,W - nt ls Mittwoch, den 20. Februar ^Niu-vbl^ W ArrkchattrmMM zum MießmerAHtiZer Wemml-AHeWr). |T Mja. Die Radier. Roman von Hermann Wagne«. , (Fortsetzung.) 27 Kapitel. Einen vollen Tag und eine Nacht war Reisner in Berlin innhergeirrt. Nun wurde es langsam Morgen. Er saß im ersten Stock eines Kaffeehauses m der Friedrichstadt. Die Frauen, die den Saal reinigten, Hattert ihn schon einmal lte der Kellner aber- rückwärts bemühen, Reisner ging nach rückwärts und saß ganz allein Er war sehr schwach und konnte sich kaum noch schleppen. Er Hatto nichts gegessen, nur getrunken und geraucht. Und auch geschlafen hatte er nicht, — nun schon die zweite Nacht barsch: „Nicht schlafen, mein Herr!" Da sah er auf und erkannte, daß es sonniger Morgen war. An einzelnen Tischen saßen schon Gaste, frisch, aus- sch,lasen und gesund, und tranken den Morgenkaffee, bereit, Arbeit nachhugehen. sch muß fort, dachte Reisner, aber wohin? Vs war ihm unmöglich, noch einen zweiten Tag in Berlin um her zulaufen. Jedes Geräusch, das er vernahm, verursachte ihm Uebelkeit, der Anblick eines jeden Menschen tat ihm weh. Erdachte an die vornehm-ruhige Abgeschiedenheit feines Zimmers daheint, und es legte sich wie ein eiserner Ring um sein« Brust. Aber er uberwand das, preßte trotzig die Lippen aufeinander und trat auf die Straße. Die Geräusche der Straße waren, erwacht und brüllten mit neuer Kraft in den jungen Tag hinein. Kein Mensch achtete des andern. Man hasttete vor- und rückwärts. Eiserne Rolläden wurden hochgezogen, eine Geschlecht der Arbeit machte sich breit. Die Müßiggänger schliefen noch, sie hatten hier nichts zu suchen. Aus alledenr bin ich ansgeschaltet, dachte Reisner. Ich bin ein Rad, das gebrochen ist, das man beiseite geworfen und durch ein neues ersetzt hat. Es vollzog sich alles so schnell in dem Fieber dieser Zeit. Gestern stand man noch rm Mittelpunkt einer Bewegung, heute brach man zusammen, und die Welt redete gleichgültig davon, morgen war man vergessen. Man lag am Weg, kein Vorübergehender wandte den Kopf nach einem, denn niemand hatte Zeit. Er überschritt den Fahrdamm, überquerte die Leipziger Straße send flüchtete in eine Nebengasse. Dort hingen Schilder au den Türen, die möblierte Zim> Mer anboten. Er ging wahllos in das erste Haus. Ein urrrasierter Mann in Filzpantoffeln öffnete ihm und führte ihn durch einen finsteren Flur in ein Eckzimmer, das die gute ©fcu&e der Familie war. Plüschmöbel, die nach Kampfer rochen, ein bronzierter Lüster mit nie angebrannten Kerzen, ein Vertiko, auf dem zahllose billige Nippes standen, ein Schreibtisch aus weichem Holz, ein Teppich, über den znm Schutz ein Hader gezogen war, ein Bett, das Kilt und feindselig anssah, —? das war das fein möblierte Zimmer. Reisner fragte nach dem Preis. Der Mann tat, als müsse er erst überlegen, und rief schließlich seine Frau. „Vierzig Mark," sagte sie in einem Don, der verriet, daß sie in der Familie die Herrin war, „aber den Kaffee extra." Reisner zahlte und bat, man möge ihn allein lassen, er wolle schlafen. Er verriegelte die Tür, entkleidete sich und warf sich auf das Bett, dessen roher, gestärkter Ueberzug ihn gruseln machte. Draußen lärmten erbarmungslos die Kinder und trampelten mit den Füßen, die Frau schimpfte im rohesten Berliner Dialekt, man hörte das Klirren von Kaffeetassen, wie aus weiter Ferne kamen die Glockensignale der Elektrischere und irgendwo krächzte ein Grammophon das Lied: ,Ach, das haben die Mädchen so gerne. . .