Kr. 89 Drittes Blatt 164. Jahrgang Erschein! täglich mit Ausnahme de? Sonntags. Die „Sietzener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger" »iernral Ivöchenllich beigelegt, das „«reisblaN für den Kuis 6itf|tn" zivennal wöchentlich. Tie „randwirtsttzaftlichen Seil fragen" erscheinen monatlich zweimal. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesfen Freitag. >1. April Rotationsdruck und Berlag der BrähI'Ichen UnnxrsiiätS»Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießei,. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» itraße 7. Expedition und Verlag: e-Ty bl. Redaktion: a-« 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. vie Wcrkbund-Aussteliuntz in Nöln. Eine Vorschau Bon Paul B e st h e i m Gewiß ist es e>» Umweg, zur Kölner Wcrkbund-Ausstellung über Paris zu iadren Aber ein Umweg, der in mancher Hinsicht nicht ganz unlohnend sein dürste. Wenn man irischweg aus Frankreich kommt, steht man aus einmal in einem ganz anderen Ber bältnis zu dem, was das deutsche Kunstgciperbc mit solchen Hand- acbungen loül. wie der Wcrkbund eben eine in Köln vorbereitet. Sic erscheinen bedeutsamer und zugleich auch sehr viel wesenloser — wie man die Tinge zu Iicdmen geneig! ift. Paris weiß ja nichts vvii all den Ausstattungskunsten, denen ,wir Deutschen uns ruckhaltslos verschrieben baden. Paris scheint nichts zu ahnen, scheint sorglos vorbeiz,Handeln an dieser Modernität. die bei UNS ledes Stück und jede» Stückchen — von der rtesenhasten Eisenbahnballc bis zur schnell vergänglichen Ziga- rettensckiachtel — crgrtt't. Billiger Stuck, abgelebte Lrnamennk, zweisellmstc Qualität umgchi den Franksten. wo unmer er hintritt Ter Boulevard kennt das nicht anders. Er bat keinen Sinn für dekorative Aeußerlichkeiten. er sich! darüber binweg, läßt sich durch die stilvolle Änimachunq weder stören noch sangen. Und bat mir dieser Gleichgültigkeit gegen Tinge, die schließlich nur Rahmen, nur Hintergrund iern sollte», doch ivohl nicht ganz so unrecht! Mil Taperenzeick n-rn. mit Plakatmalern, die. wenn sie auch noch eine Tango-Mcisterschast auszuweisen haben, sich bei uns berühmter Vorkommen dürsen als ein Slcvogl oder ©anl, gibt man sich da nicht eine Sekunde ab. Aus dieser Kleingeiftigkeit der deutschen Kunstgcwcrbelei. aus dieser llebcrschätzung des Kleinen und Kleinlichen einmal berauszulommcn. ist immerhin reck» wahltuend Ein bißchen von dieser Nonchalance werden wir wohl mich annehnicn müssen: vor einer brauchbaren Kaffeekanne oder einem bestickten Kissen werden wir. wenn wir nach Köln kommen werden, mchl in allzu heilige Ekstasen geraten dürsen Aber gerade wenn man vo» Paris kommt, sieht man, wie verzeiküick, derlei Ekstasen sind Tic Nonrbaianrc des Boulevard triefen neuen Zeirtdeen gegenüber gibt sich zwar als eine Art gerüihrger Ukberlegenheil: in Wirklichkeit aber ist es doch eine gewisse Schläsrigkeit, ein Perkennen von Kritiken. die sich einiach durchsetzen werden, weil sic nicht nur einer künstlerischen Laune sondern technischen und mirtschaitlichen Notwendigkeiten entwachsen sind Was wir als moderig Geiverbeknnst erstreben, das ist ge- aenübcr den irühercn Erzeugniiien zweckooller und sachlicher. Wir müssen wie die anderen Länder auch mit der Maschine arbeiten. Tas läßt sich nicht mehr vermeiden. Aber von dem Augenblick an, da wir das einiaheu. ivar es unser Ziel, mit dielen Maschinen so rationell ioie möglich zu arbeiten, die Gerätc- sormen, io wert eS nur denkbar ist, ihren Arbeitsiormen anzupalieir Unser Ehrgeiz wurde es, bei der Herstellung ivlc beim Gebrauch der Tinge — beim Lössel, beim Stuhl, beim Haus, bei der Stadtanlagc — möglichst wenig Energien unnütz zu verlieren. Und aus diesem Trieb zur zweckooklsten Organisation, aus Geboten, wie sie das Zeitalter des Verkehrs, der Technik, der Massenarbest diktierl, ist wie ein Ziveckgcbilde dieser neue Stil entstanden, der, wenn man über die westliche Grenze hereinkommt, so ganz eigen, so ganz deutsch erscheint. Um das in seinem ganzen Umfange abschätzen zu