Wohnungsfrage, Bewahrung der Staatsautorität, der sittlichen Selbstbeherrschung und des Glaubens. Der veulscke an der Riviera. Nie iverde ich es vergessen: ich war jung, sehr jung sogar, und zur Belohnung sür ein in Ehren bestanvenes 'Abitur war mir -ine Reise in den sonnigen Süden bewilligt worden. Tie erste Reisc in den Süden! In das Land, wo die Zitronen blühen ! Ich war, wie gesagt, jung, und während der Zug an einem eiskalten Märztagc durch das verschneite Süddeutschland, die noch verschneitere Schweiz dahingliti, stand ich mit glühenden Wangen ,n, Fenster nnd blickte den erwarteten Herrlichkeiten entgegen. Gaschenen war erreicht: der Gotthardtunncl verschlang uns: und nun wähnte ich den großen Moment gekommen: auf der andern Seite des Tunnels, da lag cs, in seinem Duft, in seinem Glanz, seiner Wärme und seiner Schönheit: das Land der Sonne: „Italia, o Italia, tu cui fece la sott Dono infelice di bellezza.“ Jn, und was erblickte niein begeistertes 'Auge? Eine solide nordische Schncclandschast, verschneite Hügel, verschneite Felder: und am einem Baume hockte eine schwarze Krähe, die ebensogut in Stallupöncn oder Stolpcnbcrg hätte Vorkommen könne», »nd sah aiich mit einer geradezu teuflischen Bosheit an. In Mailand ...reichte meine Verzweiflung den Äöhepnnki: und hätte ich mir uicht von einem dort ansäissgeu Bekannten, der mich ans der Pahii erwartete und sich über mein dünnes Sommerröckchcn halb 'tot lachen wollte, einen tüchtigen Pelz ausleihcn können, so wäre c- wohl um mich geschehen gewesen. Ich floh, auss bitterste enttäuscht, weiter südwärts »ach Genua, an die Riviera. Denn ich schwelgte damals tn Poesie und berauschte mich an Ernst Ziels Gesängen von der Riviera: Dort an den tkiivieren währen die Sommer lang. Hier, an des Lichtes Bronnen sonnen sich Hügel und Hang." Aber ach: der Hügel dachte gar nicht daran, sich z„ sonnen. Ein Ärühlingsfturm. wie ich ihn an der heimischen Ostsee nickt rcso ttitcr erlebt batte, fegte die ganze Küste entlang, ein klatschender Regen prasselt- nieder, und mit hochgezogenen Kavuzcn oder derben Wollschals ausgerüstet, eilten die Eingeborenen fluchend ins Cafe, dem hauptsächlichen Zufluchtsorte deS Südländers vor den Unbilden der Witterung . Mar ein Milder Trost war „nr bcschteden: cs fehlte nur Nicht an deutschen Lcidcnsgcuoycn. Dieser Herr im Strohhut, mtt der blanqefrorenen Na'c, mit einen, Sommervaletot, der an Leichtigkeit und Winzigkeit dem meinsgru nichts nachgab: diese Dame, deren Helle Frühiahrstoilette von den gelben Lchmsprißern angenehm geiprenkcli wurde, diese holde Jungfrau, die sich dem italienischen Nationalgcsühl zur Hut»ig>mg mit einem Florentiner jjate cmsgeziert halte: sic waren Deutsche, und der Herr Rcch- nungsrat war sogar kultiviert genug, um fleißig aus Goethes „Italienischer Reiic" zu »iticreii UN» mit verzückten Augen IN das graue, brüllende, tobende Weltmeer htnauszustarren Freilich: diese ekstatische Stimmung hielt der Wucht der gegenüber nicht allzu lange stand, und bereits am nächsten Tage saß der Ncchnungsrat init einem crtzolungsbcdürsligcn .Hauvt- manne, der gleichfalls >m März italienische Veilchen zu pflücken und aus strohnmslochtcner Flasche auf marmorner Terrasse Chianti nnd Orvieto von glutäugigen Töchter» des Südens kredenzt zu bekommen gedachte, in, Cafe, beide eingepackt in voisichtigcr- weisc mitgenommenen Plaids und Mit Skat und Grog die Zeit tot- fchlageud. Sogar eine Weinstube fand sich endlich: und mit schivc- rem, dickem Chianti, den der Deutsche natürlich stets ungemischt trinkt, was auch den Stärksten auf die Dauer umbringt, und Grog, der zu unsinnigen Preisen aus schlechtem Cognac hergestelkt wird, wird dieser südlich^ März von den Herren gesttstct, während die Damen sich ihn mit Schnupfen und Influenza vertreiben. Gott lob gibt cS aut Orte eine Apotheke, nnd daß die Schachtel Aspirin don fünf Lire kostet, dark den Fremden nicht weiter wundernehmen. Sehr schätzbar sür die Damen, die sich dock, Ivohl nicht den ganzen Tag mu den nus der deutschen Lribbibliathek cdenn auch eine solche hat ein ivviier Kenner der Verhältnisse am Platze errichtet ’ entliehenen Bänden, der Band pro Taa 1 Lira, bcschäs- tigen können, ist die Nähe des deutschen Arztes, der sich als ein be- sondcrs liebenswürdiger junger Mann erweist. Man sttickt, man stickt, man malt, man spielt Klavier, die Herren dreschen ihren Skat, und der Wirt reibt sich die Hände. Er steht lächelnd, sctt Und kuaelrund da und erklärt mit wichtiger Miene, brs zum l. März sei das Wetter einfach wundervoll gewesen, herrlicher Sonnenschein und köstliche Wärme. Und Anfang Apnt — das könne er versichern, werde es nrieder ebenso schön, ja noch schöner werden. Nur tzicduld, nur ein bißchen Geduld! In diesem Falle hat der Wirt nun in der Tot ansnahms- Iveisc einmal Nicht qelogen. denn in der ersten Hälfte des April begimik wirklich das ichünc Wetter an der Riviera. Aber der Deutsche? Wo ist er dann? Ach, der ist langst wieder dvlwim in Krimmitschau oder Groß-Berlin, denn sein Frühgahrsnrlaub ist ahgrlausen, Ter Engländer und Amerikaner ist rm allgemeinen klüger • er verbringt den — verhältnismäßig erträglichen — Winter an der Riviera und reist pronrpt am 1. März, sobald die Früh- lingsstürmc einscnen, nach Hause: oder vielleicht nach Sizilien, wo cs bereits im März warm wird. Der Deutsche aber hält mit eiserner Zähigkeit an dein alten Glaickenssatze seit, daß es im Winter in Italien warm sei: während es natüttich im Winter in Rom oder Florenz genau so kalt rlt wie in Berliar, und der ganze Unterschied zwischen Deutschland Md Italien Mgesähr darin besteht, daß der Frühling im vielbesungenen Lande der Orangen durchschnittlich drei bis vier Wochen srülaer cinzieht als in Berlin oder Dresden' Für Sizilien Milte März bis April: tür die Riviera der April: kür das übrige Italien der Mai: das ist and bleibt der unverrückbare ltzrundsatz der Kenner. Aber es scheint ja, wir Deutschen wolle» int allgemeinen unsere Erfahrungen selber sam- mcln und UNS im A!