Der Hammentöter. Roman von Horst Bo de mer. (Schluß.) ^ Psingsten war gekommen, die langen Tage. Da «jucfte es oft in beit Händen des Flammentöters, der Druck auf! seinein Gehirnkasten ließ nach, nMe Arbeitslust erwachte. Aber dann begann immer wieder' das Zucken um die Mundwinkel. Mle Monate schickte ihm der Justizrat M-inne- king das Geld Und schrieb das letzte Mal dazu:' „Wieder werde ich, sowohl von Klausners wie von Leutnant Krohlow bestürmt, Ihre Adresse anzugeben. Ich darf das natürlich nicht. In ihrem Interesse liegt es aber Wohl, sich mit Herrn Klausner wieder in Vermnduug zu setzen. Wie er mir neulich sagte, kann jeden Lag das deutsche Patent auf Ihre Erfindung herauskommen. Er hat für die Reklame hunderttausend Mark ausgeworsen und zu seinen vierzehn Reisenden noch Meiundztvanzig für den 1. Juli engagiert." Das war ja alles wunderschön i Warum aber hatte Koohlows Verlobung Mit der Trude noch nicht stattgefunden? Wenn Klausner solches Vertrauen M der Erfindung hatte, konnte er doch getrost seinen Segen geben; . . . Der Juli kam, das Patent wurde erteilt, da wurde der Flammentöter unruhig. Försters rissen die Augen auf. Die Frau schüttelte den Kopf, lvenn ihr Gast draußen auf dem .Hofe voller Wut Holz hackte, daß ihm die Sparte um die Ohren flogen. „Mütterchen, die Grvgzeit ist vorüber," sagte dann der Mann von der grünen Farbe, „paß tnal auf, jetzt labbert er bald mit Vorliebe saure Milch! tutd weißt du, was das zu bedeuteu hat? Nich Magenverstimmung, i Eott bewahre, da steckt ein Unterrock dahinter, der ihm M ganz richtig durch die Äappen gegangen is! . . . Weißte noch, unser Hannchen? . . . Na, natürlich, bei den Manns- leutett sieht der Zustand anders aus, aber schließlich kommt's doch auf ganz dasselbe raus ... Der starke Hirsch Und der Schneider (jttnger .Hirsch)! Letzterer wird bekannt- von dem Kapitalen in die Büsche getrieben! . . Und ob es ein Mann oder ein Schneider, er tut sich int Dickicht ttteder Und läßt den Aeser lang aus dem Fange Gingen, ms dre rtchtrgen Tage, nämlich Mütterchen, die anderen aber attch wteder gar nicht gefallen, kommen! 'ne ver- rrchtrge Eimnchtung von unserem Herrgott'" . . . Aber der FlammentAer „labberte" nicht saure Milch! Me Lonne brannte ihm jetzt so schön aüf die Nase, da ZZr m oen jettet vom Wandkalender ffL- ■ - Der ctjte Oktober, der zweite, dritte! Da mußte die drW Abrechmütg über die Erftndmrg kommen. Sie würde ja noch tttcht „unhetutltck)" je tu, denn von heute zu morgen Iteß srch etwas Mues nicht ein führen, immerhin, neuaieria war er, wie der Anfang aussah. Uttd der war so glänzend, daß der Brief Krohloivs, dett r „vit nit-ai hemeieat:. in in,.« ttaitte^ 1 l ^ 11 ^ ^ versetzte, den er erwartet Aber schließlich, ein böser Lag war's doch! Und beit ertramte man am bestein in Sekt. Der iuime Waldläufer mußte ins Städtchen hinunter laufen und sechs Flaschen heraus holen. Und denen wurden au diesent Tage allen die .halse gebrochen. d 1 attsgeregt zu Klausners gekommen, ^.er FabrrLaut hatte jsstch mit herzlichen Worten bedankt. - cm v Geschäft werden, soweit es sich jetzt^uberbltckeulaßt! . . . Meine älteste Tochter kann leider nicht erscheinen, bettlägerig, aber nicht weiter Lene. Dazu kniff sie das rechte. Atme zu' Der junge Offizier hüte tief' Atem. „Herr Klausner! Gnädige Frau! Ich bin wahrlich tE gelommeu, um Dank eiMuafsteren. Es ioar doch ZufaL daß ich den Wellerkamp kannte. Natürlich ist es für mm etttc gptf Freude, wenn sich