können, sitzen wir in Deutschland viel zu nahe an den Tingcn. Wir scheu jeden einzelnen Ruck der sogenannten „Bewegung", sehen jedes Detail, sehen auch, daß cs nickt mehr ganz mit dem Elan ioeitergeht, wie er i» den ersten Jahren vorhanden war. Deshalb können wir auch nicht den srappanten Eindruck von der Kölner Werkonndschau haben, den sic etwa auf unsere westlichen Nachbarn machen wird. Aus sic mutz das alles wirken als eine ungeheure Einheitlichkeit, als ein kühner! Bcriuch deutschen Lpganffattonsgeisl.es, denn hier in Köln Hai man! es sogar fertig gebracht. Kunst und Künstler einheitlich zu organi l iieren. So wcmgslcns ist der Eindruck, den man einen gnten Monat vor Eröiiirung der Ausstellung bat. Tie Bauteil iinb bis aus einen kleinen Teil im Äeußeren so ziemlich vollendet. Man sicht, was die von der Wcrkbund-Lcrlung hcrangczogcnen Architekten: die Muthesius, Behrens, P a n l, D o s i m a n n , 3 i » scher, Kreis, Eberhard! und wie sie alle heißen, diesmal zu bieieu haben, lind dieser erste Eindruck ist überraschend — gerade für den, der über all die gegensätzlichen Strömungen innerhalb unseres neueste» Kunstgewcrbcs einigermaßen Bescheid weiß. Es stand zu besürchtcn, daß diese erste Wcrkbund-Ausstellung auch anqclränlelt iein würde von der Berslachung, der viele unserer Arrßiteklcn und Gewcrbekünstlcr aus einmal wieder Versalien sind. Bei der Absicht, aus der Gradlinigkcit des einmal ringe ick.lagenen Weges herauszukommen, iinb, wie man weiß, viele bei kunstlosen Kapuzinaden angclangt Um nicht mehr puritaniich zu erscheinen, haben sie plötzlich Tinge gemacht, die ivcdcr neu, noch eigen, noch irgendwie künstlerisch waren. Nur mit Mißbehagen genoß man diese in den letzten Jahren allzu häutig gngcstelltcn Ez- vcrimenie. Die Werkbund-Lcitnng bat angesichts dieser Iitua- iion sehr klug gehandelt, indem sic, den Lusstellungsbauteil nach zu urteilen, aus Unterlassung aller weit gehenden Experimente hinwirkte. Man Hai beim Abschrcitcn dieser Baukomplcxc dos Ge» fühl, als ob den Baumeistern unaufhörlich nahe gelegt worden Iväre, von allem eigenwilligen Ueberschwang abznsehc» und sich sachlich einem großen Gesamtplan cinzuordnen. Das klingt ctloas nach Reiignalion, ist cs wohl auch angesichts der Tatsache, daß man in Köln schließlich die besten unserer Baumeister aufgebolen bat. Aber wenn man iich damit abgesunden hat, daß künstlerische Ekstasen an diesen Ausstcllungsarchitckturcn nicht zu erleben sind, ist das Ganze in seiner modernen Sachlichkeil und seiner Einheitlichkeit imponierend. Gewiß gebt diese Einhestlichkrit nicht bis zur Unterdrückung der einzelnen Persönlichkeiten. Es ist ganz selbstverständlich, daß man einen Behrens neben einem Paul, einen Haiimann neben Mutheffus und Fischer, die Lossow u. Kühne gegenüber einem Gropius burchivüri: aber wenn diese Bindung der Individualitäten auch kein Zeichen von Krajt und Selbstbe- wußtsein ivar, so ivar cs sür den Werkbund doch das Mittel, vor Peinlichkeiten bewahrt zu blcrben. Die Lage der Ausstellung aus ehemaligem Festungsgelänüe am Rhcinuscr ist selten günstig. Den Strom entlang zieht sich eine Terrasienstraßc mit Wein- und Bierrcilauranls, Kassce- häusern usw., die von Bruno Paul. Peter Behrens, Adalbert Niemeepr ihre Ausstattung erlialten baden. Der Gesamtvian ist vielleicht irichi so übersichtlich ausqcteilt, wie cs sonst aui Ausstellungen der Fall zu sein pflegt. Dafür sind räumlich geschlossene Koinpariimente, Straßen und Platzonlagen entstanden, die in ihrer harmonischen Gestaltung angenehm wrrken. Eine große Achse, umiäumt von den Berkchrshallen von Eberhardt und dem »an Muthesius gebauten Hans der F a r b e n s ch a n hat ihre» Blickpunkt in einem Tcehäuschen von Kreis, das sich hoch oben aus einem Stück der alten Festungsmauer erheb!. Eine zweite Achse führt von dcni Verwaltungsgebäude, das der Kölner Architekt Moritz mit ein paar dickbäuchigen Türmen ausstattete, dnrch eine lange Ladenstraße, deren Schaufenster unter der Regie des Hageners OsthauF stehen werden. Sie beginnt