Nv. 59 Erscheint tS-ltch mit Aufnahme be3 Sonntags. Die ..«tetzener ZamiliiNblitter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daL „llreirblatt liir den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „randwlrltchastlichen -Zeit- sragen" erscheinen monatlich zweimal. 164. Jahrgang Mittwoch, 11. März 1914 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gderhessen Rotationsdruck und Verlag der Brühuschen Unwersitäls - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuld straße 7. Expedition und Verlag: e^©51, Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen. Mb Deutscher Reichstag. 232. Sitzung. Dienstag, den 10. März 1914. Am Tische des Bundcsrats: Dr. Sols. Präsident Dr. Kaempf erösfnet die Sitzung um 2 Uhr. Kurze Anfrage. Abg. Dufsner (Zentr.) sragt an: Ist der Reichskanzler bereit, der vom Reichstage angenommenen Resolution, nach d-r gemäß § 22 des Kali- »es etzcs als vierte Ausgangsstation für die Berechnung der «rachtcn Colmar i. Elsaß sestzusetzen sei, Folge zu geben und die Bcrostcntlichung der Verordnung im Reichsgesetzblatt so rechtzeitig erfolgen zu lassen, daß die Sommer, und Herbst- abschlusse der süddeutschen Landwirlfchast >n Kali aus der etrachlbasis Colmar i. Elf. erfolgen können? UntcrstaatSsekretär Richter: Für die Berechnung der Frachten kann die Festsetzung einer vierten im Elsaß gelegenen Ausgangs- station erst ,n Erwägung gezogen werden, sobald die elsässischen Kaliwerke m der Lage sind, den Bedarf zu decken. Das ist zur Zeitnoch nicht der Fall. Gegenwärtig haben zwei Schächte nur eine gemeinsame Fabrik und sind nicht imstande, zu liefern. In der Annahme, daß >m lausenden Jahre 1914 noch einige elsässische Werke BeteiligungLzissern erhalten und daß eine zweite größere Fabrik eröffnet werben kann, wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahres 1914 eine vierte Ausgangs- jtation im Elsaß festgesetzt lverden können. Der kolonialetal. (Dritter Tag.) Abg. Schwarze-Lippstadt (Zentr.): Wenn man so schwere Vorwürfe erhebt, wie Herr Henke, dann sollte man wenigstens den Versuch machen, sie zu beweisen. Herr Henke hat nur beweis lose Behauptungen ausgestellt. Er hat die Pflicht, Tatsachen anzuführen. Er hat aber nur Einzel- fälle verallgemeinert. Die gute Entwicklung der Kolonien ist zu erheblichem Teile der Fürsorgetätigkeit der Missionen zu verdanken. Sie haben erst die Eingeborenen zu praktischer Arbeit erzogen. Das sollten wir durch eifrige Förderung der Missionen anerkennen. Wenn man Bahnen erst bauen wollte auf Grund von Rentabilitätsberechnungen, dann könnte man lange warten. Durch die Bahnen soll ja erst der Handel entwickelt werden. Die Missionen erziehen die Neger erst zu nützlichen Menschen, und zwar nach dem Grundsätze ora et Isbora. Eine bessere Behandlung der eingeborenen Arbeiter verlangen auch wir. Die Arbeiter müssen die Erlaubnis haben, ihre Frauen zum Arbeitsort mitzunehmen. Dadurch wird schon eine bessere Ernährungsart gewährleistet. Wir sind auch für kleine Ansiedlun- gcn, für Eingeborcnenkulturen. Notwendig ist eine Verbesserung der sanitären Verhältnisse. Auf jeder Station sollte ein landwirtschaftlicher Assistent angestcllt werden, der dafür sorgt, daß die Schwarzen lernen, rationelle Landwirtschaft.zu betreiben. Der sozialdemokratische Vorwurf, daß der Reichstag kritiklos zu allem Ja und Amen sagt, ist ganz unberechtigt. Das oeweisen die weitgehenden Verhandlungen in der Budgctkom- mission. Die Missionsschulen müssen den RegicrungS- fchulen völlig gleichgestellt werden. Auch die sozialdemoiratischcn Wähler verstehen die Haltung der sozialdcmokratifchen Fraktion in Kolonialfragen nicht mehr. (Sehr richtig!) Die Entwicklung der Kolonien geht vorwärts. Es sind alle Aussichten vorhanden, daß es in Zukunft noch besser wird. (Beifall.) Mg. De. Paasche (Natl.): Nach diesen Darlegungen brauche ich die Behauptungen der Herren Henke nicht mehr richtig zu stellen. Die Rede des Vorredners klang doch anders als die des Abgeordneten Erzberger. Ich freue mich aber, daß auch Herr Erzberger am Schlüsse der Schwarzeschen Rede Bravo! rief. (Heiterkeit.) Ec scheint es also doch nicht so schlimm zu meinen. (Heiterkeit.) Jedenfalls ist im Zentrum die kolonialfrcundliche Stimmung sehr stark. Die Sozialdemokraten machen eine herausgcsuchte Opposition gegen die Behandlung der Eingeborenen und verlangen einen schwarzen Bauernstand. Ich nenne diese Opposition absichtlich „herausgcsucht", denn die praktischen Verhältnisse liegen ganz anders. Es klingt ja recht schön, von einem schwarzen Bauernstand zu reden. Aber von solchen schwarzen Bauern kann tatsächlich nicht die Rede sein. Die Neger arbeiten nur, wenn die Not sie treibt. Am liebsten bummeln sie herum, gehen aus die Jagd und nehmen allenfalls Trägerdienste an. Wenn die Neger in den Plantagen angesiedelt sind, dann können die Missionen erst ihre segensreiche Tätigkeit beginnen. Heute haben wir in den Kolonien einen Handel von .Hunderten von Millionen. DaS ist nur möglich durch die Plantagcnkulturcn. Ileberall kommen neue Kulturen auf. Das alles können Bauernkulturen nicht leisten. Darum können wir die Plantagen nicht schlechterdings verbieten. Wie wurden in der Kommission die Verhältnisse in