Nr. 58 Lrfcheinl 11(1)4 mit Nurnahm- beS Sonnt»,r. Die „«itfcmtr z»»>li«ndlttt«r" werden dem ,Nr.je>,er' viermal wöchentlich beigelegt, das „Xrmblatt für den Kreit «ietzen" zweimal wöchentlich. Die „!«»d«irllchastlichen Seit stege," erscheinen monatlich zweimal. 164. Jahrgang Dienstag, 16. März 1614 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Vberhesfen Rotationsdruck und Verlag der Brühllchen UnwersiialS - Buch- und Slemdruckereu R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e-eS ül. Redaktion: 12. Tel.-2ldr.:Nnze,gcrEießen. Mb. Deutscher Reichstag. 331 . Sitzung. — Montag, den g. März. Am Tische des Snuücsrats: Dr. Sols. Präsident Dr. Kaemps eröffnet die Sitzung um 2 Uhr wahlprüfungea. Dir Kommission beantragt, die Wahl dcS Abg. Frommer i(Äonf., Heiligenbeil-Pr.-Eylau) für gültig zu erklären. Abg. Dr. Neumann.Hvser (Vp.) widerspricht. Es ist ein Novum, das; man auf Beweiserhebungen verzichten will, weil sic wahrscheinlich am Resultat der Wahl nichts ändern würden. Tann hat inan Stimmen, die auf nicht einwandsfreie Weise zustande kamen, ganz entgegen der bisherigen Praxis nicht dem siegenden, sondern dem unterlegenen Kandidaten abgezogen. Wir verlangen BetvciScrhcbungen. ™ Abg- Schmidt-Meißen (Soz.): „ alle Wahlen aus b c m Ostcn mutzten sorgfältig gc- »cusc werden. (Sehr richtig! links.) Auch die vorliegende Wahl ist «ine typisch ostelbischc Wahl. Wir sind für Klärung der Sach, lag», Die Wahl wird für gültig erklärt, ebenso die Wahlen der Abgg. Dr. v. Heydebrand (Kons.), Mertin (Rp.) und R o t h e r (Kons.). A n g c n o m in c n wird dabei ein Antrag, die zuständigen Behörden anzuwcisen, bei Bestimmung der Wahllokale Vorkehrungen zu treffen, die eine parteiische Handhabung des Ha uS rechts seitens des Be- fitzcrs des Wahllokals auSschlietzcii. Ueber die Wahlen der Abgg. v. Wiiiterfeldt (Kons.) und Glowatzki (Ztr.) werden Beweiserhebungen beschlossen. 2er Kolonialetak. (Zweiter Tag.) Abg. v. Böhlendorff-Külpin (Kons.): Es ist sehr erfreulich, daß in den kolonialen Eisenbahnfragen die bürgerlichen Parteien einig sind. Die Fortschritte in den Kolonien sind unverkennbar. Wir haben uns von jeher energisch für eure kräftige Kolonialpolitik eingesetzt, weil wir gute LcbenS- bedingen für dre Arbeiterschaft fcfjaffeil und die deutsche Steuerkraft heben »vollen. Die Kolonien sollen die Absatzgebiete für die heimischen Produkte werden. Leider fehlt es an Arbeitern. Daran ist nicht etwa schlechte Behandlung der Eingeborenen schuld.^ Es sind ganz naturgemäße Gründe, die vornehmlich in oer Psyche des Negers liegen. Er hat einen Hang zur Arbeitslosigkeit. Wir danken der Verwaltung, daß sic für Ruhe und Frieden in den Schutzgebieten gesorgt hat. Die Arbeiterverordnung hat sich bewährt und ist human. Ohne sein Einverständnis wird kein Eingeborener zur Arbeit gezwungen. Er genießt Rechtsschutz und wird vor dein Distriktskommissar vertreten. Ohne die Plantagen und die Belehrung, die sie gewähren, würde die Eingeborcnenkultur sich nicht heben. Liberia ist nichts als eine Kulisse am Meere. Wenn der Gouverneur von Ost- 'vsrrka die vollständige Abschaffung der Haussklaverei bis 1920 kür ausgeschlossen erklärt, so sollen wir uüs freuen, daß er unL oie Wahrheit sagt. Der Baumwollbau hat nicht den vor einem Jahr erwarteten Erfolg gehabt. Der Kautschukbau leidet unter den ungünstigen Arbeiterverhältnissen. , Dagegen hat der Tabakbau, namentlich in Kamerun, gute Fortschritte gemacht. Niemand eignet sich so gut für den Tropendicnst wie ein menschenfreundlicher Mediziner. Wünschenswert ist eine Professur für die Pathologie der Tropcnkrankheiten. Der Streit Mischen den Missionen muß die Eingeborenen verwirren. Ihr Tätigkeitsfeld muß gegenseitig abgegrcnzt werden. DaS Parla. ment braucht praktische Kenntnis der Kolonien. Ihr Wunsch, sich selbst zu verwalten, ist berechtigt. Mit Hebung der Kolonien werden auch die Eingeborenen gehoben, moralisch und materiell. Deshalb heißt eS, Verkehrswege zu erschließen und auszubauen. Leuten, die bei uns keine Arbeit finden, sollen die Kolonien offen stehen. Abg. von Morawfki (Pole): Die HauSsklaverci sollte sofort abgcschafft werden. Staatssekretär des Reichskolonialamts Dr. Sols: Bei meinen letzten Inspektionsreisen durch unsere Kolonien ist mir klar geworden, daß wir sie in zwei verschiedene Klassen scheiden müssen: tropische und B e s i e d l u n g s k o l o n, e n. Zu den letzteren gehört zunächst nur Südwestafrika. Zweifelhaft bin ich mir. ob man vielleicht als Unterabteilung dieser Klasse noch die Insel Samoa rechnen köniitc. die ja an sich tropisch ist, aber dank der ozeanischen Lage ein milderes Klima hat und den Weitzcn in den höher gelegenen Gebieten Erholungsstationen die- tet. Freilich möchte ich aber auch den tropischen Kolonien nicht ■ jede Siedlungsfähigkcit absprcchen. Daß die tropischen Kolonien in den Niederungen und Küstenstrichen von Europäern nicht be-1 siedelt Werder, können, darin sind wohl auch die Siedlungsfreundc einig. Die Frage ist nur. ob mau etwa die Hochplateaus in Kamerun undOstafrika besiedeln kann. Ich halte das für möglich unter bestimmten