Nr. 56 Zweites Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags. Tie „«ietzener Zamilienblättcr" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich belgelegt, das ..Kieisblatt ffir den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „randwirlschastttchen Seit- sragen" erscheinen monatlich zweimal. Blatt J64. Jahrgang Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Zamrtag, 7. März 19^ Rotationsdirick und Verlag der Brühl'jcheu UniversuälS - Buch- und Sieindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion. Ervedition »nd Druckerei: Schul- straße 7. Exveduion und Verlag: eSal- Redaklioms^IIL. Tel.-Adr» AnzeigerGießen. Dar steiermärkische öesiedlunysgebiet des Vereines Süüma k in Graz. Um das national wichtige Gebiet der „kindischen Büheln", das schon von dcuisch.-n Minderheiten stark durchsetzt ist, zu durchbrechen und die Marburger Sprachinsel mit dem zusammenhängenden deutschen Sprachgebiete Mittel- steterinarks in unmittelbare Verbindung zu bringen, hat der Verein Südmark seiner bisherigen nationalen Schularbeit im Jahre 1806 auch die Besiedlung airgegliedcrt, indem er Tn der nördlichsten Gemeinde des slowenischen Sprachgebietes, dem seit Jahren hei,; umstrittenen St. Eg» di i. D. B, eine Anzahl Licgenschaslen ankanfte, um sie mit deutschen Bauernsamilien zu besiedeln. Zn diesem Zwecke sand er in den tüchtigen, obst- und weinb intreibcndcn Schwa den in Württemberg die geeignetsten Landwirte und machte in der Tat mit diesem Volksstammc gute Erfahrungen Die Leute sind nicht nur sehr tüchtig und fleißig, sondern auch sparsam, ordnungsliebend und — was für das völkische Kampfgebiet besonders wichtig ist - sehr kinderreich. Schon aus letzterem Grund ist aus das fernere Erstarken des Deutsch lums in den Windischen Büheln durch die Ausbreitung bczw. die natürliche Bermehrungskrasl des schwäbischen Baucrn- stammes mit Zuversicht zu rechnen. Nachdem der Anfang trotz der bei jedem großen Werke auftauchenden Ansangsschwierigkeilen wohl gelungen war, lvurdc die Besiedlungstätigkeit vom Verein Südmark rüstig fortgesetzt und geht gerade heute einer noch vielversprechenden j Zukunft entgegen, zumal die Werbearbeit lm Deutschen Reiche ! schon ziemlich ausgebaut ist, sich kauflustige Anwärter in wachsender Anzahl melden und auch die Gründung einer „Deutsch-österreichischen Bodenbank" '.ausgehend vom Verein Südmark) bevorsteht. Allerdings sind durch die Besicdlungs- arbeit auch die Grund st ückc wesentlich teurer geworden, weshalb der Verein Pente nur mehr in besonders dringlichen und günstigen Fällen, die jedoch bei seiner Umsichtigkeit öfters zu ermitteln sind, cingrcisr. Tie Ausgabe des Vereins Südmark in den Windischen Büheln ist es, durch die Besiedlungsarbeit das Deutschtum in den einzelnen Gemeinden derart zu stärken, das; es den entscheidenden Einfluß erlangt, allmählicl, die einheimische, slowenische Bevölkerung, die jedoch — schon nach den sehr häufigen deutschen Familiennamen zu schließen — vielfach deutscher Abstammung und auch sonst mit deutschen Elemcn- i len stark durchsetzt ist, zu germanisieren und so schließlich ein zusammenhängendes deutsches Sprachgebiet bis an die Drau zu schassen. Das; diese Arbeit der Südmark nicht ergebnislos gewesen ist, bezeugt unter anderem das sehr günstige Ergebnis der letzten Volkszählung im Jahre 1910, wo in den Gemeinden S u l z t a l und Ranze nberg zum ersten Male deutsche Mehrheiten austauchten und auch in den übrigen Orten die deutschen Minderheiten bedeutend erstarkt sind. Gegenwärtig find in den Windischen Büheln aus über 1900 Joch schon 52 Familien mit zusammen 309 Köpfen vom Verein angesiedelt worden. Die hierfür aufgewendetcn Kosten stellen sich ans bisher rund 900 000 Kronen, die allerdings meist auf sichergestcllte Darlehen entfallen. Neben Schwaben aus Württemberg sind in letzter Zeit auch B a - dcner, Sachsen, Deutsche aus W e st u n g a r n , Deut s ch b ü h men, Steirer und K ä r n t n e r angesiedelt worden. Tie wirtschaftliche Lage hat sich überall bedeutend gebessert, schmucke deutsche Bauernhöfe grüßen freundlich aus dem üppig blühenden und grünenden Gelände, während früher elende windische Keuschen auf ebenso verwahrlostem Wirtschaftsgrunde einen traurigen Anblick darbotcn. Ausgehend von der Gemeinde Egpdi-Tunnel hat sich allmählich die Bcsiedlungstätigkeit auch aus die Nachbar- orte ausgedehnt und greift heule immer weiter um sich — einerseits südwärts über Ranzenbcrg »nd Poßniy- hofen bis vor die Tore von Marburg, andererseits immer tiefer hinein in das obst- und weingesegnete Gebiet der Windischen Büheln. Es gilt nicht allein einen schmalen Streifen an der Südbahn und der Triester Rcichsstraße zu besiedeln, sondern auch einen möglichst breiten deutschen Gürtel zwischen der Mittelsteiermark und der Marburger Sprachinsel zu schaffen. Tie von der Südmark bisher besiedelten Gemeinden sind folgende: Egpdi-Tunnel, Zirknitz, Spielfeld, Podigraz, Ratsch, Witschein, Sulzlal, Pcßnitzbcrg, Lbcr-St. Kunigund, Dobrcng, Ranzenbcrg, Pößintzposcn, Kanischa, Zicrbcrg und Lciicrsbcrg. Es ist dies jedenfalls ein stattliches Gebiet, das durch steten Zuzug von neuen Ansiedlern sowie die allmähliche Eindeutschung der allansässigen Bevölkerung ein immer mehr deutsches Gepräge erhält. Da die Gegend reich an landschaftlichen Reizen und gesundheitlichen Vorzügen ist und überdies eine beoueme Verbindung um den Städten Graz »nd M a r - bürg besitzt, hat sich dort in den letzten Jahren auch eine größere Anzahl von deutschen Ruheständlern und Rcnt n crfa milien dauernd niedergelassen und ebenfalls zur Stärkung deS Deutschtums viel beigetragcn. Deutsche Vollsgenosscn, die dem Ruse „Zurück aufs Land" folgen ! wollen, sollen sich daher in größerer Anzahl in dem anmutigen und wirtschaftlich günstigen Gebiete der Windischen Büheln (vor allem in Egpdi-Tunnel) ansiedcln, an statt in den teuren und ungesunden Großstädten ein sorgenvolles. nervenzerrüttendes Leben zu führen! D ß die Bcs edlungstä igkeit von andauerndem Erfolge gekrönt ist, bewieleu auch die Ende 1913 abgehaltenen Ge- meindcratswahlen in Zirknitz, der wichtigsten Nachbargemeinde von Egpdi-Tunnel. Es gelang nämlich den Deutschen. den ersten Wahlkörper nicht nur glänzend zu behaupten, sondern auch den zweiten (die Gemeinde hat nur zwei Wahl- körper) völlig zu erobern, während er früher noch zur Hälfte von Slowenen besetzt war. Dieser schöne Sieg ist auch dem sehr verdienstvoll wirkenden Spar-undVorschußver- ein in Egpdi-Tunnel zu verdanken, da dieser, was in mehreren Fällen auch bei Zirknitz zutrifft, schon eine Anzahl von deutschgciinnten Besitzern