Roman aus Sibirien. Von I. O xe n h a nt. Autorisiert — Nachdruck verboten- (Fortsetzung.) I line, der Schmied, siedelt sich in Irkutsk an und er sch mied et sich ein neues Heim. Doch auch die Längste Straße muß ein Ende nehmen. Nachdem sie über ein Jahr lang gewandert waren, erreichten die Verschickten endlich die sibirische Stadt Irkutsk, und es kam dem kleinen SLepan sehr sonderbar vor, nun Nacht für Nacht zwischen festen Holzwänden und unter einer rveiß- getünchten Decke schlafen zu müssen und nicht mehr in die Sterne gucken zu können, wenn er aufwachte. Und jetzt standen auch immer Häuser im Weg, wenn man etwas sehen wollte! Ganz anders als in der Steppe! Doch auch Irkutsk hatte feine Vorzüge in Stepans Augen: Es gab immer etwas zu essen und man fror niemals; da waren auch Mädels und Buben, mit denen man spielen konnte, und vor «allem gab es teiuerlei schwarzen Schlamm! So gewöhnte Slep.au sich denn an die neue Ordnung der Dinge und wuchs. Iwan Jline aber, der Schntied, hatte bald alle Hände voller Arbeit. Er war gerade der richtige Mann für ein neues Land und eine rasch ivachfande Stadt; ein unermüdlicher'Arbeiter und einer, der seine Arbeit gründlich verstand; ein Tüchtiger, dem der Erfolg vom ersten Augenblick an in der rasch errichteten Schmiede die Hand hinstreckte. Zwölf Stunden im Tag glühten die Feuer und wurden die Hämmer geschwungen, und vielleicht beschwichtigte das lustige Klingen von Hammer und Amboß die innerliche Bitterkeit über erlittenes Unrecht in Jline, dem Schmied; doch ganz vergessen konnte er wohl nie, denn bis zu seinem Tode 'blieb er ein stiller, schw-eigsanver Mann. Fleißig war er. Vs -mochte sein, daß er Gedanken, die zu gefährlich waren, unr ausgesprochen zu werden, ingrinnnig hineinhämmerte in seine Pflüge und Hufeisen und Hacken und Schaufeln, aber das schadete diesen nicht utcd dig plauderten gewiß nichts ans. Sie legten nur Zeugnis davon ab, wie tüchtig der Schmied war, und weithin verbreitete sich sein Ruf. So vergingen die Jahre, und ans den: kleinen Stepan wurde ein Mann. Der Tag kam, an dem er sich Schmied nennen durfte und von dem ab er mit fernem Vater, Pen er nur manchen Zoll überragte, Seite an Seite arbeitete, bis er auch den schwersten Hammer schwingen konnte mrd so geschickt war wie der alte Schmied selbst. Doch nicht nur an - Esse und Amboß lerttte Stepan Jline, sondern dam: und tvann sprühte wie ein seltener Funke eine Idee, ein Begriff, eine harte Lebenserfahrung von dem alten Mann herüber zu ihm; ein wenig konfus manchmal, immer kreuzehrlich- und auf diesen karger: Werter: baute er weiter, bis er zu ganz bestimmten Begriffen von Recht und Unrecht, von Welt und Leben kam. Kreuzehrlich alles. Schweigsam war er wie sein Vater —; Denn es konnte einem ja noch viel Schlimmeres Pas» sieren im heiligen russischen Reich, als nur ikn der Verbannung im sibirischen JrÄmtsk lebet: zu müssen. Vorsichtig mußte man sein — schweigen!! Von seiner Mutter lernte er Ehrfurcht vor gewissen großen Dingen; das, was Mütter ihre Söhne lehren dürfen. Man hatte ihn gern in Irkutsk, und er befaß vrele Freunde, denn aus natürlicher Veranlagung heraus neigte er zu frischem, frohem Lustigsein. Zu jener Zeit, da er mit seinen Eltern iu die Verbannung wanderte, war er noch zu sehr Kind gewesen und hatte zu viel Zeit gehabt seitdem, zu vergessen, als daß dies Ereignis sein Gemüt hätte verdüstern können. Sein junges Leben wurzelte eigentlich im