Hr. 13 Zweites Ci'ldjcml täglich mit Ausnahme des- Sonntags. Blatt 164- Jahrgang *>« „«itfifncr 5-milicndläiIer" werden dem »Anzeiger^ viermal ivöchcntlich beigelegt, das „Kreisblatl für den Kreis Gießen" zwennal wöchentlich. Die „tandwirtschasüichen Zeitsragen" erscheinen monatlich zwennal. General-Anzeiger für Gberhejsen 5reitag, 16. Zanuar 19^ Rotationsdruck und Verlag der Vrübl'Iche» Universiiais - Buch- und Sieindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» siraß: 7. Expedition und Verlag: e=®51. Redattion:sEN2. Tel.-Adr.:A»ze,gerGieße,i. Mb. Deutscher Reichstag. 101. Sitzung, Donnerstag, den 15. Januar. Am Tische des Bundcsrats: Dr. Delbrück, Caspar. Präsident Tr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Mi». Eine neue Zulerpellakion über Zabern. Eingängen ist folgende Interpellation v. Paper (Lolkspz: In deni Strafverfahren gegen den Ober st von Reuter aus Zabern wegen unbefugter Amtsanmaßung und Freiheitsberaubung hat der Angeklagte — anscheinend unter Zustimmung des Kriegsgerichts — sich darauf berufen. daß nach Vorsckjriften, welche für das preußische Kontingent der deutschen Armee in Geltung seien, ein Militärbefchls- habcc berechtigt sei, ohne Requisition der Zivilbehörden die polizeiliche Gewalt an sich zu nehmen, ohne daß der Belagerungszustand verhängt ist und ohne daß die Zivilbehürdc durch äußere Umstände außer Stand ge,etzt ist, militärische Hilfe zu requirieren. Oberst v. Reuter hielt sich nach seiner Aussage auf Grund dieser Dienstvorschriften für berechtigt, ohne von der Zivilbehörde ersucht zu sein, am 28. November 1913 dre öffentliche Gewalt in Zabern an ftch zu nehmen, einen öffentlichen Platz und ernc Straße durch das Militär räumen zu lassen, zahlreiche Verhaftungen vorzunchmcn und die Verhafteten bis zum anderen Vormittag in Haft zu behalten. Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um den dringe n d e n u n d st ä n d i g e n Gefahren zu begegnen, welche sich aus dieser Sachlage für die persönliche Sicherheit der Bevölkerung, für das Ansehen der Zivilbehörden, aber auch der Armee, und für die Verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Grundlagen der persönlichen Freiheit ergeben, und um die in Elsaß-Lothringen einaetretene lebhafte Beunruhigung der Bevölkerung zu beheben. Präsident Dr. Kaempf: Auf unserer Tagesordnung steht an erster Stelle die Interpellation Albrecht über Zabern. Das Haus ist wohl damit einverstanden. wenn ich auch gleich bezüglich dieser Interpellation von Payer an den Stellvertreter des Reichskanzlers die Anfrage richte, ob und warm die Interpellationen l ^antwortet werden. Staatssekretär Dr. Delbrück: Der Reichskanzler ist bereit, beide Interpellationen zu beantworten, sobald das gegen die beteiligten Offiziere schwebende Verfahren rechtskräftig abgeschlossen ist. Der Reichskanzler wird sich wegen des Termins mit dem Präsidenten verständigen. Die Sonntagsruhe im Havvetsgewerde. (Erste Lesung.) Ministerialdirektor Dr. Caspar: Die Vorlage soll im Rahmen eines Gesetzes eine Anzahl jetzt geltender Bestimmungen zusammenfaffen, die die Sonntags- arbeit im Ha udelsgc werbe regeln. Die Meinungen sind geteilt, w« weit eine Beschränkung der allgemeinen Sonntagsruhe notwendig ist. Eine allgemeine Regelung ist nur soweit möglich, als dre entsprechenden Vorschriften überall durchgeführt werden können. Es wird sich fragen, wie weit das für das Handels- ge werbe möglico ist. Die völlige Sonntagsruhe lehnen die Geschäftsinhaber ab, die in den Einnahmen des Sonntags einen wesentlichen Teil ihrer Gesamteinnahmen finden müssen, und andererseits die ländliche Bevölkerung, die nur am Sonntag diese wirtschaftlichen Interessen befriedigen kann. In ihren Gegensatz zu den Wünschen der Angestellten sucht die Vorlage einen Ausgleich zu schaffen. Abg. Bender (Soz.): Der kümnr erliche und unzulängliche Gesetzentwurf hat vollkommen enttäuscht. Mit der Gesundheit und den Kräften der Angestellten ist der allerschlimmste Raubbau getrieben worden. Bisher sind alle Anregungen des Reichstages in den großen Papier korb der Regierung verschwunden. Dem sozialpolitischen Eifer des Reichsamtcs des Innern kann in dieser Frage kein gutes Zeugnis ausgestellt werden. Die Regierung arbeitet eben nur im Interesse der besitzenden Klassen. Sie .bleibt jetzt sogar hinter ihren früheren Vorschlägen und namentlich hinter den Vorschriften verschiedener Gemeinden zurück. Auch die Beschäftigung jüdischer Handclsangestellter am Sonntag sollte nicht gestattet werden. Auch die Angestellten in Theatern, Vergnügungslokalcn und in Apotheken haben einen Anspruch auf Erholung. Geht das am Sonntag nicht, so müssen sie in der Woche eine 36stündige Ruhepause erhalten. Warum verbietet die Regierung nicht die Sonntags- Arbeit in den Kontoren? Heute ist die Sonntagsruhe schon in vielen Städten für die Kontore vollkommen durchgeführt. E§ ist also bewiesen, daß das ganz gut geht, ohne daß das Han- delsgewerbc dabei leidet. Denn nirgends werden Klagen darüber laut. Die Sonntagsarbeit macht den Arbeiter kurzlebig. Alfred Lichtwark f. Wenn Kunst nach einem Worte Goethes tot ist, wenn sic nicht ruf Menschen wirkt, und nur lebendig bleiben kann im innigsten Zusammenhang mit dem Genießenden, dann ist Alfred Lichtwark incr der größten Lebendiqmacher der Kunst gewesen, die wir bc- essen. ein Mann, dessen Lebenswtrk darin bestand, dem Schönen ine Resonanz im Volkögemüt zu verschaffen und dadurch den Kunstwerken selbst wieder ihre Seele zu erwecken. Ein genialer Ännster- üeher ist in ihm von uns gegangen, zugleich ein Kunstorganisator ,nd Kunstpolitiker, der mit den Schätzender Vergangenheit die Gegenwart befruchtete und tausendfältige Saat aussäte, die in ganz Deutschland herrlich ausgegangen ist. Aus der Wissenschaft strebte er ins Leben, ans dem Kleinen ins Große. Er hat Hamburg zu dem Vorort einer mächtigen künstlerischen Bewegung gemacht, die ihre Pellen fluten ließ in weite Kreise des Publikums und der Kunftübung. Ein geborener Hamburger, wandte er sich früh der jungaus- strebenben Kunstgeschichte zu und empfing von den beiden lebendigsten Geistern, die damals an deutschen Universitäten lehrten, von Springer in Leiv-ig und Hermann Grimm in Berlin, entscheidende Anregung. Die deutsch Renaissance, die damals im Kunstgewerbe so eifrig nachgcahmt wurde, beschäftigte ihn in seinen ersten Arbeiten, und in seiner Geschichte des Ornaments in der deutschen Frührenaissance erprobte er zuerst den klaren Blick für die Kunst- sormen, für das Typische und lebendig Fortwirkende im künstlerischen Schaffen. Doch ^rüs der Geschichte drängte es ihn rasch in die Praxis, und 1886 wurde dann der 34jährige an die Stelle berufen, an der er bis zu seinem Lebensende gestanden, von der aus er Außerordentliches gewirkt hat. Lichtwart wurde Direktor der Käinsthalle in Hamburg und schuf nun fast aus dem Nichts heraus ein großartiges Museum, das für alle andern derartigen Sammlungen vorbildlich und mustergültig wurde. Bon Anfang an stand sein Plan fest: Nicht ein Museum fchlcchthin wollte er schaffen, wie es viele andere gab, sondert! ein hamburgisck-es Museum, das bewußt ans der, Pflege einer volkstümlichen und bodenständigen .Kunst aufgebaut ist> das nicht nur Gelehrten Material zu Studicn- zwecken liefert, sondern ins Volk hineingreift als ein lebendiges Wesen, die Kunst unserer Tage fördert und anregt und den Sinn für das Schöne übdrall hinträgt. Mit allen Mitteln der modernen Abg. Erzberger (Zenir.)r Wir waren schon immer wahre Freunde der Sonntagsruhe gewesen. Schon zu einer Zeit, als noch alle anderen Parteien dagegen waren/ Als 1873 die Einführung der Sonntagsruhe noch mit einer Stimme Mehrheit abgelehnt wurde, schrieb selbst die „Kölnische Zeitung": Nun hat .er gesunde Menschenverstand mit einer Stimme Mehrheit gesiegt. Seitdem ist cs bester geworden. Die Sonntagsruhe in der Industrie müßte schon am Sonnabend um 6 Uhr abends beginnen, damit statt der jetzigen 24 stündigen eine 36 stündigc Ruhezeit eintritt. Leider bezieht sich das Gesetz nur aufs Handelsgewcrbc. Einen ungünstigeren Zeitpunkt zur Einbringung des Gesetzes konnte sich die Regierung wohl nicht aussuchen. (Sehr gut!) Der Grundfehler der Vorlage ist, daß sie alles n a,ch der Schablone regelt. (>sehrrichtig«) Das ist wieder die große Dampfwalze, die über alle Gaue des Vaterlandes rollt und alles glatt machen will. Alles wird nach dem Berliner Blick beurteilt. (Sehr wahr!) Wenn ich Staatssekretär wäre . . . (Heiterkeit). Im Herrenhausc fürchtet man ja schon das parlamentarische Regime. Aber wenn jemand aus diesem Hause einmal Minister wird, dann muß er zu der kleinen aber mächtigen Partei auf der äußersteii Rechten gehören. (Sehr richtig!) Aber we n n ich Staatssekretär wäre, dann ließe ich nicht einen Geheimrat an so einer Vorlage hier in Berlin hcrum- doktoren, sondern dann schickte ich ihn hinaus aufs platte Land zu den Bauern und kleinen Gewerbetreibenden, damit er dort die praktischen Verhältniste kennen lernt. Dann wäre die Vorlage bester, klüger und mehr den Verhältnissen angcpaßt. (Sehr richtig!) Bismarck sagte einmal, jeder Vortragende Rat müßte ein Rittergut oder eine Fabrik haben. Damals waren solche Räte