Nr. 57 Drittes Blatt J64. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonntag«. Di« „«ietzever Zamilienblätter" werden den, .Anzeige, * viermal wöchentlich beigelegt, dar „KrcisMatt fät den Ureis Sieben" zweimal wöchentlich. Tie „randwiiischaflllchen Seilsrogen" erscheinen monatlich zweimal. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Vberheffen Montag, <>. März lA-l Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'scheti Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraß« 7. Expedition und Verlag: &®51. Redaktion: en® 112. Tel.-Adr.: Anzeiger«,eßen. Mb. Deutscher Reichstag. 280. Sitzung. Sonnabend. 7. März 1914. Hm Tische de Bundesrats: Dr. Solf. Präsident Tr. flara», cräfsnet die Sitzung 11 Uhr IS Rin Ler Ko'ionialelak. (Erster Tag.) Abg. Dittmann (Soz.): Seit SO Jahren treiben wir Kolonialpolitik. Seit den Diamantenfunden in Südwestafrika und den steigenden Handels- Ziffern der Kolonie anscheinend mit Erfolg. Aber das Grundübel ist nicht gehoben, nämlich der Kapitalismus und der Unterdrück'ingScharat»er dieser Kolonial- Politik. Selbst bürgerliche Autoritäten kommen neuerdings zu dieser Ansicht. Die Voraussetzung für wirkliche Erfolge wäre darin zu suchen, daß die Produktivkrast der Eingeborenen gehoben wird Auch Südwestafrika wird niemals ein deutsches Siedelungsland, ein Deutschland Ueberscc werden, von den tropischen Kolonien mit ihrem mörderischen Klima gar nicht zu reden. Ostafrika wird höchsten» ein schwarzes Bauernland. Außerdem haben wir bei dem cintretenden Geburtenrückgang keine überschüssigen Kräfte. J,tz Gegenteil, wir müssen Arbeitskräfte einsührcn. Die Weitzen hauen »ein Interesse an den Kolonien. Sie wollen nur Geld zusammenraffen, das sie in Rübe zu Hause verzehren wollen. Sie sind weder als Bauern rwch als Arbeiter anzusprcchen, sondern lediglich als Unternehmer. Für die deutsche Handelsbilanz bedeuten die Kolonien verschwindend wenig, besonders da die Begünstigung des Plantagenbau cs ein Moment der Unruhe in die Kolonien bringt. Auch die Agrarier wollen keine Konkurrenz der kolonialen Landwirtschaft. Alle Maßnahmen der Verwaltung dienen lediglich der Stabilisierung der kapitalistischen Herrschaft. Das gilt auch von den Eisenbahnbauteck, auch für die vielgelobte Mittellandbohn nach dem Tanganjikasee. Die winzige Schicht der Weißen sitzt den Schwarzen wie ein Vampyr im Nacken. Die Ausbeutung dezimiert die Eingeborenen, auch ^hnQ Kriegszüge nach dem Muster Peters. Infam ist die Prellerei, mit der sie zur Arbeit gezwuiigen werden. Sic sind eben gegen Sen weißen Unternehmer rechtlos. Eine schlimmere Sklaverei, wie sie jetzt unter deutscher Herrschaft betrieben wird, ist noch niemals dagewesen. Sklovenjagden werden unternommen, infolge- Seffen veröden die Dörfer und ganze Gegenden. Die Sterblichkeit beträgt bis zu 20 Prozent. Nach dem Zeugnis ansässiger Farmer sterben ganze Völkerschaften aus. Unsere Anträge, die Ausdehnung der Plantagenwirtschaft zu verhindern, wurde von der Budgetkommission in brüskester Weise abgclehnt. (Präsident Dr. Kaempf rügt die Anwendung dieses Ausdruckes auf Parteien des Hau st S als unzulässig.) In dieser Beziehung ist unsere Koloniallxüittk ein Stück auS oem Tollhaus. (Präsident Dr. Kaempf ruft den Redner zur Ordnung.) Die Schwarzen sind rücksichtslosen Beutejägern pcersgegebcn. Verordnungen zu ihrem Schutze bleiben lediglich auf dem Papier stehen. Jetzt, wo wir die Kolonien seit 25 Jahren in Besitz haben, sträubt man sich, die Sklaverei zu beseitigen, mährend man das früher als eine Kulturmission Deutschlands bezeichnet«: Die geplanten Eisenbahnen sollen die Unterjochung der ostafrikanischen Kolonien beschleunigen und den Plantagenbesitzern neue Arbeitskräfte zuführen. Die zahlreiche Bevölkerung wird sich vielleicht diese Unterjochung nicht ruhig gefallen lassen. Tritt das ein, dann steht uns ein Aufstand und eine Mcnschenschlächterei bevor, gegen die die Herero-Kämpfe ein Kinderspiel waren. Wir lehnen di« Mitverantwortung für diese gewaltsame Kolonialpoliti. ab. Wohl aber sind wir bereit, die Kulturfähigkeit der Eingeborenen zu fördern. Wir wollen aber den Ertrag ihrer Arbeit den Eingeborenen selbst zukommen lasser^ Nur so können wir zur Hebung der Eingeborc. nen beitragen. Abg, Erzbergcr (Zentr.): Wir unlerstützen nicht jei» Rvtonialpoliffr, sondern nur eine christliche. nationale und soziale Kolonial Poti- t i k. Datz die deutsche Koloniolpalitik diesen Anforderungen im- wer entsprochen habe, tan» ich leider nicht behaupten, Tenn bc- baucrlichcr Weise ist so mancher, wo« der Borredner rügte, sehr berechtigt, Würde man die sozialdemokratische Kolonialpolitik zu- sammensasscnd charaktcrisieren wollen, so könnte man mit der Ber, liner Redensart sagen: I m G r u n'c w a I d i st H a I z a u 1 t i 0 n. Die Sozialdemokraten möchten einfach die Kolonien an den Meistbietenden versteigern. De, Abg, Titlmann hat nur die Schattenseiten hervorgehoben. Das ist ungerecht. Das letzte Jahr hat sich friedlich abgewickclt. wir tonnten eine ruhige und friedliche Entwicklung beobachten. In vielen Tellen der Kolonien ha! sich eine erfreuliche Auswärisentwicklung gezeigt. Besonders markant ist der Fortschritt der Lingeborenenkultur und ber Rückgang der Plantagenkultur der Weißen, Der Gesamthandel der Kolonien ist rascher auswärts gegangen als der Handel des