neuen Land. Ganz vergaß er freilich die Schrecken jener furchtbaren Wanderung von vielen Monate:: nie; doch sie erschiene« ihm nur wie ein schwarzer verschwommener Schatten in weiter Ferne — wie ein böser Traun:, ein 'Alpdrücken, möglichst schnell zu vergessen. Eine Erinnerung jedoch verblaßte niemals in ihn:, uno das war das schüchterne rosige Gesichtchen eines kleinen Mädchens, halb versteckt zwischen Vater und Mutter, mit großen Augen voller Erstaunen und Mitleid und einer kleinen Hand, die zaghaft dem hungrigen, kleinen Buben ihr eigenes Stück Brot hingehalten hatte..... . r m . Das war seine große Errnnerung vom endlosen Weg! Stepans Mutter wachte in fast angstvoller Erwartung über ihn, wie es Mütter tun, und fragte sich in immer? neuem Grübeln und Wundert: von Tag zu Tag, welches der Mädchen von Irkutsk es wohl sein könnte, das er chr als Schwiegertochter ins Haus bringen würde, aber sie wartete vergeblich. Und da ihr'bies sehr sonderbar und irrt* natürlich schien, so hätte sie gern ein wenig geholfen-! „Bist gar wählerisch, mein Junge," sagte sie wobt. „Da ist Nadescha Markosf! Macht sie nicht Augen an dich hin so groß wie ein Wagenrad, und du tust blind wie euns Eule!!" _ t . , „Macht sie wirklich Angen, Mutter? ^:e hat auch wunderschöne Augen, die Nadescha! Wer Natalie Murow auch und — ja — Mascha Kozlo erst recht, Mittler! sind alle so hübsch!!" , t „Und gesäSl denn keine dir besser als alle anderen?« Die Mabl würde aar m schwer sein, denn sre gefallen rnir alle . , , Ja, ja — gefallen! Aber es ist an der Zeit, mein Junge, daß du dir eine aussuchst zur Frau, denn ich,möchte dich .gern verheiratet sähen, ehe ich sterbe. Und vielleicht noch Enkel auf meinen alten Knien schaukeln!" . Wer wird ans Sterben denken; du wirst ra alle Tage 288 jünger, Mutter. Und heiraten und — Kinder! Bosshe-mo'i!*) dazu ifl^s doch noch lange Zeit. Bist du denn deines großen Jungen schon ntübe?" . Nein — aber ich rnöcht' auch ganz kleme Jungen um Mich haben. Was meinst du zu Nadescha? Sie ist hübsch und bescheiden trotz der Wagenrad-Augen, die sie für dich hat ürrd die ich gar nicht verübeln will, weil sie nun ernnral nicht anders kann. Und ihre Mitgift —" r „Was? Mitgift bekomrnt sie auch! Wie fürsorglich du bist, Mutter!" ' „Und sie sagt ja, wenn du nur den kleinen Finger aufhebst, Junge. Allzulanges Warten macht —" ,!,Jch warte aber doch noch, Mutter!" „Bielleicht zu lange!" „Einmal wird meine Zeit kommen, Mutter, aber Na- defchas Wagenrad-Augen werden es nicht sein, glaub ich. Und .so klopfte sie dann und wann bei ihm an, wenn frauenhafte Muttersorge sie plagte, horchte ihn, aus, bald über diese, bald über jene; doch kam sie ihrem Irel memals näher und konnte es gar nicht begreifen, daß ihr Junge so allein blieb, während einer seiner Kameraden nach dem arideren heiratete und ins eigene .Herrn einzog. Ihr ganzes Herz hing arr ihm. Sie hätte ihn gar zu gern glücklich ge^ sehen. Und alle Türen standen ihm ja offen und nicht nur Uw seines hübschen Gesichts willen. Fleißige Arbeit hätte ihren Lobrr gebracht und merlen- weit um Irkutsk hin rühmte rnarr Jline, den Schmied denn die Werkzeuge, die er den Bauern und Berglenten lieferte, hatten in. der- ganzen Provinz nicht ihresgleichen. Bon Jahr zu Jahr hurte sich sein Geschäft vergrößert und fünf Gesellen arbeiteten nun in der Schmiede. Seine rechte .Hand jedoch in Geschäft und Werkstatt war fern Sohn Stepan größer Und