Nr. 41 g r jef)tiiii täglich mit Ausnahme d-S Sonntag?. Tio „Oi«I>knkk Zamilicudläller" werden dem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das '.«reirblatt str den Kreis Siehe»" zweimal wöchentlich. Tie „c-ndwirtlchastlichen Seit- jrägen" erscheinen monatlich zwennal. 164. Jahrgang Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Mittwoch, 18. Februar 1914 Rotationsdruck mid Verlag der Brühl'sche» Univcrsitäts - Buch-- und Steindrnckerei» R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnl- straße 7. Expedition und Verlag: es® öl. Redaktion:eqWl.ir.Tcl.-Adr,:AnzeigerTieren. “*K5 Mb. Deutscher Reichstag. 216. Sitzung, Dienstag, den 17. Februar. Am Tische des Bundesrats: Dr. Lisco. Präsident Dr. ftncmpf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr Kleine Anfrage. Abg. Tcichmann (Soz.1 fragt cm. ob der iöundesrat beschloss:» bat. Fachausschüsse für die Tabakindustrie zu errichten. Ministerialdirektor Caspar: Die Vorarbeiten bieten besondere Schwierigleiten. In Preußen sind sie dem Abschluß nahe. Das Ergebnis läßt sich zurzeit noch nicht übersehen. Der Aeichszuschvh zu den Olympischen Spielen. Es folgt dann di« Abstimmung ür>er die zurückgestellten An. träge zum Reichsamt des Innern. Die Anträge der Fortschrittlichen Volköpartei, der National- liberalen und der Konservativen, die entgegen dem Beschlüsse der Budgetkommission die Regierungsvorlage wiederherstellen und 46 000 Mark als er st e Rate für die Olympischen Spiele bewilligen wollen, werden mit großer Mehrheit unter lebhaftem Beifall angenommen. Dagegen stimmt mit den Sozialdemokraten nur ein Teil des Zentrums, u. a. die Abgeordneten Groeber und Erzbergcr. Die Resolution Meyer-Celle (Natl.), die Erhebungen über den Gesundheitszustand der Arbeiter der G r o ß e i s e n -- i n d u st r i e fordert, wird angenommen. Die Resolution Ablaß (Vp.), die eine Neuregelung des Arbeitsverhältnisses der in Reichs - und Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter und Angestellten verlangt und bestimmte Grundsätze dafür aufstellt, wird zunächst in ihren einzelnen Absätzen mit wechselnden Mehrheiten angenommen. Daraus wird sie aber in der Gesamt- abstimmung durch Hammelsprung mit 139 gegen 127 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmte mit den Sozialdemokraten und der Rechten auch ein Teil der Nationalliberalcn. Eine Resolution der Budgetkommission, die in den Etat 30 000 Mark als Beitrag für die zentrale Beratungsstelle für die Verdingungsämter der einzelnen Handelskammern einstellen will, wird angenommen. Sämtliche sozialdemokratische Resolutionen werden abgelehnt. Der Ekal für die Aeichs-Zuslizverwallung. (Zweiter Tag.) Staatssekretär Dr. Lisco: Die neue Reichsanwaltsstelle, die wir im Etat angefordert haben, ist von der Budgetkommission gestrichen worden. Ich möchte dringend bitten, diese Reichsanwaltsstelle zu bewilligen, die notwendig ist, da die Reichsanwaltsschaft mit Arbeiten sehr überlastet ist. Es rft nicht angenehm und entspricht nicht der Würde des Reichsgerichts, so viele Hilfsarbeiter aufzunehmen. Wegen des angekündigten Entwurfes, betreffend die Herbeiführung eines gerichtlichen Zwangsvergleichs außerhalb des Konkurses habe ich mich mit den beteiligten Ressorts im Reich und in. Preußen in Verbindung gesetzt. Es bestehen noch grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten, über die Sachverständige u. a. aus Industrie und Handel gehört werden sollen. Die Besprechungen werden aber in nächster Zeit abgeschlossen sein. Ebenso sind auf die verschiedenen Anregungen Erwägungen über die Arbeitsvcr- hältnisse der Rechtsanwaltsangestellten angestellt worden. Die beteiligten Kreise haben verhandelt und sind sich einig geworden, die Diegelung auf dem Wege des Tarifvertrages zu versuchen. Sollte das zu einem befriedigenden Ergebnis führen, so würden wir das mit Freuden, begrüßen. Zunächst müssen wir aber das Ergebnis dieser-Verhandlung abwarten. Sollte wider Erwarten eine Einigung nicht erzielt werden, so werden wir andere Vorarbeiten treffen müssen. Wegen der Gebührenordnung für Rechtsanwälte hat der deutsche Anwalttag im vorigen Jahre beschlossen. Erhebungen über das Einkommen der Anwälte aus bürgerlichen Rechtsftreitigkciten zu veranstalten. Diese Erhebungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Sobald ihr Ergebnis vorliegt, wird die Frage einer Revision der Gebührenordnung erneut geprüft werden. Ueber die neue Wechselordnung liegt ein Entwurf dem Bundesrat vor. Um allen Interessenten Gelegen- heit zu geben, sich über d'e Vorlage zu äußern, ist sie im „Reichs- anzciger" veröffentlicht worden. Ungefähr zu gleicher Zeit hat auch im österreichischen Herrenhause eine ähnliche Vorlage Vorgelegen und ich kann zu meiner Genugtuung feststellen, daß die ergänzenden Vorschriften in den österreichischen Vorschlägen fast vollständig mit unseren Grundsätzen übereinstimmen. Die österreichische Vorlage trifft unter anderem Vereinfachungen hinsichtlich des Protestes, die wir bereits in der Novelle von 1908 cingeführt haben. Uebcr