Nr. 3t E^chkin, «««sich Mil Aurnahme des Sonntag?. Di- „«ießener Zamisiendlitter" werden dein .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da? „Kitfsblatt (Br den Xrel, «ießen" zweimal wöchentlich. Di- „L-ndwtrtschastltchen Seit fragen" erscheinen monatlich zweimal. 164. Jahrgang Gietzener Anzeiger Grneral-Anzeigrr für Vbrrheffen Freitag, 6. Februar 1614 Rotationsdrnck „nd Verlag der Drühl'fche» UniversitätS - Buch, „nd Steindruckerei. R. Lange, Gießen, Redaktion, Expedition und Druckerei: Echul- straß« 7. Expedition und Verlag: e^®51. Redaktion: sEl12.Tel.-Adr.:Anzcig-rG>eße». Mb. Deutscher Reichstag. 200. Sitzung. Donnerstag, den 5. Februar. Am Tische des Bundcsrats: Dr. Delbrück, Lewa Id. Präsident Tr. Aaemps eröffnet die Sitzung um l Uhr 13 Mi». Die handhab»», kies vereinsgefehes. (Zciter Tag.) Abg. Dr. Junck (Natl.): Diese Aussprache über die Handhabung des Vercinsgesetzes ist seit 1008 zu einer stä n d i g e n E i n r i ch t u n g des Reichstags geworden. Diesmal ist der Ton der Kritik :n 1 1 ö c r geworden. Die polnische Bewegung soll man nicht mit Nadelstichen bekämpfen, aber zu einer Aushebung des Sprachenparagraphcn liegt kein Anlaß vor. Das wäre ein Zurückwcichen m der Ostmarkenfrage. daS wollen wir nicht. Wenn die Polen unter sich find, so werden sie ohne weiteres zugeben, daß das Reichsvereins- gesed weit milder ist. als etwaige preußische Vereinsgcsctze sein würden. Die Polen können also für das Reichsvereinsgesetz nur dankbar sein. Warum bestreiten die Sozialdcmotraten immer, daß gewisse Turnvereine sozialdenwkratisch sind? Gewiß, auch die Gewerkschaften verfolgen manche Zwecke, die mit der Sozialdemokratie nichts zu tun haben, z. B. auf humanitärem Gebiete. Es ist aber ein Mangel an Offenheit, wenn d»c Sozialdemokrate., behaupten, daß die freien Gewerkschaften nicht sozialdemokratisch sind. (Sehr richtig!) Eine gewisse Besserung in der Handhabung des Gesetzes bereitet sich vor. Ich würde es auch bedauern. wenn man große Bewegungen — zu denen ich auch die Sozialdemokratie rechne — mit Nadelstichen bekämpfen wollte. Das will man aber gar nicht. Ein Fehler war das Verbot des Amundfen-Vortragcs. Man sollte doch mehr Gefühl - für die Pflichten einer Kultur Nation haben. (Sehr richtig!) Dann gehen die Gerichte in ihren Entscheidungen zum Teil weit auseinander Da darf man dann nicht gleich von Rechtsbruch und Recht.» Verweigerung sprechen. Wenn gewisse Fehler bei der Anwendung des Gesetzes Vorkommen, so braucht man das Gesetz nicht gleich zu ändern. Dann die Jugendlichen. Ist die Beschäftigung mit der Politik etwas so schönes, daß sich auch die Jugend schon damit besaßen soll?" Unsere Jugend muß so lange wie möglich von der Politik ferngehaltcn werden. Dann Herr v. Jagow und die Berliner Schutzmänner. Wir haben wohl das Recht, uns hierüber auszusprechcn. Es handelt sich um einen hervorragenden, bekannten und geradezu typischen Verwaltungsbeamten. Zwei Seelen wohnen in seiner Brust, eine als Or. juris, die andere als Polizeipräsident. (Heiterkeit.) Er soll ja noch zu Höherem berufen sein. Wenn in dem Erlaß des Polizeipräsidenten sich eine Koalitionsfeindlichkeit an sich äußern sollte, so würde das dem Geiste des Vercinsgesetzes widersprechen. Wir betrachten das Vcreinsgeseh als eine große Errungenschaft. Die Behörden müssen vorurteilsfrei an die Ausführung des Gesetzes Herangehen. Eine schikanöse oder spitzfindige Auslegung des Gesetzes schädigt die Autorität des Staates. Hätten wir das Gesetz abgelehnt, so wäre das ein schwerer politischer Fehler gewesen. Das Vereinsgesetz ist günstiger als das frühere Recht. Wir sehen jetzt keinen Anlaß zur Abänderung des Gesetzes. Wir lehnen alle Anträge ab. (Beifall.) Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.): Die beste Rechtfertigung für die Haltung der liberalen Parteien war die gestrige Aufforderung des konservativen Redners: „Heben Sie das Gesetz doch auf. uns ist es recht!" Dieses Ver- einsgcsetz ist für die Konservativen die bitterste Frucht der B l o ck z e i t. Auch wir freuen uns. daß wir das Gesetz gemacht haben, und würden genau wieder so handeln wie 1903. Es ist eine Besicrung, wenn wir jetzt Anträge zum Vereinsrccht stellen können, was wir früher nicht konnten. Der Streit zwischen dem Reichskanzler und dem preußischen Ministerpräsidenten besteht fort. In Preußen pfeifen sie aus die Be- stimmungcr. des Gesetzes Wir wollen nicht bloß kritisieren, sondern auch die bessernde .Hand legen. Wir sind deshalb bereit, Aenderungen in freiheitlichem Sinne zu beschließen, wenn eine systematische mißbräuchliche Anwendung der Bestimmungen des Gesetzes durch Gerichte und Verwaltung erfolgt. Dazu rechnen wir den Mißbrauch der Polizeistunde, die Ausschließung von Zeitungen von Bekanntmachungen, di. kleinlichen Schikanen bei Anmeldungen. Wir müssen cme tinheitliche Judikatur haben. Dagegen sind wir aus pädagogischen Gründen für die Beibehaltung deL Jugendparagraphcn. Die Jugend soll nicht in einen politischen und lonscssionellen Fanatismus hincingczogcn werden. Zentrum und Sozialdemokratie, die ehemaligen Verbündeten von 1908, baben sich gestern gegenseitig ihre Sünden vorgehaltcn. Für das Gift des eine», batte der andere sofort sein Gegengift zur Hand. Jeder von ihnen behauptet, er besitze die richtige Weltanschauung, die er der Jugend einimpfen will. Wer besitzt nun die allein richtige Weltanschauung? (Zuruf b. d. Soz.: Wir! Große Heiterkeit.) Wenn ich nur eine Spur von Bosheit besäße (Große Heiter- rert), dann würde ich an die sogenannten Interpreten um den Grasen Oppersdorf erinnern. Da bat sich einer auf einen Erlaß von 49 berufen, um der Volksvergiftung entgegenzutrcten. Wir brauchen kein Gift und kein Gegengift von diesen Seiten. Die Jungdeutschlandbewegung ist nicht politisch. (Lärm und Widerspruch b. d. Soz.) Sie wird wohl einmal mißbraucht zu diesem Zweck, aber das mißbilligen wir. Die deutsche Bürgerschaft steht hinter ihr, und diese ist kein politischer Verband. (Lärm b. d. Soz., Zuruf: Die Arbeiter auch nicht!) Auch in den Turnvereinen fragt kein Mensch nach der politischen Gesinnung. Uebrigcns wäre cs lächerlich, wenn man den Jugendparagrapheii zll Schikanen verwenden wollte. Gegenüber dem Mißbrauch des Dffziplinarrcchts halten wir daran fest, daß Reichsrecht Parti- kularrccht bricht. Es ist unerträglich, daß H e r r v. I a g o w den Schutzleuten das Vereinsrccht abspricht. Er beruft sich aus einen Erlaß des Londoner Polizeipräsidenten. Dort bandelt es sich aber um eine politische und gewerkschaftliche Bewegung, es handelt sich um ein S t r e i k re ch t. Wir sind darin einig, daß für staatliche Arbeiter und Angestellte ein Streikrccht nicht besieht. Aber das wollten die Berliner Schutzleute gar nicht. Jagow hat noch den naiven Glauben, mit GlUvalt sei alles zu machen. Er hat eine gräßliche Angst vor der Organisation und merkt gar nicht, daß er schr unfreiwillig