breitschulteriger jetzt als der Vater, so geschickt ein Schmied wie er, begabter und weitsichtiger sogar in geschäftlichen Dingen. Ein 'begehrenswerter Ehe,nanu für die Mädchen von Irkutsk! Daher also Nadeschas gar zu deutliches IlUgen machen und Natalies Erröten, wenn immer sie ihm begegnete, und Maschas ein wenig zu durchsichtige Tricks ! ' Von Katinka sprach Stepan nie; nicht ein,nal zu seiner Mutter. War sie doch nur etne Erinnerung — wenn auch eine wunderschöne; etu Bild aus Kinderzeiten — wenn auch unvergeßlich; denn zum Greifen deutlich stand sie immer vor ihm, als wäre es erst gestern gewesen, da er rn jenem Dörfchen Has süße Kindergesicht gesehen mit den wundernden Augen und dern Mitleid, der sonderbaren runden Kappe und den goldblonden Locken. In der Schmiede sah er das Ge- sichtchen, in der Steppe, in Blumen; Katinka ging auf Reisen mit ihm, sie wohnte bei ihm in feinem Zimmerchen. Viel vergaß er, doch niemals sie. . ^ . a /tl Und dabei wußte er nichts, gar nichts, nicht das Geringste über sie, als daß sie ein süßes Gesichtchen hatte und die schönsten Augen voller Mitleid, die es nur geben konnte auf der Welt, uno daß sie' Katinka hieß und fünfhundert Meilen weit weg irgendwo wohnte an der großen Strage nach Rußland. Den Namen des Dörfchens kannte er rncht. Die Mütter wartete und wartete lind wunderte sich. 3 . Puschkin macht den Schmied zum Gouvernementsrat und senoet den Sohn Jlines nach S e l e m s i n s k. Dann starb Dolgourow, der Gouverneur, und Paschkin kam. . , Dolgourow war ein alter Herr gewiesen, der es über alles geschätzt hatte, möglichst gut zu leben und vor allem gründlich in Ruhe gelassen zu werden. Kein Mann also, der mit starker Hand in die Zügel griff oder Besonderes leistete im neuen Land, und doch einer der Großen des Reichs. Früher hatte er ein hohes Kommando in der Armee innegehabt und die Schwester der Kaiserin geheiratet; als er dann einem jungen General Platz machen mußte, war er zum Gouverneur der Provinz Irkutsk ernannt worveü' (einem Königreich, so groß wie England und Frankreichs zusammen), Und dort hatte er durch fünfzehn Jahre hindurch den milden Autokraten gespielt zu seiner und der Provinz vMliger Zufriedenheit. >Das war das Regime, das Irkutsk brauchte. Zu Tausenden strömten die Kolonisten — denn solche *) Mein Gott! waren die Verbannten — in das neue Land, verbittert durch erlittene Brutalität, und fanden nun ihrem maßlosen Erstaunen eine offizielle Atmosphäre, weit milder als dccherm in Kleinrußland. Sie waren freier. Doch die Milde hatte auch ihre Schattenseiten. Der alte Gouverneur ließ die Dinge gar zu sehr laufen wie sie eben wollten, und seine Untergebenen folgten natürlich fernem Beispiel. Man spitzte die Ohren in St. Petersburg; man brummte, wenn auch nrit allem Respekt, der einem Verwandten der Kaiserin gebührte, mrd wurde endlich sehr verstimmt, als die jährlichen Kontributionen der Provrnz an das kaiserliche Schatzamt immer mehr und mehr in Rückstand gerieten, denn des unersättliche St. Petersburg brauchte Gold, viel Gold. Kam dieses Gold nicht, so klapperte es spektakelnd in der Beamtenmaschine, deren einzelne Telle Und Teilchen mit diesem Gold geölt sein wollten . . . Da starb Dolgourow. Man atmete einigermaßen erleichtert in St. Petersburg, und Paschkin wurde nach Irkutsk gesandt, mit dein strikten Befehl, die Provinz ans den Pfad der Tugend zu peitschen und vor allem für prompteste Zahlung zu sorgen. Wie