Sönistag, öm 2. gthxmt Roman von Hermann Wagner, (Fortsetzung.) Wie hatte jederzeit heiter sein dürfen. Und sie hatte nie Feinde gehabt. Sie hatte eZ auch nie nötig gehabt, zu befehlen, ern Wunsch, von ihr kaum empfunden, mar ihr auch fclfou erfüllt worden, von Menschen, denen es ern Stuck auv- rnachte, ihr zu dienen. Ihre kurze Ehe war ein einziger solcher Frauenounst gewesen. Sie liebte ihren Mann zwar nicht, aoer sie war ihm zugetan. Es freute sie, daß er um sie !var, jederzeit, mit einer Zärtlichkeit, die sie ganz einhüll.e, die mcht forderte, die nur gab. Sie nahm, nahm immerzu, und streme das Genommene aus, wie Blumen, die man vor ,ich aus den Weg warf, um ihre Schönheit, die.einem diente, zu zer- treren. Die Blumen konnten nie ein Ende nehmen, ihre Zahl war unbeschränkt, stets aufs neue blühten sw für sie. von ihrem Mann gepsiegt, der sie dann abritz, um sie ihr zu schenken. Sie brauchte nicht zu fordern, alles wurde ihr aeaeben Daß ihr Mann starb, war ein Mißton, doch er klang imr eine Weile, wurde oovonge tragen in Fernen, denen sw rasch enteilt war nild nach denen sie nicht mehr zurucw blickte. ^ _ Eines war vorbei, anderes kam, in ewigem leichten Wechsel, der nichts Aufregendes oder nur Ueoerraschendev hatte, denn altes Schöne, was sich ihr zuneigte, gehörte ja ihr. Sie nahm es oc»er sie verschmähte es oder sie schenkte ^ fort, - sie hatte kein Herz, das hart und grausam war, wenn es auch nicht ihr Glück ausmachte, nntjuhwnd jemandem Gutes zu erweisen. Sie tat niemandem etwas Schlechtes. Mehr kam ihr nicht zu. . Rechner war der erste Mensch, der es verschmähte, ihr zu dienen. Das überraschte sie mehr, als es sie krankte. Und nicht nur das. Es reizte sie, einen Menschen zu sehen, der offenbar von einem ihr Unverständlichen durchwuhck war, der einer Leidenschaft folgte, wo fie doch immer nur einer Neigung gefolgt mar. Sie kannte keine Leidenschaften, sie lagen ihrem Wesin fern. Und doch hätte sie gern von ihnen genippt, neugierig gemacht, von dem Kitzel eines leichten Gruselus ersaht. Allein sie schrie bald ans, denn sie war semem brutawu Zugreifen nicht gewachsen. Er nahm -sie und unterjochte sie, die es nie gelernt hatte, sich zu wehren, da sie nie vergewaltigt worden war. Sie wollte bloß spielen. Das wiü auch ick) nur, sagte er zu ihr, aber ich spiele mern Spiel, und du spielst es mit! So spielte sie es nnr, viele ^ahre hindurch, im Grunde froh darüber, daß mn Zweiter es ihr abnahm, sich Gedanken §it machen. Er legte ihr das, was sie glauben sollte, fertig vor, und sie nahm es an, ohne es zu prüfen, denn sie war träge. Langsam und gleichmütig schlich die Zeit. Und doch ertavvte sie sich in einer Stunde, da hie. Einsamkeit sie zu sich selber ries, dabei, wie sie es atlmahUM wahrnahm, daß ihr Leben nutzlos verrann. Zuerst wockte sie die. Angen schließen und sich blind stellen. Alwin dre> Erkenntnis kam wieder. Und mit ihr der erste Anckng eines Hasses, der sich gegen den richtete, der ihr vielerlei g^ nommerr und noch nie etwas gegeben hatte. Sw hatte ihn vielleicht geliebt, wenn ihn nach ihrer Liebe verlangt.hatte. So aber nahm er bloß ihr Spiel. Deshalb sing >ie an, ihn zu hassen. _ K - Sie- glaubte auch nicht mehr an ihn, es schien u;t, vag seine Kraft etwas Hohles habe, seine Phantasie etwas, dg& lahm war, und daß auch sein G.