- Kr. 6 Roman von Hermann WagneL, (Fortsetzung.) „Lieben Sie Ihre Frau?" „Ja." „Und doch^ Er unterbrach sie rasch. „Sie müssen Dinge, die leicht gemLint sind, auch leicht aufnehmen... Kränkt es Sie. wenn ich Ihnen sage, daß Sie mich reizen, während ich meine Frau liebe?" Sie sah ihn prüfend an, als erwäge sie, ob es möglich fern würde, gegen die Frau, die er zu lieben vorgab, mit Erfolg anzukämpfen. „Ich muß mich damit zufrieden geben, sagte sie sodann. „Es ist mein Los, von Ihnen nrcht verwöhnt zu werden..." „Und doch möchte ich gerade Sie verwöhnen. Oder verwöhnt mail eine Freundin nicht gern mehr, als man das der seiner eigenen Frau nötig hat?" ,Me," rief sie gekränkt und zugleich geschmeichelt aus, „oh Sre —!" — Das Unternehmen kam zustande, mit einer Leichtigkeit, dre rhu in früheven Tagen in Staunen versetzt hätte, die er aber jetzt gleichmütig als etwas Selbstverständliches hinnahm, weil er es inztvischen gelernt hatte, an seine Kraft mid an sein Glück zu glauben. Er hatte nun freilich — es war inzwischen August geworden — seine geplante Erholungsreise ausgeben müssen und fühlte sich, jetzt, nach den erneuten aufreibenden Arbeiten und Mühen, doppelt eiend mit> ausgepumpt. Seine Frau erklärte: „Du mußt ernstlich fort, — ich bestehe daraus!" „Und du? Kommst du nicht mit? Das Kind könnte sehr wohl unter gewissenhafter Pflege hier bleiben, — oder auch mitkommen, warum nicht?" Sie verneinte entschieden. „Nein, ich bleibe hier. Wir ireyerr int nächsten Frühjahr." Sie erfuhr mich von feinem neuen Unternehmen und auch davon., daß eine reiche Frau Deilhaberin an ihm war. ihr von Frau von Marisch erzählen, und sie wünschte, daß er sie zu ihnen erulade, bäumt sie Gelegenheit hatte, sie kennen zu lernen. . „Sobald ich zurückkomme," tvich er aus, „nicht früher, ca) £>iu zu abgespannt." Keine Spur von Eifersucht war an ihr zu entdecken, es schien, als komme ihr nicht im entferntesten der Gedanke an du Möglichkeit, daß ihr ihr Mann untren werden könnte. Sie lebte still und gleichförmig dahin, nur der Pflege ihres Töchterchens hingegeben, das min zusehends wuchs Md dessen Wangen sich rundeten. Sein Gesicht war ausdrucksvoller geworden, Mid es machte der jungen Mutter eine tiefe Freude, wenn sie sah, Me es allmählich für mancherlei Interesse offenbarte. W griff schon zögernd nach einem seidenen Band, das rmm ihm etwa hinhielr, oder lachte ein richtiges lautes Lachen, wenn man über seinem Gesicht in die Hände klatschte. Es schien mrch schon verschicdene Personen zu unterscheiden und schrie, wenn es allein gelassen wurde. „Luere ist verwöhnt," sagte das blonde Kindermädchen, „sie will nicht allein sein!" Reisner opferte dem Kinde nur wenige Minuten im Tage, was er: damit entschuldigte, daß er allzusehr gehetzt sei. Aber er liebte es und küßte gern den süßen Mund, der jick) weinend verziehen wollte, wercu er den Bart des Vaters spürte. Zuweilen trug er es auch oder setzte sich mit ihm m erne Ecke, um zu warten, bis es eingeschlafen war. Dann legte er es behutsam und zärtlich in das Bett. Das Verhältnis zu seiner Frau war wieder das alte geworden und hatte doch etwas Neues, das sich nicht mehr verlor. Es ist das Kind, dachte er und beruhigte sich damrt. Er hatte auch keine inneren Hemmungen wehr zu überwinden, wenn er an Frau von Marisch dachte. Was bedeutete diese Frau für ihn? Ein duftiges Nichts, das verwehen würde, wie es gekommen war. Aber er gestand es sich nun doch ein, daß ihn ihre Küsse reizten, und er sehnte sich sehr nach zärtlichen Stunden, me ex mit ihr verleben könnte. Es sollte ein halbwacher dünner Traum sein, nach langer, schwerer und erfolgreicher Arbeit, dachte er, aus dein er frisch und gesund wieder erwachen würde, um dann alles lachend zu vergessen. Er traf sie und sprach ihr davon, daß