Mutterlandes, Das ist ganz natürlich, aber man darf doch dar nicht bestreiten, wie der Vorredner es getan hat. Die Erreichung des Tanganjikasees durch eine Eisenbahn ist cin Ereignis von welthistorische. Bedeutung. Dieser Dahnbau ist ein Meiste r, werk der ocutschen Technik. sDeisoll bei den bürgerlichen Parteien.) , Die Finanzen in den Kolonien haben sich relativ günstig entwickelt. Gewiß ist es noch reichlich viel, daß wir D0 Millionen Mark vom Reich zuschießen, und wir müssen dahin srreben: diesen Zuschuß zu verringern. Freilich, so jugendlich optimistisch wie Dr. Arendt sHeiterkrit) bin ich nicht. Laß ich auj einen Reingewinn aus den Kolonien hoffe. Dos ist noch keinem Mutterland geglückt. Rur müssen wir auch eine Reihe Schaiien- seiicn konstatieren. Wenn diese nicht beseitigt werden, kann ich künftig kein weiteres Geld für die Kolonien bewilli- gem Da ist vor allem die Eingeborenenpolltik. Aus allen Veröffentlichungen klingt ein erschütternder Notschrei über fie Behandlung der Eingeborenen auf den Plan- togcm Die Plantagen sind ein Fluch für die deutsche Kolonial- Politik Das ganze System des Betruges der Eingeborenen in unseren Schutzgebieten muß sofort beseitigt werden. Der Staatssekretär wird dabei einen schweren Stand haben, weil eine kleine und mächtig« Clique dieser System aufrecht-erhalten will. Aber er muß sich darauf stützen, daß er die große Masse'des deutschen Volkes hinter sich hat, wenn er wirklich die Absicht durchführen will, dem System der jetzigen Eingeborenenpolitik cin Ende zu bereiten. Berichte von Misst»- narcn die lang« in Asrika leben, bringen entsetzliche Bilder der Zustände, die das System de» staatlichen Arbeit», zwange- geschaffen hoi. Der Staatssekretär hat dies System telegraphisch durch Order an den Gouverneur tofort zu b«. scitiaent E« hat vollständig abgewirtschaftet. Do» beweist der Ilmstemd, daß die Plantagen jetzt StaatSzuschüsse verlangen. Dm können w»r dem Absterbcn de« wertvollsten Altivumt unterer Kolonien Vorbeugen? In dichibevöllerlen Gegenden fint weihe Ansiedlungen zu verbieten und Musterschulcn einzurichien die die Eingeborenen zu produktiver Tätigicit erziehen. Wunderlich ist daß Gouverneur Schnee die ostaftikanlsche HauSsklaverc, über den grünen Klee lobt. Wenn man sie nach seinem »orschlax langsam absterbcn läßt, wird st, noch äO bis 60 Jahre dauern Das wollen wir nicht. Wir wollen, daß die Abschafiunk her H-usjltam«rci blklWOcrnjckich li>r Auge.geiaht., uni in die Wege geleikcl wird. Mehr Acrzte in die Kolonien! Mehr als in. > z.c.tzl Le». iiAi ,iou..r. *.i eine Kulturträger in den Kolonien und leistet mehr als die staatlichen Autoritäten. Tie Wünsche der Missionare finden an amtlicher Stelle nicht immer die gebührende Berücksichtigung. Es sollte ihnen die Erziehung der Eingeborenen erleichtert werden. Sir sollten Zollfreiheit erhalten, auch mehr Grund' und Boden zur Bestellung. Bei Durchführung dieses Kolonialprogramms wirk der Staatssekr-'tä'' viele Schwierigkeiten haben. Er hat den guten Willen, er wird, wenn er es durchsetzt, ein nationales und christ- licheS Werk geschaffen haben. (Beifall.) Abg. Keinath (Natl.): Wirkliche Kolonialpolitik treiben wir eigentlich doch erst seit zehn Jahren. In dieser Zeit ist doch manches erreicht worden. Wir Hallen eine friedliche Ausdehnung der Verwaltung auch in die inneren Gebiete der Kolonien. Tie Handclsziffern sind gegen früher doch erheblich gestiegen. Vor allem hat der Außenhandel unserer Kolonien die Richtung genommen, die wir im heimatlichen Interesse wünschen müssen. Sie produzieren und führen aus die Rohstoffe, die wir in Deutschland nicht Herstellen können. So decken die deutschen Kolonien im wesentlichen unseren Bedarf an Sisalhanf, zum guten Teil auch in Kautschuk. Oelfrücksten u. a. Früher hieß es, Baumwolle kann wegen des Bodens überhaupt nicht in den deutschen Kolonien gebaut werden. Heute heißt es, die Produktion ist so minimal, daß sic nicht ins Geivicht fällt. Diese Entwicklung ioird weiter gehen, wenn wir sie vor Störungen schützen. Die finanzielle Entwicklung ist durchaus erfreulich. Tie eigenen Einnahmen der Kolonien sind gestiegen, zum Teil in unerwartetem Tempo. Ein rauhes Eingreifen würde schaden. Solange die reiche Einnahmequelle aus den siidwcstafrikanischenTiamantcn fließt, soll man voran denken, andere wirtsckiaftliche Werte zu schaffen und dauernd zu schaffen. Dazu rechne ich die Wassererschließ ung in Südwe st. Tafür sollte jene Einnahme verwendet lverden, die so der Zukunft der Kolonie zugute kommen soll. Sie solle deshalb nicht dem Reich zusallen. sondern der Kolonie verbleiben. Das Kapital hat man ermuntert, in die Kolonien zu gehen. ES würde gegen Treu und Glauben verstoßen, wenn man cö jetzt vertreiben wollte. Ueberbaupt l>at es bisher in unserer Kolonien leine glänzenden Geschäfte gemacht. Der Schlafkrankheit werden wir wohl leider niemals Herr werden. Bedauerlick bleiben die kleinlichen Händel zwischen Beamter und Farmern und mit den Missionaren. Die Erfolge der letztere \ werden hauptsächlich gefährdet durch den Streit der Konfessionen, der dem Islam zugute kommt. Die Eisenbahn- Politik unterstützen wir gern. Wir wünschen ein großes Eisen- bahnnetz, Nebenbahnen zu der nach dem Tanganjikasee führenden großen Bahn. Gewiß, in den Kolonien sind viele Greuel vorgekommen. Aber ich