Nr. 84 viertes Blatt M. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „«ießener zamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viernial wöchentlich beigelegt, das „kireirdlalt für den Ktfis Gießen" zweinial wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitsragen" erscheinen monatlich zweimal. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen Donnerstag, y. April M 4 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- srraße 7. Expedition und Verlag: e=gä^51. Redaktion:112. Tel.-Adr.:^luzeigerGießeir. Czerny über die Radiumbehanölung des Arebfes. Vor kurzem bat T ch w e n i» g c r dir weitverbreitete Meinung zu cntkrtisten gesucht, daß in Radium und Mesothorium das un- bedingt sichere Mittel gegen den Krebs gesunden sei. Fetzt tritt nun eine der ersten deutschen Autoritäten der Krebsforschung, der .Heidelberger Gelehrte V. l5zcrn». mit seinem Urteil über diese Frage hervor, das sich uni 4000 Fälle gründet, die seit 1006 von ihm beobachtet tvorden sind. Czerny veröiieniticht seine FvrschungS- ergebnissc in Form eines Ntl den hauvlausichuß für Krebsforschung gerichteten Schreibens in, .neuesten heile der „Deutschen. Revue" tTeutsche Verlags Anstalt, Sluttgari-Leivzig. Tic 12 Hauptsätze, die Czerny dort auistellt. Izaben im ivesent- lichen etwa solgendcn Inhalt, Radium und Mcsothoriuni wirten >m wesentlichen gleich: sic zcrslören bis zu einem gewissen Grade clektiv die Tumorzcllc» und können obcrilächlich 'liegende .Krebse heilen. Bei tiesgrciscnden .Krebsen bleiben nicht selten Zellrcstc zurück, die zu Rücktasten führen: ob die großen, von deutschen Gynäkologen erugefnbrten Mesolbordosen mit stark filticrten Strahlen gegen diese Rückiälte schützen werden, sann erst nach einigen Fahren entschieden Ivcrden. Selbst die Heilwirkung der Gammastrahlen scheint nicht in größere Tresen .als 4—5 Zentimeter zu reichen: die Heilung ist eine örtliche, sie sichrt nicht gegen Rück- sällc und schützt nickN vor Metastasen. Falls die Ttraftlenstärke nicht genügend ist, uni die Krebszellen zu zerstören, wirkt sic reizend und kann sogar das Zestwachslum beschleunigen: manchmal ist die Wachstumsenergic einer .Krebserkrankung so groß, daß sic und die biologisch Widerstandssährgleit auch durch die stärksten Strahlen nicht unterdrückt werden laiin. To hat Czerny von auswärts Fälle übernommen, die fick; trotz außerordentlicher Ttrahlen- doscn — bis zu 130 000 Milligrammstundcn — verschlechtert hatten. Dennoch e r k c n n t Czerny Radium und Mesothorium als wertvolle hilssniittcl bei der Behandlung bösartiger Geschwülste an, und erklärt namentlich, daß sic bei Fälle», wo der chirurgisch Cingrist nicht aussührbar ist, unentbehrlich sind, doch scheint es ihm verfrüht, wenn manch Gynäkologen die Operation durch Radiumbehand- lung ersetzen wollen: vielmehr empiiehlt er, alle Krebse, abgesehen von hantkrcbscn und vielleicht auch einigen Uterus- und Mast- darmkrebscn — die sich ohne wesentlich Gefahr operieren lassen, zu cntserncn, und Radium zur Nachbehandlung zu verwenden, wodurch die Gcsahr eines Rückfalles verhindert werden kann. Er selbst hat von Anfang a» eine kombinierte Bchairdlungs- tvcisc der Krebse angewandt, und ist noch letzt der Ueberzeugung, so die besten Erfolge zu erzielen. Oberflächlich und von außen zugänglich Lokalisationen der Krebse behandelt er mit Mesothorium, diffus erkrankte Teile und tiefer sitzende Geschwülste Magen-, Speiseröhren-, hochsitzendc Tarmkrcbse, multiple Metastasen) bestrahlt er mit großen Mengen harter, silticrter Röntgenstrahlen. Ta die Strahlenbehandlung nicht Metastasen verhindern oder innere Metastasen beseitige» kann, hält er