noch Raritäten. Heute würden die Rittergüter nicht aus"eichen. (Heiterkeit.) Das Gesetz würde sehr bittere Folgen haben, die wir uns wobl überlegen müssen. Die sozialdemokratische Forderung der völligen Sonntagsruhe würde den glatten Ruin zahlreicher Familien des kaufmännischen Mittelstandes zur Fplge haben. (Zuruf der Soz.: Unsinn!) Das ist ungehörig, aber bei Ihnen nimmt man das nicht so genau! (Beifall.) Tie Einnahmen am Sonntag machen für viele Gewerbetreibende nicht den siebenten, sondern den vierten Teil der Wocheneinnahmc aus, in manchen Gegenden sogar 80 Proz. Mit der völligen S mntagsrube würde man nur die großkapitalistischen Unternehmer stärken. Der Hausierhandel würde gewaltig zuncymen. Darum ist ein völliges Verbot der Sonntagsarbeit für uns nicht annehmbar. (Lärm der Soz. und Zurufe: Das christliche Zentrum!) Darauf antworte ick Ihnen mit den Worten des Stifters des Christentums: Ach, Ihr Heuchler! (Lcbh. Zustimmung im Zentr.) Der Mittelstand erwartet jetzt tatkräftige Hilfe, und mit Recht. Und da kommt man mit einer Vorlage, die die Einnahmen des Mittelstandes vermindern muß. Wir hoffen, daß der Hansa-Bund uns unlcrfrützt. (Lachen rechts.) O, der Hansabund ist doch entwicklungsfähig. (Lachen rechts.) Mit der Erweiterung der Sonntagsruhe müssen wir schrittweift Vorgehen. Die Regierungsvorschläge sind nicht zweckmäßig. Dir Arbeitszeit sollte nach der Einwohnerzahl der Gemeinden festgesetzt werden. Die Beschäftigung sabbattreuer Juden an den Sonntagen müßte gestattet sein, allein schon, um den Christen in denselben Geschäften ihre Sonntagsruhe zu ermöglichen. Die * betreffende Bestimmung des Gesetzes ist übrigens rn einem Deutsch verfaßt, daß man glauben sollte, sie sei aus deni Hebräischen übersetzt. (.Heiterkeit.) Eine Statistik über die Sonntagsarbeit der Kellner wäre sehr dankenswert Der Polizeipräsident von Berlin, der jetzt nach Beendigung der Affäre Zabern Zeit dazu haß (Heiterkeit) sollte eine solche für Berlin und seine Vororte anstellen. Die Vorlage muß in der Weise umgestaltet werden, daß die Sonntagsruhe möglichst ausgedehnt wird. Abg. Dr. Lift (Natt.)'/ Der Gedanke der Sonntagsruhe ist in der Entwicklung begriffen. Soweit allerdings, wie die Sozialdemokratie will, daß die vollkommene Sonntagsruhe cingeführt wird, können wir nicht gehen. Eine Revision der ganzen Gewerbeordnung würde sich empfehlen, um ihr eine authentische und übersichtliche Fassung zu geben. Es wäre dann möglich, Betriebe, die jetzt noch sticht der Gewerbeordnung unterliegen, mit hineinzuziehen. Dabei ist ein besonderes Gesetz über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe wohl möglich. In diesem ist Sonntagsarbeit die Regel, während sie in anderen gewerblichen Betrieben Ausnahme ist. Die Herabsetzung der Sonntagsarbeit in den offenen Handelsgeschäften ist zu begrüßen, aber ihre gänzliche Abschaffung ließe sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht rechtfertigen. Die Praxis würde die Theorie sehr bald umftoßen. (Sehr richtig!) Ein Gegensatz zwischen den Verbänden der Angestellten und Prinzipale war natürlich gegeben, aber cs ist nicht richtig, daß die Vorlage einzig und allein Rücksicht auf die Unternehmer nimmt. Sie hat einen an sich richtigen Mittelweg eingeschlagcn. Die wirtschaftliche Lage eines großen Teiles des Handelsstandes ist noch nicht derart, daß er auf die Sonntagseinnähme verzichten Museumskunde, die er während dieser Arbeit zum großen Teil mitgeschaffen, hat Lichtwark dieses Ziel verfolgt und zunr glücklichen Ende geführt. Zunächst waren es wissenschaftliche Ausgaben, die er bei der Schöpfung seiner Sammlung löste. Er entdeckte gleichsam erst die ganze Hamburger Kunst: in seiner forradoügibcten und anschaulichen Darstellung zeigte er die Größe des großen Hamburger GotikerS Meister Francke, offenbarte die Genialität des Ba rockmolers Matthias Scheits, den er beiden vorzügliche Monographien widmete, und wandte sich dann in mehreren bahnbrechenden Arbeiten der Erforschung der Hamburger .Kunst zu Anfang des 19. Jahrhunderts zu. Lichtwark hat den heute so tief verehrten Romantiker Runge entdeckt, den erstaunlichen Realisten Julius Oldach, hat die hohe Porträtkunst Hamburgs in einem umfangreichen Werke dargestellt und die reiche Entwicklung der Landschaft um die Gestalt Hermann Kauffmanns gruppiert. Bon all diesen Taten werden noch auf lange hin die Säle der Kunsthalle erzählen. Doch dadurch ward zugleich die Aufmerksamkeit am die bisher verkannte und vernachlässigte Malerei der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelenkt. Was uns in der deutschen Jahrhnndcrt- ausstellung alS Offenbarung entgcgcntrat, das war zum guten Teil dem Schaffen Lichtwarks zu verdanken, und so wurde diese Rettung einer großen nationalen Kunstepoche zu einem persönlichen Triumph für ihn. Aber damit war daS Wirken des Museumsdirektors nicht erschöpft. Er berief realistische Maler nach der Älsterstadt, die die Schönheit Hamburgs in Bildern fcsthalten sollten und dadurch den Hamburgern die Augen für ihre Heimat öffneten. Tie besten modernen Landschafter haben so auf seine Anregung hin imponierende Werke geschaffen, und zugleich begründete er eine Art hambur- gisches Pantheon, in dem gute Porträts hervorragender Hamburger Persönlichkeiten die Erinnerung an. sie wachhalten sollten. Es wird unvergessen bleiben, daß dadurch Liebermann Gelegenheit gegeben wurde, Aufgaben, besonders des Gruppenporträts, zu lösen, die sonst vielleicht nie an ihn herangetreten wären. Tie Knnsthalle wurde so ein wichtiges Moment in der Entwicklung moderner Kunst, aber noch bedeutsamer wurde sic für das Kunftgewcrbc. Lichtwark ist als einer der einflußreichsten Reformatoren ausgetreten, die die Kunst des Alltags aus einem betrüblichen Tiefstand enkporriffen und einer neuen Bewegung Bahn brachen. Wie hat Ltchtwark in seinen volkstümlichen und humorvollen, dabei hoch jo wirksaMtt könnte. Wir sind ans einen Kompromiß zugunsten des kaufmännischen Mittelstandes angewiesen. Der Kompromiß kann nicht nach einer Schablone gestaltet werden, sondern muß Rücksichten auf einzelne und besondere Verhältnisse nehmen. In kaufmännischen Betrieben ohne offene Verkaufsstellen läßt sich eine vollkommene Sonntagsruhe sehr gut durchführen. In den andern darf die Arbeit nicht durch Pausen unterbrochen sein, höchstens durch den Gottesdienst. Vielleicht läßt sich auch eine Stunde festsetzen, in der sie spätestens beendet sein nurß. Der Ausnahmebestimmung über gesctzestreue Juden können wir sehr wobt beitreten. Es kommen für sie verhältnismäßig wenig Geschäfte in Betracht. Die Prokuristen können vielfach wie Prinzipale angesehen werden, die besondere Behandlung ihrer Stellung ist also durchaus gerechtfertigt. In der Auswahl der Behörden, die zum Eingreifen berechtigt sein sollen, geht der Entwurf zu wett. Zum mindesten sollten die beteiligten Kreise gehört werden. Ebenso soll das Gesetz auf die Besonderheiten der Verhältnisse im Deutschen Reich Rücksicht nehmen. (Beifall.) Abg. v. Earmer-Zieserwitz (Kons.): Es ist erfreulich, daß die ganze Materie der Sonntagsruhe und Sonntagsarbeit jetzt in einem Gesetz einheitlich geregelt wird. Sechzig Städte haben bereits die volle Sonntagsruhe cingeführt, z. B. Königsberg (Pr.), Mannheim. München, Offenbach. Allerdings werden damit unverhältniömäßige Ansprüche an die Wochenarbcit gestellt. In den Landstädten ist der Kaufmann aber hauptsächlich auf die Landkundschaft, d. h. auf den Sonntagsverkauf angewiesen. Die Konkurrenz der Waren - und .Kaufhäuser, die jetzt sogar in Automobilen auf die Wanderschaft gehen, schädigt ihn ebenfalls sehr schwer. Ein Verbot der Sonntagsarbeit würde die Bevölkerung dem schädlichen Hausierhandel ru die Arme treiben. Dje Kirchenzeit ist unter allen Umständen freizuhaltcn. Dem sogenannten Judenpara- graphcn stehen wir sympathisch gegenüber. Die Opfer, die das orthodoxe Judentum seinem Bekenntnis bringt, sind durchaus achtungswert. Abg. Gmisfer (Vp.): Die Wunsche der Angestellten, einmal in der Wocye auszu- spanncn, sind durchaus berechtigt. Ihnen trägt der Entwurf Rechnung. Tausende und Abertausende selbständiger Geschäftsinhaber haben sich sür Bcibedattuno des bisherigen Verhält- Iiisses ausgesprochen. Die Ladcninhaber widersetzen sich der bolle» Sonntagsrube nichi aus Ucbelwollen gegen ihre Angestellten, sondern unter dem Zwang der wirtschastlichen Lage. Ihre berechtigten Wün'ch- sollen auch anerkannt toerdcn. Die gegebenen Vcrbälinisse sprechen hier sehr nachdrücklich mii. Die offenen Geschäfte tonnen auf die Sonntagseinnabme nicht verzichten. Die berechtigten Forderungen des wirtschaftlichen Lebens lonnen nichi vernachlässig! werden. Gegen die Ausnahmestellung jüdischer Angestellter habe ich doch einige Bedenken, sie würde eine Bevor. ZUgnng jüdischer Geschäfte bedeuten und den Antisemitismus wie. der ausleben lassen. Ihre Kontrolle ist überhaupt nicht durch- zusnhrcn. In diesem Zcilpunkt sind mit Rücksicht ans die Lebens- und Wirts Inftti bei, Interessen des Gewcrbestandcs nichi alle Wünsche zu erfüllen. Den Entwurf halten wir für eine brauch, bare Unterlage. Abg. Tombeik (Pole): Ter sozialpolitische Fortschritt kann nur schrittweise erfolgen, darf