Der endlose Weg. Woman aus Sibirien. VonI. Oxenham. Klutorisiert — Nachdruck verboten. _- (Fortsetzung.) 14 . Stepan Jline verliert seine Neiden Kinder. Step an beerdigte Katia aus einem einsamen Platz hoch loben in den .Hügeln; niemand als er wußte die Stelle. Dann begab er sich still zurück nach dem Dorfe, in dem er die Kinder in der Obhut einer Bauernfrau gelassen hatte, nahm die Schlittenkufen unter dem Hause weg und setzte es Wieder auf Räder, und zog zwei Tage später trübsinnig davon gen Süden. t „ Das war ein trauriges Wandern fite den Mann, dessen H^erz und Sinn stets bei dem einsamen Grab in den Hügeln b-ei Tschernsk weilten. Mit seinem Weib hatte er das beste Stück seines Lebens begraben. Gleichgültig wunderte er dahin, weil er eben wandern mußte — weil sein Weg ein endloser war. So hatte Paschkin befohlen. Paschkin —> ah, ja — Paschkin! Und wenn immer seine Gedanken sich mit Paschkin beschäftigten, so nahm sein Gesicht etwas Hartes und Starres an, und seine Augen glühten wie glimmende Kohlen, die nur eines Windhauches bedürfen, um in Flammen emporzuschlagen. Noch bedeckte der Schnee die Hügel und selbst die Ebenen waren stellenweise noch nicht schneefrei. Die Straßen waren schlammig und unwegsam, und nur langsam kamen sie vorwärts. Traurig vor sich htnbrütend saß er immer aus dem Sitz, auf dem Katia zu sitzen gepflegt hatte, und Katinka wich nie von seiner Seite, schwatzend und plappernd wie ein Papagei, frühlingsfroh und kerngesund. Bald zeigte sie ihrem Vater dies, bald jenes, denn selbst aus schneebedeckten Hügeln und schlammigen Straßen entdeckte ihr scharfes junges Auge interessante Dinge. Ueber ihnen schwang der kleine Stepan in einer Art Hängematte im Türweg und freute sich händeklatschend und lallend über Katinka und die Pferde und die Silberglocken und mancherlei Dinge, deren Schönheiten erwachsene Menschen gar nicht hätten ahnen können. Die beiden Kinder wenigstens fanden die Welt noch wunderschön, und es fehlte ihnen an nichts, was äußerliche Bedürfnisse anbetraf. Manchmal griff Katinka hart in ihres Vaters kaum verharschte Lebenswunde mit ihren unschuldigen Fragen — „Wird Mutti heute wiederkommen, Vater?" fragte sie dann. „Nein, Kind, heute nicht." I „Aber ich brauche sie. Wo ist sie hingegangen?"- P j „Sie ist vorausgegangen, Katinka.^ ! „Weshalb?" ; „Sie mußte es tun, Duschenka" „War es der böse Paschkin, der sie schickte?" — denn für Katinka bedeutete der Name Paschkin alles, waS mächtig und böse war. ^ . Za, Paschkin war es," stieß Stepan dann hervor, und die alten Hassesgluten regten sich in ihm. „Ein böser Mann — ein sehr böser Mann, dies« Paschkin," sagte dann Katinka in ihrer kindlichen Unschuld. — " " " ' *•' '' ■ m Wölfe gv- „Weshalb tötest du ihn nicht, Vater, wie du die Wölfe getötet hast droben im Schnee?" Ah!" Und Katinka hörte ihn mit den Zähnen knirschen und fürchtete sich einen Augenblick laug vor ihm, denn er sah aus, wie er damals im Wagen ausgesehen hatte nach dem Kampf mit den Wölfen; damals, als er so böse mit ihr gv> wesen war. „ Und mehr als einmal'fragte das Kind: „Mutter ist aber sehr weit vorausgegangen. Holen wir sie heute ein, Vater „Nein, heute nicht." „Werden wir sie denn je einholen?" „Ja, Kind, so Gott es will..." - . ^ M Lange noch erinnerte sich Stepan daran, wie Katinka die ersten Blumen fand in diesem Frühling. Sie fuhren dahin durch den jungen Sonnenschein und Katinka schwatzte wie gewöhnlich, als sie plötzlich anfsprang und aufgeregt von einem Bein auf oas andere tanzte. „Halt, Water, halt!" rief sie und Stepan griff sofort in die Zügel. „Hilf mir hinunter 7- ah, die süßen Blumen! Ich muß sie mir holen." „Wo denn, Duschenka?" „Dort!" rief sie aufgeregt und rannte äuf eine schneeige Stelle zu und fiel auf die Knie nieder und küßte in wildem Entzücken ein Fleckchen