Bon Justus Scho enthalt (Fortsetzung.) 13. Kapitel. Der Schleier fällt. Und wieder hatte eine Woche das Rad des Schicksals Vorwärts gedreht, Menschen, und Völker zerpflügend. Der Minister schritt erregt in seinem Zimmer ans und nieder. Dieser Krieg war reich an Enttäuschungen, Gott sei 's geklagt. Aber das war das Fürchterlichste. Denn das ging ihn persönlich an. Wenn marl nur 'wüßte . . .? Ader man wußte ja! Es konnte keinen Zroeifel geben. Er warf sich in den Sessel an seinem Schreibtisch und las -um sechster; Male die drei kleiner; Briese. Vorn ersten bis zum letzten Buchstaben. Nun kannte er sre fast wörtlich austvetwig. Nein! Es gab keinen Zrveifel mehr! Dieser .Lvngfvrd war ein deutscher Spion!! Teufelskerle, diese Deutscher;! Hatte sich gewiß freiwillig gemeldet. Ob sich unter seinen Offizieren eirrer freiwillig fände, der sich in gleicher Eigenschaft nach Berlin senden liehe? Kaum! Und dann Hütte keiner die Landessprache so vorzüglich beherrscht wie dieser junge Hauptmann. Und zu denken, daß er nun vielleicht euren dingfest machte, daß gleichzeitig aber hundert und mehr weiter ihres Amtes walteten, daß sie in Petersburg und Paris ebenso säßen. . . Ja, es tvürdc lvoht einen gräßlichen Skandal auf- wirbelr;. Vielleicht würde er selbst den Zylinderhut vom Haken nehmen rnüsfen . . . Sicher mußte er sein Abschiedsgesuch einreichen. Die Finger seiner Rechten zausten nervös im Schnurv- Man mußte ein Mittel finden, die peinliche Geschichte möglichst ohne Aussehen zu beerwigen.-Ein Spion int lKriegsamt!! Er sah schon die dicken Zeitungsüberschriften der Southrisse-Presse leuchten. Er wußte, tvas oas für g rauenhafte Folgen nach sich ziehen konnte . . . Ueberhaupt ord Southriffe! Er ging wieder auf u;rd ab. War dieser Spion nicht ursprünglich bei Lord Sonthrifie abgestiegen? Womöglich handelte er gar im Einverständnis mit dem Lord. Er war ja denkbar, daß der Zeitungskönig aus Feirwfchaft gegen die Regierung ihr diesen Stein in oen Gart»; warf. Wer Unsinn! Das wäre ja Hochverrat! Dazu toar der Lord zu vorsichtig und za; schlau. Der Lord war eberkfo der Germs führte w,te er mW alle. Gereizt stand er wieder auf mW «ückveisbü die lange Tafel, wo noch imnrer Aktenstücke mW Generalstabskarten in friedlichem Durcheinander und Neberreinander hausten. Er sah nicht darauf hin. Er sah nur den Skatwal gleiL einer Riefenfanst aus dem Boden wachsen. Unheildränend schwang die Faust den fürchterliche;; Hammer einem Amboß entgegen, der in tausend Stücke zerschellen mußte . . , Und der Amboß war-er, er, der Minister. Grausen faßte ihn an. Er mußte den Brief zum siebenten Male lesen, den letzten, beit er selbst hatte abfangeA lassen. e „Wertes Fraulein Ilse! Endlich ist es mir gelungen, vom Nachlaß Ihres Herrn Onkels wenigstens so viel in Erfahrung zu bringen, daß ich Ihnen die nachstehende Aufstellung sch-cken kann. Ich werdtz vielleicht doch die Hilfe eures AMoalts in Atrsprmh nechneu müssen, da die Ermittelungen viel Zeit mw Mühe erforoern. Die ein.zelnet; Posten sind recht verzettelt angelegt. Sofort, fa)u heißen: innerhalb der nächste«. Wochen verfügbar si;w, was größere Städte und Posten anlangt, hier in Lotwon 1224 Pfund u;w 10 Schilling, in