Nr. 78 Drittes Blatt \w. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Eietzener Zamiliendlättei" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisklatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Seil- Iragen" erscheinen monatlich zivennal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Donnerstag. 2. April Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'lchea Unioersltats - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition lind Druckerei: Schul« slraße 7. Expedition und Verlag: Redaktion el l 112. Tel.'Ädr.: AnzeigerGleßen. Der Einzug der llnleroffi; erschule in Wetzlar. Wetzlar, i. April. Pünktlich 4M Uhr tras der Sonderzng aus Biebrich auf dem Bahnhof Wetzlar ein. Tic Beigeordneten begrüßten das Bataillon und seinen Kommandanten, Herrn Oberstleutnant von Wurmb und fuhren dann dem Militär voraus, um den offiziellen Empfang auf dem Tomplatze vorzubereiten. Auch die Stabsoffiziere des Gießener Infanterie-Regiments Ttt. 116 waren zur Begrüßung erschienen. Das Regiment nahm Marfchstellung und verließ unter Vorantritt der Tambourc und der Kapelle unter Leitung des Musiknieisters Zwirnemann den Bahnhof, stürmisch begrüßt von einer tausendköpfigen Menschenmenge, die die Umgebung des Bahnhofes und die filr den Einzug vor gesehenen Straßen dicht besetzt hielt. Tic Häuser waren mit itzirlanden geschmückt und zu beiden Seiten der Straßen wehten Jahnen und Wimpel auf hohen, laubbekränztcn Masten. In der Bahnhofstraße grüßte die Einzichendcn das Stadtwappen. Das Militär rückte dann weiter durch die Langgasse, Lahnstraße, Krämergasse, Tchwarzadlergasse auf den T o m Platz Hier erfolgte der Aufmarsch aus dem Paradeplatzc, der rings von einer gewaltigen Menschenmasse umsäumt war, so daß die Schutzmannschaft ihre liebe Not hatte, die hinter den Mannschaften nachdrängende Menge in Schranken zu halten. Taß die Fenster der Häuser ebenfalls dicht besetzt tvaren, dürste bei solchem bedeutungsvollen Ereignisse selbstverständlich sein, daß aber eine große Anzahl venoegcncr Bursche» selbst die höchsten und schrägsten Dächer erstiegen hatte, erregte die berechtigte Entrüstung einiger Stadträte, die auf der dem Dome gegenüber liegenden Straßenseite zusammen mit den Spitzen der Behörden, der Kirche, der Schulen, Männern der Industrie u. a. Aufstellung genommen hatten. Es war ein bewegtes Bild, das der ehrwürdige Doinplatz in seinciti bunten Kleide bot, als die jugendlichen Soldaten stramm in Reih und Glied standen und hinter und neben ihnen die Volksmenge auf- und niederwogte. Und über allem lachte die liebe Sonne, wie seit langem nicht. Stille trat ein, als kurz nach 5 Uhr der erste Beigeordnete Hiepe in Vertretung für den erkrankten Bürgermeister au den Oberstleutnant von Wurmb und an die Mannschaften folgende Bcgrüßungswortc richteten Hochvcrehrlc^Herr Oberstleutnant! Es ist inir eine hohe tlhrc und Freude, die Offiziere, Unterossiziere und Mannschaften unserer neuen Garnison der Untcr- ofsizierschulc Wetzlar namens der Stadtverwaltung, Stadtvertretung und Bürgerschaft heute bei ihrem Einzug herzlich begrüßen und willkommen heißen zu dürscn. Meine Herren, wir stehen aus dem Paradeplatz unserer alten Garnison des Rheinischen Jägerbataillons Rr. 8, ivelchcs fast 60 Jahre in unserer guten alten Stadt gestanden trat und an das noch viele freundliche und an- genchmc Erinnerungen bestehen. Hier aus diesem Platze haben wir tiefbewegt von unseren Rheinischen Jägern Abschied genommen, wenn sie zu heißem Kampfe ins Feld zogen und haben sic wieder freudig begrüßt, wenn sie iicggckrönt in die Heimat zurückkehrten. Wir hege» alle den Wunsch und die Hoffnung, daß das schöne und herzliche Verhältnis, welches viele Jahrzehnte lang zwischen der früheren Garnison und der Stadt bestanden hat, auch zwischen der Unterossizierschule und unserer Bürgerschaft allzeit herrschen möge. Ich bin gewiß, daß Ihne» schon der Einzug in die festlich geschmückte und reich geflaggte Stadt den Beivcis geliefert hot, daß Tie in einen gut patriotischen, militärsreundlichcn Standort kom men, niöge es allzeit so bleiben! Aber ebenso wie es der Wunsch der Stadt Wetzlar war, wieder eine Truppe in ihren Mauern zu haben, so Ivar es auch der Wunsch unseres Allerhöchsten Kriegsherrn, der schon im Jahre 1900 seinem damaligen Kriegsminister Sr. Erzcllenz General von Goslar gegenüber, wie wir aus besten Munde in Berlin erfahren haben, den Ausspruch getan hat: „Ich wünsche, daß die alte Jägcraarnison Wetzlar wieder Garnisonstadt wird." Dafür sind wir unserem geliebten Kaiser und König, den wir vor Jahresfrist in unserem herrlichen altchrwürdigen Dom zu begrüßen die hehre Freude hatten, immerdar Tank ichnldig und fassen alle unsere Gedanken und Wünsche, welche uns heute beseelen, zusammen in den Ruf: Seine Majestät, unser Allergnädigster Kaiser und König Wilhelm II. Hurra, Hurra, Hurra! In das Hurra stimmten begeistert Zivilisten und Militär unter präsentierteni Gewehr ein. Böllerschüsse ertönten, und die Kapelle spielte die Nationalist»»»«. Herr