Der endlose Weg« Roman aus Sibirien. Von I. O x e n h a m. Autorisiert — Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) „Es wird hiermit verfügt, daß der Inhaber dieses Passes, Stepan Jwanowitsch Jliire, reisen mag innerhalb der Grenzen Mur Sibirien, wo es ihm beliebt, nur nicht in der Provinz von Irkutsk; unter keinen Umständen jedoch wrd aus keinem Anlaß darf der genannte Stepan Jline sich *m irgendeinem Ort länger als zehn Tage aufhalten. Die Polizei hat diese Anordnung mit äußerster Strenge durch-- zusühren." Ein drittes, ein viertes Mal las Stepan diesen Vermerk furch, langsam, sorgfältig. Er war wie verwirrt minuten- ang, unfähig zu denken, als sein Hirn die volle Bedeutung rer wenigen Worte erfaßte- ?lh, es war itid>t die bodenlose Ungerechtigkeit von alledem, die ihn am schiversten traf. Nicht die Verbannung, nicht der Verlirst der Schmiede, nicht der finanzielle Ruin. Das war ja etwas Alltägliches unter Puschkin. Sibirien war aroß. Und alle seine Gouverneure konnten doch nicht Pasch- kins sein! Aber — bei allen Heiligen — was bedeutete, dieser Patz? Was sollte das heißen? Was war das für eine Teufelei? Zehn (Tage — nirgends länger bleiben dürfen als zehn Tage! Wie sollte man da leben? Wie sollte man da arbeiten? Ganz langsam sickerte das Begreifen in sein Hirn. So sollte er denn ein heimatloser Wanderer sein von nun an »md dahinstreifen über das weite Sibirien ohne Rast und Ruhe in ewigem Wandern! Sommer und Winter, gesund oder krank, lebend oder sterbend — immer auf dev Straße . . . Ohne Heim. Ohne Freunde. Denn wie konnte ein Mann sich Freunde erwerben, der nach wenigen Tagen von jedem Ort immer wieder fortgejagt wurde! Und Katia? Und Katinka? Der Mut wollte ihm sinken, als er an Weib und Kind dachte. Bei Gott, das war zu viel. Er sah deu Polizeichef au. Mit einem ver>virrteu scheuen Blick, 'in den: es sprühte und funkelte vor ohnmächtiger Wut »me tu den Augen eines »vilden Tieres, das in der Falle gefangen ist und mit letzten Zornes kraften reißt und zerrt. Der Chef der Polizei sah sich den bebenden Mann vor ihm ruhig an und rauchte weiter: er hatte schon viel schlimmere Dinge erlebt und dieser Jline schien ja wenigstens vernünftig zu sei»:, sich zu fügerp ohne eine lächerliche Szene zju macheir. Was der Paß da bedeutet für den Mann H du lieber Gott, als Polizeiches koimt'A er sich feineres! Entpsttl.de»» wirtlich »licht leisdeit. Zivar tat ihm Jline im Grunde leid, aber »vas half das ? Er rauchte ruhig weiter. .. „Es ist Ml viel! Es ist infam k" shieß Stepan Mischen den Zähnen hervor. „Könnte no«ch viel schlimmer sein," brurnmte der Rauchchv „Schlimmer? Schlimnteres kamt es nicht geben! Möge Gottes Fluch —- Jt „Sa-ge das lieber nicht laut! Du kannst es dir ja denket», we»rn du rvillst," riet der Beamte. „PafchkinS Ohren sind gar hellhörig und sie reichen »veit!'< „Möge Paschkirr — „Pst, mein Freund," utahnte der Raucher wieder „Es hätte dir wirklich »roch viel Schlimmeres passieren können ■. die Knute an jedem zehnten Tajg wie dem unglücklichen Woronin. Er hat nicht viele von diesen zehnten Tagen ausgehalten, das darfst du »nir glauben. Entschieden, es hätte schlimmer sein können. Du brauchst ja nichts zu tun, als hübsch langsam vorwärts Ml trampeln. Hübsch gemütlich." Das »var es. Nur ein hübsch langsames Vorwärts- trampeln — Sommer und Winter gesund oder krank, lebend oder sterbend — bis endlich die Lebenslinie abge- trampelt »var. „Ich mutz nach Hause gehen — und Nachdenken," sagte Jline, den Ponzeichef aus ausdruckslosen Augen anstarrend. „So ist's recht. Geh nach Hause, Stepan Jwanowitsch, und denke nach; aber denke »licht zu viel und denke nicht zu laut. Vergiß nicht, daß seine Exzellenz Ohren hat. Und wann gedenkst du, dijch nach Jennisseisk ans dM Weg zu machen T ,,Nach Jenisseisk?