Nr. 59 Tn «ItRentt Anzeiger etfdjfint täqlidi, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich -ckjsenerjamillenbläNer; zweimal wöchenll.Uiei;- dls ll kür den «relr Sicken ,Cte»siag und Freiiaal; zweimal monatl. Landwirtschaftliche Seitßaqen Fernsvrech - Anschlüsse: sür d:e Redaktion 112, Serloq u. Expedition 51 Adresse Wir Depeschen: A»,erg er «Sicken. Annahme von Anzeigen lür die Tagesnuminer dir vorniittags 9 Uhr. Erstes Blatt Jahrgang Mittwoch, \\. März 19^ General-Anzeiger für Oderhesien Rotafion$öru(f uni Verlag irr vrShl'schen Univ.-Such- uni Zteiuönukerei 8. Lange. Redaktion, Srpeiition uni Druckerei: Schulftrahe 7. Veznq4vret-: rnonatlich75V^vienel- jährlich 'Llk. 2.20-. durch Abhole- lr. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post All. 2.—viertel« jährl. ausichl. Bestella. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auslvärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Alig. Goetz; für .Feuilleton", .Ver- mischtes" und.Gerichts» faal": Karl llleurath; für .Stadt und Land": Kurt Bendt; für den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfaht 14 Seiten. Zum Rücktritt des italienischen Rabinetts. Rom, 10. Mär,. Der italienische Ministcrrat bcschlos, heute früh 10 Uhr den Rücktritt des Gcsamtlabinelts. Giovanni Giolitti, der „Zauberer von Montecitorio", zieht sich als Siebzigjähriger zum dritten Male von den Geschäften zurück. Gewiß kann er auch bei diesem Rücktritt die Nebcrzeugung mit sich nehmen, daß er sich mit seiner Lösung auch der schwierigsten volitischen Aufgaben den Dank der Nation Verdi'nt hat. Gr war immer der Ministerpräsident der sachten Hände uiib liebte leine stärlcn Mittel. Dinge, die reisen wollten, lies; er reifen, rückte hinter den Kulissen das, was er für die nächste Zukunsi brauchte, gewissenhaft vorher zurecht und halte den unschätzbaren Instinkt, im rechten Augenblick sich selbst an die Spitze der Entwicklungen der anderen zu setzen. Hier ist auch das Geheimnis seines ans Wunderbare grenzenden Einflusses auf die Parreien der Kammer zu suche». Als die Sozialisten ansingen, ihm fürchterlich zu werden, bot er ihnen Vertretung im Kabinett an und säte dadurch soviel Zank und Hader in die Partei, daß sie durch Zwietracht und Spaltung geschwächt wurde. Als er entdeckte, mit ioelcher Opfer- frendigkeit sich Bauern und Arbeiter in Tripolis für das „größere Italien" schlugen, als er den gewaltigen Wert der Jmperialisierung der unteren Klassen erkannte, trat er, eine unerhörte Kühnheit, mit dem Wahlrecht der Analphabeten vor die Kammer, nahm den Gegnern den Wind aus den Segeln und ging mit 377 Ministeriellen in der neuen Kammer glatt durchs Ziel. Freilich, aus diesem neuen Parlament heraus erwuchsen ihm auch jene Schwierigkeiten, denen er sich jetzt nicht inehr gewachsen fühlte. Während der Tripolistagc versprach er, daß über den ge wattigen pekuniären Opfern des Krieges die drängenden inneren Resormeu nicht vergessen locrden sollen. Aber die derzeitige Schlußabrechnung für-Lydien hat sich dermaßen hochgestellt, daß Giolitti in die größte Verlegenheit käme, wenn ihn jetzt die Parlamentsgruppen, die ihn befehden ,und Sturni gegen ihn blasen, an jene Versprechungen erinnern wollten. Ei» anderer als Giolitti ivird den Ansturm bestehen müsse». Welche politische Riesenarbeit der Nachfolger Giolittis in Angriff nehmen muß, davon hat der scheidende Ministerpräsident wiederhott ein klares Bild entworfen. Giolitti kann iwar den Schwarzsehern beweisen, >oic gut Italien die Opfer und Prüfungen seines letzten Krieges überstanden hat, er lociß aber selbst nur zu genau, daß ucben diesciu hellirohen Bewußtsein auch ttese Schatten stehen. Der innere Ausbau des italienischen Staatswcsens läßt nichr als manches zu wünschen übrig. Die .Hebung des Volksschulunterrichts niuß mit größter Energie betrieben werden, um nicht iviedcr cin- zuschlaicn. Tie „Schande des Analphabetentums", wie Giolitti sich nicht scheute zu bekennen, darf nicht einfach verdeckt und vertuscht, sondern muß an der Wurzel gepackt und beseitigt werden. Italiens- Ansehen leide! in der ganzen Welt, so lange cs diese Schände mit einem anderen großen Staate Eurovas gemeinsam hat. Ein zweiter Rcformpunkt ist die Verbesserung des italienischen Verkehrswesens. Wie es jetzt immer noch damit bestellt istz, wissen am besten die reisenden Deutschen, die zu Hiindertlausenden jährlich Italien besuchen, und die Vergleichs» können. Der dritte und wichtigste Resormpunkt ist die s ü d i l a l i e n i s cki e Frage. So reich Italien dem Gaste erscheint, der sozusagen oben im Salon empfangen wird, so arm stellt es sich demjenigen dar, der einmal unten in Küche und Keller nachschaut. Dem Lande fehlt es an Erz und Kohlen, den Hauptnahrungsquellen einer modernen Jndustricnation, und die ländlichen Zustände sind nicht im mindesten so geordnet, um alle Kinder des Staates zu beschäftigen und zu ernähren. Man weiß ja, wie viele italienische Staatsangehörige mit ihrer.Hände Kraft im Auslande ihr Brot suchen müssen, wie viele Dörfer durch Auswanderung ausgestorbcn sind. Von den Wcggezogcnen koin nien sreilich viele wieder, aber doch erst, nachdem sic ihre besten Arbeitsjahre der Kultur eines fremden Landes gewidmet haben. Auch etwas Geld bringen sie meistens heim, aber nur gerade soviel, um ein bescheidenes Faulcnzcrleben zu führen, und was sie sonst noch mitbringen, ist meistens sehr schlimm: Alkoholismus, Tuberkulose usw. Mau sehe sich doch nur einmal Süditalien abseits vom hauvtvertehrsstromc an !Aii» dem Tafellnnde Siziliens, der einstigen Kornkammer Italiens, dürftige Schasweiden! Die Höhen des Apc- ninengcbirges kahl und sonnenzerglüht. Die Wohnungen der Bevölkerung mehr als erbärmlich. Schon die Hintergassen Neapels oder Palermos überraschen durch Schmutz, Armut, Enge. Und in den Dörfern glaubt man manchmal nicht mehr die Ansicdlungen eines zivilisierten europäischen Staates zu sehen. Das zu ändern geht über dir straft eines abgearbeiteten Ministers. Aber cs muß jetzt damit begonnen werden. Kürzlich erschien in Rom ein fiinszehnbändigeS Werk, das die neue Epoche einloitei, soll. Es enthält oen Bericht der „Enquetckommiision" über die Verhältnisse der Landarbeiter des südlichen Italiens. Schon um 1380 herum hatte eine solche Enquete stattgefuuden, und es wurde damals nach den Plänen des preußischen Majors Tonat und nach der Tbeoric Robert Kochs viel gegen die Malaria, gegen die Sümpfe, gegen die Kahlheit der Berghöhen getan. Die neue Engucie verlangt weit inehr, nämlich ausdauernde Kulturarbeit an den Menschen, die das innere Italien nach Giolil tis großen Außcncrfolgcn vorwärts bringen soll. Rom, 10. März. Die „Tribuna" meldet: Ministerpräsident Giolitti bezeichnetc dem König S o n n i n o als den für seinen Nachfolger geeigneten Man». CcutidK« Ueictz. st eine neue M i l.i tärvorlag e. Tie Gerücht - über eine bevorstehende neue M i l i i ä r v o r l a g.c werden dem Wolffbnrean von zuständiger Stelle als völlig unbegründet bezeichnet. Der „Gencralp ar d on". Das Kammergericht hat entschieden, daß der Generalpardan des