Nr. 55 Lrscheint täglich mit Ausnahme der Sonntags. Tie „Citfttntt Zamtlienvtilter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „rleeirblatt für den Xreir Ziehen" zweinial wöchentlich. Die „c-ndwirtschasttichev Seil- Iragen" erscheinen nwnatlich zweimal. 164. Jahrgang Freitag, 6. März 1614 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Rotationsdruck und Verlag der Brühlsscheu UniverfttätS - Brich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e=ü*5L Redaktion: 11 2 . Trl.-Adru AnzeigerGießes. Mb. Deutscher Reichstag. 228. Sitzung. — Donnerstag, 5. Marz 19 U. Am Tische dos BundeSratcs: Kraetke. Präsident Tr. Kacmpf erössnet die Sitzung 1 Uhr 15 Min. Eingcgangcn ist eine Novelle zur Gewerbeordnung bctrcfscnd die Schankkonzessionen. Der voslelal. (Vierter Tag.) In der Einzelberatung tritt Abg. Werncr-Hersfelü (Rfp.)> für Besserstellung der Telcgrapheninspeltoren und Post, agentcn ein. Abg. Dr. Neumann-Hoscr (Vp.): Ich möchte dringend bitten, bei der Auswahl von Post, agenten darauf zu sehen, daß die Erwählten auch wirklich das vertrauen ocr Bevölkerung genießen und insbesondere nicht den ansässigen Kaufleuten Konkurrenz machen. Staatssekretär Kraetke: Für die Aufbeffcrung der Postagenten sind im Jahre ISIS 280 000 Mk. ausgcjctzt worden, im Jahre 1810 263 000 Mk. Bei Vergebung der Agenturen wird daraus gesehen, nur Persönlich, keitcn zu gewinnen, die das Vertrauen der Gemeinde genießen, und die auch den Gewerbetreibenden am Orte keine Konkurrenz machen. Ein« Resolution der Dudgetkommission, die eine Erhöhung der Tagegelder der nicht ctatSmähig angeslelltcn Post, und Tclcgraphenaflistcntcn und eine Erhöhung der Bezüge der weiblichen Gchilsinnen bei den Postämtern III fordert, wird angenommen, ebenso eine weitere Resolution, die nach Ab» lauf des ersten Betriebsjahres der Krankenkassen einen Bericht für de» Reichstag über die zur Ausgestaltung der Kaffen getroffenen Maßnahmen verlangt. Die Ostmarkenzulagen. Die Budgctkommifsion hat die wieder in den Etat eingestellten Ostmarkenzulagcn in Höhe von 1200000 Mk. abermals gestrichen. Anträge Basscrmann (Natl.) und Schultz-Bromberg, Graf von Westarp (Kons.) fordern die Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Außerdem liegt eine Resolution Schultz (Rp.), Graf Westarp (Äons.) vor, die den Reichskanzler aufsordern, zu erwägen, ob. solche Zulagen nicht auch auf andere ge - mischtsprachlichc Kreise und Reichs st eilen ausgedehnt werden können, in denen ähnliche Verhältnisse obwalten wie in der Provinz Posen und den gemrschtsprachlrchen Kreisen der Provinz Westpreußen. Staatssekretär Kraetke: Aus dem Umstande, daß die ReichSpostverwaltung die Ostmarkenzulagen wieder in den Etat eingestellt hat. können Sie ermeffen, welchen Wert die Verwaltung darauf legt. Es wird im ganzen Hause kein Zweifel darüber sein, daß diese Zulagen für die Beamten sehr wichtig sind. Es handelt sich um rund 6000 Beamte. Die Frage wird rwch bedeutungsvoller, wenn man bedenkt, daß eS Beamte sind, die jahrelang diese Zulagen bezogen haben, und die nun plötzlich 10 Prozent ihres Gehaltes verli-eren sollen. Nun wurde die Meinung geäußert, daß die Sache nicht mehr so schwerwiegend sei, weil in. zwischen die Beamten eine Besoldungserhöhung gehabt hätten. Die Tatsache ist ja richtig, die unteren und mittleren Beamten haben eine Gehaltserhöhung bekommen, aber sie steht doch in keinem Verhältnis zu dem. was sie durch den Wegfall der Ostmarken- zulagen verlieren. Trotz der Gehaltserhöhung beträgt die Einbuße durch den Wegfall der Ostmarkcnzulagc bei den Landbriefträgern bis zu 140 Mark, bei der Schaffncrklasse bis zu 70 M.. bei den Postschaffnern bei den Obcrpostdnektionen bis zu 70 M.. bei den gehobenen Unterbeamren bis zu 210 M., bei der Assistentenklasse bis zu 150 M.. bei der Sekretärklaffe bis zu 420 M., bei den Ober- sckretären bis zu 450 M. Diese Zahlen reden doch eine deutliche Sprache. Sie zeigen, welch schwerer Eingriff in die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beamten durch die Streichung dieser Zulagen vorgekommen ist. Man hat behauptet. diese Zulagen hätten korrumpierend ge- wirkt. Wenn es sich darum handelte, die einzuführen, dann könnte man es verstehen, wenn mißtrauische Leute etwas Zweifel haben, aber hier handelt es sich doch um Zulagen, die die Beamten jahrelang bezogen haben. Und der Vertreter der polnischen Fraktion hat kein Wort davon gesagt, daß die Beamten korrumpiert seien ober daß sie irgend einen Anlaß zur Klage gegeben hätten. (Zurufe bei den Polen: Nal na!) Der polnische Redner hat wohl einige Wünsche vorgebracht, aber Klagen über die Beamten sind nicht laut geworden. Ich habe kein Wort davon gehört, daß diese Zulagen etwa schlecht auf die Beamten gewirkt haben sollten. Die Beamten haben sich auf diese Zulagen eingerichtet. Jeder verständige Mensch macht sich doch einen Plan für die Führung seiner Lebensweise, für die Versorgung seiner Kinder, für seine wirtschaftlichen Ausgaben. Die Beamten haben mit diesem Gelds gerechnet. Sie haben ihren Haushalt danach eingerichtet, ihre Miete, sie haben ihre Kinder etwas lernen lassen. Alles gestützt auf die Ostmarkenzulagen. Diese Tatsachen können doch nicht geleugnet werden. Nun find diese Zulagen doch auch gegeben worden, um die