schrecklicher Weise geschildert! Das Gruseln konnte einem den Buckel herunterlaufen. Das schien ja ganz so, als hätten wir die Unkultur ins Land gebracht. (Sehr richtig ! b. d. Soz.) Ach gehen Sie doch wirklich einmal hinaus, dann werden Sie ganz anders belehrt werden. (Sehr richtig!) Das Unglück ist, daß die Arbeiter solange auf der Landstraße herumliegen müssen, ehe sie zur Arbeitsstätte kommen. Aus rein menschlichem Interesse sollten Sie mehr Eisenbahnen bauen, damit der eingeborene Arbeiter auch Frau und Kinder nntnehmen kann. Für diese Arbeiter muß eine weitgehende Fürsorge einsetzen. Wenn die OvamboS z. B zum Diamanten suchen benutzt werden. so darf man sie nicht mit nackten Leibern herumlaufen lassen, sondern niuß ihnen wenigstens Decken besorgen. Man sollte dafür sorgen, daß die Arbeiter auf den Plantagen wirklich heimisch werden. Natürlich kann man nicht jedem Arbeiter ein freies Eigentum au Grund und Boden überweisen, wonach die Neger auch nicht verlangen, weil sie gar nicht das freie Land neben der Plantage bestellen können. Die Neger sind froh, wenn sic sich ausruhen können, nachdem sie die Arbeit aus der Plantage geleistet babcn. Biele der Arbeiter kommen auch von selbst in die Höhe ebenso wie ja auch bei uns so mancher, der sich früher selbst die Schuhe geputzt hat, später einen eigenen Diener dazu hat. sHeiterkeit.) ^ , . . ... . . . , Ein gewisser Zwang zur Arbeit >,t in den Kolonien ebenso nötig, wie er ja schließlich bei uns auch vorhanden ist. Denten Sie nur an den Schulzwang. Man sollte deshalb nicht jeder Forderung, die -u» den Kolonien laut wird, in übertriebenem Humanismus das Wort reden. Wenn wir politische Kolonisation treiben, müssen wir auch für die sorgen, die die schwere Pionierarbeit leisten. Gewiß wird man die Mißitande. wie sie nach dem eigenen Zugeständnis des Staatssekretärs z. B. in Kamerun bestehen, beseitigen. Aber man sollte nicht alle Schuld auf die Weißen schieben. Vielfach wälzen Neger ihre Lasten auf die Frauen und Kinder ab. Tns wird allmählich besser Wersen, wie es bei uns dank der höheren Kultur auch viel besser geworden ist.. Auch i n sanitärer Beziehung ist ja auch schon manches geschehen. Leider herrscht die Syphilis noch bis zu 90 Prozent. Warum wendet man das Salvarsan nicht in stärkerem Maße an? Auch in der Bekämpfung des Alkohols geschieht bis jetzt noch viel zu wenig. Der Konsum an Sekt und Branntwein ist ja etwas zurückgegangcn, aber er ist immer noch fünfmal so stark als in Europa. (Hört, hört!) Ter Staatssekretär muß dafür sorgen, daß der Alkoholverbrauch weiter zurückgcht, aus den in erster Linie die K o l o n i a l s k a n - dale zurückzuführen sind, die ja jetzt erfreulicherweise schon seltener geworden sind. Tie Wälder müßten allmählich verjüngt uns verbessert werden. Dazu bedarf eS tüchtiger Forstleute. Wir haben zur Kolonialvcrwaltung vollstes Vertrauen. (Beifall.) Mg. Naumann (Vp.): Der Ncgierungsrat Zache nennt den Reichstag eine Schar wohlmeinender, aber in die Verhältnisse gänzlich uneingeweihter Männer! Der Reichstag kann nicht in allen Einzelheiten Bescheid wissen. Einige Abgeordnete stehen aber so mitten drin in dieser Arbeit, daß sie es mit jedem anderen Kolonialintcressen- ten aufnehmcn können. Ter ganze Reichstag hat aber nur die Frage zu beantworten, bis zu welchem Maße er eS der Bevölkerung gegenüber verantworten will. Millionen für die kolonialen Zwecke auszugeben. (Sehr richtig!) Das Ideal der K o l o n i a l i n t e r e s s e n t e n ist die Aufforderung an den Reichstag: Lerne zahlen, ohne zu reden! (Heiterkeit.) Und an den Staatssekretär: Schaffe Geld und störe uns nicht! (Erneute Heiterkeit.) Dann machen die draußen was sie wollen. Gegenüber den Wünschen der Pflanzer muß man seststcllcn, daß ein beträchtlicher Teil der kolonialen Einnahmen nicht mehr ans den Händen der Weißen stammt, sondern schon von den Schwarzen kommt, und dann überschätzt man den Einfluß des Reichstags. Der Reichstag und die Gouvcrnementsräte sind nur gutachtliche Körperschaften. Nun ist der Wunsch nach einer Neichslands-Verfassung für die Kolonien laut geworden. Aber wenn schon Elsaß-Lothringen eine etwas schwierige Leistung war, wieviel mehr gilt das für die Kolonien. Zwei tatsächliche Posten für die Kolonien haben wir zu buchen: die kolossalen Diamantenerträge und die Vollendung der Tanganjikabahn. Das erfüllt uns mit Freude. Lindequist und Rechenberg wurden als Förderer genannt. Aber einen hat man in der Reihe vergessen: Dernburg! (Sehr gut!) Er gehört absolut in die Reihe hinein! Er stand 1908 hinter dieser Bahnvorlagc. Für die Belebung der einheimischen Stimmung zu Gunsten der Kolonien hat er Außerordentliches getan. (Beifall links.) Die Pflanzer haben viel geleistet. Aber wenn dann das Endergebnis ein Minus der Bevölkerung an sich ist, dann nützt alle gute Personalbeurteilung nichts, dann muß man feststellen: Hier müssen Zivilisationsfchler vorlicgen! (Sehr richtig!) An dem Rückgang der Bevölkerung läßt sich nicht zweifeln. Wenn es wahr ist, daß in Kamerun 80 000 Mann als Träger ständig unterwegs sind, dann kann man sich die Folgen für Kultur, Gesundheit und Sitte vorstellcn! DaS neue Systeni reißt die Eingeborenen auö den alten Gewohnheiten. Jede