Voraussetzungen. Zunächst müßte für diese an sich wasserarmen Hochländer unter Mitwirkung der Regierung Wasser erschlossen werden. Zweitens müßten die Interessen der Eingeborenen abgewogen werden gegenüber den Interessen der Ansiedler. Drittens müßten die Farmen vor der Besiedlung bemessen werden. Viertens wüßten dic>e Hochplateaus an daS Verkehrsnetz der Kolonien und damit an den großen überseeischen Verkehr für den Welthandel angeglicdcrt werden. Erst wenn diese Bedingungen erfüllt sind, könnte ich mich aus den Standpunkt der Sied- lungssreunde stellen und sagen: K o m m t h c r c i n , d e r T i s ch ist gedeckt! Aber ich bin ein zu freundlicher Wirt, um Leute zu laden, ohne ihnen einen gedeckten Tisch bieten zu können. Dabei möchte ich noch erlvähnen, daß ich nur unter den genannten Einschränkungen die Kolonien für geeignet halte, den Ueberschus; unserer Bevölkerung aufzunehmen, sobald nachgetviescn ist, daß ein solcher Ueberschuß der Bevölkerung existiert und daß deshalb eine dira neccssius zu Aufiedlungen vorliegt. (Sehr richtig! links.) Pionieren, die auf eigene Faust sich in den Kolonien an- fiedeln wollen, will die Regierung, ohne diese Herren zu ermutigen, freundlich cntgcgenkommen. Jedenfalls bitte ick in dieser außerordentlich wichtigen Frage konform mit der Verwaltung zu gehe!,. Das liegt im Interesse des deutschen Volkes, sannt nicht falsche Hoffnungen erweckt werden Für Süd westafrika, das sich »a allmählich glücklich weiter entwickelt, ist die wichtigste Aufgabe die Wassererschließung. Davon hängt cs ab, in welchem Umfange Südwest für uns eine lutt Kolonie werden wir!» Natürlich können die Ausgaben dafür nicht von Sen Farmern allein geleistet werden. Dazu mutz die Regierung mit den verfügbaren Fonds eintrcten. Die Landwirtschaftliche Bank für Süowcstasrika leistet auf diesem Gebiet bereits Ersprießliches, und ich bitte bei dieser Gelegenheit, den Nachtragsetat, der die Kommission ja noch nicht beschäftigt hat, dem Hause warm ans Herz legen zu dürfen. I nr Ausbau d e^ S e l b st v c r to a l t u ii g siiid bereits Fortschritte gemacht. Wir haben dem LandcSrat wichtige Materien zur Beschlußfassung überwiesen. (Zustimmung.) Den Ans gaben des SanitätS- wescns wenden wir in erhöhten! Maße unsere Aufmerksamkeit zu. Ich gebe ohne weiteres zu, daß für das Sanitätswcscn in den Kolonien noch nicht viel geschehen ist, aber immerhin haben sich die Ausgaben von 2 Millionen im Jahre 1909 aus (3 Millionen im Jahre 1914 gesteigert. Deutsch-O st asrika ist mir aus eigener Anschauung bekannt, und ich habe cS jetzt nach 1b Jahren wiedergesehen. Ich war selten in meinem Leben so freudig überrascht, als ich die blühende Entwicklung und den Unterschied zwischen Daressalam und der Kolonie von damals und jetzt sah. Auch der Handel ist in erfreulichem Aufschwung begriffen. Unsere Hauptaufgabe wird der Ausbau des Bahnnctzcs sein. Dieser soll die fern- gelegenen Landschaften an den Außenhandel anschließen. Ich habe den erfreulichen Eindruck gehabt, daß im Durchschnitt die Produktion sich gehoben hat mit Ausnahme vielleicht der Gummi- plantagcn. So die «isalkulturcn und die Kaffccpslanzungen am Kilcmandscharo und am Reru. Nun Kamerun! Man soll nicht prophezeien, aber eS ist nicht vermessen, und ich kann cS mit gutem Gewissen sagen, daß Kamerun eine unserer besten und am b e st e n zahlenden Kolonien werden wird. Das ist keine Prophezeiung, denn ich war in der glücklichen Lage, die Zukunft Kameruns in dem benachbarten Nigeria zu sehen. Die Verhältnisse in beiden Kolonien sind gleich. Nigeria ist etwas größer und hat erheblich mehr Einwohner, aber die Konfiguration deS Landes ähnelt der von Kamerun. Es ist gerade so fruchtbar, und ich möchte fast annchmen, daß für die Kultur der Oelpalme Kamerun mit seinen höheren Niederschlägen und seiner Urwalü- zone noch besser ist als Nigeria. Und dieses hat in den letzten Jahren eine Oelpalmenaussuhr von 80 Millionen gehabt. Die Prophezeiung für Kamerun ist also keine Vermessen- heit, sondern beruht auf einem berechtigten Vergleich. _ Wir werden aber Kamerun mit einem Male von der langsamen Entwicklung, in der cS sich befindet, zu einem schnellen Aufblühen bringen, wenn wir uns entschließen können, die Bahn von Süden nach Norden zu bauen. Ich meine nicht den Ausbau der schon jetzt bestehenden Nord- l-ahn genannten Bahn, sondern den Anschluß des Norden bis zum Tschadsee an das vorhandene System. Leider bin ich oben ani Tschadsec nicht gewesen, wie ich gerii gewünscht hätte, »veil daö eine Zeit von fünf Wochen erfordert hätte. Ich habe aber dieselben Völker, die dort oben ihre alte Kultur gezeigt haben, in Nigeria gesehen, und das hat n,ir den Mut gegeben, ohne ängstlich zu erwägen. Ihnen den Bahnbau nach dem Norden vorzuschlagen. Wir werden erzielen, was Nigeria mit der großen Voraussicht der Engländer für koloniale Ent. Wickelung erreicht hat. Die Hauptfrucht Kameruns ist die Oelpalme, und ich möchte hier ein Wort der Ansiedler zitieren: „Unser Land ist so fruchtbar, daß, wenn wir einen Spazierstock in die Erde stecken, eine Palme hcrauswächst!" (Gr. Heiterkeit!) Das