Nr. 33 »Meinl täglich mit A»?ncchme de? Tonntag?. 104. Jahrgang »ie „«icfeeiKr Z»mi>le»dlitter" werden dem .Anzeiger" viernml wöchentlich beigelegt, das ,«ret»dl»tt fflr den lirei, «it&ui" zweimal wöchentlich. Die „Landwlitichasllichen Seilfragen" erscheine» monatlich zweimal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Sberheffen Montag, O. Februar 1014 RotationSdrnck und Üterlag der Brühl'schen UniversilälS - Buch- und Tieindruckerei» R. Lange, Dießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Tchul- straße 7. Expedition »nd Verlag: eas*>51. Redaklion:e-HS 112. Tel.-Adru AnzeigerDießen. Mb. Deutscher Reichstag. 20S. Sitzung, Sonnabend, den 7. Februar. Am Tische des BuirdesratZ: Dr. Delbrück. Präsident Dr. Kacmpf eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 15 Minuten. Las Aeichsaml öes Znnern (Vierzehnter Tag.) Die Ausführung des Kaligeseftes. Es liegt ein Antrag v. Gracfc (Kons.), Erzbergcr! (Zcntr.), Tr. Bä r w i n kel (Natl.) vor, den Fondo zur Hebung J de«. Kaliabsatzes int Auölandc, den die Kommission bereits um 900 000 Mk. erhöht hat. um weitere 500 000 Mk. zu erhöhen/ dafür aber die von der Kommission neu eingesetzten 500 000 Mk. für Ausstellungö- und Propagandazweckc in San Franziska zu streichen. Berichterstatter von Gracfe (Kons.): Die Kommission hat sich mit Rücksicht auf die in Aussicht gestellte Novelle zum Kaligesetz in ihrer allgemeinen Aussprache eine gewisse Beschränkung 'anferlcgt. Die Notwendigkeit einer i solchen Novelle wurde allgemein anerkannt. Sie ist notwendig,! um den unserer Kaliindustrie aus der unbegrenzten Vermehrung der Werke drohende:! Gefahren zu begegnen. Der Bitte des Ziali- • Syndikats, um Einstellung von Mitteln für die AuSlandspropa- 1 Panda und um Rückvergütung der bisherigen Mehrausgaben des Syndikats für diese Zwecke, hoi die Kommission entsprochen. Die Rückvergütung ist allerdings nicht im bollert Umfange erfolgt, weil sich das Syndikat nicht in den Grenzen des Etats gehalten ' hat. Die Kommission trug aber Billigkcitsgründcn Rechnung. Abg. Sachse (Soz.): Warum ist die vom Reichstage so oft geforderte Einbringung der Kaligcsetznovelle so lange verzögert worden? Nun, man weis; ja. die Syndikatsherren arbeiten dagegen. Die Vermehrung der Werke schreitet rapide fort, trotzdem eirage große Werke allein den ganzen Bedarf decket könnten. Jetzt sind auch in Baden Kalilager gefunden worden. Auch vom Auslände ist allmählich eine Kon- lurrenz zu lxsiorgen. Dem muß die Gesetzgebung Rechnung tragen. Tic verfehlte Politik des Syndikates bat schon mehrere Werke gezwungen, ihre Arbeiter stillzulegen. Wir werdctt beantragen, daß alle Arbeiter und Angestellten, die aus diese Weise stellenslos wcr- den, entschädigt lverden. Ihnen aus den neuen Werken im Elsaß Arbeit anzubieten, ist der reine Hohn. Auch die fiskalischen Werke beteiligen sich an diesen Machinationen. Es sind sogar Umgehungen des Gesetzes vorgckommen. An dieser hat sich ein deutscher Bundesfürst, der Herzog von Gotha, oder doch dessen Verwaltung beteiligt. Ich habe das in der Kommission einen Betrug genannt und wiederhole daS hier. Präsident Dr. Kaempf: Ich rufe Sic zur Ordnung. Abg. Sachse (Soz.): Während Kaliwerke stillgelegt werden, verhandelt der Wei- marsche Landtag über eine weitere Beteiligung an einem solchen Werk. Es besteht eben kein ernster Wille, der Üeberproduktion ein Ende zu machen. Bei dem jetzigen Kursstand wäre cs die richtige Zeit einzugreisen. Die Arbcitcrfnrsorgc ist überall wie im deutschen Bergbau schlecht. 'Das kommt von der Ucberschußwirtschaft. die auch die fiskalischen Werke treiben. Auf der anderen Seite führt die Landwirtschaft Klage über hohe Kalipreisc. Daß in San Francisco Propaganda gemacht wird, halten wir für notwendig. Die Landwirtschaftskammern und Interessenvertretungen wollen wir aber nickt unterstützen. Hier muß die Regierung scharf aufpassen. Wir wissen ja, daß die Kaliherrcn und die Landwirt- schastshcrren sich gegenseitig Mogeleien vorwcrscn. Bei der Entlassung von Arbeitern kommen dieselben llmgehungcn vor wie bei den Tarifen aus Böhmen. Ter Terrorismus der Kaliherren ist sehr groß, ein organisierter Arbeiter wird nicht geduldet. Ihre Rechtslosigkcit ist das Klagelied der Arbeiter. Der Entlassene, der seinen rechtmäßigen Lohn fordert, wird angefahren: „Sind Sie denn verrückt geworden?" Die Mittel für Untersuchung der Endlaugen sind dringend notwendig und nicht zu hoch. Es ist ja immer möglich, sie in anderer Weise zu verwerten und auszunutzen. Die Verstaatlichung des Kalibergbaues kann erst diesen Mißständcn ein Ende machen. Unterstaatssekretär Richter: Der Vorredner hat geglaubt, einem Bundesfürsten eine betrügerische Handlung vorwcrsen zu tonnen. Der Präsident hat den Ausdruck bereits gerügt. Damit ist der Vorfall formell erledigt. ich möchte aber auch sachlich den Ungrund des Vorwurfes darlegcn. Es besteht gar kein Zweifel, daß die in Betracht kommende Regierung, die anhaltische, als sie den Vertrag mit der Hofverwaltnng des Herzogs von Koburg-Gotha abschloß, sich in gulem Glauben befand. Den Herzog selbst können wir dabei wohl vollständig aus dem Spiel lasten. Es versteht sich von selbst, daß er von dem Vorgehen seiner Schatullenvcrwaltung keine Ahnung hatte. Sie