Nr. v Ter Sleßener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich KießenerLamitieiblätter; zweimal wöchenll.Aieir- dlittfstrdeuXreir Siehe, (Tienstag und Freitag): zweinial monall. Lani- »ittjchastliche Aeilsrage» Fernsprech - Anschlüsse: fiir die Sfcbaftio» 112, Verlag it. Sjpebitioii 51 Adresse inr Depeschen: Anzeiger «icßcu. Aanahwe v«, Anzeige» lür die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erster Blatt 164. Jahrgang Donnerstag. 8. Januar 1914 BezngSvrel»: >nonaIIich75M„ viertel' jährlich Mk. 2.29; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich KL Pj.; durch diePost Mk.2.—viertel, jährl. ausschl. Bestellg- Zeilenpreis: lokal ILPs„ answättS 20 Pfennig, Chesredakteur: A. Goetz. Verantwortlich sür den polit. Teil: Aug. Goetz; sür .Fenilletoitt, .Vermischtes. und.Gerichts- snal": Karl Neurath; sür .Stadt und Land": Rotationsdruck und vertag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und vruckerei: Schulstrahe 7. Anzeigen!'-,!:' h!" Beck! ietzenerAnjeiger General-Anzeiger für Oberhessen Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten. Das hessische landw. Genosienschastswesen zur Jahreswende. Don gut unterrichteter Seite erhalten ivir folgende Betrachtungen: gespannter Erivartung und banger Sorge trat das hessische landNnrtschastlichc GenossenschastSwcsen vor Jahresfrist in das ercignisschwere Jahr 1913 ein, das eine Fülle unmigenehnier und trauriger lleberraschuugeu im dunklen Schoße seiner Zukunft barg, Große Ereignisse pflegen ihre Schatten Vorauszuiversen Das Unglück von Nieder-Modau war ein Borbote, mit dein sich schon Ende 1912 die breite Oefsentlichteit beschäftigte. Doch niemand lonnte noch das hereinbrechende Unglück im vollen Umfange ahnen. Iw Oktober 1912 war die Reichsgenosfenschaflsbank in stille Liquidation getreten, um ihre Engagements in Ruhe und damit unter möglichst geringen Verluste» abwickeln zu können. Unter den cinzelstaatlicheii Genossenschaftsbanken, die ihre Mittel bei der Reichrgenoffenschaftsbant sestgeleqt halten, stand die L a n d >v. G e n o s s e n s ch a f t s b a „ k A. G. in Darinstadt in der vorderen Reihe. Beide Banken befanden sich nicht nur in Personal-Union, sondern leider auch in den innigsten Gcschästsbcziehungen. Das Schicksal der einen war daher eng verknüpft mit dem der anderen. Schon Anfang April sah auch die Landw. Genossenschaftsbank sich zur Ausuchung eines Moratoriums genötigt. Das ivar ein harter Schlag für die hessischen Spar- und Darlehnskassen, besonders aber für diejenigen, die über namhafte Guthaben bei der Baut verfügten. Schwere Stunden wurden durch dieses Ereignis den draußen im praltischcn Genossenschaftswesen stehenden Männern bereitet. Wo Ruhe und Besonnenheit bewahrt und jeder an seinem Platze seine ganze Persönlichkeit in vollein Bewußtsein des Berantivortlichkeitsgefühls gegenüber der j Gesamtheit einsetzte, ivurde weiteres Unheil vermieden. Aber j auch die g e l d b e du r f ti g eii Kassen tarnen in Bedrängnis, sic wußten nicht, ivohcr sie das Geld nehmen sollten, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Alle Kassen plötzlich ohne Banlverbinduug — was das heißt, wird jeder wissen, der in dieser Situation stand. Dieser ! kritische Moment wurde allerdings von den privaten Banken nicht nnbenützt gelassen, um „geschäftliche Bcrbin- ! düngen" mit den ländlichen Kassen anzuknüpfen. Ter Rot j gehorchend, nicht dem eignen Triebe, machten eine Reihe von Kassen von diesem Licbeswerben ans iurze Zeit Gebrauch, | bis der erste Sturm vorüber war. Zwischenzeitlich haben sich die größeren Kassen zusammengetan und eine neue genossenschaftliche Gcldausgleichsstelle, die Zcntralkasse der Hess, landw. Genossenschaften E. G. m. b. H. gebildet. Diese neue Zentralkasse ist vollständig rein von alle» Betciligun- i gen und Kreditgewährungen an andere Unternehmungen, und dient als Genossenschaft allein den Interessen und Be- \ dürsnissen der ihr angeschlosserrcn Genossenschaften. Sie i hat sich zur Kreditbeschaffung der staatlichen preußischen Zentralgenossenschaststassc i» Berlin angeschlosscn. Mit - 12 Genosseuschasieu wurde die Zentralkasse gegründet, heilte j gehören ihr bereits über 1300 Genossenschaften an. Diese l Entwickelung ist ein erfreuliches Zeichen einer beginnenden ! Gesundung des Kredit-Genossenschaftswesens. Um die junge i Zentrallasse mit ausreichenden Mitteln auszustatten, damit sie den gesteigerten Anforderungen genügen kan,! und um die notleidenden Kassen vor dem Zusammenbruch zu bewahren, haben beide Kammern der Landstände schon im Juni v. I. beantragt, der Staat möge den Genossenschaften ein Darlehen von 1 Million Mark bewilligen. Geraume Zeit war cs in der Oesfcntlichkeit stille gc- ivorden von der dem Genossenschaftswesen zu bringenden Staatshilse. Ta erscheint Ende Oktober ein Antrag Hehl und Genossen in der Ersten Kammer, der viel weitergehende Staatshilfe, verbunden mit Verstaatlichung der genossenschaftlichen Zentralgeldausgleichsskell? forderte. Bald hieraus taui die Regierungsvorlage, die düs im Sommer geforderte Darlehen von l Million Mark den Genossenschasten gewähren wollte. Rach langwierigen Verhandlungen wurde im Dezember verflossenen Jahres die Regierungsvorlage in erweiterter Form zum Gesetz erhoben. Tie Zenlralkasse erhielt darnach zu Weihnachten eine Million Mark D a r l e h e n und einen weiteren, entsprechend dem Geldmarkt zu verzinsenden Kredit von zwei Million Mark und wird unter Staatsaufsicht gestellt. Diese Staatshilfe und Staatsaussicht wurden naturgemäß iu_ der Oessentlichkcit und besonders in Genosscn- schastskrciscn des Reiches lebhaft erörtert. Die Meinungen darüber sind sehr geteilte. Unstreitig wurzelt eine gesunde und lebenskräftige Entwicklung des Genossenschaftswesens in den Grundsätzen der Selbsthilfe. Selbstverwaltung und Selbstveranlwortung. An diesem Fundamente werden auch unsere hessischen Genossenschasten nicht rütteln lassen. Damit ist aber nicht gesagt, daß die Selbsthilfe eine fördernde und wohlwollende Mithilfe des Slnates ansschließt. Vereint können beide in kritischer Lage sicher mehr leisten, als eine schwache Selbsthilfe. Mit Recht wies ans diese Sachlage der Präsident des Verbandes der hessischen Genossenschaften, Oekonomierat Walter (Lengseld), in der Ersten Kämmer hin und betonte auch die planmäßige amtliche Förderung des landwirtschnsttichen Genossenschaftswesens in anderen Bundesstaaten, die geradezu eine glänzende und durchaus gesunde Entwicklung der genossenschaftlichen Organisalionen zur Folge hatte. Soll dann bei uns der Staat in ei»ei> so schweren Zeit untätig zuschauen, ivenn ein großer Teil der Bevölkerung in Notlage gerät? Gewiß nicht, er erfüllt mit seiner finanziellen Hilfe in diesem Fall eine Valcrpslicht, bis das Kind Genossenschaftswesen wieder völlig genesen und erstarkt ist. Auch die Staatsaufsicht hält sich in Grenzen, die sich mit den Grundsätzen eines selbständigen Genossenschaftswesens durchaus vereinbaren lasses,, .iuvercisrits lann nicht bestritten werden, daß die Staatshilfe von der Bevölkerung als loeitcrc Sicherhcitsmaßregel