Nr. 86 Der (Btefjmr Anzeiger erscheint täftlich, ausier Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich riebener.samilienblätlee: zweinial ivöchentl.AeciS- dstl«tsürdcn»reir«ietzen tTicnotag undFre>laa>: zweimal inonatl. rand- wirtschaftliche Seitsragen Fernsprech - Anschlüsse: lür lne Redaktion 112, Verlag ». Expedition bl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesinnnnier bis vormittags !> Uhr. Erster Blatt 164- Jahrgang General-Anzeiger für Overhessen Dienstag, 14. April 1914 Dez« qHprei-: monatlich 75Pf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mt.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestcllq. Zeileupreis: lokal 15Pf^ ariswärtS 20 Pfenniq. bhesredakteur: A.Goey. Verantwortlich, für den polit. Teil: Aug. Goeh; für „Feuilleton", .Vermischtes" uud^GerichtS- faal": Karl Neurath; iür .Stadt und Land" ^otationrdrulk und Pertag der 8rühl'sch«n Univ.-8uch- u»d Stei»drunacht, als es ging. War kein Geld da, dann wurden eben keine Epenbahnen, keine Chausseen gebaut lind keine anderen Äuffven- dungen gemacht. Da nun der So, in Mecklenburg-Schwerin kein Vermögen besitzt, so haben di- Stände dort längst sich da,,, ver stehen müssen, Beträge, hie sür daS Gemeinwohl angesordert wurden, zu bewilligen. Anders lag die Sache in Mecklei,burg- Strel,tz. Der hiesige Hos -besitzt bekanntlich ei» recht beträchtliches /Vermögen, und der regierende Herr konnte für die Wohliahrt des Landes stets beisteuern, und die Herrscher baden auch sür daS Volk stets ein offenes Herz und eine osfene Sand gehabt. Nun kam daS Reich. Ta lneß es: die und die Einrichtungen müssen getrosten, diese oder jene Behörde geschossen werden, lind da reicktzen die vorhandenen Mittel nicht ans. Seit dieser Zeit betreiben beide Groß- Herzoge mit Ester die Schaffung einer Versassnng. Bis heute ist es ihnen leider nicht gelungen, den Widerstand der Stände z„ brechen. Xstgene Interessen der Großherzöge spielen hierbei absolut nicht mit. Tas^gebt schon daraus hervor, daß der Grobherzog von Meck- lenburg-Strelitz zwölf Millionen Mark versprochen hat für den Fall, daß die Schaffung der Verfassung gelingt. Einkünfte aus dem Lande hat der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz sür seine Person überhaupt nicht. Er muß alles aus eigener Tasche bezahlen und steuert die Zinsen der versprochenen zwölf Millionen Aöark bereits heute vollständig zu den llnterlioltskosten des Landes bei. Es ist der sehnlichste Wunsch des GroßherzagS, daß die Periassung geschaffen werde. Ter Großberzog ist ein Mann, der mit beiden Füßen in, modernen Leben steht und auch seinem Lande und Volke die Segnungen des Fortschritis unbedingt zuteil werden lassen will. Sämtliche Regierungsvorlagen sind bisher an dem Widerspruch der Stände gescheitert. Der eine Teil will dieses und der andere ienes nicht. Die Stände wollen überhaupt nichts! Aber auch das Volk selbst, namentlich die kleineren Bauern und Handwerker sträuben sich seltsamerweise gegen die Einsübrung der Verfassung. Die Gründe dafür sind sür den Eingeweihten ohne weiteres klar. Erstens wird den kleinen Landwirten und Handwerkern von ge- ,-jsser Seite immer und immer wieder eingeredet: Wenn die Verfassung erst da ist, müßt ihr viele, viele Steuern zahlen, viel mehr als setzt. Ter Großherzog und seine Regierung betrachten es aver als Lebensaufgabe dem Volke das z» geben, dessen sich andere Volts- stämme lange erfreuen. Wie die Schweriner Regierung sich nach der Demission des Ministers v. Bassewitz und des Staatsrats v. Pres- sentin fernerhin zu der Veriassungsirage stellen wird, darüber kann man beute noch nicht urteilen. Allerdings ist der neue Schweriner Minister Tr. Langfeld einer der eisrigsten Vorkämpfer in der Frage. Für uns gibt es nun, um eine moderne Verfassung durchzubrücken, drei Möglichkeiten: Entweder die Großherzöge müssen sich mit den Ständen einigen, oder sie müssen dem Volke eine Verfassung oktroftieren, oder aber Reichstag und Bundesrat müssen uns Helsen. Durch diese Aeußerungen des Staatsministers Dr. Bossart ist ein neuer Schritt in der mecklenburgischen Ver- sassungsfrage geplant. Und zlvar toift man anscheinend den aussichtsloien Weg landesgesetzlicher Versuche verlas- sen und energisch darauf bestehen, daß der Bundesrat, natürlich unter einem gewissen Drucke des Reichstags, durch Einschaltung einer neuen Bestimmung in die. Reichsverfassung der mecklenburgischen Konstitution auf die Beine Hilst. Damit wäre in dem nun bald siebenjährigen Leidensweg des mecklenburgischen Versassungskampfes ein neuer Markstein gesetzt. Im Jahre I9O7 hatte Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin die Zusage gegeben, er werde auf eine zeitgemäße Verfassung hinwirkeu. Fünf Vorlagen wurden daraushiu gemacht. Me scheiterten. Die letzte Ablehnung erfolgte am 28. Oktober vor. Jahres init 239 gegen 129 Stimmen. Im Landtagsabschied an die Stände verkündete dann der Schweriner Großherzog: „Wenn wir auch einstn,eilen von der Durchführung der Verfassungsresorm abzustehen uns schweren Herzens gezwungen sehen, so sind wir doch in unserer Ileberzeugung von der Notwendigkeit derselben nicht schwankend geworden und wir werden das gesteckte Ziel weiterver- folgen." Die iveitere Verfolgung soll also jetzt in die Richtung gegen den Bundesrat geleiilt lverden. Ter Bundesrat aber hat stets betont, daß die Einmischung in innerpolitische Verhältnisse der Einzelstaaten nicht Aufgabe des Reiches sei, was natürlich eine sehr dehnbare