* Von diesem Lärm, der ihn. feindselig anbellte, umstellt, schloß Reisner die Angen und schlief ein. Er erwachte durch ein Klopfen an der Tür und sah auf die Uhr. Es war zwei Uhr nachmittags. Er fuhr in die Kleider und öffnete. Me Wirtin schpb ihre Fülle durch die Tür ünd verlangte, daß er den Anmeldeschein ausfülle. Er tat es, und sie stellte erstaunt fest, daß er in Berlin- Grnnewald zu .Haufe war. „Sind sie auch ein Dauer- Mieter?" fragte sie voll bösartigen Mißtrauens. Erst jetzt bemerkte er den gemeinen Zug in ihrem Ge sicht. Die Art, wie sie sich aufgedonnert hatte, die Fülle Ihres überquelleriden Körpers gewaltsam zusammenpressend, ließ ihn noch deutlicher hervortreten. Reisner setzte sich an das Fenster und brütete vor sich hin. Die Kinder lärmten noch immer, besonders die Stimme eines Knaben tat sich hervor, frühreif, brutal und ordinär. Die Zeit schlich mrt schleppender Langsamkeit. Reisner war es, als stecke er in einem Sack, den man oben fest zugeschnürt hatte. Vom Flur her kamen leise, langsam schlürfende Schritte. Der Wirt, schien es, machte in seinen Filzpantoffeln einen Spaziergang. Wie eine Wache, die man vor meiner Tür postiert hat, dachte Reisner. Er iiberdachte seine Lage. Er tat es zum ersten Mat und sah zum ersten Mal auch klar: sie war trostlos, sie war verzweifelt. Wohin er sich auch wandte, er sah die Wege, die er gehen wollte, verstopft. Die Idee, daß er eine kleine Agentur übernahm, war einfach lächerlich. Gefetzt den Fall, daß er eine ^kommen hatte, er ivar nicht imstande, ihr vorzu stehen. Er konnte nicht reden, kein Mort. Und er 0 % — raTSn nne^lichL'RuHebedürfnis, er schrtte sich nach einem Schweigen, das endlos war. Die lärm«wen K^dersttmnuen hämmerten ans semc Nerven «n, die War- fendeii Schritte des mtrasierten Mannes draußen brachten |ftu zur Berzw-eislnng. Und es war rhm unmöglich, noch einmal das Gesicht der, Vermieterin M Men. . ylttes das tat ihm nicht nur w ch, es engte ihn em,rme jdhtoru tev nahe daran ist, m etfeden &> rnfä -«ta finden Abständerr ein paar Schritte durch das Zunmer, blieb stehen, starrte irgendeinen Gegenstand versunken m und schrak dann plötzlich aus. m war er rmd wohin geyvrte er? Er hatte fein Daheim. Er gefteL sichin der ^oLchltuntz, in einem Krankerchaus fx liegen, wo Schwestern sich mtt leisen Handgriffen um chn bemühten., ^rese Mlhe, dreses Schweigen brauchte er, die «vathre emes ]jten ^; j2 alles Aeichgültig ist, weil vielleicht schon der Tod Lauernd nur lern Bett schleicht. * c _^ vr Alles Denken war ausgeschaltet, es war ihm abgenorm men rvie eine Bürde, der er nicht gewachsen war. Ändere darbten Mr ihn. Das war so wohltuend. Dre Gedanken waren durch ein vages Gefühl ersetzt, das halbwach träumte ^ § war 'wie' ein Nachtwandler. Die Welt war doll von Geheimnissen für ihn, die er überwunden hatte. Er stand außerhalb der Welt. ltnb plötzlich nahmen feilte Borstellungeir noch etwas Rulnaeres an. Er sah sich im Gefängnis. Dieses war noch friedvoller als das Krankenhaus, denn es war schon wie %ob. , , «e war es imr möglich gewesen, daß er sich vor >>M st» «stecht» hatte? Er kannte -S d»ch »tch dort w« cs nicht nötig, daß man dachte. Einmal überwunden, hatte die Einsamkeit des Gefängnisses keine Schrecknisse mehr. Man lebte ruhig und war aller Konflikte enthoben. r . Eine tiefe