XAM -» WtlM « 4 » Die Radier. Roman von Herm ann Wagnern (Fortsetzung.) „Und werden Sie mich — vielleicht — einmal. . lieben?" „Vielleicht" sagte sie. Er spürte es, wie ihm ihr Atem entgegenwehts, und fragte: „Darf ich Ihren Namen nennend „Ja," sagte sie iveich. „Lucie..." „Komm, — komm näher!" „Darf ich dich küssen?" „Ja, küsse mich!" — Es war finster um sie, und die Zeit rann lautlos an ihnen vorüber. Es war eine lange Spanne Zeit, denn es schlug irgendwo plötzlich zwölf. Mehrere Stunden waren sie beifcnirmett gewesen. „Die Klosterkirche," sagte sie, „es ist Mitternacht." „Ein neuer Tag beginnt," sagte er, sich erhebend und aus ihren Armen lösend, „ein neuer Tag für mich!" „Mir uns beide" sagte sie, „ein neuer Tag für uns Heide.. Sie ließ ihn hinaus. Prokop erwartete ihn noch rurd nahm ihm stumm die Kleider ab. „Du," sagte er zu ihm, — du hast; eine neue Herrin.. Prokop antwortete nicht, sondern verbeugte sich nur mit einem respektvollen Lächeln, — einem Lächeln, das wissend war, obgleich es keirren Ausdruck hatte. 15. Kapitel. Der Mai ging setnern Ende zu, die Wiesen standen üppig und schrien nach der Sense, die Bäume waren längst verblüht, setzten Früchte an, und die Schneemassen der hohen Tauren schimmerten bläulich durch die Dunstschleier der heißen Tage. An Reisner waren alle Sehnen gespannt, und er spürte, wenn er die Arme reckte, jenes prickelnde Verlangen des Körpers, das nach Betätigung drängt. Vier Jahre habe ich verschlafe! r, dachte er, nun brauche ick vier Jahre doppelter Arbeit, um das nachznholen, was ich versäumt habe. „Ich kann ohne Arbeit nicht länger fern," sagte er eines Aberchs zu Lucie, „wollen wir nicht unser Zelt abbrechen und dorthin ziehen, wohin wir gehören?" Sie verstarrd ihn sofort ltnb nickte ihm zu. „Wir reisen KV, sobald du Lust hast." „Morgen „Gewiß, morgen." Da gab er Prokop rroch am gleichen Abend Anweisung, Vw Koffer zu packen und fiir den nächsten Morgen einen Wagen zu bestelle, der sie nach Spittal zur Bahn bringen; sollte, unb als es dunkel war, stieg er in ein Boot, um eirr letztes Mal auf der: See hinauszufahren, denn seine Arme brauchten Anstrengung und Bewegung und sein vor Freude wirrer Kopf sehnte sich nach der klaren und linden Nacht, über der der Himmel wie ein unermeßliches schützendes Dach hing, das von dem Glück und dem Frieden der Welt jede Störung fernhielt. Er ruderte tveit hinaus, ließ dann die Ruder fahren, streckte sich im Boot aus, die Arme unterm Kopf kreuzend,' und ließ die Augen in der schwarzblcmen Wölbung ertrinken, in deren ttesste Tiefe sie hinabsanken, ohne doch je auf einen Grund zu stoßen. Glück ist Ruhe, dachte er, und in mir ist keine Empfindung so stark tote die, daß mein Herz nach langen Kämpfer: und Wirrnissen ruhen kann, daß es weder vorwärts, noch rückwärts schaut, sondern in sich selbst Genüge findet. Ich bin glücklich Er ließ diesen Gedanken nur zaghaft in sein Bermrßtsein dringen, fürchtend, daß er, indem er aus der Nacht in den Tag trat, sich als ein Irrtum erweisen könnte, belacht von dem bleichenden Licht des Tages, das ihn zersetzte. Allein es rvar Nacht, Nichts rührte sich, und er hatte! feine Ursache, sich zu fürchten. Eirr linder Wind streichelte das Wasser, das friedfertig mit ihm sprach und dessen Wellen ihm murmelnd darin recht gaben, daß er. wenn auch noch schüchtern, an sein Glück glaubte. Er griff wieder in die Ruder und fuhr das Ufer an. Mit langsamen, zögernden Schrttten ging es zum Seehos hinauf. Zwei