Wehrbeitragsge- setzes auch sür bereits s ch >v c b e n d e V e r f a h r e n w c ge n S t e n e r h i n t e r z i c h u n g gilt. Die Duell-Anfrage des Zentrums und die Anträge des Ausschusses zur Lösung der D u c l! f r a g e werden am Freitag und Samstag dieser Woche iui Reichstage beraten werden. Ter 16. Äusschuß schlägt bekanntlich vor, das Strafgesetzbuch dahin zu ändern, daß bei srevclhafter Herausforderung zum Zwei- kampi an Stelle der Festungshaft G e f än g n i s st r a s e von gleicher Dauer und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte tritt. Einen gleichen Standpunkt hat bereits der Sachverständige» äusschuß eingenommen, der den Vorcntwurf zu einem neuen deutschen Strafgesetzbuch ausgestellt hat. Er hat sich dahin ausgesprochen, daß in Anwendung des Grundsatzes, daß ein erhebliches sittliches Verschulden zur Anwendung einer strcn- ■ i 11 i gcrcn Strasart führen soll, der Täter, der den Zweikampf freventlich verschuldet hat, mit Gefängnisstrafe beltraft werden soll. Nach seiner Ausfassung hat den Zweikampf srcveitt- lich verschuldet, wer seinen Gegner absichtlich durch schwere und grundlose Beleidigung herausgesordert und zum Duell genötigt hat, der Häudclsucher und Raufbold, der es durch sein Verhalten aus den Zweikampf angelegt hat, auch wenn er cs verstanden hat, sich die Rolle des Geforderten zu sichern: derjenige, welcher einen andern durch Verletzung seiner Fa milienehrc (Ehebruch mit seiner Frau. Verführung seiner Tochter) zum Zweikampf treibt. Ein konkreteres Merkmal zur Kennzeichnung des erschwerenden Umstandes als „freventlich verschuldet" konnte der Ausschuß nicht finden, man nimmt jedoch an, daß der Richter bei AnwciiHnng dieses Begriffes jedesmal das Richtige treffen wird. Zentrum und Reichsgesetz betr. Erwerbs - und Wirtschafts-Genossenschaften. Die Zcn- trumsabgeordnctcn Dr. Faßbendcr, Irl, Dr. Jäger und Wallenborn haben im Reichstage den Antrag gestellt, den. Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage möglichst bald eine Gesctzesvorlage zu machen, durch welche eine Abänderung des Reich sgesetzes betr, die E r -- wcrbs-undWirtschafls-Genossenschaften her- beiyesührt wird. Betreffs des Revisionswesens, der .Haftpflicht und der Bilanz macht der Antrag aussührliche Vorschläge, die bei Bearbeitung der Materie in Erwägung gezogen werden sollen. Tic w ü r t t c m b e r g i s ch e Z w e i t c Kammer hat am Dienstag den Gesetzentwurf betreffend den Zuschlag zur ReichscrbschaftSsteucr in zweiter Lesung einstimmig angenommen. Deutsch-dänische Verkehrsverbesserungen. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Ende des vorigen Monats fanden hier Besprechungen zwischen Ausschüssen des Reiches, der preußischen, der mecklenburgischen und der dänischen Regierung statt, uin die Möglichkeit von Verbesserungen der deutsch-dänischen Vcrkehrsbcziehungen zu untersuchen. Die Besprechungen erstreckten sich ans die wirtschaftliche Bedeutung der Verbessern« gsmöglichkeiten, aus die Gestaltung des Fahrplans für die verschiedenen Verbindungen sowie auf andere Fragen vorbereitender Art, Die Erörtern» gen sollen demnächst fortgesetzt werden. AirsLanv. Tur t han albanischer Ministerpräsident. Der frühere türkische Bytschaftcr in Petersburg Turkhan Pascha Hai sich bereit erklärt, die Miiiifterpräsidentschofl ini ersten Kabinett des neuen Fürsten zu übernehmen. Turkhan ist Albanier und steht im 70. Lebensjahr. Er war eine Zcitlang türkischer Geschäftsträger in Wien, Bot- schaftcr in Roin und mehrere Mate Minister, einmal auch Minister des Acußern. Er gilt als russophil, und seine Ernennung wird als ein Zugeständnis an Rußland und als eine Folge der jüngsten Verhandlungen des Fürsten Wilhelm mit den russischen Staatsmännern in Petersburg angesehen. Er Hai dcni Fürsten mitgeteilt, daß er am Donnerstag in Durazzo cintresfen werde. Vom Einzug des Fürsten wird laut Berl. Tgbl. noch ein amüsantes Detail bekannt. Als Essad Pascha zur Begrüßung des Fürsten den „Taurus" betrat, sagte der Fürst zu ihm: „Ich ernenne Sie zum General." Essad Pascha bat darauf, die Generalsi uniform, die ihm der Fürst mitgebracht hatte, sofort om ziehen zu dürfen. Er wird zum Armeeinspcktor ernannt werden. Mainzer Theate bklef. Die deutsche Uraufführung von Lconcanallos „Zigeuner". Man schreibt uns aus Mainz: Im Mainzer Ttadttheatcr fand die deutsche Uraufführung von Leoncavalloe- ;wc>- aktigem Musitoioma „Zigeuner" statt Es ,ft cm großzügig komvoniertes Wert, voll südländischer Lewen,chait. >as.Buck, von Enrico Favacchioli und Guigliclmo Emanuel IN reich a» dramatischen Momenten und lag dem Maestro besonders gul zur Vertonung. — Schön Fleana, das temocranientvollc Zlgenncrtind verliebt sich in Tarnar. den Prinzen, der sic wieder liebt, nach Zigeuncrart heiratet, ielbst Zigeuner wird und der Clcliebten alles opfert So lcidciffcha'tlich Flcanas Liebe ausstammt, so rasch verglüht sie. Tem Iugcndireuud schenkt sic ihre Gunst, nachdem sic ihn grausam verhöhnte, solange sie den Prinzen noch liebte. Tamar überrascht die beide» in der Hütte, lauscht hinter der gcschloksenen Tür, und zündet schließlich sinnlos vor Aul und Eifersucht die Hütte an. — Tamar wird wahnsinnig und bleibt schließlich leblos liegen, während die Flammen über der Hülle zusamnienschlagen, die Untreuen laut jammern und die Genossen den Prinzen erschüttert und drobend umringen. Zeitweise erinnert Fleana an Carmen, teilweise erinnert die wuchtige Mußt an die des Bu jazzo. Besonders schön in der Over ist ein Liebcsmotiv, das sich durch das Ganze dindurchzicht, bald llagcnd und süß Widerhall!, baW wild emporsteigt. Tie Darstellung loar gut. Besonders Margucrite Gauntier als Fleana leistete Vorzügliches. Levncavallo, der im ersten Rang unter dem Publikum Platz genommen halte, wurde bereits beim Betreten des Theaters lebhast begrüßt. Nach dem ersten Akte war der Beifall sehr laut, nach dem letzten wollte er kein Ende nehmen. Es war ein starker, ehrlicher Ersolg. Dem Musikdranra LeoncavalloS ging die einaklige Over eines Unbekannten voraus, ebenfalls eine Uraufführung sür Deutschlaird. Der Titel lautet: II ölait unc bcrgöre „War einst eine Schülerin". Der Text stammt von den, Franzosen R i v o i r e und wurde von 'Rudolf Prcsber übersetzt, iür die Musik zeichnet Marcel LattsS verantwortlich. Tie unschuldige Handlung hätte, wenn sie den» durchaus in Musik gesetzt werden mutzte, eine weniger moderne und schwere Musik verdient. Tie ganz moderne Musik, die teilweise geschickt illustrierte, den Stimmen aber recht schwere Ausgaben stellte und viel Sprcchgesang verlangte, paßte wenig zu dem Idol! eines Schäfervaares. das von einer Prinzessin gestört wird. Tie Prinzessin sieht den Schäfer mit der Schülerin eng umschlungen schlafen Ter Wunsch regt sich in ihr, den Schäfer als Pagen ' kjifeen und da sic einen Ring ihr Eigentum nennt, den chr einst eine Patin schenkte, der ihr drei Wünsche erfüllen kann, so -öaert sie nicht, von dcni Ring zu verlangen, daß er ihr die Liebe des Schülers zuwendc, der von seiner Schäferin nicht läßt, trotz aller^rttcn der Prinzessin. Toch als. ihr