ärz tn Sestri oder Ficsole blaue Nasen und eine tüchtige Bronchilis holen. Dorläusig spielt der frierende Deutsche im Sommerröckckien nnd verregneten Strohhut und die schwärzliche Jungfrau aus Berlin W mit lehmbcspntzlem Frühjahrsgcwande noch eine komische Rolle in der Stafsage der Riviera-Landschaft in, März, und cs enlbelytt nicht eines seinen Humors, lvcnu mit dem Eintritte des schönen Wetters »ach dem Abziehen der Fremden regelmäßig die Italiener einziehcn, um sich au der Schönheit ihres Landes zu erfreuen, Herbert Stcgcmann, — Der neue Galsworthy. Ans London, 21. Avril, wird uns geschrrcben: Dem tüchtigen Miß Horniman-Enscnible des Gaicty Theatrc in Manchester, das bereits .Uihlreiche zeitgenössische Dramatiker gespielt hat, gcbülnt das Verdienst, John Galsworthys neuestes Drama „The Mob" l„Ter Pöbel"! in vier Akten in London am Coronet Theatrc äus der Taufe gehoben zu haben. Ter Dichter zeigt uns darin nicht allein den Pöbel, sondern demonstriert uns, nne zur Zeit eines Krieges lgcmeint ist damit unverkennbar der Burcnlrtcg' die „Mob"-Gcsühle, worunter Galsworthy den nationolc» Chauvinismus verste', die ganze Bevölkerung csiassen und sie sür jede gegnerische Ansicht, die IN dem Ktteg nur einen bliiligen Schrecken erblickt, taub m blind machen. Das Stück wurde mit Milton Rosmcr als Steve,., Irene Rocke als seine Frau Katherine und Herbert T-mas als General Sir John Julian vortresflich gespielt. Das zahlreiche Publikum, das vor wenigen Jahren ein derartiges Werk noch ausgezischt hätte, bereitete Gatswotth», der wieder mit höchster lünst- lerischer Unpatteilichkeit in idem Werk an der Arbeit war, begeisterte Kllndgcbirngcn, so daß Her .Autor sich in einer kurzen Aussprache bedankte. — Eine Wagner-Sammlung tn Parma. In Bologna ist der Arzt Dr. Bassi, ein begeisterter Wagner-Verehrer, kürzlich gestorben, der eine große Zabl von Erinnerungen an den Boyreutber Meister zu einer interessanten Saminlung vereinigt ha. Nach seinem Tode setzte sich ltzuglielmo Zucll, mit den Erben in Verbindung, und es gelang ihm, die Sammlung lur die Musik- bibliothek des Konservatoriums in Parma zu erwerben, wo I>e in nächster Zeit ausgestellt wird. R. v. A. L.-Vagensahrt Di' Ausschreibung unserer grössten diesjährigen autvmobil- sporllichen Veranstaltung, die klassische Wagensalfrt des Allge- nieinen Deutsche» Automobil-Club ist erschienen und wird eS ainscre Leier interessieren, die wichtigsten Details derselben zu er- fnlircii. Tie A, D. A. E -Wagensahn 191t, deren alteinigcr Ler- anstaller wieder der Allgemeine Deutsche 'Antomobil-Elub ist, gliedert sich in diesem Jahre in 51 m Abteilungen und zwar 1. in eine Fabrik-Teams-Fahrt und 2. in eine A. D. A.-E Mil- Vilicderfahrt, Beide Abteilungen starten am lti. Juli in Frankfurt am Mai» und beenden die Fahrt a>n 18. Juli in Polen, tovselbft die diesjährige A. D, A. E.-Sportwvche stattfindet. In Klasse I haben di- Fahrer insgesamt rund 1950 Kilometer und in Klasse II insgesamt »und 1150 Kilometer zurückzulcgen. Die zioe, ^ersten Tagcsetappcn gehen gleichmähig über je 400 Kilometer (Frank snrt a, M —Eisenach—Dessau', wälrrend die dritte Etappe bei den Fabriksahrcr» zirka 550 Kilometer und bei den A. D. A. C.» Mitgliedern zirka 950 Kilometer nnisaht Der Wettbeinerb ist international und ersolgt aut denr Prinzip der Ohne-Halt-Fahrt. Die Satzungen der Fabrik-TeamS-Fahrt sind gemeinsam mit dem Industriellen Verband ausgcaibeiiet toorden und findet daher die betreffende Veranstaltung auch die Unterstützung deS Vereins Deutscher Motorsabrzeug Industrieller. Wir werden deshalb 191 l wieder eine offizielle Fahrt der Deutschen Autonrobil-Industrie erleben, die im Voriahre aussallcn mußte. In dieser Klasse itt di' Stärke der zuzulasienden Motor.' aus z-hn 2ieuer-P>L bc- sMränkt worden, da sich daS Hauptinteresse des grollen Publikums aut die leichteren Fahrzeuge erstreckt. Die Fabriken können iich rnchr aüi die leichteren Fahrzeuge spezialisieren und cS Iverden ihnen unnötige kostspielige Ausgaben stir die schwereren Thpeu Das WertungSverfahren zeigt verschiedene beachtenswerte Neu- heilen. Jede teilnehmende Fabrik must drei Wagen melden, die iedoch von verschiedener Stärke sein ditrsen. Bei der Fahrikiahrl sind nur Vierradwagen zugelassen. Die Drriradwagen konkurrieren in der Mitalicder-KIasik. Jedes Anlwlten van Waaen und Motor wird bepnnklet. Ausgenommen das Anhalten des Wagens bei Wegehindernisien und bei einem freiwilligen Anientltalt, der 90 Minuten pro Tag nicht übersteigen d-rs. Eine MittagSvansc findet nicht statt. Frühmorgens vor dem Stark erhalten die Fahrzeuge der Klasse I 20 Minuten frei fürAuffüllung von Betricbs- sioss und Kühlwasser, sowie Reviiion de) AagenS. Die Fahrer der Klasse It erhalten hiertür 40 Minuten ireiaegcbcn. Jedes lieber- schreiten dieser turnen Zeit wird bcpnnktct. Bei den Fahrern der Klasse I wird anszerdcm »otfi daS leichte, und schwere Angehen -dc§ MotvrS bewerfet, wobei besondere Rücksicht auch aus die neuen .Selbststarter genolmnen ist. Aus dielen in qan; kurzen Umrissen oeschildcricn Details der Wertung ist bereits ersichtlich, dal! die Fabri ein- intereisante Erprobung der modernen Motoriabrzciiac il, iich birqt. Durch Einlegung schwieriger Bergstrccken. für die noch briond're BoriMrislen vorgesehen sind, wlrd auch die Berg- slcigesihiakeit der leichten svahrzenge eingehend gevrüit. In Posen werden die konkurrierenden Fahrzenae in der Ausstellungshalle d'S A. D. A, C. mehrere Tage zur Schau gestellt und da wohl elle bekanilten Fabrikate in mehreren Tnpcn vertreten sein wer- den, so wird dem Interen'cnten eine sehr günstige Gelegenheit geboten kein, sich über die Vorzüge der verschiedenen Fabrikate per-'önlich zu orientieren. Wir werden aul Einzelheiten der Fahrt noch zurückkomme». Die Entführung einer jungen Javanerin vor Gericht. 4 Berlin, 21. April. Tie zweite Straskammcr deS hiesigen Landgerichts III verhandelte heute in der bekannten Entführungsgeschichte der aus Java geborenen 15,ädrigen Agnes Menke gegen die vier Mitglieder bei Familie .tzolzke, nämlich den Ehemann Friedrich bolzke, bellen Ehefrau Margarete und die beiden 24 bezw. 21 Jahre alten Töchter Ella und Margarete. — Aus der Vorgeschichte des Prozesses ist belannt, dal; die Enuührtc als Tochter deS Zahnarztes Dr. Gorodiski geboren wurde, der eine Zeittang Leibarzt eines eil,geborenen Fürsten aus Java war. Nach seiner Rückkehr nach D.'ntschland lieh er slch von seiner Frau scheiden und trat^ in srenndlchastlichen Berkehr zu der Familie tzolzke, der er auch seine Kinder Agnes und tzans zur Erziehung übergab. Nachdem er durch einen luxuriösen Lebenswandel sein beträchtliches Vermögen durchgebrgcht hatte, beging er unter romantischen Umständen Selbstmord. Seine geschiedene Frau heiratete in London den Groh- kaufinaiin Menke unü wollte ihre Kinder aus erster Ehe zu sich ins Daus nehmen Das glückte ihr nur bei dem Sohne tzanS, während die Uebergabe der Tochter Agnes von der Familie tzolzke unter allerlei Änsflüchte» verzögert wurde. Als dann die Frau Menke polizeiliche und gerichtliche Schritte unternahm, wurde das Mädchen zunächst vor den recherchierenden Beamten versteckt und sväter regelrecht entiührt, b>S ihr Auscnthglt durch den bekannten Detektiv Gräger ermittelt tour«, so dag cS seiner Mutter wieder zugesnhrt werden kannte. Der Angeklagte Holzke, der bereits 18mal vorbestrast ist, bestritt bei seiner Vernehmung, daß er sich irgenbwik schuldig gemacht habe. Der verstorbene Gorodiski habe ihm die Kinder anS tzerz aelegt und daher Hab: er sich für ocrpilichtet grdallen. sich des Mädchens anzunehmen. Ter verstorbene Vater habe lehr an dem Kinde gehangen und sogar einmal einen Estrazug nach Dresden oenommen. um es zu bezüchgn, als es erkrankt loar, während' di- Mutter sich um das Kind nicht gekümmert habe. Unrichtig sei eS, hast er das Mädchen anS cgoistil'chcll