von der Schuldknechtschaft der slowenischen Vorschubkassen losgelöst hat und in dieser Arbeit ziclbewußt fortfährt. Er verdient deshalb ebenfalls Dank und rege Förderung. Möchten recht viele deutsche Volksgenossen das herrliche und für unser Volk so außerordentlich wichtige, zukunftsreiche Gebiet der Windischen Büheln aussuchen, sei es, um sich dort dauernd nicderzulassen, sei cs, um nur Land und Leute kennen zu lernen. Gerne wird jeder Deutsche, der einmal diese Perle der grünen Steiermark und der deutschen Südmarken überhaupt kennen lernen durste, wieder dahin zurückkehrcn und neue Freunde für das schöne Land und die dort von der Sudmark geleistete Sicdlungsarbeit werben. Wer die Windischen Büheln und die dortigen Siedlungen besuchen will, wende sich an die L e i t u n g der d e u t ° scheu Schule in Egpdi-Tunnel, die für eine entsprechende Begleitung gerne Sorge tragen wird. Wer jedock für die dortige Bcsicdlungsarbeit Anteilnahme hegt, wende sich an den Verein Südmark in Graz. _ veutscdep Reick». Ter Kaiser ist am Freitag an Bord des Linienschiffes „Teutschland" um 6 Uhr abends auf der Reede von Bremen cinaetrofscn. Tie „Teutschland", ein kleiner Kreuzer und zwei Torpedoboote gingen vor Anker. Tas Wetter ist regnerisch und stürmisch. Ter Kaiser sprach den Wunsch aus, am Freitag vormittag 10 Uhr die Kriegervereine des Unterwcscrgebietes in der LlopdhaUe in Parade zu begrüßen. Tic Kaiserin ist am Freitag nachmittag 4.03 Uhr in Braunschweig cingetrosfen. Auf dem Bahnhof hatte sich das Herzogspaar mit Gefolge zuin Empfange eingcsundcn. Nach kurzer Begrüßung fuhren die Herrschaften unter den freudigen Zurufen eines zahlreiche» Publilums begrüßt, im Automobil langsam nach dein Schlosse. In Begleitung der Kaiserin befinden sich die Hofdame Gräfin v. Rantzau und Kammerherr Frhr. v. Spitzcnberg. Vom preußischen Eisenbahn Voranschlag. Im B u dg e t a u s s ch u ß des preußischen Abgeordnetenhauses erklärte der Minister für össcnlliche Arbeiten iväh- rend der Einzelbcratung des Eisenbahnvoranschlags, daß die Einnahme für den Zugkilömeter infolge der Zunahme der Verkehrsdichtigkeit »»genommen habe. Ter Verkehr von Schnell- und Eilzügcn sei mehr gestiegen als der von Pcr- sonenzügcn. Ter Triebwagcnverkehr habe sich gut eingebürgert. Tic Fahrlartensteuer müsse in der jetzigen Art bestehen bleiben. Etwa 40 Prozent der Fahrpreise erster Klasse würden von Ausländern ausgebracht. Am stärksten sei der Verkehr in der dritten Klasse gestiegen, nämlich um 36 Prozent seit 1906. Wenn Schlasivagcnzngq cingesührt würden, würden auch Schlafwagen dritter Klasse eingestellt, sonst sei dies nicht möglich. Einen Gesetzentwurf, bctr. Förderung der i n nc re n K o l o n is a l i o n im K ö n i g r e i ch P r c u ß c n beantragt die fortschrittliche Volkspartei des preuH. Abgeordnetenhauses. Durch den Entwurf werden der Slaatsrc- gierung 300 Millionen Mark' zur Verfügung gestellt, uw Staatsdarlchen für ländliche Betriebe zu gewähren, die vor Korporationen des öffentlichen Rechts, von gemeinnützigen Ansiedlungsgesellschaften, Privatgesellschaften oder Privatpersonen zum Zwecke der inneren Kolonisation errichtet werden. lieber die Zulassung det^itzesellschaslen und Privatpersonen entscheidet der Landwirlschastaministcr. Tas Darlehen wird bis 9 /io, bei einem Stellenwert von mehr als 10000 Mk. bis zu ' , des Stellenwertes (Wert des Grundstückes und der Gebäude! gewährt. Als Ziele der inncrc- Kvlonisation sind anzusehcn: 1. Schaffung neuer leistungsfähiger Landgemeinden in gemischter Kolonisation durch Ansetzung von kleineren, mittleren und größeren Bauern sowie von Landarbeitern und Handwerkern. 2 . Scßhastmachung von Landarbeitern in solchen Gemeinden, in geeigneten Fällen auch in solchen Gutsbezirken, in denen ausreichende Arbeitsgelegenheit bei mehreren Arbeitgebern vorhanden ist. 3. Verpachtung von Wohnungen und kleinen Landstücken an solche Arbeiter, denen die Mittel zur Erwerbung von Land- arbciterstellen fehlen. Soweit den Gemeinden das dazu erforderliche Land fehlt, können ihnen auf Antrag Mittel zu dessen Erwerbe zur Verfügung gestellt werden. Nach Möglichkeit sind zu diesem Zwecke Domänen und forstsiskaliichc Grundstücke bereit zu stellen. Besiedlung der Moore und Oedländcreien. lieber die Gewährung von Grundsätzen und iie Tilgung des Darlehns werden ähnliche Bestimmungen oorgeschlagen, wie kürzlich in dem nationalliberalen Antrag! zur Förderung der inneren Kolonisation. Zum Svjäbrigen ?1 stimgsseft des vauerschen Gesangvereins. Gießen, 7. März. In den ersten Märztagcn des Jahres 1861 war cs. als acht Gießener Bürger zu einem „Singkränzchen" IN der Brauerei König am Walllore ' jetzt Tenninghosf! zulammentralen. Unbekümmert um die wirtschaftlichen Sorgen und die polimchen Wirren, die durch die schleLwiq-holstcinsche Frage hervorgcrmen wurden landen sie sich, um nach des Tages Last die edle Sangeskunst z» pflegen Fu»i- ziq lange Jahre sind seitdem vorübergegangcn. Reue Langer traten in die Fußlapse» der Gründer, »itb gan-, allmählich wuchs das zarte Reislcin „Singkränzchen" zu dem gewaltigen Baume, der letzt die meisten Gesangvereine, die vor ihm und nach ihm aus der Lok schossen, um .Haupteslänge überragt und be,chattet. Freilich ging cs bei dem edlen Wettstreit nicht ohne Wunden und Narben ab, wunderlich zauste und zerrte das Schickml gar oit an dem wachlenden Verein und suchte sein Fortkommen zu hemmen. Umw hoher der Ruhm, da die „Bauern" morgen an ihrem Jubeltagc stolz bekennen dürfen, setzt einer der größten und. was noch nnhr lagt, cmer der besten Gesangvereine Gießens zu sein. . Toch von den Geschicken, die der ,ungc Verein überwand, las- f ^Bald^nachdem sich das Sinqkränzchen gebildet hatte, wurde larau» ein „Singverein", die Zahl der Mitglieder erhöhte sich ,ui 14 und inan gewann zum Lehrer der regelmäßigen Ucbungs- tunden Philipp Bauer, den Türmer und «tadtmusikanten ^er S-adt Gießen. Nach chm erhielt der Verein alsbald den Name» Baucrscher Gesangverein", der chm bis aus den heu- i'iqcn Tag geblieben ist. Ter erste Vorstand war L. Jost, 1865 wurde es E. 61a il. der bis zum Jahre 187o diesem Amte^reu blieb Philipp Bauer war mit einer Unterbrechung von sunt Iah rcn während der er Leiter der Bad-Rauheinrer Kurkavelle lvar ( ig71__7f>i bi-' 1886 Dirigent des Vereins. Tw eilte Bciahlung. die ihm für sein mühevolles Amt wurde, war ei» Geinirts- taasaeschenk das man ihm Ende August 1965 überreichte: „Von 33 Mitgliedern wurden bezahlt: 11 Gulden 30 Kr., wovon em Porte monnaie für 27 Kreuzer gekauft wurde, IN das 10 Gulden ctNgelcgt wurden So heißt es im Protokoll nicht ohne Humor. . -ver Beitritt zum Lahntalsangerbund ertolgte am 7 'Februar 1866. Tonnt war eine Verbindung mit anderen Vereinen gesunden, die sich UI der Folgczeil als äußerst fördernd er- - -n Dr j( 1867 beickücktc man zum ersten Male einen ?