Flieger über bondon. J&tte Londoner Erzählung ans den SpätherVsttagen 191Ü, Kon Justus Schoenthah (Fortsetzung.) In hastigen steifen Zügen lief seine. Scher -über das Kapier. „Mylord, > ■ „Ich habe die Ehre, Jhrun mitzutpilen, daß ich Sie für einen ganz gemeinen.- Scharben hafte... Erleichtert atmete er aus, chochzugleich stockte er. — Nein, das ging nicht an' -Immer sachlichhMerchMtig, ob! der Brief abaeschickt wird oder nicht! --— Wenn er den Lord einen Schurken nannte^ dann ioürde ihm dßr Friedensrichter womöglich eine Geldstrafe von fünf oder gar zehn Pfund auferlegen. Er strich den Satz durch pnd begaim. von neuem: „Mylord, . „Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß ich Sie nicht mehr für einen wahrhßitsliebenden Menschen halten kann. Sie haben mir mehrfach vor Zeugen erklärt, daß Sie das Gebaren meiner Gegner für unerhört und l-skrupellos anseben, daß Sie die gegen mich- vorgebrachten Behauptungen für gewissenlose Verleumdungen erachten, und Sie haben heute vor Gericht sich nicht nur dieser mir gegenüber abgegebenen Zugeständnisse nicht mehr erinnert, sondern sie sogar ms Gegenteil verkehrt, meinen Widersachern zugebilligt, sie seien im Rechte, die von ihneuMber mich verbreiteten Behauptungen entsprächen der Hahrheiü Sie wußten aber seit zwei Jahren, daß alle BehauptnMen,.bie meine Gegner über mich verbreiten» nicht der WghrUit. entsprachen. Sie wußten, daß ich ein viel- e$u -harmloser Mensch bin, um als Revolverjournaüs^überhaupt. auf- , treten zu können, Sie wußten, daß ich mi< Peib>und - Kind vom Ertrag meiner Feder leben muß, Sie>wußAn, Haß ich. Nur an Zeitungen mitarbeite, weil ich vprlciutzg - noch nicht vom Erlös meiner besseren Arbeiten leben konnte, Sie-.wuß- ten auch, daß meine Gegner nicht Journalisten von einwandfreiem Rufe sind, wußten pörMen^ daß INMer Molmerton ein Mann ohne jegliche Bildung ist, 'den: es steine. Gewissens störnng bereitet, - einen unständigen Menschen in seiner Ehre zu verunglimpsen, wußten,-s. d"Mister Enner wegen Eigentumsvergehens mehreE-Jahve- in einer Strafanstalt hatte zubringen muffen, also »gewiß nicht geeignete Persöulichkert wars-um die Ehre peinev Mitmenschen > jmit besonderen Skrupeln.M bedenken, .-dies alles und noch Mehr wußten Sie und. trotzdem stellten! Sie sich, heute vor den Mchter hin und sagten Mit blanker rStirtze ans, wieine Gegner hätten Mir keinen Schaden durch ihre Ver- Leumdungen zugefügt, und sei WirMch ein^SchadeN' entstanden. so hätte ich ihn durch mein-nicht eMvändfreies Betragen selbst verschuldet. Sie habien damit heute Vor dem Richter gerade das Gegenteil dessen «gesagt, was Sie mir während zweier Jahre, oftmals auch in Gegenwart Ihrer Tochter, Angaben. Der Grund, Mylord, kann Nur der fein: Sie brauchen wich noch für Ihre Zwecke, fürchteten aber, daß durch eine wahrheitsgemäße Aussage ich. erne so erhebliche Buße zu- gebilligt erhalten würde, daß ich nicht mehr länger nötig hätte, für zwölf Pfund im Monat Ihr Sklave zu sein- Ich fordere Sie hierdurch aus, mir für den unerhörten Schimpf, den Sie mir angetan, Genugtuung zu gewähren. SoUte dies nicht binnen einer Woche geschehen, so müßte ich zu meinem Bedauern sowohl die freundfchaftlrchen Beziehungen zu Ihnen, wie die geschäftlichen BezichungM zu Ihren Blättern aufgeben, da rch meinen makellosen! Namen von niemanden, auch! von Ihnen nicht, verunglimpfen lasse. Ich