Motiven zurückbe- halten habe, das Mädchen habe eben v»n seiner Mutter nichts wissen wollen. Die Forderungen, die er an Frau Menke gestellt habe, seien berechtigt gewesen, denn er habe entsprechende Auf» Wendungen gemacht. Der Angeklagte gibt zu, das; daS Mädchen sich im Bette seiner Töchter verstecken muhte, als die Polizribcamten recherchieren kamen Ter Angeklagte behauptet weiter, dah das Landgericht I lerne Angaben über gemachte Aufwendungen für ausreichend gehalten llabe. um einen Arrest in gleicher Höhe zu er- lakien. Tie Angeklagte Frau tzolzke null iich um die ganze Ange legenhcit nicht bekümmert, sondern nur ihren Haushalt bestv'gt haben. Die Angeklagte Ella tzolzke gibt zu. dah sie sich keckzBei- hil'e zur Kindsentiührnng schuldig gemacht hat, sie habe das aber nur getan, weil ihr Dr. Gorodiski vor seinem Tode sagte, sie möchte dafür sorgen, das, die Agnes vor ihrem 16. Lebensjahre nicht in die Hände der Mutier komme. Sie und ihre Schwester hätten freundschaftlich mit Tr. Gorodiski verkehrt, ein Verhältnis, das über die erlaubten Grenzen hinausging, habe jedoch zwischen ihnen nicht bestanden. Tie Mutter der Agnes hätte sie einmal in Dresden kennen gelernt und die hätte aus sic keinen günstigen Eindruck gemacht. Tie Mutter hätte ihr Tinge erzählt, dah sie davon ganz entsetzt war. Sie habe außerordentlich viel herum- vouliiert und ihr Kind schlecht behandelt Einmal dabc sie zn der Agnes gesagt, „Agnes, Du bist ein Iudenkinb, Dein Stief- vatcr brauchte überhaupt keinen Pfennig für Dich auszuaehen." Auch die Angeklagte Margarete tzolzke gibt zu, sich der Bcibilie zu der Entführung des Kindes schuldig gemacht zu haben, sie will aber nicht geglaubt haben, dah sie sich damit strasbar mache. Bon .'.r. Gorodiski habe sic zwei Brillantringe zum Andenken erhalten d,e dann ihr Vater wider ihren Willen verkaufte. — Die Vernehmung der Angeklagten ist damit beendet. 4 Berlin, 22. April. Ter zweite Derhandlungstog begann mit der Vernehmung der tzanvtzengm AgneS Gorodiski, die jetzt 14 Jahre alt ist. Sie inacht ihre Aussagen ziemlich bestimmt und ohne jede Schüchternheit. Ihr .Vater habe iie eininal von tzolzkes weqnehmen ivvllen habe das dann aber aus ihr Bitten unterlassen. Als später wieder davon die Rede war. dah sic fortgcnommen toerdcn sollte, hätten die Mädchen »nd die Eheleute tzolzke aus sie eingcwirkt. sie iolle da- tseiben, da man sie sehr gern habe. Ob da vielleicht Geldinteressen vntipiclcn, weih die Zeugin nicht, es könne aber sein. Die tzolzkeS haben die Zeugin auch vor ihrer Mutter gewarnt, die sie nur ver- kuppeln wolle. Als ihre Mutter zu Besuch in der tzolzkeschen Wohnung erschien, seien verschiedene Auswendnngim gemacht worden. auch habe man ein Dienstmädchen engagiert. Tie Zeugin schildert dann die bekannten Vorgänge bis zur Ermittlung ihrer Kerson durch den Detektiv Gräger in Michelau, Aus die Frage deS Dorsitzendc», ob sic nicht den Eindruck gehabt habe, dah es den tzolzkes vor allem daraus ankam, von der Mutter Gelb zn erpressen, »nd dah sie nur als Mittel gebraucht wurde, um die Mutter gefügig zu machen, erklärt die Zeugin, dah ihr das nicht zum Bewußtsein gekommen sei. Unrichtig sei, dah die Mutter sich nicht »n> sie gekümmert habe. Als sic in Dresden krank lag, habe die Mutter sogar im Krankenhaus gewohnt. Der als Zeuge virnommeuc Dr. Bruno Gorodiski gibt überfeinen verstorbenen Bruder Auskunft. Digscr habe schon Monate vorher geäußert, dah er sich das Leben nehmen und seine Kinder in dcn Tod mitiiehnlen ivolle, da er seiner geschiedenen Frau nicht traue und ihr die Kinder nicht überlassen wolle. Später er jedoch diesen Gedanken lallen, als ihm von vcrscknedenen reiten der Standpunkt gehörig ktargemacht toorden war Dem Zeugen bat der Verstorbene Ivcitcr erzählt, dah er der Margarete .tzolzke zwei Brillantringe und andere Wertsachen mit der Bestimmung übergeben habe, sie solange nnszubcwabren, bis seine Tochter Agnes 21 Jahre alt gewardcn sei und sie ihr dann ansznhändigcn. Auch IOOO Mark, die der Angeklagten Margarete tzolzke iibergcben wurden, sollte» nicht di'ren Eigentum sein, sondern aus dcn PensionS- vreis verrechnet werden. Dem Zeugen Rechtsanwalt Benjamin gegenüber hat Tr. Gorodlsli ebenfalls erklärt, dah die Ringe den Kindern gehöre» sollten und dah sie der Margarete tzolzke nur zur Aufbewahrung übergeben worden seien. Tic Verhandlung tvird fortgesetzt. Gietzencr Strafkammer. Gießen, 21. April. Wegen Milch pan schere! wurde der Landtvirt I. N. aus tz. zn einer Geldstrafe von 25 Mark verurteilt. Er lieferte den, Milchhändler D. täglich — morgens und abends — je 15 Liter Milch Bei einer Revision ergab sich, dah aut hundert Teile Milch >4 Teile Wajscr kamen. Ter Angeklagte erklärte diesen hohen Wassergehalt mit der Behauptung, dah in der Milchkanne, der die Probe entnommen, wohl noch Wasser vom Aus- schwenkcn zurückgeblieben sei. Das Schöffengericht hatte ihn ans diesem Eirunde ireigesprochen. Die Straskamme, aber war der Ansicht, hast es Pflicht eines Landwirts, der tagtäglich in so grostcr Menge Milch liefere, sei, sich vor dem Melk«« gcwisicnhast zn überzeugen, hast, hie Milchkanne in Ordnung sei. Der Angeklagte habe dies versäumt, ihm salle also Fahrlässigkeit zur Last, tveshalb eine Bestrafung am Platze sei. Freigesproche» wurde der Landwirt v. E. aus Laubach. Er war vom Schösscngcricht wegen Diebstahls zu 9 Tagen Gesängnis verurteilt worden, weil er aus seinen, tzausc, nachdem, eS durch den Zuschlag in einem Zwangs verstcigerungsveriahren in das Tigcntuni des Steigerers iiberge- gangen war, Zubehörteile, nämlich einen Spülstein, ein Oienrohr und cincn Abortfitz, wcggenommen hatte. Tic Strafkammer kam zu der Ueberzeuanng, das; dem Angckiagten das Bewußtsein gciehlt habe, hast die Gegenstände mit in das Eigentum des Steigerers gefallen seien, weshalb Freisprechung eintrelen niuhtc. Wegen Diebstahls wurde der Maurergeselle tz. Th. aus Grost-Karben zu einer Olesäng- nisstrasc von 3 Wochen verurteilt. Im September o. I. hatte er ein Kuchenbrett mit 2 oder .3 Töpfen gestohlen, um seinem Mädckwn zum Geburtstag ein Geschenk mackzcn zn können. Er halte den Diebstahl in der Weise ansgcführt, dah er aust.cn aus dem l^cnstirbrett knicend, mit dem Körper sich soweit in die Klichc hineinbeugtc, daß er die Gegenstände ergrcisen konnte. Es konnte zu seinen Ilngunsten nicht sestgestellt toerden. dah sein Körper sich mit seinem Schwerpunkt im Innern der Küche befunden hatte, weshalb er nur tvegrn einfachen Diebstahles verurteilt werden konnte. Weiter ergab die Verhandlung, dah er auch aus einem Mctzgcrladcn eine Wurst cnt- Ivendet Iwtlf: wann er aber diesen Mundraub begangen, konaitc nicht sestgestellt werden; da mithin nicht klar war, ob der Stras- anlrag rechtzeitig gestellt war, niuhtc insoweit das Verfahren eingestellt werden. Wegen Uebertrctnngdes Sie in Helge sctzes wurde der 24jährige Bauingenieur G R. ans Wismar zu einer Geldstratc von 10 Mark