Roman aus Sibirien. Von I. Oxenham. * Autorisiert — Nachdruck verboten. (Schluß.) Da wurde der Kutscher niesergerissen. Der Mann hatte sich die Zügel um den linken Arm ge- tvickelt und sein Möglichstes getail, die bäumenden mrd wud um sich schlagenden Pferde zurückzureißen und an Ort und Stelle zil halten, während er mit dem Hirschfänger in der Rechten sich gegen die Wölfe verteidigte, so gut es ging. Doch die Zügel hinderten ihn. Plötzlich wurde er vom Bock gerissen, vlumfte kopfüber hinab in den Schnee, und in dem Bruchteil einer Sekunde hatte sich eine Schar wütend zw- schnappender Wölfe auf den Unglücklichen gestürzt. Stepan konnte ihm nicht zu Hilfe eilen. Ihn selbst bedrängten die Wölfe hart. Und er mußte über Puschkin wachen. War es jenem Mann beschieden zu sterben, so mochte er sterben; denn helfen konnte er ihm nicht und hassen tat er ihn ja nicht wie den Teufel Pafchkin, der um jeden Preis den Wölfen entrissen werden mußte, um einen anderen Tod zu sterben; jenen Tod, den der Rächer sieben Jahre lang erträumt hatte. Der Mann im Pelz war ein Kämpfer. Fortwährend durchzischten seine geschickten Degenstöße die Luft und es war ihm'bis jetzt auch mit Mühe und Mt gelungen, sich tue Bestien vom Leibe zu halten. Doch feine Waffe eignete sich nickst für diesen Kampf. Auf einmal hörte Stepan einen schrillen Ruf des Schreckens — einen Fluch . . . Stepan Jline wandte den Kopf. ^ ^ Puschkins Degen hatte einen riesigen Wolf un Sprung durchbohrt und die gewaltige Bestie mußte sich im Todesi- kampf aufgebäumt und überschlagen haben, denn der Degen war im Getümmel bis ans Heft abgebrochen. Wehrlos stand der Mann im Pelz da, ein Stück Stahl m der Faust, kerne fünf Zoll lang, und. stieß wütend mit bat schweren Stiefeln nach den hungrigen Bestien, die an ihm emporsprangen. Gin uiigleicher Kampf, der nicht lauge wahren konnte, das wußte Pafchkin. Er wußte, daß er dem Tode naher war als je zuvor in diesen Minuten höchster Gefahr, und wehrte sich verzweifelt mit Händen und Füßen. Seme Faulte fausten auf Wolfsschüdel nieder. Da stürzte sich em riesiger Wmf aus ihn, verfehlte seine Kehle um einen Zoll, verbiß fuy ut den Pelzkragen, und riß ihn vornüber in den Schnee-— Mit einem furchtbaren Aufschrei sprang stepan June ans dem Schlitten; denn lieber tvvllte auch er sich von Wvlfs- gebissen zerfleischen lassen, als die Rache feinen Hw.lden entgleiten sehen. Neue Berserkerwut kam über ihn. Er hieb — er schlug — er hackte — er wütete wie em Wahnsinniger — et duckte Paschkm und w«f den schweren Mann ut .den Schlitten, als sei sein Gewicht nicht großer als dav nnev Kindes blutende Die Wvlfsleiber türmten sich auf. Zwanzig und mehr nde Körper lagen um den Schlitten und oa und dort schlich ein schwarzer Schatten sich heulend und winfelnd da- von über den Schnee. . . Ein einziger Wolf war nur zurückgeblieben und zerrte an dem toten Pferd, nngeharrk! Fleischstücke hinabschlingend. Stepan hob die Axt. Das Tier starrte ihri aus glühenden Augen an, fraß aber unbeuimmert weiter in seinem Hunger, und es war Stepan, als liege em sonderbarer Ausdruck stummer Angst und stummen Vorwurfs in diesen Molfsaugen. Das schwere Stück Stahl.fauste nieder und spaltete dem Tiere den Schädel.. Als es hinftürzte, sah Stepan unter seinem Leib zwei winzige Wolssjnnge, cue immer noch gierig an der toten Mutter saugten. Der Kutscher lag im Schnee, zwischen den,Husen der Pferde, die vor Entsetzen zitterten, aber still dastanden, als scheuten sie sich, aus den Mann im Schnee zu treten. Stepan wußte nicht, ob der Mann tot war oder lebte. Noch kümmerte er sich darum ... Langsam schritt er auf den Schlitten zu. Pafchkin saß keucheiid da, im Sitz zurückgelehnt, pur- purrot vor Anstrengung und Erntattung. „Bei Gott, Mann," stieß er hervor, „ihr seid furchtbar, ihr beide — du und deine Axt. Du hast mir das Leben gerettet. Du bist wahrlich ein Kämpfer!" Stepan Jline gab keine Antwort, sorrdern starrte wortlos in das Gesicht seines Feindes, den er zum erstenmal seit neun Jahren wieder sah. Pafchkin hatte sich wenig verändert. Er war nur stärker geworden; das Gesicht mit dem roten Bart