Paschkin das machen wiirde, das war seine Sache. . ‘ Und der Auftrag war ganz nach fernem Geschmack. Eye er nach Irkutsk kam, hatte Paschkin über dre Kirgisen- Dataren geherrscht und diese Tataren in bemerkenswert kurzer Zeit völlig davou überzeugt, daß es einen richtigen, persönlichen, unzweifelhaften Teufel gebe, was sie auefy vorher geglaubt haben mochten; euren Teufel, der von nun an bei den Tataren Paschkirr 'hieß. Aergerlrche Mütter drohten ihren Rindern mit Paschkin. „Sei still, oder Paschkin foimrttü" war eine Drohung,, die selbst dem ungezogensten kleinen Beugel Heidenangst eiujagte. Wenn Männer sich stritten, so wünschte nicht etwa eurer dem andern, der Teufel möge ihn holen, sondern es hieß: „Hol' dich der Paschkin!" Eirr bekannter Mann. Der Paschkin, der seine Knuten irr beißender Salzlauge ausbewahrte; jener Paschkin, der nackte Frauen peitschen ließ: jener Paschkirr, der einmal gesagt hatte, ein Durchschnittsmann sei etwa zehnnral weniger wert als ein Pferd; der berühmte Paschkin, dessen harte Fairst Wunder vollbrachte, die anderen Gouvernerrren niemals gelangen. Daß er trotz aller seiner Brutalitäten irrrmer noch lebte, war ein glänzendes Zerrgnis für seinerr persönlichen Wut Und seine Zähigkeit; kein Mann war mehr bestimmt zu einem plötzlichen gewaltsamen Tod als seine Exzellenz, aber feine Exzellenz lebte immer noch und unterschrieb immer noch Todesurteile, und Rußland zitterte noch inrnrer vor ihm. (Fortsetzung folgt.) Rose und Menhahn. Won Maximilian S t r a ck. Die Heckenrosen blühen all überall an den Sträuichern, die den Weg des riistigen Wanderers umsäumen, und nnermüdlich schmettern die 'Finken ihr helles „Pink— pink-pink!" ' , Es ist ein Sommermorgen voll Sonne und Dasemslust. Hans Robert Markbrnnner, den Rucksack aus dem Rücken, schreitet am festen Wander stabe den Bergpsad hinan, in vollen Zügen dre reme Höherrluft trinkend. An einer Wegbiestnng bleibt er wre gebarmt stehen: Zn seinen Füßen stürzt die Höhe steil ins Tal hrnab, drintten springt der Gebirgsbach weiß schmmcend von Stern zu Stein, daß es Hunderte von Metern M dem Wanderer heranf- schült. Jenseits aber dehnt sich, ein welliges Meer, das Gebirge, und in der Ferne grüßt ihn, alle überragend wie ern chirst die Großen seines Reiches, die majestätische Schneekoppe; fern Künstlerauge umfaßt »entzrrckt das sonnige, farbenfrohe Brld, und er kann nicht anders, er schickt einen klingenden. schmetternden, Jodler zu den Bergen hinüber. . rcc ^ , / Pglx __ pmk —, pink!«" mrtwortet ern Chor von Furken. Ter Wanderer schreitet weiter, rrnd inrnrer noch schmücken die Heckerrröslein seinerr Weg. , . rr , ,. Merkwürdig — Rudolf Banrrrbach, dessen leichte annrutrge Lyrik für Hans Robert Markbrnnner seit Jahren ein überwundener Standpunkt gewesen, feiert heute ber ihm eure Art llnserste- hnrrg, und das kleine entzückende Gedicht von der Rose urrd^denr Firrkenhahn rvill ihm derr ganzem Morgen rrrcht aus dem LMN. Wie rvar's doch noch? Der Finkenhahn werbt uni eure blühende Rose, sie weist ihn nasernmpsend ab — \a wenn er ern Goldsaian wäre — aber so!" „Nein, merrr Herr, ich danke! Dre Zert vergeht, das Leben hat die Rose geknickt, rvelk neigt sre ihr früher so schönes Haupt. Ta erinnert b- srür des Frnkenhahns, der sre sjo heiß umworbAl, ihr all.seine Lieder gchveiht. Er aber MB sie eine Weile an, dann wendet er sW nnd sagt lakomsch: „Nem, mein Fräulein — ich danke!" , Warum wird er die Verse