Mittwoch, den !-. August Der endlose Weg. Roman aus Sibirien. Bon I. Oxenham. Autorisiert — Nachdruck verboten. (Fortsetzung.) „Was Leben irr Irkutsk wird schwer sein, so lange Paschkin hier ist," sagte Stepan, nachdenklicher und versorgter, als er je vorher gewesen war, denn nun hatte er gewaltige Lebenswerte zu beschützen. „Wir müssen sehr vorsichtig sein," meinte der alt« Schmied ruhig. Irr Kehn Dagen erst kehrte Paschkin von seiner Expedition gegen die Räuber zurück, die er gründlich, wenn auch mit unnötiger Grausamkeit) darüber belehrt' hatte, wer Herr sei in der Provinz. Mete Jahrzehnte später noch er- E m die Kinder und Enkelkinder dieser Mongolen sich dernd vom Teufel Paschkin . . . Sobald Stepan von der erneursrückkehr Härte, beeilte er sich, die Rappen ab- zlulieseru. Paschkin tarn sofort. „Gerade wollte ich dich holen lassen," knurrte er, die Rappen scharf ins Auge fassend. „Was hast du mit meinen Pferden getrieben?^ „Sie irr meinem eigenen Stall behalten, Exzellenz, um ganz sicher zu sein, sie Eurer Exzellenz irr bester Verfassung Übergeber! zu können." „Hast du sie geritten oder bist du mit ihnen gefahren^ „Nein, Exzellenz." „Und wie lange hast du gebraucht zu der Reise?" „Ich kam zurück am sechzehnten Tag, Exzellenz." „So ist es doch schneller gegangen, als du fürchtetest," sagte Paschkin lachend. „Wem gehörten sie?" „Einem geivisseu Urussow, einen! Pferdehändler." „Und er nahm beit Preis an, den ich bot?" „Er schwor, Exzellenz, sie seierr zweimal so viel wert, ober — -er nahm mein Gebot an." Paschkin lachte laut auf. „Und hättest du Schwierigkeit^: aus dem Weg?" „Nein. Der Name Eurer Exzellenz genügte." Da lachte Paschkin wieder und sah Stepan mit freundlichen Arrgen an. Der junge Mann gefiel ihm. Der war Vertrauenswürdig, verläßlich prompt. 6 . \v arze Schatten fällt zum erstenmal! der das Haus der Familie Jline. Langsam, auf allen Bieren fast, war Paschkin vorwärts- chen im russischen Beanttenleben, bis er endlich zu der ter kam, die zur Macht und Gewalt führte, und kaum >auf die erste Sprosse dreser Leiter hatte er den Fu und in St. Petersburg g gemacht war, als er auch Und rasch stieg von Stuft höchste Sprosse fast erreicht. etzt tgl, aus welchem Stoffe er chon mitten im Klettern war zu Stufe. 9htu hatte er die In Irkutsk herrschte er absKut. 'Alles beugte sich vor ihm. Sein Wille war Gesetz, in großen Dingen wie xn kleinen. Gefiel ihm ein Pferd, so reguirierte er es. Mißfiel ihm ein Mann, so verschwand dieser Mann, weiter, nach dein Norden, hin. Es gab ja so viel Platz in Sibirien. Gefiel ihm ein Mädchen -oder eine Frau — nun, das war weniger einfach, !und tu dieser Beziehung hatte er sehr schlimme Erfahrungen gemacht in Jrtzrtsk. Ganz anders als anderwärts. Sonst war er liebenswürdig gewesen (und er konnte sehr liebenswürdig sein), und es hätte Frauen geschmeichelt, begehrt zu sein von einem, vor dem die Männer zitterten. Hier gingen chm die Frauen in weiten: Bogen aus dem Wege, während die Männer, sonst so unterwürfig, gefährlich wurden, wenn er sein Herrschertum auch auf die weiblichen Untertanen ausdehnen wollte. Paschkin mußte endlich, wohl oder übel, seine Ansichten' und Gewohnheiten einigermaßen revidiererr — — Anukoff, ein Freund der Jlines, war von Paschkin m der Straftxvedition gegen die Mongolen gepreßt und dann zu der kleinen Besatzung kommandiert worden, die im Süden, am Baikalsee, bleiben