ist symbolisch für die Hosfnungsfreudigkeit der Ansiedler und das ist gut, ein Pessimist soll nicht in die Kolonien gehen. (Zustimmung — Zuruf bei den Soz.: Verkaufen Sie sie doch!) Zu verkaufen sind die Kolonien nicht, sie sind von mir nicht zu haben! (Heiterkeit!) Ich komme nunmehr zu unserem Mustcrländlc in den Kolonien, zu Togo. Wir werden es hoffentlich bald zu einem wirklichen Musterland machen. (Heiterkeit!) Wir werden auch für Togo dasselbe tun, was wir für Kamerun vorgeschlagen haben und möglichst schnell Bahnen bauen. (Unruhe bei den Soz.) Sic werden auch noch mal den Bahnbau mitmachcn. (Heiterkeit!) Ich habe mich fest davon berzeugt. daß wir auch für Togo Bahnen brauchen. Wir haben auch ,m Innern Kulturen angelegt, in Misahöhe z. B. Eingeborenenkulturen von Kakao. Ich habe die Idee des Gouverneurs von Togo freudig begrüßt, daß er einen unserer landwirtschaftlichen Sachverständigen mit einem weiter fortgeschrittenen Eingeborenen nach der Goldküstc schicken will, um oort die Eingcborcnenkulturcn zu besuchen. Und ich bin überzeugt, daß das frcundnachbarliche Verhältnis der beiden Gouverneure diesen Schritt sehr erleichtern wird. (Beifall.) Tie Bahn, die augenblicklich in Togo von den meisten Ansiedlerri gewünscht wird, ist die Anechobahn. Diese bleibt aber immer nur eine Bezirksbahn. Ebenso loirb die Bahn, die der Bezirksamtmann von Misahöhe vorschlägt, mehr oder weniger nur eine Bezirksbahn bleiben. Ich bin deshalb nicht in der Lage, darüber Vorentwürfe zu machen. Ueber die Eisenbahnpolitik in unseren Kolo n i e n im allgemeinen habe ich bereits voriges Jahr gesagt, daß das bestehende Verkehrsnetz noch bei weitem nicht so ausgebaut ist, wie cs wünschenswert wäre. Wir brauchen noch Bahnen, werden uns aber vorsichtig innerhalb des Rahmens unserer Finanzkraft halten. Daher müssen natürlich gelegentlich Pausen eintrcten wie voraussichtlich in oem Fall, wenn Sic die Ugandabahn in Ostafrika bewilligt haben werden. Diese Pausen sollen aber nimmer mehr einen Stillstand bedeuten. Sic sollen nicht in eine dauernde Untätigkeit des Bahnbaucs ausarten. Der Abgeordnete Keinath hat bei Besprechung der Ostafrikabahn vor- geschlagen, die Regierung möchte dort und auch in den anderen Kolonien ein einheitliches Bahnnetz errichten, derart, daß alle künftigen Bahnen an die Hauptbahn, hier also die Tankanjikcn bahn angegliedcrt werden. Ueber diese Frage habe, mich in den englischen Schutzgebieten mit englischen Technikern unterhalten uird sic sind alle der Meinung, daß cs für eine jiingc Kolonie, die noch nicht erschlossen ist, die beste Eiscnbahnpolitik ist. an eine große Eisenbahn die anderen Verkehrszweige anzuschlicßen. Ich möchte mich aber nicht auf ein System festlegen. Wir können gerade in Ostafrika in die Lage kommen, erst die Nordbahn sertig- zustellen oder eine Südbahn oder irgendwo eine andere Bahn auszubaucn, die nicht gerade in das System der Tankanjika hineinpatzt. Wir wollen be, jeder Bahn von Fall zu Fall die Rentabilität und Trassesührung berechnen. Denjenigen Rednern, die die Tanganjikabahn als ein Denkmal deutscher Technik begrüßt haben, mochte ich den herzlichsten Dank der Kolonialverwaltung aussprechen. Aber ich habe bereits vor zwei Jahren, als ich den Entlvur. der Bahn vorlcgtc, gesagt, der Verfasser des Entwurf» und der Begründer der Bahn ist mein Amtsvor. gänger von Lindequrst und «it ihm Herr von Rechevberg. Mein Anteil ist nur. daß ich nnLt« unversucht gelassen bade, d»es«» kraft»»üc Kulturwe,' mogilchtz schnell M vollenden. (Lebhafter Beifall.) ES ist so schnell vollendet worden, wie noch niemals vorher eine Kolonialbahn abgeschlossen ist. Nach der Vorlage sollte die Bahn bis Tabora bis zu», 1. Juli 1014 fertig sein, und jetzt, wo wir noch nicht den 1. Juli 1914 haben, ist bereits die ganze Eisenbahn fertig geworden. (Lebhafter Beifall.) DaS ist eine Differenz von 14 Monaten! (Wiederholter lebhafter Beifall.) Den vom Abg. v. Pöhlendorff gewünschten Ausbau bei Hafens von Daressalam halten auch wir für notwendig schon im Interesse der Tanganjikabahn. Der Vorcntwurs liegt schon vor. Ich bin mit dem Abg. v. Pöhlcndorff auch darin einig, daß Kamerun das ideale Land für Forstkultur ist. Die Forstvcrivaltung muß sich aber doch darauf beschränken, die Forsten zu erhalten und nicht auözubeutcn. WeliN in Europa der Holzbedarf noch schwerer gedeckt werden kann wie daS jetzt schon der Fall ist, wenn die Preise bis zu einer Höhe gestiegen sind, daß daS Kolonialholz konkurrieren kann, dann ist es Zeit, an die Ausbeutung unserer reichen Bestände in den Kolonien zu gehen. Andere Nationen gehen ja minder vorsichtig vor, aber der Deutsche steht doch in der Forstverwaltung allen anderen Nationen voran. (Beifall.) Was die Entwicklung des Handels in den Kolonien betrifft, so stimme ich den sehr interessanten Ausführungen des Abg. Gothcin darin zu, daß wir zu Vergleichen nicht absolute, sondern relative Zahlen heran- ziehcn müssen. Bei einem solchen Vergleich ergibt sich, daß kein Land in der ganzen Welt seine Handelsbeziehungen zum Mutter- land derart gesteigert hat, wie unsere gesamten Kolonien zu