Manchester 603 Psiuüd und 4 Schilling, in Liverpool 579 Pfund und 5 Schilling, in Glasgow 248 Pftmd 1 Schilling, Dm wer 372 Pfund 18 Schilling, Edinburg 310 Pfund, Belfast 88 Pf mW 19 Schilling, Dublin 139 Pftmd 8 Schillittg .. !Er hielt inne und verglich die Liste der für den Aw transport verfügbaren Druppettteile. Dieselbe Reihenfolge War da gewühlt. London 24 490 Mann, Manchester 12 064 Mann, Liverpool 11585, Glasgow 4961, Edinburg 6200, Dundee 7458, Belfast 1779, Dublin 2788 Mann, mW es konnte auch keinem Zweifel mehr unterliegen, auf welche Weife der Schreiber des Briefes die Pfund- und Schilling- zahl erhielt. Sehr einfach. Je zwanzig Mann waren etut Pfund. Der Empfänger brauchte t;nr die Pfmwzahl in Schilling aufullösen, so bekam,er ganz sichere Nachricht von der Stärke des verfügbaren, britischen Nachschubs. Sein Auge flog zum Brief zurück. . Sie sehen, daß der Weizen in Irland schlechter blühte. Ueberhaupt sind die Summen jyel geringer, als Sie lvohl erwarteten. Und da Ihnen die Schulden des Nachlasses bekatmt find, so werden Sie sich wohl selbst sagen, daß die Aktiva kaum genügen, tun nur die Schttldetr zu decken. Dadurch erhält die Ansicht Ihres Herrn Brm ders, der ja nie viel von der ganzet; Erbschaft hielt, eine treffende Bestätigung . . Der Minister zog der; Schnurrbart aus und lächelte verstehetw. Mit den Schulden des Nachlasses waren vfierw sichtlich die Verluste an der Front getneint, zu deren Auffüllung ja in der Tat die vorhandenen ^stände kaum, äudreichte;;. ^ ! Gr las den SchLtlß des Schreibetrs. 1Ö8 — ... . . Ueber die Gelder, die in späterer Zeit verfügbar Werden, und den näheren Zeitpunkt, sowie Wer dre un- tzedeutenden Beträge, di« in kleineverr Städten noch ans- Sehen, schreibe ich Ihnen demnächst. Air heute mit den besten Gnrpfehlnngen an Sie alle Ihr sehr ergebener Lvngford, Hanptmann im Großen Generalstab-/ Ja, ja, es gab lvirklich nicht den leisesten Zweifel mehr. Leber den späteren Nachschub, die Zahl der noch unaus- r ildeten Mannschaften und die kleinen Garnisonen lvvllte später schreiben. Sv sicher fühlte er sich oder in so Wonnesame Sicherheit wollte er den Zensor tvriegen, den dielleicht doch allzu viele Zahlen in einem Briefe gestört hätten. Die weiteren Zahlen konnte er sich za für et neu Mteren Brief aufsparen... Die Exzellenz schlug niit der geballten Faust zornig aus den Schreibtisch, daß Tintenfaß, Löscher, Papiermesser mw Federhalter stand er einen klirrenden Tanz vollfuhrten. Da sollte doch gleich rin Donnerwetter drein fahren! Dazu Hattert die Herren der Abteilung Brauch also die Beschaffung der Liste über die vorhandenen Mannschaftsbestände so dringend beantragt! Er steckte die Briefe zu sich! xuxb klingelte. Das Klügste war, diese unangenehne Sache ohrte Aufseher-. und Geräusch totzumachen. Und zwar so rasch! rvie möglich. Einer der jungen Mäirner von: Vorraum erschien. „Mein Auto!" befahl der Minister kurz. Sein Entschluß war gefaßt. Er griff nach einem zier> ftchen Kästchen, schloß es auf und entnahm chm eine Kart«. 