No man aus Sibirien. Von I. Oxenham. Autorisiert — Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Eine Minute lang lag sie still, schweratmend auf dem Boden der Telega — um dann mit entsetzten Augen uiid unbeschreiblicher Furcht in ihren Zügen jäh aufzuspringen und aus voller Lunge zu schreien: „Die Wölfe! Die Wölfe, Step an!! Da sind sie!! Sie werden uns zerreißen — - -' bis Katinka gelle Schreie ausstieß und der kleine «tepan mitweinte. lind Stepan fürchtete sich tausendmal mehr als damals vor den Wölfen, denn hier war etwas, das er nicht begriff, denn er machtlos gegenüberstand. Hilfe mußte er Haben — einpeitschen mußte er auf die keuchenden schäum- bedeckten Pferde ... So rasselten sie durch die langgestreckte Straße des Dorfes Tscherusk, und die Bauern rannten< aus den Häusern, staunend über die wilde Jagd. Vor dem Wirtshaus hielt er und trug Katia und den Buben ins Haus, während Katinka weinend im Schlitten blieb. „Sie ist krank," erklärte er hastig der Wirtin. „Schicke nach einem Doktor, während ich sie zu Bett bringe." Und als dett Doktor kam und Katia untersucht hatte, schüttelte er ernst den Kopf und sagte: „Sie hat das Fieber, und zwar schon seit vielen Tagen. Weshalb ist sie nicht gepflegt worden?" und ein scharfer Blick des Vorwurfs streifte Stepan. „Ich bin heute erst aus dem Gefängnis frei gelassen worden und wußte von nichts." Ab!" Der Arzt kannte Jlines Geschichte. Der Mann tat ihm von Herzen leid, aber er mußte die Wahrheit wissen: „Ich werde tun, was in meiner Kraft steht; wachst du jedoch nicht über sie Tag und Nacht, so wirft du sie verlieren. „Verlieren! Mein Gott —" stöhnte Stepan. In diesem Augenblick trat die Wirtin ms Zimmer. Draußen wünsche jemand Stepan zu sprechen, sagt« fte mit einem bezeichiienden Blick. Der Jemand warern Kosak mit eüier Botschaft vom Polizeichef, daß Stepan June unter keinen Umständen die Nacht in Tschernsk verbringen dürfe- Und sich sofort aus den Weg machen muffe. „Sieh einmal, Jltne," jagte der Kosakenkapitän Arnvff, als Stepan in sprudelnden, sich überstürzenden Worten hervorgeftammelt hatte, wie die Dinge standem und t^n Offizier aus Augen anstarrte, in denen die hecken Tranen standen; „nicht rch war es, der dir oiejen Paß ausgestellt bat, und nicht ich bin es, der drr helfen kann. Auf mir lastet die Verantwortung, die Befehle der höheren Stelle zur Ausführung zu bringen. Du müßt Tscher.isk sofort ver- Wen, Jline." „Wer ich war doch dreißig Tage fort," stotterte Stepan« sich au diesen letzten Strohhalm der Hoffnung anklamrnernL. „Doch vorher warst du bereits zehn Tage hier. Dc-tn Paß gestattet dir nicht, dich aus irgendwelchen Grunde» länger als zehn Tage an irgendeinem Ort aufzuhalt«^ Es' bat keinen Sinn, noch Worte darüber zu verlieren^ Du milßt gehen." ^ J „ „Bei Gott, Exzellenz — —" und eme Wut kam über ihn wie damals, als ep, ein Berserker, gegen die Wolfsbestien gekämpft hatte. Doch Danoff winkte nur dem Kosakensergeanten zu, Stepan hinauszuführen, und sagte strerig: ^ „Hast du Tschernsk binnen einer stunde nicht verlassen/so wirst du unter Eskorte nach Irkutsk abgehen!" In Gedanken schlug Stepan ihn und Pajchkin mit gewaltigen Hieben einer Traumaxt nieder... wandte sich mrd stolperte auf die Straße. Danoff aber schritt ärgerlich in seinem Bureau auf und ab. Er war durchaus nicht grausam veranlagt, wenn auch eigenwillig und hart, aber er ftng am dieses Mannes müde zu werden. Seine Pflicht lag doch so klar da... Binnen einer Stunde hatte Stepan nach besten Kräften für Katia Fürsorge getroffen — mit dem Doktor gesprochen, ihm aus bitterem Herzen den Stand der Dmge erklärt und ihn beschworen, alles in seinen Kräften zu tun — mit den Bauern abgerechnet — ein anderes Pferd gekauft und nach genau sechzig Minuten rollte das Haus Rädern über den dünnen Schnee nach einem Dorf zehn Meilen weit entfernt. . , . .. Nicht einmal Paschkin konnte chn hindern, dort die vollen zehn Tage zu bleiben, und sicherlich würde es rhm gelingen, jeden Tag auf irgendeinem Weg Nachricht über Kattas Befinden zu erhalten. Die Kinder nahm er mit sich Glücklicherweise hatte Katia, als sie fühlte, daß sie kram wurde, das Kind der Mutterbrust entwöhnt, und es spurte die Tre;muna kaum, während Katinka fortwährend weinte