voller. Selbst jetzt jedoch, nach Stunden des Kampfes ums Leben, lag in diesen harten Augen das alte Herrische, Brutale, Zwingende. ^ „Sieh nach bent Kutscher!" befahl Pafchkin. Stepan rührte sich nicht. . „Wer bist du, Mann, mtd wie kamst du hierher m die große Steppe gerade noch zur rechten Zeit, mir das Leben zu retten? Weißt du, tver ich bin?" Und Pafchkin stieg müde und schwerfällig aus dem Schlitten.. _ Stepan starrte ihn an und ferne Finger Mosten sich mit eisernem Griff um den Stiel der Axt. „Wer bist du?" Keine Antwort. . _ , f( . Ein wenig verwundert, zu dankbar jedoch, fich über diesen Riesen zu ärgern, der ihm das Leben gerettet hatte, trat Pafchkin näher und sah sich den sonderbaren Mann an, der auf keine Frage antwortete und nur mit glühenden Augen starrte. Unwillkürlich prallte er einen Schritt zurück vor diesen Augen — c „Was fehlt dir?" ries er erschrocken. „Bist du verwundet? So antworte doch! Bei Gott — er hat den Mrstand verloren über dem Kampf mit den Wölfen!" Stepan richtete sich auf. „Nein; den Verstand habe ich nicht verloren," flüsterte er endlich und seine Stimme war rauh und heiser — eine gebrochene Stimme, aus der die Leiden imb die Einsamkeit und das gierige Warten all dieser Jahre klangen. Biel lag in dieser Stimme. Die blutige Lust des .Wvlfstampses, die noch 350 ttachzitterte in dem Kämpfer. Die 'Gier nach Rache. Und — der Wahnsinn. . „Nun — es wäre kein Wunder, hättest du ihn wirklich verloren. Ich habe eine Flasche Branntwein im Proviantsack im Schlitten. Komm, Mann! Stärke dich!" Stepan atmete tief auf und schüttelte den Kopf. „DF— bist — Paschkin?" „Ja, ich bin Paschkin," rief der Gouverneur ungeduldig. „Und ich wünschte, Mann, du würdest nicht steif wie ein Götzenbild dastehen und mich anstarren, als könntest du nicht bis drei zählen. Hast dich vorhin rührig genug gezeigt. Trinke einen Schluck Branntwein, Mann, damit du wieder zum Leben kommst, und dann hilf mir, nach dem Kutscher zu sehen. Wir wollen ihn mit in meinen Schlitten tragen und rhu mitnehmen, fei er nun tot oder lebendig. Wir müsse:: die Pferde neu anschirren und werden daun zusammen weiter- f'ahren. Und nun sage mir endlich, wer du bist, woher du kommst, und wohin du gehst. Wer bist du, Mann?" „Ich bin Stepan Jline!" 13 . 'Der endlose Weg des Mannes mit dem Teu-- selspaß endet im Schnee der Großen Steppe... „Jline? — Jline. . ." wiederholte Paschkin zögernd, in seinem Gedächtnis suchend, denn der Näme JUne kam ihm bekannt vor, obgleich weder der Mann noch der Name bestimmte Vorstellungen der Erinnerung in ihm wachriefen. Schon seit Jahren hatte er den widerspenstigen Gouverne- mentsrat nnd die für ihn ersonnene Strafe vergessen. SV viele and>ere Männer waren widerspenstig gewesen seitdem und bestraft worden — „Jline — heh?" „Stepan Jwanowitsch Jline." „'Gut, Stepan Jwanowitsch. Ich werde dich belohnen. DU bist ein braver Mann." „Exzellenz kennen mich?" „Nein. Ich kann mich! nicht entsinnen, dich früher schon K " len (gut hohen. Doch kenne ichtzdichs jetzt ünd ich lverde alles einer Macht für dich tim." i „Ich bin Stepan Jline aus Irkutsk, Exzellenz." „Ans Irkutsk .‘l" ^Stepan Jline, der Sohn des Schmiedes Iwan Jline—!" „Der Schmied — „Stepain Jline, der Schimied, Exzellenz —- der Mann, dessen Leber: Sie zerbrachen!" Jline — Schmied — zerbrochenes Leben-Paschkin trat einen Schritt znrück, entsetzt über das Drohende in dieser heiseren Stimme und das Flackern dieser Augen. Der Mann war ein Narr! Wahnsinnig mußte er geworden sein in dem Kamps mit den Wölfen! „Nicht von der Stelle!" donnerte Stepan Jline. Puschkin stand wie gsebannt. \ „Ich bin der Mann, Exzellenz, der in Ihrem Rate saß; ich bir: der Mann, den Sie nach Wersmsk sandten; ich bin der Mann, den Sie dazu Verurteiltem mit einem teuflischen Paß heimatlos nmherzuirren — „Ah — — —!" stotterte Paschkin. Nun wußte er, inet dieser Stepan Jline war; wußte es nur zu gut, und zum erstenmal in seinem Leben packte den harten Mann die Furcht. „ — ich bin der Mann, dessen Vater Sie töteten, dessen Weib Sie nmbrachten, dessen Kinder Sie mordeten!" Mit unheimlicher Ruhe hatte Stepan gesprochen. Nun