nach allen Seiten der Hin/ Mel klart! . . . Mtch trieb die Angst her." ^ Angst?" fragte Frau Klausner und machte erstaunte 'Autzien. . k ■ { „Ja! Nämlich um Wellerkanrp!" Er erzählte, tu welchem Aufzuge der Freund zu ihm gekommen war, was für ein. inetches Herz bet aller Genialität in der Brust des Flammen- töters schlug, welche Augst er habe, daß der arme Kerl den Hatt verlieren werde, deitu dieses „Äusreißeu" mache ihm ernstlich Sorge. „Herr Klausner, ich habe getan, was' ich tun konnte, nun ist's aber an Jlstten, den liehen Kerl mit starker Hand aufrecht zu halten! . . . Das trieb mich heute her — nur das!" Der Fabrikant nahm Krohiows beide Hände in bw feilten. Seine Angen bekaute 1 einen feuchten Glanz, selbst dre lustige, übermütige L-eite ntußle ihr BatiAaschentücbtrin zücken. „Gern Hab' ich Sie schon immer gehabt, Krovlow, von heute ab Hab' ich Sie lieb... Wirs. . . Da freu' ich mich für meine Trude? . . Aber erst der Erfolg! . . „• Wenn Sie bis dahin sich recht oft bei uns sehen lassen, —■ Sie werden uns immer willkommen sein!" Die Rührung erreichte ihren Höhepunkt, als Frau Klausner ihren künftigen Schwiegersohn in die Arme schloß. Dann aber wurde man wieder ernst. Man erwog, wie man dem Flammen tö! er helfen könne, und fand doch vor- läufig keilten Weg. „Na." meinte Klausner, „kommt Zeit, kommt Natt 236 »: • - Jetzt gilt's für mich mi billig erstandenen Schatz zu veräußern. Aber — welch! Entsetzen ! Herablassend! lächelnd erwiderte der Juwelier, daß d,e Perle zwar prächtig aussehe, aber aus Wachs gemacht sei und gar kernen Wert weiter habe. ' , Seit. jener Zeit gibt es keine Austern mehr ,::: tenem, vornehmen Restaurant, und der Oberkellner entschjnldigt sich ber, den Gäste:: verlegen mit den Worten: „Wegen des Tauchoootkr,eges ist es leider nicht mehr möglich- Auster:: aufzutrecken! . . , wahre kleine Bilder. Zusammen gestellt von Kurt Palm. Gin Kuß von Schiller. An einem schönen Winterabeird im Januar des Jalwes1785 HfYpTt uinaeWr seck^ebniäbriac Mädchen über den Ararkt- 232 Platz in Darmstadt. Es lag ein schöner Schnee anss der Straße, und die lustigen Dinger warfen sich mit Schneeballen. Die schäkernde, Schlacht war gerade am hitzigsten, als ans dem sogenannten alten Palais des Prinzen Christian (bevwhnt von der ,-alten Mirstm Albertine Luise, Gemahlin des Prinzen Georg Wilhelm, des Bruders des Landgrafen, nnd .Großmutter der Königin Lüste von von Preußen) zwei Herren traten, von denen der eine richtig euren derben Wurf empfing, der eigentlich der Freundin,gegolten hatte. Mit einem Schrei wandten sich die Mädchen sofort zur- Flucht. Indessen, die Herren fanden: „Strafe muß sein!" und verfolgten die beiden hartnäckig. Tie Jagd ging bis an das alte Rathaus am Paradeplatz. Tort wurden die Uebeltäterinnen eingeholt, gefaßt und trotz allem Schreien und Sträuben tüchtig abgeküßt. Feuerrot und beschämt liefen sic nach Haus. Lachend tvaudten sich die Herren rrm und schritten dem Schloß zu. , . Am nächsten Bormittag fand „große Cour" bei Hofe statt. Fremde Herrschaften waren anwesend, wie Karl August von Wer- mar und seine Gattin Luise, eine Hessen-Tarmstüdter Prrnzessrn; es gab also viel zu sehen. Unter den Zuschauern stellten sich auch die beiden jungen Mädchen ein, deren Vä^er im Hjofamte tätig/ waren. Ta, wer beschreibt ihr Erstaunen, als sie in dem Zirkel der Anserwählten die beiden jungen Männer erblickten, die am vergangenen Abend eine kleine Unvorsichtigkeit so hart bestraft