nicht los? — Zu dumm ergmtlich! Und er denkt an ein Möslein fern im Tal, duftig und taufrisch, eben der Knospe entsprungen. Denn er heimkommt Non seiner Sommertoanderung, frisch, gebräunt und gestärlt zu. langer .Winterarbeit, dann möchte er sein Röslein fragen, und sicher hat er kein schnippisches „Nein, mein .Herr, ich- danve!" zu gewärttgen. Aber... Weiter steigt er hinan, ein zweiter ^Wanderer taucht vor feinen. Blicken auf, aber der, klein und schmächtig, trägt Hemdbluse, dunklen Lodenrock -und auf Hem dunklen Haar, das hinten rn? einen dünnen Knoten zusammengedreht ist, ein kleines Lodenhütel. Also ein junges Mädchen, der dürftigen Figur nach! ein sehr Ein dicker Felsblock engt jetzt vor ihr den Weg. Tre Wandrerin erklettert ihn, fetzt sich auf seine Plattform und schaut sinnend ins Tal hinab. Hans Robert pickt. Ten Felsblock kennt er — hier hat er j mir hat meine Kunst ein Herz gewonnen, das sich mir in. innigster Liebe erschloß, und das ich bald ganz mein eigen nennen werde. — Und nun leben Sie wohl, Annemarie! Es war mir eine große Freude, Ihnen noch einmal begegnet zu sein. Heil!" Er streckt ihr me Hand hin, in die sie nur zögernd ihre plötzlich eiskalten Finger legt, springt vom Felsen herab und strebt mit großen Schritten den Pfad hinan, ohne sich noch einmal nach ihr um zu blickein Im Vorübergehen streift er eine halb verwelkte Rose — müde fallen ihre schlaffen Blätter aus den Weg. „Pink — pink — pink!" schmettert droben in scharfem Spott der Fink, „nein, Mein Fräulein, — ich danke!" .Befreit atmet Hans Robert auf. Nun ist der Bann gebrochen — nun kann er hintreten vor sein Röslein fern im Tal und kann das .Wort sprechen, das sich ihm! schon so oft ans die Lippen gedrängt hat. Der Traum auf dem wafser. Von Georg Engel. ■ . . (Nachdruck verboten.) Das Herz klopfte ihm. Es hämmerte so stark, daß er das Sckftagen und Gestampf der kurbelnden Maschinen in seiner eigenen Brust zu hören glaubte. Dazu tanzte ein Schleier vor seinen Augen, wie v!vn. weißglühenden Drähten. Und das Gejvebe stieg auf Enno nieder nnd spannte sich sogar hftldernd Vor die roten und« grünen SiAnallichtter, die von Sekunde znj Sekunde wechselnd in dem Geschützranm des nntertanchenden Bootes anfdämmerten. Wer konnte enträtseln, was sie mit ihrer stummen Lichtsprache meldeten? .Er hatte im Moment völlig ihren Sinn vergessen. Spähend und beobachtend trat der Geschjützmaat zu ihm. In dem herb geschnittenen, straffen Gesicht des Vorgesetzten lauerte ein Befremden. Ihm gefielen dis zitternden,, her umtastenden Hände von Claus Grischow nicht: „Nun?" fragte er gewichtig, wie jemand, der sich evkmrdigt, ob alles in Ordnung, Bor dem gewohnten Klang der KommMldostimMe raffte sich der junge Mensch zusammen, und doch kroch der Laut ihm Nur mühsam aus der Kehle, als er in kaum bezwungener Erregung hinwars: „Ist der Dampfer Columbia jetzt gesichtet?" „Ja, wir haben ihn," bestätigte der Maat, indem er erstaunt seine blauen Angen auf den anderen richtete. Da tasteten die Finger der Geschützbediemmg von Neuem verloren und unsicher über die Abzug stürbet. und ohne daß er merkte, wie aufmerksam sein Gebaren von dem Maat verfolgt wurde, brach es widerstandslos und voll sehnsüchtiger Neigung ans' dem Armerswn von Clans Grischow hervor: ^,/O, es ist ein schönes Schiff. 