keinen Sprung ins Dunkle bedeuten. Aus dem Lande läßt sich die volle Sonntagsruhe nicht durchführen. Abg. Wermuth (Rp.): Die HandclSangesicllten haben eine rege Agitation für die bolle Sonniagsrnbe cingclciiei und dabei auch bchauptci, das; sic selbst von den meisten Prinzipalen gewünscht ioird. Das ist aber nicht der Fall. In den kleinen Städten hedentet die volle Sonntagsruhe für die Geschäfte den Ruin. Man sollte deshalb die Heine» Städte unter 100 000 Einwohner anders stellen als die Großstädte. Abg. Mumm (Wirtsch. Vgg.): Die Vorlage bringt sehr wciitg. Hoffentlich mache» Männer, wie Naumann, Hitze und Marguari ihren Einfluß in der Kommission geltend, damoir ctivas Besseres geschossen wird. Der Vcrbaiid christlicher Kauflcutc fordert völlige Sonntagsruhe. Es gib! viele Kauslcuie, die Sonntags nie einen Geschäftsbrief, nie ein Telegramm össnen- Das Ausland ist uns da weil voran. Das größte Handelsvolk der Wett, die Engländer wissen sehr wohl,, was sic tun, wenn sie den Sontitag frei lassen, um die Nerven zu siärten und die Seelen zu speiset,. Der Paragraph zugunsten der orthodoxen Juden ist ein Ausnahmegesetz gegen die christlich-deutschen K a u f 1 c u t e. Dagegen Huben wir weitgehende Bedenken. Das Haus vertagt sich Freitag 1 Uhr pünktlich: Kurze Anfrage,» Schluß 8 Uhr. Schriften das Schlechte bekämpft und das Gute gefördert! An die Stelle des furchtbaren Mgkartbuketts setzte er den schön gewundenen Blumenstrauß: aus dem ivcilcii .Arbeitsjclde des DÜctUln tisnius" rottete er die üppigen Schlingpflanzen geschmackloser Hand arbeiten aus und brachte echte und bildende Worte an ihre Stelle: für die Reform des bürgerlichen Wohnhauses trat er ein, indem er die sinnlosen Ueberrestc des alten Palastbaus in Fenstern »nd Türen nachwies. Fürc ine Vertiefung der völlig znm Handwerk gewordenen Photographie, für eine Nenbelebung der Medaillenkunst hat er sich eingesetzt, und verdient deshalb den Ehrennamen eines Vaters des modernen ÄunstgcwcrbcS, das seiner Propaganda unendlich viel verdankt. Und aus dem Kunstförderer wurde ein Kunsterzieher im großen Stil. Tie Volkskunst, die im Mittelpunkt all seiner Arbeit stand, wollte er auch dem Volke gewinnen. So ist er als ein trefflicher Lehrer unermüdlich tätig gewesen für die Erziehung zum Kunstverständnis, zum Farbensinn, zu einem geläuterten Geschmack. Turch Grün düng von Vereinen, durch geschickt geleitete Ausstellungen, durch Vorträge kämvite er sür seine Ideen. Seine vorzüglichen „Uebun gen in der Betrachtung von Kunstwerken" haben der künstlerische» Erziehung ganz neue Wege gewiesen. Sein Glaube war, daß der Kunst im modernen Leben eine ganz neue, universelle Stellung gebühre: sür eine Heimatskunst und eine Volkskunst hat er sein Leben und Wirken eingesetzt, für eine Kunst, aus der Heimat ge- baren, dem ganzen Volke zu eigen. Dr. P. L. ‘ — Sarah Bernhard erhielt, wie schon drahtlich gemeldet, das Ritterkreuz der Ehrenlegion. Ter Ordensrat der Ehrenlegion hat sich seit Jahren geweigert, die dieser Künstlerin pan per schiedenen Regierungen zugedachten Auszeichnungen zu genehmigen. Erst dem gegenwärtigen Unterrichtsmiiiistcr Bioiani gelang es, den Oidcnsrat umzustimmcn. — Kurze Nachrichten auS Kunst und Wissenschaft. Ter Tirektor Otto Brucks, Kgl. Bayrischer Komme, - sänger, der seit sechs Jahren das Metzer Stadtthcater leitete, ist nach mehrtägigem Unwohlsein gestorben. — In P e t c r s b u r g ist der Geologe Tschcrnyschcw, der im Jahre 1895 die Nowajasemlia durchquerte, gestorben. Aus dem preuhijchen Abgeordnetenhaus. Berlin, 15. Jan. Der heutige bi-ittc Tag der ersten Lesung des Voranschlags erhielt sein charakteristisches Gepräge durch die Reden der Herren von hcydebrand, Schisser und von Bet hm an n - voll weg. Der konservative Führer gefiel sich zunächst in ironischen Anzapfungen der freisinnigen, woran sich später gute Ratschläge für die Ralionallrbcrale» anschlossen. Nur an dem vielgeliebten Zentrum batte er nichts cnisznsetzen. Der Berliner Volizeivräiidcnt Herr p. Jagow ist den, Redner, wie lvunle es auch anders sein, niach wie vor eine höchst sympathische^ .Persönlichkeit, ja mehr als das, „einer unserer tüchtigsten preußischen Beamten, von, dein wir noch Bedeutendes sür den Staat erwarten." Schart setzte von .Hcydebrand sich mit Herrn von Beth- mann-vollweq in Widerspruch durch das Kernstück seiner Rede, die Verteidigung der .Haltung der Konservativen bei den letzten Steucrgcsctzcn im Reiche. Er wollte zwar die schwierige Lage der Regierung nicht verkennen, aber „sie mußte doch die stnn- niung im Lande kennen, sie mutzte wissen, das; das ganze -.and die Wehrvvrlagc wollte. Warum hat sie da nicht die Volksvertretung zum T e u s c l gejagt?" Eine Aeutze- rung, die später der nationalliberale Abgeordiiete Lchisser ins rechte Licht zu setzen nicht verfehlte. Herr Schiffer lordertc eine Prüfung der Rechtsbesl indigkeit der Kabincttsorder von 1»_U. Der Ministerpräsident erklärte, daß er seinen Beruf fort dauernd darin sehe, das preußische Staatswescn zum .lusdruck zu bringen in den Geschäfte» des Reiches, itt den Gcfchafteu der ganzen deutschen Gesamtheit. Denn wenn das nicht geschehe, dann sei olle Arbeit, die Preußen geleistet hat, seit dem Anfang dcS vorigen Jahrhunderts sür die Errichtung des Tcutichen Reiches vergeblich gewesen, und da^ soll sic nicht. Bei der Verteidigung seiner Steuerpolitik konnte er die Bemerkung nicht unterdrücken, daß die konservative Partei es von vornhereiit gegenüber deic Regierungsvorlage» an der nötige» Unterstützung Hobe fehlen lassen. Er ließ sich dann angelegen sein, auch der ihm von Herrn von Hcydebrand angcsonncncn R c i ch s t a g s a u s l ü I u ff g ein Wort widmen, er lieferte hier gewissennaßen^ den schlüingcn Beweis, daß die Auslösung vom nationalen Slandvunkt aus eine große Torheit gewesen wäre. Ter Schluß der Rede war eine Mahnung zum friede». Tie übrigen Redner halten weniger das Ohr des Hanfes, wao schon darin seine Erklärung findet, daß sic immer wieder dieselben Dinge behandelten, ohne ihnen noch sonderlich neue Gesichtspunkte abgewinnen zu können ___ Ans den Reichstagsausichüfferi. :: B c r l i n , 15. Jan. Der Budgetausschuß des Reichstages setzte die Beratung des Voranschlags des Reichsamls des Inner» fort bei der Anforderung eines Beitrages zu den Olympischen Spielen. Es handelt sich dabei NM allseitige sportliche Ausbildung der Jugend. Der Reichs- beitrag von 200 000 Mark soll nur einen Teil der Gesamtausgaben von li' ä Millionen Mark betragen, der Rest wird durch Vereine und Eintrittsgelder aufgebracht iverden. Für das Turnen sind 50 000 Mark vorgesehen, siic die Leichtathletik 10000 Mark, sür die Schwerathletik 20 000, sür das Rudern 20 000, sür Fußball 10 000 Mark, usw. Es handelt sich UNI nahezu zwei Millionen Sportfreunde, die dabei Berücksichtigung sinden sollen. Ein Zentrumsmitglied äußerte zunächst Bedenken gcgefl die außeretatsmäßiae Verwendung von 14 000 Mark in einer so wenig eiligen Sache. Gegenüber dem Sündenregister des Reiches an Eingriffen in die Zuständigkeit der Einzelstaaten sollte man lieber auf die Beteiligung des Reiches verzichten. Für eine Veranstaltung, die in Berlin stattsinden soll, müßte doch vor allem die Stadt selbst einen erheblichen Beitrag leisten. Ein Sozialdemokrat bekämpfte die Forderung mit Rücksicht auf das planmäßige Unterdrücken der Arbeiterlurnbewegung. Ein R c g i c r u n g s v e r t r e te r wies darauf hin, daß auch die Einzelstaatcu das ihrige tun wckrdcn, und Hielt cs für selbstverständlich, daß sich Groß-Berlin ebenfalls an den Kosten beteiligt. Auch der sozialdemokratische Einwand wurde zurückaewiesen. Ter Staatssekretär verwies auf die erhebliche» Auffvendungen Schfoedens und der Stadt Stockholm bei den dortigen Spielen. In den letzten 30 Jahren habest! sich di: deutschen Sportssreunde die Gasttreundfchan des Auslandes gesallen lassen und es wäre des Reickfes nicht würdig, wenn es nun seinerseits versagte. Ein Volks- varteiler ivandte sich ebenfalls gegen die außerrtatsmäßige Verwen- duna von Reichsgkldcrn. Er hielt auch das Vorglehen gegen die Arbeiterturuvereine für verfehlt. Die Veranstaltung der olympischen Spiele als solche sei aber äußerst ivertvoll. Die Ablehnung würde in iveitcn Kreisen unliebsames Auffehen -erregen, 'Auch ein N a t i o - n a l l i b c r a l e r trat für die Unterstützung der Sache ein. Gerade angesichts der Großstadtentwicklung sei die Pflege und Förderung des Sports mit zur Pslicht des Reiches geworden. Die Forderung wurde »'doch mri den Stimmen des Zentrums, der Polen und dckr Sozialdemokraten obgclehnt. Der Ausschuß ging dann zu der Position süir die Ausführung des .Kaligc- sctzes über. Anträge im Reichstag. Die Rationalliberalen, Freikonservativcn, das Zentrum und die Konservativen haben im Reichstage den schleunigen Antrag gestellt, den Reichskanzler zu ersuchen: 1. die Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers voin 8. November 1918 lAnssührnngsbestimmungen zum Gesetz über den einmaligen außerordentlichen Wehrbeitrag) alsbald dahin zu ändern, daß die F r i st z u r A b g a b c d e r B ft- niögeitserklärung (§ 13 der Aussührungsbestimnin»-- gcn) bis Ende Februar erstreckt wird: 