Nr. 40 Dritter Blatt ll>4- Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Sietzener ZamjlienblSNer" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „«relidlatt für den «reit Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „landwirtschaftlichen Zeilsragen" erscheinen nionatlich zweimal. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhejsen Dienstag, \l. Februar (9(4 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jcheii Unwersitäis - Buch- und Slcindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: S-E öl. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Mb. Deutscher Reichstag. 215. Sitzung, Montag, den 18 . Februar. Am Tische des Bundesrats: Dr. Lisco. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr tö Min. Der Stat fttc die Neichs-ZustiznerwallMg. Abg. Dr. Cohn-Nordhausen (Soz.): Dci der Auswahl der Geschworenen wird gehörig gesiebt. Weite Kreise der Bevölkerung werden absichtlich ausgeschlossen. Es tsr erfreulich, daß auch der Staatssekretär für die Heranziehung der Arbeiter als Schöffen und Geschworene tjt. Jetzt, da die Arbeiter fast ganz ausgeschlossen sind, kann man der Justizpflege nicht volles Vertrauen entgegenbrinqen. Der Entwurf, der die K o n k u r r e n z k l a u s e l regeln , AX, ist nicht genügend. Es muß überhaupt verboten sein, den Angestellten durch eine solche Klausel zu binden. Der Entwurf des Ingend- gerichtsgesetzc' ruht noch immer beim Bundesrat. der sich auf sein« Weise mit ihm beschäftigt, vielmehr nicht beschäftigt. Uebcrhaupt arbeitet die Gesetzgebung auf dem Gebiet des Rechtes bei uns mit äußerster Langsamkeit. Freilich auf politischem Gebiet ist das anders — da hat die Regierung den Agrariern zu parieren und apportieren. Unser Strafrecht ist veraltet, cs beruht im wesentlichen auf dem aUen preußischen Strafgesetzbuch, das längst überholt ist Dabei soll die Reform nach den Worten deS Staatssekretärs erst 1917 kommen, und der Reichskanzler faßte ihren Inhalt bei der ersten Lesung des Etats in einer Weise zusammen, es sei beabsichtigt, die Ausnahmegesetzgebung gegen die Arbeiterschaft zu verewigen. Die Arbeiterbewegung soll erdrosselt, die Ausbeutung geschützt werden, indem man die angeblichen Friedensstörungen der Hungernden unterdrückt. Man will das Koalitionsrecht, die politische Freiheit der Arbeiter vernichrcn. Der Versuch kann nicht gelingen. Die organisierte Arbeiterschaft wird ihn mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu verhindern wissen. (Sehr richtig! b. d. Soz.) Der Schutz der Arbeitswilligen ist lediglich ein Kampf gegen die Aroeiterjct-aft. Andere Reformen sind wirklich dringend. So wüßte die religiöse Eidesformel abgcschafst werden. Graf Westarp hat sich freilich gegen Reformen in einer Weise ausgesprochen, daß man ihn nicht mehr ernst nehmen kann. (Präsident Dr. K a e m p f bezeichnet den Ausdruck als unzulässig.) Das Existciizmlnimunl von 1500 Mark genügt bei den heutigen Verhältnissen nicht mehr; es muß erhöht werden. Das Wiederaufnahmeverfahren in seiner jetzigen Gestalt versagt vollkommen. Ein« K l a s s e n j u st i z ist unverkennbar zu verzeichnen. Die Richter können eben aus ihrer Haut nicht heraus. Sie verstehen cs nicht, sich in das Empfinden einer anderen Klaffe hinein- zuversetzen. Wie hart faßt man die Arbeiter selbst bei leichten Vergehen an, während Studenten, die sich schwere Exzesse zuschulden kommen lassen, mit einer geringen Geldstrafe davon kommen. Der Kölner Polizeiprozeß wirft ein trübes Licht aus die Polizei. An anderen Orten wird Kuppelei direkt *nter den Augen der Polizei getrieben. In Essen wurden, unter Leitung eines Polizeiassessors, die Listen des Stcigerverbandes wiberrechtllck entwendet, um sie den Arbeitgebern auszuliefern. In Berlin hat ein Schutzmann selbst Einbrüche verübt. um sie dann zu melden und sich bei der Aufklärung hervorzutun. E,nc R e f o r in des P o l i z e i w e s e n s ist unter alleii Umständen dringend erforderlich. Diese Fäulnis- und Korrup- tionserschcinungen geben doch zu denken. Mit der Androhung der Fürsorge-Erziehung wird besonders gegen Sozialdemokraten ein unerhörter Mißbrauch getrieben. Auch die Urteile unserer Gerichte lasten vielfach Unparteilichkeit gegen die Sozialdemokraten vermissen. Das Ansehen der Richter im Volke wird dadurch nicht, gehoben. Erst eine grundlegende Aenderung unserer wirtschaftlichen und sozialen Verhältnis'e ioird uns die wahre Ge rech- tigkerl brrngen. Wir muffen dafür sorgen, daß die Richter durch freie Wahl aus den Volksgenossen gewählt werden. (Beifall der Soz.) Präsident Dr. Kaempf ruft den Redner nachträglich zur Ordnung, weil er erklärt hatte, falls der Reichstag a u f g e l ö ft werde, würde die Regierung schon irgendeinen Wahlschwindel erfinden. Abg. Dr. Beizer (Zentr.): Ueber die Zaber naffäre will ich hier nicht sprechen — oh rühret, rühret nicht daran! (Heiterkeit!) Die Krupp-Affäre wollen wir beim Militäretat behandeln. Die Stelle des sechsten Reichsanwalts wollen wir nicht bewilligen und werden deshalb gemäß dem Kommissionsbeschluß die auf Wiederherstellung des Postens abzielenden Anträge ablehnen. Wir danken dem Staatssekretär für die Erfüllung einer Reihe unserer Wünsche und feine Bereitwilligkeit zur Berücksichtigung weiterer Wünsche. Wir bedauern, daß es nicht gelungen, das Luftfchiffahrts- gefetz international zu regeln. Die neue nationalliberale Resolution, die einen