durchaus begrüßt wurde. Die ziveile große Gruppe von Genossenschaften — die landwirtschaftlichen Konsumvereine und die Zentralgenosscn- schaft der hessischen landwirtschaftlichen Konsumvereine '— wurden durch die Krisis weniger berührt und haben mit wenigen Ausnahmen ihre volle finanzielle und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erhalten. ' Einschneidende Aendcruugen dagegen haben sich in dem Verbände der hessischen l a n d io i r l s ch a j t l i ch e n G e n o s s e n s ch a s t e n vollzogen, dem als Rcvisionsbehörde sämtliche Genossenschasten angeglicdcrt sind. Ter stürmische Verbandstag im Juli v. I. brachte ein neues Statut, eine neue Geschäftsführung und einen neuen B c r - b a n d s p r ä s i d c » t e n in der Person des Oekonomierats Walter (Lengfcld). Es galt in diesem Institut, wo seither alles auf eine Persönlichkeit zugeschnitten war, tatkräftige und ganze Arbeit zu leisten. Durch zahlreiche Besprechungen, durch Auskünfte und Belehrungen aller Art wurden die Interessen der Genossenschaften durch den geschäftsführenden Direktor Dr. Fitting in entschiedener Weise gewahrt.^ Besonderen Wert legte der neue Verbandspräsident ans den Ausbau und die Vervollkommnung des Revisions- we sens. Scharfe Maßregeln sind dahin getroffen, daß bei den einzelnen Genossenschaften die Revisionsberichte nach Eingang in gemeinsamer Sitzung mit dem Aufsichtsrate besprochen werden und innerhalb einer bestimmten Frist dem Verband Mitteilung über die getroffenen Maßregeln erstattet wird. Auch das Buchsührungs- und Kassenwesen des Verbandes wurde neu geregelt. Eine gesunde Reinigung bar sich auch im Mitglicdcrstand der Vcrbandsgcnosscnschasten vollzogen. Faule Genossenschasten und solche, die sich den Anordnungen des Verbandes beharrlich widersetzen, wurden ausgeschlossen. Die Zahl der durch Ausschluß, Auflösung und Aufkündigung zum Jahresschluß ausscheidendcn Genossenschaften beträgt 63, so daß dem Verband noch 614 Genossenschasten angehörcn. Der Zusammenhalt der Genossenschaften im Verband ist der beste Beweis für dessen Unentbehrlichkeit. Ganz richtig kennzeichnet ein Vertreter auf dcni letzten Verbandstag die Wichtigkeit des Verbandes in folgenden Worten: „Ohne Genossenschaften können wir Landwirte heute nicht mehr leben, und ohne Verband können die Genossenschaften aus die Dauer nicht bestehen." Am Schluß des Jahres kann man sagen: Es war ein schweres Unglücksjahr, ein Jahr harter Prüfung und Heimsuchung. Manche Genossenschaft blieb aus dem Wege: aber leistungsfähiger, gesund und reich an Erfahrungen geht die weitaus größte Zahl der Genossenschasten ans der Krisis hervor. Vertrauen zur eigenen Kraft, Vertrauen zum Verband, zur Zentralgenossens chaft und zur neuen Zentralkasse sind jetzt erste Lebensbedingung sür ivciteres Wachsen und Gedeihen. Mißtrauen wäre am falschen Platze. ES ziemt sich jetzt den Genossenschaften, nicht zurück, sondern vorwärts zu schauen. Alle Sorge und Besonnenheit müssen sie darauf lenken, daß es mit neuerKraft und vollem Vertrauen ans dem neuen Wege vorwärts geht. Es wäre ein Frevel, wollten die Mitglieder, was im einzelnen gesündigt worden ist, dem Genossenschaftswesen als solchem zur Last legen, und ivollte man mit einem Male all den Segen vergessen, den ihnen gerade bei uns in Hessen das Genossenschaftswesen jahrzehntelang gebracht hat. Darum vorwärts immer, rückwärts nimmer! Heil und Segen im neuen Jahre! Deutsche» Reich. EineAnfrageüberdieEinsuhrvonGerste.. Tvr Zentrumsabgevrdnete Dr. Trendel hat im Reichstag folgende Anfrage gestellt: Ich erlaube mir, an den Herrn Reichskanzler solgendc Anfrage zu sicllen: Ist cs richlig, daß die Einfuhr von Gerste unk besonders von F u t t c r g e r st e lctztjährigcr Ernte aus dem Zollausland, speziell aus Rußland, eine sehr große und größere wie in anderen Jahren ist? Ist es richtig, daß große Mengen Gerste als Fuliergcrste zu dem Gcrstcnzollsatz ohne Tenaturicinng resp. Kennzeichnung als Malzgersle von den äußeren Zollbehörden im Herbst 1813 abgefertigt iourdcn, die ans Grund ihrer besonderen. Beschaffenheit als Malz- und Braugerste vollständig geeignet und als solche zu verzollen waren, weil die russische Gerste letzter Ernte trocken geerntet wurde und vorzügliche Keimfähigkeit hat? Ist es richtig, daß Gerste mit starkem Beisatz von Flughafer zur Einfuhr Mario piecenza; Forschungen im ttarakoruin. Tie italienischen Karakornnisorschcr unter der Leitung Maria Piacenzas, die ani l. Avril vorigen Jahres ihre Arbeit begonnen haben, sind jetzt zurückgckchrt, und der Leiter hat den ersten Bericht über die ivcrtvollcn Ergebnisse seiner Reise der „Ttampa" überlassen. Tank der oortrcsslichcn Ausrüstung und Vorbereitung überhaupt hat Piaccnza ein nmiangreichcs Gebiet, den 7200 Meter hoben Nun-Kun und das südlich davon liegende Gletschelgebict iast vollkommen erforschen können. Als Ausgangspunkt war Tirinagar in Kaschmir gewählt: hier nmßtcn die italiensichcn Forscher eine nnsreiwillige Rast machen, denn erstens niachtcn ihnen die Behörden Schwierigkeiten:, zweitens aber hatten sie die Nachricht bekommen, der Zoji-la-Paß sei noch verschneit. Mit einer Verspätung von einigen Wochen wurde dieser Paß dann bewältigt, dann ging die Wanderung nach Kargil, inr Anfänge des Junis war man in Sura, wo die Täler noch Schneehöhe von 2 Metern hatten und schließlich wurde 2 Klm. von dem Gletscher Z 2 entfernt die Basis der Forschungsreise angelegt. Zwei Teilnehmer, der Arzt Tr. Borelli und tstras Ealciati, versuchten diesen Gletscher zu ersteige», mußten aber wegen heiliger Schneestürme nach 2 Tagen umkehren. Tie Bergspitzc Z 2 tauchte an einem der nächsten Tage zwischen den Wolken klar aut und konnte in einer vorzüglichen Photographie scstgehalten irerdcn; durch das Fernrohr betrachtet sah inan gewaltige, steil abjallende Granffwände, und die italienischen Forscher schlossen aus eine gewaltige, zusammenhängende Berg- gruppc. Nähere Untersuchungen zeigten, daß die besten Karten dieses Gebietes, die englischen, vollständig ialsch seien und so halte Piacenza die Gewißheit, jetzt in unbekanntem Gebiete zu arbeiten. Er beschloß nun, besonders zwei Fragen im Auge zu behalten: cs sollte die Wasserscheide zwischen den« Indus und den Flüssen, die die Hochebene von Kaschmir bewässern, sestgesteilt werden, und zweitens sollte der Zuiammenhang zwischen den Gipseln Z 2 und Z 3 mit der großen Gruppe des Nun-Kun im Westen zwischen der Zanskar-Gruppe im Südostcn erweicht loecden. Ticscr Plan ist durch,cstihrt wocden, soweit es irgend möglich ivar. Ani 29. Juni war die lschneeschmttzc ziemlich weit vorgeschritten, und Piacenza unternahm mit r.r. Borelii zusammen zunächst eine Besteigung des Glctse^r-^ Z 3, den er für den größten und interessantesten hielt. o.er Fntz des Glcttchers wurde in 3700 Meter Höhe ausgenommen, dann wurde die Bester- gung aus der linken Moräne begonnen, nach zwei Tagen zwang ein heiliger «chnecfturm die Forscher, eine zweitägige Pause zu machen, und so mußten sic in einer Höhe von o000 Metern der 12 Grad unter Null zwei Tage und Nächte verbringen. Als der