9ha* wenige Zeilen warf er darauf, überlas sie uiu> steckte sie in erneik^Umschiag. Dami erhob er sich, ging in den Vorramn mrd reichte dem jungen Mann den verschlossenen Umschlag. . „Das besorgen Sie schleunigst zum Herrn Polizeiprafu- deiiten. — Ich lasse aber um zwei recht weltgewandt« Herren bitten. Mehr als auf dem Kärtchen steht, ist als Instruktion nicht erforderlich." Gr eilte die Treppe hinab, rief dem Kraftfahrer eine Hausnummer und Straßennamen in Hampshead Kt und stieg ein.- . . • . Als Longford die Karte des Mimsters m der Hand r t, huschte ein zufriedenes Lächeln über sehr« Züge, warf ein Briefchen m den Pnpierkorp. Ein paar Posttage zu spür, Exzellenz! Me Vorkehrungen zu Ihrem Gntpfang sind längst getroffen . . . Eberr daS berühmte Pech Englands und seiner Bündes genossen, stets «r spät am Schauplatz einzutreffen! dachte er halbtcmt. m ging dem Herrn des KriegsamtZ bis zur Treppe entgegen tmb empfing ihn mit der liebenswürdigsten mene. ,-Gewiß eine sehr ernste und eilige Sach, daß <£x> Menz sich persönlich die Mühe machen, mich aufzusuchen?" Schroff erwiderte der Minister: „Ich werde Ihnen sogleich alles erklären." Gr legte ab und betrat Longfords Arbeitszimmer. Me Rauchlust, die ihm entgegenschlng, berührte ihn n.nan° genehm. Er nahm in dem Großvaterstuhl Platz. Longford wußte, Was mm kommen würde. So oder ähnlich hatte er sich die ©gierte in den letzten Tagen oft genug ausgemcüt . . . Die Exzellenz hatte ihn also doch nicht verhaften lassen, —i entweder, weil das Beweisnetz noch! zu weitmaschig War, oder wohl eher, weit der Skandal gtu entsetzlich ge- jöejctt wäre. „Exzellenz belieben zu rauchen?" „Danke! Nein!" Die drohenden Augen warerr starr aus den jungen Offizier gerichtet. „Ich rauche reicht die Zigarren eines Spions!" Longford schnellte empor, — genau wie sein« ein** studierte Rolle ihm das vorschrieb. „Exzellenz machen etwas sonderbare Scherze." „Wohl Ihnen, wenn Sie derlei scherzhaft finden können! Ein Höllenspaß ist's allerdings!-Nun heratts mit der Sprache! Wer sind Sie eigentlich? — — Das Klügste ist ein umfassendes Geständnis. Damit verlieren wir beide, am ivenigsten Zeit." Der Hauptmann pflanzte sich vor dem ' Großvater stähl auf. „Wenn Exzellenz nicht mein verehrter Vorgesetzte« wären, würde ich eine sehr derbe Antwort wählen. —i So schweige ich lieber." ^ „Aber vergeud err Sie doch unser beider kostbare Zeit mcht! Ich habe ja Belveise!" „Beweiset klang fragertd Longfords Echo. -Der Minister zog seine Brieftasche und entnahm ihr die drei Schriftstücke. Sorg fällig breitete er sie vor sich aus. „Da ist zunächst der Brief einer Dame. Sie gibt an. Sie hätten zärtlich zu ihr werden wällen mrd dabcsi. in leidenschaftlicher Erregung deutsche Worte gebraucht. —- . Was haben Sie darauf zu erimoeru?" Longford zuckte die Achseln. „Vielleicht stellen mich Exzellenz einnral dieser Dame persönlich gegenüber, damit ich mir diese wackere Jungfrau auch betrachten kann," höhnte er. Der Minister beachtete den Einwand nicht und fuhr dort: „Die Dame legte anch die Abschrift eines Brieses bei, den Sie nach Rotterdam gesandt und den der Diener dev Dame zur Post gegeben hat. Sie haben darin einen Arzt Dr. U. erwähnt, der dern Fräulein Ilse eine Fahrt nach Südgriechenland, in die Nähe von Kap Matapan anraten soll. — Wollen Sie in Abrede stellen, Herr . . . Herr Deutscher, daß Sie