Mußte. Anukoss war also sehr weit weg. Aber böse Nachrichten reisen schnell. So kam es, daß eines Dages Anukoff in Irkutsk erschien, verwildert, schrn'utzig, in zersetzten Kleidern, verzLveifelt — ein Deserteur. Sein Haus fand er im Besitz eines andern; sein fimges Weib war verschwunden. Paschkin hörte zwar von Anukoffs Rückkunft, kümmerte sich aber nicht darum. Ein Feigling war er nicht. Mn .gleichen Wend noch, als der Schlitten des Gouverneurs glockenklingelnd durch die Hauptstraße sauste, warf sich ein Mann den Pferden entgegen und griff mit harter Faust dem Handpferd in die Nase, daß es sich entsetzt aufbänmte, schreiend vor Schinerz. In der Verwirrung durchbrach ein anderer Mann dr>e Reihen der berittenen Leibwache des Gouverneurs, sprang aus den Schlitten und stieß Paschkin ein langes Messer in die Brust. „Schlagt ihn tot!" befahl Paschkin, während ihn: das Blut aus Mund und Nase strömte. „Den andern auch!" Und als der Schlitten mit den: verwundeten Gouverneur weiterfuhr, lagen zwei Leichen auf der Straße, bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen mit Gewehrkolben — Anukoff und sein Schwiegervater. Das war Lektion Nurmner «ins. Doch Paschkin war ein Mann, der seine Art so leicht nicht änderte. Ms er nach langen: Krankenlager sich wieder für die Frauen von Irkutsk interessierte, passierte ihm binnetr wenigen Tagen etwas ganz Aehnliches, und wieder entrann er dem Tode unr mit knapper Not. Da endlich wurde et etwas vorsichtiger und schonte die Gefühle dieser eigentüm- lichen Männer von Irkutsk, um sie irr politischen Dingen mit desto härterer Faust zu drücken und so manche!: Maom zu zerbrechen, wie ein Kind im Zorn ein Spielzeug zerbricht. * Er herrschte absolut. Rechte gab es nicht für ihn. — 25b Am großen Ititb gänKen totale es WttUÜY Wß er noch lebte, «Leo er lebte; l^te s» glücklich frM r tn seiner Ml. Freute sich seiner Erfolge, lecnes rasch ste- grafen Ansehens, brni t in St. Petersburg betrachtete nmn Sn als einen gttx&^Lt i Mm Gouvern«rr. vollkommene Mutze löschte in seiner Provinz, und alleS jm wie mn Nchmirchen. Die GeldsendMMN der l^ovinz für^die Js»?* Vammer Wasen pünktlich in Wt Petersburg! cttt Ew Ltcher Gouverneur also, dieser Paschkin, w-eit^ viorUMel^n bcm nachläMen Dolgourow. Wie es Mg machte, w prompt zu fein mit der Kontribution, weiche Schmerlen und welche Sorgen an diesem Gmde klebten darum kümmerten sL die Herren in St. Petersburg nicht im geringsten. Das Reich brauchte ^ld. PaMin lieferte Geld wrd sorgte für Ruhe, und d>as waren bte betiwr mm, tn denen die russische Bureaukratte bewunderungswürdigs Erfolge lveifen Regierens sah. ^ K , <*m übrigen ließ es sich ja auch, unter Puschkin leben! Us ging den Männern von Irkutsk doch imrklrch, ganz gut. Bchliemich gewöhnt man sich an alles. Auch auf den Mb- hängen des Vesuvs und des Aetna leben ja Menschen rurd sir-d vergnügt, und wmrn der feuerspeiende Krater st,e vernichtet, so folgen andere ihnen nach. So gewöhnten stch die Männer von Irkutsk au Puschkin und betracyteteu ihn schließlich als ihr spezielles Unglück, bus^nGottesliamen rrtragerr werden mußte. So wie dre Pest etwa. Oder bte Cholera! Itvan Jline kam in einen innerliche:: Zwiespalt rrach dem andern durch seine Ernennung zu Paschkms Gouverno- , mentsrat. sv ungerechte und brutale Verfügungen treffen, und mehr noch vielleicht die Erinnerung arr das, was er al.ev schon erlitten, gaben ihm