2. unverzüglich und jedenfalls rechtzeilig vor Ablauf der Frist zur Abgabe der Bermögenserklärung zu den in der Ocfsentlich- kcit geltend gemachten Zweifelsfragen über den Inhalt deS Gesetzes und der zu ihm erlassenen Ausführungsbestim- mnngen durch Mitteilung an den Reichstag Stellung zu n e h m e n. Der Abg. Erzbcrger (Ztr.) hat im Reichstage folgende Anfrage gestellt: Am 28. November 1913 ist zu Berlin eine B e r e i tt i g u II g Berliner Schutz», an »er gegründkl worden mit dem iatzungsgeniäße» Zweck: Pflege einer königsireuen Gesinnung, Pflege der Kameradschaft und Geselligkeit, Förderung des Slandes- ansehens, Ehrung unserer Jubilare, Erweisung der letzten Ehrung für verstorbene .Kameraden, HUse sür Witwen und Waisen. Tie Behandlung von politischen und dienstliche» Angelegenheiten war satzungsgemäß grundsätzlich ausgeschlossen. Am 2. Dezember 1913 erließ der Berliner Polizeipräsibenr hieraus solgenden Tagcsbciehlk Am 28. p. R. haben versckiiedcne Bersammlnngen von Schutzleulen stattgcsunde», in denen eine „Vereinigung Berliner Tchutzmüniier" gegründet toorden ist Ich verbiete sämtliche» Beamten der Schutzmannschait im Landcsvolizeibezirk Berlin, Einladungen zu iolchcn Versammlungen zu erlassen oder sich an derartigen Per sammkungen zu beteiligen. Aus das am 8. Dezember 1913 cin- gcrcichte Gesuch um Genehmigung der Vcreinssatzung erteilte am 21. Dezember der Polizeipräsident den Bescheid, daß die Genehmi- aung zur Gründung der Vereinigung nicht erteilt sei. Gründe der Versagung der Genehmigung sind nicht angegeben und aus dem satzungsgemäßen Zweck der geplanten Vereinigung gewiß nicht zu entnehmen. Bereits unterm 16. Dezember wurde der Vorsitzende der Vereinigung unter schwerer Schädigung seiner persönlichen Interessen gegen seinen Wimsch »ach Zabrze versetzt. Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu ttin, um der im Reichsvereinsgesctz auch den Berliner Schutzmänneri, garantierten Dereinssrcihcit gegenüber dieser Maßnahme preußischer Behörden Geltung zu verschaffen? Airclie und Schule. A k a d c ni i s ch e 'Ausbildung der B o l k S f ch u l - lehrcr. Der nationaliibcralc Abg. Dr. v. Campe hat im preußischen Abgeordnetenhaus solgenden Antrag betr. die aka-cmischc Ausbildung der BoUsschullehrcr eingcbracht: Das Haus der Abgcordueten ivolle beschließen: die Königliche Slaatsrcgicrnng wird ersucht, im Interesse des «olksschnlwesens 1. (Änrichtungen zu treffen, durch welche Volks)ctnltlehrern die Erlainping einer vollwertigen akadeinischen 'Ausbildung ermöglicht wird, 2. aus dem Kreise der so vorgebildetcn Volks,Aul lehrcr entsprechend den Zusagen der- Unterrichtsverwaltung mehr als bisher die Stellen der Schulaufsichtsbeamten und der Lehrer an Seminaren (Oberlehrer, Prorektoren, Direktoren) zu besetzen und so auch dem anerkannten Bedürtms nach einer Lchrcrlanfbahn Rechnung zu tragen, 3 mehr noch als bisher Gelegenheit zur Vorbcreittmg aus die Mittclschnllehrer- Prüfung zu geben. _ Arbeiterbewegung. Der Ausstai, d in Südafrika. I v h a n ii e s b u r g , 15. Jan. Der A u s st and der Eifenvahnangesteilten l ä ß t n a ch. 250 Mann suchten um die Erlaubnis »ach, die Arbeit im Bezirk Braamsvntein lviedcraufnehmen zu dürfen, _ ' Anr Stadt und Land. Gießen, 16. Januar 1911. Laudesverbaud der hcssifchcii Hausbesitzervereinc. Ter Landesverband der Hausbesitzer-Vereine im Groß- herzogtum Hessen hielt am letzten Samstag in Darmstadt eine Vorst aikdssitzung ab. Fast alle größeren Städte des Großherzogtums waren vertreten. Der dem Verband noch nicht angehörige Verein Bingen hatte wegen der Wichtigkeit der Sache gleichfalls einen Vertreter gesandt. Ten Vorsitz führte I. Grünewald, die Schristleitung Direktor Volk, beide aus Mainz. Die vorgesehene Tagesordnung war reichhaltig: Man verhandelte aus Antrag des Darmstädter Vereins über die Gruiidsteuerfrage, die zweiten Hypotheken und die Erhebungen seitens des Reiches über die Mißstände aus dem Gebiete des Jmmobilienkre- dites; ferner aus Anregung des Vereins Ossenbach über den Entwurs eines einheitlichen M i v e r t r a g c s f ü r g a n z h e s s e n. Hiergegen sprach sich Direktor Volk, Mainz, aus. In juristischer Hinsicht würden ja füglich alle Bertragsforninlare sich dem -deutschen bürgerlichen Gesetzbuch anlehnen, und dieses werde dabei die Grundlage bilden; dafür könne man wohl einen gleichlautenden Text finden; in ihren Nebenck bestimmungen müßten sie aber unbedingt den örtlichen Verhältnissen angepaßt werden und diese seien sehr verschieden: so z. B. in Ossenbach, als Stadt mit vorwiegender FabriiarbeitcrlBevölkcrung, im Gegensätze z. B. zu Darmstadt. Die gestellte Frage, ob es sich nicht empfehle, in jeder Stadt zwei Bertragsformnlare sür größere und kleinere Wohnungen einzuführen, verneinte er ebenfalls. Die Versammlung schloß sich seinen Ausführungen an. Ats- dann fand auch eine Aussprache über die Abzahlungsgeschäft: statt und über die dadurch für die Vermieter herabgeminderte Pfandsicherheit, hier kann nur auf dein Wege der Gesetzgebung Abhilfe geschaffen werden. Vom Verein Gießen >var beantragt lvordcn: an maßgebender Stelle aus eine Herabsetzung des Jnimo- bilienveräußerungsstempcls, des h » p o t h e - kc n st em p els und der B es itzwe ch sel ab ga b e (städt. Zuschlag) hinzuwirken. Dies rief eine äußerst "lebhafte Erörterung hervor, und aus das entschiedenste wurden die für die Allgemeinheit aus diesen gesetzgeberischen Mißgriffen entspringenden Schäden und * Nachteile dargestellt und dringende Abhilfe verlangt, da sonst der ganze städt. hans- nnd Grundbesitz in absehbarer Zeit dem Ruine verfalle. Ter Landesverband wird sich dieser Sache weiter energisch annehm en. Der Vorschlag des Gießcner Vereins, F r a n k s n r t a m Main als ständigen Tagungsort für die Versammlungen des Verbandsvorstandes zu bestimmen, da cs für alle zentral liege, fand nur geringe Gegenliebe. Man war der Ansicht, daß wohl praktische Gründe zur Unterstützung dieses Antrages angeführt werden könnten, doch müsse unter allen Umständen an der bisherigen Gepflogenheit, diese Versammlungen in regelmäßiger 'Abwechslung in nur hessischen Städten abzuhalten, sestgehalten werden. Ueber die gestellten Anträge erstatteten das Referat die Herren v. .Hcssert für D a r m st a d t, L i p p e r t für Ossenbach und H o r st für Gießen. An der 'Aussprache beteiligten sich noch die Herren G r ü n c w a l d, Hahn und Volk, Mainz: M a h r, Schein bs, hauri, Speckhardt und Nachtigall, Tarmstadt; Kaiser, Ossenbach und Sproß, Bingen. Als Ort der n ä ch st e n B e r s a m m l n » g , die im Anfang des Februar 1911 stattfindet, wurde Gießen bestimmt. «I fl ö fl 11 fl 1 1' ID £ 1' 0 l u u n, -c- u ij v uhlu iui oui mnnde durch iolgcndes wprüchlcin angedeutet: „Der Tag um ei» Schritt, zu Neujahr vormärls tritt, und ani Dreikönigsl um eine» Stundenfchlag." Uitd in der Tat beginne» letzt die Tc bereits merklich länger zu werden. In der ersten Heilste des A nats Januar nehmen die Bechmithage NM sieben Minuten, in i zweite» Hälfte nehmen sie uni 21 Minuten zu, di,: Nachmiltc in der ersten Hälsrc um 119, in per zweiten um 29 Minutcki. 2 Nachmittage iind während des ganzen Monats länger als die B miltage, in der ersten Hälitj: beträgt der Unterschied 8, in ! zweiten .Halste des Monats 28 Minuten. " Lesehalle. Eine voraussichtlich vielen ivillkonnm Einrichtung wird in der Lesehalle am Selterstor von jetzt dadurch geschaffen, daß die dort ansbewahrte Sammlni von Bilder werken zunächst jeden Donnerstag, oben 7>/. bi? 9 1 /? Uhr, allgemein zugänglich sein ivird. T reichhaltige Bilder,natcrial (Kunst,noppen, Abbildungen v Meisterwerken der bildenden Kunst, künstlerisch ansgcstatt und kunstgeschichtiiche Bücher rr. decgl.) wird allen Interessen: nach den von ihnen geäußerten Wünschen vorgelegt werd (Gedruckte Verzeichnisse sind an den BesichtignngSabenden der Lesehalle, sowie in der Bücherhalle am Etndtlhea während der AnSleihestnnden kostenlos erhältlich, ** V o in Lichtspielhaus wird uns geschrieben- Wie! werden von morgen --amslag ab im L i ch t I v i e l h a u s , Bai Hof,trotze, groyc wage cinziehen, ist es doch der Direktion l Theaters gelungen, den -bedeutendsten und größten aller di- lahrigen Kumtnlms, „Tic Herrin des Nils" in Giei rur Vorführung zu bringen. Die Herrin des Nils übertrifft n Luo vadis und dar, tatsächlich als ein Wunder der .Kinema gravhie bezeichnet werden, ^.ie nette Summe von 400 000 ? l>at allem dre Ausstattung dieses Munftfilntö gekostet. Ni toemfler al» .»000 Personen nnrken mit und man ichätzt fiel '"m" d» Gesamtkasten des Films mit m, dchen» Million Mark beziffert. Das üppige Treiben , romifchcn vo,e kom mt m gewaltigen Massenszenen zur Anschau,» btc von einer mciftertjafto. Regie zeugen. Prunk und Pracht bilt den blendenden Rahmen zu den Tarstcllnngep, von denen „am-- lich die Landung des romnchen Heeres, die tobenden Schlacht die Bcrnrte.lung Marc Antons im römischen Senat, der qla, volle Einzug des Siegers Octachan hervorzuhcben sind Kwei bewirb dieser Kunstsilm eine starke Mrkting mff das Publik! * ^-Eisenbeton kurs. Um das Verständnis für die n- Bauweifc auch folchcn Kreifen zu vermitteln, denen eine Gcleg- hcit zum Besuche einer Fachschule nicht geboten nt, oder die sich sonst vervollkommnen wollen, beabsichtigt die G r v ß b. Zentral - stelle sür die Gewerbe in Darmstadt die 'Abhaltung eines Eisenbctonkurses. Privatdozcnt Tr.