Lbcrstlentnant von Wurmb antwortete auf de» Gruß der Stadl Wetzlar mit folgenden herzlichen Worten: Für die so sreuirdlichen Bcgrüßungsworte, die Tic, sehr verehrter Herr l. Beigeordneter, im Namen der Stadt Wetzlar ioebc» an die Untcrofsizicrschulc gerichtet haben, daiike ick herzlich. Ihr Willkommen iindct eine» lebhaitcn Widerhall in unserem Innern und wir empfinden cs sehr ivobltuend und anheimelnd, daß uns bei unserem Eintrcssen allseitig ein so liebenswürdiger Empfang bereitet worden ist. Ich bitte Sie, Ihren verehrten Mitbürgern unseren besten Tank hierfür gütigst übermitteln zu wolle». Uno an diesen Tank knüpfe ich die bcstinlinte Erwartung, d'ß es der Unterossizierschule Wetzlar vergönnt sein möge, in dasselbe srenndschastliche Verhältnis zwischen Bürgerschaft »»d Garniion cinzutretcn, wie wir cs soeben in Biebrich verlosten haben und wie es hier in Wetzlar mit den alten 8. Jägern last sprichwörtlich geworden ist. Diesen Wunsch wird die Unterossizierschule mit mir bckrästigen durch den Ruf: Unsere neue Garnison, die Stadt Wetzlar, ihre Hobe Vertretung und die gesamte Bürgerschaft, sie leben hock, hoch hoch! Tarauf schritten Oberstleutnant von Wurmb und Beigeordneter Hiepe die Front ab und nahmen dann den Parademarsch in Kompagniekolonne entgegen. Damit hatte die Begrüßungsfeier ihren Abschluß gesundet: und die Mannschaften bezogen ihre neuen Kasernen. Das «Festmahl. Uni 8 Uhr abends versammelten sich die Spitzen der Behörden, die Stadtverordneten und andere angesehene Bürger Wetzlars mit den Offizieren des Bataillons zu dem Festmahl in dein geschmückten Saale des Schützengartens. ES beteiligten sich etwa insgesamt 200 Personen daran. Die Tafelmusik lieferte die neue Militärkapelle. Das Kaiserhoch brachte der Landrat des Kreises Wetzlar, Dr. Sartorius, aus. Ter Redner begrüßte im Namen der Stadt und des Landes das Militär und hob hervor, daß es dem Befehl des Kaisers zu danken gewesen sei, wenn Wetzlar wieder Garnisoiistadt gewotzden sei. Als ztvciter Redner sprach in Vertretung des Bürgermeisters von Zeugen der erste Beigeordnete Hiepe. Er führte folgendes aus: Hochverehric Fcstversammlung! Nachdem cs mir als dem derzeitigen Oberhaupt der Stadt bereits vergönnt war, die Unterossizierschule Wetzlar m ilyccr Gesamtheit auf dem Paradevlatz begrüßen zu können, möchte ich bei unserem heutigen Festmahl speziell den Herren Ostiziecen und Beamten nochmals ein herzliches Willkommen in der neuen Garnison zurusen. Meine verehrten Herren, wie ich schon heute nachmittag andeutetc, haben wir Wctzlarer unserer alten Garnison, dem Rheinischen Jägerbataillon Nr. 8, über 30 Jahre nachge- traucrt und ich versichere Sie. cs war ein schönes, überaus herzliches Verhältnis, das die gesamte Bürgerickxist mit den lieben Grünröcken verband. S>e werden es daher begreiflich finden, datz die Stadtverwaltung und Ttadtvcrtretung seit dem Jahre 1877, nicht geruht und gerastet hat, um wieder Garnstonstadt zu werden. Fast in jedem Jahre gingen Petitionen und öfters Deputationen an dos »riegsministcriuni ab, um uns an maßgebender Stelle in Erinnerung zu bringen. Wie groß daher meine Freude war, als mir im November 1900 durch unser» damaligen Äezirkskommandeur Major Retzlast ein Schreiben zuging mit der Anträge der Königlichen Intendantur des 18. Armeekorps, im Aufträge des Königlichen Kriegsmiinsteriums, ob wohl in Wetzlar aus Entgegenkommen bei einer in Aussicht genommenen Errichtung einer Untcroisizicrschule zu rechnen sei, ist leicht verständlich. Wie positiv meine Antwort aussiel, können Sie daraus entnehmen, daß bereits einige Monate später Banvlatz, Exerzier- vlatz und Schicßstände und zwar an der jetzigen Stelle von der damaligen Slaütv. rordnelenoeriammlung bereitgestellt waren. Wir rechneten damals bestimmt damit, daß spätestens im Jahre 1904 die Untcrofstzicrschulc in Wetzlar cinrückcn würde. Leider kam cs anders, nach anfänglich sehr glatten und angenehmen Verhandlungen mit der Königlichen Intendantur des 18. Armeekorps bekamen wir im Herbst 1904 die betrübende Nachricht, datz mit Rücksicht auf die schlechte Finanzlage des Ruches dieVerlegung der Untcrofsizicrschulc und die damit verbundenen Neubauten vertagt werden müßten. Tie Garnisonsragc hat dann zu unserem größten Bedauern wieder 7 Jahre geruht, bis wir im Mai 1908 von unscrni hochgeschätzten Landsmann, de» wir heute so gern als liebcn Gast bei uns begrüßt hätten, dem damaligen Che: des Allgemeinen Kriegsdepartcments, jetzigen lommandierenden General des 4. Armeekorps Sr. Erzcllenz Sitzt von Arnim die Nachricht bekamen, daß neuerdings unter anderen Bedingungen der -Frage der Errichtung einer Unterossizierschule in Wetzlar näher getreten werden tönne. Nach manchen Kämpfen, bei denen an der Spitze der Ttadtvcrtretung unser leider heute durch seine Krankheit am Erscheinen behinderter Bürgermeister von Zengen die Interesten der Stadt aufs beste vertrat, wurde aal 9. April 11(10 der Bauvertrag stoischen Intendantur und Stadt geschlossen. Tic unter bewährter Bauaussicht und