und nach chrer Mutter rief. Stepan tröstete sie, so gut er konnte. tH# In Wirklichkeit hatte Verzweiflung chn gepackt. Nun spürte er zum erstenrnal die ga,rze ungehewm Macht zum Bösen von Puschkins Teufelspaß, mrter Um* ständen, die die Seele eines jeden Mannes vergifte^ hatten. So tief ins Mark war er getroffen, daß er nur still vor sich hinbrütete und weder fluchte noch, tobte. Worte, Flüche waren ihm zu winzig... ^ . .. Er konnte an nichts denken als an Kana tote sie sich im Fieber auf ihrem Bett umherwarf, unter Fremden- verlasse^ nach ihm schreiend Ah, sorgten diese Fremd«, auch für sie, wie er gesorgt haben würde? Konnten sie sein krankes Weib mit zärtlichen Worte,: beruhigen wm er? Konnten sie-? Nein Katia mußte sterben. Zwischen Mitternacht und Tagesgrauen bestieg er eines der Pferdes Katinka uno das Kind bei einem Bauern. Weib zurück! affend, und galoppierte nach Tschernsk. Kaim 322 lag int Delirium. Sie phantasierte noch immer von den Wölfen und klammerte sich verzweifelt an ihn fest, obgleich sie ihn nicht zu erkennen schien. Doch feilte Stimme hatte einen geheimnisvollen beruhigenden Einfluß auf sie. Der Arzt kam und versicherte ibm, für seine Frau werde getan, was in Menschenkräften stehe. Aber er konnte ihm keine Hoffnung geben. Die Krankheit war vernachlässigt worden. Das Fieber stieg immer höher. Er wußte, daß es nicht mehr lange dauern konnte —- das Feuer mußte erlöschen aus Mangel an Brennstoff. Das Fieber hatte ihre Kraft verzehrt ... Erst. am Mittag des nächsten Tages hörte Danoff, daß Jline wieder in Tschernsk sei. Er ließ ihn holen. „Jline, ich kann es nicht gestatten..begann Danoff. Dtepan gab keine Antwort, aber ans seinen Angen glitzerte es seltsam, unheimlich, wie eine eisig kalte Drohung, die Schauer des Entsetzens über Danoffs Rücken rieseln ließ, als habe die Hand des Todes ihn berührt. Noch lange sah er diese Augen vor sich, als Stepan gegangen war, ohne daß ein weiteres Wort gesprochen wurde. Er träumte von diesen Augen in der Nacht. Sie erinnerten ihn an eine halbver- geslene Szene der Vergangenheit und stimmten ihn nachdenklich —- ... Er sah wieder den mauerurngürteten Hof des Gefängnisses vor sich. Der gleiche Ausdruck, mit dem Jline ihn jetzt angeblickt hatte, war auch damals in den Augen des Mannes gewesen, der geknutet wurde auf jenem Gefängnishof und dem damals das Fleisch in Fetzen vom Rücken hing.,. v Danoff erlebte die Szene von neuem. Wie der Mann von der Bank losgeschnallt wurde — wie er zusammensan? —, wie der Gouverneur mit seinem jungen Adjutanten Danoff vorbeischritt — wie der Hansen zerfetzten Menschentums da auf dem Boden mit einem Satz tüte ein wildes Tier in die Höhe sprang und dem Gouverneur an die Kehle flog —i wie er und andere mit ihren Säbeln auf die krallenden! Hände und die beißenden Zähne loshackten... Doch das wilde Tier hatte sein Opfer mit den Zähnen zerrissen ,nnd als ein Säbelhieb den Mann endlich niederstreckte, stürzten zwei Leichen zu Boden — der Mann mit gespaltenem Schädel — der Gouverneur mit durchbissener, zerfetzter Und das wahnsinnige Flackern und Leuchten in den Augen jenes Mannes von damals hatte er heute in Jlines Augen wiedergesehen!' Kapitän Danoff verfluchte Stepan Jline und verfluchte Paschkin und fluchte immer noch, als er endlich einschlief mit einer unklaren Idee, es fei feine Pflicht, eine Kosaken- abtellung mit geladenen Gewehren nach Herrn Stepan Jline ins Wirtshaus zu schicken. Mehrmals in der Nacht wachte er auf und sah immer diese Augen vor sich. Ein cirmer Teufel, dieser Jline. Furchtbare Sache, dieser Paß, zweifellos. Hm, und wenn Paschkin vom Teufel besessen war — schön und gut, solange er selbst die Folgen trug. Aber er, Danoff, dankte verbindlichst dafür, um Paschkins willen ermordet zu werden. Oh nein. Es war also keine Kosakenabteilung mit geladenen Gewehren, die Stepan am nächsten Morgen aufhielt, als er aus schaumbedecktem Pferde wieder nach Tschernsk hineinjagte, sondern nur der alte Kosakensergeant, allein und unbewaffnet, während Stepan von Waffen starrte. Er trug die Flinte aus dem Rücken, den furchtbaren Speer in der Hand, die Axt inr Gürtel. Er war auf alles gefaßt. Wie ein wildes Tier brüllte er auf, als der Sergeant die Hand emporhob und ihn