Nacht kam, ernst und doch üarmyerzrg in ihren! ehernen Schäveigen, und man ertrank m ihr zu einem lanaen Schlaf. Alle Wünsche gingen heim, aber es gab au $ keine Absagen. Des Lebens wechs elvoller Karnpfw ar aufgehoben, es gab keine Niederlagen mb kerne SrIe. teilte üukuntt lockte und keine Vergangenheit schreckte, indem sie das Gewissen anftvühlte. Man träumte tn dem ewigen Gleichmaß einer Gegenwart, die einen der Notwendigkeit jedes Handelns enthob. Man war eine -r-nmmer. Wen Menschen hatte man abgelegt, begraben. Der Friede des Grabes war um einen. .... ^ ,, (r „ <. Reisner spielte Knnächft mit diesen Vorstellungen, die Wr anheimelnd anzogen. Aber langsam nahmen che ernsthaft von, ihm Besitz, und er entdeckte neue Setten an ihnen. Er erinnerte sich der grausamen Aufforderung seiner Frau. Wie, wenn er dieser Aufforderung lolgte, Ernst machte? Sich dem Gefängnis überlieferte? , ^ Nahm er darntt nicht alle Schuld von seinen Schultern und lud sie ihr auf? So schwer, daß sie eures Tages unter * an der sie sich mit ihre« Kind niederzulasseu gedachte, froh werden, wenn es ihr zugleich bewußt wurde, daß er währenddessen litt? Sie war es dann, die ihn iiis Gefänmris gebracht hatte». ne und der andere, gegen den sich! bald ihr Haß flammend richten wurde, denn das Kind blieb iminer als ein stummer Mahner da. Oder war es nur Schwäche, wenn er es Lat?, Er hob sehnsuchtsvoll die Hände und bedeckte sein Gesicht mtt ihnen ?Lch, einmal ihr zeigen können, daß er die Kraft besaß, Mit sich'selbst fertig zu werden! , „„ _ „ . Hatte er sie nicht, hatte sie ihn ganz verlassen? Nein, nein — es in u ß t e gehen! Er ballte die Fäuste. E i n m a l mußte er imstande sein, seineDerson voll einzusetzen, stlr eine Tat, die des Opfers wert war!^ t Mit nie empfundener Sütze hurchrann ihn oav Bewußtsein, daß er Lneie noch liebte, sie und sem Kmd,,die beide eines Tages vor Scham vergehen mußten, daß sie rhu Preis- gegeben hatttn^, Ernst überkastr ihn mit einem Mal, und alle Verzweiflung war ans stinem Herzwi wrh geweht. Kein Haß war mehr da, keine Ueberschwanglichkeit des Gefühles, kein wirres Träumen, — nur em leises, erstauntes Sinnen. , . . ltvlK Ein grauer Schleier ivar von femen Rügen gezogen, und sein Ohr nahm alle Geräusche gefaßter, überlegener auf. Es wurde ihm möglich, über die gespreizte Häßlichkeit des Zimmers, die ihn kurz zuvor noch niedergedrückt hatte, zu lächeln, den tagtvandelnden unrasierten Mann ormA u sah er mdg ohne Humor und der Lärm der Kinder schmerzte ihn ma " Immer klarer straffte sich sein, Wille. Uick ^gleich trieben ihn die hämmernden Pulse einer endgültigen ^-NE scheidung zu. ^ . Er nahm den Hut und ging fvrt.^ ^ Seme Unruhe wurde ans der Straße noch großer, ^eder Schritt, den er tat, trieb Um immer Ästiger de« « mm §u, das ihm vorschwebte: sich freiwillig dem Gtaatoanw-att zii stellen ^.cht und sicher war ihm zumute Und auch an seine Frau dichte er nicht in diesem Augenblick und auch nicht an sein Mud und auch gar Nicht an Behrens. Nun sagen wollte er es diesem, ruhig und schlich sagen, womit die Angelegenheit dann für ihn erledigt wäre. In wenigen Minuten war er in der Gegeird des Am m „Au sucuiytu .yuumiii jv-iv ^r »•** < K, ~' r r . hatter Bahnhofes. Nach einigem Suchen fand er dre Gage. 