die Kraft zu geduldigem Ertragen. Mer sauer tvurde es ihm, bittersauer. Immer wieder muß.e er sich Vorhalten, daß Widerstand nur in einem enden tonnte; in Unglück für sich und die Seinen. Oft, wenn fern nachgerade fischiges Blut doch überkochen wollch inußte er sich zwingen, an sein Weib ziu denken, und an Stepan, und an Katia, Un: mit rmbeweglichiem Gesicht den Jasager zu spielen, ft- schwer es ihm auch wurde. ~ . Sein Schmiedegeschäft ging ausgezeichuet, aber allzugut er es gar nicht gehen, denn der Besitz von vielem Geld war in jenen Zeiten, nur eine Gefahr für den Mann, der es besaß! Sv täte die kleine Fannie sehr VescheKm Und einfach, aber gemütlich und zufrieden urrd gtuumch. Marya Detrow-nas Glücksmaß vollends Wurde voll zum Üeberfließen, als sie, ein Jahr, nach Stepans Heirat, sich Großmutter nennen durste. Eine Enkelin war es. Alle stimmterr darin überein, daß sie das Gberlbild ihrer.Mutter sei — die gleichen hellblauen Augen und dasselbe hellbraune L»a>ar die beide natürlich noch nachdunkeln würden; .Rase Und Mmid vollkommen die gleichen. Go behmchteten wenigstens die Mütter und die Nachbarinnen, wahrend Stepan die sprechende Achnlichkeit nicht so gMiz berausstnLM Konnte; aber er tvar eben ungesthickt wie alle Minner, die ja keinen Blick für die AehnlickMteu bei kleinen Kindern Haben Natürlich wurde sie Katia getauft und Klein-Katinftr «emnmt und regierte das Haus und die Herzen. Dm Großmutter betete das kleine Geschöpf förmlich an undsKnor darauf, dieses Wickelkind sei eir-zig und unnachahmlich schön. Hatte doch» Herz seit Aezt nach einem «M mMinaertt All die lange ausgespeicherte Liebe goß sich J&k die winzige KatiNka aus, und Katta pflegte lachet m behaupten, die Großmutter gönne ihr das Kind nicht und sei etftrsüchttg auf die Mutter selbst. Und wahrhaftig -r Mcklich war Marya Petrowna nur, wenn sie das Kind aus den Armen oder im Schoß halten konnte^.,. Bis jetzt hatte alles Unglück den alten Jlme verschont tMtz seiner Ratsherrnbürde, aber er tränte dem Frieden ßfit und blieb ein vorsichtiger Mann, der kamn den Mund Mckmachts und sich jedes Wort dreimal überlegte,,, wenn km Gvuvernementsrat doch einmal eine Ansicht äußern nutzte Weil er so schweigsam war und die Dinge so ge-i kmrdig miterlebde, hielt PafchÄn ihn für einen wecserr und Rügen Mann: einen Mann nach seinem Herzen, denn welch KWxven Ratgäer hätte ein Aittokrat sich! wünschen können. m einen Schwager und Jasager? Und so wollte es tM boshafte Zufall, daß gerade durch feitt Schweigen mtb durch seine Geduld Jlene, der Schmied, das erzielte, was e« vor allem vermeiden wollte — vom Gouverneur beachtet zu Werder. Die Sache kam so Z Einen großen Teil des Jrkutsker Tributs an die kaiser-. liche Schatzkammer lieferten die Silbermine:r von Wev^ ftnE, die zu DolgourowS Zeiten zwar regelmäßig bchaW hatten, aber nicht gerade pünktlich; so spät oft, daß ema weitere Zahlung schon wieder fällig War, Wem: dm vorhergehende eintraf. Wmrsinsk lag sechshundert Meilers weit weg im Norden, in einer uwvegsamen gebirgigeri Gegend/ Und unpassierbare Straßen, angeschwollerm Müsse, gefährliche Räuberbanden hatten alle Unpünktlichkeit entscynldigt — bis Paschkin kam. . . Paschkin hatte den Behörden zu Wersinsk bei der ersten Unpünktlichkeit mit großer Deutlichkeit auseinandergesetzt, daher in derartigen Dingen ganz andere Ansichten und Prrne zipien habe als der gute alte Dolgourow und