den Zeitpunkt, wann der Gesetzentwurf vorgelegt werden kann, bin ich nich* in der Lage, Mitteilungen zu machen, da die Verhandlungen mit den anderen Vertragsstaaten noch nicht so weit gediehen sind. Uebcr die Haftpflicht der Eisenbahnen hat die Reichsregierung inzwischen einen Entwurf ausgearbeitet, der bereits im vorigen Jahre dem Hause vorgclcgt werden sollte. Inzwischen sind Bedenken laut geworden, die sich erst in einiger Zeit erledigen lassen. Ich nehme aber an, daß er im Laufe der Session oder im nächsten Jahre vorgelegt werden wird. Ferner ist gewünscht worden eine andcrweite Regelung der Pfändbarkeit des Einkommens von Privatange st eilten. Ich hoffe, daß auch die Ergebnisse darüber bald zu einem Ergebnis sichren werden. Den Wünschen, die in der Resolution Schiffer niedcrgclegt sind, wendet das Reichsjustizamt seine volle Aufmerksamkeit zu. Es wird immer wieder geprüft, ob eine dringend notwendige Verbesserung bereits vor der allgemeinen Reform vor- gcnommen werden kann und welche Punkte der Sondcrgesctzgebung überwiesen werden können. Auch darüber, ob ein verstärkter Schutz geschaffen werden soll für diejenigen, die in gutem Glauben m i t Geisteskranken Geschäfte geschlossen haben, sind Erwägungen angcstellt worden. Der preußische Justizminister hat eine Untersuchung angcstellt. Diese spricht aber nur für eine Verstärkung des Schutzes in der Großstadt Berlin. Im ganzen übrigen Preußen haben die Ermittlungen, die auf zehn Jahre erstreckt worden sind, keinen Anhaltspunkt ergeben, die es wünschenswert erscheinen ließen, gegenwärtig bereits eine Acnderung vorzunehmen. Auch nach einem Gutachten des Deutschen Handelstages kommen verhältnismäßig wenig Fälle in Betracht. * Es hat auch nickt an Stimmen gefehlt, die eher einen vermarkten Sckutz der Allgemeinheit wünschten. Er läßt sich viel- leicht ermöglichen auf dem Wege des Zivilprozesses, vielleicht durch Bekanntmachung der Entmündigungen. Bei diesem Widerstreit der Meinungen ist ein dringendes Bedürfnis für ein Einschreiten der Gesetzgebung noch nicht erwiesen. Die Einschränkung der Eideslei st ungen streben auch wir an. Die Einschränkung des Partcicidcs kann aber nur bei der allgemeinen Regelung des Verfahrens selbst erfolgen. Wir haben schon 1909 versucht, die Zahl der Eidesleistungen der Zeugen und Sachverständigen zu beschränken. Die Vorschläge würden damals von der Reichstagskommission abgelehnt. Dann die Beschleunigung des Verfahrens im Zivil- und Strafprozeß. Auch wir wünschen dringend diese Beschleunigung. Die bisherigen Zustände lassen viel zu wünschen übrig. Nun ist an Vorschlägen zur Besserung kein Mangel. Das wirklich geeignete Mittel ist aber noch nicht gefunden worden. Die mannigfachen Ursachen der Prozeßverschleppung werden durch einzelne Vorschriften nicht aus der Welt geschafft. Tiefgreifende Acnderungen sino notwendig durch eine allgemeine Revision der Zivilprozeßordnung. Nun hat der frühere österreichische Justizminister Klein mit genialer Hand erhebliche Verbesserungen herbeigeführt. Als wir aber einmal früher an österreichische Bestimmungen anknüpften, fanden wir nicht den Beifall des Hauses. Wir können auch an der Hand des jetzigen Verfahrens eine erhebliche Verbesserung und Beschleunigung herbeiführen. Bei den einzelnen Landbczirken bestehen in der Schnelligkeit der Abfertigung ganz erhebliche Unterschiede. Wenn aber der eine Bezirk schneller arbeitet, warum dann nicht auch der andere. Am besten arbeitet der Bezirk Stuttgart. Auch beim Reichsgericht erfolgt jetzt eine viel schnellere Erledigung der Geschäfte. Die Wünsche nach weiteren kleinen Strafgesetznovellen sind leider nicht durchführbar. Zu der letzten Novelle lagen ja große Vorarbeiten vor, die die glatte Erledigung ermöglichten. Das fehlt doch aber für andere Materien. Zum Jugendgcrichts- gesetz findet man jetzt in der Fachpresse schon wieder soviele Bedenken, daß es mir fraglich erscheint, ob diese Materie sich so glatt erledigen ließe. Ich bitte, die Vorlagen, die an Sie herantreten werden, mit Wohlwollen zu behandeln. Abg. Dr. Ablass (Vp.): ^ie Gründe, die Kollege Beizer gegen den sechsten Reichs- anwalt vorbrachte, sind mir nicht recht einleuchtend. Ich bitte dringend, diese Stelle sobald als möglich zu bewilligen. Wir freuen uns, daß Erwägungen über den gerichtlichen Zwangsver- glcich außerhalb des Konkurses im Gange sind. Die Reform der Gebührenordnung für Rcchsanwälte sollte nicht bis zum Abschluß der Enquete des Anwaltvereins verschoben werden. Befremdend wirkten die Einwände des Staatssekretärs gegen den Schutz derjenigen. die mit Geisteskranken Geschäfte abgeschlossen haben. Die österreichische Zivilprozehgesctzgebung können wir nicht ohne weiteres nachahmen. Den Wunsch. Arbeiter zum Schöffen- und Geschworenendienst heranzuziehen, haben wir seit langer Zeit gehabt. Recht dringend erscheint uns die Heranziehung der Volksschullehrer zu diesem Amt. Das kommt einem hochbedeutsamen Stand, aber auch der Rechtspflege zygute. Es fehlen uns vielfach brauchbare Schöffen und gerade bei den Jugendgerichten