mit winzigen blauen Blumen, die ihre scharfen Augen vom Wagen aus erspäht Hutten. Wieder und wieder küßte sie den Fleck. „Sie sind wie Mutters Augen, Vater —-" und sie waren wirklich von wunderschönem tiefen Blau. In ihrer Freude wunderte sie sich ein wenig, weshalb wohl ihres Vaters Angen so feucht schimmerten, als er ihr half, die Blumen zu pflücken. Den ganzen Nachmittag hindurch ließ sie die Blumen Mcht aus der Hand und abends ging sie zu Bett mit ihnen . . . . Ihr Vater war die Sanftmut selbst zu ihr und tat sein Bestes. An den einsamen langen Abenden im Haus aus Rädern kroch sie oft verstohlen aus ihrem Bettchen und schlich sich in seine Arme. Dann küßte er sie weich und zärtlich, aber mit traurigen Augen. Sein Herz hing an den Kindern. Doch Katia konnten sie ihm nicht ersetzen, noch er ihnen die Mutter. , „ , t a _ Der Frühling brachte einen Gast rn das Hans aus Rädern. „ . _ t Eines Tages schritt Stepan neben seinen Pferden einen steilen Hügelweg hinan, das Haupt geneigt, in traurigen Gedanken versunken. Katta sprang umher, nach Blumen suchend, schwatzend. Plötzlich, als sie über den Weg sprang, stieß sie einen Schrei aus: 326 „Halt, Vater, Mt! Sieh doch den kleinen weißen Bruder aus dem Wald!" r r Und Stepan hielt die Pferde au, gerade noch, ehe fte über eine winzige weiße Eule hinwegschritten, dre mitten aus der.Straße hockte «und -mit iernsthaften Augen'dein Wagen entgegenstarrte, ohne sich zu rühren. Das-Tierchen war offenbar verletzt und wie betäubt. Welche Familienkata- strophe es aus dem Mutternest auf die Straße geschleudert hatte, konnten Stepan und Katinka nicht ahnen, aber soviel war zu sehen, daß das Eulenkind höchst unglücklich war und entschieden nicht für sich selbst sorgen konnte. „Lebt es, Vater?" rief Katinka, als er das weiche weiße Bündel aufhob. „Ja, es lebt, denn seine Augen bewegen sich. Welch große Augen der kleine weiße Bruder hat!" „Er hat sich weh getan, glaube ich, Katinka. Wir wollen es behalten, bis es wieder fliegen kann." Den ganzen Tag pflegte Katinka den kleinen weißen Bruder und sang ihm leise allerlei Liedchen vor, damit er sich nicht fürchten solle, und fütterte ihn rnit Stückchen rohen Fleisches, die ihr der Vater gab, höchst verwundert über die merkwürdige Tatsache, daß der kleine weiße Bruder rohes Fleisch lieber haben sollte als gekochtes. Während sie so schwatzte, bewies jedoch Brüderchen Eule, daß rohes Fleisch ganz nach seinem 'Geschmack war und sein Appetit lange nicht so gelitten hatte wie sein zerzaustes Federklerd. Er schien sich sehr wohl zu fühlen in der Gefangenschaft und sich gar nicht nach der Freiheit zu sehnen. Solche Pflege, solche Liebenswürdigkeit, solch angenehme wanne Wohnung, solch köstlichen Bissen, die einem in den Schnabel gesteckt wurden, ohne daß man sich im geringsten um sie plagen brauchte, fanden junge Eulen nicht jeden Tag in der Woche! Der kleine weiße Bruder aus den, Wald zeigte die Weisheit, die seiner Art eigen ist, indem er die Situation mit philosophischer Gelassenheit hinnahm. So überirdisch weise und klug sah er manchmal aus, daß Katinka manchmal lachte, bis ihr die Tränen in die Augen kamen, und sogar in Stepans ernstes Gesicht kam ein Lächeln, wenn er die großen gravitätischen Augen bewegungslos auf sich gerichtet fand, als wollten sre tief Hineinblicken in sein Inneres. Kattnka schwatzte stunden- lang mit ihm. Anttvortete er nicht, so war er wencgstens ein ausgezeichneter Zuhörer. Nachts schlief er auf ernem Querbalken oben an der Decke und wenn die Bauern in den Wagen hineinguckten und ihn da oben sitzen sahen, du für sonderbare Dinge Haft, Stepan Jwano- witsch! Man könnte beinahe meinen, die kleine weiße Eitle da sei lebendig!" Als Bruder Eule wieder ganz gesund war, machte er gelegentliche kleine Spazierflüge. Der erste dieser