Fenster im rechten Flügel waren noch ev- teuchtet. Sie, dachte er, sie... Er gab Prokop den Auftrag, ihn zeitig zu wecken, schlief darauf die Nacht hindurch Ute tot und machte frühmorgens rroch einen raschen Spazrergang auf die nahen Hänge der Berge, wo er, was er an Blumen fand, pflückte, fttm es Sucre beim Frühstück zu überreichen. Gegen nenn Uhr fuhr der Wagen vor, und es ging, als sie etnstiegen, nicht ohne Umständlichkeiten ab, da der Wirt, dessen Hotel immer noch leer war, es fiir angebracht hielt, seine frühen Gäste besonders zu ehren. Prokop saß neben dein Krttscher ans dem Bock; in seinem Gesicht bewegte sich keine Muskel, als er die gs- röteten Gesichter des Dienstpersonals sah, das Spalier gebildet hatte und verschämt die Hände ausstreckte, die sich sofort krampfhaft schlossen, sobald sie das schuldig« Trinkgeld spürten. Sie fuhren den Lieserbach entlang, über das holprige Pffaster des Städtchens, an eurem uralten Schloß vorrei, dessen vornehme, jedoch abbrxkelnde Mauern von Tagen erzählten, die gewesen waren und die nie wieder kamen. „Alte Zeiten" sagte Reesner, „Erinnerungen an wesenes, Geschichte, die rnodert, — ich liebe das, was lebt und leben macht! Mir wird es manchmal schon schwer, an - 2 - jbtdjiett ©ifttten nur m atmen. Me Romantik steht mit einem Fuß schon rm Grab." Me als Beweis, daß die neue Zeit mrt rhrem hergen Atem auch diesen stillen Ort anhcmchle, ertoarteke dre Herden ans dem Geleis des Bahnhofes schon die schwersalltg atmende, riesenhafte Lokomotive der Tauernbahn, ©te troff von Schweiß, ihre Nerven zitterten vor Erregung darüber, daß man sie festhielt, und rußige Männer mußten ihren glühenden Rmchen stopfen. Endlich löste man rhce Mein, und sie schickte sich an, sich in Bewegung zu letzerr. Sie tat es mit keuchender Anstrengung, knurrend und Nnmapen vorr Dampf und Rauch ausfpeiend, wobei aus rhren schnaubenden Nüstern rote Funken stoben. ,,, . , „Alles Reisen kitzelt die Nerven," tagte Lucre, „mm versetzt sie in einen Zustand von Spannung, nach dem ich manchmal geradezu hungere. Nahezu zwei Jahre war ich auf Reisen." „Nud bist doch nicht müde geworden?" fragte Reisner. „Nicht, müde, doch eines stillen Winkels bedürftig, m dem ich mit. Ruhe abwarten kann, was .noch kommt - - - Denn immer denke ich, daß mir das Leben noch viel bringen Mvß." „Roch vieles," stimmte er ihr bei, „wir '.missen nur wollen." M ^ Sie hatte üeschlossen, diesen ernen Lag, der sich schon anließ, noch zu einer Darnpserfahrt über den Wörther,ee zu benutzen. In Beides stiegen sie aus und aßen in einem Garten zu Mittag. „Ein jedes hält uns für Mann und Frau," sagte er, ihr Wem emgießend. „Vor vierzehn Tagen noch wäre mir das Misaßbar gewesen. Jetzt erscheint mrr altes natürlich. Es ist erstaunlich, wie wenig Nebergänge das Leben nötig hat." 4 , ., . ... „Bub doch bleiben ttrtr immer dre, bte wrr waren, sagte sie. „Wir verändern Ws nicht." , . „Aber wir finden, uns, nachdem wir Jahre damit zuge- bracht haben, uns zu suchen, lieber Rocht finden wir uns. Gmrz unerwartet kommt eine Stunde, die uns sagt: Jetzt hast du dich, — der bist du, nur dieser eine!" . Sie saßen noch bei« Nachtisch, als am westlicheil Horizont schwarze Wolken aufzogen, die sich drohend znsammen- ballten, entschlosseii, gegen die Sonne vorzurücken, du ziv nächst nicht willens schien, sich vertreiben zu.Lassen. Nach einer halben In Amerika akkeiu verlebte sie dreiviertel Jahre. Hmt- derke von Hotels und Kenfwuen lernte