der Wunsch erfüllt Ivird, erbebt ihr Herz unter dem Schmerz der Schäserin. Sie gebietet den, Ring, des Mädchens Liebe zu ertöten. Toch die Liebe stirbt nur scheinbar in der Schäferin, sie tomm! immer- wieder zum Turckibruck, auck> bei dem Schäler, und so bleibt der Prinzessin nichts anderes übrig, als dem Ring zu gebieten, das Paar wieder bedinaungstos zu Vereinen, das sich noch unter dem Zauber we.no. Ter Einakter konnte nicht erwärmen, der Beisall war nur schwach. — Eine Iahrhundertausstcllung Westdeutscher Kunst. Aus Düsseldorf wird uns geschrieben: Mit der großen Ausstellung 1816 soll auch eine rncksckmueichc Kunstausstellung verbunden sein, die einen geschlossenen Uebcrblick über die besten Werke westdeutscher Künstler des letzten Iahrlmuderts geben soll. An die Werke soll der höchste künstlerische Maßstab gelegt werden, so daß nur Werke ausgestellt.werden, die auch der Nachwelt etwas bedeuten. Tabei soll versucht werden, auch denen gerecht zu werden, die ihre Zeit verkannt lmt. In den drei Mittel punkten, die zur Sammlung der Kunstwerke eingerichtet wurde», Karlsruhe sür den Lbcrhbein, Franksuri für den Mittclrhein, Tüsseldorf sür den Niederrhein, sind jetzt schon so viele Kunstwerke angemcldct worden, daß die Ausstellung trotz der Bcsjränkung außerordentlich reich beschickt sein wird, so daß besonders auch für die Kunstsorschung die Düsseldorfer Ausstellung eine wertvolle Fortsetzung der Berliner Jahrhundcrtausstellnng von 1906 be deuten wird. Es wird beabsichtigt, sür die Ausstellung den Compo Santo des Cornelius nach den vorhandenen Plänen zu rekonstruiere». Tie Nachbildung soll später in dem von Professor Koctschau eingerichteten Düsseldorfer Stadtmuseum ihre .Heimat finden. — Das Museum für Völkerkunde in Hamburg erwarb nach dem soeben erschienenen „Jahresbericht" rund 1000 Nummern aus den deutschen Schutzgebieten. Unter diesen befindet sich die Hälfte der ethnographischen Ausbeute von der zwecken Exvccilion des Herzogs Adols'Friedrich zu Mecklenburg, die baust» sächlich Nordkamcrun, ferner die Pygmäen Südkamcruns umlaßt. * „Vom T cufe I geholt". Aus Berlin wird uns geschrieben : „Vom Teusel geholt" nennt die Ucbersctzung Knut Hamsuns grandiose Bühnendichtung, der die Kammersviele des Tcutscksm Theaters deutsches Hcrmatsrecht erobern woNten. „Dom Teufel geholt", aber vom Teufel Leben, der grausam »eine Peitsche über den Gestalten dieser Tichruug schwingt. Und wo Pecksckcnhicbe prasseln, gibt cs Wehegeichrer, verzerrte Lippen, die Not, Haß, Zorn und Verzweiflung spiegeln und Töne in die Welt bauchen, die dunkel emvorstcigcn aus den tiefste» Finsternisse» der geguälten und wehrlosen Kreatur. Und wehrlos und gequält sind sie aile, die da mit dem Leben Schockier treiben möchten, wehrlos und gequält, bis auf jene beiden Menschen, die ohne Kalkül dem Gebot der Natur folgen und stark erscheinen, weil sic nicht nehmen, sondern geben. — Wer ist der Held dieser Tramcnhandlung und was ihr Wesen? Ist cs dieser plumpe ungeschlachte Peter Bast, der Nabob aus Argentinien? Wie er, dieser derbe unft gerade Sohn der Wildnis, in diesem Stücke au de: alten türkischen Tabakspscise die Tiamantcn erkennt, die die klugen Rechner alle als blindes wertloses Glas sahen, so besitzt er das Geheimnis des Lebens: die Krack, offenen Herzens und offener Arme der Welt und den Menschen zu begegnen. Und sie alle um ihn her, die naiven Egoisten und die berechnenden Egoisten — wehrlos werden ,'ie alle vor diesem plumpen Naturburschen, der da Freude sucht und Freude sät, lacht, genießt und gibt. Ec stirbt, bei der impulsiven Rettung anderer, durch den Biß der Schlange- Leben, die hier aus der Bühne als südamerikanischc Kobra erschein,; die andern aber sterben an sich selbst und an ihren Taten ab. Ta ist die alternde Frau, die ebeuialige Chansonettcnsängerin, die aus Klugheit die Gattin eines siebzig»ährigen Greises ward: und doch nicht aushörcn kann, feig an ihre Jugend sich anzuklammcrn, als diese Jugend schon Gespenst geworden ist. Die grauenvolle Angst dieser Frau vor dem Alter hat Hamsun erschütternd geschildert und bis in das Reich des Verbrechens gesteigert. Auch sie gibt, diese alternde und lcbcnshnngrrge Frau: sic aber gibt, um zu emvsangcn und so wird es ihr Los, verschmäht zu werde,: wo sie wirbt. Wo sic liebkost, wird sie getreten und an der Süirde, das Lebe» käuslich machen zu wollen, entzünden »ich Blitz nur Blitz alle schlechtesten Triebe ihres Wesens zu einen, Feuer, das von ihrer Menschlichkeit nichts zurücklasscn wird als einen verächtliche» Aichcnbarffcn. Hinaus in die Höhen einer tiefsinnigen und blutvollcn Phantastik sührcn in diesem Drama Knut Hamsuns Wege: hinaus zu Höhen, die nie von der breiten Masse eines Thearerpublilums ganz erstiegen werden. So antwortete denn auch aut Hamsuns Rus das Zischen Berliner Premierenvubli knms, dessen Blick lieber ans der Habenseite des Lebensbuches verweilt als aus hem Sollen. Max Reinhardt aber bat mit einer schlechthin wunderbaren Aufführung sich selbst übertroffen und seine besten Kämpser, die Ehsoldt, Schrldkraut, Moissi, Arnold und Abel, in eine Schlacht geschickt, von der er wohl wußte, datz kein Sieg wahrscheinlich war. — Kurze Nachrichten ausl Kunst und Wissenschaft. Ter Regierungskommissar bei den staatlich unterslükten Theatern in Paris, der Schriftsteller Adrien Bernherm, der sich insbesondere durch seine Bemühungen, den sranzösischcn Schauspielern ein sorgenloses Alter zu verschaffen, bekannt gemacht bat, ist gestorben. — Am Dienstag nachmittag starb in Paris der Journalist Alsrcd Edwards, her durch die Gründung des „Matin" aus die gegenioärtige Gestaltung der sranzö- siichcn Presse einen bettächtlichcn Einffnß gcivonnen hat. Edwards hat ein Alter von 57 Jahren erreicht. Zu dem Zwischenfall an der bosnisch-mon- tencgrinischcn Grenze erfährt die „Neue Freie Presse" noch aus Seros ewo: LllS di« Bemühungen, die Montenegriner zum Verlassen des Grundstücks zu bewegen, scheiterten, erhielt eine Abteilung österreichisch-ungarischer Truppen, ein Zug bosnisch-herzegowinischcr Grenzjäger und eine Kompagnie Heeresinfanterie den Befehl, das Wachste ns und den «saumweg zu räumen. Ein Grenzjägerzng schritt nach kurzem Feuergesecht zum Sturm auf das Wachhaus. Tie Montenegriner hatten zwei Tote und zwei Schwerverletzte sowie mehrere Leichtverletzte; eine größere Anzahl montenegrinischer Grenzsoldaten wurde gefangen. Die Grenzjäger hatten keine Verluste. Seit diesem Zwischenfall wurde die Ruhe nicht mehr gestört. Dahlen in Bulgarien. Nach dem annähernd endgültigen Wahlergebnis erhielten in Bulgarien die Anhänger der Negierung 126, der Baurnbnnd öl, die Demokraten 26, die Neformfozialisten und die doktrinären Sozialisten je9, die Anhänger Gefchows 7, die Anhänger Tauews 3 und die Radikalen ö Sitze. Ein noch ausstchcndcs Ergebnis in den hauptstädtischen Wahlkreisen, welches her Opposition günstig sein wird, verändert das Gesamtergebnis etwas Die Opposition wird 119 von 245 Mandaten besitzen. Bemerkenswert ist die Schwächung der Sozialisten, hie anstatt 38 jetzt höchstens 22 Sitze erhalten, während