damit Ihrer Regierung den Wink gabelt, den Dr. 11, nämlich deutsche Unterseeboote, in die Nähe von Kap Matapan zu eutsetcden, um unsere Transports abzufangen, r— was dann leider tatsächlich geglückt (Fortsetzung folgt.) •( Deutscher psingsthumor. Psmgstzeil — die lieblichste Zeit des Jahres! Kein Wimder, daß in der deutschen Mngsyeier so viele fiöhltche und heiter« Frühlmgsbränche zusammengefchsfen sind, daß das Fest einen recht weltlichen Anstrich gewonnen hat, daß es der Tummelplatz toller Laune und liebenswürdigen Humors geroordert ist! Me wmrschsn Dorfgerichte fallen auf ben Pfirtgsttag, die heiteren BauernrenneUj werdet t zu Pmtasten abgehalten, heim SerriovarkoUveut der beuch schert Korps fiitdel ein lustiger Sturnt auf Pie ehrwürdige, durch Güsse von Wässer mrd. Bier verteidigte Ruine der Rudelsburg statt, und in manchen deutschert Gauert gibt es unter best Pfingst» bräuchen wahre Perlert d«S Humors. . _ Wer den Lambrechter Bock kennt, kermt etnert der drolltgsten Psrngstbräuche. Er rvird sich in der fröhlichen Pfalz lvvhl noch lange hüten, ruht er doch auf der festen Grundlage emes klaren RechtsverhÄtttisfes, daS auf eine Jahrhunderte alte Geschtchte Mrückblicken kann! Tie Äambrechster haben nämlich das Recht dev Weidenutzung in dm Deidesheimer Waldungert, dafür aber pis Pflicht, alljährlich zu Pfingsten einen Bock nach Deidesbetm zu liefern, Und ntan kann sich denken, daß beide Orte sich die Gelegen, heit zü einem förmlichen Volksfeste nicht entgehen lassen. Schlag vier Uhr morgerts muß der Bock zu Deidesheim auf dem Marsch platze stehen. IN Frack und Zylinder führt der Lambrechter Hirt ihn an seinen Bestimmungsort: vormals .entpfmg ihrt dott hex Stadttal in feierlicher Amtstracht, in unseren Tagen aber harrt dort seiner nur die Menge der schaulustigen, die ihn mtt erneut eigetts gedichteten Gesänge begrüßt, ettva: „Ter Geißbvck ist gekommen /Er trägt die Hörner hoch /Er wurde angenommen, /. « er nicht gut roch!" Das alte Herkonimen schrerbt vor, daß nahmettrkunde ausgestellt wird, die dem Führer des Bockes zusammen mit einem Käsebrote und einer Flasche Teideshetmer überreM wird Lieferten die Lambrechter den Bock nicht pünktlich ab, sv verloren sie das Recht der Weidenutzung, und das hat einmal zu einer langen Fehde zwischert Lambrecht und Deidesheim geführt. Lange schwebte der Rechtsstreit; seit: heileres Ettde war, daß die Lambrechter für sieben Jahre attf einmal sieben Böcke nachlteferinj nrußten, jeden mit einem eigenen Führer! , Bei den Schmausereien uttd Zechereien, die als ,Pfingstbter bezeichnet werden, gibt es manchen heiteren Brauch. Am drollrgstm verläuft aber wobl das PstngMer, wie es in der SollinggegenÄ üblich ist Tort wird das Bier- .und Tanzfest durch altehrwürdtge , Bierarükel" geregelt, die vorm Beginn verlesen werden. Ta heißt zum Beispiel (nach Sohnrey) der 8 2: „Wer bei den ersten Tänzen rancht, den Rock aussteht oder die Kopfbedeckung mcht aü° nimntt, zahlt zwanzig Pfettnige Strafe." Wer seine „Bcerchngfer" nicht gehörig zum Tanze führt, hat Strafe brs zu enter Mark zu entrichten, ja wer mit der Bierdame eines anderen tanzt, und dre eigene vernachlssigt, hat, nach A 7 „die Todesstrafe, im