Roman ans Sibirien. Von I. Oxenham. Autorisiert — Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) Marya Petrowua weinte, als müsse ihr das Herz zerbrechen, denn jedes Kind in Irkutsk wußte, daß, die Straße nach Wersinsk voller Gefahren mar; überschwemmt fast immer von reißenden Flüssen, so mrwegsmn, daß Pferde wrd Kutscher oft -Fenug sich die Hälse brachen; belagert von Räuberbanden. Aber sie verbiß ihren Schmerz und machte sich mit Katta an die Reisevvrüereitungen, während Jlvan Mine in die Schmiede ging, um mit Stepan zu sprechen. - „Könnte nicht ich'' an deiner Stelle gehen?"" fragte Stepair sofort. „Nein, mein Sohn. Das ivürde Paschkirr nicht dulden. Und auch ich will es nicht. Denn ich bin eine Ärt Henlker und muß Männer arrfhängen lassen aus Paschkins Befehl. Zum mindesten bringe ich Todesrrrteile nach Wersinsk."" „Wirst du es tun, Barer?"" „Ich muß sehen und hären. zuerst." „Ah, dieser Puschkin! Wir sind hilflos in seine Hände gegeben."" „Es gibt noch einen Gott. Und einer: Zaren!"" sagte der Vater. „Der Himmel ist hoch und der Zar ist weit," knurrte Stepan. „Welche Pferde nimmst du, Vater?"" ^Die beiden Braunen. Paschkins Name genügt, um mir überall weitere Pferde zu verschaffen."" ,i,Zweifellos,"" sagte Stepan, sich an feine eigene Reise für Paschkin erinnernd. „Trotz alledem — es ist eine furchtbare Reise, Vater. Auf alle Fälle mußt du mich mitneymen, wenn ich nicht an deiner Stelle gehen kann." „Nein, du wirst zu Hause bleiben. Du bist nötig hier, wenn mir etwas zustvßen sollte — —" Eine furchtbare Wut kam über Stepan. ,,Mein Gott, dann werde ich — dann wirst du für deine Mutter und dein Weib und dein Kind sorgen!"" sagte Iwan Jline, der Schmied, ruhig. Binnen einer Stunde war er fort. . . . Die Tage vergingen, und in der Schmiede rechnete man klopfenden Herzens jeden Tag aus, welche Wegstrecke der Vater schon zurückgelegt haben konnte. Schwere Zeiten waren es für alle, und wie ein dunkler, schwarzer Schatten hatte es sich Mer das jonnijge Glück im Hause gelegt.Eine Reife von sechshundert Meilen war an und für sich gar nichts so Unerhörtes in diesem riesigen Land, in dem Entfernungen und Zeit so gar keine Rolle spielten. Aber — obgleich die sechshundert Meilen nach Wersinsk unter günstigen Verhältnissen in zehn Tagen ganz gut zurückgelegt werden L>nnten, so war doch gerade diese Straße nach dem höchsten Norden von gefürchteter Gefährlichkeit. Da waren die Flüsse, die Wegsenkungen. die Tungusen . . . ^.Jetzt ist er dort!" versicherten sie sich gegenseitig am zehnten Tag. Aber im innersten Herzen fügte ein jeder in heimlicher Angst hinzu: /,Wenn er nur dort ist? Mein Gott, wenn ihm nur nichts vassierte. . ." Marya Pctrvwna wurde fast trübsinnig und lächelte nicht einmal,- wenn sie die kleine Katinka in ihren Armen hielt. Um ihretwillen bemühten sich Stepan und Katia, frohe Gesichter zu machen und ihre Angst nicht zu zeigen, aber aus ihren Herzen lastete es wie schwere Bürde und bang» Sorge. Am zwölften Tag kam der Konvoi mit den Silberbarren aus Wersinsk in Irkutsk an, und Stepan rannte voller Angst nach dem Gouvernementsgebäude, um sich zu erkundigen, ob die Männer seinem Vater begegnet seien. Das erste, was er sah, waren zwei furchtbare schwarze Schatten, die hoch droben vom Dachgiebel herabbaumelten, hin- und herschwankend im Winde — zwei der Führer des Konvois. Paschkin hatte sie kurzerhand aufhängen lassen. Ein Exempel mußte statuiert werden-. Diese Hinrichtung würde zweifellos starken Eindruck machen in Wersinsk. Die