Deutschland. Diese Steigerung ist gerade dadurch möglich geworden, daß »vir keine Differenzierung im Zvllwescn gemacht haben. Eine solche Differenzierung ist auch unmöglich, »veil sie »ins in Äon- flikt bringen würde mit anderen Nationen. Den Eingcborencn- kulturen stehe ich durchaus sympathisch gegenüber und ich werde »vettere Maßnahmen treffen, um ihre Entwicklung zu heben. Aber gerade im humanitären und wirtschaftlichen Interesse für die Eingeborenen muß ich auch für den Plantagcnbau der Europäer sein. Der deutsche Plantagenbau muß den Eingeborenen die Methode zeigen. Die deutsche Landwirtschaft mit ihren jahrhundertelangen Erfahrungen muß die Lehrmeisterin auch der tropischen Landwirtschaft sein. (Beifall.) DaS kann nur geschehen ourck den Plantagenbau. Deshalb kann ich auch die sozialdemokratische Resolution auf Verbot des Plantagen- bauS nicht annehmen, eher kann ich mich mit der Resolution einverstanden erklären, die Plantagen nur soweit zuzulassen, als die Interessen der Eingeborenen dadurch nicht geschädigt werden. Von besonderem Interesse ist d'ie Arbeiter» und Eingeborenenpolitik. Vor wenigen Monaten ist für Ostafrika die neue Arbeitsordnung ergangen, und ich möchte zitieren, was der „Vorlvärts" dazu sagt. Ich zitiere nicht die „Sozia- listischen Monatshefte", denn das erregt ja immer Unwillen bei den Herren Sozialdemokraten. (Lebhafte Heiterkeit.) Der unangefochtene „Vorwärts" sagt also, daß die neuen Bestimmungen, tvcnn man sie mit gleichartigen Bestimmungen anderer Kolonien vergleicht, keineswegs inhuman sind. (Hört! Hört! rechts.) Und »veiter: Formell ist es eine gute Verordnung. (Zuruf b. d. Soz.: Ja, aber nur formell!) Die Regierung steht natürlich nicht hinter jedem Paragraphen des Gesetzes. Sie kann nicht verhindern, daß in einem zweimal so großen Land wie Deutschland gelegentlich Fehler gemacht werden, weil nicht genügend Beamte vorhanden sind. Aber Sie sehen doch, welchen Weg die Regierung gehen will. Die deutsche Regierung sucht ihren Stolz darin, den lv i r t s ch a f t l i ch Schwachen in den Kolonien z u helfe n. Wir haben eine zehnstündige Arbeitszeit angcordnct, Verpflegung für Krankenfürsorgc, eigene Spitäler aus größere» Pflanzungen usw. Aus der Denkschrift ist der Schluß gezogen »vorden, daß die Verhältnisse fürchterlich seien. Wenn die Abgg. Erzbergcr und Dittmann, die aus dieser Denkschrift Stellen verlasen, Zeit ge» habt hätten toeiterzulesen (Heiterkeit), dann hätten sie folgenden interessanten Passus gefunden: „Die erhebliche Tätigkeit der Ar. beiterkommissare erwies sich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer nutzbringend. Die Arbeitcrsürsorge hat in den Bezirken, in denen Distriktskommissare angestellt sind, eine erhebliche Besserung er- fahren. (Hört! Hört! rechts.) Wenn nicht immer die guten Absichten der Regierung durchgeführt werden, so liegt das nicht an den kleinlichen Gründen, die hier vorgcbracht wurden, sondern, »oie der Abg. Naumann in der Kommission treffend meinte, an dem Gegensatz zwischen dem modernen Arbeits- mechaniSmus und der cudaimonistischen Lebensauffassung der Neger. DaS ist dcS Pudels Kern, und daraus entstehen die vielen Inkonsequenzen. Ich leugne, daß die Arbeitsordnung einen Zwang zur Arbeit enthält. Ich habe mich schon im Vorjahr durchaus auf den Standpunkt der Resolution des Reichstags gestellt, wonach die Gouverneure angewiesen »verdcn sollten, jedeArbeits- ordnung, die einen Arbcitszwang enthält, auf - z u h e b e n. Ich gebe zu, — denn ich will nichts vertuschen, »veil ich durch Vertuschelung mir nicht Ihr Vertrauen erwerben könnte, an dem mir alles gelegen ist — ich gebe zu. daß tatsächlich anscheinend in Daressalam so etwas »vie Zwang sich eingcschlichen hat. Nach den mir vorliegenden Telegrammen scheint das sogenannte Trucksystem auch auf andere Gebiete ausgedehnt »vorden zu sein. Ich will untersuchen, ob darin ein Zwang für bestimmte Arbeit liegt. Wenn es oer Fall ist, lvird es jedenfalls beseitigt »verden. Em gewisser Zwang zu öffentlichen Arbeiten e x i - sticrt ja auch bei uns. Natürlich aber darf der Zwang nicht dahin ausgedehnt »verdcn, daß jemand am Eisenbahnbau oder auf den Plantagen zu arbeiten gezwungen wird. (Zuruf des Abgeordneten Erzberger.) Ja, Herr Erzbergcr. das gebe ich ja zu. (Abg. Erzberger: Ich bin ja ganz einverstanden.) Na dann ist es gut (Gr. Heiterkeit). Im allgemeinen liegen die Vcrhältniste in Ostafrila günstiger als in Kamerun. Aber an der ungünstigen Lage der Arbeiter in Kamerun sind nicht einzelne Plantagenbcsitzcc schuld. Ich habe die berüchtigste Plantagen- gesellschaft mir angesehen und kann danach nicht glauben, daß das ganze Unglück von diesen Plantagengesellschaften kommt. Ich kann nur bitten, die Beschwerden, die Sie aus Afrika bekommen und die I>ct 40 Grad Recmmur geschrieben sind, nicht allzu ernst zu nehmen, sondern auch die Entgegnungen der Verwaltung zu prüfen. (Abg. Ledebonr: Die sind ja auch mit Jo Grad Rcaumur geschrieben!) (Gr Heiterkeit-. Sie sind doch aber objektiv, »nährend die Beschwerden zum großen Teil hervorgchcn aus dem Jntcrcssenkonflikt zlvisck)c,l Pflanzern