Wieder-, holungsfalle noch schärfere Maßregeln zu erwarten!' Faschrngs- artig wirkt das Pfmgsttrerben in Schornngen bei Uslar: dort werden am zweiten Morgerr des P fing schieres alle jungen Mädchen und Burschen, die zum ersten Male am Feste teilnehmen, gegen, eine Gebühr von 30 Pfennigen „rasieret?" Ms .Seife dtent dabei der Schaum vott Brannbier, als Pinsel ein ^klettver Birkerrretsbesem 1 als Rasiermesser ein Stück Holz, als Serviette ein Iischtüch» der Barbier ist dabei natürlich der beste Spaßmacher des ganzen JÖtttÄ feaftaolb — Hexcngold! Me gewonnen, so, zerronnen — ßs last der Pfingstnrmrd härte vom Psrngstgolde. Wie das Pfingst-, Ivla-- ehemals eine Opfergabe am Pftugsttage — inBerruk kam eitig damit der Opferbrauch erlosch, das ch nne der hetLEn Pfingstgeschichten. Vielleicht ihre größte Merkwürdigkeit öesteÄ darin, daß sie sich, wenn nmn den alten^ Chroniken glauben dark, in Men sowohl wie Ln mehreren anderen Städten begeben hat. Ln Wen lebte im Jahre 1539 ein Schnster namens Toblmaher, der sich, wie viele seiner Zeitgerwssen, auf die Goldrnacherkunst ge-i worfen hatte. Sein Sohn liebte die Tochter des Adlerwlrtes — hvsftmngslos, denn der Wirt war ein GegiiLk der Goldnurcherer. Zn Pfingsten stieg nun im Mer ein Fremder ab, der bald Tobl- MLhsr au fluchte, um sich seiner Goldniachertzerätlaurfteii zn be- dienm und zugleich dem Schustersohne zn seiner Braut *u ver° S Ter ALlerwirt, der im Nebenamte Ktrchmkasfterer '.rar, arn Schuster, um das Pfingstgold M holen, gerade, als dre Goldruacher in Gegenvoart des Schustersohrres über dem Goldkessel arbeiteten. Ter junge Tvblmm-er holte für ihii eine ganze Schaufel voll blanker Goldstücke aus dem Kessel. Was Wunder, daß der Wlerwrrt nun seinen Sinn änderte und dein iungen DoÄmayer sogleich seine Tochter zur Frau gab! Wunderbar war freilich der weitere Verlauf der Dinge: nachdem der Fremde — er hatte sich Tvktor Paracelsus Philippus Auroleanus Theophrasttrs Bombastus voii Hohenheim ins Buch eingetragen — Wien verlassen hatte, stellte sich das von ihm und dem Schnster gMachte Gold als wertlose braune Masse heraus. Dadurch kam das Pfingst- guld in seinen schlechten Ruf u'id der Opserbrauch zirr snnem Errde. . . _ Wie denken Sie über Steuern? . Eine zeitgemäße Rundfrage. Für unsere Pfiugstnummer veranstaltet von Gustav H o ch st e t t e r. An den Leser! Ich sammelte „Steuer-Gedanken"; Tie lies, wenn vor blühenden Ranken Zn Pfingsten du dich sonnst. Tie „Steuern", die mußt du bezahlen, Doch hier all' die genialen Gedanken hast du umsonst! Victor Blüthgen, der «mg junge Dichter, antwortet:, Das Stenerii ist des Bürgers Lust, Das Steuern! Das Muß eilt übler Bürger sein, Ter sagt, das Steuern niacht ihm Peru, Das Steuern! Wer hat dies feine Lied erdacht? Ich schwanke.... Will's lieber nicht gewesen sein, Sonst schätzt man mich gleich höher ein — Ich danke! Seine Gattin, dle Dichterin C l a r a B l ü t h g e n, fügt hui zu: Sie fragen mich als list'gen Psingstengruß: ,Mas denken Sie von unfern neuen Steuern?" Und sind gewiß, ich würde voll Verdruß Tas alte Klagelied herunterleiern. — — Nichts denkend, knacke .ich die harte Nuß, Wie andre Nüsse dieser Zeit, der teuern, Und zahle gern! Mit