neue Bahn reißt neue Leute heraus. Bei der Tanganjikabahn wurden 13 000 farbige Arbeiter verwendet, bei anderen afrikanischen Bahnen noch 6000. In Ostafrika wurden auf diese Weise im letzten Jahre von 3X« Millionen 140 000 Mann mobilisiert. Diese wirtschaftliche Mobilisierung macht vier Prozent der Gesamtbevölkerung aus. das bedeutet gegenüber Deutschland das Vierfache der militärischen Einstellung. Der Staatssekretär ist mit einer gewissen freundlichen Absichtlichkeit (Heiterkeit) aus die Einzelheiten der Resolutionen nicht eingegangen. Er sieht diese anscheinend als Theorien an. Und doch sind cs schwerwiegende Fragen. Man h^nke an die klimatische Anpassung der Eingeborenen, die von höheren Bezirken in Tropcngegendcn koinmen. Dann die Idee des Arbeiterdorses. Wie lange hat es gedauert, ehe die alten Germanen, die den Acker von den Frauen bebauen ließen, zu diesem arbcitsvollen Volk geworden sind, zu diesen Sechs- tage-Arbeitern. Der Neger soll nun aus einmal Sechskage- Arbeiter werden! Unsere Kultur läßt sich aus diese Gebiete nicht ohne weiteres übertragen. Dernburg har gesagt, die Produktion der Eingeborenen ist zurzeit das Rückgrat des ostafrikanischen Wirtschaftslebens. Das hat man ihm vielfach übel genommen, aber es steckt ein gutes Stück Wahrheit darin. Ein großer Um-- schwung ist in der Beurteilung der Missionen ein- getretcn. Die Entwicklung hat der Mission zürn fluten_ Teil recht gegeben. Man kann den Eingeborenen nicht mit Philosophie oder „Marx" kommen, man muß etwas herausgreifen aus dem historischen Vorrat der Konfessionen. Neben den bewundernswerten Missionsschulen sind die Regicrungs schulen grundsätzlich notwendig. Das Wort Schutzgebiet muß ein wirkliches Mcrkwort der Schutzgebiete werden. Wir sind kolonialfreundlich, aber nicht absolute Freunde dessen, das vorhanden ist, sondern dessen, was wird und kommt! (Beifall.) Mg. Noske (Soz.): Aus den Reden der bürgerlichen Parteien klang eine gewisse Resignation. (Widerspruch.) Man hörte nicht so überschtvangliche Reden wie früher. Wenn eine Besserung in den Kolonien zu verzeichnen ist, so ist das der s ch a r f e n s o z i a l d e m o k r a - lischen Kritik zu verdanken. (Widerspruch.) Die Verwaltung hat angefangen umzulernen, ebenso die bürgerlichen Parteien. Man nähert sicb allmählich den Anschauungen, die wir seit Jahren hier vertreten. (Heiterkeit und Widerspruch.) So s ch a r f e A n k l a g e- reden wie vor zehn Jahren sind heute nicht mehr notwendig. (Hört! Hört!) Von uns ist der Vorschlag, die Kolonien weg- zugebcn, oder sich selbst zu überlassen, niemals gemacht worden. Der Reichstag darf das ihm zustehcnde mäßige Kontrollrecht nicht preisgeben. Dr. Paasche bedauerte, daß keine Gelder zu kolonialen Informationsreisen von Reichstagsabgeordneten zur Verfügung stehen. Na, wenigstens werden für eine Kronprinzenreisc nach Afrika nächstens Mittel verlangt werden. Die Paradiesvögel in Neuguinea bedürfen des Schutzes. Ein Schießverbot für mehrere Jahre ist erforderlich Nach den Grundsätzen der Verwaltung würden wir noch bis 1930 Sklaven haben. Jetzt wird noch vor deutschen Behörden regelrechter Menschenhandel abgeschlossen. DaS widerspricht allen sittlichen und moralischen Empfindungen. Dieser Schandfleck der deutschen Kolonialpolitik muß beseitigt werden. Eventuell müssen ein paar Millionen zum Loskaus bewilligt werde». Togo ist absolut keine Mufterkolonie. aber man scheint tatsächlich dort kulturell vorwärtszukommen, und zwar ohne Plantage. Was hat man in erster Linie nach den Kolonien gebracht? Gefängnis und Prügel! Und das Gefängnis bedeutet soviel wie Todesstrafe. Die Prügelkultur nimmt zu. In Ostafrika ist im letzten Jahre in 8057 Fällen die Prügelstrafe verhängt worden im Namen des Reichs, ich weiß nicht, ob un Namen des Kaisers. Insgesamt ist in 51000 Fällen den Menschen das Fell zerfetzt worden. Das ist empörend, wie die Eingeborenen karbatscht werden. In Südwestafrika scheint sich die Latifundicwirtschaft in ihrer erschreckendsten Form zu entwickeln. An der Spitze stehen zwei Missionsgesellschaften, die also neben dem Beten das Zusam- menraffen von Bode neigen tum nicht vergessen. Auch hier zeigt sich wieder, daß die Kirche einen guten Magen hat. Tie sanitären Verhältnisse reizen durchaus nicht zur Ansiedlung und die Hoffnungen des Staatssekretärs auf eine reiche Besiedlung sind illusorisch. Bei vielen Ansieolern ist eine kaum zu übcr- bietende Gcmütsrohheit vorhanden. Unsere Bestrebungen nach besserer Behandlung der Eingeborenen verhöhnt und verspottet man in unglaublicher Weise. Sie besitzen die Unverschämtheit, die von uns eingestellten 6000 Mk. zur Heranbildung eingeborener Handwerker zu streichen. Natürlich haben wir dafür eine viel größere Summe beschlossen. Die dauernde Verhinderung der Seßhaftigkeit Eingeborener werden wir stets bekämpfen. Das Schulwesen darf nicht alleinige Sache der Mission bleiben. Wir sind natürlich nicht prinzipielle Gegner der Bahn bauten. Ich bcdaure außerordentlich, daß meine Fraktion noch nicht den Bahnbauten zustimmen kann, weil die Regie--» rung es uns unmöglich macht. Zu diskutieren ist nicht, ob Bahnerc! zu bauen sind, sondern ob die Kolonien schon Bahnen brauchen, und ob der Bau