Roman von Herrn ann Wagnen. (Fortsetzung.) 25. Kapitel. Nahezu zehn Jahre waren Lncie und Reisner mitein- Mrder verbunden, und nnn war die Stmrde gekommen, da S miteinander abrechneten, das Ergebnis ihrer Ehe zogen. war -eirve bittere Stunde, nicht nur für Reisner, auch für Lncie, die beide erkannten, daß etwas zerbrach, das nie ganz gewesen, war. „Ich gehe, weil ich dich liebe/' sagte Reisner. „Um deine! und um des Kindes willen gehe ich" „Du lügst," antwortete sie ihm haßerfüllt. „Nicht um Meinet- und um des Müdes willen gehst du, sondern um deinetwillen, weil dich das Gefängnis schreckt, weil du feig Ast!" Ihre Verachtung erbitterte ihn. „Sage mir: würde es dadurch besser, wenn ich das Gefängnis Vorzüge? Wovon solltet ihr leben?" „Vom Geld eines Menschen, an den du uns verrätst?" Er sank auf einen Stuhl und bedeckte das Gesicht mit Heiden Händen. „Du hast recht," stöhnte er, „du hast . . Aber kann ich es denn verhindern? Ich kann es t Mir fehlt die Kraft. Ich fürchte mich. Ich fürchte vor dem Gefängnis. . . . Noch einmal —? . . . Nein, änn nicht! Mich schüttelt die Angst!" „So warst bn schon immer," sagte sie kalt, „feig, grausam und undankbar. Du blähtest dich auf und warst doch ein Popanz, der jetzt zerplatzt." „Das sagst du nur?" „Ja, ich." „War ich feig, grausam, undankbar gegen dich?" „Dir glühtest so lange für mich, als du mich wolltest. ßch ig und kalt und u, daß ich deine Wege Mts du mich hattest, wurdest btt gingst andere Wege. . . Meinst nicht joefaitnt habe?" „Warum hast du nicht ein Wort gesprochen," klagte er He mit leiser, tastender Stimme an, „ein Wort, ein ein- .es? . . . Weißt du denn, wie sehr ich darauf gewartet , auf dieses eine Wort? . . Dieses ungesprochene Wort es, das zwischen uns stand Ich konnte es nicht sprechen, denn ich war zu tief in deiner Schuld. Aber du! Du mußtest g sprechen! Und du hast es nie getan. Nie. . . Und ich An über diesem nngesprocheuen Wort alt geworden, ent- Muscht und gleichmütig. . . Warum spricht sie es nicht zu vrrr? fragte ich mich "immer wieder. Weil sie nnch nicht lieb hat! antwortete es in mir . . . Das Mnd war dir alles. 8ch war dir nichts. Deshalb trieb es rnich auch fort. Weil «h vergessen wollte, trieb es mich fort, denn es gab ja soviel, w# ich vovAsffen wollte. . . Und doch: du hättest mich retten können, mit einem Wort, mit einem einzigen guten Wort! Und du hast es nicht getan!" „Ich habe eg nicht getan, weil ich gar nicht wollte, daß btt gerettet würdest. Ich sah deinen Untergang, wie ihn andere sahen, nur deutlrcher und sicherer, weil ich wußte, daß er kommen mußte. Und ich habe mich gefreut." „Du hast dich gefreut. . „Ja," sagte sie ausatmend, „und nun ist er da." „Nun ist er da . . . Und gibst mir den letzten Fußtritt/' „Den letzten Fußtritt," rief sie, „ja!" Seine Stimme brach mitten entzwei. „Hassest du nnch so sehr?" fragte er. Sie schüttelte den Kopf. „Ich wollte, ich könnte dich hassen. Aber ich kann es nicht. Mein Herz ist zu Stein ge- worden. Du hast es dazu gemacht." „Lucia!" rief er aus. „Ja," beharrte sie und stampfte mit dem Fuß. Er versuchte einen angstvollen Blick nach ihr hin. „Gibt es gar nichts, Lncie," flüsterte er, „gar nichts, das- Könnte ich es — nie wieder... gutmachen?" „Nein..." „Es muß etwas geben... Bedenke boch, daß Lu — auch mein Kind ist!" „Es ist mein Kind!" „Du hast es mir genommen..." „Du hast es nie besessen," sagte sie mit kalter Genugtuung, „Gott sei Dank!" „Und es gibt nichts, nichts, nichts..murmelte er. Sie sah ihn