verurteilt. Er war im Frühjahr vorigen Jahres Betriebleiter bei dem Eiicnbahnbau in Eiia und halte als solcher auch die .Verfügung über ein Lastautomobil. Jnr Mai gestattete er nun einmal seinem Chaufseur, dah dieser drei seiner Leitung unteritebeude Maurerpoliere, die aus einem AuSslug cin- gcregnet waren »nd telegraphisch um Abholung baten, mit dem Lastantomobil nach tzause brachte. Diese nahmen noch ohne Wissen de? Slngcklagtcn eine größere Zahl von Personen mit. Die Steuerbehörde hatte gegen ihn einen Strasbeickuid erlassen, weil er die Besörderung von Personen auf einem Lostautonrobil geduldet habe, ohne in, B"siv des dgzn erforderlichen Erlaubnisscheines gewesen zn sein. Gegen diesen Stratbcschcid hatte er aus gerichtliche Entscheidung angeiragen nnv Freisprechung beaehrt, weil er nicht gewußt habe, daß die Besörderung seiner Arbeiter aus dem Last- antomobit ohne besondere Erlaubniskarte verboten sei. Das Eicricht aber stellte fest, dah er als Betriebsleiter auch für den Gebrauch des Autofliobils verantwortlich war, weshalb Bcstraiung ciutrcten muhte. Verworfen wurde die Berufung des Bettlers Fr. 2ch. von böroh-Auheim, der gegen die Urberweisung an bie LandeSvolizeibehördc. die vom Schössengcricht neben einer zweiwöchenilichen .tzaslstrasc ausgesprochen tvar, Berufung eingelegt hatte. Frankfurt o.M., 22. April. Die Strafkammer pernrtcistc heute den Eisenbahn sc kretär a. D. L c l t u e r zu 2' 2 Jahren uird dessen Ehefrau Frida zu 2 Jahren Zuchthaus und sedcn zn 10 Iatwen Ehrverlust. Beide batten im Binier einem jungen Mädchen desien Kind unter dem Vorwand, cs adoptieren zn wollen, gegen eine AbiindnngSiunrnie von 500 Mk abgeschunndelt und das Kind dann ,n eine,» Findelhanse iintcrgcbracht. Den LeitnerS war es lediglich uni das Geld zu tun, darum erkannte dos Gericht ohne jede mildernden Umstände auf die habe Strafe, W. B e r l i n , 22. April. In einem BcstechungSprozeß gegen dre, Gendaruveriewachtmeistcr, der seit Donnerstag daS Krwgsgericht der zweiten Garde-Dirniion beschäftigt, beantragte nach Schluß der Beweisaufnahme der Vertreter der Anklage, KlirgSgerichtsrat M a h n k o p f gegen den Gendarmeviewachtmeister Haneberg zwei Jahre Zuchthaus, Ausstohnng ans dem Heere und dre: Jahre Ehrverlust, gegen die Gendarmeckewachtmeister L » ck l a n d und E r r l e b e n je ein Jahr ZuchtlzauS, Ausstoßung aus dem Heere und je zwei Jahre Ehrverlust. Auhcrdem beantragte der Vertreter bei Er r leben das gefundene Elcld von 2400 Mk als dem Staate verfallen zu erklären und den aus freiem Fuß befindlichen 2lngeklagten Errlcben in Hast zu nehmen. Der V«'rlcldiger Justizrat Winter selb suchte in längerer Rede ngchznweiien, dah nur rin Indizienbeweis vorliege und dah man daraufbin nicht altbcwälwte Beamte ins Zuchthaus schicken könne; er beantraqte, sic sreizusprechcn odm zu Gesängnis zu Mrurtei- len, da nur e,n minder schwerer Fall vorliege. Die Angeklagten versicherten, daß sic ,n GotteSsurcht iind KönigStrcuc erzogen worden seien „nd den Rock des Königs mit Ehren getragen hätten und sich keines Verbrechens schuldig gemacht liabeu. Die Urteils- knndigung iindet morgen, Donnerstag II 1 /» Uhr statt. rnnvivminiRK, X A il S d e II, O h Nt t a l, 22. dtpril. Der obere Laus der Ol eignet sich vortrefflich zrrr Forcllenzucht. Da aber der Foretll dknnnd durch de,, Anng stciS verringert wird, so ist eine Ve;et,r> ™ mit Forellenbrnt nur sehr enrolehtenSwert, 1 Frlcherewächter Krebs von Ober-Ohme» lies, jetzt wieder 1030 £t oielet Foreltenbrnt in bei, Lhmlarff bei Ruppertenrod a, mhE». Tiefe Brnleinsetznng edordeet nur geringe Kosten. It) 2 sur IOOO Stück, und lohnt reichlich. äi Ans den, Kreise Alsseld, In der Umgegend si in de» letzten Tage» mehrere Pferde an N i c r e » s ch l a g e aeqaiigen. Ez mag die« eine Warnung für die Pferdebeützer se die Pferde regeln,ähig zu bewegen. Landerverbanü der $ri?eure von Hessen und Nassau. lWcgcn Plabinongels zurückgestellt,) - Wiesbaden, 20. April. Die dritte Landesverbgndst'ersammlnng der Friseure von Hessen und Nassau tagte in Wiesbaden unter Vorsitz von Klein Wiesbaden. Sämtliche Il dem Verbände angchörcndcn Innungen hatten Vertreter entsandt. Nach ücm von S p a n g - Tarnistadt gegebenen Geschästs- bericht über das abgclauseiie Jahr wurde cs erreicht, daß die Groß- herzoglich - Hessische Regierung und der Nkgicrnngspräjidcnt in Wiesbaden Verbote gegen das Hausieren mit Menschenhaarcn erließen. Sehr zn bedauern sei, daß der prcnhischc Minister jür .Handel und Gewerbe Teilprnsungen sür das Friseurgrwerbe zugelassen habe. Die Bollvrnsnng sei das einzig richtige, Ter Verband ist aut 707, Mitglieder gestiegen. Ein Antrag ans Einsührnng von gleichmäßigen Prnfungs- bestimmungk» iür das Friscurgcwcrbc Ivurdc zum Bcschlun erhoben. Ebeusglls fand ein Antrag ans Errichtung von Meisterst r ü l » n g s a u s s ch ü s s e I, sür sedrs Gewerbe, was vor allem die hessischen Friseur: angeht, Annahme, In Betress des ein- Iicitlicheu Feicrabcndschlusscs kam man dahin nberei», den Innungen zu cmpschlrn, am zwci;en Feiertage völlig zu schließen. In den Kasernen sollen, ähnlich wie in Bayern, Friscurzimmec eingerichtet und an Friseurnieister vermietet werden. Als n ä ch st j ä h r i g c r V c r b a n d s o r t wnrd: Gießen bestimmt. vcretnsnüchrlchlrn. — VogclsbergcrHöhcuklub Samstag, dcn 25. Apr., findet im Hotel Roval zu Gießen eine Sitzung des Gesaml- vorstaiides des V. tz. E. statt, in d;r endgültige Beratung über die Wahl eines 1. „nd 2. Vorsitzenden,'über die cingclauskncn Anträge '.u der tznuptversammlung, die am 16. und 17. Mai in Lich statt- lindct, über cincn mit der Forstverwaltung abznschließcndcii Vertrag, bezüglich Pacht des S chw c i z c r h ä u s che n s auf dem tzohcrodskovf u. a. beraten wird. wandern und Reisen, öäder und Zommersrischcn. — X. M a i n z c r R c i s c n a ch d c r W a s s e r k a n t e v o m 8.—15. Juli. Zu», zehnten,nal sührt diese beliebte, alljährliche Mainzer Flotteniahrt unsere Binnenländer an die deutsche Wasserkante und wird bei der Reichhaltigkeit des Programms, — besucht werden Breme», Bremerlmven, Helgoland, .Hamburg, Friedrichsruh. Lübeck, Ostseebad Travemünde und Kiel, — sicher wieder eine zahlreiche Teilnchmcrschast vereinen. Preis 96 Mark ab Mainz, mit entsprechender Ermäßigung sür Zugang ab Köln und Bremen. — TasBerzeichnisder Sommerfrischen , K n r - und Badeorte im Harz, das von den bl-iden Schriftführern des Harzklnbs H n ch u. Hoff m a , 1 II bearbeitet ist, erschien soeben in 6. Ausl, Da« Büchlein mit vielen Abbildungen ausgcstattet, Nn- terrichtct den Leser über alle im Harz vorhandenen Sommersrischcn, einzelliegcnde Pensionen, Förstereien und Sanatorien und meldet die Anzahl der in dcn Orten zur Verfügung stehenden Gasthöse, Sommerwohnungen und Logserhänscr Als besonderer Vorzug sei betont, daß das Verzeichnis lediglich dem Jnicrcsse der Fremden dienen soll, aber nicht zur Reklame de« Harzes und einzelner Orte oder