aber packte ihn die Wut des Wahnsinns — „Du Hund von einem Mann !" brüllte er. „Dü — du bissiger Hund — du toller Hund! Weißt du jetzt, wer ich bin?" „Rebell! Verdammter Rebell!" schrie Paschkin. „Ja, du beißender böser Hmid! Du mußt sterben. Seit sieben Jahren habe ich aus dich gewartet und seit sechzehn Tagen bin ich dir über die Stepper: gefolgt, und! zmn hübe ich dich! Sterben nmßt du! Meine Axt soll dich töten. Einen Hieb für meine Kätia — einen Hieb für Kätinka — einen Hieb für der: kleinen Stepan —" Er schwang die blitzende Axt. Paschkin tvandte sich und rannt« dem Schlitten zu, brüllend wie ein wildes Tier vor Mut und Angst. Eine Waffe — eine Waffe, bei allen Heiligen — wo fand er eine Masse? Ah, der Kutscher hatte doch einen Hirschfänger gehabt! Der mußte irgendwo im Schnee liegen. Eine Masse —- eine Waffe, um aller Heiligen willen, sich gegen den Wahnsinnigen zu verteidigen! Doch Stepan war schneller. , Er sprang mit einem gewaltigen Satz' vorwärts' Und stürzte sich, aus de!n Mann, der einst in schlafloser Nacht den Deuselspaß m:sge klügelt hatte. So stark war der Anprall, daß beide Märmer in den Schnee rollten. Doch, Stepan stand sofort wieder ans den Füßen unb das schildere Stück Stahl der Axt sattste nieder — „Rebell tz- brüllte Paschkin aellend. Der Hieb war ihm tief tu die Schulter gedrungen ahn mit letzter Kraft schnellte er empor und stürzte sich blindlings mit der: bürsten Fäusten ans den Wahnsinnigen! in der armseligen Hoffnung, ihn an der- Kehle packen zu könne::, noch, ehe die Axt zum zweitenmal fiel. In Stepans Llügen sprühte es. Ein krachender Schlag — ein zweiter — ein dritter h -Hieb auf Hieb oann. Und eine blutende Masse, dis einst ein Menscher ärd ein harter Mann mit starken Leidenschaften gelvesen war, lag still im Schnee. Stepan beugte sich nieder u:rd starrte und starrte, . * lind mit einemmal zuckte Stepan Jline zusammen und' ließ sich schwer in dem Schnee fallen und lächelte blöde vor sich hin, denn in seinem Gehirn hatte sich einer jener blitzschnellem geheimnisvoller: Vorgänge abgespielt, die nach langem, kaum merkbaren: Wachsen und Werden im Bruchteil einer Sekunde den Wahnsinn in einem Menschen aus lösen Er lachte, er lajllte, er neigte sich wiegend vorwärts und rückwärts. Dann seufzte er tief auf und brach in Tränen ans, ohne zu wissen, weshalb er weinte. War nicht die Welt so sonderbar leer und still geworden nr:d war nickst der Schwee so tveiß und so kalt und so fürchterlich einsam . . Dann wieder kam das blöde Lächeln in sein Gesicht und mühselig richtete er sich aus nrtt> stand schwankend da. Da fiel sein Blick auf die beiden Wölslein, die lläglich winselten und ungeschickt am Blut des Dserdeteibes deckten. Lache lick) i sing Stepan hin und nahm die Tierchen auf und steckte ie in die weiten Taschen seines Pelzrockes und streichelt^ re zärtlich. „Kleine — braune — Brüder — für — Katinka >-1 — t ‘ lallte er vor sich hin Und dann schlief er ermattet ein, mit einem glückseligen Lächeln auf den mageren, verhärmten Zügen, und balhj rieselten die Schneeflocken wieder herab aus dem Grau deL Himmels. So endete der endlose Weg . . * Zwei Tage später jagten die Küriere nach« Sankt Petersburg mit schrecklicher Kunde. Der große Paschkin war in der Steppenwüste zwischen Zerskajo und Senandria im Schneesturm von einer ungeheuren Schar Wölfe überfallen Uno zerrissen worden. Er und seine Leute. Die Leichen, waren bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt und angefressen. Ein schwerer Schlag für das Heilige Rußland H so sagte, man am Hose von St. Petersburg. Zigeuner. Vor: Otto A l s che r. (Nachdruck verboten.) In den Dörfern hämmerte die Toäka. Es war ein helles, taktmäßiges Rattern, das der Märzwmd dahin nnd dorthin - trug und in das wellige Gelände verschlug. Kam man aber auf eine Höhe, so war der Laut wieder da, hell und singend und sich weit hinauswiegend, so das; man nicht glauben konnte, das; es nur hölzerne Klöppel seien, die auf ein Buchenbrett schlugen. Das war der Monat, wo sie zum Wandern erwachten. Die Tschale, die Kukuya, die Leila und Aschani. Tie vier Stämme der Wauderzigeuner