höhnisch und lauernd an, ioie eine Katze, die mit ihren: Opfer spielt. „Vielleicht doch, — vielleicht doch ... eins ..." Er erzitterte vor banger Erivartung. „Du," bat er. „sage es mir, — sage es!" Sie inaß ihn in einer Weise, als schätze sie ihn ab. „Geh, — geh... ins Gefängnis!" sagte sie langsam und scharf, Er taumelte. „Du, —i du — willst... ?!" „Ich bin, wie ich! bin," rief sie aus, „und du bist, wie du bist! Jetzt habe ich dich in meiner Gewalt. Ich verfüge über dich. Basta."' „Was willst du tun?" fragte «r atemlos. . SiiZ zögerte und kostete jede Phase jeder einzelnen Sekunde aus. Dann sagte sie Und berechnete genau den Don und Klang ihrer Worte: „Ihm vielleicht folge»:, wenn-" „?a -r Sie lachte heiser mit» häßlich. — rverrn er dich doch ins Gefängnis bringt, — ja, nur dann!!" Er knickte irr den Knieen zusammen. „Das Wnntest bu — tun ?' stamnielte et. „Das werde ich tun, — ja!" „Das könntest du... rvirMch tun Sie nickte heftig. „Ja!" „Warum —? Warum — „Weil ich es rvill, deshalb . ^ ftnft« Sein Gesicht verzerrte sich zu eurer W dir aetcm?! Ist es so viel, was ich dir getan habeti „Denke dariwer nach, wenn dn inr Gefängnis schesh, fa, denke dann über alles rrach!" .« ^ „Du 'Ädest mich, — du treibst muH rn den Doch. „Nein, dazu bist dn zu feig... Und rtrcmt! lachte. M ist schon so mancher gestorben, trchte dich, — am Er ^schauerte Und fühlte zugleich, daß sie recht batlL Wutzeit fiel ihm ein. Und nicht nur Gutzert: mrch alle o^e anderen..., — iver MKte sie! .... Nein, es gab kein Verzeihen. Aber gab e» E Linnen? Wo war die Masche, durch dre er hrndnrchschlupien Sonnte, durch das Netz, das nmn ihm üb>wgemoErr hatte? Er suchte hastig, sah Egswvll nach chlen Rrchtirugen, drehte und wendete sich, — aber er fand kerne, kerne ernzrge, verstrickte sich wrr noch mehr. , u w T . Da fiel er vor ihr auf dr« Krrree. „Rette mrch, flehte Sie betrachtete ihn ruhig. Und doch fiog rhr Wem. „Du bestehst daraus?" fragte sie gepreßt. .... . Er wagte wieder zu hoffen. Serrre Worte überstürzten sich. Er umschlang ihre Kurse. „Rette mrch, lallte er, „ich Wo dich, Lucie, - rette mich!... Nur dieses erne Mal Lvch! Nur dieses eine Mal/' , Sie wandte sich von ihm weg, stieß mit den Fußen nach Ihm. „Geh, geh!" „Wirst du mir Helsen?" .. w «. ,^Ja," sagte sie rroch harter als zuvor, „rch wrll drr HÄfmr, — nnfc-er BedinMrrgen helfen..." „Was Erlangst dn?" klammerte er sich an sie. „Mant^erlei. Bor allem das eine: du gehst von hier rvrr und läßt dich nie mehr blicken... Nie mehr'... Hast du «ich begriffen?'' »Darm zweitens: Du willigst in die Scheidung mit mir, f— 4 Unter einem Vorwand, den wir nicht M suchen brauchen iHitJb der toer ist..." "Dann^ drittens : Du verpflichtest dich, nie mehr wach tztzm Kind zu fragen, weder schriftlich, noch mündlich, weder tzpLsÄulich, noch durch Dritte.. „Aber..." ucknrrnerte er hilflos, „Willst du? Ja oder nein?" - „Ichwill." „Tu verzichtest auch darauf, es noch ernmal zu sehen, m ist Bedingung!" ,^a, ja..." sagte er matt. , Sut," schloß sie blaß. ,Md damit verlaßt dU Mich! Weh! Und behellige mich nie tweber!" Er stand mühsam aüf und sah sie mrt einem! halberr Dlrck tzvagend an. „Du bleibst rroch so lange auf deinem Zimmer, als es Wib-edingt nötig ist," befahl sie ihm. „Dann verläßt du das Laus und kommst nie mehr wieder!" Er griff nach ihrer Harrd, aber sie entzog sw rhm Körnig. „Gch!" herrschte sie ihn an. Er ging. Er trat in fein Zimmer, und es Men ihm, als sei es Mns Dstenhalle. Er zog die Vorhänge an den Fenstern