wahrem H>ochgenuß Geb' ich mein Kornlein in des Staates Scheuern: „Gottlob", geht mir's erlösend durch den Sinn, „Daß ich nicht der Finanzminister bin!" Ter KladderadatsckMedakteirr Max Brinkmann dichtet: Und was von der Steuerbehörde man schwätzt. Was Gutes hat sie ja noch Von Kollegen wird man zu niedrig geschätzt, — Tvch von jener eher zu hoch! Drr Hamburger Dichter Otto Ernst schreibt: Ach zahle gern Steuern, möchte aber eine eigentümliche Beob- chhkung nicht unterdrücken. Bei Herreuhausvorlaaen u. dergl. führen wir Künstler und Dichter ein vollkommen verborgenes, unbeachtetes Dasein; man sollte gar riicht glauben, daß wir überhaupt da rvärsn; bei neuen Steuern erinnert man sich unserer sofort. Oberstleutnant H. M. v. Hermarth, der fiühere Militär- Ltt-cyyö zü Washington, erklärt: „Tie Mittelmächte bezahlen .unsere Kriegskosten!" Das beschloß jüngst die Londoner Wirtschaftskommission. — Feindlicher Mrnmßung begegne deutscher Siegeswille! Wer zahlte nicht lieber StÄreru dem Staat, als Tribut dem Feinde? Otto Jöhlinger, Dozent anr Onent. Seminar zu Berlin, sagt! Man spricht nicht mit Unrecht von dem „Steuerbukett", aber diesmal hat man die Wanze „Jelänger jelieber" zum Bukett verwendet. Alexander Moszkowski gibt zur Antwort: Von allen Gewächsen der Erdenkruste ^ Zögern die Steuern am! allergeringsten; Die andern warten bis zum Mgnste: '' ' Tie Steuern reisen bereits zu Pfingsten. Bei den andern, mußt du dich „erstellen" immer, Da wird die Geduld in die Länge gezogen; Die StenerpftäNzcheu erwarte im Ziinmer: Tie kommen von selbst die ins Haus geflogen. Rudolf Presber läßt sich vernehmen: Nun grünt die junge Wiese, wie nie, Und weckt ihre Blümen-Kmder, Nun blüht das .Herz — und die Phantasie Der listigen Steuer-Erfinder. Aich, Deutschlands Gartert ist stolz und jung Und grünt in Lorbeer und EHren — Doch,, liebe Gärtner, den 'Lteuerdüng, Ten kann er nichit entbehi'en! Walther Rat Henau schreibt: 1 Es geht nicht an, daß Steuern und Lasten, ivie in frühereit Zeiten nach Willkür, Bequemlichkeit und leichter Durchführbarkeit anferlcgt werden. Ein grundsätzlicher Wirtschaftsplan muß bestehen, der nicht darauf hinzielt, die deutsche Wirtschaft ausznsaugen, sowi dern jie nach neuen Grmidsätzen uMMbaUen und zn kräftigen. Einen solchen Wirtschastsplan habe ich in der Schrift „Die neu« Wirtschaft" dargelegt. 2 Ten verderblichen Wirkungen der sozialen Umschichtung, die: durch Kriegsgervinne einerseits, durch Rückgang schwer betroffenes Wirtschaften andererseits uns droht, mich sofort und m gründe sätzlichster Form eutgegeuge wirkt iverden. Die besteyorrde Form dev Kriegsgewinnbesteuerung ist mechanisch und genügt dieser Aufgabe devu sich nach dem Verhältnis der Bereicherung richtet. . Wett stärker als einer, der sein Vermögen um eine mäßige Verzinsung hat aNtvachseri sehen, uruß der herangezogen werden, der es ven doppelt, verzehnfacht oder verhundertfacht hat , Ter Präsident des ^Hansa-Bundes, Geh. Justizrat Pwfessor Dr. Rießer, M. d. R., antwortet: , . Steuern sind eine bittere, aber notwendige Medizin, die den Einzelne einnehmen muß, um das Leben der Gemeinschaft Jit retten. Steuern sind Erzieher, sie lehren, daß man nicht mrr Rechte UN