Siebenbürgens. Jede Viertelstunde rasselte ein Wagen, von kleinen Pferden gezogen, von einer eigentümlichen Unrast getrieben, vorüber, mit klappernden, weit aus den Wagen herausstehenden Zeltstangen und einer Lhrzahl wirrhaariger Köpfe. So stürmten sie hm, und es schien, als fühlten die Pferde ebenso ihr Zigennertum wie die Menschen in: Wäger:. Wenn fie aber bei eilten: Dprfe lagerten, saß alles vor der: Zelten. Nicht mehr um das Lagerfeuer im Zeltinnern waren, sie versammelt, in den Sonnenschein kauerten sie sich; halb oder, nackte Kirrder, rancheiche Männer und Weiber, Greisinnen, mnmieiiw Haft vertrockrrer, Wesen, deren Augen allen: Leben bezeugtest^ seltsam tierische und rassewilde Augen, die das Einzige sind, bas unverwüstlich im Verfall des Körpers "besteht. Silbergepanzert schärfte:: die Gürtelberge Siebenbürgens herab, und es war, als führten alle Wege, alle Straßen, die von weit hinten ans dem Tiefland kamen, diesen Bergen p. Als stürmten 351 L sie mit SehnfuW M sie hevam UM die weißen Gipfel doch nicht W erreichen. Urüer die FeLer her kam ein Wad. Eine Hecke entlang lief vnd da tauchte immer tviÄ«r xrn satter, roter Punkt ans. glitt und schwebte, versank und erstand, und dann ivar er plötzlich gmrz nahe, urrd ich sah eine leichte MLdchengestalt, dererz Schreiten ein eiliges Schweben schien, deren kleine Füße von doren Röcken wie von flancknender Lohe umflattert wurden. Und dwur sah ich das Antlitz. Es war draun und rassig, der Landschaft und dem Lande so fremd, als sei es eine verlorene Erscheinung aus weiter Ferne. Es zeugte von südlicher Sonne und war doch nicht südländisch weich-, sondern ftol? und kühn, wie von den Bergen her. Mail konnte nicht übersehen, daß es -eine Zigeunerin ivar, das ftlgte der seltsame Leidens-zug um den Mund, der wie von einem Lächeln unter Tränen zurückgeblieben schien. Der Staub der Straße steigt unter ihren Fußen. Mit kurzen Stößen erhebt er sich tntmler lvieder und legt sich- dann weich und breit in da s Feld hinaus. > „Wo liegeir Eure Zelte?" „Tort, wo die Straße abbiegt und den Bach hinauMhrt."^ „Da ’fmft Tu «noch weit zu gehen." „Wandern macht mich nicht müde." * Immer häufiger sieht man arbeitende Bauern mif den Fel--' Kern. Gebückte Gestalten, mit den Ftißen ,anscheinend in deü Erde versunken, als wären sie knorrige Stauden, die in ihr? wurzeln. Und wie wir, an ihnen vorüber-eilend, sie weit zurücklassen, scheint es, als sänken sie in den: zähen Boden imMer tiefer ein,' als würden sie allmählich- von ihm! aufgesaugt mit all ihrer! schweißtriefenden Mühe, mit ihrem keuchenden Leben unbarm-i herzig verschlungen. Ta sagt das Mädchen: ..Kurz ist der Weg des Rumänen. Vom Feld zum Torf, vom Dorf zum Feld. Und immer warten sie der Gaishi. Sie warten auf den Frühling, damit sie anbanen, können, auf den Sommer, wenn der Mais reif wird. Und haben sie geerntet, wieder erwarten sie den Frühling. Sie könnten nicht leben, hätten sie das Warten nicht." „Und Euer Leben. Mädchen, ist kein Warten?" „Auf was sollen wir warten? Wir haben keine Ernte, und kommt der Winter, so packen wir unser Zelt cruf. den Wagen! Und ziehen hin, wo es milder ist. Keine Ernte, kein Feld hält uns zurück. Aber stürmt es trotzdem, so frieren wir eben, kommt die Sonne, so freuen mir uns. Doch sie kommt nicht früher, wenn wir ans sie warten." Wie die Seele ihres Volkes erscheint mir dieses Mädchen, das auch sucht Und sehnt und es doch unter züngelnder Wildheit verbirgt. , Als der Tag in der Landschaft zur Rüste ging, suchte ich das Lager der Zigeuner vorn Stamme der Leila auf. Aus vier Zelten bestand die Sicdeluug. Tort lagen sie, wo durch den Bach und den Mühlkanal eine Insel gebildet wurde, uird tveiter oben sah man auch den ungefügen Würfel der rumänischen Mühle durch die Bäume schauen. Erlen überschatteten die Zelte. Und in das Rauschen des Baches klangen seltsam^ dünne,, klingeiche Kinüerstimmen. Vom armen Zigeunerknaben sangen sie das Lied: „Ai de vine la romna, wmi cai, A lele lei leila C-ai la romna jemo caura, Ä Ici. Icil’ß ^ Und immer, wenn sie mit ihren kurzen Stimmen aussetzten und der Bach tief und orgelnd