nt. ft Drittes Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag?. \W. Jahrgang $ie „Giehenet Hamiliendiätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Uielsblall skr den Kreis Kietzen" zweimal wöchentlich. Die „landwirtschastlichen Seitsragen" erscheinen monatlich zweimal. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Donnerstag. 8. Januar J9M Rotationsdruck und Verlag der Br übliche» Universiläts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: ea®51. 'Rebaftion:e«112. Tel.-Adr.iAnzeigerGießen. Die Verhandlung gegen Oberst von Nenter. 4 Straßburg, 7. Jan, Tic gestrigen Lärmszenen, die sich nach Schluß der Sitzung ereigneten und seindliche Temvnstrationen eines Teiles der Bevölkerung gegen den Leutnant ». Forstner und seine Begleiter anslösten, haben hier einen sehr peinlichen Eindruck gemacht. Obwohl es sich nur uni radaulustige Elemente handelte, die von dent Zutritt zum Gerichtssaal infolge der strengen »artenkontrolle ausgeschlossen tvoren und die nun ihrem Unmut aut irgend eine Weise Lust maehen wollten, fürchtet man doch, daß die Vorgänge niederum der gesamten Bevölkerung zur Last gelegt werden können und daraus neue Schwierigkeiten sich ergeben, Für heute hat denn auch die Polizei umfassende Sicherheitsmaßregeln ge- trossen, um der Wiederkehr ähnlicher Exzesse vorzudengen. — Das Interesse an dem Prozesse ist im übrigen im Äbslauen begrissen, zumal inzwischen der elsaß-lothringische Landtag zu seinen Sitzungen zusammengetreten ist und hierbei interessantere Auseinandersetzungen über die Zaberner Vorfälle zu erwarten iind, als sie die rein referierenden Zeugenaussagen im Gerichtssaal zu bieten vermögen. Dazu kommt das unfreundliche Tauwetier der letzten Tage, das nur wenige Leute veranlaßt, schon in den frühen Morgenstunden das GerichtSgebäude aufzusucheu, um hier nach langen Kämpfen um eine Eintrittskarte zu erfahren, daß diese längst vergrifsen sind. . Nach wie vor nehmen den größten Teil des Gerichtssaals Journalisten als Vertreter der elsäfsischen, norddeutschen, Pariser und Londmter Presse ein. Tie Schreib- gelegenheiten sind angesichts des großen AichrangeS von Berichterstattern enras unzureichend, doch sucht man sich nach Möglichkeit in die Verhältnisse zu finden, zumal der Verhandlungs- leitet Generalleutnant v. Pelet-Narbonne in liebenstvürdiger Weise den Pressevertretern entgegenzukommeu sucht. Oberst v. Re tt te r und Leutnant Schabt erschienen heute mit sehr zuversichtlichen Mienen im Sitzungssaal. Es ivar schon ausgefallen, daß zu Beginn des Prozesses Graf SBalbcrl ec, der Ehef des (steneralstabes des Straßburger Arnieekorps, dem Angeklagten Obersten v. Reuter ostentativ die Land gedrückt hatte. — Tie Straßburger Offiziere sympathisieren osfensichtlich mit ihren als Zeugen erschienenen Kameraden aus Zabern. Denrgegenüber besteht der Gegensatz zwischen Militär- und Zivrlgewalt in be- sfimmten Grenzen auch im GerichtSgebäude fort, was kaunr wunder nehmen kann, da das Militär gewisserniaßen hier nur zu Gast ist und die als Zeugen erschienenen Zaberner Richter imb der Zaber »er Staatsanwalt unter den hiesigen Juristeil viele Bekannte besitzen, die über das Vorgehen des Militärs gegen höhere Vertreter der Justiz in Zabern naturgemäß ebenfalls verschnupft sind. Vor dem Landgerichtsgebäude hält wieder ein Schutzmann- aufgebot die Ordnung aufrecht. Tie Beamten iverden voir Zeit zu Zeit durch den Chef der Straßburger Polizei kontrolliert, der aber anscheinend wenig neue Weisungen zu geben Hai. Die .(yartenkon- trolle tvird wie an den vorhergeheicheu Tagen iii scktarfer Weise aus- geübt. Auch wer „Konnexionen" im Gerichtsgebäude hat, muß ohne Karte ivieder abziehen. Ter Zuschauerraum ist wiederum überfüllt, als der Gerichtshof erscheint. — Ta ein großer Teil der Zeugen bereits vernommen ist und daher im Gerichtssaale Platz nimmt, wird der dafür verfügbare Raum immer beschränkter. Der Verhandlungsführer teilte mit, daß ihm von verschiedenen Bürgern aus Zabern Telegramme zugegangen seien, ivoriu sich diese erbieten, unter Verzicht auf s^eugengebühreu als Zeugen aufzutreten. — Ter Vertreter der Anklage stellt versckfiedene Beweis- airträge. — Der Gerichtshof beschließt, allen diesen Anträgen stattzugeben, um in jeder Weise Klarheit zu schaffeti, — Ter Vorsitzende gibt dann die Tispositionen für den heutigen Tag bekannt. Darnach kann man damit rechnen, daß der Prozeh morgen zu Ende gehen dürfte. Als erster Zeuge tvird heute Polizeikommissgr Müller aus Zabern 'vernommen. Er gerät bei seinen Aussagen in ziemliche Erregung und erklärt, er habe bei seiner Vernehmung in der Vor uutersuchuirg den Eindruck gewonnen, als ob seine Aussagen in eine ganz bestimmie Richtung geleitet iverden sollte». Er siollte nänilich zugeben, er hätte davon gehört, daß sich die Belästigungen der Offiziere bis zu Steinwürfen verstärkt ltätten. Der Zeuge bekiiiidet, daß er eine solche Behauptung Nicht machen könne. ZDer Untersuchungsrichter war damals der heutige Vertreter der Anklage, Krregsgerickitsrat Ossiander. Dieser bittet das Gericht, ihn gegen den Vorwurt'der Fälschung in Schutz zu nehmen, der durch einen Landesbeomteu erhoben werde. (Polizeikommifsar Müller ist übrigens Altdeutscher.' Ter Zeuge äußert sich dann weiter über die Maßnahmen der Polizei zum Schutze des Leutnants v. Formier. Die Feuerwehr habe gemurrt und nicht spritze» wollen, weil das Benehmen des Leutnants v. Forstner herausfordernd war. Richtig sei es, daß „Bive la France!" gerufen wurde. An die Sicherheitsorgane war die Order ergangen, mit aller Energie znm Schutze des Militärs vorzugehen. Diese Order wurde mehrfach