er einige Wochen verreisen wolle, nicht wert, etiva in den Harz oder in den Taunus oder ins Riesengebirge, und daß doch auch sie das Verlangen haben müsse, dem stickigen Dunst der Stadt für einige Zeit zu entweichen. Er sagte: „Liehe es sich nicht nracherr, daß wir einander irgendwo träfen, wie zufällig, — so, daß es niemandem anffiele?" Sie verstand ihn, und sie verhehlte es sich nicht, daß er nur ihrem eigenen Wunsch entgegenkam. „Ich bin dabei," sagte sie, „aber ich schlage den Böhmerwald vor. .Das ist ein Winkel, den niemand auffucht." Sie verabredeten sich, und schieden daun beide mit einem Händedruck, der ein stummes Versprechen war. Zu Hause aber erklärte Reisner: „Ich gehe in den Böhmerwold, dort bin ich allein und Habs dis Ruhe, dis ich. brauche." Er verabschiedete sich, zärtlich von Lucie und hob feilt Kind zu sich empor, um es zu küssen. Prokop blieb diesmal daheim. Vierter Dell, Behrens. 18 . Kapitel. Aus dem Bahnsteig der kleinen Stadt Tiefurt ging ein Mann auf und ab, mit langsamen, schüchtern auscholenderi Schritten, die sich! anscheinend nicht genug darin tun konnten^ 22 ar? hak sie sehen konnten, als ob dieses simple Aus- und Wgehen erne Mt Genuß wäre oder doch mnlangeM Veranüaen, — ein SJlctTtrt, der alle::, die ihn W / sofort aussiel,' mcht durch äußere Merkmale, dre Mem rn dw Anaer: svriuaen mußten, im Gegenteil eoen dadurch, daß ~ fetee Person so diskret in den Rahmen des GanMr Wat« qleichsrmi tn diesen Rahmen sHiichtern hlnernscylupst«, W bch°Wt jemand «ömnte dies f°ß°n oder «ar ünet v«. Wl & # konnte Metern Mann ein Wer »»« etwa sechM fahren neben, denn fein Rücker: war leicht ß^krummt, fern Haare schimmerten in einM schmutziger: Lsondeve sein Antlitz, ru dem zwar Kare, heitE Augeu vef nach innen lagen, war von -emer Unzahl von Rnnzeln dnrü ^ ackert schmal und blaß und durchsichtig, wie man es zuweilen bei alten Leuten findet, die soeben von einem langen mm, *» Ä ÄÄÄ Ä W Ä V- und nun dem Zug, der eben emsichr, entgegerchrangte. Als der Zug sich fünf Minuten spater, wieder rn Be- weaung setzte, hatte der Alte seinen Platz :n ernem Wagen dritter Klasse eingenommen, einem KleinMdr.er gegenüber, der gleichfalls nach Hamburg fuhr, und zwar um G:.:kau,e m Gefängnis!" sagte erklärend dieser Mann, als der Zug an einern großen kasernenartigen Gebäude vorMer- fnhr, und er sagte es,, teils weil er in oem Alten einen Fremden vermutete, teils wert das. immerhin ern war, an dem sich ein Gespräch cmknüpsen ließ. Der Alte nickte nur und sagte freundlich: „Ja, das Ge- Daraus ersah der Kleinstädter, daß der andere keineswegs einer von jene:: Finsterlingen war, dre eu: aoups- aespräch grundsätzlich durch ein dumpfes Knurren ao.ehnen, und er zögerte deshalb nicht länger und __ stellte sich vor. „Mein Name ist Granich. Ich fahre geschästehalber nacy ^^Äer nickte der Me. „Ich heiße Bohrens " sagte er in einen: Ton, der zeigte, daß es ihm erne Last war, z rede::, „und ich reise auch nach Hamburg, aber nur zu meinem Vergnügen." _ .. .. . Granich seufzte. „Ach ja, Vergnügen! Me Zeiten sirw schwer..." Woaremi, wn**».« *, hon feilten Verhältnissen gn reden, und obgleich diese gicher mcht rnrer- essant, ja recht alltäglich und banal wäre::, horte ihm Behrens mit sichtlicher Aufmerksamkeit zu, nur emer Aufmerksamkeit, an der sich der' andere wärmte, :u solche::: Maße, daß es dahin kam, daß Behrens nach! und nach uoer das Wohl und Wehe der gepennten Famnre Granich, nevst Anhang erschöpfend ansgeklärt war. Aber Granich war nicht unhöflich und auch kein Egoist, der nur an sich dachte, sondern er fragte: „Sie sind sicher Ja, ich war lange in der Fremde," bejahte Behrens. „Die sind recht alt? Wohl an die sechzig?" „Dreiuudfiinfzig," sagte Behrens. Granich war zwar höflich«, aber kein Mplomat. Er sagte: „Donnerwetter, da haben Die sich nicht gut gehalten, M ich hätte Die mindestens zehn Jahre älter geschätzt. Behrens lächelte: „Nein, ich habe mich? nicht gut ge- war esivas Eigenes mn dieses^ Lächeln, Granich jedenfalls hatte :roch nie jemanden so lächeln sehen : Der tut niemanden: etwas zuleide, dachte er. „Bitte, wollen Sie nicht noch etwas erzählen r fragte Behrens Oh ja, der Mann namens Granich wollte. Er behielt Stunden das Wort und er behielt es gern. Behrens tat es wohl, eine menschliche Stimme zu hören. Auch daß er so viele Gesichlter sah-, das und jenes und ein drittes und noch viele andere und daß em jedes dieser Gesichter seine bescheidene Eigenart hatte, tat ihm wohl. Er hatte jahrelang keine solche Gesichter mehr gesehen. g>etzt war es ihn: eine stille Freude, sic zu betrachiten. Ueberhaupt war das Leben voll stiller Freuden, dachte er, nur mußte man alt genug werden, um sie zu sindcn.- Er war alt. Er hakte sich hundert, zweihundert Fahre steben können, ja, ihm rvar, als habe er viele, viele Generationen überlebt und cllW wüßte -er alles, was man je vor ihm «gedacht oder gefühlt, gehofft oder verwünscht hatte. So alt war er. Und das Ergebnis all dieses großen Atters war nur dieses: sein Lächjeln... „Eigentlich," sagte Granich und spreizte sich ein w«nrg, „sehen Sie nicht danach aus, als ob Sie schon viel rn der Welt herumgekommen:oären... Kennen Sie Hamberg r Oh ja." Missen Sie, solche Leute wie Sie sieht man dort wer:ig. Sie haben nicyt die,... die Ellenbogen, die dort Mode sind. Nehmen Sie sich in acht!" „Ich fürchte mich nicht," sagte Behrens. _ „Oh, das hat schon mancher gesagt, und man har doch schon manchen dort nmgebrach?t!" erklärte Granich imbl nahm dies znm Anlaß, v«on Sankt Pauli zu erzählen, ganz so, als ob« et dort daheim wäre und jeden Winkel dort kenne, wie daher::: die vier Ecken seines Hauses. „Umgebracht..." wiederholte Behrens für sin) und versank in ein Grübeln. ., _ c , Aller:: er fuhr sich gleich darauf über die Strrr: und lächelte schon wieder, denn das wäre:: Dinge, ^ denen er genug nachgegrüb-elt hatte und über die er mit srch :m klaren war. Und er stellte ‘—« derm was konnten ......-~ . er nicht schon besser kannte? —, sondern nur um seine eigens Stimme zu hören, von der er nicht wußte, ob s:e noch die der anderen Menschen war. Wer er schwieg doch' ebenso schnell wieder, denn es dünkte ihn, daß das Reden nicht n:ehr seine Sache ser. Einer, der, wie er, so lange geschwiegen hatte, lernte das Schweigen lieben nNd erkannte, daß es die tiefste Art des Menschen war, sich äuszudrücken, ein Gottesdienst, der von so strenger und nnbeugsaurer Schönheit war, daß es nichts gab, was man mit ihm vergleiche:: konnte. Schweigen, hören und wieder schweigen und verzeihen, dachte er, das ist es, wohin man gelangt, wenn man bis zun: Letzten und Rätselvollsten in der Seele des Menschen vordringt. Schweigen war nicht Stolz, Schw«eigen war Güte. Und gut sein war alles. ^ „ , Die ersten Häuser von Hamburg tauchten ans, und Behrens sah sie mir einer Wehmut, ans deren Grmü> eine herbe Süße war. „Dieses ist die Alfter," erklärte Granich, „die Außenalster !" „Ja, die Alster..sagte Behrens. „Wo steigen Sie aus?" „Aus dem Hauptbahnhof." Granich schüttelte ihm die Hand, wie einem Kinde, um das man besorgt ist. „Adjns," verabschiedete er sich, „und vergessen Sie nicht, was ich Ihnen gesagt habe: Auspassen! Scharf anspassen!" Der Zug fuhr in den Hauptbahnhof ein, und Behrens befand sich mit einemmal in einen: Gewühl von Menschen, das ihn mrruhig machte: Nur fort, dachte er, ich weiß ja sein Grab... Jh-rn war, als entweihe die summende Menschenmenge die Ruhe seiner Gedanken; er wankte auf eine Antodvoschke zu und sagte zu dem Chauffeur mit bettelnder Stimme: „Fahren Sie mich nach dem Ohlsdorser