Die Rächer. Roman von Herrn ann Wagner. (Fortsetzung.) Was war ihm geschehen? Eine Frau hatte ihn betrogen . . . Was lag daran? Frauen waren billig, und man hatte genug Gelegenheit, sich an ihnen zu rächen. Aber von einer Frau verraten zu werden und dabei zur Ohnmacht verdammt zu sein, — hatte er dieses erduldet? Nein!! Neisner ging mit hastigen Schritten das Seeufer ab. Die Wellen bellten ihn an. Bellt nur, dachte er, ich fürchte mch nicht, ich tue doch das, was ich wünsche! In mir ist eine Kraft, die nicht überwunden werden kann: die des Hasses! Neisner schlug, ohne aufzusehen, den Weg zurück nach dem Seehof ein. Ein kleines Mädchen, das spielend mitten auf der Straße saß, hätte er beinahe getreten. Es schrie auf und kroch furchtsam auf die Seite. Neisner merkte es gar nicht. Leute blickten ihm verwundert nach, von dem Drohenden in seinem Antlitz sonderbar berührt. Ein Mann grüßte ihn, doch Neisner dankte ihm nicht, da er seinen Gruß nicht hörte. Da schlug Plötzlich ein helles Lachen an sein Ohr. Noch immer sah er nicht auf, denn er hatte den merkwürdigen Gedanken, daß dieses Lachen aus jenem finsteren Traum käme, den er träumte. Allein das Lachen wiederholte sich, und so hob er, wie erschreckt, den Kopf. Er stand vor der Freitreppe des Seehofes. Auf den mittlerer! Stufen aber hatten drei Menschen eine kleine Gruppe gebildet: eilte Dante in einem hellen Kleid, mit einem blaßgrünen Seidenschal um den Schultern, ein junger Mann, der seinen Panamahut in der Hand hielt, und der Wirt. Neisner regte sich nicht, ihm war, als habe sein Herz aufgehört, zu schlagen: die junge Dame, in deren.vollem, rotblondem Haar die Sonne ein goldenes Feuer angezündet hatte, wandte ihm das Gesicht zu und betrachtete ihn schon eine Weile auf eine Art, die doch über ihn hinweg oder durch ihn hindurch zu sehen schien. Und aich der junge Mann war aufmerksam auf ihn geworden. NeiSner sah sein harmloses, hübsches Jünglingsgesicht, in dem ein Paar lebhafter Augen fröhlich lachten. Er konnte kaum älter als zweiundzwanzig Jahre sein. Neisner nahm alle seine Willenskraft zusammen. Die Entschlüsse jagten sich in ihm, sie kamen und er verwarf sie. Was tue ich? fragte er sich, wie soll ich mich benehmen? Plötzlich brachte er es fertig, zu lächeln und höflick) den Hut zu lüften. Nur ganz leicht war sein Gesicht noch verzerrt. Aber schon kam ihm der Wirt zu Hilfe. Er eilte ihin entgegen, machte eine Geste, die die beiden Parteien verbinden sollte, und sagte: „Gestattet! die Herrschaften, daß ich unseren neuen Gast vorftelle: Herr Neisner aus Berlin-- Frau Blümner, Herr von Webenau!" Neisner hatte sich endlich in der Gewalt. Er sah Lucie Blümner fest an. streifte Herrn von Webenau mit einem leichten Gleiten seiner Augen und verbeugte sich. „Aus Berlin?" sagte Lucie Blümner, „oh, dann sind wir ja Landsleute!" „Mehr als das," sagte Neisner mit einem Ernst, der grell von der Situation abstach, „wir sind sogar aus der gleichen Stadt: ich bin Hamburger, gnädige Frau!" Er sah es, wie sie sich verfärbte, und ein immenser Jubel sck)wellte seine Brust, so stark nnd süß. daß er seinen