die politische Unzufriedenheit der Leute organisiert für die Sozialdemokratie. Was war der Schutzmann für ein Mann, der wegen der Vereinsgründung zur Strafe nach Oberschlesien versetzt wurde? Er hat eine Rede gehalten, die n.it einem dreimaligen Hoch auf dmi König von Preußen schloß. Mehr kann man doch nicht tun! (Große Heiterkeit. Zuruf: Hoch aus Jagow! Andauernde lchallcnde Heiterkeit.) Wohin muß dieser unglaubliche M a n^g c l an Vertrauen zu der Beamtenschaft führen?! ^-as Schmerzenskind des Gesetzes bleibt der Sprachenparagraph. Kein Mensch dachte daran, daß Preußen ihn in dieser Weise hand- haben würde. In Süddeutschland. wo wir höchstens ein paar italienische Erdarbeiter haben, ist seine praktische Bedeutung gleich null. Aber in Preußen ist seine Anwendung rechtsirrtüm- lich und widerspricht dem Wortlaut des Gesetzes. Wir sind für eine authentische Interpretation durch eine Aenderung des Textes des Gesetzes zu haben. Unsere Bedenken treffen gerade aus den F-a l l^A m u n d s e n zu. Flensburg ist wohl eine durchaus dcut- schc Stadt, aber in ihr und mindestens in ihrer Nähe tvird dänisch gesprochen. Man har eine geradezu lächerliche Aktion gegen den Vortrag ins Werk gesetzt. Keine Verteidigung, auch mcht das offiziöse Pronunziannento der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" kann das abschwächcn. Mit dieser Begründung könnte schließlich jede Theateraufführung oder jedes Konzert bestraft ^^dcn. An solche ungeheuerliche Auslegungen hat seinerzeit kein Mensch gedacht. Sie wurde n, diesem Fall zu einer politischen Dummheit. Diese kleinliche Politik der Bureaukratic und der Polizei muß gerade die ausländischen Kreise verstimmen, auf deren Sympathie wir Wert legen. Das Auswärtige Amt sollte den j ä m mer» 11 c 11 r . c Q u * r .9 1 c nf c c I e ii einmal näher treten. In ganz ^üddcutschland ist keine Klage gegen das Gesetz laut geworden. Es liegt eben an der falschen .Handhabung in Ostclbien. Wir sind gern bereit, an der liberalen Ausgestaltung des Gesetzes mitzuarbeitcn. Wir werden nicht ruhen und rasten, bis diese unselige, russische VerwaltungS methode. wie sic sich bei der prcußisck)en Handhabung deS Gesetzes eingcnistct hat. von, deutschen und vom preußischen Boden verschwindet. (Beifall Abg. Delsor (Elsässer): Die Gründe, die wir 1908 gegen den Sprachenparagraphcn anführten. bestehen unverändert fort. Nach dem Gesetz wäre nur in dem einzigen kleinen Kreise sshateau-Salins die französische Sprache gestattet. Tatsächlich wird die politische Tätigkeit in weiten , Kreisen unterbunden. Man hat uns damals auf das Wohlwollen ' unserer Regierung vertröstet, aber diese oars nicht nach ihrer innersten Uebcrzeugung. sondern muß nach dem Berliner Diktat verfahren. Der Jugcndparagraph muß abgeschafft werden. Der > Staat mischt sich in alle Angelegenheiten, so daß die Jugend nicht früh genug m der Politik, d. h. in der Bürgcrkunde unterrichtet werden kann. Abg. Haussen (Däne): Die Beschwerden gegen die intolerante und antiliberalc Handhabung des Vereinsgesetzes haben sich in Nordschleswig in , letzter Zeit immer mehr gehäuft. Man verbietet kirchliche, ! hygienische, wissenschaftliche Vorträge, Lieder von Björnson ! u. dergl. Es liegt System in der Sache. Die Erklärung der Negierung zum Fall Amundsen war zu naiv, um Glauben zu finden. Die Behauptung der Nordd. Allg. Ztg., die Vorträge des Sängers Herold sollten zu einer dänischen Heerschau führen, ist eine grobe und bewußte Unwahrheit. Abg. Dr. Landsbcrg (Soz.): Wir geben zu, daß das Vcrcinsgesctz besser ist als der sichere Zustand z. B. in Mecklenburg. Aber das frühere preußische Vcr- einsgesetz war bester als das Rcichsg.-setz. (Zuruf rechts: Führen 1 Sic cs wieder ein.) Ich hätte gar nichts dagegen. Wer seine Muttersprache lieb bat, müßte cs begreifen, daß jedem die Unterdrückung seiner Muttersprache, wie es das Vereinsgcsetz ermöglicht, weh tun mutz. Wir angeblich antinationalen Sozialdemokraten achten jedermanns Muttersprache und werden deshalb nicht früher ruhen, bis der Sprachenparagraph beseitigt ist. Wären die Arbeiter alle „gelb", dann gäbe es keinen Sprachenparagraph. dann könnten , sie sich in welcher Sprache sie wollen unterhalten. Nur um die polnischen Arbeiter zu verhindern, sich in Westfalen über ihre . schlechte Lage aussprechcn zu können, st der Sprachenparagrapb ins Gesetz ausgenoimnen worden. In cintr sehr verständigen Auslastung habe ick gelesen, daß das Vereins- und Vcrsammlungsvcr- bot fiir Jugendliche nicht verhindern lünne. sie politisch zu bearbeiten, weil es dazu viele andere Mittel gebe. Das stand in der ^ Begründung zum Vereinsgcsetz. (Hört! hört! und Sehr gut! bei den Soz.) Wenn das heute noch der Standpunkt der Regierung wäre, dann könnten wir uns sehr bald mit ihr verständigen. Aber freilich können wir uns mit ihr nicht zusammenfiudcn, solange man Jugendliche, die an Versammlungen teilnehmen, mit Polizeihunden hetzt (Hört! Hört! links). Wir wollen die Jugendlichen in unseren Verbänden weiterbilden, sie in Feld und Wald > hinaussühren. Das tu: freilich auch der Jungdeutschlandbund, 'aber nur. um sic zu lehren, wo man dort Dockung gegen einen fingierten Feind findet. Trotz der ausdrücklichen Erklärung des damalige,. Staatssekretärs v. Bethmann erkannten die preußischen Polizeibehörden ein Präventivverbot als zulässig an und das Obervcrwaltungsgericbt billigt das. Auch die Auflösung von B e r s a m m lu" g e u wird trotz des Wortlauts des Gesetzes aus ganz allgemeinen Gründen vorgenommen und die Ver- waltungsgerichte beißen das gut. Zu den meisten Beschwerden gab die Erekutivbehördc Anlaß. Wir baben den Eindruck, daß cs darin von" Jahr zu Jab, schlechter wird. Die Polizei kümmert sich den Teufel um das Gesetz. Sic dringt u, Bereinsvcrsarnni. Immen ein und verhindert nicht die Abtreibung von Sälen. erklärt unter Heranziehung der baarsträudcndsien Grunde Sport-, Gesangvereine und Gewerkschaften für politische Vereine, trotz- dem 1904 ausdrücklich Gcwcrkschaften für inchtpolitische Vereine erklärt wurden. Die Herren Liberalen baben sich aber tauschen lassen und sollen das seht zngcbcn. Sie haben in der Blockzcit ihre,, Einfluß aus die Regierungsbehörden überschätzt '.Heitertest!. 