ück zu hinken mijing. L-re wusre nicht, wie das gekommen war, denn äußerlich stMw er noch ans jener ansehnlichen Höhe, zu der er sich herans- geschraubt hatte. . , . _ Lag es (fit seinen Worten? Sie halten nicht mehr da^ Blind-Sichere der früheren Tage. Er war müde. Es war wohl so, daß er selber nicht mehr an sich glaubte, — wie sollte es ihm da auch möglich sein, den Glauben anderer an ihn wach zu halten! Er war kein nüchternes_ Aroectstalent wie etwa Herr Friedrich Saalburg, sondern ein Mann, der, um zu wirken, überraschen, überrumpeln mußte. Doch die Tage der Ueberraschungen waren vorbei. Langsam sing auch er schon an, grau zu werben. Mit der Grausamkeit einer Frau, die enttäuscht ist. wandte Frau von Marisch ihre Gedanken ohne Uevergang einem anderen zu. Noch fand sie es ein wenig lacherirch, Frau Saalburg zu heißen, und doch spielte sie, halb un- eingestanden, schon mit der Idee, diesem Mann nachzugeben, nicht sich oder Saalburg zur Freude, sondern Rers-wc. zum. Schwerz, der wähnte, sie für immer festzuhalten. Die Aut Saalburgs kam am meisten der ihres ersten Mannes nahe. Noch einmal hoffte sie, zu fliegen, wenn auch nicht über blaue Borge, so doch über eine schöne Landschaft hin, deren saftfarbiger Herbst sie lockte. Sie war es müde geworden, nur zu säen, während ein anderer erntete, sie sehnte sich nach der Zärtlichkeit eines, der, wie ihr erster Mann, sein Glück darin fand, sie anzubeten. Ach,^sie rvar -erst so alt, wie ein Liebender ihr sagte, daß sie es jet! Ihr Haß gegen Reisner wuchs noch, wenn sie daran dachte, wie schlau und doch mit welcher Offenheit dieser Mann sich ihres Namens bedient hatte, sobald er es \m Interesse seines Geschäftes für nöig gehalten hatte. Gerade hier glaubte er, sie fest in der Hand zu hao^.n. Du stehst Und fällst mit mir, sagte er zu ihr, weuii ich zugrunde gehe, dann bist auch du verloren! - <. Es gruselte sie bei diesem Gedanken, und sie schloß die Augen, um nicht sehen zu muffen. Bestand denn wefahr, daß er fiel? Sie wußte nicht einmal, wre sehr sre ber su neu Unternehmungen, die mil den Jahren ständig getvechselt hatten, engagiert war. * . . Sie mißtraute ihm. Und re großer dieses Mißtrauen wurde — es wuchs, einmal entstanden, mit der Schnellig- 38 feit eines Brandes, dessen Flammen ans leicht entzündliche Stoffe übergreise:: —, um so angstvoller drängte ], ie zu einem klaren Kopf und einer ruhigen Hand, die sie aalet:: War es schon zu spät? Sie bereute, Friedrich Saach burg nicht eingeweiht zu haben, denn mit einem Mal sah, sie auch den Mann in ihm, der allein imstande war, ihr wirksam beiznstehen. * Plötzlich erinnerte sie sich auch eines Briefes, den sie heute morgen erhalten hatte und in deni ein Fremaer sw bat, daß sie ihn empfange: er sei in der Lage, ihr nicht mr- wichtige Aufklärungen geschäftlicher Art zu geben. ^ Sie hatte den Brief fortgeworfen, vermutend, daß, er eine jener Belästtgurigen darstelle, denen Leute ihres Widy ttnns oft ausgesetzt sind. Jetzt suchte sie ihn hastig, ohne :hn finden M können. .Das steigerte noch ihre Nervosität. Sie rres ihr Mädchen. „Wenn ein Besuch kommt/' sagte sie, , „ein Mann, ein Mann beliebigen Namens, —> dann lassen Sie ihn vor. Daraufhin wurde sie ruhiger. Es schien ihr auch unklug, Friedrich Saalburg schon jetzt einznwetben. Es kam ihr zuni Bewußtsein, welche Macht ihren Milttmten :nne- wohnte, gerade einem Mann gegenüber, der den Werl, des Geldes kannte. Ihr Geld war es, das sie jung, begehrenswert und unwiderstehlich machte. Was blieb ihr, wen-: sie es verlor? , t t .., .. Sie trat noch einmal vor den Spiegel und sah sich mit einemmal ganz anders. Nicht nur die Fültchen an den Augen mißfielen ihr, ihr ganzes Gesicht, schien ihr, war eckiger geworden, hatte jene sanfte Rundung, jenen fcyouen Schmelz verloren, die man erst wahrnimmt, wenn sie nicht mehr da stttt. _ Sie dachte an den mit so übertriebener 'sorgmlt gepflegten Backenbart Friedrich Saalburgs, der aus das Gesicht eines Alternden wie ein Versuch tzepappt war, die Zeit auszuhalten. Und sie dachte an die grauen Haare Reisners. Uiid sie erinnerte sich zugleich ches letzten Jahrzehnts als einer Zeit, die man ihrzögohlen hatte, . 