klipp und klar erklärt, daß er chronische Unpünktlichkeit mit den stärksten Arzneien zu bekämpfe::'gedenke. Sollte der Konvoi Mit dem Silber wieder zu spät eintreffen, so werde er für jeden versäumten Tag einen der Herren zu Wersinsk aufhängen lassen! Der zweite halbjährliche Anteil der Silberminen am Tribut kam daraufhin eine Woche vor der Zeit an, und Paschkin lachte grimmig. Nmr aber tvar tvieder eine Zahlung überfällig, seit einer Woche, und Paschkin schäumte vor Wut. Kam! der Konvoi tlicht in ein oder zwei Tagen an, so gab es ja gar nicht genug hohe Beamte in Wersinsk zum Hängen! Wieder verging ein Tag und wieder war der Konvor nicht gekommen! Paschkms Art war es nicht, geduldig zu warten. „Einer vott euch muß nach Wersinsk," erklärte er senien Räten'in der Ratssitzung an jenem Tag und sah einen Mann nach dem andern mit scharfen Augett an, prüfend und sich überlegend, wer wohl am geeignetsten dazit sein möchte, dm Herren zu Wersinsk ein für allemal Pünktlichkeit zu lehren in seinem Namen. Steif, geängstigt saßeti die Räte da, und ein jeder von ihnen dankte allen Heiligen, weiln des Gouverneurs prüfender Blick glücklich über ihn hintveggeglitten war. ,Wu, Jline," entficfyieb Paschkin endlich. „Menschen, die so wenig sprechen wie du, taugen gut zum Handeln. Du wirst mich in Wersinsk vertreten. Du wirst dem Chef der Polizei den Befehl überbringen, diejenigen Beamten der Minen :nch der Stadt, die für die Verzögerung des Konvois verantwortlich sind, auf administrativen: Wege mit den: Tode zu bestrafen. Sie werden gehenkt. Du wirft in meinem Namen die Untersuchung leite:: und ein Exempel statuieren. Verstanden, Jline? Binnen einer Stunde wirft du aufbrechen und den Weg nach Wersinsk mit größtmöglichster Schnelligkeit zurücklegen. Ter Konvoi mag bereits unterwegs sein, und es ist möglich, daß du ihm begegnest. Das ändert jedoch nichts an deiner Aufgabe. Die Sendung ist seit sieben Tagen überfällig und sieben Männer solle:: dafür hängAr, wie ich gesagt habe! 5Zrndle dorin rrach deinen: Gutdtrnken, Jline. Zur Hinreise wirst du zehr: Tage brauchen und ebensolange zur Rückreise. Zur Erledigung deines Auftrags bewillige ich- dir weitere zehn Tage. D:: lviirst dafür sorge::, daß her Konvoi sich nie wieder verspätet in Zukunft, und du wirst dem Polizeichef gegenüber sehr energisch cn:s treten, denn du bist mein Repräsentant. Du wirst daraitf achten, daß die Schuldigen unerbittlich zur Verantrvorttmg gezogen werden. Das ist alles, Jline." Ein entsetzlicher Auftrag und ein sehr gefährlicher Auftrag, voll schlverster Verantworttmg in jeder Beziehung^ Doch eine Weigerung wäre ohne Zweifel gleichbedeutend gewesen mit einem Dodesürieil, und so antw ortete Jwjcytz Jline, der Schmied, knapp und ttrrz: „Zu Befehl, Exzellenz." Schweren Herzens schlich er sich aus der Ratssitzung nach Hause, während unterdessen seine Vollmachten aus/« gefertigt wirrden. „Was hast fru?" ries Marya Petrowna angsterfüM, M sie sah, wie bleich und erregt ihr Mann war. „Paschkin schickt mich nach Wersinsk um zt: untersuchen, weshalb die TrimrisenLung nicht pünktlich eingetroffen ist/^ „Nach Wersinsk! Um Gottes willen! Wann^ „Sofort."- (Fortsetzung folgt.) 