Gesetzentwurf über den Zwangsvergleich außerhalb des Konkurses fordert, halten wir für überflüssig, da wir im Vorjahre eine gleiche Resolution fast einstimmig angenommen haben und das Justizamt dafür einzutreten versprochen hat. Die Dauer der Prozesse ist in Oesterreich viel geringer als bei uns. Unser Zivilprozeß muß daher beschleunigt werden. Wie steht es mit der Neuregelung der Verhältnisse der R e ch t s a n w a l t s a n g,e st e l l t e n? Die RcchtS- anwaltsgebührcn müssen erhöht werden, aber mit Vorsicht, damit die Prozesse des kleinen Mannes nicht verteuert werden. Beim Amtsgericht Berlin-Mitte sollte ein Gcneralschuldner- verzeichnis angelegt werden. Das wäre ein gewister Schutz für unsere Gläubiger. Di^ „Deutsche Richterzeitung", das Organ DeS Deutschen Richterbundcs. hat sich leider ganz unquali* fizierbare Angriffe gegen unfern Dr. Spahn herausgenommcn. Dr. Spahn hatte sich über die Rechtsprechung des Colmarcr Obcrlandesgerichts, das die elsaß-lothringischen Wahlprüfurgen zu erledigen hatte, geäußert. Die „Richterzcitung" warf nun Dr. Spahn vor, er habe die Gewissenhaftigkeit der R'chtc bezweifelt. Das ist unrichtig. Die Zeitung sollte doch objektiver sein. Eine bedenkliche Erscheinung sind d i e Nachdrucksjäger. Diese Herren schreiben ein paar Zeilen, und wenn diese dann von hundert Zeitungen nachgedruckt werden, so verfolgen sie diese Zeitungen wegen Nachdrucks und nehmen so einige hunderte und tausende Mark ein. Bei diesen Verfolgungen der Zeitungen sollte wenigstens der Staatsanwalt ausgeschaltet werden. Die Berliner Sensations presse bringt dauernd Artikel mit geschlechtlichem Einschlag, Enthüllungen über hochgestellte Persönlichkeiten usw. Die scheußlichen Taten Sternickels wurden genau aufgezählt, ebenso das Treiben des Knabenmörders Rittcr. Das war ein Skandal! Selbst der „Vorwärts" sprach von einer „sensationslüsternen Schweinerei". Und wie schamlos ist der Generalintendant von Hülsen angegriffen worden? Erfreulicherweise ist der Beleidiger mit einer Gefängnisstrafe von einem Jahre bestraft Warden. (Sehr gut! rechts.) Dann die „schöne Sünderin" Hedwig Müller. Sogar das Bildnis dieses Fräuleins ist auf den Straßen verkauft worden. Am meisten muß das Verhalten des Staatsanwalts gerügt werden, der sich der Angeklagten liebevoll annahm rnb immer fragte: Wie geht es Ihnen? Können Sie die Verhandlungen noch aushalten? usw. Das hat einen üblen Eindruck gemacht. Der Justizminister hat dieses Verhalten erfreulicherweise abgelchnt. Der Prozeß hat aber viel Schaden angcrichtet. Wenn Fräulein Müller noch so hübsch ist, wie sie gewesen sein soll, so ioird sie nach der Verbüßung der Strafe eine sehr gute Karriere in der Berliner Lebe weit machen. (Sehr richtig! im Zentrum.) Die Reklame, die eine geivisse Press« mit diesem Mädchen gemacht hat. wird noch manchem Mädchen zum Verderben werden und die Luft nach einem ähnlichen Leben wachrufen. Was muß das Volk zu einem solchen Prozeß zu sagen? Im Dämmerzustand soll eine solche Tat begangen sein, wie ein Sachverständiger sagte. Das versteht das Volk nicht. Man wird sich fragen, ob der Prozeß auch so ausgefallen wäre, wenn cs sich nicht gerade um eine junge, hübsche Dame gehandelt hätte. (Sehr richtig! im Zentrum.) Wir erwarten möglichst bald eine Novelle gegen den Schmutz in Wort und Bild. Mit dem Vorgehen des Staatsanwalts gegen die Künstle r- karten pnd ioir einverstanden. Denn hier handelt es sich um einen Mißbrauch der Kunst. Nicht einverstanden sind wir mit der Ausquetschung der Zeugen vor Gericht, besonders nicht mit den Fragen nach den Vorstrafen. Notwendig ist eine r e i ch s - gesetzliche Regelung des Irren Wesens. Große Beunruhigung aber erregt cs im Volke, daß fast jeder Verbrecher behauptet geisteskrank zu sein. Und immer findet sich ein Sachverständiger. der das glaubt. Die berüchtigten Dämmer- z u st ä u ö c spielen eine große Rolle. Viel Aufsehen erregte der Fall der Gebrüder v. Versen. Auch hier waren Geld und Erbstreitigkeiten schuld. Einer der Brüder wurde unberechtigt ms Irrenhaus gesperrt. Gott sei dank hat das Gericht noch rechtzeitig ein Machtwort gesprochen. Es wurde behauptet, daß sich dw Geisteskrankheit besonders darin gezeigt habe, daß der ein« Bruder gegen seine Unterbringung im Jrrcnl)aus remonstrierte. (Heiterkeit.) Die schauerlichen Vorgänge in Bremen und W ü r t t e m b e rg machen eine Novelle notwendig, durch die gemeingefährliche Verbrecher festgesetzt, und nicht auf die Menschheit losgclasien iverden. In Stuttgart behelligt ein Mann die Leute dauernd mit got^teslästerlichen Pamphlcten. Hier wäre ein Druckverbot am Platze. (Sehr richtigI rechts.) Es war falsch, wenn gleich nach der Tat des Lehrers Wagner in Württemberg erklärt wurde, der Akmn muß geisteskrank sein. Im Fall Knittel, hat der Vorsitzende der Rechtspflege keinen Dienst geleistet. DaS Vertrauen des Volks zu seiner Rechtspflege muß noch mehr gestärkt werden. Abg. Schiffer (Natl.): In den großen Masten des Volkes, auch soweit cs hinter den Sozialdemokraten steht, herrscht nach meiner Erfahrung großes Vertrauen zur Rechtspflege. Gewiß kommen auch Fehlsprüche vor, aber sicher nirgends so wenig als bei uns. Schluffe aus solchen Fehlsprüchcn zu ziehen ist höchst bedenklich. Vor allem muß man sich hüten. Fälle ans Grund von Zeitungsberichten zu beurteilen, weil diese Berichte ganz subjektiv abgefatzt sind und stets ein unvollständiges