Der endlose Weg, Roman aus Sibirien. Von I. Oxenham. Autorisiert — Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Dieser Mann war Stepan Jliire, der Verfolger Puschkins. Eine Veränderung war über ihn gekommen, wie sie vorgeht im wilden Trer, das mit schlaffen Gliedern und halbgeschlossenen Augen schläfrig daliegt und plötzlich die Beute erspäht, um mit einem gewaltigen Satz auszuspringen. jede Muskel stählern, das Auge gierig, ganz Raubtier. In jener kurzen Stunde in Krasnojarsk hatte er mit starker Energie gehandelt. Den Schlitten und die Pferde hatte er sich von Philipp Alexandrowitsch ^war nur für die kur^e Reise nach Abrowa ausgeLorgt, chm jedoch mit irgendeinem Scherz über die Zufälle einer Reise den vollen Wert des Gespanns hinterlassen. Es war sehr zweifelhaft, ob der gute Wirt Schlitten und Pferde jemals wieder sehen würde, und niemand sollte durch ihn leiden. Dann hatte er mit unendlicher Vorsicht in verschiedenen Läden Lebensmittel für viele Tage gekauft. Die Axt trug er im Gürtel. Flinte und Speer lagen im Schlitten. Es kümmerte ihn nicht im mindesten, daß zwei bis an die Zähm bewaffnete Kosaken Paschkin im zweiten Schlitten folgten. Nein, er freute sich darüber. Es war ihm lieber, sich Zoll für Zoll zu seinem Opfer durchkämpfen zu müssen, statt es hilflos zu überraschen. Noch stärker, noch gewaltiger als damals im Kampf mit den Wölfen auf der Paßstraße wollte er die wilde Berserkerlust in sich spüren mit dem Tode Paschkins als großem Karnpfpreis. Einen Hieb für den kleinen Stepan und einen Hieb fiir Katinka und eilten Hieb für — — ah, dafür wollte er gern mit dem Leben bezahlen. Die Jagd konnte Xaitge dauern, das wußte er wohl, denn zwischen Paschkin und dem Ural lagen zweitausend Meilen schlechter Straße. Doch war es möglich — und darauf hoffte er mit ganzer Seele — daß irgendwo auf dieser Straße von zweitausend Meilen Paschkin aufgehälten wurde; daß eure Schlittenkufe brach, daß ein Pferd stürzte und sich verletzte, daß schlechtes Wetter ihn zu unfreiwilliger Rast zwang. Und dann -- an irgendeinem Punkte dieser Zweitausend Merlen mußte das Ende kommen: Das Ende der Jagd, das Errde fiir Paschkin, das Ende vielleicht auch fiir ihn — das Ende aller Dinge . . . So jagte er in sanfendem Galopp dahin und hätte den wilden Jubel, der ihn erfüllte, am liebsten in die Schnee- etnsamkeit hinaus geschrten, und erlebte brausendes Leben in diesen Stunden. Derm er war Paschkin auf beüt Fersen. * 16 . Stepan Jltne findet einen Toten aus der Jagd durch die Schnee-Einsamkeit und eignet sich seinen Paß an, um schneller vorwärts U» kommen. Immer wieder während der langen Fahrt erwog Stepan die Möglichkeiten des Erfolgs. Auf den ersten Blick schien eS, als seien alle Vorteile auf Paschkins Seite. Die Macht seiner Stellung, die ihm überall den Weg ebnete. Die schnellsten Pferde. In einer Beziehung jedoch war Paschkin im Nachteils Er lvußte nicht, daß der Tod hinter ihm herhetzte und daß jede verlorene Sekunde die Gefahr um so viel näher brachte! Trotz der gewaltigen Eile, in der er reiste, überanstrengte er sich gewiß nicht. Jeden Wend, wenn auch vielleicht erst spät abends, würde er Halt machen, um zu essen und die Nacht hindurch zu schlafen, und er würde sicherlich nicht jeden Tag chvn in der Morgendämmerung wieder aufbrechen. Wenn ich der gewaltige Vorsprung irgendwie ausgleichm ließ, so war es hier, denn Stepan schien es, als könne er nie wieder Rast noch Ruhe finden, bis er Paschkin Auge in Auge