stelle anheim, zwischen mir und dm edler: Gesellschaft eines ehemaligen Sträflings samt einem bildungslosen Emporkömmling zu wählen. Der Ihrige • in aufrichtiger Ergebenheit James Atterley." Er legte die Feder fort und strich sich wohlgefällig übers Kinn. Ja, ja, so hatte er's ihm sein gegeben. Besonders dev letzte Satz, er solle wählen zwischen einem anständigen Mann und einem entlaffenen Sträfling... Haha, er würde Auaen machen, der vornehme Lord. Oder... . seine Stirn umdüsterte sich . . . oder auch nicht. — Er würde ja diesen Brief nie abschicken. Er brauchte jfc die zwölf Pfund üu Monat, wenn er nicht der Verzweiflung anheimfallen wollte,, wie jene, die zuletzt Lord Derby« und Lord Kitchener auf den Straßen und in den Tavernen znsammenlefen lassen. Um sie nach Frankreich oder ins Blutbad der Dardanellen zu verflachten. . . Ihm fiel der Werbebrief wieder ein, den man ihm ins Hans gesandt. Er bückte sich und strich das zerknitterte Papier wieder glatt.- Urtd er überlas e$ Wort für Wort, obwohl er sich entsann, daß dasselbe x Schreiben schon als öffentlicher Anschlag vor einigen Wochen allenthalben verbreitet worden war. „Landarmee. "Mehr Kämpfer gesucht! Für das berühmte 1. (Londoner) rgl. Füsilierreg iment, dessen Stammbatailloste sich an der Front bereits aus-. gezeichnet haben. ' Alter 19—40 Jahre. Uniform' sogleich. Vier Beitrittsgrünbe: Erstens: weil" es in diesen' Tagen, da alle Welt in Waffen steht, eine gK>ße Sache ist, eine Flinte zu schulterst und selber teilzustehmen an dem Feldzug, den bie. Zukunft den „großen Krieg der Nationen" nennen wird. Zweitens: weil ein Mädel dann wirklich stolz ans dich sein wird, wenn's ihr auch leid tun mag, dich zu verlierest und sie dich anfangs davon abzubringen suche:: wird. 118 Drittens: iveil dann deine Kiriber, wenn die Jahre VvrüLergehen, am ^erdfeuer Geschichtsbücher lesend, stolz sein werden, aus dem Munde des Vaters zu hören, daß auch er ein Soldat war und die Mutter und das Heim deWkt hat. Mertens: tveil des Königs Khaki eine Uniform ist, die jeden: Manne paßt, die aus ihm einen hübschen Kerl Macht und überhaupt das einzige Gewarrd ist, in dem ein netter Bursch sich gern zeigt. Eso heran mit dir, inein Lohn, komm und laß dich jetzt sofort anwerben." . . . Jawohl, mit diesen kindischtörichten Redensarten S tg man sie, die Eitlen, die Urteilslosen und die vom den Zermürbten, die Zertretenen, Zerschmetterten, . . . Verzweifelten. — Ob man ihn auch für einen Verzweifelten Aolt, weil man ihm den Mich ins Haus zu schicken wagte? Die senden daö Dringende" Schreiben aber wohl an alle waffenfähiger Männer. / Und mit einem Male stieg ein Gedanke in ihm auf, urtzroß wie eine überirdische Erleuchtung. Seine Augen Werteterr sich, die Augäpfel drohten aus ihren Höhlungen Ku brechen . . . Ja und tausendmal ja, er war ein vom Leben Zermürbter, ein Zertretener, Zerschmetterter, Verzweifelter! Und dieses Schreiben wies den rechten Weg! Er hatte einmal Hand an sich legen wollen, damals, aV auch noch Lady Edith ihm die Enttäuschung bereitet, h- er war zu feig dazu gewesen. Vielleicht hatte er auch an Weib und Kind gedacht Mer so... so war es ja zehntausendmal besser. So besorgte das imenb eine barmherzige Kugel, ab geschossen von einem Unbekannten, der ihn vielleicht gar nicht treffen wollte. Für sein Weib und den kleinen Tommy war gesorgt. Und er hatte seinen