Flieger über London. Mrs Londoner Erzählung aus den Spätherbstta^n 1T1L Don Justus Schoentha4 (Fortsetzung.) «Hast du besondere Anhaltspunkte für diesen Verdacht." Vre kniff das rechte Auge Mamme-n und erwiderter Mtcht Kgerrtlich .. . mein Gefühl Legt Zeugnis Vater ßchüttelde das weißhaarige Haupt Wächter Zertge, Edith, ein s Mhe meinen Verstand Pr einem airdsven Ergebnis als KU dein Gefühl e. Ach gelange Denk doch etrrmal harMer nach: Was müßte ein Mensch, der in Lona- sich befindet und deutscher Spion, jorst rnz unAaubliche Nerven haben! Wenn eines Spions denke, meineLhaLen den KordK Stell tt&te an um 1 « ;tä der Nacht in der ahr, entdeckt zu werden, schweben, Leim Gedanken könnten mir die HLrngefäßk platzen, wir haben deutsche Spione im Lande, genau wie wir welche drüben haben, — aber sie verrichten einfache Arbeit und haben nicht die Sorge aufgebürdet, die etn Spion in Longfords Stellung zu ertragen hätte. Und dann, die Sache ist doch nicht so verblüffend einfach, wie- du! Maubst du, daß man im Kriegsamt nicht sehr vor> tg gi WeE^ck,«§e man eins»Offizier zu denGeneral- Edich warf die Zigarette fort, stand auf und bemerkte Leichthin: „W scheint Ln der Tat so zu fern, wie du sagst. Du aber jetzt entschuldigen, Papa; ich muß mich ren." Der Lord nickte beifällig, küßte seine Tochter auf die Stirn und begab sich ins anstoßende Büchereizimmer. Unter der Schwelle tvenüete er sich Zerstreut „Good afterrvoon." Edith gab den Wunsch zurück und verließ das Zimmer. Sie überquerte den Gang und eilt« die Trepp« zu ihrem Wnkleideraum hinan. Oben kam ihr bereits die allzeit besorgte Mistreß Daniels entgegen. Die Mistreß war «ine alte, etwas vergrämte Frau; war die Amme Ediths gewesen und' noch heute dis mute Dienerin im Hause. Ihr eigenes Kind, einen llei- weit Aun gen, hatte fite damaN in Pflege geben müssen, damit Edith heranwachse. Der Junge war dann von seiner rtter so schlecht beharchelt worden, daß er nach Monaten an Krämpfen verstarb. Wer Wich war geblieben, und mit m der Liebe, die st« für ihren nochmals um wrd sagte halb Jungen im Herzen aufgespeichert halt«, bestmnte die alte Dienerin nun die kleine Lady. Wenn Wrch von ihre» Vater verwöhnt wurde, so ward sie von Mistreß Daniels verhätschelt. Ediths Mutter war cm den Folgen der Geburt verstorben; so fühlte sich die brave Dienerin gleichem» als Stellvertreterin der Mutter und weniger als Dienßb bote im Hause, und da sie eine treue Perfon war, sah m«8 ihr manche Eigenwilligkeiten nach . . . Sie wax sehr eifrig jetzt um Grith bemüht. »Um Gott, um Gott! Was sollen sie sagen? Met» Wich wird zu spät kommen," murw-^te sie fortwähreM beim MVeiderr. „Wie schön Klein^Gdith aussieht! Beinahe wie ein rich- ti^r WellM-achtsengel!" Edith lächelte zu alledem freundlich und ließ dis Dierrv- rin gewähren. „Ich will aber diesmal einen noch größeren Erfolg erringen!" „Noch größer? Noch größer?" brmmnelte die Alle. „Wird Klein-Mith auch auf dieser Ehristmasverlosnng KW« verkaufen?" „Aber natürlich, beste Mistreß Dämels. Denken Sie doch bei der letzten Verlosung habe ich 82 verkauft, jedeL Stück für fünf Pfund. Ich habe ^nen doch schon erzähL, Das Rot habe ich mir beinahe von den Lippen geküßt." „Um Gott, um Gott! Wieviel wars doch gleich? 