Flüge jagte Kattnka großen Schrecken ein. Der Rastplatz war erreicht und Stepan hatte ein 'Feuer angezündet. Schon war der große schwarze Kesse! am Kochen und Klein-Step an räkelte sich fröhlich lallend in der Nähe des Feuers, als Bruder Eule auf einmal — er war in der Nähe auf einem Busch gesessen und hatte zugeguckt — mit den Flügeln schlug und schweigend nach dem Wald zu absegelte. „Vater! Der kleine weiße Bruder ist fort!" schrie Kattnka entsetzt. „Er ist in den Wald geflogen. Oh, was sollen wir tun?"' und sie weinte zum Herzzerbrechen. „Du möchtest aber den weißen Bruder doch nicht gegen seinen Willen behalten, Katinka?" „N —7 nein, aber ich Hab ihn so lieb gehäbt..." Spät abends jedoch, als sie mit ihrem Kummer im Bettchen lag und der Schlaf so gar nicht kommen wollte, hörte sie auf einmal leises Flügelrauschen mtb Flattern bei der offenen Türe und dann das wohlbekannte Kratzen der kleinen Krallen und Bruder Eule kletterte in philosophischer Buhe auf seinen Balken. „Er ist wieder da!" schrie sie entzückt. Ein sehr weiser Vogel also, der noch oft spazierenfliog, aber immer wieder dahin zurückkehrte, wo es ihm so ausgezeichnet ging. Die Menschen sind manchmal nicht so klug. Baby Stepan war noch viel zu klein, um den Verlust der Mutter zu empfinden. Solange sein dickes, kleines Bäuchlein zu gerade richtiger Prallheit gefüllt war und er in Schlaf gewiegt wurde, wenn es ihn danach gelüstete, und glitzernde und klingende Dinge sehen und hören konnte, wenn er wachte, war er sehr glücklich und zufrieden. Für den Mann jedoch, der ganze Nächte auf blieb draußen beim Lagerfeuer und in die glirnmende Asche starrte, wtznn die Kinder schliefen, war wenig Glück iM Leben übrig geblieben. Für die Kinder war er dem Schick sal dankbar und ihnen gehörte seine Liebe und seine Sorge. Doch Katta konnten sie ihm nicht ersetzen. So war eine furchtbare Lücke in seinem Leben, die er mit dumpfem Hinbrüten ausfüllte. Immer war es ern Mann, aus den sich seine Gedanken und sein Hinbrüten konzentrierten — Paschkin — immer Paschkin —. Und dieses. Hinbrüten war bitter und schicksalsschwer. In den Hügeln tras er Peter Krop, und die beiden Männer durchwachten zusammen eine lange Nacht ^i der glimmenden Glut eines Lagerfeuers. Sie sprachen ftettich nur wenig miteinander. Denn vor vielen Jahren war Peter Krop selbst durch den langen, dunklen Gang der Sorge uw) des Leids gewandelt, und er wußte nur zu gsitt, daß Worte und Reden da nicht Helsen konnten. Erst als sie sich wieder trennten, um ein jeder seines eigenen Weg zu gehen, sagte er bedeutungsvoll'zu Stepan! „Vergiß nicht, Stepan Jwanowitsch, daß die Kinder oir geblieben sttrd! Kinder sind ein Geschenk Gottes!", „Ich habe es nicht vergessen, Peter Petrowitsch," widerte Stepan und ging ferner Wege . . . (Fortsetzung folgt.) Lin Kindlicher Soldat drei Zahre hinter der deutschen Front. Bon unseren Truppen wurde im Westen ein französischer Soldat gefangen genommen, der sich 3 Jahre lang hinter der deutschen' Front anshielt. Bei seiner Gefangennahme fand man ern Tagebuch, das Feldkttegsgerichtsrat Richter jetzt tm Mrlag von Otto Elsner in Berlin S42 veröffentlM. (Preis 1.50 Mark.) Das Buch schildert nicht nur die aufregenden Erlebnyse dieses Soldaten, soichern bietet auch! über das Leben und Treiben dev verhaßten „Bockes" originelle Betrachtungen, die manchnwl für uns lehrreich sind. In seiner ganzen Anlage erhebt sich das Werk über den Durchschnitt der üblichen Kttegsliteratur und wird auch von jenen Leuten.gern gelesen werden, dre an ihre Lektüre höhere Ansprüche stellen. Mit Genehmigung des Verlags verössentlächmr wir nachstehend aus dem 102 Leiten starken Werve einen Abschnitt. Januar 1915. Ich bin immer noch bei Frau Berthe in Ssvignp; ich fühle mich hier ganz in Sicherheit; es sind wohl öfters Boches