Kitzel in allen Nerven spürte und sich erschauernd fragte, woher er käme. Lucie Blümner sah ihn tastend oit. „Kennen Sie. mich?" fragte sie, durch ein Unerklärliches an ihm unsicher gemacht. „Nein." antwortete er mit vollkommener Ruhe, „aber ich hoffe, daß ich Gelegenheit haben werde. Sie kennen lernen, grindige Fr an!" Selbst Herr von Webenau merkte jetzt, daß irgendein Unerklärliches in der Luft lag. „Es ist noch ganz bot hier," meinte er, nur um überhaupt etwas zu s-agem ,/vir komnren von Meran .. „Ebenso wie ich/' erklärte Reisner. „Ah!^ entftchr es Lucie Blümner. „Auch Sie?" fragte Herr von Wsü-encru, durch den Ans«- ruf Lncies erschreckt. „Gewiß," sagte Neisner, „oder finden Sie, daß daran etwas Ungewöhnliches ist?" Er maß beide mir einem flüchtigen Spott und.setzte sodann hinzu: „Darf ich dsn Herr* schäften verschlagen, noch ein wenig in den Garten zu gehen'?" Es gab eine Pause, in der die beiden zu. überlegen schienen. Aber da lachte Lucie Blümner plötzlich auf. ,Marrnn nicht," rief sie aus, „gehen wir in den Garten!' „Ja," sagte mit einer geschmeidigen Geste der Wirt, „der Abend ist w-underbar mild!" 13. Kapitel. Es klopfte, und Prokop erschien lautlos im Rahmen der Tür. Reisner erhob sich rasch, griff nach seinen! Hut und fragte: „Ist er fortgegangen ?' „Ja," antwortete Prokop. „Er geht zum See hinunter. Er will rudern." Wenige Minuten später tvar dieisner am der Seite des Herrn von Webenau, der seinen Gruß förmlich erwiderte, und nicht geneigt schien, eine Unterhaltung anzuknüpfen. Reisner indessen klemmte sich mit der Kaltblütigkeit des Aelteren und Erfahreneren, dem die Ueberlegenheit etwas Selbstverständliches ist und der sch daher nichts vergeben kann, an ihm fest. „Sie wollen rudern? Es würde mir Spatz mack>en. Ihr Partner zu sein. Nehinen Sie mich an?" — 538 Herr von Webenau.wich dem harten, fast drohenden Blick, der ihn traf, erschreckt aus. „Gewiß," pflichtete er, ohne es im Grunde zu wollen, bei, „warum nicht?" Sie lösten das Boot von der Kette und sprangen hinein Reisner nahm die Ruder, Herr von Webenau setzte sich an dase ,altl «men Unfall geglaubt Herr von Webenau schmieg. Reisner sah ausdruckslos vor sich hin ins Leere. „Sie ahnen nicht, junger Manu, wie häufig sich solche Unglücks- falle ereignen, ^ch selbst weiß von einem, der — es sind viel mehr als zwei Jahre her — ans der Hamburger Außenalfter passiert ist." ö Jf r fa^bn völlig apathisch und fernen Erinnerungen hin- gegeben. „Es war damals ein Tag wie dieser. Zwei Männer ruderten in einem Boot. Mitterr auf dem Wasser sie in einen Streit. Und wissen Sie, was der Grund rhre^» Streites war? Ein Weid! Der eine von den beiden dres^ Weibes - gewiß, kein Mann, der: Sympathien verdiente, denn er mißhandelte die Frau, die Immerhin, er büßte an diesen- Tage jcyw^., beim, was glauben Sre, was geschah?" . In dreier Frage lag ein stummer Schmerz, vor den: der lunge Mann rm ^nrrersten erbebte. Scheu und verstohlen Si^Ä^? ^ einom W er sich da „Der Gatte jener Fraw, um die der Streit entbrannt Iva,., ertrank, ertrank vor den Augen dessen, der ihn ans dein Boot rns Wasser geschlchtdA-t