gegen,- überstand. Zwei Stunden des Ausruhens wollte er sich gönnen jeden Tag. Drei vielleicht oder höchstens vier. Aber wirklich schlafen wollte er erst dann wieder — wenn auch Paschkin schlief. . . Danrr war da der Vortell der schnellsten Pferde. Stepan, der seit Jahren nicht mehr gelacht, hatte, tad$* laut auf, als ihm ernfiel, daß er wahrscheinlich mit de» gleichen Pferden reisen würde, die auch Paschkin benützt hatte, denn er kam zwölf Stunden später und in zwölf Stunden hatten sich die Tiere längst ausgeruht. Auf etnmc» jedoch stimmte ihn der Gedanke mißmutig, daß es wohl am besten sein würde, wenn er die Städte und Dörfer der großen Straße vermied, soweit es irgendwie ging, und nur an den einsamsten Stellen die Pferde wechselte. Zwar gestattete ihm sein Paß, innerhalb der Grenzen Sibiriens zu reisen, wann und wo es ihm beliebte, wenn er nur ständig aus dem Weg war, ewig reiste. Nun, und er reiste ja —« schneller als je zuvor. Es war jedoch durchaus möglich, daß irgendein scharfsinniger Polizeibeamter, mit Paschkins eiliger Durchreise frisch im 'Gedächtnis, Verdacht schöpfte und sich zwei und zwer zusammenreimte, wenn wenige Stunden später ein ztveiter eiliger Reisender durchpassierte; ein Reiseiv- der obendrein, dessen Paß ein hartes Urteil Paschlius dar- stellte. Nein, das durfte er nicht riskieren. Er mußte die Polizei vermeiden, wenn das auch Umwege und damit Zeitverlust bedeutete. So jagte er Tag für Tag dahin, mit der Ausdauer eines Bluthundes und der Gier eines hungrigen Wolfes ans frischer Fährte. Der Nordwind, schueideudschars um ein Messer von langer Mise über Taufende von Meilen eisiger Wüsten, drang ihm durch Pelze und Kleider bis auf die Knochen. Der . Schnee nrmvirbelte ifru und Schneeflocke klebte sich auf Schnee- 338 — fit* rt aiiäTaS» ttrie ein Schneemann und manchmal die Straße nicht mehr sehen konnte im dichten Schneegestöber Doch Kälte und Schnee und Todeseinsamtert der Wurter- ^p^n galten chm nichts, denn in, chm Aderte es Me von Feueraluten. Nachts ruhte er sich emrge Stunden aus -- in einsamen Bauerngehöften zumeist, wo er auch Proviant für sich und Futter für die Pferde kaufte — uAoftwennkern Hans in der Nähe war, karnprerte er am Straßenrand im Schnee bei einem gewaltigen Feuer. Er aß nur des ^chfts und dann und wann während des Fahrens, weil man eben »ssen muß, fum zu leben. Wenn er ftch zu eurer kurzen Rast entschlvß? so war es nur um der Pferde willen. Er hetzte sie fast zu Tode und mußte eines nach dem andern erneuern, bald durch Tausch, bald durch Kauf, wre es eben ging, und da Geld ihm etwas Gleichgültiges war, so hatten dre Leute, von denen er Pferde erhandelte, nch nicht über schlechte Ge- schäfte^Mb kl^g htzrw er von Paschkin. JmEr tms gleiche. Der Gouverneur war etwa Fehn Stunden vor tym durchpassiert und reiste in rasender.Eile. Da half ihm auf einmal ein sonderbarer Zufall vorwärts; ein Glückszufall wie damals, als Peter Krvp ihn vom einsamen Wandern erlöst hatte ... Sein Dreigespann jagte in vollem Galopp im Morgengrauen dahin. Er war schläftig geworden, über den ewig Gleichen dumpfen Hufschlägen der Pferde rm Schiiee, dem ^ise knirschenden Dahingleiten der Schlittenkufen, dem eni- tönig dunkelgrauen Himmel und der werßen Wüste ringsum, obgleich er länger gerastet hatte als sonst und erst feit kurzem unterwegs war. Das Kinn war auf dre Brust gesunken, und er sah nichts, als plötzlich die Pferde 1 cheuten und er instinktiv in die Zügel griff. An der Straßenseite lag ein umgestilrzter