im Torfe; die stören mich und die Kameraden aber nicht; sie halten uns für Leute ans den: Dorfe; ich habe schon nrit dem einen oder anderen gesprochen; die Soldaten sind fremMich; sie gehen und kommen, wie wenn sie in ihrer Heimat wären. — Letzthin ist hier eine lustige Geschichte passiert; ein Gendarm ist in das .Hans Legrand gekommen und sagte, er müsse eine HauS- suckMNg machen. Frau Legrand, mit der der Gendarm sprach, , be-, kam cirien großen Schrecken; sie waren im Hause gerade dabei, ein Schwein zu schlachten, und das sollte der Geiidarrn doch nicht sehen. Kran Legrand war aber schnell gefaßt, sie sagte, sie Elte ijren Mann rufeil lassen. Sie ging hinaus und benachrichtigte ihren Mann. Tiefer packte das ganze Schsvein, trug es ans ein Bett und deckte es zu; auf einen Tisch daneben legte er ein; weißes Tuch und stellte eine brcnneirde Kerze darauf; es sah ans, wie ein Sterbezimmer. Tann ging Legrand zu den: Gendarrnen und ,nachte ein sehr trauriges Gesicht. Der Gertdarm sing mit feilten Leuten die Durchsuchung an; als sie in das Zimmer ’famrat, wo das Schwein im Bett lag, wurden.sie ganz ernst, gingen gleich wieder aus dem Zimmer und verließen auch bald das .Hans. Sie haben sich richtig täuschen lassen und- geglaubt, in dem Zimmer liege ein Verstorbener! • •• Ich hätte Legrands hinterher sehen mögen! •— In den letzten Tagen sind Evakuierte nach Sövigny gekommen; die Leute wohnten bis vor kurzem in La .Tour, bäht Hutter denj Linien; die Deutschen, haben sie jetzt gezwungen, den Ort zu verlassen; die Leute meinen, die Teutfchpn hätten Angst, es werbe spioniert. — Einer von ihnen hat mir erzählt, daß kurz, bevor sie fort- mußten, mit ihrem Pfarrer eine dumme Geschichte passiert ist. Die Deutschen hatten Telephvndrähte am Hanse des Pfarrers gelegt, und dieser hat ein Stück von dem Draht abgerissen. Das ivar meiner Ansicht nach« dumm von dem Pfarrer; er hätte sich denken 'können, daß das leicht heranskommt. — Ter Pfarrer ist vor ein Kttegsgericht gekommen und spreng bestraft worden. — Die.Leute von La Tour haben eine beschwerliche Reise gehabt.. Bevor sie hierher kamen, waren sie in Fontaine; dort ist die Ko-M- 327 tznunkmtttt, habe.den. Maire mrgesahren, es sei, eine schände, daß er ,eme! Land-leute, vor allenr Frauen und Kruder, in h^r Kaltt so herninstehen lass , wenn er sich noch lange besinne, werde der Kommmrdant du armen Leute selbst rrnterbringen urrd mrt denr Hause des Marie anfangen. Tas habe geholfen, alle seien schwell m Scheunen untergebracht worden, und gestern habe die Verteilung der lLvakurerten aul d einzellreu Gemeinden stattgefmrden Diese Berterlnng ser anch nicht schön gewiesen; jeder Aiarre habe versucht, möglichst viele den anderen Gemeinden zuznschiieben und selbst, rnoguchst wenig auf- Wnehnien. Ter Kommandant soll gesagt Hecken, er lbune urchr verstehen. daß man Evakuierten gegenüber nicht mehr Herz Hube. ' KZ m eine Dckmüe, daß die Bowes rrnseren Leuten erst sagen t“ «LllÄ- di- Saus und v°f »*» hat mich «i-der b^uckM °° wohnt dem Greffier m Fontaine gewesen. Ter Gveffrer mohnt rm Ge- LndeL^im eAten Stocks im Erdgas« ist dre deutsche Kvm hat evzählt, die ersten Deuts«, die gekommen seien habe man im Orte für Engländer gehalten; der Irrtum sei aber'bald aufgeklärt ivorden! — Ter Komniaudant rn,Fontarne rst ein alter Herr; er soll streng sein; er spricht Französisch, aber nur selten. Es sind noch« zlvei Offiziere bei ihm; emer muß oft den Tolnutsche^machn^^ ^-m alten Fräulein, das große Angst vor ihm hat; die beiden a.nderen Onmere wohnen zusammen in einenr kleinen .Häuschen, desseir Eigentümer for^ rst. , Tas Haus war verschlossen; die Offiziere haben den IeE rufen lassen, er solle das Haus aufgmchm; er ivollte er,t nrcht, dre OMziere haben gedroht, wenn er Nicht ansrnache, werde er eur- oesperrt. Ta