önaertaa der in Wetzlar abgehalten wurde. Als Beitrag zum Tem ckicn Sängerbund zahlte icdcs Mitglied einen Silbcrgroichen. Ein bedeutungsvoller Tag für den tungcn Verein war der Tao der Fahnenweihe, der 14. Juli 1867, wozu Abord- von sämtlichen zum Lahntalsängerbund gehörenden Vereinen gekommen waren. Aus diesem Anlaß wurde das erste »on.ert im Zinßcrichen Laalc gegeben pie Kotten mr die IT ' 1Mulben, waren von den Tomen des Vereins geiammclt. Wabrend der Kriegssahre 1870/71 setzte man die Uebnngsstundcn aus. Tie Mitglieder Tb Stobr und 2. Kl.n- “ ’. ’-iKr nahmen am rreldzugc terl und kehrten gelund zu Sangesbrüdern zurück. Am 20. November veranstallcten ißc Gießener vereinigten Gcsangvcreln« ein Konzert zum Besten Gießener hilssbedürstiger Familien der zur Fahne einbcrusenen Solda.cn, das von Musikdirektor Micklcr geleitet wurde. Dem siegreichen Kaiser Wilhelm wurde im August 1871 eine Huldigung in Bad Ems dargebracht. An der Sängersahrt beteiligten sich alle im Lahntal bis nach Lahnstein bestehenden Gesangvereine. Herr I. Keilmann, der für Philipp Bauer die Leitung übernommen hatte, wurde 1875 wieder von diesem abgelöst. Auch im Vorstand vollzog sich in diesem Jahre ein Wechsel, E.ZNail legte sein Amt nieder und W. L ö b e r wurde an seiner Stelle erster Vorsitzender und blieb es bis 1891. Tas erste große Sängersest, das der B. G.-V. besuchte, war am 22. und 23. Juli 18/6 zu Weilburg: der Verein war mit 36 Mann anwesend. Im nächsten Jahre wurden sämtliche Mitglieder der „Liedertafel" in den Vauerschen Verein ausgenommen. Ein Sängersest wurde 1878 in Gießen aus Rechnung des B. G.-V. und der „Harmonie" abgehalten, das einen guten lleberschuß ergab. 1885 bezog der Verein das vom Mitglied W i s: n c r erworbene Haus „Zum Burggraf", nachdem vorher schon des öfteren das Vcreinsloial gewcchfelt 'lvorden war. Tas Jahr 1888 brachte dem Verein recht trübe Zeiten. Nachdem der beliebte V.>rei,isdicner Balthasar Dick in hohem Alter gestorben lvar, verschied am 12. September der verdienstvolle Dirigent Philipp Bauer an einem Schlagansall im Alter von 68 Jahren. Ter Tod ereilte ihn mitten in seiner Berusstättgkcit während eines Festessens zu Großherzogs Geburtstag. Sein Nachfolger wurde Franz Bauer, der Sohn des Verstorbenen, der ebenfalls erfolgreich den Verein bis 1890 weitersührte. Neues Leben brachte das 25jährige Stistungssest in den Verein, das am 24. März 1889 gefeiert wurde. Bei der Vorfeier am 4. März überreichten die Tamen eine Fahncnschleise. Schneidermeister F. h e n s c r. der Gründer des Vereins, und Spenglcrmeifter B. L ö b e r, das älteste aktive Mitglied, wurden zu Ebrenmitglicdern ernannt. — Ein großes Sängersest wurde am 28., 29. und 30. Juni 1890 von dem B. G.-V und der „harnionic" in Oswalds Gatten, wo eine Festballe errichtet worden war, mit großem Pomp obgehalten. Während des Festes erkrankte Herr Bauer, Kapellmeister Krauße solang für ihn ein. Am 26. Juli wurden Massenchöre zur Enthüllung des Liebigsdenkmals gcsunqen. Im Herbst legte Fr. Bauer sein Tirigentcnamt nieder, für ihn nahm L. Huntern a n n bis 1891 den Stob, und als dieser erkrankte, wurde L. Kaufmann Leiter, der aber auch nur ein Jahr lang in dem Amte blieb. Eine weit bedeutendere Zeit stand dem Banerschcn Gesangverein bevor, als Otto G ö r l a ch am 25. März 1892 zum Dirigenten des Vereins gewählt wurde. Schon drei Monate sväter zeigte sich der Erfolg aus dem Sängersest in Weilburg . Nachdem unter Görlachs Leitung der Verein rasche Fortschritte genommen hatte, sah er sich 1894 gezwungen, sein Amt niedcrzulcgen. Er wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Tnn Nachfolger wurde der Lehrer L. Lvitz, dem ein Jahr später Kapellmeister Paul P o l st e r folgte. Daß auch dessen Tätigkeit für den Verein von Vorteil war, bewies das Ergebnis des ersten Gesangswettstreites.an dem der Verein tcilnahm, zu Bocke »heim (1897). Unter 11 Vereinen der III b - Klasse errang der B. G. -V. den ersten Preis, zugleich als erster preisgekrönter Verein der nähere» und weiteren Umgebung Gießens. Ein zweiter Sieg war dem Verein 1898 beim Wettstreit in Kreuznach beschieden. Erfolgreich wurde auch der Wettstreit in Weisenau bei Mainz 1900 bestritten. Während dieser Zeit des energische» Ausstieges waren h. h o l l- mann 0891—92), K. Walther 0892—93) und L. Friedrich (1893—1901) Präsidenten des Vereins. Toch auch trübere Zeiten sollten dem Verein nicht erwart bleiben Aut dem Gesangswettstreit in Koblenz am 30. Juni und l. Juli 1901 blieb der erhoffte Erfolg zum ersten Male aus. Aber Herr Präsident Polster wußte seinen Sängern neucn Mut zu ina- chen, und es gelang ihm, trotz dieser Niederlage den Verein zu einem der besten ganz Oberhessens heranzubilden. Ter Lohn blieb nicht aus. Am 31. Mai 1903 erhielten die Bauern in Homburg den ersten Preis von 300 Mark. Bald daraus trat ein Nervenleiden an dem hochgeschätzten Tiri- gcnten zutage, dem ein zweiter Mißerfolg in Grünberg im Juli 1904 zuzuschreibcn ist. Tie Erkrankung des Herrn Polster nahm derart zu, daß er um einen Erholungsurlaub cinkommcn mußte, von dem er nicht wieder zurückkehrte. Er siedelte nach Tcssau über und starb dott 1909. Für ihn gewann der B. G.-V. sein Ehrenmitglied O. Gör- l a ch , der mit kräftiger Hand die Zügel crgriss und den Verein von Erfolg zu Erfolg bis aus den heutigen Tag leitete. Ter erste glänzende Sieg wurde 1905 in Vilbel erfochten, weitere Siege 1907 in Marburg und 1910 in Cro nberg. Ter schönste Erfolg lvurdc beim Wettstreit in Worms 1909 erfochten, loo dem B. G -V. neben anderen Preisen der Stundcnchorvrcis zusiel. Ter Großherzog sprach sich damals sehr lobend über die Leistungen des Vereins aus. Tas erste öffentliche Konzert fand am 15. März 1908 ,n der Aniveriitätsaula statt. In dem Bericht des Gießener Anzeigers darüber heißt es: „Ter Dirigent des Vereins verfügt über eine musikalisch sichere, gut geschulte und sanqessrohc Sängcrichor, die anscheinend mit großer Lust und Liebe bei der Lache ist..... Es war vor allem eine hoch erfreuliche Einheitlichkeit in allen Torbietungen der Singer zu bemerken und eine erstaunlnbe Sicherheit." Seit diesen ersten großen Siegen hat der Verein an manchem Sängersestc teilgenommen und hat eine ganze Reihe von ötientlichen Konzetten veranstaltet — der Erfolg ist ihm treu geblieben hatte der Präsident G. Atzbach schon mit Umsicht seines Amtes gewaltet, so