anderen Männer zitterten vor Entsetzen und konnten kaum Antwort geben aus Stepcms Fragen in ihrer Angst und Verwirrung. Einen nach dem andern fragte Stepan, konnte aber nicht das Geringste über seinen Vater erfahren. Die große Straße nach dem Norden hatte Nebenwege hier und dort/ Schleifen, die für schwerüeladene Delegas wie diejenigen des Konvois ruit den Silberbarren als besser passierbar galten. Der alte Jline dagegen mit seinem leichten Tarantaß hatte wohl den kürzesten Weg gewählt. Gesehen hatten die Männer vom Konvoi ihn nicht. Dagegen berichteten sie, daß die Straße stellenweise überschwemmt sei und in den Hügeln tiefer Schnee liege. Der Schnee würde seinem Vater ja vorwärts geholfen haben, dachte sich Stepan; er hatte dann statt des Tarantaß einen Schlitten benützen und so weit rascher reisen können. Trotzdem sorgte er sich und mußte sich sehr zusammennehmen, um zu Hause nicht zu verraten, wie sehr er sich darüber ängstigte, daß der Konvoi dem Vater nicht begegnet war. „Nun tritt er den Heimweg an!"" sagten sie am zwanzigsten Tag und taten ihr Möglichstes, auch wirklich überzeugt davon zu sein. Doch vermieden sie es, einander irr die Augen zu sehen, damit sie sich nicht verrieten, und Marya Petrvwnas mütterliches Gesicht wurde hager und faltig. Dann schöpften sie wieder Hoffnung, und endlich hieß es: ^Hn zwei Tagen wird er hier sein." Die Stunden verrannen. pEr sollte eigentlich heute ankommen; kommt er aber wirklich nicht, so bedeutet das noch lange nichts Schlimmes. Was ist ein Tag bei einer so langen Reise!" Und wieder verrannen die Stunden. Der Tag verging, und die Hausarbeit ruhte, und Stepan tat keinen einzigen Hammerschlag in der Schmiede; die drei Menschen lebten nur in dem einen Gebanken, in dem 262 eilten sehnsüchtigen, angstvollen Warten. Ein Festmahl hatten sie dem Vater bereitet, zum jubelnden WtllÄmmen; doch dre Speisen verdarben, denn er kam nicht, und sre hatten kerne Lust zum Essen. Endlich legten sie sich müde nieder zum bewert: ' . t /Morgen wird er kommen! ^ . . Mer keiner von ihnen fand Schlaf m lener Nmpt, noch in der nächsten Nacht, denn Jline, der Schmied, kam auch am Ändern Tag nicht. Zwei, drei, vier Tage vergingen, und aus hem angstvollen Sorgen wrrrde eisrge Furcht. Der wtzte Funke von Hoffnung war erloschen. /Ich gehe zu Puschkin!" sagte Stepan plötzlich. Da fielen sich die beiden Frauen wernend m dre Arme, denn jetzt wußten sie, daß auch', Stepan daran verzwerferte, fdttett Vater jemals wiederzusehen. . „ _ , Mh, Stepan Jwanowitsch, du brst es? Hast du von deinem Vater gehört?" knurrte Paschskin, als Stepan endlwp vorgelassen worden war. . /Nein, Exzellenz. Wir beginnen, in-schwerer Sorge um ihn zu sein. Wir fürchten-." //Was fürchtet Ihr?" „Wir wissen es selbst nicht, Exzellenz. Aber er hatte schon längst zurück seinmüssem" c „ /Allerdings. Aber die Straße rst ich recht und stellenweise überschwemmt, wie man mir meldet. Wir werden noch zwei Tage warten." „ ... Mud wenn er auch dann nicht kommt, Exzellenz? Puschkin zuckte die Achseln. . ^ u „ „Ich möchte nach meinem Vater suchen, Exzellenz. „Wo?" ", Zwischen hier und Wersinsk." , . . ,,, , ,I,Hm. Das ist ein weiter Weg nnd eine schwierige Aufgabe. Aber du verstehst es ja, rasch zu reisert, Stepan Jwanowitsch. Ich gebe dir die Erlaubnis." , , . „Und Eure Exzellenz gestatten nur, offiziell im Namen von Exzellenz zu reisen?" „Ja. Melde dich bei mir m zwei Tagen," brummte Paschkiu, und Stepan ging versorgt iiach Hause, um dre Vorbereitungen für