hatte," ergänzte Re-Swer in entern Done, der etwas Feierliches hatte^ Und wer, glauben Sie, ,var der Mörders " mÄL-, °"bevv," sagte Herr von Webenan w»er° wrllrg und m,t vor Spannung angehaltenen- Atem. „falsch! Die Frau!" „Die Frau —?" ..erstaunt?" Reisner machte eine zornige Ge- ^^A.nrcht, wenn Sie älter wären und sich Ach/ von ernem Schjern bl enden ließen, der immer triiat* ^^fasfan Sre von den Frauen? Sie glauben denr Gesicht das Sre anlachelt, Werl Sie jung und hübsch sind, und das Oie verraten wird, wenn Sie nicht blindlings Das tun, wuv es will. Sre sehen m der Liebe noch ein Spiel, wo sie voch ein Kamps rst, ein Kampf, in denr der Mann unter- lregen muß, »veil er der Arglosere ist. Denn nur Lumven und Zynrker beherrsche die Frauen ^nipin. ;r f lt3 & r ^ r> mit Aermel seines Hemdes über die be- 689 — gerlte Stirn. „Verzeihen Sie nrir, wenn ich vorhin heftig zu Ihnen war mrd Worte und Drohungen gebrauchte, die Ihnen gegenüber nicht angemessen waren. Aber ich mußte meine Zuflucht Mr Gewalt nehmen, weil ich Sie sonst nie dazu Gebracht hätte, mich ruhig anKuhören, da die Dinge, die uh Ihnen Kn sagen habe, nun einmal bitter für Sre sind... Ich möchte Sie zugleich anflehen, diesen Ort schleunigst verlassen, ohne sich zju besinnen, ohne sich noch einmal UMMvenden... Die Sache sitzt nicht tief irr Ihnen, glcuv- berr Sie mir das; das Ganze war nicht mehr als eine Tändelei, die Sie vergessen werden, sobald Sie andere Frauen treffen... Jene eine Frau aber ist nichts für Sie, sie gehört nicht Ihnen, sie gehört einem anderen, —■ und rch müßte Sie töten, — wenn... Mer lassen wir das! Gagen Sie mir, daß Sie wir folgen und biefeu Ort unverzüglich verlassen werden!" (Fortsetzung folgt.) Lhrlstnacht. Von Otto te Kloot, Essew (Nachdruck verboten.) Unter doppelt gerefften Sturmsegeln stampfte und schlingerte vre Treimast-Schouerbart „Betsy Hmrichs" gegen den tmitenden schneesturm an. Sie stand auf der Höhe der Orkney-Inseln, aber es war rein Gedanke daran, in eine der schützenden Baien einzu- laufen; kaum daß sie Atem genug.behielt, um nicht völlig abge- trleben und ans dre Felsen der schottischen Krisle geworfen 51 t toerden. oit Ballen, in Kbnnipen, in tlatschnrden, wirbelnden Fetzen stürzte der seynee herab, an Takelwerk und Reeling klebte das Eis wre ein dicker Uebeczug aus Glas, ihre Topp- und Seitenlichter starrten düsterrot wie erschöpfte Augensterne ins Dunkel. Die gvaugelbe, tückische See vollführte einen wahren Hexentanz, peitschte Blanker: des Suffes mit drölMenden Schlägen und brach üi wilden Brechern über das Achterdeck. Ter Mann am Steuer hatte das Ailssehen einer Ae dien Etspyramwe. Langer als eine Stirnde hielt es dort keiner aus dann kämm sie heran und gruben ihn ans, imd ein anderer trat an seme Stelle. Hinnerk, der Zimmermann, und Bootsmann Gören sei: hattm sich unter der Laufbrücke in einen Winkel gedrückt. Ihre Oelmäntel und Südwester glcüizten vor Nässe, — nur ans schmalem Spalt Woben sich ihre ^breiten, roten Gesichter über den au sg cstivptM srragen hervor. Sie zogen an ihre,: Stummelpfeifen, die Sturm und Schnee immer wieder