tatkräftiger Bauleitung sowie von strebsamen Handtverkcrn imd sleißigen Arbeitern fertiggkftclltcn schö neu und würdigen Gebäude, die selbstverständlich mit allen hygienischen Einricklungen der Neuzeit versehen sind, geben uns hos senttich die Gewähr, daß sich Ossizierkorps und Monnschaften in ihrem neuen Hein: recht wohl fühlen werden. Berücksichtigen Sic dabei weiter, daß Etzerzierplatz und schießstand nur i bezw. 2 .Kilometer von dcni Kaiernengebäude entfernt sind, so dürste es nur wenige Garnstonstädte im deutschen Vaterland geben,, in denen die Verhältnisse dienstlich so günstig liegen wie in Wetzlar. Wir hassen daher auch, datz all' diese Momente Ihnen, meine sehr verehrten Herren Ossiziere und Beamte, den Weggang von Ihrer alten Garnison Biebrich am herrlichen Rhein und vor den Toren des schönen Wiesbaden nickt gar zu schivxr machen werden. Ich glaube daher im Sinne meiner Mitbürger zu sprechen, wenn ich unsere beste» Wünsche für ein freundliches und herzliches Verhältnis zwischen der neuen langerschnlen Garnison und der guten alten Stadt ausklingen lasse in den Rus: Tie Unterossizierschule Wetzlar, ihr Ossizierkorps _ und an seiner Spitze der ritterliche Kommandeur, Herr Oberstleutnant von Wurmb, sie leben hoch, hoch, hoch ! In Vertretung des Bezirtskonimandrurs hieß haupt- manii Busse seine neuen Kameraden willkommen und sprach die zuversichtlich« Hoffnung ans, daß cs ihnen hier ebenso gefallen möge, wie in der früheren Garnison. Herr Beigeordneter Hiepe verlas sodann eine Tepesche, die an den Kaiser nach Korfu geschickt werden sollte. Sic hatte folgenden Wortlaut: Etv. Kaiser!. und Königl. Majestät bittet die heute heim Einzug der neuen Gernisou vereinigte Festvcr- sainmiung die Versicherung unwandelbarer Liebe und Treue entgegen zu nehmen. I. A.: .Hiepe, v. Wurmb. ' Herr Oberstleutnant v. W u r m b, der Kommandeur der Unterossizierschule, begann seine Rede mit einem Hinweis auf den schmerzlichei: Abschied in Biebrich, in dem das Bataillon länger als 47 Jahre „gehaust" habe. Etwas sei, das dürfe ihnen keiner verübeln, an Biebrich hängen geblieben. Sic seien auf den Befehl des Kaisers gekommen, aber sic hätten beiin Einzuge erfahren, daß Wetzlar sie mir offenen Armen aufnehme. Sie wären, wenn die Stadt auch fernerhin ebenso entgegenkommend wäre, keine Fkein- den mehr, sondern gute Wctzlarer wollten sie von nun an sein. Bei der Freude des Einzuges sei nur die Erkrankung des verdienten Bürgermeisters v. Zeugen ein Wertmuths- tropfen. Das .hoch des Redners galt den Bürgern Wetzlars. Herr Beigeordneter Eocrs toastete auf die verdienstvolle Bauleitung und aus die fleißigen Handwerker, deren Arbeitsleistung hohe Anerkennung zu zollen sei. Weitere Telegramme wurden abgesandt: an den Koin- mandierenden General Sixt von Arnim tu Magdeburg und an den Kriegsminister v. Falken Hahn in Berlin und an den Bürgermeister v. Zeugen. Stadtverordneter Schmitt brachte dem erkrankten Bürgermeister v. Zen gen ein Hoch aus. Stadto. Allmenröder ließ Herrn Beigeordneten Hiepe hochleben. Tie Unterossizierschule wurde als die dritte im Königreich Preußen (öic erste war in Potsdam, die zweite in Jülich) an: 1. Oktober 1867 gegründet und erhielt nach der Farbenfolge in der preußischen Armee (weiß, rot,gelb, blau: gelbe Achselklappen. Sie bezog bei ihrer Begründung die jetzt verlassene Kaserne in Bicb Erstes deutsches volkstrachtenfest tu Mainz. Mainz. 30. März. Ter Bahcrnvcrein Mainz hat den Gedanken eines Deutschen Dolkstrachtenscstes in Mainz angeregt und mit großer Energie sind die Vorarbeiten zu diesem gros-angelegten Fest, das ein nationales B o l k s s e st im idealsten Sinne des Wortes werden soll, jetzt nahezu beendet. Tie Ausrnsc i» den VolkStracknen- zeitungen und der „Bergheimat" von Pros. Grllnbaucr haben bewirkt, daß in ganz kurzer Zeit sich derart viel Vereine und Gemeinden gcnieldet haben, daß man mit einem Besuch von! etwa 10 000 Menschen in Volkstracht, abgesehen von den Fremden die sich einsinden, in Mainz rechnen kann. In dem Aufruf heißt es: „Trachtensrcundc in allen deutschen Gauen! Bei diesem ersten deutschen Volkstrachtcnsestc im goldenen Mainz wollen wir vor aller Wett beweisen, wollen wir zeigen, ums wir mit unserer Heimat- liebe, mit unserer Liebe zum heimatlichen Volkstum getan und erreicht haben. TaS erste deutsche Volkstrachten»!! soll sür unsere Bestrebungen und für unsere Volkssachc zu einem Siege werden. Ter besten Ausnahme bei den Mainzern sind wir gewiß." Tiefer Aufruf und nicht minder die unermüdliche Tätigkeit des Protektors des Volkstrachtcnsestcs, des Landtagsabgeordneten Kommerzienrat Kart Gr Übel in Gotha, trugen dazu bei, daß aus alten Gauen Deutschlands zahlreiche Anmeldungen ecnlicsen. Mit einem festlichen Begrüßungsabend am 20. Mai in dev nichrerc tausend Personen fassenden Stadthalle :mrd das crlte deutsche Volkstrachtensest erössnet. Tie Tauer des Festes ist von: 20. '.ns 25. Mai festgesetzt. Als Hauvtsesttag llt der 21. Mac (Christi Hinrmelsahrt! bestimmt. Au diesem Tage wird der Festzug