'Frau Piesecke öffnete ihm, und er fragte, nach Behrens. „Hier," sagte Frau Piesecke und wies chm nne Tür, an die er zweimal klopfte. Behrens war nicht überrastht und zeigte aus das wurmstichige Sofa. _ .. ~ „Ich habe Sie erwartet, Haben Sie sich die Sache uberwat?" „Ja, ich habe mir die Sache reiflich überlegt," anttz wortett Rechner.~ ie erklärte Behrens ohne jede Anzüglichkeit. „Ich stehe natürlich mit Bergungen zu Ihrer Verfügung." ■ _ r Reisner wunderte sich, wie lehr er schon außerhalb alles dessen stand, was ihn beleidigen konnte. Er war völlig ruhig. Und er ließ sich Zeit, ehe er sagte,: „ och habe mir dre ,Sache auf andere Art überlegt, als Sie ve rmu terr. och wü ns aye nicht, daß Sie mich schonen. Ich schone mich selbst nrchL mehr. . . . Ich gehe jetzt von ihrer Wohnung ans direkt zu Gericht, um mich freiwillig zu stellen." Und er iahBehrens spöttisch ail, uni Kii erkunden, welchen Eindruck die Nachricht auf ihn mache. - Doch Behrens war ebenso ruhig lme -üemrier. Er hob nur ein wenig den Kopf. „Das wollen Sie? Wirklich?' „Ja." „Warum ioollen Sie! es?" „Das tttt rckchts zur Sackp," entgegnete Neisner. tue es, und damtt gEg. Ich tue es sogleich. - - Niollte es Ihnen bloß sagen. Ich brauche Ruhe. Dtt fol man mir lassen." , ., „ltnb die suchen Sie irn Gi-sangnis i ,Ja," rief Reisner leidenschaftlich ans, „ja. . . und er sah Behrens plötzlich prüfend in die Augen, gleichsam erstaunt, daß jener so frage. „Wissen Sie das mcht, daß es allein im Ge-sänguis die Rühe gibt, dre ich brauche? Wissen Sie das nicht? Sie?!" , ^ r . „ , a , Doch Behrens überhörte die Frage. Er legte Rersnei. die Haiid auf die Schulter und rüttelte ihm „Sie stich kraiikhaft überreizt. Besinnen Sie sich!! Wer zrvingt Wie, solch eine Dummheit zu macheii?, —' oenu es ist em« Dummheit! .... Wer? Niemand tut e^. Jur Ge gen teil, man will Ihnen helfen. Ich will es sicher .. . . Ich bm reich. Ich kann nicht eimnal erneu kleinen Dell Zinsen verzehren, die mir mein Vermöigen abwirst. . . . Lne sollen es aut haben. Sie sollen gehen können, wohin es Ihnen beliebt, und sie sotterr reichllich- haben, was-Sie brauchen, melyx als reichlich. . . Vergessen Sie Ihre Frau! Streickjen Sie Sie aus Ihrem Gedächtnis! Uub führerr Sie m der Fremd« eilt Leben, das Ihnen wirkliche Riihe bringt .... Können Sie das iücht verstehen?" _ „Rein," sagte Reisner bla st. ' „Was hält Sie ab?" . . - . . „Etwas, das ich jetzt eben sthe, jetzt, in drestmr Moment da Sie das altes mir sagen . . Was Reisner fuhr sich durch die grauen Haare. „Dieses^ daß ich sehe-, daß sich jeder Mensch 7 - sem Glück erst .. . < verdienen muß!" Sein Atem ging kurz und hastig, als er nach einer Weile noch hinzusetzte: „Und -jae haben m einem doch^ recht, wenn Sie mich damit auch höhnen wollten, F« tu einem haben Sie ganz recht!" „In einem A' ^ ' „Itate, 6*8 Sie sagen, ich Wmite noch h-fl«» ■■ • - - Fa, das tue ich. jetzt. Ich hvfse Iwch Ich kchM nwh hoffen! „Worauf?" fragte Bohrens von oben herab. „Auf den Tag, an denk ich wieder frei werde. EL -mrd der Tag meines ersten (Nückes fei«. Denn dann — mit ich —' niemandern mehr — ellvas schuldig. • , Behrens zuckte imr Ungeduldig mit den SchWtew. „Sie sind ein verrannter Mensch, Ihnen ist nicht KL helfen.! „Mirr," beharrle Reisner fest und schickte srch an.. Kt gehen, „mir ist nicht W Helsen." „Warten Sie," rief ihn Aehrens, der chn scharf bevd- achtet hatte, an, „geben Me dies da her!" Und er zog ans der inneren Rocktasche Reisners einen Revolver heraus. „Ja, behalten Sie ihn," sagte