2:c halten imncti müssen, das, man aui Jnlerpeclationcii vom Regierung. «isck, sich nicht derlaffcn darf Whr verlange» Schutz gegen die polizeilichen Ausschreitungen, Wenn die Regierung ihn Ulchl bieten kann, daun batte Herr l>. Bcihnianu seinerzeit als staats selrctär nicht versprechen sollen, dos, das Gesetz liberal gchanb. habt werden wiirdc, Aber sic tan» tatsächlich den schätz gewäb reii und sie bat auch eine Mehrheit bi-r im Hause dasur hinier sich Ter Reichskanzler sollte als preußische, Miiiistcipräsidcii: dasur sorgen, das, nicht der Schein entsteht, als bade er feincrzcii i als Staatssekretär die Zustimmung zu dem VcreinSgesctz liberale Versprechungen erschlicheu. Mg, Gröber (Zentr.): Das neue Gesetz ist schlechter als das alte. Denn das alte hatte keinen Sprachenparagraphe» und auch nicht diese Bestimmungen über die Jugendlichen. Da tvar unser altes Würste»! pcrgischcs Recht dock, besser. Da waren so gut wie gar keine Bestimmungen. (Heiterkeit.) Und das ist dos beste, (Abg, Dr, ! Müller (Vp,): Da war die Willkür der Behörden!) Kcincs- ivegS, den» sic batten ja keinerlei Handhabe im Gesetz. Die Freude des Dr, Müller über das Gesetz war etwas gemischter Natur. Denn er hat eine halbe Stunde laug über das neue Gesetz blutige Tränen geweint. (Heiterkeit!) Die Be- | schwerdcn über die Behörde» sollen abgcnonimc» haben? Man ' richtet sich nur gegen die Entscheidungen der Gerichte? Es würde doch gar nicht zu solchen gerichtlichen Entscheidungen j kommen, wenn nicht Beschwerden gegen die Behörden vorliegen. (Sehr richtig!) Das eine Gericht entscheidet so. daö andere so. .stein Mensch ! kann mehr sagen, was eigentlich Recht ist. Darum mutz das l Gesetz abgcändcrt werden. Eine allgemeine RechtSunsicherhcit j zeigt sich. Das Recht der Beamten. Vereine zü bilden, wird illn - 'arisch gemacht, wenn man die Vereinigung Berliner Schutzleute verbietet. Auch diese Männer haben ein Recht. Vereine zu bilden. Die Behörden sollten dankbar sein, wenn solide Elemente einen derartigen Vcrciii gründen, der ja doch immer niüer einer gewitzen Aussicht der Vorgesetzten steht, llnsern Standpunkt in der Jugcndlichensragc haben wir nicht aus O p p o s > t i o n s l u st eingenommen. Wir habe» ihn in Preußen schon 1897 zur Gcltiing gebracht. Die Väter können,sich über ihr Kind dieser Vereinsgcsetz. nicht srcuen. Es ist älter und jhäßlichcr geworden. (Heiterkeit.) Mit dem Sprachenpara. graphen haben wir keine Lorbeeren geerntet. Ohne den Gcr- ^ manisationSzwang wären wir mit der Gcrmanisierung schon viel Zweiter. Diese vcrkebrtc. schlechte Poieiipolitik bringt und keinen ’ Schritt vorwärts. Grade die Fortschrittler hätte» alle» Anlatz. ' mit uns und den anderen gegen diesen Sprachenparagraphcn Sturm zu laufen. Es ist ein preußisches AuSnahmcgcietz. für das Herr Dr. Müller, Dr. Junck und ihre Freunde verantwortlich sind. (Sehr richtig! im Zentr.) DaS preußische Staatswappen zeigt zwei nackte, wilde Männer; da? sieht fast aus wie ein Symbol der nackten Gewalt. Wir wünschten, daß diese Männer etwas ! bürgerlicher, etwas menschlicher ausschen möchten. (Beifall.) Direktor im Reichsamt des Innern Dr. Lewald: Er ist doch ein großer Fortschritt gegen früher, daß wir jetzt ein einheitliches Recht haben, und nicht mehr wie früher 23 Vereinsgcsctze. Dr. Müllcr-Mcinnigen nannte die Abgrenzung der Kompetenzen zwischen dem Reich und den Einzelstaatcn ein Jonglieren. Da» iit doch ein sehr ungercchlcr Vorwurf. Wir ivärcn bald zu heillosen Zuständen gekommen, wenn die Reichs gcwalt nicht immer die Grenzen inncgchaltc» bäitc, und wenn sic in die Kompetenz der Einzelstaaten eingegriffen hätte. Es ist weiterhin möglich, daß in einem großen Staat einmal Mißgriffe Vorkommen, aber es muß lebhaft bestritten werden, daß man i> Preußen auf das Gesetz pfeift. Der Miniftcr des Jnncrii bat mit allem Nachdruck auf eine strenge, sorgfältige, ge setzen t- sprcchciidc Anwendinig des Gesetzes hingewiesen. Unrichtig ist es, daß der Juiigdcutschlandbund Politik betreibt. (Lebhafter Widerspruch bei den «oz.) Er will die Jugend im nationalen Sinne erziehen. Wohl aber läßt sich Nachweisen, daß in Arbeiter-Gesangvereinen verlangt wird, sie mögen den Parlci- geist pslcgcn. Das Soidatenspielcn »nd Uiiifoimtragc» sollten die Soziaidemokraten am wenigste» tadeln. Sic verlangen ja eine Militärische Jugenderziehung in ihrem Programm und stützen daraus ihre Forderung nach einem Volks-Milizheer. Tic Berliner Schutzmannschast Nickersieht freilich nicht de» Miiitärgcsctzen, aber sic ist doch militärisch organisiert. Deshalb ist cs berechtigt, daß inan eine Vereinigung Nicht gestattet, nach dem Prinzip: Prin. cipiis obsta. Abg. Dr. b. Dromposynski (Pole): Wenn der Reichskanzler nicht imstande ist, die richtige Durchführung der ReichSgcsetze in Preuße» zu bewirken, dann sollte es ihm sein Ehrgefühl verbieten, auch liilr einen Tag länger im Amte zu bleiben. Unter deni Reginie deS jetzigen preußischen Ministers deS Innern erlauben sich die Beamte» jede Niedertracht. (Vizepräsident Dr. Paasche erteilt den, Redner einen O rd n >, II g S r II s.) Im Gesev fehlt eine Bcgrisfsbestimmunr für ..politische Vereine". Wie soll da der Richter den Wille» de: Gesetzgebers interpretiere», wenn der Gesetzgeber selbst nicht ivciß. ivaS er will? Wir protestieren gegen die systematische Rechts- bcugung. Abg- v. Mcding (Welfe) führt Beschwerde, daß die Reden des llkcichslanzlcrs gegen dil deutsch-hannoversche Partei durch Schullinder verbreitet ivurden, ebenso wie nationattiberalc Wahlflugblätter. Auch mir wünschen eine freiheitliche Novelle zum Dcrcinsgcsctz. Abg. Fürst Radzitvill (Pole): liniere Vicfolutioncn konnte» nicht beredter begründet werden, als durch die Ausfübrungcn des RegicrungSvertreterd. Tciitschland Hai im vorigen Jahre erhebende Feste iiationalen Gedenkens ge- scicrt. Wir habe» völliges Verständnis dafür. Wir kommen Ihren Gefühlen entgegen und teilen sic. Aber tvir feiern nächstens auch das Jahrhiindertjubiläum der Wiener stongreßaltc. Damals laincn nach dem Unglück Polens die Monarchen überein, ans Gefühlen ethischer Natur heraus den Polen auch den Gebrauch ihrer Sprache tveitcrhin zuzusichern. Es ist ein b-schäincudcs Gefühl, ivenn wir heute sehen, daß 100 Jahre lvawr im deutschen Reichsl.ige diese Resonanz scbit. Stimmen ^'c unseren Anträgen zu, dann dienen Sic nicht nur unseren Jntcreisen, sondern dem 'Ansehen des Deutschen Reiches. (Beifall bei den Polen.) gtiiatr-jekrctär Tn. Delbrück: re: Abg. Landsbcrg hat vorhin erklärt: „Ter Staatssekretär res Inner» Hai jid] an der Debatte bisher nicht beiciligt diese Enthaltsamkeit gereicht ihm zur Ehre, dcun die Sache, die hier zu vertrete,, ii!, ist eine schlechte." (Sehr richtig! bei den Soz) 3uv Vermeidung von Mißverständnissen möchte ich hiermit au--- srucklich scstitellcii. daß die Ansführungcn des Ministerialdirektor? Lefvnlö airniciK’iT 11 ns ............^ - . -owald zwischen uns vorher verabredet waren und daß sic i i ' - : e Punkten meine volle .; ii st l IIIIII u II g finden <$»>» de. 2-L-: Tara» habe» xir nicht gezweisclt!) Wenn ich hoben, die es mir unmüglich machen. >m, Rücksicht auf andc: Amtspflichten, mich ausschließlich an den Debatten beS Reichstages zu beteiligen. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Müller Meiningen (Vp): Wenn das (besetz so radikal beseitigt mürbe, wie es hier ge« wünscht wird, so würden die Polen die Zeche bezahlen müssen, ^ci den Verhandlungen von 1908 dachten die Polen ganz arrderj über das Gesetz — wohl im Hinblick ans ein Gesetz, das von Preutzen erlassen werden könnte. Die Anträge des Zentrums haben heute ledrgiich demonstrativen Wert. Der Abgeordnete Groeber konnte freilich das Gesetz nicht mit machen. weil ihm die Fähigkeit dazu abging. (Oho! im Zentrum. Grosze Heiter, tell.) Wir haben bereits eine lex Groeber, und das ist das miserabel st e Gesetz. daS der Reichstag jemals gemacht hatte. (Grosze Heiterkeit.) Wir wenden uns gegen die toenio loyale und geschickte Anwendung deS Pereinsgesetzes durch gewisse Kategorien von Behörden. Wa- gegen das Gesetz gesagt wurde, ist lm allgemein. ; uvv eine schlechte Wiederholung der früher dazu gehalten-.''! Reben. Fm Herzen wollen Sie (zu den Soz.) ebenfalls cm Ncick^vcrc.n->gesetz. Abg. Gröber (Zentr.): Ich habe rnem.rls verlangt, ein Pereittsgeseh zil machen. Wen»! aber ein Gesetz seinen Zweck erreicht har und eine Wohltat für die Unbemittelten darstellt und von freiheitlichem Sinne eingegeben ist. dann ist e» oaS Diäte ngesetz. (Beifall und Heiterkeit im Zentrum.) Wenn aber ein Gesey gemeiuschädlich gewirkt hat und gerade da» Gegenteil seines Zweckes erreicht hat. dann ist es das vom Abgeordneten Müller-Meiningen befürwortete ReichsverciuLgeseh. (Lebhafte Zustimmung im Zentr., große, andauernde Heiterkeit!) Abg. Dr. Müller-Meiningen (Dp.): Für ein Diätengesetz waren auch wir. daS ist eine alte liberale Forderung. Ich stelle aber feil, das; unser D iä t e u g e s e tz ein miserables ist. (Heiterkeit.) Abg. Gröber (Zentr.): Und ich stelle fest, von diesem miserablen Gesetz hat der Abgeordnete Müller-Meiningen jeden Monat den angenehmsten Gebrauch gemacht. (Große andauernde Heiterkeit.) Die Aussprache über daS BerelnSgeseh schließt. Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.) persönlich: Ein Verzicht auf die Diäten ist bekanntlich überhaupt unmöglich. (Große Heiterkeit.) Lbg. Groeber (Zentr.): Ich stelle fest, daß diesen auLgezeich- neten Paragraphen, der den Verzicht auf Diäten unmöglich macht, auch der Abg. Müller-Merningen mit akzeptiert hat. (Große mrdauernde Heiterkeit.) Das Gehalt des Staatssekretärs wird bewilligt. Bize -Präsident Dr. Paasche teilt mit daß der Abg. v. Halem (Rp.) sein Mandat niedergelegt hat. DaL Hauö vertagt sich. Freitag 1 Ubr pünktlich: Kurze Anfragen, Abstimmung über die Resolutionen. Wahlprüsiingen, Etat des Reichsamls des Innern. Schluß 6% Uhr. Kiautjdjou in seiner heutigen Entwicklung. G i e ß e it, 5. Febr. Boi tier leiuidifii Kolonialgesellsckntft, Abteilung iJiteßfii, sprach am Donnerstag abend in der neuen Anla der Universität Haupimann a. X. ». Amelunxen über .Kiautschou in seiner heutigen Entwicklung. Herr ü. Amelunren ist ein unverkennbarer Kolonial- freund und tritt >nu Aegeistcrung für die deutsche Lache im Auslände ein In angenehm flüssiger Rede, die nicht selten van leichten, »umor gewürzt tfr, versteht er es, seine tiescn Kenntnisse von der deutschen Kolonie in Asien, in der er jahrelang gelebt hat, wiederzugeben, und den Zuhörer zu überzeugen, wie wichtig für uns die Kolonien überhaupt sind, und roae- nnr an Kinn t schon haben. Kiautschou ist außerordentlich reich an Bevölkerung, nne China iwerhaupt, und diese besieht nicht aus Wilden, wie in den übrigen Kolonien, sondern aus Kultur-- Menschen, die uns in manchen Beziehungen gleich kommen. die Ansprüche an das Leben stellen und Bedürfnisse baben, um sich dadurch dar Leben angenehm zu machen, wie wir auch Und endlich ist dar Bolk bis aus den heutigen Tag ackerbautreibend, das Land für die Industrie also ein Land der Zukunft. Gegen den bekannten Uedelstand. dag nämlich der Walt best and ^vegen der üsiitzbarmachnng jeden Fleckchens Erde zuni Schaden der ganzen Wirtschaft, dem Gebirge wie dem Flachland gänzlich genommen ist, hat die deutsche Forstwirtschaft bereits energisch durch Ansorstun- geu Lbhilse getroffen und so auch in wenigen Fahren den Wasserreichtum der Kolonie bedeutend vermehrt. Auch der Tierwelt sind die jungen Laldbestände zugute gekomnicn. Tie Haustiere sind mit Ausnahme des schwarzen chinesischen Lchweincs und der brauchbaren Ponys dieselben wie im deutschen Muttcrlande. Noch weit wichtiger ist die Frage nach dem K l i m a. Als Tsingtau in deutsche Hände kam, unterschied sich das dorlige Klima nicht von dem epidemien- reichen Klima der übrigen asiatischen Küstenstädtc. Ta fehle eine machtvolle Kulturarbeit ein: man verbannte alle Eingeborenen aus Tsingtau, legte Ltratzen mit vorzüglicher Kanalisation an, baute lustige und helle Häuser, legte eine gute Wasserleitung, errichtete einen sorgfältig geleiteten Lchlachlhos — und seht Hessin Tsingtau eins der besten Klimata der Welt. Tsingtau wird von 2500 Mllitärpersonen und von der gleichen Anzahl Zivilisten bewohnt, sür die sich reiche Erwerbsgucllen durch den regen Handel und Bcrkehr bieten. Beim Platzgcschäst ist bemerkenswert neben dem Badestrand eine Bierbrauerei, die groben Gewinn bringt. Tie Brauerei iührt einen englischen Namen und ist einer englischen Gesellschast angeälicdert, da leider das Interesse daran in Teutschlanü nickrt grost genug ist, da bei der Errichtung die deutsche Flotte noch zu schwach war, um den deutschen Handel im Auslands zu schützen, und da endlich die Rentabilität durch die englische Gesellschaft größer ist. .Fn den deutschen Kolonien herrscht nämlich auch das deutsche A kti c n g e s e tz. wonach keine Aktie weniger als 1000 Mark betragen darf, während i» England die Psundaklie gebräuchlich ist. Tas Interesse für die Kolonie würde aber viel größer sei», wenn für ein solches Werk billig« Aktion abgegeben werden künnicn. .„Jede Kolonie für sich braucht ihre eigenen Gesetz e." Des weiteren ging der Redner auf den mustergülftgen Hasen ein, lobte die Eisenbahn, erwähnte den Handel, dessen Umsatz nicht weniger als 168 000 Mark jährlich beträgt und kam zu dem Schluß: „Wir habe« hier eine Kolonie, auf die Deutschland stolz sein kan Xcm Bortrage ließ der Redner eine größere Anzahl gut getroffener Lichtbilder folgen. Das Publikum, unter dem sich sehr viele Damen befanden, folgte den Aussnh» rungen des Herrn v. Amelunxen aufmerksam und zeigte )ich ani Schlüsse sichtlich befriedigt. K. B. Au» Stadt und Land. Gießen, 6. Februar 1914. ** Der Februar in Aussprüchen der ländliche» Bevölkerung. Was die ländliche Bevölkerung meistens voi» Januar erwartet, daß er kalt und nicht regnerisch sein soll, da- triift last allgemein auch aus den Februar zu. Auch in Bezug au> riesen Monat ist di« binerliche Bevölkerung der Meinung, daß c: Iwch nichl an den Frühling nrahnen düric, weil sonst rauhe Stürme und Fröne in den nachrolgenSrn Frühlingsmonatc» nicht ans bleiben. Das stammt in vielen Sprichwörleni und AllSIVrüchr» rum Ausdruck ,,Spielen die Mücken im Februar, irrere» Mensch und Tier das qance Jahr", heißt eö mil verschiedenen Ählvetchun ien fast in ganz Deutschland. In den östlichen Provinzen Preu Yens heißt es: ..Große Malt' im .Februar, bringt ein gutes Ernte ahr", ein anderer Spruch hcißi „FH der Februar