^^ "Nun, nach Jakutsk »virst du tvohl nicht »vollen, denke ich mir, und Irkutsk ist dir verschlossen. Wann wirst du reisen?' Stepan Jline sah ihn starr an, gab aber keirre Atttwort. „Nun — sagen »vir, morgen nachmittag. Nun geh nach Hause u»ld denke »rach. Aber nicht laut!" Und Stepan ging in das bestlmdene Gasthaus, in dem er »vohitte, und warf sich aus sein Bott, so, wie ein verlvundetes Tier sein Lager anffllcht. Er katn sich plötzlich alt und verbraucht und durnm vor. Keinen zusammenhängenden (vedankeur konnte er fassen, nichts sich überlegen. Die ei»re ungeheuerliche Tatsache verstopfte ihm den Weg z»»m De»rken ... Wandern ewig ivandern-- Reguttgslvs laig er die Nacht über da, weder garlz »vach/nd noch ganz schlafend, und es »var ih»rr, als liege eitle eiseskglle Hand ungeheuer schwer ih»»l auf Hirll unb Sinnen. Jmtnlsr müder wurde er. J»n»ner apathischer. Als er des Morgens aufstand, fühlte er sich zwanzig Jahre älter: denn Hoffnung ist LebM, u»ld er hatte nichts mehr zu hoffen im Leben. „Dil machst dich aus den Weg? So ist's recht!" sagte der Chef der Polizei vergnügt, als Stepan auf das Polizei^ burean kam, uw sich seine Papiere abzuholen. ,Ms hätte schlimwer ausfallen rönnen für dich; oh ja, viel schlimmer. Wohin gehst du?" 286 sagte Stepan mit gleichgültiger! „Nach Jenisseis?," ,,/So ist's recht. Das ist besser als Jakutst „Es ist ganz gleichgültig, wohrn ich gehe. > Min i Jenisseis? ist besser als Jakutsk. Jakutsk r,t die Hülle" Nun Gott beschütze dich! Sie werden dich schon erwarten in Jenisseis?, weißt du?" Wer?" > n "Eh, die Polizei. Paschtin wird sie benachrichtigt haben." Uchd da starb in Stepan die schattenhafte Hoffnung/ wr die er sich noch Mgeklammert hatte — den Paß webzuwerfen, den Namen zu wechseln, und als em anderer ern neues Leben zu beginnen. Ah, und auch an drese Möglichkeit hatte Paschtin gedacht und dafür gesorgt, daß ^r unwr steter Kontrolle von Ort zu Ort weiterpassiert wurde. Paschnn war eW ^Er^iufte^ichNahoung sür mehrere Tage und einen ftar> kerr Wanderstab und trat zu Fuß dre Werse an, dre nre em Ende nehmen sollte. Es war ja so gleichgültig, ob er zu Fuß grng,oder suhr. Später ja konnte er sich, so sagte sich- Stepan rn ^"^er gleichgültigen Hoffnungslosigkeit, eine Delega und em Pferd kau fen, wenn es ihm der Mühe wert schien und er drese -mge i-qendwo billig auftveiben konnte. _ Er besaß nur noch wenig Geld und mutzte sehr )org-. fältig umgehen mit den Rubelscheinen bis ja, ör^ wann? Es mochte ja nröglichi sein, daß Katra chm von Selemsm^k aus Geld schickte. Vielleicht konnte er sich auch etwas verdienen auf dem Mg, obgleich das nicht sehr wahrscheinlich war. Wie sollte denn ein Mann arbeiten und Geld verdienen, wenn er sich nirgends länger als zehn Tage lang auchalten durste! Er biß die Zähne zusammen. Auch ferner Arbeit ?anr Teufel Paschtin in die Quere und überall wurde iifvm trr die Quere kommen fern Leben lang. Vorläufig wollte er laufen. Es war besser, sich! totmüde ■ m marschieren jeden Tag, als in einem ^L^Ntzenun^ senken zu müssen. Immer denken. Das hatte ihn wahm finnig gemacht. Und dann überlegte er sich, daß das wirre Wersins? nicht der richtige Platz fei, um sich dort Pferd und Wagen zu kaufen — ein Beroeis, daß er doch noch imstande war einen vernünftigen Gedanken zu fassen. • • 'SCiiTUii- getdbe nach Westen inmitten der Hügel marschierte er und ?mrd es ganz vorteilhaft, nicht an eine Dtraye gebunden,zu sein. Den ganzen Tag lang arbeitete er sich stetig vorwärts, aß