und doch nicht immer zutreffende Maxime ist. Wie lvir von einer vorzüglich unterrichteten Seite wissen, hat Herr v. Bethmann Hollweg kurz vor seiner Abreise in den Osterurlaub nach Kenntnisnahme der mecklenburgischen Ministeräußerung zu seiner Umgebung in der Wilhelmstraße gesagt, er iverde ganz einfach durch Staatssekretär Delbrück die Erklärungen vom 11. Januar 1910 und vom 10. Dezember 1912 wiederholen lassen, nämlich daß die Verbündeten Regierungen an ihrem bekannten Standpunkt festhalten. Und der lautet: Mecklenburg fara da se, Mecklenburg muß es allein machen, das Reich Hilst ihm nicht. Sollte Herr ». Bethniann-Hollwea wirklich unerbittlich ans dieser Meinung bestehen, so wirß man iin Reichstage ans den neuerlich immer deutlicher zutage tretenden Unistand Hinweisen, daß durch die Zerrüttung der nieckleiiburgischen Finanzen die Fähigkeit de-s Grvßherzogtnms in Frage gestellt wird, seiner sin a n- z i e lle „ Verpflichtung gegenüber dom Reiche dauernd ,lachzukommen. Die niecklenburgische Regierung Hot sich ja selbst schon mehr als einmal darüber beklagt, daß ihr die Verweigerung der Mittel durch den Laichtag die Ausrecht- erhaltung einer !geordneten Finanzwirtschaft unmöglich mache. Aber noch auf etwas anderes soll bei der nächsten Gelegenheit in, Reichstag hingewiesen werden, was vielleicht zu einer neuen Beeinflussung des Bundesrats und zu einer Aenderung seiner Haltung führen könnte. Nach einer wissen- schastlich und politisch durchaus solide begründeten Ansicht besteht nämlich in Mecklenburg rechtlich noch heute eine Verfassung: Das Staategruudgesetz von, 10. Oktober 1849, das rechtsgültig niemals aufgehoben sei! Der Großherzog hatte es beschworen. Die Mecklenbuvger haben unter jenem Recht gestanden und es angewendei. Nur aus Betreiben von oö protestierenden Rittern haben Preußen, Sachsen und Hannover durch ihre drei Abgesandten im sog. „Schiedsgericht" von Freienwalde jene Verfassung als ungültig angesehen. Der preußische Minister v. Schleinitz protestierte 1849 gegen die Verfassung in Mecklenburg, lveik die Agnatenrechte des Königs von Preußen gesührdet zu sein schienen, wenn man den „EventualsulzessionSvergleich" von — 1442 zugrunde lege. Damals mußte das liberale Ministerium Lützow sich diese Einrnischung in die inneren Angelegenheiten des Landes verbitten. Aber dem konservative,, Ministerium erging es nicht besser. Auch 1851 war der Rückhalt, den die mecklenburgische,, Versassungsseinde bei Preußen sandeu, so stark, daß der Großherzog sich der Drohung beugen und den Freienwalder Schiedsspruch an- nehmeu mußte. Vielleicht darf man jetzt den deutschen Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten an den berühmten Beschluß der dritten Generalversammlung des deutschen Nationalvereins in Koburg voni 7. Oktober 1862 erinnern, also an einen Moment, in dem das deutsche Nationalbewußtseiu so hohe Welle» schlug, daß man dir mecklenburgischen Zustände direkt als deutsche Schmach empfand. In jener Entschließung hieß es: „In Erwägung, daß das Staatsgrundgesetz vom 10. Oktober 1849 nicht auf rechtsgültige Weise aufgehoben ist und d«ß die Wiederherstellung des Rechtszustandes in Mecklenburg im ailge- meiiien deutschen sowohl politischen als wirtschaftlick,eil Interesse ist, beschließt die Generalversammlung, mit allen gesetzlichen Etteln dahin zu wirken, daß sobald als möglich die Verfassung wiederhergestellt wird." Unter jenem Beschluß standen neben vielen anderen auch die Namen Rudolf von Bennigsen und Miguel, Bürgermeister von Osnabrück! Ter Bundesrat täte nur ein nationales Werk und nicht mehr als seine Pflicht, wenn er heute endlich den Mecklenburgern wieder zu ihrer beschworenen Verfassung und Ordnung im Staate verhelfe. Der gefälschte ttaiserbrief. Das Wiesbadener Zentrumsorgan, die „Rheinische Bolkszeitung", erhält von geistlicher Seite, die den Brief des Kaisers an die Landgräfin von Hessen gelesen hat. die Mitteilung, daß die von verschiedenen Blättern zitierten angeblichen Aeußerungen des Kaisers über den Katholizismus in de,g Briese nicht enthalten seien. ES sei daruni Pflicht der katholischen Presse, das öffentlich festzustellen. In einer Zeitschrift an die „Breslauer Zeitung" ertz klärt der Nachlassverwalter des Kardinals Kopp, Geheim- rat Dr. Porsch, den Vorwurf, er habe das Vorhandensein des Kaiserbriefes an die Landgräsin von Hessen in Kopps Nachlaß abgeleugnet, für unberechtigt: „Uebrigens ist auch der Kaiserbrief in dem Nachlaß weder von mir noch von einem anderen gefunden worden, vielmehr nur ein verschlossener, an den Herrn Bischof von Fulda adressierter Briefumschlag mit der schriftlichen Weisung an mich, ihn eingeschrieben abzusenden. Das Habich am 13. März getan. Erst gleichzeitig, mit Berössentn lichung des ersten Artikels der ^.