stattiindeu und Heller Jubel wird alte Herzen, erfüllen beim Vorüberziehen der sarbcnvrangcnden, noch nie in lolcker Anzalil und Mannigfaltigkeit gesehenen deutschen Volkstrachten. Vom Rhein bis zum Jsarstrand und von Thüringens sähen bis zum Wiener Waid werden sich die Träger, die Förderer und Erhalter der deutschen Volkstrachten zuni erstenmal die Hände reichen und es wird sich zeigen, welcher deutsche Gau, welcher deutichc Volksstamm noch seine Volkstracht beivahrt und erhalten Hai. — Kassels neue Stadthall« Aus Kassel, l. Avril, wird uns geschrieben: Heute hat die Stadt ihren monumentalen Saalbau cingeweiht, ein Werk der hiesigen Baumeister Hummel und Rothe, die in cinäm Wettbewerb unter den Architekten Deutschlands erste Preisträger waren. Tic in der Gcundrißlölüng vorbildlich gelungene Halle ist varallel zur Hohenzollernstraße im Westen der Stadt in dem von Kommerzienrat Aschrott geschenkten Floraparke errichtet. Das Zentrum der Anlage ist ein rechteckiger, 5,0 Meter langer Festsaal mit Galerien, Orchester- und Sängervodinm, an dessen Rückwand eine mächtige Orgel eingebaut ist. An den großen mit Wandelhallen umgebene» Fcstsaal schließt sich ein intimerer Gesellschastsraum. Dazu kommt in der vorgebauten Eingangshalle ein M u s i k - u n d T h e a t c r: a a l, in dem das Hostheatcr künftig K a m m e r s p i c l c veranstalten wird. Alle diese Hauvträume befinden sich im Obergeschoß aus einer Ebene mit dcni dahinter- liegendcn großen Konzcrtgartcn und den Küchen eines Wirtschaits-- gebäudes, das sich an die linke Schmalseite der Halle anlchnt. Tie Täte sind so zueinander gelegt, daß sic, je nach Bedarf, in bequemster Weise zusammen oder einzelii benutzt werden können. Sie fassen annähernd 3000 Personen, fast ebensoviel Besucher linden Platz im Garten, der rings von gedeckte» Säulenhallen umgeben ist. Tie umfangreichen Garderoben sind im Anschluß an das Vestibül im Untergeschoß zweckmäßig nach allen Seiten vertellt, ebenso zweckentsprechend ist die Führung der Treppen. To sind in dem weitläusigen Gebäude alle Bedingungen erfüllt, um eine flotte Abwicklung, auch des stärksten Verkehrs zu ermöglichen. Bei der Innenausstattung ist die Farbe das Hauvtwirkungsmittel. Ter Ge- scllsckmftslaal ist in blau, der Theater- und Musikiaal in blau und Gold gehalten. Tie inächtigcn, grün getönten Flächen des mo numciitaien Festsaols sind durch pikante Akzente von tiefem Schwarz und reinem Weiß belebt. Tie gelben Sandsteinsassaden des Außenbaues, in denen sich die Anordnung der Hauplräume klar aus- spricht, zeigen klassizistiiche Formen. Mächtige glatte Säulen mit ionischen Volitten-Kavitell bezeichnen den Eingang. Tic Baukosten betrugt» 2 100 000 Mark. - - Tie Errichtung von Versuchs sch ulen, wie sic bereits in München und St. Petersburg geschehen ist, wird immer lauter gefordert. Tie Versuchsschulen führen ihren Namen daher, daß sic dem pädagogischen Forscher sür seine Versuche zur Verfügung stehen, natürlich ohne durch diesen Dienst die Erfüllung praktisch-vädagogischcr Ausgaben in Frage zu stellen. Sie sollen einen Einblick in. den Entwicklungsgang der Schüler gewähren, imd zwar in vollkommenere Maße, als eS bisher möglich gewesen ist. Man möge aber- nicht glauben, schreibt Otto Pommer in den „Gci- stcswissenschaften", daß cs an den Bersuchsschulen vor lauter Erve- rimcntieren nicht zum Unterrichten kommt. (An sehr großer Teil der pädagogischen Erfahrungen muß notwendigerweise so gewonnen iocrden, daß die Schüler davon nichts wissen und merken. An der Bersuchsschulc sind zunächst alle tlntersnchungcn auszusühren, die das Verhalten des Schülers unter den natürlichen Bedingungen der Schulumgebung und der Tchulaniorderungcn inmitten einer ganzen Schulklasse zu erforschen haben. Erst aus diese Art wird sür viele Fragen des Unterrichts und der Erziehung die wissenschaftliche Grundlage geschossen werden törinen. Außerdem lassen sich hier zunächst die Maßnahmen, die sich aus sonstigen Forschungen mehr theoretischer Art ergeben baden, aus ihre Brauchbarkeit und Anwendbarkeit prüfen. Und schließlich soll an der Bersuchs- schnle ein dem jeweiligen Standpunkt der Wissenschaft in bester Weise angcpaßter Unterricht erteilt werden, und zwar von Lehrern, die mit streng pädagogisch wissenschaftlicher Ausbildung ein muster- giltigcs praktisches Können vereinen. To wird die Versuchsschule zugleich auch Musterschule sein. — Hebbel und die Bühne Es ist bekannt, mit welchen Schwierigkeiten es Friedrich Hebbel gelungen ist, sich das Feld der Bühne zu erobern. Besonders auch der damalige Burglheatcr- direktor Laube batte durchaus kein Verirauen zu der Bühnenwirksamkeit von Hebbels Tragödien. Er niar überzeugt, daß sunt' Beispiel Hebbels „Nibelnnaen" gegen Rauvachs „Nibelungenhort" nicht würden auskommcn können. Wer aber denkt heute noch an dies Drama Rauvachs? Nach dem großen Erfolg, den dann die Ausführung der Nibelungen in Wien fand, schrieb Hebbel an Stern einen Brief, den Professor Oskar Watzel in einem Aussatz in den „Geistcswissenschaiten" wiedergibr