dareinrauschte, war es, als lauschten sie in atemloser Traurigkeit. . , ., ^ Vula, das Mädchen, kam mir entgegen. Urrd da sah ich, daß sie sich meiner Bekanntschaft freute, daß sie darüber stolz vor den Ihrer: war. Das merkte ich auch, als sie die Kinder abivies. die kamen, tanzten und bettelnd sangen: „Tamo ritu, tanro na!" „Bresh," rief Vula urch vertrieb die Kinder. Wir saßen dann an einem Zelte beim Lagerfeuer, Männer kamen und mischten sich ins Gespräch,'^Kinder drängten sich Mm Zelteingang, um den Fremden, den rah, zu sehen, der sre besuchen gekommen war. Mer die Männer waren zurückhaltend, sie schilderten nicht wie Vula ihr Leben, sie stellten nur Fragen. . . Sie forschten nach dem Leben in den Städten, was unsere Kleider, unsere Existenz koste. r , Tann aber kümmerten sie sich nicht mehr unr mich Sre sprachen nur untereinander über die Fremden und mich, -va ich jedoch ihre Sprache verstehe, hörte ich, wie sie sich darüber wunderten, daß die Städter so teure Kleider tragen, auf ihre Lebensweise so viel verwerrden und in so prachtvollen Hausern wohnen, wo doch schon eine Hütte vor Sturm und Reger: schütze, ja ein kleiner Raun: im Winter wärmer sei als em großes Zimmer. 0 . r Da sagte ich denn den Männeru vom Stamme Lerla, daß -unser gairzer Luxus irur auf dem Zwange der Gesellschaft beruht, und er weniger uns selbst als beit anderen gilt, denen wir es gleichtun wollen und auch müssen, weil wir, um ihnen knzuge- hören, rms durch uichts von ihnen unterscheiden dürfen. „Und darum geht ihr so gekleidet, als wäre euch ieber Tag eiu Sonntag, an den: ihr feine Kleider tragt, weck ihr nichts arbeiten müßt?" fragte, ein Vitro-, ein Alter, erstaunt. „Ja, nur deshalb, denn siehst du, puro, wir leben in dem Wahn, daß wir rurr dann hei unseren Nebeninenschen etwas gelte!?, wenn Nur so tun, als lebten wir nicht durch unsere Arbeit." „Warum sagst du es nicht, ihr seid ja reich, ihr Fremden, derrn sonst hättet ihr nicht das Geld, irm cs für eure Kleider, euer Leben auszii geben!" sprach ein hagerer Zigeuner feindselig. „Wir niüsserr es haben, ivir Arbeiten nicht wie ihr, mn zu effert, sonderi: um uns zu kleiden und nicht in einer Hütte zu wohnen: Was wir essen, kostet kaum den dritten Teck dessen, was wir für Wohnung, Kleidung und anderes brauchen." „Joro vindo! Bon Vindo pttro!" rief der Mte erstaunt. „Und wir arbeiten einzig, um nicht zu verhungern, das andere ist nichts." Giza !aber, der Hagere, rückte näher und fragte vertrauter: „Darum zeigt ihr-euch auch so böse gegen den Hunger der Armen, weil euer Hunger nach ganz ariderem geht." „Tu karnist recht haben. Giza, mir verachten euch, weil wir glauben, unser Hunger sei vornehmer, weck wir nach Luxus urrd Kultur hungern. Ihr aber, haßt ihr uns nicht auch?" Ich blickte ihm ernst in die Augen. Ter Zigeuner starrte finster irrs Feuer. Dann hob sich sein. Blick und glitt hinaus irrs Zelt, wo sich inzwischen die Nacht herangedrängt hatte. Er schwieg, als überlegte er. Urrd er schwieg n-och immer, da ich schon längst eine Antwort erwartete. Das Schweigen wurde peinlich. Von einer eigentümlichen Unruhe erfaßt, schaute ich Umher, in die vielen Gesichter rings, und war erstaunt, wie viele mich anstarrten. Fast alle Insassen der Zelte hatten sich zusammengefunden. Plötzlich regte sich Gize und begann: „Einst, so erzählt man sich in unserem Stamm, als wir in diese Lüiider karnen, arm, verlassen und gehetzt, da fanden wir euch, ihr Seßhaften, urrd glaubten, ihr sew Götter; well ihr so friedlich lebt, immer an einem Ort bleiben könnt, ohne daß euch der Hunger tveiter treibt . . . Wir glaubten, .ihr seid Götter; so wissen es unsere Alten, und wir beteten zu euch, denn wir dachten, ihr würdet Not und Armut von uns nehmen: Wir warteten und warteten, aber ihr nahmt sie nicht von uns. Ihr sähet kaurn nach lmrs', und ließet uns vor eurer: Türen stellerr, durch die Zufriedenheit und Reichtum aus- und eingingen. Wir warteten darauf, daß eure guten Feen auch uns reich machen werden. Neid kanr über uns, da wir sahen, daß nur ihr gute Urmest habt, daß euch stets der Locholitfcho hilft, uns aber nicht. Das Warten erzeugte