und naä>- drücklich wiederholt. Der Zeuge hörte Johlen und Brüllen, spezielle Rufe aber hat er aber nicht verstanden. Frösche wurden abgebrauiit. Alle diese Beobachtungen verteilten sich auf die verschiedenen nn- ruhigeu Tage und seien nicht mehr mit Bestimmtheit nusettiand.'» zuhalten. Ter Zeuge schilderte dann weiter seinen gemeinsamen Gang mit dem Stellvertreter des Kreisdirektors, Regierungsassessor Großmann, zu Oberst v. Reuter am Pandurenabend, um ihn zur Zurücknahme der Militärpatrouillen zu bewegen, wohei von ihnen Ruhe und Ordnung in der Bevölkeruttg garanfiert wurde. Oberst v. Reuter habe sie abgewiesen und getagt, er,halte es sür gut, wenn Blut fließe. Schließlich verlangte er sogar Garantien, daß nicht mehr gelacht werde, worauf sie Heide erklärten, daß sie zur Ueberuahme einer solchen Garantie nicht in der Lage seien. Tie na ch seiner Ansicht völlig ungerechtfertigten Maßnahmen des Militärs, die der Polizeikommifsar beobachtete, schilderte er in bekannter Weise. Tie Bereitstellung der Maschinengewehre ist durch das Dienstmädchen eines Haupt manns bekannt geworden, welches Gelegenheit hatte, einen Blick in das Pavolebuch zu werfen. Leutnant v. Forstner soll zu einem RegierungSsupernumerar gejagt haben, dessen Eltern sollten die Fenster zuhalten, denn am Abend würden die „blauen Bohnen" fliegen. v. Reuter erklärt, das Aufkommen derartiger Gerüchte ist begreiflich. Ich hatte angeordnet, die Wache zu verstärken und die. Maschinengeweltre bereit zu stellen. Wir erivarleten, daß der Herr Kreisdirektor uns zu Dilfe rufen würde, wenn es not tue. Wir mußten also jedenfalls bereit fein. Unterblieb diese Mitteilung des Kreisdirektors, dann mußten wir dem Gesetz entsprechend eingreiseu. D-ir sind in Zabern, um unser Regiment 'kriegsfertig auszubilden. Dort Polizeidienst zu tun, hat uns wahrhaftig keine Freude gemacht. Ter folgende Zeuge ist der Polizeiwachtmeister von Zabern, M u d r i c r, der bald nach dem Kriege ins Land gekommen und seit 41 Jahren in Zabern tättg ist. Er bekundet, daß die Zaberner Bevölkerung scheraus friedlich sei. Allerdings sei man über die Bezeichnung der Elsässer als „Mackes" empört gewesen. Tie ersten Unruhen bestanden überhaupt nur in Zusammenlausen von Frauen und Kindern. Ten Polizeiorganen ivar strenge Ordre erteilt worden, die Offiziere energisch zu schützen. Als von anderer Seite der Wunsch laut wurde, daß Militär heran- zuziehe», wollte das die Polizei nicht, es hieß, mit unseren Zabernern werden wir schon allein fertig. Tie folgenden De- monstrgtionen waren übrigens ganz harmlos. Wenn das Militär eingegrissen und schart vorgegangen wäre, dann hätte eS tote Mütter mit .Kindern im Arm gegeben. Von deui Militär feien in verschiedenen Fällen .Anzeigen erfolgt. Man konnte ihnen nicht immer nachgehen, denn man komrte doch nicht jeden jungen Leutnant begleiten. Am Abend des Tages, an dem es am unruhigsten zuging, befanden sich zwei Minder auj dem Schloßplatz. Ta sei eine Patrouille aus der Kaserne gekonrmen, um nach Menschen zu suchen. Sie fanden auch einen Mann und nahmen ihn mit. Dann kam der Zug unter Leutnant Schadt. Sie trommelten und hierauf gings loS. Wäre das Militär irr der Kaserne geblieben, daun brauchte man diesen Tag nicht fir dev'Erinnerung zu haben, so aber entstand die Pandurennacht. Zwei Tage später seien mehr Menschen in Zabern gewesen als bei der Kirchweihe im September. Zwei Festnahmen seien erfolgt. Es sei nicht ausgeschlvfseir, daß bei den Unruhen mit Steinen geworfen wurde. R.-A. Tr. Grossarth: Hallen Sie das sür eine Harmlosigkeit? Zeuge: Nein, das ist eine Niederträchtigkeit, aber die Kerle erwischen, dos ist die Kunst. Ich loar überall, meine .Herren, und wenn Angriffe auf Personen und Eigentum erfolgt wäre, glauben Sie, ivir wären zusammengerückt und hätten drein- gehaue». V e r ha n d lu » gs l.: Man soll Ihnen Ihren langen weißen Bart um die Ohren gewunden haben? Zeuge: Nein, das ist nicht wahr, da Hütte ich den Säbel gezogen und die Antwort gegeben: Rumdrehen! Ter alte Polizeiwachtmeister mackste a!,: Thp eines Vertreters der kleinstädtischen Polizei in seinen Aussagen einen sehr wirkungsvollen Eindruck. Verschiedene Polizisten bestätigten im loesentlichen die Aussagen des Vorzeugen. Es sei die Order ergangen gewesen, die Offiziere mit aller Energie zu schütze». Verschiedentlich seien Steine ans der Menge geworfen worden. Tir F-euertoehr zögette mit dem Spritzen, weil sie die Rache der Bevölkerung fürchtete. Ter Pandurenabend leitete sich durch keine Aus- iälligkeit aus der Straße ein. Tas Einschreiten des Militärs gefcktah wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Leute kamen aut den Tronimellvirbel aus den Häusern und Wirtschaften. Tie Verhaftungen lourden wahllos vorgenommen. Ter stellvertretende Bürgermeister, Kaufmann Gnnz schildert die Vorgänge am Abend des 28. November und bestätigt auf Befragen, daß ihn als Stellvertreter des Bürger Meisters nie ein Offizier um Schutz angegangen habe. Ter Zeuge ist der Besitzer des Hauses, dessen Türe am 28. November morgens von den Leuten des Leutnants Scktadt eingcschlageii Ivurde. die einen dorthin geflüchteten Lehrling, der gehöhnt Itattc, sestzunehmen suchten. Nicht er, sondern RegierungSamttnann G r o ß m a n u habe de» Leutnant ersucht, daS Haus zu verlassen. Gegen den Regimentskommandeui hat der Zeuge nachher Stras- anlrag gestellt wegen Hausfriedensbruches. Im übrigen hat G UNz am 28. November von Verhöhnungen nichts gehört: er hat auch nicht johlen hören, vielleicht nur laut sprechen. Leutnant Schadt stellt fest, daß er die Gunzschc Wohnung verlassen habe, nachdem ihm