und der lebhaft an die Kkagen zeitgenössischer Dramatiker gemahnt: „Tie Herren Intendanten und Direktoren wirtschaften das ganze Jahr hindurch mit den Industriellen, wie ich die jedesmaligen Kotzcbucs und Jsstand nennen möchte, und befinden sich wohl dabei, denn die Schauspieler haben Beschäftigung und die Kasse füllt sich. Nun kommt ein Schalttag, und an dem soll den Musen geopfert werden. Ta greisen sie nach irgend einer Stelzenlragödie, einem Perseus von Mazedonien, einem Tcmetrius und ähnlichen verregneten Feuerwerken. TaS Publikum merkt, daß die Herren Verfasser, die sür den großen Mazedonierkönig oder den russischen Zaren das Wort ergreifen, kaum für ihre Kammerdiener sprechen können, es lacht oder schläft ein, die Intendanz und Direktion haben einen neuen Beweis in Händen, daß es mit dem „höhnen Drama" nicht geht. Geraten sie dann einmal an das Rechte, so sind sie über ihren eigenen Erfolg so erstaunt, wie der Phönizier-, der Linsen zu kochen glaubte imd das Glas erfand," J v siD« »oit 1858—60 vom damaligen Herzog Adolf errichtet worden war und zu nassauischen Zeiten den Jägern znr Kaserne diente. Während des Feldzuges 1870 7l wurde die Schule vorübergehend aufgelöst. sikach einer oberfläch- lichen Schätzung sind über 300 Lifiziere und wohl über 7000 Füsiliere in Biebrich tätig gewesen. E» ist daljer er-, klärlich, wenn cs von vielen unter diesen lebhaft bedauert wird, daß das s ün fzig j ah ri ge I n b i l ä n in am l. Ll» tobcr 1917 nicht mehr in Biebrich gefeiert werden kann. Tie Unteroffizicrschulen unteritanden fi'üher der ersten Garde-Jniankeric-Brigadc in Potsdam, bis eine selbständige Inspektion der Unterossizierschulen 1873 errichtet wurde, deren Sitz in Berlin ist. Ter zeitige Inspekteur ist Generalmajor Hcrhudt von Rohden, der' vorher Kommandeur des Jns.-Leibregiments Großherzogiii st>. Grvßh Hess.) Nr. 11, tvar. Aus den amtlichen Mitteilungen über Zweck und Ziele der Unterossizierschulen und Unteroffiziervorschulen ergibt sich, daß die llnkcroffizierschulc Wetzlar nach wie vor ihren Ersatz im Oktober erhält. All: sich zum Herbst meldenden jungen Leute werden also entweder der Untcrosfizierschule Maricnwcrder oder Wetzlar zugeteilt; wer im gruhjahr eintritt. wird in Ettlingen in Baden eingestellt. Tiefe drei Schulen haben also sog. Landersatz, d. h. die jungen Leute treten direkt aus dem Zivilstande in die Unteroffizier,chule ein und werden l,ier ini allgemeinen drei Jahre (besonders tüchtige zwei Jahre, ausgcbildct. Tic anderen Untcrosfizier- schulcii, s. Nr. 2, erhalten sog. Vorschulersatz, d. h. sie be- kommen ihren Ersatz aus den llnterofsiziervorschule». Tieze , Zöglinge" werden auf einer Uutcrossiziervorschule zwei Fahre vorgebiidet und treten dann zu weiterer zweijähriger Ausbildung als „Füsiliere" zu einer Unterosfizicrschnlc über. Hieraus erhellt, das, es im ganzen günstiger ,ür einen jungen Menschen ist, wenn er mit 15 Fahren zu einer Unterossiziervorschule eintritt. Er kann dann also nach 15 — 3- 2 Fahren, mit 19 Jahren, in die Front als Unteroffizier kommen, tvührend die Lgndersat- -Füsiliere erst mit 17st-3, also mit 20 Jahren, ausgebildet sind.__ hessische Lanöwirtschastskamiiier. rb. T a r m st a d t, 1. April., Tie Landwirtschastskaimner iür dos Grovberzogtuni Hessen begann heute vormittag im Sitzungssaal der Londesshnode ihre 12. Hauptversamnrlung. Ter Boriitzende, Ockouomieral Walter, begrüßte die Versammlung und d'e Regicrungsvertretcr, Ministerialrat Schlicphakc, Geh. Lberbaurat Mangold und Re gierungsrat Svamcr. Taraui widnicte der Vorsitzende dem verstorbenen Blitglied Schmidt-Guntersblum einen illachruf. Nach Feststellung der Anwesenheitsliste regt Abg. Brauer an, im Hinblick aus das schöne, für die Landwirtschaft io günstige Wetter den heutigen Tag für die Beratungen auSrunur.cn und vor altem den Hanvtvoranschlag zu erledige»., die übrigen Beratungsgcgen- ständc aber für eine etwa Mitte Mai cinznberusendc Versammlung zurückzustellen./Ministerialrat Schlievhake bemerkt, Ihm sei der Voranschlag und ein Teil der übrigen Truckiachen erst vor wenigen Tagen rngcgangcn, so daß er angesichts der erst gestern beendeten Voranschlagsbcratungen der beide» Sländekammern sich damit nur wenig beschäftigen konnte, Tas dürste mit zur Abkürzung der Verhandlungen beitragen, ebenso der Umstand, das; ei» Teil der BcralungSgegenständc überhaupt nicht im Plenum erschöpiend behandelt tocrdcn könne. Er bitte aber, in Zukunft eine zeitigere Bcrusnng der Kammer veranlassen zu wollen. Schließlich wird ein Antrag Brauer Vcith—Rieder-Wöllstadt, heute nur den Voranschlag zu erledigen und die weiteren Beratungen zu vertagen, mit 19 gegen 17 Stimmen abgelehnt, nachdem sich auch der Vorsitzende gegen die Vertagung ausgesprochen batte. Ter Vorsitzende gibt daraus einen kurzen Geschästsberickt übet das vcrsloisenc Jahr. Ec stellt fest, das; das Jahr 1913 eine so gute Ernte in Deuiichland brachte, wie lange nicht. Tie kam aber weniger der Landwirtschast, als der Allgemeinheit zu » i - g u