Reichsbeamten mit den preußischen Beamten gleichzustellen. Jetzt muß der Postassistent für seine Wohnung denselben Preis bezahlen, wie der Bahnassistent, obwohl der Reichsbeamte so und soviel hundert Mark weniger bekommt. Die Zulagen haben keinen politischen Beigeschmack. Ich bitte die Herren dringend, die Regierungsvorlage wieder herzustellen. Es handelt sich um das Wohl der Beamten. Es ist eine Unbilligkeit, und e§ ist ungerechtfertigt, daß man Beamten, die jahrelang dieses Geld bezogen haben, nun diese Zulage nimmt. Ich empfehle Ihnen dringend die Annahme der Anträge. (Beifall.) Abg. Schlee (Natl.): Es mutet wunderlich an, wenn behauptet wird, die Ostmarkenzulagen verfolgen politische, antipolnische und antikatholische Tendenzen. Dos Gegenteil ist richtig. Wenn gar behauptet wird, daß sie den Kulturkampf heraufbcschwören, so frage ich: Weiß man denn nicht, was alle Welt weiß, daß wir so kulturkampfmüde wie nur möglich sind, daß wir lieber Unrecht leiden als Unrecht tun? Wir Deutsche müssen uns zusammenschließen ohne Unterschied der Konfession, wenn wir den polnischen Ansturm abwebrcn wollen. Deshalb lehnen wir jede antikatholische Agitation ab. Wir sind kulturkamvfmüde. Die bescheidene Zulage kann doch nicht korrumpierend wirken. Eine solche Behauptung müßte bewiesen werden. So ist sic nur em leeres Schlagwort. Unser Staat und seine Beamten sind von einem strengen Rechtsycfuhl erfüllt, sc daß sic sich durch eine kleine Zulage nicht in ihren Entschlüssen bestimmen lassen. Der Staat Preußen zahlt jedem Beamten dort die Zulage. Wir wollen sie deshalb auch den Reichs- beamten und zwar unwiderruflich bewilligen, nicht als politische Maßnahme, sondern in ausglcichender Gerechtigkeit gegenüber den preußischen Beamten. Die Postbeamten tun chre Schuldigkeit mit solcher Freudigkeit und Gewissenhaftigkeit, so frei von Vorurteilen gegen das polnische Volk, daß gerade die Polen zuerst die Zulage bewilligen mühien. Ucberhaupt kommen nur untere und mittlere Beamte für d,e Zumge in Betracht, die kaum mchr Einkommen haben als ein bestergestellter Arbeiter. Abg. Noske (Soz.): Die Ostmarkenzulage ist eine politische Maßnahme und weiter nichts. Es handelt sich auch nicht um eine Fürsorge für mittlere und untere Beamte. Der Staatssekretär hat in diesen Tagen wiederholt eine eigenartige Vorliebe für diese Beamten bekundet, er hat sie einfach in Stich gelassen. Im Osten ist cs doch nicht zu teuer. Einer Aufbesserung der Beamten werden wir bei der Beratung der Besolüungsnovelle gern nahetreten. Wenn Preußen seine fremdsprachigen Staatsangehörigen sich angliedern will, soll cS eine Politik der Gerechtigkeit, Humanität und Demokratie verfolgen. Abg. Graf Westarp (Kons.): Die Postbeamten in den polnischen Provinzen sind durch die Streichung der Zulage schwer geschädigt worden. Das muß bei ihnen schwere Erbitterung Hervorrufen, weil sie gegen die preußischen Beamten wie Beamte minderen Grades erscheinen. TaS Schicksal der Ostmarkenzulage steht in der Geschichte der Beamtengesetzgebung ganz einzig da. Sie sollte den Beamten einen Ersatz bieten für die Schwierigkeiten, die ihnen die Verhältnisse in Posen machen. Die polnische Politik bestreitet mit fanatischem E'fer mit gutem Erfolg die Absonderung der polnischen Bevölkerung von der deutschen. Ter preußischen Ostmarkenpolitik soll Mißtrauen erwiesen werden. Deshalb scheut sich die Mehrheit nicht, einer großen Zahl von Beamten unrecht zu tun. Diese Beamten sind nicht bloß Deutsche und Evangelische, sondern vielfach auch Katholiken und Polen. Selbst in der Ostmark wird die Ablehnung kaum verstanden werden. An die Sozialdemokraten wende ich mich bei ihrer grundsätzlichen Gegnerschaft gegen nationale Bestrebungen nicht. (Große Unruhe und Lachen bei den Soz.) Unser Antrag, die Zulage überhaupt in gemischtsprachigen Gegenden zu bewilligen, beweist, daß es sich nicht um eine politische Frage handelt. (Beifall rechts. Zischen bei den Soz.) Abg. Kopsch (Vp.): Seitdem die Ostmarkenzulage auf unfern Antrag hin unwiderruflich gemacht ist, haben wir für sie stimmen können. Sie soll den Beamten für den schweren Dienst in gemischtsprachigen Gegenden entschädigen. Der Beweis, daß sie korrumpierend wirkt, ist nicht gebracht. Erschwerend ist, daß es sich nicht um die Ablehnung einer neuen Forderung, sondern um oie Aufhebung eines bestehenden Rechtes handelt. Mit den Beamten wird auch der gewerbliche Mittelstand im Osten geschädigt. Dem Anträge, Zulagen in allen gemischtsprachigen Gegenden zu bewilligen, stimmen wir zu. Wir halten ihn für wichtig, namentlich im Hin- blick auf Elsaß-Lothringen, wo die Eisenbahnbeamten ohnehin besser gestellt sind als die Postbeamten. Abg. Brandys (Pole): In der ganzen Debatte habe ich keinen durchschbrgenden Grund für die Ostmarkenzulage gehört. Der einzige wäre, daß dje Reichsbeamten den preußischen gleichgestellt werden müssen. Solche Gleichstellung ist aber nicht möglich. Der Beamte soll gar nicht polnisch können. Man verlangt von ihm die Unkenntnis des Polnischen. Es ist auch nicht nötig, daß die mittleren Beamten alle ihre Söhne studieren lassen, sie können sie anderen Berufen zuführen. Graf Westarp hat zugegeben, daß eS sich hier um eine politische Maßnahme handelt. Nicht die Zulage an sich, sondern das