Reisner, „ich brauche ihn nicht." Und er ging. . ^ . , ., _ _ Behrens wartete eine Weile und verließ dann glerchso.ls dis Wohnung. Er sah Reisner untzetr eben um die Ecke der Gasse biegen und folgte ihm iti einem gewissen Abstand. Er urußte viel Geduld haben, denn ReMer ging sehr Langsam und dochj wie biirw. Ans dein. Potsdamer Platz wäre er beinahe in die Räder eines .Automobils gelaufen. „Melisch, können Sie nicht altspassen?" schrie ihn der Lhanfftnr an. Allein Reisner hörte es nicht. Wie im Traum ging er weiter, kreuz uild guer, durch Straßen, (Aasseit. und Gäßchen, um schließlich vor einem großen Gebäude Halt KN machen, vor dessen Tor sein Schritt stockte. Wird er es Hui? dachte Behrens, der unwett von chm stand und ihn beobachtete. Reisner tat es. Langsa-lir, den Rücken leicht gebeugt, stieg er die Freitreppe hinauf. Die Tür fiel hinter ihm zu. Behrens ging vor dem Portal auf und ab-, eine kurze, genau abgemessene Strecke, wie eine Wache. Wird er zurückkommen? dachte er. Und er nahm sich vor, eine Stunde zu warten. Allein aus der einen Stunde, die er hatte warten wollen, wurden zlvei Stunden, denen er weitere dreißig Minuten anhängte. Aber Reisner kaur nicht zurück. Da blieb Belprens ein letztes Mal vor dem dunklen Portal stehen, das den anderen verschlungen hatte. Es ist geschehen, sagte er zu sich, es ist geschehen. . . Er Vehrte wieder um uuü schlug langsam und erschöpft den Weg nach seiner Wohnung eilt, znfrieden und hetter und doch- zerschlagen, ein APens ch, der sein letztes Ziel erreicht hatte und der sich nun ausruhen durste. , Er rief seine Mrtiil zu sich herein. „Iran Piesecke, sagte er zu ihr, „morgen ziehe ich fort." „Wirklich?" sagte f# erschreckt. „Nrtd ich hatte gedacht ..." . , . . Er uahnt sie bei der Hand und führte sie durch das Zimmer, von einem Möbelstück zum anderen. „Sehen Sie virgelimg. Nü-ir Max Treu. Noch WKN.ÜM in. der Men MnsenstM am Mckar wich sich seiner erinnern. T«ur \mt Kumt«, ihn nicktz den H^Hg«vachsen«, wie Miner sonst, und der so gern mit so herzlichM! Auf- leuchten der stmnige», blauen Itp jedem hübfchjen. Mädchen MNer den Hut sah! Aber nienvaN lag etroas Zudringliches vdev gar Freches in diesem Mich und eben deshalb teilte chm auch keine böse sein, die vor diesem freMgen.LerrMen seiner Augen etwa einmal dchr Mick -gestuft öder schneller, als noch soeben, iyvs Schritte weiter gelenkt hatte. Aber einmal war es dem guten Hans Sillmann doch, itbel gegangen. Und das Kim fvt Eine weiche, linde Jiminacht tag über Stadt und Tat., Bom dmMblänen Himmel funke, ten die Sterm n® spiegelten sich in den leicht rauschenden Wellen des Neckars. Scharf hoben sich die Linien der Berge gegen den dunklen Nachthimmel ab und durch die Bäume am Flusse sang der Svnrmerwiird seine leise» Melodien. Hans Sillmann kam vom Kdryshaus, wollte' sich noch eine Viertelstunde die etwas heiße Stirn an der Ubendluft; kühlen lassen und dann sein Bett aufsuchen, da morgen in aller Frnye eine Mensur mit einem gefürchteten Gegner steigen sollte, vor dem er sichsselbst!und- sein Korps nicht blamieren wollte. Hart an' der Brücke, die über den Fluß führte, sah er plötzlich ein junges Mädchen stehen.. „Sich mal", dache der gute i.Hans, „die kenne ich ja noch gar nicht! Das ist ja seltsam!" , . Und um diese Seltsamkeit sofort «m Kr Memat aus der Welt M schaffen, musterte er die Wartende Knit scharfen Blicken. „Fremd! Ganz