200 Donnen. U;w all die schönen Säle. Der eine hatte eine Kuppel wie ein Dom. Und darunter waren fünf .wundervolle Frauen gemalt, die sollten die Erdteile vorstellen. Und dann eine reiche Bibliothek an Bord, Büch an Buch in den Gestellen, und die kleinen Kajüten mit den Setten, mtö die Promenadendecks, ans denen die jungen Paare ihr Spiel trieben. Es war Deutschland, das da über die See wandelte. Man war zu Hanse und hatte jeden Span lieb." Er stöhnte leise. An der Eisenwand des frf)|m-ei ß,t r ief enbe n , zitternden Raumes wechselten die Lichter. Der Maat warf einen Blick hinauf und streifte die Aermel in die Höhe: „Achtung," befahl er kurz. Und nach einer Weile des Wartens: „Woher weißt du das alles. Junge?" Langsam strich sich der Bursche das weißblonde Haar zurück: „Ich bin ja selbst fünf Jahve auf dem Dampfer gefahren," bekannte er halb im Traum. „Vom Schiffsjungen aufwärts. Fünf Jahre. Tag und Nacht haben wir das Schliff behütet — und jetzt — —?" „Und jetzt hat man es uns gestohlen," vollendete dar andere hart und bitter, und legte für alle Fälle die schwielige Faust ans den Abzug. „Jetzt führt es unseren .Gegnern Waffen zu, die uns morden." „Ja," stotterte der jüngere und richtete sich ans.- Und doch wand er sich hilflos hin nrrd her: .„Aber die Erinnerungen sie haben Macht über den Menschen. Es fällt schwer - -- „Junge, ich kann mich doch ans dich verlassen?" .In diesem Moment ging ein Gewirr von Blitzen über m Eisenwand. ,^Fener, schrie der Maat. -prnngartig schoß Clans Grischow an die Kitrbel, iiberimmden war das ziellose Gleiten der Hände, der ganze Körper des Menschen riß an dem' Abzug, der schweißige Raum neigte sich schräg, dumpfes Zischen peitschte von dannen — unb dann — die Flamme an der Wand tat ihren MNnd ans nnd meldete: „Volltreffer". „Gut," lobte, der Maat und dabei streichelte er Hem jungen 240 Menschen, der imt ÄufgerissE Auyss nefcti wollend die Wange. „Derne ÄotNmbm jg^ht zur U beide sMvrelrgen Fauste: Es' steckt die Kraft in mrs Mn: fünffachen Wnderanchaueu. Urrd das Schönste an der ganzen Sache, Hernie eigenear -JlnäMn werden dazu michelen, damit du wieder rn dem Dom mcker den fünf Erdteilen stehen faautft Mub lverl rmr uns darrach schnen, mein'So hn, deshalb wird es uns glücken. Und mm — komm ans! Licht." . _ Tran§ps?tkommands. Bvn Hugo Andrefen-Wörishö ffcr. -M erhielt darr Befehl, ihn seinen: Konsulat znzüMven. Ein schr chLmtifcher Zug war's nicht. Das cv-ewchr, das ich umhmg, schier^z ganz kleiner, fth-nächtiger, MlizisäM, südischev Ntiarrn der ohrre sich gehörig ab- und mrzunreldM, sich auf RersM umhertrieb urid. in unserer Garnison aupegriffeu war. In weichen, breiten, bequemen ^aKchsn schlurfte es still ÜNd ganz Ergebenheit neben mir dahin. , ~ r , . Ein langer, seidener Kaftan., rn denen geschurechrgen Faltest sich die ganze Dulderschast seines Bolzes shnlbolrsterte, und mern ^Der Eganze Reine Kerl fieberte vor Angst, mid Erreguilg. Er airm unsicher, hier und ix* stplherud. Tann streßen che ^ruderrckast Unterarme hastig vor. Sein Mnüd halb geöffnet. ^jch^mrte.^rhn atmen hören. Das Auge heiß, das .Wergs Harm leijch. gerötet. Mit dem Kopf ein wenig waebelnd. M und au ern: hm, IF/ 2Bir mnßtenoie Sttaü^ndoün eine Strecke benuhen. „Lassen -«-rv muon*' — w.™,,_ahn eine Strecke beMchm. Se, Herr Soldat, ich bezahl selbst vor Mir, lassear Se." Wieder ans der Straße. , ,, . .. . , , , Glauben Se, daß se mrr wieder gehn ftrssan ward«:, Herr 0oÄ nem, was? Ich Hab' Frau und mer Kmdm Und s^wrssen wo ick jetzt bin - — i« - se haben Vem Geld - — Gott im Himmel!