System wirkt korrumpierend. Der Pole darf bei uns nicht Beamter werden, nicht einmal Nachtwächter. Es gibt kciuc Gründe als politische. Abg. Mertin (Rp.)r Mein Freund Schultz ist leider durch Krankheit ia seiner Familie verhindert, heute hier zu sprechen und mit seiner gewohnten Eindringlichkeit für die Ostmarkenzulage einzutreten. Die Entziehung der Zulage ist viel schlimmer als die Nichtgewährung von Anbeginn. Denn die Beamten sind nun einmal auf die Zulagen eingerichtet, und deshalb ist es doppelt hart, wenn sie sie wieder verlieren. Von einer Korrumpierung der Beamten kann wahrlich nicht die Rede sein. In einem geordneten Staatswesen gilt es als Grundsatz, daß man den Beamten nicht einen Teil ihres gesetzlich festgelegten Einkommens, ohne daß ein Verschulden vorliegt, entzieht. Unsere Resolution entzieht den Gegnern den letzten Grund für ihre ablehnende Haltung. Wir verlangen keine Gnade für die Beamten, sondern' nur Gerechtigkeit. Abg. Ledebour (Soz.): Der selige Bülow-Block, der bei solcher Gelegenheit eine fröhliche Auferstehung feiert, hat zu beweisen gesucht, daß die Ostmarkenzulage nur eine wirtschaftliche Frage ist. Auch Graf Westarp hat in dieses Lockhorn gestoßen. Aber gleichzeitig hat er gesagt, er apelliere nicht an die Sozialdeinokratie, weil sie für nationale Zwecke nicht zu haben ist. Damit hat er selbst die politische Bedeutung der Ostmarkenzulage zugestanden und zugleich einen für uns ungemein ehrenvollen Ausspruch getan (Hort! Hört! rechts), weil er damit zugesteht, daß wir nicht für Avecke zu haben sind, die unter dem Namen „national" in Wirklichkeit die Gesinnungskorruption fördern. Mit ihrer angeblich nationalen, in. Wahrheit erbärmlich chauvinistischen Politik, haben Sie nur erreicht, daß die nationale Einheit Deutschlands zerrüttet wurde. Mit der Ostnlarkenzulage will man nur germanisieren. Haben Sie denn kein Gefühl für die Ungerechtigkeit und für den Mangel an nationalem Empfinden, der darin liegt? Jeder Deutsche im Ausland ist ein erbärmlicher Kerl, wenn er sich durch die madjarisierende oder rufsifizierendc Politik, die auf demselben niedrigen Niveau steht, wie diese Kraetke-Gesell- schaft, von seiner Nationalität abbringen läßt. Für die Gewährung der Zulagen ist nur die politische Gesinnung maßgebend. Darin liegt die infam st c Korruption. (Bize-Prä- sident Dr. Pasche ruft den Redner zur Ordnung.) Der Staatssekretär hat nun auf einmal sein warmes Herz für die Beamten entdeckt. Die Postbeamten in Zabern hat er aber im Stich gelassen. (Vizepräsident Dr. Paasche: Diese An- Gelegenheit ist bereits erledigt.) Ich will nur eine Parallele ziehen, hören Sic nur zu. (Heiterkeit.) Die Postbeamten in Zabern . . . (Vizepräsident Dr. Paasche: Ich bitte Sic, diese Ausführungen nur ganz kurz zu machen. — Großer Lärm bei den Soz.) DaS entspricht ganz meinen Jntcnsionen. (Heiterkeit.) Wenn _ der Staatssekretär sich so benimmt wie im Falle Zabern. was müssen dann die von ihm abhängigen Beamten denken? Was sagen die korruptionsfähigen Elemente, die eS überall gibt? Sie sagen sich: „Wir müssen diesen verdammten Wackcs mal eine gehörig rauhe Seite zeigen, dann erwerben wir uns das Wohlwollen KractkeS. Wenn wir uns bemühen, neutral zu sein, so setzen wir unS in Mißkredit, und wenn wir dann von den Prcußenbündlern an- gegriffen werden, dann nimmt uns Kraetke nicht in Schutz." So sprechen die korruptionsfähigen Elemente und handeln danach. Darum gehen sie auch gegen die Polen vor. So kommt eS, wenn Staatssekretäre mit iyren Aeußcrungen nicht vorsichtig sind. DaS wirkt dann korrumpierend. Dieses Korruptionssystcw bekämpfen wir. (Lärmender Beifall der Soz.) Vizepräsident Dr. Paasche: Ich rufe Sic nochmals zur Ordnung. (Großer Lärm der Soz.) Sic haben behauptet, daß ein Korruptionssystcm besteht. (Ledebour: Jawohl! — Beifall der Soz.) Dagegen muh ich die Regierung in Schutz nehmen. Das ist meine Pflicht. (Lebhafter Beifall.) Abg. von Czarlinski (Pole): Wir bestreiten, daß wir staatsfeindliche Bestrebungen verfolgen. Die Ostmarkenzulage bleibt eine eminent politische Frage. Staatssekretär Kraetke: ES handelt sich hier nicht um eine politische Frage, sondern darum, daß Sie im Begriffe sind, Beamten den zehnten Teil ihres Gehaltes vorzuenthalten. DaS ist die einzige Frage, di^bier erörtert wird, ob die im öffentlichen Dienst beschäftigten Postbeamten irgend welchen Anlaß bieten, sie der Zulage zu berauben. Eine sehr ernste Frage: Liegen wirklich Gründe vor, in d,c Lebensweise dieser Beamten so einzugreifen, wie Sie cs tun wollen? Man hat einen Vergleich zwischen den Gehältern der RcichSbeamten und der wärt- tcmbergischen herangezogen. Darum handelt cS sich hier auch nicht, sondern um cin ganz besonderes Terrain, auf dem sonst keine Beamten sind als preußische und diese preußischen Beamten erhalten nun einmal die Zulage. Dabei ist wohl zu beachten, daß auch die Postbeamten vom König von Preußen ihre Anstellung erhalten, ebenso wie etwa die Eisenbahnbeamten. Die letzteren erhalten die 10 Prozent Zulage, die Postbeamten nicht, die demselben König von Preußen verpflichtet sind. Dann ist auch zu bedenken, daß unter den 6000 Postbeamten sich etwa 9 Prozent Polen befinden Ich verzichte darauf, dem Abgeordneten Ledebour zu antworten. Ganz anders, als in