KurüS und sah, daß der Morgen graute. Mit einem sonderbaren Lmtt des Schmerzes siel er mrf Vmr Fußboden hin. I ' 26. Kapitel. Drei Stmrden später sah Behrens, als er in das Zimmer trat, Reisner am Boden liegen. Er war sehr blaß und beugts sich über ihn. Da erkannte er, daß er keinen Bewußtlosen, sondern bloß ehren Schlafenden vor sich hatte. Und er weckte ihn durch Rütteln. Reisner sah auf und schien Behrens erst nach einer geraumen Weile zu erkenncnr. Er stand auf, fuhr sich durch He wirren Laave und lächelte müde. „Ich war übernächtig," sägvs er, sich gleichsam entschuldigend. „Ich Hab« viel ge- «Leitet." „Wer jetzt sind Sie fertig?" fragte Behrens fachlich Reisner nickte. ,Ha/' „Und M haben Sie sich entschlossen?" ! Reisner kniff die Lippen zusammen. „Es ist alles er- ketiigt," sagte er ruhig. „Ich habe mich mit meiner Frau verMndigt. Wir lassen uns scheiden." „Vortrefflich," nickte Behrens, „so dachte ich es mir auch" Reisners Hand beschrieb euren Kreis. „Nun fttld Sie Herr über das alles. Ueber das und noch viel mehr. Auch über meine Frau. . . Möge Ihnen alles wohl bewmmen^ „Hoffen wir es," sagte Behrens trocken. Reisner kroch ein leiser Schauer dsrr Rückerr entlang „Urrd bezüglich meiner, — ivas haben Sie da beschlossen?'* Behrens nahm breit derr Platz am Schreibtisch ein, den sonst Reisner innegehaüt hatte. „Sie bleiben mein Schuld« ner," sagte er ohne Ausdruck. „Aber nachdem Sie sich so. gefügig gezeigt haben, will ich meine Forderung nicht gelte: cd machen, in keiner Weise... Darf ich fragen, was Sie mit Ihrer Frau verabredet haben?" „Sie können zufrieden sein, ich bin in jeder Weise zur Ohnmacht verdammt. Weder meine Frau rroch mein Kind darf ich jemals Wiedersehen." „Auch! Ihr Kind nichts „Nein, auch mein Kind nicht." „So," sagte Behrens und trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte, während er Reisner scharf ins Glicht sah. „Und wovon gedenken Sie zu lebend „Ich weiß es nicht.. „Verkennen Sie mich rächt," meinte Behrens' mit einem Anflug von Spott, „ich> will nicht zu hart mit Ihnen verfahren ... Meine Börse — steht Ihnen jederzeit offen." „Ich danke," sagte Reisner kurz. „Nun, vielleicht überlegen Sie es sich noch... Gibt es noch etwas, das wir zu besprechen hätten, — ich meine: etwas, das nicht ebensogut ein Anwalt regeln könntet ^ „Nein," antwortete Reisner. Behrens lächelte grausam. „Dann halte ich unsere Unterredung für beendet." „Für diesmal," sagte Reisner und zitterte plötzlich hefttg, „für diesmal — jo." „Ich verstehe Sie nicht. Was wollen Sie damit faßen?"* „Daß, — daß vielleicht — auch Sie einmal so gehen werden, — so ohnmächtig, so-" Reisner vollendete nicht, denn er kam ins Würgew Er sttilpte den Hut auf die wirren Haare, atmete kurz und hefttg und vernetz das Zimmer, blieb draußen eine Weile stehen, als erwarte er noch ettoas, und eilte dann mit hastigen Schritten aus dem Haus. Behrens blickte ihm durch das Fenster nach und fein Mund verkrampft« sich Dann ging er nachdenklich durch das Zimmer, trat von einem Gegenstand zum anderen, nahm dies und jenes in die Hand und entdeckte schließlich aus dem Schreibtisch das Bild eines Kindes. Er dachte: Das hat er vergessen, nicht einmal das Bild hat er mehr! Und er steckte es in die Tasche. Er drückte auf derr Knopf einer elektrischen Glocke, um Prokop herbeizurufen. Aber niemand kam. Das Hans ist in Auslosung begriffen, dachte er, wie seine Bewohner es sind. Er griff in seine Rocktasche und nahm ein Papier aus einem Umschlag. Er hielt es gegen