8S Küsse M fünf Pfund . . . Das sind ja ... 82 mal ö, x. 82 ... mal ... 5 — 410 Pfund." wett über 10 000 Franken vereinnahmt. Nur an Wohltätig. Veitsküssen. Morgen will ich über hundert Küsse verkaufen." Sie hielt inne und besah sich prüfend im Spiegel. Sie trug jetzt ein weißes, fließendes Gewand aus schwer- rer Seide; an ihrem Rücken waren zwei große Flügel bs- festigt. Um die Stirn trug sie eine Perlienkette, in deren Mitte ein sternförmiger Kranz von Diamanten blitzte. Sie lvar mit sich zufrieden und nickte. Dann eilt« sie zur Klingel. Der Diener Bob erschien. Er prallte einen MgenMck Er glaubt« zu träumen, als er feine Herrin in dieser ldung sah. „Haben Sie Herrn Wterley das Briefchen überbracht?" ,Sowohl, Mylady!" „Und-' „Er wartet int Wintergarten auf Mylady." „Er wartet? — Warum melden Sie nicht?" „Ödj hatte im MWenblick die Absicht, als Mylady fft» geLten." 148 „W ist gut. Führen Sie ihn inS WamenOnttner. Ich bin sVgieich unten ." Der Diener gehorchte schweigend und verfchitvanV. Mistreß Daniels hottsdie Hände über dem etwas über- hängenden Leib gefaltet Mä> blickte in ehrlicher Bewunderung m Edith auf. ' _ „Um Gott! Unr Gott! Me schön Klein-Edrth rst! O, Wbein-Gdtth wird tausend Küsse verkaufen." Edith stand noch immer vor dem großen Ankleidespiegel und ließ das Bild, das vorn Kristallglas Kurückgeworfen Warb, ans sich wirken. Jetzt drehte sie sich lächelnd!, nahm den alterSgraiMr Kopf der treuen Daniels Zwischen ihre Hände, und drückte einen herzhaften Knß auf die verwitterte Stirn der Alten. „Sehen Sie, beste Mistreß, und Sie bekommen so einen Muß ganz umsonst. Ganz umsonst!" . ^ t ^ Damit huschte ste aus dem Zrmmer, trippelte hasttg die Treppe hinunter und eilte leich-Mßig wie ein Backfisch ins Damenznnmer. Wrrch auf Atterley wirkte ihre Verkleidung zrrnächst wie eine überirdische Erscheinung. Sie war berückeiw schon ftr dem EngelsgSoand. €fte bemerkte mit heimlicher Freude den Eindruck, den I” OCXvivXXDCT. „Sehen sie "üch bitte nicht so fremd an! Ich bin esi Wirklich und leibhaftig. Und der sonderbare Aufzug kommt daher', daß ich in Ahn Minuten zu der letzten Probe für die Christmasvorstellung fahren muß, die morgen im Savoy stattfindet. Sie wissen ja. . ." Und dabei täuschte sie ein Unterdrücktes Gähnen vor. „Wieder ein Opfer... alles für die armen Soldaten . . . oder ist es diesmal für die Hinterbliebenen... ich weiß nicht ... ist auch gleichgül- ttg. Ich kann mich unmöglich ausschließen. Vorgestern habe ich erst für 424 Pfund Küste verkauft. Großartig, nicht?" Wtteney hatte sich allmählich von dem seltsam feenhaften Eindruck erholt. Mit leichtem Spott sagte er: „Es ist alles großartig, was Mylady sagen oder tun. Mars ich mir aber die cMruntertänigste Frage gestatten, WÄyalb mich Mylady gerade für diese zehn Minuten, die Noch bis zur Abfahrt bleiben, fo dringlich