gar Wirte. Reu binzugekommcii ist eine UcberlichtSkartc aller angegebencn Sommerfrischen mit dcn Eisenbahn- und Auto- omnibns-Linien. Zn beziehen vom 1. Schriftführer des .Harzklubs H. C. Huch-Quedlinburg gegen Einsendung von 35 Psg. Lnstjcltinabrt. Frankfurt a. M., 21. April. Die D c l a g hatte heute eine Anzahl von Pressevertretern zu einer Fahrt geladen. Bei schönem Wetter erhob sich das Lustschiss „Viktoria Luise" um v«6 Uhr abends und fuhr mit hoher Geschwindigkeit nach Wiesbaden, wo cs bereits um 6 Uhr eintras. Hieraus wandte cS sich zum Taunus und suhr zwischen den Bergen hindurä, durch das Eppsteiner Tal nach Soden urid Cronberg und von dort nach Frankfurt, das es im weiten Bogen umkreiste. Um 7 Uhr crsolgtc die Landung. Die Fülwung batten Dr. Lempertz »nd Tr. Erkener. Die Durchschnitts- gcschwindigkeit bctnig 60 bis 70 Stundenkilometer. h. Frankfurt a. M., 22. April. Der Flieger Berger mußte gestern im Bicgeivald eine Notlandung vollziehen, dabei geriet er in die Bäume. Der Apparat Ivurdc vernichtet. Bei der Bewerbung um einen Preis der Nationalilugspcndc stürzte heute der Flieger Willi Mann ans 20 Mir. Höhe ab und zog sich schwere Knochenbrüche zu. Der Apparat ging vollständig in Trümmer. w. Mannheim, 22. April. Das Lustschiss „Schütte- L a II z II." iührtc heute nacht eine etwa siebcnstündige militärische Nachtfahrt aus. Das Lustschiff stieg um 1 ,3 Uhr heute früh aus und landete kurz nach >/»l0 Uhr vormittags wieder vor seiner Halle. Die Fahrt dehnte sich aus die weitere Umgebung von Mannheim ans. w. Karlsruhe, 22, Llpril, DaS Militärlustschiss „Ersatz Z. I.", das heute morgen unit 0 Uhr in flotter Fahrt die Stadt überskog, kam von Köln und landete um l0 Uhr vor der Halle in Badcn-Oos, wo es sür die nächsten 14 Tage stationiert bleibt. >v. Neustadt a. d. H., 22. April. Aus dem Flugplatz Lilienthal unternahm gestern der Flieger Klunker mit seinem von iym selbst erbauten Flugapparat dcn ersten Ausstieg, der vorzüglich gelang, bei der Landung jedoch blieb das Flugzeug in dem weichen Wiesengrund stcckcn und übcrschlng sich. Ter 'Apparat wurde stark beschädigt und der Flieger erlitt eine Knie- vcrslauchnng. Io. D e r l i » - I o h g n n i s t h a l, 22. Apris. Heute nachmittag 5,50 Uhr sind aus dem Flugplatz die Osfizierflieger Oberleutnant H c m p e l mit Hauptmann H u n d r i c s c r als Beobachter aus einem Aviatikdoppcldecker, von Freibnrg lBrcisgaui sommcnd, gelandet. Beide waren heute morgen in Frciburg gestartet uni» über Straßburg und Leipzig nach Berlin geflogen. w. Bern, 22. April. Der Schweizer B i d c r ist heute morgen um 5,40 Uhr autgestiegen und hat mit einem Fluggast die Jungfrau überflogen. Er landete um 7,18 Uhr bei Brigcrbcrg. Paris, 22. April. Hauptmann Faure, der am 16. ?lpril zusammen mit seinem Begleiter westlich von Rc^invillc auf deutschem Boden gelandet war und aut die Mitteilung von Einwohnern, daß er sich ans deutschem Boden befände, auf französisches Gebiet zurückgeflogcn war, ohne den Behörden Mitteilung zu machen, ist disziplinarisch bestraft worden. kos. Hat Pegoud bie Natur übertrossen? Tide Frage wüst Dr. Th. Z e k l im neuesten Hcst des Kosmos-Hand- weiscrs (Stuttgart) aus. Dabei kommt er aus das Sparsamkcits- gcsetz zu sprechen, nach dem kein Geschövs mehr Gaben erhält, als zu seinem Kampfe ums Dasein crsordcrlich ist. Von diesem Standpunkte aus ist die Folgerung; selbst der beste Vogel kann nicht mit nach oben gekehrtem Bauche stiegen, solglich konnte die Natur diese Leistung nicht vollbringen — einfach lächerlich. Diese Tatsache beweist vielmehr nur, daß sic der Vogel zum Kampfe umS Dasein nicht nötig hatte. BrauckKe er diese Gabe, so batte cr sie sofort erhalten. Auch der Einwand, daß die Flügel des Vogels hierzu nicht geeignet sind, ist in keiner Weise stichhaltig. Tann wären sie eben anders gebaut worden. Es ist ein Glück, daß tvir noch andere Flieger als die Vögel haben, nämlich die Fledermäuse und Insekten. Unter dcn Fledermäusen sind einzelne. ,. B. der Abendsegler, so gewandte Flieger, daß selbst Raubvögel Müde haben, sse zn sangen. Es wäre nicht undenkbar, daß einige dauch- aufwärts fliegen könnten, doch habe ich darüber nichts ermitteln können. Die Insekten aber zeigen uns Leistungen, die ciusach INS Reich der Wunder gehören. Ter komplizierte Ban des Vogels, namenllich seiner Flügel, ist. wie die Insekten beweisen, in keiner Weile notwendig. Auch ohne solche Hilfsmittel fliegen Libellen, Vremicii uflo. mit außerordentlicher Geschwindigkeit. Und hat ein Insekt es notwendig, bauchaufwärtS zu fliegen, so ist eS dieser -tuszabc auch gewachsen. Beispielsweise tut cs jede Stubenfliege, die NM an die pcckc setzen will. Es ist mir unerflärlich, wie man eine wiche alltäglich z» machende Beobachlung übersehen konnte. Jede Fliege beweist uns also, dah cs ein Irrtum ist, zu behaupten, Pögoud habe ülc Natur übertrossen. UtttvrrsNats-Nachricbten. Der bekannte Pädagog emcrit. orb. Professor i»r Prager deutschen Univcrsitäl Üvirat Tr. Phil. Otto W i l l m a n n in Leitnrcrih vollendet am 24. d. M. das 7.3. Lcbcnssabr. Er ist Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrats Sein Hauptwerk ist die dreibändige „Geschichje des Idealismus". (>894—97.) hosrat Willmann stamm! aaö Lissa in Posen. — Arbcilcrbcrvcgnng. * Zürich. 23. Avril. Ter AuSstand am zweiten Sim- »Vlvntunncl bat sich jetzt auch aus die schweizerische Seite nach Brieg ausgedehnt. Inzwischen haben Soldaten dir italienische Tunnelseite besetzt. Die Bauleitung wird alle Arbeiten für drei Monate cinstcllen. ' Der fal'd}: vürgermristcr. Füns Jahre lang konnte Thvrmann, der Schreiber mit dem Einjährigen Zeugnis, kommunale Beamlcnste.len gewinnen, deren Erreichung von ch'r Ablegung des Gerichts- bezw. Regierungs- assessornamens abhängig zu sein pilegt. Wie ist das möqlich? Sehr einfach : Man iäjscht eben die crsorderlicheii Urkunden, und wen» inan dann, wie der Herr .Bürgermeister von Köslin iind Kreisausickmßassistent a. D. Heinrich Thormann Tr Eduard Ale- gandcr das Glück hat, daü, wie jetzt bekannt wird, all diese Atteste nicht näher geprüft werden, so steht einer sogar vielleicht glänzenden „Karriere', wie cd scheint, nichts im Wege! Tann so soll cs doch bei Thc> mann-AlexanderS kommunalem T.biit in Gromberg gewesen sein, das! man, „da ez sich nur um eine Hilis- nrbciterstclle als Assessor beim Magistrat Brombcrg" hand-lie, die vorgelegten Atteste erst nicht näher pruste! Wir wissen nicht, welches Dezernat der neue Hilfsarbeiter und Assessor und Kreisausschußasiistcnt a. T. — und — Ttrinanstaltogesangene in Brombcrg betreut hat, aber c» must doch Wunder nebmen, daß hei einem solchen Posten mit stark juristischem Einschläge Niemand gemerkt Ijat, das, die juristische» Kenntmise dos Herrn „Assessors" nicht auf der Universität und bei den Gerichten, sondern in der Schreibstube der Nicderbaririmer streisverioaltung qeioonnen waren. Vielleicht bat man seine Leistungen ebenso