-Jng. A. Kleinlogel von der Tech». Hochschule leitet den Kurs. Bei genügender Tkilneh,»erzähl beginnt der Kursus am Sonntag, den l. Februar, vormittags 10 Uhr im Sitzungssaal d«x (Kroßh. Zentralstelle für die Gewerbe in Tarmstadt, Ncckarstraßc 3. An nUterrichtsgeld erhebt die Zentralstelle zu Beginn des Kurses 20 Mark von jedem Tcil- nehmcr ** Gütcrrechtsrcgistcr. Gütertrennung verciiibartcii: Kondilvr Jean Wacker und dessen Ehcsrau Margarete gehöre,ir Halbleib zu Tarmstadt, Eheleute Anton Ausschläger. Schmied, lind Wilhelmine geborene Steinbrech in Finthen, Kaufmann Heinrich Schulte und dessen Ehesrau Barbara Alma gebotene Fischer zu Darmstadt. — Der Landwirt .Heinrich Bovv IV. und seine Ehesrau Marie geborene Mohr zu Ber- INI, t bs ha i II kil-en durch gerichtlichen Vcrttag Errungcnfchasts- gcmcinschast vereinbart. ** „Frcih cll , die ich meine, die m c i n Herz c r- s ü l l t!" So ähnlich mag jenes Schwein gedacht haben, welches vor einigen Tagen, seines Herzens Drang folgend, eine Wanderung aus seinem Stalle in der S t r o h m ü h l c bei B i e b c r in die srohe, freie Gottesnatnr unternahm. „O Wandern/ o Waichern, du freie Burichenlust!" In nrächiigen Sprüngen, seiner Freiheit iroh, raste das Tier über Berg und. Tal und war.bald den Blicken der entsetzt dastehenden Eigentümer entschwunden. Sei es, daß ihm das Wanderleben besser zusagt, als untätig im- Stalle zu liegen, sei cs, daß cs den Weg nach seiner trauten Behausung verfehlt hat: so viel^ist sicher, daß der ganz moderne Wandervogel sich bis au, diese Stunde noch „am Reisen" besindet. So sah man denn am Sonntag einige Jäger auSzichen aus die Birich- um das cochwein zu erjagen. Doch Diana war ihnen nickst hold. Sie hatten eben kein Schwein beim Schwein. Landkreis Gießen. -cb. L! n d e n st r n t b, 11 Jan. Vom Bund d e r L a n d - wirte sprach gestern aüend Herr Traube abgebalten. -elit. Winnerod, II. Ja». Die Landstraßen in hie- siacr Gegend sind, wie man uns schreibt, säst ungangbar. Unmittelbar aus das Rcgcnwetler Ende voriger Woche trat Frost ei», so daß die Straßen vollständig vereist sind. Teilweise sind die Eis- ilächen mit einer dünnen Scbneeschichi bedeckt, Ivodurch die Gesahi des Ausglestens noch bedeutend erhöbt wird. 6lrößte Vorsicht, be- sonders Ivährend der Dunkelheit, ist also am Platze. -ebt. Oppenrod, 16. Ja». Am Samstag abenh brainrte hier zum erstenmale das elektrische Licht. Die Freude darüber Ivar bei unserer Torijngenü so grob, daß sie mit Hnrrah- ruken die Straßen durchzog. Etwa bei der Hälfte der Bewohner sind die Hanrinstallationen beendet. Kreis Lautcrbach. > 8 Ob er» MooS, 15. Jan. Der von hier gebürtige Soldat der Schutztrnppe Karl Wahl kehrte vor einigen Tagen aus Südwest-Asrika zurück »nd tritt nach Beendigung seines Urlaubes wieder in das Dragoner-Regiment Nr. 23 in Darmstadt ein. Kreis Fncdberg. I, Friedberg, 1b. Jan. Das bisherige Postgebäude wird einer öffentlichen Versteigerung ausgefetzt. In kurzer Zeit wird die neue Post aus der Mainzer Tor-Anlage bezogen. (j WcckcSheim, 15. Jan. Die HolzvcÄtcigerung im hiesigen Gemeindcivald brachte hohe Preise. Von Buchen- schcitholz kostete im Durchschnitt 11—18 Mk. der Raummeter. -- - .Konkurse i» Hcffcn. Das Konknrsvcr>ahren über das Vermögen des Walter M e l s h e i m e r zu Schwalheim ist ansgehoben ,vordem — Das KonkurSoeriahreii über den Nachlaß des Philipp Gustav Pkeikier von Staden ist ansgehoben worden. — I» dem Konknrsveriahren über das Vermögen des Schissers Johann S ch in i l t VI. von llleckar-Steinach ist Termin ans Mittwoch, 28. Januar 1911, voi-mitlags Ilzs Uhr, vor dem ktroßherzogl Amtsgericht in Hirschhorn anbcraumt. — Das kkonkiirsverkahre» über den Nachlaß des Dr. Jakob doch IV., Generalsekretär des deutschen Weinbanveretns zu Go n s e n h e > in, ii! ansgehoben. — lieber das Vermögen des Heinrich Henkel- »i a n n I. m Lollar ist am 12. Januar da? Konknrsverkahren eröffnet. Rechtsanwalt Raab m Gießen ist zum Konkusverwalter ernannt. Konknrslorderimgen sind bis zum 3. Februar aiizn- meldcii. Zur Prüfung der angemeldeten Forderungen ist Termin aus Dienstag, 16. Februar, uor dem Amtsgericht Gießen, Zimmer 18, anberamnt. — lieber das Vermögen der „Antonio b i l p o st E b r i ii g s h a ii s c n K i r t o r i - K i r ch b a i n*, eingetragene Genosscnschast mit beschiänkier Haftung in Kirtors, ist am 12. Januar das Konknrsveriahie» eröffnet. Gcmeinde- rechner Johannes Stroh von Lehrbach ist z»m Konkursverwalter ernannt. Konkursiorderungen sind bis zum b. Februar 1914 bei dem Amtsgericht in Homberg anzumelden. — Ueber den Nachlaß des Kunslivolbabrikanten Josei Nikolaus Wirtz von Neckar- st c i II a ch ist das Konknrsverkahreu eröffnet worden. Der Gastwirt Joses Sterk i» Neckarsteuiacki ist zum Konkursverwalter ernannt. llonknrssordcrnngea sind bis zum 3l. Januar bei dem Amtsgericht zu Hirschhorn anznmeiden. — Ueber das Vermögen deS Stukkateurs Kail Dembach m Mainz ist das Konknrs- versahren eröffnet. Ter Bnreauvorsleher Jakob M a ii n in Mainz >lt zum Konkursverwalter ernannt. KonknrSforüerrmgen sind bis znn, 31. Januar 1914 bei dem Amtsgericht Mainz anzumelücn. Die Einstellung in Unteroffizierschulen »nd Unteroffiziervorschulen. Tie Untevosfizierschulcil haben die Bestimmung, junge Leute, die das wchipstichiige Alter erreicht haben und die sich dem Militäistandc widmen wollen, k o st c n s r c i zu Unteroffizieren hcranzubilden. Wer in eine Unterossizierschule aufgenonimcn zu werden wünscht, har sich bei dem Bezirlskoinmando seines 'Auscnthalts-. ortes oder bei einer Unterossizierschule (ilt Biebrich, Ettlingen, Jülich, Maricnwerder, Potsdam, Treptowa.R. und Weißcnicls.- oder Unterossizieroorschnle (in Annabnrg, Bartenstein, Greisen bcrg n Pomin., Nenbrrisach, Weilbnrg und Wvlflau) persönlich zu melden und hierbei iolgende Schriststückc vorzulcgen: einen von dein Zivilvocsitzenden der Ersatzlommission seinee- 'Ausbebungsbczirks ausgestellten Meldeschein, den Konsirmatioilsschein oder einen Ausweis über den Empfang der ersten Kommunion, etwa vorhandene Schulzeugnisse, eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Bkickfaftigungs- fveisc, über jrüher übcrstandcnc Krailkheiten und etwaige erb liehe Belastung. Ter Einzustellcnde -muß mindestens 12 Jahre alt sein, dar, aber das 20. Jahr noch nicht vollendet haben. Er muß mindestens 154 Zentimeter groß, vollkommen gesund, srei von körperlichen Gebrechen sowie fvahrnchmbaren 'Anlagen zu chronijche» Krankheiten sein und die Brauchbarkeit sür den Friedensdicnst der Infanterie besitze». f Ter Eintritt in eine Unteroffizicrschulr kann nur dann er- solgcu, wenn sich der Freiwillige zuvor schriftlich verpslichtct, nach erfolgter Ucberweisung aus der llntcrvssizierschulc an einen Truppenteil Iloch vier Jahre akiio IM Heere! zu dienen. Ter Auscnthalt in der Unterossizierschule dauert im allgr ineincn drei Jahre. Tie jungen Leute erhajlten gründiickfe mili - tärische Ausbildung und Unterricht, der sie Iicsonders besähigt, die bevorzugteren Stellen des UnteroffizicrstanHeS iFelbwebel Ilsw.i und des Beamtcnstandcs (Zahlmeister nsw.) izn erlangen. Während ihrer Dienstzeit in der llnteffossizierschnlc erhalten die Unlerossizierschüler, die sich gut aesührt haben, bei Urlaub in die Heimat eine einmalige Reiscenffchädigimg: auch haben die Untewifiäiertoüler bei Beurlaubungen gleich mie die Kapitulanten Anspruch 1 Zentimeter und einen Brustumfang non 70 bis 70 Zentimeter haben. Tic Ausbildung dauert im allgemeinen zwei Jahre. Tie Zöglinge der Unterossiziervorschulcn gehören nicht zu den Militärpersvnen des Reichsheeres. Ihnen stehen daher bei vorkommcnden Tienstbeschadigungeii keine Ansprüche aus Jn- validenwohltaten zu. Aus der Nnterossizieroorfchule muß der Zögling in die hierfür bestimmte Untcrossizicrschule übertreten. Für jeden vollen oder begonnenen Monat des Aufenthalts ans der Untcrossiziervorschule muß er zwei Monate, im ganzen höchstens vier Jahre, für den Aufenthalt aus der Unterossizierschulc ebenfalls vier Jahre nach seiner Ueberwcisnng an einen Truppen teil im Deere dienen. Wenn ein Zögling dieser Verpflichtung nicht oder nicht völlig »achkommt, sind die für ihn in der Untcrossiziervorschule aufgewendeten Kosten zu erstatten. — Wird ein Zögling dagegen als ungeeignet aus der Untcrossiziervorschule oder der Unter- vssizierschule entlassen oder loird bei einem Truppenteil die Dienst rerpslichtung im dienstlichen Interesse aufgehoben, so sind die Kotten nicht zu erstatten. Sport- Di e D e nt I eh e Sk hu eikterschait 1614 kommt anläßlich des Hauvtverbandsiveltlanlcs des Deutschen Ekio-rbandez am 24. und 25. Januar durch die Münchener Skivereine in Garmifch.Parie,Kirchen znm Austraq. Diese bedeutendsten Weit- lanse des großen, über 34000 Mitglieder zöblende» Teutleben Skiverbondes sind schon seit Jahren die ivicliligste» slisvortlickien Peransialtnngen TentschlandS, und seit zivei Jahren ist das In- tereste lür sie iind die dabei gezeigten steistulige» desbalb lebr gewachsen, weil im Rahmen