können die Volksschullehrer das Beste wirken. (Sehr richtig!) Im Falle Knittel hat auch der Staatsanwalt eine scharfe Rüge verdient. Die drei Faktoren der Rechtsprechung: Richter, Anwälte, Staatsanwälte müssen zusammen- arbeiten. Sie müssen durchdrungen sein von dem Gefühl der absoluten Gleichwertigkeit. Die Anwaltschaft muß aber darüber klagen, daß ihr diese Achtung von den anderen Faktoren nicht entgegengebracht wird. In Dortmund wurde die Anwaltschaft vom „Generalanzeiger" heftig beschimpft. Trotzdem lehnte der Erste Staatsanwalt ein Einschreiten ab, weil sonst vielleicht der Anwaltstand noch mehr geschädigt würde! Das ist eine grobe Beleidigung der Anwaltschaft, gegen die wir die schärfste Verwahrung einlegen. (Beifall.) Wenn man an hoher beamteter Stelle so austritt, dann wird die Anwaltschaft ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten mit den anderen Faktoren der Rechtsprechung in Zukunft ablehnen. (Sehr richtig!) Auch der Oberstaatsanwalt und der Justizminister lehnten ein Einschreiten ab, da kein öffentliches Interesse vorliege. (Hört! Hört!) In einem freisinnigen schlesischen Blatte erschien kürzlich ein Artikel „Bauernfang". Wegen dieser Ueberschrist erhob der Staatsanwalt Anklage im öffentlichen Interesse wegen Beleidigung eines konservativen Agitators. (Hört! Hört!) Der Angeklagte wurde natürlich freigcsprochen. Der Bund der Landwirte ist immer noch ins Vercinsrcgistcr eingetragen. Er gilt also immer noch als unpolitisch, auch nach den gestrigen Reden im Zirkus! Die Zahl der Rechtsanwälte in Preußen wächst lawinenartig. Die Vorschriften über die Pfändbarkeit des D i en st e i n k o m m e n s der Arbeiter und Privatangestcllten passen in keiner Weise mehr für die heutige Zeit. Viele Angestellte lassen jetzt ihr Einkommen über der Grenze von 1500 M. ibrer Frau verschreiben. Das unpfändbare Einkommen müßte mindestens auf 1800 M. erhöht werden. Für Familienväter ist erne besondere Rücksichtnahme notwendig. Notwendig ist die Förderung der gemeinnützigen Rechtsauskunftsstellen. Das preußische Preßgesetz muß möglichst bald neu geregelt werden, besonders die Plakatbestimmungen. Leute, die Sonntags Flugblätter verteilten, wurden „wegen Sonntagsarbeit" bestraft. (Hört' Hört!) Ein Gastwirt, der ein Plakat aushängt mit der Ankündigung, e i n L i k ö r k o st e t s o u n d s o v i e l, macht sich strafbar. Das Aushängen einer Preisliste durch den Kaufmann ist strafbar. Die Polizei schreitet nur nicht ein. um sich nicht dem Fluche der Lächerlichkeit auszusetzen. In Berlin wurden die Konditoren nach dem Preßgesetz bestraft, weil sie aus den Pfefferkuchen kleine Berschen angebracht hatten. (Heiterkeit und Hört! Hört!) Jedes Plakat der Mädchcnrettnngs- heime auf den Bahnhöfen verstößt gegen das preußische Preß- gesetz. (Hört! Hört!) . Abg. Holtschke (Kons.) 5 » Gute Beziehungen zwischen Rechtsanwälten und Richtern sind durchaus wünschenswert. Eine Novelle zum geschäftlichen Schutz gegen unerkannte Geisteskranke ist nicht so dringend notwendig. Für den sechsten Reichsanwalt sind auch wir. Die verhältnismäßig geringen Kosten fallen bei einer so hohen Behörde nicht ins Gewicht. Die Resolution Schiffer würde das Reichsgericht vor schwere, fast unmögliche Aufgaben stellen. Wir werden deshalb dagegen stimmen. Der Vorwurf der Klassenjustiz ist ja gegen früher erheblich eingeschränkt worden. Man spricht dem Richter nur noch wegen seines Bildungsganges oder seiner Erziehung die Fähigkeit ab, das Volk zu verstehen. Auch in dieser Äbschwächung ist der Vorwurf unberechtigt. Unsere Richter stehen mitten im Leben und lassen sich auch nicht unbewußt durch äußere Momente in der Beurteilung von Rechtsfragen beurteilen. Ihre Wahl durch das Volk wäre kein Heilmittel. Dann würde es erst recht Klassenjustiz geben. Der Richter soll unabhängig sein. Dafür sind wir stets eingetreten und Werden es auch weiter tun. Abg. Mertin (Rp.): Wir sind keine Freunde einer Nooellengesetzgevung. Be denken gegen das Schöffenamt der Lehrer haben wir nicht. Aber sic als die notwendige logische Konsequenz der Rechtsentwicklung, namentlich der Jugendgerichte anzusehen, geht uns doch zu weit. Besser geht eS z. B. den Ministern auch nicht. Die Lehrer sind also in guter Gesellschaft. Die Durchführung der Resolution Schiffer dürfte nicht ganz einfach sein. Hinsichtlich der Mißstände, die sich im Grundstücksverkehr gezeigt haben, beantragen wir eine Resolution. Danach soll das Zwangsversteigerungsgesetz derart geändert werden, daß die Verfügung über den Mi et» und Pachtzins gegenüber den Hypothekengläubigern nur wirksam iss, so weit sie sich auf den Miet- oder Pachtzins für das zurzeit der Beschlagnahme laufende Kalenderfcchr bezieht. Mit der recht gutgemeinten Einrichtung der Gesellschaften mit beschränkter Haftung, hat man durch allerlei Schiebungen und Machenschaften Schindluder getrieben. Trotzdem ich Anwalt bin, bin ich gegen eine Erhöhung der Gckühren. Das Uebel rührt von der Ueberfüllung des Standes her. Der Schutz der persönlichen Ehre durch ein Gericht