bei eineni sehr sein gesonnten Haus von Ludwig P s a f s e n d o r t und endet bei dem österreichischen H aus, das einem Joseph Hossmann seine hohen künstlerischen Qualitäten verdankt. Gegenüber diesem österreichischen Haus erhebt sich sehr feierlich, sehr patheiiich die Festhalte von Behrens, der auch nach Köln etwas von seiner «chinkel-Nachiolgc zu bringen vcnucht hat. Diese Bauten umschließen einen Platz, der sich »ach dem Rhein zu öffnet. Aus der andern Seite ivird er abgeschlossen durch die Haubthalle Theodor Fischers, deren Kuppel im Innern i-hr sei» emporstrebt An der Fassade sind Fresken von dem Liuiigartcr vätzet vorgesehen, mit denen aber bis jetzt noch kaum angesangen ist. In dieser Ableitung wird oermiUlich die ganze Ausincrkiainkeit ern Bureauhaus von Walter Grovius aus sich lenken: Ein Zweckbau von verblüsscnder Eindringlichkeit. Gropius hat sich in dem Burcauhaus das Problem so gestellt, daß nach dem Platz zu die Korridore gelegen sind, wälpend die Arbcitsräume sich durch riesige Fenster aus den ruhigeren Hos hi» öffnen. Nacki der Straßen- seile zu sind ganz schmale, verlitate Lilbtössnungcn in die vertikal orientierte Fassade eingcschniuen. Diele Art der Fenstersüdrung, das Schwarz-Weiß dieser Katkiandsteinsassade, der geruhige Gesimsab- schtuß macken deii Bau zu einem Monument aus einem Guß, dos. wie zu hassen ist, in unseren Großstädten Schute machen wird.. Als heimatliche Anregung für die westlichen Bezirke ist, hier anschließend, das stkiederrheinssche Dorf gedacht, das unter Leitung des in Essen vielsach bewährten Metzcndor! entstanden ist, und das in Bauernhäusern, Biebställen, eineni Torigasihaus und einer Dors- kirchc veredelte Hcimaiskunft darinelel. Zwei Bauten, die künstlerisch sehr interessiert hätten: das Glashaus von Bruno Taut und das Theater von van de Velde sind leider noch nicht übm die Ansangsstudien hinaus. Man beirrt« den Thcalerraum und iiehk da an den Fundament- niouern schon die eigcnar igen Li ie izü 1 > der Mannes, der einst mit dem Pathos seiner Predigten diese ganze Bewegung ciiijachte und entstammte, «ic ist hier in Köln bei einer großen, vielleicht allzu großen Einheitlichkeit gelandet. Hassen wir. daß der Inhalt dieser Halle die Erwartungen nicht Lügen strafen wird, die die Anständigkeit dieser Bauten weckt. Tie Aerzte verordne» Biomalz nicht nur in gc- gceignctcn Fällen ihrer Präzis, sondern sie verwenden es auch mit Vorliebe selbst und in de» eigenen Famllien. wenn sic oder ihre Angehörigen eines Krästigungsmiitels benötigen. Das hat seinen Grund in der Erkenntnis, daß man in diesein Präparat ein durchaus vertrauenswürdiges und zuverlässig wirkendes Nähr- und Kräsiigungsmiitcl bcfftzt, das im Vergleich mit anderen, ähnlichen Zielen nachstrebenben Mitteln mancherlei Vorieilc au>- weist, die bei objckiivcr Gegenüberstellung gar häufig sür Biomalz den Ausschlag geben. Mil sehr babcm Nihrivert verbindet sich die leichte Verdaulichkeit von Bivinalz. so daß es auch vom schwächsten Magen und nach schweren Lperationcn ausgezeichnet vertragen wird. Ter Wohlgescknnack des Biomalz ist allgemein anerkannt, und es wird den Aerzten noäi besonders Ivert dadurch, daß schädigende Nebenwirkungen vollkomntcn ausgeschlossen sind Eine weitere Annehmlichkeit der der Verwendung von Biomalz besteht darin, daß cs sowohl so, wie es aus! den Dosen konrmt, aber auch als Zusatz zu Speisen und Getränken verwendet werden kann. Tas steigert naturgemäß seine Aiiwendungsmöglickkeii gan: bedeutend, und es ist erklärlich, wenn ein Arzt bekundet: „Die letzte Sendung Biomalz hat sich besonders in Verbindung mit dem Kochbuch gut bewährt. Das Allgemcinbesinden der Patienten bat sich gebessert, an Körpergewicht wurden 3 Psund zugcnommen. Tr. H." Tic Biomalz- sabrik in Teltow bei Berlin bat nämlich ein Kochbuch unter dem Titel „Eine Ernäbrungsresorin" hcrauSgcgeben, worau« in der oorgcdachten Zuschrift Bezug genoininen wird. Es wird kostenlos und portofrei an Interessenten gesandt. (C 17 ,, 1 V r f L 1 C i f S5 1 ? I £ £ b