Staat, sondern auch Pflichten gegen den Staat hat. Steuern sirrd Bürgen eines engen Berhältnifles zwischen Staat Und Bürger: den, der sich so häufig und sm deutlich in Erinnerung bringt, vergißt man nicht so leicht. , t t ,. Steuern sind Philosophen: sie ziehen ans der Vergangenheit Lehren für die Gegenwart zur Sicherung der Zukunft. Und Paul Warucke, des Kladderadatsches Chefredakteur spendet den Vers: Ten Beutel her, die Mark heraus! Es gilt, die Kräfte anzufeuern. Man schafft durch Klippen und Wogenbraus Das Stnatsschiff schließlich doch durch — Steuern! war ist Luxus? Eine zeitgeniäße Plailderei von Walter Erichsen. (Nachdruck verboten.) „Gott sei Tank!" sagte der Sanitätsrat zu seiner FvaU, „jetzt' wird die Luxussteuer eingeführt. Ta wird nmn wohl den Kriegsgewinnlern einmal tüchtig an die Wolle gehen." „Luxusstener?" erwiderte sie mißtrauisch, „das ist totebec sv eine Erfindung von Euch Mannsleuten. Gib niir mal die Zeitung her Das ist wieder eine Steuer, die ohne Sinn und Verstand gemacht ist! Hier heißt es: Teppiche und Pelzwaren unterliegen der Steuer Ist ein Teppich ein Luxus? Sollen wir auf dem kahlen Fußboden hernmklapipern? Und Pelzivaren? Was soll denn eine Frau, die etwas auf sich hält, im Winter anzieherr? In ^eDe zu frieren wie ein nackter Spatz, dafür danke ich. Mem Pelzkostüm ist dringend erneuerungsbedürfttg." , , „Erlaube mal," unterbrach der Sanitätsrat, „das haben wzr erst vor zwei Jahren gekauft!" ^ L „Fuchs ist nicht mehr mouern, willst du, daß deine FvaU Wie eine Vogelscheuche umherläust?" ^ ^ . Tie Gnädige vertiefte sich aufs neue in die Zeitung. „Uebrr--, gens," sagte sie mid legte das Blatt hin, „auch deine werte Per-, sönlichkeit wird Von der Luxussteuer getroffen werden. Motorische Land- und Wasserfahrzeuge zur Personenbeförderung unterlieg«! der Luxussteuer. Tu wolltest dir für deine Praxis ein Automobil anschasfen. Jetzt siehst du erst, wi von uns Luxus treibt." „Unsinn," widersprach der Sauitätsrat, „der Arzt wird für bas Automobil, mit Mn er seine Berufspflichteu ausüben mluß, doch keine Steuer zu zahlen brmrchen?", „ „Bitte," sagte sie triumphierend, „hier steht die Begründung: Tas Automobil des Arztes verliert seinen Luxuschprakter Nicht dadurch, daß er es zur Ausübung seines Berufes benutzt Schreitet der Arzt zu seiner Anschaffung schon, bevor die Ausdehnung der Praxis es benöttgt, so liegt die Luxusqualität zutage; kann aber die Praxis des Arztes nur mit Hilfe eines Autos bewältigt werden, daun sind die Erträge der Praxis ausreichend, um erne Belastung bei der Anschaffung des Autos zu tragen." „ Ehe der Sanitätsrat noch ant!vort«i kormte, klm gelte es. Minna trat ein, freudig erregt. „Ein Feldpostbrief vom inugen Lerrn!" Im Sluqenblick war die AuseinMdersetzmm vergessen. 