259 - SsmmergSste. WM Fratttz Friedrich! Oberhäuser. GüLrst tarn der DmrckMier WwU Fox. Und zlvar ^ mit', Familiew- Mhang. Drrnlehver Fox liebte nicht rmr di« WnkÜichkrit, fwtbrat] Osch ftch selbst. Bchxt Fn-rn, die cuid). heute zwch nichts von chver EEichZsil cknAckM hatte, li-ebts ihn, Lonser!" „Was habe ich für Rinmn^r?" beugte sich 5derü sor NeiumMu: vor. „Ich depeschierte vor drei Wochen!" sagte Iherer Postbeamter. „Eine:: Augenblick, nveine Herrschaften " rieß Frau Steidel- Leid. „Lonser, Lonser — zium Kuckuck, ich kann sie nicht finden. Doch ja! Aferl! Zimmer 9!" „Rauchen Sie nrcht immerfort unter meiner Nase!" ent* rüstete sich ein altes Fräulein, Lchrerm Ln: Pensiormt Mädck-er:* Kort. Ein kleiner Ticker drehte sich um, guckte ein. Mvmentchenj auf das hagere Fräulein. „Aber, bitte, Fräuleinchen, Sie ent- MMgen." Und danchfbe weiter. „Kommismaniererr!" knurrte! v<ü Fräulein und steckte die Mrs« in ein leinenes Taschentuch. Es erschien eine zahlreiche Familie, das heißt Koffer und, Wörbe kamen, und hinter ihr erst die Familie, welche umständlich Mt dem Gepäck einen Wall aufbaute, Um die lärnrenden, harrenden; Gäste. „Tiefe elende Hitze," sagte die Iran. „Hoffentlich gibt's Wer Venttlatoven.". , Do summte und lärmte es weiter, die Glocke vom! Zimmer 11 War nicht ganz abgestellt und raste nrit knrztn Sätzen dazwischen. Fr«? Steidelsteid bewahrte ihre Ruhe. Tie Exzellenz wollte heraus, wh ftch verbarrikadiert und zog sich wieder in ähr Zimmer zurück D« Dienstboten brachten.die Gäste in ihre Zimmer. .Mas, blau« Zimmer?" rief Gcheimrat Rösemann aus, mW Ls entfept auf die Ummelblauen Wände. „Da werde ich krank!" :i« sind ja auf l^m Lande, gnädige Frau!" sagte Hans und Srrfe jbte anderen LÄren ztt ih-rn bestellten Lrmmern. ^,Dn ist xr im nächsten wohnen," sagte di« DMer. ^,DaA ist egal, n wirst eben du krank!" ( Es 'dauerte bis ®mn Wend, ehe halbwegs Rrchü erngetr^eni war, und die Gäste ihr« Zimmer hatten. Da mb es denn noch Ud rWben und ^n Frrdear. Jrmnerfmü rasten die Klinackst buch das .HruS. MeS war Mzwlrieden, ülleÄ wollte «S anders tzadm , alles mnrrte. . „Tvlf," sagte Fox herablassend, Dieses Müs hat doch keine Wirtschaft, wem: wir nicht schon das vierte Jahr hrer wären, ich würde uiM mehr hierher gehen! ll,rd schlrestlich ist auch diese Aussicht gar nicht so besonders! T>u lieber Himmel, was hast du denn davon: ein kleiner See, ein paar WäDe^ ein paar Wiesest imd drüben die Berge! Und das soll ein sogenannter Sommer-, krrrort seü:!" ^ ^ „Ja, ja!" fÄrWe Adolf Fox, urw trabte dirrchs Zimmer im SiHvebeschiritt. „Tas kommt davon, iveil alle Welt unzufriedm ist. „Unsinn! Man verlangt ja ohnedies nichts!" b „Man Kat sehr viel verlangt," replizierte tc., Die Kinder schoben die StüM ^rsammerr und übten nach des Vaters gutern Vorbild den Handstand. Dabei fiel polternd ein Stuhl um. worauf es wütend ans Zimmer klopfte nnd jemand erregt Mae: „Ruhe!" Mir sind Ms dem Land«!" - ' Drei Zimmer weiter aber schürte die Frau Notar in das sonnige Land und seufzte: „Wie herrlich ist dieser See! Wie herrlrch diese Wege und Felder, diese Wälder —, wenn man sich tütx wieder eine halbwegs «mständiOe aparte» Toilette bestellen könnte. Es ist tatsächlich ein miserable Zeit!" Ti« ^Hausdiener flogen tteppauf und treppab und brachtest Md schleppten das Gepäck in Garderoben, Keller :md Zimmer. T:e Glocken schrillten. Und indessen lag draußen der helle Tag über dem Land, ein heller warmer Somurertag, der allen Menschen! gehört, Und^ der: Hunderte doch nicht kennen. Und da karn noch ein Gast. Genießerisch und langsam schlerwerte er einher, grüßte Frau Steidelsteid am