Frieden in alle Ewigkeit. In alle Ewigkeit... War ja niemand aus der Welt, der nach ihm verlangte. Mechanisch griff er wieder zur Feder und schrieb mit seinen großen steifen Buchstaben unter den Werbeaufruf Lord Derbys: „Liebe Alexandra!" Er wunderte sich fast gar nicht darüber, daß er seine Frau nicht mehr mit ihrem Kosenamen Lexy anredete. „Ich gehe aus Eurem Leben fort. Dies Blatt weist ben Weg, wohin Leute meines Schlages zU geherr haben. Es soll eine Fügung des Himmels sein und ich will den Himmel weiter entscheiden lassen. Fälle ich, so habe ich alle meine Schuld gesühnt. Kehre ich heil zurück, dann habe W all Meine Schande mit Blut abgewaschen, und wir wollen dann selbdritt versuchen, ein neues Leben zu beginnen. Und wenn Himmel und Erde einstürzen sollten, — ich habe Euch doch geliebt. James." Dann steckte er den Brief an Lord Southriffe zu sich. Kr würde ihn also doch abschicken können. Und leise, wie ein Dieb in der Nacht, stahl er sich aus seiner Wohnung fort. Nur den Literatur-Club wollte er noch einmal auffuchen. Den Mantelkragen hatte er hochgeschlagen. So warrderte er zu Fuß durch die wenig erleuchteten Streßen der inneren Stadt. Ihm war seltsam feierlich zu Mute. 9. Kapitel. l Literatur-Club. Ämgford war geistesabwesend in wilder Flucht aus dem Hause Lord SoUthriffes geeilt. Er rannte, als verfolge ihn eine Meute von tausend Häschern, bis ihn sein linkes Bein dermaßen schmerzte, daß er einhalten mußte. Was nun. . .? Er fühlte sich am Rande seiner körperlichen und geistigen Kräfte. Sein erregtes Blut hämmerte gegen die Schläfen. Dumpf ahnte er, daß jetzt etwas geschehen, daß er einen Entschluß fassen müsse. Aber welchen . . .?? Das grelle Plakat eines Lichtspieltheaters gellte seinen Sinnen entgegen. Ein guter Gedanke! Er löste einen Schein und ließ sich in dem halbdunklen Raum auf einen Klappstnhk nieder. In diesem Halbdunkel konnte man wenigstens seine Gedanken ordnen. v Er sah einen Augenblick auf die Leinwand. Es war die übliche sentimentale Geschichte von dem Manne, der trinkt mrd die Familie ins Elend stürzt. „Kaviar fürs Volk", hatte eirO Englands größter Dichter gesagt. Er schlo ßdie Augen. Unklar und verworren strömten hundert Gedanken auf ihn ein. Er hatte verspielt. Unr eines Weibes willen war er der großen Aufgabe untreu geworden, zu der er sich gemeldet. Ob er fliehen sollte? Nach Holland mit dem nächsten Postdampfer oder nach Frankreich, unr über die Schweiz zu entkommen. . . Mer er hatte kein Recht, zu fliehen, kein Recht, dies Leben zu retten, das er in frevelhaftem Leichtsinn verwirkt . . . Ob Lady Edith plaudern würde? Und wenn? Ob sie Glauben fände, wenn er leugnete? Oder sollte er gar nicht leugnen? Er war auf diesen Platz gestellt, hatte sich selber freiwillig für diesen gefährlichen Posten gemeldet . . . Kam es da auf eine Lüge mehr oder Weniger nicht an? Er be- log und betrog hier alle. Sie alle hielten ihn hier für den heldenhaften britischen Offizier, der aus dem deutschen Feldlazarett entflohen. Gewiß, es war ihm anfangs hart angekommen, dies stete Verleugnen des deutschen Gedankens. Er hatte die Zähne zusammengebissen und manche Redensart über der Gerechtigkeit der britischen Sache wacker mrtgedroschen. Aber was half das? Er mußte sich's doch erngestehen: er hatte sich das alles leichter, viel leichter vorgestellt. Es mochte ein Vergnügen sein, den feindlichen