l-at der Alte ausmachsnr muffen., Er svo-lltz, dann wrtgelien ° die Offiziere hab>en ihm aber gesagt, da er dre schjlussel des Hauses gehabt hätte, müsse er auch nrit in das Haus hrnem^ komm en und als Haars Herr sorgen, daß dre Eirrqrrartrerung alles bekomme, ivas sie nötig habe. «p Tun Hause waren alle Schranke verschlossen,, da hat ixr Maire einen Sckilosser holen müssen zum Oeffnen. Tre Offiziere haben herausgenommeii, rvas sie brauchten; der SchlosserZagte hruterher, lft^rxirm sehr ordentlich gewesen, sie hätten ke.ru Stirn mehr ver- ^^Taun wurden die Schiränke wieder, zngenmcht; der Ncaire mußte noch ein paar gefunderre Schmuckstücke mrtnehinen, die ~ rTV' T^ sagtm, er solle diese für den Besitzer ausbewahren. - Irr der Kommandantur sitzen tagsüber der Kommandant mrd die beiden Offiziere, außerdem Unterofffzreve, urw Loldatsn. Wer Mit der Konimandarrtur zu tun hat, muß rn oen großm saul gehen. Jede Woche kommen alle Marres ziwermal, hm, da reoet ^er Kommandant und gibt Befehle. Tie Marres müssen vrelschec. b^n; darüber schimpfen manck-e mehr als über den werten Weg zur Kommandantur^ ^ ^heval blanc". Der Wirt und.seine Frau sind sehr zufrieden; die Teutschen seren hoflrch und lreßen habe zu dem Unteroffizier Charles gesagt; „Wenn Wirte Geld verdimen," llagen sie nicht, die Gäste können fern, wer fre wollnr n^^bffizier Charles hat gelacht und gesagt, er wisse nicht, was iür Wirte ich kennen gelernt hätte. Im übrrgen gäbe es rn Fontaine aber auch noch andere Leute, die nrcht über me L,eut,chen Uagtm Es heiße, die Soldaten seien recht ordcrttlrch; e- hatte vrel schlimmer konmren können. ^ .Manche von den Boches sötten Frmrzosrsch können; der Unter-. ottista tfcfe fast sogar, er M° v« ^ Mädchen aus Fontaine Maudenr und lachen sehen. Besonders ist allen Leuten ausgefallen, daß jo vrel ^oldatm Sonntags in den Gottesdienst in der Torftrrchp kommen, der Pfarrer' soll geäußert haben, man könne sagen, was man wolle, rn die Kirch' gingen die Deutschen mehr als dre Unsrigen. Weihnachten, sagt der Unteroffizier Chrrles, hätten dre ^erll- schen ein großes Fest ge«; in der , Kirche seren. Mer grotzfi Larmenbäume mit Lichtern rechts und lrnW Ä worden; das hätte so schön ausgesehen, daß der Pfarrer noch letzt die Bäume habe stehen lassen; er hat den Komnmndarlleir darum gebeten. Der Unteroffizier .Charles war auch rn der,K^che, um NÄ das anzusehen: er sagte, die Kirche sehe wrrklrch, geschmückt aus durch die beid>en Bäume. — Tie Leute pon Fontarue sollen aber doch -ns die Teuts« schimpfen; sie sind ^wütend, werl sre rhren s^ur haben abgeben müssen, oder weil sre rhn nrcht trmßen konrien, weil er v ersteckr ist. — . Aus einem Tagebuch. 12. III. 18. Nun habe ich endlich die Mk. 12 000 errglischw Papiere, die ich noch hatte, abstoßen können - sogar mrt emem klernQr Gewinn! Ich bin froh uird dankbar. Den ganzen Betrag Null rch darum auch in Kriegsmileihe zeichnen. 16. III. 18. Ich bin doch Wieder etwas zweifelhaft geworden» Kriegsanleihe habe ich doch jetzt schon recht vrel, fast em Brer^ meines Vermögens. Immer wreder muß rch an dre^Maouung meines Vaters denken: nicht allzuviel in erneu Tops zu legen. 17 III 18 Heute las ich in der Zeitung : eim Fachmann in- Bergbau sucht'rasch entschlossene Kapitalisten einem galizischen Rohölunternehmen; 2o brs 30 o/o ^rvrdende rn srchM^Alfffnht!^ fein? ^ kann nur einmal ^ Prospekt kommen lassen. Das verp l. stet m zu nrmts .. über di- Kri-gsmüeihe? ... llNd soll ,ch «M der „Spekulation" den kleinen Frnger reichen ? Habe rch nrcht schm oft genug erfahren, daß schließlich nrchs daber herMSlövimt als Sm Ä Unruhe? Was ich in e nem 8ag «aw mt«, jgejg in and eren wieder verloren... Freilich man hofft rmmer wieder miss neue. „_ 1 <> ui 18 Ich habe mir nun doch einmal den Prospekt wm- men lassen Die Sache scheint in der Tat sehr aus,ichtsreich. 