4 Oh, noch einmal wollte sie fliegen! Doch wer hob sie in die Höhe? „ . . Es fröstelte sie, wenn sie den Weg sah, den so viele Menschen zu Fuß, über die holprige Erde hin, machen mußten: es war der bittere Weg des Daseins! * Frau von Marisch sah erstaunt auf die fast unmögliche braune Farbe des Anzuges, in dem der fremde Besucher sich ihr vorstellte. Der Schnitt war unmodern. „Wer sind Sie?" fragte sie enttäuscht. . , w , . r „Ich war so frei, mir für meine Zwecke eine Empfehlung zu verschaffen," antwortete Behrens, „die Empfehlung einer Bank, die Ihnen bekannt ist. Haben Sie die Güte, sie Frau von Marisch nahnr nur widerwillig das Papier, das der Fremde ihr überreichte, und warf einen feindseligen Blick darauf. Doch schnell wurde sie interessierter und las mit einer gewissen Hast. Ihre Wangen röteten sich dabei. „Millionär, gnädige Frau, — ja!" Wieder klammerte sich ihr Staunen an fernem Aeußeren fest. Gewiß, auf einem Dorf konnte er zur Not sv sogar Sonntags gehen. Wer in Berlttr? Und gar tvenn er Damen der Gesellschaft aufsuchte? Er sah spöttisch an sich herab-. „Sie finden, daß ich nicht elegant genug bin'?" „Verzeihen Sie," sagte sie, sich schämend, und wies ihm einen Platz an, „was führt Sie zu mir?" „Geschäfte," antwortete er ihr, „gemeinsame Interessen." Sie wurde schnell wieder mißtrauisch. War diese Schäbigkeit des Aeußeren ein neuer Trick, sich einzuführen? „Ich verstehe nichts von Geschäften," sagte sie kälter, als es eigentlich ihre Absicht war. „Und ich nicht viel," versetzte er freimütig und in einer Art, die ihr gefiel nnd Vertrauen einflößte, „immerhin aber soviel, nm Ihnen sagen zu können, daß Sie innerhalb acht Tagen ruiniert sein werden, wenn — " Ihre Züge verzerrten sich. „Reden Sie," forderte sie ihn hastig ans. „-- wenn Sie nicht unverzüglich Ihre — Beziehuir- gen" — er sprach dieses Wort langsam und mit Betonung aus und sah sie dabei in einer Weise an, die ihr alles Blut in den Kopf trieb —, „— —- wenn Sie nicht unverzüglich Ihre Beziehungen zu Hermann Reisner läsen." Es entstand eine Pause zwischen ihren, von deren Errt- schlüsseu es äbhing, ob Frau von Mairisch dem Besucher die Tür weiser: oder ob sie die Angst um ihr Vermögen höher als ihre Frauenehre stellen würde. Sie hatte rasch gewühlt. Sie fispelte: „Was wissen Sie —?' Er zog gleichmütig die Schultern hoch: „So ziemlich alles." „Was?!" beharrte sie hastig und stampfte zornrg mit dem Fuß gegen den Teppich. Gr strich das Gespräch mit einer sanften Handbewegung aus. „Reden wir nicht davon. Reden wir von Geschäften . . . lttt Llbnen bekannt, daß Reisner vor dem Bankerott steht'?' „Nein," sagte sie entsetzt, „wieso?" „Wieso?" Er, der diese Empfindung kaum noch kannte, wurde bitter. „Haben Sie auch nur einen Augenblick an die Kraft Reisners geglaubt? Ich nicht." „Er stellt etwas vor," sagte sre kleinlartt, „er ist erner der reichsten Männer. . P „Woher wissen Sie das? Bon ihm selbst?' „Ja." „Und Sie haben seine Worte nie uachgeprüst?' „Nein." „Warum?' ^ „Weil . . ." Wer sie stockte, denn sie war plötzlich hilft los und hatte die Empfindung, nackt dazustehen, vor einem« der dies nicht sah, der rücksichtsvoll zur Seite blickte. -Die weinte leise ... Da sprach er beruhigend Es sie ein. „Drosten Sie sich Sie waren nicht sein einziges Opfer und ganz sicher jenes, das noch am besten bei ihm weggekommeu ist. Was tut es Ihnen, wem: Sie eine Million verlieren, wenn Sie doch -.roch anderthalb Millionen, die Ihnen geblieben sind, behalten dürfen. . . Jeder Mensch muß seine Jrrtümer bezahle''.'