Bild der Verhandlung geben. Gewählte Richter wären gewiß nicht objektiver, denn sie kämen ja unmittelbar aus den Kreisen der Parteien und könnten nie so unabhängig sein wie unsere Richter. Viele Richter verfallen sogar in dem Streben, ganz unparteiisch zu sein, in den gegenteiligen Fehler, Arme und Niedrigstehcnde bester zu behandeln als die reichen Unternehmer. An vielen Entscheidungen, die als Fchlsprüchc angesehen werden, ist übrigens nicht der Richter, sondern das Gesetz schuld, das ihn zwingt, so zu urteilen. So konnte z. B. im Krupp-Prozeß der Direktor Roettger nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht beeidigt werden. Das war in diesem Fall eine Grausamkeit. Die Re» formbedürftigkeit unserer Strafgesetzgebung ergibt sich danach ohne werteres. Leider liegt sie noch in werter Ferne. Ich habe selbst Bedenken, einzelne Teile der Strafgesetze vorweg zu refor- mieren. Aber Not bricht diese Bedenken. Wir müssen unL be- streben, unsere Gesetzgebung an das moderne Wirtschaftsleben anzupassen. Der heutige Zustand bedeutet eine Vergeudung von Zeit und Geld, drc im Interesse unseres wirtschaftlichen Lebens behoben werden muß, ohne daß es dazu großer politischer Erörterungen bedarf. Bedauerlich bleibt das maßlose Anwachsen der Privatklagen. Es ist geradezu unwürdig, für jedes leichte Schimpfwort gleich zum Kadi zu laufen. In einem Berliner Vororte hatte ein Beamter Auszüge an? Strafregistern gemacht und viele Familien unglücklich gemacht. Er trieb es soweit, daß ihn schließlich ein Redakteur unter Berufung auf das bekannte Wort- einen Denunzianten nannte. Der Mann ist bestraft worden. Das entspricht nicht dem Rechts- und Ehrgefühl des Volkes! (Sehr richtig! Zuruf: In Köln wars ebenso!) Ich nehme cs niemanden übel, wenn er einen anderen beleidigen will, der cs verdient. Wer die Wahrheit sagen will, soll sie auch sagen können, ohne sich sofort wegen formaler Beleidigung rechtfertigen zu müssen. Wir legen Ihnen eine weitere Resolution vor, die einen Gesetzentwurf zur Beschleunigung und Vereinheitlichung der Rechtspflege fordert. Danach kann die Entscheidung in einem Rechtsstreit von erheblichem oder privatem Interesse auf Antrag derjenigen Stelle überwiesen werden, die bei Erschöpfung aller zulässigen Rechtsmittel als letzte Instanz in Betracht käme. Der Beschluß, durch den die Ueberweisung ausgesprochen oder abgelchnt wird, ist unannehmbar, doch soll die angerufene Stelle die Entscheidung ablehnen können, wenn sie die Voraussetzungen der Ueberweisung nicht für gegeben hält. Verschiedenheiten in der Auslegung oder Anwendung einer Rechtsnorm soll der Bundesrat einem gemischten Ge- richtshofe zur Entscheidung vorlegcn können. Dieser tagt am Sitze des Reichsgerichtes. Mit der Art der Behandlung der Prozesse können wir in letzter Zeit nickit zufrieden sein. Wir haben über das Verhalten von StaatSawoälten zu klagen, und es ist z. B. ungehörig, wenn ein Vorsitzender vor Beginn der Verhandlung die Zuschriften verlieft, die ihm zugegangcn sind. Das ist Wichtigtuerei, die nur auf die Leute draußen Eindruck machen soll. Wenn ein solcher Prozeß für die Draußenstehenden langweilig wird, so schadet das der Justiz gar nicht. (Sebr richtig!) Da erleben wir in solchen Prozeffen Heiterkeiten; bon mots werden geprägt. Und auf wessen Kosten? Des Mannes, der vielleicht um sein Leben, um seine ganze Existenz kämpft! Größere Zurückhaltung ist für den Richter geboten. Sein schweres Amt verlangt äußerste Selbstbeschränkrnrg. Die Tugend, die er vor allem üben muß, ist die Tugend der Ge- duld! Er hat zu lernen, sich in die Seelen der Menschen hinein- zudenkcn, um das Wesentlich« vom Unwesentlichen zu scheiden. Immer sollte cs beim Richter Heißen: Erst kommt der Mensch, dann der Jurist! (Lebhafter Beifall.) Abg. v. Laszewsty (Pole): Auch wir treten für die Beschleunigung der Rechtspflege ein. Das Haus vertagt sich. Dienstag 1 Uhr pünktlich: Kleine Anfragen, Abstimmungen über die Olympia-Anträge, Weiterberatung. .Schluß 7 Uhr. Bertiüons Lel'enswerk. Frankreichs bedeutendster Striniinalift ist in Alphonse Bcr- lillon dabingegangen, Berfillon hatte sein ganzes Leben in den Dienst einer einzigen Idee gestellt, des Beschreibens und Wieder- -rkennens von Menschen durch beit Erkennungsdienst, und das Stiftern, das jetzt in der ganzen Welt unter seinem Namen bekannt und in mehr als 12 Kulturstaaten eiitgeführt ist — man spricht non „Tertillvnage" und vom „bcrtillonisicren" — ist, trotz der Galtonschen Daktyloskopie io erfolgreich, dast cs fast als unfehlbar bezeichnet iverden kann. Lange vor den Arbeiten Ber- tillons, der seit 1880 an der Spitze des Pariser Jdentisizicriings- amtcs gestanden hat, hat die Polizei Menschen beschrieben, Berti llon älcr mar es, der einen ungeheuer fruchtbaren Grundgedanken einjührtc und Baustein zu Baustein lügend, überall anwandte, Früher sagte man von einem Menschen, er fei groß, mittelgcost oder klein, er hätte graumeliertes Haar, dunkelblaue Augen usw, Berrillon aber sagte, er ist so und so groß, seine Augen haben die und die Farbe, kurz, er siug an zu messen und lieferte die Beschreibung eines Menschen eindeutig in Zahlen, ia selbst die Haar- »nd Augcnsarbc drückte er in Zahlen aus. Bei der Anwendung des Bertillonschen Systems (das 'natürlich nicht von vornherein in seiner endgiltigcn Form erfunden worden ist ist die Hauptfrage: was wird gemessen, und die Antwort