dieser Wettlänle auch der?lllaenie>»e Teutlche Militärlanalani nm de» Sedwebetibeckicr ziitn dlnßiraq kommt. Scho» im letzten Winter ries dieser Militärwel.'lpni Mann» ichaftm last sämtlicher deutschen Skikommandos an den Start, ,tud in Garmisch Partenkirchen rechnet man für heiier bcslimint mit der Teilnahme von etwa 30 Patrouillen. Alniveriitäts-Nacbrichten. — A» der Universität Heidelberg erhielte», »ach der .Chronik', Lehransträge der anßerordentliche Proftilor Tr, Bruno Lieb ich lür indische Philologie, der außerordentliche Prolessor Tr, Bsln Haller lür eine Vorlesnnq über Biolooie der Tiere, der außerordentliche Prolessor Dr. Karl B ö h», für eine Vorlesung aus dein Gebiete des Vcrücherungsivcsens >i„d der inastie- inatiiche» biliswisseulchaste» und der aiißerordentliche Prolessor Tr. Ai,gnft Becker sür eine Vorlesting über Wärinetbeorie. Prc- iestor Böhm wurde inzwischen als Ordinarius der Mathematik a» die Universität Königsberg i. Pr. berufen »nd Pro'estoc Becker er- bielt mit Wirkung von, I. Avril 1914 die Ernennung zun, etalS- mäßigen außerordentliche» Prolessor der theoretischen Physik in der Heidelberger iialurnnstenicbaitiicb-malhematische» Fakultät als Nachfolger von Prolessor Fr. PockelS. — In München ist a», 10. ds. Mts. der ordentliche Pro- sestor des landivirtschastlichen Bauwesens in der Architekten- abteilnng der dortigen Technischeil Hochlchnle >,nd Vorstgiid der Baustelle des Bayerischen Landwirtschastsrats, Fritz I u in in c r s» b a ch , in> Alter von 56 Jahrelt gesiorben. — Znn> Naehlolqer von Prolellor Tr. Aereboe anl dein Lehr- slnhl lür londwirtlchollliche Betrlebslebre an der B e r l i >, e r Land- ivirtscholtlichen Hochschule ist zum 1. Avril 1614 der landwirtschalt- llche Sachverständige bei den Kaiserlichen Generalkonsulaten zll Et. Petersburg und Odessa Tr. Antol, H o I l in a » n unter Gr- »ennnng znm etatsmäßigen Prolessor berule» worden. — Dem ordentlichen Prolessor und Tirektor des vlnisiologischen Instituts a» der Universität Stratzburg i. Eis. Tr. Richard Ewald ist der Charakter als Geheimer Medizinalrot verliehe» ivorte.i. Gcrichtrfaal. Der Gistmordvrozetz .Hotzf. Zl Fränkfuri a. M., 15. Januar. Zu Beginn der heutigen Sitzung regte der Verteidiger, Rechtsanwalt Tr. Sinzheim«r, an, die Beweisaufnahme im Falle des Mordversuches an der dritten Frau Hopfs abzukürzen. Ter Angeklagte sei da geständig und es sei daher vielleicht nur die Per- uchmung der Frau Wüst, Hopf nötig. Ter Vorsitzende crklärl hierzu, daß er auch bereits an etwas ähnliches gedacht habe, es iei aber fraglich, ob die Durchführung möglich sei, da die Anklage aus diesem Punkte Rückschlüsse aus die übrigen Fälle ziehe, R.-A, Tr Sinzheime r: Ick muß dagegen Verwahrung e,»legen, da» in einem Teil der Presse versucht wird. Stimmung gegen den Angeklagten zu mochcll und aus die Geschworenen einznwltken. So ist in einem hiesigen Blatte behauptei worden, der Angeklagte habe gesagt das kostet mich den Kops!" Ich erkläre, daß das nicht der Fall ist, und ich möchte die Herren Vertreter der Presse bitten, nur das zu berichten, «oas hier verhandelt worden ist. Vorst, Ich hatte auch schon die Absicht, die Herren Preisevertrcter z» bitten bei der Kritik der Berbandlungen möglichste Zurückhallung ,i t jifan I» den „Frankfurter Nachrichten" findet sich heute ein Arttkel, der als ein Eingriff in ein schwebendes Bvrsahren be- lrachtet werden muß. Ein solcher Eingriff ist nach unserer Sraats- vewfafsung unzulässig und im Gcrichlsocrsahren streng verpönt. Es Ivird dann ist der Zeugenvernehmung fortgcsahren. Die bereits gestern vernommene Zeugin Frau Henrich wird nochnials vargerusen ilnd erklärt, daß ihr der Ängetlagte früher unsittliche Anträge gestellt habe, die sic zurückwies. Daraufhin sei sic von dem Angeklagten verfolgt worden. Hovi habe sie vielfach verklagt und sic habe inlolgedessen ilK Haus in Nicdcrhöchstadt verloren. ... „„ , Äe Verhandlung wendet »ch dann dem Mordversuch an der Mutter Sovis zu. Die Zeugin Frau Sommer ist eine ^richte der Mutter Hovis. Sie bekundet, daß die Ehe zlviichen den Eltern Hovis sehr harmonisch gewesen sei. Hovls Vater sei an einem Blasenleiden, seine Mutter an Altersschwäche gestorben, besondere Beschwerden habe die alte Frau duvs nie gehabt. Ter Angeklagte Hovi war in den letzten Lebensjahren seiner Mutter fast läglich bei ihr und viel öfter als früher. Fräulein Fischer, ebenfalls eine Nichte der Mutter des Angeklagten, bekundet, daß die alte Frau Hoof stein Erbrechen gehabt halb«, jedoch sei von einem Hautousschlolg die Rede geivesen. aus den Gedanken verfallen, daß die alle Frau Hops »ich,, eures natürlichen Todes verstorben sei. Ae Zeugin Fron Nohl bekundet, daß die alte Frau Sopf in den letzten sieben Jahren ihres Lebeitzs bei ,hr im Hause gewohnt habe. Nach ihrer Erinnerung habe sich Frau tzopi einmal geäußert, sio iaolle ein Testament machen, in welchem ihr Sohn Karl aus den Pflichtteil gesetzt, ihm das Kapital nicht ausgehändigt, sondern ihm nur die Nutznießung überlassen iverden soilie. Tie Zeugin erklärt weirer, sie sei 73 Jabye alt »nd habe ein schlechtes Gedächtnis. Es sei insalgedessen möglich, daß ihr Frau Hops das nicht selber gesagt habe, sondern daß sie cs von jemand andcrckm gehört habe. Aus eine Frage des Verreidigers R.-A. Dr. Sinzhelmer bekundet die Zeugin noch, daß Hops der L i c b l i n g s s o h n seiner Mut t c r war. Ae nochmals vorgeruscne Zeugin Frau Sommer gibt nach an, sie glaube nicht, daß Frau Hops hübe ein Testament machen wollen, vor allem glaube sic es nichc, daß ld«e Frau «S »her das Herz gebracht hätte, ihrem Sohn zu sagen, sie würde ihn mii den Pflichtteil setzen. Ae Zeugin Katharine Hccb aus Enzenhelni war in de» leptcu sieben Jahren bei der alten Frau Hops als Tienstmädckun benliäs- tigt. Sic weiß, daß die Frau in den letzten sechs Monaten ihres Lebens häufig Erbrechen gehabt habe. Nach einer Reihe unwesentlicher Zeugenaussagen zu diesem Fall gelangt der Mordversuch an der dritten Frau zur Verhandlung. — Als Zeugiii wird zunächst die inzwischen gerichtlich geschiedene Frau des Angeklagten, Wallv Hovi ver nominell, die unter allgemeiner Spannung den Saal betritt Sic bekundest daß sie nichts davon gewußt bade, daß der Angeklagte eine Heiratsanzeige erlassen liobe und daß ihre Schwester sich mit dem Angeklagten aus diese Anzeige hin in Verbindung gesetzt habe. Sie habe ihn im Dezember 1611 kennen gelernt, in der Folge sei sie mehrmals nach Frankfurt gekommen und er nach Tr es den, ivo sie damals wobnle. Tie Trauung zwischen beiden habe in London stattgesunde», da sie Oesterreicherin ist und ihre Papiere nicht so schnell bekommen konule, während Hovi auf bat dige Eheschließung drängte. Gleich nach der Hochzeit habe Hovi sein Testament gemacht, worin er sie zur alleinigeil Erbin ein setzte. Tiescs Testament habe er ihr veriönlich überreicht. Das Testament war mit Schreibmaschine geschrieben und insalgedessen ungültig, die Zeugin ivußte dns aber nicht. - Angeklagter Hovi, Ich kannte diese Bestlinmung auch nicht. Tie Zeugin schildert dann weiter, daß der Angeklagte ihr später ein Schriftstück vorgelcgl habe, wonach sie die Bestimmung treffen solle, daß ihre Leiche nach dem Tode verbräunt werden sollte. Sie habe das aber abgelehnt, weil iie sich nicht verbrennen lassen nullte; Hops habe ihr dann gesagt, daß in seiner Familie die Leichenverbrennung üblich sei, auch seine Mutter und sein Bruder seien verbrannt Warden. Bald daraus habe ihr der Angeklagte einen Schein vargclegt, der einen Lrbcnsverjicherungsanlrag aus die Summe van 40 000 MI. dar- ftcllte. Anfänglich habe sie nicht unterschreiben wolleii. Nach kurzer Zeit machte sie eine Reise in den Taunus zu Bcrivandten. Als sie zurücklain, ivar sie sehr ermüdet und wollte ein Glas Tee trinken. Als sie das Zimmer betrat, halle sie den Eindruck, als ob in ihrer Abwesenheit Frauen bei ihrem Mann gewesen seien. Sie nahm sich deshalb Var, bei Gelegenheit einmal den Schreibtisch Hopfs zu untersuchen, was sie auch tat, als ihr Mann am 9. Juli einmal fortsuhr. Sie fand darin zunächst erschrecklich viele Liebes- brlese, und als sie weiter suchte, ein großes Kuvert, aus dessen Inhalt hervargmg, daß ihr Mann schon zweimal verheiratet gewesen ivar, was er ihr verheimlicht hatte. Ta er nur von einer- einmaligen Verheiratung gesprochen batte; außerdem fand sie eine große Anzahl unzüchtiger Bilder, »nd ein Schriftstück, in dem ihr Mann geschrieben hatte, er brauche Geld, das er zurückerstatten ivürde, wenn seine Mutter gestorben sei. Am nächsten Morgen habe sie mit Hops über ihre Entdeckung gesprochen. Ta ihr dabei Tranen geiöimnen and ihr Mann nicht sehen sollte, daß sic weine, sei sie aus sünt Minuten in ein anderes Zimmer gegangen. Als sie wieder zurücklain, habe sie Von dem Tee getrunken und gemerkt, daß er einen sonderbaren Geschmack hatte. Gleich daraui wurde ihr schlecht, der Mund stellte sich schief, die Hände wurden steif und sie konnte nicht mehr ausstehen. Sie habe daraus zu ihreni Mann gesagt: Was hast die mir gegeben'? Hast du mir etwas in den Tee getane Hops antwortete mir daraus: Nein, du bist ivohl selbst am Gistschrani gewesen'? Tie Zeugin verlangte dann rasch ein Glas