hat das Recht. Verträge abzuschließen, die sie ihut nicht immer vorlegen wird. Was die anhaltische Regierung betrifft, so ist auf Grund des § 12 des Gesetzes festznftellen, daß sie, wie auch andere Regierungen, des Glaubens sein konnte, derartige Verträge ab- fchlietzen z.l dürfen. Die gegenwärtige Fassung des Paragraphen kann zu Mißverständnissen und Zweideutigkeiten Anlaß geben, und es ist tatsächlich schon vorgckommen, daß ein Bundesstaat sich an einem Kaliwerk beteiligte, das in einem anderen Bundesstaate liegt. Selbst aber wenn er ein Kaliwerk durchweg auf eigenem Boden betreibt, so kann er nach einigen Jahrzehnten, wenn sick die Verhältnisse inzwischen geändert haben, große Schwierigkeiten bekommen, dadurch daß Wasser eindringt, das von einem benachbarten Bergwerk leicht durchgeschlagen werden kann. Dadurch kann er dazu genötigt werden, das nebenliegendc Werk zu erwerben, sein Landtag drängt vielleicht sogar darauf. Selbstverständlich besteht ein Unterschied darin, ob dies Werk erworben wird, um cs fortdauernd auszubeuten, oder ob sich der Staat nur vorübergehend daran beteiligen will. Darüber entscheiden dann die zuständigen Instanzen, ob etwa solche Verträge nichtig fiub oder nicht. Welche Auffassung ich habe, kann ich nicht sagen, da ich selbst die Ehre habe, Vorsitzender einer solchen Instanz zu sein. Tatsächlich wäre eS wünschenswert, wenn eine Novelle recht früh an den Reichstag hätte gebracht werden können. Dem standen aber große Schwierigkeiten entgegen. Die Bundesstaaten waren sehr schwer auf einer einheitlichen Grundlage-zu vereinigen. Ich hoffe in allernächster Zeit die Novelle dem Hause vor- kegen zu können. Wenn wir verstaatlichen wollten, dann würden die Kurse sehr schnell in oie Höhe gehen. Heute schon wäre die Verstaatlichung viel schwieriger, als sie eS noch vor einiger Zeit war. Uebcr die Verwendung der Propagangagelder hat das Kalisyndikat neuerdings eine Denkschrift ausgcarbcitet, aus der sich ergibt, daß neue Bedenken gegen die Verwendung der Propagandagelder nicht borgebrach, worden sind. Gegenüber den Beschwerden über eine Reihe ostpuußischcr Unternehmungen möchte ich betonen, daß ich geradezu überrascht war Don der ausgezeichneten Art und den glänzenden Erfolgen, mit denen die dortigen Propagandadcmonstranonen unternommen worden sind. Das Rcichsamt des Innern Hat sich auf das entschiedenste geweigert, den Fischcrciv reinen für die von ihnen beabsichtigten Versuche Mittel zu bewilligen, ehe nicht tvistenschaftlich nach- gewiesen ist, daß diese Versuche für den Kalibcrbrauch von Bedeutung sind. Die Frage, ob bei der Abfassung der Tarifverträge die^-ge- setzlichen Bestimmungen innegehaltcn wurden, ist von der Äcr- teilungsstelle eingehend geprüft worden. Die Frage ist zu bejahen, die Arbcitcrvcrtrcter selbst haben das anerkannt. Gegenüber den schweren Vorwürfen, die der Abg. Hacgy wegen Benachteiligung der elsaß-lothringischen Werke erhoben bat, stelle ich fest, daß die Beteiligung der clsässischen Werke weit über dem allgemeinen Durchschnitt liegt und speziell den Durchschnitt der preußischen Werke bedeutend übcrtrifst. Wenn ein Mitglied dieses Hauses so schwere Vorwürfe gegen Beamte erhebt, die ihrer Pflicht und ihrem Eide getreu ihr Amt bcrwaltcu, so müßte cs doch über die tatsächlichen Grundlagen besser unterrichtet sein. Ich fühle mich berufen, die betreffenden Beamten gegen diese schtvcren Vorwürfe mit aller Entschiedenheit, in Schutz zu nehmen (Beifall). Abg. Krix (Zcntr.): Die Üeberproduktion ist nicht zu, bestreiten. Man kann die Kaliindustrie vor einer ■ Katastrophe nur bewahren, wenn man neue A b s a tz m ö g l i ch k c i t e n schafft. Der Absatz im Auslände ist noch erheblich zu vermehren. Unser Naturmonopol an Kali muß so fest aufgcbaut werden, daß es etwaigen Angriffen, die in Zukunft aus dem Anslande drohen, gerüstet gegenübcr- steht. Darum sind wir für die Erhöhung der Mittel für die Auslandspropaganda. Ist nun auch im Jnlande eine wesentliche Steigerung des Absatzes möglich? Gewiß, in der Landwirtschaft haben wir eine ungeheuere Steigerung des Kaliabsatzes zu erwarten. Die Oedländercicn können olme Kali gar nicht kultiviert werden. Die Anbauftächc in Deutschland wird vergrößert werden müssen. Wir müsicn auch mehr Gemüse bauen. Das alles ist ohne Kalt nicht möglich. Darum sind wir dafür, daß für Versuche mit dem feldmäßigen Gemüsebau 200 0st0 Mk. auö- getvorsen worden. Das Inland ist also für Kali durchaus aufnahmefähig. Leider wird die Kali-Propaganda vielfach falsch betrieben. Vielleicht besteht ein Gegensatz zwischen dem Kalisyndikat einerseits und dem Rcichsamt des Innern oder auch dem Reichstage andererseits. Abg. Dr. Bacrwiukcl (Ncül.): Als wir im Kaltgesetz beschlossen, die Einnahmen aus beu Abgaben und die Ausgaben für die Kalipropaganda in den Etat einzusetzen, wußten wir nicht, daß wir datnit ein K n ck u ck s e i i n den' Etat des Innern legten. Jetzt haben die Syndikats- Herren Schwierigkeiten, den ausgebrütetcn Kuckuck zu füttern. Aber auch das Rcichsamt des Innern und der Reichstag haben keine Freude an diesem Vogel. Erfreulicherweise hat sich aber jetzt in der Kommission bereits eine freundlichere Stimmung in der Kalisrage gezeigt. Natürlich geht es nicht au, den