jwenü er hungrig war, trank aus den Vergstrchmew Lin ihn dürstete. Kein Hügel war ihm zu steinig oder zu Ml denn es tat ihm ja wohl, daß die Steine unter st, neu KULen fnirickiten und er sie m,t eenem Fusttritt den ^.erg . S Än flit« Ah. nur auf etwas «entnrttanH Un können! Nur einem Ding weh tun und sei es auch nur ein Stein! Wären es nur Puschkins gewesen statt Stemen, dann hätte seine Seele gejubett und Mit Freuden wäre er dann gewandert auf endlosem Weg all sem Lebm lang. Es war schon Frühsommer, aber die Jahreszeit noch weit zurück in der Entwicklung und überall überschwemmten die Bergströme noch die Gegend. Hier lagen stille^ es nicht zu vergessen, denn es ist der Lchlnßtermin der Zahlung!, und Sie wissen, daß Borowski, der Stzviegersohn, Seiner ^ Am. unseres Herrn Ministers, ist. Machni Sie alio Ihre Schugajetv versicherte, daß er getreu den Befehlen des Dhrfs handeln würde, hörte.scheinbar ehrfurchtsvoll, aber lehr zerstreut die weiteren Anweisungen des hohen Herrn mit an und, Wendel untertänigst, als ihm Loginoss zunl dlbsch'ed die .tzaud reichte. Ein ganz ungewöhnliches Zeichen seiner Huld. ~ . f Noch als der Chef verschwunden war, verblieb -ckMEietv lmme Zeit im Zimmer, einen heftigen Widerstreit der Gefühl« dnpchß lainpseild.^ oesüvchtete Loginoff gerade jetzt verreiste -- sollte LV es als einen wohlivyl'lenderi Wiii? des Zufalls aussassen?, Als eme von den wenigen guten Launeii des Schicksals? Ta hatte er jüst am selben Tage eme Einladung zur Jagd bekommen zu der er eines viertägigen ttrlanbs bedlirste, den .ihnt oer Gestreng envS und ninrmer gewährt hätte; den er auch Nie gcklvagt haben w üiD e> zu erbitten. Und nun, auf einmal, war das Feld frei, ec wmrm aus die Jagd gehen, ohne -daß es Loginoff merkte, denn bex Tis^ frelton der anderen Herren Mr er ftcher. Ein reder Vv NMM SW etwas auf dem Kerbholz. Nun. ttxmtm sollte er bife Gelegeuhett vE benutzen? Mn Dummkopf wäre er Mvesem ewige Vorwürfe würde er sich gemacht haben, wenn er die schöne, die herrliche Jagd viersäumt hätte. Er setzte sich an das Pult des. Mess und klingelte. Ladislaus Goroschin, ein flotter, Miger Mann, erschien aus der Bild fläche, der Gehilfe des Gehilfen. Schugajew verzog sein Gesicht zu einem herablassenden Grinsen. „Mein lieber Goroschin," sagte er wohlwollend, ,,rch Muß Sie mit einer höchst! wichtigen Mission betrauen:, mrt meiner Vertretung. Aber meAen Sie aus, es ist «ne kniffliche Sache Sie werden der Vertreter des Vertreters des Chefs sem. Gr ist nach Warschau gefahren.,, will an einer Hochzeit teilnehmen. Mich hingegen rufen höchst wichtige Privatgeschäfte — Geschäfte, me keinen 'Aufschub duldeii — ebenfalls mls kurze Zeit ab. Das heißt, ich werde einen Dag vor der RüclVehr des Chefs wieder hier sein, damit er alles in schönster Ordnung vorfindet. Tars ich muh tu xeder Beziehung aus Sie verlassen, lieber Goroschsm, aber auch in jeder?" . . ... Ter liebe Goroschin beeilte sich m versichern, daß er n-ch des in ihn gesetzten Vertrauens würdig .erweisen würde, voll ftntbi ganz. Tann imhm er einige Dispositionen und die dreitauseird Rubel.entgegen. . ^ ^ . Loginofs reiste um drei Uhr rrach War,chau, und «ne stunde später dampfte sein braver Vertreter, das Gewehr fem saick-er- llch yiiballiert, in die entgegengesetzte Richttmg, von: Wardmanns- fteber machtvoll gepackt. Ter Vertreter des Vertreters aber saß vor dem Pult des höchsten Vorgesetzten, ein hehres «tolzgeguhl im Busen, nrachte sich's bequem, rauchte sich eine Zigarre an WÄ -tat, was alle Männer in diesein .eleganten Privatbuveanl vor ihm getan hatten und nach ihm tun werden. Nichts. Tie dreitausend Rubel steckte