siemd!" dachte er. Aber ein frohes Lächeln huschte über sein Gesicht. , „Dvmrerwetrer! Ist die hübsch? Hans Sillermann,, dir wirft wahrhaftig alle Tage dümmer, daß dir solche Schönheit bisher ent* gehen konnte!" ; ^ „ Voll fiel jetzt das Licht der Laterne auf das Gürte Mädchens. Ferngeschnittene, auZdrucksvolle Züge zeigten sich, die von üppigem dunklen Haar umrahmt waren. Ein paar leolMM Magen, deren Farbe er zu seinem Bedauern nicht erltznnkn konnte, blitzten ihm entgegen, Unwillkürlich Mt er den Schnitt an. Da hörte er eine klangvolle Stimme: , „Gehen Sie ruhig weiter, Herr Silkmann, man mE Nicht von jeder Blume Namen und- Art wissen wollen!" Und ein leises, silberhelles Lachen schloß sich an die Worte. ^ Der gute Hans war völlig verblüfft. War er denn so stabt- bekannt, daß ihn jedes junge Mädchen, sogar eine ganz fremde, «V seinen Namen kannte? Er zog fast erschrocken die Mütze und rrwllte voruoer. Ta hörte er eine lachende Stimme hinter sich.: . .. . ... ^ „Gelt. .Hänsele, die hat's dir ante qeix — fldfir?" Und hÄttev Hin flvnd der Boots- Zockele, ein Vermieter vmt Ruderboote,;, der iedern Heidelberger Studenten vor: damals 'wöhll^annt mar. 19itbl wie einst in Tübingen von .den Smdsnttn auf der Brücke dev. her: das alles kauft ich. Ihnen, ab, für soviel Geld, daß. Sie sich dafür Besseres anschaffen und in eine freundlichere Gegend ziehen können, wo Sie leicht Ihren Unterhalt finden lverden. stttrr eines müssen Sie mir versprechen: dies alles wird morgen vor meinen Angen zerhackt!" „Zerhackt — Y* "Zerhackt und verbrannt, das ist meine Bedingung." Sie griff nach, eirtein Zipfel Ihrer Schürze und zupfte verlegen 'daran herum. Ihre passive Feindseligkeit Behrens gegenüber hatte sich schon lange verloren. Nur w-ar sie rwck -unsicher, als wisse sie nicht, was sie mit dem Sonderling anfangen solle. „Warmrt kaufen Sie mir dies wertlose Heu.« ad'?" stagte fitz-. „Was haben Sie davon?" „Eine Freude, kümnrern Sie sich nicht darum." Und er ging, als sie sich entfernt hatte, von einem ÄWbelstück zum anderen, betrachtete ein jedes und streichelte es wie eirt Wesen, das zwar noch lebte, das aber alt rmdj krank war nnd sich, nach« dem Tod sehnte. Dann setzte er sich, an eines der blinden Fenster und starrte in dir Tümmeruug hinaus. Es war ihm reckst schwer ums Herz. Er legte die Arme auf den Fensterrahmen, bettete den Kopf darauf und schloß die- Angen. So kostete er: inmitten eines tranernden Schweigens die schmerzliche Wehmut eines Menschen ans, der weiß, daß er nun endgültig allein steht. (Fortsetzung folgt.) ^ . söhne gelegentlich diesen, treuherzigen Jvckele gegenüber ebensalls den alten Sewachtruf an und erreichen, bannt stets genau dasselbe, wie ihre Tübinger Kommilitonen bei den Flößern, nämlich hm«r Zorn und grimmige Entrüstung. Mochte nun der gute Hans sich über die unerwartete Storung' seines kleinen Abenteuers geärgert haben.oder darüber, daß ^-ockelc« ihn in (R-gen-vart einer ihm. ganz unbeAnnten SckMhett so trumpfte — lürtz und gut, dein Gehege seiner Zähne entfloh das gesinaette Wort: > .. ..Zockele sverr k" , . . .