verlöschten, mid Görensen fingerte in sturer Ta;che nach ernem Rest Tabak herum. ai ,''§ a& H S r rir U 1 i b f 110frfyllHmn,t oben dranf! Dann geht bre Tür auf und meme Alte kommt herein urtb ist ganz rot vor Kvch.n und »rateu fa a t fie. „magst btV Lp^ Ec-°dcr m Butter?" - „Sit Bntwr — in Butt«" ft ^>6 fte.iire Zrn l»tn»nsa«i>eht toitb. So eine Braguct! Und int Nebenzimmer ift so ein Jinifton unb Knackern. “s 6 “"f erc Piepmaus, bte Grete, steckt beit Kopf zur Tür lrrncii, ,.^dt>mmt er d« Weihnachtsmann, Bat«," sagt sie nnd'knallt m ! M-a U . l !„ i Vr a 5 t kc A t ,- l !r dcu Wänden riefe». Und dann! gi&t» eut Geläuf und Gelachter und Essen ... ein Esser: ^nge. Junge, Jim ge ..." Und im Vollgefühl des Genusses schnalzte er mtt der Zunge am GaNmen. < Gln vi!, lmderWiirdstoß lagte einen Schnerknäiiel hinein und de be den ms Ge,vcht. „Da .hast du deiueu Braten," pustete Hein sich aoschüttelnd, „kauujt dich beim Käpt'n bedairken, der uns die Geschichte emgebvockt hat, Haben es alle gesagt, dieJüngmdaß es so kommen wiirde. Hätte er 12 Stunde:: früher losgeworse:^ so lagen wir letzt säuberlich im Hafen von Aberdeen und tailteii an nem guten Bi,sen. Mer nein, der Alte muß seinen Stiernackest «ufietzen, inn noch em paar elende Kisten und Ballen iibmiL nehmen uud uns u: diese Hölle hineinznjagen ! Waren alle cif ent l y!J ren knnrrrg wie bissige Hunde! Du kannst es iricht wissen J PGlt 011 ÜU Land warst, aber ich sag' dir, bald hätt's was gegeben, so ums man '.ne Meuterei nennt. Mer wlrden es Am zeigen, dem . . Er verschluckte das ruckte bm Kopf vor und spie auA. ' ^ oas kein Narr," bullerte Hinnerk ihn an, „laß dich nicht in solche Jungereien ern. Mernst du. der Alte könnte das Wetter machen ?, Oder daß die Fvckrah über Bord ging und die lifebvats srnd? Die .Heckjvlle ist auch fvrtgerissen, die Leins Meist hinten :m Wasser! Halt's Maul nnd sieh lieber nach dem Hecklicht, m:r scheint, der Sturm hctt's ausgelöscht'" . Dem rappckte sich fluck-end aus seinem Winkel hoch und kroch out Händen und Füßen nach achter::. Nur eine 'kurze Wieilk Wat er fort, als dumpf.und verweht sein Ruf herüberdraug- „Hinnerk, Hmnerk, mach fort — hierher!" Nun erhob sich auch der Gerufene und tastete sich unter dem Schutze der Liwreelmg nach, hinten. Hein hing mit den: halben rSrl über die schauzklerdung uiid starrte ins Wasser hinab. „Was hast denn warum schreist du wie besessen?" fragte Hinnerk, ihn derb an der Schulter packend. l „Sott mich der Böse holen," brummte Hein, „wenn ich nicht soeben einen Sch^e: gehört habe — weißt du. als ob em Mensch das'^D^sW bwab^ b ° rt tam ^' ^ rauf '" und er loies gnade auf ..