5 teile Mi 2000 Mk. inüßte ich zeichien. Da kann ich ia rmmm n^ 2000 Mk. in Kriegsairleihe anlegerr. — Freilich, ob rch s riskieren soll? Ein Gutacheir des Geologie-Professors B... in K.. . Ire bei. Das ist doch eine Autorität rn solchen Fragen. >;ch will mich einmal persönlich bei ihm erkundigen. 22. III. 18. Wie oft habe ich jetzt schon die Sache hin nnd.her überlegt. Hätte ich Niich doch überhaupt nicht ,^rauf eirrgemsseq uud gleich getan, was vrir das Gewissen eigentlich geboten! Kann ich denn eigentlich zwftseln, was mmtzückt hat. Fassungslos starre ich rhn an: er hat dre linke Hand verloren! Vorbei seine Virtuo,enlausbahn! Und dam ist er doch fast mittellos! Alles hat er seiner Künstlerlaufbahn geopfert! Glänzend hatte sie gerade begoimen! ^ Mein erster Jnrpuls war, ihm etwas Tro,tüches^zu sagen. Aber das Gefühl hemmte mich, das imirben ja nirr leere Worte sem; in einem solchen Fall könne es gar keinen Trost geben. ■ Wer bald merkte ich im Gespräch, daß er meines Trostes gar nicht bedurfte. Wie hat der Krieg nud die schwere Hermsuchung! diesen jungen Menschen inuerlich gereift nnd geklärt ! Er hat , rch entschlossen, Lehrer zu werden. Ohne alle Wehlerdrgkerr hat er denr Lorbeer des Künstlers entsagt, mit voller Hingabe und freu- diqer Zuversicht sich dein neuen, schlichten Berrrie zngewen>.et. hoffe, ich weiß: er wird auch in diesem ein „Mnstler weroeir. Ich scheide von ihm mit einem Gefühl — es mag settsapr lauten; aber ich finde keinen anderen Ausdruck, als: „Verehrung,. DÄs ist Wirklich ein Mjensch, der nicht in erster Lrnre fragtW« wird rner's ergehen? Und werde ich morgen oder nber^^ahr auch genug haben?' Und werderr mich keine Verttlste trespn? Sondern der sich einfach fragt: Was ist meine Pslrchr? und danach ^*25^11118. In der Frühe kenn eine telegraphische Anfrage des Ingenieurs V. wegen meiner Beteiligung an dem galizstchen Rohölnn ter nehmen. Ich habe, sogleich abtelegraphrert. _ Ich iwame mich jetzit, daß ich mich auf die Sache so wert emgelasien habe, da ich doch von Älnfang au fühlte, was meme Pflicht mar. *) Ich erkenne das Bessere und billige es und folge — dem Schlechteren. V 328 — vüchertisch. Waldemar Bonsels. ^ Die Biedre Maja mvb ihre Abenteuer. An Roman für Kinder. Verlag Schuster und Loefsler, Berlin. — Der Pfarrer von Nvrby. Eine dvamattsche Dichtung Wn-ig Walter Schmidkunz. München. T^S Märchen von der Biene Maja ist das Werk eines währ'» Haft gottbegnadeten» Dichters, der mit unendlicher Liebe sich m die Wunder der Natur vertieft und bit kleinsten der klernenl Lebewesen dem menschlichen Verstechen nahe bringt. Es rst tvrmrg von der alten Trersabel in dieser Dichtung zu verspüren, dre den Tieren einfach menschliche Eigenschaften unterlegte und genns,ermaßen Menschen in Tiermasken austreten ließ. Vser hat etn- aehnttste Naturbevbachtung die Möglichkeiten einer Trerpsychologte erschlossen, die sich eng an die Lebensbedmgungen der verschredmep Znsekten Mt und aus diesen Grundelementen em wundervolles! Märchen schafft, in dem sich die ganze Welt spiegelt. Ern vor den Wundern der Natur beseligt erbitterndes Dichter Herz schuf nt sarmv-ollendeter Sprachschön^heit diese Dichtung, die leden Ainder- sinn gefangen nehmen und.jedem Erwachsenen, em Bedauern inötigen wird, daß feiner eigenen Kntdhett kein derartiges Buch shesckfttt war. Ein Dichter und Seher macht der Jugend em koiLrches Mrbh ist als ein Werk des gleichen Geistes UnverKmnbar. Reinheit. Hoheit und Tiefe der Gedankm machen iauch dieses Werk groß, das uns einen Pfarrer iM Ringen um die von allen Hemmnissen und Schranken erlöste Liebe zeigt.. Aich nur die Liebe finoet kerne Schranken, 'wie Licht zu Licht m ungehemmtem Lauf hinliberrinnt. Gedanke zu Gedanken. Das heißt ihr Wort: sie höret nimmer, ans. 