anhielt, und riß Mit einem Ruck die Flinte vom Rücken. r „Schieß mckh lieber nicht nieder, Stepan Jwarwwitsch!" sagte der alte Kosakenseraeant ruhig. „Ich möchte mit dir sprechen, nicht mit dir kämpfen," und Stepan senkte den Fllntenlaus, als er sah, daß der Mann unbewaffnet war. „Ich komme aus eigenem Antrieb j nicht vom Chef gesandt." „Dann eile. Sprich schnell. Mein Weib wartet." „Ich kam nur, um dich zu warnen. Du wagst zu viel, indem du nach Tschernsk kommst. Du mußt dir darüber klar werden, daß der Chef nicht anders handeln kann. Was für dein Weib getan werden kann, geschieht, auch du könntest nicht mehr tun — J" „Und du ■ tvenn dein Weib dort liegen würde — was würdest du tun?" stieß Stepan hervor. „Ich. ~j“7 Ich?? Bei Gott, ich würde tun, was du tust, klug!" Stepan Jwanowitsch. Dermoch handelst du nicht „Klug oder nicht klug. Mit diesen Händen und mit dieser Axt habe ich da oben auf dem Paß elf Wölfe getötet," sagte 'Stepan Jline in eindringlichem "Ton, als bringe er ein gewichtiges Argument vor, „und wenn es sein muß, so will ich elf Männer töten, wenn sie zwischen mich und mein krankes Weib treten. Sage das deinem Chef, Rum muß ich gehen —" und er stieß dem Gaul die Hacken irr die Seiten und verschwand im Morgennebel. Mit vorsichtigen Augen sah er sich um, während er die Dorsstraße entlang galoppierte, konnte jedoch nichts Verdächtiges entdecken und betrat, ohne daß ihn jemand belästigt hatte, das Wirtshaus. Leise stahl er sich den Gang entlang zu dem Zimmer, in dem er fern Weib wußte, als sich die Türe öffnete und der Arzt heraustrat. Der starrte ihn einen Augenblick lang an, ohne etwas zu sagen, winkte dann und führte ihn an das Lager, auf dem Katia ruhte. „Im Morgengrauen ist sie gestorben," sagte der Arzt leise. „Ich war die ganze Nacht bei ihr. Wir haben getan, was wir konnten, doch es war zu spät." Stepcnr Jline gab keine Antwort, sondern starrte nur wortlos aus das stille süße Gesicht. Dann, ehe der Arzt auch nur ahnen konnte, was er im Sinne hatte, beugte er sich nieder, nahm die Leiche samt Decken und Bettüchern rn seine Arme und trug sie aus dem Zimmer. Draußen kletterte er auf sein Pferd mit feiner Bürde, so gut es ging, stieß ihm wieder die Hacken in die Seiten, und galoppierte den Weg zurück, den er gekommen war. In seinen Armen hielt er das, was ihm Leben und Hoffnung bedeutet hatte. Der alte Sergeant sah ihn, wie er die Straße dahinraste, und verstand. Schwerfällig machte er Front, hob die Rechte zur Mütze und salutierte schweigend die Bürde, die Stepan trug — die äußerlich sichtbare Bürde — vielleicht auch die unsichtbare schwerere — — und sah ihm lange nach, bis Pferd und Reiter und Last an einer Wegbiegung seinen Blicken entschwanden. Daun schüttelte er den Kopf und sagte: „Ein Teufel, dieser Paschkin ..." Nach einer Weile schüttelte er den Kopf und dachte, leise vor sich hinpfeifend: „Wenn Paschkin und Stepan Jline jemals wieder zu- sammenkommen —<—" Den ganzen weiten Weg nach dem Polizeiburean schüttelte er den Kopf und pfiff vor sich hin und dachte darüber nach, was er tun würde, wenn er an Stepans Stelle wäre. Diese Gedanken paßten durchaus nicht zu seinem Beruf als Kosakensergeant und Polizeimann. (Fortsetzung folgt.) was die deutschen Batten an unseren Gefangenen getan haben. Von .B. Noelting. In unserer Zeit, wo die Lüge und die Verleumdung wahre Orgien feiern, wo unsere Feinde vor keiner Grausamkeit, ja selbst nicht vor dem Vtenchelmord zurückschrecken, um uns zu vernichten, klingt wie ein reiner Ton durch ein wüstes Klanggeroirr jede Tat der Menschenliebe und opferfreudigen Güte. Solche Daten haben die deutschen Balten an unseren Zivilgefangenen und, tvo es möglich war, auch an unfern Kriegsgefangenen unter steter Gefahr ,Ber?ag Jonek und Poliewky, hervorgeht. Als der Krieg mit Rußland ausbrach und jeder, der die Mittel hatte, über Schweden in die Heimat rettete, übertrug Vorstand innerer deutschen Kolonie den Schutz für die zuriick- blerbenden Reichsdeutschen dem amerikanischen Konsulat. Diesem wurden auch alle für einen Hausbau gesamnrelten Gelder über- geoen Aber von Anfang an zeigte das Konsulat in Riga sich feindselig lau und wenn es — ganz selten — einmal tatkräftig! ein griff, geschah es durch das .unermüdliche