und Kauflenten. Die Pflanzer fint ungehalten, daß die Kauslcute ihnen tausende Arbeitskräfte nehmen. Das find also k>'ine objektiven Dar- stcllungen. Musterhaft sind die Tabakspflau Zungen. Einem Teil der Bevölkerung habe ich ganz unverblümt die Wahrhc^ gesagt und hoffe damit allgemeine Zustimmung z»i fotzen. Ich habe erklärt: „DaS, was ich auf den Landsttatzcn gesehen habe, ha! mich aufs Tiefste beVmnmert. Das Familien» letzen geht zugrunde, cs werden keine Kinder mehr geboren, da die Frauen den größten Teil des Jahres von ihren Männern getrennt sind. ES ist ein trauriger Zustand zu sehen, wie die Dörfer von Männern entvölkert werden und Weiber und Kinder Lasten tragen." Wer das sagt, der läßt wohl auch Warnungen, die an ihn ergehen, nicht unbenutzt vorübergehen. (Sehr richtig! rechts.) Das Entvölkerungsproblem können wir freilich nicht so einfach lösen. Es hat ganz andere Ursachen, als man auf den ersten Blick glauben möchte. Zuverlässige Zahlen über die angebliche Entvölkerung besitzen wir ja nicht, und ich mutz entschieden be st reiten, datz in irgend einem Distrikt O st - afrikas ein Bevölkerungsrückgang nachgewie- s c n i st In Tabora und einigen angrenzenden Bezirken ist vielmehr erwiesenermaßen die Einwohnerzahl gestiegen. Trotzdem will ich nicht leugnen, datz in einzelnen Landschaften eine Bevölke- rungSverminderung vorhanden sein dürfte. Aber ick will nicht die weiße Bevölkerung dafür verantwortlich machen, sondern prüfen, ob nicht die Eingeborenen s e l b st. ihre Unsitten und Laster. Schuld daran tragen. Hinsichtlich der Haussklaverei stehe ich eigentlich ganz auf demselben Standpunkt wie der Reichstag. Der einzig«? Unterschied ist nur in dem Tempo der Abschaffung der Haussklaverei. Deswegen ist es nicht richtig das Kind mit dem Bade auszugießen und der Denkschrift des Gouverneurs Schnee den Vorwurf des übertriebenen Optimismus zu machen. Der Gouverneur sagt ja selbst an einer Stelle, daß die Verwaltung sich bemühen wird, nach Möglichkeit ein schnelleres Tempo in der Abschaffung der Haussklaverei einzuschlagen und die Frage einer völligen Aufhebung noch vor dem angeordnctcn Endtermin im Auge b. ten. Daraus sehen Sie doch den guten Willen. Die Präsumtion ist, das muß fest- gehalten werden, doch immer, daß der Neger frei ist. Die Beweislast trifft den Herrn und wenn der Herr die Sklaverei nicht Nachweisen kann, dann wird der Diener frcigesprochen. DaS Lebensalter der Neger mit 80 bis 90 Jahren anzunehmen, wie es der Abg. Erzbergcr getan, ist falsch. Auch das Lebensalter der Neger kann in an nicht über 30 Jahre an nehmen, und kann deshalb nicht sagen, daß wir vielleicht erst im Jabre 2005 zu einer völligen Beseitigung der Haussklaverei gelangen werden. Gewiß kann man nicht als Argument gegen die Aufhebung die Behauptung ins Feld führen, daß das Los der Sklaven nicht so schlecht sei. Aber für das Tempo der Aufhebung läßi sich das immerhin als Entschädigung anführen. Wie die Neger selbst vielfach denken, dafür ist ein kleines Beispiel charakteristisch: Zu den Askaris. die im allgemeinen frei sind. 'Wvurde zufällig einmal ein Sklave genommen. Dem Hauptmann gelang es nach vielen Mühen, ihn frei zu bekommen. Anstatt freudigen Dankes, den der Hauptmann erwartete, sagte aber der Askari: „Für so schlecht hätte ich meinen Herrn nicht gehalten." (Heiterkeit.) Sie sehen aus dieser harmlosen Geschichte, daß die ganze Institution nicht so schrecklich sein kann. Der Abgeordnete Dittmann hat den Jesuitenstaat Paraguay als einen Mustcrstaat im sozialdemokratischen Sinne gerühmt. Von hervorragenden Kennern und Wissenschaftlern wird betont, datz dieser Staat in teokratisch-patriarchalischem Sinne eigentlich nur von zwei Patres geleitet wird. Eine solche Organisation ist doch wohl von dem Ideal eines sozialdemokratischen Zukunftsstaates weit entfernt. Ich habe mich sehr gefreut über die Anerkennung, die dem verstorbenen Pater Brauer und seiner hervorragenden Missionstätigkeit hier gezollt worden ist. Es war mir eine Freude, diesem Pionier deutscher Kultur kurz vor seinem Hinscheiden nocb auf dem Totenbette meine warme Anerkennung aussprechen zu können. (Bravo.) Auch wir erkennen die Tätigkeit der Missionare als Kulturbringer und väterliche Leiter der Eingeborenen gern und dankbar'an. Ich sagte schon im voriger Jahre: Kolonisieren ist Missionieren un Sinne der Erziehung der Eingeborenen zu höherer Kultur. In dieser Beziehung ist sich Kirche und Staat völlig einig. Ich bin auch dafür, bei den Eingeborenen- daS ora et labora wirken zu lassen, ich möchte aber die Missionare bitten, in ihrem eigenen Interesse doch etwas mehr Wert auf das labora zu legen. (Sehr gut!) Das Sanitätswesen soll mehr gefördert werden. Ich würde mich freuen, wenn der Reichstag dafür die nötigen Mittel bewilligen könnte. In allen Schutzgebieten besteht Zollfreiheit für diejenigen Gegenstände, die unmittelbar den Zwecken des Gottesdienstes, des Unterrichts und der Krankenpflege dienen. Die Missionen haben auch in Ostafrika und Neuguinea Zollermäßigungen. Es schweben Erwägungen darüber, ob wir nicht die Zollbefreiungen, die zu einem