widerspreche den beiden Vorrednern, die die Tinge verallgemeinert haben. Von einem bösen Willen der Pflanzer ist nicht die Rede. Die Pflanzer haben das größte Interesse an einem richtigen Ein geborenen schütz. Sie sind bereit. Familien von Eingeborenen anzusiedeln und stetige Verhältnisse zu schaffen. Die Entvölkerung der afrikanischen Gebiete beschränkt sich nicht auf die deutschen Kolonien. Es ist eine allgemeine Erscheinung. Wir billigen alle Maßnahmen die den Alkoholkonsum der Eingeborenen V^fchränken. Mehr Aerzte müssen in die Kolonien gehen. Wir brauchen eine Mischung von Europäerpflanzungcn und Eingebocenen- kulturen. Eine Ueberspannung des Rechts der Eingeborenen darf nicht zum Unrecht gegen die eigenen Volksgenossen führen. Erst hat man die Unternehmer veranlaßt, hinauszugehen. Jetzt will man ihnen die Anwerbung von Arbeitern erschweren. Das ist unbillig. Die deutschen Kolonien müssen dem Mutterlande Rohstoffe liefern und selbst Absatzland für deutsche Erzeugnisse werden. Unsere Kolonialpolitik muß aber auch dem Eingeborenen zugute kommen. Wir erkennen an. daß die 0 st afrikanische Schutztruppe Gutes geleistet hat. Wir wünschen eine stetige Kolonialpolitik. (Beifall.) SfFfl. Gothein (Dp.): Uns fehlt das Urteil über die Details. Wir müssen hier vom grünen Tisch aus über Dinge beschließen, die in den fernsten Gegenden geschahen. Die Selbstverwaltung wird am ehesten in Südwestafrika möglich sein, wo wir eine starke weiße Bevölkerung haben. Die Gesetzgebung über die Eingeborenen muß aber unbedingt beim Reiche bleiben. Wir sollten uns doch hier nicht ewig darum herumstreiten, ob Kolonien nötig sind oder nickt (Sehr gut!) Aber in dieser Haileder Wiederholungen wie mein Freund Naumann sie nennt, hört man das immer wieder. Eine Bevorzugung unserer Kolonien in zollpolitischer Beziehung würde zur Folge haben, daß England dasselbe macht. Und dann hätten wir nur den Schaden. Unsere Schutzgebiete können für uns nur Absatzgebiete werden, wenn wir sie wirtschäft- lich erschließen, und wenn wir die Eingeborenen kaufkräftig machen und sie kulturell fördern. Das sollten sich die Sozialdemokraten merken. Gewiß ist die Kolonialpolitik mit Kolonialsünden belastet. Die Eisenbahnen sind unbedingt notwendig, wenn wir aus den Kolonien überhaupt etwas machen wollen. Nach der Dittmannschen Logik hätte weder der Suez- noch der Panamakanal gebaut lverden dürfen. Was sind da für Menschenleben zugrunde gegangen. Natürlich mrrß bei den Eisenbahnbauten mit aller Vorsicht und mit aller Rücksicht auf die eingeborenen Arbeiter vorgegcmgen werden. Die Eingeborenen haben am meisten unter den Trägerdiensten gelitten. Diese werden jetzt durch die Eisenbahner abgeschafft. Die Plantagen haben sich bewährt. Sic erziehen die Schwarzen zu geordneter Arbeit. Wir wollen aber trotzdem keine Plantagenkolonien, sondern einen schwarzen Bauernstands Ick verstehe nickt, wie der sozialdemokratische Redner sich gegen die neuen Bahnen wenden konnte! Wir brauchen auch Zubcingerbahnen. Dadurch werden die Eingeborenen erst kaufkräftig. Wir erkennen die Tätigkeit der Missionen ohne weiteres an. Wir möchten sie in den Kolonien nicht missen. Es ist aber dringend notwendig, daß sie sich so verteilen, daß sic sich nicht gegenseitig ins Gehege kommen. Gc toisse Konzessionsgeviete für die verschiedenen Konfessionen wären zu empfehlen. Tic Aerzte haben eine außerordentliche Bedeutung als Kulturfaktor. Aber in einer Suahelifibel steht: »Der fremde Arzt betrinkt sich in Palmwein. Er schlägt jeden Tag seinen Koch." (Heiterkeit.) Das kann dem Arzt nicht das Vertrauen der Eingeborenen verschaffen. Wir leisten in den Kolonien eine .Kulturpolitik trotz allem, was gesündigt worden ist und noch gesündigt wird. (Beifall.) Abg. Dr. Arendt (Rp.): Ich stelle mit Freude und Genugtuung fest, daß ich mit dem Redner der Fortschrittlichen Volksportei im wesentlichen einverstanden bin. (Beifall.) Die Kolonien sind allmählich über di« bisherige Art der Etatsberatung InnauSgewachsen. Wir können hier nicht mehr über alle Einzelheiten entscheiden. Die Selbstverwaltung in den Kolonien entwickelt sich naturgemäß immer lveiker. Mit außerordentlicher Freude erkenne ich die Entwicklung der Kolonien an. Die Vollendung der Zeutralbahn ist ein Ereignis, das erst die Nachwelt richtig einschätzen wird. Wie rückständig ist doch da der Standpunkt der SoziaDemokratie! (Sehr richtig!) Wenn man an die feurigen Reden Bebels denkt und dann Dittmann gehört hat, so muß man sagen, sie glichen einander wie Sekt und Limonade. (Hertrr- kcit.) Oder um ein koloniales Gleichnis z u geb rauchen, wie ein Zichorienaufguß dem guten Kilimandscharo -Kaffee. (Heiterkeit.) Früher war der Kolonialetat Ine Spitze der Etatsberatung. Das waren aufgeregte Tag« bei überfüllten Tribünen. Heute ist alles still unü friedlich. Das ist ein gute» Zeichen. Den Streit der Missionen untereinander bedauern wir lebhaft. Damit schaden sie sich nur bei den Eingeborenen. Des verstorbenen PaterS Bauer gedenken _ wir dankbar. Er war ein durch und durch deutsch gesinnter Elsässer, der die kulturelle Entwicklung der Kolonien erheblich gefördert hat. Der ostafrikamschen Schutztruppe sprechen wir zu ihrem 25jährigen Jubiläum unsere volle Anerkennung auS. D,c Pflanzer tun das mögliche für das Wohl der Arbeiter. Im allgemeinen weiß der Pflanzer, daß nur