.. Sie sind billig toeggekommen." „Sein Geld ist weg," fragte sie, „verloren?" Er nickte. „Alles." „Wie ist das nur möglich," flüsterte sie wie im Traum, „wie ist das nur möglich?' „Ich will es Ihnen erklären," sagte er bedächtig, „bitte, hören Sie mich an." Und er schilderte ihr in kurzen, scharfen Umrissen, was er in wocheulangem, mühseligem Suchen gesunden hatte, nachdem er mit einer Zähigkeit geforscht hatte, die an Liebe grenzte: die Geschichte von Reisners scheinbarem Aufstteg und allmählichem, sicheren: Untergang. Mit ruhigen, sicheren Worten zeichnete Behrens das Leben Reisners nach, von dessen Jugend bis zu jenem törichten Tatversuch, der ihn ins Gefängnis brachte. Einen Charakter hätte oie Strafe geklärt, ihn wühlte sie im Innersten ans. Als einer, der sich gegen die Welt empörte, ging er aus dem Gefängnis. Daß er sich nur gegen seine eigene Schuld empörte, sah er nicht. Da er mit seiner Schutt nicht fertig wurde, wurde sie es unr so leichter mit ihm. Sie wuchs in ihm und machte ihn blind. Ir: dieser Mutts heit ging er daran, sich zu räche::. Behrens ging auf Einzelheiten über Mit einem simplen Holzgeschüft hatte Reisner begvw nen. Damit hatte er eine Automobilfabrik rvieder lebensfähig gemacht, die, wenn er sie behalten hätte, seiner Zukunft eine dauernde und feste Grundlage gegeben hätte. Allein er hatte den Ehrgeiz, schöpferisch zu wirken, und um ihn zu betätigen und zu beweisen, ließ er sich in Dinge ein, denen er nicht gewachsen lvar. „So gründete er mit Ihren jene Gesellschaft zur Verwertung eines Patents, das auf eine neue Art Glühkörper Herstellen wollte," sagte Behrens, „und wenn Sie nicht schon damals viel Geld verloren haben, so verdanken Sie das nur dem Umstand, daß Reisner Dumme fand, die ihm die Sache abnähmen, ehe es ruchbar wurde, daß sie ein Humbug war." Und so war es fortgegangen, alle die Jahre, bis heute. Es blieb erstaunlich, wie dumm nnd leichtgläubig die Welt wiar nnd wie gern sie jedem, der ihr Sand in die Augen streute, auf den Leim ging. Je mehr Reisner davon abkanh zu arbeiten, um so besser lernte er es, zu täuschen. Er fand bald die Geste, die der Menge imponiert und die sogar Erfahrene täuschen kann. Er bot denen, die ihm nicht glaubten, frech die Sttrn. Und er war beweglich,. Tausenderlei Beziehungen knüpfte er an, die ihm alle einmal in irgertt 39 sfirer ©hinbc nützten, und auf den Erfolg kür die Stands kam es iüm schon längst nur noch an. Er spielte and wartete, wie alle Spieler, uns einen ganz großmr Schlag, der alle kleinen Scharten aiuZwetzte. Mer auch kleine Scharten ergeben schließlich ein großä Loch, in dem man versinkt. Das Loch war da. Viel Geld hatte es schon verschlungen, sein eignes, das seiner Frau, das vieler anderer. „Auch einen großen Teil des Ihren," sagte Behrens. Nun schickte es sich an, ihn selber zn verschlingen. Und da beschloß er mit denr Fatalismus des Verzweifelten einen letz teil Coup Kn versuchen. „Welchen?" fragte Frau von Marisch. „Er geriet in die Hände eines Wucherers, eines der größten Halunken der Stadt, mit dem er schon lange Verbindungen gepflogen hatte, — eines Menschen, der im Trüben fischt, eines Fuchses, der nichts riskiert und doch immer große Gewinne einstrdicht, der sich grmrdsätzlich an faule Sachen hält, da diese, rechtzeitig abgestoßen, das meiste Geld ergeben. . . Dieser redete ihm zu, eine verkrachte Terrain-Gesellschaft zu übernehmen, die, mit einem Betrag von anderthalb Millionen neu belebt, Riesengewinne versprechen soll . . . Und er hat gern angebissen." „Und wer, — wer gibt — das «Geld?" fragte atemlos Uran von Marisch. Behrens ^ sah sie lächelnd am „Sie," sagte er sanft. Behrens nickte. „Er kann jede Stunde bei Ihnen erscheinen, unr Sie für die Sache breitzutweten, —> an die er glaubt." Sie hob angstvoll den Kops. „Was tue ich nur?" fragte sie ratlos. „Wisferi Sie das nicht?" „Ich lehne ab," sagte sie