die Reife zu treffen. , ,',Mußt du denn gehen?" fragte Katta totenblaß, als er es ihr sagte. _ . ö ZWas bleibt uns sonst übrig, Katmka?" sagte er, sie zärtlich streichelnd/ während sie sich an ihn anklammerte, ach könne sie ihn nicht lassen. „Ich muß nach ihm suchen. Er mag krank in Wersinsk liegen oder irgendwo an der großen Straße. Irgend etwas ist ihm zugestoßen, sonst würde er hier sein. Ich muß gehen. Lieber das Schlimmste wissen als dieses Hangen und Bangen." . . cm u „Ja, du kannst nicht anders," sagte sern Wech m verzweifelter Ruhe. Meine Mutter zermartert sm) das Herz vor Angst. Aber du wirst so vorsichtig fein, wie du es nur sein kannst, Stepan? Wenn du nicht zurückkommen wurdest zu mir, Stepan-" ^ m ,, „Ich werde mein Bestes tun. Und du wirst gut zu Mutter sein, Kleine, und sie aufheitern, während ich tücht da b'm? „Ack, ich werde ja selber keine ruhige Stunden haben, bis du wieder da hist," rief sie schluchzend. Fast wäre er schw'ach- gewsdrden. Aber der Weg lag ja so klar vor ihm, es war offenbar seine Pflicht, zu reisen! Als die beiden Tage vergangen waren und Stepan von Pgschkin die Pässe erhalten hatte, die ihn ermächtigten, Pferde und Hilfe in Anspruch zu nehmen, wo immer es ihm gut dünkte, trat er die Reise an, mit Feodor Sabine, einem der .Gesellen aus der Schmiede,/,als Begleiter. Zwar raubte dies der Schmiede eine Arbeitskraft, die eigentlich, dringend gebraucht wurde- aber Katia hatte ihn so lange gebettelt, doch nicht allein zu-reisen/-daß er schließlich nachgegeben hatte. Der Abschied wurde ihm so schwer wie den Frauen, die ihn immer und immer wieder umarmten und küßten und endlich weinend niederknieten vor dem Heiligenbild im Wohnzimmer, während in der Ferne das Geläute seiner Tarantaßglocken verklang ... Sieben Taae lang waren Stepan und sein Begleiter imstande, die Spuren von Iwan Jline von Station zu Station und Hans zu Hans zu verchlgen. Ueberall, wo der Schmied Pferde gewechselt hatte, erinnerte man sich wohl an den alten Mann, der in so haftender Erle für Paschkiu reiste. Auf der ersten Station fanden sie die beiden Braunen, die der Schmied dort gelassen hatte, und fuhren mit ihnen bis J ur nächsten Station. Sie waren nur langsam vorwärts ge- ommen im großen und ganzen, denn oftmals an jedem Tag müßten sie Stellen passieren, so voller Löcher, so gefährlich, daß ein unachtsamer Fahrer oder einer, der über schnellem Borwärtskommenwollen die Vorsicht vergaß, ein Dutzendmal im Tag in sein Verderben hätte rennen können. Derartige Stellen suchten sie jedesmal voller Angst sorgfältig ab, um zu ibrer unbeschreiblichen Erleichterung immer am nächsten Halteplatz zu hören, daß Iwan Jline, der Schmieds dort vor- beipassiert sei und frische Pferde requiriert habe rm Nanien Paschkins. . Als sie Wersinsk immer näher kamen, wurde Slepans Herz leichter) und er begann, zu hoffen, daß sie ihn dort m den Minen finden würden,» krank, oder ausgehalten durch irgend einen unberechenbaren Zufall; denn zurückpassrert aus py rrtrfif Der achte Tag jedoch machte allen Hoffnungen ein Ende. Ans der siebzehnten Station hatte Iwan Jline die Pferde gewechselt (man erinnerte sich dort genau an tfm),— auf oer achtzehnten Station war er nie angekommen! Keinen Reisenden hatte man dort gesehen, seit der Konvoi von den Stlber- minen durchgekommen war! Zwischen der siebzehnten und achtzehiiten Station der Straße nach Wersinsk war >zwan Jline, der Schmied, verschwunden. Der Stationsleiter der achtzehnten Station war em guter Mensch und hatte