Schneesturin vorüber ivar, konnte der Aufstieg iorrgesetzt i verden , es wurde zunächst ein seitlicher Berg bis zur -spitze genommen, Nebel hiiidertc die Forscher jedoch, sich einen lieberblick zu vcrjchasicn, in den folgenden Tagen wüteten gewaltige Schnec- stürmc, die Temperatur sank aus 20 Grad unter Null: die Italiener arbcileicn sich mühsam bis äus 6000 Mtr. empor und — fanden dann den Weg durch Eis vollkommen versperrt, so daß nichts übrig blieb, als umzutchrcn. Nun wendeten sic sich dem Niin-Knn selbst zu, wozu sic zunächst wieder ins Suru-Tal »icdersteigen müßten: dann gelangten sie durch das Schasatnalla- Tai zu dem Fuße des Tovpelbcrgcs. Bis zur Höhe von 4500 Mir. bot die Bezwingung des Nnn-Kiin nichts besonderes, aber als die Forscher darüber hinaus gelangten, zeigten sich die crsteii Anzeichen der Bergkrankheit, inner denen namentlich die Träger schn>er zu leiden hatten. In 5600 Mtr. Höhe brachen die Träger vollständig zusammen, io daß eine Panse gemacht werden mußte, und dann wurde der Weiteimarsch so schwierig, daß die Träger zunächst überhaupt zurückgclasse» werden mußten: es war ein ziemlich steiler, ganz glatter Eishaiig zu bewältigen, m den Stufen gehauen werden mußte»; dann wurden geländerartig Seile gejvannt, und mir so konnten die Träger mit ihren Lasten das Eis überschreiten. Als sic das Eis dinier sich Hallen, fielen sic denn auch ani die Kniee und dankteil in einem Gesänge Allah für seine öiirc bei der Bezwingung des Eises. Höher und höher ging die Bergbesteigung. In 6300 Attr. Höhe fanden sich die Forscher auf einer grioaltigen, beinahe ebenen Flää-c mis drei Seiten zwischen hohen Bergspitzen einge- schlosscii, unter denen die beiden höchsten Spitzen des Nun-Kun deutlich zu erkennen waren. Aus der vierten Seite, nach Tüd- westcn, endete die Hochsläch.'. in rincit steilen Abfall von 3000 Mtr. Bon 6300 Mtr. an verlangsamte sich die Geschwindigkeit der Bergbesteigung immer mehr. Tic Träger ioarcil schlavv und ab- gemagert, hielten sich aber trotz der Bergkrankheit lavier, und so kroch die Karawane ichneckengleich iocrterv An 6600 Mtr. Höhe wurde das letzte Lager auigcschlagen und von hier aus sollte die Spitze des Berges gewaltsam bezwungen werden. Das Wetter zwang die Bcrgwanderer, vier Tage in dieser Höhe zu Watten. Ein erster Persuch, die Spitze ZN erklimmen, scheiterte, weil in 6800 Mtt. Höhe eine unüderstttglrche 1 -epaltc die Forscher zm lkmkehr. zwang; am folgenden Tage fanden sie aus crner anderen Seite einen gangbaren Weg, und ani diesem acbeitctcw sie sich, ctira 80 Mtr. Hohe in der Stunde bewältigend, in einem eiskalten Sturm empor. Ueber acht Stunden brauchten sie zur Bewältigung des letzten Stückes der Bcrgbestergnng, bis sie mis der 7200 Mtr. bähen Spitze standen, von wo aus die ganze Karakvrmnkette als nnendtrches, wundervolles Panorama zu Wer- blicken war. Daß die italienische Nagge aus der Spitze des Berges auigevslanzt ivurde und zivar so, daß sic vom Snrw- Talc aus zu sehen ist, veutzcht sich swohl vow selbst. j ' ~ " » Das amtliche Gutachten über i>ie Echtiseit der Gioconda' Tos amtliche Gutachten über die Echtheit der Gioconda ioird im neuesten Hefte der „Klinstchronik" mitgetcUt. Es lauttt: „Ge- niälde auf Holz, 77 Zentimeter hoch, 53 Zentimeter breit, darstellend das Bildnis der Mona Lisa dkl Gioconda, genannt „La Gioconda", Werk des Leonardo d>! Vinci, ans dem Beil» des Louvre-Mnseums in Paris. Tas Gemälde ist als dasjenige erkannt worden, das im August 9911 aus dem Lmtvre gestohlen iourve und zwar an sol- gcnden Merkmalen (ganz abgesehen von dein Totaleindruck): Die Bildtafel ist über dcni Kopse gerissen und der Riß, der sich auch auf der äußeren Malobersläche deutlich zeigt, ist durch die Einfügung zweier ichmettcrlingsförmiger Klammem ausgebcssert worden, derm obere herausgefallen ist. Ter Riß ioird in der ganzen Länge des Bildes sichtbar. Ans die Rückseite des Bildes sind oben zwei Zettel ausaelcimt. Ter eine trägt de» Ausdruck: Du Ranicau Garde des Tableaur a Versailles, der andere zeigt den handschttstlichcn Bcr- mcrt: Piece du Tirettcnr, Weiter unten rechts (vom Beschauer aus) bcsindet sich der Stempel der königlichen Museen, der in roter Tinte die Kronen, die Lilie, die Jnittalen M. R. und die NuM» mer 316 gibt. Zur Feststellung der Echtheit dient ein genauer, eingehender Vergleich des Gemäldes mit den Photographien, die von verschiedenen Firmen lAlinari, Braun usw.) vor dem Diebstahl angcfettigt wmrdcn. Tiefer Vergleich wurde durch das Vorhanden, sein eines dichten illetzes von Haarrissen «leichte«, das sich über die ganze Oberfläche des Gemäldes ausbreitet und aus allen Photo, graphicn vollkommen übcreinstimmt. Andere äußere Zufallsmerkmalc des Gemäldes, ivic z. B. einige Flecken auf dein rechten L>a>wrücken, einige Abschürfungen der Farbe am Munde, eine deutliche Korrektur am Kontur des sicchtm Zeigefingers, eine kreisrunde, mit Kitt verputzte Stelle dicht am rechten Ellbogen, einige von oben nach unten gehmde Rillen im 5golz rechts vom Antlitz, das teilweise Fehlen der Farbe an den Fingern der^linken Land — sowie unbestreitbare äußere Ktttcrieir haben die Sachverständigen von der völligm Uebereinstimmnng des beschlagnahmten Mldes mit dem früher ffn Lmwre misge» stellten überzeugt. Zusamniensasscndes Urteil: die vielfachen, oben beschriebenen Kennzrichcn, die in .ihrer Gesamtheit dos Alter des Gemäldes beweisen »nd unmöglich in vollkommener Weste nachgeahmt sein können, überzeugen unL von der Jdenittät des untersuchten Bildes mst dem Originale Leonardos. Der Wett des Gemäldes, dessen außerordentliche Bedeutung notottsch seststeht, ist aus einige Millionm zu schätzeir Prof. Giovanni Poggi, Dr. Netto Tarchiani, Cav' Giukio C-mpili, Bav. Oscar Muzs. — Schttststrhrer: Enttco D. Carlo " — Eine Ausstellung für Gartenbau und Fried- Hofskgrnst wird, so schreckt unser Hamburger Korrespondent, «Klungte, so bajj bei - Verdacht begeht, da« letzterer zur Herabsetzung des HektotitergewichteS beiqefügr wurde ? MRde Maßnahmen ge denkt der Herr Reuchokanzle-r ZU treffen, um dieser Umgehung der höheren Verzollung Einhalt zu gebieten, oder von welchem Zeitpunkt an wurden eventuelle diesbezügliche Verfügungen seitens der Reichsregieruna an die äußeren Zollbehörden hinauS- gegeben und welche» Wortlaut haben diese Vertilgungen? Reichs t ags abge o rdn eter Mrelzynski, der sich bekanntlich ivegcn TotsckffagS zu verantworten hat, hat sein Mandat niedergelegt,___ Aurkanv. Wegen d i e französischen Schwurgerichte, Der Pariser Abgeordnete Berry I»at unter Hinweis ans die Wahrsprüche der Geschworenen, die „teils durch jtandaloje Milde, teils durch unbegreifliche Strenge Aergernis und Aufsehen erregt hätten", einen Zusatzartikel 267 des Straf prozeftversuhrens beantragt, ivonach der Präsident des ^Schwurgerichts die Geschworenen in ihren Beratnngssaal begleiten und ihnen aus ihr Berlangen seine Ansicht über das Strafansmaß mitteilen soll. Der französische FiuanzministerCaillanx richtete an den Obina»» des Budgetausschusses Cochery ein Schreiben, in dem er ihm mitteili, daß es ihm dank der Mit