wenig kritisch ge. prüft, ioie damals bei seinem Enaagement seine Papiere, so daß cs schließlich nicht jehleiL konnte, dast der Herr Assessor die betannien „warmen Empfehlungsschreiben cinslußreicher Persönlichkeiten" gewann, mittelst deren er dann aus die sclla eurulis von Köslin sich schwang und nicht weniger als 699 Mitbewerber »m diesen Käsliner Bürgrrineiftcrvosten, die vielleicht über lociriger warme EmpsedliiNgsschreiben. dafür aber r i ch t > a c Asscssorpatente verfügten, glatt ans dem Felde schlug. Wie ist es möglich, ein Assessorvatent zu - falschen, das doch mit dem grossen, preußischen Staatssiegel geschminkt ist? Und wenn man nun schon in Bromberg die Fälschung nicht erkannt' bat, so versteht man darum doch »och . nicht, wie man ans dem Regierungspräsidium in uöslin — denn ' der Regierungspräsident ist der Vorgesetzte der mittetbaren SlaotS- beamten und verwahr! deren Personalakten — nicht endlich den wahre» Eharakter jener Urkunden des Herrn Bürgermeister» entdeckt hat? Hier must wieder mal eine arge Vertrauensseligkeit odqewaltet haben, die ja schon in so manchen anderen Fällen den Herren Betrügern ihr Handwerk erleichtert hat! Und andererseits zeigt es sich in diese!» Kösliner Halle erneut, wie gcsährlich es ist, ans jene sogenannten Empsehlunasschreibc» bin sein Vertrauen zu begründen! Tiesp Empfehlungsschreiben spielen aber gerade im kommunalen Leben eine große Rolle! wenn von irgend wo her sich iemand um einen ausgeschriebenen Posten bewirbt, so setzen sich der Bürgermeister und die Stadtverordnetenoorsteker bin und sraoen zunächst ihre Amtskollegen am gegenwättigen Amtssitze des Bc- Iverbers über diesen au» Sebr »st loird dabei veraesi-n, dast man zemanden ja auch sortlobcn kann! Solche .Auskünitr düricn also nicht überschätzt werden. Berlin, 22. April. Heinrich T h o r in a n n , der bisherige zweite Bürgermeister von Köslin, wurde heute vormittag au» dem Polizeipräsidium vernommen. Er verweigerte bisher sehe Angabe, wie er seine Legitimationspapicre gefälscht hat nnd wie es ihm gelungen ist, aus Grund dieser Papiere seine Siellungen in AeistciffelS und Brambcrg zu erlangen. Tr wurde verschiedenen Per onen gegenübergestellt, die ihn als Kreisausschustaisistente» wiedererkannten. Er selbst erklärte, diese Personen nicht zu kennen, da er ein sehr schwaches Personengedächtnis habe. Er betonte, dast er trotz seiner mangelhaffen Vorbildung ein vorzüglicher Jurist geworden sei nnd als beiovders befähigter Beamter angcieben wurde. Die Iran Thormonns ist inzwischen in ähr Elternhaus zurückgek-hrt. Obgleich der Dcrbastcle im Lause der sortgesetzicn Verhandlung gesprächiger geworden ist, ließ er lich doch auch jetzt aus Einzelheiten gar nicht ein. Sobald daraus die R-de kommt, verstummt er oder lenkt ab. Kein Wort sagt er über die Fälschuneien der Paniere, aus Grund deren er sich um die Stellungen beworben hat. Seine Weigerung, den Eltern einer srüheren Braut di- 2990 Mark zurück- zinablen, rrkennt er jetzt selbst als die Dummheit, die alle sein» Pläne .zunichte machte. Tie Klage und die Ermittlungen der Sto.is- nniuoli'chast, zu denen dies den Anlast gab, hatten Thormall» auch schon mit der Beioranis eriüllt, dast er doch entlarvt werden könnte. Tiesc Lage der Tinge hatte ihn auch schon ganz nervös aemacht. Er trug sich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, sich allen Weilerunae» durch die Flucht zu entziehen. Wenn die Entlarvung seine Absichten nicht durchkreuzt hätte, so wäre der zweite Bürgermeister, sobald er die Mittel zusammengchabt hätte, nach Brasilien gegangen, um sich dort eine neue Eristen, zu gründen. Wie er meint, wäre er zu der Hoffnung berechtigt gewesen. dast seine Fra», die ihni ebenso zugetan sei, wie ft: idr. ihn begleitet hätte. Nach astcm, was man jetzt hört, ist der besähigie junge Mann durch seine Großmannssucht aus die schiefe Ebene ge raten. Schon als Kreisausschustassistent Io«r Tliormann mit der Tochter eines Gärtnereibesitzcrs verlobt In deren Familie liebte er es, den großen Mann zu spielen, und hiernach richtete er auch seine Geschenke an die Braut ein. Als nun die Verschlungen an den Tag kamen und die Verlobung zurüliging, ergab es sich, dast der Bräutigam alle Geschenke, kostbare Schmucksachcn, aus Kredit gelaust hatte. vermischte». * Warnung vor dem Privatsorstdienst. Trotz der Warnungen, welche der „Verein für Privatsorstbcamtc Tcutsch- landr" teil mehrere» Jahren veröffentlicht Hai, neigt immer noch ein großer Teil der jungen Leute, welche den iür den Staatsiorst-- dienst gestellten Anwrderungcn nicht genügt haben oder als An- Wärter für den Ttaatsiorstdienst nicht angenommen sind, zum Eintritt in die Privatsorsibeaniten-Lausbahn Alle diele seien erneut gewarnt vor einem Berusc, der wegen starker Ucbcrfüllnng. mangelnder Anwartichait und unsicherer Anstellungsverhältnisse nur wenigen der Tüchtigsten oder vom Glück Begünstigicn eine gescherte iukunst gewährt, den zneistcn aber nur Enttäuschungen bringt, s gilt dies sowohl vom Försterberusc wie insbelondere auch von der Forstperwaliungslausbahn. Ter „Verein sür Privaifvrstbcamtc Deutschlands" hat neuerdings durch statistische Erhebungen srst gestellt, dnst — abgesehen »on den Stellen, welche durch ausqe- schiedene Staatsbeamte bezw. durch irübere Schutzbcamtc besetzt zu werden pile.en — für di- akademisch auSgebüdeten Prioatsarst beamten in Teutichland nur annähernd 500 Stellen in Frage kommen, so dast ein ,ährlicher Ersatz von 29 bis 25 Anwärtern genügen würde. Demgegenüber aber bezieht seit laugen Jahren ungeiahr dir doppelte Anzahl die Forffakademien! Inivlgcd-slen ist eine üücrmästig grosse .'fahl von stellenlosen und hosinungsloien Arwänern vorhanden. Tier »och zu vermehren, must aw LkichlFan angesehen werde»! cS sei denn, dast dem >ungen Manne, der sich dem Privatsorftverwaltungsdienst widmen will, von vornehcrrin eine bestimmte Stellung in Aussicht oder ersolgreiche Fürsprache zur Seite steht. * Mi'ßbandelt und beraubt. Aus Berlin, 22. April, meldet ein Priv.-Tel.: Gestern abend Ivurde die aus Berlin stammend,' Ardeitcrin A l w i n bei einem Aus- flug nach der Pfaucrnnscl rm Wolde von Nrkvlskoe von einem Manne ülrersollen, ihrer Tasche beraubt und mißhandelt. Ein vorüdciqehcndcv Rodsahrcr hatte nicht den Mut, den, Manne entgegrnzutreten, sondern fuhr luciter. Der Tater schleppte das Mädchen an das Haveluser und warf es die Böschung hinab ins Wasser. Mehrere Passanten bargen das Mädchen und veranlagten seine Uebersührung i» das .Krankenhaus in Noivawes, wv cs noch besinnungslos daruiedcrliegt. Nachträglich hat sich der Raubniordversuch als Schwindel heransgrstellt. Tie angeblich überfallene und in die Havel gestoßene 23jährige Z»pichterin Wanda R s >v i n aus Berlin hat sich selbst in die Havck gestürzt. Sic gab zu, daß ihre Erzählung unipahr ist * 3 m Streit crstvchcn. Tic Morgenblätter melden aus Berlin: In der Mähe des Großen Sterns int Grüne- roaid wurden gestern abend der Arbeiter Brolleck von seinen Ardritsgcsälirtcn Kaczmarek und Schultzr in: Strei t erstochen. Tie drei waren an einem Straßenbau bcschästigl und hatten den ganzen Tag in einer Kantine gesessen. Bald kam es zu einem Streih, der mit dem “Zeh dies Drokli.ek insolge mehrerer Messerstutzc endete. Tic Täter flüchteten, wurden aber von Gendarmen verhaslel. " Grostseuer. Aus Meißen, 22. April, raub gemeldet: In der vergangenen Nacht ist die hiesige Malchineniabrik von B i e - sold ii. Lecke »m Neumarkt vollständig nieder gebrannt. Der Schaden ist sehr bedeniend nnd wird auf nn- näbernd 2' . Millionen Mark geschätzt. Ter Betrieb kann nicht aufrecht erhalten werden. 