obendrein eine furchtbare Angst vor Paschkiu. Er hals ihnen, wo er nur konnte. „Die Straße gerade hier ist selbst in der besten Zeit er- bärmlich schlecht/' erklärte er ihnen. „Jetzt, wo hoher schnee liegt, geht es noch. Bor einem Monatjedoch, als alles überschwemmt war, konnte man auf dem direkten Weg überhaupt lischt passieren, sondern mußte von der sechzehnten bis zur neunzehnten Station die Schleife oben in den Hügeln fahren. Der Mann, den ihr sucht, ist tot. Nahm er diesen Weg, wie ihr sagt, so ist er meilenweit in Wasser gefahren, das den Pferden bis an die Bäuche reichte, und von der Straße av- gekouimen in den Fluß, da er den Weg nicht genau kannte. Mein Gott — sein Leichnam mag jetzt schon hinausgetrie- beu sein ins Meer!" , ; J Stepan und der junge Schmiedegeselle lauschten entsetzt. Am andern Morgen suchten sie mit dem Stationsleiter viele Meilen weit abwärts die Flußbänke ab. An den Ufern jedoch waren die Wasser des Flusses zu harten, eisigen Massen erstarrt, unb nur in der Mitte rollten träge die grauschwar- zeu Fluten dahin wie eine unheimliche, nimmer endende Prozession. Regungslos sahen die Wasser aus, und doch krochen sie vorwärts, unerbittlich, und da und dort zeigten kaum bemerkbare Strömungswirbel nnd Kreise, wie gefährlich dieser Fluß war trotz seines stillen Aussehens. Die Suche war von vornherein aussichtslos; unter den Uferbänken ewigen Eises und in den grauschwarzen Wassern konnten tausend Leichen verborgen liegen in alle Ewigkeit. Moi," sagte endlich der Stationsleiter. „Wir suchen umsonst. Der Fluß hat ihn verschluckt. Du wirst ihn nie Wiedersehen." Stepan starrte auf die Wasser. „Ich gehe vorwärts nach Wersinsk," entschied er end- lich. „Zwar werde ich. dort meinen Vater nicht finden, aber ich will ganz sicher sein/ daß er Wersinsk wirklich nicht erreicht hat." (Fortsetzung folgt.) Der Dichter und die Idee. Skizze von Paul Alexander Schettler. (Nachdruck verboten.) Es war einmal eine Idee. Tie schaukelte sich an einem schmutzigem, fleckigen Kronleuchter eines noch schmutzigeren, fleckigeren! Kaffeehauses. Richtiger gesagt, sie schaukelte sich an den: Fliegenleimband, das von diesem Kronleuchter korkzieherhaft Herabbaum elte^ Weiß Gott, wie die kleine Idee hier in dieses Kaffeehaus geraten uüd ihre Freiheit an diesem Fliegenband eingebüßt hatte, das doch nichts anderes, als eben kleine, lästige Fliegen sestpappen sollte. Tort saß nun die Idee, und, all i«hr Zappeln half ihr nichts. Ter Fliegenleim war cm bestechlich. Mer die Idee hatte einen guten Freund, den Zufall. Ter verlieh sie auch nicht in ihrer Not. Unter dem Kronleuchter in der Kaffestnbe stand ein Marmortisch An diesen! Marmortisch aber..saß eine Tame oder ein Mädchen — was galt?s. sie sah blaß aus, obwohl sie kokett und bunt bekleidet war, und ihre AugM starrten stumpf in das Getränk, das por ihr aus dem Tische stand, und in weMm sie mechanisch mit dem Löffel rsthrto. Ter Zufall, seines Zeichens Schwerenöter, trat Mst von rücklings an das bleiche Mädchen heran, .faßte es unters Kenn und hob seinen Kopf. Tie . Augen blieben wie von selber an dein Fliegend 263 Papier hasten. Ajuf der Brücke dieses Blickes glitt die Idee in des Mädchens Zluge, daß ihm plötzlich Tränen hervorstürzten. ,Mas hast du," erstaMte eine tiefe Stimme neben ihr. Tpch ßäs Mädchen schüttelte nur den Kopf und wies mit der Land nach dem Kronleuchter. Der Dichter, denn dieser hast« gefragt, stch nach oben. „Das Megenpapier?" fragte er kopfschüttelnd. Das Mädchen b den Kopf und sah