angcsammelten Fonds für andere Zwecke zu verwenden. als cs gesetzlich bestimmt ist. Für kämpfen zu können, wen» eine solche entstehen sollte. Wir halten cs aber nickt für etatsrechtlich zulässig, neue Summen für die Prüfung der End langen frage in den Etat einzusetzen. Wir versprechen uns davon auck keinen Verteil, namcntlick bat diese Prüfung für den Kaliabsatz gar keine Bedeutung. Weint ober tatsächlich die Prüfung vorgcnommen tvird, dann sollte matt den Werken, die fckon Vorarbeiten auf diesem Gebiet gemacht haben, eine Entschädigung dafür gewähren. Wir werden den uns in Aussicht gestellten neuen Entwurf sehr entgehend prüfen, zur eine neuerliche Durchpettschung sind wir nicht zu habett. Abg. Gothcin (Vp.): Eine der traurigsten Wirknugctt des KaligesctzcS in die Zeit, die cs uns kostet. Das ist besonders schlimm tu all den fahren, 'n denen uns eine Kalinovclle angctündigt wird, was wohl alle vier Jahre der Fall sein dürfte. Vor allem aber wäre es erforderlich. daß uns diese Novellen vor dent Etat zugchcn, damit wir die Redet: nicht zweimal zu hören und zu halten brauchen. Der Fall der anhaltischcn Regierung gibt um- Anlaß zu dem Wunsch, daß die Bundesregierungen nicht etwaige Lucken des Gesetzes zu Umgehungen benützen. Ja) glaurn: za Lctmß, daß der Herzog von Gotha nichts.von der ganzen ^achc weiß. Aber er sollte verhindern, daß sein Name zu-solchen'Schein, geschälten verwendet wird. Er hat keine gluck iche Hand bet der Wabl seines Vermögensverwalters gehabt. Wir haben ,a gesehen, wie auch andere Fürsilickietcen Dilettanten al-. Ver- mögcnsvcrwalter ansteven, wie das beim ^urstenkonzern zu- ta0C Gs C ift eine für uns fast unmögliche Aufgabe, die Verteilung der Propagandageldcr lue. im Reichstag vo^unehmen. Dieser Titel ist so unbestimmt, daß hier alle möglichen Befände alle möglichen Wünsche Vorbringen können .yter können FamtUen Kaffee kockcn mit Frciholz vom Kal>lvnd"it. (.Hctwrkctt.) Wtr folltcn vielmehr die Verwendung des Kalipropagandafonds dem Syndikat Überlasien und uns jährlich darüber Bericht crsta.tcn lassen. Das ist besonders für Me Auslandspropaganda notwendig die wir doch absolut nicht beurtcilett können. T'.e Erhöhung des tfonfcß billigen wir vollkommen, damit eine tvirksame Auslandspropaganda be- trieben werden kam. Ich habe deshalb schon m bei: ftmmjffum d-n Nonds um 900 000 M. zu erhöhen beatttragt und stimme der weiteren Erhöhuna zu. Freilich steht di« Prüfung der Endlaugen- fraae nur in sehr losem Zusammenhang mit der Kalipropaganda, aber wir halten sie doch für wünschenswert. Auch wir wünschen, daß uns die Kalinovelle so bald wie möglich zuacht. Abg. v. Brockhauscn (Kons.): Die baldige Eiltbringung der Novelle ist notivcndig. Dem Antrags Graese stimmen mir zu. Tie Erhöhung oer Propagandafonds ist gerechtfertigt. Wir legen aber Verwahrung ein, wenn man behauptet, daß wir uns durch dgs Kalisyndikat haben beeinflussen lasien. Die AuSlandSpropaganda ist sehr wichtig. Man kann dabei dem Kalisyndikat allgemeine Richtlinien geben, im übrigen abr muß cs freie Hartd haben. Wir bedauern, daß durch die Auslandspropaganda nicht mehr erreicht waren ist und hoffen aus besiere Erfolge in den tlächsten Jahren. Die Jnlandpropaganda bedarf ebenfalls der Förderung. Leiber sind die Ueberschreitungcn wohl dem Kalisyndikat erstattet worden. aber tticht den landwirtschaftlichen Organisationen. Den fcldmäßi gen Gemüsebau unterstützen wir gern. Die Frage der Empfänger prolten muß erneut geprüft werden. Der Vcrtcilungsstellc und der BerufungSrommission danken wir für ihre unparteiische Tätigkeit. Abg. Stövc (Natl.): Wir sind gern bereit, die Schädeti zu bescitigclt, die sich herauSgestcllt haben. Eine Benachteiligung des Handels liegt beim Düngemittclgeschäft wirklich vor. Der Handel hat viel dazu bcigetragcn, daß diese deutschen Bodenschätze so viel Verbraucher gefunden haben. Das darf man nicht vergessen. Der Handel hat he rtc iwch die Aufgabe, für den Mehrverbrauch von Kali zu sorgen. Gewiß, er tut cs, um zu verdienen, aber was er daran verdient, ist blutwenig. Vielfach bestehen Bedenken, ob die Gelder aus dem Gefättgnis des Reservefonds wieder herauölommen. Die Gelder zahlt die .Kalttndustrie, und zwar zu einem gang bestimmten Zweck. Dafür sollen sie auck verwendet werden und zu keinem anderen. Sie sollen attch nicht aufgcstapclt werden. Tic Reklame tattn erheblich vermehrt werden. Jede Million, die wir für Propaganda verwenden, bringt uns das Zehnfache ein. Dortim ist unter alten Kalisragen die Propaganda die wichtigste. 1008 betrug der Absatz an Kali in Deutschland 3 Millionen Doppelzentner. 