das Licht und prüfte es sorgfältig. Er hat das geschrieben, ohne zu zittern, dachte er, in einem Zug. Der arme Mensch! Er zündete eine Kerze an und hiett das Parier an das Licht. Die Flamme fraß es leckerrd auf. Schließlich hielt er mir noch Asche auf seinem Handteller. Er zerrieb st« und streute sie dann über den Teppich hin, nur sie sodann mit einem schmerzlichen Ingrimm zu zertreten. Er zog eine Schublade des Schreibtisches auf und fand dort einen Brief. Der Umschlag hatte die Aufschrift: An meine Frau. Er riß ihn auf. Er las alles und prägte sich nur einen Satz ein: Lucie, vergiß nicht, daß ich nur ein Mensch war. Und er lächelte und steckte auch den Brief in die Tasche. Noch einmal sah er sich imt, schloß dann leise die Tür hinter sich und pochte an jene zweite Tür, deren Schwelle er schon einmal überschritten hatte. „Lucie, ich versprach dir, noch einmal zu kommen: Ich bin da." Sie nickte ihm flüchtig zu: „Du bist hier der Herr, es steht ganz in dernem Belieben, zu kommen oder M gehen." „Ich bin nicht gekommen, um dich zu quälen," sagte er warm, „ich suche eine Mglichkeit, mich mit dir M verständigen." Sie schnitt ihn: mit einer ungednHigen Bewegung das 61 Wort ab. „Ich btrr gu allem Mi Wenn bu mich willst dann kannst du mich haben. Mir ist alles gleich." „Dann will ich dich, also nicht haben." Me wurde durch den sondewar feierlichen Don seiner Worte betvossen, „$!$£?" „Ich will nicht die, die du bisst. Ich wallte eine anLsw. Kb«r vs scheint, daß sie nie gelebt hat." „Du sprichst so dunkel .. Er trat vor sie hin und nahm ihre Hajnd. „Sieh ttnda mi/ 1 fordert« er sie auf, „sieh mich genau an. WW siehst „Du bist alt," antwortet« sie erschreckt, „sehr E. . " „Ja, sehr aü, vorzeitig alt. Und ich bin es durch dich Wvorden, dadurch, daß ich auf dich warten mußte, so viele Jahre . . . Das Warten ftaß an mir, Kehrte mich ans. Und doch bin ich nicht aestorüe-rr. Denn ich jagte mir: Es kommt eine Stunde, da ich ihr gegenitberstehen werde, da sie alles wieder antmacht, jo daß uh ihr verzeihen kann. . . «Die Stunde ist gekommen, aber ich habe umsonst aeroartet. Du machst nicht wieder gut, was btt verdorben hast. Und ich ftrmi dir nicht verKeihen." „Wie soll ich es gntmachen.?" fragte sie beklommen. „Indem du mir das wiedergibst, was du mir genomureu hast, — damals, als du mich betrogst." „Was habe ich dir da geirommen?" „Den Glauben cur dich," sagte er ernst. „Ihn fordere ich zurück. Und kannst du ihn mir nicht mehr geben, dann. — dam: habe ich mein Leben um ein nichts vertan, dann ist jener andere mn einer Laune willen gestorben, dann bist nicht du es gewesen, die mich betrogen hat, dann war ich einer, der sich selbst betrogen hat, -< und dann kann ich z^hen..." Sie versank in ein langes Brüten. Dichte Nebel hingen vor den Tagen, von denen er sprach. ?lber wenn sie sich anstrengte und ihre Augen scharf machte, unterschied sie doch MaLvLheiten, znsammenhanHs.ofe Bruchstücke aus einer Zeit, vor: der sie nicht geglaubt hatte, daß sie noch einmal in ihr lebendig werden konnte. Sie sah «inen Mamr, der sie quälte. Und einen Ährten, dorr diese Qual ärger traf als sie selbst, der UM sie litt und für sie fühlte. (Fortsetzung folgt.) Die SchloWrrw. Bur KriegserlebnW von Karl Gerhard Briese (im Felde). Wir kamen von der Somme und sollten Quartier in einem vemen Orte beziehen, der zwar gar nicht so wert von der Front, aber ganz abfetts der Straße lag. Hch mx als Qrmrtternmche« vovaufgeschickt. Gegen Mittag kam dck!,mit dre: Aftern m