Hilfe der übrigen Minister gelungen sei, für das Budget des Jahres 1814 Ersparungen im Betrag« von 50 Millionen zu erzielen, ohne di,- einzelnen Dienstziveige im geringsten zu schädigen oder sich der Gefahr t-tttes Rachtragskredites auszusetzen. Das Ministerium habe den festen Milieu, aus diesem Wege zu beharren. Der „Radical", das Blatt Eaillaux, schreibt, daß diese 50 Millionen für Frankreich ein nni so schätzenswerteres Reujahrsgeschenk bilden, als es sich bei diesen Ersparungen um die schwierige Aufgabe handelte, einen bereits dem Parlamente vorgelegten Bndgetentwurs abznändern. Die Propaganda I z z« t Paschas, Aus B a * lona wird vom 7, Jan, gemeldet - Gestern avend traf per D>ampscr „Meran" von Ko n st a n t i n o p e l mit 2 00 S o l - baten und sechs türkischen O s f i z i e r en ein, welche beabsichtigten, nachts zu landen und die Bevölkerung eufziiz wiegeln, um Jzzet Pascha zum Fürsten von Albanien zu proklamieren. Die provisorische Regierung liest so- sort im Einverständnis mit der skontrollkommtssian und den holländischen Gendarmerie-Offiziere» die Türken festneh- mcn. Das Ereignis rief einen tiefen Eindruck hervor, — Der Koustantinopeler Korrespondent der Wiener „Reuen Freien Presse" befragte den früheren Kriegsminister Jzzcl Pascha über das Gerücht von seiner Proklamation in Tnirazzo, Ter General erwiedcrte wörtlich: Davon weist ich gar nichts. Sie können melden, daß ich der Sache gänzlich fern stehe. Ich habe ein amtliches Dementi betreffs meiner Person bereits veranlaßt. Ich besitze ivohl Güter in dcni jetzt griechischen Südalbanieu und Verwandte und Freunde in Rordalbanien, Mit Essad Pascha, namenllich seit seinen Heldentaten in Skutäri, stehe ich in sreundschastlichem Briefwechsel, Ich habe oder leinen politischen Ehrgeiz, sondern will nun nach 10 Dienstjahren ausruhcn und Europa besuchen Ich habe meine Enthebung selbst nachgesucht, weil ich infolge von Rücksichten aus die alten Kameraden der geplanten Heeresreform nicht im Wege stehen wollte. Au» Stadt und Land. <8ieven. 8. Januar 1914. ** TageSkalender für Donnerstag, 8, Ja», Kauf männlicher Verein: Pros. Karl Brock »i onii- Offenbart» : .Die Jnngsraubghn', mit Lichtbildern. Ilniversiläts - Aula, 8X Uhr, •• Prüfung im H »fbeschlag. Nach einer Bekannt machnng des Grostherzoglichen Ministeriums des Innern haben folgende Personen Ende Dezember die Prüfung i»i Hufbeschiag nach der Verordnung vom 20. März 1805 bestanden und sind denigemäst nach lj 30a der Reichs-Gewerbe ocdnung berechtigt, den Hnsbeschlag innerhalb des Deutschen Reiches selbständig auszunben: Johann Adam Georg ans Ockstadt, Kreis Friedberg: Heinrich Heuser ans Sellnrod, Kreis Schollen; Hermann Kaufmann ans Keffelboch, Kreis Gießen: Hermatin We stv ha l ans Altenstadt, Kreis Büdingen. •• D i e Maul - und Klauenseuche besteht nach der ieijtcn amtlichen Leröfsenilichnng in Obcrhessen noch in die Stadt Altona in den Sommermonalcn dieses Jahres aus Anlas: ihres 250jährigen Stadlfubiläums veranstalten. Für die verschiedenen Zweige der Ausstellung sind graste Mittel bereitgestellt worden. In der Abteilung für volkstümlichen Gartenbau wird eine Lauben- oder Schrebergärtenaiisstelinng Interesse weckeii, Tie Stadt Altona (jat zurzeit rund 40 000 Quadrairuten Land an eliva I5M Pächter als Laubengärten vergeben, deren Ausgestaltung ohne Zweifel ein tvichtiger Faktor in der sozialen Für,arge ist. Für die Abteilung Friedbvfskunst hat man ein nm- sangreiches, bewaldetes Gelände am Elbabhang bestimmt, g»i -dem künstlerisch vorbildliche Grabdenkmäler ansgeftellt werden sollen. vir, Ter Archäologe, In der Zeilichrist „La Revue" erzählt man folgende Geschichte, die einem bekannten Archäologere und Mitglied der Academie des Inscriptions geschah Man näherte sich ihm eines Tages mit der Bitte, eine iragnieinariichc Inschrift mit einem alten Brunnen zu ergänzen, Tie Inschrift war sehr, »nregeltnäßig und die Buckfftaben durd» die Zeil unleserlich ge, worden oder ganz verlöscht, Ter Gelehrte inadfte sid» an hie Aibeit und mit Geduld und Scharfsinn brgchle er solgende Ergänzung zustande: RE3 (PUBLICA) ER(lüERE) VO(LU!T All) IR(RIGANDUM). Also ein von den Römern angelegter Bruune», Rach zwei Tagen erhielt er jedoch ein -Schreiben, in den, man ihm mitteiile, datz seine Lesart die Ortsbehürde nidil ganz befriedigt batte, sie bestehe noch immer darauf, die Inschrift ali „Reservoir" zu leien. Goethe als Kücherverl ether. Daß aud) Goethe bie Kümmernisse eines Bibliolhck-Besttzers nicht erivart bliebe», der ohne Freude feststellen must, wie oft gute Freunde und Bekannte, die Bü-Her entleihe», iie nicht znrückgeben, zeigt eins Rümmer dos Weimariidwn offiziellen Wodh-nblattes auis Jahr 11815, die in dem soeben erschienenen Katalog der Sammlung Kirvenbetg angeführt wird, Audi Goethe ersparte fick, die Peinlich, keil einer persönlichen Mahnung und kam aut einen eigenartigen Ausweg: er inserierte ! Diele öiienlliche Mahnung im Wockn-n- blatilein lautete kühl und sachlich: „Ta man bei Gelegenheit nlit de, Reoiiion der Bibliothek des Herrn ktzleheimerat von «tzoethe mehrere Werke vermistt, so loetdett alle diesenigen, toelche ans iellnger Bücher geliehen erhallen, freundlich ersucht, ,'oldie bald möglichst >n das Gocthesche Sans zitrückzulieiern- Man fiiblt die tfibitterung de» Bückterliebhabers, die hinier diele» Zeilen iniausgeiviochcn webt, aber ob die gedruckte Mahnung im Wochen llatt die säumigen Bücherenlleiher zur Erfüllung ihrer Pflichten brachte, Mahren wir nicht, tvahrscheinlich zimr Ruhme der Schul bigen . , , — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen, sch aft Im Alter von 75 Jahren ist der stürzt Lblhelm Ber- noulli Bafel gestorben, dessen Herbariuni die ganze europäische und bctonders die alpine Flora uuisastl und schon vor längerer Zeit dem botanischen Institut der Universität überwiese» wurde. 1 Kreise, 1 Gemeinde itnd 3 Gehöften, tvovo» 2 Gehöft« neu hinzugekoninien sind. I» Siarkenbucg und Rheinhessen grassiert die Seuche in je I Kreise, I Gemeinde und 1 Ge- Höst. Schweinesc>tche »»d Schiveinepest hat sich in Obcrhessen in 1 Kreise, 1 Gemcinde und 1 Gehöft, i» Stärkend»rg in 4 Kreisen, 8 Gemeinden und 12 Gehöften, in Rhein Hessen in 2 Kreisen, 4 Gemeinden und 4 Gehüsten gesttnden. ** Verein für Luftfahrt. Wie mau uns iiiit- teilt. ist Dr, Linke verhindert, den sür den 12, Januar vorgesehenen Vortrag zu halten. An seiner Stelle wird Direktor Otto Reumann aus Frankfurt a. M, über Ballonführung inil Lichtbildern und über die Wertlojig^ keil des 100 Meter langen Schleppseils sprechen. Der Vortrag findet im großen Hörsaal des physitälifcheu Instituts (Stephanstr, 24) abends 8> ■> Uhr statt. ** K o n z c r t ve r e i », Man schreibt uns: Tie zweite Hälfte der Äunzertiaffo» dieses Winter» wird Sonntag, den l 1. Januar mit einem StreichguarteUabend eröffnet, sür den das neue M ü n ch e n e r S l r e i ch g >t a r l e 1 1 (Prof. Theodor Kilian, Georg K n a u e v , Proieisor Ludwig Pollnhals und Johannes Hegar) geioounen sind, Ro«i> slehi das Benno Wallet Ouarlell in bester Erinnerung, in dem Kilian und