Amtmann Großmann versickwrt hatte, daß er den betreffenden jungen Menschen sestnehmen lasse. Zeuge Buchdruckereibesitzer G > I I r o t berichtet vornehmlich über die Vorkomuinisie am 28. Novem her abends, wo auch er, als or bei einem Postgauge die Patrouillen- fcttc durchschreiten wollte, festgenomineii, aber kurz darauf frei gegeben wurde. Auch er hatte gegen Oberst v. Reuter Strafantrag wegen Mißhandlung und Freiheitsberaubung durch das Militär gestellt. Im übrigen bestätigt der Zeuge aus Wunsch des Verteidigers, daß ihm bei einer Differenz ivegen seines Bruders, des Ein- jähisgen (sfilliot, der Oberst in loyaler Werse entgegengekomMen sei. Zeuge Kriegsgerichtssekretär Frommet bestättgt als seiner zeitiger Protokollführer, daß bei der Porvernehnrung deS Zeugen Äreiskommiffar Müller der Kriegsgerichtsrat Ossiander die Protokollierung sehr eingehend und peinlich genau, aber streng korrekt vorgenommen babe, während Müller sehr zurückhaltend und zögernd geantwortet habe: das Protokoll habe Müller unterschrieben und dadurch als richtig anerkannt. Daß Müller gegen die Art und Weise der Protokollierung energisch Einspruch erhoben habe, wie er heute angibt, dessen kann sich Fromnrel nicht erinnern. Giegrni II Uhr werden die Zeugen Gunz, Gilliot, Mutschler, Deutsch und Frommel vereidigt und entlassen. i Gendarmeriehauptmann Schotten äußert sich über die au die Gendarmerie in den kritischen Zaberner Tagen ergangenen Weisungen. Das Zaberner Kommando unterstehe der Kreisdirekfion, ivelche die Befehle zu erteilen hast Trr Zeuge orietttierte sich au Ort und Stelle über die Sachlage. Anfgesallen sei ihm, daß den Gendarmen gesagt worden sei, sie sollten ihre Pferde zu Hause lassen. Ter Zeuge gibt Kenntnis von einer Mitteilung des Brigade- schreibers Schröder, wonach Kreisdieeklor Mahl mtt einzelnen Gendarmen Rücksprache in Sackten ihrer Beruelimung genommen habe. Tie Gendarmen hätten aber ihnr — dem Zeugen — gegen über aus Befragen erklätt, wie kommt Schröder zu dieser Bchaup- Inng? Tas (bericht beschließt, den Brigadeicktreiber als Zeugen zu laden. Zeuge Oberlehrer Brücker, der in der Nähe des Schloß - vlatzes wohnt, äußert sich eingehend über seine Wahrnehmungen. Tie Vorgänge am 9. November batten eines gewissen Humors nicht entbehrt. In der Folge nahmen die Vorkonminisse allerdings einen, bedentlichen Eharatter an. Wiederholt habe er beobachtet, daß Offiziere belästigt wurden, so daß man schließlich das Eingreifen der Militärbehörde verstehen konnte. Zeuge Lehrer T r ö f l e machte eine militärische Hebung in Zabern und bestätigt die Johl- und Pseisszenen. Als der Oberst unter die Leute trat und sagte, sie möchten ruhig sein, die Aeuße rung des Leutnants v. Forstner würde untersucht werden, wurde der Oberst einfach niedergeschrien. Jbm und anderen Reservisten wurden Beleidigungen des Obersten zugerufen. Ein Assistenzarzt schilderte, wie er am 9. November, als er sich in Begleitung des Leutnants v. Forst n e r befand, von einer etwa 200 Personen zählenden Menge verfolgt und verhöhnt wurde. Ebenso wurden sie mit Steinen beworfen, es mögen etwa 20 Steine gewesen sein. Auch bei anderen Gelegenheiten seien sie von einer Menschenmenge verfolgt worden. Darunter waren weniger Frauen und Kinder, meist Männer. Die Gendarmerie hatte wenig Erfolg, sie entwickelte auch keine große Energie. —■ Einige Offiziere schildern, wie sie durch die lärmenden Menschen belästigt wurden, die sich zurückzogen, wenn Die Düsseldorfer Akademie sür vühnenkunst. Eine Umfrage bei den deutschen Dramatikern. Man schreibt uns aus Düsseldorf: Bor kurzem haben sich die Düsseldorfer Stadtverordneten mit der Erhaltung des Schau- svielhairses beschäftigt. Dessen Leiter hatten an die Stadt Tüffeldois die Bitte gerichtet, sie möchte ihnen gestatten, dahin znrückzukehren, wovon sie ausgegangen seien, zur Heranbildung eines besseren Nachwuchses sür die deutsche Bühne. Das sei möglich, indem man die bereits bestehende Theaterakademie zu einer städtischen Hochschule für Bühnenkünste ansbane. Tie Stadtverordneten zeigten sich dem Wunsche in diesem Umfange nicht geneigt, beschlossen aber die Förderung und geldliche Unterstützung der Akademie des Schauspielhauses. Es ist zu hoffen, daß trotzdem, nun der Gedanke einmal lebendig geworden ist, wenn nicht mit .Hilfe der offiziellen Stadt, so doch mit Unterstützung eines nach Mannheimer Vorbild geschaffenen Bundes der Ausbau der Hochschule zu dem gedeiht, was den Leitern des Schauspielhauses oorschwebt. Das Schauspielhaus hat sich an eine Reihe deutscher Schriftsteller gewandt und sie um ihre Ansicht über diese Pläne betragt. Es seien hier kurz einige interessante Urteile erwähnt: L e o G r e i II e r begrüßt den Gedanken lebhast. Er geht davon aus', daß die Leistungsfähigkeit unserer Schauspielkunst, im Durchschnitt gemessen, weit unter dem Niveau unseres gegenwärtigen Dramas bleibt, gar nicht zu reden von de» Aufgaben, die ihr im künstlerischen Drama gestellt find. Tie Schauspieler erfahren besten Falles eine gewisse Zucht in rein technischen Dingen, außerhalb dieser brauchte,r sie nichts zu wissen. Deshalb sei es zu begrüßen, daß die neue Akademie tür eine vielseifige und tiefere Ausbildung des Schauspielschülers sorgen ivolle. Auch die vovuläre Angliederung einer Art Volkshochschule erscheint Greiner fruchtbar. — HeinrichLiliensein tiiibet, daß die Akademie nackidrückliche Förderung verdient Sie werde auch dem Dichter und Kritiker von Nutzen sein. — Hermann Bahr erklärt: Auch mir scheint es vor affem wichtig, aus dieser gräßlichen Sfilnnsicherheit hinauszukomnten und so kann ich die Akademie, die Sie