„„binneri 'beugte^sich weit« vor. Ter .Schn« wirbelte u>nb wbte in so dicken schevcchei: vorüber, daß nur ab und zu der. Kamm emer Woge hindurcU^iumte. NickM roar zu hörm, als ba* -sausen des Windes ^a ... ein fernes, langgezogenes herauf^' über deittlrch vernehinbar, scholl aus dein Wässer . „Wer ist da ^ rief Hinnerk und zerrte an dem Jälltau. .Lauf Hinnerk, m der Eombifte liegt 'ne Strickleiter, — bring sie kr!" __r^u w-ar fort und Mrück in einenl Nu. Tie Strickleiter Bord Uiid während .Hein, sich noch an den Anker-! stutzen seitt,lotete, Iieg er ichon über die Reeling und vorsichtig die schaukelnden stufen hmab. In der: dichten Schnoewirbelu verschoano er. Eine Weile rührte sich nichts dort unten. „Hem!" rief Hinnerk lnn-ab. Ta tauchte er wieder auf. sich mühsam an der: heftig schlingernden Tauen :m Gleichgeivicht haltend. Im rechten Arm trug, er em weißes Bündelchen, mit dem linke:: mrd den Zähnen, arbeitete er sich nach oben Endlich konnte ihn Hinnerk am Rock» kragen^ fassen :md ihn n:tt seiner herkulischen Kraft an Bord lieben. „Js'n Boot von wer englischen Fischersmak," stotterte Hem keuchend mt Reeling lehrreich „Weißt, hat 'neu Briganker vor über Bord hängen und hat sich der doch im Vor bei treiben' Z JrvJS E fe ? ^^eme verfangen und eingedreht, daß er nicht mehr los konnte unb das Boot mitgesMeppl worden ist." getrieben ist. Mer halt die Laterne hoch, Hinnerk haben . " und damit bechnrn ei al^uMen ^ ie ^ ^genstand auf fernem Arm umhüllten, hob die Laterne m die Höhe, und wie Hein die Hütten Ä erschien Mischen den Falten das Wpfchen eine-. Kindl^nis. Eines rosigen Kuchlerns, das ganz ruhig, mit erstaunten, großen Augen in das Licht starrte. «. Kind!" riefen beide wie aus einem Munde, r^ort ick^b lerne, breite Gestalt schützend vor den Sturm und fPraMoS auf das kleine Wunder. „Lag' unter'.:: nmge- HSLf 0 ^ erzählte Hem. „war ganz geschützt, ist ihm nichts geschahen! — — schreit nicht mal mehr! Mer da wird's ihm nicht ^„/UN; wollen es zun: Alten bringe::, der ftat's warm und mollig vi seiner Kabine. Zum Käpt'n, zum Käpt'n!" Und !t>;e zwei Bären, die ihr Junges mit ihren gewichtiger Körpern gegen Unbill schützen, staMen sie über das schneeglatte Inder KapitÄrskabine stand ein winziges Tannenbäumchen n ^kÄg-rünem Nadelkleide auf dem Tisch. Fünf oder lechs Umschlittttrzen steckten schuf auf seinen Zweigen und ließen ihre rötlichen Fstammchen >unr:rhig flackenid hin und her wehen. Taueben, hatte der Steward aus Kisten und Brettern eine Slpt Gabe:ttisch anfgebaut. von weißem TiMnch überdeckt. m:d mar jetzt beschäf- ttflt, leine Geschenke, wre sie der Seemann nützlich findet, darauf hiuzubretteii. ^a loarcn Päckck^n mit Tabak. Pfeifen, handfest nrch schwül rn dem engen Raiim, der eiserne Ofaz rm Winkel» glühte :md zischte. . Kppitän Gäsche klappte das Logbuch, in bas er seine Ein- tragmise« gemacht hatte., zrn „Klingel sie rein, Stsoarb." sagte er, sollen reinLimmcit die Jnngeii, batz sie 'nen jvarmen Sü^tck m den Leib kriegen!" b-. /Eau? draußen der schrille Ruf der Klingel, der selbst ba* Heulen d^s Sturmes Abertönte. Tann gab es ein scharren draußen :m Gang, — eilt Rauschen mtb Murrnela^ -Mid, ««tet Jtsloiäfeiüt, bie Tür schwang weit aus mtb herein Es» ? t x , ^ ft 5 aft $«* -v^f» .Si'trichS". Eine SlWc von Viaf c, Tabak- mtb Oelgmmch ,chlng aus, ste schichteten ihre llobigen ÄLÄ2^'' rickrt sich verlegen Kinn mtb Nase luaib jliu 1 ia ou '' iülllt ftorctc unb stockte bte Masse - es 540 Kapitän Göfche sehnte an der Kabinemvmck». „Leinte," sagte er in seiner barschen, kurzatmigen Art, „Hab' euch