Schlitten und daneben standen geduldig zwei Pferde, zitternd vor Kalte. Stepan sah sich erstaunt nach dnn Eigentümer des Schlittens um. Als er weit und breit kernen Menschen erblickte, sprang er auf und stapfte durch den tiefen -Schnee M dem fremden Schlitten hinüber, während ferne oampfen- ben Pferde sich erstaunt nach den hungrigen und halb- erfrorenen Fremdlingen umguckten, die vor Freude wieherten, daß sie nicht mehr allein waren. Er drehte den ge- stürzten Schlitten um. Unter ihm lag fern Eigentümer, steif Efroren, tot. Der Mann war, wre Stepan vmurutete wahr- Weinlich betrunken gewesen, als sein Schlitten umstirrzte, rmd stumpfsinnig liegen geblieben, wo er hingefallen war, um jämmerlich zu erfrieren. Nichts wies darauf hin, wie auf ebener Straße dieses Unglück hatte Passieren können; nur von der Hinteren Schlittenkufe war em Stuck abgebrochen als sei der Schlitten gegen mn Hindernis geprallt. Ern solches Hindernis jedoch war nirgends zu sehen. W In Wirklichkeit hatte sich die Sache so zugetragen: Paschkin war in der verslosseneri Nacht hier vorbei- passiert. Als der Schlitten des Gouverneurs m vollem Galopp heranjagte, sah der Kutscher plötzlich den Weg diirch ein Gefährt versperrt, dessen betrunkener Lenker seiner gellenden Zurufe nicht achtete und nicht ans dem Wea pichen wollte. Dem Kutscher riß die Geduld und er stteß in sausender Fahrt den fremden Schlitten so geschickt an, daß das Gefährt umstürzte. Paschkin hatte laut aufgelacht und seinem Kutscher ein Extra-Trinkgeld versprochen. _ Stepan durchsuchte die Taschen des Toten. Er fand einen Reisepaß und einen Leibgurte!, vollgestopft nnt Rubel- scheinen, den er zuerst liegen lassen wollte, ihn sich aber dann doch umschnallte. Bei ihm war ev wenigsten o rn ehrlichen Händen. Aus den Papieren des Toten konnte er ja dessen Namen und Heimatsort feststellen und das Geld den rechtmäßigen Erben zustellen. Als er gleichgulng^ dar Paß überflog, durchzuckte ihn plötzlich eine Idee und seine Augen leuchteten auf. Er erkannte, daß diese Papiere ihm eine gewaltige Hilfe ans seinem Weg bedeuteten. Der Reisepaß des Toten lautete auf den Namen des Jgnat Pestal aus Orkaorsk, einem Stadtcyen im südlichen Tmle der Provinz Tomsk, und Jgnat Pestal war offenbar nach Westen gereist — ans der gleichen Straße wie Paschkin und Stepan Jline. Diesen Paß nahm Stepan an sich. Einen Augenblick lang überlegte er sogar, ob er nicht seinen eigenen Paß dem Toten in eine Tasche stecken sollte L Namen und Persönlichkeit mit chm zu tauschen Doch so manches sprach daaegen und StepanlmttekerneZert, sich die Folgen eines solchen Tuns nach allen Rrchtungen hin zu überlegen. Er behielt also seine eignen Mnere,- stopfte sich den Paß Jgnat Pestals in die Brusttasche und vergrich Schlitten und Leiche im ttefen Schnee. Die ö^tterndan Pferde band er an seinen eigenen Schlitte», .und jagte Wetter, dtü verlorene Zeit einzuholen. Nun laa sein Weg klar vor chm. . . Als Jgnat Pestal, als Eigentums: ernes ordnungs- nläßigen Passes ohne Beschränkungen, konnte er ohne rede Heimlichkeit Weiterreisen und brauchte keine Zeit mehr an große Umwege um Städte und Dörfer zu Verschwender. A» ^anat Pestal durfte er Paschkin m voller Fahrt folgen, Ke den Verdacht auch scharflinmasten, P°llzelb-amten zu erregen. Der lebende Jgnat Pestal mochte ein braveä Mid nützlicher Bürger gewesen sein; der tote Jgnat Pestal war nützlicher, so schien es Stepan, als er es je rm Leben hätte sein können! (Fortsetzung folgt.! vre