sich die Zahl der Demokraten verdoppelte Ttirchc und Schule. T ie T r a u e r s c i c r s ür K a rd i n a l K o v v. Am gestrigen Dienstag fand in Breslau unter großer Beteiligung die Trauerscier für Kardinal Kovv statt, stürz vor tOUHr wurde inner Glockcn- gelämc die Leiche in feierlicher Prozession aus dein sürübischötlickieii Palais abgclioli. Ten Sarg trugen zwölf Domvikare. Voran schritten die Bilchöie von Hildcshcim, Königaräy, Ernirtand, Paderborn. Fulda ^und der Wcihbiichos Likowski Posen. Ter Erzbischof von Köln. Tr. Hartmann. leitete die Trauerscier. Ter Sarg wurde unmittelbar vor dein Hochaltar nicdcrgesctzt. Hier legte der Herzog von Ratibor nncn prachtvollen, vom Kaiser übersandten Kranz nieder, dessen Schleife die Kaiserkrone mit den kaiserlichen Initialen trug. Tic Gedächtnisrede hielt Kanonikus Hcrbig unter Zugrundelegung des Bibelspruches: „Tu wirst ein Prophet des Allerhöchsten genannt werden", indein er den Lebcnsganq und das Wirken des Verblichenen schildcrie. Das Requiem zelebrierte der Erzbischof von Köln unter großer Assistenz. Währenddessen sang der Tomchor das Requiem für vierstimmigen Mannerchor von dem Vizedcchanlen Joseph Nickel. Dann fand der Trauerkondnkt mit Absolution der Bischöfe statt. Der Sarg lourde von zwüli.Dom- geistlichen zu der Gruft uumiltelbar vor dem Hochaltar getragen und dort bcigcsctzt. Kurz vor 1 Uhr tvar die kirchliche Feier beendet. Auswärtige pol t k in der französischen Kammer. Die französische Kammer verhandelte am gestrigen Dienstag über den Voranschlag des Ministeriums 'des Aeußeriz. Der Ministerpräsident und Minister des Acußcrn Tvumcrgue crösfnete die Verhandlung mit eine,,, Ci -- Poss über die aktuelle» Fragen der auswärtige» Politik. Er behandelte die Ballaneuigelegenheit. die tleinasiatischv Frage und ging dann auf die anieritinischen Zwischenfälle über, insbesondere auf Mexiko und äußerte sich schließlich! über die Lage Frankreichs in Marokko. Er wies darauf hin, daß sich Frantreich in friedlichem Sinne betätige, besonders auch in der Türkei. Diese würde nicht aus eine sinanziellc ltnterstützung Frankreichs rechnen können, ivenn sic den Frieden störe» wolle. lLcbhaster Beifall. Frankreich habe auch die verschiedenen schwebenden Fragen in Syrien geregelt und im Einvernehmen mit England uiid Rußland es durchgcsetzt, daß durch die Einfsthrung von Reformen die Ordnung in Armenien wieder hergcstcllt imirde. Die drei Mächte würden fortfahrcn, an der Festigung des ottomanifchen Reiches zu arbeiten. Frankreich arbeitete auch im Verein mtt den europäischen Mächten sowie mit den Bereinigten Staaten und Japan darauf hin, eine Zerstückelung Chinas zu vermeiden, und dort normale Zustände wieder cinzuführen. Doumerguc erklärte, daß die B Ziehungen Frankreichs zu den Verein. Staaten und Japan von Vertrauen getragen seien. Tou- mergue wies auf die Festigkeit des Bündnisses mit Rußland und die Freundschaft mit England hin, die durch die einstige Gegnerschaft nur verstärkt werde. In vollem Einvernehmen mit seinen Verbündeten und Freunden verfolge Frankreich in lohaler Weise seine Politik offen und ehrlich und sei entschlossen, in der Well den Platz zu bchauvten, der seiner ruhmreichen Vergangenheit und 'Arbeit gebühre, gestützt aus sein Heer und seine Seemacht, die stark seien, nicht um zu drohen, sondern um Freiheit und Gerechtigkeit zu verteidigen. Die Kammer spendete dem Minister lebhaften Beifqll. Neues Strafrecht. ii. Das Streben unserer Zeit aus dem Gebiete des Strafrechts geht aber nicht nur aus eine gerechte Bestrafung wirklich schuldhaften Tuns, sondern auch dahin, d e r B c g c h u n g künftiger Verbrechen v o r z n b e n g c n. Zur Erreichung dieses Zweckes hat man die Einführung sogenannter „s i ch c r n der M a ß n n h m e n" als wirksames Mittel ins Auge gefaßt. Die Verbrechensbekämpfung durch sichernde M a ß n a h m c n i st ein E r s o r d e r n i s des nivderncn Staates, der selbst von höchstem Kultur- wert, alle wahre Sittlichkeit und Kultur innerhalb der ihin gesteckten Grenzen gewährleisten soll. „D a s S l r a s g e s e tz aber m u ß" — wie in dem Borenlwurf eines österreichischen Strafgesetzbuches sehr richtig gesagt worden ist, „ivtc kein ander es G e s e tz ein Kind seiner Zeit sei n", und tvenn dem so ist, so darf in ihm auch kein so ivichliges Mittel für die Verbrechensbekämpfung wie das der sichernden Maß- nahnien fehlen. ES ist begreiflich, daß über Art und Umfang dieser in das neue Strafgesetz cinzusührendcn „Maßnahmen", namentlich wegen ihrer weitgehenden Ausdehnungsfähigkeit der Meinungen gar viele und gar verschiedene sind. Einig ist man in den Vorarbeiten zum Strafgesetzbuch, wie auch in den Kreisen des Deutschen Richtcr- bundes darin, daß vor allcni die eine bereits im jetzigen Strafgesetzbuch im Keime vorhandene sichernde Maßnahme, nämlich „das A r h e i t s h a u 3" kräftig auszubauen fei, ebenso aber auch, daß als neue Mittel das Wirtshaus- v e r b o t und die U n t c r b r i n g u n g i n T r i n k e r h e i l - anstalten ins Auge gefaßt werden müssen. Viel wcitcr- gehcnde Vorschläge aber sind von Professor Dr. Thomsen gemacht worden, die ihrem Grunde nach von Professor Dr. Rumps ausgenommen, und in einer modifizierten Form als Leitsätze von dem Deutschen Richtertag angenommen worden sind. Der Kern dieser Vorschläge liegt darin, daß dem Richter die Möglichkeit gegeben werden soll, bei vorläufiger Entlassung vo »Sträflingen sichernde M a ß - nahmcnacgendieseanzuordnen und bei b e di n g- terStrasaussetzung dem Verurteilten bestimmte Verpflicht ungcnauszucrlcgen und das sogenannte Friedensgebot zu erlassen. Ter Deutsche Richtertag hat sich denn auch einmütig dazu bekannt, daß in das neue Strafgesetzbuch die folgenden Bestimmungen Ausnahnie finden möchten; 1. „Setzt das Gericht die Vollstreckung der TlrafeaIis, so kann cs dabei nach seinem Erincsicn dein Vcc urteilten für sein Verhalten während der Probezeit bestimmte Weisungen erteilen. Schuldbastko Z I, w i d e r !> a n d e l II gegen diese Weisungen während der Probezeit ebenso wie schlechte Führung hat die gerichtliche Anordnung der Straf- v o l l st r c ck u n g zur Folge." 2. „Besteht die begründete B c s o r g n i s , daß jemand ein ^strafbare .Handlung, mit der er gedroht hat, begehen oder eine begangene wiederhole» werde, so kann ihm das Gericht aus Antrag des Bedrohten oder Verletzten die ausdrückliche Vcrpflich - I u n g auserlegcn, i i cki d c r B c g c h „ n g oder Wiederholung d e r H a n d l » n g z n e n t h a l t c ». Die Ersüllung der Vervslich- tung ist durch eine angemessene, gemäß & 118 St.P.O. zu leistende Sicherheit oder durch Androhung eincrGesäng- n i s st r a s e von drei Monaten bis zu 2 Fahren sicher - zustellen." 