hierher bestellten? Es scheint doch wohl eilig zu sein? Uni übrigens jeden Zweifel zn beheben — ich bin diesmal noch Ihrem Befehl. . .. oder soll ich sagen: Wunsche? — gefolgt. Es wird aber wohl das letztemal sein, daß ich dies Haus betrete. Ich habe mit Wrem Vater endgültig-" „Ich weiß alles," unterbrach Edith abwehrend, „mein Vater hat mir beim Lunch heute alles erzählt." „Sie wissen zwar nicht alles, Mylady. Aber nehmen Büfi einmal getrvsst an, Sie seien allwissend. Jedenfalls Werden Sie el begreiflich finden, daß ich den Verkehr mit diesem Hanse abbreche, und zwar unwiderruflich^ „Und Sie fühlen sich meinem Vater nicht zu Dank verpflichtet?" „Ich . . . ihm zu . . . Dank verpflichtet?" — Atterley warf fernen Stuhl beinahe um. „Dem Mann, der mich jahrelang ausgenützt hat und — Sie sind feine Tochter! Ersparen Sie mir. weitere Erklärungen! — Sagen Sie mir bitte: Weshalb haben Sie mich rufen lassen?" Sie griff wie spielend nach der Reitgerte, die über dem Tisch lag. Achtlos hatte sie am Vormittag sie da liegen lassen, als sie .)n ihrem Mvrgenritt im Park zurückgekehrt War. Sie fuhr flach streichend über die Handfläche der Linken und wiederholte mechanisch: „Weshalb ist Sie rufen ließ? Ich wunderte mich, daß Sie sich hier zur seltenen Person machten, und wollte den Grund erfahren. Inzwischen hat mir freilich mein Vater die gewünschte Auskunft gegeben . . . Aber, hören Sie, Atterley, können Sie mir nicht sagen, warum auch der Hauptmann, den Sie hier einführten . . ." Sie zog die Brauen zusammen und unterbrach sich selber . . . „Mein Pater vermißt Mister Longford sehr. Haben Sie ihn nirgends gesehen?" ,-Gewiß, isch sehe den Hauptmann hin und wieder im Hause Brauch!" ,-Jm Hause Brauch? Sie verkehren tm Hause Brauch!" „Ja, durch eine Empfehlung Longfords wurde ich mtt dem Obersten bekannt." „So? Und der Visoount hat Ihnen wohl die Anstellung im Miegsamt verschafft?" Sie führte mit der Gerte einen pfeifenden Hieb durch die Luft. Atterley schrak zusammen. Sie fragte weiter: „Fühlen Sie sich eigentlich in dieser Stellung?" Er blickte demütig drein. „Ob ich mich wohl fühle, Lady Edith? —? Leute meines Schlages fühlen sich niemals Wohl." (Fortsetzung folgt.) vie chiffrierte Depesche. Pion Walter Heise. (Nachdruck verboten.) Hcmtkin Pascha klatschte in die Hände. Ein junger Leutnank tvat in den Zelteingäng und verneigte sich. „Efsendi befehlen?" fragte er höflich. „Was Neues?" „Ter Prophet möge Euren Pfad segnen. Unsere Baschi-BoziuW haben Glück gehabt —" „Ist die Schlappe von gestern wieder gut gemacht. Sind di< Jdcmiani auf die Schiffe wieder zurückgetrreben, he?" Tie Stirrre des Kommandanten lag in Furchen und sein schwarzes Auge leuchtete unheimlich, als er die Worte heftig &ew auspolterte. Der Leutnant wurde verlegen. „Nnr ein kleiner Erfolg, Ef- fendi," erwiderte er stammelnd. Tie Miene des Paschas wurde drohend; da fügte der Leutnant schnell hinzu: „Doch wenn eS Allahs Wille ist, so kann ein großer daraus werden. Wir habe« einen Meldereiter ergriffen." Der Kommandant sprang auf. „Ha, das