Hunde von przierzarüzlowo. Mm Otto Born. (Nachdruck verboten.) Jinmer wieder quollen die iunerschöpflichen ReseEi der Russen «^vnnur ^eder füllten sich die Lücken in Men Rerhm. Doch die Oesterrercher wichen nicht, sie hielten eisern starw; hier druckten sie ^russische Uebermacht mählich, aber nnaus Halts am zurück, dort Lltm sie Le Massen, trieben sie vor sich her. zersprengten iw. Zehn Tage und mehr kämpften sie schon, dre wackeren Walter mch Tiroler neben dm Ungarn, dm roten Teufeln, lme die Ko>cckm^ sich Kkr^Leüm'Äd^' unter glühender Sonne, im strömenden Ream hieltm wir Rast, Kanonendonner und Mas chmen knattem waren uns Abmdgebet, Nachtmusik und MorgmandaM Rinam um diese tückisch sumpfige und dazu von Verrat durchs iSäjte & Ur verürnt, die Tage zu rWm Versag^ bk Glieder, — tetin Hornstoß nur und Gelenkigkeit Eich e. Und Hurra, ein nerrer Sprung vorwärts, Bajonett aus, Sturm, ^^^Aber^bei P^zieszanizlowo stand es schlimm. Em schmutziges. Dorf Mit nur wenigen Häusern. Ein Pope, hundert Männer, vrel- leicbt ebensoviel Weiber. Abscheulich viel Hunde, die besonders des Nachts ganz schreckhaft .heulten. Tie. Pwmere kacnm nicht Aber den schmalen Maß, der mit seinen moorigen lhergelandm überbrückt werden sollte. Aurdie Feldbahn konnte dw zerlegt^ schwerm Geschütze hinüberschafsm. Alle ^ögllchmLastm ilxrom schon versucht worden. Jnrmer vergebens. Du gelbbraunen Lerw von drüben tauchtm immer Wieder m Unrechter Zeit m Masten auf. Und schossen sie auch schlecht, so trafen doch viele ihrer ipitzm toS te"Ätai*'iS L aA Ueb-r Nacht h-ch« der »ch«, dieser schmierige, widerlich schielende Patron, dm Veriuch gem^U, sich ohne Abschied zu empsehlm. Tags vorher hatte er, eme.Ver- wninraua erbaltm und kriecherisch hatte er, deck langen sp.ckc.g ver-> Km LKZLd mid di-.»LI°b- in der HM>. kein-Tr«« beteuert. Wir andern hätten ihn längst baumelri laisen. ->cktzt lich -aber faßte man ihn und hielt ihn fest. Beweise, gegm ihn lagm leidernichtvor. Unser Alter schwor auf Huummtat und Völkerrecht und verwies es Mcs derb, als wir den b^Mrdmm Wmstch kundgabm, dm Pope mit allm diesen lumpigen Aftstfmsreunden d^ Dorfes zur warnenden Dekoration an du ^arnstttape zu^hwigen. Wmn's nach Verdimst gegangm wäre, dann hatten ine strrcks ordmtlich im Preis fteigm müssen. Auch auf Feiwele Löschkubel siel unser Verdacht.. Er war bet jüngste Sohn des Schenkers und Krämers von Pmreszanizbcwv. Ter^ Bursche, kaum 18jährig, strich immer um uns ^ernm, cv-ve verschüchtert, traute er sich doch nicht heran T^.^Me der Sol- datm vertriebecr ihn. Es schien immer, alv hatte er etwas am Herzen. Packte man ihn jedoch, an, da schaute er scheu und. ve^ üilri'l UM sich aber er brachte kein Wort heraus, ^eiii iäsig blastes W wirr iEMgent, nur die Pajes, die häßlichm hängenden! Haup'tlockm, verunschöiltm ihn. Wir beobachteten .den ^dm, ohne etu-as Verdächtiges zu bemerken. Lerne Famr.lre. war nicht melw im Orte Die älterm Brüder starrdecr vor Lublin m Wafsm, wrd^Feiwele hatte mm ohne jede weitere Hilfe ferne Geschäfte m MmZn beim der alte Löschkübel und ferne zfver schwregertochtm wa^eu in Planimko zurüngel-altm worderc, als dre Rlißen plötz- « d°rt «Lm. Ti- B-«m, di-den mnz«, Ta» m°°. derisch Schnaps soffen ohne rha zu bezahlen, rua-ptm .es dem brutal Löschkübel leicht: der Laden ftaitb mm leer, wre Lag^ warm längst ««Mt. und fWtÄJSM Bogehvmswertes mehr zu kaufen. Aerwele jmfl mat tod mt seinen Kunden im SchanAmmer, du rhcr 'E derlich b-acht-tm. ES ym W« »wwdtojtatm«» Ln