^ Ter Zockele aber hatte Heute auch gerade lemen schsinttnen Tag und wuul. patte er dqn alten hLrausfordernden Kriegsruf, ver-l 'nmnmen. der ihm jedes Mal das Blut in Wvlhmg brachte, da ballte er auch schon die -Faust, und genau wie einst dw TWruger Flößer, setzte er der .geflügelten Rede die geflügelte Anttvvrt entgegen) welche der Me Kitter tzlötz von Berlichingen dermalemst dem kaisestichen Trompeter gegeben hatte, die er denn seinersetts noch krästr^e^ittrte. ^ gedenk i dir! Dös gedenk i dir! C Und der Jwkele gedachte es dem Hans Sillmann — er hielt Fahre waren ins Land gegangen. Mus den JüngliW«r von das deutsche Land dahinbrauste. - { , Im selben badischen Landwehrremntent stand, Hanv Äülmann als Mmpagniesührer nnd Zockele als- fein, llnterofsimer. Längst hatte tzas.Schicksal beide voneinander getrennt,^-- UM. so grötzer war bu B?tTl i V t Ullo **»•' l ** j-*’**'• ‘Vtx. ,, fv\ r. •. wach! We leuchteten aus dem Mmmmr der Vergangenheit so »rtbettöt Heidelberger Tage auf rnfffc Mer Mille von Z'ugendlust ^.LugEorhelt, ihrem Innigen JubcC, -ihrer nie M unter! di ückerchen Lebensfreude. Abends, wenn die Angnstsonne drüben! hmier den Bergm des Wasgenwaldes rriöderging! und eine nhnnnqs-- fdymcre, blutig schimmernde Wondröte über Höhen und Tälern, schweote dann sMaclMi die Mden, der .Hauptmann und sein »«M.WN, LeidM-r, rt feinen •te*n,TSm tauen frohen Menschenschlag, vom Königstu W und .Neckargemünd von *•"' “f ?»“, d-M. die f im di- rL L'dE immm ® äWn llte d-S Sau»t. h#a {'®|!3 en ® fe buch. 3«Me, daß (Sie mir etwa» gebeutet 3 nicht vergessen, Herr Hauptmann!"! „lLs war nicht bös gemeint, Zockele!" E-t Einen doch, wenn rnn'S s» hört, "m'f 5SS 1 ja ordentlich abgetrumpfl, Zockele!" will i'M mS famlr?“ ^ & v J! ebe ' * enn ma ebbes einnehme S? damals — der Herr Hauptmann rvisfen ja - Er stockte. „Mir heraus mit der Sprache, Zockele!" «. der Herr Hauptmann befehlen, dann muß ich ickdnäit, ? Büche^-"^E McktL ja damals lieber jÄres Mä^lan^ls „Wahrhaftig, Zockele!" ' SauLn^LgLuLt L^' baß amal Eine den Herr» uE- b" S-upi- "ü d J' es tfl vergessen und vergeben!" "’irillf'l"®* »Äff l ’* ^ - toSe^Ül „ 1 ^ßte, daß Treue um Treue aus diesen Mkgen x.tz»,KSA?ÄLS«LS:L St i lf L?!! 1 U den struppigen Schützengrabenbart hinein ^ nun der Hauptmjann klar und ruhig seine Befehle gkgeL' in mtbemtä forr™!' Z i !lS iam 2 m ' " kin Verwundeter darf hört ilm?" ^ -ullen! Zeder muß m-itgen-omiEn werden -! 'S. u Befehl, Herr Hauptmann!" „Gut! Ich verlasse mich auf euch! Wdnn's uns Mm Ka»« S?! r eit wrr,,venn's gestorben sein muß, ivenigstens in der Heimat ÄteÄT E «t. sS&e? «b?B sAägt die Hacken aneinander und antwortet- ***** *“ ate R"' ßrt ?rS e &ft W Ü. e,,e °m Neckar Lr kinm «ngm Hort er sich selbst rufen: „Zockele, sperr!" Und er siebt fI S' SHefef ** f£i " ESfÄt s-ineMHruÄ tem'KL- ÄÄ***' Wt " K . U t ü AE es durch die Luft heran, feindlickM Artillerie nimmt thr ^lel imtn ^"«r. Wer noch erveickP-rr die Geschosse Aetzt ein dunipfer Krach. ist «LL°n"Ä7L.S °"°s ei«. « sie sich »--»ich, „Wo rst der Hauptmann?" heißt es. Am Grabenrand liegt er. Ein zuckender Menkck^nt^b Wn Stnnft und Schmutz bedeckt. o6 ?“ e ^^.^ndeshand darf keiner falten, das ist Befehl — und ^uÄ>n7bzuriich E ^ m * ! " fcentt «ud tr^t seinem ssu^ tvieder heult es durch dle Luft, zischt und knattert <7> L,- &autetle", ruft Jvs^le erbost, „jetzt laßt mir ivenigstens erst meinen gzxy$ss.ifft-m,-stt. sg; es £ SäfeÄ, ;A“ “* " l—»> *«. die Toten läßt man liegen, al«r kein Verwundeter meim Mruck — der Hauptnrarm hat's befohlen- uuf> weites- Mflt ,einm bewußtlosen Hauptnrarm weiter „Ob er wohl sterben wird^ muß er denken. Und auch er sieht W* «*« flcWe», ÜMM SStat«" l?l! f l ncm 