unter menschenwürdigen Zuständen vollzogen, werden kann. Heute besteht noch die Besorgnis, daß Unruhen und Aufstände entstehen infolge eines Bahnbaues. Diese Besorgnis ist gewachsen, seitdem die Kommission die von uns gestellten Vorbedingungen für den Bahnbau abgelehnt hat, insbesondere die geforderte Unterdrückung des Arbcitszwanges und die Regelung der Arbeitsverhältnissc. Bei den Bahnbauten werden- Zwischenunternehmer allerschlimmster Sorte beschäftigt, die in schlimmster Weise die Arbeiter drangsalieren und auf die Arbeitsordnungen pfeifen. Wir wahren uns gegen die geradezu frivole Opferung der Schwarzen bei solchen Bauten. Ehe mit dieser Wirtschaft nicht Schluß gemacht wild, können wir den Bahn-i bauten nicht zustimmen. Abg. Erzberger (Zentr.): Cs besteht gar kein Unterschied zwischen meinen Ausführungen und denen meines Freundes Schwarze. Ich habe lediglich etwas, deutlicher gesprochen. (Große Heiterkeit.) Meinungsverschieden-, hei'ten über die Kolonialpolitik existieren nicht im Zentrum. Ich hoffe, daß uns der Staatssekretär im nächsten Jahre in einer viel längeren Rede alles auszäblen kann, was für die Eingeborenen getan worden ist. An seinem guten Willen zweifle ich nicht. Für uns Katholiken ist es aus prinzipiellen Gründen unmöglich, in eine reinliche Scheidung der Missionsgebiete nach verschiedenen Konfessionen zu willigen, denn die katholische K i r ch c i st c i n c W e l t k i r ch e. Eine solche Abgrenzung würde auch dem geltenden Kolonialrecht widersprechen. Außerdem würde sie praktisch undurchführbar sein. Wenn die Missionen beider Konfessionen friedlich nebeneinander arbeiten, dann wird auch die Gefahr des Islams mehr zurückgedrängt werden. Wir fordernl auch für die Kolonien die Freiheit des religiösen Bekenntnisses Damit schließt die allgemeine Aussprache. Es folgt die Abstimmung über die Resolutione n der B u d g e t k o m m i s s i o n. Sämtliche Resolutionen werden augevom-, men. Sie verlangen eine erhebliche Verstärkung der ärztliches Versorgung unserer Schutzgebiete, besonders im tropischen Afrika,, ferner die Sicherstellung von Leben, Freiheit und Eigentum deo Eingeborenen durch eine alsbald zuerlassende kaiserliche Verord- nung. Die Anbauverpflichtungen der weißen Erwerber sollen ein-, geschränkt, und für iede Plantage soll Land für Arbeiterdörferi reserviert werden. Im Interesse der Erhaltung der Eingeborenen bevölkcrung sollen die Arbeiter-Anwerbungsverordnungen geändert werden, so daß der staatliche Arbeitszwang in jeder Form ausgeschlossen ist, die Arbeiter angcsiedelt werden, die Frauen von! den eingeborenen Arbeitern nicht getrennt werden, die Abgabe vow Regierungsländereien zur Anlegung von Plantagen von der Er» richtung eigener Bauerndörfer für die Arbeiterfamilie abhängig ge^ macht wird. Heber die Sterblichkeit der eingeborenen Arbeiter auf kolorna- len WirtschastSunternehmungen sollen regelmäßig Erhebungen dem Reichstag übermittelt werden. Zur Verminderung der Sterblichkeit sollen eingeborene Arbeitskräfte nicht nach (Hegenden mit! anderen klimatischen Voraussetzungen geschafft werden dürfen. Eingeborene sollen nicht in solchem Umfange zu Arbeitsleistungen herangezogen werden, daß darüber ihre eigene Wirtschaft und ihr Familienleben zugrunde geht. Plantagen sollen nur im richtigen Verhältnis zur tatsächlich vorhandenen Bevölkerung zugelassen werden. Der Arbeiterschutz für weiße und farbige Arbeiter ist aus. zubauen, die Arbeiterverhältnisse sind zu regeln. Bei wesentlichen Aenderungen der Etats sollen die Gouvernementsräte in die Lage versetzt werden, dazu Stellung zu nehmen. Die Etats der Schutzgebiete sollen auch in der Form, die sie von den Gouverneuren und den Gouvernementsräten erhalten haben nebst den Verhandlungs- Protokollen dem Reichstag vorgelegt werden. Slbg. Erzberger (Zentr.)' bemängelt, daß das Gebiet der Kongoakte noch in leine Karte eingezeichnct ist. Staatssekretär Dr. Sols: In die neueste Auflage des kleinen KolonialatlnS wird daS Gebiet eingezeichnet werden. Der Etat für das Reichskolonialamt wird erledigt. Mittwoch 2 Uhr; Etats der einzelnen Schutzgebiete, Luft« vcrkehrsgesetz. Schluß 634. Uhr. Aus den NeichstagsausjchWen. :: Berlin, 11- März. Im Bu d g c t a u s s ch n ß unterhielt man sich heute bei der Wciterbcratung des Voranschlags für 2 ü d w e st a s r i k a über eine Teilung der Gesamtausgaben für die Militär- und Polizcilrupve nach einem bestimmten Prozeuliatz zwischen dem Reich und dem Schutzgebiete. Die Frage ist jedoch vorläufig nicht cntscheidungsreis. Aus Antrag des Z c n t ru m s u n d d e r S o z i a l d c m o k r a ! e n wurden dann 210 000 Mk. gegen die Stimmen der übrigen Parteien gestrichen. Auch bei den iarbigc» Hilsskrästeu wurden entjvrc- chendc Abstriche gemacht. TaS Zentrum kündigte sodann weitere Anträge aus V c r m i n d e ru n g d e s R e i ch s z u s ch u s s c s an. Für das nächste Jahr soll er von vornherein sestgclcgt werden., Gin Rationalliberaler bczcichncte diesen Gedanken als erörterungSsähig, erklärte aber, man müsse sich darüber inr klaren scin.