Friedhof." Der betrachtete ihn mißtrauisch und zögerte: „Das kst sehr weit..." Behrens drückte ihm ein Goldstück in die Hand. „Fahren Sie nur, ... fahren Sie nur .. Er sah nichts von den Häuser:: und den Menschen, an denei: er vorübersurrte. Er saß in gebeugter Haltung im Wagen und starrte aus den Boden. Als ob es gar nichts Wirkliches wäre, was ich da erlebte, dachte er. Zwölf Jahre schon ist er tot. Und zwölf Jahre habe ich gebraucht, um znm Leben zu komme::, zum wahrhaftigen Leben. Und dann ging er die wundervollen, breiten Wege des Friedhofs, der ein einziger großer Park war, die rechte Statte für die, die ruhten. Aber er sah an all dieser Sch-önheU vorbei, sie umwehte ihn nur wie ein Traum, schattenhaft, unwirmch und stumm, bis er an den: Grab stauch an das man ihn gewiesen hatte. Er stand eine lange Zeit dort, Leute, die vorübergmgen, mochten ihn wohl für einen Halten, der unermeßliche Trauer hatte, obgleich sie es, wenn sie ihn genauer betrachtet hätten, an dem Ausdruck sseines Gesichtes hätten erkennen müssen, daß er nicht trauerte, sondern sich freute.^ Er dachte: Du bist tot, und ich mußte leben. Daß du starbst, war das Leichtere. Mein Los war das Schlverere: ich mußte leben. Ich habe mein Schicksal getragen. Da ich gebüßt habe, ist alles in Ordnung . . . Erst auf dem Rückweg nahm er wahr, daß es Frühling war. Die Bäume träumten jung in den Himmel hinein, der sie liebkoste und beschirmte, als wären sie seine Kinder, die er liebte. Eine warme Feuchtigkeit strebte allenthalben empor und erfüllte die Lust, die der eitles Treibhauses glich. Ulles wuchs, damit es sterben konnte. Jeder und jedes mußte sich seinen Tod erst verdienen. (Fortsetzung folgt.) Wie wir unter GenerMeutmyt Krafft mt Ddmenffitgets der? AmgchuW§marsch von tzermüEadL mochten. Ein« Mirteradeickerzählung von FÄduNterarzt Rudolf Gört ach, Gießen, Z. im Felde. Krieg mit Rumänien!" Die Kunde erreichte uns im Argonner-, wald. „Hei, das gibt Geoirgskrieg, da gehöre wir hin; na wartet, | ihr Mausfallskrämer, wir tverden euch schon die vechLeu Begrche beibringen!" Mit Freuden ncchmen's unsere tapferen Bayern auf, die stolz das Edelweiß ans Tirol an der Mütze trugen. Und schon begann der Abtransport. Ans lueiter Fahrt ans Frankreich hm-, ans, durch Schwabenland und Bayerri, ganz Oesterreich und Ungarn. giug's hinüber nach Siebenbürgen. Ein paar Tage Ruhe m der Umgegend des Städtchens Mühlbach, das uns gastlich aufmUM Und von seinen Schätzen an schönem Obst, vor allem an sonndurch- glühten Trauben bot — und der Anmarsch begann. Tie siebenbürgische Ebene war hinter Heru:annstadt und Kronstadt von den Oesterreichern geräumt worden, und die Rumänen waren über die Pässe ins Land gedrungen, .Kronstadt war von ihnen besetzt, urrd Reiterpatvouillen wäre,: bis Hernrann- ^ stadt vvrgestoß-en. Nur: hieß es den Feind wieder hinansjagen;, j wie.damals die Russen ckMselN, Heubündeln Und was der Führer eines treuen Eseleins im letzten Llügenblrch iiöck) für mitnehmenswert vder unentbehrlich gehalten hatte. Durch herbstliche Weinberge mit reicher Pracht ging8 bei prächtigem HerbsthimmÄ rmd Sonnenschein bergauf, bergab-, über drei Bergkämme. Nacht wurde es, und endlich zeigten Lrchter e:u Torf — Urwegen hieß es, mit gutem deutschen Namen -— ruck» wirklich wurde Rast gemacht und Quartier bezogen. Tie Maultiere untergestellt und hinein in die Küche des stattlrcheu Hoses. Deutsche Bäuerinnen begrüßten uns nnt deutschen Worten. Wer kennt die Freude eines Kriegers, wein: ihm ü: weltfernen Lander: heimatliche Klänge an's Ohr schlagen? Und wer beschreibt unsere Wonne über die Gastfreundlichkeit, welchje unserer harrte? ' Echtes BanerRfchwarzbrot in riesigen Laiben, Butter, Speck, Milch, Käse, Wein, Trauben, wahre WrmdeMnge nmrden uns reichlich und