8ür Aufführung wird sich diese dramatische Dichtung nicht eignen, berat es sind trotz mancher bühnenwtrffamn und sehr dramatischer Geschehnisse zumal un zweiten Akte Längenl darin enthalten, die nicht zu streichen smd, well sre erst dra Tieft des Gedankens laut loerden lassen !und zu den grotztelq Schönheiten des Buches gehören. Auch in diesem. Werke ist dre Spache die eines ersten Dichters. Sft ist geschlrifen und klar, schmiegsam und ausdrucksvoll, ohne GeroaltsamMt. z. Neue Dramen. Lotte Brands Irrtum. Drei Akft von HanS Dank- Her g. Hugo Schmidt, Verlag, MünllMt. . Der Umweg zum Tod. Fünf klerne Dramen aus dem großen Krieg und eine Anzahl .Gespräche um den Tuch, voü Riols L au ckner. Verlag I. G. Eotta'sche Buchhandlung, Stuttgart ^De?arme Vetter. Tramia von Ernst Barbach. Verlag Paul Cassirer, Berlin. , Mehr als je verlangt es uns nach dem neuen Drama das seiner Zeit vollgültiger Ansdruck, sei. Anläuft Mu. dre sich mtt kurzem Atem in den Jrrnissen eurer neuen Lotllbtldung totlausen oder den Wirrnissen einer neuen Problematik erliegen, führen uns wohl manchen Schritt weiter, lasse,i aber das Verlangeil nach einem ernsthaften Schöpfer und Gestalter nur noch dringender erscheinen Was uns heute an neuen Dramen vorliegt, smd Anläufe ruft die eben gesckMderten. Es find Kilometersteine anj einem Wege, den der Erwartete in kühnem Lauf bis zu Erde durchmessen müßft. Betrachten wir vorerst die Etappen derzeitiger Entwicklung. . . _ . ^ ^ Ta ist Hans Dankberg mrt einem Drama, das der Nerven- dramatik Ibsens die errtscheidende Anlage verdankt irnd von hier dem Kampf zwischen Trieb und Hemmung wettere Geheimnisse abringen will. „Nur die kleimn Leidenschaften lwben Jura stti- Mert/' heißt es an einer Stelle. Aber da Dankberg mit. beherrschten Menschen rechnet und sich gemäß seiner dramatischen! Eirfftellung nicht den geringsten Nervenreflex entgehen lassen will, so scheinen selbst seine großen Leiidelischafben Rhetorik studier« m haben, denn sie verschanzen sich hinter geistreichen Sophismen, die meist sehr bildhaft irnd klug erdacht sin!d, aber zu gedrängt! sanftinanderfolgen und den endlichen Durchbruch des Triebhaften M kraß und unvermittelt erscheinen lassen. (Ende des zw-ettenj und dritten Aktes.) Sonst enthält dies Drama sehr viel Beachtenswertes. Man wird seinen Verfasser im Mlge behalten müsien. Rolf Lau ckn er geht einen mutigen Schritt weiter und sticht die Zeitereignisse selbst zu gestalten. Nicht in großer, einheitlicher Umfassung, die sich ziu machtvoller Symbolik auswachsen müßte, sondern in kleinen, springenden Szenen, die jähe Schlaglichter! Wersen, in Abgründe hineinleuchten und doch anr Rande des Weltgeschehens entlang spüren. Die Art des Vorgehens gemahnt an Gobinan's Renaissance, trur daß dort aus Farbentupson ein inonu- mentales Freskvgemälde ersteht. Hier bleibt es bei kleinen Skizzen, dft dennoch die springlebende Frische rarter dem ersftn Eindruck entstandener Zeichnungen haben. Das Titeldrama: Der Umweg ztum Tod, ist das Ueberzeugeirdste dieser Art. Hier ist kein dem Dramatischen fremdes Element vorhanden. Das Blut des echten, ungrüblerischen Dramatikers bezeugen alle Einzelbeiträge des « , Mid mau darf auf ein Werk Lauckners gespannt sein, das VoS rmatischen Szene ptn geschlossenen Drama übergeht. Neuen Inhalt und neue Form erstrebt Ernst Barlach kst feinem Drama: Der arme Vetter. Barlach ist als expressionistischer Zeichner eine eigenartige und höchst beachtenswerte Persönlichkeit- die mit knappsten formalen Mitteln gesteigerte Ausdrncksmö^lich^ Seiten sucht. Sein Dranta überrascht vor altem im Gegensatz hrerUl durch eine sehr breite Anlage, die es. von vornherein zum Buchtdrama stempelt. Manche ©ftenen sind allerdings voll knapper realistischer Geschehnisse, wie die in der Wirtsstube, andere verlieren