sie kennen, bald in der, bald in jener Stadt, ungezählte Beziehungen zu den ver- fchiedeuftsu Menschen knüpfte sie an, die ihr alle irgend! etwas boten, düs sie reizte, das aber doch' nicht stark genug war, sie länger als ans Tage zu fesseln. Eine tvcchre Mer war in ihr, aus altem, was ihr begegnete, zu lernen, in jener passiven, abwartenden Art, die Erhört, ohne je eine Meinung zu äußern, die mnmtt, ohne je daran zn denken, auch zu geben. Ihr inneres Wachstum in jener Zeit glich der üppigen Vegetation südlicher Länder. Sie war weit über ihre Jahre hinaus erfahren, mrd alle ihre Erfahrungen lehrten sie immer wieder nur das eine: gelassen, kühl zu sein und sich über nichts zu wundern, da es ja in der Tat nichts gab, das. ein Erstaunen rechtfertigte, denn alles, was in dieser Stmide neu und unerhört schien, wurde in den nächsten Stunden von einem Zweiten Überboten, das noch neuer und noch unerhörter war. Nach reichlich zwei Jahren kehrte sie nach Europa zurück nild ging nun bannt, ihre Eindrücke zu sammeln und zu ordnen. Uno da entdeckte sie, daß von alledem, was sie gesehen hatte, hübsche und zärtliche Erinnerungen cur ihr vasten geblieben waren, von Landschaften, Orten und Menschen, daß aber doch! nichts darunter war, von öem sie sagen konnte, daß es ihr fehlen würde, wenn sie es rächt besessen hätte. (Fortsetzung folgt.) Var Grötzte.") Bon Alfred Bock. Der Schuhnracherrmerfter Waldig saß, die Brauen sufamme«* gezogen, auf seinem Dreifuß und grübelte vor sich hin. Da tag sein Werkzeug, und er hatte nichts zu tun. Das bißchpu WcPrbekh das ihm verblieben, war nicht Gr rechnen. Krch dafür fehlte ihm das nötige Leder. Oie Leute selbst.trugen ihm mit ihren Mrisseneri Trittlingen wunderliche Sachsen Ul. Die sollte er verwenden. Gestern hatte das Fräulein Hübner ihren alten SchulrarMu gebracht ! Ttie Zeit war vorbei, da die Herren vom Alpenverein bet ihm die schweren Gebirgsschnhe bestellten. Darin war er Spezialist und hätte ein schönes Stück MD verdient. Das Verdienen war'A freilich nicht allein gewesen. Es war eine Lust, in der Werkstatt die jungen, lebensfrischen MwUM nur sich M sehen, llnd wie sis erzählten! Von Gratmr und Gletschern, von lichter Schnee Pr acht und senkrechten Wänden, von zacke ngeschmückten, wilden Hängen, vorr silbrigen Rebeln und »Mißen Wolken, die der Sturm in wllews Wirbel jagte, von halsbrecherischen Metschertonren, da an ttef- geb-ohttem PiM einer den anderen in Pie Höhe Zstctz vion griArenj Matten und Herdengeläut, von blauen Nächten und Sterngesimkek. „Wenn unsere Hütte eingeweiht wird", hatte der AWfor Hill- gärtner gesprochen, „müssen Sie mit, MeMier. Sie machen Ms die standfesten Schuhe und haben ein volles Anrecht darauf, droben! unser Gast m fern !" Vorgestern hatte in der Zeitung gestände«, der Assessor Hillgärtner war gefallen. Ter Aod hatte mtter den Herren vom Alpenverem eine schreckliche Ernte gehalten. Ter Meister legte die Hand auf,die Stirn unb seufzte. Ter furchtbare Krieg! Es war ihm, als säß ihm ein Alp auf der Brust, daß er nicht frei atmen ilonnte. Zmch .JchrgM hatte er draußen int Feld. Draufgänger waren's, hatten Mut für zehn. Wer wollte sagen, ob er sie wiedersah! Hmt nacht hatte ihmj geträumt, seruf Aelrester, der Hernmnn, mn schwer verwundet ms Hans getrayeni worden. Er, der Meister, hatte so laut geschrien, daß ihn fern« *) Der Kheffatz ist den vom iKriegsbnMMr des Uesthöban^ DireLormmS heransgsgcbenen RachriäMr für di« Koldarrkanst' stelle