Mrmster zu überlisten Und sich in feilt Vertrauen einzuschleichen, mochte ein Vergnügen sein, den Igel im Dachsbau zu spielen. Lord Southriffe und Lady Edith waren ihm gleichgültig, er haßte sie beinahe. . . Aber da waren doch Menschen, die er sich gerne zu Freunden gewonnen hätte, wie Viscount Brauch und Marianne von Roggenhusen, und die er auch belügen mußte wie die andern. Besonders Mariannes wegen war ihm die Maske leid. Wenn er mit ihr allein und sie in ihrer sanften Weise über ihr Wahlvaterland Deutschland voller Begeisterung sprach, hatte er sich oft Gewalt antun müssen, unr nicht vor sie hinzutreten Und sich die Larve vom Antlitz zu reißen Sehen Sie mich an, auch in meinen Adern rinnt deutsches Blutl Auch ich bin Deutscher, liebe mein Vaterland so glühend wie Sie. Um meines Vaterlandes willen habe ich mich in diesen Hexenkessel gewagt, um hier am Untergang des Feindes mitzuarbeiten." — Aber da, bei Marianne, hatte er sich fernes väterlichen Freundes, der alten Exzellenz von Grundherr erinnert: „Bor allem einen guten Ratschlag, lieber Freund, auf Ihren dornenvollen Pfad! Hüten Sie sich vor den Weibern, sie mögen anssehen wie sie wollen, schwärz oder rothaarig, blond oder braun sein, ruhig oder lebhaft, — hüten S:e srch vor ihnen! Hüten Sie sich, falls sie Ihnen drüben begeauen sollten, vor unfern Landsleuten! Treten Sie nie kür sie ein!" (Fortsetzung folgt.) Der Engländer. Bon Walter Heise. Kein Ztveisel, Kapitän Petersen hatte sich nicht geirrt; bet ander« hatte wohl schnell zur «eite geblickt. Und doch hätte Petersen die Narbe auf der Backe wiedererkannt. Me kam det englische Nordsee lotse Jack Taylor.hierher in den kleinen Unterweserort? Sollte er sich hier so lange verborgen gehalten haben? Kaum möglich. Also mußte er kürzlich angelangt sein. Was wollte er? Petersen schlug sich vor die Stirn. „Ich hätte ihn stellen! sollen," sagte er zu sich selbst. Er ging die «traße wieder zurück, «ie.war leer. Ein mutiger Mann tvar der Taylor. Das wußte uiemauÄ besser als Petersen. Alle Wetter, die Dezembernacht würde er feilt Lebtag nicht vergessen, wo der breitschultrige Engländer die Bremer Brigg „Sophie" so meisterhaft durch die Brandung geführt hatte! Das' ist einer, der es mit dem Teufel anfnimmt, hatte Petersen damals gedacht. Wie der Kerl das Ruder in seine« Gewalt gehabt hatte! Ein Matrose war über Bord gespült, und von der Verschanzung war ein Stück weggerissen worden, aber! sonst war der Kasten heil in den Hasen gekommen. Als Petersen' damals mit kräftigen: Händedruck für die Rettung seines Schiffes! bankte, da hatte jener mit dröhneiwem Gelächjter abgewehrt 3 „Hat nichts zu sagen, old boy. Meiner Mutter Sohn hat immer ein wenig Glück gehabt. Und dann, der alte Wässergott kann mir nichts anyaben. Ihr wißt doch: England herrscht him Und darauf hatte er sich fejne Shagpfeife Iran Als sich Petersen jene Sturmnacht wieder Kurückries, da siel ihm! eßn, baß er stch Wer die Wvri neuem ang Heckt. ins Gedächtnis te des Engländer- im Allen doch geärgert hatte. Freilich, die Rettung seines Schiffes war Taylors Wer? gttveserr. Das stand fest, aber wie jener den Tank hingenommen, das batte ihm .sein Herz verwundet, tza, sein deutsches Herz ! Tausende von deutschen Seeleuten taten tagaus, tagein ihr« Pflicht und fühlten sich stpiz dabei. Und wenn ein anderer ebenso brav ans seinem Posten stand, so