Kognak, das ihr Hopl auch brachte, sie konnte dasselbe aber nicht znm Munde führen, weil sic das Glas nicht fassen konnte. Hovi brachte sie nun in das Nebenzimmer und luchte sic zu beruhigen, indeiii e> sagte, sic habe einen Neroenchok infolge der Aufregung, es würde aber schon wieder besser, da ihre Hände schon wieder anfingen warm zu werden: er würde ihr Wein geben und wenn sic sürchtcn sollte, daß er etwas in denselben hineintun werde, so wolle er den Wein vor ihren Augen trinken. Er tat das auch. Während der Nacht habe dann ihr Monn den Schreibtisch versiegelt. Als sie gciiagt habe, was das zu bcdeuien habe, habe Hovi gefchimpst >i»d gesagt, sic habe ihn belogen, der Schreibtisch sei nicht assen gewesen, sie habe sh» erbrocheil, er ivürde sie daher wegen Einbruchs anzeigc»: daraus erklärte ihm die Zeugin, da könne sic gleich mitgehen und gegen ihn Anzeige wegen Mordversuchs erstatten, sie lzabe dann den Rest des Tees in ei» Fläschchen gegossen und sei soitgegangen. Unter der Türe sei sie umgekehrt, weil sic sehen wallte, ob ihr Mann Nichts zu sagen habe. Als sie ins Zimmer zurückgekamme» sei, sei ihr Manii vor dein Gistschrani gestanden und habe aut ihre Frage, ivas er dort mache, erklärt, er wolle Gisl nehme», wenn sie ihi, beim Staatsanwalt anzeigett wolle. Tic Zeugin ist dann, als er nichts weiter sagte, gegangen und bat den Rest des Tees zu einem Eliciniter gebracht, um ihn dort untersuchen zu lassen. Sie sei an diesem Taze wieder sehr aufgeregt gcweic», so daß Tr. Rosenbau ui geholt werden mußte. Hovi habe dein Arzt gesagt, es handle sich um einen Nervenchoi, der infolge eines ehelickzc» Zwistes entstanden iei, und als die Zeugin dem Tr. .Rosenbaum ihren Verdacht mil teilte, glaubte ihr dieser nicht und suchte iie zu beruhigen. Rack einigen lagen sei sie zu dem Ehemiler gegangen, der ihr erklärt habe, er habe in dem Tcc kein Gift gefundkil. Am 6. August, also vier Wachen später, har die Zeugin imeder Fieber betom men: Hopl lwlc das Fieber halbstündlich gemessen, ihr aber stets gesagt, sie babc gar kein Fieber. Am 6. August sei cs ihr gelungen, einen Block zu finden, ans dem ihr Mann Auszeichnungen über die Höhe des Fiebers gemacht hatte: darnach habe sic Fieber bis 40,5 gchabi. — Bors, (znin Angeklagten : Was laben Sie Ihrer Frau da eingegcben? Angekl.: Ich habe ihr T v v hnsb a z i l l c n gegeben. Pars.: Sie haben das Fieber Ihrer Frau selbst gemessen? — Angell.: Jawohl. — Vors Zur Zeugin : War Hops liebenswürdig zu Ihnen'? — Zeugin iJawohl, sehr liebenswürdig, er weinic und kragte stets, ob er mir nicht helfen könne. Tie Zeugin erzählt dann weiter, daß sie daraus gedrungen habe, einen Aizl zncholen, nachdem sie wiißte. daß sic hohes Fieber hatte. Sir bekam eine Pilegeiin, Frl. Flicker. Tiefer Schivcstee hat sich die Zeugin aiivertrant, die das Ausgebrochcne de», Tr. Roseubaui» brachte, der es untersuchte .aber lern Gisl darin fand. Ta sie lrotzdeni sehr iinrudig war .wollte sie ins Krankenhaus. Hovi aber sagte ihr .sie solle nicht ins Krankenhaus geben: wenn cs ihr unangenehm sei, daß er da sei, walle er verreisen, sie solle zrr Hause bleiben. Tamil war auch die Schwester einverstanden. Nach einigen Tagen habe sic wieder geschwollene Glieder bekommen und das Gefühl gehabt, als wenn ihr die Haut zu eng würde, sie habe starkes Brennen im Hals gespürt: auch die Schwester sei nach vier Wochen erkrankt und mußte eine Ablösung erbitten. Einmal ist sic mit Milch, die ihr verdächtig erschien, zu Dr. Rosenbaum gegangen und hat gebeten, diese zu ttiilersuche» Tr. Rosenbaum sei sehr ärgerlich gewesen und habe gesagt, sic käme schon wieder mit ihrer scheu Idee, daß ihr Manu ihr Gift gebe. Er wolle aber trotzdem die Milch nochmals untersuchen. Er tat das auch, fand aber nichts. Pars, (sunt Angeklagten): Im November schrieben Sie an da- Wiener Institut, Sie hätten Ebolerabazillcn gehabt, die aber nicht virulent gewesen wären, selbst ans M e n s ch e n hätten iie iiichi reagiert. Sie sarderten Bazillen von Cholera a s i a t i c a und schrieben, es würden sich wohl solckw vom Kriegsichaufilatz au: dein Ballan besorge» lassen. Angekl.: Jawohl. Ein Beisitzer: Haben Sic Ihrer Frau auch Bazille» von Cholera asiatica gegeben'? Angekl.: Jawohl. (Bewegung.: Port.: Haben Sie diese Bakterien cininal oder mehrmals gegeben'? Angekl.: Mehrere Male. Erneute große Bewegung.) Tie Zeugin belundet dann weiter: Als sie wieder gesund gewesen sei, habe sie in Gesellschaii ihres Mannes eine Flasche Sekt getrunken. ES sei ihr ausgelallen, daß der Sekt wie Varsümiert schmeckte und sic habe das auch ihrem Mann gesagt. Der habe sie ausgelacht und zu ihr gesagt, sie sehe überall Gespenster Gleich darauf sei ihr Mann ausgcstanden und bade sich ans die Ehaiselogue gelegt: Vors.: Hat der Angeklagte nicht auch von dein Sekt getrunken'? Zeugin: Nein, ich habe ihn allein getrunken. Jrl> dachte nun, daß cs meinen! Manue sehr schlecht wäre, da er Weste und Oberhemd ausgeknövst halte, und brachte ihm Wasser, und da sah ich, daß in seiner Westentasche ein Fläschchen steckte. Ick, mackste es auf und roch daran. Es war derselbe Geruch wie an dem Sekt. Aus dem Stöpsel stand ein „A". Vors.: Was soll das bk deuten? Angekl.: Arsenik. (Große Bewegung.) Zeugin: Ich fragte nun, ivas i» den, Fläschchen sei. Ter Angekl. anttvortcte wie geistesabwesend, die Bilder drehte» sich. Aus wiederholles Drängen sagte mir dann der Angeklagte, i» dein Fläschchen sei Bromkaii. Eine PierkeliNilide später wurde mir ganz schlecht, ich ivürde wie blind, und ich weiß nicht, wie ich in das Schlaszimnicr gekommen bin. Ick: labe mich dann ins Bett gelegt und hatte starkes Erbrechen: ich bin daraus längere Zeit kraul gewesen. Mitte März 1912 ist bi Zeugin neuerdings erkrankt. Tiesmai kam als Vertreter des Tr Rosenbaum der praktische Arzt Tr. Krämer. Als die Zeugin diesen, gegenüber den Verdacht äußerte, daß sie von ihrem Manu Gisl bekäme, sagte Tr. Krämer, dann müsse sie ins Krankenhaus. Hopi war zunächst nicht damit einverstandcii, Dr. Krämer setzte aber seinen Willen durch. Tor Angeklagte bat die Zeugin im Kranken haus täglich zweimal beiuck» und lmt ihr Geschenke gebrach!. Sie sei dann langsam wieder gesund geworden ni>d hätte am 12. April cnilasscn iverden künncn: iiizioischni sei Hovi vcrhasict ivorden- Durch den Vorsitzenden erstatt die Zeugin »ach, daß sie heute noch Beschwerden spüre, die sie früher nie getan»» hätte. Bari.: Sie haben dieser Frau also Tvvlius und Cholerabaklericn und Arsenik gegeben'? Angekl.: Jawobl. Vors.: Sie hüben diese Frau alsa nur geheiratet um sic lunzubringen'? Angekl.: Ich habe iie nicht dies halb geheiratet. Vorsitzender: Sie haben sie aber umbringeii loolicn. Angeklagter: Tos kann ich nicht bestreiten. lBewegimg.^ Die Zeugist bekundet noch loeiker, daß der Angeklagte ihr häufig von seinen Eltern er.zähli und stets gesagt habe, er habe dieselbe» sehr lieb geliabl »nd ihr Vertust sei ihm sehr nahe gegangen. Hvps labe vielfach geweint und ihr gciugt, sie solle nicht inehr von seinen Ellern sprechen, das greise ihn zu sehr an. Bankbcaiiiler Hosmaiin von der Pfälzischen Bank betuubd, laß die Angabe des Aiigcstagten, er hätte ein Guthaben vvii 7000 Mk. auf der Bank, falsch ivar. Zur Zeit der Verhaftung hatte Hops in,r 1500 Mk. aus der Bank. —_ Zeugin Schlieper belundet, daß sie die Zeugiii Frau Wally Hops vier Wochen hin durch während ihrer Krankheit gepflegt habe. Nachdem sie cininal die Hälsle einer von de»! Angeklagten mitgcbrachten Ananas gcmeinsam mit Frau Hov! gegessen habe, sei sie trank geworden und hätte mehrere Tage nicht kommen können. Wenige Tage später habe sie Pslaumcnkuchen gegessen, den ebcnsalls der 'Angeklagte, gebracht habe und sei gleichfalls erkrankt. Während ihrer Krankistnl habe ihr der Angeklagte einen Brief geschrieben, in dem er ihr die Wohnung verbot. Ter Angestagte sagt, es lagen hierzu verschiedene Gründe vor, aus die er nicht näher cingehen ivolle. Ter Zeuge und Sachverständige, vrakr. Arzt Tr. Rosen bäum, der Frau Wally Hovi behandelt hat, bekundet, daß er keine bestlinmie Diagnoie stellen ionme, und nicht recht geiunstt habe, was er aus dem Krankheitsbild mäckzen solle. Den Verback,l der Frau .hovi wegen einer Vergifiung babc er nicht gloubcii wollen, zumal die chemischen Nniersuchungen der Speisen negativ verlausen seien. Während der Vernehmung des irüchsteu Sachverständigen bricht Tr. R o s e n b a u m p i ö tz l i ch b e w u ß t l o s z n s am m c n , cr- holt sich aber wieder. Sachverständiger Eheniiker T i l l m a II » hat den Tee, dkl! Mageninhalt und die Milch im Falle der Fron Hovi,untersiichk und bekundet, daß ec die llntcriuchung »iie großer Gz,'nauigkc>!