Menschcnköpfen, malt sich in seinem Kopf die Welt! Abg. Dr. Spahn (Zentr.): Meine politischen Freunde werden bei unsere« Beschluß bleiben und die Zulage abl-hneu. (Beifall im Zentrum.) Den Staatssekretär möchte ich bitten, er wolle mit dieser Position nicht mehr kommen, so lange das Haus wie jetzt zusammengesetzt ist. Ob es sich dabei auch um katholische Postbeamte handelt, ist ganz gleichgültig. Ebenso die Unwiderruflichkeit der Zulage. Denn unwiderruflich ist genau dasselbe wie das „widerruflich" in der preußischen Zulage, so lange der Beamte, der die Zulage erhält, jeden Augenblick versetzt werden kann und dadurch die Zulage verliert. (Sehr richtig! im Zentrum.) Deswegen ist die Zulage verwerflich und muß korrumpierend wirken. De, Fall des einzelnen Beamten steht gar nicht in Frage. Alber die Versetzung und damit der Verlust der Zulage hängt beständig über ihm. Deshalb stimmen wir gegen die Zulage und zwar dauernd. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Die Anträge Bassermann (Natl.) und Schultz (Rp.) auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage werden in namentlicher Abstimmung mit 194 gegen 127 Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt. Damit sind die Ostmarkenzulagen wieder gefallen. Für die Zulagen stimmten mit der Rechten die Ncrtionalliberalen und die Fortschrittliche Volkspartei. Auch die Resolution Schultz (Rp.), Westarp (Konst) auf Gewährung von Zulagen für alle gemischtsprachigen Gebiete wird in namentlicher Abstimmung mit 188 gegen 121 Stimmen bei drei Enthaltungen abgelehnt. Abg. Behrens (Wirtsch. Vgg.) bedauert, daß bei den Postbetriebskrankenkassen die Familien- Hilfen aufgehoben worden sind. Das ist ein unglaub. licher sozialer Rückschritt. Statt diese Hilfen auszu- dehnen, beseitigt man sie. Der Hinweis auf die vorhandenen Uuterstützungstitel ist unzureichend. Ich bitte, die Familienhilfe noch im Laufe des Jahres allgemein einzuführen. Geschieht das nicht, so werde ich die Einstellung eines Etatstitels beantragen. Sollte kein Geld dafür zu haben sein, so werde ich Vorschlägen, ans dem Gehalt des Staatssekretärs das Geld zu entnehmen. Direktor im Reichspostamt Aschenboru: Wir konnten nicht so Vorgehen, wie die anderen Verwaltun- gen, weil bei uns die Verhältnisse ganz anders liegen. Wir haben sobald die Reichsversicherungsordnung erschienen war und die Krankenkassen-Satzungen feststandcn, die Frage studiert, und wir müssen abwarten. was wir tun können. Jedenfalls kann man uns nicht vorwerfen, daß wir von einer Einrichtung zurückgetrcten sind, die sich bewährt hat. Die Beamten selbst haben bisher die Familienhilfe nicht gewünscht, und in den Satzungen ist nichts davon enthalten. Abg. Dr. Ouarck (Soz.): Die unterirdischen Fernspvech. und Telegiaphcnleiiungcn haben ja zugcnommen, aber sie entsprechen noch lange nicht den Bedürfnissen. Dar Tempo des Baues von Kabeln muh wcscnt. lich beschleunigt werden. Freilich hat die Verwaltung, sc weniger Kabel sie anlegt, desto mchr Einnahmen, weil sie in Zeiten der Störungen und Anhäufungen dar Publikum zu dringenden G«. sprächen zwingt. Dar ist aber ein ganz unerhörter Zustand, dah man dal Publikum für die Rückständigkeit der Postverwaltnng straft. Staatssekretär Kraetke: Wir streben allerdings danach, die Fernsprcchlcitungen unter, irdisch zu legen. Dos ist aber erst seit zwei Jahren technisch mög. Iftfi. Dadurch können wir dem Mangel an Linien und Störungen cntgcgenwirken. Der Betrag, der für die Störungen aufgebraucht wird, ist durchschnittlich 270 OM M. pro Jahr. Die Verkabelung des ganzen Netzes würde eine Milliarde kosten. Das geht natürlich nicht auf einmal. Nun kann man nicht so viel Linien anlcgcn, dasi jedermann jederzeit sprechen kann. Unser Tarif ist billiger als in irgend einem anderen Land. Wir streben dahin, unser Netz auszubauen, aber allen Ansprüchen, speziell während der Börsenzeit, können wir nicht genügen. Abg. Dr. Gradnancr (Soz): Die Verwaltung könnte mehr zum Ausbau des Kabelnetzes tun als cs der Fall ist. Das beweisen die Vorgänge in Dresden, wo seit einem Jahr fortdauernd Quälereien und Belästigungen des Publikums stattfindcn. Es herrscht große Erbitterung. da die Wünsche des P blikums nicht angehört werden. Nicht nur die Geduld, sondern auch die Gesundheit der Bevölkerung ist durch die andauernden Telephonstörungcn aufs schwerste gefährdet. Ein Kind ist dadurch gestorben, daß nicht rechtzeitig ein Arzt durchs Telephon herbeigerufen werden konnte. Natürlich ist keine Rede von Entschuldigungen. In den ersten Monaten des llebelstandes suchten die Behörden jede Schuld von sich abzuwalzen und dem Publikum zuzuschieben. Tatsächlich lag die Hauptschuld an den Telcphonämtern selbst; man hat nicht die nötigen Vorbereitungen getroffen. um von dem alten zu dem neuen System überzugehen. Die Postverwaltung hat nicht einsichtig und gründlich genug eingegrrffen. Aehnliche Ucbclstände dürfen sich an anderen Orten nicht wiederholen. Staatssekretär Kraetke: Die Telegraphenvcrwaltung hat in Dresden den ersten Ver- sirch gemacht, die halbautomatische Verbindung einzusühren, die an sich sehr schwierig ist. Damit wurde im Telcgraphcndienst zun erstenmal eine Einrichtung getrosfen, die sogleich 2b 000 Anschluss« zu befriedigen hatte. Keine andere