freuten sie sich dessen nicht minder. Aber jener hatte es damals ausgesprochen, was eigentlich alle Bewohner des Bereinigten Königreichs dachten, daß nämlich der Herrgott feinen XieSeit Engländern stets eine Extrawurst braten müsse. Das war es ! Und darüber! sollte er sich als Deutscher nicht ärgern? Kapitän Petersen war wütend. Und er bohrte sich in seine Erinnerungen fester. „Meiner Mutter Sohn hat imrner ein lvenig Glück gehabt." Das hatte ihn damals nun nicht so arg gekränkt. .Aber letzt während des Krieges hatte Petersen, der eigentlich ftmst kein Grübler war, über manches nachgedacht, ivas ihm an den Engländern, mit denen er in Berührung gekommen war, mißfallen hatte. Und in den Zeitmtgen hatte er darüber manches wissenschaftliche bewiesen mrd erhärtet gefunden, was ihm bisher nur dunkel feilt Gefühl gesagt hatte. ,,Glückskinder, Abenteurer, Freibeuter sind sie alle- mehr oder nnnder, die Herren Briten," rief es da plötzlich in seiner Seele, „mutig zwar, aber doch Aden-! teurer, die auf die anderen, die emsig Stein auf Stein fügend das Werk langsam rvachsen ließen, übermütig herabsahen." Und er fühlte es plötzlich wie eine Offenbarung: der Lotse Jack Taylor ist dein Feind, der Feind deines innersten Wiesens und der Feind dernas Volkstums, von dem auch du ein Teilchen bist." Während er weiter nachdachte, da wußte er auch, was jener beabsichtigte. Von hier aus war es nicht tveit zu den Werften, eine Stelle, die nicht hinreichend geschützt werden konnte. Und auf denen vielleicht an neuen Panzern für die Marine gebaut wurde. Vielleicht gab es an der Stvommünduna doch noch irgend- wenn «s auch noch so schwierig war, diese ausfindig zu machen, so reizte das gewiß den Wagemut Taylors um so mehr! Petersen hörte im Geiste den Lotsen höhnisch lachen über die deutschen Tröpfe: er ballte drohend die Faust. Sollte er .Anzeige machen, oder sich wenigstens Beistand sichern? Er verwarf den Gedanken schnell wieder. Es durste keine Zeit verloren werden. werde nach dem Strande hinuntergehen," sagte sich Petersen. Tie engen Straßen waren menschenleer, und nachdem er einige Villen hinter sich gelassen, fand er deii Wieg erleuchtet Nur durch, den Mond, der heute nacht besonders hell schien.! Bald hörte er den Strom leise plätschern, und sein Tritt versank im Smrde. > >' „Kehr' um," sagte er sich. „Du weißt nicht, ob du dich über-, Haupt geirrt hast, und außerdem hast du keine Waffen." Aber eine andere Stimme sprach in ihm : „Sei kein Feigling! Auch du kämpfst für dein Vaterland!" Und plötzlich sah er zwischen dem Ried ein Boot, halb auf den Strand gezogen und daneben Taylor. „Ra, old boy," rief dieser, ,,was soll's, daß Ihr mir nach, späht, Kapitän Petersen? Denke, daß wir gleich offen und ohne Winkelzüge miteinander reden!" Peterseir bemeisterte seine Ueberraschung. Ruhig und fest antwortete er: „Herr Taylor, was machen Sie hier?" „Was geht Euch das an?" gab jener spöttisch zurück. „Als Deutscher habe ich wohl ein Recht, Euch zu fragen, was Ihr hier in der Rachut treibt." „Wie Ihr seht, bin ich im Begriffe, Euer ungastliches Land in diesem Augenblicke zu verlassen. Und" — dabei nahm er eine herausfordernde Haltung laist* — < „wenn Ihr, wie es den Mischern, mich daran hindern wollt, so bedenkt, daß ich jünger und stärker bin als Ihr. Und ich möchte Euch Mn Leid antun." ,_Jch will den Hohn in Euren Worten picht