er in seine Briestas-che. , Als er am anderen .Tage an der gleichen stelle ber deck gleichen Beschäftigung saß, schmerzte sein Kopf, hännnerte sein Schädel, schlug sein Gewissen. Wie gewöhnlich war er an dein Abend zuvor m seinen Klub gegangen Mid wie gewöhnlich hatte er gejeut, wie geioöhnlich hatte er verloren, uitd das UnaewohnliM dabei war nur, daß er mich die ihm qnvertmuten dreitausend Rubel verspielt hatte. Er überlegte. Tas Geld zu ersetzeu verinoMe er Nicht — me* Mand borgte ihm. Sollte er sich eine Kugel durch beix schonen üockenkopf jagen? Ei nun, dazu hat Man sinmer noch! Zeit. Ter Tod ist schließlich eine Sache, bie sich nicht wieder reparieren laßt, geschweige dem: rückgängig niachen. ^ . rc .. Als aber an dem Tage darauf der Prokurist der Eisen-, aießerei von Äorowsll versprach, um die dveitansend Rubel ern- zukassiereu, wurde ihm doch recht schwül zumute. Er vertröstete den Mmrn ans die Rückkehr seines unmittelbaren Vprge,etzten, des Herrn Schugajew. . ^ , . ... Ter gefürchtete Tag kam heran, LchugaMv, munter gestimmt wld erfrischt durch die erfolgreiche Jagd, trat seinen Dienst an. MS er Ladislaus Gorös-chin erblickte, hallte zurück. „Wie scheu Cie aus, mein Lieber? So blaß und angegriffen. Sie haben! sich überarbeitet, den Dienst zu schver genomnren. Müssen sich schonen, mein Braver." ■ . .. Doch sein gemütvoller Ton sckchug Ms Gegerrteck Um, als ihm Goroschin sein Vergehen eingchand. „Hund! Hallunke ! Spitzbube!" zeterte er, „hmaus, nick Dir! g ch werde dir den Prozeß machen und dich nach L-ibirien schickest Ter BejammernÄverte spielte seinen ersten Trumpf ans. „Daun wird der Chef erfahren, daß auch Sie verreist waren." Schugajew stutzte. Tas Arguurent leuchtete ihm ent. Indessen, im nächsten Augenblick wieder packte ihn die Wut. „Tn schuft, hast du nicht bedacht, daß ich die dreitausend Rubel aus meiner eigenen Taschie ersetzen muß?" , . Goroschin spielte setnen zwecken Trumpf aus. „Ich werde sw Ihnen aus Rubel und Kopeken abzahlen. Sie werden mix leoen Monat ftinszig Rubel vorn. Gehalt ab ziehen lassen" Schugajeivs grimmiges Ncannesantlrtz.leuchtete ernerr An. genblick freundlicher. „Sehr woW," Er überlegte. „Mer nein," schrie er, wieder wütend, „öoä ivürde fünf Jahre danerm - verstehst du, elender StlMst, fünf lange Jahre, ehe ich das ganze Geld zurückerhalten würde." Ta spielte Goroschirr sein«: letzten Trunipf aus. „Es liegt an Ihnen, Herr Schugajew, daß ineine Schuld schon irr dev Hälfte der Zeit getilgt ist." , , 0 „ , . Schugaiervs Augen erweiterten sich. „An mir?" fragte er in ekivas milderem Ton. . , . „Gewiß, Herr Schugajew, erwirk«: Sie mir vom Chef eme Monatszulage von ftinszig Rubel, und Sie erhalten das Doppelte o&fleäaMt — hundert schöne Rubel." „Hinaus!" brüllte Schugajew, heiser vor Wut. „Komm' mrr Nicht mehr vor die Augen, du frecher Pcftrvn. DM wäre ja eins Prämie auf die Spitzbüberei." < “' „Wer bedenken Sie doch," warf der jultge MaNn unbeirrt ein, „Mrs bedeuten fünfzig Rubel monatlich Kr den riffsischen Staat. Sie aber kommen dadurch schnell Kn Ihrem Gelbe. Das Toppelie meiner Zulage werde ich Ihnen monatlich abzahlen — Ehrenwort! Mo bitte, übereilen Sie sich nicht und überlegen Sie die Sache." Und Schugajew ließ sich den Vorschlag! durch dm Kopf geg en, hie AvMMM dieses HaAtMr. warm doch gar M MenMnd. — — — — Einige WoMu später ries der Chef Heryt Ladislaus Goroschin in fein Kabinett mrd teilte ihm mit, daß er auf -Veranlassung des Herrn S-chfligajew, der ihm seine außerordenHi liche Tüchtigkeit geriihmt, eine Monatszulage erhalten solle. Urch zwar eine solche von — hundert Rubel. Zur Geschichte der Gbstkuitur. Bon Jahr