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", erfuhr ich, daß in' dem verschlossenen Brief-« Umschlag der gesuchte Kaiserbrief sich befunden habe." Der Empfänger des Kaiserbriefes, der Bischof von Fulda, war vom 15. bis 24. März von Fulda in Rom abivesend. Er muß also nach Porsche Zeitangabe unmittelbar nach Eingang des Brieses ,n Fulda nach Rom abgereist sein. Tie „Köln. Ztg." meldet aus Berlin: „In manchen Zeitungsartikeln zur Fälschung des kaiserlichen Privat- brieses an die Landgräsin von Hessen ist gefragt worden. Kunst, Wissenschaft und Leben. — Ausstellung „Kunstwerke in Ossenbacher Privatbest tz". In der mächtig emporstrebenden Fabrikstadt Ostenbach hat der Verein sür Kunstvslege in Verbindung mit den Technischen Lehranstalten den Versuch unternommen, über den dortigen privaten Kunstbesitz Musterung abzuhalten. Man erwartete nicht viel: aber das Ergebnis hat den Versuch glänzend gerechtfertigt, und obwohl eine Anzahl der besten und wertvollsten Sammlungen sich ablehnend verhielten, kann man doch von dieser Kunst- schau sagen, daß iie von dem Sammeleifer und dem Verständnis der Ostenbacher einen guten Begriff gibt. Es ist Mannigfaches ver - treten, alte Gemälde und ostasiatische-s Knnstgcwerbe, jranzösische Bronzen, Metall und Gläser des 18. Jahrhunderts und griechische Münzen, Miniaturen und moderne Malerei, Plastik, Gravhik, und alles in guten, oit auserlesenen Stücken. Einen großen Raum nimmt naturgemäß die aui Ostenbachs Vergangenheit bezügliche Kunst ein: Familienbildnisse der Goethe- und Biedermeierzeit, Ostenbacher Favenee (um 1800 , Sticke, Aquarelle uiw. mit alten Ansichten der Stadt und ihrer Bauten: anschließend eine kleine Zusammenstellung von Bildern der beiden Bode. G. W. und Leopold, beides Ossenbacher aus der Nazarenerzeit, und der beiden Livvmann, der lebenden Ostenbacher Maler, zum Beweise, daß die Stadt auch aktiv Tüchtiges zum deutschen Kunstbesitz beigesteuert hat. — Münchener Osterausführungen. Aus München, 42 Avril, wird rms geschrieben: „Marl", eine Komödie in drei Akten'van Karl Ettlinger und Max Ferner, das dramastsche Osterei des Münchener Schrm'vielhauses, wurde mit wohltempe- rierter Heiterkeit begrüßt. Marl, ein Musterexemplar der bekannten Speeies der Herzbrecker, hat einen Jahresverbrauch von 24 Freundinnen, und daher einen Geldverbrauch der ihn trotz seines achtbaren Wechsels ,II häusigeil Bemchen bei der^P,and- leikerin Weiß nötigt. Dort ist er von einer bei einem Ltamm- qast erklärlichen Gesprächigkeit, und seine neucst-^tzerzensweun- din Susi dOrette die im bürgerlichen Leben suianne Weiß beißt erfährt durch die Freundlichkeit einer spanischen Wand allerlei Beherzigensivertes über den Wert und die Dauer kavaliermäßiger Licbesichwürc. Diese amüsante Idee Ist mit Srlte eines buntscheckigen Staststenapparotes durchgefühlt. Lcrder kehren die Autoren nach gelegentlichen Anläufen zur Charaktcrkomödie stets bald wieder zur Porträtierung wirh'amer, aber recht dagewesener Dvven zurück — Die Kammerspielc errangen rn ihren Oster- lestioielen dank Ziegels überaus liebevoller Inszenierung trotz der auälendcn Unerträglichkeit des Stückes Mit Strmdbergs „Kron- braut" und Irene Triesch als Gast einen starken künstlerischen Eriola Mit „Herodes und Mariamne", mit Hartau und Triesch in den Titelrollen, werden die Festspiele fortgesetzt. — Wertvolle Alt ertums fu nde. Das Grab des Petrus Lotichius. Seit kurzem werden, wie schon berichtet, in dem alten, 742 von Boniiazius gestistetcn Benediktiner-Kloster Schlüchtern unter Leitung d:S Freiburger Archäologen Dr. Weiser Forschungen angcstellt, die dieser Tage ein sehr interessantes Ergebnis hallen Aus der Suche nach den Fundamenten des ältesten Klostergebäudes, das in karolingischer Zeit errichtet, aber um 1500 von dem Abte Christian Happ aus Windcckcn io gut wie vollständig umgcbaut wurde, legte man eine Reihe von wertvollen Grabdmknrälern aus dem 14. und 16. Jahrhundert frei, u. a. wurden die gut erhaltenen Grabsteine von Frowin und Rabe von .Hutten, beide Verwandte Ulrichs von .Hutten, aufgesun- dcn. Als höchst bedeutsam gilt jedoch die Entdeckung des Denkmals Petrus Lotichius'. das länge Zeit hindurch verschollen war. Lotichius wirkte als Abt im Kloster Schlüchtern. Er war einer der ersten Geistlichen, die mit Luthers Ideen svmpathstiertcn. Peter Lotz, der Bauernsohn, zählte kaum t6 Lenze, als er aut Wunsch seiner Eltern 1517, dem Lutherschcir Thesenjahr, in das Kloster cintrat. Ter ideal veranlagte fromme Jüngling erlebte schwere Enttäuschungen. Als er drciunddrcißigiährig zum Abt über das .Kloster eingesetzt wurde, setzte er sich, maßvoll, wie er in allem war, nicht etwa für die Aushebung der Klöster, sondern mit der gan.zen Krait seiner Ueberzeugung sür eine durchgrei- sende Rcsorination des klösterlichen Gemeinwesens ein. Luthers Schritten und eine innige Freundschait mit Melanchthon stärkten ihn in scineui von Widersachern oft bedrohten Vorsätze. Freilich blieb er mit seinen Anschauungen nicht Sieger. Tie ewigen Kämpfe, mit denen er seinen Standpunkt fortwährend zu verteidige,! hatte, machten ihn schließlich mürbe. Das Leben als Abt erschien ihin unerträglich, und so legte er im Jahre 1565 seine geistliche Würde in die Hände eines Verwandten, nicht ohne eindringlichst zu mahnen, sein „ongciangen christlich Werl iortzusetzcn und zu verbestern." Zwei Jahre später, am 23. Juni 1567, starb Lotichius in Hanau. Sein Amtsnachfolger, der Abt Hattenius, ließ in Fulda ein Grabdenkmal sür Lotichius anier- tigcn, das in der Schlüchterner Klosterkirche auigestellt wurde und jetzt durch die Nachgrabungen wieder ans Tageslicht gebracht worden ist. — Shylocks Grab. Zur Zeit der Shakespcare-Zhklcn dürste es interessant sein, zu erjahren, daß der Gattesacker, aut dem Shvlock und Tubal beerdigt wurden, nach immer erhalten ist. Dieser liegt auf dem Lido. Nur wenige Besucher ahnen etwas von dem ehrwürdigen Gottesacker, der, hinter seinen Mauern versteckt, einen packenden Kontrast bildet zu der Entfaltung üppigen, hochmodernen Badelebcns, dos sich hier abspielt. Einsam liegen die meist versallenen Hügel da. die Grabdenkmäler neigen sich trauernd zur Erde und kaum