Firße der Treppe schon und sagte: „Mes ausgesummt? Kann ich! meine Mansarde.haben?" Frau Steidelsteid führte ihn höchjstselbst in das Keine Zimnrer unter den: Dach, steckte die FMsterhaken ein und sagte: „Gott, diese Menschen! Diese UnWfrredeuheit, dieses Räsonnieren!" „Und das Essen?" „Wird Ihn«: in dis Knochen fahren!" Der ttmge Man:: .jm eleganten weißer: Somnreranzug lachte auf und drohte: „Frau! Steidelsteid?" Tam: nahm er HUt und Stock ustd WerLerts in her: niedergehenden Älbend hinaus. Genießerisch jeden Schritt bemesservd-, jedent Blick -auskostend, alles Land bervrnchernd. „Sv Lin Taugenichts," sagte Frau Fox, „stiehlt dem Herrgott den Dag weg, kommt bei jeder Miustertmg durch, tut sich Noch was Mgrtte, und bildet sich was drauf ein!" „Vielleicht hat er einen Bruch, der arme Kerl," sagte.Herr Fbx und wippte nnt den Füßen. Und beide sah-?:: den: Tangrinichls nach, und» sahen gerade noch, wie er «n blondes Mädchen grüßte, ihre .Hand küßte, sich eirihakte und mit ihr znm See hintlntergim. TM Abend flamnite, die Berge glühten, und die Täler dämmerten. IN den Bäumen ging »ein stiller Wind, der Himmel steckte seine Sterne auf, zwei, drei Boote mit FeldblnmLN.gefüllt, glltten aus dem See. Frau Steidelsteid sta:ch> unter ihren Gästen und lächelte leise Wer das Gebraus der sinÄufriedeuheiten: Suppe, Kalbsbraten unb Salat und nicht mal ein Gramn: Nlehlspei.se . . .! „Zu was ärgert man sich aus den: Lande," sagte Herr Fox zu >seinen: Nachbar, d>em dicken Herrn. „Ter vierte Kriegsso miner," seu!szte Professor Neu- manu Md reichte seinem Kollege:: Fox di« Hand. Urw :wch immer frei, dachte dieser. Ehe der MioM)' AM? und hoch an: Himmel stand, ruhte die Pvnsiom Md selbst Frau Steidelsteid schloß sich den Uebrigen an Md da.lWe bitter an die gan'z erbärmlich! gewordene Weht. Da; rechte Wort. Skizze vvn Paul B l i ß. (Nachdruck verboten.) Es :var draußen in: Felde, nicht sehr tveit hinter der Front». S ie tvaren an getreten ZUm Gottesdienst. Unter einem uwlten Lindenbanm, der in duftigster Blüte stand, hatte man den Mtar aufgestellt. Tarum, im Halbkreis, die ernsten Männer in voller Rüstung. Aus all den Gesichtem, trotz all dem Ernst der Zeit, sag leuchtend und harrend die.Andacht, die Trost und Wunder aus Gottes Wort erhofft. Ter Feld geistliche war ein .noch junger Mann, und er sprach mit klugem Wort und Mit reinem Mang, der aus einem klaren Herzen kam. Mer die Mannen da draußen haben ein sehr seines Gehör, — wer täglich mit Freund Hein beisammen steht, der bekommt ein sicheres Gefühl für das ganz Große und das ganz Echte, — und als sie Nirn des Pastors Wjorte Urten, sahen sie sich an mit verständnisinnigen Blicken, aus denen eine lei,chte Wehmut schimmerte: alles wahr Und auch gttt gemeint, aber das erhoffte Wunder noar es doch tooh'l nicht. Und besonders einer, ein langer, blonder Pomnrer mit ver- kräuntten blauen 8lugsn, der war fast ganz betrübt, daß er mehr erwartet, als er gefunden hatte. Wer da auf emmal klarrg das Wort des Seelsorgers Heller «ls Vorhin an sein lauschendes Ohr, und er fing die Worte auf: „ . . . Md daheim betet nun a:M wohl ein treues Mrt^herz für ktW»! —" Und da plötzlich sprang es wie ein I:mke tu seine harre:w« 260 Ssüi«, ifttb Vieser F-unke duvchjglüW sein BW, erleuchtete semm Blick, so daß er träumte mit sehenden,Uu.g«r. . -Jetzt steht daheim bä ihm wohl das .Korm schon hoch in Ettegear. Vielleicht amch fahren sie schon ein. Hei! wie die Hände sich da rühren, wie fitrtiff die Garben da fliegen! — Und zum ersten Male kann er nicht dabei sein! — Und zu Hanse in den Mche stehen jetzt wohl Mütter und Schwester, die backen „Pelze ans zartem Weizenmehl, 'und wenn die Leute vom Felde herrrv- kommen mit ihrer Fuhre, dann trinken sh Kaffee mit Milch und essen die zarten süßen.