das verständnislose Gesicht ihres Freundes, a mußte sie lächeln. „Laß nur," sagst sie mast Md tupfte sich Hst Wimpern mit 8em Tüchlein, das mild nach.S&ifdm roch. Ter Dichter .starrte noch immer nach dem Fliegenpäptzp. Wuf einmal war ihm, als .flöge etwas an ihm vorüber. Er haMe Ast der Hand danach, wie stach einem, Schmetterling. Tann schlag er mit der geballten Hand aus den TM. „Fitscherl!" schrie er, „das ist .ja eine Idee!" „Za, ich weiß nicht, was es ist," sagte das Mädchen. . Der Dichter aber zog -eine spitze Bleifchjer Md ein Notizbuch hervor Und spießte die Idee aus einer weiße»! 'Seste auf. Ta war sie wieder gefangen, wenn auch diesmal in einem Papterhestchien in der BrusttLsche eines Dichters. Es war sehr mg imb dunkel in der Tasche, zudem roch es stark krach Tabak aus einer Mutzpfeife, die einträchtig neben dein Notizbuch sich, an die Tichterbrnst schmiegte. Der .Idee wurde es ans die Tauer unbehaglich an so finsterm Ort. Sie rumorte und zappelte, daß es dem Dichter Qm% warm in der Hertzgegend wurde,, „Was hast du dir denn da ausgeschrieben?" fragte Fitscherl. „Tie Idee, mein Schatz," sagte der Dichter warn! Md nahm des Fitscherls weiches, weiches 'Samtpfötchen in seine hageren Finger. „Siehst du, das, was dir da eben in die Augen geraten ist, Fitschierl!" Fitscherl Mußte liachen. „Was du auch für Ideen hast, Schorschl, nrir ist ja gar nichts in die Augen geraten." „Doch, doch," lächelte der Dichter spitzbübisch. „Und jetzt, siehst du, steckt es in meinem Büchiel sein drin und entwischt mir nimmer. Und wenn's gut .geht, wird's ein Feuilleton, kommt in eine Zeitung, wird gelesen und — bezahlt, und mein Fitschprl bekommt das sSanrtjackett, das sie sich schon so lange getnünscht hat." „Geh mit deiner! Ideen, Schorschl, das Samtjackett möcht' ich sehen." — I Wessen war dem Dichter so brührvarm am Herzen geworden. Tie Wärme stieo : . u '? bis zum Kopfe. Herrgott, lvar das eine Idee — daß die ih,.. zu schaffen machst, das war- eine von den siebenmal genähten. „Geh'n wir!" sagte der Dichter plötzlich und brach auf. W war ihn: unbehaglich, solch eine ausge'wachfens Jdds mst ftch herukn-, fchteppeu Mk müssen, die einen! keine Ruhe ließ. Fitscherl .schmolltet Aber er sah es gar nicht. Und als sie schieden, sagte er nun; „Vielleicht wird's ein Roman, Fstscherl!" Tann saß er plötzlich in seiner kahlen Stube am Tisch. Vor ihm weißes Papier und ein Fläschchen Tinte. Findessen hockte die Idee ans dern Notizblock wie eine aller-, liebste Liliptttnymphe und sah mit blanken Augen dem Tinten-, gekritzel zu. — „Was nrachst du da?" fragte sie endlich den Stöhnenden. „Ich — ?" Er sah auf. „Dummes Ding. Ich erlöse dich, oder magst du ewig in diesem Notizbuch eingeklemmt sein?" Tie Idee lächelte vielsagend: „Also los sein willst du mich, Tichterlein, he?-- Feigling!" Ter Dichter brummte nur: „Nicht deinetwegen, dn Grasaff, Fitscherl braucht ein Samtjackctt, daß du's weißt." „Lllso, wenn ich das gewußt hält'," schrie die Idee, „daß ich Hst so ein Handelsartikel bin, du — du^ Seeleitverkäufer, dann wäre ich dir weit vom Schuß geblieben, daß du's weißt !" „Also bitte, unterbrich mich nicht in meiner Arbeit," schnauzte der Dichter. „Es uniß dir übrigems eine große Ehre sein, von einen! Dichter —“ „Pah," machte die Idee, drehte dem Dichter eine Nase und — schwupp — war sie verschwunden. Der Dichter riß die Angen auf, r izte die.Finger. Wie denn — was war denn mir der Idee —? blätterte durch die Bogen, führ sich! durch die Haare, sprang auf. „Fang