lautet: alles, was sich bcini erwachsenen Menschen nicht mehr ändert, was in seinen Dimensionen durch Knochen oder Knorpel bedingt wird, also die ganze Größe, die Hölle der Büste, die Svannweitc von der Spitze eines Mittelfingers bis zur Spitze des anderen bei wagcrccht ansgestreckicn Armen, die Länge des Unterarmes, des Fußes, des Unterschenkels, der einzelnen Finger, der einzelnen Koptdurch Messer, die Ausdehnungen der Nase und der Ohren, Das Messen geschieht hierbei natürlich ,,inr Winkel", indem man nicht ein Bandmaß verwendet, sondern den zu inessenden Körperteil zwischen zwei parallele Flächen bringt. Alle diese Maße werden dann aut einer Karte in bestimmter Reihenfolge ausgezeichnet, io daß bei telegraphischen Meldungen nur die Zahlen, nicht die Körperteile, ant die sie sich beziehen, übermittelt zu werden brauchen, und nach bieient System hat die Polizei in vielen.Ländern Sammlungen von vielen Hunderttausenden solcher Bertilonscher Signalements znsammengcstcllt, Tie Pariser Polizei unter Bertillons Leitung allein hat 'weit über eine halbe MÄlron Verbrecher „bertillontsrert". Natürlich müssen die Karten irgendwie geordnet sein, und auch die zweckmäßigste Anordnung der -v i g n a l e tu c tt t ge hör, j u Bertillons Lebenswcrl Bott ifou stammt die Einteilung der Gruppen- alle Karten sind in drei Gruvpen verteilt, von denen jede wieder in drei Untergruppen zerfallt, und so lort. Die erste Gruvvenierfttng geschieht z, B nach der Lange deS Kopses m iirofif mittlere und geringere Kovtlänge), die zweite Unterteilung erfolgt „ach der Kovibceite, die dritte nach dem Mittelfinger, die vierte nach dem Fuße, die fünfte nach dem Unterarni, eine Bertillon aber begnügte sich natürlich nicht mit dem Messen, sondetn fügte noch eine Kürperbeichreibnng hinzu, die stch aus die Form der einzelnen Körperteile bezieht und auch,die „besonderen Kennzeichen" umfaßt, Berfillon verlangt, daß Tür ,eden Menschen wenigstens fiirtr solcher Kennzeichen angegeben werden, und l-etauv-et, jeder Mensch habe- wenigstens acht bis zwöl, Narben oder andere Abzeichen am Körper, was im großen und ganzen wohl stimmen dürfte, . „ ,. . . _ , Natürlich nützt es nichts, wenn tzic Polizei Vas Signalement eines Verbrechers suis genaueste in ihren Akrenichränkcn hat und ihre ausübenden Beamten nun einen Verbrecher sangen sollen, wenn sic keine weiteren Milte-mittel haben. Auch diese trat ihnen Berfillon in Gestalt des „g c s p r o ch c n e n P o r t r ä t S" gegeben, E-s handelt sich um GedächtNtSbckder, mit deren Hilfe die von Ber- fillou ausgebildetcn Beamten Personen nach dem Ansehen Ivieder- erkennen, wenn sic ihr AcußcreS auch noch so sehr verändert haben, Berfillon hat die Leistungen seiner Beamten, die das „gesprochene Porträt" beherrschen, mehrmals öffeittlich vorgesübrt, und die Leistungen seiner Schüler verblüistett jedesmal die Zuschauer, Ganz laicht ist es nicht, sich ein „gesprochenes Porträt" einzuprägen Ivofirr rin drolliger Beweis angeführt werden mag, Gewiß glaubt jede Mutter ihr Kind zu kennen und es unter Tausenden herauszuiindcn. Allein vor acht Jahren haben im Jiabellen- ltefin in Madrid einige Aerzte, die Berfillvns Arbeiten kannten. Versuche geniacht, die das Gegenteil beweisen: man legte einer Anzahl bon Müttern eine größere Menge nackter Säuglinge bar, und von zehn Müttern fanden nur zwei ibr .Kind heraus! Bei Säuglingen ist das Meßver'ahren Bertillons nun zwar kaum anwendbar, aber aus der Krrmänallitcratur sind Fälle bekannt, wo Mütter ihre erwachsenen Kinder auch nickt erkannt haben und das Leriillonschc Versahrcn zum Nachweise der Jdenlizität hat ein- grciirn müssen. Eine Erweiterung des K a i f c r - Frie dr i ch - M u f c n m i u Magdeburg, Aus M a g d e b n r g lpird uns geschrieben: Das Kaiser-Friedrich-Museum. eines der modernsten und am großzügigsten angelegten Museen Deutschlands, hat setzt eine - übrigens schon bei der Einweihung >901! vorgesehene Erweiterung erfahrest, die den Otebäudekomplex innerlich und äußerlich harmonisch abichließt, Direktor Bolbchr hat nuninebr seine Absicht, dem Besuchet eine Instvrisckw Ausstellung der Entwicklung des Wohnungswesens und der ihm eigentümlichen Stile zu geben, zu Ende führen können. Bisher tvarcn Zimmer und Säle von der Zeit der Reformation bis zur Empire und Biedermeierzeit in strengster Stileinheit und Reinheit cingcrichtel. Die Fortsetzung wurde durch die Stiftung eines reichen'Magdeburgers sHansivaldt) ermöglicht, der seine in 50 Fahren zusammengestellten Sammlungen letztnnllig dem Museum vermachte, In vier großen Räume» sind die Sammlungen, die alle nur möglichen Objekte, wie Möbel, (stvbelins, Bilder, Waffen uilo, nInsassen, und einen erlesenen Gcschniock bekunden, untergebracht, Zwei Räume mit Sammlungen von Fmitationen ans dem Ende des Kl, Jahrhunderts legen Zeugnis ab von der Geschmacksverwil- derung dieser Zeit, Damit ist absickstlich imd wirkungsvoll der Gegensatz hergestellt zu denr Abfchluß der Lammluug, zwei modernen Zimmern oon Albin Müller und Metzcndort, Das enic, ein Empfangszimmer, erhielt bei der Ausstellung in St. LouiS 1904 einen großen Preis, das zweite, ein pr-ichfiges Herrenzimmer, war aus der vorjährigen Iba und ist eine Sfiftmig des Ministers v, Krupp von Bohlen-Halbach, Ueber den neuen Rätlmen lviindct sich die Erneuerung der Gemäldegalerie, die wertvolle Neuerwerbungen von sdodler, van Gogh usw, enthält, — N