versagt doch sehr häufig. DaS berliner Tageblatt" hatte seinen Freund v. Liebcrt in der prononziertesten Weise unter Hinweisen auf seine Eigenschaften als General, ehemaliger Gouverneur und als Reichstagsabgcorüneter angegriffen. Er wurde aber auf die Privatklage verwiesen. Dem preußischen Richter muß man die Anerkennung zollen, daß er das Bestreben hat, möglichst objektiv zu sein. Aber cs ist Unfug, wenn bei einem Sensationsprozeß der Vorsitzende jeden Morgen die ihm zuacgangenen Zuschriften vorlieft. Auch das elegante Damenpublikum würde diesen Verhandlungen besser fernbleiben. Daran aber müssen wir doch festhalten, daß in unzähligen schwierigen Prozessen sich der deutsche Richter- und Anwaltstand durchaus bewährt hat. Abg. Werner-Hersfeld (Ns'p.): Manche Richtersprüche, di" vom Volke nicht verstanden werden, legen doch eine Beschleunigung der Strafprozeßreform nahe. Das Winkelkonsulententum ist eine ernste Gefahr für das Volk, das durch die Winkelkonsulenten vielfach m die Presse hineingchctzt wird. Die Bezahlung der Rechtsanwaltsgehilfen ist namentlich in Berlin sehr niedrig. Dem Wunsch nach Regelung des Jrrenwcsens kann ich mich nur anschliehen. Abg. Landsberg (Soz.): Ich wundere mich nicht, daß Kollege Merlin die Axt an die Freiheit der Anwaltschaft legen will. Wenn er aber hier behauptet, daß die Mehrheit der deutschen Anwälte Anhänger des numerus clausus sind, so ist das unwahr. Die erdrückende Mehrheit der Anwälte ist entschieden gegen den numerus clausus. Die freie Advokatur hat auch nicht, wie behauptet wird, das Material an Anwälten verschlechtert, sondern wesentlich verbessert. Den Fall Liebert hatte Herr Mertin besser unerwähnt gelassen. Der Staatsaruvalt wird ftoh gewesen sein, keine öffentliche Anklage erhoben zu haben. Ehe wir an die Schifferschen Reformen Herangehen, wollen wir eine Reform des preußischen Wahlrechts. Wenn uns die Nationalliberalen dabei helfen, dann wollen wir auch an alle möglichen anderen Reformen Herangehen. Was Herr Schiffer von der Flut der Beleidigungsprozesse sagte, unter, schreibe ich vollkommen. Unsere Zeit ist sehr empfindlich geworden. Man hat mit Recht gesagt: Luther und Goethe würden nicht aus dem Gefängnis herauskommen. wenn sie ihre Werke heute geschrieben hätten. (Hört! Hört!) Früher standen auch die Parlamente auf dem Standpunkte, daß. sie nicht beleidigt werden können. Das preußische Abgeordnetenhaus macht jetzt eine Ausnahme. Es hat wiederholt Strafanträge gegen sozialdemokratische Redakteure gestellt. Und das letzte Mal war bei dieser Mehrheit auch Herr-Schiffer! (Hört? Hört!) Ich-unterschreibe auch das, was Herr Schiffer gegen die Strafen wegen r formaler Beleidigung sagte. Da verfolgte-e i n W ü st l i n g ein weißendes Kind, und als die Mutter ihm entgegentrat und ihn als das 'gezeichnete. was er war, da hate der DLann die Kühnheit, zu klagen. Und es fand sich ein deutscher Richter,'der - diese Frau mit. 20 M. bestrafte. (Lebh. Hört! Hört!) Und in K ö l n bestrafte man den Redakteur mit 500 M., der sich, unsterbliche Verdienste um-die Reinigung der Kölner Polizeiverhäl-tnisse erworben - hat. (Sehr richtig! links.) > Wenn im Krupp-Prozeß einzelne Direktoren durch die Nicht- Vereidigung bloßgestellt wurden, so'haben sie'das redlich-verdient, weil sie das unverantwortliche- Treiben- des Brandt geduldet haben. Die Frau Elvers aus- Zithern wäre in jedem anderen Falle als Entlaslungszeügin.für unglaubwürdig erklärt worden. Jetzt hat sie Aussicht, für die Alldeutschen eine ArtJungfrau von Orleans zu werden. (Heiterkeit.) Der einzige Mensch, in Deutschland, der sich . über die Verschleppung seines Prozesses nicht beklagen kann, ist der Fürst Eulenburg. (Große Heiterkeit.) Wenn Prozesse verschleppt werden, so liegt das nicht am Gesetz, sondern an den Richtern. Die Oeffentlichkeit der Gerichtsverhandlung brauchen wir wie das liebe Brot, die lassen wir nicht beschränken. Die sozialdemokratische Presse ist ein abgesagter Feind jeder Sensation. Zur Schundliteratur rechnen wir gewisse süßliche Traktätchen, die man für religiösen Waynsinn mehr verantwortlich machen kann als Gerichtsberichte für Verbrechen. Zur Schundliteratur rechnen wir auch die Büchlein, die in den Jungen den Wunsch erwecken sollen, nach Frankreich und Rußland zu ziehen, alle Feinde totznschlagen und viele Orden zu bekommen. (Heiterkeit links.) Abg. Dr. Dell (Zentr.): Ter Vorwurf der Klassenjustiz muß auf die Tauer eine maß- lose Verbitterung bei unserem Richterftande Hervorrufen. Außerdem wird er in der sozialdemokratischen Oeffentlichkeit, in Presse und Volksversammlungen in aller Scharfe und ohne jede Abschwächung erhoben. Bon da bis zum Klassenhaß ist für die Massen nur ein Schritt. Wir brauchen ein Fort sch reiten der sozialen Rechtsprechung. Das System unserer Rechtsordnung sollten wir doch nicht durch allzu viele Novellen durchbrechen. Das Herausnehmen der Rosinen kann sehr leicht den ganzen Kuchen unschmackhaft machen. Die Anträge Schiffer, die auf Beschleunigung und Vereinheitlichung des Rechtsverfahrens gehen, halten