planen, mir von Herzen begrüßen. — ffialter Slocin sogt, Düsseldorf sei immer eine Heimat der Uunst gewesen und sei dazu beruseil, der Mittelpunkt der westdeutschen Gaue in künstlerischer Hinsicht zu bleiben und immer mehr zu iverden. Im Interesse einer Dezentralisation sei das zu begrüßen und schon darum müsse man die Akademie gründen, um einer Verödung der „Provinz" vorzubeugen. — Paul Ernst hofft, daß durch die Akademie das weitere Bergabgehen der Theater verhindert werden kann. — Julius Bab schreib!: Eine Stelle, an der die geistige Mission der Bühnenkunst begriffen, verkündet und mit allen Konsequenzen dargestellt wird, scheint mir gerade in dem kulturellen Moment, in dem wir leben, von äußerster Wichtigkeit und wenn die hier versammelten, im Zeichen wahrhaft dramatischer Kultur entstammten Geister Gelegenheit finden werden, ihre tatsrohe, weltsromme Gesinnung in volkstümlichen Borträgen auch ans breite Massen ausströmen zu lassen, so würde das einen weiteren Gewinn sür das ganze deutsche Volk bedenken. — Cäsar Flaischlen erscheint die Akademie zumal in Angliedernng an Kurse und Vorträge sür jedermann nicht nur nützlich, sondern geradezu notwendig zu sein. Wir brauchten vor allem „Schutz gegen unsere ziellos gewordene und sich in sich zersetzende Zeit, gegen den Militarismus, der über uns sei!" — Max Dreher findet, daß die Akademie geeignet sei, der weiteren Verflachung der Schauspiel- kunst Einhalt zu tun. ^ Interessant sind auch die Urteile zweier ausländischer Schriftsteller. HyaeintheLoyson begrüßt es, daß in dieser Akademie Schönheit und Kunst sich vereinigen sollen, um der Schönheit zu dienen. — Frederick van Erden sieht die Hauptfrage darin, wie man die Bühnenkunst von geschäftlichen Interessen befreien könne. Die Akademie scheint ihm ein Mittel, diese Frage zu lösen. Gefährliche wintersahrt der Aelpler. Eine der wichtigste,,, aber auch gefährlichsten Arbeiten in den Alpen bildet das Herablzolen des Baubolzes aus den Bergen. Die Holzsahrer sind daher nicht nur kräftige und starke, sondern vor allen Dingen auch geschickte Leute. Ein solcher Holzsahrer, deffen Tätigkeit höchst anschaulich von A. Purtscheller geschildert worden ist, fährt mit dem sogenannten Hahnschlitten, einem Fahrzeug mit eingebogenen Hörnern und zwei sckntrsen Kratzern an jeder Sette, hinaus in die Berge. Durch Geröll und Steine bahnt er sich den Weg, und das ist bei der hohen Lage des Schnees weiter nicht hals- brechend. -Oben im Hvlzschlag, wo das im Eonnner von den Holz- knechten geschlagene Brenn- und Baimtaterial lagert, wird Hali gemacht. Nun heißt's aujladen. Bevor er aber dies tut, zieht der Holzsahrer seine Mütze ab und betet ein Vaterunser für die aimen Seelen der Berussgenossen, die bei dieser Beschäftigung zu Tode kamen. Tann trintt er einen Schluck Branntwein, nimmt sein ans Schwarzbttot und Speck bestehendes Mahl zu sich, und dann geht's los mit dem Ausladen. Ein schlechter Holzknecht müßte eS sein, der nicht sein „Klasterl" sich auszuladen getraute. Ist alles verseilt, dann macht er sich aus vier oder sünt zusammen- qebundenen Scheiten einen „Hund", den er hinten am Schlitten befestigt. Dieser Hund dient dazu, um die Talsahtt nicht allzu l'chnell zu gestalten und gewissermaßen als „schlevver", als Hemmtttel, zu fungieren. Nun gehk's loS! Er stellt sich Mitten in'den Schlitten, nimmt die beiden Kratze rstangen tti die Hand iliid zieht an. Kaum ater ist der Schlitten ttn Gange, dann wirft er sich zurück, und die mit scknirsen Steigeisen bewaffneten Füße weit vor sich gestreckt, geht'? in lehnender Stellung abwärts. (Kar bald hat die Fahre die Schnelligkeit eines Eiienbahnzngeg angenommen. Ten Blick starr wie ein SchiffSkapitän vor lieft hingerichtet, die Hände an' den Kratzern qetlamrnert. io stiegt er vorwärts, vorder an kirch- turmtiefen Abgründen, die kaum einen halben Meter weit von ihlN eittjeritt gähnen. Wehe dem Holzsahrer, wenn ihn nur einen Augenblick seine Kraft oder seine Selbstbeherrschung verließe! Ein grauenvoller Tod wäre sein Los', und gar viele schon haben an diese Waltrhett glauben müssen. Wehe aber auch jedem lebenden Wesen, das diesen dahinsansenden Transporten begegnen würde. To wie von einer Lokomotive würde es beiseite geschleudert werden, denn ungeberier ist die (tzewalt, mit der ein.so schweres Fahr zeug bei einem Gefälle von 35 zu 100 Metev'in die liefe schießt. Ter Anblick eines solchen Holzschlittens in voller Fahrt ist für den, der ihn nicht gewöhnt ist, unheimlich, cnfietzlich. „Ich habe einmal," sagt Purtscheller, „eine Dame gesehen, die ohn mächtig wurde, als sie einen solchen Holzschlitten, gelenkt nur von einem Mann, an sich borbeirasen sah, und in dee Tat, es gehört eine Riesenkraft dazu, um dieser Ausgabe gerecht zu werden." lim nun die Gefahr, überfahren zu werden, nnmögfich zu mackten. Inte das Kreisforstamt eine Verfügung erlassen, nach der irnr zu be- stimntten Sännden bergan und bergab passiert werden darf. Diese höchst notwendige Verordnung ist an Tafeln angebracht, die sowohl aut der .Höhe wie am Fuße des Berges ausgestellt sind. Wer sich trotzdem in die Gefahr begibt, lammt darin um. Ter Schlittensührer ist ein sür alle Mal von jeder Verantwortlichkeit entbunden, da ihm bet der Unmöglichkeit, settr dahinschießendez Fahrzeug zu hemnien, keinerlei Schuld beigemessen werden kann, totem er die gesetzlichen Stunden innehält. Psnckwlogrsch interessant ist die Tatsackte, daß sich wohl selten einer 'dttser Holzsahrer. der Gefährlichkeit seines Handwerkes INI vollen Umfange bewußt ist. Sei es nun, daß sie durch die Ersabrungen von Jugend aus, durch den täglichen Umgang