^daß man bei einer festen Normierung des Zuschusses später von Seiten des Reichstages nicht mehr in die Einzelbeiten des Etats eingreisen dürfe. Ein Fortschrittler forderte zunächst die prozentuale Festlegung des Rcichszuschusses zu der Militär- und Zivilverwattung. '.'lut allen Seiten wurde jedoch als Voraussetzung einer solchen Regelung das Weiterfließcn der Tiamantciv.nabmc» angenommen. Ter Staatssekretär Dr. Soli sagte zu, sich mit dem Schatzamt darüber grundsätzlich zu verständigen und sich über die Höhe der Summen sowie über den Prozentsatz der Verteilung mit dem Gouverneur ins Benehmen zu setzen. Schließlich wurde auf Antrag des ■ Berichterstatters eine Entschließung angenommen, wonach das Reich ; an den Kosten der Schutztruvve im nächsten Jahre zwei Trittel tragen soll. Konservative. Nationalliberale und Fortschrittler hatten für ein Verhältnis von 7 :gestimmt. Aus Veranlassung der N a t i o n a l li b er a l e n wurde eine Entschließung einstimmig angenommen, die im Gegensatz zum bisherigen Verbot der Sckmtz- truppe die Möglichkeit geben ivill. den eigenen Bedarf an Nah- rungs- und Futtermitteln selbst zu erzeugen. Tie weitere Aus- : einaÜbersetzung betraf Eisenbahntarissragen. die Arbeiten an der Landungsbrücke in Swatopmund. die Einnahmen aus den Tia- 1 Manien, die Einsühruug direkter Steuern, insbesondere einer Einkommensteuer, eines Tabak- und Branntweinmonopols. Ter Ausschuß sür die Reform des M i l i t ä r st r a f - Gesetzbuches behandelte heute weiter die Frage der K o n t r o l l- i v c r s a m m l u n g c n. Tie Fortschrittler beantragten Geltung der einschlägigen Bestimmungen nur sür die Tauer der Vcrsanimlunq, das Zentrum bis zum Ablauf von 2 Stunden nach ihrem Schluß. ■ Im «falle der Ablehnung beantragten die Fortschrittler nur die Geltung der 89, 91, 97 (Atlitungsverletzung, Beleidigung, tätlicher Angrits gegen einen Borgejctztens sür den ganzen Tag und nur sür Taten, die in Beziehung zu den bei der Kontrolle vor- geiwmmenen Tiensthandlungen sichen. Alle Parteien, außer den Konservativen, bezweifelten die Rcchtmäßigkeit der jetzt bestehenden Praxis, die im Straigcsctz nicht begründet sei, sondern erst > durch die Rechtssprechung des Reichsgerichts auf Grund des 8 38 ' des ReichSinilitärgcsetzcs Geltung beiommcn habe. Infolgedessen j wurde vom Zentrum auch hie Acnderung dieses Paragraphen j beantragt. Die Konservativen lehnten alle Anträge ab. j Die Nativnalliberalcn verkannten nicht die Notwenoigleit einer Aendcrung: auch der Kriegsmüiistcr ltvttc ja in voriger > Sitzung erklärt, es schwebten Erwägungen darüber, wie der Begriff des Vorgesetzten bei Kontrollvcrsammlungen näher bestimmt werden könnte. Gleichwohl erklärten die Nationallibcralen, sie lvürdcn in der ersten Lesung die gestellten Anträge noch ablehneix, behielten sich aber sür die zweite Lesung einen eigenen Antrag vor, sobald über die Absichten der .Heeresverwaltung nähere Auskunst vorliege. Ter preußische Kriegsminister erklärte, dre Annahme der Anträge würde das Zustandekommen des ganzen Gesetzes gefährden. Bei der Abstimmung lvurd« die Geltung des Mili- ; tärstrasgesetzbuches n u r für die Tauer der K o n t r o l l v c r- s a m m l u n g gegen die Stimmen der Konservativen und Nalional- liberalen angenommen. Tie Sozialdemokraten beantragten ferner den Fortfall des strengen Arrestes. Das wurde abgclchnt. Tamit schloß die erste Lesung. T-er Sonntagsruhe-Aus schliß setzte die Beratung -über die Ausnahme-Sonntage fort. Tie Vorlage sieht 10 Aus «nahmc-Sonntagc mit einer Beschäftigungsdauer von 10 Stunden vor, davon 6 kraft gesetzlicher Grundlage, 1 krait Anordnung der höheren Verwaltungsbehörde. Ein Einigungsanlrag der bürgerlichen Parteien will diese Anordnung umdrehen, also nur 4 Sonn tage gesetzlich fcstlcgen und 6 der höheren Verwaltungsbehörde sreigebcn, ferner die Beschäftigungsdauer aus nur 8 Stunden und mcht über 7 Uhr abends zulassen. Tie Wirtschaftliche V c r- einrgung fordert die Streichung aller Ausnahme-Sonntage. Tie Sozialdemokraten wollen nur den letzten Sonntag vor Weihnächten von 12 bis 6 Uhr freigeben. Tie Komprom ißpartcien ioollen für Kurorte und Plätze mit starkem To nristc tili er kehr nach Anordnung der höheren Verivaltungsbehördc den ! Handel Mit geringwerligen Andenken, Erinnerungszeichen ii. dgl. 1 bis 7 Uhr abends gestatten, unter der Voraussetzung, daß die An» i gestellten dann an jedem dritten Sonntag von aller Arbeit betreit sind. Auf eine sozialdemotratischc Bemängelung wurde vom Zentrum und den Nationallibcralen crioidert, daß keineswegs daran ’ gedacht sei, ln größeren Badeorten die Warenhäuser für den Verlauf von Kleinigkeiten öffnen zu lassen. Es handele sich nur darum, das Kleingewerbe nicht durch ei» V.