freudig geboten. „Wir sind so froh, daß Ihr Deutschen gekommen seid, wir haben schrecklich gezittert vor dem Feind, wir waren schon ein Stück landeinwärts geflohen, kehrten aber wieder zurück, wir brachten's nicht über uns, Hans und Hof zu der-, lassen; lieber 'geben wir euch alles, als jenen Verräter!" Bon jenen, Niedersachsen waren unsere Wirte, deren Urgroßeltern deremst nach dem fernen Siebenbürgm ansgewandert waren, und rührend an Sitten und Sprache und ihrem evangelischen Glauben ftstgehalten haben durch alle Not des Lebens und uinbrandet von Völkern, fremder Sprachen und mißgünstiger Stim'rmarg. Währlich auch deutsches ioefbentum, still und groß! , Auf einer Strohschütte in der Kirche rnck den schonen ge-i schnitzten Tischen und Bänken, bunten Töpfen und Truhen, wie bei uus in der Heimat haben wir uns gebettet.und gehasst, recht lang!: dableiben zu können. ^ ^ „Ausstehen! In einer halben Stunde antreten!" stcoch- war's finstere Nacht, kaurr: ein paar Stunden der Ruhe, und schon hatten schöner Traum und Wirklichkeit ein Ende. Durch dunkle Nacht Und rieselnden Regen setzte sich die Truppe wieder in Marsch. Schier endlose Kolonnen, was uns die anfblitzerrdeu Laternen in weiter Ferne vor rrnd hinter uns verrieten, wälzten sich d:e Gebirgsstraße aufwärts. Kalt sogte der Höhenwind den dicken Nebel Und ausfallenden Regen inls Gesicht, und sachte weichte die ilnisorm durch. Fröstelnd wurde bei Tagesgrauen Rast genrachit. Ter Regen hörte auf, und die schweren Nebelfchwadeu trieben an den Ge-, birgswänden hoch; da lag sie unter uns, die Eilige Sieben», j Kärger Ebene, im fahlen Morgenlicht. - Rastlos gmg*s weiter d-rrrch ein paar arruselige Gebirgsdörsyr, die wie Schvalbennester an den Höhen klebten. Die liebe Sonne trocknete uns wieder. Die Straße hörte auf, ^Saumpfade slihrten? über lvaldige Höher: und felsige Talgründe. Schon dämmerte es, als ißfä ein Waldtal in 1400 Meter Höhe aufnahm und Biwa-. kieren befohlen wurde. 40 Kilometer Gebirgsmarsch hinter uns, und das sollte eure Woche lang unsere tägliche Marschleistung wer-, den-; ausgesuchte zähe junge Leute, keiner über 30 Jahre alt in guter GebirgDausrüstung, von denen mußte man das verlangen, und sie schirfsten's auch; ohne daß auch nur einer zuriickblieb.- Ein emsiges Leben begann; Zelte wurden geschlagen, Holz für Lagerfeuer herbeigeschleppt, Wasser in einer entlegenen Schlucht zur Bereitung der -ersten Mahlzeit an diesem Tage geholt. Wer kennt einen rechtm Urwald und einen wildtosenden Gebirgsbach darin, über jähe Klippen und tausendjährige gestürzte Eichen springend, dichte Moos-Polster auf den ragenden Stemblöcken und armlange Flochten neben unentwirrbaren Schlinggewächsen von den mächtigen Stämmen hevabhängiend? Hier staun» tm wir über solche Pracht urwüchsiger Natur! Weithin flackerten die Lagerfeuer und beleuchteten die malet!» scheu Gruppen von lagernden Mannschaften auf Sattelzeug und Ge» väck, M!gepflockten Maultieren und kleinen Pferden. Darüber eine sisrnAare Nacht. Und kalt wurde es, bitter kalt. Steif gefroren krochen wir am frühen Morgen ans den Zelten. Warm geklopft, gepackt, gesattelt, schon angetreten einen Schluck heißen Kaffee genommen — und weiter zogen die Kolonnen, stuw denweit sichtbar, gleich eürer Schlange an steilen Felswänden klebend, m Wildern verWvindend, tief in Tälern wieder aust tauchend. .Mann hinter Mann, Tragetier hinter Tragetier. Wieder wurde tagsüber durchanarschiert — ein Sonntag war's, still, verinnerlicht durch das Schauen all des Erhabenen dieser Gebirgswelt der transsylvanischen Alpen. Ueber ein großes M-v- ränenselh eines ehemaligen Gletschers mit riesigen Granitblöcken — an den Kampf der Götter und Riesen aus der alten Sage erinnert sich unser Gemüt — an eigenartigen TanneMvä'ldern vorbei — kein