leiser, „ich lehne ab. . „Wird Ihnen das so leicht werden," fragte er wie beiläufig. ^ Sie zerrte vor Zorn und Scham an ihrem seidenen -Taschentuch, und plötzlich trat sie vor ihn hin, sich vor Erregung verschluckend. „Helfen Sie mir!" schluchzte sie. „Gern," sagte er sehr weich, „wenn Sie versprechen, Mir zu gehorchen, — mrr unbedingt zu gehorchen!" „Ja, ja. . ." Er strich mit der Hand über seinen braunen Anzug hin- mrtsr. „Sie werden vor allein eins tim," sagte er bestimmt, „und zwar sofort, längstens bis heute abend. . ." „Was?" klammerte sie sich an ihn. „Cie _ werden verreisen. Weit fort und ohne jemandem außer mir das Ziel Ihrer Reise bekannt zu geben. . . Wohin? . . . Nun, sagen wir: in die Schweiz." Sie atmete auf. „Ja," fügte sie sich wie befreit. „Sie werden mir gehorchet!?" „Unbedingt," versprach sie. „Noch heute?" „Noch heute!" „Und wenn er Sie aufsncht, Nächsten Stunden?" . Sie ballte die Fäuste. „Ich bin nicht zu sprechen," rref sie aus, blaß und entschlossen, „—ich schwöre es Ihnen: neul!". „Ich danke Ihnen," sagte er, ihre Hand drückend, „und ich verspreche Ihnen, daß alles, — alles. . . gut werden soll!" Draußen zog er die Uhr Es war Mittag vorüber, aber er hatte keinen Hunger, ! wein, gar keinen Hunger! Er rref ein Auto heran „In den Grunewald," sagte er, „in die Villenkolonie!" .(Fortsetzung folgt.) vielleicht schon in den Bon Charlotte Niese. ' Nachdruck verboten. Sie hieß Mamsell Glock, und wir nannten sie Bammelchen. Weil alles an ihr bimmelte und bammelte. Me kleine Goldkettei Mit dein Anhänger daran, die drei dünnen goldenen Armbänder, die sie an jelbem Handgelenk trug. Außerdem die langen Ohr-» Lormneln, die 'hin und Her schtvankten, wenn Mamsell Glock den! Kopf bewegte. Was sie oft tat, wenn sie über einem Wäschegegen- stmrd brütete, der ihr Kar Ausbesserung tibergeben war. Entweder schüttelte sie den Kopf, daß die Bammeln flogen, oder sie nicktej Energisch, Darm wachten die Ohrbomnwln dieselbe Bewegung. , „Banunelchen, ivarunt tragen. Sie eigentlich so viel Gold am Leibe?" fragten 11 m- sie wvW, mib sie sah uns ernsthaft mit ihren wrblosen Augen an. „Weil es mich Vergnügen macht, Fräulein' W---^ Hab ich sonst vons Leben? Fünftnal in der Woche gehe ich Kirn Nähen ans«. Sonnabend, mach ich rein und wasche mrd Somrtag gehe ich in die Krrche. Mein Leben is ein büschen gewöhnlich,! nich? Meistens fitz ich doch auch ins Hintersimmer, mit Berlaubnis zn sagen, und da. fey ich auch nix von die Welt. Da freu ich mir denn an mein Goldkram. Hab mich allens selbst angeschafft von mein Verdienst, nreil tzch for mrr sonst nix brauch. — Kleider krieg ich geschenkt von meine Herrlawstens und Unterzeug auch. Worum soll ich mir nich m meine Gold fachen freiten?" Darauf konnte rnan nichts erwidern: jeder Mensch muß sein Vergnügen haben, und denr Banrmelchen mit seiner schiefen Hüfte, dem kleinen Vogelwpf und der vorgebeugten Halümg konnte tnav schon ein Vergnügen gönnen. Wir zogen ans der Gegend fort, in der Bammelchen ihren Wirkungskreis hatte. Außerhalb der Stadt wollte sie keine Kund- ichaft haben. „Da graule ich mir, wenn ich allein nach Hans soll!" ^klärte sie. Wir verloren sie also ans den Augen. Dann kam der daß ich sie vergessen hatte. ,Ich wollt grade mal zn Sie, Fräulein?" sagte sie. „Muß Geld notig hatte, und denn vier Ringens!" Sie zeigte ihre Hand, auf de rep nragern Fingern vier übereiikandergesteckte Goldringä saßen. „J's es würklich wahr, daß unser Vaterland mein Gold haben will? Wo ich mich das zusaurmengeispart Hab?" Sie roischte sich einige Dränen ab. „Haben Sie sonst etwas für unser Vaterland getan?" erkundigte ich mich. l Sie blieb stehen und dachte nach. ,^Jaivoll! Bei Frau Geheimrat Hab ich Strümpfens gestrickt, als