gebührt dies Verdienst seinem Nachfolger Herrn G. To dt. der seit 1906 VoZitzender ist, noch weit mehr. In stetem Psllchtelscr und umsichtigem handinhandgeben mit dem Tirigenten, Herrn Görlach, war Herr Todt bemüht, den Verein zu einer engen Gemeinschaft ,usammenzuschließe» Welch sicher- Grundlage er damit Herrn Görlach in die Hand gegeben hat. wie dieser es verstand, daraus zu snßcn und die Leistungen der Bauern immer mehr zu erweitern — das soll das Jubiläumskonzcrt am Sonntag nachmrttag zeigen. K B M Anslan». Z um f r a n j SIt i dt e it Einkommenftcuergeictz. Ter srauzösiiche Finanzminifter Caillauz teilte im LenatSausichgß für die Einkommensteuer den Terl des neuen Artikels über die französische Rente mit. Er besagt folgendes: Tic Inbober oder Träger von Rcmcntiteln, Obligationen oder anderen vom ' französischen Staate ausgcgkbcnen öffentlichen Effekten Hl rissen, wenn sie in Frankreich wohnen, auf die Einnahmen, me sic ans den Renten. Obligationen, oder Efscktcn ziehen, eine Steuer zah len. lieber diese Einnahmen mütfcn sie i» den ersten drei Monaten sedett Jahres eine Erklärung unterschreiben. Eine ge- nil c Anzahl Institute, die nationale Sparkasse, Pen sionskai cn, »iw. sind von dieser Steuer befreit Tie Inhaber oder Träger, nelche nachlveisen, daß ihr Rentencinkommen >>25 Francs und ihr gesamtes Einkommen 1260 Francs nicht übersteigt, werden gleichsa»- befreit. Beim Fehlen der Erklärung loird eine Er- gäntungsftener von wenigstens öl) Francs zu zahlen sein. Eine saliae Erklärung zieht eine Geldstrafe in dreifachem Betrage der nschtbczahlteu Summen im Mindeslbelragc von 500 Francs nack sich. Eine Verordnung der Verwaltung bestimmt die Art der Erhebung der Steuer, die nicht vom Kupon direkt erhoben iver- den kann. Das rumänische Parlament wurde am Freitag vom König durch Berlesung der Thronrede feierlich eröffnet. Tie Rede besagt u a.t Tie sich ständig cntwstkclnde Organisation der Armee und die Konsolidierung der Staats- finanzen durch den Ausschwung der Arbeit und der Volkswirtschaft werden cs gestatten, die Stellung, auf die wir stolz sind, nicht nur ausrecht zu erhalten, sondern zu verbessern. Ich bin glücklich, die ausgezeichneten Beziehungen des Königreichs zu alleit Staaten neuerlich festzustellen. Rumänien würde nicht zögern, den Frieden, zu welchem es mächtig beigetragen habe, aufrechtzuerhalten und zu sichern. Tank diesem Vertrauen ist es in der Lage, in diesem Teile Europas eine wohltätige Beruhigung auszuüben. Die Armee erhöhte dank ihren Eigenschaften und dem glänzenden Aufschwung, von dem sie im vergangenen Jahre den Beweis geliefert habe, ihr Prestige und erwarb unsere volle Dankbarkeit. Ihre Bedürsnisse machen neue Vermeh- r n n g c n notwendig, die Sie, dessen bin ich gewiss, bewilligen, denn das Schicksal des Landes ist mit der Militärmacht innig verknüpft, Tie budgetären Gesetze werden trotz der notwendigen Vermehrungen der Kredite unser finanzielles Gleichgewicht nicht beeinträchtigen, Tie Panamakanal-l^cbühren. Aus Washington wird gemeldet! Ter baiidelsausschuh des RepräserG tnnlcnhauses sprach sich mit 17 gegen 4 Stimmen für den Gesetzentwurf zur Aushebung der Klausel über die Befreiung der amerilanischen Küstenschisse von den Panamakanah- gebühren aus. l erSlisgungr^sei», und a- tli^e Anerkennung gcw r!'8''' li^er preise. Tie Bau-Woche veröiicutlicht in ihrer Nr. 7 einen Aussatz über in Vcrdingungsgelctz Muid die amtliche Anerkennung gewepbsübliliicr Preise, aus der wir im iolgcnden einen kurzen Auszug vcrösicntlichcn: Ter Kamps um die wirischasilichcn Rechte des gewerblichen Bürgertums hat im Lause der Jahre unmiterbrochep an Hestig- keir zugenommen. Zahllose Vorschriften, die Kosten und Mühe verursachen, müssen befolgt werden, ohne dag sie jemand nützen. Es ivar imn bisher ein Ding der Unmöglichkeit, die gewerblichen Preise aus eine den erhöhten Anfordernnaen entsprechende Hohe zu bringen, so dast sich der schärfste Kampf um di: allicitig erhöhten Lcbcnsansprüche grösstenteils im bürgerlichen Gewerbe ablpiclen muhte. Auch der ruhigste Bürger muh sich dessen bewusst werden, wenn er sieht, wieviel Zeit nicht allein z. B. aus die Festlegung der Grenze zwischen Fabrik und Handwerk verschwendet worden ist. Auch mit den tiefsinnigsten Betrachtungen über Fabrik und Handwerk oder dergleichen verbessert sich unsere Lage nicht-. Wir verlangen vor allen Dingen, das besondere Fachkommissionen unsere Produktians'elbstkoslen nach kauhnännischen Grundsätzen genau seststcllen unter vrozcntualer Berechnung sämtlist er Unkosten einschliestlich Verzinsung, Miete usw. aus die vroduk-iven Arbeitslöhne und man mute ersahrenen Handwerker» Nicht länger zu, bei Verdingungen falsche Berechnungen ausstellen zu müssen, nur um eine Arbeit zu erhalten. Sobald wir aber g c w e r b s ü d l i ch c Preise berechnen, d. h. solche mit einem reinen Gewinn von etwa tl) bis 15 Prozent aut die geiamlen Selbstkosten, gilt das als Uebervortellnng, und während es bei anderen Ständen, seien es z. B Arbeiter oder Angesiellte. als selbstverständlich gilt, dast das Einkommen sich nach den Lebensteiiernisien zu richten hat, so versperrt man dem Handwerker die natürlichsten Auswege, Wie aber gewisse andere S-ände, hie nicht wichtiger für den -ntnat sind als der gewerbliche M'itelstend, nnt festen Gebührenordnungen arbeiten, so wünschen auch ii ir die Grundlage unserer Eristenz in scste Bahnen gelenlt Bestimmte Preise und gewerbliche Einigkeit stostcn au» die größten Hindernisse. Man verbietet dies soqar in einigen Fällen und zieht auswärtige Konkurrenz oder GesängniSarb'it heran, so dast das Bersahren mehr oder toenigcr einem cintachen Diktieren der Preise gleicht Keine Frage hat daher die Unzuirieden- he!