„Pelz«" dazu. —, Und zum ersten Mähe ip-v hiflrFfö’t Mit — — Es klopft sein Herz so wild, aber er beißt die Zähn« zusammen. Und plötzlich klang.wieder das Wort des Gästlrchen her; „Und das Gebet eurer Mirtter dringt zu 'Gottes Thron empor Und es wird sein wie «in Panter, der euch schützt vor Gefahr und' vor Tod!" t — — Mutter! Mütterchen! — dachte da>der blonde Pommer, faltete andachtsvoll di« Hände und blickte in den Lindenbaum, Und in seinem Herzen jubelten! alle Engelsfanfaren des Himmels. Und als der Pastor ihn anblickte, da sah er in zwei leuchtend« Augen voll tiefinnerster Andacht, die ihn dcrnDar rarschauten. Und jetzt füWte der Mann der Kirche, daß er hier das rechne Mort zur rechten Zeit gefunden hatte. Bei Unaebroch'neur Widerstande Mn Schritt zurück. Nun steht die.Schlacht S Gegners Stahlgewalten schmolz er, sie zu Hurrderten vereint; Feind.D stark — doch um so stolze Ter Endsieg über solchen Feind! Drum, du !zu Hanse, der beklommen Beinah sein .hjßchjen Mut verlor: „Er hat die HZftont zurückgenommen" -a Geduld! Er nimmt sie wieder vor! Berranschk' die Sturmflut, die gewitternd Paris bedroht mit wncht'gem Schwung. Nhrr wer den Wesen kennt, harrt zitternd Auf seinen nächsten Löwenfprnng. Doch alle, die sonst trüb und trüber Jus Gran geblrckt, stehn nun befreit; Ms sei vtk>± Md Gefahr vorüber. So selig tobt das Volk Md schreit: ,O>h, er vergißt das Wiederkommen, seitdem ihn Mfre Kraft beschwor; Er hat di« Front zurückgmommen!" —* Geduld! Er nimmt sie wieder vor! Ealiban im Dag. , Ein Sträutzlein Lathe-erblüte«. Gefunden und gebunden von Alexander MoSzikowski. (Nachdruck verboteir.) Ter Feldherr Tilly tvar so tapfer, daß er auf zwanzig Schlachtfeldern zu siegen oder zu sterben wußte. * Bon Sophokles sind viele Tragödien gänzlich verloren ge-, gangerr; darmrter befinden sich leider einige für Oberprima höchst wertvolle Dichtungen. Büchertisch. — Walther Schulte vom Brühl: „Bunte Blätter". 50 Erinnerungen und Plaudereien (Otto Uhlmann, Verlagsbuchhandlung, Siegmar — kart. 2.50 Mk., geb. 3,25 Mk.i Dies Buch bietet gewissermaßen eine Nachlese zu des Dichters mit so großem Interesse aufgenoinmen, kürzlich erschienenen ErinnerungSbuche „Sechs Jahrzehnte". In aller Welt umherstreisend, hob der Dichter manchen reizvollen Plauder» oder Erzählungsstoff vom Wege auf oder sammelte ihn daheim in gemütvollem Erleben. Bald ernst, bald heiter, bald nachdenksam, bald in tollster Laune bieten sich diese Geschichtchen dar, immer zu künstlerisch abgerundetem Bilde zusammenfallend, ivie die Glasstttckchen in einem Kaleidoskop. Jener berühmte Mönch hieß eigentlich Kmrstrartm Mrcklitzen. Ta er aber das Schießpulver erfimderr hatte, so nannte man ihn: später richtiger Berchold Schwarz. * Tarnals wurden in Aegypten di« Pyramiden gebaift, welche sich teils an den Ufern des Nils, teils! im dreizehnten Bande des großen Brockhaus befinden. * In Andalusien binden die Bauern ein Heubündel vorn an die Wagendeichsel, um ihre Mel znr Eile anzutreiben. Natürlich kann der Esel das Heu nur dann