hatten! Es waren der Prinz Georg von Hessen und Friedrich Schüler. Ter letztere hatte am Abend vorher den Landgräfinnen, Töchtern und Schwägerinnen der geistreichen Freundin Mercks und Klopstocks, Henriette Karoline, und ihren sürstlicl/en Gästen oen! ersten Akt des „Ton Carlos" vorgelesen, zuvor aber sich von frischen Lippen die nötige Stimmung dazu geholt. , Tie eine der beiden Geküßten hieß übrigens Sertz ncu> tvar die Tochter des Hofpernquiers. Sie hatte Prinz Georg, erwischt. Die große Schönheit des Mädchens machte auf den Prinzen solchen Eindruck, daß er es heiratete, nachdem es zur Baronesse ernannt worden war. Der Schneeball als Heiratsvermittler! Und es ist nicht einmal ttnr eine Fabel, sondern Wahrheit. , Chopin. Der berühmte Tondichter war einmal bei einem Bankier zu Tisch geladen, einem jener wenig zartfühligen, geldstolzon Menschen, die einen Künstler stets dazu, nötigen möchten, den Preis' seiner Mahlzeit mit Musik zu bezahlen. Als die Tafel aufgehoben war, drängte die Herrin des Hauses (Chopin mehr als nötig, sich doch ans Klavier zu setzen, und quälte wiederholt: „Spielen Sie Ms doch etwas!" „Mch, Madame," erwiderte Chopin, „ich habe ja so wenig ge- Mssen!" Rossini. Er lebte in den späten .Tagen feinet Lebens viel in dem r chen Passt) bei Paris, tvo er eine kleine, sehr schöne Billa be- Von morgens bis nachmittags 2 Uhr arbeitete er Md empfing dann Besuche: nachher pflegte er in der Umgebung seines Hänschens spazieren zu gehen. Ta geschah es einmal, daß ein Fremder sich nach Passy ansgemacht hatte, Mi den berühmteil Komponisten zu sehen und, wollte es sein Glück, auch zu sprechen. Ans dem. Spaziergang traf er ihn. Türfte er es wohl wagen, ihn auzu,reden? Ach —_ er nahm all seinen Mut zusammen, lüftete den Hut und drückte ihm seine getvalttge Frestde aus, einen so großen Menschen zu sehen. Es sei Herrn Rossini doch auch nicht unangenehm? Rossini reichte ihm die Hand uzid meinte lächelnd: „Nein, nein! Betrachten Sie mich so lange Sie Lust haben. Und tvenn es Ihnen Spaß macht, dürfen Sie sogar rMd uni mich herumgehen, ich tue Ihnen wirklich nichts!" Rossini toar nämlich sehr dick. Poesie auf Bauknoten. Die. Kasse der Niedersächsischen Bank in Bückeburg hat im Jahre 1856 Banknoten ansgegeben, die eine von feen meisten gar nicht beachtete Merkwürdigkeit zeigten. Es hat nämlich einer dev Bankgründer manche meinen, der Fürst selber, andere sagen) der beteiligte Prinz von Hohenlohe sei es geivesen — den Einsall gehabt, die einzelnen Kassenscheine zur Kontrolle so zu bezeichnen^ daß daraus Verse voll Volksliedern, bekannten Gedichten mrd deutschen Sprichwörtern mit Tinte niedergeschriebeii waren. Je eini Vers sollte für eine Serie mcs gewählt werden. Ein Sammler hat damals mühsam die Reihe Nr. 323 000 bis 232 007 zusammen- « . Auf ihrem ersten Schein trägt der Revers im flatternden Nterhalb des Wappens links die Nummer 323 000, rechts das Wörtzhen „Ich". Auf den folgenden Nummern steht: 323 001 --Hab' " 323 002 --- mein . : : 323 003 --- sackst / 323004 — ans 323 006 -- nichts 323 006 ---gestellt, i 323 007 --- juchhe! Da alle Noten der Nieder-sächsischen Brink ans gleich originelle Art beschrieben und gezeichnet sind, bildet ihre Gesanttheit jedenfalls das wunderlichste und teuerste Spruch- uud Liederbuch den Welt. Wer sich die Mübe des Snchens und Sammelns nahm mW über die nottvendigen Mittel dazu verfügte, konnte noch sinoent „Wer niemals einen Rausch gehabt, der ist kein