> des gewerblichen Mittelstandes im Laufe der Jahre io sehr gesteigert wie die der össentlichen Verdingung, und wenn die Iktzige Belaiidlnng des Verdingnngswesens nicht gründlich beseitigt wird, so werden reelle und tüchtige Kräfte beiseite gedrängt und für UN fähige oder gewissenlose Elemente, die mit unsauberen Mitteln arbeiten, Raum geschassen, Tie Gesetzgebung, in der sich doch ein möglichst hoher Kuiturzustand widerspiegcln soll, hat aber daiür zu sorgen, dast derartige Elemente nicht hcranwachscn Und das- ein tüchtiger Mann mit ausrechtcr Gesinnung nicht ,n eine Lage kommt, die ihn in ein gewisses Abhängigkcitsverhältnis zu amtlichen Personen bring». Wir brauchen Gesetze, die Bewegungs- nirglichkeüen geben und nickt solche, die nur cinschränken lind beaufsichtigen. Bor allen Tinaen muß mit dem Grundsatz der Zuschlagserteilung an den Billigsten, vollkommen gebrochen werden, dos ist man unserer staatsbürgerlichen Stellung und der Bedeutung des gewerblichen Mittelstandes schuldig. Wollte man alle Stände nach gleichem Maste messen, so mühten eigentlich auch die Bcaimenstellen an den Mindestior- dcrnden vergeben werden, und man hätte dann ungefähr ein Bild davon, welchen anarchistischen Zuständen wir unter den fetzigen Verhältnissen allmählich zutreiben. Die Fahrschule. Vom Vorstand des Ticrschutzvcreins Gießen wird uns geschrieben : „Ja, was ist denn das für eine Bildungsanstalt/' so werden fast alle Leser sich verwundert fragen, „Wickler so etwas Neues, was leinen Sinn noch Zweck hat?" Wenn dem io wäre, dann würde es der Vorstand des Tier- schutzveleins — er ist nämlich der Urheber — sicher nicht wagen, mit einem Plane in die Ocssenllichkeit zu treten, den er nicht zuvor in mehrere,i Sitzungen reiflich erwogen und beraten hat, um damit brr Allaememheit und der össentlichen Verkehrssicher heit »ach bestem Wissen zu dienen. Wer heute unsre Stadt in ihrem Derkehrsleben mit dem vor 10—15 Jahren vergleicht, wird nicht umhin können, sich einerseits über den gewaltigen Aufschwung zu erfreuen, den Gießen als eine emporblühenoc Industriestadt genommen hat, andererseits aber die Gcsahren nicht verkennen, die durch den steigenden Verkehr mit icdem Tage mehr sich cinstellen. Besonders am Morgen, wcn.i drc Züge einen gewaltigen Zustrom von Menschen bringen oder andere zur Bahn eilen, sowie mitlags, wenn Tanseifdc zur Mahlzeit ihren Wohnstätten zugehen oder abends nach Feierabend wieder die Stadt verlassen, wächst der Straßenverkehr, vor nchmlich in der Innenstadt mit ihren engen Straßen, zu einer solchen Stärke an, daß er dem einer Großstadt nicht nachfteht. Derselbe wird noch erheblich durch die elektrischen Bahne», Autos, Gespanne und Fuhrwerke alicr Art und Radfahrer gesteigert, daß die Passanten für eigene Sicherheit alle Sorgfalt anwcnden müssen llnbekümmert darum sieht man aber, wie rücksichlslos in den meisten Fällen sich die Fuhrleute und Fahrburschen her Gewerbetreibenden benehmen und durch ihr oft geradezu wüstes und tolles Fahren die an sich schon bestehenden Gcsahren aus den Straßen »och erheblich vermehren. Dazu gesellen sich teils Roheit, teils mangelnde Fachkenntnis der Fahrer, die dann so gerne in grausamen Tierquälereien sich Lust machen. Pichl leiten beobachtet mau, wie gerade die jungen Fahrburschen der Metzger und Bäcker allgemeines Acrgernis erregen und ihre Freude daritt siiiden, durch übermäßig rasches Fahren, sinnloses Peitschen der Pscrdc oder Zerren am Zügel sich hcrvorzutun. Sic kennen und wissen zum größten Teil nicht einmal, welches Vermögen und welcher Wert ihnen in eine»! edlen Pferd anvertraut ist. lind woher sollen es die meisten auch wissen? Sie sind eben ungeschult und unerfahrene Fuhrkncchtc, kennen in den meisten Füllen von Hanse ans kein Fuhrwerk und haben nicht gelernt, von Jugend aus mit den Pferden unizugehcn. Gerade die Bäckcr- und Metzgermeister, die zur Ausübung ihres Gewerbes ein Fuhrwerk nötig haben, sind ganz besonders in die schlimme und mißliche Lage versetzt, sich jüngeren Fahrpcrsonals bedienen zu müssen, da ältere und erfahrene Fuhrkncchte für ihre Zwecke nicht zu haben sind, well diesen das Allstragen der Waren in die Wohnungen und das Treppaui- und -absteigen nicht zusagt oder zu beschwerlich ist. Man sragc nur einmal die Meister; die wissen ei» Lied davon zu singen. So erkannte es darum der Vorstand des Tierschntzvereins dankbar an, daß eines seiner verdienstvollen Mitglieder, der selbst 3 Wagen täglich gehen hat, den Gcsamtoorstand in einem wohldurchdachten und lehrreichen Bortraae über die Errichtung einer Fahrschule so zu interessieren wußte, daß der Ticr- schutzverein cs für eine seiner nächsten Ausgaben betrachten muß, vier für die Aligemeinheit, wie auch für alle Fuhrwerksbesitzer im besonderen, zu einem Unternehmen die Hand zu bieten, das allen von Nutzen ist. nämlich: di» sachgemäße Ausbildung von Fahrpersonal. In mehreren Sitzungen hat sich der Vorstand des genannte» Vereins einaehend und unter Zuarundclegung von Material, das ihm von Städten (Frankfurt a. M.. Zwickau u. o.) bereitwilligst zur Verfügung gestellt wurde und wo sich die „F a h r - schule" glänzend bewährt hat, besaßt und ist dabei zu dem Entschluß gekommen, auch für Gießen eine gleiche Schule ins Leben zu rufen, in der Hoffnung, daß ihm dabei die Unterstützung aller Interessenten zu teil wird, Ter Zweck zur Errichtung einer Fahrschule ist also folgender; „K u t s ch e r n , F a h r b u r s ch c n und allen, die mit Pferden umzngehen haben, eine gründliche praktische und theoretische Ausbildung Zu gewähren und dadurch die Freude an ihrem schweren und nefahrvollen Berufe, sowie die Liebe zu den ihnen anvertrauten Pferden nach Mönlichkeitzu k ö r b e r n , zum Nutzen und Vorteil der Allgemeinheit und der öffentlichen Sicherhei t," Zur Ausführung des Planes dürsten in erster Linie die Pferd ebcsitzer, Lohnkutscher, Oekonomen, die Bäcker - und Metzgers IIIIII n g , der'Ticrschutzvcrein und die Stadt selbst als die maßgebendsten und interessiertesten Faktoren in Anspruch genommen werden. Ein Kehrkur ins würde sich etwa aus die Dauer von 2 Monaten, mit wöchentlich 1—1> - Stunden Unterrichtszeit erstrecken. Zur Erteiluna des Unterrichts sind für den theoretischen Teil lAnatomie, .Äuibelchiag, Verhalten bei vorkommenden Krankheiten und Unglücksfällen, Behandlung und Pflege, Polizeivor- schristen usw. ein angesehenes, wissenschaftlich gebildetes Vorstandsmitglied. für den praktischen Teil I Unterweisung im Putzen. An- und Abschirre», Erklärung verschiedener Geschirre, deren Vorteile und Nachteile, Fahren mit einem und zwei Vierden usw.i eine gleschsolls pailende und sachkundige Persönlichkeit aewonnen. Die evtl. Kosten berechnen sich mäßig, für deren Deckung die vorgenannten Körnerschaiten auszukommcn hätten, eine Ausgabe, die reichlich ihre Zinsen tränt. Der Vorstand des Tierschntzvereins bittet nun alle Pferdebesitzer. die mit dem Zwecke einer Fahrschule durch diesen Artikel einiaermaßen unterrichtet sein sollen, ihm entweder mündlich oder schriftlich ihre Aniickiten kund zu tu» In der demnack-st stottsindenden Generglversommlunq, zu der alle Interessenten für die Errichtt-na einer Fahrschule durch eine Bekanntgabe im An- -sigenttii dieses Blattes treundlichst einoeladen werden, kann dann eine weitere Ausstirgche darüber ersolaen, Gichencr Strafkammer. Gießen, 6, März, Wegen Zweikampfs wurde der Assistent Tr. M. in Gießen >u Fcstunasbast von drei Monaten, der Student R. T, in Gießen zu Festungshasi von