mit der Oiesahr ein so riesiges Selbstvertrauen mit ihre Kraft und Gewandtheit besitzen, oder daß ihnen das Wort „Furcht vor dem, Tode" absolut unbekannt ist — sie trennen sich nur schwer von der Beschäftigung, wenn sie sie einmal ergriffen ktaben: sie gleichen in diesem Sinne dem Seemann, den die Schrecken der See nicht mehr zu ängstigen ver< mögen und der es sür ehrenooll hält, IN seinem Element zu sterben. - Ist Rachitis eine Infektionskrankheit? Im allgemeinen hat man bisher die „englisckte .Krankheit" der Kinder sür eine Störung des Kalkstoffwechsels angesehen, obgleich eS nicht an Stimme» fehlte, die sie als Jnfekfionskrankheit ansprechen. Man hatte nun beobachtet, daß >m Anschluß an bakterielle Infektionen Versuchstiere Veränderungen an den Enden (Tiaphysen) der Röhrenknochen zeigten, die der Rachifis ähnelten. Tr. Jose' Koch in Berlin Hai diese Beobachtungen verpollkomninet und seine Ergebnisse in der Berliner Medizinischen Gesellschaft^ nrttgeteilt. Danach tvaren eS die Rotlauf- oder Erysipel-Strepto- totecn, deren Ansiedlung an den Knoehemmden zu Verdickungen und Veränderungen führten, ganz wie sick das Bild der Rachifis autweist. Ein endgültiger Schluß freilich läßt sich noch lange nicht ans diesen Experimenten ziehen. » btt DfHiittt ittbenblicbfii und ihnen dann salgien, UN, das Rusen wieder nuszunehmett Polizei und Gendarmerie schritt nicht ein — Zeuge Bankbeamter Kahn bekundet, daß er, als aus der Strafte Lärm entstand, mit mehreren Gästen aus der Wirtschaft „Zum Karpfen" heraustrat. De, Lärm war entstanden, weil Leutnant Sckmdt mit einer Patrouille aus und avging Plötzlich kam schabt auf ihn zu und erklärte ihn für verhaltet, wenn er einen Flucht versuch mache, luilrde von der 4t. l aife Wcbraud) gemacht werden Ohne Hut und Mantel wurde er dann aus die Wache gebracht. — Der Zeuge bat dann, den Leutnant Schabt noch einmal sprechen ;» dürfen, den er »ach dem Grunde selber Verballung kragte. Der Oksizicr erwiderte: „In Ihrer Gruppe hat einer gelacht, da habe ich mir einen herausgegrissen. damit basta!" Der Borsall wird von Leutnant Schadt nicht bestritten Der Zeuge behauptet, das, in seiner Nähe überhaupt nicht ge lacht worden sei. Ter Zeuge beschwert sich, dasi der Oberst v. llieuter meinte, er wolle sich über seine PcrhaktUng lustig machen Diese Verhaftung und FortslihruNg sei ihm durchaus nicht lächerlich vor gekommcti. Nach Schlug der Bormlttagssihung saUbc» wieder Ansamm luugen vor dem LandgerichtSgebäube statt, die von der Polizei zerstreut wurden. Nach de» .stundgebuitgen gegen Leutnant von Forstner am gestrigen Abend hat der Straßburger Polizcidräsident dem Gendarmeriekommando mitgetellt, das, dem Leutnant o. Forstner drei strimtnalbeamle und vier Schutzleute nach Beendigung der Bor mittags- und NachmillagSsitzungeti zum persönlichen Schutz zur Be gleituttg angewiesen worden seien. Ter Kaisers, Erste TtaatSauwalt W i t t in a n n von Zabern hat selbst eine Bertiehmung beantragt, um sich gegen Angriffe auf die StaatSanlvaltschast zu verwapren. Oberst v. Reuter habe gesagt, die Staatsanwaltschgst in Zabern > ättc versagt. DaSInriickzuweisen, überlasse er seinen beiden init hirrhergrlommenen Staatsanwälten. Er habe ober eine persönliche Angelegenheit und schicke voraus, dass seine militärisckie Oualisikativn aus dem »mstande erkenntlich sei, dag er nach 9s>jädriger militärischer Dienstzeit mit der Er laubnick zum Tragen einrr GardeuUiiorm ehrenvoll verabschiedet worden sei. Militörfreundlichkeit könne ihm also nicht abgeiprochen iverben. Ter Zeug« bezieht sich aus einen am 83, Dezember vom Obersten erhaltenen Briet des Inhalts, dag der Erste Kaiser!, (Staatsanwalt seinen jüngeren Kollegen mittcilte, die ln Zabern .'lUriicdgkbltebcncn OskizicrSdamrn hätten sich in provokatorischer Weise aus der Straße bewegt. Ter Oberst bat ferner um AusküUit, ob und inwieweit eine solche ?leuster»ng des Ersten TtaatSainvaltS „rtrefse; «r möchte aber von der AuSknnst seinen dienstlichen Gebrauch machen. Eine solche Angelegeuheit» so erklärt der Erste StaatSäMvalt, betrachte er als Ehrensache, er wunderte sich daher über die Form, in »reicher sie der Oberst behandelte. Stall von .Kavalier zu Kavalier die Sache durch eine Mittelsperson zuui Aus- Irag zu bringe», wählte der Oberst den Dienstweg, aus welchem er ihm mit einer versteckten Drohung begcgnrle. Aber Drohungen beeiuslussen mich nicht, meint« der Zeuge, er habe daher den Porsall an seine Vorgesetzte Behörde berichtet. In Wirklichkeit habe sich die Sache so abgespielt: Eines Tages »ln die Mittagszeit, wenn die 'Fabriken sich leeren, bew'gten sich acht, der Zaberner Offiziers Hamen zusammen übrr die Slraste». Das sei seiner Frau ans- gesallcn. Er habe ihr erwidert: lvie unvorsichtig von den Damen, »vie lescht setzen sie sich der Gefahr aut, von einem Teil der gemeinen Zaberner Bevölkerung beleidigt aii werden. Das sei «ine Ausfassung, die ouszulvrecheN er in keiner Weise siir beleidigend anschr, eä war das der Ausdruck riner BeiürchiitNg, Den Brrel deS Obersten behandelie der iseuge in der Folge ebe»- salls für dienstjich und sandle ihn nach KenntniSnahnre dem Öftersten zurück. Durch dirje dienstliche Behandlung sühltk sich iwr Oberst verletzt und schickte dann selbst zur kavoliermählgen Erltckigung eine Mittelsperson Bor drm Regiinent sich ztt vet- antwoiten, lchnte der Elaatsannialt ab, er versicherte aber der Mittelsperson, dast ihm bei der Bemerkung über die OssizierS- ldrrmrn jebri' SulhjcktlvttzmnS serngklegen habe Damit »>ar die lAngekegenhelt aus bas Gleis der Ehr-Nsache geschoben und korrekt erledigt, Trvtzdem habe der Oberst