auch Kombination mit biologischen oder chcmothcraveutisckwn Mitteln für notwendig und Ivcndet, nachdem eine Reihe anderer Stoffe versucht worden .ist, Borckrolin (Enzytoli an. das oft das Allgemeinbefinden der Kranken gebessert, die Schmerzen beseitigt und Geschwülste vermindert oder beseitigt uiibjbei 25 000 bis 30 000 Einspritzungen in Venen niemals wesentliche wchädigntigen hervorgeirifen hat. Czcrn» verweist dabei aus mehrere Fälle voi, Magenkarzinoni. die bei der Operation als unheilbar und durch die Bioskopie »likcoskovisch scstgestellt waren und durch kombinierte Behandtung von Enzytol und Röntgen- srrahlen geheilt tvurden. lieber die neuerdings empfohlenen großen Tosen der Radiumtherapie und deren mögliche unbeabsichtigte schädlichen Nebenwirkungen hält Czerny noch mit dem Urteil zurück: er selbst glaubt jedensalls mit kleineren Tosen auskommcn zu können, die weniger schädlich sind. Alles in allem kommt Czerny zu dem Ergebnis, daß mit Radium und Mcsothorinm-hcilcrsolqc erzielt sind, wenn auch vielleicht nur teilweise von dauerndem Nutzen, und daher tritt er dafür ei», daß das Reichsversicherungsamt die Beschassnng dieser modernen Heilmittel zugunsten der Versicherten unterstütze. Sport. Deutsche Turnerschaft und Olympische Spiele. Von Schulrat S ch m u ck-Tarmstadt. Die deutsche Turnerschast ist gegenwärtig aufs eisrrgftc mit den Vorbereitungen für die olympischen Wettkämpfe Istll, be- schäjtigt. Ta cs in erster Linie darauk anlommen wird, crsahrene Mannschaften ins Feld stellen zu können, werden nach einem. letzt rechtslräjtig gcwordcneti Beschluß des Turnerausschusscs die säml- lichcn auswärtigen Veranstaltungen des laufenden Jahres besucht, zu denen Einladungen vorliegcn. So werden zunächst 16 Mann aus den Vereinen Frankfurt a. M., München, Mannheim, Karlsruhe und Stuttgart vom lö. bis 17. Mai in Genua beim Turnfest des italienischen Turncrbundcs ouftrctcn. um die Eigentümlichkeiten des deutsckßm Turnens in einer Mustcrriege darzustcllen. Vorgesehen sind Eiscnstabübnngen, Kunstturnen an Pferd und Reck, sowie Mannschaslsspringen an zwei Svrungtischen. In ähnlickiec Weise sollen anch die Baltischen Spiele in Malmö beschickt werdet,. Voraussichtlich wird hier aber auch eine Riege von Turnerinnen sich beteiligen, und die Gesamt- betciligung wird wegen der günstigen Lage wesentlich stärker werden. Die Mannschaften werden aus den großen Vereinen Norddeutschlands zusaintnengcstellt. Außerdem ist noch der Besuch der turnerischen Wettkämpfe in Christiania und Luremburg geplant. Das für die olympischen Sviele ausgestellte Programm liegt jetzt anch in der Fassung vor, in der es zur Beratung und Genehmigung an das internationale Komitee gelangt. Vorgesehen sind zunächst Sechs- und Zwölskamvf nach der deutschen Wettturnordnung. Da die deutschen Geräte Ausnahme bei den Turnverbänden aller Nationen gesunden haben und die Wetturn- bcstimniungen im wesentlichen nbercinstimmcn, so dürfen teden- salls sür diese Wettkämpfe hervorragende Vertreter der Turnkunst erwartet werden. In weiten Kreisen der deutschen Turncr- schaft wird nur bedauert, daß die Zahl der Teilnehmer auf nur acht seder Natian festgesetzt werden mußte. Das Programm des Wetturnens umsaßt außerdem Einzel» wettkänipse. an Reck, Barren. Pferd (guer und lang gestellt) und an den Schaukelringen, ferner Mannschastswcttkämpse, nach beliebigem System und Sondervorsührungcn. Tie Spiele sind gleichfalls nicht vergessen: für Turner sind Schlagball, Faustball, Schleuüerball und sür Turnerinnen Korbball nach den Regeln des Zentralausschusses vorgesehen. Jede Nation kann nur eine Mannschaft stellen. Größere Bedeutung als