zu Jahr spielt irr dein Haushalte jeder FamiliK das Obst eine immer größere Rollo. Ter Konsum des Obstes steigert sich stets mehr und mehr, die Kunst des Konservierens, .be* Cinmachens und Einkochens des Obstes ist nicht mehr beschränkt aus die Konservenfabriken, es wird vielmehr in fast jedem Haushalte im Herbste eine ganze Menge der verschiedensten Obstar ten konserviert, um im! Winter ans den Tisch zu kommE, Roch größer aber ist die Menge der Aepsel, die im Keller für den Winter zur Aufbewahrung kommen. Vtan hat den Wert des Obstes für die Gesundheit des ,Maischen allgemein erkannt, und bei dem Mangel an Gemüse aller Art ist in den Kriegsjahren das Obst, ein sehr geschätzter, gesuchter Artikel im Haushalte der Familie, geivorden. Es dürste daher von allgemeinem JUteresse sein, einmal die Kulturgeschichte des Obstes etwas eingehender zu oerfolgen., Tie Banmzuchjt war in der Urgeschichte der Menschheit ein wichtiger Schritt auf dem Wege zu festen Niederlassungen, erst durch die Baumzucht rmd mit ihr wurde der Mensch vollständig ansässig. Ter Uebergang vom unstäten Hirtenlebeu .uq "festerr Ansiedelung ist nirgends ein Plötzlicher götvesen.- so.....-e«n er führt« immer durch zahlreiche Zwischenstufen hindurch, auf dienen die .Völker oft jahrhundertelang verharrten, per herunrzichM.de Hirte besät slüchitig ein Stück Land, das er im Herbste ebenso Wchttgj aberntet, er ivWt im nächsten Frühjahr ein anderes, das er abermals liegen läßt, nachhem er ihm den Raub abgönömmM hat. Auch wMN die UnsiedeluLig eine .stetige gÄvjordew ist. so ist doch der Begriff des individuellen Eigentums am Boden iwck)j nicht vorhaiiden, da Wer- und Weideland gemeinsam sind uird jedes Jahr von neuem au die einKÄnen Genosfeii.verteilt wiäd. Einen beb-eutungsvollest Schritt weiter bezeichnet schon die Wintersaat, den entscheidenden aber die Baumzuchk, denn mit ihr entstand der Begriff des Eigenvollen Eigentums. Auch das Haus, das von Fr u chtbaumgruppM iungebeu ist, wird auf Jahre berechnet und daher aus Stein exbaut und im Jniieru aiisgeschimückt, selbst die Götter werden edler. Mit der BaümzUchjt freilich wurden auch die Kriege furchtbarer, weil die Zerstörung mehr GeganstKrÄie fand. Tie Hirtenvölker konnten sich mit ihren Herden hinter ihre Wälder und Sümpfe zurückziehen, wie es die Russen 1812 noch rnachten, indenr sie der Eutfernstng, der Wildnis und den: Klima die Verteidigung^ überließen, wo aber die Me-nschen in sesterr dailernden Häusern, unter WeinstöckM und Obstbäu men wohnen, da kann ein grausarNer Feind ein. Land auf Menschmalter hin verlvüsteu, wovon ^ uns die Geschichte aller .Zeiten genug Beispiele zu berichten weiß. Mit der Einführung der Kultur des.Obstbaumes war der Mensch sofort auch darauf bedacht, die Bäume und ihre Frücht« Au veredeln und zu vervollkommuM. Mich Mau auf die lange Reihe von fruchttrageiiden Bäumen, mit denen JtaliM zur Zeit seiner höchst,en Macht sich bereichert hatte: edle Aepsel und Birnen, Feigen mrd Granaten, Quitten und Mandeln, Kirschm, Pfirsiche- Maulbeeren, Pslaunreu, Pistazien: usw., so staunt inan nicht über die Aussage Baros, JtaliM fei ein großer Obstgarten. Diese Unr- w'andlnng hatte aber dieselbe Zeit gebraucht, wie die llrntvandlang Roms zum Zentrum vor: Italien und Italiens .pit Herrscherin t)wt Bald verbreitete sich das Obst aber nicht bloß in Italien, wo es wich bis ans den henttgeN Dag auch! in der Familie des Arrnerrj ein notwertdiger Bestandteil des täglichen Mahles ist, sondem^es ging auch hoch über die MpM irr das nrittleve rrird tuest!ick>e Europa hinüber, wo das Klima bei entsprechender Einsicht rmd Tätigkeit des Knlttir men scheu