8«6e &cntfcfrc«natems. „^er Teufe!! Jetzt hat s mr auch verwrscht!" m t inft in ‘ >ie Knie. Er kann nicht mehr ''Nehmt mir den Hauptmann ab!" rust er Aber der Ruf verhallt in dem ungeheuren Lärm. er sich zusammen. Springt wieder auf, den Haupd. L"Lr Zin^'"wF-keuchend, blmend. kam« wAnrtmur^ 1 in fallen, Der Sanptz. ^ ^ bringt ihn durch in die schützende Aufnahmestelluna, neben dem Hauptmann zusammen. Und im selbm Augenblrk schlagt drejer dre Augen auf. „Zockele!" "Zu Befehl, Herr Hauptmann!" „Was habt ihr mit mir gemacht?" lafsr^e^LL*" S»ES°nd sall« ?Gute^JE^" tato ber ^ aili> m Treuen. t* "®°/ & Hauptmann! Dös klingt sch» a.brsfele anderfch als am sellem Mend bei der Neckarbrnck - —" Der Hauptmann lächelte trotz seiner Schmerzen. "^l^ haben es mir gedacht, Zockele!" ,,E"öS IjKth t! 3I)ütc uni) Sruu! 5^ hciyä irft bctörcffel fe r! mxv ~ ühet mld über das wetterÄtt« Gesicht des treuen Mannes huschte ein fast verschämtes Lächeln ^ „wenn Sre s freut, na rufe Sie nochmal! Zockele sperr! I bin, »immer vos! , beise, garrz, leise, während ihn die Ohnmacht aufs rreukl in ihre Arme mmmt. kommi es über die Lippen Hans Sillnranns-' „Zockele sperr! Ich danke dir. Zockele!" Zockele aber nickte befriedigt. „Wenn er noch so sprechen kann, Mrbt er nicht!" Und er starb nicht Im Lazarett z-u Heidelberg lagen fit beide, der Hauptmann und fern Unteroffizier. Und als sie zum ersten Male wieder aber die Neckarbrücke hurnpelten, da stand der Jockel« still vor fernem Hauptmann: Herr Hauptmann! Mei Wort hob i gchalte! Gedacht Hab' i's Ihne! I hab's vergölte!" Hans Sillmann drtickte sckMeigenv des Mannes Haiid und ihrer lewer Herzen schlagen denselben Schlag: Dreue um Treue. —> —. den Bergen flammt das Llbendvot über die alte Stadt unb' verkündet einen schönen, kommenden Tag. —. —> , . Büchertisch. —. Hochland, Mmmtsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur Mw Kunst. Herausgegeben von Professor Karl Muth ^o,. Kchel'iche Buchhmidlmig, Kempten und München. Viertele rührlich 4.60 Mark. — Das ß-ebruarheft enthält u. a.: Vom kulturellen Wiederaufbau Europas. — Seele und Zuknfl, — Mari Madlen, — Las Problem der Revolution, — Friedrich Wil- Wmjy. und dre großen Entschndnngm der delits.chen Politik' — Kleine Bausteine. ' u l i Schaubühne, Wochenschrift für Politik, Kunst, Wirtschaft, herausgegeben von Siegfried Iacobfobn, enthält ist der Zimmer ? chres vrerse'hnten Iahrganigs: Die alte Mehrheit, twn Gernlanims: Der Maximalismus, von E Hurtvicz: kam Bernhard, Von Johannes Fischer!: Das de:rtsche Lust» sprel, von Elgon Friedell: Ter Theaterproblematiker, von Oscar Manrns Fontmla: Die Macht der Finsternis, von S. I.; x ox populi, von Gregers Werte; Deutsches Opernhaus, von Kurt Singer; Bilder, von Mfved Polgar; Hervorragende Vertrete- von.Äorarms; Antrvorten. ^ Füllrärsel. 1. Arzneistoff. 3. Körperteil. 3. Zustand. 4. Stadt an der Donau. 6. Singstimme. 6. alte Weltstadt. In dre Felder vorstehender Figur sind die Buchstaben A A. D, J, L L. MM MN. 0 0 0, R ft, T T, U derart einzutragem daß die ivagrechten Reihen Wörter von der beigesügten Bederituna bilden, wählend die'Aniangsbuchstaben im Zusammenhang gelesen eme Zeltbezerchnnnq ergeben. u a^eien (Auflösung in nächster Numnrer.) AuflösuM der Charade in voriger Nummert Faustrecht. Schrlitteicung: «. ®eu«. - Zwiaingtzrm.ddruck bec Brnhl-,che„ U.nn.-Bnch. »nd Sl-lndrnck-rei. R. Lan ge, Gieden.