600 Arbeiter werden bcschästigungs- lvs. * TnphuSbci den Tanzhusaren Beim »weiten west- sälischen Huiaren-Regimcnt in Krefeld iind in den letzten Tonen mehrere Tvpfussülle voraekommen, deren Anstechingsguelle sich noch nicht sicher seststelleu ließ. Tie Kranken wurden sofort isolicri und die notwendige Absperrung wurde in ivcstestein Moste aus- geführt. * Vier Häuser verbrannt. In Liese r in der Eifel entstand am Dienstag abend Feuer, lvodurch vier Häuser niederbranntcu. In der Familie des Freiherr» v. Schorlemer-Lieser fand gerade Polterabend statt, der so- sort unterbrochen wurde. * Iuwelendieb stahl Einer gegenwärtig in Rom weilenden Berliner Dame unirde im Gasthos die Kassette, in der sie ihre Juwelen auflwvoahrte, erbrochen und ihre? Inhalts beraubt. Aus dem Tische und dem Kaminsims lagen Schinuckstücke im Wert von einer hälben Million, welche die Besitzerin, ein Fräulein Friedländer, nach ihrer eigenen Aussage dorthin gelegt hatte. Warum der Dieb die Kassette erbrochen hat, statt eiiisach die frei herumtiegenden Schmack- stticke mitzunchmen, ist unerklärt * Auto Mobilunfall. Wie aus Biarritz gemeldet loird, erlitt die Prinzessin Friederike von !) an n oder infolge eines Auivunsalles erhebliche Verletzungen. Das Automobil, in dem die Prinzessin saß, Ivar infolge des Zusammenstoßes mit einem anderen Automobil in der Nähe von C am b o umgeschlagen. Glücklicherweise siel die Prinzessin auf den Rasen scnseits des Straßengrabens. Tie Verletzungen im (Besicht sind nicht bedenklich, doch klagte die Prinzessin aus deni Transport nach Dayonne über innere Schmerzen. * Kindsmord. Aus L a u b a n , 22. April, wich gemeldet! Heute srüb sand der Barbier Woinbold die Leiche seiner vierjährigen Tochter, die er gestern vermißt hatte, im Walde von Ka- Ibelii'ch-HennerSdors aus. Die Leiche war an Händen undFüßen mit Stricken gebunden und weist einen Messerstich am Halse aus. Ter Körvcr zeigt Spuren von Schlägen. *InFlammen. Alls L o n d o n , 22. April, wird gemeldet: Ein bei Lloyds eingclausenes drahiloseZ Telegramn, des Dampfers „George Dashinaion" meldet: Am 20. April passierte der Tampicr „Batavia" den sranzösff'chcn Treimaster-Schoncr „Mag- nolia" aus St. Malo, d> Blästen gebrochen waren und der in Flammen stand. Die Besatzung von 33 Mann wurde von dem deutschen Petrolcumdampscr „Helios" geborgen. 1 Sch i s ss u n s a l l. Die Morgenblätter melden ans T c m- broke: Bon dem britischen Schisse „Isis" traf ein Funkspruch ein, wonach das Schiss im Nebel mit dem Tampser „Earbineer" zusammengestvsten sei. Tie Mannichaff des Tamvsers sei an Bord der „Isis" genommen. Es ist bilse abgkgangcn, doch sürchtct man, dast daS Schiss langsam sinkt. * Erstickt. Aus Trinidad (Colorado), 24. April, wird gemeldet: Drei Frauen und mehrere Kinder sind IN einer Höhle, in der sic vor dem Feuer in dem Zeltlager der streikenden Bergleute in Ludlow Znslucht gesucht hatten, erstickt. * Stürme. Ans Me4illa, 24. Avril, wird^gemeldet: An der Küste wütet ein hestigee Sturm. Mehrere zochissc sind gestrandet. Zwei Kriegsschiffe haben an der Sleuerung und on den Schrauben Havarie erlitten. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Kleine TagerchroilH. Im Zentrum vvn Tokio sind drei Lungenpcstsälle und einer von Buboncnpcft sestgcslelli worden Tas vom Pelcrsburgci Tckmchklub anlästlich seines zehnjährigen Bestehens veranstaltete Schachturnier ist unter Teilnahme von els der besten Schachmeister Deutschlands, Frankreichs, Englands und Amerikas feierlich eröffnet loordcn. vüchertisch. — DcutschkLndund.Ame'rilaHandiriDand. C i ne BersttmdrgungSschrist für die zwei graten Nationen der Welt, eine „Kanrpfichrist qegen Hetzer und Unwissende" von Arnold Fueredi. (Concordia Deutsche Berlags-Anstrrlt. G. nr. b. Ä- :n Berlin SW 11.) Ein Werk sür alle, die ein Interesse an der Nusrechterhaldung und tfcftigima guter politischer, Wandels-, lvis- senschastlichcr und gesellschastlickcr Beziehungen beider Länder baden Dai> Buch enthält Urteile der hervorragendsreuMänucr Deutsch landk' und der Bereinigten Staaten. Seine ganze Tendenz ist in feinem 1 Titel ausgedrnckt Der Verfasser, ein Veteran deutsch- amerikanischer TagcsschriitstrNere:.. l?at sein Werk dem Grafen von Bernstorss, deutschcni Botschafter in Washington, gewidmet. märfte. ■ Wiesbaden. Diebho < -M arktberk cht vom 22. 9(prif. Antrieb: Rinder ltv (Ochsen 31, Bullen 10, Kübe und Färsen 6-1,, Kälber 8*, Erbäte 33, Eckweme 478. Greife fite 100 Vsd. Geschäft mlttÄ Lebend« Schlacht- Or^leir. oewicht^ ^ollflekschlgs'. anSqemästete. bochllen Schlacht« wertes inr Alter von 4—7 Jahren . . . . Junge, fleischige, nicht fmCgeiitiSftete und alter; ^ eulftemaflete................. Vläsna genährte junge und gut gegenährte allere .......... Bulle 'i. ^ollfleiichige, auSgew., höchsten Schlachtlv. . T-ollstesichige, jüngere............... ftotleit. Kn h s. r'oklfleiichige aurgemästskr Färsen höchsten Echlgcht'verte?........ . ollsteischige antzgentästet; Kühr hochstm Schlachtiverte- bi« iw 7 Jahren..... Akltere anSgeinästete Rü(je und ivsrrig gut ent* rrirfelte jüngere Kühr......... Mäßig genährte flühe und Harsen..... ßermg genährte Kük>e imö Färsen..... Kälber. Feinste Mastkälder........... Mittlere SJJaft- und beste Cattgkälber.... Geringere Mast- und gute Saugkälber . . . Geringe Earrgkälber..........50—55 Echafe. Weidsmastscha^- Vlastlämmer und Atasthammrt .... E ch w e i n e. i-ollsteischtge Schweine von 80—100 kg Gebcnb- gewicht.............. 48 , / 1 -49V, 02-63 Voll fleischige Scii weine unter 80 ^ Lebendgewicht 47'/2-48'/, 61-62 L'ollfterjchige Schweine von. 100—120 k '5 Lebend» gewicht.............. Dsllsleischige Schivcine von 120—150 k» Lebend- gervicht.............. Fettfänveme über 150 ktr Lebeisdgeivicht . . Llmbnrg a. d. Lahn, L2. Avril. Fru cht m« cft. Durch» schnittHvrei4 vro Aialtev. Roter Weizen (Nassaustcher) 16,40 Mt., weisrer Weizen (angebaule kjremdsorlen) 15,90 Korn 11,85 Mk., berste (Futter) 0,00 AU.. Braugerste 00,00 Mk., Öaler 8,00—0,00, Mk.. Erbsen 0,00 Dlk. Kartoffeln 50 Kilo 2,30—0,00 DU., Butter da4 Bfund 1,20—0.00 Mk., (Her das Stück 7 Pfg. Mk. 49-53 Mk. 88-93 48—52 83—92 23-47 78-84 II 73—80 65—72 49-52 85-93 40-4 r 72-82 III 76—84 66—72 60-65 66—68 58-61 50—55 110-1 li 103-119 97—10! 