160 Ter Stolz der Eltern, ihre.Junge, der ,m fkmdnMnJluWÄ stand, batte geschrieben. Rasch riß die Mutter das zerknitterte Brreft lein aus und überflog es, loährend Vater SanitLtsrai gespannt chr Über die Schulten: schaute: . . . . ..... „Liebe Eltern l Acht Tage tarn Mrai Wut «t b« Sötte.. Bei strömendem Regen, bis zu den Drin: tat Wasser stehend, tat fürchterlichsten Granatfeuer, haben fair ausgeharrt, brs uns. der Befehl zum Angriff aus unseren Stellungen heraus ruf. w f o» jetzt wieder in Reserve zurückgezogen worden. Eber: noch eure wandelnde Schlammsäule, bin ich im Begriff, mernen außer«: Menschen einer Generalreinigrutg zu uuterzrelftn. Gleich iv eroe rch mich in die Falle Hauer:. Ich bin todmüde. Und etn gmnLendev Quartier habe ich, mit einem wirklichen, wahchasttgen Bett Ist das nicht geradezu ein Luxus?! Morgen mehr. Herzlichste Gruße. Euer Hans. Vater und Mutter scharrten einander bewegt cur „Liebe Alte," sagte der Sanitätsrat mit stockender Stimme, ,.rch glaube, wrr regen uns weg-en der Lnxussteuer m# t werter auf., sie in aller Seelenruhe; denn wrr wissen jetzt voryrn hatten s vergessen — was Luxus sein kann." k * Büchertisch. — Ans der R e i h e „ K l e i n e R o l a n d - . B ü Ä e r" R v- lrmd-Berlag, ^Münchprr-Pasing. Kreis der Bänow-en in PaPP- ^Mv?m ä xf Eine Anthologie der politischen Lyrik von 1830 M 1848, heraus gegeben von Tr. Martm Sommerfeld — Tieft Anthologie politischer Lyrik des Vormärz will kemw Zrtt- chrvnik in Versen sein; was sw gebt, m der Tat über da» Roß Zettmäßige hinaus r, sie, stellt emen Geest dar, der heutiger, wie aller Dichtung gemein ist. Es tlt der Geist der Prophetie» Nicht des freundlichen Nachzerchnens der Welt, sondern dev um- schasftnden^WottMs^ ^ ^ f s h a O-ftu. Tie kleine Geisha Osten umfaßt mit ihren zarten Armer: eine garrze Welt wrr Trauer und Glück, Mutwille:: und Hingegeckenhett. Le:der:schaftl:ckMt und Te- nutt mischen sich in ihren: Munde zu emem süß hmschnrelzenven, wunderlichen Gesang. Mabu:ü>, der sein drcksterrsches Können schon wiederholt in RäcMchtungen östlicher Nlott.ve bewres, hat hier mit seinem reichen Talent nicht gespart. Mit zarter:, bchMsamen Stricken bat er ein Bild gezeichnet, das jenem Holzschnitt Haruiivbu — dessen Abbildung den %M !|i«t — m der Ausdruckskunst der Linie ebenbürtig ist, besten Glanz nicht der Farbenpracht des japanischen Meisters tvercht. Die Vme strömen in natürlicher Leichkigkett,, die Rhythmtt, nur von traiewr Mäßigkeit beherrscht, gibt sich den Verschlrngrcngen der Motive auf eine unnachahmliche souveräm Art. ^ . Omar Khapyäm, Die Srüche der Weisheit, mit einem Nachwort, deutsch von Hector G. Bre cvni. In Millionen von Exemplaren smd tue. englischen. Uebertragungen der berühmten Vierzeiler des Omar Kayyan: über die ganze Erd« verbreitet. In unserem Schrifttum haben sie cwer trotz aller Bemühimgen seit Schacks und Bodenstedts Tag«: noch immer nicht das volle Heintatreckst ettveroen können ^.e :ne:ster-. haste Ueberttaginrg Preeoms mit ihrem wertvollen,Nachwort, das tnrrb trr hm s Das Andere Hab' ich früher geführt Und gettäumt dabei und gedmstet. - Mein Vater schon führt' es mit fleiß'ger H-cuch Und Segen tt'ug ihm dafür das Land. Nun kopflos Eiios an das Andere gereiht Sv wird daraus das Ganze. , Ich mach' es gern mtt Weib u-ck Kirid, Geführt vom FesttagsalaiM. Tie Herzei: sind voll Klang und Licht Und ob es auch regnet, es stört uns nicht. (Auflösung in nächster Nummer.) -rr. Auflösung des Gleichklangs in voriger Nummer! Taube. Schriftleitung: W. Meyer. — Zwillingsrunddruck der Brühl'sch-n Univ.-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.