Andringen zweier bal- ttfchler Blweandamen oder die dringenden Forderungen adeliger Hemden, dre sich bis zu Drohungen steigern mußten. Nur wenig von den Qualen, die unsere unglückseligen Zivil- gefangenen zu erdulden hatten, ist in die Oesfentlichöeit gedrungen, wiese Leiden waren so groß, daß man mit Schillers Carlos aus rufen nrochte: ,,„<;ch frage, gibt es keinen Gott, was, dürfen in wmer ^chMung Könige so.hausen?" Denn .letzten Endes ist me empörende Roheit der Polizeibeamten Schuld des Exzaren, oessen Geoeme jetzt m irgendeiner Grube vermodern. HWr&f/™ nach. Ausbruch des Krieges wurden alle militäv- pslichtigai Rerchsdeuffchen in die entferntesten Gouvernements Si- 323 biriens, Wjatka, Wolo^a, Ovenburg nsw. verschickt. Wer tri# auf dorne Kosten reisen teu«. Born wnMfX ins Gefängnis, um Usnn per Schub erst wie das Bfth auf den Straßen zusammeir- getrieben urrd dann in Bietzrvagen weiterbe fordert m werden., Rmute ließ mau unterwegs liegen. Wenn man bsdentt. wie klein der Prozentsatz von Wohlhabenden irr der deutschen Kolonie zu den Tausenden von Arbeitern war, so ist es Lar, daß die meisten Ausgewiesenen per Sdj(ub reisen mußten. Tie zurückbleibenden Fvauen. ihrer Ernäl)oer beraubt^ gaben trotzdem den Unglücklichcn alles Verfügbare an Geld und Kl t idungsi'ftücfen. Die selbst blieben gut wie mittellos Zurück, d«:n ber der großen Anzahl der Bi't—d'u das Geld der deutschen Kvlonie nicht weit und psch' Hi'r 'arte zuerst die deutsch-baltische Dillsarbeit ein. Das Zentrum derselben war die Nigrer Stadtmission unter der iu. . vw. ^Uwtu,r.iü>t 0 . Auer aus dem gesamten Bal- tenlande floß zwei Zähre lang cft: Strom von Geld und Mrmen Kleidern zur BMeilung und Versendung der Mission zu. Tag für Tag waren die baltischen Männer und Tomen tätig, um alles Ein lau sende zu ordne.: und den Bedürftigen zukommen zu lassen. Ta Geldsendungen häufig gar nicht oder doch sehr vermindert zu den Gefangene:: gelangten, reifte der Ingenieur K. mit mehreren tausend Nnbeln an die Orte, wo die Gefangenen untergebracht waren, unö überbrache die Gelder persönlich Im Spätherbst 1914 erfolgte die zweite Ausweisung. Me männlichen Reichsdeutschen vom Knaben bis zum 86jährigen Greise wurden davon b-etrofser. Und wieder wurde von der Stadtmission alles möglich' zur Hilfe getor:. Später ist eine adelige Dame selbst.mit einem 66jährigen Greise nach Moskau gereist, da der Unglücklich'sonst nicht inert gefummelt wäre. Das alles war aber für den Daß der Rusfen gegen alles Deutsch' noch nichft genug. Im Januar 1915 erging der Befehl, alle reickFdeutschen Frarren bis zu 60 Jahren nnlßten sich zur Verschickung bereit halten. Ta hieß es wieder Geld, warnte Klerduwg und Wäsche spenden. Tie Rftxaer Damen zogen nicht selten die eigene warme JackH aus, wem: Nachzügler fhmern und alles vergeben war. Ten Müttern, die kleine Kinder m den Armen trugen, wurde an,geboten, diese in Riga zu lassen, wo man für sie forgm würde. Leider mochten :rur wenige von diesen: edlen Anerbieten Gebrauch Ivos im Lauf der Zeit ein großes Kiiwersterben zur Folge hatte. Der Bericht bietet darüber die traurigsten Beispiele. Im selben Monat kam durch einen heimlich cm eine Rigaer Tome gesandten Brief die erste Nachrclnt vo:i den gefangenen Dfb* Preußen ans Krasnojaisk. Er e-:tl>ält grausige Nachrichen. Tie Feder sträubt sich s-e zu bericht«:. Zum vierten Male wurde aus dem gesamte:: B ltenlcmd best Brüdern an§ dem angestammten Vaterland G-rld mrd Kleidirng gesammelt und von eirrer baltischen Tome in Begleitung eines ballisM: Hern: in die betresstirden Gouvernements gebracht. In stets erneuter ?krt der Versendung, dem: es galt ja als Verbroch m. den Reichsdeutschen zu helfen, man» derlei: außerdem von der Mission zur Bahr: wöchentlich drei bis vier große Ware'bellen. Endlich im August 1915 fiel der letzte grausamste DchLccg. Diesmal traf er die alten Frauen und Kinder über 10 Jahre, Kinder, die bis dahin bei Fremden unter gebracht, in den seltensten Fällen wußten, wo Vater mtb Mütter sich^ aufhielten. Hier endlich g-rift aut aUerenerg'sihsien Protest des Pastors C. Sch. das amerikanisch Konsulat ein. Es fehlte durch, daß 60 Kiichr in einem innerhalb drei Tag«: gegründeten „Heim" Ausnahme fanden. Tie armen Greisinnen