es noch Wvlle gab. Ich Hab davor Bezahlung gekriegt, umsonst konnte ich! das doch nich tun!" „Warum nicht?" Sie sah mich unsicher an, „Ich bin doch arm nich« mutz meinen! Verdienst haben!" Ich erwiderte nichts, und Bammelchen begann zu klagen. „Mich deucht, töcvrn ich gestrickt Hab, denn is das doch ganz nett von mich gewesen, nich? Meinshatben kann ich waS umsonstans for mein, Vaterland tun. Vielleicht ein paar Knappe annätzen oder sowas! Weinswegen. Es geht mich nich schlecht, darüber will ich nich klagen, aber, wann ich ÜMmjerLos lche, .daß sie nrein büschkn M l.mben wolln, denn kann ich darüber nich schlafen. Ganz gewiß; ich lieg wach! und denk an meine Ajrm-bänders und an allens, was ich Hab! Was mein Nachbarin is, die sagt immer: Glock, machen! Sie nich solchen Lärm, ich kann da for nich schlafen! Das is eine*,} die aus Ostpreußen gekommen is, wo die Menschen anders schnacken' als unsereins. Sie is krumm, weil sie so lang im Wassergraben! gelegen hat, als die Russen hinter ihr her mären. Nun kann siq bloß wenig arbeiten; is bei die Munitschdn. Oha, ich möcht rftch bei die Munitschon; da schnacken sie inrmer vom Krieg!" „Wenn die Russen nun hierher gekommen wären, und wir alle hätte» flüchten müssen, oder inr Wassergraben liegen, was dann?" Bammelchen sah mich an, als sprach: ich Unsinn. „Sowas kann hier doch nich passieren, wo wir unsre Soldaten haben Und den Hindenburg! Der kann, ivas!, und den Andre auch, wie heißt er man noch?" „Sie lmrden Ludendorff meinen, Bammelchen. Aber denken Sie einmal nach! Wenn wir unser Heer, Hindenburg und Ludendorff nicht gehabt hätten, meinen Sie, daß wir zwick 'hier so gemütlich auf der Straße zusammen gehen würden? Glauben Sie wirklich, ein so riesenhafter Krieg mit soviel Feinden wäre ganz selbstverständlich siegreich, und können Sie sich nicht denken, daß dieser Krieg unserm Vaterland« viele Millionen kostet, und daß jeder von uns Opfer bringen muß, damit unser Heer täglich satt wird, seine Kleidung erhält und sich wohl befindet!? Muken Sie gar mcht au die vielen Dapferein, die niemals wiederkommlen, weil sie für ihr Vaterland gestorben sind, und glauben Sie nicht, daß das, Vaterland verpflichtet ist> für Tausende von Witwen und Waisen zu sorgen? Dazu braucht das Vaterland aber immer mehr Geld, und deswegen braucht es auch Ihre Goldbammelei!" /Hatten meine Worte auf Bammelchen Eindruck gemacht? Sn lief weg, ohne ein Wort zn erwidern. Dann aber erhielt ich vor einigen Tagen folgenden Brief: „Hochgerrtes Freilein! Es is allens futsch'. Habs ans Vaterland gegeben und ganz, viel Geld dasor gekriegt. Ich schlaf besser. Hindenburg und Ludendorf solln hoch leben. Weil mich kein Miss« was getan hat, und ich ihn nich einmal gesehen Hab. Vielen Dank for das Ratschlag! Ernestine Glock." Das Bammelchen ist doch eine verständige Keine Seele! — Deutsche Lichtmeß. (Zum 2. Februar.) 'Seit über: tausend Jahren —< feit dem 8. Jahrhundert — feiert man in Deutschland am 2. Februar Lichtmeß. Wie Zommt das 'Fest zu diesem eigentümlichen Namen? Vielfach ist die Ansicht verbreitet, X a hänge mit der Zunahme der DageÄamg«, des LickMS, Wq jLS ite >« m Kr Tat u. d°r^»E- bat er dabei an me rornyap.l ^nperWreri. ‘Z T„ä Jbenhvm eutc gu»&e mit fpteiten, und Dich ^M 7 '^n'en^ ün sürrftsn JahrlMtdert m Jerwalern Mt vieler» vre.mew^n Kerzen, begangen wurde, mag seinen Teil zur^ Entieehung vt.o kirchlichen 'Fest-brauch.es beigetragen haben. In Jerura.e.n braru^ i-r, 'f JC t K cni Tv-cftic Lichter, weil SUN von dm Heern Av das LE pxx Erleuchttllig der Völker begrüßte. E^ickrich gehört Lmstmetz noch Mw WeihnachtsMe: es gilt der Tempel am 40. Tage nach dem Tage der ^^nrt u.rb Laun .n-nr als Feiertag ChrM ebenso gut wre als Marren^.r