entnommen. a — «NM ftwtte. Die Urach: .Heinrich, sei. smt. Gnck die GE, hinauf vnd hinunter, La ist fast ketzn, Hmts, wo sie nicht um einen Gefallenen trauern. Wir haben -mrsers Buben noch. Passiert etwas, was Gott perhüt', nuissM wst-'s tragen wck «adere mvch!" Er war in all den der Mt unL LurmMg. Sems Man war HM die Stärkere. Gut, Laß er eins hatte, an das er sich hielt. ' Ws Ä öffnelk sich, mtb «ist SOlaiat, k ern« Kiepe mit TSpfer- ftwxfiit (Ei| dem Rücken trug, trat herein. .M, der TalAird, her Töpftrftanz!" WM UM der Meister wM- WkWWM Mr LöpftacheoM war ein hoher Fünszigsr mit ürmvMtzSm Gesicht und dmÄWr, Wugen Mgsm Er b-etmeü das Töpsechmrdlver^. ßn einem- Dörfchen der gjessgMtkn WattevE. SÄne Irdenware, war ttn ganzM- Meis und darüber hdmus bekannt. Mcht fetten gingen! wahre Prunkstücke aus seiner Werkstatt hervor, wie denn seine Ware in der Feinheit der Farmen, im. Glanz der Farben das meiste überragte-, was man. sonst von derlei KrxengniMn in den Lädeck und aus den MBM» M HMe iöÄr Wanz». mm rmch seimnr ©ijtjt HrvLigWDM Lot m den MädAnunV Dörfern feit. Ans seinen Tellern mb SchüMn Las mM Rckmp und- Spruchs, die er! in stillen Stunden erfaßte. So durfte 'er mit Fug und Recht als KüuWer und als Dichter gelten. „Me gcht'L, Franz?" fragte der SchiHndachrrrnckstW. „M>> so la lä!" antwortete der Töpfer Md. setzt« seine Kiepe auf den Boden. ! _ . _ Du kommst weit herum. Was spricht man denn vom Krwg?" Der Töpferftanz hob den Mpf. „Wir haben ihn nicht gewollt. Wann er anfhörm soll, must von Ms abhängen!" ^ Seine Astgen blitzten und seine Züge kündeten eme bittere Entschlossenheit. Er schilderte die Ltzten. Äi# mr Westen, als wäre er mrtterr da-wischen gew-eftm. Da sah inan .Afrikaner, gelbe Kaöchlen und^ C fi»« ..„«mA. im*m @-nha\r C\tnrfpv Kurt Kinn ffv’nl lend flogen die Granaten. ScharHackige Sprengstücke sausten umher. Und jetzt die Unfern im wall Sacken Tanipf, aus ihren Maschinen gewehren einen Hagel von Geschossen eirtsendend, Feuerström« aus ehernen Mündern. UnauAlltsam, ein« gewaltige Welle, drängen die Deutschen voran. TrsmnreÜvirbel, lautes Hurra ! Der FeinÄ- ist geworfen. — Dem Schuster, obgleich er nicht so teischt m Hitze geriet, pocht« das Herz an die Rippert. Zäh irmrde der Vortrag des Töpfers unterbrochen. Nachbarn vnd Nachbarinnen stellten sich ein. Sie hatten gesehen, daß der Franz ms Schnsterhaus gegangen lvar, und wollten, eh daß er chnen enAvifchte, allerlei Irdenes von ihm erhandelst. Sie wnstten, er hätte seine festzen Kunden, liest.niemand nach, im Hmid-u-midrehew war alles verSmft. Ms die letzte, MgMch mit der Meisterin, kam die Witfrau Zutt herein DÄ übergab dem Schnhumcher eine lederne GeMaK, Me ein Vorfahr vor vierzig oder fünfzig JtthMN «tragen hatte. Dsr Meister sollte sie -Mrschmeiden-, sollte ihre alten Lappenschnhe damit besetzen. Auf die Geldkatze deutend, sagte der Töpferswnz: „Me jetzt voll Gvldstücker. Das wär Mrs gesthafft filrs Deutsch« Reich!" „Mit dmn Goldtverk, das man abliefern soll", sagte die Göbels- IMarie, „machen sie jetzt einen großen Spektakel, 's fragt sich, ttitts dann wirtlich so nötig?" Die lange Müllern näselte: FIch Hab' eine goldene Brosch, 's ist ein Erbstück von meiner Mot'. Ich geb's nicht Herl" > Die dicke Frau Rothenhausen, die trotz der allgemeinen nnttigel- Ernährung noch wenig oder nichts,an Gewicht verloren hatte, elte heraus : „Ich Hab' ein «olden Kreuz. Mts behM ich, Vas ist mir heilig!" Der Schreiner Mulmann verriet: „Ich Hab' für alle Fäll' fünf Zwmrzigmarkstücker weggesteckt. Sollten doch die EnglÄcker und Franzosen oder gar noch die Russen lammen, stellt mein Papiergeld nft vor. Weis' ich ihnerr aber die Wvldstücker, kann ich mich manwrnerm!" Seit vielen Monaten waren viele hnnderttMrsend Stimmen laut: „Ihn Männer und Frauen, gebt euer Gold heraus für des Reiches Kraft und Sicherheit!" Und siehe da! Ist der Werkstatt des Schusters ward's offenbar: alle, die hier heisamnren waren, oerx wahrten noch Güldenes im Schrein. Während die Mäuler wie die Flachsbrechen gingen, machte sich der Töpferfranz bei seiner Kiepe zu schaffen. Mm langte er ernte! schön glasierte Schüssel hervor und sprach: . „Die ist letzt ans meinem Brennofen kommen. Und steht ein Spruch darauf. Ich les' ihn euch vor: Was ist das Größt« ? Auf Dornenwegen Ein dankbar Herz im Busen hegen! Habt ihr's einchj einmal recht überlegt, lvitts unter dm Menschen mit dem Danken ist? Vielmal hört ihr sagm: ,Jch danke!' Ich schätz, Lei den Ddchrstm geht's nicht tief. Ihr habt einem eine Guttat erwiesen, nnd er begehet euch. Ihr dmÄ, der lacht jetzt mir dem C euch nicht an, fehlt mir t euch über dm Rauh- pntscher rmd sprecht : Mr tätm'L anders machm !' 's liegt tvie Mus Dunkelheit über dqn Mtzensschm, daß sie nicht recht danken Gmmm! Hand aufs Herz — weil wir grad vom Danken schwätzm —, habch ihr euch denn mtzL auseirrandergewgt, wieviel Dank ihr auermj Wrterland- schuldig seid ? Die WOrheit darf nmn nicht oevttuMn Wann man euch allweil reden hört, kann nmn irr werden an euch. Das Vaterland, das euch schützt und nMrt, spricht: ,Zch brauch'! ensr Gold!' Gewiß, die Wmwr ist nicht brüchig. Sie muß a&aj frischen Mörtel haben, wo jM so dagegen gemiiLt wird, llnd ÜM Mörtel ist eben das Gold. Wann die Mauer zusammenGiW, ihr könnt mi-r's glauben, dann salbt ihr tust. Att euch liegttL, dich sie! nicht brüchig wird. Da hör' ich mr. jedes von. euch- hat noch OiM oder Goldsachen, lwgrin. Di« Frau BWMr hat eine golden« Bwsche und gibt sie nicht her, tveil's ein- ErbsWF isst T«: Wrau Rothen--! hcrusm hat ein goLmes Kreuz und behÄtts, weit's ihr HMg isst. Stünden Äch Toten- auf, was würdesr- dch sagm ? ,Wr ivarnr mrst unser Vaterland 's tviar unser Mrt und unser Halt, 's war unser Glück mrb uns«« Drost. Mr wiMn5s, das das GM nicht selig macht. Sollen wir euch uiM Mxuftmlos. sb-Ättn, gebt euer Gold dem Vaüwlaud!'' So täten die Mtm sprechen. Und nu der Herr Nnkmarmt Hat sünst ZwÄnzigmarlAick« wWWstsckst Herr Astlmann, was'sÄch sch schief gawiMt. Schfhtz' den Fall, der FoiNL konrmt ins Land, lachst Jhmm- Ihre OAldMcker heraus. Wss danmÄ ,W«r fvvcht hat, der hat amh noch mchr!', um&m die SmBuöm klngieren. Und schnuppern im grmWn .Haus hermn. Tßrd wftM kprnen Stein aus destt' aridern. Mch tzrücftm Itzum pn SGuG mv Gurgel zu!" Den Herrur Apllnami Wertief ein balwr Scharr, und er macht« ein Gesicht wie jdije Katze, wckm's donnert. Der Töpferftanz aber schloß: „'s hat nttr doch- geschwant, wir ich dm Spruch, Mist die Schüssel malt': Was ist das Größte? Anst Tornomvegen Ein dankbar Herz-, im Busen hegen ! Di« da mamizen und mnrrm in der Wverm- Zeit, bk muH m«Nt bedauern, ja verachten. Die wanriWU MenMen merbm's nichts 's ist ein Wachsen rn all der Rot, ein stilles Mühen in all' dem W°> drang zn künftiger Größe und Herrlichkeit!" Ms ob -ein Mner in ihm bremrtL',, hatte der Töpferfranz- geredsst Alle lauschtm mit gespannter Anftnerksamstett., Mordsappermvn^ der Franz hatte was