unerwünschren Gegensatz zwischen den Missionaren und Kaufleuten führen, in eine weniger anfechtbare Form bringen können, vielleicht durch direkte Zuwendungen an die Missionen. Wir würden freilich damit unser altes Prinzip aufgeben, die Missionen nicht direkt zu unterstützen, aber sehr große Schwierigkeiten würden damit beseitigt werden. Die Erleichterung von Landankäufen soll den Missionen von den Gouverneuren gewährt werden. Der Anregung des Abg. Mumm, den Elementarunterricht völlig in die Hände der Missionen zu legen, stehe ich nur unter gewissen Bedingungen sympathisch gegenüber. In Samoa, Neuguinea und Togo läßt sich das durchführen, in Ostafrika und Togo sprechen aber schwerwiegende Bedenken dagegen, denn wir haben dort auch mit dem Islam zu rechnen. Mohamedanische Eltern schicken ihre Kinder grundsätzlich nicht in christliche Schulen und man kann den Missionen doch nicht die Einrichtung eines kon^ fefsionslosen Unterrichts zumuten. Darum müssen in diesen beiden Kolonien die staatlichen Schulen aufrecht erhalten werden. Das Arbeitsgebiet ist auch groß genug für beide Parteien. (Beifall.) .Hinsichtlich der Rechtsfähigkeit der Missionen scheint nach den Worten des Abg. Erzberger ein Mißverständnis vorzuliegen. Die Missionen haben nichts weiter zu tun, als an das Kolonialamt den betreffenden Antrag zu stellen. Dieser Antrag wird geprüft und der Reichskanzler tut daun im Einvernehmen mit dem Kolonialamt diejenigen Schritte, die früher dem Bundesrat oblagen. Verzögerungen liegen an den Missionen, die sich bisher noch nicht gemeldet haben. Den Alkoholmißbrauch und Branntweinhandel bekämpfen wir nach wie vor und haben auch schon ganz erhebliche Vorteile erreicht. Wir würden noch mehr erreichen, wenn unglücklicherweise uns Frankreich nicht hinderlich im Wege wäre. In Togo und Kamerun sind wir in sehr dankenswerter Weise mit den Engländern zusammengegangen und haben bessere Verhältnisse geschaffen. Teilweise ist dort der Branntwein überhaupt verboten, fonft aber mit einem starken Ioll belegt. Wenn die Verhältnisse soweit sind, werden wir den Zoll noch erhöhen.' In Südwest, der Südsee und Ostafrika ist den Eingeborenen der Alkohol überhaupt verboten. Wenn trotzdem in dcr Presse von der Trunkenheit der Neger die Rede ist, so resultiert sie aus den eigenen Getränken dcr Neger, Pombe usw. Wir tun alles mögliche, um auch den Genuß dieser Getränke ein- zuschränkcn. Uebrigcns, die Eingeborenen trinken nicht kontinuierlich. sondern nur bei gelegentlichen Festlichkeiten. Dann trinken sie allerdings mehr, als die Aesthetik wünschenswert erscheinen läßt. (Große Heiterkeit.) Die Gefahren des Alkohols sind in den Tropen allerdings erheblich größer als bei uns. Fast alle Redner, auch Herr von Böhlendorfs, haben eine größere Rechtssicherheit für die Ansiedler gewünscht, daß gegen die Verfügungen Gebührenerhebungen der Verwaltungsorgane Rechtsmittel geschaffen werden. Wir glaubten früher, daß noch «den preußischen Bestimmungen ein Rechtsweg zulässig wäre, die Richter haben aber diesen Standpunkt verworfen. Um den Ansiedlern cntgegcnznkommen, hat nunmehr die Regierung eine Kommission eingesetzt als letzte Instanz, in der hauptsäcklich 2aicn sitzen. Diese Kommission scheint sehr zur Zufriedenheit Ler Ansiedler zu arbeiten. Die Frage wird aber weiter geprüft werden. Zum Schluß bitte ick, noch, die Debatten über die Eingeborenen- und Arbeiterfrage doch für unsere deutschen Landsleute in den Kolonien etwas versöhnender zu führen. (Sehr richtig!) ' Die Uebertreibimgcn sind ja von einigen Vorrednern aus daS berechtigte Maß zurückgeführt worden. Und wenn auch die immer noch recht herbe Kritik des Reichstages an den Mißständen, die gelegentlich vorgekommcn sind, und die ich nicht leugne, auch nur den Vorteil haben wird, daß die Schuldigen in den Schutzgebieten sich getroffen fühlen, so werde ich cs doch kür Recht halten, ihr cntgegcnzutrctcn. Ich habe nicht bloß für die Eingeborenen zu sorgen, sondern auch für unsere deutschen Landsleute. (Lebh. Beifall.) Das ist ebenso meine Pflicht. Deshalb müssen sie mir ein paar versöhnende Worte gestatten. Ich wuuderx muh, daß gerade. iL diele« Reichstage die Stiwmuuo derartig ist, nach meinen Erklärungen über meine Auffassuiu, der Eingeborenenfrage. Ich hoffe, daß sie mir in den nächsten Jahren mit Ruhe zuhüren werden, wenn ich alles das Gute Vorträgen werde, was Deutschland unseren Deutschen rn den Kolonien zu danken hat. (Lctzh., wiederholter Beifall.) Abg. Henke (Soz.): Der Staatssekretär weiß Oel auf die Wogen zu gießen. „Wenn man's so hört, möcht's leidlich scheinen!" — An eine Kleinsiedlung in den Kolonien ist nicht zu denken. Das ist nur etwas für Unternehmer, nur für Leute, die mindestens 25 000 Mk. ihr Eigen nennen. Zu einem Lob des Fiskus ist gar kein Anlaß, nicht einmal zu irgend einer Zufriedenheit. Von einem Fortschritt in der Gesundheitspflege ist noch keine Rede. Wir können allerdings anerkennen, daß mehr getan worden ist als z. B in den portugiesischen Kolonien. Der Staatssekretär führt die Dernburgsche Eisenbahnpolitik weiter. Diese Lasten sind aber auf die Dauer unerträglich. Der