seine Zucht rvoch erlaubte. Frankreichs Boden und ^Himmel erzeugt jetzt das allerfeinste Obst, England hat auch auf diesem Zweige die Kulttcr aufs höchste getrieben, Amerika mit seinem Massenanbau versieht fast dxn ganzen Weltmarkt mit Obst, und dem Beispiele dieser Länder folgt jetzt TMtschkand nach, es operiert durch zweckmäßige Wahl und Pflege und sucht für den jeweiligen Standort die ihm zusagende Frucht.. Allenthalben geschieht jetzt bei .uns in Deutschland viel für, den Obstbau, fast jede Proviuz hat ihre Obstbauschjule, jeder Kreis! einen Obstbautechniker, der den meist m Vereinen zusan,meuge- Wossenen ObstzüWern beratend zur Seite steht und durch Vorträge zur Verbreitung 'der Obstkultur aneifert, zur Pflege der Obstbäicnre und Kur BMnrpftmg der Schädlinge des Obstbaus anleitet; es finden öfters ObstausstelluNgen statt, die dm Stand des Obstbaues zöigM: es MtstehM MusterobstgärtM; die Lcurd- stvaßm werdm mck Obstbäunien bepflanzt, die fast alljährlich bet dpi Obstversteigerungen im Herbste gute Cwttäge bringen. Immerhin aber ist die Einfuhr vvn Obst in TMtschland iwch sehr groß. Es ist daher sehr ratsam und empfehlenswert, iminer mehr Obstbanm- stücke mit guten, dem BodM und dem Mma ercksprechmden. dorten anzulegQi, auch im Garten und auf dem .Hofe jeden verfügbarM ^eimDlatz mit Kimm OWaüM A bepflanzen^ Gr. 288 vüchertlsch. -- Was muß Deutschland an Kolonien haben? Diese für Deutschlands Zukunft so außerordentlich wichtige Lebensfrage behandeln dtz> zwei griindlich^n Kenner afrikanischer Verhältnisse Tr Mbrecht Wirth nnd Emil Zimimermauu in einer soeben mt Ludwig Ravenstein Frankfurt a. M. erschienenen Schrift. Ans Grmid der deutschen Mnfuhr vor dem Kriege und unter Berücksichtigung der irr Deutschland möglichen Eisenerzeugung! tmrd der Nachweis geliefert, daß wir allster auf unsere früheren Kolonren berechtigten Anspruch auf eine (Erweiterung unseres Kolonialbesitzes haben, die Teutschlarrd für die Zukunft frei macht von der Einfuhr >ans jetzt feindlichem.Kolonialbesitz. — Lisa Eckhardt: Mein buntes Buch. Verlag E.M Bonsels & Co. Nachf., München 23. Rheiustraße 24. Geheftet 3.50 Mk., gebunden 4.80 Mk. Ein jmrges Düsseldorfer Talent legt in diesem Erstlingsbuch bunte Proben einer begabten .Vielseitigkeit der Oessentlichleit vor. 'Mdin blintes Buch" nennt es die Zwanzigjährige, tveil in ihni Vielerlei blint zusammengetragen ist, das vielleicht ans den ersten Blick nicht zusammenzugehören scheint, aber doch eine.innere Zusammengehörigkeit verrät. Das Buch ist anspruchlos. Es ist ein erster Schritt ins Leben der Oeffent- lichkeit. Das äußere Gewand, das der Verlag dem Buche gab, ist gediegen und gepflegt. Feine Schwarzweist-Vignetten begleiten den zweifarbig gedruckten Text. — Bahr 1917. Verlags-Anstalt Tyrolia, Jttnsbruck-(Wien- Müncherr). 240 Seiten. Preis: 9.60 Mk. geb. Das vorliegende Buch ist int wahrsten Sinne des Wortes ein vornehmes Aller- weltsbuch, insofern nämlich, als jeder Geschrnack auf ferne Rech» nung kommt. Wer edle und angenehme Unterhaltung sucht, ernstere und heitere in reicher Abwechslung, „Bahr 1917" wird ste ihm kneten; wer über Kunst und Wissenschaft und ihre meisten Produkte das Urteil eines durch Erfahrung gereiften Mannes hören will, lese dieses Buch; wer endlich die geschichtlichen Ereignisse des letzten Jahres, politische und nichtpolitische, nochmals durchlesen will, erläutert und beleuchtet durch feiiisinnige Erinnerungen an Personen und Geschehnisse älterer Vergangenheit, der greife ebenfalls zu „Bahr 1917", Ja, fast jedes Gebiet'der Betätigung menschlischen Geistes findet m diesem Buche liebevolle Erwähnung. „Bahr 1917" ist