3. Besteht die begründete Besorgnis der Wiederholung einer strasbareii Handlung, so kann das Gericht auch ohne Antrag Vach seinem Ermessen dem Täter glisdrücklich bestimmte W eisu n g c n geben, die geeignet erscheinen, die Gcsghr der Wiederholung wesentlich zu verringern. Tie Weisungen dürfen nicht in einer der geltenden Rechtsordnung widerstreitenden Weise in die vcrsön- lichc Freiheit des Täters cingrcisen, ihm keine un- ange messe n enBermögensovserzumnten und nicht Interessen dritter Personen verletzen. Inhalt und Maß der Weisungen sind zu bestimmen nach der Persönlichkeit des Täters und nach der ganzen Sachlage, insbesondere nach der Schwere der Tat und nach der Größe der Gesahr ihrer Wiederholung Die Einhaltung der Weitungen wird wie im Abs. 2 durch Sicherheitsleistung und Strasandrohnng sichergestcllt." 4. „Handelt der Berpsllchtete binnen 2 I a b r c n den ihm auserlcgten Vcrvslichtunge» oder Weisungen zuwider, so bet- fällt d i e geleistete Sicherheir oder die a n g c d r o h t c Gcsängnisstrasc ist s c st z u s c tz c n und zu voll-- ü recke n. Eine durch die Zuwiderhandlung verwirkte sonstige Strafe bleib! unberührt; ist diele Zuchthaus, so ist die daneben scst- zusctzcndc Gefängnisstrafe in Zuchthaus von gleicher Tauer »m- zuwandeln. Tie Frist von zwei Fahren wird oon dem Tag ddr Sicherheitsleistung oder Strafandrohung ab berechnet usw." Man sicht, daß mit diesen Bestimmungen dem Iffchter in Ansehung der sichernden Maßnahme ziemlich weiter Sviel- raiim und freie Hand gegeben ist. Dies ist nötig angesichts der Vielgestaltigkeit des Lebens und der schier unbegrenzten Möglichkeit' der Einzclsälle, wenn auch gewisse Grenzen und Einschränlungen nicht vermeidlich sind. Jedenfalls aber muß — wie dies durch die Bestimmungen unter Ziff. 2—4 erreicht werden soll — dem Richter die Möglichkeit gegeben sein, den Staat und die Gesellschaft vor den wahrscheinlichen Ausschreitungen schlimmer Elemente, insbesondere der bösartigeren und hartnäckigeren Uebeltäter zu schützen. Das Problem der sichernden Maßnahmen ist neu und seine Lösung gewiß nicht cinsach. Sicherlich hal auch die Kritik noch lange nicht das letzte Wort darüber gesprochen. Deshalb aber glaubten wir auf die Stellungnahme, die der Deutsche Richterbund zu der Frage genommen hat, elwaS aussührlicher haben eingehcn zu sollen. Mag man ancki darüber rechten können, in welchem Umfang man dem Richter die Anordnung sichernder Maßnahmen gestatten, und welcher Art diese selbst sein sollen, so darf doch das Prinzip ohne allen Zweifel auch aus die Billigung unseres Volkes rechnen. Es kann doch keine Frage sein, daß es um den Staat —- strafrechtlich betrachtet — am besten bestellt ist, d e r in i t d c m g c r i n g - st e n Maß von Strafen die Ordnung aufrecht erhalten kann. Der wahre Zweck des Strafgesetzes sollte also sein, Rechtsverletzungen zu verhüten. Soll aber das erreicht werden, so müssen dem Richter wirksame Mittel au die Hand gegeben werden, strafbare .Handlungen nach Kräften hintanzuhalten. Von diesem Gesichtspunkt aus aber könnte u. E. die Aufnahme jener Mittel in das kominendc Strafrecht, als in erster Linie i m Interesse d c s 2 t a a t c s und d e r G e s c l l s ch a s t s o r d - ii u n g gelegen, von dem Volke selbst nur dankbar begrüßt werden. Welche Möglichkeiten im einzelnen dem Richter gegeben toerden können und sollen, darüber sich hier näher zu vcr- breiten, würde zu weit führen, zumal auch die Meinungen hierüber vielfach auseinandergehen. Hingewiesen sei nur bei- spiclsweise aus die von Professor Dr. Tho m s c n in Münster gemachten Vorschläge. Er ordnet die in Aussicht zu nehmenden einzelnen Maßregel» in drei Gruppen und zwar in: 1. Maßnahmen gegen die Person dcsTätcrs; 2. Maßnahmen gegenüber der Person des Opfers und 3. besondere Maßnahlnen. In der l. Gruppe wird wieder zunächst unterschieden zwischen physisch wirkenden Maßnahmen und v s n- ch i s ch wirkenden Maßnahmen und Thomscn empfiehlt als die ersteren beispielweise; Wahl der Strafe cventl. Einsührung einer neuen Strafe, Polizeiaufsicht, Anwendung direkter Gewalt, Entfernung des Täters aus der räumlichen gefährlichen Sphäre, Entfernung des Täters aus der geistig gefährlichen Svbärc, Entziehung der Mittel zum Verbrechen. Konlroll- vorschriften usw.; als p'stchffche Mittel; Schaffung und Stärkung von Gcgcnmotiven, Strafandrohung, Verweis, Entziehung von Wohltaten, Tätige Reue, Belohnung für Mcht- begehung, Bekanntmachung des Täters mit dem Gesetz,^Frie- densbürgschaft, Besseruugs-, Heilanstalt, Arbeitshaus, Sicherung der Zukunft, Bedingte Entlassung. Als Maßnahmen gegenüber der P e r s o n des Opfers (Gruppe II) werden cmvsohlen: Warnung des Opfers, Erweiterung der Selbsthilfe, schleunige Staatshilfe, Wiedergutmachung des Delikts, Buße, Gewährung der Privatklagc, Entziehung der bedrohten Person bezw. der bedrohten Sache aus der gefährlichen Svhäre, Allgemeine Unterstützung des Opfers. Von den besondere» Maßnahmen seien als die wohl wichtigsten erwähnt: Kanips gegen die Ursachen des Verbrechens, Bclämpfiing deliktsscher Verträge, Verhinderung der llmgchung des Gesetzes, Bewirkungen einer möglichst unschädlichen Begehungsart. Gcsctzesverbreitung. Daß sich diese reichliche Zahl der vorgeschlagene» Einzel- luaßrcgcln noch reichlicher vermehren läßt, steht wohl ebenso scst, als daß man über den Werl und die praktische Betätigung der einen oder anderen sehr wohl versckiiedcner Ansicht sein kann. Indes gibt es ohne Zweifel eine Fülle von Maßnahmen, die je nach dem Einzelfall bemessen, z. B. zur Vermeidung der Wiederholung einer strasbareii Handlung durchaus wirksam werden können. Hier nur ein paar Beispiele, die ebenfalls Professor Tr. Thomscn aufgestellt hat: 1. Zwei Arbeiter wohnen auf demselben Flur, sie sind tödlich verscindet. Tie Schlägereien zwischen beiden werden immer gcsährlicher, so daß schließlich ein Totschlag zu erwarten ist. Hier wäre als sichernde Maßnahme angezeigt der Beseht, daß einer von beiden (der Schuldigere) sobald cs Vertrag oder Gesetz erlauben, auszichcn müßte. 2. Einem gewerbsmäßigen Wilderer wäre neben einer angemessenen Strafe auszugeben, aus vier Jahre in eine Stadl von mindestens 100000 Einwohnern zu ziehen, wc ihm jede Gelegenheit zum Wildern schien, seine ökonomische Kraft aber der Gesellschast erhalten blechen würde. 3. Einem Burschen, dem das Messer locker sitzt, wird auf zwei Jahre verboten, überhaupt ein Messer, auch ein Taschenmesser, bei sich zu führen t. Einem „Wandervogel", der Nester ausnahm und Feuer im Walde anzündete, werden zwei Jahre lang die Ausflüge verboten usto. Niemand wird leugnen können, daß durch solche Maß- nahmcii, die im Einzelfall grundsätzlich in das Ermessen des Richters zu stellen wären, ohne Frage mancher Verbrechens- Wiederholung vorgebcngt werden könnte. Es ist ein schier cnd los weites Feld, das sich dem Gesetzgeber erschließt, und es wird nicht gerade allzu leicht sein, ihm die rechten, doch nicht zu engen Grenzen zu ziehen. So viel nur sei zum Schluß gesagt, cs ist zweifellos, daß die Probleme des Rechtsirrtums und der sichernden Maßnahmen in dem neuen Strafrecht eine befriedigende Lösung sinden müssen, und daß die Vorarbeiten zum neuen Strafgesetzbuch und auch die non Rumps und Thomscn gemachten, im vorstehenden in großen Zügen angedeutcten Vorschläge eine durchaus brauchbare, wertvolle Grundlage zu dieser Lö sung bilden werden. 