G.. . an. Es'.var ein Nest, das nur aus we-mgen, ziemlich veaoalnlosten Gehöfte;: bestand: ein etwas größeres gehörte etwas abseits in einem großen Park Lrogerr Mte. umxxtm* machen war ziemlich rasch erledigt: dre Gehöfte waren ^ zwar voch bewohw. aber in dm Stallungen fand sich nur sÄtmr E mag ere Kuh öder ein riend aussehender alter Klepper. Dre L^adrmr war also nntergebracht, nun wollte rch noch für ims Ofschrwe eüpk Veeignete Unterkunft findcn N7Ä> begao mich daher zum LWoß. Mm: Mußte die Torfftraße entlang gehen dann arr der Parkmauer recktsum machm. Nach etwa ninf Minuten stand ich vor emem m fünf Minuten stand ich vor E verivitterten, gänzlich mit Efsu KberwMertKr. Portal. Ich verq verwitterten, ganzruy mn v*** Suchte das Wappen m erkennen, das w entern Grebelfeü» emgelasskN war, doch tvar es so verwaschen unb abgebröMt, daß ich esmcht «ntMern konnte. Ich drückte aus^e Nmke oer Leuten Tür, ms dt das große Portal als Zugang für Fußgänger etngeKgt wcrr: sie gab ÜtirschKrü) nach, ich stand im Dark. . Der mit Gras bSvachsene Wsg führte mich m tornrgenCchrck- tett aus einen großer: verödeten Rasenplatz, in dessen Aktie cm MM mit abgebrochenen Arm und mchrere;: kleinen Löchern rm Kops, die vor: Gewehrkug^n MrznrüHven schielten, stand. Gegern Über lag das wnnderWbsche Schlößcherr, ems von denen, me rS hier in Nvrdsrankrrich st viel gibt: in BmffvnnM erbaut, »trat weißem Verputz der Fertst-r Mtd Gesrmse: em hoKS, sptsiA Schieferdach mit vielen Schornsteinen ragte über dm Wipfel. Die Seitenflügel traben etwas vor und der Hoftaum, darr sre mit dein rückwärtigen Hauptgebäude bildeten, war mit großen, mttm Steinen gepflastert, zwischen denen jetzt ab« murtter bas Gras sproß. Das Schloß machte einen nnbrivohnlar, verwahrlostst Andruck, aber ich hatte gehört, baß Madame mach hier ivohnte. Ich kstpfte an das Portal; nietnarrd öfstiete, da trat ich selbst in die kleine, dnnKe Balle. Tie Wände lvaven mit braunem Botz aus- gM-eidet; vier große Fenster gingen auf der anderen., Seite auf Lime GartrnLerrasse; an der einen Wand stand ein großer Mmrrt^ vier Türen führten anschemmd in bk benachbarten Aimmer; Oom von ihnen nkvm verschvsfett, «free war nur angckeM, ich Wh fm arvßes Zinuner, aus dem aber bis auf einest Tisch und riniyk StüUe alle Möbel entfernt zu sein Werten. Tie vierte Tür konnte ich öffnen, hinter ihr lag ein Korridor, von dem itn*bcrum ritte breite, mit dicken Teppichen bdlsgte Treppe nach oben führte. Ich tvollte gerade hinan.fgeWn, als mir eine merkwürdige Gestalt entgegenkam: ein kleiner alter Diener mtf tadellos rasiertentz GesicU, der aber in einer kostbaren, jriwch an allen Ecken abgeschabten und schlecht geflickten Livree steckte. Seine weißseideneNi Strürnpfe imesen drcke Stopfstüllen. auf, die Schrrallertschuhe loareni heruutergetreten und der braune brock hatte artdersfarbige Flicken aufgesetzt bekommen. Aber der Atanrr düvegte sch mit einer unrmch- ahmlchen Würde nud sein in ernste Fasterr gelegtes Gesicht be» tvaMete mch mit vornehmer GeriirtgsckKAmg. „Was wünschen Sie, nrein Herr?" fragte er aus fvomzösisch. „Logis ponr tM'atre messieurs" anüvortete ch. Darauf wirs er mit königlicher Gebärde nach oben. Er ging vorauf und fordert« mich aus, ihm zu folgen. Oben öffnete er nur zwei geräumig! Zimmer, ausgestattet mit schönen, breitM Betten, Waschgelegenhett' und ollem was nötig.war, jedoch schienen svrgfälttg alle Bilder, Teppiche und Luxusgegerrstände entfernt zu sein, so daß die Zimnter einer: etzvas unbehaglichen, tzotelntäßigen