-- „ ,kJg, mein Lieber, da lagt suh-- /Mr Soldat, Ihr Geivähr, i4 er geladen nttt «mr Kugel? "Id \" "Db^se'm.ir^wM werden n-chmer: zu ioas, vielleicht bei de Wacher: oder so: ob se mir vielleicht nich tvevden ragen m de 'Schlacht, Herr «Soldat?" ^ iif'p rT t rh ttl /Meinen Se Herr Soldat? Meirbeur Se rwll? Ei, ei, ich taug nich vor e Krieg, in: Leber: uich, Herr/ „Wie alt sind Sie?" „46, Herr Soldat." „Was sind Sie denn?" , . M . Und da fiel es unr -seine MuMmnLel nU« Anklage, ^ dre, inr Entstehe!: schirr ersterbend, zerram: in der gaNz-en Werchheit fogo, Augena rrffchlagens, wie es rurr das ?luge des Örverrtalen ^nnt, da öebterr die Batten, nebrig-twckenerr Lchper: über dem krafttgert Kinn rmd der dort fliehende Bartwuchs, das Hervorstechen der Hont aus all -den: SÄvarz, ließ der: .vergersttgtm Ausdruck Ätteshmtentarischcr Physiognonner: herhnfchen, und rch hörte, ge- hauch: „Zehn-HKbotD-Lchrerber!" Bücherrisch. — Meisterwerke der Eremitage zu St. Petersburg. 4ZV Kunstdrucke nach Urauinahmen. Text von Nik. Baron Wrangel a. Gg. KorczervSki. 2. durchgesehene und ergänzte Auslage. München 1918. Franz Hansstaengl. Geb. 14. Mk. Es will uns als eine in ;eder Hrnstcht beachtensiverte Tat er- scheinen, daß der Verlag Hansstaengl im dritten KrreMahre Ver- anlassung hat, eine neue Auslage der „Meisterrverke der Eremitage zu St. Petersburg" zu veröffentlichen. Der Bearbeiter dieser zwecken Auslage, deren Einleitung im Gegensatz zn jerrer der ersten nicht in sranzösischer, sondern in deutscher Sprache abgeraßt ist, tragt emen polnischen Namen. Die Veröffentlichung dürste insoserrr auch euren geschichtlichen Wert haberr, als ihr Inhalt rrach Titelr: und Abbil« durrger: eine Feststellung des Bestandes der berühmterr PsterSbrrraer Gemäldesanmrlungen zuläßt; der persönliche und öffentliche Besitzstand Rutzlarrds war bekarrntlich in diesen Kriegs- und Revolutwns- iahren Veräirdermrgerr ausgesetzt. Neber die Güte der Hanfstaengl'n scher: Führer durch die bedeutvrrdsten Genräidesammlurrgerr Europa«, von denen der vorliegende der siebente Band ist, und über die Vortrefflichkeit der Bilderwiedergaben läßt sich Neues nicht sagen. Es soll hier aber besonders darauf hirrgewieseu rverdeu, daß auch diese neue Auflage hmsicktlich Papier, Deuck urrd Einbaud vollkourmcn genannt rverdeu darf. — Martin Andersen Nexö, Stine Menschenkind. Eure Kindheit. Ronrarr. Umschlag- urrd Ernbandzeichrrung von Feiger. VreiS geheftet 3,50 Mk., gebunden 5,50 Mk. Verlag vorr Albert Langen in Mürrchem — Martirr Andersen Nexö ist durch setire Rornarre, aber auch durch feine kleinen stimmungsreichen Novellen in Deutschland längst als starker Dichter bekannt. Sein neuer Roman bildet den in sich abgeschossenen ersten Teil einer Romanreihe, die das ganze -.eben der Stine Menschenkind rnnsassen soll. Hier ist nur ihre Kindheck geschrl- dert, die Krndheit eines unehelich geborenen Mädchens, das bei semer -alten, armseligeri Groß,untrer ausrvachst, in einer Frscherhütte an d«r karge,: Küste Dänemarks. Armut, Arbeit, Sorge begleiten diese erstru Jahre bei der Großmutter und später auch die Jahre bei der Mutter, dem Stiefvater und den Stfesgeschwistern. Urrd dennoch stellt stch v.r der Eindruck der Trostlosigkeit ein. Mit einer wundervoll zarten Selbstverständlichkeit breitet Arrdersen Nexö über dies scheinbar graue und freudenleere Leben den reichen Glanz des reinen, goldenen Kindseirrs, zeigt er Stine in aller ihrer Not als das unüberwindbare fröhliche Kind, das in den grünenSorrrrnerrväldern sich ferne ürarchen- schlöffer erträumt und sogar erlebt, — ein rechtes Kind, etn von Natur aus froher Lebeusausarrg. — Rav ul Konen: Der junge König, TranechM in 5 Auszüge.':. Verlag Albert Ahn, Bonn; Preis drosch. 