vor der Verschjleppimg zu retten, war leider unmöglich Obwohl es verböte:: war. den Kindern Unterricht zn erteilen, geschh dies dennoch in Verbindung mit Spielen aller Art von einer Anzahl baltischer Tarnen. Wie sthr hier die Liebe znm Baterl-cmde gepflegt wurde, wird ans einem hübschen Beispiel klar. Eine Mutter. die in ftübereu Jahren, russisch Uittertanin geworden war, deren beiden Solare aber als deutsch Reichsangehörige im Heim lebten, hatte erfolgreich nlm Aufnahme dieser Söhm in den russischen Untertanenverband nochiesucht. Aber als der höchste Polizeioffizier mit dieser Nachricht ins Heim kam und die Jungen das Gesuch unterscheiben sollten, verlveigerte der ältere seiner Unterschrift. Er welle deutsch sein und bleiben. Eft: lautes Hurra der anwesenden, Kameraden und ein sehr erstauntes Gesicht des Polizeiosfiziers begrüßte dieses Wort. Und als die Mutter fragte,: ,^Jmrge, willst du mich denn Mnz unglücklich nmchen?" lautete die Antwort : „Wo so viele.leide::, Mutter, kannst du auch leider: fürs deutsche Vaterland!" — Im.Dezember 1915 wurde die Mgaer Stadtmission als „eine Vertreterin' germanischer Ideen, deren Tätigkeit während des $Meg?3 sich als besonders schädlich erwiesen habe", von der russischen Negierung ausgehoben. Aber die Hauptarbeit war getan, unzähligen Gefangenen das Leben erleichtert und in vielen Fällen gerettet. % Möchte der lebhafte Wunsch der deutsch-baltisch«: Lande, unserem Vaterlande angegliedert zu. werden, ftch ft: nicht zu ferner /Zeit erfüllen! Es wirre rricht nur ftir sie, sondern auch für uns ein überaus großer Gewinn. Dem: mit Fontane kann man den deutsch«: Balten, die siebenhundert Jahre an ihrem angeshammteit Vaterland« ge Hanger: haben, zurufen: > „Ter ist aus tiefster Seele treu, , Ter die Heimat liebt, wie du!" Johann Michael schnörps mb feine baßgeige. Von Hermann Elle. In dem Torfe Winkelhausen lebte ft: seinem aus Wohnhäus- chen. Viehstall und Cwrleu bestehenden Anwesen der Bauer Johannes . Michael Schuörps, von seinen Mitbürgern kurz der alte Hansmichel genannt. Wie lange das Geschlecht der Schnörpse in Wmbclhausen ansässig'war, war nicht festznftellen; Hansmichel selbst erinnerte sich mir seines Urgroßvaters, der neben seiner kleinen Landioirtscl>aft Handel, bzw. MaTergeschüfte mit Vieh und Landes- produRei: betrieb. Wenn die Ernte Fingebrachl war, und die Kirmes ins Land zog, mrhm Urgroßvater Schnörps eine Baßgeige aus seinen lang«: Rücken mrd wunderte mit einigen Mnft- kanten aus den Nachbardörfern, die noch kein Sinfoniekonzert verdorben hatten, ins Land, um dort zum Tanze aufzuspielen. Als er starb, ging die Baßgeige aus ben Soh>: über, der sie erst in die Ecke stellte, als Freund Hein ihm den Wink zur Knnftreise ins bessere Jenseits gab. Sein Sohn, der Vater Hansmichels, griff nunmehr, getreu der Ueberlieferung seines Hauses, in die Brummbaßsaiten und ließ die junge Kirmeswelt nach deren Tönen tanzen^ Auch Hansinichel Schuörps, in der Voraussicht, daß seftrem Vater einmal der Bogen aus .der Hand gleite:: würde, vertiefte sich in . das Studium der Baßnoten. Das Studium wurde aber unter- brochm, als ihn sein König in den Julitagen des Jahres 1870 zu den Fahnen rief. Willig folgte er dem Rufe, lern«: Vater mit samt der zur Untätigkeit verurteilten Baßgeige in Winkelhansen zu rücklassend. HmrsmicM stellte seinen Mann im Felde, er erwarb sich bei St. Quentin das Eiserne Kreuz und kehrte gack einer in den Jannarkämpsen bei Braune kt Rolande erhaltenen Verletzung der linken Haiw heim. Tie Schußverletzung hinderte Hansmichel anfangs etwas an der Ausübung seines Baßgeigenspiels, aber die heimische Jugend störte cs nicht, wenn ab und zu ein falscher Ton Über den Tanzboden strich. Tie Jahre vergüt gen, Hansmichel Schwrps halte sich eine Lebensgefährtin zatgesellt und es :urch und nach zu einer bescheidenen BelM: gleit gebracht, ein Erbe seines Hänschens und seiner Baßgeige blieb chm leider versagt. Nach jeder zwei- bis dreitägigen Kirmesfahrt brachte er rricht irur einen straffen Beutel Silber-, Nickel- unb Käpfermünz«: heim, nein, auch seftre Baßgleige bavg in ihrem gerännrigen Innern einest für die ftstgenden Wocherttage reichenden Vorrat an Würsten, Krochen, ZiMrren usw. Als Hansmichel sich so an die 40 