As. Tirs hätten sie ihm- wicht, Migetvmtt. CM Eiszapfen, der nicht warm dabei wurde. Mck> die Nächbarn und dtachbarinnen tratm an- die Mepe untz erstanden, was sie Mr ihrc'N Hanshait brauchten-. Ein MertM-, Mldchm, nintz die -Mepe war leer. .WkWenikstmr entfernten sie sich: Die Worte des Töpfers aber gttrgm ihnen nach. AM anderen Morgm war's, an der GrLankanft'tellv, daß Viv MchAn Zntt und die lange Müllern sich ttafm. Mn« sagte es der anderen, was sie für BpoDhp nnd Krenz «rhÄwn hatten. Tie dicke Frau Rochenhausen, ein golZmeS Arnkbsnö m Ser Hand, gesellte sich hinzu und ktzuchtc : f unter, als daß so was möglich wär'!" Ein Verlegenheitslächetn schwebte mf : chrsn-- Lippm. „Ja, jch der T öpferftanz der hatts rms HM doch SeigeSrachtz!" wem Ser vrie:trSger ksmnit. Von Louise SchulzrücL Mntcritiorgen auf dem Dorf. Räch Ms nicht hell, der Schme leuchtet aber, und in dstrsem weißen SchlÄr. sind die. tftirmn Fkmst-er, hinter denen- schm Licht, ist, tpM-MWtzt. Di« Straße ist M, aber die Ställe sind schon »fern Dampf, aiMt aus dor WÄrnw in ÜM Winterlnft, Lüternenlicht bewegt sich drinnen. Am Himmel steht noch die Mondscheibe. ^ , .... Und jetzt öffnet sich hier eine der Türen rn dm mÄriMw Häusern und dort eine. FrausuWpfe schäum heraus, FvaAenangsn spähen die Strafe hinab, zßchen sich wieder Mrrück. Dann taucht eine GchM' ans, mt hagerer, alter Mann stapft durch den ScAree. Er trägt schwer an der Tasche^ die er mngzchängt hat. Man hört ihn nicht gehen nn tiefen Schnee. Wer weiß Gott, sie sftid jetzt alle an den Türm, die Frauen, jung« und Me. Wnscheligk Mädche-nLöM, greise Mütterchen, derbe Frauen. Kinder laufen dem Manna entgegen. hindurch kaum eine Sendung hm kommt, da hat er jetzt alle paar Tage zu bestellen, und sein Po-Mereu, dm er den Tag zrvermat nach, dem Bahnhof schiebt, ist schwer von Fsldpostpäckchen. Und er, der nie Soldat war, mrd jetzt nicht einmal.Mit. gennp hat, rn der ZeittMg vom Krieg M lefen> er weiß doch genug von rhin. .Mehr Violleicht als mancher, der ewig über dm Mittmgew Ja, ja, er Vmut den Krieg. Mcht die Schützengräben und die Schlachtfelder. Nicht tm Tod, Bermchttmg, Hölle ans Erden I Nicht den Kampf Mann gegen Mamr — den schrecklichem, grimmigen, mörderischen. Mer anderes! . . ^ ~ n~ Das Warten, das bange, zitternde Warten, Tag für Tag, (sfctnbe für Stimme. Das hoffnungsvolle Warten, das — vergebliche. Er sieht irr alle die Augen, die ihnr entgegenschanen, Tag für Dag, Stunde für Stunde, junge Augen und alte. Rotgeweinte, halbblmoe — blitzende, erwartungsvolle, unruhige, sehnsüchtig brennende. _ „ Er sieht die Hände, die sich ihm entgegenstrecken, braune arbeitsbarte, verrunzelte alte, weiche junge. Zitternde Hände, dis Laum die Karte fassen und kaum den Brief halten, begierige, dre ihm schon entreißen wollerr, was er bringt, zögernd ausgestreckte, die doch leer bleiben müssen. Er geht durch die langsam heller werdenden Gassen rmd aus ejnem Hanse in das andere, und weiß, was er in jedes hineinträgt. Weiß auch, in welchem fte z-chs-n lange warten, allzulange, und wo sie nickst mehr warten. Ans einem Hanse ins andere! , Tenn da ist kaum eins, aus dem keiner fort ist. Männer, Söhne, Brüder, Väter. In dem kleinen Häuschen, aut' das 'er jetzt zufchreitet, da hat die alte Frau, die allein drinnen wohnt, drn Jungen im Krieg und acht Enkelsöhrre. Er ist nicht sehr weichherzig, der alte Briefträger, aber wenn er hierher Nachricht' bringt, das freut ihn doch selber. Und er