der gut behandelte Neger ihm nützliche Arbeit leistet. Ick habe zur Verwaltung das Vertrauen, daß sie über daS Anwerbungssystem strenge wacht. Ich bin seit einem Mcnschenaltcr kolonialpol,tisch interessiert und bin selbst in Afrika gewesen. Man muß sich aber m acht nehmen vor den sogenannten afrikanischen sachverständigen. (Zurufe: Also auch vor Ihnen! — Heiterkeit.) Mitglieder dcS Reichstags si.id selbstverständlich auS- genommen. (Heiterkeit.) , Unsere Kolonien weisen erfreuliche Fortschritte auf. Da2 sozialdemokratische Kolonialprogramm ist ja so ziemlich in der freien Negerrcpublik Liberia erprobt worden. Diese Probe hat vohl niemandem die Lust zur Nachahmung gegeben. Opfer für die Kolonien sind nötig. Aber der Nutzen für die einheimisch« Bevölkerung überwiegt. Ohne weiße Siedelung kann es in den Kolonien nickt vorwärtSgehen. Wir legen die Saat und hoffe»« >aß die Ernte unsere Nachkommen einheimsen werden, Abg. Mumm (Wirtsch. Vgg.): Wir müssen uns die Erfahrungen der anderen Nationen inA >en Kolonien zunutze mache« und ihre Fehler vermeiden. Der 1i a u b b a u in den Kolonien hat sich überall schwer gerächt. Zn der M i s s i o n s f r a g e besteht heute erfreulicherweise keine zrundsätzliche Gegnerschaft. Das ist der beste Beweis dafür, daß )ie Missionen ihre Aufgaben glänzend erfüllen. Es ist dabei beschämend. daß die Missionsgesellschaften stets an Geldmangel leiden. Sie müssen praktisch viel mehr gefördert werden. Dir Förderung der Herausgabe von Fibeln für die Eingeborenen ist lehr wertvoll. Das was Herr Gothein aus einer Suahelifibel zitiert hat, ist nicht typisch. Wir müssen mit dem Märchen von :iner paradiesischen Unschuld der Naturvölker aufräumsu. Tie Krankheiten, die dort wüten, sind schon seit Jahrhunderte» wrt verbreitet. Die Geschichte ist eine Kette von endlosen grau- äinen Stnminesfehden. Der Eingeborene behandelt seinen schwarzen Knecht nicht gut. Aber er isr auch ausopferungsfähig. Das Schwergewicht in unseren tropischen Kolonien liegt auf der Eingeborenenkliltur. Wir werden nicht zu einer Abschaffung der Plantagen kommen. Immer muß aber der Grundsatz geltet: Der Mensch muß stets höher stchon wie das Kapital! Die Sterblichkeit der auf langjährige Kontrakte ange- worbenen einheimischen Arbeiter ist bedenklich groß. Manche Bezirksamtmänner haben sich deshalb geweigert, die Anwerbung zu gestatten. Wir dürfen nicht zun, Kongosystem kommen. Das Haus vertagt sich. Montag 2 Uhr: Wahlprüfungen, Weiterbcratnng. Schluß 5 Uhr. Die Organisierung deutscher Weltwirtschaft. Gründung einer A n s l a n d s - G, nt, b. ö. Die Deutsche Gesellschaft für Welthandel hat als Unternehmung, wie sie ursprünglich geplant war, aufgehört zü bestehen, bevor sic noch regelrecht geboren mar. In ihr wollten sich in erster Linie der „Zenlrglveibgnd Deutscher In-- buftrieUrr" »»d der „Bund Deutscher Industrieller" neben anderen Vereinen zusammenschlicßcn, um ein keinem Parl- ner allein gehörige» und doch für alle wichtiges Gebiet, das abseits von der Alltagsarbcit tag, zu beackern. Trennend« Momente iniicrpolitischcr Anschauung, auch persönliche Eitel keiten und Interessen haben sich der Erreichung des Zieles! cnlgcgcngestelll, Es überstürzten sich die Nachrichten von neuen Berbandsgründungen, die alle unzweideutig die Ab- sicht verrieten, sich ja nicht unter den Einfluß des Zentral verbandcs zu stellen, aber daneben auch für besondere Jn?- tcressen besondere weltivirtschastliche Vertretungen zu schaffen. Bald konnte man sich unter den Namen all der neu gi>- gründelen Gesellschastcn nicht mehr zurcchlsindcn: Wir lasen von einem „Deutsch-Amerikanischen Wirtschastsvcrband", von einer „Deutschen weltwirtschaftlichen Gesellschaft", von einer „Chamber os Gcrman-American Commerce" und von einem „Verbände deutsch-ausländischer Wirtschastsvereine". Das war etwas reichlich und zeigte, tvohi» die Reise ging. Ter Zentralvcrband Deutscher Industrieller hat nun, so schreibt die „Rhcin,-Wests, Zig,", offenbar erkannt, daß, der ursprüngliche Plan von einem Teil seiner Urheber aus- gegeben war, und daß insbesondere kder Bund der Indio,' striellcn nicht unbedingt bei der Stange bleiben würde, Eü hat aber auch eingeschen, daß der Gedanke, der der Errichtung einer Welthandels-Gesellschaft zu Grunde lag, an sich gut war »nd weiter zu verfolgen sei. In dieser Erkenntnis hat eine Anzahl von Industriellen Rheinland Westsalens, aber auch bereits anderer Bezirke, cs für zweckmäßig gehalten, sich in diesen Tage» ihrerseits zu einer Auslands-G, m, b,£>, zusammcnznschließen, „um in Anknüpfung an inzwischen zurückgestellte ältere Bestrebungen den Gedanken an eine ruhige und stille praktische Arbeit aui dem angedcutcten Gebiete unter Heranziehung der dazu geneigten streife selbst weiter zu verfolgen," Wir führen hier ohne Crbeit und Ehrenzeichen zu nennen) die Namen der Männer an, die u, a. hinter der Auslands-G. m, b, H, stehen 1 Baarc Bochum), Beukenberg tHörde), Fromm (München), Haßlacher -Dins- burg), Haumann (Köln), Hugcnbcrg (Essen. Karcher (Dil-- lingen), Emil Kirdorf Ztreilhos), Klöckner ^Tuisburg), Müller 'Neunkirchcn), Müser Tortninndj, Oswald (Koblenz), Rcusch >Oberhausen), Louis Röchling eii Zweite Ivic der gegcnwär-, rige. Er »erweist nur iNSVcsondcre darauf, dass die Direktoren der di ca I schulen mit einem höheren Endgchalt abschlictzcn