Staatssekretär siebt die Dinge zu rosig an. Wir müssen Wasser in seinen Wein gießen Diese Bahnbauten in rasende m Tempo liegen nur im Interesse der Kolonialkapitalisten. Wir lehnen diese Bahnen ab. Charakteristisch ist die Einigkeit aller bürgerlichen Parteien, wenn es Militär- und Kolonialforderungen gilt. Der Staatssekretär hat daher ein sehr bequemes Arbeiten. Der Reichskanzler hat es nicht so leicht. Der Staatssekretär hat den „Vorwärts" zitiert, der von der Arbeiterordnung sagte, sie sei nicht inhuman. Er hätte aber zwei Zeilen weiter lesen sollen. Dort wird nämlich erklärt, daß die schönen Bestimmungen leider plle nur auf dem Papier stehen. Auch die Missionen stehen unter kapitalistischem Einfluß. Es muß mehr Gewicht auf fas labora und nicht auf das ora gelegt werden. Mehr Schulen sind nötig. Die schlimmste Kritik an der Kolonialpolitik üben nicht wir, sondern die Rechtsanwälte, die in den Verwaltungsräten der ^olonialgesellschaften sitzen. Das Haus vertagt sich. Dienstag 2 Uhr pünktlich: Anfragen, Weiterberatung. Schluß G¥j Uhr. vereinsnachrlchten. — Kriegcrvcrein Gießen. Die Hauptversammlung W3 Kricgervercins Gießen gab ein anschauliches Bild über die Tätigkeit im letzten Vcreinsjahre. Noch dem vom Vcreinsschrist- sührer König verlesenen Jahresbericht ist der Vorstand in neun Sitzungen zusammengctrctcn. Zurzeit zählt dcr Verein 380 Mitglieder. 6 Mitglieder sah er durch den Tod scheiden. Dcr Kassenbericht wurde vom Rechner Waas crstattel. Die Einnahmen bclrugen 1913 rund 1940 Mark, die Ausgaben 1880 Mark. Dcr Vermögensstand ist 5000 Mark. Eine Anzahl Invaliden und Witwen wurden mit Unterstützungen bedacht. Die Vorstandswahl brachte anstelle der freiwillig aus deni Amte geschiedenen Vorstandsmitglieder Haupt, Kling und Wachsen als neue Mitglieder Albin Klein, Schlossermeistcr Zicgcnhain und Karl Wagner. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden wicdcrgcwählt. — fl 1 e i tif £ t it ö e n , 8. März. Ter Gesangverein „Eintracht" 'eierte gestern a end im Saale dcr „Deutschen Eiche" sein Wintertest. Die theatralischen Aufführungen und die Mannerchöre des Vereins ernteten lebha'te» Beikall. Die Konrerimustk laa in feit bewäbrte» Händen des Dirigenten H a r » i s ch Steinberg. Der Vorsitzende des Verein?, Georg N e >i r a t b, hielt eine Aiisvrachc Uiid ernaiiiite auk Beschluß des Vereins deii krüherc» Dirigenten. Ledrer Keil, z»m Edrendirigenten und de» Sänger Philip» Klein zu», Ehrenmitglied. Zugleich ü, ergab er den beiden Herren Ehrenurkunden. O Bad-Nauheim, 9. März. Der Krieger- Und Militär- Verein „Hassia" ist aus einen vom Kameraden Lehrer Oswald gestellten und in der letzten Momttsvcrsammlung eingehend begründeten Antrag hin dem „D eutschen Schubverband gegen die Fremdenlegion c. V." in München als korporatives Mitglied mit einem ansehnlichen Betrag beigctrcte». Auch der neue Männerturnverein ist Mitglied des zweckdienlichen Verbandes geworden, dcr seit einem Jahre mit allen Mitteln den ausklärenden Kamps gegen die Fremdenlegion ausgenommen hat. etwa 22 Personen, ocn im Busen von Biskaya wütenden Orkanen zum Opfer gefallen. Kleine Tageschronik. D ie 3. Fachausstellung des deutschen Trogt st e n-V e r d a n d e s von 1873 findet in den Tagen vom 9. bis 20. September 1914 in Berlin-Charlottenburg statt. Märkte. 3UcSeu, 10. März Maiktberlcht. Au> den, heutigen Koche,»nailte kostete, Butler das Pkund 0,90—1,02 Mk.; Kühnerer 1 Stück 7—8 Plo., 2 Stück 0 Via.; Enteneier I St. 8—9 Pia., 2 St 00 P'g ; Gänseeier 1 St. 0-0 Pig., 2 St. 00 Pig., Kaie das Stück 6 8 Pia., Kaie,na,te 2 Stück 5—6 Big.; Tauben das Paar 0.80—1,00 Mk., Hühner das Stück 1/0—1,60 Mk., Hahne» daS Stück 1,00 — 2,50 Mk., E»ten das Stück 2,50—3,50 Mk., Gänse das Pinnd 75—85 Pia., Ochienfleiich das Pkund 92-100 Pig., ü'indsleffch das Pkund 90 — 94 Pi.,., Kul,fleisch 80 Big., Schweine- ileisch das P>»»d 75 90—90 Pig, Kalbfleisch das Pid. 94-98 Pla-, Hammelfleisch das Pid 70—90 Pig.' Kartoffel» >00 Kg. 0,00 bis >,50 Mk , 'Keiükraut das Slück >0—20 Pig.; Zwiebeln der Ztr. 2,00 — 15,00 Mk., Milch das Liter 22 Pig-, Aepkel der Zentner 2 ■ — 30 Alk., “Hirnen das Pinnd 25—30 Psg., Nüsse 100 Stück 50 - r 0 P0>. - v'arktzei, von 8 bis 2 Nhr. KE. Wiesbaden. V ie hh o i-M a rk i b er! ch t vom 9. März. Auitrieb, Rinder 8 lOeblen 8, Bullen 22, Kühe und Färsen 128), Kälber , Schake ö, Schweine 994. Marktverlaui; Weleda» ,» Großvieh gedrückt, bleibt lieberstand, ecknveine langsam.geräumt, Kleinvieh bei lebhaitem Gelchäit ans- verkauit. Preiie kür 100 Pid. Lebend- Schlacht- Ochs, ». aewlcht Pollkleiick'Iqe. ansqemästete. höchsten Schlacht» Mk. Mk. wertes im Alter von 4—7 Jaüren .... 50—53 88—94 Jnnoe. fleischige, nicht ausgemästete und ältere ansgemästete . 49—52 Mäßia genäbrte junge und gut ge- getiährle ältere...........45—48 Bullen. Pollileikchlge» ausqew-, höchsten Schlachtw. . . 43—45 Vollflelschige, jüngere..........38—42 Karlen. K ü h e. PoNileischiae ausgemästete Färsen höchsten Schlacht,vertes...........48—52 ü'ollileiichiqe onsaemästete Kühe höchsten Cchlachtwerles bis ,» 7 Jahren ..... 