sie vor daS Forum einrr össenlliche» GerichvSverbandiung grlnackt Bert, R-A, Grvisaril, erklSrl dem Zeuge», auS welcher harmlosen Brranlassung beratls der Oberst dieses Thema zu seine, Berleidignng herangezogen Hab«, Im übrigen stehe sein Maildoiit auch jetzt noch aus dem Standpunkt, dass nichts Provozierend«-:. darin erlsticki werden könne, wenn acht ihrer Männer beraubte Frauen zusammen einen AnSilüg nach dem Hobarr unle, nehmen, — Das Gericht lehnie es ab, aul diese rein persönliche Angelegenheit weiter elnzugehen. Die beiden weiteren Perircier der sich beleidigt sühlende» Etaalsanwallschast setzte» tick mit dem Obersten über die Fälle aiwklnandcr, die kr im Auge hatte, als er erwähnte, dast der Schutz militärischer Interelseu durch die Ltaatsanwollschast versagt habe. Die AuSeinantzeiietzungen eNbeleit damit, dast der Verteidiger drs Obersten der SiaatSanwollichast eine Art Ehrctt- elklämng ausstellte, Zeuge Staaisaulvali Klcinbähmer schtloerle seine in Dentschland berühmt gelüükdene Berhastung und Wlederentlailung tu der Pandurennacht. Der Zeuge wurde ohne weitere-, als er a„S einer Gerichtssitzung kam Und toegest der BrthaftuNg des Land richlers Kaltlch sonsternirr! stehen blieb, von einen, Leutnant und mehreren GendarMeN festgruommeii. Er wandte ,'rch zu dkl» Leut uant und sagte, Ich werde Mick, doch nickt von meinen eigenen »nlerqkbenen sorisühren lassen, Ick bin Staatsanwalt Kleinböhmer Der Leutnant enlschuldigtr tick und erklärte, WrnN Sie sich gleich vorgestcllt hällen, hätte ich Stk nicht verhallen lassen. Der Zeuge mathie dann einige Bemerkungen über da- llugesetzmästige des Mikilär? tmb sragle auch, ob der Leutnant alle Personen verhalte, die sich nicht vorstellen? «««roste Heiterkeit « Der Staatsanwalt jckil- derle dann die weiieren Berhäriungcn und seine Erlebnisse, als er den vcrhaklelen Landrichter K'alsick nach der Kaserne begleiteie Der BerhandlungSIührer stellte die Frage an den Zeuge», aus welcher Rechtserkennlnis er dazu gekommen sei, dem Oisizier zu bemerken, Tie haben mir nicklS zu sagen, ich gehe nickt weiter. Der Zeuge erwiderte, AuS der Erwägung heraus, hast daS Militär »ubeiugterweisc iich die Errkutivgewalt aumastle. Et habe gewustt, dast voll der Berhäugung drS Belagerungszustandes nicht die Rede war, er wustie anM, dast das Militär von der Zivilgewalt nicht reouirieit war. Somit konnte sein Widerstand gegen di« bewaiinekc Macht nicht nngksctzlich sein, denn der Widerstand sei »nr strafbar, wenn das Militär sich in rechlmästigkr Ausübung seines DrensteS beiinbc. DaS sei seine juristische Ausfassillig der Sachlage Landrichter Bermel Mann gab eine Därstellnna des militärische» Vorgehens, das an K rastheil fast nichts zu wünschen übrig gelassen habe. AIS er vom Gericht kam, waren die BerhailuNgeft in vollem Gange, ohne dast daS Leben in den Straste» ein anderes Bild bot, wie an Sonntagen. Der Marltvlatz war menschenleer. Seine Erlebuisse versetzten ihn in lurcktbare Angst, da ein KonsUkI feit längerer Zeit in der Lust lag und Man schon von der B e r e i t - stell» ng der M a s ch i n e n g e w e d r e gesprochen dolle. Bald criölqte die Berhgstung der GerickNSperlonen, und als rr dieie ernste Wendung der Dinge lab, iürchtele er ritte inrchtbare Gesalir Wenn in den enge» Straßen von Zabern gescholten worden wäre, io mnstte ein namenloses Unglück Uber Zabern und das ganze Paterland heceindreibeii. Um dieses drm Oberste» mitzuteiicn, eilte der Zeuge in die Kaserne, damit kein Blut flieste. Er stellte dem Oberst alles vor, ohne aber aui Verständnis zu stosteu. Dkl Oberst war änsterst auigeregt. Dem Zeugen schien k«, als ob der Oberst, den er nie so gesehen, NUler dem Einslust einer Idee stände, i» Zabern komme ein lang vorbereiteter Putsch oder eine Revolution »um AiGbrnch Davon konnte keine Rede sein. Der Zeuge dal mit guten Eliäisern die Zaberner BorsällS belvrochen, die erklärten, hler kann nur der Kaiser Helsen Das beule aus keine revolutionäre Gesinnung. Zeuge Landrichter K a l i s ch bekundete, ftoft_bie ganz ungesetzliche Festnahme eines junge» Mannes ihn zum Stehenbleiben veranlaßt habe Ein Offizier in der Nähe von Soldaten befahl laut, weiter zu gehen, niemand dürfe stehen bleiben. Diesem Bcschl wider setzte sich der Zeuge in der Aussassung, dast das Militär unrecht,nästi qerweise die Straßenpolizei auSübte. Er erwiderte dem Oiiizier, das un^fetzlich, die Exekutive haben Sic nicht. Der Ossizier crflärlc: Wenn aber die Polizei nichts tut? — Der Zeuge weigerte sich, weiter zu gehen, woraus er verhastet wurde. Rechtsanwalt Schaufler «Zabernl hat sich als Zeuge an geboten, um im Interesse seiner Mitbürger zur Aulilarung te, zuiragen. Der Zeuge wohnt neben dem Tchlostplatz. Am ,lbend der Pandurennacht um 7 Uhr machte er feinen gewohnten Spaziergang Unterwegs wurde ihm erzählt, dast ein junger Mann zu unr> verhasiet worden sei. Als er zu seiner Bohnung zurucklehrle, m er einen Zug in Begleitung des Obersten aiisrücken Trommelwirve ertönte und eine Ahnung sagte ihm, jetzt wirb grlckolien, obne o I, er eine Vermutung hatte, weshalb. ES war kein Ausiaul »ul «e Straste, lein Lachen und kein Johlen. Er wich vor den auslmi mrnben Soldaten zurück und ging zur Bahn. Später härte er der Perhastung der GerichtSpcrlonen. Das,Borgehe» gegen d> l habe ihn am meiste» empört. Er habe srriindschailltch mit den z. n zieren verkehrt »nd drei Tage vorher »öck mit dem L Herst * *“1 zusammengesessrn Er urteile also lehr objektiv. Aber er >nm c - klären, die Zeugen, die von einem Lärm oder von einem Aull berichten, der das Eingreilen des Militärs lechtskrtige, die l g die Wahrheit nicht. Er habe die Zaberner Einwohner,chatt bewun dert, jede andere deutsche Ltadt hätte sich das nickt gesallcN lall Bon irüheren Auiläuien um die Oitizierc Ivisse er. aber die leien gewiß hllimloscr Natur gewesen. Frauen atniifierten ficö hat £* dem Abbrcnnen von Fröschen. Die ganze -ache wäre m ^°nk>e perlanien, wenn man den Leutnant p. Forstncr enttxrnt Hatl,. t >ewt» hatte er ein RerG, ans her Straße »» promenieren, aber daa»atte nicht in provozierender Weise geschehen sollen, wie der Zeuge e-> ^"^Z?