6M Mt., geb. 8,80 Mk. — Schpi: öfters h-.:ben Dichter versucht,^ den tragischen Ansgm:g deö ftanfischM Herrscherhauses dramattsch W verwende:: uxtb nusznarbeiten. Wer merst schnter^ der^B«ck«ch, sei es an der Schwierigckeit der historischen Berw-ickurng, rer es an der ungünstiger: Auffassung der Person Kvnradins. Dre dvamw «tische Handlung blieb meistens tot, starr und konnte deing-ttnLh keine ttefgchendc Wirkung erziele::. Liest man aber Raoul Karrens Trauerspiel, so «wird mar: überrascht sein. Hrstorrlche W:rrl:u)kcch und dichterische Phglr'lcklichM rnrtema'.wer der- woben, ohne daß die geschichtliche Tatsache ernstlich beurom Mro. Das historische Schauspiel hast in- einer ganz eEaler: Art mnd urcker Zuhilfenahme «üres flüssigen, klirrgerrden D-ralogs regstes Leben erhalt«,. Langst, Berkchimmderres ettvttchr ,weder zum Leben, wird jung und stark, ohne der: Modergeruch *** Relwnve. Deshalb wird arsch der vetivöhrcke, uwderue Monlch hrer Genüsse vorfind«:. Gießener Hausfrauen-Verein. Kochanweisnngen. Sehr gute M ar me lad en s peise. Aus Graupen oder Gerstengrütze rrnd etrvas Marmelade kam: marr auf sehr ernfache Weise eine gute süße Speise herstelletr. Man nehme nfr b ^ Personen berechnet 8-9 Eßlöffel Graupen oder (Gerstengrütze, laffe. sie gut in etwas Wasser quellen rnrd darrn weich kochen. -- •-an laß: sie dann über Nachtz»oder ein paar Stunden larrg stehen, vermeng, sie darauf mit ein paar Löffel Marmelade und grbt je nach ^Geschmack noch etroas Zucker daran. Die Masse wird m eurer länglichen, arrsgestrichenen Form V 4 Stunde,: larrg ge racken und nach Belieben heiß oder kalt gegessen. Es ist gut, wem: man dre Form etwas ausbröselt. Kohlrabipudding. 10 geschälte geschnittene Kvhlraben nebst ihren grünen zarten Blätter:: kocht mar: in Salzrvasser werch. läßt sie abtropsen und wiegt sie gröblich. 750 Gramm am Tag« vorher gekochte Kartoffeln werden durch dre Maschrnd gerrreben m:d mit einoeweichten, fest ausgedrückten Brötchen unter du: Kohlrnasse gemischt. Mau gibt ein Eigelb, ein Teelöffel Ererrpar- Pulver, Salz, Pfeffer, Muskatnuß daran, rührt dre Masse kräftig 10 Mimtten, bevor man den steifer: Schnee des Enverßes darunten- zleDt unv alles in die vorgerichtete Puddingforrn füllt. Man kocht den Pudding 50 Minuten, stürzt ihn vorsichtig und nbennllt :hn mit einer tveißen oder Tomatentunke. Kartoffeln znm Kaffee zur Streckung des Bro-- kes In der Schale gekochte Kartoffeln werden geschält, m dich liche Scheiben geschnitten und auf der 5perdplatte oder aus «nem Backblech auf dem Gasherde auf beiden Seiten schön braun angebacken Mau kam: nach Belieben aus jede Scheibe etivas Salz streuen. .Hierzu Marmelade, schmeckt zum Kaffee sehr gut. Pyramide. VA» Konsonant. Fürwort. Wild. Hohes Gut. Werkzcrrg. m m m m m m Ge äß. Von der Spitze beginnend ist jede mittlere Reihe immer durch Hinzusügen eines Buchstabens unter beliebiger Stellung der übrigen Buchstaben zu bilderr. (Auslosung in nächster Nummer.) Auflösung des Scherzrälsels in voriger Nummer. Jchnerrmon (Neumond, Ich — Schristleitung: W. Weyer. — Zmillingsrunddnrck der B rüh l'schen Nuiv.-Buch- und Steindruckerer. R. Lange, Gießen,