39—43 ? eitere avsaemästete Kühe und wenig gut ent- wiekelte jüngere Küde.........43—47 Mäßig genäbrte Kühe und Färsen.....34—37 Gering genäbrte Kühe.und Färsen.....30—33 Kälber. Feinste Mastkälber...........66—68 Mittlere Mast- und beste Saugkälber.... 60—64 Geringere Mall- und gule Saugkälber . . . 54—53 Geringe Saugkälber........ 47—51 Schale. Weidemastichak«, Mastlämmer und Masthammel .... 47,00—00.00 Schweine, kollfleischige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht .........• . . . . Vollfleischige Schweins unter 80 kg Lebendgewicht Vollfleischigs Schweins van 100—120 kg Lebendgewicht .............50-51 Volifleischige Schweine von 120—150 kg Lebendgewicht .............. 49-49'/, 61—62 JeUschweine über 150 kg Lebendgewicht . . 46—48 ‘ 68—60 — Hcrborn, 9. “März. Ans den, heute abaehaltenen 2. diesjährige» Ai a r k l e wäre» aukgelricben 282 Slück Rindvieh und .06 Schweine. Es wurde bezahlt sür Feltvieh und zwar Ochsen 'I. Qualität kehltej, 2. Qualität 90-93 Mark, Kühe und Rinder 1. Qualität 88—90 Mk., 2. Qualität 80—85 Mk. iür 50 Kilo Schlachtgewicht. — Aus dein Schweinemarkt kosteten Ferkel 48—60 Alk., Läuier 70—90 Mk. und Einlegschweine 90—130 Mk. das Paar. Ter nächste Markt findet am 2. April 1914 statt. 85—93 78-85 73—78 63-70 84—93 70—76 76—83 64—69 59-63 110—113 10 >-107 94-97 80—86 96-00 49'/,-50 63-84 48 '/,- 49 '/, 62-63 63-84 Gcricktrsaal. w. Lemberg, 9. März, .heute beginnt unter dem Vorsitze des Landgerichtsrates Lcwicki die für mehrere Wochen anberamnte Schwurgerichtsverhandlung gegen den 37jährigen Journalisten Bendasiuk, den 23jährigen orthodoxen Priester Sandowicz, den 32jährigen orthodoxen Priester R u d y m a und den 23jährigen Rechtshörer Kolara. Es wird ihnen zur Last gelegt, daß sie seit dem Jahre 1909 bis zum März 1912 in Lemberg und anderen Ortschaften Galiziens eine Tätigkeit entfaltet hatten, die ans cineLosreißungGaliziens oder eines Teiles des Landes von dem einheitlichen österreichisch-ungarischen Staatsverbande angelegt war, was den Tatbestand des Hochverrats nach 858 des Strafgesetzes begründet. Sandowicz ist überdies des Verbrechens der Religions- beleidigung angellagt. Oermiicfotef. * Schwindeleien. Aus H a gen, 9. März, meldet ein Privattelegramm: Der Fabrikant Asbeck mit zwei seiner Meister und zwei Arbeitern sind in Untersuchungshaft genommen worden. Die Verhafteten sollen bei der Ablieferung von Eisenbahnbedarfsariikeln gegenüber den staatlichen “Abnahmebeamten gemeinsam in der Weise Unregelmäßigkeiten begangen haben, daß sie verworfene Fertigware mit falschen Plomben versehen haben. * Tie Beerdigung der verunglückten Militär s ch i l ä n f e r. Aus I n n sb ruck, 9. März, wird gemeldet, Heute nachmittag fand in Trafoi in Anwcsenbeit eines Vertreters des Erzherzogs Friedrich, des Landes- vertcidigungsministers Gcvrgi, des Statthalters und zahlreicher militärischer Würdenträger das Leichenbegängnis der vierzehn Opfer der Lawinenkatastrophe statt. Am Grabe widmete der Innsbrucker Korpskommandant den Toten einen ergreifenden Nachruf. * Eine neue Dampferlinie. Tic Hamburg- Amcrika-Linie hat beschlossen, eine neue Linie zwischen New “gork und Häsen der Levante einzurichteu. Die Dampfer würden die bulgarischen Häfen Tedcagatsch, Burgas und Warna berühren. Dieser neue Dienst werde die Ausfuhr aus Bulgarien, die bisher über Triest oder Hamburg geleitet werden mußte, auf direktem Wege ermöglichen, sowie den Auswanderern vom Balkan die direkte Fahrt nach der neuen Weit gestatten. Der erste Dampfer 'werde am 15. “April abgehen. * u n t.e r dcr D r e s ch Nl a f ch i n e. Alls Hannover, 9. März, wird gemeldet: Als heute pornuttag der Gcmcindevor- staich E b c l I II g IN Bennigsen mit einem Knecht eine neue Dreschmaschine von dem Bahnhof abholtc, scheuten die Pferde, die Maschine kippte un, und begrub beide unter sich. Der Knecht ivar sofort tot, dcr Gemeindevorstand starb aus dem Wege nach dem Krankenhaus. * Von Tiger» gebissen. Während dcr Vorführung in einem Wanderzirkus in Gelscnkirchcn wurde ei» Tier, bündiger durch Bisse am Arm und an der Brust erheblich verletzt "Verschollen. Nach einer Mitteilung dcr Reederei R e tz last in Stettin ist ihr am 17. Februar von Newport na-l Marseille abgegangcner Dampfer Heinrich etwa zwei Wochen überfällig. Wahrscheinlich ist er mit dcr gesamten Besatzung SalemGold (Goldmundstu.ck.oval) Salem Äleikum (flohlmundsfück,rund) PrCi0N? '3^4 11? !o P£j < 15 *^.. £dit mit firmo.: ßnenLTabak-u. dgarea,- TrüLjOjgcr'ZieCzJt oß efemt Tabrik yenubeJDresden, SJfLd3(5nigs waSadixn. ______D Tjruistfrei! A 2lns frohem Herzen kundgetan! Ta mein Mann, der ein Darmlcidc» bat, vor einiger Zeit über “Avveiitlongkcit klagte, gab ich ihl» zur Kräsiigung als Iefdit verdauliche Kon Bioson. das bei ihm geradezu Wunder wirkte. Das Allgemcinbcffndc» besserte fich zusehends. Der Geschmack tagte ihn, auch sehr zu. lodah er jetzt anstatt Kaffee immer Bioson rtnkl und sich sehr wodl dabei Mbit. Frau A. Mauer, Ravens- mrg, Gcwcrbedank IV. E. Unterschrift beglaubigt 6. 9. 1913. Katar Hartman». Bioson. das Paket, mehrere Wochen ausreichend, Mk. 3.— in Avolhekcn, Drogerien. 2981)