2t»»s 5taöt und Land» Gießen, 11. März 1914. ** T a g e s k a l e nder sür Mittwoch, 11. März: Theater- v er ein: .Figaros Hochzeit * Ansaiig 7 IIhr. Trinker-Fürsorge st eile kür Stadt und Landkreis Gieße» Gießen Asterivcg 9. Sprechstunde jeden Donnerstag abend tz bis 7'/, Uhr. "Verleihung. Dem Rektor unserer Landesuniversität, Professor Dr. Körte, wurde vom Großherzog das Ritterkreuz erster Klasse des PhilippSordrnS verliehen. ** General der Infanterie Frhr. v. Gall, der von 1902—1906 Kommandeur der Großh. Hessischen (25.) Division toar, feiert am I. April d. I. die fünfzig-« jährige Wiederkehr des Tages, an dem er als Sechzehn-, jähriger in das .Heer cingctrete» ist. Er nahm, 1866 zum Leutnant befördert, im Leibgardc-Jnsanteric Regiment Nr. 115 teil an den Feldzügen 1866 und 1870/71 uird wurde bei Frohnhofen durch einen Schuß in den Unterleib schwer verwundet. Fm Kriege 1870 erwarb er sich das Äsernc Kreuz und das Großh. Hessische Militär-Verdicnstkreuz. 1906 wurde Frhr. v. Gall Gouverneur von Köln. Ein beginnendes Herzleiden nöitgte ihn, schon im Jahre 1907 den Abschied zu erbitten, und seitdem lebt der Jubilar in Darmstadt. »»Ter T c n k m a l r a t für das Grotzherzogtum Hessen hielt am Montag, 9. März, seine diesjährige Tagung in Worms ab. Auf der Tagesordnung standen: 1. die Berichte des Vorsitzende,!, der Teiikmalvstcgcr und Ansschußvorsitzenden über das lausende Jahr: 2. die Gründung und die 'Ausgaben kleinerer Museen «Tors- und Ortsmuseen,. Anschließend an die Verhandlungen fanden Besichtigungen der Wicdcrhcrftcllungsarbciten an der Liebsrauenkirchc und des Wormser Domes unter Führung des Dom- baumeistcrS Geh. Lberbaurat öofm'ann statt. " ö i a bl II) e (i t c t. Aul verschiedene Anträgen benierkt die Tireltion, daß der Tatsache, daß die Erstaussührunqen dieses Fahr meist ins Freitag-Abonnement lallen, selbstverständlich keine Tendenz zn Grunde liegt. Die Direktion ist bemüht, die Premiere» »iöa- iichs! gleichmäßig ans die Abomienicutsabendc zn verteilen, doch haben dieses Fahr äußere Umstände, ivie wiederholte Erkrankungen, Termin der Gastspiele ». s, s., dies Bestreben zn einem Teile vereitelt. ** I m Oberhessischen Kun st verein sind die Bilder des Ansstcllcr-VcrbandcSMünchcner Künstler ein- gelrolsen. Die Llusstellung, welche am kommenden Sonntag cr- össnct wird, Nnrd von einem Münchener Künstler eingerichtet. Sie wird eine angenehurc Abwcckülimg gegen den zuvor ausgestellten Firturistischcn Bildern bieten. ** Kongreß der Internationalen Verein i. g ii n g s ü r R c ch t S - u n d W i r t s ch a f i s v h i l o s o v h i e. Un- lcr dem Protektorate des Groß Herzogs von Hessen findet in der Psingstwoche svom 2. bis 5. Juni d. J5 in Frankfurt a. M. der dritte Kongreß der Internationalen Vereinigung sür Rechts- und Wirtschaslsvlülosovtiie statt, zu welchem sich eine Anzahl der heroarragendsteii Gelehrten Deutschlands und des Auslandes cinstndcn werdeil. Vorträge haben ». n. angemeldct: Geheimrat Professor Köhler, Berlin, über die Grenzen der Recktsobilosovhic, Staatssekretär Exzellenz Dcrnburg und Se- natsvräsidcnt o. Atrauß und Tarnen über ein ReichSwoh- nungsgesctz, Gehcimrat Professor Wolf, Berlin, und Exzellenz StaatS-a« v. Dnnovskn, St. Petersburg über die Annäherung europäischer Staaten durch Bc'ci.ignng oder Minderung der Zoll- sck ranken. Die Stadt Franlsnrt a. Ä. wird die Teilnehmer an dem Kongreß nebst deren Damen an, Abend des 2. Fuur im Römer empfangen. Für den 'Abend des 3. Junr hat die .handcls- tämmcr den Kongreß in den Palniengarten cingeladen. Zur Vorbereitung des Empfangs ist ein Ehrenansschuß und ein Damenausschuß gebildet ivordcn. ** D a werden Weiber . . . Bei einer Prügelei gestern nachmittag in der Franksurter Straße zwischen einem Schulmädchen und-einem Schuljungen schlug daS Mädchen seinen Schirm an dem Gegner entzwei. Als sie die beiden Teile aiishob, verhöhnte sie der Junge, schlagsertig erwiderte sie ihm jedoch: „Das schab nix: den Schirm kann ich mcr mache lasse, aber de. Fang hast du krieht." ” L a » d e S st a t i st i s ch e Mitteilungen. Helt ö» de Mitteilungen der ® os,Herzog!. Zentrale sür die Landesstatistik Hot lotgende» Fnbalt: Wasserständc 913. — Wasserständc des RbeincS »nd des Maines in den Monate» 1913 . — Morbidität in den Heilanstalten 1912 . — Ergebnisse der ineleorotoqische» Beob° arbtunaen 1912 . — Beilreibirng der direkten Stenern 1912 . ** Postscheckverkehr. Im Rcichsvostgebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckvcrkehr Ende Fcbr. 1914 aus 88 533 gestiegen. (Zugang sm Monat Febr. 901.) Stuf diesen Postscheckkonten wurden im Februar gebucht 1439 Millionen Mark Gut- schriitcn und 1426 Millionen Mark Lastschristen. Das Gesamtgut- habcn der K'ontoindaber betrug im Februar durchschnittlich 196,6 Millionen Mark. In, Verkehr der Rcichsvoslscheckämter mit dem Posckparkasscnamt in Wien, der Postsvarkassc i« Budapest, der belgischen und luxemburgischen Postverwaltung sowie den schweizerischen Postscheckbureaus wurden 7,8 Millionen Alark Iimgcsctzt und zwar aus 3120 Uebertragunge» in der Richtung nach und ans jb 330 Uebcnragiingen IN der Richtung aus dem LliiSlande. ** Kleine 'Di i tt eil un g en. Aus einer Privatwohnnng in der Parkstraßc in B a d - N a n h c i m ivurden Schmucksachen im Werte von einigen hundert Mark gestodlen. — Durch unterirdische Kanäle hat sich der Main am Dienstag vormittag einen Weg in die Kodlenzcche „Gustav" bei Tettingen gebahnt und sie voll ständig unter Wasser gesetzt: aucki die Nachbargrube stand in kurzer Zeit bis an de» Rand voll Wasser. Ter Schaden ist ganz bedeutend. — JnWaldmichelbach i. O. ist das 3jährige Kind eines Landwirtes in heißes Wasser gefallen. Fn der Klinik von Heidelberg ist cs an den Brandwunde» gestorben. — Im Rheinhasen von Bingerbrück wurde eine männliche Leiche in Schisserklcidung gelandet. Es wird angenommen, daß dieses die Leiche des im Dezember von cinenl bei Bingen vor Linker liegenden Dampfers der Firma Fendcl verschwundenen Heizers ist. Landkreis Gießen. (;) Leihgestern, 10. März Heute fand hier Bür- germeist erwähl statt. Der seitherige Verweser dieses Amtes, Bürgermeister .Heß, ivnrde einstimmig wieder- gcwählt. Von 349 Wahlberechtigten machten 299 oder 84ß» von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Sämtliche Vereine oer Gemeinde brachten den, wiedererwahlten Lrtsoberhaiipt einen Fockelzug dar. Kreis Friedberg. s Bad-Nauheim, 10. März. Bohrungen, die in den letzten Tagen am Karlsbrunnen vorgenomnicii worden sind, haben ein günstiges Ergebnis gezeitigt und eine neue Trinkquclle erschlossen, deren Wasser iich durch be sondere Milde auszerclmen soll. Tie grosse Ergiebigkeit der neuen Quelle hat aber nicht im geringsten ein Nach s lassen des nahen Karlsbrunncns im Gesolgs» gehabt Tag Wasser der erbohrten Quell« wird zum Karlsbrnnnen geleitet und dort zur Derabreül,ung fominen. Gegenwärtig ist man mit den KassungSarbeiten des neuen Brunnens, der als weiteres Knrmittel hier sreudig begrünt wird, beschäftigt. Hessen-Nassau. h. Franklurt a. M., 10. März. Nachdem schon heute srüh etwa 000 A r b e i t s l o s e in einer B