rechnet sich ans: vom Lorenz ewe Karte, und gestern hat der Pitter geschrieben, und am Montag der Hern Ter eine ans Rußland, der andere ans der Schampann, und der dritte aus Flandern Ja, nun hat sie doch wieder ein paar Tage Mten Mut, die alte Frau. Gilten Mut! ., x „ . Ten haben sie eigentlich alle, wenn das nicht wäre, dann . wäre es ja auch stürm anszuhalben. rjr . Gut, daß iie Jungen immer wieder ganz mobil schreiben und ihren Lieben daheim das Herz nicht schwer maclstn. Ern schweres Herz foomen sie nicht brauchen, die Frauen im Tors. Denn sie haben viel zu schaffen, viel zu sorgen. Hans und Hof. Achr und Vieh wollen ihr Recht. Und die Kinder lwtteit auch versorgt sein Mid noch dazu gezogen, die großen Jungen sind ganz unbändig, Me spielen sie Krieg, den ganzen Tag. das Lernen wird ihnen noch schwerer als sonst, und der Mutter Hand müssen sie numchmal tüchtig spüreii, sonst gerät's rricht mit ihnen. Es ist eigentlich merkwürdig, daß die Frauen alle so gut zurechtkvmmen. Vorher, da tvar doch manche, die nicht immer auf dem Posten war. Die fünf lieber grad sein ließ und sich gern einen guten Tag machte. Aber jetzt! Ter Briefträger macht eine niedrige Tür aus, die in ein armes Taglöhnerhäuschen führt. Wenn er früher hier vorberkam, . ha war noch alles still — der Mann war schon, ftüh. fort, und die jmige Frau, die schlief noch. Jetzt schläft sie nicht mehr^ Sie hat schon die Geis und das Schweinchen versorgt und die Stube aufgewischt, und der Herd brennt schon hell. Sie streckt die Hand mrs nach dem Brief, und die junge, kräftige Hand zittert. .Ha, die weiß mich jetzt erst, was sie an ihrem Mann hatte", denkt der Briefträger. ^^ ^ Er denkt so allerlei, wre er wertergeht. Nun kommt das Hans, m die alte Frau am Fenster steht; schon seit aller Herrgottsfrühe. Sie steht und wartet auf ihn. Sieben Monate nun schon. Sieben Monate lang ist ihr Leben mrr Warten. Nichts als Warten, vom Morgen an, wenn er vovbeigeht, ans den NackMittag, wo er wieder- kommt, und darm die lange Nacht hrndurch wieder auf den Morgen. Ans den Einigen wartet sie, auf Nachricht von ihm, aus ein« Gewißheit, auf irgend eine. ^ Ja, eine Mutter! Dre hofft noch, tvenn larrge, lange nrchtS mehr zu hoffen ist. Er faßt die Tasche fester, als er bordergeht. Er hat wahrhaftig auch nicht allzuviel überflüssig, aber er gäbe etwas darum, wenn er dieser Mutter jetzt etwas aus ihr hevausholen konnte. Ja, die Tasche! Aus der ist schon allerhand heransgeÄmrmen m dressn achtzehn Kriegsmonaten. . . Er rechnet nach. Bierzehnmal schon ist es gewesen, daß Briefe oder Karten znrückgekommen srrrd mit der Aufschrift „Adressat gefallen" oder „Adressat vermißt". Oder einer der Briefe, dis man nun schon beinahe kennt — Nachricht von der Kompagnie an die daheim — schlimme Nachricht. Zum Pastor hat er solche Briefe getragen — der hat's dann denen be'gebracht, die's angeht — wenn sie's itiodj nicht wußten. Tenn meist ist schon die Kunde davon voransgeflogen — irgendwie hat man's schon geahrtt, gewußt. Bös« Nachricht reist schnell, mich im Krieg. > Aber manchmal lvar doch die »böse Nachricht fälsch. Eine Zeitlang war's wie eine SmA im Dorfe, alle Tage hatte man einen andern jojgesagt — geschrieben haben sie's gar aus dem Felde, nachher war's, Gottlob, doch nicht wahr. — Er hatte bann dre Priese der Iotgesagten gebracht, er hat manchen Schrei gehört dabei — Herrgott, können die Weibslente schreien.