Bolliihgls bereits mitge wirkl habe». — Das neue Quartettensemble Hai 'ich, in München iotvohl, tvie anderwärts, einen ansgezeichneten II,w wohtverdienten Ruf erworben. Es verdankt ihn der vornehm kkutstlerischen Art, mit der es. gleich dem srüheren O.naetett, dejonders die Klassiker als unerreichte Meister der Kammermusik liebevoll pflegt und in Er Weiterung diese» Progrgmines zugleich Johatmes B r g h NI S als Führer der Modernen gnigenommen hat, "Der oo in stl ko de inische u D ü r e r h n n d ver» anftoltcte Vartragsabeud, an den: Herr Dratnainrg Theodor Siiesenhoscr (Aschaffenburg) nach einer kürzeren Ein- fnhrntig ansgewnhlie Stücke ans Dantes Göttlicher Komödie in der Ueberirngnng von Stefan George za Gehör bringen wird, findet Mittwoch, den 14. Januar, abends 8 Uhr, iui Saale de? Aesellichaftsvereins statt. Näheres wird im Anzeigenteil noch bekannt gegeben. ** A u f d c in Wege zur d e u t f di c n Einbcitsstcno - graphic" war das Thema, über das Lehrer Velten-Wetzlar ans Veranlassung der hiesigen Gabelsbergerschen Stenographen Vereine gestern abend int Eaie Monopol vor einer stark beiuchien Veifämnilnng sprach, Rad» Begrüßung der Versammlung und des Reduees durch Lehrer K l i n g legte Herr Velten die Ent - Wickelung der verschiedenen deuischen Sleiwgraphie-Shfteme dar. insbesondere des Gabelebenferichc», und die bisherigen Versinke, eine deutsche E I u I, e i t s st e » o g r a p h i e zu ichgiien. Er konnle sich zur Rechtfertigung dteies guck: von de»t G^nlsbergerit veiioiglen Gedankens auf den M eiste r selbst berufen, der bereits iin Jahre 1841 in einem Briefe g»t seinen früheren Schüler Wigard .einer „Einheit des Verfahrens-' das Wart geredet hatte. Was Gabelsberger erstrebt hatte, scheint heute in Erfüllung gehen zu wollen, ein nach so viel Federkriegen aus n a t i o x a 1 e lt tut» w i rt s ch a s t li ch eu Gründen erstrebenswertes Ziel. Di» beiden Hauptgegner sind das ans der Drrizeiligkeil und Dreistuftgkeit der Schriftzeichen beruhende Slolzesetfe und das einzeilige Gabelsberger irfje Sh.-em, Ihnen sind im Laute der Jahre verschiedene ,rnd>-re Zyste,ne gefolgt, die siet» in der Hguptsackie imld an das eine, bald an das andere der nrsmünglichen anlehnen, Besondi-rs feit dem: Jahre 1886 sind Et n i g » n g s v e r l» a n d l n ng e n tut Gange, dock» befestigte sich int Laufe bietet die Ueberzengnng, daß der System kam Vf der e-üizige Weg zur Svftemeinheit sei. Ätärker in Fluß kamen die Einignitgsveiinche, als der fetzige Bundes- vorfitzende der Gabeisbergerschen Schute. Pros, Psasi Dgrm - ftadt, daffir eintrat. daß die vreustische Regierung sich mit beit übrigen Bundesstaaten, tote auch mit Oesterreich ttnd der Scktzveiz auf die Etnbernfung einer Sienographiekonferenz einigen müßte. Dieser Vorschlag »and aut der anderen Seite erst Gegenliebe, als es gelang, die Nichtggbelsberger davon zu überzeugen, daß et in der Tat ganz nnselbstinchtig gemeint sei. Im Jabre 1906 wurden Unterhandlungen- eingeteitet. die allsettige UeberetnftimNtung ergaben, daß nur eine staatliche Zusammenkunft den Forffchrill biingen könne. Endlich iin Jahre >812 konnte ein S a ch v e r st ä n - d i g e n - A n s s ch n ß in Berlin tagen, der gewisse Richtlinien aulstellte und auf Grund dieser die versehiedenen Systeme aufforderte, neue Entwürfe auszngrbetteu >md vorzulegtm. Diesem Ruse folgten 36 2mV.-nte, doch griangtett mir vier davon in die engere W a h l: Gabelsberger, Slolze-Schrey, Raiionalstenogtaphie und ein Vokaltchrnbfystem, So viel steht jedenfalls fest, daß die Einigung auf ein seither vorhaitdeuk», weinig oder gar nick» verättderies System fast ganz ausgeschlossen ist, Opfer müssen eben von allen Seilen gebracht werden. Ruhig darf mau amrehine», daß ein Ein h e i t s s y st e m tut r unter Mitwirkung des G a b e l s - bergerschen Systems oder gar nicht zustandc kommen wird Es ist zu hoffe», daß die Arbeiten des Systemansschtiffes im Reichs- amt des Innern bum führen, daß nach iahrzelmielangen Fehde» ein dauernder F ri ed e auf ttenagravliiscktem Gebiete erreicht werden möge, — Lebhafter Beifall lohnte den Redner sür seine ittteressanten Ansführungen, Herr Kling- dankte ihm namens der Verfammlung, ** U n e n t g e l l l i ch r Benutzung der deutschen P a l e u t s»lh r t s t e u. Bei der Bibliothek der Grosth, Zen tralstelle für die Getverde tu Darmstadk befindet sich ettic Auslegestelle der vom Kaiserlichen Paleittaint in Berlin herausgegebeneit Patentschrifteu iwer die seit dem 1, Juli 1877 erteilten Paiente, Tie Auslegestelle ist Werklags von 3—12 1 ,» und von 8-6 Uhr geöffnet (Samstag nachmittag ausgeiiomnienj und lann itneiitgelttich benlttzt tverden Durch diese Einrichtung soll jedermann Gelegenheit ge geben werden, sich über den Inhalt von Patenten zu uut'er richten. Um auch auswärts wohuendeu Personen die Ein sicht der Patenrschnsten zu ermöglichen, ist die leihweise Abgabe einzelner Rumm.-rn aus kürzere Zeit gestattet. Die neu erscheinenden Paleiitschristen iverden den Auslegestellen in einivöchenttickten Zwischenräumen überwiesen und dem Publilum alsbald nach ihrem Erscheinen zugänglich gemacht, -Anslnnst in Fragen des Patentwefen« nnd der Gesepgebttng ans dem Gebiete des getverblichen Rechtsschutzes tvird in den Dienslstunden von der Bibliothek erteilt, ** D ie Störungen int Fernsprechnetze, Tie durch das Schneewetter am Abend öss 28, Dezember itn hiesigen Orts-Fernsprechnetze verursachten umfattgreichen Störungen werden bis heute abend sämtlich bo- seitigt sein. Es wird sich empsehlen, daß die Fernsprech- tetlnehmer^etwa noch bestehende, dem Telegraphenainle >-itl- gangene Schäden sogleich in der üblichen Weise (durch Fernsprerher oder kurze schrisllichc Mitteilung) zur Sprache brmaen, K l e i n e M i 11 1 i (u itj e n. -Aui der Bahnstrecke Fried- ' Hont bürg ist der Bahndamm infolge des Tauwellers Nieckenweisc ,o gerutcht, daß die Bahn noffchen Ober Rosbach nnb nodheim »ur e i n g l e t j i g befahren werden kann, - Tnrck» den autzerordenlltch hohen Schnee im oberen Vogclsberg blieb gestern morgen der von Stockheim kommende Zug unterhalb L»art- m annfh aintm Schnee stecken, — In Ehrings Hausen ^»^ e6,ar ' r ? n,n 1 «4 onuar emf allgemeine Krankenkasse Burgermnstereten Anlar, -.'Itzbach La,tnsbach. Gietsenstein und Hohensolms errichtet Ivorden b. ^ Landkreis Gicizen. i-i -„^T^°is-ickt. Nainjentlich war viel Butlev zum Markt gebracht worden. Das Pfund kostete 1.50 Mk, seither 1.40 und 1.50 Mk , Käse das Pfund 70 Pfg„ Eier dagegen Pa» Stück 11 Psg, Pkele Hafen werden eben verlaust. Der >oa>e kottet abgezogen 3,50 Mk, das Fell 70 Psg, Hessen-Nassau. -c Rodheim a. b.'43., 8. Ja», Heule schied Psarrer Bömel aus unserer Mille, Fast 18 Jahre ivirkle er in dein großen Kirchspiele, zu dem außer Rodheiin noch Bieber, Fellingshausen und Petzberg gehören, Aucki der engeren und lveileren Umgeblllitl ist der Scheidende kein Fremder, Aus den Misstonsfesten war er als Rcdner bekanitt. Die Kreistchul infpektton ist einstweilen Pfarrer Aitihes lWaldgtrmes übertragen. Die Pfarrstelle wird einstweilen vom Patron Herrn P a j > a v a n t (Franksnrt) besetzt, - Wie uns in letzter Siunde mitgeteilt wird, ist Pfarrer Oh ly aus Breidcnback» mit der erledigten Pfarrstelle betraut worden. Der Wirk samkeit Pfarrer Pömels verdaitkt unsere Gemeinde vor aücm eine Vertiefung des religiösen Lebens und eine ziei- bewußte Saminluiig und Stärkung aller derjenigen Kräft-,-, die eine Hebung der Gemeinde in filllicher und religiöses Beziehung bezwecken, Tie prakltjchen Erfolge in dieser Rich iung sind nacheinander.die Gründungen eines Mifsionsnäh- vereins für Mädchen, eines Posanneitclfors, eines Jünglings- und eines JungsrauenvcreinS geweten, die stch alle einer ge deihlichen Enlwicklung erfreueit. Außerdem Ivurde von ihm vor iteuu Jahren, um den zahlreichen Kranken der großen Gemeinde eine bessere Pflege angedeihen lassen zu küluren, eine Schtuesternstaliou gegründet: die kleinen Kinder vieler i» den Fabriken oder sonst außerhalb des Hauses tätiger Frauen sind in einer Kleinkinderschule gejantmelt Ivorden, und viel private Licbestäligkeit ist von dem Pfarrhaus ausgcgangen, die sich großenteils der Kenntnis der Oessenilichkeit ganz entzieht, " Eifenbach, 8. Jan. AnS Eisenbach im Goldenen Grund konimt die Nachricht von einem Valermorde, Geslern obend ivurde der 28 Jahre alte Sohn des Land- ivirts Peter Seck IV. verhaslet und dem AmtSgerichts- gesängniS in Eamberg etugZieferi, Er soll am Montag abend gegen 10 Uhr seinen Vater, mit dem er schon lange Jahre im hesügsten Streit lebte, als dieser von einem Gange zur Apotheke in Niederselters betrimkeu heimkehrte und abermals mit ihm AnSeinandertetznngeu Halle, durch zwe, Schüsse in den Htnterkopf getötet haben. Wie 'Nachbarn bezeugen, haben sie um die fragliche Zeit Schüsie im Seck'scheii 2li»vefen fallen gehört. Um den 'Anschein zu erwecken, als sei seinem betrunkenen Vater ein Unfall zn- gestoße», soll Seck jun, den Leichnam vor die Haustür gelegt haben, nachdem er vorher mit einem Sack die Stelle, wo der Erschojsene m seinem Blute jnlatnniengebrochen >var, gereinigt hatte. Den blickgetrankien Sark fand man im Keller oei steckt. Auch an einem Beintleide des Seck jnn. fanden sich Blutspnreit. Bei der Ueberführung des Seck jnn. nach Eatn- berg veesnchie die Volksmenge Lynchjustiz an ihm zu üben. h, H e r b o r it, 7, Jan, In O j j e n b a ch sollte da? jüngste Kind eines Bergmannes getaufl werden. Unmittelbar vor der heiligen Hgudlnng, als schon die Paten, Venvandten und der ltzeillliche um den Täufling veriannitelt waren, erlitt dieser einen Herzschlag, dem er auf der Stelle erlag. Landwirtschaft. Zur Bekämpfung der Lbstboumschüdlingr, Ter rationelle Obstzüchter, der gute Erfolge erzielen und auf einen guten Ertrag seiner Bäume l-offen will, muß auck» | tn Winter den Kampf gegen die Obstbaumschädlinge fvrffetzen, D-> > Ausputzen nnd dluslichien der Ol-stbäntne im Herbste, bat Abkratzen der Rinde und der Kalkonsirickt des Slanrmes sind gute,; emvsehlenrwerte Herbst, und Winlerarbeiten, aber sie allein tun es noch mcht. Es >nuß das -Anlegen pes I n se kt c n f a n g g ü r - telS mit einem guten (mllbaren Leim zur -Anwendung kommen,' Der Raupenleimgnriel ist ein sicheres .Hilfsmittel zur Bekämpfung des Frostspanners, des Blütenstechers und'des 'ApfelwicklerS, Man veuvende aber nur tvelterseftes Papier und einen guten Raupen leiin. Sehr empfelilenswert ist Schachts Pirol-Raupenleim, to- wie der gnierikanische „Tanglesort". In neuerer Zeit wird in größeren Obstbäumen die Obstbaumspritze mit gitiem Er- folge angewendet. Die Bordelaiser Brühe, zuerst in Bordeaur von Professor Millardet erprobt und emviohlen, die au-s Kdtvier- vitiiol .und Kalk oder Soda hergeftellt wird, hat sich sowohl im Olstban, tvie auch ganz besonders im Weinbau gut vewährt. Das neueste Spritzminel ist nun das Karbolineum, das man aber mit größter Vorsicht und genau de» Rezepten entsprechend anwenben muß, wenn man nicktt seine ganzen Bäume schädigen und verderben tvill. Viel Berbreilnng und -Amvendung findet daS 'O b si > ba n m ka i b v l i n e n m , das die Firma F, schacht, chenuickte Fabrik in Braum'chweig, in den Hanbel gebracht bat. Rach übeieinsttmmenden Berichten vieler Bersui^stattonen uich nach bevi Urteile sackfperständiger FackleMe, die das Mitckrauen und die Bedenken gegen seine Beiwendunz bescittgen, vernichtet rS bet ztveckentl'prechender Antoenduug in lOprvzentiger Losung im Winter die Blut-, Komma- und Schildlaus, sowie die Eier, Larven und Puppen vieler schädlichen Insekten: auch Krebs, Gummi- nnd Harzfluß können mit Karbolinenin geheilt lind die Stellen »>il Rinde wieder vollständig überiveilt werden. Zum Gedeihen und Wohlbeiindr-n der Obstbänme ist neben einer guten, zweckdienlichen Düngung die richtige -Amvendmig von -Schachts Obstbaumkarbolineum das beste Mittel, das auch im Sommer in 1—Lprozentiger Verdünnung, auch i« Verbindung und Mischung mit der Kupserkalklirnhe. zur Blattbel»andlu»g gegen viele gefürchtete tierische und pilanzliche Schädlinge angeweridet wird. Hoffentlich leistet es auch itn Weinbau die erhoiste Wirkung der kerufeiien Fachleute gegen die Peronoivora und gegen den Sauer- Ivnrm, diese gefährlichen -Schädlinge des Weinstvekes. Gr, - Al l e n d^o r s a, d, Lda„ 6, Jan, Die Hanviversamtninng des hiesigen S chtv e r n e oc r s i che r » n gs - V e r e i n s fand dieser Tage stall. Das Jahr 1918 ist für den Verein als ein an Schaden reiches zu bezeichnen. Es lind im Jahre 1913 elf Schaden.. fälle zu verzeichnen. Die höchste Schadenvergütung betrug 90 Mk,, die niedrigste I Mk Tie Periicherungsinntmen betrugen: I, Periode ll 402 Mk, 1 4301 im Vorig,,re-, 2. Periode 9423 Mk, (4858 . 3, Periode 12689 Mk, 11698, 4 Periode 13675 Mk, ,9837, 5 .Periode 17348 Mk, (11 419-, 6. Periode '17 936 Mk, ,17902 . Die gesamte Jahresverjicherung beträgt 82 473 Mk, Die Beitrags- einnahnie vom Jabre >918 übersteig! die BeitragSeinnahme vom Jahre 1912 mit 146,97 Mk, Die Mitgtiederzohl beträgt 73. An der Versicherung beteiligten iich 70 Mitglieder, von 3 Mil- gliedern ivurden im Jahre 1913 keine Schweine gezüchtet In den vier ersten Perioden tourden die Beiträge zu 3 Prozent, i» der ö. und 6 Periode zu 4 Prozent berechnet, TaS Vermögen des Vereins bai sich itn Jahre 1913 um 10,75 -Mk. erhöht. Seit dem 1, Mai 191 l sind 22 Schweine mit 741,62 Mk, vergütet worden. Als Vorstandsmilglied tpnrde Heinrich Kried VI, zum Rechner gewählt. Biießcncr Strafkammer. Gießen, de» 6, Januar Wegen A in t s a n m aßun g wurde der 33 jährige »erheiratete Schlutter R, S, zu einer Gciäng- nisstrafe von 2Monoten und >n die Kosten des Verfahrens verurteilt, Er wurde zuiälligerweiie Zeuge einer Liebesizene zwischen etnetn verheirateten Manne und einem hiesigen Dienstmädchen, welche sich auf einer Bank in den Friedhofe-anlggen an der Ltcher - Sttflfcc ij&wricUr Als die beide« sich cnticruten, folgte ihnen der Angeklagte auf Strümpien nach, Gerade, als das Mädchen in feine Mahnung eintretcn wollte — ihr Liebhaber hatte sie mvor verlassen —» trat ihr der Angeklagte in den Weg und erklärte, er sei ein Beamter der SitllichtcilSpojrzei; c3 sei ihm bekannt geworden, daß