lassen sich einige ivenige Jnichrijtcn noch entziffern. Totenstille lagert über dem Ruheplatz der Schläfer — jenseits seiner Mauern aber ertönt helles Lachen und sröhliches Treiben — das ist das Leben! — Die Greco-Fcier in Toledo. Der 300. Todestag des großen Kreters Domcnico Theotocopuli, de» in Toledo zum spanischsten aller Maler wurde und den daher die Spanier mit Recht als einen ihrer bedeutendsten Künstler feiern, wurde in der „Vaterstadt seiner Wahl", in Toledo, mit einem weihevollen Festgottesdicnste begangen. Ter päpstliche Nuntius las die Messe und ein Hymnus aus die Kunst des Griechen wurde au dem Porphnr-Katafalk verlesen, der seine sterblichen Ucberrcste birgt. Das Grab war Mit kostbaren Stickereien geschmückt, auf denen die noch vorhandene Palette des Meisters ruhte. Dann wurde ein einfaches Tenkinal zu seinem Gedächtnis, ein masiivcr Granit- block, cingewciht. Ganz Toledo.stand in diesen 'Apriltagen unter dem Zeichen dieses merkwürdigen Künstlers, der der Stadt am Tajo zu ihrem rchselvollen Zauber noch einen besonderen modernen Reiz geschenkt hat. Seit der Grceo ein so hochbcrühmier und hochbezahlter Maler geworden ist, tauchen in Toledo immer neue Bilder von ihm auf. Das Haus, in dem er wohnte, ist in seiner alten malerischen Gestalt wieder hergcstcllt worden: nicht weit davon beffndet sich das Greco-Museum, das ebenso wie das Grcco- Haus eine Schöpfung eines hochherzigen Grcco-Vcrehrcrs, des Marguis von Bega Jncla», ist. Einen vollständigen lieberblick über das reiche Lebenswerk des Meisters gewährt die zur Feier seines Todestages veranstaltete Ausitellung von Photographien nach keinen Werken. Außerdem sind hier z»anzig Bilder Greeos aus Toledaner Privatbesitz zu sehen, die bisher nur schwer zugänglich waren, darunter vie herrische Kreuzigung, die dem Herzog von Mba gehört. ks. Wie Verdi sich eines Theaterbesuchers cn t- l e d i g t e. Die Art, wie Verdi einst einen unzuiricdencn Theaterbesucher begütigte, dllrite von nicht vielen seiner modernen Kollegen nachgeahmt werden. Es war im Mai 1872, da reiste ein gewisser Prospcro Bcrtani von seiner Heimatstadt Reggio (in Emi- lia> nach Parnia, um der Erstaufführung vo» „Aida" in dem dortigen Kgl. Theater beizuwohncn. Er machte dieselbe Reise zur zweiten Aufführung, aber beide Male kehrte er höchst unzusrikdcn zurück. Er setzte sich darum hin und schrieb einen cmvörtcn Brief an Verdi, in dem er als Entschädigung die Erstattung seiner Kosten verlangte. Seine Rechnung belief sich auf 31,80 Lire und unter den einzelnen Posten befanden sich nicht nur Reise- und Eintrittsgeld, sondern auch . . . vier Lire für Mendessen, eingenommen aus dem Bahnhof. Verdi, den dieser Brief höchst belustigte, schrieb, wie die „Arte pianistica" erzählt, an den Herausgeber Ricordi, er möchte durch seinen Vertreter in Reggio (Emiliai die Forderung begleichen lassen. „Nicht die ganze Summe, die er mir abvcrlangt aber . . • ihm auch noch das Abendessen zu bezahlen! Das nicht. Er konnte ebenso gut bei sich zu Hause essen. Natürlich soll man von ihm weshalb beim gegen den Fälscher nicht gerichtlich vor- gegangen werde. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung bat über diesen Punkt allerdings geschwiegen. Ich habe aber Grund zur Annahme, das; man an den Stellen, die es angeht, zwar aus Rücksicht ans den Frieden zwischen den Bekenntnissen die Erörterungen in der Presse nicht zu verbreitern wünscht, iedoch darum keineswegs gewillt ist. die in die Sessentlichkeit gebrachten Fälschungen des kaiser- lichen Schreibens ans sich beruhen zu lassen. Die „Gewährsmänner" der gesälschten. richtiger der ersundenen Stellen werden mit der ihnen von interessierter Seite anempsohle- »en Taktik des Stillschweigens aus die Tauer schwerlich auskonnncn," Vir Auflösung Scr nationaUideralcn Zondcrllruppcn. Ter dem Reichstagsabgeordncten Bassermann nahestehende „Mannheimer Generalanzeiger" schreib! in seinem Abendblatt vom Samstag z» de» Auseinandersetzungen über den Beschluß des Zcn- tralborstaudes der nationalliberalcn Partei unter anderem ! lieber den Antrag des Zentralvorstondes aui Auslösung dernationalliberalenSondergruvV e» habe sich tinv breite Erörterung in der Presse entspannen, obschon alle, die es gut meinten mit der Partei, von vornherein dringend davon abgeraten und erwartet hätten. Parteüreue nnd Parteidiszivlin würden dazu führen, daß ivenigstens der Versuch mit PerKandlungen gemacht, nicht aber soläie von vornherein abqelehiit würden. Tie Verhandlungen würden immer aussichtsloser, die Erörterungen in der Presse immer breiter. Noch wahrten die Prasseerirterungen die Form und hielten sich in den Grenzen. Werde es aber so bleiben? Das Blatt rät, Schluß ,u machen mit der öffentlichen Diskussion. Es sei ja wohl kaum noch etwas Neues zu sagen und was »och zu sagen toäre, könne leicht Trübungen hervorruien, die hinterher alle bedauern müßten. Ter Antrag des Zentralvorstandes solle ,wischen dem geschäitsiührenden Ausschuß einerseits und dem Reichsverband der nationalliberalen Jugend wie dem^altnational- liberalen Verband andererseits in varteiirenndlichem Sinne dnrch- gesprochen werden, damit eine Verständigung über ihn in irgend einer Weise erzielt nnd in einem Kompromiß verschmolzen würde, was brauchbar in dem Antrag erscheine. Das Blatt meint schließlich, es gelte zu beweisen, daß das Vertrauen zu den.bewährten Führern urizerstört und unzerstörbar sei. Sccr «uv Flstts. Stapellauf eines russischen Kreuzers. Aus