unseren Neid. . . . Doch der Neid ist ein Säuglings der krank geboren wird. kttum muß et Wrben, wie jenen Saftena, der zu früh kam. Sein Dod ist wie bei einem neuge«, bo reuen Kind, das znm Mulo toird. Der Neid stirbt, indem er den Haß gebärt. Und auch unser Neid ist gestorben, weil eure Urmen uns nicht glücklich machten ..." l Ter Zigeuner brütete wieder vor sich hin. dtiemand von den übrigen sprach ein Wort. Aber eö tvar, als keime zitternde Hoff- rmiig in dem Hageren, da er wieder begarrn: „Doch du sagst, ihr; seid mrr reich, weil ihr es sein müßt. Ihr habt vielleicht gar keine guten Urmen, well euer Reichtum nicht euer Glück ist. Ihr habt teure guten Urmen' — ihr seid nicht anders als wir!" „O, daß ihr mrs gleich seid!" rief plötzlich eine zittettckkj Stimme. „Ja, seht ihr, wir kämpfen ja auch, nur anders wie ihr. Aber müde macht es uns auch, wie euch!" ^ Da begannen plötzlich alle durcheinander zu sprechen, das Zelt schwirrte von Stimmen, von Worten und lebhaften Rufen, die mit einer großen Fröhlichkeit gesättigt waren. Rufe, die fern* gen, als wäre plötzlich em eigenes Leben erstanden, als käme eist jauchzender Volks hause immer näher, gleich einer gewaltig brandenden Woge. Als würde eine erst so fremde Stimme immer bekannter, um zuletzt in eines Freundes herzliche Vertrautheit überzugehen! Von draußen aber schinrinerten die Lichter des nahen Torfes herüber. Toch wie in werter, fremder Ferne schienen sie zu liegest. Und Menschen gingen oben auf der Straße längs des Baches vorbei, unsichtbar die Nacht durchziehend, nur ihre Stimmen klau geil gleichgültig fremd herab. Wie eine von allen Seiten umbrandete armselige Siedlung mitten im feindlichen Lande erschien mir dieses Zigeunerlager. Wie dunkel die Nacht ist. Nun aber muß ich trachten, in mein Torfwirtshaus zu kommen. Der Himmel hat sich wieder bewölkt: vom Weg keine Spur zu sehen. Nur die Bäume, die die Straße besäumerr, zeigen mir die Richtung. fstun muß ich schon bald im Torfe sein. Aber die Bäume rechts und links nehmen noch kein Endc,^ni:d noch immer rauscht deü Vach frei herein. Ist das nicht ein Schritt hinter mir? Ern eilender und doch schleichender Schritt leichter Füße? Ich drücke mich hinter einen Bannr und märte gespannt. _ Ter Schritt kommt, hält ratlos mitten in der Straße. Wer ist das nur? Ich gehe auf die Person zu. Ein Schrecken der Ucherraschten, dann weich: „Ray?' „Du bist es, Vula? Wohin gehst du?" Keine Antwort. Da berührt ihre Hand Meinen. Arm. „Warum gingst du schon fort von uns?" „Ist es nicht spät? Ihr wollt schlafen und ich auch?" 352 Plötzlich seufzt das Mädchen, als kämen Träneir in ihre Stimme. ^ , „Oh warum bist Du ein Ray, rmd bist mcht eurer der Unseren: itmrttnt bist Du kein wm, der mit uns zieht, der sein Zelt bei uns hat, seinen Wagen, seine Pferde." „Bin ich euch denn ein Fremder. spreche ich nicht eure Spruche? Wenn ich auch nicht stets bei euch bin, gern sitze ich doch in euren Zelten, fahre in eurem Wagen, wenn ihr wandert." „Und dvch hat dich eilte rubere Mutter geboren, keine romi, und morgen. . . morgen wirst du uns nicht mehr kennen.", „Morgen komme ich wieder M euch. Sobald es Abend wird, bin ich 'bei euren Zelten. Jeden Tag komme ich, wenn ihr wollt." „Morgen kommst du, vielleicht eilte ganze Woche, aber dann .... dann gehst du fort, für immer .... Dein Weg ist ein anderer, von den Zigeunern fort führt er." Das Mädchen schluchzt leise. Sie hat meinen Arm gefaßt, und wie sie so vor mir stcht, höre ich, wie bei ihrem Witternden, Schluchzen leise die in ihren Zöpfen geflochtenen Silberftücka klirren. , . . . Weit draußen quaken Frösche. Das klingt wie ein zorniges! Geplärr, wie ein heftig erregtes Ausschrecken der Märznacht. Und diese lauwarme, erregte Märznacht läßt mich plötzlich das Mädchen küssen. . „Ja. Mädchen. Dein Weg führt dorthin, meiner hierhin. Und doch sind beide nur -eines Menschen Weg. Em^Lebert lang berühren unsere Füße dieselbe Erde. . . Dein Fuß und mein Fuß . . . Und diese Erde verbntdet uns, Vula!" Mt nächsten Nachmittag schaue ich und schau, und kann es nicht fassen. Leer ist der Lagerplatz, verschwunden die