II« s » c r h ältniffe. Tie Tnrchinbrung der Fcldbercinigunq habe IN der Gemarkung. Lrch zebn Fahre lang gedauert, und da- chirch und tur die Landwirtschaft uielc Nachteile entstanden Die Regierung solle criucht werden,, die ganze Feldbercinignng zu beschleunigen und zu diesem Ziveckc mehr FcldbercinigungSgcomeler anziistellcn. Tamil ist die Hauvtbesprechung beende». In der Einzelberatnug schlagt zu Artikels Henscl (Tortelweilj eine Aenderung vor nach ivelcher die Wirtschaitswege nur iür die Landwirte frei sein ioltten — Ockonomierat Walter bittet, den Antrag nbziilchnen da man das Gesetz Nickt ans Einzeliällc bestimmen könne — Abg Beeiden back meint, dast der Antraa g„i Grund schlechter Er- lahrungen gestellt ivorden sei. Tic Saciie iollte doch recht überlegt werde». — -rer Antrag Hensel ivira schließlich angenommen Tar- n„, gelangen die Artikel 2, 3 Uitd 4 nach unwesentlicher Aussprache zur Annahme. - 1 Uhr fand eine Frühstückspause statt, und dann tvurde IN der Wciterberatnng torlgeiabren und sämtliche 57 Artikel mi, geringen Abänderungen »ach den Vorschlägen des Vorstandes an- genommen. Die Punkte 0, 7 und 8 tocrden darauf zunächst zurückgestellt lieber Punkt 9, Antrag Fritsch, betr. Ermäßigung der Zuckersten er, erstattet der Aiitragstellcr Bericht. Tic deutsche Zuckerproduktion könne nur dann in die Höhe gebracht werden wenn die jetzige hohe Zuckcrstcucr ermäfftgt werde, ipcmt für eine Ware die nur 9 Mk. koste, 7 Mk. Steuer erhoben ivürde, so sei da- entschieden nicht richtig. Mit Schuld an der ungünstigen Laac sei auch der Umstand, dast der Zuckervcrbrauch in Tciitsthland lange nicht die Höhe erreicht, wie ,um Beispiel M Lnaland. Die Regierungen der Bundesstaaten sollten dahin wirken, dal; das Gesetz vom 19. Septencher 1908 möglichst bald in Kraft gesetzt werde. Tie Bersaimnlnng nahm schliesslich etnsttnnntg solgcnden Antrag Fritsch an, „Tic Landwirtsch-st-kamiiM! wolle bei der Reichsregierung beantrage», das; i»t Hinblick aus die gegenwärtig niedrige» Znckervrclse, bet ivelchen soivobl die Ziickerliidustrlc und infolge davon g»n, besonders die deutsche Landtvictschast anis schwerste geschädigt wird, baldigst die schon seit Jahren zngelagie Ermäßigmig der Ziickerstencr dnrchgcfnhrt iverde.", , . Zur Beratung taM dann die Vorlage des Vorstandes betr. dre Erbcmuna eines neuen Schulgebäudes für die Ha u e - haltu n gsschulc in Langen. Ter Borsitzende erltatictc hierüber BerichI Tie Stadt Langen bat sich bereil erklärt, das alte «-chul- gebäudc der Haushaltungslchnle, das völlig unzureichend iur seine Zwecke ist und nur mit einem grasten Kostenaufwand der- bessert werden könnte, zum Preise von insgciamt 66 000 Mark ,u erwerben und der Kammer für die Erbauung einer neuen Schule ein 3200 Quadratmeter grostcs Grundstück kostenfrei zu überlassen Diese» Grundstück würde aber nicht genügend Raun, bieten, es mühten noch etwa 600-800 Quadratmeter dazu erworben werden, war etwa 4000 Mark Kosten verursachen würde. In der hierüber niigeknüpften Aussprache sprachen sich die meisten Redner für Zustimmung ;n diesem Vorschlag aus, wöbe, betont wurde, das, die Landwirt!chaftskammer darnach in der Lage fei, für den Erlös ans dem allen Schnkhaus ein neues schönes Gebäude zu errichten, Mitglied Hahn wieS jedoch darauf hin, >«>, das von der Stadt zur Verfügung gestellte Oielände keine günstige Loge habe und im.Norden der Stadt ein viel geeigneteres Terrain vorhanden, sei. Er stellte den Antrag, in der Ermächtigung an de» Vorstand zum Abschluß der Vereinbarung mit der eiadt Langen dicien nicht aui den Erwerb des von der Stadt »räienticrten Grundstücks i», Osten der c-tadt zu toerpfliditeit, so,, gern zu bestimmen: Ter Bauplai für die neue Schule sott nach Besichtigung durch den Vorstand ausgewählt werden. Mit dieser Ab indcrung des Antrags Hahn wurde der 'Antrag des Vorstandes inftimmia angenommen. Tie Verhandlungen wurden daraus um 4", Uhr ans morgen rüh 91 '» Uhr vertagt. vereinzna hrichten. § B a d » N a u h e i IN. 31. Mlirz. Ter B i l d u n g s v e r e l n hielt heute abend „nter dem Vorsitz von Oberlehrer T, Strecker seine Haiiplversainmlniig in, Cvnibcl'olel ab. Räch dem von Lehrer Vorth erstatteten GeschAIlsberlcht hat der Verein >» jeder Beziehung ei» »günstig ncelantencS ckiclchäsisiahe hinter ÜA'. Er zählt 435 >1i»itallcee> »»d hat aus,er zwei UnlerhattnngSabendc» ö Theatervorstettimaen des N'-ein-Älainischen AeebandSihcalerS ge- holc». Ter Kassebericht schliest mit 2813 Mk. in Einnahme und An?,gäbe ab, e,n Barbestand von 395 Mk. ist verblieben. Te» Bnchereibericht erstattete Lehrer W e l> r b e > m. Danach wnrden an »ü AnSleihetagen zusammen 495 1 Bücher a» 2147 Enlneh ner »ernnsgabt, a»l einen Ansleibetag kommen im Tnrchseönitt 95 Blinde. Tie Zahl der Leser betrug 235 Personen, darnntee 45 Kinder' unter >4 Jahren Ter Bücherbestand der dem Verein zur Verkügiing aeilektten Ttadtbibliothek bat üch »>» -2 Bände vermehrt und beträgt jkt;, 3!