Danzig, II, April, wird gemeldet: In OKgcnwart von Vertretern der Russischen Regierung und der Marine lies heute auf der hiesige» Schichauwerft ein für die russische Marine erbauter kleiner Kreuzer vom Stapel, namens „Murawiew Amurski". Ein Schwester sch iss nainens „Admiral Newelsloj" wird in einigen Wochen ebenda vom Stapel lausen, Belgrad, 13, April. Der perstorbene Belgrader Millionär Liuba Krsmano witsch hat dem Kricgsministcr zur Verwendung für die Armee vier Millionen Francs vermacht. Krsmanowitich wurde unter großen militärischen Ehre» bestattet, Ter König ließ sich hierbei durch die Prinzen Alexander und Georg vertreten. Arbeiterbervegung. Saloniki, 11. April, Tie hiesigen Tabakarbeiter sind in den Ausstand getreten. In P r a w i s ch t e, Kawalla und Saloniki befinden sich gegenwärtig 2ö 000 Arbeiter im Ausstand, Sie fordern eine Lohnerhöhung, Aus Stadt «ud Land. Gießen, 14. April 1914, •• Veränderungen im Schuldienste, lieber- tragen wurde dem Lehrer Karl D iefenth äler zu Hcrchen- hain, Kreis Schotten, die erledigte Lehrerstelle an der Volks- schule z„ Bechenheim, Kreis Alzey: dem Schulamtsaspiranten Heinrich Hof mann an? Ulfa, Kreis Schotten, eine Lehrerstelle an der Dolkssehulc zu Mainz: dem Schnlamts- aspiranten Karl He derer an? Dietzenbach, Kreis Offenbach, eine Lehrerstelle an der Seminarübimgsschttle zu Friedberg, niit Wirkung vom 20. April 1914 an »nter Belassnng in der Kategorie der Volksschullehrer. — Bestätigt ivurde der von denr Herrn Fürsten zu Menbiirg und Büdingen aus die .erledigte zweite Lehrerstelle an der Volksschule zu Büdingen ongebotene .Lehrer Adolf Petri z» Haingründan, Kreis Büdingen. — In den Ruhestand versetzt wurde der eine Quittung verlangen und zugleich eine schriftliche Erklärung, in der er verspricht, nicht mein in meine Overn zu gehen, sich Ausgaben zu ersparen und mir den Svaß, ihm noch eine Reise zu bezahlen." Rieordi handelte nach Verdis Wunsch und empfing von dem Unzufriedenen eine ausführliche Quittung mit der Erklärung, er vervslichte pch, nicht mehr neue Opern des Maestro anzuhören, es sei denn^daß dieser für alle Kosten auskäme, wie auch sein, Ber- tanis, Urteil über das Werk aussallen möge. Kf. Wie man in der Sternennacht sieht. Man weiß seit langem, daß die eigentlichen sehenden Bestandteile der Netzhaut des Auges die sogenannten Stäbchen und Zäpfchen sind, die >n großer Anzahl vorhanden find. Die Stäbchen, von denen ganze Grurven an einem Nervenstränge sitzen, sind über die Netzhaut verteilt, mir Ausnahme der Netzhantgrube, wo keine Stäbchen iondern nur rund 4000 Zäpfckyn vorhanden' sind. Diese Netz- hautgrube spielt beim Seben eind beson>-ere Rolle, da das Bild eines ins Auge gefaßten Gegenstandes gerade dorthin fällt. Während nun der Bau der Netzhaut längst bekannt war, haben erst die neueren Untersuchungen über die verschiedene Tätigkeit von Zavichen und Stäbchen beim Sehorgane Auft'ckluß gegeben An- knüpiend an die vhsiologiich-ovtischen Untersuchungen Lummers über das netzen bei Sternenlicht, macht F, Linke im Weltall" hierüber fesselnde Mitteilungen. In erster Linie nehmen die -ehelemente der Netzhautgrube das vom ovtiichen Apparate des Auges entworfene Plid genau aus, und man betrachtet daher einen fixierten Gegenstand hauptsächlich mit den dort vorherrschenden Zävschen. Im dunklen Dämmerlichte arbeiten aber die Zäpjchen schlecht, und das Auge verlegt deshalb im Dunkeln das Bild unwillkürlich außerhalb der Netzbautgrube, wo die Stäbchen liegen, die im Dunkeln besser seilen können, als die Zävschen Nach den Lummerschen Versuchen sehen die Stäbchen zwar im Dunkeln besser, aber es fehlt ihnen in hohem Grade an Farben- unterlcheidung. Im allgemeinen kann man danach sagen, dag die Zäpfchen den iarbentüchtigen Hellavvorat und die Stäbchen den sehlüchtigen Tunkelavvaral >m menschlichen Auge darftellen Diese interessante Schlußfolgerung ist. wie die „Naturwissenschaften" in einer kurzen Zusammensassung bemerken, von Pro- seiior Lmnmer während einer nächtlichen Ballonfahrt und beim Anblick 6es Sternenhimmels aui ihre Richtigkeit geprüft worden. Es ergab sich, daß nur die >>ellen Sterne au, Stäbchen nnd Zävschen Eindruck macken, toährend die sck>wächeren Sterne nnS hauptsächlich durch die Stäbchen zum Bewußtsein gebracht werden. — Kurz e Nachrichten ausi Kunst und Wissenschaft, Tie belgische Regierung hat einen namhaften Betrag zur Beteiligung Belgiens an der Leipziger Weltausstellung für das Buchgewerbe und die Graphischen Künste bewilligt. — In P a s i n g starb INI Älter von 82 Jahren der Prof. Lauten Hammer, Gründer des Deutschen Stcnoyraphenbundes Gabelsberger nnd ehemaliger Vorsteher des Königlichen stenographischen Landesamts in München. Lehrer cm der Volksschule zu Heucheiheiin, Kreis Gießen, Konrad Böckner, fluf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, init Wirkung vom l. Mai an. — Erledigt ist die Stelle des Direktors der Eleonorenschnle zu Darmstadt. Meldungen sind spätesten? am 18. April bei der Ministerialabteilimg für Schulangelegeuheiteu ein- znreichen. ** Personalnachrichten der Ober-Po std i re k- t i o n i n T a i m sta d t. Verliehen aus Anlaß des 4 Lehrer- Heim .Vogclsberg' war während der Osterferien trotz des anfangs ungünstigen Weiters gut besucht. Anf Wunsch der Kurgäste wiirde jetzt eine neue autoniatische Personen- ivage ausgestellt. Der neu angelegte Tennisplatz wird sehr fleißig beniitzt. z. H-rchenhain, 8. April. Der älteste Einwohner unsere; Tories, Gastwirt