85-9! —45,51 92—91 497* 50 62-63 48-00 60 — 00 4L' .-48 55—58 Airchliche Nachrichten. Irraelitifche Neligionrgemeindr. Eotterdienst in der Spnagsge (Süd-Anlage), SamStag. den 25. Llpril I014: Vorabend: 7.1» Uhr, Dior gen 4: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Schrifterklärnng. LabbatauLgang: 8.25 Uhr. Israelitische »eligisnsgesellschast. Sottesdienst. Sadballeier am 25. April 19 14t Ktestag «brnb 7.10 Uhr. EanlStag vormittag 8.00 Uhr. Samstag nachmittag 4.00 Uhr. Sabbst-AuSgang 8.2.» Uhr. WochengotteSdienst: Dlorgen; 6.30, abends 8.25 Uhr. tNetcorsiogische S-»'sachtuac>cn der Station Eiehcn. April 1914 — 9 ^ cC« o ^ lf 1 M »es-E s g*|. 3 »'S« b °Ä Wetter ,,u 753,3 23,2 6,2 25 SK 2 0 Eonncitschein '.61,4 16 2 8,6 63 »ist still 0 KlarerHimmel 28.1 "< fc i I 754,2 13,4 8,7 76 SSW 2 2 Sonnenschein Dunst Höchste Temperatur am 21. bis 22. April IkNt = + 23,2'a Nledriqiie . . 24. . 21. » 1914=-)- 53°, Niederschlag: 0,0 mm. Ter Ersatz des flewöhnliche» KasieeS durch Kaffee Hag, de» coffeirrfreie» Boiiuen- kaffee, ist bei Zahn- und Mundkraukheiteu recht angebracht. Zahnarzt Albert Schulz, NSlii tZ!1. tu „Tic Gulprukammcr" II. 12), ^ewev6e~Qj/liisßellmg gießen 1914 für 06er.fjeffen und angrenzende ff eßiele • SYlai-fduguft Eröffnung: Samstag, 16. dftai iBStaubmäntel von Eb 1 k. SS.— an bis Mk. 4 S.— in imprägnierten Stoffen. Alpaka-Mäntel IWL 1 LL 0 . 5202a Meyertaff & Goslai Aufruf zur Deutschen Noten-Kreuz-Sammlung 1914. Die Waffen ruh n, bc« Krieges Stürme schweigen! Doch wissen wohl Alle, daß die Zeit des ewigen Lvikerfriedens »och nicht gekommen ist. Gerade das Jahr 1913 hat gezeigt, wie schnell sich der politische Horizont verfinstern kann. Die deutsche Hecresmacht mußte deshalb in außerordentlichem Maße verstärkt werden. Die criolgte Hecresvermchruilg bedingt ohne weiteres auch eine Vermehrung der freiwilligen Hilfskräfte und Hilssmittel vom Roten Kreuz. Den» die vorhandenen militärischen Einrichtungen allein reichen naturgemäß bei weitem nicht aus, im Ernstfall allen Verwundeten und Kranken die erforderliche Hilfe und Pflege angcdeihen zu lasseit. Die hiernach für eine Ergänzung bereits vorhandener Einrichtungen erforderlichen Mittel folleu durch eine öffentliche Sammlung aufgebracht werden, die am 10. Mai d. Js. in ganz Deutschland eingeleitet wird. Das Note Kreuz feiert in diesem Jahre sein OOjährigeS Bestehen. Die Landes- und Zweigvercine voni Roten Kreuz haben sich seither nicht nur im Krieg, sondern, wie in den Kreis?» unserer Bevölkerung gleichjall« hinlänglich bekannt sein dürfte, auch in, Frieden auf dem Gebiet der srciwilligen Hilfe und iverktätigc» Nächstenliebe aufs Glänzendste bewährt. Unter diesen Umständen darf ans ein günstiges Ergebnis der Sammlung auch im Kreise Gießen gehofft werden. Wir richten daher an Jedermann in Stadt und Land die herzliche Bitte, zu einer erfolgreiche» Durchführung der Sammlung mit bcizutragen. Gießen, den Ll. April 1914. »2ti D Das Kreiskomitee: Provinzialdireltor Geheimerat Uv. Ilsittger, Vorsitzender. Rcgierungsajsessor Uv. Sicgcrt, Schriftführer. Mitglieder: Fürstin zu Soiius-Hobens«lius-Lich, Durchlaucht, Lich, Vorsitzende des Zweig- vereins Lich vom «licc-Frmien-Verein; Prinzessin Hermann zu Solms-Brann- scls, Durchlaucht, Hungen; Gräfin zu Solms-Lanbach, Durchlaucht, Arnsburg bei Lich; Lehrer Adam, Vorsitzender des Bezirkslehrervereins Londorf, Aklen- dors a. d. Lda.; Lehrer Albach, Vorsitzender des Bezirkslehrervcreins Gießen- Stadt, Gießen; Professor l)r. Alles, Kreisschulinspcktor, Gießen; Baiser, Kolonnenführer der freiwilligen Sanitätskolonne von, Noten Kreuz, Gießen; Pfarrer Barth, Geschäftsführer des Zweigvereins Großen-Buseck vom Alice- Frauen-Berein, Großen-Buseck; Lehrer Daab, Bezirksvorsitzender de? H.fsia. Bezirks Gießen, Lollar; Bürgermeister Türmer, Lich; Geheimer Kirchenrat Professor D. (yrf, Jiektor der Landesuniversität Gießen; Bnrgeruieistec Fendt, Hungen; Frau Geheiuic Instizrat Gebhardt, Vorsitzende des ZiveigvcreinS Gießen des Alice-Franen-BereinS Gießen; Pfarrer Grsth, Schriftführer des evangelischen Franenvereins lliödgen; Landgcrichtspräsident Or. Güugcrich, Gießen; Deka» Gusstunu«, Kirchbcrg bei Lollar; Dekan Kwchcnrat Haiaer, Vorsitzender des Zweigvereins Hungen vom LandcSmännervcrein vom Roten Kreuz, H,ingen; Fra» Professor Höhlbam», Vorsitzende des evangelischen Franenvereins, Gießen; Pfarrer HofmaiUI, Vorsitzender des evangelischen Frauenvereins Londorf, Kesselbach; Oberbürgermeister Keller, Gießen; Lehrer Kling, Vorsitzender des Bezirkslehrervereins Großcn-Linden, Watzen- born-Sleinberg; StlftSdechan: Klingclhöffer, Geschäftsführer des-Zweigvereins Lich vom Alice-Fraucii-Derci», Lich; Bürgermeister Ltnit, Großen-Linden; Freifrau Auguste van Rordcck zur Rabenau, Vorsitzende des Zweigvereins Großen-Bnseck vom Alice-Frauen-Verein, Großen-Bnfeck; Bürgermeister Ranft, Grünberg; Oberamlsrichier Rausch, Lorsitzender des Zweigvereins Lich vom LandcSmänncrverei» vom Note» Kreuz, Lich; Fabrikant Reger. Bczirkr- vorsitzcnder des Haffia-Bczirks Lich, Lich; Dekan Raschen, Freie »seeii;Hauptlchrer Roth, Vorsitzender des BezirkslehrervercinS Lich, Lich: Oberst Stbimmelfennig, Kommandeur des Jnf.-Rgts. Kaiser Wilhelm (2. Größt,. Hess.) Sit. 116, Gießen; Pfarrer Schmidt, Vorsitzender des Zweigvereins Grünberg vom Lander- Männervereiu vom Roten Kreuz, Grünbcrg; Hauptlchrer Delikt, Vorsitzender des Bczirkslehrcrvcreins Lollar, Lollar; Lehrer Sommer, Vorsitzender des Bezirkslehrervcreins Hnngeu, Inheiden; Frau Geheimcrat Dt. ttfingrr, Mitglied des Zentralkomitees des Alice - Frauen - Vereins für Krankenpflege zu Darmstadt, Gießen; Lehrer Wagner, Vorsitzender des Bezirkslehrervereins, Großen-Buseck, Landgerichtsrat Wlciicr, Vorsitzender des Zweigvereins Gießen vom LandeSmännerverein vom Ro ien Kreuz. Gieße». Gewerbe-Ausstellung Gießen 1914 für Oberhessen und angrenzende Gebiete. Unter dem Protektorat Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs von Hessen. Dic Aussteller werden hiermit davon in Kenntnis gesetzt, daß sämtliche Ausstellungsräume znm Bezug fertiggestcllt sind. Es empfiehlt sich deshalb, mit der Aufstellung der Ausstellungs-Gegenstände unverzüglich zu beginnen. Am Samstag, den 9. Mai, müssen alle Ausstellungsgüter aufgestellt sein. £ c Si t u n g ! Wollen Sie gute Apfelsinen 8 ! kau» , sooebenSiein den : Batülioisip. 48 , Ssüerswßg 9 g Televbon V32 ö 1 syrische WaaaonS einac- E ' troffen nurdünnschaline § iiiirc n. iafttae Waren 2 ! 3Stück 10 Pfa. 12 Stück I . 35 Psg. bili Mk i.n» X ! Blut-Apfelsinen I ^ Stück«, 7.8 und IN Pia. - Dvd. «k». 75, 85 Psg. k bis Mk. 1.10 $ Zitronen | Et.S'Bin., t?St.55Psg. • bis 80 Pi». 9 Täglich irische Sendung 8 ! ÄS“- Kotter-S^lat.; i Außerdem empfehle alle i Südfrüchte ' in nuten Qualitäten 5 U ] billigen Preisen. : R Masö. Gießen! ' jeden Samstag znaleich ^ , auf dem Markt. 102560 ! 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