Verwaltung der ganzen Welt hatte eine solclw Einrichtung gewacht, wir waren die ersten, die; cs wagten. Ich gebe ohne .vciteres zu, daß manches geschehen tfl; das hätte vermieden werden können, aber d ie Beamten müssen sich erst h i n e i n a r b c i t e n und die kleinen Fehler,' die nicht zu vermeiden sind, kennen lernen. Daß der Mißstand etwas lange gedauert hat, hat niemand schmerzlicher empsunden als wir. Wir haben uns aber bestrebt, die Fehler zu vermeiden, und haben schließlich auch die Zeit cingehalteu, die wir in Aussicht gestellt hatten. Jetzt sunktioniert die Einrichtung recht gut, das hat der Vorredner ja selbst zugestandcn. Die Dresdener sind stolz aus das Telephonshstcm, das bester ist als viele andere. Zur praktischen Beurteilung der Sache müssen alle, wenn ein ganz neues Gebiet eröffnet werden soll, lernen, die Lieferanten und die Beamten. Abg. Taubadel (Soz.) bringt Wünsche der Telegraphenarbeiter vor. Abg. Hcckmann (Natl.): Die bescheidenen, aber berechtigten Forderungen der Tele grapbenarbeitcr sollte man wirklich erfüllen. Das Ergebnis eine, Audienz beim Staatssekretär war gleich Null. Für alle Wünsch, hatte er ein freundliches, aber b ut i m m i c § Nein Auf alle Forderungen erhalten die Arbeiter ^sne schroffe Antwort Das stärkt das Vertrauen zur Verwaltung nicht. Abg. Kupsch (Vp.): Die Tclegraphenarbeiter wünschen einen weiteren Ausbai der Arbeiterausschüsse, Erweiterung ihrer Befugniss, und Aenderung des Wahlbcrfahrciis. Eine Verständigung de» Arbeiterausschüste wäre sehr vorteilhaft. Ein Reichsarbeitcraus schuß müßte das Recht haben, sich direkt an den Staatssekretär zi wenden. Abg. Behrens (Wirtsch. Vgg.): Es ist bedauerlich, daß der Staatssekretär den Reichsarbeiter- msschuß ablehnt. Dann muß eben der Reichstag -als Reichs« rbeitcrausschuß auflreten, obwohl viele Fragen bester in einem kleineren Kreise erörtert werden. Jetzt kommt der junge DLann zum Telegraphenbau und hofft nach zehn Jahren Beamter zu werden. Da stellt auf einmal der Postarzt einen gesundheitlichen Mangel fest, und mit der Karriere ist cs vorbei. Das heißt doch geradezu eine Falle stellen. (Hört! hört!) Im guten Sinne gemeint. (Heiterkeit!) D. h. ich nehme bei der Regierung kein- Absicht an. Die Kosten der ärztlichen Untersuchungen müssen jetzt die Arbeiter tragen. Das geht nicht, das verlangen nicht einmal die Gruben im Bergbau. Staatssekretär Äractkc: Es ist unsere Pflicht, darauf zu sehen, daß gnt und willig gearbeitet wird. Die ärztliche Untersuchung erscheint doch unnötig bei» einem Mann, von dem man nicht weiß, ob er jemals Beamter wird. Praktisch wird es fei»'., eine solche Untersuchung immer im gegebenen Fall anzustcllen. Das Tetegraphenbanwesen verbraucht, wie ich schon im vorigen Jahre fcstftellte, alljährlich erhebliche Summen. Es ist notwendig, die Arbeiten einer entschiedenen Hand anziwertrauen. Ein Drittel der Forderungen auf Lohnerhöhung ist bewilligt werden. Die Arbeiterausschüste haben wir für bestimmte Distrikte gern zugelassen, weil sie im wesentlichen doch lokale Wünsche behandeln sollen. Das Haus vertagt sich. Freitag 1 Ubr pünktlich: Anfragen. Desieroerarung. Schluß 7 Uhr. Lattdwirtschaff. — 2 ang- ® o ii$, 3. März. Zugleich ,„ji b ei; 55,115. 'i e reinig ung soll hier m önng-OönS eine grase gemein» i a m c Obstanlage geichaffe» werden. Bor einigen Tagen iand deshalb anl den> Ratlianle eine com Obstpauverein einberniene SSer(ammlimg statt, in der die vorläufige» Taßnngen einer solche» Genoffeuschast beraten wnrden. Wie der Groß». Feldbereinigungs- kommhtär dem Obslbaiwcrein milteilt, will die Znteilungskonnnffston i» jeder Beziehung die Bestrebungen unterstützen. Es ist daher auch wahrscheinlich, da« in die betreffende Flur Masien- grundslücke qelegl werde», dauiit aiich ben Nicht-Landwirten Gelegenheil geboten ist, sich dort ein Grundstück zii eriverbcn, »>» dann Mitglieder der Geiiohenschast z» werde». Aiich von der i'audivirlschailskaunncr wird dieser Plan geiördert und unterstützt werden. verelnsnachrichten. •*- O b e r h e i i i I ch e s Tarnenden» Tie Wcihnachts- »Itfiühruiig der Eiskönigin und der Kttideriymphonie am 13. Und 15. Dezember 1913 Iwittc ein Reinergebnis von 687 Mk Einer Einnahnic von 985 Mk. stehen 298 Mk. Unkosten gegenüber. Das Vermögen des Vereins hgl inzwischen noch iveitcrc größere Zu- Ivciidungen erfahren. -- Garbe,itcich, 3. März. Am Sonntag »criammctten sich die Mitglieder des E v. Bundes zu einem Famiticnabend im weißen Roß. Pfarrer Fr eh tag von Lich hielt cinen Bor- trag über Schweden und Ivußtc als vorrüglicher Kenner von Land und Leuten alle Aittocsendeil durch die aitschaulichc Schilderung seiner Reise» zu ieiseln. Wirksam ergänzt wurde der Bortrag durch schwedische Bvlkslieder, die der Portragende mit seiner Trom- pete zu Gehör brachte. - A l b a ch , 2. März. Die hiesige Ortsgruppe des Zweig Vereins des E v. Bundes hielt gestern abend im Saale der Frau Tantel Schmitt Wwr. seine» dicSsährigen Familienabend ab, her sehr gut besucht war. Ter Vorsitzende der Ortsgruppe. Pfarrer K 0 e h l e r - Sternbach. begrüßte zunächst die zahlreich Erschienenen, besonders den Gesangverein Sängerkranz, der auch .ji, diesem Zahle chiech gut vvrgetragene Chöre zum guten Der laut des Famitienabends beitrug, Nach einer