nenne, ich Kismet) Und seine Depeschen? Er hatte doch welche?" „Eine, Efsendi, an den Capitano Giuseppe Filati, der die Abteilung Bersaglieri zwei Meilen von Benghasi befehligt." „Und ihr Inhalt?" „— ist chiffriert. Auf dem Umschlag steht außer der Mwessei „Urgente importante!" „Ter Scheitan hole den Absender! Hat man sie schon erch- Itffttt Ter Leutnant wich einen Schritt zurück, als er sagte: „Effendß es ist unmöglich." „Unmöglich? Wie, unmöglich? Ich habe doch Chiffrierschlüfse? anfertigen und verteilen lassen. Und der Dragoner — was sag? der?"> ! „Er kann die Depesche auch nicht entziffern." Ter Kommandant schritt in seinem Zäte einige Male auf und ab. Tann rief er: „Her mit dem Clesangeneu und der Depesche!" Ter Offizier verneigte sich und ging. Nach einigen Minute« kam er wickrer, mit ihm ein italienischer Soldat in Tragvneruniformt. Eine Kopfbedeckung trug er nicht, und seine Uniform war mit Stand bedeckt und zerrissen. Am Kopfe hatte er einige Schrammen. Er bitte sich also nicht ohne Kampf ergeben. „Wie heißt Ihr?" donnerte ihn der Gestrenge an. „Luigi Sartv!" „Von wem ist die Depesche?" Ter Gefangene zögerte. Dann antwortete eff „Von einer« Capitano Carlo Venosta." „Wißt Ihr den Inhalt der Depesche?" „Nein!" Der Kommandant wandte sich an den Leutnant: „Der Gefangene soll wieder der Wache übergeben werden." Als sie wieder allein waren, legte der Leutnant die Depesche vor. Der Kvmmcmdant las die mit Bleistift Mchriebenen Wortes „Würdensi wohldi egü tehaü emnir biszu mnä chsten ers tenfün zigll rezu le ihen!" Teilweise konnte man türkische Worte vermuten. „Würdensi, egü, emnir" gaben zu denken. Doch ein Sinn ließ sich nicht herausrätseln. Hamkin Pascha versuchte es mit Umstellen der Zeichen. Doch er erzielte das gleiche negative Resultat. Italienisch schien es auch nicht zu sein. Französisch und Italienisch? Der Kommandant beherrschte die Sprachen. Er versuchte aus dieser« Wege die Techifftierung. Umsonst! — Er merkte kaum, daß er schwitzte. „Urgente importante" hatte auf dem Umschläge gestanden. Wer konnte sagen, wieviel von der Depesche für ihn ab hing k Wenn Uran mir wüßte, wie vieler Und welcher Sprachen dieser Capitano Venosta überhaupt mächtig war! Tamr hätte man doch wenigstens einen Fingerzeig gehabt, vorausgesetzt, daß die Depesche nicht in einer selbstgelchaffenen Sprache geschrieben war. Wer aber konnte da Helsen? Ter Gefangene! Wie ein Witz durchzuckte es den Komwcntdanten. Eins wußte der Dragoner am> Ende: Wo der Capitano geboren war. Er beauftragte den Leutnarrttz den Gefangenen danach zu ftagen. Dieser ging und kam mit dem Bescheid wieder, daß Venosta ei« Geborener Benetianer sei. Der Bersaglierikapitän sei es auch, wle der Gefangene zufällig gewußt hatte. Mit großer Resignation richtete der Leutnant seinen Bescheid iajus. Tpch wie verwundert war er, als er sah. daß der Pascha i« Helles Entzücken geriet, „Benetianer, beide Benetianer," .rief er, >,Leutnant, zu welchem Reiche gehörte Venedig bis zum Jahry 1866 ?" 