-rkaujsvcrbot direkt zu ruinieren. Ihn Rcgierungsvcrirctcr betonte, daß von den bisher zugestandenen 10 Ausnahme Sonntagen in Preußen tatsächlich nur 6 in Geltung seien. Tic Einigungsanträge wurde» unter Ablehnung aller anderen angenommen. vereinsnachri»ten. — Der Vogelsberger Höhenklub, Zivcigver- eru Gießen, unternahm am Sonntag seine 12. und letzte Vereinswanderung *1913/14. Im Gegensatz zu den übrigen Wanderungen des abgclaufenen Vereinsiahrcs, die ausnahmslos vom schönsten Wetter begünstigt wäre», halte die letzte »mm überaus „wässerigen" Charakter. „Solchen Wanderer muß man loben, den nicht schrecket Weltergraus", diese» Grundsatz aus dem neuesten Vercinslied folgend, lullte» sich trotz alledem 30 Teilnehmer, darunter 4 wagemutige Damen, am Treffpunkt cingesundcn, nm die vorgeschriebe,>e Wanderstrecke abzugehen. Ueber Klein-Lin- den ging cs zunächst zur Frühstücksrast nach dem anmutig in einem Talkessel gelegenen A l l e n d o r f a. d. Lahn, um von hier aui meist ausgewcichtcn und schlüpirigen Wegen über Münch sal,Hausen zu den hängen des SlovvelbergS zu gelangen. „Und der Regen, der regnet ja jeglichen Tag". Trotz des unaul- börlich niederströmenden Nasses sangen hoch in den Lüsten die Vöglein ihr Fubellied von kommenden besseren Togen, um die Wanderer über das Mißgeschick de» heutigen zu trösten. Auch im Walde machten sich überall die Spuren des werdenden Frühlings bemerkbar, waren doch gonzc Tistrikle von Kätzchen der hasclnußstaude ivie befät. Unter Umgehung des Berggipfels wan- ; bette Man am Fuße des Stovvelberges entlang, am Kirschenwäld- (tai vorbei zu der reizvoll »n lieblichen Wctzbach- oder Siebcn- mühlental gelegenen honigmüblc, wo man sich bei vortrefflicher .Verpflegung einige Zeit der Erholung hingab. Dem Wetzbach nachgchcnd ging cs sodann durch Nauborn nach dem Endziel Wetzlar, um von vier, nach einer Unterbrechung im holet Kassel, wieder nach Hause zu fahren. rLttiversitäts-Nachrrchton. — Der Geheime Kirchen rat Prof. Tr. theol. et Phil. Georg h c i n r i c i, Ordinarius der neutasti »icntlichen Exegese in der Leipziger theologischen Fakultät, begeht am >4. März seinen 70. Geburtstag. Geboren zu Kartell! in Ostpreußen habilitierte er sich 'Ostern 1871 an der Universität Berlin und fogte im Jahre 1873 einem Ruse als außerordentlicher Professor nach Marburg als Nachfolger Mangolds. 1881 wurde er Konsistorialrat und Mitglied des Gesamtlonsistoriums in Kassel sim Nebenamte), war 1884 bis 188ü Rektor der nUiversität, zugleich mit der Verwaltung des Kuratoriums beauftragt, sodann, nach Besetzung der Knratorstelle, ständiger Vertreter des Kurators. 1892 siedelte heinrici nach Leipzig über, wo er 1901 zum Geheimen Kirchenrat ernannt wurde. — Ter Oberlehrer am Kgk. Gymnasium in Danzig Tr. phil. Walther Wangerin ist zum Tozenten für Botanik an der dortigen Technischen .Hochschule ernannt worden. — Infolge der Beschränkung der Zulassung der Ausländer an den Ilniversitäten konnten in B e r 1 1 n im Wintersemester 1913/14 keine neuen Jmatrikulationcn von r u s s, s ch e n S t u d e n t c n st a t t f i n d c n. Tie. gilt auch sür das Sommcrsemet ' >914. Tr. med. ha.. K l c i n s ch m i dt, bisher Prwatdozent in Marburg, habititierte sich in der Berliner medizinischen Fakultät sür das Fach der Kinderheilkunde mit einer Antrittsvorlesung „Ueber latente Tuberkulose im Kindcsalter." — Aus eine 50jirrige Tätigkeit als ordentlicher Professor kann am 12. März der Gynäkologe Geh. Medizinalrat Tr. Nied. Roben von O l s h a u sc n in Berlin zurückblicken. — Ernannt wurde der bisherige a. o. Professor Dr. Johannes M e w a l d t in Greifswald zum ordentlichen Professor der klassischen Philologie an der Universität Marburg als Nachfolger von Pros. Earl Kalbfleisch. Frankfurt a. M., 10. März. Durch Urteil der Frankfurter Etra'kaminer wurde gestern der frühere Redakteur des „Taniittsboleit" in Bad fromburq v. d. £\, Bassauer, jetzt in ttfolbop (Oslprenb n) von der Beleidigung deS Fechtlebrer- Hovk im Wiederarünahmever'ahreu Ireigeiprochen, da, wie die Schwur- geri! tsverkinndlung gegen Hopf ergeben hat, die von Bassauer in dem „Tminusboten" im Jahre 19 -7 ve> breitete Naciiricbt, Hops sei weaen Vergi'lung seiner Frau, um in den Besitz der Lebens- versicbermigssniinne zu gelangen, in Untersuchuna genommen, sich als wahr ergeben habe. Basjauer war damals zu einer Geldstrafe von 150 Mark verurteilt worden. vermischte». * Für 2 a m in l e r von R e i ch s m ü n z e n. Tic Kgl. Münze in München prägt zurzeit neue 2- und 3-Markstücke für Sachseu-Meiningcu aus. — Ju Berlin lverdeu mit der Jahreszahl 1913 7000 Stück 3-Markstücke für Mcckleuburg- Strelitz und 10000 Stück ü-Martstücke für die Freie Stadt Lübeck geprägt. — Tas Auhaltcr Land ließ 730000 Stück in 5- und 3-Markstückeu aus Anlaß der silbernen Hochzeit des Herzogspaares in Berlin prägen. — Außerdem lvird jetzt das Herzogtum Braunschweig allgemein die Münzprägung aufnehmen. Die Berliner Münze lvird für die Folge nur noch von preußischen Münzen polierst- Stücke gegen Aufgeld von 30 Pfg. abgeben, nicht aber von Prägungen, die sic sür andere deutsche Bundesstaaten oor- nimmt. Sammler müssen sich daher an die Hauptstaatskassen der betreffenden Bundesstaaten wenden. * Der Verein für das Deutschtum im Ausland veranstaltet auch in diesem Sommer nichrere Gc-> seilschaftsreisen, die durch den Besuch landschaftlich schöner und gleichzeitig volkskundlich wichtiger Gebiete des Auslandes Teilnahme und Verständnis für die Bedeutung deutscher und stammesvcrwandter Kultur- und Volksart aus- breiten und vertiefen sollen. Tie Reisen werden unter sachkundiger Leitung mit begrenzter Teilnehmcrzahl veranstaltet. * Dreizehn Menschen verbrannt. Ans Bautzen, 10. März, wird gemeldet: In dem umsangreichen Fabrikgebäude der Lithographischen Anstalt und Bnntvapicrsabrik von Gebe. Weygandl brach heute morgen um 