orkercuen daß der junge schrnker argeil Erregungen tru^e- St » &" aber in sich selb» öngstli» °-r,chloL «er«, Lippen »E-n sich schinal und blullcer »Kmm-n. Am dritten Tag- ,°g«, wrr lxüruckt '« « 2 S mrchb-m wir uns Mnlige We geholt inttm. R über Rastet. Ter ^oanitats- soldat berichtete verächtlich, der Kerl wäre von der wütenden Jimge gelyncht worden, die dabei zwei Verbrecher zu, strafen memte: er war ja Spion und Jude zugleich. Turstingev gmg zu dein Bett. Löschkübel schlug die Augen auf. sie waren trüb und glanzt^. Er hörte, was ihm der Kadett erzählte, von dem Erfolge des liebere ganges und von der Flucht der Russen. , Feiwele lispelte nach kurzem Schweigen fast unhörbar: „Sxt gute Kaiser werd gelaäst gehabt haben." .Ja, Feiwele," sagte Turstmger, „dem Kaiser wird gewiß Nachricht gegeben sein. Du wirst, schon demen Lohn beöommem Feiivele sagte traurig: „nebich," — dann ging mn Heller ^elMn über seine Augen und er meinte recht vernehmlich: „Ter Kaiser hat gekeimt levcht lachen." — Und mit einem langen Lenfzer verschled er. Ter Kadett Pepi Durstinger, ein echter Wiener, der ms datzui die Juden nicht über alles in der Welt geliebt hatte, >mschte sich Mtt der linken Hand die Tränen von den Barken, ^en reästen Arm! hielt noch der Gipsverband fest. Tann drückte der Kadett dem Feiwele Löschkübel die Augen zu, dem wackren Helfer, von Przieszainzlvwv. Die Butter. Welche große Jtolle die Butter in unserem Haushalte spiell, erkenM man erst jetzt so recht in den harten Kriegstatzen wo sie S gefnckstesten Attikeln des Bedarfs geworden ist und auf Schleickwege-n mtt unerhört hohen Preisen bezahlt wird. In tzn Friedensjabren, als die Hausfrau ihren Bedarf durch die Butterfrau ins 5)ans gebracht bekam, oder ihn auf dem , Markte rn lleurer Menge immer frisch kaufte, war man recht empwrdlich iM Genuß, sie mußte frisch, süß, gelb und rocht fetthaltig, sein, heute nimmt man gern die zugemessene kleine Menge, wie sie e^nLischt mit Margarine, ranzig, fast ungenießbar. Zu.m -schü^elzm aber gerade noch gut genug. Es ist interessant, an der Hand der Kultnr-i ge schichte zu vertilgen, tvelche Nolle im Lause der Zeit d« Butter tu der Ernährung der Menschen gespielt hat Nachdem die alten Hirtenvölker die tierische Milch als Genuß mid Nahrungsmittel kennen gelernt battemtmrrde baG auchdw Bereitung der Kutter eine Kunst und Gewohnheit ber Hrrtzm Tie Milch in Schläuchen mußte beim Reiten -oder beim! Umherztthen ans den Wagen leicht das in,ihr enthaltene Fett als Butter aus- scheiden, imd ähnlich lvar die Wirllmg, wenn die aogeschöpfttu fetteren Teile der Wärme des Ofens ausgesetzt wnrdem Dcese tz- «»nderte Butter konnte zum Essen, zum Salben des Haares und S? Bestreichen der Mulden dienen. ^vergleickMide Sprachwissenschaft, die in der Erforschung der Kulturgeschichte eine Nicht unbedeutende Rolle spielt,' hat erwiesen, daß A Germcmen schon vor ihrer Trennung .es verstanden, die fetten Decke der Mckch ab- Msonbern, -um sie als Salbe zu verwenden; aber in der Heimat der Olive ging den Aegtzptern, den Griechen und Römern infolge: des Gebrauchs des Olivenöls diese Kunst allmählich! verloren^ o daß diese Völker in ihrer guten Zeit nichts von der Butter mehr wissen. Das Bedürfnis des Manschen nach Fdtt neben der Frucht Nahrung fand in der ältesten Periode eine ergiebige Quelle m dem Nierenfett frisch erlegter ober geschlachteter Tiere. Aber bei rer steigendm Fürsorge des jMdnsckM, dauernde Vorräte dieser Art au schaffen, fanden die einen