braver Mann!" oder: „Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang!" oder; „Willst Tu. immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen, . Denn das.Glück ist immer da!" Von diesen Reimen Md von vielen anderen sind untrügliche Bruchstücke heute iroch vorhanden. Es ntä^re niemand mehr sagen, im Geld- und Bankwesen sei keine Poesie zu finden. Bückeburs bewies in alter Zeit schon das Gegenteil. Büchertisch. — Neue Fraluenkleidung und Frauenkultur. Organ des Verbandes für Deutsche Fvauenkleidnng und Frauen- kultur. Schriftleitung: Klara Sander, Else Mirminghaus, beide in Köln. Verlag der G. Bmunschjen Hofbuchdruckerei in Karlsruhe. Jährlich 10 Hefte in Koch-Quart mit zahlreichen Wbch düngen und Zeichnungen auf Kunstdruckpapier, sowie Schnittmustev- bogen. Preis fürs Jahr 6 Mark, fürs Halbjahr 3 Mark. Probehefte nnberechnet und portofrei. Das Juni-Heft ist erschienen. — Die neue Heimat. Ein Gruß aus dem neuen Deutschland !an die aus der Gefangenschaft heinlkehrenden Deutsche. Furche-Verlag. Berlin NW 7. Preis 1,80 Mk. — Der Kaiser selbst schrieb diesem, trefflichen Buch das Gelleitwort, Hindenburg, Luden- vorff, Hiertling, Stein, Dryauder und viele andere unserer bedeutendsten Männer sperrdeten Beiträge, so daß ein wertvolles Werk entstastden ist. Wir können dem Buche nur die alleriveiteste Verbreitung wünschen. ' Gietzerrer Hansfrauen-Berein. Kochanwcisungen. Grüne Bohnen (auf vegetarische Art): Tie geschnitzel- ten Bohnen Iverderr mit Wasser oder Brühe, etivas Fett, Salz 'iuib Bohnerckcaut iveichgekocht. Dann reibt man ein bis zivei große, rohe, geschälte Kartoffeln dazu mrd läßt dies gut weiter kochM, bis (hie Bohnen weich sind. Tie Kartoffeln machen das Gemüse dicklich und gebunden. Es wird put Salz abgeschmeckt.und NM Pfefferersatz und gehackter .Petersilie gewürzt. Kartoffeln mit B u t t e r m il ch. Wo Buttermilch Nickst erhältlich ist, hilft man sich, intern, man Magermilch dick werden läßt mrd dann quirlt. Tie gargekochten Salzkarbofseln werden zerdrückt, mit etwas Bretter oder st eb rate neu Speckwürfeln durchgerührt und dann aufgetragen. Man verzehrt das Gericht aus Suppentellern, indenr man die Milch über die Kartoffeln füllt. Das Gericht ist sehr rrahrhaft. Pudding von gekochter, geronnener Milch. Ein Liter geronnene Milch, eine Prise Lalz, 4 Eßlöffel Zucker, 140 Gramm Grieß, 1 Ei. Man rührt ben Grieß mit Wasser glatt und läßt ihn unter beständigem Rühren in die kochende Milch lausen. Sobald der Grieß gar geworden ist, kommen Zucker, Salz Und das gut abgequirlte Eigelb unter die Masse. Tann^den Eierschnee darunter und die Masse juni Erkalten in eine Schale geschüttet. Frnchtsoße dazu gereicht. Kartoffel-Eierkuchen. 1 bis 2 Pfund Kartoffeln werden geschält, gekocht und durch ein Sieb gerührt. Tann verrührt Man die Masse nüt etwa l k Pfund Mehl, 1 bis 2 Eiern, Zucker, Milch oder Wasser, soviel der Teig airnimmt, und 1 Teelöffel Backpulver. Ter Teig darf nicht zu flüssig sein. Man best.reicht die Pfanne mit Fett, backt bei gelindem Feuer goldgelbe Plinsen, die man Mit Marmelade bestreicht, zusammen rollt und mit Zucker bestreut. Geheimschrift. so »I to o- Scheune — Theodor — Bote — hÜ CO w cH iO Mohr — Agent — Moat cn IO « (Auflösung in nächster Nummer.) Auflösung des Anagraurms in voriger Nummer r Hafen, Estrich, Lampe, Eiland, Notar, Eisen. Helene. Schriftleitung: W. Meyer. — Zwillingsrunddruck der ArÄhl'fchen Unv.-Bnch- und Steindrnckerei. R. Lange, Gienen.