KW« und warm, friert man NM Ostern bis in den Darm" Temelben Ge rillten bringt ein rovrlchwort aus Nordwcstdeutschland IUI» Aus lllck, i» dem es beißt „Besser im Februar im .haule sricreil. als draußen im Sonnenichcin spazieren". Auch das Wort! „Fnert >as Wasser nicht im Februar ein, wird die Ernte sein lehr kllUN", ist häufig zu stören. Fn Bahcru und »och sit andere» Gegenden sagen tie Landlente: „Bringt der Febrnar Schnee uiid Eis, wird er Sommer srurbrbar und heiß". Bor allem wird roauneniche.il im Felnuar sür schädlich gehalten, denn „Mücken, die im Februa: sznmnen, wer. en noch recht lang verstummen". Dagegen werden Stürme im Februar nick: für jo ichädltch gehalten tt» de» eurichen Gegenden der Schweiz meinen die Landlento iogar, tiiclv i-.i* Stürme in diesem Monat seren das Vorzeichen eines^ guten Fahre--, und so behaupten sie: „Fm Februar müsicn die -Stürme fackeln, daß den Ochsen die Hörner wackeln", oder auch: „Raubc Winter u» Februar, bringen eilt gutes Früh ahr". Das sin- »li> .uni,ge Aussprüche der ländlichen Bevölkerung über den .rebruar, uc alle zeigen, daß den Landwirten ein Februar mit schönen Borsrühlingstageit nicht erwülischt ist. »e S » m m e r v t l c g e k r ä n k l i ck> er Kinder. Turch de- Bei ei» für Donimcrpstrge kränklicher Kinder wurde in dm 2»l- iäderu Ra »heim, Orb, Kreuznach und Soden-Stolzenberg im »ergaugenen Fahre 25l Kindern ein Kuraufenthalt ermöglicht, in den Ferienkolonien Wembach und Rodrbach Ivlirden l44, i» den Er holllligsheimen bei Rieder -Ramkiad! lilid Neckarsteinach 80 Kinder vervilegi. Fm ganzen betrug die Zahl der P.lcglinge 4.83 gegen 464 „n vergangenen Fahre. Tas Bcreinsvcrmögen ist aus 14 206 Mark angcwaälseil. e- Zur Berufswahl. Man schreibt uns: Osler» steh: vor der Tür und damit die Frage sür viele Eltern: „Was soll der Zunge werden?" Tiefe Frage wird leider oftmals ans U» vcr'äudnis, wen» der Zunge zu schwach zu einem Handwerk erscheint oder die Schulbildung als Kaitsmann nicht genügt, dahin bcaiitwortcl: „Lassen wir ihn Kellner werden." Leider gibt es einige Fnhaber von lleincren Betrieben, meid Nichl- sachleutc, welche diese Unkenntnis ausnüben. um sich eilt, billige Arbeitskraft zu verschasscn und Kellnerlehrlingc eilt '.eilen, die schwächlich und kränklich, oft mit körperlick'en Gebrechen behaltet sind, die ein späteres Fortkommen als Kellner erschweren. :a >a'i ausi'chlicßcn Tic ausgedehnte Arbeitszeit in oft schlecht gelüsteien, mit Rauch und den Ausdünnungen vieler Menschen angeiüllten Räumen bedingen einen kräftigen Körper: daß der Junge gut gewachsen und ohne körperliche Fehler sein muß, erschein! wohl auch den Laien selbstverständlich. Sind diese Vorbedingungen vorhanden, so sei man vorsichtig bei der Wahl der Lehre. Kleinere Betriebe, die von einem Nichlsachmann allein bewirtschattet werden, sind ganz aus uschließen, ebenso kleinere Bahnhoswirtichasten, in dencii der Lch.ling fast ausschließlich mir an de» Zügen entlang zu gehen und Würslchen und Schnäpse mit lauter Stimme auszu- ruscn ha!. Sind obigk Bedingungen vorhanden, so bietet auch der Äcltnerberus gewisse Aussichten, die man sich aber hüten muß zu überschätzen, da die Verhältnisse im Gastwirtsgewerbe sich besonders in den letzten Fahren bedeutend verschlechtert haben. Kellnerlehrlingc, die »ach Beendigung ihrer Lehrzeit nach dem Ausland gehen wollen, haben stets bessere Aussichten. Ausführliche Broschüren hierüber sind kostenlos crhältlhh durch die Hauptverwaltung des Deutschen Kellner-Bundes Union Ganymed in Leipzig. . *“ ß i « eigenartige Titte aus dem Lande in dar Verkauft» des Wädchenbettcs der Braut. Schon am Tage der Verlobung wird dieser Verkauf mit dem Händler geregelt, und der Mann erhält das Recht, das Belt am Hochzeitstage zu sich holen zu lassen. Daß die Händler einander »uvorzukomme» suchen, sobald eine Verlobung in Aussicht steht, liegt aus der Hand, zumal solcher Kauf einen guten Gewinn abwirst, da die glücklichen Bräute nicht lange mit sich handeln lasse». Ein solcher Fall ereignete sich am letzten Sonntag in Fellingshausen. Am Samstag hatte sich ein Mädchen dort verlobt, und schon am srühcn Morgen des nächsten Tages stand ein Händler aus Gießen vor ihrer Tür, harrte getreulich, bzs ffe die süßen, bräutlichen Träume verlassen batten, wurde dann bald mit ihr handelseinig und machte sich scclen- vergnügt aus den Weg nach Rodheim Bald nach ihm bewarb sich ein zweiter Handelsmann ans Rodheim um das Bett und war nicht wenig erbost, als er hörte, daß ihm sein Konkurrent zuvorgekommen sei. Noch vor Rodheim holte er auf seinem Stahlroß dem Wanderer ein und geriet mit ihm in Streit, der in eine blutige Schlägerei ousartete. — Und das alles um ein harmloses Mädchcnbetl! ** T i c KonsektionSschncider aus dem Lande.. Mit der Äonftktionsschncidere, der Bogclsbcrger Schneider, die meist für Franksurter Häuser arbeiten, stand es im vorigen Fahre schlecht. Manche Schneiaer, die schon lahrelang >ür solche Firmen gearbeitet hatten, konnten keine Arbeit mehr bekommen. Ter allgemeine schlechte Geschäftsgang trat hierbei am deutlicksten vor die Äugen. Mit^diescm Jovre sind die Verhältnisse wieder besser geworden. Die Schneider können wieder Arbeit erhalten, da der geschäftliche Tiesstand überwunden ist. *" Das T a ch s s est. Ein uralter Brauch hat sich noch in Rcrskirchcn erhalten, nämlich die Feier des Dachsscstcs. Einer al en Legende nach acht am ck. Fanunr der Dachs, von seinem Winkerschlaz erwachend, zum erstenmal aus seinem Bau. Sieht !’t tabei seinen Schal en. dann io rt er d n un erb ochz'nen schlat noch 1 Wochen ton, denn der Winicr ist noch ni.pt zu Ende. Sieht ec seinen Schalten nicht, !o können leine Strei'züge beginnen, denn das Früiyach naht. Nach Aussage von Wetterkun- oigcn hat er in diesem Fahre seinen Schatten gesellen und nnr können einen langen Winter rrwanen. Wird an dem bewußren »weilen Januar noch .Holz gehackt, dann läßt es sich kein Holzhauer nehmen, den Tag zu seieru. So wurde auch am Montag der Sitte gemäß bei Bier und Branntwün gefeiert, bi» die richtige Tachsstiimnung twrhanden war. Schon längst strahlten die elektrischen Birnen, als die Dachsverebrer mit einem mächtigen Dachs beladen ihrer Behausung zusätwankten. “ Ronkurjc in Hesse», Das Kollklirsvesiahre» über das Vermögen des Adolt Königs, Inhaber der girina „A. Königs", Tavetenhanblimg zu Mainz, ist mangels Mall« eingestellt lvordcu. — Das Konkursver'ahren über de» Nachlaß des Maurers Adam Geiß Ik, und daas Verinöqen seiner Ebekrau lllnna Geist, geborene Zinnel, beide von Kekenrod, ist ausgehoben worden. Hessen-Nassau. FC 2111 e n b o t j , 5. Febr. Der aus Allendors im .