als die Dberamtsricl ter. Die hessischen Richter beschweren sich in mehrfacher Hinsicht über Zurücksetzung und es ist nicht zu verkennen, dass im Vautf_ der Zeit die verichiedenen Gedallsiestiettungen nicht überall der.Stellung und Bedeutung des Richterstandes gerecht geworden sind. In der Tat übt der Richter das vornehnlsic Amt im 'Staate aus, die Rechtivrcckmng im Namen des Laiidesherru. also königliche 'Gewalt. Aus seiner Unabhängigkcil, seiner Stellung und seinem Ansehen beruht weientlich die Rechtsordnung. Tic inirlich.aiiltchc Selbständigkeit und die Stellung des Richters drückt sich, wie die Derhältnissc liegen, durch das Gehalt aus. Durch dasielbe lennzcick net sich der Rang und bedingt iich das Ansehen. das der Richter in der Bevölkerung genießt. Gilt dies von den Richtern ,n> allgemeinen, io haben die Obcramtsrichtcr, namentlich diejenigen, welche den ländlichen Amlsgerichten vorsteben, eine besonders wichtige, einflußreich»: und für das Ansehen der Staaisgeivalt bedeutsame Stellung. Ter Oberamtorichter, der Jahre und 'Jalirzestntc an ein und demselben Platze loirkl, verwächst mit der Bevölkerung, die zu ihm als ihrem Freunde und Berater mit Vertrauen und Achtung kniporlteht. Seine Tätigkeit ist eine vielgestaltige und verantwortungsvolle. Er ist Leiter des amt- lieben Betriebes, ist mit der Dienstauiiicht auch gegenüber den anderen Richtern betraut und hat Diszivlinarhefugnisie gegcn- libcr dem übrigen Gerichtspersonal: er ist immer im Amt, fcmc Verantwortung und jeine Bereitichait hört nie auf, er muh zu tedcr Stunde des Tages und der Nackt inan denke an Testomeiitc, tragische Ablcbensjäjte und dergleichen dienstbereit sein. Da» man einen derartigen Staatsbeamten zurücksetzt hinter andere staatliche Funktionäre am Orte seiner Wirksamkeit und da» man damit auch lein Ansehen und seine Würde hcrabdrückt — das nnrd die BevöSeriing nicht verstehcit. Wir stimmen zu der Erhöhung der Gebälter der Realichuldircktoren und der andcren akademisch gebildeten Lokalbeamten, wir halten cs aber gerade ini Staatsinteresse sür untunlich» da» eine Ungleichheit zwischen diesen Beamten und de» OberamlSrichtcrn z»m Nachteil der letzteren Platz greift. Man Möge daran denken, da» i» einer kleinen Landstadt diese Dinge außerordentlich: ickars zum Ansdruck gelangen, da» das Ansehen und die Geltung der Beamten unmittelbar beeinflußt wird von derartigen Untersckneden. Eine Belast trug der Staatskasse durch Annalnnc unseres Anlrags wird nicht ln nennenswerter Weise hervorgeruien, da bereits nach den Befchlünen der Zweiten Kammer sine Stellenzulage beschlossen ist, die zusammen mit dem Endgehall dem Betrag von 8000 Mk. nahe Ion,int. Unser Antrog soll lediglich bezwecke» die Vermeidung einer Herabsetzung, welche die Sberamlsricklcr nach ihrer Bcrgangcnbefl, ihren Vcr- diensie» und der Bedeutung ihres Amtes nicht verdienen. Au» Stadt und Land. Gießen. 9. März 1314, Zum Konkurs der Geivcrbebank Lollar. Zn der G l ä u b i g c r v c r l o m m I u n g voin 2. März wurde lestgeftellt, da» der Verlust 700 000 Mk. beträgt. Da von 'ämklichcn 100 Genossen »ur etwa 7 so vermögend sind, dah sic inehr als den aus 10000 Ml. erhöhten GeschästSanlcil bezahlen können, wurde aui Vorschlag des Konkursverwalters die von allen Genosse» zu leistende Vorschußzastlungausje 100 000 M k. s e st g e s e tz t und sür vollstreckbar erklärt Trotz dieser ungeheueren Summe» Utld trotzdem sänitlichc Genossen durch den Zusammenbruch der Bank ihr ganzes Vermögen verloren haben, wird nur wenig beiziitreiben sein, weil die meisten Genossen geringe Leute sind. Die Beitreibung gegen die Genossen vollzieht sich in der Regel durch Psändung und zwangsweise Verwertung des ganzen Mobiliar- und Jinmobiliar- Vermögens, wodurch natürlich die wirtschaitliche Existenz aller Genossen vernichtet wird. Auherdein aber würde dieses im Gesetz allein »orgesehene Vorgehen auch die Gläubiger schädigen, weil sich wohl schwerlich Käufer sändeu und dadurch eine starke Entwcrtuyg aller Aktiven eintretcn würde. ES ist daher sehr dvnkcnswert, daß KonH,rsvcrwaltcr und Gläu- bigerauSschuß sich bereit erklärt haben, mit den einzelnen Genossen und Schuldnern A blind ungsverlrägc zu schließen, um einmal deren wlrtschastliche Selbständigkeit zu erhalten und andererseits der Konkursnianc sichere, dem wahre» Werte des Vermögens der Genossen entsprechende Summen zuzulühre». Zn gleicher Weise soll he, denjenigen Genossen vcriahrcn werden, die bereits in Kon lurs geraten sind, weil sie Vermögen beiseite zu bringen versucht baden oder von ihren anderen Gläubigern zu sehr gedrängt wurden. Die anwesenden Gläubiger und Genossen haben dieser Erklärung freudig zugestimiin und es ist daher zu hassen, daß sie zum Wahle aller auch zur Ausführung gelangen. Tics wird sicherlich der Kall sein, sofern die beteiligten Genossen ohne Bevorzugung irgend eines andcren Gläubigers frriwillig bereit find, alles das- letekgc zu lciften, zu dessen Leistung sie imstande sind. Da aber trotz alledem die Gläubiger der Genossenschaft, unter denen sich viele arme Leute bessndcit. d>e ihre Sparpsciinige der Gc- werbebank anvcrtraut hatten, den größte» Teil ihrer Forderungen verlieren werden und auch aus Auszahlung des Restes bis zur Beendigung des KonkurSvenahrens also noch salwelang warten müßten, beabsichtigt die Konkursvenvaltung