wir für praktisch unausführbar. Gegen böswillige Schuldner und systematische Schieber verlangen wir die strengsten Maßnahmen. In Be- leidigungssachen steht man der Gesetzgebung vielfach ratlos gegen, über. So ist es bedauerlich, daß der Kölner Redakteur wegen Beleidigung der Polizei aus formalen Gründen bestraft werden mußte. Vielfach kommt es allerdings mehr auf die Rechtsprechung als aus die Gesetzgebung an. ^ Mittwoch 1 Uhr We i t.e rb e ratung. i Schluß L M. i Jl«$ dem Seschästrbericht öcs Grotzy yau;- und Stoatscrdiios für dos Jahr 19|3. Aus der ständig ^zunehmenden Benutzung der Bestände des ■V'clU'? und ScaatsarchivS. io erfreulich sie in» übrigen «t cnvuchie» neuerdings der Archivverwaltung immer größere ^schwrcrigkeiten bei der Unterbringung ihrer Beamten und der Anttzvbenutzer, Diesem Ilebclstand ist cinstweUen bis zur z-chaf- tung neuzeitlich eingerichteter Archivräume durch die im Oktober D. I erfolgte Ueherweisung einiger Zimmer im nördlichen I.eilc des Hoiiagdamls abgebolien Wort«», die zu Arbcitsräumcn >ür einen Teil der Beamten hrrgerichtct lind. Die Benutzung des Archivs hat sich auch im Jahre 1U1Ü weiter gesteigert Tie Zahl der Einläufe ist von 2628 auf 3068 gestiegen An Archiv,teile haben >013 benutzt 266 Benutzer an 248Ü Tage». Tie entsprechenden )lahlen lauteten 1912: 228 Benutzer und 2367 Tage. Schri,flick, oder durch Versendung erledigt wurden zusammen 70.5 Anträge (i. B. 589), und zwar 212, die praktische, und 493. die witzenichattlichc Zwecke verfolgten, Don wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Archivbcamten sind in diesem Jahre nur zu nennen die vom Haus- und Staais- archivar herausgegebene l, Hälfte der , .Inner nun der evangelischen Pfarrarchivc im Graßhcrzaglum Hessen" und der von demselben Herausgeber besorgte Band IX der neuen Folge des „Archivs für hessische Geschichte und Altcrtuinskunde", Tic Arbeiten der U r k u n d e n pf l e g e, die der Leitung der Großb, Archivdircltion unterstellt sind, haben im Z-Kre 1913 rüstigen Fortgang genommen, Tie Verzeichnung der evangelischen Bsarrarchwe nähert sich ihrem (5nde: von den insgesamt 953 Gern eiudearchrven des Landes sind 1913 182 verzeichnet und über- liesert worden,'gegen 55 im Vorjahre: weitere 98 send verzeichnet ■mib «erden in der nächsten Zeit überliefert werden, so daß mehr als ein Drittel als erledigt gelten kann, An weiteres Drittel der kleinen Llrchive hosst die Archivverwaltung im Fahre 1914 zu erledigen, so daß in absehbarer Zeit mit dem 'Abschluß des großen Werkes gerechnet werden darf, Aehnlich wie die Verzeichnisse der Pfarrarchivc sollen auch die der ttzemeindcarchivc im Druck erscheinen, ». 1 Aus Stadt und Land. Gießen. 18. Februar 1914. ** Befitztvechfel, Tas Anlvesen des Sattlermeistcrs Heinrich Schlemm, Marklstraße 14, ging im Wege des Zwanqsverkauss an den Stadtverordneten Sinn für 13000 Mk, über. Das Grundstück war mit 20 000 Mk, geschützt und ist mit 22000 Mk, .Hypotheken belastet gewesen, *’’■ Der falsche Tausendmarkschein, Aus Darni- stadt wurde i» der vorigen Woche gemeldet, nach einer Mitteilung des Amtsgerichts Groß-Gerau sei von einem Unbekannten in 3! au beim ei» falscher Taulendmarkschcin in Verkehr gebracht worden. Wie wir ersahrcn, verhält sich die Sack« wesentlich anders: Ein Herr aus Nauheim hatte bei dem Kanzlcirat Herbert in Groß-Gerau einen lausendmarkicbein in Zahlung gegeben. dessen Papier rauher war als cs sonst zu sein pflegt. Der Schein wurde zunächst der Bczirkssparkasse vorgelegt, lvelckst seststellic, daß das Papier tatsächlich rauher und auch der Schein selbst 2 Millimeter länger war als andere Scheine, Gesetzlicher Vorschrift gemäß wurde der Inhaber des Scheins vro- wkollansch vernmmnen mid das Protokoll mit dem Schein dem Großb Amtsgericht übersandt Dieses legte die Akten der Großb Staatsanwaltschast Darmstadt vor, der Tauscndmarkichciii kam aut dir Reichsbank und diese bestätigte dessen Echtheit trotz des Untersckiiedes in der Länge ** Di e Lehrzeit der Verkäufe rinnen hat bis heute »och keine gesetzliche Regclnna gefunden, Die Folge davon ist e„, unersreuliätztz Zustand, der Tür beide Teile, für die Gcschästs- inhaber wie für die V-ttkäuierinnen selbst, viele Schädigungen mit sich gebracht hat. Um hierin Wandel zn schaifcn, ist es dringend notwendig, daß beide Beteiligten zur Selbsthilfe greisen und aut Grund eines Lehrvertrages eine mindestens zweijährige Lehrzeit sestkegcn, die der Berkäuscnn nebst dem Besuch der Kauffn, Fori- bildungsschnlc die nölige Grundlage gewährleisten muß, um im Berus vorwirts zu kommen. Andererseits werden dadurch dem stauffnannsstand tüchtige w-iblichc Kräfte sür den Verkauf Iwran- gebildet, an denen beute großer Mangel herrscht. Außerdem ist es den Geschäftsinhabern dringend z» raten, nur solche Mädchen als weibliche Lehrlinge cinjuft-. 