nämlich eme Art Tagebuch, das mit Dezember 1916 beginnt und mit November 1917 schließt. Man würde sich aber irren, wollte man darin eme leblose Aufzählung der Ereignisse Tag für Tag vermuten. Im Gegenteil. Jeder Begebenheit von allgeineinein Interesse wird eine kürzere oder längere Abhandlung voll Blut und Leben gewidinetz Durch die Feder des Verfassers wird sie wieder lebendig vor uns hingezaubert, sie tritt in Verbindung mit Personen und Tatsachen der Vergangenheit, bildet, mit einem Worte, ein kleines Drama fut sich, das den Leser in Spannung hält. Dieses Buch wird di« Freunde Bahrs um ein Beträchtliches vermehren. — Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Literaturfreunde. (Begründet vor: Di. Josef Cttlinaer. Herausgegeben von Di. Ernst Heilborn.) Verlag: Egon Fleische! & Co., Berlin W 9. Das 2. Septemberheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: E ranz Strunz: Die Bibel und wir; Richard Müller-Freiensels: lauthriers „Erinnerungen"; Hedwig Fifchmann: Der Uebermensch Theodor Heuß: Hardens Kriegsanssätze; Georg Witkowski: Tie» Junker; Ferdinand Gregori: Verse, abseits von: Kriege — Echo der Bühnen (München) — Echo der Zeitungen — Echo der Zeitschriften — Echo des Auslandes — Kurze Anzeigen — Ter Büchermarkt. über gelindem Feupr braten; darüber V» Dass« starke WsirfelSrWl mit 3 Eßlöffel MM Verquirlt gießen und 8 /a Stund« zugedeckt übctz Mnz gelindem Feuer ohne uruzurühven, gar däntpfen. GekWr^ in eins erwärmte runde Schüssel zu Tisch geben, Mit saurer Gurke, roten Rüben, Kürbis usw. Kartoffelpudding. 1—3 Wind geschälte, geü)chte rnÄ durch ein .Sieb gestrichene Kartoffeln. An, 2 Pfund MrtvffeN rechnet ntan }/a Pfund Mehl, dazu gibt marr Zucker, Zitwuml-, fast, wenn man.Kat, auch Kvrinkheu, etwas, Salz, 1 TeeiöffeL Backptilver, Milch oder Wasser, soviel als nötig. Ter Teig dar; nicht zu dünn sein. liVa Stiknde tut Wasserbade kochen lassen. Fruchtsoste dazu geben. * Sauerkraut. Auf dem Markte, in der städtischen Klein- Verkaufsstelle nnd in den Läden der Stadt steht jetzt täglich Weist« kraut in größerer Menge zum Verkauf. Es ist dies das Frühkrauch das jetzt in unserer Gegend auf den Landgilterrt geerntet wird. ES ist gut geraten, die Köpfe sind voll, dick, fest und hart; ein Mangel! tritt sin diesem Jahre nicht ein; auch das Kerbstkraut steht gut nnd «tiftmcMt sich bei dieser Witterung sehr schön. Alle Befürchtungen, die man im.Vorsommer wegen des .Erdflohes und dep Blattlaus hatte, sind durch.rechtzeitiges Regenwetter rtnd warm« Wittermrg geschwundmr. Viele ängstlich vorsorgende Leute wolle» nun jetzt schon ihr Sauerkraut für den Winter einschneideu. DaS ist sehr verfehlt, und wir toarnen ernstlich davor, weil es sich Nicht hält,° es wird gegen Weihnachten ioeich rmd tmgenieWar. Mit dem Einschpeideu des Sauerkrautes für brn Winter, hat es twfi gute Zeit bis Ende Oktober mkd Anfang November; alle BesorWrissZ wegen Mangels sind unnötig, es wird im Oktober auch noch ganz bedeut end billiger. Sauerkraut ist ein echt deutsches Gericht nnd bildet eine der allerältesten Gemüsekorrserven, die ivir kerrnen. Während in früherer Zeit irr Italien, SPamerr mtb allen Mitteb- meerländern verschiedene köstliche Gemüsearlerr gediehen, war eS zunächst der Kohl urrd gerade der WeißkoW, bei rrrrs Weißkraut genannt, der DeutscMaiuds rauherem Klima sich artpastbe. Schwn ziu Karls des Großen Zeiten aß mau Kohl oder Kraut, rmd um sich dieseit Genuß auch für den Winter zu beschaffen, machte man bald Versuche, ihn zu ftmservwven. Als bekamrtestes Konservierunas- mittel wurde, wie auch heute noch, das Salz dazu verwmwt, imd dprch die Gärung durchsäuerte das