üge Recktsamvalt Fetter gab eine ähnlickze Darstellung Zeuge Rkierendar Bergkops hat eine Reihe von Verbal- tnngen beobachtet, iür die er absolut keine Erklärung Zeuge hatte den Eindruck, als ob die Leutnants als llgeitls provo- eateurS vorgeschickt würben, um die Bevölkerung zu reize» Einige als Zeugen vernommene Musketiere berichten von w lcldlgiingcN und Bedrohungen des Militärs Es wurde gerulen Der Leu tu aut soll per, ecke», der Sämpreuh. die 19-Mürk-Soldatc», Es ist dabe, auch zu Tallichletten gekommen, weil die Angreiser, deren Beleidigungen aus der Stelle envidert wurden, eine bedrohliche Haltung cinnahmen, als tvurden sie zum Messer greifen, , , . Zeuge Arbeiter W r iS » er friickt ,» seiner »lusmgr Ertnne- rungr» aui, nn seine Dienstzeit vor 89 Jahren in Köln, lvo Oberst p, Reuter Oberleutnant i» seiner Kompagnie nmr Er trat Ihn in Zabern wieder und sprach ihn an. ce eit hem Hobe ihm der oberst nur Freundlichkeiten erwiesen, ^ , Der Zritgr Scknibmackrr D o r n l a n d will von Leutnant .chabt ohne Veranlassung einen Schlag in- Gesicht erhalten haben, wobei ihm rin Eck,ahn nbbrach. Der Schlag sei nnt der ilacken 5-and rriolgt und der Zeuge hat gegen den Lentnant Strotantrag gestellt Bo» dem Bvrsall hgtte der Zeuge zunächst niemandru, Mitteilung gemacht, Leutnant Schadt bestreitet dnrchmis diesen Vorgang ,! Gendarmerienachtmeister Lohst gibt an, Oberwackinictttki Kaicker habe zu ihm gesagt, daß der »reiSBirektvr Mahl mit Gendarmen eine Zusammentunst gehabt babe, uul über den Pra- zest zu sprechen, — Ein anderer Gendarm habe ihm erklärt, sie hätten vom Kreisdirektor Anweisung erhalten, in dem Prozeß auszusagen, Die Heranziehung von Gendarmen hätte nach ihrer A n l s äh t genügt. Kreisdirektor Mahl bestreitet entschieden, eine solche Aeu ßcrung getan ,n baben, er habe die Gendarmen nur irmahnt bet bet Wahrheit zn bleiben. Wachtniristec Schmidt 'bestreitet, von dem Kreisdirektor bceintlnßt worden zu sein, rr häbe seinen Kollegen auch nichts detglkichen gesagt. ES werden hierzu noch eine Reihe von 'Zeugen vernommen, ohne daß eine völlige Klärung drr Sache rintritt. Nach Schluß der Sitzung wurdrn au? dem abgesperrten und von einem Massenousgebo! von Polizisten heivochten LandgrrichtS-- gebäude Oberst v, Reuter und Leutnant v, Forstner zu einer Hintertür hinausgclassen Unter polizeilich» Bewachung bestiegen sie einen Wagen und fuhren davon, » ?lnt Prcssetisch wurde nachträglich bekanni, daß bei dem Aüfiaul am gestrigen Abend et» Istjähriger Lehrling Linhaii, der sich an den Ruien i» hervorragender Weise beteiligt haben soll, durch einen Ossizier sestgcnommen wurde, Ter Junge tvnrde bald wieder ani freien Fnst gesetzt, — Ter Vorgang wurde als BeiretS daillr angrseben, daß auch ein größeres Schutzmanns ausgebot nicht itnstande ist, bei feer Bevölkerung mißliebige Per tonen gegen alle Zwischenfälle und Zurufe zu schützen. Zum Untkkgang der GNahama. Ne>»-?jork, t>, Jan, Kapitän Aspinall von dem Dampfer „Gregorn" berichtet, er habe, nachdem das stiel tnngsbool de? , Oklahaina" gesichtet worden war, sei» Schiss an die Leeseite de? sticttungSbootes gebracht in der.Hossnung, die riesigen Welle» möchlen es auf da? Deck des „Gregor»" werfen und so die Insassen retten. Er schätzt die Gcschwinbig- keil des Windes auf 70 MiileN in der Stunde, Als das Rettungsboot nahe lani, bemerlte inan, daß sich sechs Man» an ihm sesihieltcNt sie waren aber durch das wiederholte Kentern des Bootes so crschöpst, daß sic nicht mehr in das Boa! Iletiern konnten. Dieses lvnrdc immer wieder itinge- stürzt und i» die wütende See geschleudert. Der dritte Maat, der erste und zweite Offizier, sprangen in die See und schwainme» gegen das Boot und sicherten es mit Seilen, die ihnen »Ugewöifen wurden. Zwei Stunden dauerte es, bis sie die Schisshriichigcil gerettet baltrn. Wiederholt wtirdcn sie von den Wellen gegen da? Schiss geschleudert. Einer der Schissbrüchigcn ivar erfroren. Das Befinden de? dritten Maates und des ztveiien Lssizicrs de? „Gregory" ist heute schlechter als das der Geretteteil, vermischte». * E T v l o s i o n c n, Wie die französische» Blätter melde», sind in der staäilichen Pulversabrik B o » g c s bei Dijon zwei ?l r b e i t e t durch eine Explosion getötet und mehrere verwulidet worden. Ein Deik des Gebäude? wurde zerstört. Rach einer Meldung dös Kriegs,ninisterinms sollen vier Arbeiter verwundet, jedoch nikmond gelötet worden sein, — Nach einer Meldung aus Toulon wurden durch eine Explosion des Kesselroykes auf dem Panzerschiff „Gaulot?" Pier Matkojen durch ansstiömende» Dampf schwer verbrüht ' Bitt Kinder tvtgktreten Im Siabtlhealer zu Sansuan «Puerto Rico) sollte eine WkihnaawSbesckp-rung armer Kinder stotlsinhen AIS die Türe» geöffnet mürbe», entstand ein Gedränge, wobei vier Kinder lvtgetreten uns 18 schwer verletzt wurden, * Entkommene Mörder, Aus Flensburq i, Jan, wird gemeldet: Der bei den Ekweiterungsarbeitön des Kaiser-Wilhelm Kanäls angestelltc Wächler Ltbvrra überraschte heute früh zwei Einbrecher, Es gelang ihm zu nächst, sie in eine Baubude eilizusperren. Sie brachen aber aus und schlugen dem