1’eit, die eine abgeschlossene Schulbildung besitzen und in den kaufnrännischen Fächern, ivie Deutsch, Rechnen und Schreiben, mindestens die Note „gut" im Abgangs zeugnis Izabe», Dadurch wird aui ersten dein Eindringen solcher Elemente gesteuert. die nicht in den kaurmännisckten Berut passen Andererseits ist den Lehrstellen suchenden Mädckien zu raten, sich an die Bernisberatungsslrllen oder an Ken Kaufmännischen Br cin sür werblick»' Angestellte ilsrer Stadt zn wmdcn, da sic bier die sür die Ausbildung lwn Lehrlingen insbesondere in Betracht kommenden Geschälte ersahrcn können. ** Evang, Arbeiterverein, In der letzten Sitzung wurde die Neuwahl des Vorstandes vorgeuommen, D-r Vorstand besteht ans Oberbibß, tbeiär Dr, Heuser <1, Vorsitzender,, Straßemvart Karl Deels er 12, Vorsitzender,, Psorrer Ausfeld lvrotokollierendcr Sckfrrffiübrec), D, Kirchner lkorresvon dierender Schriltführer', K Müller (Rechner), K Graulich (Bibliothekar,, A, Göbel IKontrvlleur) und 10 Beisitzern, — Ter Mittelrheinische Verband Evang, Arbeitervereine hält am 1. März 191 l in Höchst a M eine Tagung ab. ** Empsindli che Postpakete. Paketen mit empfindlichem Inhalt läßt die Reichspost besondere Sorgfalt angedeibcn. So ist setzt den Postanstalten durch das Reichspostamt von neuem dringend zur Pflicht gemacht worden, Pakete mit lebenden Tieren, Zigarren, Eiern uiw, schonend zu behandeln, damit ihr Inhalt nicht beschädigt wird, Tie Llufsschtsbeamten sind angewiesen worden, darüber zu wachen, daß die Pakete nicht geworten, sondern von Hand zu Hand gegeben werden. Sie müssen stets so verladen und gelagert werden, daß stc nicht zur Erde fallen können und keinem Truck ausgesetzt sind, ** DieRailteiie »-Olga »Nation im Jahr« 1913, Dem Hauvtvcrband ländlicher Genoffe»lct,a913 54«2 Mitglieder an, und zwar 446', Spar- und Darlebnslaffen-Verein« »nd 997 Betriebs-' gcnoöealchasten. Es bedeutet dies gegenüber dem Vorjahre einen Zuwachs von 196 Mitgliedern, der üch inst 119 auf die Tvar- m ,,i Dar>ebnska ffen-Vereine und mit 84 a»k die Betrlebsgenoffenlchosten verteilt, ** D i e w c i ß e Woche beim P i c r de m e tz g e r, Alle Waren- und Wäschehäuser kündeten zurzeit ihre „Weiße Woche" an: daber wollte auch ein biederer Pscrdeschsäckster in St Ingbert nicht zurücksteben und eines Morgens hin in seinem Schaufenster ein mächtiges Plakat mit der Inschrist: „Bon heute ab bis aur toeiiercs weiße Wockie", Ein treuer Künde erkundigte sich alsbald, ivie er denn zu dieser Ankündigung komme, und der humorvolle Schlächter antwortete ihm, wie das Mainzer Tagbl, belichtet, aus gut pfälzisch: „Du Esel, ich habb z w e e Schim- m e l g c s ch l a ch t ** Güterrechtsre gifte r. Gütertrennung haben vereinbart: Christoph Weimar, Werkmeister in Lollar, und dessen Ehefrau Katharine geh, Forbach: Landwirt Wilhelm D c b- 1 e r und dessen Ehefrau Katharine geh, Schäfer zu Lber-Eschbach, ** Grund st ücksverkchr. Ein Grundstück zu Main», das aui den Namen l, Feuerbach, Johann Ferdinand, 2 Feuerbach, Johann Karl. 3, Feucrbach, Georg, 4, Feuer bach, Emilie, 5. Fcuerbach. Dilhelmine, 6, Feuerbach, Luise Margareta eingetragen war, soll Freitag, den 3. April 1914, nach- mittags 3> - Uhr, im Wege der ZwangsvoNstieckung im neuen Iustizgcbaude zu Mainz, Saal 314, versteigert werden, — Grundstücke zu L a u b c n h e i m , die aus den Namen derJmvertro, Barbara gcb, Bentz, in Gütern getrennte Ehefrau des Schriftstellers Michael Jmpertro, beide in Mainz, eingetragen waren, sollen Dienstag, den 7, April 1914, nachmittags 4 Uhr, im Wege der Zwangsvollstreckung in dem Gcmerndchaus zu Laubenheim versteigert werden. " Konkurse in Hessen. In dem Konkursversahren ich« das Vermögen der offene» Handelsgesellscha!! unter der Iirma „£> Moritz^ in Mainz ist der Schlußtermin a»! Mittwoch, 11. Mär» ljl4 f vormittags 10 Uhr, vor dein 'Amtsgericht Mainz bestimmt. — Das Konkulsoeriabren über das Vsrmögen der Firivo 5. Ratz L Cie., Weinhandlung in Oskenbach a. M„ u» deren Inhaber Cieqmund Nußbarint und Siegfried Katz, iü aufgehoben. — Heber das Vermögen der Iirma Markus 'M a n e c und das Vermögen deren Alleininhabers Hermann Mayer zv Seligenstadt ist das Koukursveriahre» eröffnet. Rechtsanwalt Ana Nuß in Seligenstadt ist zum Konkursverwalter ernannt. Landkreis Giegen. — Große »-Linden, 18 Febr. Unser Heimallied .Mein G r o ß e n - 8 i n 0 e n\ von vanpilebr-r Bach verfaßt und von Lehrer Blaß m Mnstk gesetzt, w»r e vom Gesangverein .Harmonie^ aus seinem Winterfest zuin eriten Make vorgetrageir. Tas Lied fand guter der verständnisvollen Leitung des Tlrigente» Sam es starken Beilalh Kreis Friedbcrg. t, Büdesheim, 18, Fcbr, Gestern abend g«sen8Uhr gab der 33jährige Installateur Heinrich Heilmann von hier vier scharse Schüsse aus seinen Schwiegervater Heinrich Jakob Kappes ab, ivovon der eine Schuß in den linken Oberarm ging und der andere Schuß den rechten Mittelfinger trat, Tie beiden anderen Schüsse gingen fehl. Die Kugel, die im linken Oberarm stecken geblieben ist, konnte bis jetzt noch nicht eirtfernt werden Der Täter wurde noel) an demselben Abend von der Gendarmerie verhaftet und in das Hastlokal in Bilbel gebracht. Bei dem Verhafteten wurden cin Revolver, den er nach seiner Angabe an demselben Tage in Frankfurt gelaust haben will, und