diesen Bedarf in den FrMj.en des Oelbanms, während die anderen außerhalb der Zone des Oelbanms das Tierreich in entsprechender Mstse ausnutzen mußten; der emr Weg führte zur italienischen, der andere zur deutschen Küche; un Oellande war man vom Nierenfett der Tiere zuM Olivenöl, im Lande außerhalb der -Kulttir des Oelbanmes zur Butter nberge- i Tie Geschichte der Butter geht der des Bieres parallel. Erster« ist ein Prodiikt des Hirten, so !vie die Herstellung des lehterest eine Kunst des Ackerbauers ist. In ziemlich frühen Zeugnissen! werden die Völker rund um die beiden klassischen Länder als butter.. bereitend geschildert. So werden die Thraker von den Gri.'chen als butteressend verhöhnt. Auch in Arabien verwendete! man schon' im Jahrhundert vor Christt Geburt statt des, Olivenöls di« Butter. Judieii hat seine Butter sogar nach den Hasen des Roten Rteeres ansgesührt. Tie Germanen und Slavm gebrauchten du' Butter als SHMiermtttel, lvie denn auch der altdeutsche Rarwe für Butter „Schmeer" oder „Kuhschmeett' lM. PftninS beruhtet, daß die Gallier Eier, Milch und Butter zu künstlichem, BaMverk verwendeten, daß dort also die Kuchenbäckerei aufkaln, die frei den Griechen und Römern wis Mangel an Butter und be,chrantter Anwendmig der Hefe, deren Gebrauch ebenfalls nordisch ist, unentwickelt blieb. „ . . , ^ „ Die Erfiudu.m. die Butter durch starkes und nnedertztteN Waschen und Kneten, sowie durch Salzen so rein und fest zu machen, wie wir sie jetzt kennen, ist jedenfalls von den nordgermanischen Stämmen ausgegangen, denn noch jetzt.besteht der Unterschied, daß in Norddeutschland, l^sonders auch m Skandinavien und England, die Butter gesalzen wird, wahrend man jin Süden die Butter süß ißt und die Speisen mit fluiftger Butter zubereitet. Germanen und Slaven schmierten sich en, wie eä bei unseren Vorfahren noch vor 70 aahren auch der Fall war; es ist eben Krieg, der mrs vre Entbehrungpu auferlegt. __ . 340 Nicht sterben - leben! Bon Rudolf Herzog. Ter Weltsturn: Mlug uns die Fahne vom Mast. Was wür^t dich der Alp? Was starrst du erblaßt? Und ein Lchrei will aus ringenden Kehlen gehn: „Lieber dm Tod — als den Untergang sehrr." Sterben? — Sterben? — Eine Memme, ein Wichts Wer am Tage der Not vom Scheiden spricht. Sterben? Was heißt es? Ein Ständlein ehst I Leben, leben ist dreimal mehr! Leben, leben, vorn Wirbel zur Zeh, Leben, solang ich die Sonne seh, Leben, solang ich mit Hirn und Hand Retten und rüsten kann, Vaterland! Vaterland, Heirnatlmrd, deutsches Gefild, Ein Toter hält keinen schützenden Schild, Teine Toter: schlafen irr Gottes Scknoß. Nur der Lebende rvürfelt dein Schicksalslos. Und wenn sich die Fahne zum Fetzen zerschlug. So ist uns das Vaterland Fahne genug! Wo dein Gvenzwall sich wölbt, dein heiliger Wallst Ta stehn deine Fahnen allüberall. ** Gebt die Hand, daß Deiner den.andern verlier'. Wer ist euer Nachbar? Ein Mann wie ihr? Hörst du's, der stammeln und sterben nur kann? Kein Rang und kein Name: ein Mann, ein Mann! Männer. MÄrner, vom Alp befreit. Lockert die Schwerter, macht euch bereit. Tas Leben ruft, und der Tod ist Tand l Leben sollst dir, mein Vaterland! Vücherüsch. — Walter von M olo, Ter Schiller-RorMm. BoM Dichter durichgesehene Volksausgabe irr zwei Bänd^» Umschlag- und Ein>> bandzeichnung von Feiger. 