143 x/Zu Oesterreich, Effendi." ^»,und so ist es möglich daß di« Leiden MM Stzwache dtzv« ,/Oesterreichisch, also deutsch!" -^eutmrnt, ich sage, die Depesche ist deutsch geschrieben." -Msendr —" ^ Sie sofort Leutnant Jussuf kommen, er hat einiget Mhm rn München gelebt. Dann wollen wir weiter sehen." . Nach einigen Minuten stand Leutnant Jussuf vor seinem Chef un Zelte. Dieser reicht« ihm die Depesche und richtete seine Augen t ^ n -. kür eine wichtige Meldung würde da ans Tageslicht rmmnen ! Plötzlich wurde im Antlitz des Jussuf ein eigentümliches Zucken bemerkbar. Er schien von einem Kinnbackenkrampf befallen Mstrn. Dann lachte er hell auf, ohne sich dabei durch die Gegenwart fernes Vorgesetzten gehindert zu fühlen. „Nun — ?" sagte der Pascha und sah ihn verwimdert icm. -.Verzeihung Effendi, aber — der Inhalt der Depesche ist itu komisch — —" wollte sich Jussuf entschuldigen. ,^Dechrffrreren und übersetzen Sie!" donnert ihn der Pascha 490' /W '^ eU9 ^ / ^te der Unteroffizier Süßmilch ,, . „Wat soll'n det sin?" » Da der Gefreite Ladewig nichts Erschöpfendes hätte erwidern! wrmen, so tat er das, was man beim Militär in zweifelhaft^ tun soll: er schwieg. Worauf der Untewm^sst Sutzmuch zMfchen die riesigen Fachbretterwände stieg und nach erheblichen Machen und unterschiedlichen Fußtritten gegen umher» negende, sorgsam verschnürte, aoer fernen Forschingen hinderlich- Bündel aus ern besonders großes Fach hinwies und knurrte: „Das ranze hier kdrksWS. Und det MerisS. 490. Na, mch WÄ soll nu sind mit det Zeug?" . , Fach enthielt einen guten Zentner verstaubten Papiers das fich bei näherer Besichtigung dB ein genmltiger Pack ältest Zertungen erwies. , . L,Nr. 209." „Was ist drin?" „Zeitungen." „Was für Zeitungen?" - , , Aus dem ersten Kriegsjahr« Herr von PÄderv ist nnrerrrcytet." Der Feldwebel begab sich sorgenvoll Wm Major von Poldern^ Der Major ließ sich dre Sache vortragen. -Mas zum Teufel soll ich mit dem Altpapier? Ich weitz von Lar nichts. Und weshalb, Himmelkrenzdonnerwet^r, komm! der Mann expreß deshalb angefahren?" Der Feldwebel wußte dies nickst. Der Gefreite Ladewig wußte es auck nicht. Der Hauptmann entschied: „Tann bringen Sie das Zeug her, zum Satan. Und wenn nischt drin ist, als alte Käseblätter, dann nehmen Sie's Miedest mit!" , Ter Gefreite Ladewig freute sich. Ladewig ging mit zwei Mmrn Begleitung zum Bahnhofs Aber der Korb 209 war nicht zu ftndM. Schien gar nicht aM» geladen zu sein. Ladewig meldete diese ernste VerwWung d.«r MgelegMheiK dem Hauptmann. Ter Kenner weiß, daß Nun der Fall erheblich anderZ ktgt. „Woller: Sie schleunigst den Korb heranschaffen! Kriegt der Kerl ausdrücklich Urlaub, um cte Korb hirrherznbrdrgen, stnd verbummelt damr die janze Kiste! Sie bleiben so lange hier, biZ der Korb da ist! Wie Sie das' machen, ist Ihre Sache." Das Regiment drahtete nach „Urlaub Ladewig vtzr» längert, da Korb 209 v'erschwunden." Ter Gefreite Ladewig. freute sich. Er ging jeden Dag einmal ans den Bahnhof, wo> eine fieber-i hafte Tätigkeit tM Aufsuchen des verschwundenen Kvrbes Nr. 209 entfaltet