1913 aber 0 Millionen. Das ist ein schlagender Beweis für den Wert der Reklame. Wir können noch ein Vielfaches von dem was heute in Deutschland verlvendet wird verbrauchen zum Nutzen der Landwirtschaft. Dasselbe gilt vom Auslande. Das Reich ist verpflichtet, dafür zu sorgen, daß soviel Kali abgesctzt wird, daß die Industrie ausreichende Beschäftigung hat. Dann werden auch die Arbeitslöhne steigen. Perlen, Gold, Diamanten holen wir von anderswo her, da wollen wir unseren kostbaren Naturschatz auch gehörig ans- beuten. Dann haben wir Arbeitsgelegenheit für unsere Arbeiter, dann brauchen wir kein Gold aus Afrika. Abg. brzbergkr (Zentr.): Der Reservefonds ist dtirchatic. berechtigt. Wie kann da das Kalisyiidikat auf Herausgabe dieser Gelder klagen! Das Rcichsamt des Innern darf das Geld gor nicht herausgeben, sonst müßte cs Indemnität vom Reichstag erbitten. Die Anstellung staatlich vereidigter Kontrolleure aus den Werken ist notwendig, aber die Empfängerprobcn sind nicht zu entbehren. Niemand wird behaupten, daß das Kalisyndikat schlechte Ware liefert. Hoffentlich bringt das neue Gesetz eine endgültige Gesundung der Kaliindustrie. Der Bundesrat ist ermächtigt, die llebcrkontingctitsabyabc zurück Zuzahlen. Liegen Anträge bereiis vor? Abg. Dr. Haegy (Elsässer): Ich habe lediglich die Interessen der clsässischen Werke der treten, aber teitteswegs persönlich gesprochen. Tie elsässischen Werke fühlen sich benachteiligt, das liegt aber an dent Gesetz selbst. Verdächtigungen habe ich nicht ausgesprochen. Nnterstaatssekretür Dr. Richter: Wir haben die ?tbsicht, neben der Novelle noch eine Denkschrift mit dem nötigen Material vorzulegen, nicht aus- gegeben. Alles, was über die Rechtsunbegründetheit der Klage des Kalisyndikats gesagt worben ist, tanti ich nur bestätigen. Die Regierungsvorlage sah tlrsprünglick ein Zwangssyndikat vor. Da< wurde von der Kommission nicht beliebt. Damit nun niemand sich abgabenfrei machen könne, wurden die Abgaben staatlich auserlegt und bestimmt, daß Einnahmen itnd Ausgaben in den Reichs. Haushalt cinzuftellen seien. Ter Sinn dieser Bestimmung kann nur sein, daß damit den gesetzgebenden Körperschaften ein Kontrollrecht zugestandcn werden sollte. Nun tvird gesagt, es dürfe ein Reservefonds tticht angelegt werden. Wie sollte das denn gemacht werden? Wenn ein großer Teil der Kaliwerke sich nickt am Syndikat beteiligt hätte oder wenn sich zwei Syndikate gebildet hätten oder cs überhaupt zu keiner Syndikatsbildung gekommen, dann wäre im Reichsamt des Innern doch nichts anderes übrig geblieben, als die Propaganda selbst zu verwalten für In- und Ausland. Wollen Sic eS ihm da verdenken. wenn cs einen Teil der Ausgaben, die es nicht verwendet, in Reserve stellt? Ebenso tnüsicn Sie zugeben, daß jetzt, wo die gesehgebendetl .Körperschaften über die Verwendung der Gelder im einzelnen be- stimmen, sic das Recht haben. Gelder für eine entsprechende Verwendung in Rücklage zu stellen. Alles, was vom Reichsamt de» Innern in ?lussührung des Gesetzes und der Etatstitel geschieht, stützt sich genau so wie bei allen anderen Etatstiteln aus die Erfüllung einer öffentlich-rechtlichen F u n f • t i o n, die in zivilrechtlicher Klage überhaupt gar nicht anzu- fechten ist. D e s h a l b w i r d das Kalisyndikat mit seiner Klage nicht durchzudringen vermögen. Ucber die Propaganda besteht eine Meinungsverschiedenheit ga» nicht. Ihre Wichtigkeit im Im- und Ausland wird auck) vom Reichsamt des Innern anerkannt. Wiederholt habe ich auch hier geschildert, daß all das, tvas über die Bedeutung der Propaganda gesagt worden ist, volle Zustimmung im Rcichsamt des Innern findet und daß gar nicht genug geschehen kann. Es ist ein Irrtum ZU meinen, cs läge an den buridcsrätlichett ?luSführungs- bestimmungen, wenn da, wo von wisicnschastlichcr Propagattda die Rede ist, eine rein kaufmännische Reklame im Sinne: Kauft Kali ! von den Bestimmungen ausgeschlossen sei. Der Ausdruck „wisienschaftlichc Propaganda" ist seinerzeit eingcführt worden, weil man damals viel vom Btrnd der Landwirte sprach, und weil man eine Propaganda befürchtete, die man hier nicht haben wollte. Der Bundesrat war gar nicht in der Lage, an den Bestimmungen des Etats etwas zu ändern. Die ?uisichten des Reichstages über die Verwendung der Propagandagelder haben nun mehrfach geschwankt. Für das Reichsamt des Innern konnte kein Zweifel darüber bestehen. Wir waren staatsrechtlich gebunden. Wir hätten gar nichts dagegen, die Gelder ev. dem Syndikat zu eigener Vcrivendung zu üver- weisen. Aber auf eine gewisse Kontrolle und auf unsere veto- rechtliche Zustimmung, wieviel im Jnlande und wieviel int Auslande verwendet werden soll, würden wir auch dann nickt verzichten. Die Prüfung der Verträge mit amerikanischen Gesellschaften in Sachen der Ueberkontingentc hat sich als recht schwierig erwiesen. Wir hoffen aber, day es bald möglich sein wird, dir Gelder zurückzuerstatten. Damit schließt die Kaltaussprache. Die Abstimmungen werden am Montag erfolgen. Montag 2 Uhr: Wetterberatung des Etats de? ReichSamtO des Innern. Schluß Uhr. Au» Stavt und Land. © t e fs «• »t. !