geschlossener Wald, einzelne, auf moosig-M .Kuppen gleichjrnäßig ent- wickelte hvchaufgeschpssene Bäume bilden große Harne — weiter führt der Weg. Immer höher hinauf. Der Wald hört auf, nur noch durch struppige, kuorrige ZrrbÄkiefern, schlingt sich der Saumpfad an steil-abfallenden Hängen entlang. Welch präMige Fernsicht! Gebirgsketten, die Häupter in Schnee, sattgrüne Wälder in der Tiefe, mächtige Urnen an geschützten Hängen, jäh zerklüftetes Gestein. Ke irre menschlichis Behausung mehr weit und breit. Ter Abend dämmert. Links vom.Pfad öffnet sich plötzlich eine mächtige Schlucht, csteil-e FEErate fallen wohl 2c>0 BvÄer in die Tiefe ab, von wo ein klare.: See gespenstig heraufleuchtef und das dumpfe Tönen all der in ihn abstürzenden Bächleinj rmd Wasserrmnm: gehelnrnisvoll Uno ein großer harmonischer W-ord heransilingt. Eine kurze Rast und stilles Träumen in diesen erhabenen Aberch und "ein rastloses Außvartsklimmen beginnt. Dunkle Nacht ist's gervorden, man sieht kar:m seinen Vordermann, stolpert über Steine, fällt in stacheligt Wachiolderbüsche, Tiere stürzen und werden mühsam wieder aufgerichtet, andere reißen sich los und kehren im Bogen zur Kolonne zurück — wcglaufen tut ja keines— aber der Führer sucht sein Tier —• Fluchen, Rufen, kurze Befehle; keuchend geht nächüicherwelle der Aufstieg ein paar Stunden weiter. Endlich Biwak in einen: Wacholdergestrüpp. 2200 Meter. Höhe sind erreicht. In Zeltbahn. Mü» Decke gewickelt, möglichst dicht Es Feuer zusamme-ugedrücht, werden ein. paar Stunden verbracht. Ein Becher Kaffee und 8 Mann ein Kommißbrot, weiter geht's mit gut 60 Pfund Gebirgsgepäck auf dem Mcken. Um die Mittagszeit gibt's bei einer Sagemühle in einer Waldschl'vchlt — wir haben wieder an Höhe ver^ren — eine längere Rast. EiM TragetierpmviMrtkolonne, die uns rastlos nachimarschiert ist, bringt uns Brot. Wißt Ihr denn zu Haufe, wie viel ein trocknes Stück Brot wert ist, und wie gut das schmeckt? Tie Kolonne verläßt uns leer, macht denselben Weg zurück rrnd nochmals, zu mrs!; es ist der einzige Weg, der Truppe etwas nachzufchicken. Unsere Sanitätskompaguie wird aufgeteilt,^ mit 2^Aerzten, 40 Krankentxägern und 15 Tragetieren werde ich als Scmitäts-. Unteroffizier einen: Jägarbataillon zngeteilr. Mit ihm setzen, wir schon geböte::. „ Fröstelnd ziehen wir durch den Morgenreif werter. Bald eröffnet sich von den Höhen ein herrlicher Fernblick aus d:e welle siebenbürgische Ebene, Hernmnnstadt und viele andere Orte werden sichtbar — und Schrapnellwölkchen an den ersten Höhenzügen. Em allgemeines Aufmerken geht durch die Truppe trotz Ermiidung und Hunger. „Schau, der Angriff von der Ebene her durch die Armee FaKenhayu. beginnt, nnd- wir haben, uns glücklich in den Rücken der Rumänen durch unsere ziihe MarWvrstung. geschLM Nun konrmt nur, ihr Kaputz-eumänner!" IN stellen Abstiegen verlieren wir sehr au Höhe. Trere gleitM 24 Mts, durch das ständige Austemmen, um nicht m's Rennen Zu Ümiuneu, bveunen die Füße mrgiaublich. Mit aller Kraft gilt's, oft die Tiere vorm Stürze.: zu bewahren, und r«he dem armen Teufel, der so ein auf den: Rücken zappelndes bockbeiniges Eselern absatteln, auf die Beine heben und wieder aufsattel:: - muß — für die arideren ein heiteres Inter inezzo — Am Nach-mittag erreiichen wir ein Tal, und es heißt, es ziehe sich in ungefähr zwei Stunden zum Roten-Turm-Paß hinab. Tas Ziel ist also erreicht. An einem uralten geschichtlichen Schauplatz soll wieder ein großes Ereignis geschehen, eine ruhmreiche Schlacht geschlagen werden! Tie Jäger schwärmerr aus, Feldwachen und Posten werden, ausgestellt, Maschinengewehre auf die Höhe längs der Roten- Turm-Paß-Straße bei Nacht gebracht. In eurem Heuschober an einem Bergyang errichten wir ans unseren Tragetiersanitätstaschen in kurzer Zeit einen