Zelte, verschwunden die Zigeuner. Was vertrieb sie? Warum sind sie fortgewandert, die sich doch gestern freuten, als ich wiede rzu kommen versprach? Neben mir steht ein Rumänenknabe, die Pelzmütze über den Ohren, dert Hals eingezogen, das Kinn im Rockkragen verborgen und leiert fröstelnd: „Uird nachher luden sie die Helte aus die Wagen, und nachher ritten sie mit den Pferden dreimal um den Lagerplatz, und nachher spannten sie die Pferde ein und ftlhren gegen Priboi . . . Asa am vedut, Dommüle." Aber was vertrieb sie denn? .. . „Und sichren gegen Priboi," plapperte der Knabe fort. Rente es sie, daß sie sich mir anvertranten? Haben sie denn kein bißchen Anhänglichkeit an einen Fleck, gar kein Heimatsgesühl? Was vertrieb sie nur? ... Ihr Ghetto? . . . Ja, es ist ihr Ghetto, das sie wandern hetßt ihnen Ruhelosigkeit gibt, jedes Heimgesühl nimmt und Mißtrauen einim-pft Wider alle, die zufrieden sind. Denn ihr Ghetto ist nichts -als das Leidens betvußtse in ihres Pariabhrtes.... Ihr Ghetto ist nichts als der Verfolgungs-- wahn einer ganzen Rasse. Atemübungen als Vorbeugemittel gegen die Grippe. Cs ist/klar, daß ein Körperteil, welcher nicht genug bewegt und geübt wird, Und dadurch nicht genügend durchblutet und lebendig bleibt, leicht Kran Kielten zugängli ch ist. Tie Krankheits- keime ftnben einen guten Boden in ihm, während ein in lebendiger Bewegung bleibender Körp>erteil sie leicht abstößt. Ter bei der Grippe atn meisten gefährdete Teil ist die Lunge, Und daher muß es die -erste Sorge sein, M versuchen, diese durch geeignet« Uebnngm an frisckMr Luft vor Infektion zu bervahren. Einige Mmungsübungen, di« sich im .Freien oder am offenen Fenster leicht ausfühveit lassen, folgen hier. 1. Man hebt die Arme bis zur Schnlterhöhe (nicht höher) und läßt wahrend des Hebens der Anne die Luft durch die Nase entströmen, hält sie einen Augerrbkiäs an stnd atmet durch den offenen Mund mit geflüstertem A langsam aus: es muß wie leichtes Aechzen klingen. Man kann auch die Lust, ein T flüsternd, ent- weicken lassen. 2. Nach erfolgter Einatmung staut man di« Luft hinter den fest'gesckloffenM Lippen und läßt Je dann in einigen kürzest Stößen Pustend heraus. (Wie eine Dampfmaschine, aber nicht zu heftig.) I. Man saugt die Luft durch die auf die Unterlippe gepreßten Oberzähne ein, bis man sich ganz mit Luft geftillt fühlt, atmet darauf ans wie bei 1. 4. M-ait attwet ein wie bei 1, Mt die Luft an, solange man es ohne Anstrengung kann, !und atmet auf A aus wie bei 1. Bei allen Uebungien ist zu beachten, daß bei der Einatmung die Lust nicht heftig eingezogen wird, sondern möglichst must und nicht zu rasch emströmt. Ueberhäupt darf man sich bei keiner Hebung anstrengen! Besonders zu empfehlen sind di« U'ebungen nach AnftmtMl in überfüllten, geschlossenctr Raunten. M. A. &. VSchettisch. Reue Lyrik. l —> Flugblätter rheinischer Dichtung, herausgegeben von Carl Salm im Salm-Verlag zu Cöln. Preis für daS Blatt 1,00 Mk. Tritte Reihe. 1. Blatt: Vergiß du deines Bruders Not, Arbeitergedicht von Heinrich Lernt; 2. Blatt: Ins Auge der Ewigkeit, Gedichte von Leo St er n b erg; 3. Blatt: Liebe schöne Laute, Neue Lieder von Heinrich Zerkaulen; 4. Blatt: Tie gekreuzigte Seele, Gedichte von Joseph F. P o n tze n; 5. Blatt: Bon sttllverfonuten Wegen, Gedichte von Ilse Bartels: 6. Blatt: Klänge vom Niederrhein, Verse von Karl Brand; 7. Matt: Ter hohe Glanz, Gedichte von Henny Ray mann; 8. Blatt: Ter heimliche Garten, Neue Verse von Elisabeth Drügg. — Die westfälische Dichtung in Flugblättern. Herausgegeben von Carl Salut im Salm-Berlan zu Cöln. Preis für das Blatt 1 Mk. 1. Reihe. 