>. Februar 1*»14. ** OS c k> n r i e nr n ck g a n g n n d Säuglings st erblick • eil. Die Jahl der (Geburten ltimim im Deutschen 'Reiche ob, :bfttio die Zahl der im ersten Lebendjahr sterbenden Säuglinge, Diele Erseiieinuiigcii gehen nebeneinander hell sie baden ver stdiedcne Ursachen: man kann den Rückgang der Säuglingssterblichkeit nicht mit dem (Geburtenrückgang erklären Die Ber- fucke. drc inan in dieser Richtung gemache hat, sind ichlgeichlagc». Die külturelle Entwicklung eines Volkes Ivcist, insbeionderc aal dein Gebiete der Hygiene, oft gleichlautende statistische Linien au> Ebenso oft unterliegen unsere statistischen Dilettanten im Gegensatz zu den wirklichen Statistikern der Versuchung, diese Linien in nrsächlickie -Beziehung zu ictzcn Das statistische Material ist gednldrg, besonders n>enn es .4 oder 4 kleinere Landgemeinden liefern müssen, wie das hie und da vorkoinmt, Man kann vor diesen statistische» Etzperi-N nicht genug warnen. Ein Beispiel für viele: Die Zahl der a» Wochenbetts, eher sterbende» Ehesrauen bat iich austerordenilich vermindert: ebenso prozentual die Zahl der Eheschließungen, An dein Rückgang des Wochenbettiiebers ist alio nickt dir bessere Ausbildung der Hebammen, sondern der Rückgang der Eheschließungen sehuld, — lAetmlich sind die gesuchten Beziehungen zwischen Säuglingssterblichkeit und Geburtenrückgang zu beurteilen. ** fJiechenhänser, Wie man uns schreibt, soll demnächst im Fricdbergcr Veriorgiingshaus eine Acnderung eintreien. Die Erwachsenen koimnc.l in die Siechenhäuscr Gießens oder in Privatpitege, Nur die Kinder Wallen, Halbwaisen n>w,) bleiben als Insassen im Bersorgungshau'c, Der langjährige Ber- walier tritt i» den Ruhestand und Diakonissinnen leiten das Hans, " Der Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen ist folgender: I» Ober Hessen in l Kreise, I Gemeinde und 6 Gehissten: i» Starkenburg in 1 Kreise, 1 Geineindc und 1 Gehöft; in Rheinhesse,i herrscht sie nickt. •• Di« Schwei»esenche und Schweinepest war nach der Statistik der RcichSanzeigerr am l. Februar: In Oberhesscn in 2 Kreisen, 3 Gemeinden »nd 3 Eehösten: i» Starkenburg in 1 Kreise, 3 Gemeinden und 3 Gchösten; in Rheinhesse» in I Kreise, l Gemeinde und l Gekost. ** Das Grv ßhcr z og l > ch .hessische Reglern n asr- b l a t t hat solgendcn Inhalt: I, Bekanntmaehung, die Aus- sübrung der Prüsungsordnung für Acrztc Pont 28. Mai 1901 betreffend, — 2. Bekanntmachung, die hessische Laiiocshiipolheken- dank hetrcisend, ** D i e I a g d ii a ch d e in T i c b. Am Freitag trieb sich in Dorf - Gtll ein junger M e n s ch in den zwanziger Fahren, der nackj schneit Angaben aus Gießen stainmte, herum und versuchte eine scheinbar goldene Uhr in denHäu« fern zu verkaufen. Er gab an, er befinde sich auf der SBaii* derschaft und sei im Begriffe nach .Hause zu reisen, und dal ihm das Geld aiisgcgangcn fest wäre er genötigt, feine Uhr zu verkaufen. Als er auf der suche, cincu Käufer dafür zu finde», auch in das Haus des Bäckers L c i d i ch kam, erschien Diesem die Sache vcrdäckilig, weshalb er sofort den Polizei- ldiener benachrichtigte, Dieser nalnn de» Fremden fest, welchem es aber gelang, sich loszureißen: und in wilder Flucht ging es durch die Gassen, durch Gärten und über Zäune in das Feld hinaus. Hier toniilc der Polizcidiener des Fliehenden habhast werden und ihn bis an die Gärten zurückbriw- gen. Einen unbewachten Augenblick benutzend, riß dieser sich aber wieder los und aufs neue begann der Wettlauf übe» die Felder, Zum zweitcninal eingeholt, warf sich der Fremde auf die Erde nieder, und nur mit Anstrengung gelang es dem Polizeidiener, ihn auf die Beine zu bringen und auf die Bürgermeisterei zu führen. Der Bürgermeister benachrichtigte sofort die Gendarmerie in Lich, Gcndarmeriewachtmci- ster Weber nahm den Berdächtigen in Empfang. Eine'Untersuchung seiner Kleider bcsördcrtc drei Uhren, einige Schlüs- (fel und verschiedene Schriftstücke zutage. Die Uhren, so gab er an, habe er sich aus Frankfurt kommen lassen, um sie zu verkaufen. Wie weit das richtig ist, und ob seine Personalien iücht falsch sind, wird ja die nähere Untersuchung ergeben. Der Verdächtige wurde sodann gefesselt nach dem Licher Amtsgerichtsgcfängnis abgesührt, ** Kaufet am Platze, In den letzten Jahren hat sich leider die Gewohnheit eingebürgert, Bedarfsartikel, wie Musik rnstrmneirte. Uhren, Schmuck, Nähmaschinen, Fahrräder usw, nicht mehr in den ansässigen Spezialgeschäften am Platze zu kauten, sondern der großen, fremden Bersandhausfirmen, Diese Sitte, oder besser Unsitte, hat viel mit dazu be-igctragen, den an und für sich schon schwer bedrängten qcwerblickwn Miticlstand noch mehr zu schädigen. Die Beriandhäuser versuchen mit Uebcr- schwennnen von Katalogen, durch Inserieren, durch Plakate an Bahnböien usw,, mit einem Wort durch eine Bombenreklame ihre Ware den Käufern anzuhängc». Der Laie macht sich aber gar keinen Begrifi davon, was gerade diese Art Geschäftsführung kocht. Die Kataloge sind in vielen Fällen au, das schönste hergestellt, Die Herstellung kocht bei einer Auslage von 500 000 stück das Ercmvlar etwa 1 Mark, die ganze Auflage mithin rund eine halbe Million Mark, welche selbstverständlich die Käufer mitbezahlcn müssen, Tie Ware ist, mit Ausnahme von einigen gangbaren Lockarlikeln, durchivrg cbenjo teuer wie in den Ladengeschäften, die den llkäukcrn noch den Vorteil bieten, die Ware noch Geichmack aussuchen „nd versuchen zu können, wogegen man ber Dersandbäuiern die Ware Tauft, ohne sie gesehen zu hoben, 'Außerdem hat der Käufer die Packung, Porto „nd Rachnahme- ipesen zu tragen. Bei Eriatzansprüchen traten für den Käufer noch viel Aerger »nd Verdruß zutage, — Aut der anderen 'Seite muß jeder .Händler und ,edrS Ladcngejchäjt am Platze Steuern und Abgaben zahlen, die Gemeinde hat also von den ortsansässigen Händlern einen Nutzen, was ber den Irrmden Vcr- iandgeschästen nicht drr Fall ist. Es sollte sich deshalb ein jeder zur Pilicht machen, schon aus diesem Grunde die Geschäfte am