sich in metaphysischen Erörterungen, denen nicht, leicht iftl folgen ist, wie überhaupt in diesem Merke der eigentliche Sin« hinter den Worten und Geschehnissen liegt. Denn das Drama kreist nicht um die Oberfläche der Dinge, sondern wird von den dunklen Strömen des Un- und Unterbewußten getragen, für die es uns noch am unzweideutigen Ausdruck mangelt. Damit hat Barlach weit ab von Maeterlinck einen Weg ein geschlagen, der im Sand« verlausen, aber auch zu noch unentdeckten seelischen Provinzen führen kann. 2 a * — Die Weltbühne, der Schaubühne XIV. Fahr, Wochen^ schrift für Politik, Kunst, Wirtschaft, herausgegeben von Siegfried Jacobsohn, enthält in der Nummer 40: .Brief rat den Herausgeber, voil Freiherrn von Richthosen. Robert Fricdberg, von Johannes Fischart. Graf Reventlow, von L. Persius. Bruder Wurm, von Moritz Hermann. Vom Himmel durch die Welt zur Hölle, von S. I. Tie Koralle, von Alfred Polgar. Ter eiserne Heiland, vo« Oscar Bie. Bei Stadtzauberers, von Kurt Tucholsky. Stimmung, von Alfons Goldschmidt. Tanzverbot, von Theobald Tiger. And» Worten. — „Armes Flanderin". Von Dr. D. A. Stracke, S. I. AuS dem Flranischen übersetzt von G. Lebeck. Preis broschiert 1.20 Mt, Verlag von Georg Stilke, Hosbnchhändler, Berlin NM 7^ Gießener Hausfrauen-Verein. Kochanweisungen. Tvmatenpuffer. Recht reift Tontaten werden , im eigenen Saft gekocht und durchgeschlagen. Das Mus vermiß man mit Kartoffeln und Mehl oder Grieß — auf 1 Pfund Tomaten 100 Gramm roh geriebene Kartofsellt und 50 Gramm Mehl oder Grieß — gibt eilten in eine halbe Tasse Wasser gelösten Brühwürfel, gest. Pfeffer, 2—3 Teelöffel Ei-Ersatzpulver und soviel Semmelbrösel dazit, daß ein dickflüssiger Teig entsteht. Salz ist gewöhnlich nicht mehr nötig. Davon bäckt man Puffer, di« zu Kartoffelsalat oder übriggebliebenem Gemüse sehr gut schmecken, D r e i f r u lch t - B r o t a u f st r i ch. Man verwendet gleich« Teile Aepsel. Kürbis tmd Tomaten. Die Apfel werden gevierteilt, wcich gekocht und drtrch ein seines Sieb getriebelt. Der Kürbis ebenfalls mit wenig Wasser gekocht und durchgetrieben, die Tomaten im eigenen Saft gedünstet mrd durchgeschlagen. Dann mischt man die 3 Fruchtmus sotten und sterilisiert sie entweder ohne Zucker 30 Minuten oder kochst sie mit Zucker noch etwas ein und hebt die Marmelade in kl eilten Ateintöpftn auf. Hat man sie ohne Zucker anfbewahtt. dann kram uralt sie vor. Gebrauch mit Kunsthonig aufkochen oder mit Saccharin süßen. Statt Aepfts kann Hagebuttenmus verwendet werden. Sechslöffeltorte. 6 Löffel Grieß oder 2 mal gemahlene Gerstengraupen, 6 Löffel Mehl, v Löfftl Zucker, 6 Löffel Milch 1 Backpulver, werdelt gut gelttischt und in 2 Portionen aus offenes Feuer in der Bratpfanne wie ein Pfannkuchen gebacken. Jet« Platte mit Marmelade bestrichen und aufeiltander gelegt. * Um.eingelegte Gurken haltbarer zu rMuchelt, empfftW M sich, sie zmtächst in eine Brühe zu legen, die ans je 1 Schopven Wasser, 2 Schop'pen Essig und 1 Hattdvoll Salz besteht. Spät« legt man nach Bedarf einen Teil der Gurken ungefähr 8 Tage vor Gebrauch in schwach gesalzenes Wasser, um ihnen die Schärft zu nehmen. Silbenrätsel. Aus nachstehenden 15 Süden da e eu ga na ne ni o ra rit ro spa to tri nm sind 5 dreisilbige Hauptwörter zu bilden von folgender Bedeutung! 1. moderner Sprengstoff. 2. Stadt und Fluß in Rußland, 3. europäisches Königreich, 4. Mllse, 5. Metall. Sind die richtigen Wörter gefunden, so beneitnen die Anfangs- und Endbuchstaben im Zusam meilhang einen Zeitabschnitt. (Auflösung in nächster Nummer.) Anflösnltg des Geographischen Schieberätsels in voriger Nummer; Bloemfontein Leonberg Bern öreilswald Vionville Lausanne Schriftleitnng: vr. Remhold Zenz. — Zwillingsrunddruck der Brühl'schen Unw.-Buch° und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.