mich!" piepste es ans einer Zimmerecke. Ter Dichter stürzte dem Schall nach. „Fang mich!" klang es unter dem Tisch hervor. Auch dort suchte er sie. Bald von! Schrank, bald aus dem Ofeneimer, bald von'. Fenstersims. — Ter Dichter tobte. Mit einem Fluch sank er endlich aufs Sofa zurück, suchte mechanisch die Mützpseife hervor und begann die erregten Nerven durch Rauchen zu beruhigen. Wahrend er.paffte, streckte die Idee ihr kapriziöses Köpfchen durch! den Rauch dein Dichter entgegen Md luchste: „Aber hier bin ich ja. Was suchen denn Euer Gnaden?! Gefesselt an Euer Gnaden garstiges Notizbuch harr' ich Eures Winkes!" Seltsam, dachte der Dichter, ivahreud er nun wieder schrieb. Genau 'trne Fitscherl. Und er schirieb nud schrieb und schrieb. Die Nacht verging, und der Tag graust. „Weißt du," sagte dst Zdee eines Tages zu ihm, „ihr Dichter seid doch Käuze. Warum plagst du dich mit mrr kleinen Zdee wie ein Hvlzhacker ab? W ar nur dieses Hokuspokus mit Bannen" und „Erlösen"? Wäre ich doch! einem Bänkdirektör! m «uf das Scheckbuch gezogen oder einem Minister in die Aktenmappe — däs wäre amüsanter gewesen, , Brutschonung usw. versagten in solchen mehrherrigen Gewässern völlig, infolgedessen dort in der Mehrzahl der Fälle, ganz besonders aus denk Peipnssee, eine stärk verwüstend wirkende Raub fisch er ei betrieben wurde. Unter.'der Voraussetzung der befriedigenden Klärung dieser wichtigen Rechtsfragen, geeigneter Maßnahmen gegen die Versumpfung vieler Seen usw. bieten die baltischen Provinzen, besonders Liv- und Kurland, ein ungemein fruchtbares Gebiet für die Fischereikultur großen Sttls. i«r Während sich Estland, m bloß etufc 250 meist kleine SsM hat, dank seiner zahlreichen fließenden Gewässer vorMgKweist M die Forellenzucht eigner, bietet Livland Mit mehr 1000 größeren Seen ein reiches Kulturseld. Zu nennen sind nameirttrch der (freilich nur zmn Teil zu Livland gehörende) ne, t^PeiPus- see (36W Geviertkilometer), der mrt ihm verbundene wwsiam (278 Geviertkilometer), der 88 GevierEwmeter große Lubaynsche See. der Burtneck-See (etwa 72 Geviertkilometer) usiv. Die bisherigen lioländischen Fangerträgnisse werden von Kennen; ans etwa 19 000 Zentner jährlich geschätzt !wo sind um iMndestens das Doppelte steigermigssähig. Die Erträge der vor dem Kriege in steter Zunahme begrifienerl TeichMchben smd in dieser Zahl dicht inbegriffen. Die liv ländische ^etchzucht beztchr sich vor- tzkig-sweise Es Forellen. — dem ebenfalls ,hvcht, seearmm, Kurland wird im allgemeinm bisher dw TevcUvtrtschaft mw Karvserikultur bevorzugt, indem es hier im Jahre 1912 insgesamt 154 Teichwirtschaften mit ungefähr 2750 D-ekmr Ausdehnung gav, die über 3600 Zentner Fisck-e für 113 297 Ravel erzntgten. (Dagegen in Sachsen im Jahre 1907 ru^ ^ 000 Teiche nvrt oOilO Hektar Fläche, in Bayern 25 000 Terc^ mit 13,865 Hektar Fläche.) Im ganzen hat das Baltenland 231o Gehierttilom e ter Seen, bzw. mit Einschluß der ganzen Perpusflache über 5000 jGeiviertkilometer, die der Fischkultur % %. noch zu rrschlieMN sind. Tie wirtschaftlich wertvollen Nutzsijche sind der ^.racho, Sandart, Hecht, Karpfen, Barsch, Lachs, Schleie, Aaft Nennange, nicht zulebt die wohlfeile und nährhafte große Perpusmaranc, deren Brut von der auch in deutschen Fachkreisen geschätzten ^or- pater Fischbrutanstalt mit bestem Ergebnis, rn verschiedenen baltischen Gewässerrr aitsgeseüt worden ist. Die Zahl der m, die)er Bnttaustalt (und^ in'ihren Zweigstellen Galis m Livland und Riga) in den letzten zwei Jahrzehnten eroruteten Ft, cherer aller Art belrug über 27 Millionen Stück. Die Perpusmarape ftt von -Dorpat sogar nach den oberbayrischen Seen und nach Ostpreußen (Schülzer 'See, Jäsöendorffer See) ausgefü'hrt woroen, uud .