> vorgenoinmen habe. Tie Ergebnisse seien aber bis auf einen Fall stets negativ geblieben. Er habe darauf nicht Ivieitec gcachkct, da diese Reaktion in dem eine» Falle auch von Medikamenten her rübren konnte, ivelche die Fruu Hovi gegen Kvpsschmcr; eingenommen haben konnte. Nach einer Reihe weiterer unwesentlicher Zeugmaussagen unli »achdcm auf eine 'Anzahl von Zeugen verzichtet worden war, wurde die Verhandlung aut morgen vertagt. Morgen soll der Gerschis- chemilcr Tr. Povv vernomnien werden, der seinerzeit die Unter suchung der Leichenreste vorgeuomiiicn hat. Mäkklc. lc. Wiesbaden, 15. Ja». He»- »nd S troh inark t. ülngeiahrc» waren ll Wage« mit Heu lind Stroh. Alan nolierie Heil 6,20—5,40 Pik. S i r o ll (Ziichtnrob) 4,40— 4,60 Alk., Kruiliin- iiroh 4,00—0,00 A,k. — Frucht»! a rkt. vaser 16,20 -17,00 Alk Alles ie IOO Kilo. Kaffee Ha§, der coffeinfrcie Bohnenkaffee, kann" lungenkranke», die immer zu bc- fchteunigter Herztätigkeit neigen, nicht genug empfohlen werden. Pros. Dr. Möller (Deutsche Arzte-Zeitung 1008, Nr. 47 ). Hohenlohe nafer-Hocken sind für Gesunde und Kranke. Kinder und Erwachsene gleich nahrhaft und wohlschmeckend Aur echt in Paketen „mit der Schnitterin!" r Jlox ^_ -Konfekt I beliebtestes Mittel zur Regelung des Stuhlganges und Verhütung von Verstopfung fQr Erwachsene und Kinder. Höchster Wohlgeschmack, milde, sichere Wirkung, ärztlich glänzend begutachtet und empfohlen. ' Dose (20 Fruchtkonfitüren) Mk. 1.20. Man hüte sich vor minderwertigen Nachahmungen und verlange ausdrücklich LAXIN-K0NFEKT5 Todes-Anzeige. Heute moraeit 5 Uhr verschied nach kurzem Kranksein im Alter von 09 Jahren unser auler Vater, Schwiegervater. Gronvaicr, Bruder, Schwager mrd Onkel Karl Horn IV. Vclcran von 1870 71. Die trauernden Hinterbliebene». Ticiubacki. Gictzen. Sleinberg, 15. Januar 1914. Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 8>,'. Uhr flau. £19 Za spät gekommen! „6ir^ schön, Herr Lehrer, um Entschuld digung. Wir sind zu Haus so lange beim Frühstüdc sitzen geblieben, weil der Kaffee so gut geschmeckt hat. Mama hat ihn heute zum ersten Mal mit Webcr’s Carlsbader Kaifeegewürz zubereitet/' Ein guter Morgenkaffee ist wohltuend und erfrischend, wenn er mit Weber s Carlsbader Kaffeegewürz zubereitet wird. Bei Verwendung von Weber'sCarkbader Kaffeegewürz vermindern sich die nervenerregenden Eigenschaften der Kaffeebohnen, während der gesundheitför- demde Nährwert des Getränkes sich erhöht Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat durchberatenc Voranschlag der Gemeinde Odenhausen für 1914 Rj. liegt vom 17. d. Mts. ab eine Woche lang auf dein Bürgermeisterei-Bureau zur Einsicht der Beteiligten offen. Einwendungen gegen den Voranschlag können dort schriftlich oder zu Protokoll des Unterzeichneten vorgebracht werden. Zu den vorgesehenen Umlage» werden auch die Ausmärker herangezogen. Odenhauseu, den 14. Januar 1914. Großherzogliche Bürgermeisterei Odenhauseu. _ Lan g. 805 Bekanntmachung. In unser Genossenschastsregister wurde heute bezüglich der Spar- u. Darlehenskasse, eingetragenen Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht zu Wiescck eingetragen: Heinrich Lang von Wieseck ist aus dem Vorstand aiisgeschiedeu; an seiner Stelle ist Karl Lang, Landwirt in Wieseck gewählt worden. Gießen, den 12. Januar 1914. _Großherzogliches Amtsgericht. 820 B Zagd-Verpachtung. Freitag, den 23. Januar, vormittags 1 l tthr, soll die der Geiueinde Burg-Gemünden zustehende Jagd aus weitere 6 Jahre aus hiesiger Bürgermeisterei verpachtet werden. Burg Geniünde», den 15. Januar 1914. Großh. Bürgermeisterei Burg-Gemünden. Fleischhauer. 833 Holzversteigernng, Mittwoch, den 21. Januar l. Js., vormittags von 9 Uhr an soll im hiesigen Gemeindewald Distrikt Kirschbaum und Enlenpsnhl nach- verzcichnetes Holz versteigert werden. l ° Eichenstamni Kl. mit 0,41 Festmetcr 12 Eichenstämmc 4. „ 6,86 2H » ö. , .. 13.43 60 ,, 6. „ 15,74 1 Kiescrnstamni 3. „ „ 1,29 7 Lärchenstämme 5. „ . 2,59 5 Fichienstämmc 5. „ . 1,09 108 „ -Derbstangen „ 5,55 11 „ -Reisstangen „ 0,25 Zeichnungseinladung. Mark 7000000 reichsmündelsichere Anleihe der Stadt Offenbach £ von 1914 tilgbar durch Auslosungen oder Rückkäufe frühestens ab 1. Sept. 1920 (verstärkte Tilgung zulässig), mit Zinslauf vom 1. März 1914 und halbjährigen Zinsscheinen, eingeteilt in Stücke zu M. >000, M. 2000, M. 1000, M. 500 und M. 200. Wir nehmen als offizielle Äeichmingsstelle von heute bis zum 20. Januar 1914 Anmeldungen zum Kurse von 93.75% entgegen. Giessen, 16. Januar 1914. Bank für Handel und Industrie Niederlassung Gießen (Darmstädter B ank). sqod Verlag des Bibliographifdicn Inftituts in Leipzig und Wien Als telbttändig« Teil der Sammlung .allgemeine Naturkunde" crtcheint: Kerners Pflanzenleben Dritte Hittloge, gänzlich umgearbeitet von Prof. Dt. Rdolf Hänfen mit etwa 600 Abbildungen im Text, I Karte und über 80 Tafeln in Farbendruck Atzung und Halzlchnitt 3 Bände in ttalbleder gebunden zu je 14 Mark (Band 1 iit erichiencn.) Jlluitrierte Prolpekte lind kottenfrei durch jede Buchhandlung :u beziehen. ’ I80Rni.Buchen.,5IRm.Eichen-,4R»>.Kiefern-Scheit 62 „ ,, 84 „ „ 19 „ Ficht.-Knüpp 38 „ „ 38 . 81 „ „ Stock 24i-.('irmminlbd(' nt baarnngsvittv. Das.2)1.150. Pclik. 2tvatd., Kreuzvl. I 16 Meine Sdjlcifrrri früher Kchlosag-asse Oefinbet sich jetzt □•b. dem Spaniecben Barten und hakte mich bei allen e i»s d) i d g i g e „ arbeite,! bestens empfahlen. Damenichere» 10 Pia., Naiiermeiier 30 Pig., Küche», Tiichmesser, J-Icischmaichinen :c. bei billigster Peredmung. lede» Stück UUler BaranIie. Ferner emvsebie in grotzer tzlnsmahl Solinger Stab! Waren. Isiase. gzZtz Bekanntmachung. I» unser Hmidclsregistcr Abt. ivurde heui» bezüglich der Firnu, Junker & Co.. Gesellschaft mit bcschränkler Haftung iii Gießen, eingetragen: Georg Appel III. in Gießen ist als Gcschäsisführer aus geschieden; an seiner Stelle ist Ingenieur Wilhelw Junker in, Homberg a. d. Ohm und Ingenieur Nikolaus Kröhle daselbst zu Gcschäslssührern bestimmt. Durch Beschluß der Gescllschaslsversammlung vom 20. Mai 1913 ist der Sitz der Gesellschaft nach Homberg a. d. Ohm verlegt worden. Gießen, den 14. Januar 1914. ^98 _ _ Großherzoglich es Amtsgericht. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Queckborn für 1914 Nj. liegt vom 19. d. Mts. ab eine Woche lang auf unserem Geschäftszimmer zur Einsichi offen. Einwendungen können innerhalb dieser Frist schriftlich oder zu Protokoll bei dem Nnterzeichncleu vorgcbracht werden. Z» den vorgesehenen Unilagen haben auch die Ausmärker beizutragcn. Queckborn, den 15. Januar 1914. Großh. Bürgermeisterei Queckborn. _ Schmidt. _815 Lieferung bon Gallmstanqen. Für den Kreis Friedbcrg sollen 1000 Stück Baumstangen auf dem Wege des schriftlichen Angebots vergeben werden. Besondere Bedingungen werden auf Wunsch zu> gesandt. Angebote sind verschlossen, postfrei und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 28.V.M., vormittags 0 Nhr, einzureichen. Friedberg, den 13. Januar 1914. Der Großh. Kreisbauinspcktor. _ I. V.: Witzle^. _ iühd W- unD WereilierPillhtllllil. * Samstag, Sen 7. Februar, nachmittags 2 Uhr, soll die der Gemeinde Lindenstruih gehörige Jagd, bestehend aus 274 ha Feld inkl. npehrerer sehr schöner Anstandswaldungen, hieran anschließend die Fischerei der in der Gemarkung liegenden Wieseckbach, beide aus 6 evtl, auch 9 Jahre, öffentlich meistbietend verpachtet werden. Lindcnstruth, 15. Januar 1914. Großh. Bürgermeisterei Lindenstruth. Scheid. 818 HARMONIUMS in großer Auswahl zu 36 bis 1500 M. Harmonista - Spielapparat mit welchem Jedermann ohne Vorkenntnisse sofort Harmonium spieleu kann. Preis M. 35.— WILH. RUDOLPH-GIESSEN Hoflieferant' Seltersweg 91 _^5 r _ Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Giehen. Die Wiederherstellung des nutzeren Verputzes und Anslriihs der Torbäuser am Neusiädler Tor, Wallior und SelierSlor, sawie des Wohnhauses nebst Leichenhaus aus dem Friedhos am Nahrunasberg soll fittiMdi, dcil 28. Zimisr >. Z., oorinittiip 10 Nhr, össentlich vergeben werden. Die llnieriagen liegen aus dem itübt. Hpchbauantt zur Einsichi affen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhälllich, sind bis zum genanitten Termin darlhi» ein- zureitbcn. — Knick,lagsirist 3 Wachen. _ 812 B Solzvcrsteiacruiig Nlöiitaa, den 10. Januar I!»I4, varmittags Uhr, in den Tlttriklcn Waiincsrld LLanncackrr, Saubiitlcndörner lAdi. 58 bis 00> Karn ,Partei isietzen III, Jorslwarl Geisel, Gictzen. 2153 KickNcndcrbstnngcn mit 98,19 Fitm.. 851 Fichienreis üangen mit 12.18 Film, 40,2 Am. Buchen . 1.2 Rm. Hain buchen . 15,4 Rm. Elchen-, 3,0 Rm. Kichleu Scheiihalz, 52.4 Rm. ttielern-, 14.2 Rm. Buchen-. 27,8 Rm. Kicksten-. 33 Rm. Cichen-Knüppclbalz. 12.4 Rm. Buche»-. 27 Rm. Eichen-, 58,2 Rin. Kicksten , 01,2 Kiesern-Slockhaiz, 040 Weilen Buchen. 1070 Wellen Cickicn-, 00 Welle» Birken 1340 Wellen Kiesern-, 190 Wellen Fichien-Rciiig. ,687 6 Ausammciikunil ist an der Rrcuzung des Aiineröder Wegs mit der 8. Schneise. __ Stadt. Wohiiungsnachmcis Gießen» Asterwcg 0. 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ES iuckie» Arbeit: 2 Schlotter, I Müller, 1 Dachdecker, 1 Heizer, 3 Svengier, 2 Schmiede, 1 Schuhmacher, SIniireicher »nd Wcitz- binder, 2 Maurer, 8 Schreiner. I Dreher, 1 Buchbinder. 1 Gialer, iandwirlschasttichc Knechte und Slrbeiicr, Erdarbeiter, Tagiöhncr, I Kaufmann, Hand- und Fahr burschen, Bub-, Wasch- >,»d Lauisraucn, Gast- und SchankwirtichastSgewcrbe: Kellner IlusbiiiskeUner und Zäpier. ,844 tt Lehrlinge: 4 Mechaniker. 10 Kautteuie u, Schreiber, I^Zinnncrma»», 1 Elekiranwnicur, 14 Schlotter, zwei ^rchremer, 1 Buchbinder, 2 Buckchruckcr und Schr,st ietzer, I Kellner, 1 Schneider, I Eiicndrcher, 1 Friseur, 1 Geoineler, 1 Bäcker.