Eutdruck machten, weniql- stens als Zimmer eures' Privathanses betrachtet, mir erschienen fte im Vergleich unseren letzten Quartieren fürWich. Ich gab den: Diener noch etnige Anweistmgen und fragte dann, ob Madame zu Hause sei. Madame empfängt nicht," lwatete die mit stolzer Ruhe gegebene Ärttwort, dann war er verschwntrden. Ich rvar ganz be-i troffen. So eüvas lvar mir in den zwei Jahren hier in Frankreich noch nicht passiert. Selbst auf dem Bormarsch 1914 hatte ich nur einige wenige Franzosen getwfseit, die mit stolzem Hochrmtt auf den Fecrch hevaösahen, und jetzt hatte tnan sich schon so aneinander ge- tvöhnt, daß dre Soldaten mitten Landesrinwohirern auf einem rockt vertrauten Fuß standen. Doch ich machte mir kein« weiteren? Gedanken, lachte nur und legte rnich dann schlafen. Ms ich gegen 4 Uhr erwachte, besMoß ich, einen Rekognvs- S agsgang durch den Park zu unternehmen. Ich Qittg wieder die Halle, ohne einen Matschen M treffen, trat aber diesmM die Glastür an der anderen Seite ins Freie. Ter Blick von. der Gartantervasse in den Park hinein war prächtig. Unmittelbar am Fiche der Terrasse lag ein Grab. ES war ganz, wunderschön mit Blumen geschmückt und der Platz, der es umgab, schön gepft-sgt im Gegensatz zu dem anderen Teil des Parkes, der völlig verwildert war. Aus den: Grabkreuz stand kein Name, ich blieb lange sinnend davor stehen. Wer mochte hier.ruhen? Und wer vstegte das Grab so liebevoll? Das konnte doch nur die Be-, E rm des Schlosses fern, ob die aber für das Grab eines Feindes, würde? —, Ich träumte, mrdere Gräber kamen mir in Srmr, ich dachte an viele, viÄe Dole, die hier draußen einsam in fremder Erde rnhterr, und fast gedankenlos brach ich eine Rose von einem blühenden Strauch und ließ sie auf das Grab fallen als Gruß an die Toten, die mir ernst nahe gestanden. bu erneut_ ... war, die mich nicht empfangen wollte? Ich war vrdenttich nrita gierig geworden, diese Dam« kennen zu lernen. Ich schleuderte noch eilt Weilchen durch den sehr schönes aber gänzlich verwahrbo-stM Park und kehrt« gegst 5 Uhr zum Schloß zurück. Nun mußte die Schwadron auch bald eintreflen. Ms ich wieder tn die Halle ttat, kam mir der Diener in feinet komischen ElUarrz mit derselben abweisenden, feierliches Miene entgegen. „Mvdanre läßt den Herrn zuin Der bitten,^ sagte er mit gelassener Würde. Ich war noch sprachloser wie vorher. Was bedeutete dieser plötzliche Stimmungswechsel? Meine Neugierde wurde .immer Mehr gereizt. Ter Diener öffnete mir die Tür, die vorhin verschlossen gewesen war. Eine wohltuerche Wärme umfing mich. Im Kamin branE ein offenes Feuer, es herrschte eine leise Dämmerung in dem große;:, behaglicher Zimmer. Aus erneut bequenten Sessel erhob sich eine ganz in Schwarz gekleidete alte Dame mit weißen: Haar, aber einem rrvch recht frischen Gesicht; sie war gwß und schlank und hatte vornehme, ruhige B-Svegirngen; sie gab mir ihre auffallend weiße Hand, ans der die blauen Lidern stark hervortvaten. Tamtz nötigte sie mich zum Bitzerr, der alte Diener reiche Tee und ge« röstetes Brot, rrnd zwischen rms beiden entspann sich eine zunächst etwas formvölle UrtterhaltMtg. Llber diese trauliche Umgebung, dev vornehme LnMs, mit dem das Zimmer im Gsgensier dürfen die anderen Sie nicht sehen, sonst kommen sie auch herein. ^Das Sck)loß steht Ihnen zur Verfügung,. aber dies hier, das ist mein Reich, Wer will ich ganz, ganz allein sein nur mit meinen Erinnerungen. Leben Sie wohl und denken Sie später einmÄ «n diese Dämmerstunde