<»> Bände. Tie E i g e » b ü ch « r e i, die »> letzten Jahre rund 159 Eeschenkbäude erhalten hat, ist Ni>, 'tztzö iltummer» anaewachse ■. Zum Schtnst der Verla,nmlung entspann sitch eine le maile Lluisprache über das Kinomese», Gietzencr «traskammcr. Gießen, 31. März. W c g 'c » schweren Diebstahls wurde der 19jährigc 'Arbeiter G. H. aus Anklam zu einer Gc- sängnisstrasc van 6 Monaten, ans welche 2 Monate »nter- suchiingshait angerechnct wurden, verurteilt. Er hotte in Trais- Horlosi, wo er für eine Nacht in einem Hiausc 'Ausnahme gesunden hatte, seinem Zimmergenosscn, her aut Schicht abwesend war, einen Herrenanzug, einen Stock, ein Hemd, ein Paar Hosenträger, ein Paar Manschetten, eine Uhrkelte, ein Paar Strnnipse, eine Bürste, Kamm und Seife gestohlen. Er batte diese Gegenstände ans einem .Handkosser aus Segeltuch, den er mit einem Messer ausschnitt, entnominen. Es wurden ihm vor allem wegen seiner Jugend mildernde Umstände zugcbilligt. , Wegen intellektueller Urkundenfälschung wurde der 'Arbeiter H, aus Dröbischau zu 2 Monaten Gefängnis vcnirteilt. Er halte bei den zuständigen Beamten in der Zcllcn- straianstalt Butzbach, in dem .Hastlokal des ?lmtsgerichts Herbstcin und i» dem Probinzialarresthaus Gießen einen falschen Namen angegeben und so bewirkt, das; in die Gesangcncnbücher unrichtige lEiniräge gemacht wurde». Wegen Sittlichkeitsvcrbrechcus . erhielt der 18jährige Arbeiter PH. D. aus Vilbel eine Gejäiig nisstraie von 2 Fahren, an; welche 2 Monate Unteesuchungshast aulgerechnet wurden. Er batte Ende des Jahres 1912 und im Jahre 1913 in einer ganzen Reihe von Fällen sich an Schulmädchen, von denen er genau wußte, das; sic noch nicht 14 Jahre alt waren, vergangen. Es wurden ihm mildernde Umstände zugcbilligt, die vor allem in seiner Jugend und seinein Geständnisse erblickt wurden. Wegen M i c t s ch w i n d c l c i c n in .'! Fällen tvurde der Taglvbncr H. D. aus Mittclgründau zu 6 Monaten theiängnis verurteilt. Er hatte im November vor. Jahres an drei verichiedene Landwirte seinen Sohn, der aus der Zwangserziehnng entflohen war und von dem er genau wußte, daß er wieder in die Zwangserziehung zurück mußte, als Knecht vermietet und iebesmal den Miktstalcr von 3 Mk. in. Emvtang genommen. Obivohl er ein rückfälliger Betrüger ist, wurden ihm nochmals mildernde Umstände zngcbilligt, die vor allem in der Geringfügigkeit des Schadens gefunden ivurdc». Wegen Diebstahls i in Rückfälle u n d II n t r c n e wurde der Fuhrmann H. Th. aus Herdort bei Neuwied zu einer Gesängnisftrase von 7 'Monaten verurteilt. Ihm war- zur Last gelegt, zu Fricdbcrg im September vprigen Jahres ei» den, F. Sch. gehöriges Mitgliedsbuch und eine» dem tsaftwirt K. gehörigen Hund inckWcrt von >00—150 Mk. gestohlen zu haben. Ferner hatte er von dem Gemüsehändler L. R. in Friedberg an zwei Tagen Meerrettichstange» erhalte», die er iw Wege des Haniierens abictzen sollte, cs war ein bestimmter Preis festgesetzt worden, den er für die verkauften Stangen abzutiekern halte, der Mehrerlös sollte sein Verdienst sein, nicht verkauften Meerrettich hatte er wieder abzuliesern, das letztere tat er nun nicht und mußte deshalb auch wegen Untreue bestraft werden. Z u r ü ck g c w i e s c ii wurde die Bcruinng des Fr. H. aus Zwesten, der vom Schössen- gericht Ivegen Bcttelns und Landslreicherci zu 3 Wochen Hast verurtcill worden'war, da auch zugleich aus Ucberwcisuiig an die Landespolizeibehördc erkannt ivorden ivar, batte er Bcru- inng eingelegt, der jedoch der Eriolg versagt tverdc» mußte, weil nach Amubt der Kammer das Arbeitshaus das einzige Mittel den iiinge» arbeitsscheuen 'Menschen wieder zu einem brauch- baren Glied der menschlichen Gesellschaft z» mache». 3 m »iebe rauf ii af>mc# erfahren s r c i g c s p r o ch c n , v ., J r 5 " f ’ 11 , r t- 0 ® ' 3l. März. Der Kaufmann Fr. Gco Ehrhardt wurde heule von der Llraskammer im Wiedcrav nahmeveetabren ,re,ge,»rochen. Er war im 'August 1913 wea> cmes Einbruchsdiebstahl? an der Bockcnhcimer Landstraße zu zir 5abre» Zuchthaus verurteilt worden, obwohl er eindringlich sei Unlchbld beteuert hatte. Nachdem er bereits mehrere Monate ve blitzt batte, meldete sich der richtige Täter. El, rbardt muß früher tchon in München 6 Jahre Zuchthaus verbützcii. trvtzde er auch damals Ichon leine Berurteitung als Justizirrtum bczei, »ele. ,n München wurde nunmehr cbenialls das Wiederauinabm verfahren ctngclcitet. ,^, - a n g >" n, 31. März. Das Haupt der Räuberbande, i INI letzten Winter zahlreickn, schwere Einbruchsdiebstäble in Frar >url und der Provinz Starkcnburg beging, der Arbeiter Feit nand Zimmer von hier, wurde wegen dieser Verbrechen beü» von der Franfsurter Strafkammer zu süns Jahren Zuchthaus verurteilt. ., >, aisrrSlck likern , 31. März. D,e § t r a > k.r m m <• e verurteilte beti praktischen Arzt Tr Lndlvig Stein, der als uüft- rer seines Kraftwagens durch Fahrlässigkeit de» Tod des Regie-' knNgsrats Feiertag und des Glimnasialvrojefsors « e lN t e r t.st verschuldet hatte, zu vier Monaten Gefängnis und Tragung der Kosten. Wien. 31. März. Nach zweitägiger Verhandlung ivnrde der Bahuangestellte