eigenen Platze nach Möglichkeit zu unterstützen, ** Ein moderner Hauswirt, Eine recht ciaenartiac Methode zur Steigerung der HauSmieten hat der scchssache Hausbesitzer und Bäckermeister Wenzel im Stadtteil Bockenhcim b. Frankfurt crstinden. Er forderte seine Mieter, die noch nicht Kunden seiner Bäckerei lind, aus, alle Backwaren bei ihm zu kaufen, AndernsallS stellte er ihnen vom 1. März ab eine erhebliche Steigerung der Wohnunqsinicte in Aussicht, Zugleich verbot er den Verlaut van Backwaren durch fremde Bäcker i» seinen Hinner» — Jedensalls Ivcrden sich die meisten Mieter eine iolche Bevormundung nicht bieten lassen, ** Güterrechtsregister, Erruugcnscha s ts gern c i n s ch a s t haben vereinbart: Leopold Grüitselb, Kaufmann, und Tina geb, Grünicld in Mainz. Franz Anton Schmitt, Landwirt, und Elisabeth» geb, Hitler in Finthen. Kanrad Heinrich Heß, Bäcker, und deften Ehesrau Marie geb, Dielil, beide IN Psungstadi: Karl Schwalb I., Landwirt in Großeiv-Busek, und dessen Ehesrau Marie qrb, Frank: Landwirt Philipp Castmir Feuerback und dessen Ehesrau Elijabethe geb, Breioenbach zu Ober Wöllstadt, — Gütertrennung haben vereinbart: Heinrich Wilhelm Eifer und Eheirau Johanna geb, Dörncr in Hungen, Installateur Hermann Martin G c r - stenmcher und dessen Eheirau Margarethe geb Arras zu Darmstadt, Friedrich Haas, Glasreiniger und Wirt, und Ehesrau Elisabetha geh, Bauer in WorinS ** Grundstücks verkehr, Ei» Grundstück zu Bad Na «heim, das auf den Namen I. des Hermann Joseph Waag, Waschender zu Dad-Nauhcmi, 2, der Barbara Waag geb, Bayer, dessen Ehefrau, eingetragen war, soll Samstag, den 4 . April 1914, vormittags 10> < Uhr, im AmtSgcrichlSgäudc, Zimmer Nr, 2, im Wege der ZwangSvoilstrrckung versteigert werden — Grundstücke zu WormS, die aal den Namen der Savtrvrvgemrnide, eingetragener Verein, in Worms, eingetragen loarc», sollen Montag, den 6, Avril 191 ä, nachvkittagS 3 Uhr, int Saal Nr. 16, im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden, — Grundstücke z» Heusenstamm, die aui den Namen acs Advli Ocrter und dessen Ehefrau Thercsia geb, Holzamrr ftngettagen waren, sollen Mittwoch, den 25, März 1914, nackr- niittagS 4> i Uhr, auf dem Ortsgericht Heusenstamm im Wege ocr Zwangsvollstreckung versteigert werde», — Grundstücke zu G ii II - dcrShcim, die aus den Namen des Georg Corel! kl, eingetragen waren, sollen DoirncrSiag, den 2, Avril 1914, vormittags 1>. Uyr, aut dem Gemeindehausc in Gundersheim >m Wege der ZwangSvollsttcckung versteigert werden, — Grundstücke zu Ockstadt, die auf den Namen der Elisabeth,' Georg geb, Gröninger, Ehesrau des Nikolaus Georg in Ockitadt, und der Margarete Gröninger, eingciragen wäre», solle» Freitag, den 24. April 1914, nachmittags o*/» Uhr, auf denr Nathause zu Ockstadt im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werde», — Grundstücke zu Bildende im, die aus den Namen der a) Conrads, Adam der Vierte, Händler und Fuhrunternel)- mcr, b Eonradi. Katharina geb, Beicht, dessen Ehesrau, eingetragen waren, sollen Dienstag den 21. April 1914, nackimittags 3 Uhr ii» Wcgc der Zwangsvollstreckung im Gemcindehauie zu Budcnheim versteigert werden, Landkreis Gicgen. 8. Lang-GönS, 6. Fcbr, Gestern abend ,'and eine Versammlung des Obst- und K a rien bau - Vere i »S i»i (Safthfliiä Roiiipf statt. Lehrer Hoimann sprach über die Obstbaukultur. Ter Redner erntete großen Beifall. Der Verein, welcher 85 Mitglieder zählt, verspricht sich einen großen Zuwachs; neue Mitglieder träte,i dem Verein bei. -c- Langsdvri, 6, Febr, Die Pachizcit der hiesigen Gern ei,rdejaad läuft in den nächsten Tagen ab. Sie war jeitycr in vier Bezirke» an den Fürsten von Solms Lick, Oekononiicrat Hoimann von Hos-Güll und den Langsdorscr Wildschaden-Adwelir- bcrciii verpachler zum Gesamtvachlvreic von rund 2900 Mk, Ter Wildstand ist ein lehr guter: besonders viele .Hasen und Rehe sind vorhanden. Wurden doch im letzten Jahre über 400 Hasen und 40—50 Stück Rehwild zur Strecke gebrach:. Darum hatte auch schon vor einigen Wochen Lekonomierat Hoimann der Gemeinde 3000 Mart für die Jagd geboten, wenn sie ihm srei- händig abgegeben würde, Daraus bat der hiesige Wildschaden- Abwchrvercin. der eS fick mm Ziele setzt, einen nicht im Interesse des BancrnsütndeS gelegenen großen Wildstaiid nicht anj- lomincn zu lassen, einen Packivreis von 3050 Mk, für das Jahr geboten. Genannter Verein, dem fast alle Angehörigen der Gemeinde i» den letzten Wochen beigetreten sind, will unter allen Umständen gerade die Feldiagd pack en, da ee dann in der Lage ist, dcni sehr großen Wildschaden zu steuern. Unter Ortsoorstand Hai jedoch beschlösse», die Jagd zur öjscntlickicn Verpachtung aiij- zuschreiben, da auch noch verschiedene andere szerren aus die Jagd reslckiieren, Kreis Alsfeld, f, Kirtorf, 6, Febr, Bei der heutigen Verpachtung der Gcmcindejagd tourdcn 23 0 Mark erzielt, Ter neue Pachter ist Forstmeister Eckstein in Wahlen. Ter bisherige Pachl- preiS betrug 820 Mark, Kreis Friedberg. t. Vilbel, 8. Febr. Zu dem hier an der 10jährigen Bach beganaenen Sittlich 1 eilsverbrechen sei noch sollendes bemerkt: Bei einem hier wegen Bettelns fcü- getionnnenen jungen Manne von Steinsurth wurden bei seiner Verhaitung alL Bettler Francnhaarc an seinem kleberzjeher vorgetnnden. Da die,Angabe» deS Kindes in Bezug ans seine Kleidung niid Fiaur ungeiabr slinunten, wurde er heute dem noch an den Folgen des Sittlichkcits- verbrechens leidende» Mädchen gegenübcrgestellt. Das Mädchen erkannte in dem Vorgestelltcn nicht den Mann wieder, der das Verbrechen an ihm begangen hat. L, Ockstadt, 6, Febr, Die diesige Jagd wurde zum Preise von 6200 Mark verpachtet gegen 4700 Mark in den vorhergehenden Jahren, Hkssrn-Naisa», jj Marburg. 