wurde, und genoß im übrigen seinen Urlaub. Der Urlaub lies ab, und erst drei Tage danach loard der Korb W. .209 g«-r Hunden. l§r war 100 Kilometer weiter gefahvMz. Nun war er wieder da. Die dienstliche Lösung wurde ^abermals nach H. gedrahtet.! Der Gefreite Ladewig schaffte den Korb 209 wieder mit zwei Begleitern zum Regiment. Der Hauptmann besvchtigte den Inhalt eingehend Mt& nach-, denllich«. Tann brüllte er: „Fahren Sie zum Henker mit Ihrer Makulatur! Bringest Sie das Zeug wieder dahm, wo Sie es hergeholt habm!" Ladewig erhielt eisten neuen 'Schern, fuhr ab und trat zwei Dag« später vor seinm Oberleutnant. 144 Der fmtrrte wVHÄvvlfend'l „M, MM A Ordnung? Urlaub M verlebt?" ,I^cmke gehorftnrO, Herr OberLsutnant. Ich habe best Mrb wieder mitgebracht. Es Befehl vmr Mchor von Poldern." Der ObeÄkeutnant stutzte und sann eine Mite nach. Dann Laste er: „Ns, hur. Ja. W ist ja WieUtch egal, tvs der Korb ist. Besser w-är er ja in & Wer hier steht er eigentlich auch gantzs Mt." Dann aber schwollen dern Oberlerrtnant vvrschriftsmäßig die Adern aus der Viorgesetztsustirn, und er gab tort und kürr di« Worte tzvn sich: „Lecheimg. We sind ein Rindvieh, Me das Hemd berührt l Bringen Sie die Sache augenblicklich haHkn, wo sie Anachört!" Ter Gefreite Lckrewig schleppte „die Dache'^ zum lluteroffizie« Süßnrikch. Tiefer stellte unter kernfecu AuÄrüchmr seirrer hitzigen Natur femerfeits en« MlpfarrgsbeÄhemMMg ans und verstaute die merkwürdige SaNrmlrmg des HauMnanns wieder xmtw S 490. Der Gefreite Ladewig freute sich. Damit Moß dieses Fall, der ernsthaft betrachtet iverden wCk «M> arrf keiner Svrfe seiner EntwiMmg keinem; der M ihm Brteiligtm verwmcherlM ,erschau. Karl Marz. Bit seinem 100. Geburtstage, 5. Mar. Die Zeiten find vorühev, da die Wissenschaft über Karl Marx und ferne Werke hinwegsah oder ihn geringschätzig beiseite schob. Daß stii« geistige Arbeit ans die GnümMing der movernen Sozialpolitik tiesgchenden Einfluß geübt hat, ist eine Tatsache. Mrs dev «mdeven Seite wird Marxens Lehre auch tMN den besonneneren! und einsichtigeren Teilen der SvWaldenwkratie nicht mehr als lmumtaMwes Gmugelinrn angesehen. Mm gibt zu, daß sie in fmanchen Hauptpunkten widerlegt, in anderen erschlittert oder Mer-, mm , Karl ALarx wurde als der -Sohn eines Jnristxn zu Trier gebvven. Bader wie Mutter waren Juden, doch trat Marx bereits! vn Knabsnalter mit feerem Glderm znm Christsntumr über, und er hat gegen das Iudeutwn später eine sichprf kritische Stellung m. Nach dem BemMtzl des BaterS studierte er die rschast, zuerst in Bonn, Dann in Berlin. Es wurde ' seines Lebens, daß er in Berlin sich der Hegelschen : hat er sich.später von ihr losgeftrgt, aber hat Zeit sevres Lebens das Ägentlichs Gerüst Denkens gebAbet und mvch sein ,Mpktal" ist erbaut. Der RechtswUeuschaft sagte er Valet, machte . ophischen; Doktor niü> sah sich min, da die Familie nach Dode des Vaters in engen BarhÄtirifsen zuriickgeblieben war, aus Berufsarbeit angewfefen. Da die Husstcht auf me atadeinische Laufbochn bei stimm poKtffchen Ansichten