erreichen, wenn er aus dem Trab Mm schärfsten Galopp übergeht. * Wilhelm Dell, der Natiorrolheld der Schweizer, hak in Wirk-, lichfkeit niemals gelebt. Nur die Armbrust, mit welcher er den Landvogt Geßler erschoß, ist historisch. * Das Lateinische in den Schulen abznschasfeN, ist tiflat unmöglich; berat trieben wir hier kein Latein, so würden alle Wi- Arwnten in der Cieeroprüfimg hnEallen. * Herkules tvar schm als kleines Kind ungewöhttlich stark, dioch krüstiger zeigte er sich als Knabe und nrtt zNmnzig Jahren wurde «r geradezu herkulisch ^ Tmnals tvar Ober-Italien dev Sitz dev europäischen Intelligenz, weshalb auch 'Kolumbus in Genua geboren wurde. *. ~ Achilles also band die Leiche des Hektar an seinen Streich, wagen und schleifte sie dreimal! in vorzüglichen Hexametern )vu die ganze Stadt. * Semiramis samt auf kriegerische Abenteuer, da fie sich in Babylon langweilte Und ihr die hängenden Gärten bereits zum Halse heraushingen. m Auch die Fische werden von Parasiten und allerhand Ungeziefer Schlagt; davon wissen besonders die alten Kravieu ein Liedchen W singen. — Major Alfred v. Olber g, der Chef dev Obevzensur- stelle im Kriegspresseamt, der scharr wiederholt ün Berlanfe des Feldzuges mit aktuellen, packenden Schilderungen der Ereignisse auf den Kriegsschauplätzen hevvorgetreten ist rirrd der sich auch als Vortragsredner über die je'iveilrge militärische Lage in käst allep deutschen Großstädten einen Nanren gentacht hat, bringt em gerade im jetzigen Angerrblick hochwillkomnl-enes kleines, 64 Seiten starkes Schristcheir heraus: „Drei Schläge unserer großen! Offensive". Preis 80 Pf., Verlag von Karl Siegrsmund in Berlin. — Die Bereinigten Staaten von Amerika und der U-Bvotkrieg. Unter diesem Titel veröffentlicht der Kapitän z. S. Boy-Cd im Verlag von Karl SiegismUnd in Berlin SW ein 48 Seiten starkes Schristcheir (Preis 60 Pftrmrg). Der Verfasser, der bis zuur Ausbruch dos Krieges mit Amerika Mcrrine-Attachü in Washrrrgton war, gehört wohl 'zu den besten Kennern der Bereinigten Staaten. Er kommt in seiner Schrift zu dem Resultate, daß auch die Vereinigten Staaten unseren endgültigen Sieg nicht aufzuhalterr vermögen: Dank der Frachtvaumfrage und dcs U- Boot-Krieges 'sind sie in diesem Kriege kein Land der unbegrenztes Möglichkeiten. — Hochland. Monatsschrift für all« Gebiete des Wissens, der Literatur mrd der Knust. Herausgegeben von Professor Kar! Mrtth. Jos. Köselssche Buchhandlung, Kempten und Münchem Vierteljährlich 4,50 MUr? rard Teuerrargsznschlag. Inhalt des August'heftes: Krieg und Seele in Frankreich. Von Dr. Hermann Platz. — Meiner Mutter. Gedicht von Reirch. Jöh. Sorge f. — Die letzten Schäferspiele. Historische Pastelle von Karl Lirrzeu. —' Theodor Dänbler. Borr M. F. Cyprian. —- Lebensbilder. Boy Edna. — Die Seele spricht. Bon Hernranu Hohenberg. — Scheb» den. Gedicht von Rcinh. Jvh. Sorge 7 . — Heinrich von TvettschkeS Lebenswerk. Bon Dr. Müx Fischer. —, Min« Bau-< stems. —- Runds chau. Logogriph. In dieser k», hat sie gedacht, Beschäme ich dte « an Pracht. —li. (Auflösung in nächster Nunrmer.) - Auflösung des Schieberätsels in voriger Nummer. P R 0 J E K T R O M U L U S K A W E Ju I E SEHERIN O R A N I EN Die Mgckgeirommenr Front. Ern Sprung nach vorn — am Marnestrande, Tmm Ringen mft der Uebermacht; Schriftleilrmg: I)r. Meyer. — Zwillingsrunddruck der Brühl'schen Univ.-Bnch- und Steindrnckerei. R. Lange. Gießen.