aui^satzt miees in Dsntschlcmd geschieht und wie es auch m dem ÄÄmÄme» „Warme Lichnnch" zum Ausdrucke femmt ^ür Me Kerzen die am Lichtmetztage geweiht werden, ftno rnaua^er^ lei' Bedingungen voregschrieben: im Bistum« Münster rme auch anderrvärts war es vormals Vorschrift, daß dre Kerzen an» nir e- SUkm Natnrwachs angefertigt wurden: dre AmertMMg lag in den Händen des Msters, und rn imrucherr Torfwr waren es brAmrute Familien, die von ihren Bi-enentzväeu dasWacWfur da Kirche M gewinnen hatten. Am Lichtnreßtage wuroen Me herzen geweiht, an die GeMichZeit, KirchMüener, ^anMimuglreder undec- nige lörtSeingesessMe ausgeteilt u dann m Vvosessivn um Ms Kirch. bernmnetragen. Mil deur ftrcksticheu Branche verquicke da» Voik allerhand abergläubische BorBLiumgen: wenn baä »Md still war .und Me .Kerzen den ganzen Weg hindurch brannvcn, war ein gutes Bienenjahr zu erwarten, ihr EM,cheit £ ehre schlÄte Honig- und Wachskerze voraus. Im Lol g lauben Arüpft überharrpt vieles an die Lichtrnetzfrrer an: namentlich- chr den Mutschen Landmarm ist der AÄtmetzMg fett ater*J ** großer BÄientm^. Er betracht MaE Lah.meß als den aller- esftnt Frählingsbegiirn: die Arbeit bei Licht .hört latzt auf und man nirmnt das erste Abendbrot ohne Licht em. „Maina Elasts Licht ans. Mrches zünd'S wicker an" — fax# ®auenüö«ytt nennt beü>e Tage, die für das TageÄalch die GrArzan bilden. Ar»ch in den bäuerischen Wetterregeln, die mit dem Lickstmetztage ver- iL t, r< 4 . rZJu. S^J QX.-U*- S.>!j*SVm xtVrffo T&rrtftrf.wfs das Launen Itasr, Line «whc ouuue. ~,, wird größer das Eis als zuvor es ivav", so deicht eme Wetterregel, eine andere meint: „Lichtmeß hell, schindet dem Bauern^ das gau, Lichtmeß dmikrl, macht den Bauern zum Junker. Tie _ gleiche Bauernwersheit, etwas deutlicher ausgsbrückl, findet sich rn dem Worte: „Bringt Lickchrneß WcÄen und Regen hernieder ist der Winter vorbei und ftwnmt tücht wieder." Im Grunde.laufen alle diese Lichtmeß-Wetterregeln darauf hinatts, daß auf euren klaren ralten Lichtmeßtag ein kalter, später Frühling und ein sMner Kommet folgt. NZcherttsch. — Die neue Landhausbücherei, Erster Band. Breis geheftet 2 Mark. Landhansverlag Jena. Ter Landhausverlag Jena, dessen besondere Note darin besteht, daß er seine Buchausgaben, wie auch die Monatsschrift „Das Landhaus" „abseits, aller, Tagesfragen" und „jeder Kriegserörterung fern" hält, bringt letzt mit dem ersten Band der „Neuen La ndha nsbü che r er' den Anfang einer Sammlung seiner, nwderner NovetlisM heraus. Me wirklich Beinerkenswertes bietet. Die Ausstattung rst emfach und. vornehm Die vier Novellen des ersten Bandes, Arbeiten von! Martirr Roehl, Georg Hirfchfeld, L. Arrdvo und Leonhard Stern, sind gut gewühlt und fesselnd: sie geben der „Nenerr Landhaus- bücherei" eine Einführung von literarischem Rang. — Jugendleid. Eine stille Geschichte von Hennh Stock. Geheftet 2,50 Mark, gebunden 4 Mark. Lcmdhausverlag Jena Die junge Verfasserin wird mit dieser stillen, feinen und anspruch^ los erzählten Geschichte eines Mädchenfchicksals viellercht an taufend Herzen rühreir, die Aehnliches erlebt und erlitten haben. _ Der Opfertrank. Ein Roman aus der frarrzösifchen Revolution von Sophie H o e ch st e t t e r, erschien im Lcmdhaus- verlag Jena. Preis geheftet 4 Mark, gebunden 5,50 Mart. Dre Verfasserin bringt in denr vorliegenden Roman ern ergreipcNdesZmch qem Ade, erfüllt von gewaltigem Grauer: , und süßer Schmrhnt ! Durch seinen packerrden Inhalt, sein historisches Verstmibm.) und die brillante, geschlossene ErMllmnse rst! es geergnet, srch Me! weitesten Kreise zu eroberm. — Sonnenfinsternis, Roman von E. Stieler-.. Mars hall. Verlag von Grethlein & Cd., G. m. b. H. Leipzig. — In die erhabene W^elt des Hochgebirges