sie mit eurem verheirateten Manne Pcrlehr geliabt habe , das , fei eine strafbare Handlung uich wcim sie nicht mit ihm „ein Liebesabenteuer unternehmen" wollte, loerde er die Sache zur Anzeige bringen. Gewissermaßen als Legitimation für feine Behauptung, ,daß er Beamter der' Siitlichkeilspolize, fei, zeigte ec deni Mädchen efnen Gnmmiknüttel und erklärte, dies sei seine Waffe Ilnglaub- licherweiic erreichte er nrit diesem Vorgehen seinen Zweck Tao Gericht war der Ansicht, das, es sich hier geradezu um ein gemcrn- geiäbrlicheS Verhalten handle und erachtete eine exemplarische Strafe kür angebracht. Wegen Diebstahls in, Rückfall kam alsdann der 39 jährige landioirtfcknntlichc "Jltbcitcr St, vor die Schranken des Gerichts, Ihm war zur Last gelegt, im November vorigen Jahres zu Vilbel ein der Wilioc D, gehöriges Hemd im Werte von 2 Mk. gestohlen zu haben. Er war geständig und wurde unter Zubilligung mildernder llinständc, die das Gericht in dem angetrunkenen Zustande des Angeklagten erblickte, in eiue Gefängnisstrafe von 4 Monaten und in die Kosten des Verfahrens verurteilt: ein Monat der erlittenen lknterfuchungshaft tvnrde ihm auf die erkannte Strafe angcrechnet, Auf Verwertung der Berufung wegen unentfchmdiglen Ausbleiben» des Angeklagten lautete da? Urteil gegen den Buchhalter M, zitrzeit wohnhaft i» Dresden Der Angeklagte war durch Urteil des Grosth, Schöffengerichts zu Nrdda wegen Tieditadlsverinches zu einer Geiangnisstrafc von zwei Tage» und in die Kosten des Verfahrens vcrrtrteilt worden. Er Ivar zur Zeit der Tat Buchhalter in der Papierfabrik St, zu Unter-Schmilten und hatte versucht, in Abwesenheit des Direktors der Fabrik sich Papier iv> Werte von 24 Mk, dadurch anzucigneu, daN er es a» die Adresse seiner Schwester nach Dresden avfenden liest, ohne die Tcuduug ins Kommissionsbuch eiuzutrageu. Durch das Tazwifchentreten des Direktors, der Verdacht geschöpft hatte, kam die Sache zutage, ehe der Diebstahl vollendet war, Ta der Angeklagte selbst Berufung c»i- gelegt batte, mußte sein uncntichuldiqte» Ausbleiben die Verwerfung seiner Berufung zur Folge haben, TaS erstinstanzliche Urteil bleibt also bestehen, Durch eincii Verglci rl, wurde die Beruiungsstrafsach« gegen den Hotelbesitzer Scki, aus Bad Nauheim erledigt. Der Angeklagte hatte, dem B,, der von dem Angeklagten eine Restauration gepachtet batte, während eines Streites über die vertragswidrige Bennstung der verpachteten Wirtschaft mit rinem Schirm eine blutende Wunde auf dem Kopf beigebrachl, war aber srefgefprockw» worden, weil daS Gericht annahm, er bade in Notwehr gehandelt, B., der in erster Instanz als Nebenkläger aui- getreten war, hatte Berufung eingelegt. Er »ahm die Berufung zurück, der Angeklagte übernahm die sämtlichen aus seiner Teile entstandenen Kosten erster und zweiter Instanz, ebenso die EierichtS- kostcn. Der Nebeukläger dagegen erllärte sich bereit zur Tragung derart» seiner Satte erwachsenen Ktosiri! imü verzichtete aus ictuvedeu Anspruch zivilrechtlicher Art, Es ist dies einer der seltenen Fälle, wo eine Strafsache durch einen Vergleich ihr Ende finden kg»n. Ein Automobi lun g lück »rav Gegenstand der letzten zur Verhandlung stehenden Sache, Der Hotelbesitzer G, Z. ans Bad-Nauheim war vom Grosth, Schöffengericht Friedberg im Oktober porigen Jahres wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 000 Mark verurteilt uwrden. Tiefer Entscheidung lag folgender Tatbestand zu Grunde: Ter Angeklagte fuhr gor 30 Iu», >913 mit eineni Automobil, dast et selbst lenkte, von Bad-Nauheim nach vom bürg, Iu dem Auto befanden sich allster dein Angeklagten und dem Eigentümer d,-s Automobils mehrere Davicn und der Ehaus- seur L, In dem Augenblick, als der Kraftwagen den voll dem Straßbeimcr Hof kommenden und i» die Straße Friedbcrg Ober Rostbach cinmündenden Weg pgffierle, kam aus diesem Weg das Fuhrwerk des Glttsoächters M, mtt> bog iu der Rrchliing nach Ober Rvstdocki in die Staatsstraste ein, ES erfolgte «än Zusammenstoß beider Wagen. M, wurde «ues seinom Frihnoerk herausgefchleu- dcrt: er erlitt auschemeud tiur geringe Verletzungen, der Arzt aber stellte eine Gehirnerschütterung fest. Diesen vom Schötien- gericht iestgestelltcu Tatbestand legte auch die Strafkammer ihrer Emsckieldung zu Grunde, liest aber tue Frage offen, ob M, unmittelbar durch den Zusammenlwß hcrausgeivorfen tvurdc, oder ob das Schcuktl und Bömnen des Pferdes die Uriackie war, das; M, vom Wagen fiel. Die Fahrläfsigkerl erbiickre die Strafkammer ebenso wie das Schöffengericht in dem unter den gegebenen Verhältnissen zu schnellcn Fabren des Angeklagten Tic Erwägungen, voll denen sich die Strafkammer hier leite» lieb, sind für die Oeffcntlichkeit von besonderem Interesse: Die Sipielligkeit must sich nach den Pr.chältnissen richten: die Bundesralsverorbnung über den Verkehr mit Krastsahrzeugen vmn 3. Februar 1910 sagt in S 17, dast der Führer zu besonderer Vorsicht in Leitung und Bedienung seine» Fahrzeuges verpflichtet, sei. Die Fälle i» denen lanch'am und io voviichtig zu fahren ist, dast da» Fahrzeug sofort zuni Halten gebracht werden kann, sind in 8 18 II angeführt: ausdrücklich ist hier auch der vorliitziende Fall, lvo cs sich UNI einen r» die Hauptstraße cinbiegen- dcn Weg lanbcli, genannt. Eine Gcsckuviiidigkett von 40—4,> Kilometer, mit tvelcher der Angelt aale .geiadren >ein Ivlll, ist eben für die gegebene» Verl, ilttliiie zu schnell: ei» sckuvcrer Wagen kaittl bei einer solche» Geschwindigkeit nicht fosork zum «alten gebracht werden, Ter Angeklagte ivußtc, dost er sich an einer Stelle beiand, an welcher der Weg vom Löwenboi in die Staatsstraste eininnirüet: er ivustie. dast dies kein bioig-r Feldweg, sondern eine Straste war, ans der Wage» und Mcniche» zu verkehren pflegen rzudem Ivar hier der Ausblick durch Büume uud Weizenfelder verdeckr. ein Umstand, der cbeniallS zu bciond.ucr Vorsicht mahnen mustte, Ter AngeNagtc ivar deshalb nicht nur wegen fahrlässiger Körperverletzung, sondern in begrifflichem Zutainoicittreffev damit auch wegen llebertretmiq des tz 18 der Bvndesratsverordnung sowie des 8 21 des Automobil- gefetzes rum >909 >u bcftrajcil. Jin Gegensatz zum Schüiiengcricht aber glaubte die Ttrafkamnier bei der Stvaszumeisung mebrerc zu Gunsten des Angeklagten sprechndc Umstände berücksickstigen zu müssen: io, das; uugünitiae Umstände obgenntttet baden, und dast sich der Unfall ju trüber Morgenstunde zuoetraaen bat, wv^tcwohn- lich ein regerer Verkehr nicht stgtttindkt. Die Strafe de» Schöffengerichts wurde deshalb auf,800 Marl herabgeietzk, _ GerichlSiaar. W Berlin. 