1. bis 20. Auflage. Jeder Band geheftet 6 Mark, gebunden 9 Mark. Verlag von Albert Langen in München. — Kaum einer der zahlreichen biographischen Romane, die während der letzter: Jahrzehnte in Teutschlarrd erschienen sind, hat einen so großen Erfolg gehabt, Unrat einer aber feinen Erfolg auch in so hohem Maße verdient wie Molos „Schiller-Roman". Mit starker Künstlerhand hat Molo uns Friedrich Schiller gestaltet, der uns allm als Mensch mrd "Dichter das Bild des deutschesten Deutschen darstellt. Gerade heute wieder lebt er besonders verklärt in unserem Herzen und unseren Gedanken. Molos Buch will Antwort auf alle die Fragen geben, die sich uns ans- drängen, wenn wir uns mit diesem begnadeten Liebling des deutschen Volkes, der deutschen Jugend beschäftigen. Ein wertvolleres Geschenkbuch, auch für unsere reifere Jugend, läßt sich kaum denken. — Eltern und Kind. Vierteljahrsschrift im Aufträge der Deutschen Gesellschaft zur Förderung häuslicher Erziehung, E. V, herausgegeben von Tr. Joh. Prüfer, Verwaltungsdirektor der Hochschule für FvauÄ: in Leipzig. I.Jahrg. Heft 1/2. 1918. Ter laufende Jahrgang erscheint in 2 Toppelheften. Preis des Jahrgangs 5 Mark., des Doppelheftes 3 Mark. Mitglieder des Vereins erhalten die Zeitschrift kostenfrei. Verlag von B. G. Deubner, Leipzig und Berlin. — Das Rosettenmotiv in der Kunst- und Kulturgeschichte, von Georg Streng. Mit 33 Abbildungen Kartoniert 4 Mk., gebundm h Mk., 5 Bg. im Lexikon-Format. Verlag vor: Müller L Fröhlich in München. — Ter vor kurzem verstorbene Verfasser hat sich schon vor mehreren Jahren durch ferne geistvolle Abhandlung über Goethes Faust, bei der er ebenfalls neue Wege ging, hohe Achtung irr der literarischen Welt verschafft. In seinem vorliegenden durch zahlreiche Abbildungen ausgestatteten Buch hatte er sich der mühevoller: aber durchaus starrkens- werten Aufgabe unterzogen, der Rosette in der Kunst-mud Krrltur-i geschickte einer: einheitlichen, in sich abgeschlossenen Begriff, der ihr bisher versagt blieb, zu verschiffen. Er weist auf Grrrnd eines reichen Materralcs rrach, daß das Rosettenmotiv zweimal eine nrchl nur ornamentale, sondern auch kulturgeschichtlich sehr bedeutsame ^Rolle spielte: in der Atesterr gesäKchllich twreichbaren Zeit als Stern- und in der Blütezeit der Gotik als Blurnenrnotiv In beiden Fällen aber liefert das Rosettemnotiv in. seinern Teil derr nicht unwichtiger: Beweis dafür, daß eine erste und wichtigste Quelle der Krinstbetätignng die religiöse Vorstellung gewesen ist. — Der Kalender des D ü rerbn n des, der GesirNd- brunnen 1919. Das Büchlein ist ztvar gefüllt vom Ernste Und den Aufgaben dieser Zeit, läßt aber das Kciegsgetöse m den Hintergrund treten, das ist ein Vorzug, den der Leser dankbar «npsiriden roird. In der Heinmt und im Felde rvird der n«M Gesundbntunen Freude bereiten, urrd es dürfte kaum ein Büchlein Mben das bei billigerer!: Preise —> der Kalender kostet 1 ML, geb. 1.60 Mk. — dem deutschen Hause gleiches brächte. — iDiet Han dschriftenbeurteilung. Eine Wü- fnhrrmg in die Psychologie der Handschrift. Bon Dr. Georg' Lchnetdemühll Professor der vergleich errden Pathologie an der unrversrtät Kiel. Zweite durchgesehene nnd erweiterte Auflage (6.—-11 Taufend.) Mit 51 Handschrifteurmchbildungen im Text und auf enwr Tafel. (IV mrd L5 S.) 8. (Ans Natur mrd Gersteswelt. Lammlung w.siei lschastlich->gemeinverfithi dl ickei: Darstellungen. 