(je* Hecht dort. Auch der berühmte teure Wolga-Ster-et finde, irn Balteirlande alle Vorbedingungen, für gedeihliche Existenz. Es ist Ku betonen, daß die bisherigen baltischen Ftschkultnr- leistungen, im Verhältnis zur Gesamtzahl der bestedelbaren Gewässer erst Anfänge sind, Anfänge aber die oen Mut Mr Fort- Mrung des Begonnenen umlsomehr vechtferttgerr, als dem Fpcy m der Gegenwart ja eine besonders wichtige^Bedeutung als uahlÄNigsmittel zackommt. Zu diesem Zweck mxb ctuidj ^ ftschevei und der Fischkonserven-Jndustne erhöhte Aufmerstamlmt Kuzuivenden sein. Hatten doch allem im Fugaschen .Kretst eie un Jahee 1911 aus Rigaischnn Fang herg«^llw^n,erve^men!Wert von über 2HZ Millwnen Mark, während die Revaler und Pernauer Bucht in Friedenszeiten allein au sog. „Strömlingen lerne Art Bücklinge) und „Killos" (etiva den Sprotten ent,precheM Äusaminen gegen 60 000 Zentner lieferten, trotz der rm ganzm ren. primitiven Fangmethoden der Landbevölkerung. Auch längs rer Btlffl» viel i «tefen, te Fischereitechnik zweifellos stergerungsfahlg fern dürfte. Itit^>irg- fall und Geschick kann das Balterrland somit W einem sehr bedeutenden Fischland entwickelt weiten. Sie haben Tod und verderben gespien... ,Sie haben Tod und Verderben gespien. ' Wir haben es nicht gelitten" . . . Schon teilen sich> unsere Kolonien Mif dem Papier die Briten. Sie haben Tod und Verderben gespien, Sie kainen in Taiiks und Flammen; Ter ernste achte August erschien — Wir bissen die Zähne zusammen. Sie haben Tod rmd Verderben gespien. Sie blitzten in Donnern, und Wettern, Ter Haig schmückt sich mit Kaktusgrün, Ter Foch mit Lorbeerblättern. Sie haben Tod rmd Verderben gespien. Tagtäglich wird es bunter: D'Annunzw flattert über Wien Und wirst eine Följetong runter. Er hat bedruckte Papiere gespien, Tie sich im Fall ntthülsten; Entsetzt sah man die Leute flrehn Bor ihren Wortgeschwülsten. Und ob sie Worte und Bomben spein, — Wir zählen nicht zu bm Schwachen , Wir stehn — so wie die Wallst am Rhern. Wir sind nicht totzumachen. ^ ~ Gottlreb im Tag. Schri'ftleituna: vi. Meyer. — Zwillingsrunddruck der Brüh VWertW. — Den Kaiser und den Kronprinzen auf ein-em Gefechts stand während der Kämpfe um Soissons im Juni d. I. zeigt die neueste Nummer 3918 der Leipziger „I l l U ft r i e r t e n Zeitung" (Verlag von ^. I. Weber) nach einer in doppelseitigem Format stviddergsgeberven Zevchnstmg des ocm Gefolge des Kaisers Lugeteilten Sonderzeichners Felix Schivorm- stjädt. Willy Mütler-Gera führt uns in, der gleichen Nummer erneu Sturmtrupp beim Einbruch in die feindliche Stellung und eme 0orächende Sturmbatterie vor. Eine Reihe von Abbildmtgerr bringt die originellen SckMtzimaßirahmen gegen feindliche Flieger zur Anschauung, andere geben uns Knstvde von den deutschen Truppen im Kaukasus. «Claus Bergen hält das ArtilleriegefechL eines U-Bootes inil einer U-Boot (alle im Bilde fest'. Rttdolf Lipus eine ukrainische Tvrfszene, Hugo L. Braune Däotive mrs türkischen Kriegswerkstätten, lieber die neuen Steuern und iyre stnarr- zielte Wirkung verbreitet sich der bekannte Berliner Volkswirt chast- ler Professor JUlürs Wolf. Das Vorgehen der, Engländer am Eismeer unterzieht Hauptmann Müller einer kritischen Betrachtung. Ten deutsthen Vorstoß östlich Reims .schildert anschaulich eure Frontskizze pon Wolf