vier Monaten verurteilt, AiiianaS Teiember 1013 iaßcn di? beiden Anoeklagteii, ieder mit seinen Bekannten an einem 1 besonderen Tisch, im Enie Ernst Ludwig. Ter Angeklagte T. wies einen an seinem Tische sitzeilden total betrunkenen Studenten, der sich ungebührlich benahm, energisch kurecht, was den Beifall des anderen Angeklagten erregte, und ihm den Ausruf „Bravo" entlockte, Ter Angeklagte T. verbat sich diese Beifallsknndgebuna mit schrosscn Warten. Es kam zu einer Auseinandersetzung, bei welcher der Streit sich in der Hauptsache darum drehte, daß M. seinen Namen nicht nannte, und welche ichließiich mit beiderseitigen Ohrfeigen endete, Tie von T. übersandte Forderung aus schwere Säbel wurde von M. aus Pistolen mit drcimaligein Kiigelweckiscl überstürzt, TaS Ehrenaerickit genebmigle einen Zwei- kamvi mit einmaligem Kngeiwechsel, Am 7. Tezember fand das Tueil im Gießener Stadtwald statt. T. schoß vorbei, M. drückte insolge eines Mißverständnisses beim Kon, Wando des Unvartei- iscken überhaupt nicht ab. Daß ein ernstlicher, wenn auch nickst auf Tötung, so dock auf Verletzung des Gegners gerichteter Kamps beabsichtigt war, gestanden beide Angeklagten zu, M i t einem Freispruch endete die Straiiachc gegen den Direktor des Rosbachcr Mincrai- auellcn H, M, Ihm war zur Last gelegt, Himbeerlimonade aus einer Essenz hergcstellt und unter einem Namen in den Handel gebracht zu haben, der daraus schließen ließ, daß die Limonade aus reinem Fruchtsail bereitet worden sei. In erster Instanz war der Angckiagte sreigesprocken worden, weil er in gutem Glauben gehandelt habe. Zu gleicher Ueberzcugung gelangte die Straskammer. Wegen schweren Diebstahls im Rückfall in sechs Fällen wurde der Kaufmann K. F. G., geboren in Wiedikon in der Schweiz, zu einer Gesaintzuchthausstrasc von vier Jahren verurteilt. Er hatte mit zwei anderen Komplizen, deren man bisher nickt habhaft werden konnte, in Franksurt a M verabredet, gemeinsam Bandendiebstähle zu begehen. Die drei volisührten die Talen in der Weise, daß sic zu zweit, manchmal auch zu drttt einen Laden betraten und sich dort Sachen vorlegen ließe»! während nun der eine den Verkäufer in seiner Auimerkiamkeit abznlenkcn verstand, stahl der andere So haben sie in Tarmstadt einen Steinmardcrpclz im Werte von 320 Mark und vier bcrrenhüte im Werte von 67 Mark, in Gießen dem Graveur s-ch. ein Zrgarctten-Etuiz und dem Juwelier S> eine goldene Uhr rm Werte von 200 Mark, in Bad-Nauheim und in Oiienbach goldene Uhren gestohlen. W-Zcn Beleidigung eines Postens wurde der studierende der Gewerbeakademic in Fnedbcrg N R. zu einer Geldstrafe von 20 Marl verurteilt. Als er nach einer Feier zu Ehren von Großh. Geburtstag nsit seinem Kommilitonen rii die Nähe des Fahneirpostcns kam. riet er „Ach- tung, präsentiert das Gewehr" oder ähnliches. Zunächst wurde B., der nach Ansicht des Postens jene Aeußerung getan hatte, vom Posten zur Rede gestellt, R. mischte sich dabei in das Gespräch ein und beleidigte dabei den Posten, indem ec ihm Größenwahn ri, dcrgk, vorwars. Er wurde scstgcnonrmen Und gat nun versucht, den Posten durch Anbicten ^von Geld z» seiner Freilassung zu bewegen. Da R. jcboci- in Südafrika groß geworden ist — nicht Engländer — und infolge seines kurzen Ausenthaltes in Deuts?',fand mit den deutschen Verhältnissen noch nicht so vertraut ist, kam das Gericht zu der Ueberzcugung, daß er sich bei dem Angebot von Geld nichts Böses gedacht habe, daß ihm insbesondere unbekannt war, daß sich der Posten durch die Annahme von Gekd einer schweren Psiichtverkehung schuldig mache. Wegen mangelnden Vorsatzes musste daher von dem Vergehen der Bestechung Freisprechung erfolgen. Auch B., der wegen Beleidigung ongeksagt war, mußte mangels Bewcises- freigesprochen werden. Wegen einfachen Bankerottes wurde der Kaufmann I. H. K. aus Büdingen zu einer Geld- straie von 20 Mark verurteilt. ,Er hatte unterlassen, seine Sa», delsl-ücker so zu sühren, daß er eine Uebersicht über den Vermögensstand halte! auch hatte er in den letzten Jahren keine Bilanzen gezogen und war im Oktober in Konkurs geraten: er war dura; Krankheit und Arbeitsüberlastung an einer ordnungsgemäßen Geschäsissührungl gehindert worden. Wegen Untreue und Urkundenfälschung wurde der Photograph G. T. aus Frankfurt a. M. zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Er war z. Zt. der Tat in Stellung bei dem Photogravhcn H. in Lick. Sonntags hatte er in Büdingen Aufnahmen zu Machen umd die eingeheiche-n Gelder cinzukassieren Er lieferte icdoch häufig die eingeheichen Geidcr nicht ab: er hatte auch Anstrag, von diesen vereinnahmten Geldern einige Gläubiger de-s H. zu besriedigen! dies tat er jedoch nicht uich fälschte drei Quittungen von diesen Gläubigern. fftericbtsfaaL w. Marburg, 6. Mär; Das Schwurgericht verurteilte heute nach langer Verhandlung den Zigeuner E r n st Ebender, der in Marienschloß bei Butzbach eine >0 iährige Zuchthausstrafe verbüßt und kürzlich in .Hanau weacn Beteiligung an der Schießerei bei Kämmerzell zu 4' , Jabren Zuchthaus verurteilt worden war, wegen versuchten Totschlags, begangen dadurch, daß er in der Nackt zum 21. August 1010 in Gemeinschaft mit seinem Bender Wilhelm Ebender und zwei nnbekanntcii Genosse» aus die Zigeuner Karl Weiß und Peter Reinhardt bei Bißhausen geschossen hot, zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Berlin, 5. März. Vor dem Kriegsgericht der 2 Garde- Division wurde gestern und heute gegen dui Ilnterotsizicr Ernst A u st von det 6 Kompagnie des Königin August« Gardc-Grena- dicr-RcgkmcntS verhandelt, der im dringenden Verdachte steht, im Oktober vorige,' Jahres feine Geliebte Hcrti IoneleIt im Grünancr Forst durch einen Renokners-buß gl-'ö'et zu haben. Als man die Leiche an dem Tatorte fand, kam ssiort der Gedanke auf, daß ein Selbstmord nicht vorlicgen könne. Belastend für den An- gcklaa'cn, der seit mehr als Jahresfrist mit der Toten ein Liebcs- verh'4t"is hatte, wir der Umstand, daü tz?r todbringende Schuß die sinke Schläfe neros'en hatte. Entsr'b'nd dem Anträge des Vcttre'crs der Anklage-h wurde uft wegen Tötung auf ausdrü-tsiches und c'it v i r Verlangen und wegen unerlaubter Entfernung ans dem Dienst zu drei Jahren sechs Monaten und einem Tag Gefängnis verur'ci! Ferner bat daß Gericht auf Te- grada'ion erkannt. In der Urteilsdeirün'-ung wird bervorgehaben, daß das Gericht davon überzeugt sei, daß der Angeklagte und das Mädchen den Enls^luk- gesoßt bitten, ge»,-jiiiaiii aus dem Leben zu scheiden. Das Geruckt gelangte aber auch zu der Ueberzeugung, daß das Mädchen fick nicht selbst erschossen habe, sondern der Angeklagte der