Johs. Adolph, starb hier iur Alter von 81 Fahren. Ter Verstorbene war lange Jahre hindurch Alitgticd deS Gemcinderats. Kreis Friedbrrg, L Fricdberg, 13. April. ES besteht die Absicht, daS bis- berigc P o N g c b äu d e sür die G e w er b e - A n S st e I l u n g (voll- technische Lehranstalt) cinzurichtcn. Das Postgebäude ist erst vor ciwa 25 Jahren erbaut worden. Die Anstatt zählte im abgelaus ncn Semester 205 Schüler; nach den bereits eingelouiciien Mcldnngcn dürste das Somnicrscmester eine höhere Schülerzahl answeisen m. Butzbach, 14..April. Im Gesang n is e r h ä n gt hat sich der 50jährige Adolf Walpert aus Offen buch, nachdem er seine achtmonatliche Gesängnisstrafe verbüßt hatte und zur Entlassung kommen sollte. ch Reichels he im, i. SB., 13. April. Sein 40jäl,riges D i c n st j u b i l ä u m als Leiter unseres Postamtes leiert ^ dieser Tage Oberpostsekretär Zinscr. Seit April 1874 ist er hier stationiert. h. Vilbel, 13. April. Dar Gemciiiderat beschloß gegen die Stimmen der sozialdemotratischen Fraktion die Erhebung einer Filialstcncr von solchen Geschäften, deren Hauptsitz sich nicht in Vilbel befindet. Starkenburg und Rheinhessen. = Darmstadt, 11. April. Ein eigenartiger Saccharinschmuggel wurde in dem benachbarten Pfungstadt cutdeclt. Der dortige Karuffestbesitzec Christoph Schaffner batte vor einiger Zeit die Schioeiz besucht und ivolltc dann mit seinem Karnffell nach Oesterreich. An der Grenze aber ergaben sich Schwierigkeiten, so daß der ganze Transport nach Pfungstadt zurückbefördert wurde. Hier wurde alles aus Veranlassung der Gläubiger versteigert. In einem der versteigerten Wagen wurden etwa zwei Zentner Saccharin gefunden. Dieser Wagen wurde von der StaatSanivattschaf! beschlagnahmt und gegen den abivesendcn Schaffner ein Steckbrief erlassen. = D f < c n& a dj a. ü)?., 10. April. Nach ihrem kürz!i>b herausgegebenen Jahresbericht war die hiesige G o e t h e s ch u l c jPrivai-, Real- und Handelsschule mit der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst) im abgelauienen Schuljahr vo» 358 Schülern, darunter auch einigen Mädchen, besucht. Außer den Diretioren Steinwachs und Rau sind noch 21 Lelirkräite an der Schule tätig. Im abgelaufenen Schuljahr bestanden 63 Uiitersekun- dancr die Einjährigcnprüfung. Mit der Anstalt ist ein Alumnat verbunden, dessen Zäglingszahl 66 betrug. In den ersten Tagen des neuen Schuljahres kann die Goetheschnlc ihr 25jährigcs Bestehen feiern. ch. Bingen. 9. April. Die heutige Tagung der Kreisln r n w a r t e wurde vom Vorsitzenden des Turnansfchmscs, Schulrat S ch m u ct - Tarmstadt eröffnet uird geleitet. Zum Schriittührer der Tagung wurde Ficken wirtb - Reichenbach i. S. gewählt. — Den Bericht über das 12. 2 e u t s ch e T u r n s c st in Leipzig wurde vom Vorsitzenden erstattet. In diesem und der sich daran anschließenden Anfrage wurde ausgesiihrt, daß sich bei dem großen Umfang, den daS Leipziger Turntest gehabt habe, selbstverständlich Ausstände heransgestellt hätten, die bei den kommenden Festen vermieden werden müßten. Die Zeiteinteilung des Festes, die Gestaltung des Festplatzcs. die Bekanntgabe der Ucbungen. die in Zukunst früher erfolgen werbe, das Probewettnrnen, das vercinsacht werden soll, hätten manches für die Znkunst Lehrreiche zutage gefördert. — lieber das turnerische Verhältnis zu anderen Verbänden erstattete ebenfalls der Voriitzende Bericht. Da im Wettkampiails- schnß der Olvmvischen Spiele für jeden Zweig der ^Leibesübungen und des Turnens nur je ein Vertreter Sitz und Stimme habe, könne auch die Turnerschait iinr einen Vertreter beanspruchen, was eigentlich nicht der Größe dieser Körperschaft entsprechen würde. Von ganz besonderer Wichtigkeit sei der Beschluß des Wcttkamptausschusses, daß sich die Turner an den allgemeinen Wettkämvien der Olpinpitchen Spiele beteiligen könnten und zwar unter der Flagge jedes einzelnen Turnvcrcrns und der Tnnier- sctnitt. Aller Voraussicht nach würden aus interirationalen Rücksichten die deutschen Turnlehrer als Proscssionals erfiärt werden. Die Vorführungen der Turnerschait gelegentlich der Olympischen Spiele seien bereits ausgcarbcitc!. Sie nmrdcn dem Internationalen Olympia-Komitee, das im Juli in Paris znsammen- tritt, zur Genehmigung vorgelegt werden. ch. Bingen, 13. 4lpril. Ern großes Autounglück ereignete sich am Sonntag auf det-* Landstraße zwischen Bonn und Koblenz. In seinem Auto fuhr Herr T-eodor S cd c r r aus Bingen mit den zwei Söhnen de« Herrn Georg Sch er r aus Bingen nach Köln. Unterwegs mußte der Ehaufjeur am Wagen etwas uachschen und ist dabei wohl mit der Flamme zu nahe gekommen. Das Benz in explodierte und kurz darauf stand der ganze Wagen in Flammen. Beim Borsnchc, aus dem Wagen zu springen, brach sich Herr Theodor Scherr ein Bein und nur der Geistesgegenwart eines der beiden Knaben ist es zu verdauten, daß er nicht verbrannte. Der Ebaiiffeur erlitt schwere Brandwunden an den Händen. Der Wagen ist bis ans die Eisentcile verbrannt. Hessen-Nassau. J] Marburg, 13. April. Gestern verbreitete sich das Gerücht, daß im Walde hinter dem Hauptbahnhos eine L-iche gesunden ivorden sei. Es handelte sich jedoch nur um K l e i d u n g S st ü ck e und einen noch mit fünf Kugeln geladenen Revolver eines jungen Mannes, der dort im vorigen Fahr seinem Leben ein Ziel setzte. — Heute früh entdeckten Spaziergänger südlich der Stadt in dem Weidenbüschcn der Lahn die Leiche des seit einigen Wochen vermißten Bauunternehmers Wilhelm