einen Hilssvercin ins Leben zu rufen, in gleicher Weise, wie dies bei den großen Genossenschaitskonkursen i» Sbcrmockstadt und Ricdermodau geschehen ist, wo die Hilssvcreine schon so segensreich gewirkt haben. Cs ist zu hassen, da» die Verwaltungsbehörden sowie größere Geldinstitute sich bereit flnden werden, nach Ärgsten dabei mitzuwirken. um die Notlage der bedauernswerten Beteiligten nach Möglichkeit zn lindern. *' Ernennung Der Großherzog Hut am Samstag den^Obersteuerkontrolleur Fknanzasiesior Theodor Franz zu Friedberg vom 1. April d. I. ab zum Finanzomtinann bei dem Finanzamt Ofsenbach I ernannt. " Offene Lehrerstelle. Erledigt ist die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Lardenbach, Krci« Schotten. Mit ihr ist Organisten- und Vorlese- dienst verbunden. Das Präsentationsrecht steht dem Grafen zu Solms-Laubach zu. **DasB«fahreiidcrEiscnbahn Übergänge. TaS Großh. Kreisamt schreibt uns: Tic Ui,fülle auf etek- lrischen nnd sonstigen Privatbahnen zeigen, daß die Zahl der überfahrenen Fuhrwerke im letzten Jahre n i ch t z u r ü ck g e g a nd c n ist. Auch die König! Preußisch»: und Großh. Hesitsche Erscnbahndirektion Mainz und die Kgl. Preußische Eisenbahndircktlon Frankfurt a. M. bemerkten, daß sic auf den unter ihrer Verwaltung stehenden Nebenbahnen dieselbe Wahrnestinmrg gemacht haben. Die meisten dieser Unfälle sind auf die Fahrlässigkeit der Ge- schirrführer zurückzuführen. Das Großh. Kreisamt Gießen hat deshalb die Großbcrzoglichen Bürgermeistereien angewiesen, durch ortsübliche Bekanntmachung erneut auf die Gefahren hinzuwersc», die durch Unaufmerklamkeit beim Befahren von unbewachten Eiscnbahnübergangen cntsteben ** Die Abend -und Pas stonsgottesdirn sie. Seit Sonntag nehmen in Gießen die Abendgottetzdienstc um 0 Uhr ihren Anfang. Auch die Passionsgottesdienstc beginnen zu dieser Stunde. Der nächste Passionsgottesdicnst findet Mittwoch, den N. März, in der Johann cskirche statt, die werteren Passionsgottesdienste werden in der Stadtkirche gehalten. ** Güter recht» realster. Allgemeine Gütergemcrn- f ch a f t haben vereinbart: Johannes S ch t s e r II., Landwirt, und dessen Ehefrau Katharine geh. Rebschcr in Airlenbach. — Er - r un g^e n s ch a stSgemcinschast haben vereinbart: Scbast. Joses Schmitt, Kaufmann zu Gießen, uild dessen Ehefrau Fran- zisla Margarethe Elise geh. Wirsig, Landwirt August Wilhelm Schmidt „nd dessen Ehcsrau Amalie geh. Münzner zu Wisselsheim, Schmied Karl Kehr und dessen Ehefrau Elise ged. Müller in Heimertshausen. Heizer Wilhelm Tamm und seine Ehesrau Elise geh. Map in Altcnburg. — Gütertrennung haben vereinbart : Steinhaucrgeselle Ludwig Schnecke! III. zu Londors und seine Ehesrau Eliiabcthe Schncckcr geh. Lich, Gärtner Nikolaus Vetter in Kirch-Bccrsurth und dessen Eheirau Katharina geb. Hönig, Friedrich Rubbert II., Hilksarbciter, und Christine geb. Becker in Mainz, Ludwig Bicrau IV. zu Lollar und dessen Ehefrau Elisabethe geb. Schmidt, Maurer Wilhelm Krauß und dessen Ehesrau Marie geh. Weidner zu Bad-Rauheil», Friedrich Recht und Ehefrau Elisabeth geb. Ursprung von Hainstadt. — Carl O ti m , Restaurateur in Gießen und dessen Ehefra» Mar» geb. Bener, Johannes Kutscher, Schlosicrmeistcr zu Lollar, iinWdcsscn Ehesrau Katharine geh. Schmidt. — Errungcnscbaitsge- meinschast haben vereinbart: Schniiedemstr. Phil. Röder III. in Bickenbach und dessen Eheirau Margaretha geb. Freund, Heinrich Sauer von Atzenhain und seine Eheirau Helene Tauer geb. Weiß, Kauimann Wilheln: tzottcs und dessen Ehesrau Margarete Jo- hannctte geb. Rai» in Groß-Zimmcrm ** Grund st tcksvcrkehr. Grundstücke zu Lorsch, die aui, den Namen des Balthasar Rö h rig I. „nd betten Ehesrau Elisabeth« geb. Dictsch zu Lorsch eingelrageit waren, sollen Montag, den ll. Mai 1914, vormittags 9 Uhr, durch das Amtsgericht Lorsch im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. — Grundstücke zu H c r g c r s d o r s, die auf den Namen des Heinrich Ritter I. cingctrageii sind, sollen Mittwoch, den 29. Avril 1914, nachmittags 2' -> Uhr, aui dem Geschäftszimmer des OrtsgerichtS zu H c r g e r s d o r t im Wege der Zwangsvollstrcckuug versteigert werden. — Grundstücke zu L a n g e n b c r g h c l m , die aus den Namen des Friedrich Gustav Böhler und dessen Ehefrau Fda geh. Schädel in Laiigeubergheim eingetragen waren, solle» Montag, den 20. Avril 1911, nachmittags 3 Uhr, aut dem Rathauic in Langcnbcrgheim im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert tverde». — Grundstücke zu Schimsheim, die aui den Namen des Ferdin. Schmitt, Philipp Schmitt, Friedrich Schmitt, Jakob Schmitt, Ernst Ludwig schmilt, Rosina Schmitt, Wilhelm Schmitt, alle in Schimsheini, eingetragen waren, sollen TonnerSiag, den 30. Avril 1914, nachmittags 2V. Uhr, in der Wirtschaft von Kiefer zu Schimsheini im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. ** Konkurse in Leiten Das Konkursveelabren über das Ber- uwgen des Beter W e r n e r s b a ch V. und denen Eheirau Anna, geb. Dielcnbacb in DittelSbeim ist einaestellt da eine den Kosten des Verfahrens enlsvrecbendc Masse nicht vorl,rüden ist. — In den, Koukursversahre» über das Berniögen des Gastivirls Georg Wicht in Hast »lein ist der Echlnßtermin auk Freiing, 3. '21 pril 1914, varmittaas 10 Uhr, vor dein Großh. 