in Frankreich!" Stachetdraht. dorr Reinhard Wie er. (Nachdruck verboten.) Es ritten zweie in Frankreich durch die Nacht. Ter eine, dev sich die Begeisterungsft'Mdigkttt der Jugend durch alle Kriegs- Me hindurch gerettet hatte, ries ganz hingerissen: „Welch wnnder- ubller Mondschein!" Wer der andere, ältere, hob dozierend den Finger, so gut er das (als Infanterist) im Sattel fertig brachte, räuspete sich und sagte: „Tür Monnd ist där Freund d^ Kompagnieführers. Wenn där Monnd leuchtet, sieht dar Kvmpagnis- iührer Olles, was in dem Abschnitt vor seinein Graben vor sich geht . . Und so weiter, und so iveiter. Es wurde daraus nämlich ein langer Bortrag a) über die Wirkung des Mondlichts auf das Gelände, b) über den taktischen Wert dieses BeleuchtungsmtttelS. Dem anderen aber kam es vor, als nehme einer seine Begeiste» nmg in beide Hände und zerreiße sie langsam und geivissenhaft in kleine Fetzen. So geht es uns fast immer int Felde mit unfeven Freuden und Ergriffenheiten. Freut sich einer an einem alten Granatloch von! vorigen Jahre, das wie ein übervoller Blumenkorb mit bunten Blüten prangt, so ist gewiß ein anderer nicht, fern, der ihn ungebeten belehrt: „Dieses Granatloch stammt von einem! Fünszehn-Zentimeter-Ausschlag. Tier Schuß muß aus Richtung Höhe 190 gekommen sein . . ." Und dem Vollmondscheinbegeister- ten fehlt nie der Weggenosse mit dem erhobenen Zeigefinger: „Tür Monnd ist där Freund des Kvmpagnieführers . . . > * Tie Kvmmandeirre von Regiment und Abteilung sind beide geschworene Fvemdwörterfemde und haben sich oft über die Ersetzung landläufiger, fremdsprachiger Ausdrücke durch deutsche Wendungen unterhalten. Bei der Besichtigung einer an eine andere Front ver-, setzten Batterie durch den Divisions kommandeur hält dieser die übliche zündende Ansprache, beglückwünschte die Truppe zu ihren Leistungen und ruft ihr zum Schluß ein „Auf Wiedersehen, siebente Batterie!" zu, der in der hergebrachten Weise von der in Parade stehenden Mannschaft mit einem donnernder „Aus Wichersehen, Exzellenz!" beantwortet wird. Mm ist der Regimentskommandeur an der Reihe, seinerseits di« Batterie zu verabschieden. Am Schlüsse © st Ansprache stockt «r einen Augenblick. „Auf Wiedersehen!" , er nicht sagen, die Wiederholung wiirde nngewarrdt klingen; „Odieu" geht auch nicht, denn der Genosse seiner Fremdwörterseind-, ßchaft, der AbteÄuugsßomnrandeur, steht hinter ihm und lauert zlverfeüos schon, ob er den verpönten französischen Gruß anwendM ^UM-Nem, du sollst mich nicht erwisckpen, deutt er blitzschnell und be;chlreßt schvungooll seine Rede: ,/Sp ruf« ich denn der liebem siebenten Batterie ein herzliches „Lebewohl!" zu. __ „ Llutzen der Mannschaft? Tiefe Still«. Bis auf einmal iiach Af^unden am äußersten linken Flügel «ine dünne, hohe, in Go, süylstönen zitternde Lttmme sich erhebt: „Lebe wohl, Herr Major!" * , Im Speisewagen saß ich neben einem Holländer, der vom fernen günstigen Mschlüssen in Kriegslieferungen sprach. Er w«! .and glücklich über die Ergebnisse seiner geschäftlichen Rührrgkett, laß er große Zahlen nannte, in eurem sonderbar gebrochenen Deutsch von femenr neuen Auto, seiner Villa in Amsterdam und von allerhand kaufmännischen Zuknrrftspläne» sprach. ^ Es ivar erstaunlich zu hören, wie dieser Mann das Wort „Krreg" feinschmeckerisch über die Zunge gleiten ließ; für ihn war E durcharrs gleichbedeutend mit „günstige Konjunktur". Er wies Photographien vor: „Hier mein Auto mein Haus, vom Archiv tefteu Zandvovrde erbaut, hier mein