geschnittene Kraut i» ganz trefflicher Weise. Leider ist uns .der Name des Erfinders oder der Erfinderin nicht aufbewahrt worden, >oie z. B. der des Er> finders des ,H«rings-Einsalzens, des Wilhelm „Böckel". Aber rvsik sind auch dem Unbekarmteu zu Tank verpflichtet. In Frankreich sie'ht man urit Spott auf die Liebhaberei des Deutschen für „gesäuerten Kohl". Mau bezeichnet uns als „Mangeurs de ch.ru- crortte", obgleich die Franzosen vor dem Kriege einent guten Gericht „Sauerkraut des prussieus" mit Stnbhuhn, Hasoubrateat oder Wellfleisch durchaus nicht abgeneigt waren. Unsere östlichen Nachbarn haben, gleich uns, das Sauerkraut immer geschützt und essen es auch jetzt noch gern; in Rußland rmd Polen wich Sauerkraut auf die mannigfaltigste Art Allbereitet, auch als Suppe imtfc als Salat. Bei der hohen Bedeutung des Sauerkrautes für unser« Küche, die durch dert fast imnter billigen Preis nitter stützt wich, ist. es .nicht zu v-erivutrdern, daß ein großer deutscher Dichter dieses urdeutsche Gericht im Liede besungen hat: ,,Und unser edle- Sauerkraut, wir sollend nicht vergessen — Gin Deutscher hat'sl zuerst gebaut, drum ist's' ein derttsches Essm." (Nhland.) Gretzener Hansfrauen-Verein. Kochunweisunge». B u t t e r m i l ch k a r 1 0 f f e I n. Kartoffeln werden gekocht, geschält und in Würfelchen geschnitten. Etwas Fett läßt man zergehen, rührt gehackte Petersilie darunter, sowie die Kartoffeln. Man läßt sie ein wenig dälnpfen.und gießt kurz vor dem Anrichten Buttermilch darüber, irr der sie noch tüchtig geschwenkt werden. W e i ß k r a u t a u f l a :: f. .Das Kraut wird sein geschnitten und kurze Zeit in Salzwasfer gekocht. Kartoffeln »oerden gekocht, geschält und tu Scheiben geschnitten. Nun kommt iit eine np- gefettete Auflaufforrn zuerst eine Lage Kraut, dan.it in Scheiben geschnittene Tomaten, sodann die Kartoffeln ultd so fort, oben müssen; Kartoffeln sein. Ettvas Brühe von deur gekochten Kraut wtrd noch darüber gegossen, Brosamen altfgestreut und das Ganze int Ofen gebacken. Billiger Kriegs kncheic ohne Butter und Eier. 1 Pfund MM wird rnit 1 Päckchen Backpulver vermischt, in eine Schüssel gesiebt und mit 120 Gramm Zucker, 1 Eßlöffel Anis, x k Liter! Milch tüchtig geknetet, bis der Teig so schlicht ist wie esin Hefenteige Dann formt man ihn rasch zu erner länglichen Rolle, legt ilm aus ein mit Fett hcstrMnes Blech und bäckt ihn % Stunde m gutem Ofen. Erst am anderen Tage schneiden. Geschmorte Kartoffeln. Genügend rohe, geschülte Kartoffeln in dicke Scheiben, diese wieder sin Keine Streifen schneiden^ etwas Fett in die Bratpfanne geben, die Kartoffelschuitzel mit .Pfeffer, Salz, eine« feingeschnittenM Zwiebel darin IQ Minuten Seetier Am Wagen Schweiz. Stadt Rusi. Fltlß Körperteil Luftschwiirgung zsiürStse!. 9 9 e 9 • 9 9 9 9 © 9 Bollwerk Alte Stadt Herrschertitel Bayr. Fluß Wild Anr Kops In die Felder vorstehenden Qliadrats sind di« Buchstaben k k k k A A, B, D i), E, G, H H, K, L, M M M, N N, 0 0 0 0 0, R E E K R R, T, D, W, Z Z derart einzutragen, daß in jeder wagerechten Reihe zwei Wörter entstehen, deren Bedeutung rechts und tillks ailgegeben ist. Sind die richtigen Wärter eingesetzt, so ergeben die durch schlvarze Felder bezeichneten beiden Querreih«» die Namen zweier großer deutscher Tondichter. (Auflösung in nächster Nummer.) Auslösung des Wortspielrätsels in voriger Nummer. a. Tonne, Salm, Ostern, Beil, Asche, Weide, Salil, Onksh Odtt, Dom, Alba. b. Sonne, Halm, Astern, Keil, Esche, Seide, Paul, Enkel, Ackee» Rom, Elba. Shakespeare. Bchriftlettung: vr. Meyer. — Zwillingsrunddruck der Brüh l'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Dießen. V—