'Ainlsgericht Zwingenberg, Zimmer Nr. 8, bestimnit worden. Kreis Kriedber-, 8 B a d - R a u h e i m, 8. März. Ein zur Kur hier weilender K oloiiialbeamtcr hat sich in seiner Wohnung in der Mottkestraßc erschossen. Die Beerdigung, der eine Anzahl zur Kur hier anwesender Soldaten des'Militarknr- hanscs beiwohnten, erfolgte gestern auf dem städtischem Friedhof. s. Butzbach, !>. März. Die geplante elektrische Bahn Butzbach—Bad-Nauheim scheint setzt ernstlich in Angriff genommen zu werdet» Wie wir hören, hat Bürgermeister Gei- bel aus Ober-Mörlen eine Versammlung anberaumt, um über diese 'Angelegenheit zu verhandeln, wozu er auch! die Gemeindcvertreter der in Betracht kommenden Ortschaften eingeladen hat. t. !V i l b el. 9. 'März. Zu dem bereits berichteten Ra u b- anfall au der Steinmüble bei Ober-Erlenbach wird noch folgendes gemeldet: Der schwerverletzte Simone w s k y , der mehrere Tage bewußtlos war, konnte am Samstag vernommen werden. Er gibt an, von 3 Männern überfallen worden zu sein. Der eine habe ihm mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen, so daß er vom Wagen hcruntergesallei, sei und das Bewußtsein verloren habe. Von den Tätern habe er niemanden erkannt: einer davon sei mit einem blauen Metzgerkittel bekleidet gewesen. Der Fürsorgezögling Otto Schalls soll als der Tat verdächtig verhaftet worden sein. 8 S t e i n f u r t h, 8. März. Ein junger Mann, der seinem Vater vor einiger Zeit einige hundert Mark entwendet und sich damit in der Fremde herumgetrieben hatte, wurde heute sestgcnommen und nach Bad-Nauheim gebracht. Nachdem das Geld verbraucht war, war er nach hier zurückgckehrt. Ter junge Mann soll früher schon geäußert haben, er ginge einmal zur Fremdenlegion. Hochwasser. Mannheim, 7. März. Der Wasserstand des Rheins und des Neckars ist in der vergangenen Nacht ganz beträchtlich gestiegen. Beide Flüsse führen Hochwasser. Nach den uns zugogangenen amtlichen Nachrichten ist der Rhein in der vergangenen 'Nacht angewacktsen: in Hünlugen von 1,83 auf 2,c8 Meters in Kehl von 2,51 aus 2,69 Meter, in Maxau von 4,26 auf 4,88 Meter und in Mannheim von 3,50 auf 4,90 Meter. Ter Neckar stieg bei Heilbronn von? 5, d. M. bis heute früh von 1,75 auf 2,65 Meter und bei Mannheim in der vergangenen Nacht von 3,68 aus 5,81 Meter. Der Neckar hat wette Gebiete des Neckarvorlandes überschwemmt und sührt Treibholz mit sich. Frankfurt a. M., 7. März. Ueber den Wasserstand des Mains lverden folgende amtliche Daten belanntaegeben: Bischberg 4,35 Meter (letzter Stand voin 5. d. M. 1,55 Meter), Schwciusurt 3,02 (1,85) Meter, Würzburg 2,50 (1,78) Meter, Lohr 3 <2,19: Meter, Asebasfenburg 2,94 (2,25) Meter. Ha n a u, 7. März. Die Kinzig führt Hochwasser, das an ctiizelnen Stellen bereits über die Ufer getreten ist. In Langenselbold ist infolge des .Hochwassers die Straße nach dem Bahnhos bereits unpassierbar. Vas Lawinenunglück am Grtler. Innsbruck, 7. März. Der Kaiser hat durch seinen Generaladjutanten dem Korpskommandantcn Dank! seine schmerzliche Teilnahme an dem Schiunglück ausgesprochen, die Geretteten beglückwünscht und anfragen lassen, in welcher Weise etwa Angehörigen der Verunglückten durch allerhöchste Unterstützung geholfen werden könne. — Heute ist beim Korpskommando ein Bericht des überlebenden Leutnants Gaidos über den Hergang der Katastrophe cingetrosfen. Danach befand sich die Schipairouillc unterhalb des Stein- mankcls, als sich von der Höhe des Tabarelta-Joches, gerade über der Patrouille, eine Schnecsckicht loslöfte, welche mit großer Geschwindigkeit zu einer furchtbaren Lawine anwuchs. Sofort wurden Signalschüsse abgegeben. Doch ehe die Pa trouillc erkannte, woher die Gefahr komme, wär sie bereits unter der Lawine begraben Gaidos und vier Monn, die sich am Rande der Lawine befanden, konnten sich aus den Schnccmasscn hcrausarbeilcn. Gaidos erkannte, daß eigene Kraft und die seiner Leute zur Rettung der Kameraden nicht ousreichte und eilte deshalb zu Tal, um Hilfe zu holen. Aus halbem Wege begegneten ihm Bergführer, die die Katastrophe vo« Trasoi loahrgenommen hatbcn. Die gestern geborgenen 10 Leichen lagen in ziemlich langen Ab stänken voneinander und wiesen größtenteils schwere Knochcn- brüche auf, Ruch amtlichen Meldungen sind sämtliche I 1 Schifahrer leichen nach Trasoi gebracht worden. Der osfizielle Bericht des Lcutnaurs Gaidos besagt, frühere Meldungen ergänzend: Um 4 Uhr nachmittags, als die Spitze der 'Abteilung unter Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln ungefähr 100 Meier unterhalb des Tabarettajochcs angäangl war, kam die ganze Schneedecke in Bewegung. Gaidorf hörte bei vollkommener Finsternis ein furchtbares Donnern und Sause:,. Eine Zeit- lang konnte er sich an der Oberfläche der Lawine behauvten: als aber von der Tabarettaspitte eine zweite Lqwinc nieder ging, wurde er von dieser begr. den und weiter bergabwärts gerissen: er verlor jedoch nicht o - Besinnung nnd arbeitete sich an die Oberfläche. Das Schne. selb mar vollkommen leer. Nach einiger Zeit bemerkte er ctlosts höher einen Landcs- schützen, dem es ebcnialls gelungen >oar, sich hvrgusznarbei- ten. Die beiden bemühten fick sofort um die Verunglückten. Gaidorf hörte in der Nähe :tiöchcln. Er scharrte mit den Händen den Kopf eines noch lebenden zweiten Landesschützen heraus. Nach weiteren Bemühungen gelang cs, noch zwei Kameraden hcrauszugraben. Oberleutnant