Jahre dm'chgcMmstert, brach der protze Krieg aus. Es schwiegen nicht nur alle Klarinetten, Trompeten und Flöten, sondern auch seine Baßgeige; das betrübte ihr: so, daß er am liebsten zum zweiten Male mit in der: Krieg gezogen wäre, wenn ihn nicht seine 6ß! Sa Irre, ferne steifen Finger und nicht zuletzt sein „Kathcinche", seine Frau, daran gehindert hatten. Dein altes .Kriegerherz bebte> als er die jungen Männer von Mukelhausen in den Kampf ziehen sah. — „Wenn ch nur dem Vaterlande auch noch einen Dienst erweisen könnte," klagte er fast tchrlch seinem Kathrmche. — „Sei jufrieöe, Hansmichel," entgegnete sie. „nächste Woch' back ich Zwetschekuche, die Lamrste in die Stadt fttt Lazarett brirnge, wenn du durchaus dei'm patriotische Gefühl Luft mockj« willst" Stolz wie ein Spanier trug denn nach eines schönen Septeurbertages Hansmichel drei mächtige ZwetsckAmkuchen in die Kreisstadt aber ganz befriedigt war er von der edlen Tat immer noch nicht, er wollte noch ein idealeres, patriotißches Werk verrichten, nur .über die Art desselben kam er trotz allen GrübÄns n«ht ins Reine. Hansmichel beteiligte sich Mi allen Wohltätigkeitsveranstaltung«: in Winkelhausen, an allen Naturalien- und Geldsammlungen, undj als die erste Kriegsanleihe aufgelegt wurde, zögerte er nicht, seinem Guthaben bei der Kreissparkasse 500 Mari zu etttn-ehmen. An den folgenden Arüeihen beteiligte sich HansmrckMl, trotzdem infolge Ausfalls.der Kirnves- und Tanzmusik seine Einnahmen sich verringerten, ebenfalls. — Eines. Tages hatte Hansmichpl einen Einsall, den er am anderen Tage in die Tat umsetzte. Er uahn: seirre Baßgeige und schritt damit zur Haustür hftums. Ans die verwunderte Frage seines ^Lathrinche": „Ei, 'was fällt dir denn ein?" gab er %ie Antwort: „Das wirste bald hören!" Und rdMig. Na.ch kurzer Zeit erklangen ans der Richtung der mitten im Torf stehenden dicken Linde die dumpLer: Töne von Hansmihsels Baß- geige: „Im schlvarzen Walftsch zu Ascalon" strich er 'in kräftigen Tönen so länge, bis alt und jung sich um der: sonderbo.reftf Geiger versammelt hatte. Ms er geendet, redete er die Umstehenden mit dm Wort«: an: „Ihr liebewißt Ihr auch warum ich Euch eftis vor geige? Ich wills Euch sagen: das Batcrlarch braucht Geld. Ihr habt alle welchs im Kasten, drum geht hin und zeichnet Kriegsanleihe; w>er zeichnen will, kommt zu mir, ich werde alles besorgen, aber daß nrir keiner von Euch fehlt." Vierzehn Dörfer, in denen in Friedenszeiten Hansmichels Baßgeige znm Tanze aufgespielt, suchte er in den nächsten Tagen Mm. Als nach Ablauf der Zeichnungsfrist das Kveisblatt das Ergebnis ver- ösferlllichte, stellte sich heraus, daß die vierzehn Gemeinden, denen Hansmichel gufgegeigt hatte, alle anderen Gemeiiiden des Kreises übertrafen. Am dMauffolgenden Sonntage wurde Hansmichel, als er ans der Erchje trat, vom Pfarrer und Gemeinderat ob seiner erfolgreichen Werbung ftir die KtiegsMileihe beglückwünscht. „Ja, ihr liebe Leut'," sagte er, „kam: ich mich nicht selber ft: den Dienst des Vaterlandes stellen, so soll es wenigstens nreme Baßgeig', und sollte wer noch zehn Mllerhe nötig habe!" 324 Vüchertisch. — Der Spiegel. An-ekdotert. ZeitgenKssiWer deutscher Gv- Mhl-er. Preis bvosch. 2 Mk., gebunden 3 Mk. Verlag Gustav Kiepenheuer, Weimar. — Ter Herausgeber der Sanvmltmg Karl Lerbs wurde zur ZusamnMrstellung dieses Buches durch die Feststellung veranlagt, dass die vür« Anekdote seit ihrem letzten oeut- schen Meister, dem Alemannen Hebel, an ihrer klaren Ausformung verlöret: hat, und beabsichtigt, mit diesem Buche von neuern bas WesentlulL dieser schätzenÄoerten KtNlstlsorm an Beispielsn aufzuweisen und ihr neue AnWnger zu "werben. Nach seiner Llus- sthrung ist die Anekdote, die gedrängte, unbedingt in ftch gerundete Tarstellung eines Vorganges von irgendwie kennzeichinender Bedeutung, Aeichgültig, ob ^uMichnend für eine bekarmte Persön- lickDüt, für einen Cunzelmeuscheir, einen EinzeltWus oder nur als Vorgang an sich. Sie ist ein unbestechlicher Spiegel des Lebeichigen. Eine moralische Nutzanwendung oder eur EinsäKag des Komischen sind keine no-twerchigen Bestandteile. Tie AneEwte soll aber eine einfach erzählende Mittülung sein, die zwar^ scharf pointiert, aber sich jeder subjektiven Einmischung ^ des Erzählers emhält. Tie zufälligen Vorgänge müssen aber m ihrer Tinzigrrtrgkeit dennoch eure Mgcmünbedeutung für gewisse LebeiEzusammeu- hmrge oder für bekannte PersönlirÜkeiten haben. ^ Nicht immer ist in den aus gewählten Anüdoten dieses Buches die reine Form der Anekdote getroffen, was aber keinestoegs verstimmen tom, da diese Anthologie ja erst einen Versuch inrch dieser Richtung hin dar stellt mrd durch die wertvollen, größtenteils sonst noch nickI veröfsenstlichten Beiträge zeitgenössischer Schriftsteller eine Fundgrube literarischer Kleinodien bildet. zz. Stefan Georg«. Ein deutscher Lyriker von Will gewordenen deutschen Trägers Stefan George, zu weisen, mül)t sich dieses Buch Vielen wird es zum Verständnis notwendig und auch den mit dem Tichcher Vertrauten wertvoll sein. Stefan George ist von Anbqgirrn seines dichterischen Sck>affens unbeirrt seinen Neuprägung abgegriffenen SpvachzuteK, zog dem Dichter oft das Mpvechmde Urteil zu, seine Verse seien mannvrkalt. Seme G-e- schlossenhüt sei Manier bloßen Aesthetentums, seine ganze Kunst diene twigkch dem l'art pvur l'art. Tas Irrige dieser Ansicht darzntun, ist die Ausgabe, die sich Scheller stellte. Er wüst den tief-menschlichen Zilg der Dichtungen nach den sittlichen Zwang, unter dem sich George in süner Lyrik zürn Ueberpersönlichen hinauf-- Vdrtert, der ihn vom äschetistlmr Erfühlen des Kosmos zum Eschen Richter der Menschhüt, zürn Priester eirrer tieferen Religiosität rverder: läßt, zu jener trotz mairnigfachem Mythos fest umrissenen PvrsönliclsZüt, die einen Vergleich rnit Tante nahelegt. Sllr-ellers Tarstellurrg wird vom PulsschLag begeisterter Ver- Üwun.g getragen, bleibt aber stets sachlich rurd hält sich iünger- hafter Beweihräucherung fern. Zur Einführung in das Lebens-- werk des Fünszigjährigerr besonders wertvoll, sind die trefflich gewählten Proben süner Tichchmg. Das Buch wird die überragende Bederchmg Georges weiteren Kreisen offenbar machen. z. — H. E. Tzschirner: Das Tagebuch Heinrichs XXXII. Die Beichte «eines Fürsten. Verlag W. Dorn- aräber. Berlin W 30. Preis gab. 6,50 Mk. 1 — Eine eigentümlich tznondäue, ja tnan kann sagen, überkultivierte Wett spiegelt sich in diesenTagebuchblättern, die dock getragen sind von einem tiefen Kesühl für Bäenschentum mrd Schönheit. Ter herttige Leser wird pst verwundert den Kopf schütteln, haute im 5. Kriegsjahr. Denni der Hauch der ihm aus diesem Buche entgegenattnet, ist so fremd, liegt so rveit zurück, daß er oft kaum Verständnis dafür findenl Samt. Deshalb ist es aber keineswegs nicht ratsam, das Buch zu lesen, sondern im Gegenteil; diese „Beichte eines Fürsten", die stei vom Dichter erftmden, has Spiegelbild einer Gesettslhafts- Rasse vor 1014 zeigt, die bei allem Ueber-Aesthetenturn nnd Kosmopolitismus noch eiu rvarmes Herz zügt, das allerdings etwas anders pulsiert als das der Durchschnittsmenschhüt, diese „Büchte" ist kulturhistorisch zweifellos von Wert, für heute und für später. Dazu kommt dre flüssige Sprache, die anschauliche packende Handlung, die der Verfasser durch die Blätter hindurch spinnt und die bii Buche sicher Freunde tverben werden. Dr. M *— Der Babylonische Turm. Geschichte der Sprachverwirrung einer Familie. Roman von Joses Ponten. Geh. 6,— Mt. .geb. 8,— Mk. (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstalt.) Ms ein Talent von ftarÜer Eigenart, das sich hohe Ziele steckt und ihnen mit leidenschaftlichem Ernst znstrebt, ist Josef Ponten feit seinem Erstlingswerk „Jungfräulichkeit" bekannt. Üno als ün solches Talent, gereist im Läuse der Jahre durch innere Entwicklung und äußere Erfahrung, bewährt er sich auch jetzt wieder tu seinem soeben erschienenen Werk „Der Babylonische Turin". Die Schicksale ünes Bauunternehmers und seiner Familie ^— das ist, äußerlich getrommen, der Jtthalt des Buches. Aber was für ün kühner Träumer und phantaswerfüllter Held der Aroüt dieser Mmimtenrehmer Großjohann ist, welch starke, abct allmäMch verbitterte und in sich vereinsamte Lebensgefährtin er an süirer Frau gesunden hat, wie sein Encporkomnten und sein Niedergang als typisches Schicksal eines garrz-err Standes, alZ Teil einer modernen Stadtentwicklung gesehen und dargestellt ist, wie 'neben der Verusstragsrtzie die Fam