8Uhr Großseuer aus, welches das Gebäude vollständig einäscherte. Unter den Trümmern wurden die verkohlten Leächen von fünf Personen ausgefttttdcn. Eine sechste Person wird vermißt. Ter Betrieb wird iortgesetzt. Tie umgekommenen fünf Personen sind der Hausmann Wiche, der Kutscher Matzkc, der Fabritseuerwehrmann Gral, der Pslichtseuerwehrmann Tomaschke und der Buchbinder Seiler. Vermißt wird der Schorii- stciniegcrmeistcr Moser. — Gleichzeitig lvird aus Wilna, 10. März, gemeldet: heute nacht brannte ein .Holzhaus nieder. Eine alte Frau, deren beide Töchter, drei Schülerinnen Und ein junger Mann sind verbrannt. * Zum Weiberkrlcg in Glasgow. Aus London, 10. März, wird uns noch gemeldet: Nach der Aus-» sage von Polizeibeamten war die Szene in der S t. A n - drcw-hall in Glasgow bei der Verhaftung der Miß P a n kh n r st die wildeste, die sie je bei einer Suffragetten-« dcmonstration erlebten. Tic Polizei befand sich im Nachteil, weil sic eine Tribüne zu stürmen hatte, die mit einem Stacheldraht versehen war, der geschickt unter einem Blumenarrangement verborgen war. Die Frauen verteidigten sich mit allem, was zur Hand war. Stühle und andere Gegenstände wurden auf die Polizisten geschleudert. Die Polizei mußte sich endlich mit ihren Knüppeln verteidigen, doch nahmen die Suffragetten den Kampf wütend auf. Zwei weibliche Aerzte behandelten in einem Vorzimmer 20 verwundete Frauen. Später wurde ein Sturm auf die Zentralpolizeistation versucht. Auch hier kam cs zu einer wilden Szene, als Polizei zu Fuß und zu Pferde die Menge zerstreute. Miß Pankhurst, die bereits den Hungerstreik I begonnen hat, wird heute nach London gebracht werden. * Wirbclsturm. Nach einer amtlichen Meldung aus l Madagaskar hat ein Eyclon in der Nacht vom 2. zum 3. d. Mts. in, Nordosten der Insel großen Schaden angerichtet. Zahlreiche Gebäude in Tamatava sind beschädigt, viele Hütten der Eingeborene» wurden umgclvorfcn, mehrere Fahrzeuge kcntcrten. Bei einer Ucberschwcmmung crtrankcn^lb Eingeborene. Von de» Weißen ist niemand zu Schaden gc- lommen. Handel. — Wetzlar, 10. März der heutigen Aussichtsratsntzung der B u be c u 9 s ch e n Eisen merke wurde der Rechnunqs- gbscblnst für das Jahr 1913 vorgelegt. Ter Rohgewinn stellt sich aus Mk. 4 390163,63 Um Vorjahre Mk. 4 231284,13). Nach Ab- ichreibungen aus "Aulaaen in Höhe von Ä!k. 2 222 547,96 (i B. vi'k. 2 088 336,77) undTilaunq der renlicheu Kosten für die 1912er Au- Icihc in öölie von Mk. 1138",8,15 fi. B. Mk. 230 020,-), sowie von weiter entstandenen Kosten der Verschmelzung der Zeche Blassen in vöhe von Mk. 75 430,10 (i. B. —,—) verblei dt ein Heinaeivinn von Bit. 1 978 282.42 (i. V. jD.’lf. 1 915 927,36), zu welchem der Vortrag a»is dem Vorjahre mit Mk. 227 617,37 (i. V. Mk. 239 710,43) noch hinzutritt. Der am 8. April in Frankfurt a. M. stattfindenden Hauptversammlung soll folgen e Gewinnverteilung vorgeschlagen iverden: Zuweisung zur gesetzlichen Rücklage Mk. 98 914,12 (tin Vorjahre Mk. 95 796,36), 7 v. ». Dividende ans Mk. 22 000 000 Aklienkap tal Mk. 1040 000,— (wie im Vorjahre); vertragliche und satzungsgeinäfie Vergütung an Aussichtsrat. Vorstand und Beamte (Mk. 240 497,61 li. V. Äit 217 234,06). Für gemeinnützige Zwecke und Belohnungen an Arbeiter iverden Dkk. 75 000 ,— wie im Vor-. fahre vorgesehen. Es verbleibt dann ein Vortrag ans neue Rechnung von Bit. 251 508.06 (i. V. Mk. 22? 637,37). Markte. fc, Frankfurt a. M., 1l. Alärz. Heu- und Strohmarkt. Angeiahren waren ü Wagen Heu, 0 Wagen Stroh. Bezahlt wurde sn> ven . 0 —0Mk., Stroh (Kornlangstroh) 0.00—o.00 Mk., Wirr- stroh 0,00—0,00 Mk. Alles je 50 Kilo. Gejchäit mittelmäßig. — T,e Zufuhren waren aus dem Kreise Dieburg. rtircylictfe Nactzrichte»». Evangelische Gemeinde. Zu der Zohannerkirche. Mittwoch, den II. März, abends 8 Ubr: 3- Paffionsandacht. Piarrer B c ch t o l s h e i m e t. « - ■■ --- - ■ 1 , Meleoiologische veobachtungen d er Statio n Giehen. März = - 2'S E 1914 £ 1 * £ X (fi II ’S *2 65 L ttv Sf i Hgsf S9S-E* ZS i Well« 10.' 2 71 736,4 8,1 5,7 70 w 4 10 Bed. Himmel 10.: b» 740,5 5,3 4,7 71 w 10 11/ <" 745,7 2,1 4,8 90 SSW 10 Dunst Höchste Temperatur am 9. bis 10. März 1914 --- + 11,1 "c. Niedrigste . . 9. .10. „ 1314 = -)- 5,1* . Niederschlag: 0,1 mm. Diese grau hatte ganz dürftiger haar. — Jetzt reicht e§ beinahe zum Boden. ' Sie beschreibt, wie sie da; erreichte. „Bor einigen Monaten »och machten mir Kovfschuvvc» und Haar- ausiall grobe Sorge" — schreibi Mme. Elisabelb Farlane — „ich veriuchle io ziemlich alle Hnarmiiicl. die mir zu Obren kamen, aber keines brachie mir die ersehnte Hilfe, im itzegenicil. mein Zustand verschlimmerte sich immer mehr- Meine Haare waren so dünn geworden, daß mein Koo! itcllenweüe schon zieinlich kahl crichien: ich glaube, ich ivürde ietzt kein einziges Haar »icdr aui dem Kopie hoben, wäre ich inchl aus ein ganz ein'achcs Pstanzenrezcvt auinierksam gen,acht worden. Dieses Rezept übt oui die Haare eine ganz nroß- ariige Wirkung aus. Man braucht nur 37 Gramm Alkohol, m Gramm Dotl-Erirakt und 83 Gramm Roleumafscr zu »tischen: alle diese Sache» kann mau in Apolbekeu und Drogerien bekommen. Nachdem ich das Mittel nur weitige Tage angewandt, hörte schon der Haarausiall auf. üie Tchitove» verichtvanden völlip das Haar bekanl wieder ein üovigercs, gciundcres AuSlcbcit. Ich setzte die Anivcn- dung der Mischung fort und war erstaunt zu lcheu, ivie mein Haar wieder wuchs. Jetzt ist cs stark und iivvtg und reicht schon beinahe bis zum Boden Mon kann mich nicht gerade eine bildbübichc Iran nennen, ich glaube aber, daß ich die Komvlimenlc, die man mir über weine äußere Erlcheinttwi inacht, i» bei Hauvtlachc meinem schöne» Kopihaar zu verdanken habe." lllumcrkuns: Vor Veröffentlichuna dieses Artikels wurde das beschriebene Haarrczeol zehn Damen und zehn Herren, die mehr oder mcniacr unter den gleiche» oder ähtilichcn Stüruugeu des Haarwuchses litten, mit dem Ersuchen libergcbcn, es dreißig Tage an nch selbst zu vrobieren. 