Verbandsplatz. Und schon fallen die ersten Schüsse. Fühlung mit den Rumänen ist geuomnren, sie drängen von der Ebene her, durch die Armee Falkeichayn gepackt, gegen bas Gebirge. Tvch der Rückzug ist verlegt. Wie von Geisterhand dahin versetzt mögen wir den erschreckten Helden erschienen i ein; doch! all ihr Staunen nutzte sie nichts. Entweder — oder! Tie ganze Nacht krachten die Schüsse, zehrcfach widerhallend mrb langgrollend an den Gebirgswänden. Ter nächste Tag brachte uns in peinliche Lage. Der rumänische Truck war für urcsere dünne Kette doch, sehr stark, Munition wurde knapp. „Jede Patrone ist Gold wert, merkt euch das, Kerls! Ob rumänisch oder deutsch ist gleich, man muß nur treffen damit," rief unZ unser Major zu. Langsam wurde die Stellung zurückgenommen ans den nächsten Höhenzug. der besser zu halten war. Mit 15 deutschen Verwundeten, die unter unglaublich beschwerlichem Tragen bergauf rmtgeuommen wurden — verwundete Rumänen blieben mit.einem unverwundeten als Pfleger liegen — erreichten wir ohne Störung bei Nacht die rückwärtige Höhe. Mittlerweile waren aber die Maschinengewehre längs der Paßstraße fertig eingebaut, und unsere Artillerie von der Ebene her setzte ein, nun begann die eigentliche Schilacht. Tie rumänische Große Bagage von mehreren Divisionen drängte als erste in den Paß und fuhr in dichten Hausen aus den Feldern vor Boicza aus, wo der Rote Turm, das Emgarrgstov des Passes, steht: vernichtend traf sie der Hagel unserer Adaschmm-, gewehre. Bilder wilden, verzweifelten Durcheinanders! Kein Wägen «am davon; etliche wollten durch Furten des Altflusses oas andere Ufer zur Rettung gewinnen: mitten im Fluß traf sie der tödliche Schauer. Losgerisseue Pferde rasten über gestürzte Wagen, brachen zusammen rmd schlugen in wilden: Dvdes'kamps alles unter sich!. Ter lPaß war gesperrt, die Rumänen in der Ebene ergaben sich. Die Schlacht bei Hermamrstadt war gewomren. Die Kämpfe auf der RotM-Tnrnr-Paß-Straße >und um die anderen Pässe ginger: weiter, in zähem Ringen wurde Höhenzug um Höhenzug den: Feind entrissen, bis der Weg in die Eberre Rrrmäniens frei war — am 6. Dezember 1916 fiel Bukarest. Ein GedeWstein an einer Biegrmg des Roten-Turrn-Passes mit der Inschrift „Deutsches Alpsnkorps, 26.—29. September 1916" wird künftigen Geschlechtern die Stelle zeigen, an der die Schlacht am Roten-Durm-Paß durch den Umgehungsmarsch von Hermannstadt entschiede:: wurde, und wird erzählen vor: herrlichen Taten, die deutscher Wille und Kraft hier vollbrachte. gsbeltt. Bon Hans Sturnn G a st f r e u n d s ch a f t. Eirr Wildkaninchen konnte sich nur mit knapper Not vor einem Jagdhund retten, und zwar in einoni Fuchsbau. „Den Seinen gibt'si der Herr im Schlaf", meinte der Fuchs und nahm der: hereingeschneiter: Gast beim Fell. >,Sei gastlich, lieber Fuchs," stammelte das Zitternde Wildkaninchen, „wenn dich die Not in meine Behausung gezwurrgen! hätte, rvärest du mir Gast und Freund gewesen!" Darauf der Fuchs: „Auch, wenn ich als Kohlkopf gekoMinen wäre?" DerRichter. Ein hungriges Mäuslein stahl emenr Bauer ein Körnlein Saatgut und mußte vor das Tiergericht. Großmütig rvollte es der Lörve schon bei einem Verweis bewenden lassen, als sich noch einer erhob nnd Rad und Galgen beantragte. Es war der Hamster, der sich im Herbst die Speicher mit Korn gefüllt_! Die Strandpappel. Einsain sa:m die Strandpappol Wer das abendlich leuchtende Neer. Durch die zitternde Krone ging, ein wehes Raunen: „Schicksal, weshalb vergaßest du mich? Weshalb darf ich! nicht ferne Meer« und fremde Lärrder schauen?" Am Strande spielten die Wiellen um ein Wrack, rcud es tvar, als stöhnten leise die zerschellter: Planken: „O glücklich, wen:! am! ruhigen Strande das Schicksal feine Hemmt ließ MHertW. ,— Das Leben spricht. . . Skizzen