Weis- Haupt, für dessen Auffindung 200 Mk. Belohnung auS- gesetzt waren. W , der iu guten Verhältnissen lebte, war in letzter Zeit nervenleidend. M Marburg, 13. April. Auch diesmal sanb am Osier» morae» in de» Anlage» de; TladlparteS m Gegenwart einer großen Mensche»,nenne eine O st e r e i e r v e r t e > l u » a statt, an der über hundert Mädchen und Knaben, Kinder bedürtl:qer Eltern, teil- nahmen. Im Anschluß an ent Musikstück der Jägerkapelle, die zugleich ein Promenadenkouiert abhielt, und an eine Ansprache des Oberlehrers Stein ha uis langen die Kinder ei» Osterlied, woraus jedes mit Eiern und Ostergebäck beschenkt wurde. — Frankfurt, 11. April. Wie bestimmt verlautet, wird Pros. Tr. Bet he, Direktor des phnsiologischen Instituts der Kieler Universität, der Berufung nach Frankfurt a. M. Folge leisten. Er lvird jedoch erst zum Sommersemester 1915 nach Frankfurt übersiedeln. = Frankfurt n. 911., 11. April. Der in Neu-Ulm verhaftete Techniker Koch, der verdächtig ivar, den Mord an dem Holz Händler Brechner aus der Steecke zwischen Frankfurt und Tarmstadt im Sommer v. IS. begangen zu haben, mußte wieder entlasse» werden. Koch ivar in der gleichen 'Angelegenheit bereits eiiungl sestgeno»i»ien worden, da der mutmaßliche Mörder BrechncrS den Namen des Koch mißbraucht hatte, als er in Frankfurt a, M. die Uhr seines OpserS versetzte. CanC'UHt'tfcbaft. A L e i h g e si e r ii, 13. April Eine I u b i l ä u m s - A n s - st e l l u n g hielt der Mitteldeutsche Kaninchen und Geslügelzüchter- Bcrband gestern und heute bei Gastwirt W. Der» ab. Züchter aus der Umgegend von Gießen, Wetzlar und Butzbach hatten etwa 200 Tiere zur Schau gestellt. Der Besuch der Ausstellung war gut. Preisrichter für Kaninchen war B i e h m a N N - Auerbach. Das Ergebnis der Bewertung der Tiere war folgendes: A. Abteilung Kaninchen (Alttiere); 1. Belgische Riesen; Tie Tiere waren zu kurz und leicht, so daß keine Preise vergeben ^wurden. 2. Deutsche Riesen j checken; Siegerpreis G. St. Tchmidi- Kinzcnbach, Ehrenpreis H. Kreiling-Wieieck, 3. Preis L. Sonneborn Dorlar, lobende Anerkennung; W. Kiick-Leihgestcrn 3.F r a »- »öjischc Widder; 3. Preis PH. Ziininernwnn-Groüen-Lindcn l. Germania-Silber: 3. Preis ®. K. Schmidt-Kinzenbach.k 5. Javaner; 3. b. Dechcrt-Aiien-Bn>eck. 6. Blaue Wiener: 3. G. Langsdorf und Gg. Faber V. Leihgestern. 7. tzasenka- ninchen: 2. PH. Zimmcrmann-Großen-Lindcn. 8. Silber (grau Ehrenpreis; G. tzosmann-Wicseck, I. Pr. I. Roih-Wicicck, JÖ. Stabel-Trohc 2. H. Müllcr-Allcndors o. L., 3. PH. Zimmcr- mann-Elroßen-Linde», lobende Anerkennung; H. Kiös-Wieseck. K. Haas II.-Steinberg, Ehrenpreis; Ph. Raiilnann-Großen-Linden, 1. PH. Faber-Großcn-Liichen, 2. L.Bichmann Kinzenbach, H.Pieiff- Wieseck, 3. K. Amend-AUendorf a. d. L, Franz Moritz-Trobe, PH. Fabe,-Großen Linden I. Roth-Wieseck, lobende Anerkennung; W. Schmitt-Lang-Göns, H. Binz tll.-Allendors (Lahn). 9. Silber; 2. A. Rinker-GroßenBinden, H. Knhl-Kinzcnbach, 3. K. Ärzt- Großcn-Linden, Pb. stlaumann-Großcn-Lindcn, lobende Anerkennung; PH. Naumann-Grosten-Linden, F. Buh-Leihgestcrn, PH. Zimmermann-Großen-Linden, L. Sleinmüller-Lang-Göns, W. Neeb-Gießc». 10. Holländer; l. H. Kreiling-Wiescck. 1l. Black and lan; Ehrenpreis; Ph. Zimmermann-Großen-Linden, 3. G. Eisl-Stcinbcrg, W. Sommerlad-Großen-Lindcn, lobende 2In- erkennung: O. Jiinier-Sleinberg. l2. Hermelin; 2. H. Pfeifs- Wicseck, H. Panzer-Trohe, Pb. Wallhänscr-Alkendoii, Ludw Sonne- born-Dorlar, 3. H. Pfeiff-Dieseck, H. Panzer-Trobe, H. Matter». Dorlar, ll. I lt II g t i c r kl as s e; 1. belgische Riesen; 3. H. Stabel-Trohe. lobende Anerkennung tz. Müller-Leihgestern. 2. Franz-Widder; 2. L. Viehmann-Kinzendach, 3. tz. Mattem - Dorlar. 3. Blaue Wiener; 2. El. Langsdorf-Leihgestern. 1. Silber (gelb): lobende Anerkennung Ph. Zimmermanu-Gioß- Liikden. 5. Hermelin; Ehrenpreis H. Mattern-Dorlar. 6. S i l- b c r (graul; 3. I. Braun-Hochelheim. 6. A b t e i l u n g H ü h - II er; >. Wyandottcs; Elirenpreis K. ^chmitt-Kinzenbach. 2. Orpington; Siegerpreis K. Fabcr-Langgöns, 3. C. Belten- Lang-Göns. 3. P l n m o u t b - R o cks: Ä. «chwarz-Trohe, lob. Anerkennung W. Müller - Lang-Göns, L. Licher - Giwßen Linden. 4. Minorka: Ehrenpreis H. Zeiß-Lang-Göns, lobende Anerkennung F. Deuker Rodheim, W. Ebcl-Lang-Göns. W. Mack- Hochelheini. 5. Italiener; l. K. Mnller-Long-Göns, 2. W. Faber-Leihaestcrn, 3. K. Velten-Lang-Göns, W. Faber-Leihgestern, L. Wagner Is.-AIten-Bnseck. lobende Anerckennung W.Müller-Lang- Göns, H. Luh I.-Großeu-Lüiden, W. Faber-Leihgestern, K. Tuten- höscr-Leihgeftern. 6. H a m b u r g c r S i l b c r l a ck; 2. W. Brnckel- Lang-Göns, lob. Anerkennung I. Röhrig-Hochelbeim.,7. Z wc r g- Hühner: 3. W. Mack-Hochelhcim, K. Velten-Lang-Göns, K. Müllcr-Lang-Göns, lobende Anerkennung M. Wacker-Wiescck. O. Abteilung Tauben; Ehrenpreis; Ä. Faber-Leihgestern, 2. A. Brückel-Lang-Göns, W. Ebel-Lang-Göns, 3. A. Faber-Leihgestern, H. Zeiß-Lang-Göns, I. Weber ill.-Hochclheim, W. Ebel-Lang- Göns, lobende Anerkennung A, Faber-Leihgestern, H. Zeiß-Lang- Göns, Brücket Lang-Göns, Weber III.