Täter sei. D o r t in u n d , 6. März. (Privattelcgramm.) Vor dem hiesigen Schwurgericht hatte sich die Witwe des Landwirts Weliic aus Marwick bei Werl wegen Totschlages zu verantworten. Sie wurde beschuldigt, am 13. Juni 1013 ihren Ehemann mit einem Jagdgewehr, erschossen zu haben. Tie Verhandlung ergab, daß der Getötete seit Jahren seine Frau brutal mißhandelte. In der srag- lichen Nacht kam es gleichsallS zu furchtbaren Szenen, wobei die Frau schwere Verletzungen erlitt. Sic bestritt die Tat und bchanps tetc, ibr Mann habe sich aus Versehen selbst erschossen. Ter Staats anwalt erachtete die Angeklagte für überführt, beantragte aber ihre Frcisprcchuna, weil Notwehr vorlicge. Tie Geschworenen verneinten sämtliche Schuldfragen, woraus das Gericht die Frau koslcnlo- srcisprach. Par Durchschrit'swetter rm März. Mit dem Eintritt einer mittleren' Tageswärmc von 5° C. beginnt im März mit Macht das Erwachen der Pslanzenwelt. Im ganzen steigt die Wärme vom 1. bis 31. des Monats um den großen Betrag von 4° im Durchschnitt, von 3,5' bis 7,5" am 31. Ter Wärmcanstieg ist ziemlich gleichmäßig, stärkere Kälterückiällc schien. Der März Teulsckilands hat folgende M r t t c l te m pc- raturen: Süddeutsche Hochebene 2—3", mittleres Rheintal 5 bis 6".mitteldeutsches Flachland 4—5°, Nord!vcstdeutichlan.d 4—5°, Norddeulschland 2—3°, Nordostdeutschland 0—1". Am unfreundlichsten ist der März im Nordosten des Reiches, wo oft noch winterliche Temperaturen herrschen und an den Küsten und ihren Inseln, sehr mild an vielen geschützten Lagen des mittleren und unteren Rheingrabens. Auch die Gebirgslagen besitzen einen sehr rauhen März, der oft durch seinen Schnccrcichtmn den Winter überlrisst. Bei rund 300 Metern liegt die durchschnittliche Frostgrenze, so daß der Fcldberg im Taunus —0,6“, Brocken 1145 Meter —3,2°, Schncelöppe 1610 Meter — 6,4", Zug vip- 3000 Meter — 10,6" Kälte auswciscn. Im Großhcrzogluiii Hessen ist die Verteilung dcr Wärme folgende! Tarmstadi 5,2°, Gießen 4,3", Bad-Nauheim 4,1°, Mainz 5,6°, Liscnbach 4,0“, Michelstadt i. O. 3,0", Schotten 3,6°, WormS 5,3“, Alzen 4,5". Zwilchen der Rheincbene bei Mainz lind Gießen beträgt die Temperatnrdisserenz rund I V,<°. Durchschnittlich muß mit 10 Frosttagci! gerechnet werden: doch sind schon Jabre vorgekommcn, so 1883, in denen jeder Tag im März noch Frost brachte: dagegen werden Eistage, an denen auch nachmittags das Thermometer unter dem Gesrierpunkt bleibt, schon sehr selten, Tie starke Sonnenstrahlung an heiteren Tagen kann die Wärme gelegentlich bis 20" und mehr steigern. Tie mittlere Zahl der Schncctagc ist mit 5 Tagen nur wenig kleiner als im Februar. Wegen der großen Kälte, die noch in der Höhe !>crrscht. fällt sehr gerne Schnee, der aber iin Flachland nur selten als geschlossene Decke einige Stunden Überdauert. Anders im Gebirge, wo in den meisten Fällen in 700 Meter Höhe noch große Schiicemassen lagern, die erst gegen Monatsende restlos verschwinden. Tie niettergesihichtlichc Vergangenheit des März mährend dn letzten 200 Jahre ist eine sehr wechsclvvlle. Abnorm warme Märzmonaie mit Über 6" Wännc traten in folgenden Jahren ein: 1728, 1750 mir 8,2», 1751, 1756, 1757, 1750, 1761 mit 8,0", 1765, 1766, 1774, 1779, 1780, 1794. 1822, 1836, 1846, 1859, 1871, 1882, 1903. Fm allgemeinen sind danach im letzten Jahrhundert warme Märzmonate viel seltener geworden, als im 18. Jahrhundert, auch sind die ertrem hohen Turchschnittswärmen von 8° nicht mehr erreicht worden. Der März 1750 mit 8,2" wai eutschiedcu in dein ganzen Zeitraum der wärmste Monat. Winterliche Ternperaturverhältiiisse unter 0" herrschten dagegen in folgenden Jahren: 1720. 1740, 1771, 1785 mil —3.5“. 1780 mit —- 2,7°, 1800 mit — 2,3», 1804, 1808, 1814, 1845 mit — 4,3", 1853, 1883. Ten kältesten März halten mir demnach 1845: seit 1883 ist aber kein März mehr mit einer Durchschnittstemperatnr von unter 0“ vorgekommen. -- Der vergangene Februar mar in ganz Deutschland zu warm, in Nord- und Mitteldentschland um 3—4 . _Unter dem Einfluß einer ausgcvehnte» Schneedecke über ganz Lüdostcnropa bilde:: sich als Folge der durch Wärmeausstrahlung erkalteten Lnslmasscn ein sehr beständiges Hocki- druckgcbiei. daß ganz Mittel- und Ostdeutschland klare» und ruhiges Frostwetter brachte Westdeutichland dagegen log bereiis im Wirkungsbereich westlicher Zhkloncn und halte mildes Wetter. Tie Tcmveraturcn nahmen vom Westen des Reiches ostwärts ständig ab. o daß die warmen Luftmaifcn eine B riikaleistreckung von rirnh 2300 Metern hatten. Noch ausgeprägter waren die Verhältnisse am 7. Februar: Erde —4°, 500 Meier 7,4" Wärme, also Zunahme von 11,4" au? 400 Meter Erhebung. Gleichzeitig änderte der Wind an der oberen Grenze der unteren kalten Luftschichten start seine Richtung, eine für die Luftfahrt bemerkenswerte Erscheinung Cmticbirfatirt. Flieger am Nil. Wahrhaftig, die Mumien würden sich in der Pyramide ningcdreht haben — wenn sie nicht im Britischen Museum Ivären! Oder war cs etwa nicht nnerhürt, das; man plötzlich durch solch einen eisernen Rieienvogei aus viertausend jährigem Schlaf gestört wurde? lind der ewige Nil, in dessen Flut sich jetzt zum erstenmal die graziösen Eindecker europäischer Flieger spiegelten, schien im Rhythmus ausgereglen Wellenschlags seinen Protest zu murmeln. Aber das moderne Aegnpken ist ohne Empiindsamkeit und liebt es gar nicht, kulturell zu Afrika gerechnet zu werden. Es war deshalb höchste Zeit, dass der äronautil'chc Triumph des Abendlandes auch am Nil gefeiert wurde. So lind denn gegenwärtig vier Flieger, drei Franzosen und ein Engländer, bemüht, den Kindern des Deltas ihre Künste vorzusühren. Als erster erschien Pedrincsim Pharaonen land, der seinen Fernilng Paris—Kairo kürzlich int neu erbauten Heliovolis beendete: nach dein Absturz Taucourts im Taurusgebirgc wurde ihm ein besonders feierlicher Emp- iang zuteil: der französische Gesandte drücklc dem Sieger einen Lorbccrkranz mil den Farben der Republik auss Haupt, während viele Tausende weiße, braune und schwarze Hände jubelnd Beifall klatschten. Seitdem ist .heliopolis, sene paradore weiße Stadt, die vor fünf Jahren durch eine Laune großzügiger Unternehmer mit Villen und Palästen wie eine F-aia Morgana aus dem Nichts, dem Düstensande, hervorac-aubert wurde, der Mittelpunkt ägyptischer Neugier. Unweit der Stelle, wo i n der Sonnengott-Tempel stand, in dem schon Plato wan^'I c, hat man heute einen Fiugp utz errichtet, und wo in klo> sicher Zeit gar weise philosophiert wurde, surren heute die Propeller knatternder Flugmaschinen Eine allaememo ^ fahrt aus den Dörfern'des Deltas zu diesen k.ihnen