Löschner, der ebenfalls ansgefunden wurde, konnte man nur als Leiche herausbckommen. Um 8 Uhr abeuds, als es vollständig dunkel war, stellten die Geretteten ihre Arbeit ein und nächtigten in einer nahen Edclwcißhütte. Frühmorgens kamen die ersten Bergungsmannschaften aus Trasoi nnd andcren Ortschaften. OcrmHfbte*. * Auf dem Rittergut Charlottenthal bei Krakow in Mecklenburg, de», Generalmajor v. Sihmidt- Panli oehärig, wurde das V ic hhaus vollstäicktia ein- geäschert. Etwa 100 Rinder kamen in den Flammen um. Ter Stall mit den wertvollen Rennpferden konttte gerettet werden. * Eine H o ch st a p l c r i n. In München wurde eine Schauspielerin, Anna Fänickc aus Berlin, verhaftet, die unter dem Namen erster Berliner Schauspielerinnen und Sängerinnen zahlreiche Familien brandschatzte. * Grubenunglück. Aus Jekaterinoslaw wird unterm 7. März ocmeldel: Fn der Orlowo-Grube in Jele- nowski im Distriki Slawia,wscrbsk öffnete ein Arbeiter seine Sicherheitslampc, uni sich eine Zigarette anMzündcn. Im gleichen Augenblick erfolgte eine Explosion, wodurch 24 Arbeiter getötet winden. Zwei wurden gerettet einer wird vermißt. * Ertrunken. 'Aus Großkuhren (S«nnland. 7. Marz, meldet ein Privattclegramm: Gestern abend ertranken auf einer Fahrt, die sic von Großkuhren aus in Sec unternahmen, die Fischer Ballgaen und I. M«rp. Zwei andere Fischer, die mit in demselben Boot waren, konnten gerettet werden. Die Ertruntenen hinterlassem Heide emc zahlreiche Familie, einer von ihnen acht Kinder. * Deutsche Industrie in England. Die neueste Kohlengrube im Bezirk Doncaftc^r wird fast ganz nach deutschem Muster eingerichtet. Der Schachtbau »nd die Errichtung der Fördermaschinen, die Ml wer Millionen Mark kosten, werden von der Rhemisch-iWest- sälischcn Schachtbaugesellschast in Essen ansgcführt werden. Die ganze Maschincnanlagc und Ausrüstung wird ans Deutschland kommen. Jeder Schacht wird eine unabhängig arbeitende Fördermaschine erhalten, die zn gleicher Zeit zwei Förderkörbe heben kann. Dadurch wird eine tägliche Förderung von 4000 To. Kohlen aus jedem Schacht ermöglicht. Diese Einrichtung ist neu für England. Ein Musterdorf für Bergleute soll nach deutschen Erfahrungen angelegt und ferner ein Zentralbad ebenfalls nach deutschem Muster am Grubencingang errichtet werden. * Fräulein Hausknecht. Aus Hamm wird gemeldet: Vor kurzem vervstichtete ein Gastboisbesitzer a>:i Grund einer Anzeige einen jungen Hansbnrsche», der tickt, nachdem er eine Zettlang seine Obttegenheiten zue größten Zniriedenbeü ersullt halt«, als ein junges Mädchen ans Düheldori entpnople, da? seinen Eltern durchgebrannt war, angeblich iniolge einer Liebesangelegcnbeit. Die Sache kam heraus, als der Gatlhoisbcsitzer wegen der »och iehlcnden Paplere des Hausburichen an dessen angeblichen Pflegevater in Tiilleldor: schrieb. Als dieser — es war der richtige Vater des Mädchens — daraushin Wort nach Hamn, kam und in dem Haus- bnrschen den EntHibrcr seiner erst 13,ädrigen Tochter zu sassen hasste, iand er in de», Hausburschen die gesuchte Ai^,einerin. Sic : alle sich in Dülieldori ihren prachtvollen blonden Zopi abschneide» lassen und sich mit bisse von 200 A!k^ die sie ihrem in sehr an- gescbener Stellung benndlichen Vater entwendete, in einen jungen Mann verwandelt. Nicht wenig überrascht waren der Gaslhois- betltzer und seine Gäste, die natürlich keine Ahnung hatten, daß der flotte Hausbursche ein Mädchwar, obwohl es ihnen ausfiel, als er eines Abends sich als vorzüglicher Klavierspieler zeigte. Frilfe für Hstbmatikcr. Kein Mittel hat solch rasche Wirkung und ist von solch ver-- mancntem Erfolg bealcitet wie Astmol Asthma Pulver, wie dies auch in nachstehendem Schreiben bestlitiat ist. „9rf> litt 10 Jahre an Asthma, konnte oft Nächte nicht schlafen und am Tage nicht arbeiten. Seitdem ich Astmol'Astbma Pulver gebrauche, bin ich sozusagen gan-, davon befreit. Möge Gott, dah noch Manchem durch dieses Eitel Heilung gebracht wird. Lydia Becker, Geressen b. Horchen a. Sieg." in /Str»mon. 40, Grindel rob. 10, Bol. laric 10.\ e , x . . „90.mol ( MrnO.nl I K.l nur ,n. M, N.lr IN großen Bleätdvien. kostet M. 2.50, in Apotheken. Hauvtdcvot: Gngcl Apotbckc. Franksurt a. M. 283511 Ein enthülltes Toilette-Geheimnis. -ältchen, aller Unreinnv fetten der Gesichts haut, ihre vergilbte Färbung bildet den mih- sarbenen Teint, und sie verdecken dabei die darunter benndliche junge, irische Haut. Mein Erfolg t,'t lediglich der Entdeckung jzu^uschreiben, dah etn einfaches vegetabilisches Lösungsmittel, das sogenannte ParinolwackS diese vcrbäneten. abgestorbenen Partikel in milder Weise entfern! und der GesichlShaut ihren warten, jugendlichen Hauch wiedergibt Das kann jede Dame selbst nuSführen. Parinolwachs kann man in jeder Avotheke oder Drogerie bekommen — am besten eignet sich ^reines" Parinolwachs dazu — und man braucht es nur abends in etwas liberaler Weise aufzutragen: wenn man es dann morgens mit warmem Wnsier abwäscht und mit einem weichen Tuch trocknet, wird man finden, wie viel reiner und weicher die Haut geworden ist. Eine drei- bis viermalige Wiederholung des Verfahrens vervollständigt die Umwandlung." Allen Damen mit mißfarbener oder runzeliger Gesichtshaut rate ich, dies einmal mit reinem Parinolwachs probieren. Aus eigener Erfahrung weih ich, wie erfreulich das Resultat ist. M. H. [ 3283 m