eu entdeckte Handzeichnungen italienischer Meister, Aus Leipzig wird genwldet: Ter Bibliothekar Dr, Krocker entdeckte in der Stadt- bibliothek unter alten Handichriiten und Akten eine Sammlung von Handzeichnun g cn italienischer Meister aus der Spötremrissance und dem Barock, Unter etwa 2700 Blättern allein sind 135 Zeichnungen des Meisters Ber» n i n i^und etwa zwei Quartbäude prachtvollcr Federzeichnungen arm Salvator Rosa, Es ist interessant, daß die zwei Bände ans dem Beritz der Königin Christine von Schweden stammen. Au» Stadt und La«-. Gießen, 17. Februar 1914. **KosteniirarkenzurEntrichtung vonGeiichts- '*>kru. Zur Bereinsachung und Berbilligung der Zahlungsver- »Hr4 rönnen jetzt in einigen Städten ,u. a. auch Trtanffurt Ge- irchtslvsten, über die eine Kostenrechnung noch nicht mitgetcilt ist. durch Verwendung von Kostenmarken entrichtet werden. Tic Benntzun., von Kastenmarken spart den Koste» ia klein Zeit und Geld. Die Ausfüllung vou Postanweisungen, die Einzahlung des pstldcs und das Porio iür die Geldsendung fallen weg: Urkunden. Me sonst bei Gericht zurückgehallen werden müßten, bis die Kostenrechnung der Beteiligten zugeiandt und von ihnen bezahlt ist, kännen sofort zurückgegeben werden. Kostenmarken werden über 0.05, 0.10, 0.20, 0.30, 0.60, 1, 3, 5, 10 und 20 Mart aus- gegeben. ** Fürsorge für Jugendliche. Man schreibt uns: Etwa 50 000 Jugendliche iverden in Deutschland jährlich vom Strafrichter verurteilt. Tie Gefängnisse und Strasanstalten können den Zweck der Besserung und Erziehung nur mangelhast erfüllen, da sic den jungen Menschen oftmals dauernd mit dem Flecken der Schande bchaften. Erfolgreicher und zugleich sparsamer ist die vorbeugende und heilende Tätigkeit der Lehrlingshcime und sonstiger Anstalten für sittlich gefährdete Jugendliche Ta nun in diesen Tagen der Sammler für das Lehrlingsheim in Dillenburg und die Erziehungsanstalt in Aumühle (Ar. Darmstadt' die Bell« hner des Kreises (fließen um Gaben bittet, so wird hosfentljch dieser Ausruf christlicher Einsicht und Barmherzigkeit seine Wirkung nicht verfehlen. Tie Anstalten sind weder vom Staat ins Leben gerufen, noch werden sie von ihm unterhalten. Doch leisten sie dem ganzen Bvlk erheblichen Dienst zur Eindämmung des Bcrbrechertuins und bedürfen auch behufs Verzinsung und Abtragung der noch aut ihnen ruhenden Schuldenlast (40000 Mark! dringend der Unterstützung. Um sich vor Betrügern zu schützen, beachte »ran, daß der Sammler in seinem Gabenbuch die Genehmigung des Großh. Kreisamts mit sich führt uich auf Verlangen jedermann porzeigt. Ein persönlicher Besuch der Anstalten dürste aber am besten davon überzeugen, daß sic sich vor jedermann sehen lassen können und aller Ulfe wert sind. Das Gesetz im Wandel und Verkehr, lieber eine Reihe von wichtigen gesetzlichen Fragen aus dem täglichen Lehm geben die neuesten Entscheidungen des R c i ch s g e r i ch t s Auf- lckltuß. Wir entnehmen ihnen folgende Fälle! Zur Stempel- pflicht beim Grundstückskauf. Der Kaufvertrag über ein Grundstück ist nicht nach dem objektiven Werte des Kauf» objekts zu verstcmpeln, sondern nach dem tatsächlich erzielten Kaufpreise, ganz gleich, ob der Käufer einen Spekulations- Ivert gezahlt hat, den der Verkäufer mit der erforderlichen Gv- jchästsausgabe begründete. — Ein gefährliches Konkurrenzmanöver. Ein Hamburger Kaufmann hatte mit dem in einer Vertrauensstellung sich bcftndenden A n g c st e l l t e n seiner Konkurrenz einen Vertrag abgeschlossen, wonach der betrefseirde Angestellte sich gegen eine Beteiligung am Reingewinn bereit erklärte, dem Äertragskontrahentrn Vorteile zu- kommen zu lassen, die seinen Prinzipal schädigen mußten. Beide Vertragsteile find zu erheblichen Gcsängnisstrafcn verurteilt worden. obgleich der Angestellte sich vertraglich verpstichtet hatte, alle Verantwortllchkeit selbst zu tragen. — Unfall im Abort eines fahrenden Eisenbahnzuges. Der Eisenbahn- reisende muß zwar im allgemeinen bei seinen Bewegungen im Zuge die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachten. Es würde aber eine Ueberspannung der Sorgfalts- Pflicht sein, wenn man verlangen wollte, daß er sich bei jedem Auf st eh cn im fahrenden Zuge, namentlich auch bei der Benutzung des Aborts, sc st halten müsse. Ist ein Reisender loährcnd seines Ausenthalts im Abort durch einen Plötzlichen starken Rück des Zuges gegen die Fensterscheibe geschleudert und dadurch verletzt worden, so ist die Eisen- bahn hierfür im vollen Umfange schadenersatzpflichtig. da cs sich um einen Betric bsunsall handelt. - Die Reproduktion von nackten Kun st werken ist bei tadelloser Wiedergabe des Originals nicht n n » ü chtig. Tas Landgericht Berlin hatte im objektiven Strafverfahren ,die Unbrauchbarmachung von 43 Postkarten ausgesprochen, weil diese Postkarten nachte Kunstwerke berühmter Meister Wiedergaben und weil bei einer Postkartenabbildung die künstlerische Idee nicht die Eigentümlichkeit gewinne, die Unzüchtigkeit des Nackten zurückzudrängen, sondern auf die Jugend „verführerisch" wirken. TaS Reichsgericht hat das Urteil aufgehoben und ausgeführt, daß die Darstellung des nackten Körpers an sich n i ch t unzüchtig wirken kann, diese Annahme des Landgerichts Berlin deslwlb rechtsirrig fei. ** GütcrrechtSrcgister. Gütergemeinschaft halben vereinbart: Sckmried Heinrich Michel und dessen Ehcirau Marie gcb. Heißner in Hetzbach. Errnngcnschastsgcmcin- s