Leuten in der Lcderhaube Hai begonnen, und der naiven Reden unter den beturbanten Zuschauer» ist kein Ende. Täglich gibt es eine neue Sensation zu bewundern. Zweimal i|t >5 -a.o Kitchener, der gefürchtete Besieger des Mahdi, der plötzlich himmelhoch über seinen Schutzbefoh enen schwebt: ein anderes Mal wagte iich eine entzückende Haremsdame, allen islamitischen Trodilionen zum Trotz und unverschlciert, mit dem fränkischen Flieger auf eine gemeinsame Lustrcise. Der moralische Eindruck dieser Flüge aus die ägyptische Bevölkerung ist bedeutend. Wie au Bonapartes Zeit oder bei der Einweihung des SuezkanalS marschiert Frankreich in -Aegypten an der Spitze der Zivslzsation Französischen Fliegern wurde cs durch große Stiftungen von privat er Seit e in nachahmenswerter Weife ermöglicht, zum Prestige ihres Baterlandes in der Levarrte auf diese Art erheblich bei^u» tragen. Zwar gaben sie dem aushorchende» Aegypten klein, liche EisersuchrS- und Skandalszene» — man sprach sogar von einem Fliegerduell am Ml —, aber das allgeineinc Interesse bewahren sie sich doch. Inzwischen hat Pourpe seinen Flug Kairo—Khartum fast beendet, der Engländer Mac Lean ist mit drei Passagieren im Hydroplan nilauswärts geflogen, und Llivicr bcabsichligt, den dunklen Kontinent bis -»m Südkap zu durchfliegen. Pedrines selbst will über Jerua salem—Bagdad nach Indien und Ostasien fliegen und schließ >ch über Amerlla hcimkehrcn: gegeinvärtig wohnt er im idyllischen Mcnahouse gegenüber der Eheopsyramide und schwirrt täglich znm Schrecken der Beduinen über das Pyraa midengeländc. Nichts kann seltsamer sein als ein Flug über diese gl - gantischen Wahrzeichen antiker Kultur, der Aclteslcs und Modernstes zu einem bizarren BNs vereini. Beim Lärm des Motors slattern mächtige Geier nnd Nilvögcl kreischend auseinander, und die Pyramiden verlieren sich mit Palmen und der Moschee des nahen Arabcrdorses zu lächerlicher Kleinheit. Der Nil ist zu einem unendlichen schmalen Band ge- worden, und die unbeholfenen winzigen Punkte daneben sind eine Kamcltärawanc. Selbst der gewaltige Sphinx scheint sich zwischen gelbem Sand zu verstecken. Er denkt an Horns, den geflügelten Sonnengott oder an Schow, den Gott der Lust, der den Himmel trägt, und lächelt in stummer Beredsamkeit ironisch hinab, zum Nil . . . vermischte». ' Aus der Lawine a e r e I t e I Wie ni.S Innsbruck, 5. März, ae neidet wird, rettete» s.ch von der aever» im Oriler- aebiet vcrschulteie» «kiabte l.wa von 20 Manu ein Oisizler und v.er Mann: die übriae» ..inftebi. sin" tot. * Der beftraste T«crsre»nd. Daß cs slrasbar sein kann. Tiere von einem Leiden zu heilen, gegen das die tierärztliche Wisensclast angeblich wirksame beilmüicl nicht besitzt, zeigt eine richterliche Entscheidung, die dieser Tage in der Schivciz durch das Gen in von Rolle gesagt wurde Bor den Schranken erjchien als Angel aller ein M. Adolvhe Pinwn. der sich sel-uidig belen- nev in»' e. während der letzen Emdemie.von Mnnbsäule über 2000 Tiere — geheilt zu haben Pinson wollte iciit Heilmittel nicht vc xi e». Tie Zeuge-rutsagcn er-aben ü ercinüimmend, baß Pi iso» alle Tiere, ajc ihn zur Behandlung übergeben wurden, gehn' hat. die Vieh sitz r sind des Lobe; sür iesen Helfer voll. Al ci - der Slaa sanwa't wies nach, daß Pinson als Tierarzt ■i' I an ro icr: in und - ge e !d, da"- cs na h dem Urteil der Ta vc. 'ä digen kli» n' k s i a erkanntes Mit el gegen die Mu df ule ä e — was i »>:> an crei Sa "-v:rltändigen (e'rillen wi.d. Der Bccci i,-r sor - e die Freisp c'ung seines Klicn en da eS erwiesen ist, daß er iu der Tat au n hm los wirkte c Heilungen crz e ie. Aber wenn M. Pinson au die Tiere eeheil! hat: er hat das nicht nach den Regeln der Kunst und der Wissenschaft ge:an. und io verurteilte man den Tiersreund zu 120 Frs. Ttrase und allen Kosten. * Schöne Aussichten, Tie elegante junge Dame: ,.Ach, ich würde am liebsten einen Flieger heiraten, schwarz kleidet mich so gut/' Spielplan der vereinigten zrantfurter Stadttheater. iSpernhaur. Sonntaa, den 8. März. itarh:mtMo§ */,4 Nbr: „Tee Zigeuner- barou." Abends 7 llhr : „ftiqflro« frocl'jeit/ Aiontag, den 9. März, abends 6 Uhr: „Paisifal/ Dienstag, den 1 . März, abends '/,8 Uhr : „Eugen Tneain/ Mittwoch den II. Mär-, abcitds Uhr: „Polen- blut * Tonnerslag d-n 12. März, abends Uhr: „Ton Juan/ nireitag, den 13. März, abends 8 Uhr: „Tt hello/ iSJjnuiuicI) Samstag, den 14. März, abends ;*8 Uhr: „Der Gorrcgidor/ Sonntag, den 15. März, nachmittags 6' , Uhr: „Mignon/ ^Abends 7 Uhr: „Polenblnt/ Äkontag, den 16 . Mar.z. abends 7 Uhr: „^ohen» glitt/ Tienütag, den 17. Atärz. abends ' .8 Uhr: „Der Barbier von Sevilla." Mittwoch, den 18. März, nachm. 4 Uhr: „Parsifal/ Tonnerstag, den 19. März, abends 7 Uhr: „Tie Hugenotten." Schauspielhaus. Sonntag, den 8. Mär», nachmittags 3 Uhr: „Dr. Klaus/ Abends 7 Uhr: „Tie Langovrmzefstn/ Aiontag, den 9. März, abends 8 Uhr: Trittes (£iifemble*Q>nfMptel des Grok i. ^oUheaters zu Darinstadt: „Das Phantom/ Tienslaa. den 10. März, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: „Seite 105/ Lustspiel in 3 Alten von Ali. Halm und Aob. Sandek. Mittwoch, den II. März, abends 8 Uhr: „Tie Tangoprinzeisin/ Donnerstag, den 12. März, abends 8 Uhr: „Robert und gertram/ ineitag, den 13 März, abends 8 Uhr: „Wie einst im Mai." Samstag, bca 14. März/ abends 8 Uhr: „Seite 105/ Sonntag, den 15. Marz, nachmittag-?' ‘, ,4 Uhr: „Piigmalion/ dlbends 7 Uhr: .'Wie eftuft mi Mai/ Montag, den I >, März, abends 8 Uhr : „Sene 105/ Tienslaa, den 17. 'Marz, abends 8 Uhr: Erstes Gail- U'icl der »7ran 2lgnes Sornm: „Minna von Barnhelm/ Mittwoch, den 18. März, abends 8 Uhr: „Tie Tangoprinzessin/ Donnerstag, de,» 19. März, abends 8 Uhr: Zweites und letztes Gastspiel der Uran A gneS Sor,na: „Das oMcf im Winkel/ verhindert den Ansatz von Zahnstein und erhall die Zdhneieln und öesund 1 Häuelichcr Lnruv in der Wohnung kann als übcrflimin bezeichnet werden, wenn inan sich aber fiir billiges Geld etwas leisten kann, warum soll da iiicht ein häuslicher Vlizus in der eigenen WobnungSeinrichtnnn plnvgreifen. Orientieren Sie sich deshalb in den alisgedehmen Ansstellungsrällinen der Hof- möbe.fabrik Td. Briirk, Giessen, Elle Schlonaassc-Bralidvlai», gegr. 1858. über Jnnen-tkinrichtungen» und Sie iverden sinden, das; Sic einen gesch nackvollcn „VuxuS" für geringes Geld auSübeli können. Die Besichtigung der fertigen InnenarrangementS ist ohne >1aus- Verbindlichkeit ^ederinann gerne gestattet. 3058» ohenEohe afer-FIodcen sind sür Gesunde und Kranke. Kinder und Erwachsene gleich nahrhaft und wohlschmeckend. 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