sieben scharfe Patronen vorgefunden. Er bestreitet den ihm zur Last gelegten Mi o r j> v e r s u ck an Kappes und behauptet, er habe in Notwehr gehandelt, da sein Schwiegervater und sein Schwager auf ihn zugesprungen seien, um aus ihn einzufchlagen. Schon wiederholt sei es vorgekommen, daß er, der Verhaftete, aus seinem Hause vor seinem Schwiegervater habe flüchten müssen. Er habe sich aus diesem Grunde den Revolver gekauft, um sich vor Gewalttaten seines Schwiegervaters zu schützen, m, Rieder-Mörlen, 17, Febr, In einer Versammlung des hiesigen Schwesternvcrcins wurde endgültig beschlossen, den Umbau des alten Psarrhauses in eine Kleinkindcr- schule bald vorzunebmen und die dazu erforderlichen Arbeiten in nächster Zeit auszuschrciben. Hierzu ist die Summe von 10 000 Mk, oo-cgeichc», welche zum Teil schon durch freiwillige Beiträge aufgebracht sind. Zum Herbst d, I, oder spätestens anfangs nächsten Jahres soll der Betrieb der Kleinkinderschule beginnen und es wird damit einem lange gehegten Wunsche, die Kinder, während die Eltern mit ihren Landarbeiten uiw, beschäftigt sind, der schützenden Obhut der Schwestern anzuvcrtraiccn, Rechnung getragen werden, Ir. Kirch-Go»s, 16. Febr, Wie bereits berichtet wurde, batte der Gemcindcrat die Verpachtung der Jagd nicht genehmigt, da nur MO Mk,. seither 1000 Ml., geboten worben rvaren, A. B r >"r ck e l»Kirch-Göns und Zahnarzt Tr. E 0 o v e r- Frnnkiurt a. M. haben stch nun bereit erklärt, den bisherigen Packrt- vre s z» zahle». Tic Pachtzeit dauert 0 Jahre, kann aber von der» Gemeinberat um 3 Jahre verlängert werde». Hesken-Nassau. o. Rodhejf» a. d. Bieber, 17. Febr. Gestern führte der Dekan von Gladenbach unter großer Beteiligung der Be. vö'ckerung den neuernonnten Pfarrer O h l y in sein Amt cin. verelnsnachrichtrn. L i ch, 16, Febr, Am vergaugcncn Samstag abend veranstaltete der Gesangverein „M änncrguartett" im Saal Zur Linde einen Kapvenabend und Tanzkränzchcn, Außer einige» schön vorgetragcnen Chören, unter Leitung des Dirigenten, des fdguptlehreis Roth, gelangten verschiedene Couplets zur Artf- sührung. Gute Musik lieferte die Kapelle Busch, 8 Bad-Nauheim, 17, Febr, Die Einsührung des Wander- sports durch Schassung einer Wänderriege hat der hiesige Sportverein beschlossen, der sich nun aus verschiedenen ?kr beitsgruvven znsammensetzt, — Recht lebhaft entfaltet sich in diesem Jahre das karnevalistische Treiben, Gesangverein „Konkordia" und Männcrturnverein haben bereits karnevalistische Sitzungen veranstaltet, c, Rodheim a, Bieber. 16, Febr, Am Samstag hielt die F r e i >v i l l i g e Feuerwehr ihr 8. Winterfest in den Räumen des Gastwins Karl Schlierbach IV. ad. Die uniiormierte Wehr füllte mit ihren Gästen und Angehörigen den festlich geschmückten Saal, Nach einigen einleitenden Konzertstücken szegrüßke der Kommandant, Wilhelm Bender II,, die Anwesenden, darunter die erschienenen Vertreter der städtischen freiioilligen Wehr von Gießen, Ei» Prolog wurde von Fräulein Dönges gesprochen. Cs solgten Musikstücke der Kapelle und Vorführungen einer Volksbühne Ten Schluß bildete der Tanz, wandern und Netten, väder. — Nordsee b ad B ü s u in. Man schreibt uns: Große Herings- und Svrottenzüge und >» erreichbarer Näbe aekirbtet worden. Der erbe Kuller mit 8000 Pfund iü eineetroffen. Die Bevölkerung iß nnt -er Bergung des Fanges und mit Räuchern cisw, beschnliigl.^ Die Fischer stellte» eine Unzahl von Seebunde» hierbei feil, io daß im kommenden Jahre di» Cee'nindsjagd sehr aut z» werden verspricht. Im Jahre >813 sind 70 Hunde erlegt worden.! Gictzener Strafkammer. Gießen. 17. Februar, WegenschwercnTiebstahls wurde das 14 Jahre alte Dienstmädchen L, St, aus Wetzlar zu ciner Woche Gesängnis verurteilt, Sic hatte bei ihrer srühcren Ticnstherrin im Lltobcr vorigen Jahres aus einer kleinen einsachen Blcchsparbüchie, die in ciner Schublade in der Küche ausbcwahrt wurde und in welche der Hausherr monatlich 2 bis 3 Mark sür Weihnachten zurücklcgte, häufig kleine Geldbeträge, deren Höhe nicht genau sestgcstellt werden konnte, entnommen Sie bcwcilstelligtc dies, indem sic mit dem Finger den schwachen Deckel so weit gewaltsam abhob, daß einzelne Geldstücke hcraussallen konnten. Von dem io .gewonnenen Gclde hatte sie sich ccne Bluse und einige kleiner» Toilettengegenstände gekaust. Mit Rücksicht aus ihre Jugend und die ossenbar schlechte Erziehung, die sic im Elternhaus genossen — ihr Vater verbüßt augenblicklich eine Frcihcitsstrasc — wurde aus die erwähnte geringe Strase erkannt, EinesVcrgchcns gegen das Dichseuchengesetz waren die Angeklagten W. B„ R, P, Wtvc, und R, H, aus Ohmes befchuldcgtz W, B, hatte im April vorigen Jahres drei, die beiden anderen An^cNagtcn je zwei Schwritne aus Neustadt eingcsührt, ohne im Bentz ecnes Ursprungszeugnisses zu sern, und die Tiere rn rhr Gehost, indem noch andsres ÄlauenviÄ, sich befarch, ein- gestellt. Das verstieß gegen dir aus Grund des Reichsvichseuchen- geletzcs erl-,!civc Verordnung Gr, Kreisamts Alsfeld vom 7, Dezember 1912, Tw Angeklagten wurden zu je 15 Mark Geldstrase