Lin du er wegen Spionage zu zwei Jahren und der Reisende Pctric zu zweieinhalb Fahren schweren Kerker verurteilt. Lnftjclfiffabr». vr F ra n k e n h a n s e n (^icbevbni)Crn\ 31. Mcirz. Als beule nwrqen der Flieqer L ch a e tz. welcher von Mtznitlen -T'iloljof» « flcfloflcn war und dann wieder uutfefjne, in Urankenliansen eine Natlandnnq vorqenoinmen hatte, ersuchte er meOvc.ic iuulieritelieude Mäinrer, den Apparat vor der .ildrahrt zu halten. Ter Propeller war schon anftetrieden, als plötzlich der Zchlosserkohn Dollner »zNter den Apparat lies. Dem Unvorsichtigen wurde der Kopl v o m SH u nt p f c q c 11 c n n t. _ vermifcbte». * Fünf Personen bei einem Brande tödlich verunglückt! Aus Rotterdam wird gemeldet, Bei einem Brande in einer Dampfspinnerei in Almelo kameu vier ^Arbeiter und eine Arbeiterin in de» Flamme» um. Zahlreiche Personen erlitten Brandtvundcu. eine von ihnen mußte nach dem Krankenhaus transportiert werden. Ein Ülrbcitcr, der aus dem dritten Stoa sprang, wurde leicht verletzt, ei» anderer ließ sich an einem Strick aus den, vierten Stvck herunter und wurde ebenfalls durch Braud- wunden verletzt. Tic Feuerwehr war machtlos. Tas Fabrikgebäude brannte bis auf die Umfassungsmauern nieder. * Verzweiflungstat eines Familienvaters. Aus Duisburg wird gemeldet, Der Arbeiter Thissen, ei» Vater von sieben Kindern, befand sich schon seit zwei Wochen aus der Wvhnuilgssuche, erhielt aber tvegen seiner vielen Kinder keine Wohnung. Aus Verzweiflung l,ierüber warf er sich vor einen D-Zug und wurde sofort getötet. * Mord und S e l b st m o r d Im Bureau eines Berliner RechtsauivaltS erschoß ein mit seiner 24jährigeu Ehefrau in Scheidung liegender 26jähr. Musiker bei der letzten Zusammenlunst nach lurzem Wortwechsel seine Ehefrau und sich selbst. Das Ehepaar hinterläßt ein zweijähriges Töckt« terchen. * Uebersahren. Aus Bischweiler, 31. März, meldet ein Privat-Telegrainiu, Von. dem heute morgen 6,45 Uhr nach Hagenau abgehenden Zug wurde der 16 Jahre alte Joses Bauer aus Marienthal überfahren und gelötet. Er hatte sich trotz aller Warnungssignale dem Zuge entgegengeworsen. Der t^ops ivnrde dem jungen Manne vom Rumpfe getrennt. * Gemäldedieb stahl in einem K lostc r. In einem Kloster der Takramcntincriiincn zu Warschau sind zwei kostbare Gemälde, dir König Johann Tobieski und seine Gemahlin dar- stcllcn, verschivuiidcn. Ter Kaplan des Klosters ist seines Amtes enthoben worden. * L n n ch j ii st i z. 'Aus Murkagce lOklahamai wird gc- nieldet, Eine Negerin, die am Sonntag eilten in »gen Weißen durch einen Messerstich ins Herz getötet batte, wurde beute an einer Ttraßentaletnc erhängt. Eine Rotte niaskierter Leute überwältigte den Gesängniswärtcr und warf der Regerin eine Schlinge um den Hals und schleppte sie dann hinaus, uni sic zu lonckie». *2chijfsnnfall. Ans» Southampton, 31 Mä rz, wird gemeldet, Der englische Dampser „Gannttlett" ist mit dem dänischen Schoner „Niels I u e I" im Kanal zusammengestoßen. Der Dampfer sank. Von der Besatzung wurde ein Manu gerettet, die übrigen, deren Zahl nicht feststeht, sind wahrscheinlich ertrunten. CittaciaiiM. (Für Form und Inhalt aller unter biefer Rubrik siebenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keiiierlei Verantwortung.) — R e i s k i r ch c n , 30. März Tic Z ugverbin düngen aui der Strecke Gießen —Fulda beschäftigen fortgesetzt die Gemüter, ohne das; ein merkliches Entgegenkommen der Eisenbahn Direktion zu spüren ist. Kaum bat die Handelskammer Gießen verschiedene Wünsche dargebracht, so folgten im hessischen Landtag die 'Abg. Fenchel »nd Reh und baten die Regierung INN Be- seitigung von Mißständen. und um Berücksichtigung von Wünschen der Reisenden, .hanvtsächlich die Zugoerbindung nach Fulda am Abend läßt in jeder Hinsicht zu wünschen übrig. Tie Zeit zwischen 5.52 und 9.21 Uhr, wie Landlagsabgeordnetcr Reh treffend »!N- sührte, ist entschieden zu langt: »nd es ist jetzt ein Gesuch NN die maßgebende Stelle abgcgangcn um Einlegung eines Zuges oder Triebivagcns zwischen 5.62 und 9.21 Uhr und die Einstellung des nur Mittwochs und Sonntags iahrcnden Thealerzugs in den Fahr- vla». Tie Reisenden von Kaisel, Frankfurt, Koblenz, welche nn. 8 Uhr ihre Tätigkeit beendigen, sind unter den jetzigen Verhältnissen gezwungen, eine volle Stunde aus Verbrndiing zu warten. Ein Entgegenkommen von der Eisenbahn-Direktion wäre ans der so stiefmütterlich behandelten Strecke Gießen —Fntda sehr crwünsch'. B. Airchlichc Nachrichten. Jrraciitische Ncligionrgemeinde. Golterdienst in -rr Shiiagogr (Sud-Anlage). S a m -8 t a a. den 4 April 1 9 11 : Vorabend: 6.45 llijs, Morgens: 9.00 llftr. RachmittaqS: 3.80 Nbr. Lchrifterklärnng. SabbatauSga»lg: 7.50 Mir. Jrraelitische rieligionsgesellschast. Gotterbieiist. Eabba! leise am 4 'April 1914; Freitaa abend 6.35 Uhr. Samstag vormittag 8.311 IN- Predigt. Samstaa nachmittag 3.30 Uhr. Sabbat-'AuSganq 7.59 Uhr, Wochengottesdienst: MorigenS 8.45, abends 6.93 Uhr. Ein vernachlässigter Schnupfen hat schon inanchei» die Gesundheit gekostet.