1. Blatt: Friedrich Castelle^ Späte Lerchen in der Luft, Nene Gedichte; 2. Blatt: Th. Ä. W. Schröder, Kleines Kaleidoskop, Gedicht«; 3. Willi Lind n er, Vom Lenz und Herbst, Gedichte; 4. .Adolph Pott hoff. Aus erlebtet: Stunden, Gedichte. — Der rote H a hu. Verlag der Aktion, Berlin-Wilmers- dvrs. Das Heft 0.80 Mk. Jakob von H v d d i s, Weltende; Kurd Adler, Wiederkehr; Mex. Herzen, Ter Geisteskranke; Jd-ler Talbot Ke l l e r, Dnrchlblutung; L. B ä u m er. Das jüngste Gericht. Zwei Sammlungen von Bersbüchern sind hier untereinander- S stellt, die in ihrem Wesen sehr wenig miteinander gemein haben. tri Salm, der selbst ein sehr beachtenswerter Dichter des Rhein? landes ist, hat es sich in dankenswerter Weise zur Aufgabe gemacht, den langen poetischen Kräften des Rheinlastdes und Westfalens eine Bühne zu schaffen, von der aus sie ihre Weisen ins Herz des Volkes hineintragen können. Tie kleinen, entzückend gedruckten Bändchen bieten nicht gleichlvertig» Kmtst, aber immer genügenden Anhalt, tun sich von der künstlerischen Eigenart jedes Dichters ein vollkommenes Bild zu machen. Namen wie Lersch, Sternberg und Castelle werden schon manchem geläufig sein. Andere werden sich einprägen. Ta es der Raummangel verbietet^ näher auf die einzelnen Lyriker einzugehen, kann nur empfehlend auf die ganze Sammlung hingewiesen werden. Tie zwette Sammlung „Der rote Hahn" ist der Tummelplatz der Kutistrevolutiouäre, die sich nicht selten zu eitlem Kunstbok- schewismus htnreißen lassen. Es wird nicht für jedermann möglich sein, den guten Kern heransznsinden, um den die wildes Entatmtionen sich schließlich zu einer gereisten Kunstform kri? stallisieren müssen. Wer sich für die inoderne Entwicklung der Lyrik interessiert und nicht das ihn Befterndende von vornherein) mit Ueberlegenheit abtim will, wird doch hittter denr lieber^ schwang mehr finden, als dieser anfangs ahtten läßt. — Reiuhold Sorge, Mutter der Himmel, 8P. XIV und 50 Seiten, geh. Mk. 2, geb. Mk. 3. Verlag der Jos'. Kösel- scheu Buchhandlung, Kempten-München. — Ein Sang, wie er seit langen Zeiten nicht mehr erklnngett ist, in Tönen von eiltet) herben und strengen Schönheit deS Klanges. Er setzt Empfänglichkeit voraus für die Stimmimgen und Eindrücke ans den reinen! Regionen der Umwelt seines Geistes, aber wer Sinn tntb Gefühl) hat ft'ir sie, den faßt er mit unlösbarem Griffe in den Tiefen der) Seele. Ein Sätrger des Erhabenen, wie ihn seit larrgem die Dichtung nicht mehr wies. — Walter von Molo. Der Hauch im All. Tragödie in drei Aufzügen. Umschlag- und Einbandzeickmnna von Heinrich Jost. Preis geheftet 2,50 Mk., gebündelt 4 Mk. Verlag von Albert Langen in München. — Der „Hauch im All", dessen Tragödie hier geschrieben wurde, ist der Mensch, ist der Mann, den es halt- trüb ruhelos durch die -Welt treibt, und der, wenn dies äußeren Umstände des Berufs und der Familie ihm ein bürgerliches Leben voll von Würden und Ehren auferlegt haben, dafür! in seiner ^eele um so hilfloser die Beute der schweifenden Leidens schäften wird. — H. H. Houben. Hier Zensur — wer dort? Antworten von gestern auf Fragen von heute. Mit Unrschlagbild von Th. Th. Heine. Leipzig, F. A. Brockhans. 1918. Preis Mk. 3,60, geb. Mk. 5. — Ein ganz wunderbares Musennt aus der „guten alten Zeit" tut sich da vor uns atrf. Tie Zeitalter Friedrichs des! Großen und Kaiser Josephs II., der Französischen Revolution, Napoleons mtd der Befreiungskriege, des souveränen Absolntts- mns und des beschränkten Untertanenverstandes werden in farben- lusttgen Miniatttrbtldern und ernsthaft-schwarzen Silhouetten an die Wand gemalt. . > — Ein neuer Theater-Mlmanach ist unter bet) Aegide von Generalintendant Geheintrat Zeiß von Müller-Wal-- deNbnrg redigiert als „Frankfurter Almatmch der städtischen Bühnen" erschienen. (Verlag Max Kvebcke, Franffurt a. M., Mk. 4,50.) Mitarbeiter von Ruf — Geheimrat Zeiß, Prof. Schreker, Dr. Gebrecht, Pros. Christiansetr, Dr.,W. Mießner, Hugo Schlemüller, Schulte v. Brühl, Kgl. Regisseur Legal u. a. — haben mit ihrer Erörterung allgemeiner Kunst- und Theaterftagen^ mit reizvollen Lokalbeiträgen mtd besten Feuilletons den Alma- nach zu einem gewissenhaften Berater für Künstler mtd Publikum gemacht. Eine Preisfrage „Welche Rücksichtnahme schulde ich als Theaterbesucher dem Kunstwerk, den Künstlern und den übrigen Zuhörern?" wird rege Beteiligung finden. Auflösung des Anagramms in voriger Nummer: Falts, Estrich, Rotte, Insel, Erde, Noten. Reim, Enkel, Inka, Talbe^ Ernte. — Ferierrreise» Schristkeitung: vr. Reinhotd Zeitz. — Zwillingsrunddruck der Brühl'schen Umv.-Bnch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.