c r s a m n, l u » g siliars gegen die Auihebnng der Arbeitslosenunterstützung protestiert hatte, zogen nachmittags kurz vor Beginn der Stadtverordnetenversammlung Inmdcrlc von arbeitslosen Männern äus den Römerberg, Zn besonderen Jwischeniällcn kam es nicht. h. Griesheim a. M., 10. März. Wie ,vir bereits durch Anschlag bekannt machten, wurde der Chemiker an den Elcltroiiiverken Dr. Geißenbcrger wegen Unterschlagung von 70000 Mk. gestern in Wiesbaden »ct» hastet. Neueren Meldungen zusolge ist die veruntreute Suninie jedoch weit erheblicher als zunächst angenommen wurde. Tr. Oleistenberger, der voll geständig ist, gibt die Summe selbst aus etwa 1 ö 0000 M k. a n. Tiefe Summe hat er der Gemeinnützigen BaugesalI - schast 01. m. b. H. zu Griesheim, deren Gcschäfts-t siihrer und Vertrauensmann er ivar, veruntreut. Cr wiisttc sich durch fingierte Landankänsc nach und nach diese Gelder zu verschasse». Tie Baugenosscnichasiler, die sich durchweg aus Angestellten der Eteltronwerke zusammen setzen, schenkten Tr. Geiftenbcrger unbegrenztes Vertrauen und übten an seiner Geschäftsführung säst gar leine Kon trolle. Ter Verhaftete bekleidete hier zahlreiche Ehrenämter, u. a. war er auch G e in c i n de r a t. Seine Stel-, lniig als Leiter der sozialen Abteilung der Elektronwerke benutzte er besonders zur Olründnng gelber Eewerkvereinc. — Wiesbaden, 11. März. Ter in Wilmersdorf lvohnende Opernsänger Sei dl er stellte sich heute morgen nur das Fensterbrett seines im dritten Stork gelegenen Zimmers, schoss sich eine Kugel in die Schläfe und stürzte auf.das Stratzenpflaster. Er starb aus dem Transport nach dem Krankenhause. Seidler war als Tenor in Wiesbaden tätig und war jetzt in Eharlottenbiirg engagiert. Er hat die Tat unter einer ftnrfcit seelischen Tepression ausgcsührt. Gcrichtrfaat. Giesten, 10. März. (Schöffengericht.) W > d e r st a n d b c i m Zivangseid Ter (Keleqenhcitsarheiler W. W. von Gicsten tollte am Morgen des 5. Januar durch cinen Gerichtsvollzieher NUI Grund eines Haftbefehls dem Amtsgericht zum Zwecke der Ablcismng eines Ossenbarungoeidcs vorgeiührt werden. Er leistete zunächst dem Gerichtsvollzieher passiven Widerstand, indem er erklärte, er würde Nicht niilgclicn lind cs bringe ihn auch keiner dazu. Ter Gerichisvoltzicber iah sich deshalb genötigt, einen Schutzmann herbeizuruien: auf diesen cnilnü iich ni»i dir ganze Wut des W. Er bedachte den Schutzmann mit den gemeinsten Schimviworte», drang mehrmals aui ihn ein und bedrohte ihn ,»ir Totstechen. Schlirstlich wurde er handgemein, io dast sich ein heitizer Kanipi zwischen beiden cntlvickcltc. Ter Gcrichtsvollzichcr sah sich deshalb nach weiterer Hilie um, und holte noch zwei Schutzleute herbei. Dem gcmemlamen Vorgehen dicicr drei Sicherhcitsbeainten gav W. 'chuegttch nach und liest sich -,um .Justizgebäudc abinhrrn. W. erhielt heute wegen Beamtenbeleidigung, Bedrohung, Widerstands Uiw. eine G e s a IN t g e s ä n g n i o st r a i c v o n 4 W o ch e n. Im angetrunkenen Zustande rüttelte der Student A. L. an einer Gaslatcrne, io dast Glüdstrnmvi und Zylinder entzwei gingen. Er erhielt wegen Sachbeschädigung eine Geld st r a s c von 2 5 M a r k oder ü Tage Gefängnis. Zirri Sffisiere wegril Meineid vernrteill. Koblenz, 10. März. ä n g - n i s und Dienstentlassung, den jh a n v t m a n n Linst vom Fnst Artillerie Regiment Nr. !> wegen Meineids und Uli erlaubter Entfernung zu fünf Monate» Ges äug nt» und T i c n ft c n i l a ss u ii g und den Leuinon! und ?tdsutanien 3 i e g lcr vom Fust-Ariillerie Regiment Nr. 0 wegen Beihilse zur uncrlaubicn Entscriuing des Linst zu I I Tagen Stubenarrest. Tic beiden Daupilcutc hatten in einer Ehescheidungsklage unter Eid nnirahre Aussagen gemacht. Als durch fpntcre Eriniticlnngen sich die tatiächlichen Vorkomnmiiic ergaben, wurden die beiden in Hast genommen. Der Adinlani Ziegler batte den .Hauvtmann Linst von seiner bevorstehenden Verhaftung benachrichtigt, woraut Linst »ach Luicmbnrg fuhr, jedoch nach zwei Tagen wieder zurück- kehrte. Von der erlittenen lliitcriuckungshast wurden den beiden Vcinrteiltcn je ein Monat angerechnei Während der ganzen Tauer der Verhandlung war die Lesientlichkeit wegen Gcsähr- d n n g Ni i l i t ä r d i e n st l i ch e r I n t c r c s i e n und ivcgen G c - t ä h r d u ii g der Sittlichkeit ausgeichlossen. pcrmUcbtcr. H ii » b fl c 6 ii ii fl c n Wiener Studente n. Aus Wien, 10. März, wird gemeldet: Tie Studierenden der Wiener Tierärztlichen Hochschule, ivelche seit langem fordern, dast dieselbe von der militärischen Kompetenz abgetrennt und gleich anderen Hochschule» dem Unterrichtsministerium unterstellt werde, sowie eine bauliche Ilnigestaltuitfl des Instituts im modernen Sinne verlangen, demonstrierten vor der Schule. Sie durchbrachen die Flügel, versperrten die Tore und drangen in die Aula ein, um dort eine Versammlung abzuhalten. Ta sie die Aula nicht freiwillig räumen wollten, wurde der militärischen Bereitschaft der Befehl erteilt, sic zu säubern. Angesichts des energischen Vorgehens des Militärs verliesten nun die Studenten die Aula tti der Absicht, innen Temonstrationszug zum Üriegsniiiiisterium zu unternehmen, doch scheiterte dieser an dem energische», den Studenten bckanntgegebeiien Entschluß der Polizei, einen solche» Zug auf jeden F-all zu verhindern. Bei der Räumung der 2lula wurden l 2 Ber hastiinge n von der Polizei vorgenomme,,. Gegen 12 Uhr mittags trat völlige Ruhe ein. Tie Tierärztliche Hocti- schulc wurde durch eine Verfügung des Rektors gesperrt. ' E i n N ach > vict zu dem Kieler W c r i t p r o z c st.Tic Morgciiblättcr melden aus Kiel: Ter Landgerichtsdiener W o l i i, der irilher als Aufseher im Unterinckinngsgesängnis beschäiligt war, wurde gestern hier verhastet. Tas Versahren gegen ihn wird streng gchkii» geführt, es verlantct nur, dast es sich um ein Nachspiel zu dein Werjlvrozcst rin Jahre 1900 gegen die Kapiteitte Franken t hal und Jakobsohn handcli. * uebcr eine neue Gemein heit der W a h l w e i b c r ivird uns ans London. 10. März, gemeldet: Heute vormittag Ivnrde in der Nativnalgaleric die Venns von Belasauc, durch cinen Schnitt schwer beschädig!. Tie Täterin iourde verhaltet: cs ist eine sehr bekannte Anhängcrin des Franenstimnitechl- nnniens Marv Richard Ion. Bor dein Polizcigericht in der Bowstteet crllnrt« itc: ,.Jch versuchte das schönste Bild der Fra» der Mvthologie zu zerstören, um gegen die Regierung zu protestieren, die Mrs. Pankhurst zerstört, die der schönste Ebäraktcr in der modernen 01c- schichke ist." Tie Angctlagic wurde in der Halt behalten. Tie Frei lassnug gegen Bürgschait wurde abgelebnt. Tas beschädigte Gemälde har einen Wert von 10 000 Pfund. Amtlicher Wetterbericht. Ocjscntlichcr Wetterdienst, Gieheir. Wntcraussichtcn in Dessen am Donnerstag, den 12. März 1914 Porwiiaend wolkig, trocken, kühl, nordivesttiche Winde. Letzte rtactzrichten. Ans der Hesstschen Zweiten Kammer. rb. Tarmstadt, 11. März. Tic Zweite Kammer beschäftigte iich bei schwach besestten, Hause zunächst mit der Rück- änstcrnng der Ersten Kammer über die l a n d st ä n d i schc