hören, Taylor, j«id Ihr mögt mit Gott reisen, wenn Ihr mir auf Ehre und Gewissen erklärt, daß Ihr nichts Unrechtes gegen mein Vaterland ge-; ttttt habt." „Ein Engländer tut überhaupt nichts Unrechtes!" gab der andere überlegen zur Antwort Md machte sich daran, das Boot vom Ufer zu lösen. > „Ihr bleibt, Taylor!" rief Petersen nnd stellte sich yor ihn'. .Mus dem Wiege da!" schrie Taylor und warf ein Notizbuch ins Boot. ^ Siedend heiß durchschoß es Peterseir mrd in Sekunden-^ relle fuhr es durch sein Hirn: IN einigen Tagen vielleicht werden in der Nähe britische Kriegsschiffe durchbrechen nnd an des Flaggschiffes wird der Lotse stehen und^lachen über den dummen, weichherzigen Michel. Und in hellen Scharen wird es sich über me Küstenstädte ergießen, und sieghaft wird es trium°i phieren, das Volk der glückhaften Abenteurer. Und seine Flaust fuhr gegen die Stirne des Engländers. „Tamned Dutschrnan!" brüllte der Lotse. Dann warf er sich auf Petersen und seine Hände schlossen sich um die Kehle des! Kapitäns. „Hilfe!" rief Petersen. Tann sank er zu Boden. „Wer ruft hier Hilfe? Einer hat englisch gesprochen. Ta— Boot! Halt!" Gin Schuß rollte über oas Ufer. Und noch *. Der im Boote tar einen kurDn Aufschrei fallen. — und ließ die Neberl Petersen kniete der Führer der Strandpatrouille. „Schnell, Leute, etwas Kognak! Ter alte Mann lebt noch. Vielleicht kann er uns sagen, warum der mit dem Boot so schnell davon taollte." Man reichte das Verlangte und nach einigen Minuten schlug Petersen die Augen wieder v>ie Msagbar viel sie tun? Jetzt kaimst Du Teilte Schuld wett machen, kannst ihnen vergelte!:, was sie getan — für Dich: die Helden der Heimat mit denen da draußen im' Bunde. Was sie in mondelanger, harter, lichtarmer Arbeit getan für Dich, für alle, für Sieg und Frieden — das kaMst auch Du jetzt tun! Tu brauchst nicht zurück- zustehen, brauchst nicht abseits zu stehen: wer Kriegsanleihe zeichnch, kämpft mit. wer mätkämpst, Mt siegen. Und der eiserne, starke Sieg bringt den Frieden. » , , - Du Deine P flicht ! > ist» — Sehnsucht. Won H. G. Nacht hält die Erde umfangen. Tie liegt in.' ihm: Armen und seufzt: „Zwar liebe ich dich, denn du bist mild und träumerisch. Doch die Sehnsucht nach dem Licht, nach der vollkommenen Reinheit, laßt mich und meine Menschenkinder nffn'mer los, wir trauen sie in uns. Tn aber wirst mich kaum verstehen. Weißt dn nM mehr, wie Gott, der Herr, durch die Weltenräume schritt und sprach: „Es werde Licht!" Und es ward Licht. Ter Tag kam und brachte :die Sonne. Du wandest dich ab, ich aber eilte ihr jauchzend entgegen. Ms das Himmelsgestirn sah, daß ich aus deinen LLrmen kam, blieb es auf dem Weg zu mir stehen «und weilt nun schon seit EwigMten im blauen Aether. Du bist vor seinem goldenen Schein geflohen. Ich aber vergehe vor Sehnsucht nach dem reinen Licht und manchmal, glaube ich, fühlt e® die Sonne, dann kommt sie näher zu mir heran und mich durchglulen ihre «Strahlen. Ich und mehre Menschenkinder, wir baden uns in ihrem Licht. Aber wenn du wrederkommst des abends und mich HÄM holst, dann taucht die Sonne aufschauernd unter, derm sie weiß, daß du mein Schicksal bist Mich aber hebt die Hoffnung empor, daß ich die Sonne einmal ganz Wißen werde, denn sie ist mir die hohe Freundin, die des' Glückes Golostwm über mich gießt, an deren Hungborn ich allein gesunden kann. Und ich muß es dir fasert, Mutter