rufen lassen. Wollen Weihnachten feiern, so gut, wie's eben gehen mag. Bin zufrieden mit euch, —- immer stramm beim Block und brav gewesen, — bin zufrieden. $>al>' euch da i>o ein bißchen hingelegt, — wie ihr's brauchen könnt, - kein Spielkram. Ist nicht viel, — aber es ist gern gegeben, Leute, von Herzen gern." Sie standen wie die Mauern, unbewegt, als ivaren ihre Ohren verstopft Ihre flackernd«: Blicke irrten über die niedere Tccke. über den glühend«: Ofen und den Sextanerßasten an der Wand. Wie eine aufquellende Masse sck^ob es sich, —- und drängte znrück. Keiner sah dem Kapitän ins Auge, keiner trat dar, [eine Gabe in Empfang zu nehmen. „Sind schüchtern, die Jungen," sagte Kapitän Gösche mtt einig,'r Ungeduld, „sind lveiß Gott schrickstern, wie die Pastorentöchter. Gib's ihnen, Steward, steck' es ih::en in die Taschen, den schüchternen Bi erschein." Ter Steward mrtzm eine der Pfeif«: und wollte sie dem Nächstflehenden ins Wams schieben. Ter zuckte zurück, die Pfeife fiel polternd zu Boden. Eine Totenstille folgte auf diesen Fall. Draußen hörte man das Rauschen und Roll«: der Wogen, es sckj-urrte und klatschte an den Planten hin. Ter Wind wimmerte über ihren Köpfen, — die Lampe zischte ... . „Was soll das heißen, Leute?" fuhr der Kav:tan auf und sah zornig von einen: zum andern. „Meint ihr. ich steh hier Ivie 'n Narr und ivart', bis es eudj gefällig ist? Wollt ihr mir sagen, was los ist in euren Strohschädeln oder nicht?" Tie schwer«: Leiber preßten sich enger zusam:nen. Endlich crnetjchte sich der Keine, ladergesichtige Johnp heraus und stolperte vor. Er schlingerte auf gespreizten Beinen nick) bohrte die Fauste in die Taschen. „Käpt'n," begann cr unsicher, „will's euch sagen, was los ist. Sind sozusagen falsch, die guten Jungen, daß sie hier rum» schwimmen muss«:, — haben Feuer unterm Schädeldach,— möchten Rauch und Flammen spucken! Sagen, sie hätten int Hafen liegen können, ruhig und gemütlich — wenn der Käpt'n, — inernt der Käpt'n nur gewollt hätte . . . ." „Was ist das?" donnerte der Kapitän Gösche ifym in die Rede, braunrot im Gesicht. „Vorschriften, — mir? Lehren intb Vorwürfe — mir? Ist euer bißchen Gehirngrntze vom Schnee so verwässert, daß ihr toll geworden seid? Toll wie Hunde, die ich peitschen lassen werde? Packt «uh. — Steward, schmeiß den Kram in den Ofen, und denen da kein Abendessen, — nichts ! Hinaus! Fort?" Ein grimmiges Rauschen ging durch die Reihen. In die Ecke preßten sie sich hinein, und standen dort geduckt, mit keuchendem Atem, — glühende Blicke suchten d«: Kapitän. Flüche und dumpfe Trohlaute grollten über die Lippen, — hie imb da suchte eine Hand in der Tasche. „Hinaus?" schrie Kapitän Gösche, ,pder . . . In d:ejen: Augenblick wurde die Tür heftig aufgestoßen, zwei fchneebelabene, zyklopische Gestalten z-wängten sich hinein. Sie rangen sich durch den Haufen, Sie Ellenbogen ^ breit 'gespreizt, stampfend Nn'e 'Flußpferde. Bor den 'Kapitän pflanzten sre sich bin und Hein Hub ein kleines Bündel empor ii: oen Lichtschein, und aus dem Bündel guckte ein Kinderköpfchen heraus, ganz licht» und pftaumenzart. mft einem