ch a s t haben vereinbart: Maurer Phil. S ch m i t t zu Saasen und seine Ehefrau Kath. Schnritt geb. Hahn: Georg Anton Stauch. Techniker, und Johanna gcb. Merz in Wornis: Maurer Friedrich Meidt zu Lncckbvrn und seine Ehefrau Karoline Mcrdt geb. Röder: Taglöhner Philipp Nccb II. und Anna Katharina geb. Herbold zu Groß-Rohrheim. — Gütertrennung haben vereinbart : Eckstein, Ludwig und Frau Margarethe geb. Klent von Klein-Bieberau. ** Grundstü cksvHr k ehr. Ein Grundstück zu Bens- Heim, das auf den Namen des Bäckers Hans Jäger in Bcns- heim eingetragen war, soll Montag, den 30. März 1914, nachmittags 2% Uhr, int Sitzungssaale des Amtsgerichts Bensheim int Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. — Grundstücke ^u Ober-Modau, die auf den Namen des Franz Thomas Siegmaticr und der Susanne geb. Krichbaum, jetzt Ehefrau des Georg Ziegler zu Ober Modau eingetragen waren, sollen Donnerstag, den 30. April 1914, vormittags 10 Uhr, aut dem Dienstzimmer des -Ortsgerichts Ober-Modau im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. — Grundstücke zu Bensheim, die auf den Namen des Fabrikanten Wilhelm Fischer und dessen Ehefrau Margarete Anna geb. Wiener in Bensheim im Griiiid- buch eingetragen waren, sollen Montag, den 30. März 1914, nachmittags 2>* Uhr, im Amtsgericht Bensheim im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. ** Eine „Ge ist e re r s ch ei n u ng" ist letzt das Tagesgespräch von Reiskirchen geworden, und da sie eines gewissen Humors nicht völlig entbehrt, so geben wir gern den Bericht eines unserer Mitarbeiter darüber wieder: Belustige» sich eines Abends aus dem sogenannieii Tchulwair. in Reis- kirchcn eine Antabl Bursche» mit Schlittensahrcu. Plötzlich erschienen am Ende der Schliitenbahn zwei weißgekleidete Gestalten. Im ersten Augenblick stutzten die meisten der Burschen: einige beherzte, die an eine GeistererscheimiNg in unicrm Jahrhundert nicht recht glauben wollten, bewaffneten sich rasch mit ein paar abgerissenen Latten und stürmten aus die vermeintlichen Geister ein. Tic drohende» Latten slöstten unser» Geistern doch Angst ein, mit langen Sprüngen über Stock und Stein, verwlgt von der gohlcnden Burl'chenschar, ging der Wieseck entlang Plötzlich bildete ein Drabtiann ein säst unüberwindliches Hindernis, der eine Geist setzte kurz entschlossen darüber, der andere packle es nicht und fällt in die Hände seiner Verfolger, welche ihn nach einer gehörigen Tracht Prügel unerkannt seines Weges ziehen ließen. Landkreis Gießen. (;) Taub ringen, 16. Febr. 1914. Bei der am 73. d. M. zu Lollar vorgcnommcncn Wahleines Kreis- tagsmitglicds wurde im Wahlbezirk Treis a. Lda., Staufenberg, Daubringen Ruttershausen-Lollar an Stelle des zurückgetretencn Bürgermeisters Benner-Treis a Lda. Bürgermeister Walter» Taubringen mit 12 von 21 abgegebenen Stimmen gewählt. tt Langsdorf, 15. Febr. Gestern abend hielt hier Tr. Hos s. iii an», Lehrer a» der Ackerbauschule in Friedderg, einen Portrag über d,e Behandlung der Obstbännie >i» Winter Don den zahlreich Erschienene» wurden die Äussübrungc» de« Redners mit grobe», Interesse enlgi aenginomniem Er bildete sich eine Ortsgruppe de- Oberhessischen Obsldauverem«. Kreis Lauterbach. R. Hopsmanns seid, 16. Febr. Ein Handelsmann aus Ober-Seemen unternahm eine Gcschäststour im Dogels- berge. Um den Umweg über Eichenrod zu ersparen, bog er mit seinem Fuhrwerk, von Bahnhof Rixfeld kommend, in die zurzeit wegen Schneeverwehungen gesperrte Straße nach Hopsmannsscld, sogen. Schlitz gas se, ein. Diese Straße ist aber rn ihrer tiefsten Senürng kurz vor izeni Ort vollständig verweht und kaum zu erkennen. Das Pferd des Händlers verlor plötzlich den festen Untergrund und versank etwa 2 Meter im Schnee der Straßenböschung. Nur mit Hilfe einer Anzahl Torsbewohner konnte das Pferd wieder hervorgeholt werden, hat sich aber verschiedene Verletzungen zugczvgen, so daß es aus einige Zeit nicht gefahren werden kann. Tie Insassen des Fuhrwerks, Vater und Sohn, kamen mit dem Schrecken davon. Kreis Friedberg. ? Pohl-Göns, 16. Febr. Der Gemcinderat beschloß in seiner Sitzung vom Samstag abend die Einführung des elektrischen Lichtes und Anschluß an die lleber- landzentrale. — Auf die hiesige erledigte Pfarrstelle wurde Pfarrer Naumann aus Siescrsbeim in Rheinhcssen dekretiert. , Hessen-Nassau, — Bieber, 15. Febr. Gestern abend fand die Hanvt- vcrsamnilnng >md Rechmmgsgblegnng des bieügeii Raiffeisen- Vereins bei Gastwirt Paul statt. Ter Berein besteht seit Sevlember 1911 und hat eine Reserve-Rücklage von 79 SM. gemocht. Im verflossenen Jahre worden sür 21897 Mark Waren umgesetzt. O Biedenkops, 15. Febr. Tie Steuersätze »»sereS Städtchens sind Iür das neue Jahr wie folgt seslglsetzt 180 Proz. En>- kommensteuer, 200 Proz. Realstener »nd 100 Proz. Betriebssteuer. Ter Eli» stellt sich in Einnahmen und Ausgabe» aus 20? 503,14 Mark. — Hanau, 16. Febr. Beim ersten Bataillon sdes Eisenbahnregiments Nr. 3, demselben Bataillon, bei dem im Vorjahre die Typhusepidemie grassierte, sind wieder 80 Soldaten von einer epidemieartigett Krankheit befallen und in das Lazarett gebracht worden. Tie Krankheit soll einen influenzaartigen Charakter haben. 0(ridit*{aaL Zum Drama auf Dakowhmokrc. 