«reife Kirchhain Mberhessen) gebürtige Tr. sue. tz. D e ch c r, Hilfsarbeiter beim Magistrat der Stadt Fischeln bei Ercseld wurde mitniil 8 gegen 6 Stimmen zum Bürgermei st er von Hadamar gewählt. Dr. Decher steht >m 36. Lebenssabre. ii j,r on k surt a. M., 4. Febe. Das reiche Frankfurt. Obwohl die Frist für die Einschätzung zuni Wehr- beitrag sür di- Höchstbesteneften erst in der nächsten Zeit ab. läuft, konnte schon jetzt sestgestellt werden, daß hier »in verstcuerbareS Vermögen oon mcbr alr drei Milliarden Mark vorhanden ist, nahezu eine halbe Milliarde mebr, al? nach den ursprünglichen Schätzungen, Der Beitrag Frankfurts zun, Wehrbeitrag wird aus rund 4 5 Millionen Viark geschätzt. TaS m rund ein Flinstet oe? gesamten Beitrages in Tentichlans. Die im Haushaltsplan Ser Stadt oorgefthcne Dtchreinliahnie von einer MiUlon Black Ein- solnulenstcliern dürfte insolgedcsscn bei weiteiii überschritten lverdcn. vereinsnachrichten. — Wohllätigl eitS- Konzert des Kroilbauer- i ch c n Q u a r t c t I v c r e i » s am 2 2. Februar. Die man uns schreibt erweist sich auch diesmal der Verein als treuer BundeSgeilosse der städliichen Ärmenverwalluiig. Er folgt in diesem yrengru Winter bcionders sreudig der von der Stadt er- iolgtcu Anregung, ourch sein Lied mitzuhelien zur Beschattung eines warmen Frühstücks für die Ktilber unserer Armen. Er zweiselt auch nicht daran, wieder msidtälige Herzen und Hände zu linden, die lhr Scherflejn gern zur Linderung der Not bet- iragen werden, zumal das Programm besonders reichhaltig zu werden verspricht. Entgegen der bisherigen Gepilogenheit können diesmal einige Chöre mit Orchcsterbegleitnng vvrgelragen werden, da mehrere Kunstfieunde und Gönner des Vereins die dadurch entstehende». eRehrtostcn übernommeu haben, und somit dem guten Zwecke nichts gekürzt wird. Als Solisten sind gewonnen: Königl. Kammermusiker Heinrich K r u ie -Hamburg, ein Gien en er .'sind, der einer der hervorragendsten Künstle: aus seinem Jnäru- lilente. dem Violoncell, ist, und Herr Ernst EvertS aus Köln, der sich als vorlreislicher Kolizcrtiängcr sBariton) würdig in den Rohmeu einsügen wird. Tas Konzert findet im Stadt» theater statt, bei Ernst Ehallier erfolgt die Karienausgabe. O» Klein Linden, 4. Febr. Tie Hguvtveriammlung des K r i c g c r » e r e i n s tagte tri Gastwin Bernlzardt. Nach dem Falnesberickl zählt der Verein 120 Mitglieder und ein Vermöge» von 430 Mark, das um etwa 90 Mart gestiegen ist. An Unter» gützuirgen wurden seit Bestellen des Vereins 1150 Mark aus- -gegeden. In den Vorstand wurden sür die nächsten drei Fahre »ewäblt: Lehrer Keil l. Vvriisen er, Zugjührcr Dönges 2. Bor- itzendcr, K. Danzer Rechner, W Zecher und A. Manns Schriit- lihier, Hch. Erb, G. Schön, Hch. Schmidt und Fr. Jung Beisitzer. — Annerod. 3. Febr. Der Kriegerverein zu Annerod feierte am Sams.ag Kaisers Geburtstag. Herr Heinrich Wehrum gedachte in feiner Ansprache der Kricgsiahrc von 1813 bis zur Gegenwari. a. Beuern, 1. Febr. Heule hielt der G e sa n a v c r ei n „P o l v h » m » i a" im Saale des Wirts Wagner sein Winter» vergnügen ab. Ter Chor erfreute die zahlreich Erschienenen durch sehr schöne, vom Tirigentc» W Nicolai- Großen-Buseck gilt cingeübte Lieder. Für Unterhaltung sorgten einige Duette und Singspiele und ein Theaterstück. Nach der Verlosung fand der Tanz statt. X Treis a. d. Lda., 2. Febr. Während unser 'Iriegerverein iic Feier von KaiftrSgeblirtstag vor acht Tagen mit einem geselligen Zusammensein im Bereinslokal beging, ieierle der Turnverein diesen Tag gestern abend in Form eines FamilienabcndS im Turnsaal. Nach einer Ansprache des I Svrechers Lehrer Walter wurde» in Abwechselung mit turnerischen Vorführungen zwei turnerisch-patriotische Theaterstücke auigciührt, wwic einige lebende Bilder aus dem Turnerleden gestellt. Ten Sc' 'uß bildete eine Verlosung, aus die ei» Tänzchen solgte. — Climbach, 3. Febr. Der Gesangverein „Licdcr- k r a n »"-Climbach feierte am Samsiag abend bei Gastwirt Römer sein Wimervergnügen. Ter Präsiden, begrüßte die Anwesenden und gedachte des Geburtstages des Kaiiers. Tic von dem Gc- sangvercin vorgeiragenen Lieder ernteten großen Bttsall. ki Lanterbach, 2. Febr. Gestern nachmittag feierte der Allgemeine Staatseise n bah »verein Louterbach unter zahlreicher Beteiligung auswärtiger Mitglieder nebst Familienangehörigen und einer großen Anzahl Gäste Kaisers Gcburts tag im Saalbau zum Johannesbcrg Wie Hel 'rüberen derartigen Pelanslaliuilge» hatte der Verein für ei» reichhaltiges Theater- Programm gesorgt, dessen einzelne Stücke von besonders hierfür begab en Damen und Herren des Pereius gespielt wurden. Nach einer BegrüßungSanivrach- und einem Toaü au» de» Deutschen Kaiser durch den 2. Vorsitzenden Berte» lli-rrreichie der l. Vorsitzende, Rcgi ernngsbaumeistcr Plasf, mit einer Ansprache an 7 Vercinsmitglicder Gedenkblättcr sür 25- bis ",2-iähriae Dien,, zeit. Der Abend war dem Tanz gewidmet, von weichem durch alle Altersklassen lebhafter Gebrauch gemocht wurde. Ziocr Extra- zügc bcsördcrten die auswärtige» Mitglieder gegen Mitkernoän wieder nach Hanse. w. Wetzlar. I. Febr Im „Schutzengartcn" ioar heute unter starkem Andrang die Hauptversammlung des Kreis-- kricgervcrbandes. Für den verstorbenen cnicn Vorsitzenden, General Castcndvt-Braunscls, wurde Ghmnasialproie'sor Hauvt- mann Braß-Wetzlar, und sür den verstorbenen Bürgermeister Weber Oberförster S t e e g c -Braunsels als Vorstandsmitglied gewählt. Der Verband zählt zurzeit in 7l Vercinen 05 Ehren- und 3538 Mitglieder. Für bedüritigc Kameraden iind im ab- gelvusenen Fahre 1767 Mark cillgegangeu : das Verbandsvcr- mögcn. jetzt 2630,51 Mark, ist verzinslich aur der Krcisspar- tasse angelegt. Das Berbondsftst wird in Siockhausen a. d. Lahn abgeh alten. k. Butzbach. 1. Febr. Gestern abend keicrte der bicsige Kriegcrverei» im Hcssisckten Hoic unter starker Beteiligung Kai- scrgeburlstag. Auch das ONizierkorps war vertreten. Tr. Vogt hielt die Festrede. Fräulein Röder trug einen Prolog vor. Nach dem Vortrag einiger Musikstücke begann die Aus- iührung eines Theaterstücks. Hauvttehrcr Storch trug ein von ihm versaßies Gedicht vor. Hieran schloß sich das übliche Tantz- vergnügen. — Vetzberg, 2. Febr. Ter Gesaugverci» „Er nt rächt" feierte in den Sälen der Gastwirtschail „Zur WitbetniShöhe" sein Stistungssest verbunden mit der Feier des Kaisers Geburtstags. Lehrer tz ö h n - R o d b c i m als Ttrigenl des Vereins begrüßte die erschienenen Ehrenmitglieder und Gäste, legte in kurzer, kerniger Ansprache den Wert lind die Bede--'nng des Gesanges klar und brachte eilt .Hoch aus das deutsche Bsitcrland und seinen Kaiser aus. Ein Sänger danltr Lehrer Höhn für die Worte der Begrüßung und sür sein Vrrdicnst, das er s,ch in nabezn H Fahren als Dirigent des Vereins erworben habe, nnd toastete aus das deutsche Lied und den sestgebendcn Verein. Drei recht statt gespielte und wohlgelunge» ousgeiübrte „Einakter" wurden van den Gästen mit reichem Beisatt belohn«. Ein daraus folgendes Tanztränzche» vercinigte die Gäste und Sänger bis zur fttähen Morgenstunde. wktterschau. Tie niillteren Teinveraturverhältniise des Februar leiten zu», bald beginnenden