Nacht, ich liebe sie mehr als dich. Aber das wirst du nie begreifen, denn dn kennst die Sonne nicht, hast dich in deinem Mahn streng von ihr geschieden. Auf der goldenen Himmelsleiter steigt meine Sehnsucht zur Sonne hinan, einmal, das-weiß ich, finde ich zu ihr den Weg. Tann. Mutter Nacht, wandern wir mitsammen, bringen dir die Strahlenkvone. Alles Dunkle fällt von dir, eist Hosianna ertönt und das' All Ws in Lcht und Freude getaucht!" Büchertisch. hh Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Literaturfreunde. /Begründet, «von Dr.~ Jvsef Ettlinger. Heraus-« gegeben von Dr. Ernst Hetthorn.) Verlag: Egon Fleischel & Co., Berlin W 9. Das 2. Aprilheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Friedrich Kluge: Luthers Bibelübersetzung; Hanns Ziehst: Referat und Bekenntnis; Franz Gvaetzar: Die Humoristin; Eugen Köhler: Vom alternden Anatole France; Kurt Martens: Flugschriften über den Krieg — Echo der Bühnen — Echo der Zeitungen — Echo der Zeitschriften — Echo des Auslandes Kurze Anzeigen^ Gießener HauKfrauett-Berein. Kochanweifungen. Schmackhafte Beilage zu Gemüse. Wenn MaN mn- Mal etwas Schweinefett oder Speck ausgelassen hat, kann man aus den Grieben eine gute Beilage für Gemüse bereiten. Man vermischt sie mit gleichschwerem Mehl, etwas Pfeffer und Salz, 1—2 Eß-, löstet Weißwein oder MW und Hefe. Ter gut durchgearbeitete Teig wird gut ausgerollt, zu kleinen Formen ausgestochen und «auf ein Blech gelegt. Wenn die Plätzchen aufgehen, werden sie mit Eiweiß 'bestrichen und.im Ofen hellgelb gebacken. Man reicht sie als Beilage zu Gemüse. Kleine Plätzchen^ mit einem Fingerhut ausgestackM, bilden eine ausgezeichnete Suppeneinlage. Kartoffelplätzchen, ein einfaches Kaffeegebäck. f uf ein Pfund gekochte und geriebene Kartoffeln rechnet man 25 ramm Mehl, wenig Salz und geriebene Muskatnuß. Daraus ivird ein Teig geknetet, zu einer kurzen dicken Rolle- geformt und diese in Scheiben von 1—l x /2 Zentimeter Starke geschnitten. Tre Plätzchen werden auf der Herdplatte geröstet, .bis fte sich von selbst ablösen und goldbraun sind, dann gewendet und auf der änderest Seite gebräunt. Warm zum Kompott gegeben, schmecken sie gut. Man kannn sie auch kalt mit Mus bestrichen $um Kaffee essen und spart damit Brot. Sehr verfeinern kann man die Plätzchen, wenn man etwas Brösel unter den Teig mischt und Eiersatz sowie beliebige Würze — Mandelextrakt, Banilleessenz usw. — und.auch etwas Zucker dazu gibt. - * !R habarbertorte. Bekanntlich braucht man zum Rhabarber sehr viel Zucker: bei nachstehendex Art der Zubereitung! ist jedoch nicht so viel notwendig, aber es gehören Eier dazu. Man nimmt 400 Gramitz geschälten Rhabarber, ohne ihn zu waschen, gibt 150 Gramm Zucker, 2 Eßlöffel Messer dazu und läßt das Ganze breiartig verkochen und auskühten. IN erner Schüssel werden 2 Eidotter und ein Eiersatz mit 100 Gramm Kunsthonig zusammen aut verrührt und eine Prise Salz, eine Messerspitze Banille, ein Backpulver, 150 Gramm Grieß, sowie 3 Eßlöffel Kartoffelmehl ioder gewöhnliches Mehl (man kann auch geriebenes Brot dazu verwenden) hinzufügt. Nun rührt man alles durcheinander und gibt den festen Schnee des Eiweißes hinzu. Eine Tortenform wird mit Fett aushesttichen, mit ein wenig Mehl bestreut und die S Masse hrneingegeben. Sie muß % Stunde bei mäßiger Hitze ' Dar magisch« Viereck. Bon Artur Fürst,. -Professor Johann