Geschäft s o rdn un g. Als erster Redner sprach Dr. Schmitt: er begründete die Ausschnstanitäge, die z. T. aut Bclwrrcn der früheren Beschlüsse lauten. Nach kurzer Aussprache stimmt das Haus den Ausschustanträgcn zu. Alsbanu iourde dic Beratung des Haushaltes bei dem Kapitel Slaatücricnbahiren fort geicstl. Als erster Redner tritt Korcll (Angenrod) für bei B a h ii b n u Mücke -Ulrich st ein ein. Tas Studium der deutschen P o st c i n r i ch t u u g c ». Berlin, 11. März. Zuni Studium der deutschen P o st c > n r i ch t u ii g c n ist, nachdeni erst vor einige» Tagen der englische Generalpostmeistcr IN der Rcichsdanvtstadt anwesend war, n»n>nehi der Generaldirektor de» holländischen Postwcscns hier ein getroisen. Kautschuk bei Operation» wunden. Paris, II. März. Ter Professor der Chirurgie Del de teilte in der Aladcmie der Medizin mit. dast cS ihm in zwei Fälle, gelungen >ei, die durch die Operation verursachten Sud st a » z c n v e rlu stc durch Auipsropsen von Kantschukplätzchen z» ersetze», ivelche sich mit dem lebenden .Gewebe zu verschmelze» scheine. Ein s c k t s a ni c r Unfall. Paris, N. März. In der Ehamvagne-Zechc bei Aurillae stürzte ein lFährigcr Heuer in den Fördcn'chacht und siel dabe' aus einen anderen Bergmann. Beide waren sofort tot. Ein dritter Bergarbeiter erlitt schwere Verletzungen. Schädigungen durch S ch i e ß ü b u n g e u. Paris, 11. März. Wie aus L o r i e n t gemeldet wird, wurde durch die bei den Schiestübungc» niii schweren Marinegeschützen hervorgernscne Erschütterung der Einsturz eines Olchästcs i„R i a Ille c verursacht Ter Bürgermeister des Ortes richtete an dic Behörde das Ansuchen, dast Mastnahnien getroisen werden, um das Leben und Eigcntnin der den Schießplätzen benachbarten Landwirte zu schützen. Ein R i e s e II s e u e r bei N c w - O r l e a n s. New-Orlcans, 11. März. Nach einer sunkentclc graphischen Melduiig aus dem Hafen Eeiba wütet dort ein riesiges Feuer. Zur Zeit der Meldung waren 28 Häuserblocks in dev Stadt zerstört. Der Schaden wird auf lOMillioncn Mark geschätzt. Lin überaus uurtiame» Mittel gegen veraltete MageuleiSeu um ' 1 Verstopfung. Tie raschen und sicheren Eriolgc, welche mit Stonioxvgen erzielt wurden, machen es Iveir und breit zu einem beliebten Haus mittel, «lomoriigcn ist ein vollkomine» harmloses Sauerstoii Präparat und ist in jeder Apolhele erhältlich. Man nimmt cs am besten dreimal täglich, und zwar ie 1 bis 2 Tabletten zwischen den Mahlzeiten. Dic Ersolgc bei Magenverstimmungen, Verstopfung und den vielen Leiden, welche drc>c liebet nach sich ziehen, sind geradezu glänzend. Dic Säure im Magen verschwindet, man hat kein Hcrzklovien mehr. Tic Schnrcrzen in der Leber und de» Nieren, sowie im Rücken treten nicht mehr auf. Die Nerven werden gckräiligl. Tiomorngcu wird von vielen bedeutenden Älarzten vcr ordnet, da der Tanci stois, ivelche» cs entlstilt, eine Wirkung hervor mil, wie nian iic günstiger tnuni beobachten kann. Es ist allgemein belannt, dast Sauerstoii die Luit verbessert: er reinigt und kräfttgt aber auch den Magen und dic Nieren und tötet dic Keime, wellhe häufig dic Ursache schwerer Kranlhcitcn sind. Jeder Apotheker führ' Stomozygen, oder wenn er es nickst hat, kann er cs ^Zhnen bcschasseu Ei» Berinch ivird jeden von der Vorzüglichkeit dieses Präparates überzeugen. 3333hv) (Bitte ausichncidcn.) E' c/rtA *y*LC<)'■'t'C/ • Saxlehner's BstterqueHe HUNYADIJÄNOS Gegen Verstopiling, gestörte Verdauung, Fettleibigkeit, Blutandrang, etc. Oanöhnl. Oa;/s ■■ 1 WaFserglac ix>!!. Todes-Anzeige. Teilnehmenden Frenndrn und Bekannten hionnit dic trau Mitteilung, dass mein lieber Gatte, unser ffutcr \ ator, Schu te, vater und Grossvater abend sanft enischlafcn ist. Die tieftrauernden Hinterbliebenen Bertlia Moog geb. Juug Familie Georg Moog Familie Emil -Moog Familie Karl Kolb. Giessen. Ludn isshafen a. Rh.. Bcrlm, den 11. Marx litt I. Die Beerdijrunp: lindet in aller Stille statt. — Ynu Kondolenz besnchen und Blumenspenden bittet man abzuselien. 341: (Schutzmarke Schwan) spart Arbeit, Zeit, Geld. Himbeersträuchei lGotiaihhimbecrel »er Stück Ml. -.1«- IM ,, » av bier. A. Pascoc, Dutcnholcn, Kreis Wetzlar. 31G O ROSESi G niedr.'vcred., fit?.Sort., viele Neuheit.. 10 St. i. 10 Prachts. m.Namen2M, 30St.4^0 Pi. Berp. frei. J. W. Hum er, Rosensch.. Hamburg 23.13091D Blitz - Itlnnk werden alle Herdplatten mit meinem vorzünt. bewahrten Ilerdplnttonpnt/ci\ Ludwig KrttU, Plockstr. (3018) Für dic vielen Beweise inniger Teilnahme beim Hinscheidcn unseres lieben Kindes sagen wir hiermit herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hiiiterblicbencii: Heinrich L«h und ^rau. Klein-Linden, den 10. März 1014. Die setm'ten bvlläudiicheu 8 eksM 8 L!is K.abliau und ScßoSlea und lcdcndfriich cinnctroncn bei Marktvl.SI [ ,,rB i Tel. 46 penemiber b. (5nael -lnotbeke Achtung! Kammerjäger Schwarz empfiehlt iich zur Vertil- aunq von Natten, Mäusen. Schtvabon. Wanken und Nn- s-ictieser jeder Art. Schri'll. Nnaebote unt. 3390 an den Gievener Anzeiger erbeten. ObslDaum-ArtioliDeuni -St Ltr.MBf, grün. Quant billia. CiSnNtnv V. aller. Maus' bura 13, Telephon 386. i24tl Waschbütten, Pflanzcnkübel, Iauchefässer Z empfiehlt lfill. Pb.Sommer- koru, Küferei, Bleichste. 1'r. 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Vielleicht wirkt sogar der Horst-Engclsehe Schwank auf der Leinwand, die die Weit bedeutet, packender 203b, als ar*2 izn so manche aae&iscbea SLiglicb- : i keitan ancschliesseaÄCH Br»mra. Die „blaue Maus“ B ist eine jener Schönen der Berliner Eleganz, in deren Gegenwart sich noch kein sterbliches milnn- lichcs Wesen gelangweilt hat, die dabei plötzlich ihr mildes Herz entdeckt und einem jungen Ehemann zur Würde eines Bureauchefs verhilft. Das farbige, in allen Details interessante Milieu des Weltstadt treiben* erfasst hier in heiteren Bildern den Zuschauer: es kommen und gehen die Elegants und Dandys, du* Koketten und Todschicken, die „situations“. voller Drastik und persiflierenden Humors und die gewandten Gesten der ganz modernen Zeit. Und über allein diesen liegt das Parfüm von Berlin W., sein Glanz, seine Pracht, sein ewiger Durst nach dem Vergnügen. Magdc Lessing, die Darstellerin .der »blauen Maus“ widerlegt den gegen ihre Kolleginnen so oft erhobenen Vorwurf, die deutsche Kunst habe nicht die Charme und Ras- sigkeit der Pariser. Kur 3 Tage! Nur 3 Tage! Sichern Sie sich telephonisch Plätze! Gießener Lichtbühne-Gesellschaft mit beschränkter Haftung. B «ahnliofntrasse, 31. 1:1406a 1 Tel. 3077. Philosophenwald Scbcit Dienstag »Nb Freitag: ^rifjfjc Basfrln, Mttnnnt guten Anjsce, !ee, -ch,k!>- IflDc, Mao, gute MN kMgcW, friftör Girr bringe in cmi'sehlcndc Erinnerung 360 Hess Handelslehranstält ;jWh. Siedersleben^ II bi i & n -Thessfei* St SeSiersweg SI Diplomhandeblehrer und gerichfl beeidigter Bucherrevisor. Stadt. Seefisch-Marti T-nucrstaa, den 12. SÄär.; 19,4. Iiachmittaas 2 '/., Uhr beginnend, in den Marktianbcn. XvV- >r»mcnc viordieelv III biUintn, icbifllidi bieEelbs,kosten der Ltab« decken Preisen. 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