diesen Wettkämpfen wird aber die deutsche Turnerschaft den Massenaufführungen beilegen, die wie bei deutschen Turnsesten die Eigentümlichkeiten des deutschen Turnens darstcllen sollen. So sind Frei- und Stabübungen geplant, zu denen jedenfalls wieder Tausende aufmarschieren werden, außerdem Gemeinübungen an Geräten und Mannschastsübnngen im volkstümlichen Turnen. Diese Darbietungen finden außer Wettbewerb an drei oder auch vier aufeinanderfolgenden Tagen statt. Mit ihrer Organisation werden sich Turnausschuß und Versammlung der Krcisturnwarte in ihrer Sitzung befassen, die vom 8,—10. April in Bingen stattfindet. Die Deutsche Turnerschast wird es jedenfalls an nichts fehlen lasten, um st, Gemeinschaft mit den übrigen im ReichSausichuß vtreinigten Verbänden die deutschen Färben bei der VI. Olyuipiade zu Ehren zu bringen. Mit besonderer Genugtuung wird allerorten die Nachricht ausgenommen Ivcrden, daß die noch bestckcnden Meinungsocr- schiedenhcitc» zwischen der Turnerschast und den einzelnen Sport- verbänden ohne Einfluß aut die vorbereitende Arbeit zu den Olympischen Spielen blechen werden. Auf der letzten Wettkampf, ausschußsitzung des Reichsausschuiies, die ebenso tvie die des Vor- ftandcs, im Zeichen crsreulicher Einigkeit stand, hat es die Deutsche «Port-Behörde für Athletik als „selbstverständlich" bezeichnet, daß zu den sportlichen AuSschcidungskümpsen in ganz Tcutschland am dem Gebiete der Athletik auch die Mitglieder von Turn- vereinen zugclasscn werden und zwar ohne, daß sie einem Sportverein bcitrcten müßten. Weiterhin wurde die Deutsche Turner- schast^ohne Widerspruch als allein zuständige Korporation für die Spiele erklärt, die sic im Rahmen der Olnmvischeti Spiele als charakteristische deutsche Volksspicle vorzusührcn gedenkt. Universitäts-Nachrichten. — Ter Vertreter der Nervenheilkunde in der Bcr« liner incdizintscki-en Fakultät Geh. Medizinalrat Prof. Tr. Martin Bernhardt begeht am 10. April seinen 70. Geburtstag. — Dem Lehrer der Musikgeschichte an Tr. Hochs Konservatorium in Frankfurt a. M. Tr. ined. und Phil. Moritz Bauer ist vom Kultusminister der Titel Professor verliehen worden. „Hennebarfl-Seide“ nur direkt! — ickiwarz, ivcist „. sarb. v. Mk. 1.15 an per Met. tut Blusen u. Robe» Franko u. »cbo-rer««»! insHaus gelles. Reiche MustcrauSwahl umgeh. 6. Henneberg, Hof,. F.M. d. deutschen Kaiserin, Zürich. 1241 D| nnfi nt 11 m 111111111111111111111111 if 11 (i ini 111 n t i 11111111 h i n i r i n n 111111111 in il i' 1111 r 11 m ii ; 1 j i; 1111 1 j n ^ n n Soeben erschienen | und in allen Buchhandlungen vorrätig: j I Geschichten aus der Pfalz i I und ihrer Nachbarschaft I | 4 Volkserzählungen von Plärrer Heinrich ßeohtolsheimer I Preis Mk. 1.—. Verlag von | August Fillmann, Birkenfeld a. d, Nahe j hiiiii[ii)i:niiiminilniiii:iinniiiim.iMnniiM,nni.iMiiiiii|i: l n ) ininniiii iii[in:i;inn;mi 1 nnii7 CO I rs ° " 2 " <= -ec 3 - “ O =': *-rs '-KZZL -s -e|SÄ -E Z-S®“* 2 * ir^:= “Ss k* x, 's% A «o = r \ „ = ..=as - c * S v ._ * o'sS '- -°^d -- - ' .KZ -r«»S 4 »KL 8 ^°°S-^« S -:-« S 5 »f : s ,' Q ■• S S if f =1 «lil "Äs -= 2 S „-Ä = “ '' W W A Ii - °W N IC! sliS ■“ x>Ä 6 s = “£ x. = o -LZ-U i-s = c 2 l-ü’E _»i=s iii |:| - O i -L-« Ä :i*j|;' “ «1 - “ S. .1 s ° “ * «SS s -t 1 S*& D s » «I ■ 3 »S-— ~ — v£-"«„-'e = ■’•-?- 1 - 1-3 5 Sv^K-iO c_ Si 5 = g'sss “ £ s s.? I $ fg 1 F 1 « f* «IIS« «: S- •S aS. 5 «T = £2 =l.g t^|| S tel “ 5 II| 3 .L k*«« u g ;Sl I| 1 ?S 3«! ill| s A°°D .=: 2 ‘ 0 || f 3J,-lC-|S i ügi'ji 1* |jy »,i : =Ä|»siii««,:s'.H si s u‘ ?:i = (') = - C «& •-= - O - ü c X ~ O J-',—.q ~ = 's- ".' *-»<«• •.. 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