4 Mcseritz, 15. Febr. Zu dem Drama auf Schloß Dako- wymokre, wobei der Majoratshcrr Graf Matthias Brudzcwv v. Miclzynsli seine Frau Fclieie gcb. Grästn Potocka und seinen Neffen, den Grasen Alfred v. Mianzynski in der Nacht erschoß, erfährt die „Deutsche Journalvost" folgende Einzelheiten: Gras v. Mielzynski hörte am Morgen des 20. Dezember gegen 4 Uhr ans dem Korridor seiner im ersten Stockwerk gelegenen Gemächer im Schlosse Takowymokrc Schritte. Er trat deshalb auf den Korridor hinaus, konnte aber niemanden sehen. Tatsächlich Ivar ein Diener an seiner Tür vorübcrgcgangen. Gras ». Micszhnski wollte sich davon überzeugen, wer der nächtliche Wanderer war: an Einbrecher, wie früher behauptet wurde, dachte er in diesem Augenblicke nicht. Er begab sich daher in das Erdgeschoß und bemerkte dicht am Treppensuß eine Tür halb osten stehen. Nun wurde er stutzig, und es schien chm jetzt doch möglich ,daß Einbrecher cingcdrungcn seien. Er nahm von einer Truhe, an der er eben vorüberging, ein stets dort liegendes Gewehr, das er ,M den daneben befindlichen Patronen an Ort und Stelle lud. Gras v. Mielzynski trat sodann durch die halboffene Tllr und sah dicht unter der Spalte einer anderen Tür, ine zum Schlafzimmer seiner Gattin führte, einen schwachen Lichtschimmer. Gleichzeitig hörte er aus dem Zimmer die Stimme seines Nessen. In diesem Augenblick wurde ihm zur Gewißheit, was er seit langem vermutet hatte, daß seine Frait zu dem Neffen in ehebrecherischen Beziehungen stand. Diese Erkenntnis raubte ihm die Besinnung. Im gleichen Augenblick öffnete sich die Tür und seine Frau trat ihm entgegen. Einzelheiten darüber, was sich nun ereignete, vermag der Graf nicht anzugcben. Tatsache ist, daß er seine Frau aus der Stelle nicderschoß und mit einem zweiten Schuß seinen Neffen nicderstreckte. Seine Aufregung war derart groß, daß er einen dritten Schuß auf die erschreckt hcrbeicilende Gesellschafterin seiner Frau, ein Fräulein v. Koczorowska abgab und sie lebensgefährlich verletzte. Ter im Schloß vorgesundene und beschlagnahmte Briefwechsel zwischen der Grästn und ihrem Neffen hat ergeben, daß zwischen beiden ein Liebesverhältnis bestand. Der 24 Jahre alte Graf v. Mianzhnski ist der Typ des leichtsinnigen und verkommenen polnischen Aristokraten. Er neigte stark zu alkoholischen Exzessen und trank täglich etwa vier Flaschen Ungarwein. Uebcr und über verschuldet, bezog er von seiner reichen Mutter eine Jahrcsrente von 6000 Mark, er verbrauchte aber jährlich über 50 000. Tie Untersuchung hat ergeben, daß die erschossene Grästn Mielzynski selbst ihm jährlich Tausende und Abertausende zur Verfügung gestellt hat. Der leichtsinnige Aristokrat hat bereits drei Jahre in der Fremdenlegion gedient und ist von dort gcstüchtet. Graf Mielznnski ist während der Untersuchungshaft häustg in Erregungszustände geraten, wobei er irr redete. Der einzige Wunsch, den. er in ruhigen Stunden äußert, ist der, daß seine Kinder, ein fünfzehnjähriges Mädchen und ein zwössjährigcr Knabe, ihm nicht ganz entfremdet werden. — Den Vorsitz im Gerichtshof bei der kommenden Schwurgerichtsverhandlung wird Landgcrichtsdirektor Eontcnius führen, die Anklage vertritt der Erste Staatsanwalt Dr. Boelesar: die Verteidigung liegt in den Händen der Rechtsanwälte Jarccki und Drwcsli (Posen), vermischte». - Keine Einsturzgefahr des Mainzer Domes! Zu der gestern von uns unter Vorbehalt milge- teillen Notiz eines auswärtigen Blattes über neue Sprünge am Mainzer Dome schreib! der „Mainzer Anzeiger": „Wie von authentischer Seite mitgeteilt wird, handelt cs sich hier um einige vor Jahrhunderlen entstandene alte Risse und müssen derartige, zur Beunruhigung weiter Kreise geeignete Meldungen geradezu als gewissenlose bezeichnet werden. Aii- dercrseits wäre cs aber auch an der Zeit, daß seitens des Tombaubureaus endlich einmal durch ein energisches Dementi in den Tageszeitungen diesen Tatarennachrichten ent- gegengeirelen würde. Jedenfalls hätte schon längst eine sach gemäße Aufklärung erfolgen müssen." * Deutscher Techniker-Kongreß. Im Lehret ^^fi"shaus zu Berlin fand am Sonnlag zur Beratung derPOlenlgesetzreforin ein gemeinsam vom Bund der technisch industriellen Beamten, dem Deutschen Techniker-Ber- band und dein Deutschen Werkmeisterbund, die zusammen über 1-0000 Mitglieder verfügen, cinberufcncr Deutscher Techniker-Kongreß statt. Anwesend waren bei der Tagung Vertreter des Reichsamt des Innern und des Reichsvatcnt- amres, ferner die Reichstagsabgeordneten Dr. Haas ^Karls- ruhci uiid Giebel (Frankfurt), sowie der Gewcrkschastskom- missar -rnlbcrschmidt (Berlin). Nach einigen Vorträgen lieft uns angenommen, in der der Tcutiche Technikcrkongreß die Fortschritte in dem Entwurf zum neuen Gesetz gegenüber dem alten Rechlszustand aner- ennt, aber betont, daß der Entwurf noch nicht allen Wün- Ntzen der .lngestclllen enlgcgenkommt und auf die noch vorhandenen Mangel hinweist. nrnUti "k n 1 .* $ 01 * Jet1 e 61 e t. Ter neue Polizei- prüfen von Par«. venmon. l-at eine Post,eischule ins Lebeu ge- T Vt* n ' *' n ™ arj >br« Worten eröffnen wirb. Bei dein Unter- r,ck> e. der dar ettc.lt w»d, soll der Film ein« Hede»,ende Roste spielen, ,a er soll geradezu bei den jungen Außenbeamten lang- lährige Ertahrung ersetzen. Beim Polszeiunterrichie durch den Film wird nämlich den angehenden Poliziste» bemahe alles gezeigt Iverden, ivas in chrer Praxis vorkom.meu kann. Ter Film zeigt Straben- izeuen, terner Tgschendtebe, ihpacheii usw bet der Arbeit, es iverden Straße»»ullä»se und das Eingreiscn der Polizisten vorgeiührt, »»d w bat tu der Tal der Lernende Gelegeudet, in kurzer Zeit alle .'