Stumpfnäschen und dunklen, fragenden A:>gen. „Nanu?" stammelte Kapitän Gösche ganz perplex. „Was sind das für Narrenstwssen? Gehört ihr cnvch itfit zu denen da? Schämt ihr euch nicht, Hinnerk, mit der Bande da Halbpart zu machen? Mit den hirnverbrannten Tölpeln . . . und die müh- san: zurückgedämmte Wut flammte ckufs neue 'in :b:ea auf. Aber Hinnerk ließ ihr keine "Ijeit zu nr-tm "Ausbruch Mit schnellen und klugen Worten erzählte er Pen fungren 'Vorfall, wie sie da^ Kiird aus dem Boote gerettet hält«:. Tobe: re^te sich seme Gestalt und seine Augen suchten hell und gerade die des Kapitäns. „Und," so schloß er, „ein kouragierter, drolliger Balg ist's!" Ja, da hatte er nun recht? Me das Kindlein die Lichter am Dannenbaum erblickte, verwandte es kein 9thvy: von timen, und ein köstlich feines Itot stieg in seine Wangen. Er.' Händch«: hatte es los gearbeitet aus den Tüchern und schlug damit täppisch auf und nieder. „Da, da," lallte es und zeigte zwei wfttzige Zähnchen. „Ta, da ... / Wie auf einen Zauber schlag hatten sich die verzerrten Gesichter der Seeleute geglättet. Ter dumpfe Grimm glitt ab von den kühnen, brcumen Zügen, die geballten Fäuste lösten sich*Sie dräng- t«: sich herzu, mit ungläubigen, verdutzten Augen auf das Zkindchen sehend und eifersüchtig jede seiner Bewegung«: verfolgend Ter Steward hob eine der Pfeifen «npor und ivollte sie ihm zwischen die Fingerchen schieben. Da stieß es einen hohen, ärgerlichen Schrei aus. „Ta, da," machte es urrd strebte dem Gabentisch zu und wies mit den Händch«: hin. ..Da, da . .. ." Und wie das Kindchen so d«:tete uno lallte, >oandt«: sich aller Augen dem Gesck)enktisch zu. Und jetzt erst sahen sie die guten, nützlichen Sach«:, die dort hingebreitet ivaren, — die tülistigen Pfeifen und Messer, — die lockenden Tabakpäckchen. Wirklich seine Sack)«:. — wären schm: recht, — wären schon recht. Einer trat herzu, drehte en:s der Messer zwischen den Fingern, bnimmte:ntb schnaubte und sck>ob es in die Tasche. Ern Zweiter folgte, — eilt Dritter. Im Han du indrehen war der Tisch leer. Sie lacht«: verlegen und doch trotzig, räusperten sich geräuschvoll und drehten sich zur Tür. Ta aber schnellte es den kleinen Iohnp vor. als flöge er aus einem GesckKtzlauf. „Ich bedank' mich a::ch recht schön," schrie es förmlich, heraus mrs ihm, als würde eine Breitseite abgefenert. Kapitän Gösckje lachte schon wieder. „Ist gut, Leute," fapte er, „weiß, itwir nur 'n Affen streich. Seid doch brav, — ja, sag's euch, seid braves Scepolk, habt den echt«: Sal-geschmack, Leute? Irnmer aufrecht mW treu, Mannen, und wenn ihr kieloben geht? Ter Steivaro soll «uh 'neu warmen Schliuk brauen, — und gute Weihnacht«: miteinairder!" Trauß«: wandten sich die Köpfe nochmals nach der offenen Kabinentür znrück. Ter ..Alte ließ das Kindchen in seinen Armen tanzen, daß es hell aufjamlnte. Ta brach es loS, das lockersitzende Lachen, befreiend, rauh und urkräftig, daß es den Sturmwind beiseite schleuderte. Hinnerk trat zu den: Mamt am Ruder heran. „Laß mich ran, Willem," sagte er, „mach dich fori zu d«: andern. Und das Kind- ch«:, — das sag ich