Frühjahr über. Vom l. bis 28. des Monats steigt die Tagest»arme von 1— 4 Grad. Charakteristisch sind in den meisten Jghren .Kälterückfälle, die kurz vor der Monatsnntte auszuiretc» pflegen und die rm Gebirge oft ausgedehnte Schneesälle mit sich bringe» Tic Normal temperawr des Monats betrügt ,n Frankfurt rund 2 Grad, Tarmftadt 1,9 Grad, Gießen 1,1 Grad, Bad-Nauheim 1,0 Grad, Mainz 2,3 Grad, Osftnbach 1,7 Grad, Michelstadt 1,0 Grad, Schotten 0,2 Grad, Worms 2,0 Grad Die niedrig st c Temperatur, die seit 1857 bevbachiet wurde, trat am 8. Februar 1895 mit 20 Grad Kälte ein, die höchste Wärme am 14. Februar 1869 itztt 15,5 Grad, so daß die äußersten Grenzen, innerhalb deren die Temperatur schwankte, rund 36 Grad uwsasscn. Während die höher steigende Sonne im Ticilandc dni Boden schon crbeblich z» erwärmen beginnt, sinkt in den höheren Luftschichten die Temperatur immer noch. Fn den Mittelgebirge» ist daher in den höheren Logen der Februar der eigentliche Wintermonat: im Hochgebirge ist cs häuilg sogar etil der März. Dasselbe gilt auch IN Bezug aut die c-chneeverhältnisse. Sehr kalte Februar hatte.» wir seit 1710 in Deutschland in folgenden Fahren: 1740 — 7,3 Grad 17.55 — 6,0 Grad, 1784 — 4,0 Grad, 1880 —4,1 Grad, 1814 — 6." Krad, 1827 — 6,6 Grad. 1838 — 5,2 Grad, 1845 — 5,8 Grad, 1855 — 7,5 Grad, 1865 — 5,1 Grad, 1870 — 6 4 Wiai>, 1895 — 4,0 Grad. Ein lyetammmmat mit einer witteltcinperatur von 7 Grad Zielte und darunter kann danach 'nur etwa alle 100 Jahre einmal erwartet werden. Seit 185o rnmcn io autzerordentlick «ratze Kälter Pocken nickt mehr vor. warm mit 5 Gras und darüber waren jolgendc Jahre: E! ^758 1757, 1763, 1764, 1719. 1783 und 1869. Während 18 Jahrhundert allein 7 extrem warme Fcbruarmonaie hra&lc trat bis jetzt im 19. und 20. Jahrhundert nur ein der- Monat ein. Eine Zunahme der Winierwärmr, >Mk in Zrn innen Jahren vielsack angenommen lourdc, latzt lick also mckt etennen' tvol'l aber veriadiicke Folge von kalten und warmen «Intern' »>, Ueberwu-gen der letzteren Allgemein hat »er Je- S'„. Mitteldeutschlands eine ge inge N i e de r s ch l a g L m e n g e. erinaer al Januar und Mär». Die durchschnittliche Zahl der Daoe mit Sckneeoeckc beträgt im warmen Main- und Rhein- 4_5 und steigt mit der Erhebung des Landes bis 28 Im° Mittelgebirge oberlialb 800 Mtr. Im Jahre 1835 kam es vor datz selbst da- Marngebret an 27 lagen von einer Schneede überlagert wurde Ter «crilosienc Januar hatte in satt ganz Tautichland aus- neiorocken winter licken Charakter. Im Mittelgebirge ist seit dein »0 Dezember vorigcn Ja'neS stärkeres Tauwetier nickt einaelrelen io datz hier überall bis weit INS Flachland herab eine neie Schneedecke lagen. Besonders bring waren die Schnec- stürmc die «u Ende >913 nbr Deutschland hinwegginge». ?lcn -4 -danuar lag iast gang Deutickland unter einer Schneedecke Es meldeten: Kassel >2. Ereurt 19, Salle 13. Stettin 13, gieitin 21. Görlitz 27, Sckreibcebau 65, Breslau 10, Königsberg ll> Centime,er Schnee. Im Miltclaebirge in 700—80«, Mir. SSbe lag biellack 1 Mir. Dtt/ncc. der zu manntgiackien Verkehrsstörungen Anlatz gab Wenn auch in der Folge IM Ticiland durch eine kurze Tauwcllcrvariodc die Sch edeckc teilweise verschwand io blieben doch die Mittelgebirge und ganz Süddeutsch- land während des ganzen Monats perichncit. Di- WärmeauS strahlung dieser ausacdehnten Lckmecilächen beachte auch dem ichnee- ireicn Lande allen,halbe» zum Teil scharicn Fi-ost, der sich in Schlesien bis 20 Grad steigerte. Iast alle grötzcren Tvtüffe sind in ihrnn miillcrcn und oberen Lauic zugcsroren. waS seit Jahren nicht mrbr beobachtet wurae. Seit dem 26. Januar ist endlich in Nvrddeun'chlond milde» Taciwrltcr eingetreten, wahrend in ZDdcutiÄlanv unter dem Einilutz der abkühlende» Schneedecke d« Jrostiemvcraturen »ortdauern Mitteldcutickstacid stellt ein Uehergang-gebcel mit leichtem Frost 'dar. Wäre snddeutsckland nicht zuiöllig min Schnee überlagert, dann würde auch dort schon eguweuer eingetreten sein. Denn über dem Lzean ziehen tort- gesetzt ticsc Zyklonen vorüber, die ganz Westeuropa mit warmen -üdlvestnündkN übcriluten. Die warme Strömung sticht aber um die durch die Schneedecke erkalteten Lustmassen Süddculick'ands und Südosleuiovas herum, ahne die ,'chwre» Luitmaiien ab äugen ,u können AuSgedehnc Zchneebecken törtern ganz autzervrdent- lich hie Erpalinn, der Wimcrkilte und verwehren den wärmsten westlichen Lug irbeln den Eintritt ins Festland. Fast al e strengen Winter waren die Folge einer ausgedehnten, sich zusällig er- ,Menden Schneedecke. Datz in grötzeren Höhen der Amwivhärc schon seit einigen Dogen d,e ivestlicken Znklonen zu wirken be- ,linnen, zeigen die Drackeneuiisticge unterer Fr. iluitwar en, die nber den unteren lallen Luswiass-n ivarme Strömungen scststellcn So wurden ül er Lindenbera im Südostcn Berlins am 2o. Januar ,n öl.E Me er» 4 Grad Wärme geme, cn. während am Erdboden t, Grad Stahe Herrichten, so daß die Demperatur bei 500 Meier Ausstieg um 10 Grad zunahm. Der in den Niederungen sort- dauernde Frost verhindert das Auigchen der Flui c. Plötzlich einietzcndech starkes D-uwett-r mit Regen «n Mittelgebirge konnte in dieicm Jahre her den geivaltigcn -Schncemanen, die hier vorhanden sind, verhängntsvolle tzochwaiserkatastrophen bangen. Ucber den britischen Inseln beträgt schon am Morgen die Demperatur 10—13 Grad Wärme. Diese warmen Lustmastcn werden ui einiger Zeit auch Deutschland überiluten. _ <ßc?idot»faaL Berlin, ö. Fe-r. Ter Nebertall aut d-c> Geld- d r i e s > r ä a e r t> o > i >» a >, n . de» ini Lczecuder 1^12 der Kellner Rost mit zwe, Kameraden verübte, iübrtc geile,n zu einem z,veilen g-ricktlrehen Nachiviel, das mit einer Verurteilung Rosts zu urer Jahren ZnchthaicS eitdete. Als der Augellagie den »ui 6 Jahie Zuchthaus laulende» Antrag dis Staatsanwalts vernahm, versuchte er eine oramalliche Szene ouhusuhreu, Er wa> den, Staatsanwalt Frechheit vor, lieb sich zu Boden gleite» und schrie tortgeseiit: „Mutter, hili mir!" Während der GerichtSbos cm Beratungszicucner weilte, verlttchte Rost eine Ansi-iache a» das Publikum zu Hallen, ivurde aber von den Gerichtsbicncrn daran gehindert. 