'Neu» Dame» katiicn wieder zurück und erbaten eine größere Quantität des Präoaraics, das sie dauernd nnwenden möchten: ihr Haar iei !o hübsch weich nnd geschmeidig geworden, was das Fritiere» sehr crlcickttere. Es wurde berickttct daß in neun Fällen die Sckiuvve» nnd der Haara,iSlall ganz verschwanden. Auch bei den zehn Herren zeigten sich ähnlich gute Wirkungen, alle verlangten cu, weiteres Quantum. Nur eine Klage lies ein: eine schon ergraute Dame halle die Lotio» gegen Sckiuvve» angewandt: sic gab wohl zu, daß die Mischung in öieicr Htniichl sich als ganz tvirkfam crwieicn habe, ihrer Aletnung nach müsse sie aber auch die Haariarbe beeinstussc». denn das ihre !ebc !o aus, »ls wolle die urlorüngltchc Farbe wiedcr- tevre». Sic aber ziehe doch vor, jetzt grau zu bleiben. Eine genaue llnterfuchting stellte de»» auch seit, daß einer der Bcitandtcilc — das Doti-Erlrati — einen anregenden Einfluß au! die Farbdrüien des Haares hat. was mitunter zu den, von der Dame befürchtete» Resultat führen kann. 3283sä schon lange darüber nach, wie Ich es Ihnen belbringen soll, dass Sie gegen Erkältungen nicht erst dann etwas tun, wenn es zu spät ist Halten Sie doch ständig Entöl - Bonbons Im Hausei Früh genug genommen, können Sie manchen lästigen Katarrh dadurch verhüten. „Eutol-Bonbons“ sind jetzt in Blechdosen verpackt urid kosten nur SO Pffj. Achten Sie auf die geschützte Marke „Eutol“, denn oft genug wird man Ihnen minderwert. Bonbons dafür anbicten. Man versuche: tob 59 Dr. Oetker’s Rezepts das echte Tr. Detter's Backpulver ist 100millionenfach bewährt, und sind in der eigenen Versuchsküche der Fabrik sorgfältig ausprobicrt. Dah die ständig wachsende Vorliebe der Hallssrauen sür Dr. Letlev'S Fabrikate Tr. L^etker's (tzewürz,Knchen. Zutaten: 2-0 g Butter, 375 g ( 3 / t Psd.f Zucker, 6 Eier, das Weiße zu Schnee geschlagen, 500 er Weizenmehl, I Päckchen von Dr. Letkcr's „Backiu", l Teelöffel voll Z»nt, 1 Pleffee- spitze voll geinahlene Nelken, 50 g Sukkade, 125 g Korinthen, 3 Eßlöffel voll (60 g) Kakao, ■/, bis */, Liter Milch. Z >- b e r e i t n n g : Die Butter rühre schaumig, gib Zucker, Eigelb, Rlilch, Riehl, dieses mit dem „Backiu" geinischt, hinzu und zuletzt den Kakao, die Korinthe», Sulkade. Zimt, Nelken und den Eierschnee. Fülle die Masse in die gefettete Form und backe de» Kuchen in rund V/, Stunde». !a> *liY Anmerkung. Man gibt zu dem Teig sobiel Milch, daß er dick vom Löffel fließt. Fabrikniederlage: Ludwig Lüll. Giessen, Grosser Ste'nweg 9. — -\ Individuelle und schnellste Vorbereitung auf alle Schulprüfungeil, besonders lläi-Em Aufnahme von Knaben und Mädchen jederzeit. — Arbeitastnndon unter strenger Anf- Kicht. — Beste Erfolge. Ostern 1913 bestanden von 17 Kandidaten IG die Prüfungen, teilweise mit Ge «lenkendem Zeitgewinn. Frequenz im Schuljahr 1013/14: 07 Schüler. Näheres durch Direktor Brackemann, Bleichstr. 8. Beginn des neuen Schuljahres: 15. April 1914. 2736 jiit UHHiii iiiiiiiiiiiiiiiiiii nun ii ii iiiiiiiiii ii iiiiiiiu um in hihi um Ultimi HORCH Neuester grösster Erfolg TELEGRAMM L> L L> L L> L» L L L L> L Marie Reil? TOspe. Put]ge|cbäft Bleidiftraße 8 pt. Blcidiftraße 8 pt. fjochmoDerne Darnen=fjüte für Früt)jal]rs= und Somrner=Sai|on öro(?e flustral)! in Neuheiten und Modellen schicke Tlrbeit, prompte, billige BeDienung 3383 L> L> L L L L L L L L L> L L L L> L>L>L>L>L>L>L>L>L>L>L>L>QL>L>L>L>QL>L>L>L>L>L>L>L> aus Steckbolm, 22. Februar 1014 Internationale scbwecliscbe Winter - Konkurrenz scbwierigsteg Automobilrennen der Weit HORCH wiedmim Gewinner des Wander-Pokales des Kaiserlich Deutschen Automobil - Klubs als bester deutscher Wagen Ferner Sieger im Bergrennen Klasse V, gewann ausserdem zwei Ehren-Preise des Königlich Schwedischen Automobil - Klubs Grossen Continental-Preis Grossen Prowodnick-Preis Von 61 gestarteten Wagen erreichten nur 21 das Ziel darunter 3 Horchwagen A.HORCH & CIE. Motorwagenwerke-Aktiengesellschaft ZWICKAU I. S. Filialen: Berlin, Dresden, Hannover, Leipzig. Verkaufsmonopol für Hessen: Hessische Automobil• Zentrale Kronenberg & Schilling, GIESSEN Süd-Anlage 7 Telephon 2059 Seltersweg 38 1 7 1 V iX U ii 1 / 'yMWMuil' iB iü/imiJ i'iiiXi ! 1 Milir^X'üüiWrriMiLJrUiB 1 imimiiuiiiimiim 3184a inmmniminmiiin= Der feine, prickelnde und aromatische Geschmack und die ausserordentliche l""* 1 1 f • rlaschenbiere Marke Mainzer Aktienbier Marke Sandler Culmbach steht einzig und unerreicht da. 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