514. Bändchen..) Geh. 1,20 Mk. geb. 1,50 Mk. Hierziü Teuerungszuschläge des Verlags rurd der Buch-ha: ülun gen. Vew° lag.B. G. Teubner, Leipzig und Berlin 1918. Sophie Hoech ft etter: „Meirre Schwester Edith" (Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Berlin W 57). Die Dichtern? Slot euren Roman ihrer fränkischer: Heimat, deren Eigenart nicht geschildert oder beschrieberr wird, deren Schönheit vielmehr d:S trefgefühlte und vom Leser tiefeinpfmrdene Grrnwstimmung bildet^ und der die im kleinen Städtchen spielender: Geschehnisse erzählt werden. ^ Nummer 3928 der Leipziger „Illustriertes Z e: t u n g brrngt zahlreiche Bilder mä> Texte zur Tagesgeschichte, darmrtex von Albert Reich, Willy Müller-Geva und Rudolf LimZ sowre zahlreiche Photographien, vornehmlich Episode:: von den gegenwärtigen heftigen Kämpfen auf dem westlichen KriegSscharp, platz. Weltbühne, der Schaubühne XIV. Jahr, Wochen» fernst für Polrtrk, Kunst, Wissenschaft, hevarwgegeben von Sieg» frred Jacobsohn, enthält in der Numnrer 41: Das Ergebnis, von! G'rmanicns: Uebersatz, von Olf: Adolf Groeber, von JHhanwiss Frschart; Talente, von Julius Bad; Der Krieg als Erzieher, von! Atired Polgar^ Die Literatnrfördermrg des Deutschen Theaters^ von Arno Holz: Rvsmershvlm, von S. I.; Frohe Erwartung, von-Theobald Tiger; Was soll werden, von Alfons Goldschrnidt: Antworten. , '— Nr. 42 „Tie Weltliteratur" Emilie Zola: Die vier benkrvürdrgen Tage des Jean Gowcdvn. Preis 20 Pf. Verlag dÄ Weltliteratur.München 2. J ^ ^ Gießener Hausfrauerr-Beret«. Kochanweisungen. Tomaten-Graupen. Gut vorbereitete Graupen werdet? in Wasser langsam gar gekocht (in der Kochkiste) rmd gesalzen Dam, fügt man zerschnittene Tomaten oder schon rnit wenig Wasser zer» Dochte Tomaten dazu wid läßt sie gut n:it durchkochen oder noch ein Weilchen mit der: Graupen ziehe::. Tomaten mit Pilz füll ung. Ausgehöhlte rohe Tomate« stillt man rmt e:ner Füll« ans fein gehackten Pilzen mit gewiegter Petersilie rmd ein paar Löffelr: dicker Bschpiirelsoße gemirT und dünstet die Tomaten auf dem Backblech, mit etwas F-Z beprrrfclt. Verwendung von Weißkrautstrünken. Beim Ein- machen von Lanerkraut wird der Kohlstriurk meist als wertlos chrt- geworfcn. Auf nachfolgende Art zubeveitet, gibt er eure gute Betz, läge. Man schält den Strunk und schneidet ihi: wie Gelber üben m länglrche Stückchen. Diese salzt ruan über Nacht, schüttet sie derr andren Morgerr zuin Ablauferr auf ein Sieb. Nachdem sie aL- getropft sind, tut nran sie mit kleiner: Zrviebeln zusammen in ein )las, schüttet Ernmachessig darüber und tut oberrdrauf ein Beutel- chen mrt Lenfkörnern, und bir:det das Glas mit Pergamentpapier zu. Ter eingemachte StrmrL hall sich sehr gut uich schmeck wie Krautsalat. Kasten Luchen aus .Graupen. 200 Gramm Graupen werden mrt Backobst weich gekocht (in der Kochkiste). Nach de« Erkalten Werder: sie mit zwer Eiern, 200 GraMm Grieß, eürem Bach, Pulver eurer Messerspitze Natron und 150 Gramm Zucker gemrscch, dann noch etivas gezuckerte 5kirschen oder anderes Obst darunter gerührt und in leicht gefetteter: Fornven IV. Sturze chon braun gebacken. Anstatt Backobst: Änn man auch gut rat# frrsches Obst vettvenden. Magisches Quadrat. I I BBSTZZ Vorstehende Buchstaben sind derart in Quadratform zu ordnen daß ,vagerecht und senkrecht vier Reihe,: entstehen, die vier Lauvt» Wörter vorr folgender Bedeutung ergeben: 1. Das Ziel so mancher Reise. 2. entzückt durch schöne Weise. 8. ist in der Schweiz zu finderu 4. lästt sich nicht halten und binden. (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Abstrichrätsels in voriger NuntmrjL Daniel, Linde, Lied, Eli. ei, e. Schriftleitung: Dr. Reinhold Zenz. — Zwillingsrunddruck der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, «ietzen.