- freien und weinerr! Bittere Jammer tränen, aber auch Freuden» träum! Wenn er früher was gelesen i-at von Freudenttänen, dann hat er imurer gÄxrcht, das ist so ein dummes Geschreibsel- ja, jetzt weiß er, daß t» FrsrchsntxLrmr gibt, icke es Frerkdenfthootze gibt. Urrd. er nimmt die Karte fürs nächste Haus in die Hand, da gibt's auch Freude! Das Kreuz hat der Junge gekriegt, und in Urlaub Kommt der Junge auch Wie der Vater iwt£> die Mutter stolz mrd froh sein werden! Und noch eine! Eine, die auch Ijeiite eine Karte kriegt. Der Alte schnrmrzelt. Ten zwei Mten war's nicht ganz recht, wenn! sie davon wüßten. Sie haben was arideres fttr ihren Jungen, Wer 's wird ihnen rricht viel nützen. Die zwei kriegen sich doch. In .Friedenszeiten wär's vielleicht nicht so ffeftwmttien» Da hätten'- die Alterr nicht gelitten.. Mer jetzt, jetzt werden sie doch nichts wachen körmerr. Die zwei, halten fester als je aneinander. Ja, der Krieg, denkt der Alte. Des einen Not, des andern Freude! Terr einen macht er tot, den andern rot. Schrvere Zeit ist's, aber auch große Zeit. Es ist jetzt heller Tag und die Schnkglocke läutet. Aus allen Häusern Lommts, laut, lustig, rotbackig. Schneeballt sich, pufft und knufft und überkugelt sich im Schnee. Da — da gibt's eine Schlacht! „Engelänner — Engelänner — haut se!" — Das ist die Losung! .Haut rmr drauf", denkt der Briefträger, „gebt's ihnen, den Kerlen, Kloppe müssen sie kriegen, daß alle Schwarten krachen." Und dann muß er doch lachen. Beinahe hätte er da selber einen Augenblick Lust gekriegt zum Dveinhanen. Krieg! ist Krieg ! vöchertisch. — In Reelams Universal-Biblivtbek (Leipzig) erschien: Nr. 5951—5953. Johannes Scherr, Michel. Geschichte eures Terrtschen unserer Zeit. 2. Barrd. (330 S.) Geh 75 Pf., geb. 1.20 Mark und 20 %> Teuerrrngszuschlag. — Nr. 5954. Karl Bröger, Ter unbekannte Soldat. Kriegstaten und Schicksal« des lleuren Mannes. — Nr. 5955. Winfried Lüdecke. S. M. S. „Trestmr". Nach Mitteilungen von Offizieren und Mannschaften. Mit drei Abbildungen. — Nr. 5956. Albert Kehm und Ntartin Frehsee. Ms ich noch im Flngelkleide. Ein fröhliches Spiel in vier Aufzügen. — Nr. 59ä7—5960. Kriegsgesetze des Tentjch:» Reiches. Mstes Ergänzmrgsheft. Mgeschlosien am 1. Juli 1917. TextanSgabe mit kurzen Anmerkungen und Sachregister. Herausgegeben von Karl P a n n i e r. — Nummer 3886 der Leipziger „I llustrierten Zeitung" präsentiert sich wieder als reichhaltige Kriegschronik. Sie enthält aber auch zaljlreickst Bilder und Texte niclstkriegerischent Charakters, darunter die doppelseitig wiedevgegebene Zeichnung Felix Schwormsbädts von einer hübschen Syene aus dem Weih», nackstsleben in emeni Kinderhentt, ferner n. a. den reich illnstrierren fesselirden Artikel „Kaffeehäuser und Kafseegärten" vom Tr. Val, Tornius sowie eine Wnrdigmrg des Dresdner Malers Rtcdolf Otto aus der Feder von H ofrat Do enges, der die bisherigen Hauptwerke des aussichtsreichen jungen Künstlers in Wbildicngen bei- gegeben sind. Im akttrellen Teil des vorliegenden Heftes steht die bildliche Berichterstattung iiber die erfolgr-eiche Offensive gegen Italien im Vordergründe. — T ie Weltliteratur. Heft 52 enthält: A. Tfchschosft Des schwedische Zmrdholz. Wolodja. Vexierbild. Dort ist ja die Frau vom Gutsbol, die wird davonlaufen, wenn der Schuß kracht. . (Auflösung in nächster Nummer.) Auslösung des Merkrätsels in voriger Nummer. Knecht Ruprecht. Schrcktlemmg: W. Meyer. — Zwrllmgsrunddruck der Brüh l'schen Umv.-Bnch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.