vcrurtcrlt, dir >m Unembringlichksüssalle mit einem Tag Gesäng- nls »u verbüßen ist, • Weyen Nichterscheinens des Angeklagten, iLckurnrsllckcr S, Kl aus Gießen, wurde tue von ihm eingelegte Beruiung ohne Eintritt in die Verhandlung ver- ivoricn. Im August vorigen Jahres hatte der Bruder des An- geNagtcn in der Wirtschaft JörS mr, dem Wirte einen Wortwechsel, den der Angeklagte zum Anlaß nahm, gegen den Wirt tätlich zu werden. Er warf mit einem Glas nach ihm und schlug ihm mit einem anderen die Hand blutig Auch riß er die Wirtin an den Haaren und versetzte ihr mit der Hand einige Lemagc ins Gesicht, Cr war vvni Tckiönengcricht Gietzcn des- halb zn 4 Wochen Gesängnis und 3 Wockfen Hast verurteilt Ivordcn, wobei es sein Bewenden hat. Uniucrfitätö>!1adiridT(cn. — Der Privatdozent für Geologie und Paläontologie an dce Berliner Universität Tr, phil, Hans von Stasi, dem iocbcn aas Prädikat^Proscssor verliehen ivurdc, ist zum Kaiserl, Geologen >'ür Deutsch-Südwestasrika berufen worden, ,— Ter Privatdozent für Pharmakologie an der »niversitol Würzburg Tr, phil, et med. Ferdinand F l u r v wird der an ihn ergangenen Berufung ats Lehrer für Ptzarmakologie, Pharmakognosie und Nahrungsmitlclchcmic, Direktor des chemische» Ar- meelaboratoriums an der Militär»icchizi»al>chulc in tzaidar Pascha bei Konstantinopel und als Inspekteur des ArzneimtttriWesens der türkischen Armee nicht Folge leisten. verknifcvte». * Selb st mord einer junge» Frau iit der Wohnung eines Oberste», Eine geheimnisvolle Tat, die sich in dem Hause eines russischen Artillcrieobersten zu Petersburg ab- spieltc, beschäftigt augenblicklich die Gcscllicbaitskreisc der Hauvt - üadt an der Newa, In der Wohnung des Obersten wurde nämlich eine jungvcrheiratete Frau aus der Petersburger Gefellschait namens Pikcl erhängt autgcfundcn. Die Wohnung des Obersten stößt unmittelbar an die eines Maiorr, Als dieser beim ffiachhausc kommen bemerkte, daß die Tür zur Wobming des Obersten osjen- liand, trat er eia ccnd jand zu seinem Entsetzen die Leielfi der jungen Frau am Fensterkreuz hängen. Wenige schritte vom Fenster entsernt, schlief der Oberst sriedlich in seinem Bette, Der Oberst erklärt nun, von dem gonzen Vorgang nichts bentcrkt zu haben und auck, die junge Frau von Gesellschaiten her nuc ganz obcrilächlich zu kennen, Tie Untersuchung der Aerztc hat Selbstmord durch Erhängen sestgestcllt, Ter Schleier, der über der Angelegenheit liegt, wird noch dadurch verstärlt, daß die junge Frau in den glücklichsten Verhältnissen gelebt haben soll, * Sardinensischcrci im sc e Gene» a reth Tic stillen Gewässer des Sec Olenczarcth in: heiligen Lande werden binnen kurzem der Schauplatz eifriger Erwcrbstäiigkeit werden: nach den Mitteilungen der Jerusalemer Zeitung „Truth" ist zurzeit eine Gcsellschait im Entstehen, die sich das Ziel gesetzt hat. im See Genezareth in größerem Stile Fischzucht, insbesondere aber Sardinensischerei zu betreiben. In den letzten Jahren tauchten in dem See Sardincnschwärmc auf, und sie gl.> Ableistung her Dieusipjlichi in lliautschou. Im Oktober 1914 erfolgt in Kuzhaven die Einstellung der Rekruten, und »war der Matroscu-Artillcristen bcc per Siammabteilung der Matrosen- Artillcrie Kiavtschou und der Seesvldalen bei dem I!l, Stamm- scebataillon. Nach der ersten inianteristischcn Ausbildung, die während der Wintermonate noch IN der Heimat vor sich geht, wird im Januar oder Frühjahr 1915 oder 1916 die Ausreise nach Ostaiicn angetreten, Bedingungen sür die Ausnahme sind: Mindcstgröße 1,65 Meter (für Matroien-Artilleristen auch 1,64 Meter), lrästige Konstitutiou, gesunde Zähne, vor dem l, Oktober 1895 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwickelung), Den mit genauer Adresse zu versehendcii Lln- mcldunge», die an das Äomiuando der genannten Marinctcile zu richten sind, ist cin vom Zivilvorsitzcndcn der Eriatzkommission ausgestellter Meldeschein zun, freiwilligen Dien,leint Tu ai.fdreioder vier Jahre bcizusüge». Angenommen lvcrdcn Leute aller Bernfs- nrtcn, ^Bevorzugt werden Elcktrotechniler, McchalZkcr, Chauffeure, Schuhmacher, Schneider, außerdem sür die Matroien-Ar- tillerieabtcilung Handlungsgehilfe», Techniker und Monteure, für die beiden anderen Marinetcile Gärtner und schreibgewandte Leute, In den Standorten in Lftasicn wird außer Löhnung und Ber- vslcgung eine Ortszulage von täglich 0,50 Mark gewährt, die sich bei Vierjährig-Freiwilligen im vierten Ticnstjghr auf täglich 1,50 Mark erhöht. Dandel. — Friedberq, 17. Hel'r. dem Handelsregister wurv- die ^irma „Max in ^riedderg nelöffbt marttc. io. ^prnnffurt a. M.. I 7 . »vebr. p eu- „nd Strodmaekt. Ange^adren waren ^ Wage ' C^cit, 0 Wagen Stroh. Bezahlt wurde veu ■<()—*, O'TiIf., Stroh t^or>fla,fg''troh) 0.00—^'.00 Btt., Wirrstroh l',00—0,00 Mt. Alles je 50 Kilo. Gcicba^t ruhig. — Die Zufuhren waren aus de»» Kreisen ?irledberg. L>anau und Dieburg. ICirchlid'C Nachrichtsn« Ivangeltiche tSemeinöc. öentc Miltwoch, den 18. Februar, abends 8 Uhr: Bibelstun de im Lukassaale. <1. Briet Be tri.) Marrer Bechtolsheim er.