ihm verschlossen blieb, st gfaa er yax ^hiEstellerei Mer und üLernKhm die Leitung her „Rheiursthen ZMing" in KKn. Das war die Zeit, wo er sich zuerst vvlkswirtschastlichKi Studien foidmete. Er erweiterte sie in Paris, 'wo er in Berührung mit dem französischen SozialA-, VUis, vor allem mit Pvcmdhon, trat. Di« Folge war, daß er mit dem fmnzMschM MsqMrnus scharf abvechnete und diesem gegenüber das kritffche Studvunr dar faffeferc .Entwicklung tm Wffchlusse a» dir saMch« nationaMonomische Literatur in seiner grundlegenden Bedeutung vertrat. Nachdem er im Sturmjahre 1848 noch ermnal iy Min als Redakteur ,gewirkt Hatto, siedelte er enLmMtig nach London über. Dort hat er bis zum Jahre 1883 Noch ein volles Menschenalter gelebt, im allgemeinen unter recht schweren Verhältnissen. Zum Mwerbe hatte er kein Talent, seine Lag« war stets beschech.su, oft in hohem Grade kümmerlich und hhne die Zuschüsse seines treuan Frrnudes Friedrich Engels wäre er wohl verloren gewesen. Unter diesen Verhältnisfen arbertetq er den ersten Band seines „Kapitals" aus; die Bollendung de« beiden letzten ist ihm Nicht mehr vergönnt gewesen, da er die letzten zwölf Jahre fernes Lebens bereits ein durch Krankheit gebrochenes Mcknn war. Marx war eine lautere Natur und ein echter Idealist. Er lebte rrur in ssinen Ideen:, mir seinem Merke. Seiner ganzest Anlage nach tvar er zum Revolutionär geboren. Ms politischer Revolutionär teilte er den Toktrinarisnrus der Denwkrvtie seiner Zeit, doch hat er im Änzelnen auch politisch, %. B. über drnj Bonapartismus und über Rußland scharfblicmch und treffend ß er ganz ins Fahrwasser der materralisÜschen fftmg emlenkte, hat seine Fähigkeit, dir geschichtliche politische Wirklichfeit in ihrer wahren Natur und Wem tzamKkm UmKcmge zu erkennen, schwer getrübt; wie sehr er in seine« Unterschätzung der nationalen Empfindungen auch im Arbeiter^ geirrt hat, hat die jiingstx Zeit ja st recht schlagend bewiesen. Ein Humor der Geschichte ist eg WriMrs, daß Marx schon zu seine« Zeit Md zuletzt noch 1914 als Pangermanist verdächtigt worden; rst MssenschaMch bat er der NätwnalükonomiL unbezweistL MVw NN« Anregungen gegeben und sie vor im& Probleme; gestellt. heitere fdt Aus dem ^Kladderadatsch". Heinrich Hein« an LichnowScky. , ., Gs-sandtschaftSpssten in London gehört ein Gei«-WL der die Ränke dos perfiden ÄlblonL zeitig genug auszuspionievM weiß, oder ein ganz unwiffsnschaitlicher, derber Bursche, der keüH gelehrte Sympattzte für die großbritannische Regterungsform, kepM hosttchen Speeches in englischer Sprache zu matzen versteht"' u§M. (Aus „ffranzsstsche Zustände" 1^ Tbs Lrltisd Bong. Die Engländer haben ein prshleriDes Lied, angeblich v«N Rudyard Kipling, mit dem schwungvollen Rundreim:^s bar» zxsK tds wsu, we’ve got the ehipg, we’?e got tiie money tool“ Gegr«- wärttg müßten fie dafür singen r ^ e ^tr haben die Männer — (ach wo sie noch holenk), r haben die SÄnffe — (von Holland gestohlen), Wir haben das Geld — (von den Dankees gepumpt)." wobei sie freilich immer noch zum Trost hiuzuttigen