Hmrert. Den Dcheerenschmtten W m Felde stehenden Bildhauers Ernst Penzoldt widmet Arthur ^vosky eine hübsch illustrierte Würdigung. Tie „Kulturrundschau" vereinigt lesenswerte Aenßermrgen nanihaster Geister über verschtedmtt! Fragen von allgenwmer Wichtigtert. — „Draus!" und „Vier Kriegsjabre!" Die Rückblicke, zu deiren uns die vierjährige Wiederkehr des Kriegsbeginns verarllasst, finden eine volkstümlich geschriebene, ausgezeichnete militärisch-fach- nrännische Darstellung in zwei fl einer» Schrillen, die soeben z»un Preise von 50 P^g. im Verlage von Karl Siegisinund, Berlin 8^7 ll, erschieiien sind. Es sind die vonr Hauptmann im Generalstab Bodo Zimrilermann mit zahlreichen übersichtlichen Kartenskizzen versehenen Schrillen „Drani!" und „Vier Kriegsjahrei" — Taschen buch für deutsche Pilzsammler. Kaum glaublich erscheint es, daß in der gegemväitlgen Zeit der Knappheit und Teue- rlnrg aller Lebensmittel iivch ungeheure Massen guter Nahrungsmittel irnbeachlet verderbeii, noch dazir solche lllahrungsmittel, die sich jederniann nahezu kosteitlos verschasieii kann. Wir ineinen die Pilze, die nufere Wälder und Felder in nahczrl unerschöpflicher Fülle spenden imd vor« denen ivohl kaum der tauseudsle Teil, ja vielleicht nrrr der zehntausendste Teil der ineiischlichen Nahrung zngssührt wicd. Da erscheurt gerade zur rechten Zeit in Hesses Volksbücherei ein „Tafcheirbnch für deutsche Pilzsainmler von Pros. E^ Walther" mit etwa 10) farbigen und schivarzen Bildern (Preis 1.25), das genaue Anleitung gibt, welche Pilze mair saiirmeln soll; das Buch ist drirchaus gemeinverständlich geschrieben, enthält auch eine ausführliche Abteilung „Pilzküche ' und dars jedermann warnr empfohlen ,verden. Gießener Hausfrarren-Verein. Kochcmweisungen. T o ni a t e ü auf ©üuenmrt In eilte feuerfeste, gefettete, Niedrige Form, Mckelplatte ober Eierpfanne legt Man dicht nebeneinander guerduvchschnittene halbierte Tomaten, die mit viel, fein- geschstlittenem Schnittlauch und fein gewiegter Petersilie bestreut, gesalzen und gepfeffert werben. Auf jede Tomate gibt man ein erbsengroßes Stück Butter ober ein Paar Tropfen Oel und läßt die Tomaten etwa 1 / 2 Stunde im Ofen gar werden. Sie sollen auch gute Form behalten und' nicht bräunen. Auch ohne Bratosen läßt sich das Gericht an der 5derdseüe, mit DeM bedeckt, Herstellen. To maten mit Piltzfüll ung. Ausgehöhlte,wheTomaten füllt man nsir einer Fülle aus feingchrckten Pilzen mit gewiegter Petersilie und ein paar Löffeln dicker Bechamelsoße gemischt und dünstet die Tomaten aus dem Backbleck, mit etumS Fett bepinselt. _ c r , , . Gebackene Tomaten. 6—8 Tomaten werden vor,uhtrg mit einenr Teelöffel ausgchölt. Ans dem DoMatemnark, sowie np paar klein geschnittenen Tomaten wird.mit Zwiebel und Gewürzen ein Brei aekocht, mit einer Piehlschstvitze gebunden und m dre Tomaten geMt. Me Torujaten werden in eine gefettete, feuerfeste Form gesetzt, nrit gerieben ent Brot ,und gehackter Petersilie bestreut, mit zerlassenem Fett beträufelt und *4 Stunde im Own gebacken. Zusammenstellrätsel. V I L R Ä W L E H 0 U A 0 N N L N D I; R P 0 B R G M | E Vorstehende Quadrate sind so zu drehen und aneinande^u- fügen, daß drei wagerechte Buchstabenreihert entstehen, die Wörter von folgender Bedeutung ergeben: 1. Insel im Norden Europas L. bekanntes kleines Bad in Preußen; 8. bekannte englische Stadt. (Anfl-ösung in nächster Nummer.) Auflösung des Logogriphs in voriger Numnler. Robe, Rose. i'ichen Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.