's* CuftfcMftaDrt. Sin neuer Weltrekord. Chartres, 5. Febr Ter Flieger Gareir stellte einen neuen Well- ekord fiir den Flicg mit fünf Fahrgäste» a»>, indeni er mit ihnen bis z>, einer tdilu- von '25 ' Meiern autsiieg. Fliegerted. Münch«», 5. Febr (Äc'tftn vorcnittag ist ein llnterotstzier des Flieqerbat.iillaus Ddeilcklei'ibeim ans 200 -Me een aul den Kaseriiendo« des Ecieccbalmdolaistons gestürzt. Er war süsoit tot, das Flugzeug ist zeNrümmert. vermischte». *TerTeuselaustreiber. Doß Lberschlesien noch immer das klassische Land des Aberglauben-; ist, beweist eine Verhaftung, die dieser Tage hier vorgcnvmmen wurde. In einem hiesigen Hanse t>attc sich vor einiger Zeit ein Fremder cingemietct. der keinen Namen angav, sondern erklärtr, er sei der „.Heilige Geist". Ein andermal wieder crktärte er, er sei der polnische Papst und wieder ein andermal er sei ein französischer Abbs. Er hielt daher in seinem möblierten Zimmer einen „Gottesdienst" ab, doch bestand seine Spezialität darin, daß er „Teufel austrieb". Er hatte einen ungeheuren Zuspruch von denen, die bekanntlich niemals alle werden, zumal er zu volkstümlichen Preisen arbeitete. Er nahm für das „Austreiben des Teufels" nur 5 Mark pro Stück. Dem sauberen „Heiligen Geist" wurde aber bald daS Handwerk gelegt, als ein hiesiges katholisches Pfarramt von dem Unsng erfuhr und die Polizei benachrichtigte. Tie Verhaftung gestaltete sich aber außerordentlich schwierig, da zu den abergläubischen Anhängern des Mannes auch die Inhaber der Wohnung gehörten und ihn auf alle mögliche Weise gu schützen suchlc» -Als die Polizei erschien, kniete der „polnische Papst" nieder und ließ sich von dem gläubigen Volk die Hände küssen, nachdem er das ganze Haus gesegnet hatte. Die Polizei küßte ihm aber nicht die Hände, sondern ersuchte ihn, zur Wache zu folgen, was der Mann auch ruhig lat. Es stellte sich aus der Polizei heraus, daß der Betrüger der Tischlergrselle Johann LisczhnSki ist, der tvegeu Stellungslosigkeit zuletzt ui 'Bricg — Latrinenwärtcr gewesen ist. * Der Kamps an Tolstois Grab, ltm das Grab des Einsiedlers von Jasnaja Poljana spielt sich ein höchst unersreulicher Kamps ab. In der unmittelbaren Nähe der Grabstätte haben die mehr gewinnsüchtigen als dankbaren Bauern eine Schenke errichtet, und am Grabe selbst lassen sic ihre Kinder die andächtigen Besucher anbettcln. Um diesem widerwärtigen Treiben ein Ende zu bereiten, haben jetzt die besonnenen Elemente in der Dortvcrsainmlung beschlossen, die Eltern, die ihre Kinder zu solcher Bettelei mi- halle», in Strafe zu nehmen, und zwar das erste Mal mit 10 Rubeln, das zweite Mal mit 25 Rubeln und dann im Wiederholungsfälle ourch den Landeshauptmann zu drei Monaten Hast verurteilen zu lassen. Auch der Baumstamm, aus dein Tolstoi sein Testament unterschriebe» hat, wird zu geschäftlichen Zwecken ausgenutzt. Einige Bauern schneiden Stücke davon ab und verkauseii sic an Interessenten. Ber« nünsligcrwcisc beschloß die Dorwersammlung, den Stumpf auszugraben und einem Museum zu überweisen. * Lepinc al s Shcrlvck Holmes. Eine amüsante kleine Episode ans den Tagen des Verschwindens der Mona Lisa weiß die Tribüne de Genevc zu verraten. Al- der Tiebstabl bekannt wurde, war Lepinc, der damals noch Polizeipräsckt war, nick! in Baris, er wurde ielegraphisch ventäudigt, reiste sofort zurück, trat am 'Morgen nach dem Diebstahl in der Scinestadt eu, und platzte wie aine Bombe in den Louvre, wo er sosort drc Oberleitung aller Recherchen übernehmen wollte: „Schlictzt Jofori alle Türen!" war das erste, >oas er ansriec, dann versammelte er alle Beamten. Polizerkommissare und Tc: -' ; um sich und lieh sich genau den Tatbestand und die bistzec uttelten Umstände berichten. Als der Bericht beecrdct war, kam ei» Augenblick bei Schweigens: Lepine furchte die Brauen, dachte angestrengt nach, dann, mit der Miene eines Diktator«, erklärte er: „Der Rahcnen ist gesunden. 'Also mutz das Bild in dem Zctstande ge,acht werden, in dem cs sich vor seiner Entdeckung besand De, Täter cntiernle den Rahmen, uni das Bild besser verstecke» zu können. Mn suchen setzt also eine Rolle, denn der Täter bat daS Bild zuiammengcivllt . . ." Hier fiel schüchtern der Konservator des Louvic-Museunis ein: „Aber . . " Jedoch Lepine l,r» ihn nicht aus'prechen, „bitte!" ries er befehlend und snhr da:i i sort. den Hergang des Diebstahles zu erläutern. Als er dan-i i-in.- Hnpo- lheie imt einer Sicherheit, die keinen Wider,pru.h ö-.iLvto genau erllatt hatte, wandte ft sich mit der Miene des Feldherr-», der die straleaiickun Probleme scu'be» gelüst hat, mit it un.liclunn und nachichiigem Lächeln zu dem Skunngclehr c»: „lind »un: was mollic» Sie bemerken?" „Ick ivoMc dem L>crrn Prä- sekien nur bemerken, datz das Bild „ich! gut gerillt ,ei„ kann, denn es ist aut Solz gemalt" Einen Augenbtick deerickre be- Iictencs Schweigen, dann erklärie der Potizeiprälekl gelassen: „Nun, ja, ich habe es ja gleich gesagt . . Mär!te. I-. Filadbcrg, 4. Febr. Der hentloe W oche » markt war >ür die Inh eSz-il'«tark besucht, socvo l von ».'»'er», alä von Ver° känt rn. Nliiue»ttt-ti war viel Bull-i- z» Markte gebrack,: dar Pk,ind koüeie 1,25-1,30 Eier das Stiick 9 Plg, Käse dar Piccnd 2 - Ptg., Käseniatte 20 M,i. da« Pk»»d. Biel Feldsalat stand ,»n> Berka»'. T e Fletlchpreise lind ct'vas hernnti-ruegangeiu (In einem Teil der Auslage wiederholt.: le Fraot-snr« a. M. V > e h h o' uia r r t b e r, ch! oo-n 5. Febr. Aii'trleb: üimdcr 7-h Ockien l9. Bullen I, Kühe und Farcen 5«. Kälber -'Sk. Schate 1-9, Schweine 8,3. Ziege» 0. Teicdenz: Kälber und Schate laugsain gera'»"t.^ -ck'i'eine ziemlich rege. Preis kür 100 M, uevecio- to.»ia.>>l- gewicht. Kälber. Mt. Mk. ftfinHe TtnHfafbcc ...... ... 68 76 113 117 ???ittlerc Malt- und de^e Tauikäl^^r. . . . 5S 02 9S -105 Geringere Malt» und qute Saugkälsse -58 83-95 Geringere Saugkälber...... ... 48- -51 81-86 € rf) rt f •. S1aNma''tschale: 96 -98 Mosllämmer und junaere Mastbrmme! ... 44 46 C rb w e i n Schweine v0tt8«)- 100 '<-g» Leben dgeivich«........ 53.00—56.00 68. .00- 70.00 Pollklcilchige Schwein» unter SO k» Leben dg ewccht • .......53.00—66.90 6 H .00— 70.01 KoUfleischige Schweine von 100—120 k; Lebendgewicht........ 53.00—56,00 68.00— 70 00 P-Ui.etschige Schweine von 120 —150i{ Lebeiidgelvicht...... » 53.00 —56.00 63.00 — 70.00 Meteorologische Beobachtungen der Sta ion Sieben. Febr. 1914 |-o 1 LH-Z g°s l! Z2 *1 |f i| S *o ^ JIM iii Letter 5. 2” 755,3 1.9 3,6 69 WMY 2 0 Sonnenschein 5. 9-> 754,6 -3.3 3,3 93 NE o Nebel 6. 1 * -8,0 2,4 96 still „lll 10 Höchste Temveratur am 4, bis 5. Februar 1914 — 4- 31>°k!. Niedrigste „ ,4,5. , 1914 —— 7,8*, Niederschlag: 00, mm. 3^5 »Ftz- jrp 5 ©5 .-58- i!i ■a-r, — — »-Tt — p: --> r 5 o rti, a CX) x 3 **** ^ ej CO — w r— —, 23 »«5„;r= a ?s.f s s.»!s' Äe-fS-HifÜI 3 £ '■ g Ä “Mal*. »s ~ - . "* " — ü 5 » 5 ? 2 — St 3 TU' 2 S* - -er errr- “25 = T- 2-5-1 Zug*,'' S.3 - S 2's-.-»S"-"äp A5 3 § ^ S -r £ - I -2s 5 DF = S-a-s = 3 <2. = = 2.~=n„c a ‘ Js», ” S-* ' 2 7 1 = og & 2f-5f- J555 S3f 5-2.3 O -r^ =— ° H, 11 ^ » ^ r: ?§ " ° * § i* 31 - = s ----S5ä a O°=S? 2 | f.X ? -» 2 »'s ~3 Z, % 3 Hs' ? «LHS 3 3 3©f f= s fga 5 __ 2 1 • ’ 5‘ = AZ r* 3 IfS »afg-^S & r=> ”* »e-_ ■■ .1--, 2 2 tS = S s‘-> 2 3>?;1 ~ y ° * a 5 ®S£ c 2 3 <5b T" ,-c. — r- - ''S‘§9| e-s-Z3^F?S-»Zs-- ° 3 3 _ a” ? ©b 5 3 «^Z---3'Z-'Z.KL S’cr 3 - 3 ^a- «ja: = = s- “3 „-2= 2T.3 H i; 3 "Z- 3 =‘3.S -ei 3 = I fs? I -Z ifi f? D 2.0 o ■8'^ 3 2 ® 3 2ö(fl E 2-0 Z. o ®|||g C - a & * « • «— er* S 1 - 2 £) 2 «SÄ - "E§s- rs » 3-5 H S-2 »ä LH" -« S llf 5-2 = S-2 1 = 1 fl S*fl i?2 -O? 2 •SB- f-B. m ^ 3°.»- E 3. 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