könnivK ^Wir haben das Maul, vor dem alles verstunmti* Die Schreib- und die Lesemethode. Man überlegt^, was wohl bleibe Ein Weg zum Frieden ganz gewiß. ''2 n Oesterreich sagte man sich: Schrckbei In Deutschland aber sprach man: LySl Büchertisch. Zaiuberwald. Bilder von Hans Thoma, GchAW Vvn FvlNWes Grün, kart. 5 Mari. Verlag der KunstanstaÜM WMen u. Co., Frankfurt a. M — Anmutigste NAlnrschkldmuW, Symbolik, Phantasie und farbige Mär che nstimMung veichat UP in dlesen schönen, innigen GÄnchden die Hand. Dazu hat m Altmlister Hans Thoma mit seinem nie versagenden Griffel BW« entworfen, di« aufs beste die Verse begleiten und erläutern. B« der schönen Ausstattung, dem klaren Schriftbild und dem brcha» künstlerischen Wert, dürfte sich das Werken bald größter BeliriH» heit erfreuen. , Der Türmer (Kriegsausgabe) Herausgeber: I. - lGrvtthuß. Gierteljäyrlich (6 Hefte) 5 Mark, Nnzel Pfennig. Probeheft portofrei (Stuttgart, Gveiner & “ vimS dem Inhalt des ersten Maiheftes: Englisch-deut' schaff? Von Otto Corbach. — Gibraltar. Von L. M. — ^ on der Frmrenfrage, wie sie heute ist. Bon Marie DierS. Der Mann ohne Baterlarrd. Bon Kart Hildebrand. — Ae beste scheu Kohlen- und Eisenerzlagerstätten als Machtsaktove» im WÄ- ^ " K. St. — f krieae. Bon K. Bierbrauer. — ZkrLrze. Von jenseits von^Schü^eWgraben imd, StachLldra^ Bon Ö. ©o mtoavÜMfa i und -rrruLn. Bau K. <Ä.' - ^ n?*!% £ n ^ e i et &Äi taetä Wießener Hausfrarrerr-Berei«. Kschnnweisungen. Nudelauflauf. % Pfund Nudestr werdtztt in SaLSrxÄVk geSM; first» sie abgMM, wird 1 Ei, etwas Milch mau hat, geriebeicer Mfe darlcnwr gerührt, sowie sein gewiesÄi Fleischwurst, auch etwas gewiegte Petersilie mst» Zwiebel. Ttä trM !vr ein« Anflaufform gegeben und im Bratofen gÄacfen. Kartvffelspeise. Magermilch, die beim Kocken kann zu einer sehr guten Kartoffelspeife verwertet werden. ÖE kochte Kartoffeln werden in Würfel geschnitten, der Milchkäfe tM verrührt, 1 M und Salz daran gerührt, sowie von der afx», schütteten Käsemilch, so daß es eine dickflüssige Maffe ist. Diese w!8 über die Kartoffeln gefchMet, gut gemischt und in der Ans^M form gebacken. Buttermilchkartoffeln. Geschalte Kartoffeln ivvrb« m 4 Teck« geschnrtten, gut gewaschen, in Salzwasser gekocht. «H- gsmosfen, mit frischer Buttermilch bedeckt, nochmals ansgekochk und. etwasMchl mit frischer Milch zerrührt, hnrzugefüat. Nach Belieben mit kleinen, braungebratenen SpeckwiirfelN duv^tzerMM, Tauschrätsel. Ziege, Fall, Stein, Kelle, Rang, Beil, Leier, Schrank, Wolle, Hohn, Bank, ,Witz, Spiel, Hand, Alm, Eifer, Blei,. Weib Rom, Harz^ Kante. Bon jedern Wort ist durch Umtausch eines Buchstabens an MB*, btger Stelle ein nerres bekanntes Hauptwort zu bilden, jedoch fe*p art, daß die neu etngefügten Buchstaben tm Zusammenhang «j» Sprichwort ergebey. (Auslosung in nächster Nummer.) Auflösung des Telegraphenrätsels in voriger Nummer; Schneegestöber (Sachsen, Rehe, Auge, Stör, Lorbeer). °ut. Mht JEft 58. Me,«r. — ZwillingSrunddruck der »rühl'sche« Unlo.-Buch- und Stelud«»ck«,i. SU. Lauge, (SltStt. ■Wl