Uebersicht über die Tätigkeit des Ev. Bundes im lausenden Geschäitsjahrc ging der Vorsitzende zu seinem Vortrag: „TieGcschlchtcdeSDorseS und der Kirche Albach" über. Lehrer Grob von Albach iprach über die Geschichte der Schule von Albach. Gericbt»saal. ' Ein interessanter Preßvrozeß. Unter dem Vorsitz des Amtsrichters Wächter verhandelte am Dienstag das Schöffengericht Berlin Mitte über eine Privat Beleidigungsklage, die der Ehesredakieur des „Berliner Tageblatt", Tr. Theodor Wolss, gegen den Redakteur der „Deutsch-Sozialen 'Blätter" I. Bücher angestrengt hatte. Der Beklagte wurde von Rechtsanwalt Ulrich verteidigt, während den Privatkläger Justtzrat Mosic vertrat. Veranlassung zu der Klage halte ein Artikel der „Deutsch-Sozialen Blätter" „Agrarische Zustände" gegeben, in dem das „Ber- liner Tageblatt" der „berufsmäßigen Eftrabschneiderei" beschuldigt wurde. Zn der Verhandlung erhielt der Beklagte den Vorwurs der beruismäsigcn Ebrabschneiderei ausrccht. Der Angeklagte wollte diese seine Bchguvtting durch einige Artikel des „Berliner Tageblatt" stützen, Cie sch mit dem Reichstag tabgcordntcn Bruhn und dem srühcren Abgevroneien Schack beschgfiigeii. Der Vertreter des Klagers Juüitrat Masse verwahrte sich entschieden dagegen, daß der Beklagte behaupte, das „Berliner Tageblatt" vertrete die Interessen des Zudenttims. RA. Ulrich bestritt die Aktivlegitimation des Privatklägcrs, der in seiner Stellung als Chesrcdakleur kein Rech« habe, Strafantrag zu stellen. RA. Ulrich erinnerte an die Artikel des „Berliner Tageblatt" während des Leipziger Tnrnsestcs und an den respektlosen Artikel gegen den König von Sachsen während der Völ'erichlachtseier. Das Gericht vccurleiltc den Beklagten zu 200 Mark Geldstrafe und zur Tragung der Kosten. Zm Unvermögcnssalle tritt für ,e füur Mark ein Tag Gesängnis ein. Ferner wird dem Privatkläger das Recht zugesvrockten, den Wortlaut des Urteils innerhalb vier Wochen nach Rechtskraft in der „Teutschen Tageszeitung" und den „Deutsch-Sozialen Blättern" zu veröffentlichen. London. 4. März. Tie Verhandlung gegen das unter dem Verdacht der Svionage verhaftete Ehepaar 8 0 nld ist wieder ausgenommen worden. Ter Ankläger erklärte, daß man Tokumcnte gefunden habe, in welchen der Verhaftete als Frederick Adolphus Gould Schröder bezeichnet werde. Tie Verhaftete habe erklärt, daß sie 1854 III Teutschland geboren sei, im Jahre 1858 nach England kam und im Jahre 1868 nach Teutschland zurückkehrte. Düsseldorf, 4. März. Das Kriegsgericht der 14. Division verurteilte wegen Zweikampfes den Leutnant Grafen B e i s s e l v. G >i m n i ch vom Ulanenrcgiment Nr. 5 zu drei Monaten Festung und den Leutnant der Reserve Eckardt zu vier Monaten Festung. Das ohne ernste Folgen verlaufene Pislolenducll ist zurückzuführen aus einen Zwist beim Karneval. Nantes, 4. März. (Prio.-Telegr) Das Schwurgericht verurteilte den ans einem GutShos beschäitigtcn 15jährigen Burschen Rcdurean, der, um sich für eine Bestrafung zu rächen, sechs Personen ermordete, zu 20 Jahren Gesängnis. rr«iiver?itäts-Nacbvickten. — Wie die .Hockffchul-Korreip." eriährt, hat der Kieler Brioatdozent 1>r. sor. Adolf Hasen kam» einen Rn! gui den Lehrstuhl der Ngtionalökonoiiiie an der Technische» Hochschule zu Danzig als elatinäffiger Proiessor und Nachsolger von Proieffor K. Thieß erhalten und angenommen. — Zn der Erlanger niedizinlschen Fakultät habilitierte sich ve. meä. Erich Toenni essen, Oberarzt »nd erster Assistent an der niedizinlschen Klinik. — Als Nachiolger des in den Ruhestand tretende» boirats Pro'effor Tr. ( 8 . Matterstock ist der Oberarzt der inneren Abteilung des städtischen Krankenhauses i» Augsburg, Dr. Ludwig Robeit M n l l e r. zum aufferordentlichcn Proieffor »i>d Vorstand der medizinischen Poliklinik a» der Universität Würz bürg berusen worden. — Ter außerordentliche Proieffor für Mineralogie an der Universität Halle a. d. S. vr. phil. Hendrik Enno Baske hat einen Rui nach Tübingen erhalten. Proieffor Boeke ist 1381 zu Wor- merveer bei Amsterdam geboren. Sport.. * Auf dem internationalen Schikongreß in Kristiania war Deutschland durch Alexander Schmidt-München und Tr. Peter Freh-Franksurt vertreten. Neu ausgenommen wurde der seit Jahresfrist bestehende ungarische Schivcrband. Ein Gesncki des nicht vertretenen Club Alpin Francais, die Bc- schlüssc und Korrespondenzen der Internationalen Schikommission auch ins Französische zu übersetzen, wurde mit dem Hinweis aus einen früheren Beschluß, ivonach die Vcrlzandlungssprachc der Internationalen Schikommission deutsch ist, abgewiesen. Als Kon- grcßori für 1915 nrurdc Salzburg gewähll. Ten eigentlichen Ausgaben des Kongresses, der Regelung des Schisports durch Festsetzung einheitlicher Bestimmungen, widmete sich die Versammlung durch eingehende Beratung der internationalen Wettlausordirung, nach der alle schisportlichen Veranstaltungen bereits seit einem Jahr versuchsweise durchgelührt wurde». An diesen Bestimmungen soll sestgelzatten werden, hinzu kommen einige norwegische Ergänzungen, die von der Kommission erst verarbeitet werden müssen. Ter für 1916 geplanten Deutschen Schi-Oltimpiade stehen die meisten Vertteter inmpathisch gegenüber. Ter Kongreß schloß mit einem vom Norwegischen Schivcrband gegebenen Bankett. Vermischte». \ * D ic Mannheimer Mai-Fe st w 0 ch c 1914, vom 3. bis 10. Mai, vereinigt die dreitägigen Pferderennen, ferner den Maimarkt und die Maimesse, die ihr 300jähriges Bestehen feiern, ein zweitägiges Musikfest, besondere Veranstaltungen im Hoftheater, im „Rosengarten" und in der Kunsthalle, zwei große Jlluminalionsfeste, sowie ein Kinderfest mit Ballonpost. * Uebersahren. Aus Karlsruhe, 4. März, wird gemeldet: In der vergangenen Nacht wurde aus der Bahnstrecke zwischen Durlach und Karlsruhe beim Durlacher Wald ein aus Straßburg stammender Soldat, der beinl hiesigen Artillerie- Regimcni Nr. 14 stand, t 0 t ausgefundcn. Es wird vermutet, daß der Mann, dem der Kopf vom Rumpfe getrennt war, sich absichtlich hat überfahren lassen. * Beim Spiel verunglückt. Aus Altona, 4. März, meldet ein P r i v a i t c sc g r a in m: In der Weidcnstraßc wurden heute abend drei Kinder, die auf einem sogenannten Holländer fuhren, von einer Kraftdroschke üb erfahren. Ein vierzehnjähriger Knabe wurde schwer verletzt, so daß an seinem Auskommen gczwciselt wird: die beiden anderen Knaben im Alter von fünf und sechs Jahren kamen nett leichteren Verletzungen davon. * Tainpferunglück. Aus Bremerhaven wird unterm 4.März gemeldet: Der Dampfer „Stadt Nor- d c > 1 " ist heute nacht bei N 0 r d e r n c n mit einer großen Mehlladung gesunken. Die gesamte Mannschaft ist unter schwierigen Umständen durch ein Norderneyer Rettungsboot nach Norderney gebracht worden, wo alle Personen völlig crschövst und teils erkranfl darniederliegen. Der Dampfer und die Ladung sind verloren. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger meldet: Die Rettungsstation Norderney telegraphier!: Am 4.März von dem Dampfer „Stadt Norden". Kapitän Prahm, gestrandet am Riss gegenüber der Weißen Düne, mit Mehl von Hamburg nach Papenburg bestimmt, vier Personen gerettet und durch Rettungsboot „Fürst Bismarck" nach Station Norderney-Weftland gebracht. * Kn nsthandel 1914. „Was kostet das Oelgemälde?" — „IRs Bild wird gratis abgegeben, sür seine Erklärung müssen aber tausend Mark bezahlt werden!" sAüs der „Jugend".) * Er braucht keinen Trost. Braggly: „Nun, und wie siehst du mit deiner Frau, alter Junge?" Jones: „Sie klimpsl doch fürs Frauenstimmrecht, »nd da hat sic so viel Versammlungen, daß sic kaum eine Stunde am Tage zu Dause ist." — „Armer Kerl, da tust du mir aber leid." — „Ach nicht doch, so eine Stunde geht schnell vorbei." BaitdeL Der Streit im Kohlensyndikat. Ltns Essen schreibt uns unser dortiger Mitarbeiter: Ter 'Abbruch der Verhandlungen, die bisher zur Erneuerung des R h c i n i s ch - w e st s ä l I s ch c n K 0 h l e n s n n d i k a t s geführt wurden, hat eine schmierige Lage geschassen, da ihre Wicdcr- auinahine solange nicht möglich ist, als die Gruppe der Dütte»-» zechen den Derhandluiigcn sern bleibt. Tie Tagung des sluSschusscs am Montag konnte deshalb auch zu keinem bülidigcil Beschluß kommen, da die im 'Ausschuß vertretenen Düttenzeche» nicht anwesend waren. 'Aus Seiten der Syndikats-Organe vertritt mau die rechtliche Aussassung, daß die gestrige Tagung als eine private Untcr- hallAng der reinen Zechen auszusassen sei, da der bisherige Erneuerungs-Ausschuß mit der Mandatü-Niedcrlcgung des Gehcim- rats Kirdors und dem „cxodus" der Düttenzeche» als aufgelöst zu betrachten sei. Tas Bestreben der reinen Zechen scheint nun darauf gerichtet zu sein, mit den Dülten.zechen loieder Anknüviungsvunkte zu suchen, um sic wieder zur Teilnahme an den Verhandlung^ zu bc!vegen. Zur Erreichung dieses Z>vecks ist man geneigt, in der -Ltreitirage um die Verbranchszisier Entgegenkommen zu zeigen. Eine Abordnung der reinen Zechen wird dieserhalb mit den Düttcn- zcchcn in Unterhandlung treten und hossentlich die wllnschcnswertc Verständigung erzielen. Einstweilen bestehen die ungelösten Probleme weiter fort. Für die reinen Zechen bestehen hiniichilich der Wirkungen, die der neue Thndikatsvertrag auf ihre wirrickraftliche Stellung in schlechten Zeiten ausübl, ernsthafte Besorgnisse. Besoirdcrs ist es die Ausnutzung des büttenkontingents sür den Düttenselbstverbranch. die unter Umständen zu Uebergrisscn führen tan», zumal dieses Kontingent durch den Kohlenzukanf ia beliebig vermehrt werden kann. Tie Eriah- rungen, die man mit den .Dütlcnzcchen-Vorrechtcn während der letzten 10 Jahre gemacht hat, haben gelehrt, daß solche Rechte in unzulässiger Weise ausgebenicl und dann nicht beseitigt werden können. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß durch das Kohlen ^ Zukaussrccht die in der Kontingcntszisscr liegende Beschränkung des Düttcnielbstverbrauchs wieder auigchoben nnrd. Es wird also letzten Endes daraus hinauSkommcu, diesen Kohlenzukaus in irgendeiner Form cbensalls zu beschränken. Ten» ganz zu verbieten, wird weder in der Macht, Itoch auch in der 'Absicht der reinen Zechen liegen. Tie großen Votteile, die iit der Verwertung der Kokskohle zu Koks liegen, werden aber schließlich dazu führen, daß die reinen Zeckten mehr als bisher noch Anschluß an Düttenwcrkc suchen imd das Uebergewicht der Hüttenzechcn dann dem Kampf der beiden Gruppen untereiimndcr ein einseitiges Ende bereitet. Lnrglcicriiöt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum / gegenüber keinerlei Verantwortung.) ^-Beuern, 