ilicntrag öoie, hervorgerufest durch den Fllich des Schwügetrs, des Emanserrnchtversdehenkön-« nenS. die „Sprachverwirrung", arrfsteigt, init jerter sich verflechtend 'und das ganje zuerst kräftig emporblühetrüe Geschlecht Groß- johann fast vernichtend — damit wäre der eigentliche Inhalt dü^ Büches sck^on näher, al^er noch lange nickst in seinem ganzen Umkreis bezetchnet. Demi in diesen UmkrüS ist auch unlösbar mrd nicht als bloßer Hintergrund, sondern als tragender Erdbode» und umgebertde Wmospyäve, Landschaft- uird Menschentum des Niederrheins ernl-ezog.'n; älteste Volksart und --weishüt prallt aus neueste Enttvicklurrgen im Sozialen und Güstigen; mit hallen* dem Rhythmus klingt das gesunde Arbütsr des guten ältest Handwerks in das bald großartige, bald schwindelhafte Treiben des neuesten GvoßunternchmertumZ. Eine Fülle vo-n Gestalten, ins Vordorgnmd und am ruttdesteu hervortretetid die älteren Kinder deS Hauses Grvßjohamr, jedes für sich Typus mrd Individualität^ imb Die Personen, die unmittelbar in das Schicksal der FamiliA hine'ngrüfen und -verwoben sind: Patrizier mrd schlichte Hand* werker, Ehrenmänner und Schurken, Wüst und Toren, alle irt Beivegung und Leben, alle zusammen ün Bild von so viel Farbq und Lebendiglüt, daß nran staunen muß, wie übersichtlich dock diese Massen bleLett, wie Tar und solgerich.üg — und ergreifen« der große Grrng der Hmtpthandlimg sich herausarbeitet. — „Tas Lied vom jungen Sterben." Kriegsroman .aus dem Ban-öe-Sapt von Herrn. Schützinger. Dresden, E. Piersons Verlag. Preis 3,50 Mk. Ein Buch, das nicht in die Reih« der anderen von Berusskünsller-Haitd geschaffenen Werke gestellt sün Null — nenn, ein Schon sind diese Zeilert, ein Schrei sinn-* losen Schmerzes!, der sich mit eruptiver Gewalt aus dem Innern eines durch den nicht endenwollenden Verlust der besten Käme» raden verstörten H-erzerrS löst. Nur der Weltkrieg mit den mt- fcg'lKiren Opfern, die er an den trotz dtot und Tod an der Front verharrertden Jnfanteüsten stellt^ konnte den rol>en Block bilden, aus dem Kameradert-FreundsHaft und Treue, Heim tu« h und Ju- getrhsehneu nach Frauenliebe dies erschütternde Bild gehauen Mit elementarer Wucht rüßen die Schildert tu gen vott den Seelen* analen tmserer Söhne und Brüder irr der Front an beit Nervest des Lesers und lösen sich aus in den heißen Wunsch: „Herrgott, wie lang denn twch ■ gib bald ein Ende in Treue und Ehren!" Mtö§e das Werk ün .Gegenhall fein dieses am ehesten zur Völrer-Versöhnung führenden Schmerzes um erloschene Kamo- radenherzen, wie er durch die Schweiz atrs dem „Jc^mal d'un« escouade" zu uns drang. Dann wild das „Lied vvnl jungest Sterben" mit den Boden bereiten helfen, auf dem sich die durch vierjähügen Kampf entfremdü« Völker wiederfinden können in dem gemünsamen, tiefen Weh um das große Sterben. — Hugo Meverhüm, Muster und Erklärung fürs eine einfache Buchführung. Aus ünem Buche die Einnahmen, Ausgaben, den Kasfenbestand, die Summe der Forderungen und Schulden sowie den umsatzsteuerpflichttgen Betrag sofort zu ersehen. Aus Grund des § 27 bet Ausführiingsbestiminungest zum Umsatzsteuergesetz bearbeitet. Handelspvaktischer Verlag, Berlin NO. 43. Preis 60 Pf. . — Nummer 8926 derL«ipziger,,JllustrirtenZeitung" erbringt aufs neue den Beweis für die Universalität, die sich dies« altangesehene Wochenschrift, die in diesem Jahre da« Jubiläum ihres 7öjährigen Bestehens feiern konnte, auch in diesen Krtegs- zklisn beivahrt hat. In ihrer Vielfeitlgkeit geradezu staunenswert ist die Leipziger .Jllustrirte Zeitting" nicht nur eine Kriegschronik von unübertroffener Reichhaltigkeit, sondern sie berücksichiigt auch alle Zweige des modernen Kuttturlebens in eingehender Weise. Geographisches Schieberätsel. Llssmionwin, L.sond8ng, Bern, Greifswald, Vlonville, Lausanne. Vorstehende Namen sind ohne Aenderung der Reihenfolge, also nur durch seitliche Verschiebung, so untereinander zu setzen, baß zwei senkrechte Buchstabenreihen von oben nach unten zwei bekannt« Hauptstädte bezeichnen. (Mrflösung in nächster Nummer.) * s ' " f Auflösung deS Homogramms in voriger Nummer« TEA Taube Eugen Abend e n d Schriftleitung: vr. Rünhold Zenz. — Zwillirrgsrunddruck der Brühl'sehen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.