und Märchen für gwße Leute von Marie Barthel (Mirjam Herbtal). Preis vornehm geb. 4 Mark. — ... Blond und blauäugig naht die Muse Marie Barthels. In den stets sorgfältig geschnitzten Rahmen tlerner Märchen, lieblicher Gegenden von reiner Gemütseinsalt und schlichter Erzählungen von starker Anschaulichkeit glänzen di« B:lder einer Welt auf, wie sie die Wünsche der Dichterin ersehnen und wie sie sie in Wirklichkeit sieht. Alles so einfach und kunstvoll, alles so naiv und doch so groß! Selbst im kleinsten offenbart sich das Große, aus dem Unscheinbarsten wächst der Dichterin daS Bedeutungsvolle und Ewige hervor, so daß die Lektüre dieses köstlichen Buches sich nicht nur als überaus fruchtbar ertveisen kann, sondern in der Tat auch cinerl ästhetischen Genuß zu bieten vermag. Hrer ist srischpulsierendes, freundliches, ivahrhastig^es Leben, v-on klarem KÄnUeraccge gesehen. Ter hohe Idealismus und edle poetrsche Gehalt klingen rroch lange im Bewußtsein des Lesers nach, wenn das Buch längst aus der Hand gelegt ist. Aßs ! x änf i sche Bilder 1918. Mit erläuterndem Text D:e Schaubühne, Wvchenschrift für Politik, Kunst, Wirtschaft, herarrsgegeben von Sieg ft red Jäcobsohr:, enthält in der Nummer 2 ihres vierzehnten Jahrgangs: Gefährliche Un.klach hert, von Germanicus; Graf Westarp, von Erbe: Wilhelm Schäfer, von Leopold Ziegler; Bulgarische Lyrik, von Alexander Balabanofs; Das ^»ahr der Bühne, von S. I.: Große Oper, von Kurt ringer: ä.:e runge Generation, von Ählfrcd Polgar: Die Trampeltiere, vor- Franz Rudvlphy: Largo, von Friedrich Sebrecht: Mktattcren, von Lorartus; Antworten. Gietzener Hausfrauen-Berein. Kochamveisungen. Hausfrauenpslicht ist es, die Kartoffeln möglichst durch Rüben zu strecken. Wir erinnern deshalb heute wieder an teils sclrmr bekannte Kochamveiftmgen für Steckrüben und Gelbe Rüben. . Rüben suppe: Die Steckrüben oder Gelbe Rüben werden auf der Maschine gerieben, mit eüvas Fett gedämpft, mit Kar- tofselkochwafter augerührt, einige ganz kleinwürselig geschnittene Kartoffeln oder Nudeln mitgekocht, mit Sellerie oder Lauch gewürzt und der dem Anrichten etwas Buttermilch eingerührt. R ü b e n g e m ü s e nrft Kartoffeln zufannneugekocht. Pichelstein er mit Fleisch oder mit Fisch als betaimt voranszesetzen. . Rüben salat: Die Rüben gekocht, sein geschritten, mit Zwrebel, wen:g eoenf, Essrg, ’iooiy, etrvas Zucker migemacht, einen ^«g steh er c lafterr, be:m Anrichten etivas Buttermilch zugegeben. Rübenauflauf: Tie RWer: werden zu Gerirüse gekocht; aus geVocyten gerreoenen Kartoffeln, Fleuch asten oder kleittgeruieg- ten Nieren, erngeweichter: Brötthm, Petersilie, Salz, Zwiebel, auch Tonratvn, macht nran einen Teig, legt dieser: lagenwche mit den: Genluft ur dw Form, bestreut ihn mit Reibebwt und Buttersiöckchn und backt den Auftauf im Ofen. Rüben wie Sa uergraut emzuumchen. Rüben Pfannkuchen. G. An-. 8. Dezember. O Vndding: 2 Pfund Gelbe Rüben, 150 Gramn: Grieß, 2 Cuer l Backpulver, Salz, Zucker, Zintt, 2 Tropfen Zitrone,wl. T:e Rüben toerden gerieben, m Fett gedämpft, mit Eigelb und den Gewurzen stark gerührt, dam: Backpulver und Eierschnoe dazu, in gut ausgefttichlene Forn: gefüllt und im Wässerbad zwei Stunden gelocht. Wemtuitke schmeckr gut dazi:. Quadrat-Stellrätsel. Y e a i 0 r r 8 t 1: c r 0 T tt h c, Die obigen Quadrate sind zu drehen, daß sie aneiuairderge- fügt drei dltrchlaufende Brrchstabenrethen bilden, die ein bekanntes Sprichwort ergeben. (Auflösung in nächster Nunimer.). Auflösrrng des Gruppenrätsels in voriger Nummer. Anfängen immer und niemals vollenden Heißt Zeit und Kraft als tot verschwenden Ter Weise erwägt erst seine Kraft Bevor er etwas beginnt und schafft. Schrcstlenuttg: W. Aleuer. — Zwillingsrnnddrlrck der Brnhl'schsn Unw.-Buch- und Steindrnckerei. R. Lange, Gießen.