älle zu selieu, die er sonst erst in langer Praxis tu seinen Winens- schal, ausiieyme» könnte. Ter tvebrauch von . .'affen — durch die Polizei ivie durch die Perbrecher — wird ebensatls ezeiqt wrrde», kurz, de»i Film ist vier ein neues (bctuei erschtotseu, dessen Wichtig, teil nicht zu bestrei.ei, ist. Wie cS hei-t, ivted peuuiou selbst dem lluierricht häufig beiwohne», um die Fortschritte seiner Zöglinge tm Auge behalten zu können Kleine Tagezchronik. ^ Sämtliche Kabel nach Helgoland sind durch den Sturm zerstört: es ist nur drahtlose Verbindung möglich. 2ic N arltpreise für Vieh und Frucht »nd die Hiießener Fleisch» und Brotpreise am 16. Februar 1914. Schlachtviehpreise in Franks« rt a. Äk. Fletschpreise >» Gießen Ochse» Kälber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 79—93 Atk. Kg. Cchlachtgw. 35 113 Pi. '/, . . 63-68 . ’l, Kg. 92-100 Pfg . 94 — 98 . 7. . 75-9« . G etreidepreise in At a n n h c i m Brotprcise in Gieß« , Weizen HO 5(q. 19.75 - 20.50 All. Roggen 100 Kg. 16.25-16.50 Atk. Welvt'ror ^ 62 i>ss. Schlvarzdrot 2Kg.v4Mg, Mörttt. Wltken, 17. Febr. llst o rktberi cht. Auf bentigem Wochen- »arkt« lostet«: Butter das Pfund 1 ,90—1.00 Ulf, Hühnereier 1 Stück 8—9 Pfg., 2 Stück 0 Psg, Kose das Stück tz—8 Pfg, Kasematte 2 Stück 5—6 Psg., Tauben das Paar 0,80—1,00 9) t» Hühner per Stück 1,00—1,60 Mk., Hahnen pr. Stück 1,50— 2,50 Mk., Enten vr. Ct. 2,50—3,50 Mk, Gänse das P!d. 75-85 Psg, Ochsenfleisch pr. Pid. 92-100 Pfg,. vlindfleisch vr. PI»»d 90—94 '! tg„ Kubfleisch 80 Psg, Schweinefleisch vr. Pfund 7»—90—9b Pta.,Kalbfleisch vr. Pid. 94-98 Pfg., Haniinelsteisch vr. Pid. 70—96 Pfg., Kartoffeln vr. K>0 Kg, 6.00 bis 6*50 All, Weißkraut das Stück 10 bis'20 Psg, Ziviebel» v«r Zlr. ! 2,00—15,90 All.. Atilch das Liter 22 Psg, Nüsse 100 Stück 50—' 0 Psg, ver Ztr, 0-00 All, Birnen das Psimd 18 bis 20 Pfg, Llepjel der Zentner 20 bis 25 Alk. Alarktzeit von 8 bis 2 Ilbr. FC. Wiesbaden. Viehhoi-Marktbericht vom 18. Febr. Auftrieb: Rinder 214 (Ochsen 54, Bullen 25, Kühe und Färsen 135), Kälber 3' , Schate 75, Schweine 1079. Marktverlaus: Geschein I» alle» Viehgattunge» rnbia. bei Großvieh Ueberstand. Preise füe 100 Md. Lebend- Schlacht- Ochsen gewicht^ Dolllleikchsge, ansqemästste, höchsten Schlacht» Atk, wertes im Atter von 4—7 Jahren . - 50—54 Junge, fleischige, nicht ausgemästete und älter« ausgemästete............49—53 Mäßig genährte junge und gilt gegenährte ältere...........45—48 Bullen» VokMeischige, ousgew, höchsten Schtachtw. , . 45—48 Pollfleischige, jüngere....... . > 42—44 Färsen. Kühe. Pollflejschtg« ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes...........48—62 Dollfletschsge ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren.....39—43 Aeltere ausgemästete Kühe und Ivenig gut entwickelte jüngere Kühe.........42—46 Mäßig genährte Kühe und Färsen.....34—37 Gcrmg genährte Kühe und Färsen.....29—33 Kälber. Feinste Mastkälber...........63—65 Mittlere Mast- und beste Saugkälber.... 56—80 Geringere Dlast- und gute Saugkälber . > . 52—55 Gering« Saugkälber..........47—51 Schake. Weidemastschafs Mastlämmer und Masthammel .... 47,00—00.00 Schweine. Lollfleischlge Schweine von 80—100 leg Lebend- geivl ht.........• . . . . 51-58 ----- Pollfleischige Schweine unter 80 leg Lebendgewicht 50-51'/, 64'/,-66 Pollflclschige Schweine von 100—120 tz; Lebendgewicht ... .......... 52 -53'/, 65—67 Vollsletschige Schivcine vo» 120—150 kg Lebendgewicht ............ . 51-52 64—65 Fetlschweme über 150 kg Lebendgewicht . . 49—50 61—63 Meteorologische Beobachtungen de^ Station Liehen. Febr. 1914 o *2 S a 5 y u tr> ’S -c 35 C «5 if i aZ* | 2 B S - os-S'? Weller 16. 2" 747,9 10,5 6.6 61 8 2 9 Beiv. Himinel 16.! 74.0,5 69 6, h 87 WSW 9 17. 7"! 747,3 3.7 5,6 94 N 2 10 Rege» Höchste Temperatur am 15. bis 13. Februar 1914 = 4- 10,7 “c. Niedrigste . . 15 , 18, . 1914 = -f 5 2'. Niederschlag: 0,9 mm. 89-95 87—94 80—86 76—81 71-75 84-93 70—76 75—82 64—69 58—62 105—108 94-109 87—92 80-86 96—00 Seit Bestehen des eoffcinfreicn Kaffee.Hag braucht der Kaffeegenus; nicht mehr verboten zu iverden; Kaffee Hag, eoffeinfreicr Bohnenkaffee, löst keine (Erregung des Herzens ans. zVorlrag „Hcrzneurosc u. b. Behandlung I>:mk für unschätzbare l>ien*«c '/. rau fot. iabvelana an hochgradiger Darmträgbeil UN ^ 'oxtivnhreiid ernstliche Verdauungsbeschiverdeii D gab ich ihr als ins, einzige Nahrung Bioion, das inioloe 'eine Berdaullchkeit absolut keine Beschwerden vcrurlgchie m> »e aunerdcm zuiehcnds narkie. Sie erhol,e sich sehr rasch und di Nerven beruhigten nch. Bioson bat daher »irlner Iran unsgiäl bare T.en,,e geletstel und ,var sür sie ein une seubarer Leben Verlängerer. Ferdinand Eifel, Coln a. Rb Sle^raerstv iO Ünierschnsk beglaubigt: 22.9.13. Kreiselts, 'lgl Notar Biolou da Pake,, mehrere Wochen ausreichend,Akt.:!- in Alwibicken^Drogcrici 2 c amte sollten die durch ihre zweö g ^ besonders elastische und daucrhaitc „Bonnafeder" au m ? deutschen Schreibsedernsabrik F. Socnncckcn, Bom bÄL Bonnafeder ist in allen Schrcibwaren Handlungen kausttch. Muster erhält man kostenfrei. (ss 17 /. I lg 3* . avo SC «£>a -^«fsis S 1 -s ■-.-f «S .- >e «5 Mfl ZL b*s£ =C'S L il&lglU« S || LxßL ZT s K® “’=o- 5 1 1 1 sj ||§^8 *® § IJpi 5 * fl - Zs £ ZLSS 31s°g il i l i I i I i 1 l ®S $ S2gS SLZL 77 7 7777 7? s ? 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