Eberhardt Krusius' war vdn sämtliche« 45 760 Einwohnern der Stadt Pappenbnrg enffchieden der Klügste. Ms er kürzlich den Gtnberufimgsbefehl erhielt, ließ/ Profestog Kduftus den Bürgermeister zu sich kommen und sprach zu ihimit „Drer sehen Sie einen Kasten stehen, der meinen Mchiedsgruß M dre Gemeinde Pappenburg enthält, Der Inhalt ist für säinllichü Ernwohner «ohne Ausnahme bestimmt, jeder einzelne wird etwas, oamt finden, das nur ihm allein gilt. Ich rechne darauf, daß jeder Bürger der Aufforderung Nachkommen wich, die ich nach Meinem! Weggang an ihn richte." . 'Am Tage darauf war Professor Krusius abgereist. Der Bürgern meister ging in Gegenwart von zwei Beisitzern in feierlicher Weise daran, den Kasten zu öffnen. Als der Deckel gehoben war, machten alle drei Männer recht erstaunte Gesichter. Der Kasten war leer bis auf ein schmales Matt Papier, das auf feinem Boden lag. Bürgermeister und Beisitzer Men einander an und wußten nicht, was sie davon halten sollte^ Schließlich nahmen sie den Zettel heraus und betrachteten ihm „Herr Professor Krusius scheint sich über uns lustig' zu machen,"« sagte der Bürgermeister, „da sind ja nur Buchstaben darauf, bie'girg körnen Smn geben." Mle betrachteten das auf den Zettel gezeichnetzch e h | i 1 e M n a e i d i e a n 1 .e i h ; e i l« > i n 1* e i d l «1 d M e a l* n ; 1 . e , i I" ' t >> n i* « l'i d « c d - u >n .1 * l< - I 1 n \i i« d « n " n I"« d h e -a |i 1« ' n 1* e M d ji l.b c h n * e i-d M . e .a |rn M ° G 1 e ' « » h - *i e < ö l e . » »« c | • 1 «1 «1 h n ! «r kd 1 . e k a n | a e i I d « n "! - i j c i h l " e H l'i ■ e ca 1” 1 jtn i a e >- d e J»j h j. c | » “1 e d !' « f A n !■> «1 1 n a 1 « ' d «! "1 M " c j dl i I e *a n .4 e • I e !' n A e i d| «I n l e dl i ] .« a l n 1 «e i M i « 1 Lüj *1 e| • I d| _ej. «< 1 «1 a ,n| • I e e h I e, i n a e ii *\ r, e •a| n i p«t i h -e Dem Bürgermeister aber ließ die ArrgelegenheiL doch kein« Ruhe. Krusius pflegte wie er ihn gekannt hatte, keine schlechten« Sch«Ge.zu machen. Alles, was der sonst getan und gesagt Hatto, war irgeudivie von Bedeutung gewesen. Vielleicht >v>ar also auch m diesem MMtabeirzettel ein Sinn enthalten, der ihm als einem! ungelehrteuHRann nur nicht erkennbar war. Ms der Bürgermeistw kurz darauf m der Landeshauptstadt weilte, ging er in die llniverstz« tät und zeigte den Zettel einem der Professoren, der ein Freund des Verstorbenen getvesen war. Ter blickte gleichfalls zuerst mit Erstaunen. Tann aber zuckt« ein Lächeln über [ein Antlitz. „Mein Freund Krusius hat Ihnen hg ein gelehrtes Rätsel aufgegeben", sagte er. „Aber ich glaube, baß in dem Viereck. lvirklich pme Aufforderung für jeden einzelnchj Bürger enthalten ist. Wieviel, Einwohner hat Pappenburg?" —, „45 760." i . „Dann stimmt es! Tie Inschrift auf diesem Zetbess ist die Nach, ildungeines alten Grabsteins, der sich zu Ovideo in der spanischest ivovinz Asturien befindet. Ein Fürst namens Silo hat dort^l Ürche San Salvador erbauen lassen, in der er auch-begraben ist, lufdem Stein über der Grabstätte ist ein Buchstabenviereck gleiche Art wie dieses hier eingemeißelt. Wer es versteht, kann darauf lesen t „8j1o princeps fecit", auf dnttsch „Fürst Silo hat mich er&aut," 1 Das Wunderbare ist, daß dieser Satz nicht 'weniger als»45 760 mal in dem Viereck enthalten ist. Krusius hat aus dem Zettel hier die aktuelle ÄäaHnmg ersetzt: Sehen