fuhrt der neue Roman von E. Stieler-Marshalls, weit über alle Pern^der GegenwMt hinaus, läßt tief im Tale Krieg n.ru> Teuerung, morgen und Rot, des Tages. Ter Held des BuckM ist ein Gelehrter, der einen heißen Schmerz in reiner Höhe kühlen will, und der WÄt entMht, um in einer metsovologischeri GipsÄstaLion gau-, der Beobachtmtg des Himmels, der Luft mrd ihrer tausend Wunder leben zu. roririen. — Tie Weltli-ter.atur, Heft4 enthält: Kvbell: D« G'schicht' von' Brandne-Kasper u- a. . Gietzeuer Hausfrarren-Verein. KochüMversungen. Einfacher Kirsch- oder Apfelstrudel. Sßmt 280 Gramm Mehl (oder 80 Gramm Maismehl, 80 ^ Gram Gerste gem. und 80 Graurm Kriegsmehl), >ein«m Llftrel zLrlariener Butter oder Fett, meutg Salz mid Zucker, rührt und kE man mnenj Striideltc-ig, deu man Vs Ltmwe unter “5“ in dem eben Wasser gekockst wurde, ratzen latzt, t^^iE grollt und auszupft. Man bestreuht den Teig mit saurer chLwu-, Butter, belegt ihr: mit auAesteurten. frqchen oder EingemahTM Schwarz kirschen, rollt den Derg zu>LMM«i rrnd backt ihn aus ge. W T«?üin?Ä>b, 2 Eier. % rühren ein Teelöffel zerlas',ene Butter barem und mitrühoaii,, loci bis 200 Gramm Mehl, Vanille, 2 Teelöffel Backpulver zu eruem festen Teig auf dein Brett Lieben, dann, durrn auswell-en, ,nit Marmelade bestreichen, zu einer Zibonlade vollen, auf geschmiertem 1 Mund geriebene ffleto SUltei 1 Mund Äbehl, 200 Gramm Zucker o>er 100 Gramm Zucker und 1/4 Pfund Kurrst-Miig, Lttvas Jitronenessenz, 2 Backpulv«, Magennilch. Mle Baftandtecke zu etiwn toerchen Terg mische« und b U Stutideu bei mäßiger Hitze backen. Krautflecken. Dämc mackst erneu Herrteig von Krieg.-mehl, Salr Mauer ui ilch. Eü oder Eiersatz urid Fett, rollt ihn, rvenn er gegangen ist, aus wie dünnen Kucftsibeig unv sckmmbet mereckigs Stücke davon ab. Airs jedes Stück t'.rt rnan emen Lonel voll gut abgetropftes Samwemnt. das tags zuvor gekoast rmd dunch serotze.e Speck- m:d Z wicbelivürfel ftlmiackhaft ge-wach wordeir ich ^an» schEt nran die Zipfel des Toig« übever.müder, Amiart eat» manchut mit Fett mrd bäckt dch,Fle^ l>ei guter Hctz-^tzlpm brmm. fester Teig und Kraut, destp beper das Gericht. " Kartosfelsalar mit Meitzkr an t , Karws fe-ialal ^ ünrd ttwrrm angemacht, indem man reckst heißes Wasser dazu nimm- u;w auch den Essig mit ftingeschlittengll, Znüeb-ekt niid einem Stückchen BrNtervl^r Oel anftrch«! läßt und kochnrd darüb^sästttttt. Wertz- kcaut wird fein gehobelt, mit Salz. Zw.ebÄ, Es mg u.u- knapp Wasser weich gedünstet und Arrz vor dem tznricksten umer den ^ r Sut?n g'sÄ?t. Ein festes Wirsinghanpt wird in^ vier Teile geschnitten, der Strunk und ft>ie chcken ^trpvori soweck möglich entfernt und die Viertel m Lsalzroaster gar, aber nJ$ zu weich gekockst. Ausgedrückt schneidet mcnr )re ftm nndelig, kocht Esig mit fein.geschnittener Zwcebel, salz und ettvas Bittrer oder Fett, schüttet ichr darüber itA) fügt nach Bedarf noch etwas Brühwasser dazu. Ausgelassene SvecQvürsel, du- man Hertz dar^ untermischt, verbessern das Gerirlst. Diamanträtsel. Die Buchstaben AAAAA, BB, D, EEEEE, FFFF, HHH, II, KKK, LLL, N, 00, RRßEER, 8,-TTT sind in die Felder obiger Figur derart einzutrageir, daß die mittelste senkrechte gleichlautend nnt der mittelsten wagrechten Reibe ist inrd die wagrechten Reihen folgende Bedeutung baden: 1. Konsonant, 2. Technisches Hilfsmittel, 3. Baum, 4. Festungswerk, 5. Nahrungsmittel, 6. Teil des Pferdegeschirres, 7. Getreidearr. 8. Wild, 9. Konsona-it. (Auflösung in nächster Nummer.) Auslösung der Schachaufgabe in voriger Nunimer. W. Lb5, Tf3, h4, Bc5, ä3. e2, f5. — Schw. Kd5, Bf6. 1. Kb6! 2, d4f Td3 Ec4 4. d5+ Matt. Schrchleitung: W. Bleyer. - Zwillingsrimddrmck der Brühl'schen Nnw.-Buch-mnd Stemdrilckerei. R. Lange. Gießen.