6. Febr. Ein hier zugereister junger Mann, der im Begriff war, sich zur Fremdenlegion nach Frankreich zu begeben, ivurde noch im letzten Augenblick daran oehindcrl. [1 Marburg, 6. Febr, Vor einiger Zeit wurde vom hiesigen Schöisengerickü ein iungcr Fabrikarbeiter, der im Lehrlingskeim einen Ueb.-rzielzer gestohlen haben sollte, zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Als nun kürzlich einem anderen Lehrling an einem Turnabend seine guten Schuhe gegen ein Paar ganz alte Schube umgctauscht wurden, ermittelte man als Täler einen S chl o ! > c r l e h r l i n g. Zugleich wurde auch fest- gestellt, daß er den Uebcrzieher, den man bei ihm jaiid, damals gestohlen hatte, h, Bad Homburg v, d, H,, 6, Febe, Tic Stadt schloß kürzlich mit den Höchster Gastverken einen Vertrag ab, nach dem sich das Werk verpilichtcn mußte, an die Machbargemeinden D o r n - holz hau sc n und Gonzenheim lein Gas zu liercrn. Diese Bestimmung hat in den beteiligten Kreisen gewaltiges Aussehen erregt und wurde allerorten als Scktiläne Homburgs augcsehcn, weil die leiden Orischasten sich nicht eingemeinden lassen wollen. Die Hombnrgcr Stadlvciwaltung erklärt letzt dazu, daß sie bei Abschluß des VerlrageS lediglich wirtschaitlichc Interessen der Stad, zu wahren suchte und daß sie bereit ist, mit Dorn hoizhausen und Gonzenheim ein Abkommen über die Gasversorgung zu treffen. h, Dehrheim, 6. Febr, Infolge einer anonvmen Anzeige bei der Wiesbadener StaatSanwalischaft landen dieser Tage hier Haus s n ch u n g c n bei zahlreichen Perionen statt, die wider das keimende Leben sich vergangen baden sollen. Es handelt sich vorwiegend um Angehörige der besseren Kreise. Ccricfniiaal. Die Gutachten «ber den Massenmörder Lehrer Wagner. 4 Hellbraun, 6, Febr, Tic uberraichendc Einstellung des Berjaii-rens in dem Prozeß gegen den Masicnmürder Lehrer Wagner aus Vaidingen hat bcgrciilicheriveiie das ledhajicste Jn- lereffe erregt. Wie der „Deutschen Journalvost" mitgeteilt wird, war nicht nur die Vocuntersuchnng bereits abgeschlotsten, sondern auch zur Hattptocrhandlnng schon Termin für den 4, d, Mis in AuSiichl genommen. Da ergingen in letzter Stunde die Gut- achien von Prof, Dr, Gaubv in Tübingen und Gchcimrat Prot. Dr, Wellenberg in Straßburg, die die Bejchlußtämnier zur Einstellung des Veriahrens veranlaßte», — Unter diesen Umständen ist es von Jniereste, die Gründe zu erfahren, meid* die Sachverständigen in iliren Gutachten ansühien, — Bon der Beschlubkmmner werden die beiden Gutachten wie folgt skizziert, — „Bkioc »Gutachten gelangen völlig nbereinstimmend zu dem Er- gebiils, da» der Angellagie zur Zeit der Begehung der ihm.zur Last gelegten L-lrattaien ohne allem Zweitel an cktronischem syltc- malil>ertcn Veriolgung-wahn sparanvia chronica) gelitten hat und daß, durch diese Ichseichende, allmähtich immer tieser wirkende Geistesstörung, die bei ihm im Anschluß an eine nach seiner eigenen Angabe im .labte 1901 begangene sittliche Verfehlung und an eine vermeintliche üble Nachrede deswegen im Laute der letzten Jahre sich mehr und niehr herausgehildet hatte, feine freie WillcnStxltänrmnng völlig ausgeschlviicn gewesen sei, — Dieser eingehend begründeten Ansfassung ist daS Gericht beige- rreten. Es hat noch genauer Prümng der schriftlicktzM Gutachten und des gesamten sonstigen Akteninhalls glcichsalls dir volle Ueberzeugung crtangt, daß der Angcschnldigte seine Stras- tatcn unter degn Zwange einer die freie Willensbestimmung ous- ichließenden krankhaiieu rstorung der G.'istestätigkeit begangen hat, daß er alio stratrechilich nicht verantwortlich gemacht werden kann. Auch eine etwaige Hanptvcrhandlnng hätie ^ unmöglich zu einem andern Ergebnis gciührl, ES mußte daher von einet Eröijnung bei Haupiverjalircns abgesehen und brr ßlngeichnldigte, dc>» Antrag der Königliche» Slaatsamvallichait entiyrechend, außer Bersol- gung gesetzl werden. Da der ßkngcschuldigtc als ge mein gefährlich erscheint, io ist gleichzeitig seine dauernde Perwabrung in einer Irrenanstalt veranlaßt worden," Das Auswärtiftc Amt und der Schutz der Auslands-Deutschen. Berlin,?, Febr, Die Internierung und Enimündigung des vene.zolaniichen Farmers Rudolf Haß. die in de» Jahren ,909 »na 1910 zu lebhaften Erörterungen im Reichstage, zu Gegenerklärungen des damaligen Staatssekretärs v, Schoen und zu offiziellen Auslassungen in der „Norddeutjchen Allgemeinen Zeitung" tührtz-, beschäftigt gegemvärtig wieder die deutschen söcrichte, und zwar das Landgericht I in Berlin, 5>aß war ieiner Zeit von den »cnezola^ irischen Behörden unter dem svätcr landcsvcrwiescnrii Präsidentcir Eastio vergewaltigt und erpreßt worden, so daß der Kommandant des damals vor Penezuela liegende» deutschen Kriegsschiffes „Pi- neia" eingriü, cr fand aber, wie er glaubt, in seinen