Pferde stall — schöne Kriegst mrdenken, nicht wahr?" Auf einmal bemerkte er eirre gerne Ver-, stümmelung an meiner Hand. „O, diese Hand!" stammelte er ent-, setzt, mrt einem ganz leisen Ausichrei. „Das ist eines meiner Kriegs-, arrdenken , sagte ich trocken. Mit einer seltsam rurbeholfenen, beinah, kindlichen Bewegrmg hielt er sich einen Alkgenblick di« Serviert«! krr dre Augen, als könne er solchen Anblick nicht ertragen. Tis Sachs gmg ihm wirklich nahe; er erzählte nichts mehr. Büchertisch. — Kristallseelen, Studien über düs aniorganischs Leb«« von Ernst Haeckel. Verlag Alfred Kröner, Leipzig, geh. 4 ML Kristallographie, Mineralogie, Physik, Chemie, Morphologie, Physiologie, Zoologie. BotmrÄ, Psychologie und Matl-enratik reichen sich vereint die Hand in dieser tiefgründigeir Untersuchung des Forschers Haeckel. In das Gebiet der reinen Naturphilosophie gehört das interessante Merk, in dem der Verfasser zu beweisen sucht, daß alle Substanz Leben besitzt, daß alle Tinge beseelt sind: auch schon Goethe stellt« diese These auf. Das Studium der Kristalle soll angeregt werden, Kristallotik, Probiontik, Radiotik und Pshchonatik sollen belebt und die Untersrvchlrngen auf diesen Wissensgebieten durch seine Hinweise, Fingerzeig« und Ergebnisse bereichert werden. , T Die Schön heit. Verlag der Schänhett, Dresden A 24: Heft 9 des XIV. Bandes eitthält u. a. Tie vier Lebeirsolter, Echo merner Tage, Sein« Mutter, Vom külrUerttchen Tanz, Gedanken über das „Amüsement" von gestern und über die „Geselligkett" von morgen. Von der schwarzen Kimst usw. — Jährlich erscheine» 12 Hefte, Bezugspreis halbjährlich 6 Mark. — TaS literarische Echo. Halbmonatsschrift für Litera* freunde. (Begründet von Tr. Josef Ettlinger. Herausgegeben von A.r. Ernst Heilbörn.) Verlag: Egon Fleische! L Co., Berlin W 9 Das 2. Februarhest ist soeben mtt folgendein Inhalt erschienen! Friedrich Brie: Disraelis „Tancred"; Richard Rieß: Armin Tc- Wegner: Josef Körner: A. W. Schlegel: Brief an eine Dam«: Kurt Münzer: Schweizer Art und Kunst — Echo der Bühner! Men, Bremen) — Echo der Zeitungen (Engelbert Pernerstvrftr, Wilhelm Busch, Verschiedenes) — Echo der Zettschiften (Di« Grenzboten, Kantstudien, Masken, Di« Schweiz, Das neue Deutsch, land) — Echo des Auslandes (Belgischer Brief, Englischer Brief) — Kurze Anzeigen von Paul Leppiu, W. E. Qestering, Erwtttz H. Rarnalter, Kurt Münzer, Helnrolt, Robert Ziemons, H. Wi. Kerm, HanS Fvcmck, Mfred Mayer, C. Th. Kaempf, Artur Brausewetter — Notizen — Nachrichten — Ter Büchermarkt. — Die Weltliteratur, Nr. 6: Max Halbe: „Tokio« Sieverings Heimfahrt", „Ter Kämpfer" (Fettig), „Das letzt, Rezept. ALteilriitsel. .I-I-I.I. Tie Buchstaben ▲ A A A, B, D D, E E E, F, I, K, L, N N N N, 0, R R, S, U ordne man so, daß sie nach obigem Muster abgeteilt, Wörter von folgender Bedeutung ergeben: I. arabischer Titel; 2. Verbrechen; 3 Gebirge in Amerika; 4 nordische Götter; 5, Auszeichnung. Wird jeder Trennungsstrich um einen Buch aben nach link, vorgeschoben, also nach untenstehendenl Muster, müssen fünf andere Wörter entstellen, die bedeuten: 1. wichtiges Mineral, 2. menschliches Wesen, 3. Zusammenrottung, 4. Teil des Gesichts, S. Himmelsrichtung. -I-i.I-t-- (Auflösung in nächster dttnnmer.) Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger stlumnrer. Fiedler, Gesetz, Elend, Pandur, Dolde, Kunst, Wille. Edle Seelen dulden still. Schristleitung: W. Meyer. — ZwillingSrunddruck der Brühl'scheu Unio.-Birch- und Stsindrncksrei. R. L an ge, Gießen.