dir, — ist 'n pi'kfeiner Beirgel, — 'rt ganz drolliges Würmchen." „Was schätzt du da?" stotterte der andere, ihn verblüfft an- sehcnd, „das Kind — )vas für'n Kind?" „Wcks für'n Kind?" brüllte Hinnerk ihn an. „Fragt da am Heiligabend, was für'n Kückchen?" :rnd zornig stülpte er dis steifen Fäustlinge über und packte in die Speichen. Tas Deck war halb im Schnee begraben. Der Sturm schwang ivoch immer seine hageren Arme wie ein armer Toller. Aber unter Hrnncrks eisernen Fäusten ging das SUff schärfer in d«: Wind, es streckte sich wie ein Reimpferd beim finijlj, es ruckte, biß sick) ein, bohrte sich beharrlich durch den stäubeirden Gischt. Grade in die Zähne des Sttrrms rcmg es sich vor, — grade in die Zähne- Um Mitternacht trat eine kalte, rasche Stille ein. Die wüsten Wolk«:ballen -er kl afften von oben bis unten, rollten zur Seite und in der Lücke stand ein Stern. Still und gütig, — feierlich und friedvoll ... ein Stern. Gleßeuer Hausfrauen-Berein. Kochanweisungen. Schweinefleisch mit Merrettich. Ein Stück Schweinefleisch wird gekocht und wenn es weich ist, nimmt man einen Teil der Brühe zur Tunke, mischt sie mji: Essig nach Geschmack und laßt dies nockimals mit in geschnittenen Zwiebeln au stochen. Ta:m gibt man geriebenen Merrettich txmt, der nun noch mit ziehen darf, schüttet das Ganze auf das in Schreiben ge-, sckinittene Fleisch auf ^ine flache Schüssel jmd läßt's im Rohr noch einmal heiß u>erd«r Kalbfleisch mit gelben Rüben. Zwiebel nnd Mehl werden in Fett gedünstet, mit Wasser aufgefüllt. gesalzen und in dieser Tmcke Kalbst«schwürfel von frischen: Fleisch weichgetockjt. Gelbe Rüben schneidet man nicht zu.fein, kocht sie ebenfalls mit Salz und etwas gerösteter Zwiebel weich. Dann mischt inan beide Gerichte durckMnander mck> läßt sie rvoch einmal aufloch«:. Kartoffelgemüs^. Kartoffeln werde:: gSöocht, geschält, in Scheiben geschnitten und in eine Mehl tunke getan. Alte Kartoffeln müssen noch eirimal tüchtig darin d:n Wochen. Tann lnischt man in Sck^eib«: geschickttene und ivach Bckbarf geschälte Salz- oder Essiggurken und gehacktes Fleisch danmter, das vorher mit Ztoiebel und Salz etwas angedämpft wurde. M i-lchkon fekt. V 8 bis V 4 Pftmd Butter wird schaumig gerührt, 3 Dotter, 1 Pftmd Zucker, 2 Päckck,en Banilleuzucker, 10 Gramm Hirschhornsalz und zuletzt der Sch.we der drei Eftoeiß dazugogeben mid alles zusammen Vr Sttmde gerührt. Dann krmpp V» Sclroppen Milch» 11:16 2 Pftmd Mehl damit verarbeitet und den Teig einige Stunden stel-snM'lassan Dann bearbeitet inan ihn nochmals, tut nach BÄarf naxfj Mehl dazu, vollt aus und Acht Formen aus, die man bei mäßiger Hitze bäckt. Das Bloch darf nur wenig geschmiert Werder:. Festratsel. Du bist das Ein« so wie ich, Und stolz draui sind wir flcherlich. Das andere waren wir beide. Das Ganze kommt von: Himmel her, Es kündet uns holdselige Mär, m rahlengewebten Kleide, tit Sternen als Geschmeide. (Auflösung in nächster NummerI. Auslösung der Charade in voriger Nummer: Streichholz. Schrfftleitung: W. 'Meyer. — Zwillingsrnnddntck der B rü h l'schen Un'v.-Bttch- und Steindruckerei. 01. 2 a 1 : n c, Gießen.