berechtigten Rechtsjordcruilgen wegen anderer venezolanischer G>'walttalcn nickit den Schutz der deutsche» Negierung, Haß führte fünf Jabre lang einen Schriftwechsel mit dem Auswärtigen Amte, der aber kein Resultat zeitigte, Endliäi wurde der damalige deuticke Ministcr- reiidcnt in Venezuela Frcih ir v, Tcckendvrss nach Berlin zur Bcrichierstattung bciohlen. Zur selben Zeit weilte auch Hab in Berlin, Ehe cr dazu kam, sr-re Sache persönlich vorzutrogen, wurde er ungehürt, wie er r -Zt, ans Betreiben des Auswärtigen Amtes, in einer höchst merkwürdigen Form, deren geheim gehaltene Einzelheiten erst in neuerer Zeit genau betannt geworden sind, als „gemcingesährlichcr Geisteskranker" nach der Irrenanstalt Dalldorf gebracht und einige Zeit darauf entinündigi. Die Handhabe zu diesem Verfahren holen einige in der Form zu tveit gegangene Beschwerden, die Haß eingereicht hatte, als cr glaubte, daß chm sein Recht varenthalren werden sollte. Inzwischen hat der durch den Zwangseingriü in seine per- iönlichc und ivirischaitliche Freiheit tost verarmte Haß zum Zwecke feiner Rchabltitierung mit Hilie von Freunden ein sehr belaste» des Aktenmaterial »usannnengetragen, aus Grund dessen beim Landgericht t die Anteckitungsklage gegen den Enimnndignngs- beichlnn und gleichzeitig »: .Hamburg als Wvlniort des Ent!:!«»- diglen die Klage am Auihebnng der Entmündigung erhoben worden ist. In dem VcrhandlnngStennin vor der 22, Zivilkammer des Landgerichts I kam der RechtSdeistand des Hon, Justirrat Erich 2 t o l i c, nach stundenlangem Plaidoyer zu dem Schluß, daß an Rudolf Haß ein ichweres Unrecht wieder gut zu machen fei. Die Gründe des Auswärtigen Amtes, die fast ausschließlich für die Internierung und Entmündigung nusichtaggebcnd waren, icirn oiienbar taltck, folglich »lüßie» aucki die aui bicier Grundlage ausgebautcn vsnckiatrischen Gutachten sasch sein Zur völligen Klarslellnng der Angelegenheit stellte Jnstizrat Srolte de» Antrag, die Gelicimalien des Auswärtigen Amtes herbeiziniehrn. Der Vertreter der Staatsanwaltichgir beantragte kurz die Abweisung der Klage, Ter Gerichlshos beschloß jedoch, Beweis zu erheben und neuen Berhandlungstermin anzusetzen. v.'r»nischre». *T>eGeliedte ermordet. Aus H a n u o v e r , 7, Febr., wird gemeldet: Ter 21jährige Student der Rechte, Schulz aus Frankfurt a, O,, entführte vor einigen Tagen die ledige 1 7jährige Gertrud A b e t aus G ö t! i n g e », wo er bislang siudirrle. Das Paar nächtigte m Hannover in verschiedenen Hotels, trieb 'ich aber in den beiden letzten Näetzten ohne, Logic- in Gasthäusern und Casös umher. Die letzt: sstacht tötete, wie der „Hannaverichc Kurier" meldet, der Student seine Geliebie durch einen Schutz ins Herz, Tann aber fehlte ihm der Mut. sich, ^ie es verabredet war, jelbst i'.u töten. Er wurde heute morgen fcMenommc», * S c l b st m o r d v c r > u ch in der Eisenbahn, AuS Saarbrücken, 7, Febr., wird gemeldet: Bei der Ausfahrt des Personenzuges 295 in Kilometer II.l aus der Strecke Saarbrücken— St, Ingbert brachte sich um 10 Uhr abends der Mniiker Ludwig Jung aus Landstuhl (Psalz , wohnhaft in Saarbrücken, i» einem Wagen 2. Klasse eine Schnßverlctzung in die rechte Sckläst bei. Der Zug wurde durch Ziehen der Notbremse durch einen Mitreisenden zum Halten gebracht und nach dem Hauptbatziihos zueückgefirlirt. Ter Verletzte wurde ins KraukenhauS gebrach!, *Die Pariser Polizei verhaitetc den Kunsttischler Otto, die Holzschnitzer Grain und ltzironie, sowie den Zeicknirr Eoitcran wegen verschiedener Diebstaliie, die sie in den Sloatsmuicen von Marseille unb Compiegne sowie in dem Bagsteilc-Musenm im Bou- logner' Wäldchen verübt haben, * Aus aonftanj, »'■. Febr,. wird gemeldet: Als gestern abend der badisckie Damvier „Stadt Konstanz" von Uebarlingen nach Konstanz fuhr, geriet das Schiss kurz vor der Landungsstelle Tingelsborl aus Grund, Der Damvier „Stadt Mecrsbnrg", der zu Hilie eilte und die „Stadt Konstanz" abschlcppcn wollte, fuhr infolge des Nebels eheniallS fest. Die Passagiere ivurden durch Boote tu Dingelsocrg ausgcichisst und an Land gebracht, um heute morgen mit dem ersten Schisse »ack ihren Besiimmungsvrtcn zu gelangen, Ta der Boden bei Dingelsdort seicht ist, liegt keine Geiahr vor. Zurzeit ist das Tampsbooi „Greis" druüt beschäfiigt, seine beiden festgefahrenen Kanicraden iviedcr flott zu machen. * I m Eil zug Venedig — Mailand ist der Eisen- bahninspel-or Rigotto von einem nubekannien Mann durch Haminerschlägc aui den Kops schwer verwundet worden. Der Verbrecher ist aus dem fahre,lden Zug enttloh:». Es scheint sich um einen Raätz'akt eines gcmaßrcgclien Eiicnbahne.s zu handeln. * Tie W a h l w e i h c r. In der Nähe von T o in a t i n (Grafschaft Jnverncßi ist cur großes unbewohntes Landhaus bcr- brannt. Die Susfrageticn stehen mit dem Brande in Verbindung, * Tie Scharlachepideinie in Toul, Einer Blättermeldung zufolge beträgt die Zahl der in Toul an Scharlach erkrankten Mannschasten an 190, Es sind auch bereits einige Todes- iälle vorgekommen. In Arraz sind 50 Solüakeit gleichfalls an Scharlach erkrankt, «leine Lagerchronik. Tr, Dv hrn, der Gründer des Jacques Talcrvzc-JnftitutS in Hellerau bei Dresden, ist am Donnerstag aui einer Skiwur in der Schweiz tödlich verunglückt.