3. März. Aus das Eingesandt unter Nr. 50 „Gießcncr Anzeiger" erlauben sich die „Alle gegen einen", denn anders können wir uns keine Bezeichnung beilegen, dem Einsender der 99 Prozent zu cnoidcrn, daß aus seinem Eingesandt viel Sonderinteressc und eine große Unkenntnis, bctreiicnd der neuen Friedhofs- a n l a g e hervorgeht. Seine Gedanken sind nicht .sttchhgltig genug, um alles positiv zu widerlegen. Zuerst fordert der „Eitic" der 99 Prozent eine Drainierung des allen Friedhofs, überlegt aber nickst toeiter dabei, daß auch hier nicht unerhebliche Schwierigkeiten im Wege stehen, die die Gemeinde event. mit dem Kreisgesnndhcitsamt in Konflikt bringen könnten. Sodann nimmt den von der Gemeinde früher gcsaßtcn Plan, den Fricdhos an „den Steiner" zu verlegen, in die Hand, und erdrcistet sich sogar in dem „säuselten Vorwurs" zu sagen, die Gcnicinde hätte inbctrcff des Ankaufes nicht den ernsten Willen gezeigt. Ja man vergißt manchnnrt „I a" zu sagen, und die Gemeindevertretung lnrndelt doch gewiß dem „großen Publikum" gegenüber, und nicht 2 — 3 Interessenten. Ob das Gelände dorten auch passend war, darüber ist er der „psis- size Schweiger". Wer hat es jemals in einer Gemeinde „jedem" recht gemacht? Dieser Gedanke bewegt de» Einsender nicht. Ob auch der „Eine der 99 Prozent" über die schöne Obstbanmanlagc gut unterrichtet ist, bezweifeln wir sehr, den» nach cingezogencn Erkundigungen ist der Ertrag der schon bereits 20—30 Jahre bestehenden Anlage etwa 3 Mark Tür das Jahr! — also wegen Obst kein Bedenken. Sodann entwickelt der Einsender so eine Art „technischer Beamter", er kalkuliert schon über Herstellung des „Stirnbergs", betr. große Erdverschiebungen nsw., überlegt aber nicht weiter, daß ein leckt' nischcs Personal soeben den Plan und die Voranschläge ansarbettet, und an maßgebender Stelle in der Gemeinde, so viel mir in Erfahrung gebracht haben, von den Kosten „der großen Summen Geldes" noch gar nichts bekannt ist. Der Einsender mag sich doch beruhigen und über sog. „ungelegte Eier" io keine große Kopsschmcrzen machen, »nd er mag doch abwartcn, wenn er einmal das Ruder führen Hilst in der Gemeinde, ob gleich alles „Jo und Amen" sagt. Was den Weg zum projektierten Fricdhos anlangt, so wird dieser mindestens ebenso rein von Schmutz bleiben, wie der des alten Friedhofs. Zum Schluß, wenn die ganze 'Anlage nebst Bodcnbeschaften- heit des projektierten Fricdhoss nach dem Gutachten „sachkundiger Männer" als wunderschön und der Boden als sehr geeignet bc- zcichnct wird, so soll doch der Einsender der 99 Prozent schweigen, und, wie wir, ruhig seine „paar Pfennige" »Steuer zoUcn: — oder will er als „großer Steuerzahler" in der öfsrni- lichcn Versammlung das Wort führen? Alle gegen .Einen. Meteorologische veobachtungen der Station Sieben. März 1914 || i| "5 3 &* 5* Hl *§*§ 85 s ao • § i z if 43 c i |£f 1 b| 2 5. 2' 1 ' 1 738,7 10,0 8,4 92 SSW 2 10 5.1 S" 736,6 8.8 7,7 91 SW 2 10 8.! T“| 733,4 8,9 8,1 95 WNW 4 10 Wetter Regen 1 1 \ 11 i Höchste Temperatur am 4, bis 5. März 1914 = 10,7 "c. Niedrigste , , 4. , 5. , 1314 = 6,1* . Niederschlag: 6,6 mm. _ «t _ ®> *. *» 3 5- *=? '=£§r « A-- ^ --»1.K -- 2 p^p'^ 3 fO° •9' ö^a o«o «-' ^ s »*'o*«'cp p ££.. § :«s?lt 3- ° -w to ^ 5 s - « * «yo ^io <•* ■=?s —£ % ° ® 2»*®*; 3*9- ?«-»---? i __„s;g s 3 ^=jr" • ° §K o 3 o SS - i»? z * E" " ~ ®3 »»ss57 -. I ® » ^ s*:. ^§Z ai'JT« ~ 5L- 3 3 « o a a -src c - aa 2 «* 2*5<, JorS,3 Z.Z 3.» <3 3 I =; *JC 2 a»'’ SS^ 'oi^TCO J? 2ßo63a •fx • — 2-3 a .~m rs Q5 QM (ft 'Tc-co S'Ccip- ° ‘T’ -= - = "S°Ö 2 .S- KJ ' 0-3-0; £5.~ • ~ gs-ssiaS = » e~Z-ssZ£ ~ p 3 a 3 öS «*■ S - ® Zen, iS) _ IS 2 . ’» . 2. -» s O NAZ 3 ^-.3§ß-S „.o.f — o » £S.— O O | f © “2.2 5-3' r r . "Z-.AL» iSs 3 3 55 ^ ?S.Sr§ aL^-S 3 O o-» Ö » '~ 1 3 I?‘ 2.2.a •S'a' lii'Sf a en er o*S,(—>7— 2 3«;S 2' HS. 3 • M ff S # SPS.!- LS ’s $2 3,= «f;S «ff wStl T 3)3 s>A^ ® | £g JS,-5» cp St«- ^a O “IlSäPli - *s «*> p , o M ® vfl -c CB i C 2. o«;~ r OH - I p « 2 3? er — v=r ‘ sa—= Ls s'|“®’o3 3 2. cp 3 r- c - §Z ^ ««üßf ^5 3 3 ^.or 6? o ^£«§3 3.' 3 er 3 . S 5 !« « r ar« J1ZS ^ g* w 2? J? •Sa •s'cS^« O'S 3 | 3«2 ao- A s| ||§ |. o 2 c' cy ST' »H=H-~- 3 3 OH, ®or ^ ? 3 «"•“|lü! 1^0 g'X ST-P ?2§§ ^ = » ® = § ° 2 _ _4- P £ Go" ~ 3 2 o 1 ©" s © S -s -2-« 8-|3 3-® E 5 c| S E It ^O; « E -r .s L^p *? o q «srf 3 ^ •s' a « «v 3 Sy 2. f I Üg 3 £• 3 S« -2^3 = 3 ZK» ?s « <2§S.3 öäf —o" g*^2. g : er« 3 ..' rft 3 :». .3 : ‘ 's vjese 02»- o a?5 3 ä a.' 2*« S o 2 ^ tftL a ^ £ « 2 > r, 13 ? " E' ' 'S 2 S H* 2 WO' re CT—, O — m' 1 P® « <2 2 o < 3 3 o 3 3 aS 3 ^ S SÄ - 2 3 = Ä 3 D g 3 a fs|. fgs. -= x-r-" a I»" —•3' p H tr S «■»S S-tf ___.2 0 SÄ® Z "S5’ < S'S - - a.2 = ,3 « ■ S ,3 Ij'Sr5=' - orfg5. r -=- -.3 « 2^3 2 n»LS O AffA3 AZ ^ (S s » ? = f tri • Cb 3 rXt P, r—, ~~ JTH ” _ —-t : t?H ä 3 * = s® f n ff* ••s.o^S.oäüa.. s <^3-. '•"-if' P cr-e -.g 3 p o er ^"S2 2 «3 2^ - c 3 ® - H'' 2 p?3 o « T--:s p «=~ 3 « 2.5 3 3»—, 3ZZS^3L3SZsA a S' 3 " 2" <£ £ 3 3 ' a o 1 2 3: 2 3 : 2 . ^ 3 , a ; a 3 ^2 ^ 3 0 fi.^S 3 ■ _ ____ ö-co" _r 3* o- -r: 3 £0 3 er 2.^2 3 3.e ^5' Tp o 2“ 3 •- S 3 cb — y5 3 o 8" Ä |f'f 3 2 3 ctS* 3 O S S 3 g'f g 3 a=3 S © S. CT sf »s. o s. ®«:ö; ff 3 s» CP . (C 3 o ■ 5rav S-D ? 3 3. 0« C Cu 2*. 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