-Hochelhcim, A. Faber-Lang- Göns. bl. Abteilung Gänse und Enten; 2. F. Deuker» Rodhcim-Biebcr, lobende Anerkenming A. Brückel-Lang-Göns. F. Abteilung Produkke; 3. H. Zeiß-Lang-Göns, Karl Schwarz-Trohe. W. Rceb-Gießen, G. Langsdori-Lcihqestrrn, lob. Anerkennung K. Müllcr-Lang-Göns, W. Faber-Leihgestern, H. Zeiß-Lang-Göns. —cht. Alten-Bnseck, 13. April. Ein Landwirt schreibt uns: Eine eigenartige Erscheinung trat in den Feldern der hiesigen .Gemarkling im Lause bes vergangenen Herbstes zutage. Zweifellos wurden die gleichen Feststellungen auch in anderen Gemarkungen gemacht, weshalb einige auftlärende Worte darüber angebracht sein mögen. Der Stand der Wintersrucht, beionders des Kornes ist in diesem Jahre ziemlich schlecht, so schlecht, daß an »milchen Stellen neu cingesät werden mußte. Dieses ist nach den Ansiästen von erfahrenen Landwirten, die die Sache praktisch erprobte», aus folgenden Umstand zurückzu- sühren; Durch das anhaltend« Regcnwetter im Boisoimner des vorigen Jahres bildete sich an den Wurzelstöcken des Klees ein Pitz, der sog. Fusarium-Pilz. Auch in den Feldern, in den die Rübenblätter mit untergepilügt wurden, trat dieses in Erscheinung. Dieser Pilz wucherte nun nach dem tlmptliigen unter der Erde weiter, übertrug sich auf die neue Saat und vernichtete sie damit. Viele Körner gingen dadurch überlzaupt nicht aus; andere gingen aus. die Pitauze begann zu wachien, starb jedoch bald ab, da der Pilz an in-r Wurzel sein VerlwerungSwerk trieb. Be ,anders m den nach Wieleck zu gelegenen Feldern mit ihrem tchwerem Boden tvnrden derartige Bevbgästnngen gemacht. Biele Landn-irte führten dieie» Mißstand auf Witterungs- und alle möglichen anderen Einflüsse zurück. Hier kann nun der L-ndtvirt ittsoiern Vorbeugen und sich vor Bertusden schütze», als er die Aussaat für die Wintenrucht zubereitet, denn bis dahin sind die Stoppeln getrocknet. Habe» sich in den Stovvel» wirklich Keime und Pilze emgenistet, so lind dieie bis Ende September, Aiiiang Sommerhalintrnck» Aecker im .Herbst nach der Ernte sosort zur Oktober, also zu der Zeit, zu der sdie neue Frucht in die Erhp kommt, abgestorben. Sport.. -^Fußball. Am Soimtag spielte aus dem Tltcb die 1. Dlannschnst der Turngemeinde Oslenbach a. M. gegen Eport- vere», .Merkur'. Das Spiel ivmde nach hartem Kanipse ,»i! 3:3 Toren unentschieden. Univerkitätr-Nachrrchte«. — Der ^abrikdirektor Wilbcltn Tafel in Nnrnberi wurde zmn elatSinAhigen Professor für Hutten- und Maschiueu- unde au der Technischen Hochschule zu B r c s l a u als Nachfolger von Pros, ^riednch ernannt. — T cr Plariue-^bcrstalisarzt a. D. Tr. med. Georg Alexander Rost i>'t als ^.'iachkolger des Privatdozenten Tr. Frieboes vom !. Avril 1911 ab zun» Oberarzt an der UnkversitätLklinik fürHant- srankheiten in Bonn e-nannt worden. VernrNchte». * Wandcrvogcltag. Die Morgenblätter melden ous Franksnrt a. d. O.; Unter Beteiligung von über 2000 Mitgliedern, die in Kasernen und veringbaren Bürgcrguarticrcn unter* gebracht waren, wurde hier während der Ostenciertage der Bundestag der Wanberoogclve reine abgehalten. * I m Feuer II m g c k o m IN e n. Aus M ü II dK it wird ge meldet; In der Osternacht brannte das zwischen dem Stolber Moor und der Aiblinger ?iuc im Torsmoor liegeitbe Häuschen des Tors stechers Senner nieder. Tic vier Kinder Senners im Alter von zwei bis acht Jahren, die allein im Hause waren, kamen in den Flammen um. Das Feuer soll ans Rache von einem Torsstecher, der mit Scnnei zwei Tage vorher Streit gehabt hatte, gelegt worden sei». * ?(e r i t e Tt v y f in Schweidnitz. Ans Breslau lvird gemeldet; Zwischen der Acrztcschast des Schtvkidnitzer Bezirks und der Eisenbahn-Direktion ist infolge der Anstellung twn zwei eigenen Bahnärztcn für den Schweidnitzer Bezirk durch die Eisen bahndircltion ein Konflikt ousgebrvckien. Für die Eisenbahner- Krankenkassen bedenket die Anstejlnnq die Auskündigung der sreien Aerztewahl. Als Antwort hieraus beschlossen, laut „Vossischer Ztg." die Aerzte von Schweidnitz, Zoppten, Königszelt, Saarau und Leiitnantsdors, de» Eiscnbahnbeaiittcn und deren Angehörigen leine ärztliche Hisse angcdeihcn zn lassen, abgesehen von dringenden Fällen. * Ein Ossiziersdiener als Mörder. Aus P e » schawar (Brit. Indien, 13. April, wird gemeldet: Ter Offi* ziersdiencr Rahrnd, der dem Major Todd, dem englischen politischen Agenten in Wastrista» zugeteiii war, verletzte am 1. Feiertaa den Major und einen anderen Offizier dnnti Re- volverschüsse, erschoß einen britiiche» Artillerieoffizier imd zwei andere und wurde darani durch Greitzpolizcibcamle getötet. Kleine Cageschronik. In Reims wtlrdc» zwei deutsche Fabrikarbeiter verhaste^ die versucht baben sollen, einen Dragoner, mit dem sie sich IN einem Wirtshause bezecht hatten, zur Desertion zu verlcttcn. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wettcrausüchten in Hesse» am Mittwoch, de» >ö, SUunl 1911 - Wechselnd bewölkt, trocken, et>vas kühler, nordwestliche Winds. Letzte Uad)H(iucn, Einsturz eines Hauses. Algier, 14. April. Im Eingeborene,iviertel stürzte die Terrasse eines Hauses ein. Drei Bewohner tmir- den getötet und zehn schwer verletzt. Man bc- fürchtet, daß noch weitere Leichen unter den Trümmern begraben sind. If Für Erholungsbe Nerven-! Erholungsbedürftige und leichtere Sommer und nrcinKe. Winter besucht« i Kuranstalt Hofhelm I. T. */* Stande ▼. Frankfurt a.M. Prospekte durch Dr. Schulze-Kthleyn, Nervenarzt. Sie irirter non MIO be ^ mobme Woimmiii, lltucn ! Mixe 2T»ta4til. Slock, in mein. > xmittc, iit sinn >. Cftoi). eu. i trüb nnberwcit sn renntet. ! 7 Zimmer, Mäbchenztmmer, fStaiicsHtHnor. ntofee neitWoii. Sterntte«, teintn' rn'bit vcidi ; liebem titbeber. 3639 !_16r. MifditSnmunll. 6 Zimmer I iiewntinitlnOe « Zimmer OTobnim* in der üel-ümoc mit allem Zubehör iit «er fcHunn»lmlbev zum l. 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