7. Jan. Weaen Perqelrei'Z aegen das (Nejftz über Verrat militärischer L^efleinmisje umreit die Handelsschülerin 5( ni) i a ö Tüaa. der fiilmfrfjauipieler Kicbn und da? Stuben- nrädtben ^ i u ck--blmrlottendurq anaeklaqt. Die Verl,andluna und auch die Ilrtcilsbearünduna send unter Ausschluß der Deffei,tlichkeit statt. Die Ainisas uud Kielm wurden ^u je eiueu, Ial,r Geiänflnis unter Anrechinma von je drei Monaten Untersuchunaskjait, die Tviucf ju zwei Monaten Gesängui', die als verbüßt erachtet wurden, verurteilt. Universitäts-Zrachkichte». — Dem Tr. Ing Friedrich Martin in Tarmsurdt tvurde die venia legendi für Ehcm.e an »er T«hn, Hochickmlc in Dtzirm- stadt erteilt. Vermochte». * 2 turinschicks a le, Aus London,?, Jan,, meldet ein Privattelegramm: Der deutsche Schoner „Alma" mit Flaschenftachr von Breme» kam nach 33Iägiger Fahrt in Granton Schottland) an, Tie Mannschaft sichtete »ack> vier- zehntägiger Fahrt durch die schwere» Südweststürme in der letzten Zeit die cnglisckw Külte bei W h i t b »; hierauf tvurdc der Schoner nach der deutschen Küste zurückgetrieben, Als er die Fahrt nach Sckwitland iviedcr anfnahm, geriet er in neue Stürme und verlor den LKstonerfegel und den Baum, Mit zerfetzten Segeln und beschädigter Steuerung ist der Schoner, der nur nach sür zwei Tage Ration hatte, endlich in Granton eingetrvfsen. Er hat eS erreicht, Eiue hübsche Aucküote weist dee Gaulvis von dem Besuch zu erzählen, den das tlalieuiichc KüuigSvaar der Gioconda in Rom abstattcle. Unter den >u»geu Offizieren, die bei dieser EKlegenheil den ücrrschce begleiteten, teiand sich auch ein Edelmann aus Piemont, dem noch nie die Ehre zuteil geworden ivar, von Seiner Majestät direkt ange- sprochen zu Ivrrbcn, Er brannte nackt dieser Auszeichnung und verfiel nun auf ein seltsmncs Mittel, um sie zu erlangen. AIS dep König mit seinem Gefolge bewundeiud oor dein Meisterwerk Leonardo» stand, riet er ledesmal, lvcnn der Name des Bildes genannt ivurde, im Tone der festeste» Ueberzeugung aus: „Was für ein Grvie war doch Raisael!" Alle sahen sich eritaum nach ihm unt, und schtiestlich nKükte ihn der König benai. „Was sagen Sie da, nrcrn lieber euntptimunt," meinte er lächelnd, „lotsten Sie nicht, dast die Gidcortda van Leonardo ist?" „Gewist weist ich das, Meuestüt," „Nun, was soll das r-u'.rii „Maieüät mögen »ep- zeihen: ich Hai, nichts Besseres geruirden, um der Ehre einer Ansprache um Euer Masestät 'geaurrdigk r» werden. Ich hoi'e, Sic werde» mir vertzeihcn," Der König lachte, und damit war die Verzeihung auch schon gewährt , , , Amtlicher Wetterbericht. Oessentlicher Wetterdienst, Giesten, WetteraiiSsickuen in Hessen am Freitag, den 9, Januar 1914: Vorwiegend wolkia, Temperatur wenig geändert, wesiliche Wüide, Letzte riaebrichten. Angebliche Aeu steru ii g c il de? Kronprinzen B c r l i n . 8, Jan, Die „Vossische Zeiluiig" n»d das „Berliner Tageblatt" erfahren, das; der Kronpriilt nn achlich au» Anlast^der Zabcrncr Vorfälle telegraphierte. Der' bisher' veroisentlichte Ter: ciitspreckte aber in keiner Weise dem Ivahreu Warllaut, Von durckv- a»S ziiderläiiiger Seite werden den beiden Blättern Acusternii- g e n des K r o n p r i » z e il vor einem g r ö st e r e n Kreise über die Zaber n e r B orsä lle iind das a ngebli ch c T e l r g r a m in mitgcleilt Danach äußerte der Kronprrnz, er.ver stet»' nicht, wie man z» der Ausioisung komme, Idatz er Eliai', Lorhriugen als Feindesland betiacküc. Er wünsche, dast zwiscktw AlldeutickUand und Elsgs'-Lolhringeii im Reiclislaiide keilte Gegen sätze beständen und dast die RcichZIändrr sich mit der übrigen Reichs- bet ölkcrung als gute Deutsche fühlen möcksten. Ihm läge die Anschauung durchaus fern, das; IM Deuischen Reiche Willkür Herrscher dürste und die Gesetz,' nicht beachtet zu ivcrden braucksten, Uebei dieZabcrner Fälle äußerte der Kronprmz, er.kliime nickst daran z:,4.isel>i, das: da» Ehrenkleid des Offiziers auch nach der überwiegenden Mebrheir des deutschen Volkes üichedingt vor B-- fchimpstmgcir geschützt werden müsse. Eines Obcriteir Pflicht gegen über seinem Regiment, der Armee und dem kdeutschen Volke sei seine Offiziere und Aiannschasten mit allen ihm verfügbaren «setz- lickcn Mitteln vor Beichimpiunge» -m schüitzcii. Das Gericht»- verfahren könne erst entscheiden, ouvretveit von der eine» oder anderen Seile Fehler oder lliigesetzlichkerten Vvrgekmu- meii feie», tstanz unverständlich ersck eine ihm, und er sei cutrüiret darüber, das; man ihm durch Emslelluiig r«iii privater Aeui: rimgen eine» Eingriif in ein ickm>ehendes Berfa Irren andrchtni tvolle, Zi,»r Reuter-Prozeß, S » r a st b u r g . 8, Jan. Au, dem Platze vor dem Gericht gebändc herrscht Ruhe und mir uv-nige Paiianten kreuzen die Straste, Ob man jetzt am vierten Vcrhandiuiigstage bis zu dem Plädoheibeginit vorschreiten kau», steht vor mittag nock; nichi seit. — Als erster Zeuge sagt Major Ude n, a, aus, dast nach seine» Anschauungen dir Polizei von Zobeni nur dann erst ein » geschritlcn fei, al» c» Unbedingt nötig gewesen sei. Man habe aber allgemein die Ansicht, das, alles anigkhört hätte, sobald die P» lizei energisch vorgegoiige» sei, Tiefe» tnilatigt der Zeuge Fr: ieur Anstalt, Gendarmeiiewachlvteisler Schmitt weist bau Stcinwüricu zu berichten, von eineni fei ec selbst getrosten worden. Ein Polizeidienec habe einen Steinwurf gegen den Kopf über der Kette d,-» Helme» erhallen. Die augeianmielle Menge habe aus 800 bi» 1000 Personen bestanden, meist jungen Leuten, darunter auch viele» neugierige» Frauen und Kindern, Ei s enbah ii er st reikin Johannesburg. Turba », 8, Jan, Dir Arbeiter in den E i f e ii fi_a h » Ivcrkstätten haben beschlossen, auf ein gegebenes Signal hin sofort mit dem Streik zu beginnen, Prinz Eitel Friedrich in Belgien, Brüssel, 8 Jan Prinz Eitel Fried r i ch, der sich seit Monte! iirroginro vier aushalt, irirb nach einer Blätlernieldung Gast des belgischen Künigspaares sein, D i e T ü r k c i n n d d i c A e g 8 i s ch e n I n se l n, Köln. 8, Jan, Bo» »nterrichteter Seite erfährt der Wiener Korrespondent der Kölnischen Zeitung, dast die Türkei keinessalls die Zuweisung der Acgäischen Inseln an Grii-chen land hinnehme und nicht davor znrückschrcckcn werde, sic sich mit W a i f e n g e iv a l t wieder anzneignen. mm FärbereiOebr.RöVer “'SiSfff“ chemische WaschanstSen Chemiaclies Reiuigen d. Färben toü Damen«, Herren* n. itinüerxar6ero!re, VorÜLUbeUz Deeken, Teppichen, Portieren, Fellen, Spitzen, Federn, Reihern. Kindermtttzeu, Handtichnhen etc. Kirka 1000 Angestellte. 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Die Patentschriften über die vom Kaiserlichen Patentamt in Berlin seit dem I, Juli 1877 erteilten Patente fönnen in unscrer Bibliothek sNctkarstraße 3) werktags von 9 bis 12h', und 3 bis 0 Uhr (Samslag-Nachmittag auSgenonimcn) von jedermann unentgeltlich eingesehen werde», Darmstadt, im Januar 1914, Großh, Zcnlrale für die Gewerbe. Der Direflor des Gewerbemuseuins »nd der _ Bibliothek. _ >» p Privat - Weissnäh - Schule von Frau G. «chott, Walltoritrastc S4. 10L80 UtttcrriÄt im Äcismühkn ubö Mtöflti&en w a 5 i», ,oro. ,m Flicken o. Stovien. Einte, jeder»., auch Abendkurse. k Lsvermaon Selter svj eg 81 Tel. 1098 Bielefeld. Herrenwäsche Allein-Verkanf Krawatten Marke Gold-Globns Garantiert prima Qualitäten Spezial- Preislagen 1J>0,2 *— 2diOy 3.-, 3JM, ***1 Ee mm AsmoaM. Zitronen Sl. 5 Pia-, 12 Dt. 55 Pig, biS SO -Hi«. Aliberdem rmviedle alle T n d f r ü ch t c in fluten Qualitäten zn billifl. Preisen 0186 R. RHase Wiegen, Jriedberg, Marburg. 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