Wächter den Schädel ein. Die Mörder sind enlkommeit, * Selbflfrltif. Herr im Restaurant : „Sagen Sie, Kellner gibt'? denn heute keine Suppe?" — Kellner« „Es gab, Herr aber ich habe sie weggtgolstN," ' 'Naiv. „Mein Gott, die Menschen sind hoch,u zerstreu,! ra ^t'chon wieder einer mdH». nnm, Ueberzieher genommen!" _ ^ 11 ke Ausrede „Ich habe Walter einen schönen Schlips tuten geichenkt, den ich selb» gemacht habe," sagte M-bel, u Wei Nun, nr a sckiön. vic bat er ihm g?,'allen?" sehr: er sagte, er sei N-. inriM(* Auge cmes anderen Lterblicki^n sehen ^rie, alo das iciNL. War dac- nicht reizend von ihm." vanvel. — Preisbewegung Tie Bereinialen Elsässijchsn Baum- wottivlnner habe«, lNarne au? ägyptischer Baut»,volle »,U 4 Plg, dir das Kg, i»> Preise heravgeiegt, — Ter Oderrheinische Hobel- «wlz-Verband hat sich aulgelöst. -- .. ' " Märkte. tl Gieße», 7, Jan, Ter gesteige R i n d v i e h »> a r k t Halle einen Vorrat von bsv Ltück (Nrostvieh, sowie Löt, Stück Jungvieh und Kälbern, Durch den Beschlltsi der Stadtveroednelen-Berla«nni- lnna, de» Montag schon als Plarttlag anztlerkennen, hatte der Bortandel bieSntal ein anbereS Gesicht, Tie veterinärvollzeili? e Kontrolle des Marklauktriedes tn»d teilivcile lchon be««n Borhanbel ' att! auch entwickelte sich der Handel in den Ställen viel freier »nd geregelter, so hast ein Einkäuler ang Thüringen eilte» gröbere» Transport vlilchware kanie» kvtinle, ebenso wurde da? Geschält in Schlochlkühen nach dem Rheine adgetvickelt, Ter vanptttwrkl, der dem dieStnal gute Qualitäten, llttster in Kälbern, lveder angedoten itoch geiuchl waren, ivickelte sich flott ad. Bei de»> nicht starken Andrange der Käuier langt« der auch nicht grobe Vorrat in Gron- vieh volilomtncn aitS, Für den Imigviehbandel ist jetzt keine nahe«,de Zeit, Am Kätberninrtte zahltet, die Einkäit>cr siir die Großstädte siir gnle Ware, waS veitaitat wurde, uitb bemirfteil dadurch ein ltästigeS Steigen der Preise iür gute und mittlere Kälber, so daß die Gjrbr„«r Blehger, vo» denen inehrere getomme» waren, in» ihren Bedari zn decken, kovsichütielnv »»- »erricksteier Sache den Plarlt verliebe». Gehandelt wurde» daS Stück: Kühe srisctnnelkend imb tragend I. Qualität Nicht vorhanden, 2. Qual, Mk, 475 —550, 3. Qual, Mt. 350—450; junge Stiere und Rinder Mk. 160— 2?0, je nach Alter und Form, Bezahlt wurde filr den Zentner Schlachtgewicht: Fetts Rinder kehlten Ntn 'Markt gätizllcd, irltc Kühe I. Qualität ivare» nicht vorlwtiden, 2, Qualität Mt. 7>i bis 30, 3, Qualität Mk 70—7«; Kälber I, Qualität Mk, 83— 100 «einzelne extra gute Stücke bis 104 'Mk ), 2. Qualität Mk, 94—96, geringere Ware irhltc. — Nächster 'Moitt 20, ,ntd 21 Ianttnr d, I. FC. Wiesbaden. Diehhoi-Marktberlcht vom 7. Iati, Anstrleb: Rinder t«0 lOidie«, 12, Artklen 6, Kühe und Färlen 42) Kälber l7<«, Schake 3tz, Schweine 379. Preilc kür 100Pld. Geschält mittet. Lebend- Schlacht- Ochs «n. aeivicht^ Boststesschsge, ausqemästete, höchsten Schlacht» Dlk, inertes im Alker vo» 4—7 Jahren .... 56— Ü8 Junge, fleischige, nicht auSgeniästete und ältere «uSgeinäslete...... 49—51 Mastig genährte junge «l>d gut gegenährte ältere . . . ........45—49 Bullen» Bollsteilchige, ausgew,, höchste» Echlachtw. . . 45—4? Bollflelschige, jüngere. 42—45 Färie», Kühe. Bollsteischige ouSgenlästete Färsen höchsten Echlachttverles.......... . 50—54 Bollflelschige auSgeniästete Kühe höchsten SchiackittverleS bis ,» 7 Iahreti.....42—45 5'eltere auSgeniästete Kühe und ivenig gut entwickelte jüngere Kühe......... 45—49 Mäßig genährte Kühe »nd Färirn.....35—41 . . . 31—35 Mk. 89-98 87—96 81-87 78—82 10-78 89-96 76-80 85—30 66—70 62-63 Erring genährte Kuh« und Färse» Kälber, Feinste Mastkälber..... 63—71 Miniere Plast- Und beste Saugkälber.... 82—88 Gektngere Blast- und gute Saugkälber , . . 58—80 Gering« Saugkälber...... 49—64 Schake. Weldemastlchase: Mosllämmer und Masthamtnel .... 43,00 -44.00 Aeliere Blastha»Ui>el. ain genährte junge Schal« «nd geringere Mastlämmer......34-38 Schweine. Bollsieischlge Schweine van 80-100 hg Lebend- _ gewicht.........• , . . . 58-59V, Bollflelschige Schweine unter 80 h» Lebendgewicht 58-58 V, Bollfletschlge Schweine von 100—120 Irz Lebend- getvlcht.....-........ 60-89*/, Bollsteischige Schweine von 120—150 kg Lebendgewicht ..............58-59 Ietlsckiwet»» über 150 kg Lebendgewlch! . . 51—520, 64—68 Limburg a. ». Lah», 7. Ja». Frucht markt, Durch- schniltSprelS vra Dlalter, Raler Welzen (Rassautscher) 15,70 Blk., weißer Weizen (attgebante Fremdsorieli) 15,20 »l(, Korn 11,50 Mk,, Gerste Futter) 9,00 'Mk., Braugerste 10,60 Mk„ Haler 7,75—0,00 Bck. Erbse» 0,00 Mk, Karsoffelti 0,00—0,00 Mk, 113-118 103->10 94-100 83-92 90—92 75-85 75-76 74— 75 75- 76 73-74 Meteorolog sche veobachtungen der Station tSiehcn. I“ v Jan. 1914 Ipf !i S* $1 S 3 «*c il || if — I M ?l|l «Sf i-£l Wette, 7.1 747,5 9,5 3,9 73 NNW 4 6 Sonnenschein 7.9“ i62,9 0,0 3,8 82 WS w 2 9 Bew. Himmel B.j 7“; <54,8 0,8 4,6 95 8W 2 10 Bcd. Himmel Höchst« Temperalur am 6. bis 7, Januar 1914 = + 3 4"r Niedrigste . .6 .7, „ 1914 = + o,0* f Niedrigste üf Niederichlag 0,0 mw. jluf der ganzen Ulelt bekannt« Qn bejug auf Nährwert, Schmackhaftigkeit unb leichte Berdaulichkeit steht Scvtis Ein ul- fion dieses feit Jahrzehnte» rühmlichst bk- »anntc KräftlaunaS- und Stärkungsmittel. Kcoids ^Emulsion -weifellos an erster Stelle. Wer sich die Verteile dieses Präpa. rales sichern will, bestehe darauf, die echte Scotts Emulsion zu crhastcn Der Erfolg wird dann Nicht fehlen,und Enttäuschungm, d >< stk Mm Gebrauche minder- , . . F’ 1 -" tif.cr stiachahmungen imver- -nndlich sind, bleidci, erspart - ««MBllVillMvü